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  1. Allgemeine Regeln

Allgemeine Regeln der Schreibweise in Oberlausitzer Mundart

1 Allgemein

1.1 Grundprinzip
Die Mundartschreibung markiert die Abweichung von der Schriftsprache, hält aber ihr Schreibmuster bei, z. B. kaufen - keefm, nicht kehfm, Sack - Saak, nicht Saag. Hin und wieder muss vom Grundprinzip der Mundartschreibung abgewichen werden, damit keine Verwechselungen mit der neuhochdeutschen Schriftsprache auftreten. `Ich fahre nach Neugersdorf ´ heißt auf oberlausitzisch: Iech foahr uff, noa od. noch (gedehntes o) Gierschdurf. Da es in der Standartsprache das Wörtchen noch (kurzes o) gibt, empfiehlt sich folgende Schreibweise: Iech foahr nooch Gierschdurf.

1.2 Apostrophe stören das Wortbild.
Man setzt sie nur, wenn das Mundartwort keinen Vokal aufweist: da habt ihr es - do hoatt ´r´sch! Sie lässt sich nicht schmeißen - se lässt´ch ne schmeißn, aber Schießen - Schissn, nicht Schiss´n, Häuschen - Häusl, nicht Häus´l.

1.3 Um unklare Wortgebilde zu vermeiden, sollte man auf eine Verschmelzung zweier Wörter verzichten:
brauchst du - brauchst de (gesprochen brauchste).

1.4 Mundartwörter, die das verwandte hochdeutsche Wort kaum noch erkennen lassen, schreibe man möglichst lautgetreu.

2 Selbstlaute (Vokale)

2.1 Entsteht aus einem Doppellaut (au, äu, eu, ei) oder einem kurzen Vokal im hochdeutschen Wort ein langer Vokal in der Mundart, dann kennzeichnet man diese Dehnung durch Verdoppelung des Vokals: Frau - Frooe, Bäume - Beeme, beugen - beegn, scheiden - scheedn, Falte - Faale, Topf - Toop, davon - dervoone, dervoont, dervoo.

2.2 Befindet sich im hochdeutschen Wort ein Dehnungszeichen, dann wird dieses auf die Mundartschreibung übertragen: sehen - sahn, mehr - mih (nicht mieh), gehen - gihn, ziehen - ziehn, froh - fruh, Klee - Klie, Waage - Wooge.

2.3 Nach einem langen Vokal entfällt im Mundartwort eine Mitlautverdopplung: Bock- Book, Brett - Brat, voll - vul oder vuhl, Pappel - Poapl, Kratzbeere - Kroaazbeere (Brombeere) oder Kroaazbäre.

2.4 Entspricht ein langer Vokal im hochdeutschen Wort einem langen Vokal im Mundartwort, dann gibt es auch hier keine zusätzliche Längenbezeichnung: geben - gan, da - do, legen - län, Rose - Ruse. Ist die Herkunft des Mundartwortes nicht auf den ersten Blick zu erkennen, kann man auch Ausnahmen machen, um die gedehnte Aussprache anzuzeigen: Bosheit - Buhst, Rosenthal - Ruhstl.

2.5 u und ä werden auch in der Mundart nicht verdoppelt. Die Dehnung wird durch h gekennzeichnet: Busch - Buhsch, er schoss - a schuhß, freuen - frähn.

2.6 Wenn aus einem langen Vokal des hochdeutschen Wortes ein kurzer im Mundartwort entsteht, dann wird das durch Verdoppelung des folgenden Konsonanten ausgedrückt: gut - gutt, werden- warrn (gilt nur für das Oberland), Füße - Fisse, einer - enner, er redet - a redd, er beißt - a besst. Für zz wird tz u. für kk wird ck gebraucht: dreizehn - dretzn, nur - oack, ock, ack. Eine Verdopplung von ch tritt nicht auf, obwohl in hicher `höher´, Schicher `Schuhe´, suchn `suchen´ und puchn `pochen´ die Vokale kurz gesprochen werden. nu `hm, ja´ und nu `nun´ unterscheiden sich in der Länge des Vokals u, aber nicht in der Schreibweise. Die Aussprache richtet sich nach der Bedeutung des Wortes im Satz.

2.7 Der mundartliche Laut aaj wird gedehnt gesprochen: schlecht - schlaajcht, die Wagen - de Waajne, Sense- Saajnze, gestern nacht - naajchtn.

2.8 Der mundartliche oa-Laut, der als ein Laut gesprochen wird und im Klang zwischen o und a liegt (dunkles a), tritt kurz und lang auf. Entsteht aus einem langen a des hochdt. Wortes ein kurzes oa im Mundartwort, dann wird der folgende Konsonant verdoppelt: haben - hoann, waren - woarrn. Entsteht aus einem kurzen a des hochdeutschen Wortes ein gedehntes oa im Mundartwort, dann schreibt man oaa: das - doaas (gilt nicht für die Westlausitz), daran - droaa, ankommen - oaakumm, Garten - Goaartn, Kratzbeere (Brombeere) - Kroaazbäre. Entspricht der Längenwert des Vokals im hochdt. Wort dem Längenwert des oa im Mundartwort, dann schreibt man oa: Faden - Foadn (gedehnt), Gras - Groas (gedehnt), noch - noa (kurz), doch - doa (kurz), Glocke - Gloacke (kurz).

2.9 Enthält das hochdt. Wort keinen eu- oder äu-Doppellaut, dann wird der gleichklingende mundartliche Laut oi geschrieben: fragen - froin, tragen - troin, gescheit - geschoit, er zieht - a zoigt, er schiebt - a schoibt, aber: heute, heuer, Mäuse, Bräutchn. Ist der Laut aus dem hochdt. au entstanden, empfiehlt sich die Schreibweise äu: Maurer - Mäuer, Brauer - Bräuer, kauen - käun.

2.10 Der besonders im Oberland beliebte gedehnte mundartliche eu-Laut wird oaj geschrieben: Wagen - Woajn, Hagebutten - Hoajnebuttn, Ottenhain - Uttnhoajn, er riecht - a roajcht (Oberland).

2.11 Der kurze mundartliche oaj-Laut wird der Einfachheit halber und zur Unterscheidung vom gedehnten in 2.10 oa geschrieben: leuchten - loachtn, Beutel - Boattl, er riecht - a roacht (Zittauer Gebirge).

2.12 Bei der Endsilbe -el und -en wird das e vom Mundartsprecher verschluckt. Man setzt keinen Apostroph: Rädlein - Radl, Häuflein - Hoaffl oder Heffl, machen - machn, laufen - loofm, leben - labm. Im Gegensatz dazu wird das verschluckte e in der hochdt. Endsilbe -er beim Mundartschreiben nicht gestrichen: Räder - Rader, Brüder - Brieder. Das gilt auch für die Vorsilbe: daheim - derheeme, erwischen - derwuschn. Lediglich das unbetonte männl. Artikelwort der wird in der Mundart so geschrieben, wie es gesprochen wird, nämlich dr: der Mann - dr Moan.

2.13 Fällt in der Mundart die gesamte Endung weg, dann wird sie auch nicht geschrieben: hinten: hinn(e), schinden - schinn, Bienen - Binn, zu meinem Bruder - zu menn Bruder.

2.14 Die Endsilbe -ig wird im Mundartwort zu -ch und -lich häufig zu -lch: richtig - richtch, putzig - putzch, neugierig - neuschierch, erbärmlich - derbarntlch, herrlich - herrlch. Im Ostlausitzer Mundartgebiet ist diese Abschwächung weniger ausgeprägt als in der Süd-u. Westlausitz, deshalb kann das Wort toatterch `tattrig, zittrig´, auch toattrich geschrieben werden.

3 Mitlaute (Konsonanten)

3.1 Die Mitlaute p und t werden als An- und Endlaut wie im hochdeutschen Wort wiedergegeben, obwohl sie in der Mundart häufig stimmhaft (weich) gesprochen werden: bummeln - poampern (gespr. boambern), mit der Puppe spielen - pippln (gespr. bibbln), Pumphut - Pumphutt (gespr. Bumbhudd), Tatterig - Toatterch (gespr. Doadderch), Turmtür - Turmtiere (gespr. Durmdiere). Mittelständig kann der Konsonant ausnahmsweise stimmhaft geschrieben werden: Eltern - Eldern, unter - under, Mittwoch - Mied(e)wuche, konnte - kunnde.

3.2 In Abänderung zur bisherigen Schreibweise wird in diesem Nachschlagewerk das auslautende, in der Hochsprache stimmhafte, aber in der Mundart harte -ng durch Anhängen eines - k gekennzeichnet: Ring - Ringk, Pfennig - Pfenngk, genug - genungk.

3.3 st am Wortanfang bleibt auch in der Mundartschreibung st, obwohl es scht gesprochen wird: stehen - stihn, Stall - Stoal. Das hochdeutsche rst wird dagegen in der Mundart zu rscht: erst - irscht, Bürste - Birschte od. Birrschte.

3.4 Abweichungen vom hochdeutschen Mitlautstande sind anzugeben und Übergänge in andere Mitlaute darzustellen: bange - bande, heiser - heescher, unbändig - imbändch, trocken - troige. Johannis, Johannes - Gehoanne.

3.5 Um die Lesbarkeit nicht zu erschweren, bleiben die Nebentöne u. Gleitlaute unbezeichnet: buddeln, nicht bujttln, Lehrer - Lährer oder Lihrer, nicht Liährer, geht - giht, nicht gihrt.