Hinweise zum Finden der Mundartwörter

(Anordnung u. Gestaltung)

Es können bei der Aufzeichnung von Mundartwörtern drei Arten der Dialektschreibung verwendet werden. Die einfachste und nachvollziehbarste für die Mundartkenner ist die, wie sie hier im Wörterbuch und von vielen Mundartschriftstellern benutzt wird. Da es keine rechtskräftigen Regeln, sondern nur Empfehlungen für die Mundartschreibung gibt, kann die Schreibweise aber unterschiedlich sein.
Als Grundprinzip gilt dabei, dass die Abweichungen von der Schriftsprache markiert, aber das Schreibmuster der Schriftsprache beibehalten wird.

Mundartschreibung

Schriftsprache
Pappe
Brühkartoffeln mit Teich
Gattung: wilde Kinderschar
schlabbern: schlemmen
schlottern, zu weit sein
Tülle: Gießkannenbrause
Dill: ein Würzkraut
Radebere: Schiebekarren
Brauer
sagen
gähnen
geben
Samen
Saum
walken, rollen

empfohlene
Poappe
Teichlmauke
Goatche
schloabbern
schloappern
Tille
Dille
Roaber, Roawer, Roaper
Bräuer
soin, soan, soarn
gahn, gahnern
gan oder gaan
Som
Soom
wälkern, wälgern

nicht empfohlene
Boabbe
Deich´lmauke
Goadche
schloappern
schloabbern
Dille
Tille
Roa´ber´
Broier
seun, säun
gan, gaan, ganern, gaanern
gahn
Soom
Som
welkern, welgern

Hin und wieder ist die mit dem Mundartwort verwandte hochdeutschen Form unbekannt, umstritten od. gar nicht vorhanden. In diesem Falle wird sich in diesem Nachschlagewerk nach der Schreibweise gerichtet, wie sie im „Wörterbuch der obersächsischen Mundarten“ oder von den meisten Oberlausitzer Mundartschriftstellern verwendet wird. Der Duden schreibt für `Vertiefung´ Delle vor. Leitet man das Wort von einem kleinen Tal ab, wäre de Schreibweise Tälle richtiger.
Häufig sind mehrere Schreibweisen möglich, z.B. Teebs und Deebs, braajgln und praajgln, Gapse und Gabse, grätch und krätch. Für `voriges Jahr´ bieten die einzelnen Schriftsteller folgende Schreibmöglichkeiten an: faartn, fahrtn, fahrtn, vaartn, vartn u. vahrtn. Die mundartlichen Formen von „Töpfer“, „Löffel“ und „Böcklein“ kann man sowohl Tepper, Leffl und Beckl als auch Täpper, Läffl und Bäckl schreiben. Im Wörterbuch findet man sie unter der e-Variante. Bäckl ist zusätzlich auch das Diminutiv (Verkleinerung) von Backe.
Wenn der Leser das mundartliche Sachwort unter t, p, k (stimmlose/harte Konsonanten) oder f nicht findet, dann sollte er bitte unter d, b, g (stimmhafte/weiche Konsonanten) od. v nachsehen oder umgekehrt.
Sucht der Leser das Wörtchen diddn `blasen, schreien´, dann findet er es unter tittn, weil es sprachlich verwandt mit tuten ist. Silln od. soalln `sollen´ ist unter dem Stichwort sulln zu suchen. Steht in der hochdeutschen Form des Mundartwortes in der ersten Silbe ein a od. o, dann ist in der Mundartform ein oa, oaa, o, a od. u zu erwarten, z.B. `Strahwalde´ Strohwaale, Stroahwaale od. Strahwaale, `Jahr´ Juhr (Südlausitz), Johr (Westlausitz) od. Joahr (Neulausitz), `Lorbeer: Kaninchenkot´ Lurber od. Loarber, `widerspenstig´ kurande, koarande, karande, `Advokat´ Uffgoate od. Oaffgoate.

Die lautlichen Unterschiede zwischen den Dörfern beeinträchtigen die Anordnung der Stichwörter stark. Zum Wörtchen `Kirmes´ sagen die Süd- und Ostlausitzer Kirmst und Kurmst, die Westlausitzer Koarmst und Kormst und die westlichen Südlausitzer um Neukirch Kermst und Karmst.
Damit dieser Begriff nur einmal im Wörterbuch erscheint, müssen sich alle Lautformen dem Südlausitzischen unterordnen. Kermst ist also unter Kirmst, Stoarze unter Stirze u. hinger od. hinner unter hinder zu finden. Den Südlausitzer Lautformen folgen in der Reihenfolge Westlausitzer, Ostlausitzer, Nordböhmische und Schlesische.
Da auch die Ortsmundarten in der Südlausitz voneinander abweichen, wird die Lautform von Obercunnersdorf zum Stichwort, gefolgt von einer aus dem Oberland. Es folgen die aus der Ost- u. Westflanke, dem Zittauer Gebirge, aus Seifhennersdorf u. Schirgiswalde u. der östlichen od. westlichen Kürzungsmundart. In Obercunnersdorf wird diskeriert `erzählt´, d.h. das Dischkeriern oder Dischkuriern der benachbarten Gemeinden ist unter diskeriern zu suchen. Anwand, Oanwand, Oannewand od. Oaamerd sind unter der Oberländischen Form Oaanewand `Pflugwende´ und Schaukl, Schauke, Tschaukl od. Zauke unter Tschauke `Maiglöckchen´ zu finden.

Bei Wörtern, die es in der ganzen Oberlausitz gibt, sind die beigefügten Beispielsätze, Redewendungen u. Sprichwörter in Oberländischer Mundart verfasst, zu denen u. a. die Ortssprachen von Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Neugersdorf, Lawalde, Cunewalde und Oppach gehören. Ist das Wort auf einige wenige Dörfer begrenzt, dann wird auch im Beispielsatz die dortige Ortsmundart verwendet. Das Sachwort Giebe `Haspel´ gibt es nur in der Westlausitz. Deshalb lautet auch der Beispielsatz so: Nabm Baandstuhle staand´s Treibe- und Spulroad met dr Giebe ond dr Schärloatte. So würde kein Südlausitzer sprechen.

Bei Ortsnamen gibt es eine Ausnahmeregelung. Der Ort selbst oder die Region in unmittelbarer Nähe stellen mit ihrer mundartlichen Form das Stichwort. So sind Görlitz nicht unter Gerlz (Südlausitz), sondern unter Gerltsch (Ostlausitz), Königsbrück nicht unter Kienchsbrick, sondern unter Kinnsbreck und °NOL Königshain nicht unter Kienchshoajn, sondern unter Kingstn zu finden.

Vom Süden nach Norden wird zunehmend aus dem pf ein f. Im nördlichen Teil der Oberlausitz spricht man von Faffer, Fard und Flaume, im Süden Pfaffer, Pfard und Pflaume.
Die mittleren, nördlichen und östliche Teile der Ostlausitz haben nicht das Endungs -lch beim hochdeutschen -lich. Hier heißt es nicht triebetimplch, sondern triebetimplich. Im Osten des Untersuchungsgebietes ist im Vergleich zum Oberland ein r-Schwund vorhanden. Aus dem Südlausitzer dr (drr) wird im Ostlausitzischen ein doa (kurzes oa), doaheeme statt derheeme, doa Moan statt dr Moan, do kimmt a statt do kimmt´r. In der alten Seifhennersdorfer Mundart steht für `er´ ein klares a, daheeme, da Moan. Diese Vielzahl von lautlichen Unterschieden ist auf Grund der begrenzten Seitenzahl des hier vorliegenden Oberlausitzer Wörterbuches nur im seltensten Falle aufgeführt.