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  1. Z

Za

zach (kurzes a) Adj. Westlausitz `geizig´; doas is a zacher Karle.

Zäcker siehe Zäker!

Zädl siehe Zettl!

zage Adv. selt. `zaghaft´.

Zähnangst
f. `Zahnschmerzen´. Lautf.: Zoahnangst.

Zähnausreißche
f. `Zahnziehen´; murne sull´ch zer Zähnausreißche kumm. Lautf.: Zoahn-, Zähn-, -ausreißche, -ausreiße.

Zähndukter m. siehe Zoahndukter!

zähln unregelm. V. iech zähl(e), du zählst, iech zählte od. zahlt(e), iech hoa gezählt od. gezahlt `zählen´; a hoat oack bis dreie gezahlt.

zahne Numerale `zehn´; keene zahn Pfare brengn miech zun Weißwurschtschwoger.

Zahnerlee n. Cunewalde, Bihms Koarle, Schirgiswalde `Zehnerlei (eine Einreibung): zehn verschiedene mit Alkohol aufgesetzte Kräuter´; Zahnerleetruppm.

Zahnpfennger m. `Zehnpfennigstück, Groschen´.

Zahntl n. `Zehntel´. 1. `der zehnte Teil von etw.´; wenn do dervoone a Zahntl stimmt, is is vill! An sibzcher Zahntl `in den siebziger Jahren´. - 2. `zehnjähriges Jubiläum, runder Geburtstag, Jubiläum mit einer Null an zweiter Stelle´; de Oaadrähern hutte a Zahntl `die Arbeitskollegin, die in der Weberei andreht, hatte einen runden Geburtstag´; mer gihn zu ann Zahntl `wir gehen zu einem runden Geburtstag´.

Zäker m. 1. söSüdlausitz, Zittauer Gebirge, sOstlausitz, Wittgendorf, Oderwitz `(sackähnliche, lang herabhängende) Tasche im Frauenrock, (die nicht aufgesetzt ist)´; se stackt´ch doaas Wischl a ihrn Zäker; auch Zäkerch od. Zäckertoasche. - 2. Nordböhmen `Schultasche der Kinder; Werkzeugtasche der Handwerker´. Lautf.: Ziäker; Zecker Dittelsdorf, Ostlausitz, Tschäker, Zeeker Nordböhmen.

Zäkerhosn Pl. `Hose (für Männer) mit Tasche´. Lautf.: Zäckerhosn Anton.

zäkern swv. 1. Obercunnersdorf, Bihms Koarle, Jonsdorf `ziehen, locken, mit Worten jmdm. etw. aus der Tasche ziehen´; miech mit neizäkern `mich mit hineinziehen´, enn mitzäkern `jmdn. mitnehmen´. - 2. `zanken´ Nordböhmen. Lautf.: zeekern, zeckern Anton.

zampern swv. nOstlausitz, nNeulausitz `zempern´. 1. alte Form `das Herumziehen von jungen Leuten zur Fastnachtszeit mit Musik durchs Dorf und das Erbetteln von allerlei Gaben, die anschließend im Wirtshaus verzehrt werden´. - 2. neue Form `das Herumziehen von zur Fastnachtszeit verkleideten od. am Gründonnerstag unverkleideten Kindern von Haus zu Haus und das mit Sprücheaufsagen Erbitten von Gaben´, auch battln u. fechtn. Siehe Foaasnacht u. Grinndurschtch!

zanger Adj. Süd- u. Ostlausitz `zart (Körperbau bei Mädchen), schmächtig, schmächtig, kümmerlich, abgezehrt, schwach, unterentwickelt, schmalwangig´; ver dann zangern Dinge hoann mer´ch ne gefurrt.

zängs(t) siehe zengs!

Zängs(t)naus siehe Zengsnaus.

Zank-Ä n. verstr. dass. wie Teifls-Ä. Lautf.: Zankei.

Zankeisn n. selt. Süd- u. Ostlausitz `zänkischer Mensch´.

Zankfader f. verstr. Cunewalde, Ost- u. Westlausitz `Zankfeder: abnorme, ganz bes. fein u. durchsichtig gebildete Gänsefeder´, sie wird leicht struppig, wird beim Schleißen ausgesondert, da sie, als Bettfeder verwendet, Zank zwischen Eheleuten heraufbeschwören soll´.

Zänkl
n. 1. `kleine Zacke (an Uhrrädern), Zacke der Zähne des Kammrades am Handwebstuhl´. - 2. übertr. `kleines Stück, beinahe´; a Zänkl `ein bisschen, ein wenig, eine Kleinigkeit´; is muss a jeds a Zänkl zerickesteckn; iech hätt´n im a Zänkl derwischt; ´s gitt mer a Zänkl besser. Lautf.: Zankl Seifhennersdorf.

zänklweise Adj. `stückweise´.

zankn swv. 1. `sich mit jmdm. ernsthaft streiten´; ees oalleene zankt´ch ne gutt. - 2. intrans. `über jmdn., über etw. schimpfen´; de Mutter hoat mit mir gezankt.

Zankteifl m. umg. `Zankteufel: zänkische (weibl.) Person´.

Zäpl (gedehntes ä) m. verstr. wSüdlausitz, Westlausitz `langaufgeschossener, ungelenker Junge´; su a grußer Zäpl und giht noa ne in de Schule! Lautf.: Zäbl.

Zäplch (gedehntes ä) m. wSüdlausitz, Westlausitz dass. wie Zäpl.

Zappl siehe Zoappe!

Zargl siehe Zoargl!

zargln siehe zoargln!

zarrch Adj. `zerrig: rechthaberisch weinend, zänkisch kreischend, schreiend, gedehnt (Laute beim Sprechen), stoßweise´. Lautf.: zerrch.

Zarre f. 1. `zänkische Frau´. - 2a. in der Wendung enn a dr Zarre hoann `über jmdn. klatschen´. - b. in der Wendung sich a dr Zarre hoann `sich mit jmdm. leicht streiten´. Lautf.: Zerre.

zarrn swv. `zerren´. 1. wie litspr. `ziehen mit hoher Kraftaufwendung´; dr Hund zarrt a dr Leine. - 2a. `mit weinerlicher Stimme reden, gedehnten Tones weinen´. - b. refl. `sich zanken, streiten, necken´; unse beedn zarrn´ch ´n ganzn Tag rim. Lautf.: zerrn.

Zäschl f. `Rutschbahn aus Schnee od. Eis zum Gleiten (in Schuhen, Holzpantoffeln)´. Lautf.: Zeschl Bihms Koarle, Tschoaschl Schirgiswalde, Tschoarschl Jonsdorf, Tscheschl Nordböhmen, Zaschl, Zoaschl.

Zäschlboahne f. dass. wie Zäschl.

zäschln (kurzes ä) swv. Südlausitz ohne dem SO u. O, sWestlausitz `mutwillig mit den Schuhen od. Pantoffeln auf dem Eise gleiten, rutschen, schlittern´; mit Bratlloaatschn de Wiese runderzeschln.Lautf.: za(r)schln bzw. zerschln Großschönau, Spitzkunnersdorf, Burkau, tschoarschln Jonsdorf, Bertsdorf, tschoaschln Schirgiswalde, tschaschln, tschäschln, zoaschln Neukirch.

Zäschlloaatsch m. Dürrhennersdorf dass. wie Drohtloaatsch. Lautf.: Zoaschl-, Zaschlloaatsch.

zäterch (gedehntes ä) Adj. Süd- u. sOstlausitz 1. `sehnig, zäh, faserig, halbgar (Fleisch)´; doaas Fleesch is aber zäterch! - 2. °ZI Ebersbach `zipflig´.

zätern swv. °ZI Ebersbach `laute Töne ausstoßen´; se (Amsel) zätert rim. Lautf.: zeetern Schirgiswalde, Burkau.

Zätl m. siehe Zettel!

zatschch (gedehntes a) siehe zoatschch!

Zätsche (gedehntes a) siehe Zoatsche!

Zätscher (gedehntes ä) m. 1. Großschönau `Birkenzeisig (Carduelis flammea)´. - 2. `Flachsfink (Fringdla cannabina)´. Lautf.: Tschätscher.

Zätscherch (gedehntes oa) m. selt. Südlausitz `weinerliches Kind´. Lautf.: Zatscherch, Zoatscherch.

zätscherch (gedehntes a) siehe zoatscherch!

zätschern swv. `Ertönen der Stimme verschiedener (Finken)vögel´.

zätschn (gedehntes a) siehe zoatschn! De Oamsl zätscht.

Zaudlch m. 1. Wittgendorf, Schirgiswalde `verlotterte, heruntergekommene männl. Person, Strolch, Landstreicher´. - 2. Jonsdorf `Pers., die sich häufig, aber nicht ernsthaft zankt´.

zaudln swv. refl. Zittauer Gebirge, Schirgiswalde, Schlesien `sich streiten´; rimzaudln.

Zauke siehe Tschauke!

Zaum m. Pl. Zeeme `Zaun´; Goaartnzaum, iebern Zaum klattern. - 2. verstr. labendcher Zaum `Hecke´.

Zaumsaule f. Niedercunnersdorf `Zaunsäule: Zaunspfahl; dicke, in den Boden eingelassene Stütze (aus festem Holz, Zement od. gemauert), die Zaunsfelder tragend´.; a Wink mit dr Zaumsaule.

Zaumpfohl m. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `hölzerne Stütze eines Zaunes´.

Zaumstachete f. `Zaunstakete, schmale Zaunslatte´.

Zausl m. Südlausitz Schimpfwort `eigensinnige, unbelehrbare männl. Pers.´

ze (kurzes e) siehe zu!

Zeche ohne Genus od. f. `Zeche Moholz (Ortsteil des zur Großen Kreisstadt Niesky gehörenden Ortes Moholz im °GR)´; dar wohnt ei (dr) Zeche.

zechim Adv. `zechum: der Reihe nach, in regelmäßiger Folge, herum, abwechselnd (bei zwei Beteiligten)´; die schiebm Wache zechim; de Bulle gingk zechim. Siehe auch imzech!

Zecker siehe Zäker!

zeckern siehe zäkern!

zeebern swv. öSüdlausitz, Ostlausitz `locken´; du mit denner Turte zeeberscht de ganzn Wespm uff´m Tiesch; roaazeebern, harzeebern `herbeiziehen, anlocken´. Lautf.: ziäbern öKürzung.

Zeechn n. `Zeichen´. 1. wie litspr. Kennzeichnung´; iech hoa mei Zeechn drufgemacht `ich habe die Anfangsbuchstaben meines Namens darauf geschrieben´; a Zeechn machn `anzeichnen, wo mit dem Weben am Tage angefangen wird, um das Soll zu schaffen´. - 2. wie litspr. `Gebärde, Geste, Laut als Hinweis, um jmdn. auf etw. aufmerksam zu machen´; wenn se kumm, gibbt mer a Zeechn! - 3. `ungünstiges Anzeichen, das auf etw. Künftiges hindeutet; böses Omen´; dr Seeger is stihn gebliebm, doaas is kee gudes Zeechn `die Uhr ist stehen geblieben, da ist etw. Negatives vorgefallen´.

zeechn swv. `zeichnen´. 1. `etw. mit einem Zeichen versehen, kennzeichnen´; se zeechte ihre Wäsche. - 2. verstr. Südlausitz uff woaas ne zeechn `auf etwas nicht eingehen, reagieren´.

Zeeker siehe Zäker!

zeekern siehe zäkern!

zeem `swv. 1. `zäumen: Zäume (über den Kopf und ins Maul von Zug- u. Reittieren gelegte Vorrichtung aus Riemen und Metallteilen zum Lenken und Führen) anlegen´; RA.: ´s Pfard vun (benn, oan) Schwanze ufzeem `etw. verkehrt beginnen´. - 2. siehe eizeem!

zeesn swv. selt. 1. Anton `die gelesene Wolle mit Kämmen auseinanderziehen, breiten u. zum Spinnen zurechtmachen´. - 2. Südlausitz sich zeesn `sich zanken, streiten´.

zeetern siehe zätern!

Zeidl f. siehe Zeile!

zeidln swv. mnOstlausitz, Schlesien 1. siehe zeiln! - 2. `die festsitzenden Honigwaben aus den Stöcken der Waldbienen herausschneiden, Waldbienenzucht betreiben´.

Zeile f. Neugersdorf, Cunewalde 1. `waagerechte, gerade Linie, Schriftzeile´; de Zeiln senn vul. - 2a. `Heureihe´; benn Schäbern rech mer zuirscht Zeiln. - b. `eine Reihe kleiner Haufen Mist auf dem Feld, die breitgeworfen werden sollen´; anne Zeile Mist.` Heureihe´. Lautf.: Dim. Zeidl f. mnOstlausitz, Schlesien, Nordböhmen

zeiln swv. Niedercunnersdorf `ausgebreitet liegendes trockenes Heu zu Reihen (vor dem Einfahren) zusammenrechen´; auch schwadln od. schwoadn. Lautf.: zeidln.

Zeilnsamml f. um Zittau `Zeilensemmel: aus vier od. sechs Teilen bestehende Semmel´; auch Stießl- od. Heetlsamml.

Zeis´ch m. Dim. Zeis´chl od. Zeisl 1. Großschönau `Erlenzeisig (Carduelis spinus)´, früher in der Oberlausitz ein beliebter Käfigvogel. Zeis´chhahnl `Zeisigmännchen´. - 2. `Birkenzeisig (Carduelis flammea)´. Siehe auch Zätscher! Lautf.: Zeis´sch, Zeiske Schlesien.

zeitch Adj. 1. `verhältnismäßig früh im Jahre reif´; mir hoann zeitche Kirschn. - 2. wie litspr. `zu einem frühen Zeitpunkt´; ihr kimmt zu zeitch! Siehe auch risch!

zeitlch Adj. 1. Bihms Koarle dass. wie zeitch; frihzeitlch. - 2. Niedercunnersdorf `zu zeitig, noch zu früh, noch nicht an der Zeit´; ´s is noa ne ganz zeitlch.

zeitslabms Adv. `zeitlebens: lebenslänglich, ein Leben lang, bis ans Lebensende´; dr Kleene bleibt zeitslabms dr Kleene, o wenn´r grisser is oas wie dr Gruße. Lautf.: zeitlabms, zeit(s)lamns Westlausitz.

Zeller m. veralt. sSüdlausitz, Nordböhmen, Schlesien `Sellerie´. Lautf.: Seller.

zengs Adv. Ober- u. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `gerade hin bis zum Ende, entlang, längs´; mer soaßn zengs(t) im Tiesch; zengs(t)rim od. zengs(t)nim `rundherum, eingefriedet´, zengs(t)rim im Bihm senn Barge `um Böhmen herum sind Berge´; zengs(t)hie `entlang´; zengs(t)droaahie `daran entlang´, du gist de Mauer zengs(t)droaahie und schunn bist de benn Tamplfleescher; zengs(t)runder od. zengs(t)nunder; zengs(t)drieberunder od. zengs(t)driebernunder `auf geradem Wege über den Berg und dann hinunter´; zengs(t)droaanunder; zengs(t)ruff od. zengs(t)nuff; zengs(t)raus od. zengs(t)naus. Lautf.: zengst Ostlausitz; zenns Großhennersdorf, zensch Zittauer Gebirge u. Vorland bis Spitzkunnersdorf, zangs Neukirch.

Zengsnaus m. Süd- u. Ostlausitz 1. `lang aufgeschossener Mensch´; dar lange Zengs(t)naus koann aus dr Daachrinne suppm. - 2. `unnötiges langes Gerede, lange Geschichte´; dann senn Zengs(t)naus hier´ch nu schunn zun drittn Mole. - 3. `langes Schriftstück´; dr Uffgoate hoat ann langn Zengs(t)naus ufgesoatzt. - 4. Ostlausitz `Begebenheit´; Lautf.: Zengstnaus, Zenschnaus, Zengstaus Ostlausitz. Lautf.: Vgl. zengs!

zensch siehe zengs!

zensiern swv. selt. Süd- u. Westlausitz `nörgeln; jmdn. kritisieren, abfällig über jmdn. urteilen´; vu dir luss mer´ch ne zensiern!

Zentndurf `Zentendorf (Ortschaft der Gemeinde Neißeaue im °GR)´, nach 1945 östlichster Ort Deutschlands.

Zentnersaak m. Dim. Zentnersäckl `Sack mit einem Zentner Inhalt´. Lautf.: Zentnersack.

zeppern swv. dass. wie zeppln; vertscheppern Cunewalde, verzeppern Girbigsdorf `ungeschickt, nicht kräftig genug mit zwei Fingern zu melken, das Melken verhunzen´. Lautf.: tscheppern, zippern Neusorge.

Zeppl siehe Zoop!

zeppln swv. verstr. Obercunnersdorf, Wittgendorf dass. wie zeppern. Lautf.: zippln, zuppln

zeraajchte(-) siehe zuraajchte!

zeraajchtekumm
siehe zuraajchtekumm!

zeraajchtemachn siehe zuraajchtemachn!

zeraajchterickn siehe zuraajchterickn!

zerbärschln swv. `das Kopfhaar zerwühlen, Fell zerzausen, etw. zerkratzen´.

zerbärschlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von zerbärschln) `auf dem Kopf zerwühlt, Haar zerzaust´.

zerbirln swv. `(mit dem Vorschlaghammer) zerschlagen´.

zerbissln swv. `zerteilen, zermachen beim Arbeiten´; tu dch oack ne zerbissln!

zerbitzln swv. `etw. (bes. Stoff od. Papier) klein schneiden, zerschnitzeln´.

zerbläun swv. verstr. `jmdn. prügeln, verdreschen´.

zerbrinkln swv. `zerbröckeln, zerkrümeln´.

zerdämmern swv. `zerschlagen, zerklopfen´. Siehe auch dämmern!

zerechn siehe zurechn!

zereemern swv. in der Wendung iech kennt miech zereemern `ich könnte mich vor Lachen ausschütten´.

zerfatzn swv. `zerfetzen: (Papier, Garn od. Stoff) mit Gewalt zerreißen´; iech hoa mer de Strimpe zerfatzt.

zerfatzt Adj. (eigtl. Part. Prät. von zerfatzn); `zerfetzt: durch Krafteinwirkung zerrissen´; dar hoat a zerfatztes Hemde oaa.

zerfiezn swv. Niedercunnersdorf, Wittgendorf `(ungeschickt) zerschneiden (mit einem großen Messer) in Stücke´; ´n Schweinskupp zerfitzn. Auch zerfitzln Schlesien.

zerfitschln swv. `etw. (mit einem stumpfen Messer) zerschneiden od. (mit einer stumpfen Säge) zersägen´.

zerfladern swv. 1. auch Bihms Koarle `etw. (meist aus Papier od. Stoff) beschädigen od. gewaltsam zerreißen, so dass es flatterig aussieht´; is Klintsche hoat mer mei Singebichl zerfladert. - 2. verstr. `aufplatzen (Pellkartoffeln)´.

zerfladert
Adj. (eigtl. Part. Prät. von zerfladern) `zerrissen, aufgeplatzt, flatterig, zerflattert´; a zerfladertes Bichl.

zerfleeschern, zerfleeschn swv. `zerfleischen: etw. gewaltsam zerreißen, Fleisch verunstalten´; benn Boalbiern de ganze Frasse zerfleeschn `beim Rasieren das ganze Gesicht aufschneiden´.

zerflickn swv. Obercunnersdorf, Bihms Koarle, Niederoybin `verprügeln´.

zerfloarrt Adj. Neugersdorf `verheult, verschlissen, verunstaltet´. Lautf.: zerflärrt, zerflarrt. Siehe auch Floarrn u. floarrn!

zergeign swv. übertr. `zergeigen: zersägen, zerschneiden, zerteilen´.

zergleefm siehe zerkleefm!

zergrälern swv. `mit den Nägeln kratzen; Kratzer machen´.

zerhobm siehe zerhoon!

zerhoon unregelm. V. `zerhauen´. 1. `etw. Zerbrechliches fallen lassen od. mutwillig zerschlagen´. - 2. `prügeln´. Lautf.: zerhaun, zerhobm (Verbreitung siehe hobm!)

zericke `zurück´. 1. Adv.; zericke wellt´ch o ne mih. - 2. als Adverbialpartikel in unfesten Zuss.; zerickegihn, zerickedrähn.

zerirscht (kurzes i) Adv. `zuerst´; Sprichwort: War zerirscht kimmt, mohlt od. bäckt zerirscht. Lautf.: zeirscht, zuirscht, zerurscht.

zerkatschln (kurzes a) swv. Obercunnersdorf, Oderwitz, Jonsdorf `zerkätschen: (harte, zähe) Speisen im Munde laut hörbar u. mit Mühe zerkleinern´.

zerkatschn
(kurzes a) dass. wie zerkatschln.

zerkleefm swv. 1. Obercunnersdorf, Bertsdorf, Nordböhmen, Schlesien `sich spreizen, grätschen bis zum Spagat, grätschbeinig treten´; du wirscht dch noa zerkleefm! - 2. übertr. Niederoybin, Schlesien `sich mit allen Gliedern anstrengen, sich übernehmen bei der Arbeit´. Lautf.: zergleefm.

zerknietschn swv. Obercunnersdorf, °NOL Wiesa `etw. zerknüllen, (unbeabsichtigt) zerknittern´; du hoast dr aber dei Kleed zerknietscht! Lautf.: zerknittschn Schlesien.

zerknattschn swv. 1. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `zerdrücken, zertreten (einer Eisbeere, eines Tannentapfens, eines Käfers, einer Made), wobei ein pfatschender Knall zu hören ist´. - 2. Steina `zerknittern, etw. zusammendrücken´; ich hoa mer de Hosn zerknattscht. Lautf.: zerknaatschn Cunewalde.

zerkrälern swv. `mit den Nägeln kratzen; Kratzer machen´.

zerkroatzern swv. Spitzkunnersdorf `zerkratzen´; do hoat doa su anne Gahnoaffe mit ann Noajle de ganzn Autos uff dr Stroße zerkroatzert! Lautf.: zerkroaazern.

zerladern swv. `zerledern: jmdn. prügeln´; dr Schulmeester hoat´n haglmäßch zerladert.

zerlecksn swv. `zerlechzen´ 1. `vor Trockenheit Ritze bekommen u. Flüssigkeit durchlassen; zusammentrocknen; rissig, undicht werden (von Holzfässern)´; de Hulzwoanne zerleckste. - 2. Obercunnersdorf `zerlaufen, breit laufen´; de Butter zerleckst.

zerleckst Adj. (eigtl. Part. Prät. von zerlecksn) Oberland `undicht´; is Fassl is zerleckst. Lautf.: zerleffzt Wittgendorf.

zerletzt Adv. `zuletzt´, siehe auch Letzt!

zerloaatschn swv. `zerlatschen, zertreten´. Lautf.: zerloattschn.

zermachn swv. refl. Hainewalde `zermachen: sich über etw. Sorgen machen, angestrengt nachdenken´; iech kunnt de ganze Nacht ne schlofm, su zermacht hoa´ch miech waajgn unser Klenn.Tu dch oack ni zermachn!

zermargln
swv. Wittgendorf, Girbigsdorf, Neusorge `etw. gedankenlos od. mutwillig zerdrücken, zerquetschen, ungeschickt od. unsachgemäß zerkleinern u. dadurch verderben´; die hoat ihr Pippl zermarglt. Lautf.: zermergln, zermurgln.

zermarglt Adj. (eigtl. Part. Prät. von zermargln) Obercunnersdorf, Girbigsdorf `heruntergekommen, kaputt gespielt, zerzaust, zermatscht, zermürbt´. Lautf.: zermurglt.

zermeetschn swv. Südlausitz `zermatschen: zerquetschen, zerdrücken´; du hoast a ganz Tampl Pilze zermeetscht.

zermeetscht Adj. (eigtl. Part. Prät. von zermeetschn) 1. `zerquetscht, zermatscht, zerdrückt´; zermeetschte Äppl. - 2. `niedergeschlagen, kleinlaut, wehrlos´.

zermelbern
swv. `zu Mehl od. Staub zerdrücken, zermalmen´. Lautf.: zermelfern, zermellern, zermalbern Oberlichtenau.

zermerschln swv. 1. Steina, Nordböhmen `etw. zerkrümeln, zerreiben (im Mörser), zerkleinern, zerdrücken´. - 2. `züchtigen, demütigen´; dr Voater hoat miech waajgn jeder Dummheit glei zermierschlt. Lautf.: zermährschln West- u. Neulausitz, zermierschln Hintere Sächsische Schweiz.

zermerschlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von zermerschln) `zerrieben, niedergeschlagen, total unglücklich´; a hätt ne zermerschlter tun kinn. Lautf.: zermierschlt.

zermirschln siehe zermerschln!

zermoalkern swv. Niedercunnersdorf `etw. mit den Händen zerdrücken ´. Lautf.: zermoalgern Cunewalde.

zermoanschn (kurzes oa) swv. dass. wie zermeetschn. Lautf.: zermoantschn.

zermoaralln (letzte Silbe betont) swv. Westlausitz dass. wie zermurachn `etw. absichtlich zerstören´. Lautf.: zermoaraln (gedehntes a). 

zermoarallt Adj. (eigtl. Part. Prät. zu zermoaralln) Bischheim `kaputt, zerstört´. Lautf. zermoaralt (gedehntes a).

Zermon m. siehe Sermon!

zermurachn öKürzung `etw. absichtlich zerstören, verwüsten, auseinander nehmen´; de bestn Äcker zermuracht. Lautf.: zermoaracht. Siehe auch verhurachn!

zermurgln siehe zermargln!

zermurksn swv. `etw. kaputt machen; durch unsachgemäße Arbeit etw. beschädigen, verderben´.

zernischln swv. 1. `etw. od. jmdn. zerzausen, am Kopfe od. Wipfel anfassen und schütteln´; iech bie dann sissn Wuschlkeppl su gutt, iech wellt´s egoal zernischln; dr Sturm hoat´n Moarunknboom irrch zernischlt. - 2. `jmdn. prügeln, verdreschen´.

zerpfluckn swv. `zerpflücken: zerreißen, etw. auseinander zupfen´; de Koatze hoat´s ganze Usternaast zerpfluckt, iech kann miech ne zerpfluckn `ich kann mich (bei der Arbeit) nicht zerteilen´. Lautf.: zerfluckn Schlesien, zerflickn.

zerrankern swv. `auf Polstermöbeln unruhig sitzen od. toben u. diese dadurch beschädigen; Betten zerwühlen´.

zerrch siehe zarrch!

Zerre f. siehe Zarre!

zerriedern swv. Süd- u. sWestlausitz `etw. in Unordnung bringen, zerreiten, zerrühren, zerwühlen´; du hoast´s ganze Koannepee zerriedert.

zerritzn swv. dass. wie zerroochn.

zerrn
swv. siehe zarrn!

zerroanschn swv. Obercunnersdorf, Cunewalde, mnOstlausitz `etw. in Unordnung bringen, beschädigen´. Siehe auch roantschn! Lautf.: zerroantschn.

zerroochn swv. `zerrauchen: jmdn. zerstauchen, jmdm. energisch die Meinung sagen u. Strafe androhen´; die Goatche is durch´s Kurn geloaatscht, do hoa´ch se aber zerroocht.

Zerrt m. Neugersdorf selt. `Teufel´; mei Brut hult dr Zerrt `mein Brot holt der Teufel, mein Brot verbrennt´. Lautf.: Zarrt.

zerruhschlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von zerruhschln) Oberlichtenau, Peickwitz `liederlich, zerwühlt, zerzaust´; du hoast mer de Hoaare zerruhschlt.

zerrunksn swv. Schirgiswalde `zerrunksen: erschüttern; holpern oder rucken und dabei durchschütteln´; miech koann baale nischt mih zerrunksn! Wenn dr Ringk weg wär, tät miech de Frooe aber zerrunksn.


zerruppm swv. `zerrupfen, zerreißen´.

zersabln swv. `zersäbeln: mit einem Säbel oder großem Messer unfein zerschneiden´.

zerschallern siehe zertscherlern!

zerschellern siehe zertscherlern!

zerschissn stv. `zerschießen´. 1. `durch einen od. mehrere Schüsse kaputt machen od. beschädigen´. - 2. dass. wie zerroochn; dann dichn Saukarln hoa´ch aber zerschussn. Lautf.: zerschießn.

zerschittln unregelm. V. `zerschütteln, zerrütteln´; dr Schulmeester hoat miech irrch zerschuttlt, a denner aaln Koareete zerschittlt´s enn. Lautf.: zerschuttln.

zerschlachtn swv. dass. wie runderschlachtn!

zerschln siehe zäschln!

zerschloin stv. `zerschlagen´ 1. wie litspr. `etw. in Stücke schlagen, zertrümmern´; zerschloi mer ne is Kriegl! Iech bie wie zerschloin `ich bin völlig erschöpft´, übertr. de Nubberschfrooe zerschlätt´ch´s Maul drieber `die Nachbarin regt sich über etw. mit viel Worten auf´. - 2. `das frisch gemähte, in Schwaden liegende Gras zum Trocknen breit werfen´; de Schwoadn zerschloin. Lautf.: zerschloon Schirgiswalde, zerschloan, zerschloarn Jonsdorf.

zerschmeißn stv. Niedercunnersdorf 1. `etw. (durch Hinwerfen) zerbrechen, kaputtmachen´. - 2a. verstr. Südlausitz `das frischgemähte, in Schwaden liegende Gras zum Trocknen breit werfen´; de Schwoadn zerschmeißn. - b. verstr. sSüdlausitz `das halbtrockene, in Haufen gesetzte Heu mit der Hand breit werfen; belüften´; Schäber od. Wirschte zerschmeißn.

zerschuttln swv. siehe zerschittln!

zerschwicksn swv. `mit der Gerte od. Peitsche schlagen u. züchtigen´; dann frechn Lackl hoa´ch mit dr Rutte zerschwickst.

zerschwumpsn (kurzes u) swv. `verprügeln´. Lautf.: zerschwumsn.

zersoamm siehe zusoamm!

zersträhn swv. Niedercunnersdorf `zerstreuen´, dass wie zerschmeißn 2a. u. b.; Futter zersträhn.

zerteppern swv. `(Geschirr) zerschlagen, zerbrechen´ (urspr. nur bei irdener Ware).

zerträmpln (kurzes ä) swv. Südlausitz `zertrampeln: etw. mit den Füßen durch Stampfen zertreten, durch Treten zerstören´. Lautf.: zertroampln.

zertscherlern swv. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `zerschellen, Risse bekommen, zersplittern, zerbrechen (Holz u. ähnl.)´; oan Beile is is Halml zertscherlert; dar hoat´ch´s Gelenke zertscherlert. Lautf.: zertschallern, zerschallern Niedercunnersdorf, Cunewalde, zertschellern, zerscherlern, zerschellern Neusorge. Siehe auch tscherlern!

zerurksn swv. Süd- u. Ostlausitz `etw. zerwühlen, verwüsten, verderben, kaputt machen´.

zerwichsn (gespr. zerwicksn) swv. 1. `etw. völlig zerschlagen, zerstören´. - 2. `jmdn. verprügeln´.

zerwienern swv. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Girbigsdorf 1. `etw. (mit großem Kraftaufwand) zerschlagen´; ´n aaln Schrank hoa´ch zerwienert. - 2. `jmdn. verprügeln´.

zerwoalgern swv. Hintere Sächsische Schweiz `verprügeln´. Lautf.: zerwoalkern.

zerwoalkn swv. `verprügeln´.

zerwoapsn (kurzes oa) swv. selt. `jmdn. prügeln´.

zerwubern swv. verstr. dass. wie zerwienern; de Kiste zerwubern. Lautf.: zerwuwern.

zerwubert Adj.(eigtl. Part. Prät. von zerwubern) Seifhennersdorf `zerzaust, zerwühlt´.

zeschln siehe zäschln!

Zeschl siehe Zäschl!

Zeschlboahne siehe Zäschl!

Zettl m. `Zettel´. 1. wie litspr. `kleines loses Blatt Papier´. - 2. selt. Westlausitz `große Brotscheibe eines runden Sechs- od. Zehnpfundbrotes´. Lautf.: Zädl (gedehntes ä) Zittauer Gebirge, Neukirch u. wSüdlausitz, Nordböhmen.

Zeug n. selt. m. 1. Sammelbezeichnung für `Gerätschaften, Werkzeug, Ausrüstung´; unser Miller is as Zeug gekumm `unser Müller ist in das Getriebe der Mühle gekommen und hat sein Leben verloren´; schmeiß dei Zeug ne su rim! RA: Dar hoat´s Zeug derzu `der hat die Voraussetzungen, die Begabung für etw.´. RA: ne richtch uff´m Zeuge senn `nicht ganz gesund sein´; as Zeug län `feste arbeiten´; siech fer enn as Zeug schmeißn `sich für jmdn. einsetzen´. - 2a. `Stoff (zu Kleidung)´; de Hosn senn aus festn Zeuge. - b. `Kleidungsstücke´; Oaaziehzeug, Wuche-, Sunntch-, Schlof-, Foaasnachts-, Obmmohls-, Abernlasezeug;  RA: Find´ch oack zu Zeuge! `Bist du endlich angezogen!´ RA: aus´n Zeuge gihn `schnell arbeiten´; RA: sich nischt oan Zeuge flickn lussn (von jmdm.). - 3. Sammelbezeich-nung für Konkretes u. Abstraktes verschiedener Art, meist leicht od. stark abwert., auch neutral; Zuckerzeug; doaas Zeug (Schnaps) schmeckt gutt; derzähl ne sicks Zeug! A woar an Ferchn und bruchte bieses Zeug mit heem `er brachte aus den Ferien einen Ausschlag mit nach Hause´.

zi (kurzes i) siehe zu!

Ziche (kurzes i) f. Dim. Zichl `Züche: Bettbezug´; a de weechn Zichn län; sich under de Ziche machn `schlafen gehen´; a weißes Zichn uff de Leine hängn. RA: A dar Ziche hoa´ch o genäht `diese (unangenehme) Erfahrung habe ich auch gemacht´; RA: a err od. enner Ziche nähn `an einem Strang ziehen´. Lautf.: Zieche, Ziech m. öKürzung, Zichn n. Burkau.

Zichl n. `Kopfkissenbezug´.

Zichoarche, Zigoarche `Zichorie: Kaffee-Ersatz, Kaffeezusatz´ hergestellt aus der gerösteten Wurzel der Wegwarte (Cichorium intybus L.) od. aus Runkelrüben. Vgl. Runkl u. Runkltunke!

Zichte f. veralt. `Züchte´, dass. wie Saalzmeste 2.

Zichtjumpfer f. `Züchtjungfer: Mädchen, das zum Ehrengeleit des Brautpaares gehört´. 1. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Blumenstreumädchen´; de Zichtjumpfern kumm ver´n Brautleutn aus dr Kirche und strähn Blieml. - 2. veralt. Anton `Brautjungfer (ledige Schwester od. Freundin der Braut), die zum Ehrengeleit des Brautpaares gehört, beim Einzug in die Kirche zur Trauung od. beim Einzug in das Standesamt zur Eheschließung in Begleitung ihres Freundes, dem Brautführer od. -diener, hinter der Braut schreitet und als Heiratskandidatin gilt; die beedn Zichtjumpfern nahm dr Braut im Zwelfe ´n Schleier oab.

Zickl n. 1. `junge Ziege, Ziegenlämmchen´; Zicklbrotn, Ustern schlacht mer a Zickl. RA: Nu wird´s Zickl oaagebunn `nun muss das größer gewordene Kind daheim mit helfen und in der Schule stille sitzen´. - 2. Niedercunnersdorf, Ostritz, Großschönau `Kiefernzapfen´. Lautf.: Zeckl Westlausitz.

zicklch Adj. 1. `wie eine junge Ziege umherspringend, freudig aufgeregt, gespannt, vor Erwartung unruhig´; murne wird unse Kleene fimfe, die is schunn ganz zicklch. - 2. `unbeholfen wie ein Zicklein, überspannt´. Siehe auch hipplch!

zicklnd Adj. in der Wendung zicklnde sein `sehr begierig sein, großes Verlangen haben und dabei vor Aufregung zucken, vor Erwartung unruhig sein´. Vgl. zicklch!

Zicklziege f. `weibl. Ziege, die Ziegenlämmchen zur Welt bringt´. Lautf.: Zicklzieche wWestlausitz.

Zickn-Zackn Pl. Niedercunnersdorf dass. wie Tickn-Tackn; de Äbereckchn Zickn-Zackn hoann ´n Teifl hindern Nackn, de Äbereckchn Zickn-Zackn tun an Oarsche Kuchn backn.

Zickzickl siehe Ziegezickl!

Zieche siehe Ziche u. Ziege!

Zieder m. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `aufgesetzter Holunder mit Zuckerwasser (Vorläufer der Limonade)´; Vater zum Gastwirt: "Koarle, brengn oack fersch Klintsche ann Zieder und fer miech a Virrtchl Kurn!"

zieferch Adj. 1. Niedercunnersdorf `empfindlich gegen Kälte, leicht frierend´. - 2. Niedercunnersdorf `ängstlich, zaghaft, zögernd´. - 3. `schmächtig´.

ziefern swv. 1a. Südlausitz `leise Schmerzenslaute von sich geben, vor Schmerzen wimmern, wehleidig sein´; se hoat de ganze Nacht ver Zähnangst geziefert. -b. Ostlausitz `vor Kälte zittern, frieren, frösteln, sich vor Frost zusammenducken´. - c. West- u. Ostlausitz `vor Angst zittern, zaghaft sein, zaudern´. - 2. `schmerzen (bei einer Wunde, Verletzung)´; au, doaas ziefert!

Ziege f. Dim. Zickl 1a. wie litspr. (neben Hippe od. Ziegehippl); Ziegebutter, Ziegefleesch, Ziegequoark, Ziegestoal; doaas fuhr dr Ziege od. Ziegn a de Knuchn; RA: Dar hoat´s hindern Uhrn wie de Ziege ´s Inslt od. ´n Spaajk `der ist ganz schön durchtrieben´; Sprichwort: Aale Ziegn leckn o garne Saalz. Sprichwort: Dr Harrgutt lässt dr Ziege ´n Schwanz schunn ne ze langk wachsn. Volksvers: A Häusl, a Gaartl, a weiß Zickl rei, do bie´ch wie der Harrgutt su fruh und su frei. - b. verstr. Ostlausitz `weibl. Kaninchen, Häsin´. - 2. übertr. auf den Menschen, Schimpfwort `unsympathische, alberne, eingebildete weibl. Person´; aale od. dumme Ziege.Lautf.: Zieche Seeligstadt bei Großharthau.

Ziegebeen n., selt. m. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Obergebelzig `Kornblume (Centaurea cyanus L.), die noch nicht blüht; Kornblumenstängel´; ´s Ziegebeen stitt mittlst an Kurne. Lautf.: Ziegnbeen, Ziegbeen Ostlausitz.

Ziegeboart m. 1. Bezeichnung für verschiedene Arten der Korallenpilze; flammlgaaler Ziegeboart. - 2. `Borstgras (Nardus stricta L.)´, auch Wiesnboart. Lautf.: Ziegnboart.

Ziegebook m. Dim. Ziegebeckl `Ziegenbock: männl. Ziege´; aus dann frechn Ziegebeckl wachsn lauter sisse Leckl. Lautf.: Ziege-, Ziegn-, Ziengbook, - bock, -buck, -beckl.

Ziegefassl
n. `rundes od. ovales Futter- u. Tränkgefäß aus Holz od. emailliertem Blech für Ziegen u. anderes Kleinvieh´. Lautf.: Ziegnfassl.

Ziegehippl n. Südlausitz `(junge) weibl. Ziege´; de Schoaln krigte immer unser Ziegehippl. Lautf.: Ziegnhippl.

Ziegeinslt siehe Inslt!

Ziegelader n. `Ziegenleder´; RA: zäh wie Ziegelader. Spottvers: Miller, Mahler, Moatzestahler hoat´n Oarsch vuhl Ziegelader. Lautf.: Ziegnlader.

Ziegelippe f. `Filziger Röhrling (Xerocomus subtomentosus): Pilz mit anfangs halbkugeligen, dann flachgewölbtem samtenen Hut, gelblichen Röhren und oft gekrümmtem Stiel´. Lautf.: Ziegnlippe.

Ziegelurber (Ziege-Lurber) f. (fast nur Pl.) `Ziegenlorbeer: Kotknolle der Ziege´. Lautf.: Ziege-, Ziegn-, -lurber, -loarber.

Ziegemelker
m. `Nachtschwalbe (Caprimulgus europaeus)´. Lautf.: Ziegnmelker.

Ziegemilch f. `Ziegenmilch´; a dr Wuche goab´s jedn Murgn Mahlsuppe mit Ziegemilche, a die de Mutter noa Brutfiedl eibroackte. Lautf.: Ziegnmilch, Ziegnmelch.

Ziegeschwänzl n. Cunewalde Dim von `Ziegenschwanz´; dr Merks woar wie a Ziegeschwänzl. RA: Du hoast a Gedaajchtnis wie a Ziegeschwänzl, kurz und beschissn. Lautf.: Ziegnschwänzl Zittau, Ziegschwänzl öKürzung.

Ziegestaadtl n. `niederster Teil des zur Gemeinde Kottmar gehörenden Ortes Obercunnersdorf im °GR´; mer kumm aus´n Ziegestaadtl.

Ziegestoal m. `Ziegenstall´; an Ziegederfl hoann se a jedn Hause ann Ziegestoal. Lautf.: Ziegnstoal, Ziegnstoall.

Ziegezickl n. Süd- u. Ostlausitz `junge (weibl.) Ziege´. Lautf.: Ziegnzickl; Zickzickl verstr. Ostlausitz.

Ziegl m. `Zügel: Leine, mit der das Pferd gelenkt wird´.

Ziegl f. `Ziegel´ m.; de Daachziegl `der Dachziegel´.

Ziegnfauze f. `Ziegenfauze´. 1. offizieller Name eines Ortsteils von Lömischau der Gemeinde Malschwitz im °BZ. Ein Mann sollte mit seiner Ziege zum Bock gehen. Er kam aber nur bis Lömischau in den Gasthof. Hier vertrank er das Geld, was für den Bocksprung vorgesehen war. Als er stark betrunken mit der ungedeckten Ziege heimkam, gab es von der Ehefrau Fauzn `Backpfeifen´ . - 2. Spitzname eines Ortsteiles des Ortes und der Gemeinde Kubschütz im °BZ. - 3. dem Kohlebergbau zum Opfer gefallenes Gehöft bei Litschen / Lohsa im °BZ. Lautf.: Ziegefauze.

Ziegnwuschke `Wuischke (Ort der Stadt Weißenberg im °BZ)´.

Ziehbasn m. `Ziehbesen: (Frauen-)person, die ständig unterwegs ist od. die sich herumtreibt´; auch Rimziehbasn.

Ziehder siehe Zieder!

Ziehe f. `Erziehung´; a Kind a (de) Ziehe od. uff Ziehe gan, a (de) Ziehe od. uff (de) Ziehe nahm, uff Ziehe hoann `ein (fremdes) Kind aufziehen´; ba serr Grußemutter uff Ziehe senn.

Zieherch m. `eine Person (auch Tier), die sich viel herumtreibt, viel ausgeht; Vagabund´.

Ziehfrooe f. West- u. Ostlausitz `Frau, die ein verrenktes Glied einzurenken versteht´, auch Eirichtern od. Eirenkern. Lautf.: Siehe Frooe!

Ziehhermonika f. `Ziehharmonika´.

Ziehjunge m. Niedercunnersdorf `Junge, der vorübergehend von seinen Eltern zur Erziehung od. Beaufsichtigung an Pflegeeltern abgegeben wird´.

Ziehknittl
m. Großschönau. Leutersdorf `Ziehknüttel: Rundholz zum Anheben der Kettfäden am Damastzugstuhl´.

Ziehkuchn m. Cunewalde, Taubenheim `Kuchenstückchen, das (unanständig) aus den unteren Lagen der gestapelten Kuchenstücke gezogen wird´. Lautf.: Ziehkuche.

Ziehmaajdl n. Niedercunnersdorf `Mädchen, das vorübergehend von seinen Eltern zur Erziehung od. Beaufsichtigung an Pflegeeltern abgegeben wird´.

Ziehmoan m. Ostlausitz `Mann, der ein verrenktes Glied einzurenken versteht´. Lautf.: Ziehmoann West- u. Neulausitz.

ziehn stv. iech zieh(e), du zoigst, a zoigt, mer ziehn, iech zug (gedehntes u), du zugst, mer zugn, iech hoa gezoin `ziehen´. 1. wie litspr.; iech hoa mit dir is gruße Lus gezoin; zoig dch woarm oaa! Dr Tee muss zahn Minutn ziehn; du zoigst´s Letterwaajnl, und iech schirge! `Du ziehst den Leiterwagen und ich schiebe´; RA: Leine ziehn `abhauen´; ´s zoigt wie Hechtsuppe;  ´s hoat´ch a de Länge gezoin `es hat lange gedauert´. - 2. von der Litspr. abweichende Bedeutungen: a. `herausziehen´; Mährn ziehn. - b. doaas zieht od. zoigt ne `das reicht nicht aus´. - c. Niedercunnersdorf, Hinterhermsdorf `erziehen, aufziehen´; de Grußemutter misste de Kinder ziehn; ´s Hundl hoat´ch ne gutt gezoin `der kleine Hund hat sich schwer aufziehen lassen´. - d. (mit dr Ziege) zun Bucke ziehn `sich mit der brünstigen Ziege zum Ziegenbock begeben´. - e. in der Wendung ´s zoigt oaa `es wird kälter und feuchter´. Lautf.: 2./3. Sg. Präs. selt. West- u. Ostlausitz du zoist, a zoit; Part. Prät. gezun u. gezurn Westlausitz, gezoon verstr. Ostlausitz.

Ziehsl n. Niedercunnersdorf, Bertsdorf, Jonsdorf `Ziehseil: Zugseil (eines zweirädrigen Karrens)´.

Ziehwaajnl n. 1. selt. `kleiner Leiterwagen mit Deichsel, der mit der Hand gezogen wird´. - 2. selt. veralt. `Kinderwagen (mit geflochtenem Wagenkorb, aufklappbarer Plane u. eiserner Deichsel) zum Ziehen´.

Ziel m. n. Dürrhennersdorf, Neugersdorf `Ziel: Arbeitspensum, das an einem Tag erledigt werden muss´; iech war menn Ziel schunn breetn `ich werde mein Soll schon schaffen´; iech hoa´n Ziel `ich bin mit meiner Arbeit fertig´; dr Ziel misste gemacht warn.

Ziemer
m. dass. wie Uchsnziemer.
Ziemer m. 1. Oberlausitz, Nordböhmen, Schlesien `Wacholderdrossel (Turdus pilaris)´, auch Kroammzvogl. - 2. Crostau `Misteldrossel (Turdus viscivorus)´, auch Schnoarre.

Ziep m. bes. Süd- u. Ostlausitz 1.`diphtherieartige Hühnerkrankheit (mit Entzündung u. Verschleimung von Nase u. Schnabelhöhle u. Zungenbelag)´; do kennt ees ´n Ziep kriegn ver Ärger. RA: Iech war der´n Ziep schunn schleißn od. schleefm! `Ich werde es dir schon zeigen und dich auf den Boden der Wirklichkeit zurückholen´. - 2. übertr. `Erkältung, Grippe (beim Menschen)´; du wirscht ´n Ziep kriegn `du wirst dich erkälten´. - 3. Ostlausitz, Schlesien `Begierde, Lust, Appetit´; ann Zieps druff hoann. Lautf.: Zipp sWestlausitz, Zieps Girbigsdorf.

Ziepm Pl., msSüdlausitz `Haare´; deine poaar Ziepm.

ziepm swv. Süd- u. Westlausitz `ziepen´. 1. `an den Haaren zupfend ziehen´; du sullst miech ne egoal ziepm. - 2. `kurz u. heftig schmerzen beim Kämmen verfilzter Haare´; au, ´s ziept! Lautf.: ziepsn Ostlausitz.

Zieps m. siehe Ziep!

Ziepsn Pl. Ostlausitz, Schlesien dass. wie Ziepm.

ziepsn siehe ziepm!

ziern swv. refl. `sich zieren´; mir Äberlausitzer ziern´ch ne.

Zifferbloat n. `Zifferblatt´, übertr. scherzh. `Gesicht´. Lautf.: Zifferbloatt.

Zigeiner m. `Zigeuner´. 1. wie litspr. `Angehöriger eines aus Nordindien ausgewanderten Volkes´; ba dann sitt´s aus wie benn Zigeinern `bei denen sieht es sehr liederlich aus.´ - 2. Bezeichnung für verschiedene Arten von weißen od. bräunlichen Fächerpilzen, die z. T. dunkle od. helle Stellen, Flöckchen auf der Kappe aufweisen, z.B. `Reifpilz (Rozites caperata)´, `Perlpilz (Amanita rubescens Fr.)´, `Pantherpilz (Amanita pantherina)´, `Waldchampignon (Agaricus lanipes)´.

Zigoarrnstumpl m. `Zigarrenstummel´; RA (vulgär): dar toat´ch bärschn wie dr Zigoarrnstumpl a dr Seechpfitze `der tat sich aufblasen und angeben´; a gingk uf wie dr Zigoarrnstumpl a dr Seechpfitze `er wurde schnell dick´.

Zihe f. dass wie Zihne.

Zihne f. Pl. Zinn Oberland od. Zihn Neukirch, Neusorge `Zehe, Zeh´; loaatsch mer ne uff de Zinn! Iech hoa mer a dr Stuffe de gruße Zihne eigehoon, anu is se bloo! Knoblchzihne `Knoblauchzehe´, RA: enn uff de Zinn tratn `jmdn. auf etw. aufmerksam machen´. Lautf.: Zihe Dittelsdorf.

Zilinderäle f. veralt. Niedercunnersdorf `Petroleum´, benannt nach dem gläsernen Zylinder der Petroleumlampen.

Zilinderbirschtl n. 1. veralt. `kleine runde Bürste zum Reinigen der Zylinder von Petroleumlampen´. - 2. verstr. `Zylinderbürstchen: Blütenstand des Rohrkolbens (Typha latifolia)´.

Zilinderputzer m. verstr. dass. wie Zilinderbirrschtl.

Zimpe f. Särichen `ängstliche, zimperliche Frau´.

zimpe Adj. 1. `zimperlich: übertrieben empfindlich´. - 2. Ostlausitz `zurückhaltend, verschämt, züchtig´.

zimper Adj. Bihms Koarle dass. wie zimperch.

zimperch Adj. Obercunnersdorf, Schirgiswalde, Oberlichtenau `zimperlich: übertrieben empfindlich, wehleidig, übertrieben feinfühlig, übertrieben vorsichtig u. zurückhaltend, übertrieben fein´; tu oack od. bie oack ne goar su zimperch!

Zimperliese f. `sehr empfindliche, wehleidige weibl. Pers.´

zimpern swv. selt. °ZI Friedersdorf `langsam, schlendernd gehen; beim Laufen zurückbleiben´. Lautf.: zumpern bes. nWest- u. nOstlausitz.

Zimpln `Zimpel (Ort der Gemeinde Boxberg OL im °GR)´; de Zimpler `die Einwohner von Zimpel´.

Zindblatl n. (meist Pl.) `Zündblättchen: rundes, mit Sprengstoff gefülltes Papierblättchen´. Auch Zindplätschl.

Zindhilzl n. `Streichholz´. Lautf.: Zindhelzl; Zingkhelzl nOstlausitz.

Zindhittl n. `Zündhütchen: ein Metallnäpfchen mit dem Zünder, der die Treibladung der Patrone zündet´; dr Ferschter setzte ´s Zindhittl uff´s Tarzerol. Lautf.: Zimthittl Neukirch.

Zindplätschl (gespr. Zindblettschl) n. (meist Pl.) Niedercunnersdorf, Kemnitz, Neukirch  dass. wie Zindblatl.

Zindhilzl n. `Streichholz´. Lautf.: Zindhelzl; Zingkhelzl nOstlausitz.

Zinke f. 1. wie litspr. `Zinke´; oan Rechn fahln zwee Zinkn. - 2. selt. `Zehe´.

Zinkn m. 1. wie Zinke 1. - 2. `(große, unförmige) Nase´; dar hoat ann Zinkn droaa!

Zinn siehe Zihne!

zinn unregelm. V. Konjug. siehe oaazinn `zünden: Feuer machen, entflammen´. Lautf.: zunn.

Zinnkraut n. wSüdlausitz `Schachtelhalm, Ackerschachtelhalm ( Equisetum arvense L.). Lautf.: Zienkraut Nordböhmen. Die volkssspr. Benennung weist auf die Verwendung des Schachtelhalmes hin: Er eignete sich wegen des hohen Kieselsäuregehaltes seiner sog. Sommertriebe vorzüglich zum Putzen der früher in großer Zahl vorhandenen Zinngegenstände. Dieser hohe Gehalt an Kieselsäure ließ ihn auch zur Heilpflanze bei Harnbeschwerden werden.

Zinse f. selt. dass. wie Zihne. Loaatsch mer ne uff´m Zinsn rim!

Zinselei f. `Kleinlichkeit, Übergenauigkeit, Geiz´.

zinsln swv. 1. `zaudern, unentschlossen handeln´; zinsl ne su lange rim! - 2. Obercunnersdorf `genau rechnen, übertrieben genau abmessen, kleinlich ein- od. zuteilen, übermäßig sparen (mit etw.)´; auszinsln, iech gih goar ne garne zun Lihmfleescher, dar zinslt su!

Zippe f. Oderwitz, Crostau `Singdrossel (Turdus philomelos)´. Siehe auch Drussl! Lautf.: Ziepe.

zippern siehe zeppern!

Zippl m. `Zipfel´. 1. `spitz od. schmal zulaufendes Ende (eines Tuches od. Kleidungsstückes)´; Rook-, Schirze- od. Bettzippl; dr Bettzippl winkt. - 2. übertr. `letztes kleines Stück, Ende von etw.´; Wurschtzippl; Sohland, is Durf mit 15 Zippln `Sohland, das Dorf mit 15 Ortsteilen´. - 3. `männl. Glied´; de Jungn hoann´s besser, die hoann ann Zippl zun Schwenkn. - 4. als harmlose Anrede für Jungen und Männer `dummer Kerl, Tollpatsch, komischer Kauz´; a neckscher od. oalberner Zippl.  - 5. unser Zippl `südliche Oberlausitz´; a unsn Zippl is ander Water. Siehe auch Mitznzippl!Lautf.: Zeppl Westlausitz.

zipplch Adj. `zipflig´. 1. `mit Zipfeln versehen´, ´s Kleed is hinne ganz zipplch, a zipplch Maul ziehn. - 2. `ungelockt, kurz und abstehend, glatthaarig´; wooas dar fer zipplche Lodn hoat!

Zipplmitze f. `Zipfelmütze (Kopfbedeckung der Bauern und Müller, auch als Nachtmütze verwendbar)´.

zippln swv. 1. umg. `(unerwünschte) Zipfel bilden (bei Kleidungsstücken)´; dei Kleed zipplt aber! - 2. Niedercunnersdorf `ungeschickt, nicht kräftig genug mit zwei Fingern melken´. Lautf.: zuppln. Siehe auch zeppln u. zeppern!

Zipplpelz m. (Anton) `Zipfelpelz´. - 1. `ein Pelz mit den Zipfeln oder Schwänzen der Tiere, von deren Fellen er gemacht wird.´ - 2. `Pelz von langhaarigen Schaffellen, deren Wolle in Zipfeln oder Zotteln steht.´

zirkln swv. umg. `genau einteilen, damit es reicht; genau überlegen u. probieren, um die günstigste Lösung zu finden´; iech muss ganz schiene zirkln, doaaß´ch mit´n Auto zun Ture rauskumme.

Zisch m. `Geschwindigkeit, Tempo´; mit Lichtwachs kriegt dr Schlittn irscht Zisch.

Zitscherchl n. Schirgiswalde `geworfener flacher Stein, der über die Wasseroberfläche hüpft´.

zitschern swv. 1. Bihms Koarle `zwitschern (Vögel)´. - 2. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `flache Steine auf der Wasseroberfläche hüpfen lassen´.

Zittermannl n. um Bischofswerda `Gemeines Zittergras (Briza media L.)´. Lautf.: Zittermännl.

Zittl `Zittel´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße´; de Zittler `die Einwohner von Zittel´.

Zoahlaus m. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Pulsnitz `Zahlaus: Lohn der bösen Tat, Strafe, Rache, Vergeltung (des Schicksals) für begangenes Unrecht´; ´n Zoahlaus gan `heimzahlen´, senn Zoahlaus kriegn.

Zoahlche f. Westlausitz `Soll, Arbeitspensum´; wenn’s de Zoahlche breetn will.

Zoahn m. `Zahn´. 1. wie litspr.; glei noa´n irschtn Kriege krigt mer foalsche Zähne `gleich nach dem 1. Weltkrieg bekamen wir Zahnersatz´; RA: enn uff´m Zoahn fuhln `jmdn. in einer Angelegenheit prüfen, genau befragen´, nischt hindern Zänn behaaln kinn `nichts verschweigen können´, doaas woar oack woaas uff´m hohln Zoahn `das war viel zu wenig´, die hoat Huhre uff´m Zänn `die ist zäh, ausdauernd und unbeirrbar´; enn truppt od. wassert dr Zoahn `jmd. hat Begierde danach´; RA: Dann Zoahn hoann se uns gezoin `die Illusion hat man uns geraubt´. - 2. `Zacken am Zahnrad´; ann Zoahn zulän `seine Geschwindigkeit, sein Arbeitstempo steigern´.

Zoahnangst f. `Zahnschmerzen´. Lautf.: Zähnangst.

Zoahnausreiße f. in der Wendung zer Zoahnausreiße gihn `zum Zahnziehen gehen´. Lautf.: Zähnausreiße.

Zoahndukter m. `Zahnarzt´. Lautf.: Zähndukter; Zoahnduchter u. Zähneduchter Neukirch, wSüdlausitz.

Zoahnklamper m. `Zahnklempner´: scherzh. für `Zahnarzt´. Lautf.: Zähnklamper.

Zoahnreißn n. Ostlausitz `Zahnschmerzen´.

Zoajl m. veralt. 1. `Schwanz eines Tieres´; Koatznzoajl; RA: Gutt lässt dr Ziege´n Zoajl ne zu langk wachsn `Gott lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen´. - 2. Niedercunnersdorf übertr. `Schlotte´; Zwibblzoajle `röhrenförmige Blätter der Speisezwiebel´. - 3. Anton `(bei den Fischern) spitz zulaufendes Ende des Schleppsackes´. Lautf.: Zoil, Zoal, Zoarl.

zoamm siehe zusoamm!

zoamtcht siehe mitsoamtcht u. soamtcht! Lautf.: zoamcht, zoamtch.

Zoappe f. Dim. Zappl od. Zäppl Süd- u. Westlausitz `Zapfen´. 1. wie litspr. `konisch-runder Fruchtstand von Nadelhölzern mit verholzten Schuppen, zwischen denen sich die Samen befinden´. - 2. `sich verjüngender Pflock (Stöpsel) zum Verschließen einer Öffnung´; iech schluck keene Arznei, iech nahm Zappl! - 3. siehe Eiszoappe!

zoapplch Adj. `zappelig: unruhig, ungeduldig´.

zoappln swv. `zappeln´. 1. wie litspr. - 2. `warten´; druf zoappln `ungeduldig warten´; luss miech ne zoappln! `lass mich nicht warten!´. - 3. `am Handwebstuhl weben und dabei Hände und Beine benutzen´; a zoapplt Tag fer Tag hinder´n Gezehe.

Zoappm m. söSüdlausitz, Ostlausitz `Zapfen´ siehe Zoappe!

zoappm swv. Bihms Koarle, Süd-, sWest- u. Ostlausitz `langsam gehen, ziehen´; zoapp ne su rim!

zoappmduster Adj. (ohne Steigerung) umg. `sehr dunkel, finster´; in der Fügung zoappmduster senn `aussichtslos sein´.

Zoarge f. `Zarge: Einfassung mit Zapfen u. Schlitz (Möbeltischlerei)´.

Zoargl n. sSüdlausitz `lange, schmale Reihe zusammengerechten Heues´. Lautf.: Zargl, Soargl od. Sargl.

zoargln swv. sSüdlausitz `Heu zu Reihen zusammenrechen´. Lautf.: zargln, soargln, sargln.

zoarrn siehe zarrn!

Zoaschl siehe Zäschl!

Zoaschlboahne siehe Zäschl!

zoaschln siehe zäschln!

Zoaspl f. `Zaspel´. 1a. Süd- u. Ostlausitz, Schlesien (ein altes Garnmaß) `zwanzig Gebinde Garn machen eine Zaspel, drei Zaspeln einen Strähn´. - b. Burkau `Garnbündel, Strang´. - 2. Schimpfwort Neugersdorf `(ältere) Frau´; anne vertroigte Zoaspl, die beedn neuschierchn Zoaspln haaln immer noa Gahnoaffm feel. - 3. Bihms Koarle `eine unbestimmte Menge, Anzahl´; anne Zoaspl Jungn.

Zoaster m. `Zaster´. 1. umg. `Geld´. - 2. `Tempo, hohe Geschwindigkeit´; ´n Schissburn runder foahrn, do krigst de aber ann Zoaster druf.

zoastern (kurzes oa) swv. `(be)zahlen´.

zoatschch (gedehntes oa) Adj. dass. wie zoatscherch. Lautf.: zätschch, zatschch.

Zoatsche (gedehntes oa) f. Süd- u. sOstlausitz `verwöhntes, weinerliches Kind; zimperliches, verzärteltes Mädchen; langatmig redende, weinerliche Frauenperson´. Lautf.: Zätsche Cunewalde, Zatsche.

Zoatscherch (gedehntes oa) m. selt. Südlausitz `weinerliches Kind´. Lautf.: Zätscherch, Zatscherch.

zoatscherch (gedehntes oa) Adj. `weinerlich, empfindlich, wehleidig, zimperlich´. Lautf.: zätscherch, zatscherch.

zoatschn (gedehntes oa) swv. Südlausitz, sOstlausitz `grundlos jammern, weinerlich sprechen, kläglich tun´; unse Kleene zoatscht ´n ganzn Tag schunn rim. Lautf.: zätschn, zatschn.

Zoblz `Zoblitz (Ort der Stadt Reichenbach OL im °GR)´; de Zoblzchn `die Einwohner von Zoblitz´.

Zocke ohne Genus, veralt. f. `Zockau (Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im °BZ)´. Lautf.: Zucke.

Zodl siehe Zuttl!

Zodl `Zodel (Ort der Gemeinde Neißeaue im °GR)´; de Zodler od. Bookzodler `die Einwohner von Zodel´. Spitzname: Bookzodl.

Zodlbar siehe Zuttlbar!

Zodlbook, Zodlbuck, Zodlbock siehe Zuttlbook!

Zodlch m. nwSüdlausitz, sWestlausitz `Person, die liederlich (um das Haar) geht´.

zodlch siehe zuttlch!

Zodlkupp siehe Zuttlkupp!

Zoom m. Pl. Zeeme `Zaum: aus Trense u. Riemenwerk für den Kopf bestehende Vorrichtung zum Lenken u. Führen von Reit- u. Zugtieren´.

Zoomgeld n. `Zaumgeld´. 1. `Trinkgeld , das beim Pferdehandel der Käufer dem Knecht des Verkäufers, der das Pferd vorführt u. bisher gepflegt hat, aushändigt´; auch Hoalftergeld. - 2. `Trinkgeld beim Verkauf von Zuchtvieh, nicht nur bei Pferden´. Lautf.: Zoomgaajld.

Zoop m. Pl. Zeppe Süd- u. Ostlausitz, Dim. Zeppl `Zopf´. 1. wie litspr. `aus mehreren Strängen zusammengeflochtenes Haar, Haarflechte´; Zeppl od. ann Zoop flechtn, aber: iech bie mit´n Zuppe hängn gebliebm. - 2. fachspr. aus der Handweberei `Fadenbündel, Fadenstrang (beim Aufbäumen)´. - 3. `Semmel in Form eines Zopfes´, Mohzeppl; im Oberland jedoch Flaajchtnsamml. Lautf.: Zupp; Zopp nwSüdlausitz, Westlausitz.

Zschurne `Zschorna (Ort der Gemeinde Hochkirch im °BZ)´; de Zschurnschn `die Einwohner von Zschorna´. Lautf.: Tschurne.
Zschurne ohne Genus, veralt. f. `Zschornau (Ort der Gro0en Kreisstadt Kamenz im °KBZ´. Lautf.: Zschorne, Tschurne, Tschorne; de Zschurnschn `die Einwohner von Zschornau´.

zu Präp. mit Dat. 1. lokal; zu Tanze gihn, zu Groabe gihn, zun Bäckn foahrn, zun Hoalse raushängn. - 2. temporal; zu(n) Juhre `nächstes Jahr´, Simmdzobm `Sonnabend zum Abend´. - 3. konsekutiv (die Folge, das Ergebnis einer Handlung od. Entwicklung bezeichnend); sich zu Tude saufm. - 4. final (den Zweck, das Ziel einer Handlung bezeichnend), wie litspr. `für´; enn woaas zu(n) Schure machn `jmdn. absichtlich ärgern´. - 5. in der Wendung zu dan od. zu dar; zu dan is o goar nischt derzu. - 6. abweichend von der Litspr. zu woaas, zu woaase, zu woaasn `wozu´. Lautf.: ze, zi.
zu als Adv. u. in adj. Funktion 1. bezeichnet die Richtung einer Bewegung, häufig in Zuss. mit Adverbien; ruffzu, heemzu. - 2. drückt aus, dass etw. geschlossen ist; dr Kraatschn hoat heute zu, iech hoa a de zue Tiere gepucht. - 3. zu als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; zuschloin, zudrickn.
zu als Partikel 1. wie litspr. Steigerungspartikel ; zu winnk, du bist mer zu frech. - 2. wie litspr. Inf.-partikel; die hoann nischt zu tun. Lautf.: ze, zi.

zu äberscht Adv. `zu oberst: am weitesten oben´.

zu Juhre siehe Juhr!

zu woaase Oberland `wozu, wofür´; zu woaase sulln´n die Truppm gutt senn? Lautf.: zu woasse, zu woas´n. 

Zuber m. Obercunnersdorf, Jonsdorf `großer kegelstumpfförmiger Holzbottich mit zwei Handhaben (zum Tränken), tragbares Jauchefass, Abortkübel´; auch Jauche- od. Jauchnzuber; mer warrn a poaar Zuber (Jauche) uff de Abern troin.

Zucht f. 1. `übles Verhalten, schlechtes Benehmen, Unart´; doaas is anne Zucht mit dir! - 2. `Drängelei, Unruhe, Quälerei durch fortwährendes Bitten´; hoa oack ne su anne Zucht! Lautf.: Zocht Westlausitz.

Zuchthauslumpm Pl. Zittau `Weißkrauteintopf´. Siehe Grußkraut!

zuchtn swv. Süd- u. Westlausitz `unablässig bitten u. betteln, jmdn. mit Wünschen unaufhörlich bedrängen, quälen u. jmdm. auf die Nerven fallen´; wenn de noa lange zuchst, krigst de goar nischt! Gezuchte `unaufhörliches Drängen´. Lautf.: zochtn Westlausitz.

Zuckebändl n. Großschönau `Schnur am Handwebstuhl, die den Schützen in Bewegung setzt´. Lautf.: Zuckebandl, Zucklbändl, Zucklbandl. Lautf.: Zocklbändl.

Zuckepfleckl n. Großschönau, Leutersdorf `Griff an der Schnur, die den Schützen in Bewegung setzt´. Lautf.: Zucklpfleckl, Zockepfleckl.

Zuckerbier n. veralt. `einfaches Bier mit Zucker´. Es wurde mit einem langen hölzernen Löffel zum Umrühren serviert.

Zuckerbissl n. selt. Cunewalde, Jonsdorf, Schirgiswalde `Bonbon´. Siehe auch Kichl!

Zuckerbrazl f. `Zuckerbrezel´; an Hickl vun Ruperche woarrn Welsche Nisse, Hoaslnisse, Bauerbissn, Pfafferkuche, Zuckerbrazln und a Fingerringl aus buntn Gloasparln.

zuckerch Adj. Lawalde `mit Zucker versehen, überstreut´.

Zuckerguschl n. `süßer Mund zum Küssen; niedliches, hübsches Mädchengesicht´.

Zuckerhonch m. °ZI Ebersbach, Oberlichtenau `Zuckerhonig: künstlicher Honig´; anne Tofl Zuckerhonch. Lautf.: Zuckerhunch Neukirch, Zockerhonsch Schirgiswalde.

Zuckerhutt m. `Zuckerhut: ein an der Spitze abgerundeter Kegel aus Zucker, der im 19. Jahrhundert in jedem Kramerladen stand und von dem zum Verkauf Stücke abgeschlagen wurden´.

Zuckerkand m. `Kandiszucker´. Es gab früher keinen Würfelzucker, und der Kaffee wurde mit Kandiszucker gesüßt.

Zuckerkarnl n. 1. `ein Stück Kandis- od. Würfelzucker´, vgl. Karnl! - 2. `Bonbon´. Lautf.: Zuckerkernl.

Zuckerlecke f. dass. wie Zuckerleckn.

Zuckerleckn n. `süße Angelegenheit; angenehme, leichte Tätigkeit´.

Zuckermannl n. (meist Pl.) `Zuckermännlein: gebackene u. mit Zuckerguss bemalte Figuren als Behang für den Christbaum´.

Zuckernissl n. 1. Seifhennersdorf `kleines Pfefferkuchenbonbon mit od. ohne Haselnusskern´. - 2. söSüdlausitz, Ostlausitz `(kleines) Bonbon´.

Zuckerpfläuml n. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach `jede süße Pflaume´.

Zuckerschmoatz m. `süßes Schaumgebäck´; auch Schmatzl.

Zuckerstängl n. Obercunnersdorf, Kottmarsdorf `stängelförmiges Bonbon´. Man löst weißen Zucker in Gerstenwasser auf u. dickt ihn durch Kochen ein. Die noch warme Masse wird zu Stäbchen gedreht; dr Kromer ruckte a Zuckerstängl raus, bloo und rutringlch. Lautf.: Zockerstängl Schirgiswalde, Zockerstangl Burkau, Oberlichtenau, Zuckerstangl.

Zuckerstickl n. Niedercunnersdorf `Bonbon od. Stück Würfelzucker´; etw. größer als das Kichl od. Zuckernissl.

Zuckertitte f. `Zuckertüte´.

zuckln swv. `langsam fahren´.

zuckn swv. `zucken´ 1. `eine kurze, schnelle, meist unwillkürliche Bewegung ausüben´; mit´n Achsln zuckn. - 2. refl. in der Wendung die hoann´ch noa ne gezuckt `die haben sich noch nicht gerührt, gemeldet, Bescheid gegeben´.

Zudeckbette n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Girbigsdorf `Bettdecke, Deckbett, Oberbett´.

Zudecke f. dass. wie Zudeckbette.

zudeckn swv. `zudecken´; de Mutter hoat miech richtch zugedackt `die Mutter hat mich geprügelt´.

Zudl (gedehntes u) siehe Zuttl!

Zudlbar siehe Zuttlbar!

Zudlbook siehe Zuttlbook!

zudlch (gedehntes u) Neugersdorf siehe zuttlch!

Zudlkupp siehe Zuttkupp!

zufache (kurzes a) siehe Faach! Lautf.: zerfache (zer Fache).

zufleiße Adv. `vorsätzlich, absichtlich, durch eigene Schuld´, auch zu Fleiße. Lautf.: zefleiße.

zugan stv. 1. wie litspr. `etw. zusätzlich dazugeben´. - 2. `beim Skatspiel das, was gefordert ist (Trumpf od. eine best. Farbe), dazugeben´. - 3. wie litspr. `eingestehen, dass etw. wahr ist´; gibb´s zu, krigst a Juhr winnger!

Zugbändltiere f. Niedercunnersdorf, Dittelsdorf, Jonsdorf `Tür mit Bändelklinke, meist bei der Aborttür´, siehe Bändlklinke!

zugehackt Adj. (eigtl. Part. Prät.) `grob, ungehobelt, taktlos´; dar is wie zugehackt.

zugekneppt Adj. `zugeknöpft´. 1. `eng, mit Knöpfen verschlossen, nicht lässig´; die hoat´ch bis zun Hoalse zugekneppt. - 2. `unzugänglich, abweisend, einsilbig, kontaktarm, unnahbar´; die wird wull kenn kriegn, su zugekneppt wie die is.

zugeneege Adv. wSüdlausitz `gut genug, sympathisch, angenehm, gut geneigt´; du bist mer ne zugeneege. Lautf.: zugneege u. zgneege wKürzung.

zugeton Adj. in der Wendung `zugetan: wohlwollend´; enn zugeton senn `jmdm. freundlich gesinnt sein´.

zuguckn swv. `zugucken, zusehen´, in der Wendung ´s Zuguckn hoann `zusehen und zum Nichtstun verdammt sein, (wie andere das große Geschäft machen)´.

zugutte Adv. 1. sich zugutte gan `sich zufrieden geben, sich beruhigen, sich mit etw. abfinden, aussöhnen´. - 2. sich woaas zugutte tun `sich etw. Gutes (an Essen od. Trinken) leisten, gönnen´.

zuirscht siehe zerirscht!

zuknätern swv. Burkau `durch einen Knoten zubinden´; ´s Eibindetichl zuknätern. Lautf.: zukneetern.

zuknätln swv. Obercunnersdorf, Cunewalde dass. wie zuknätern; du musst dr noa de Schicher zuknätln. Lautf.: zukneetln.

zukumm stv. `zukommen: trächtig werden (Kuh)´; de Kuhe is zugekumm.

zukure siehe Kure!

zulichtn Adv. `in der Fastnachtszeit am Abend bei Licht (vermummt u.) zum gemeinsamen Bräuche ausüben´; mer gihn hinte zulichtn `wir besuchen heute Abend jmdn. (vermummt)´. Lautf.: zelichtn, zulichte, zelichte.

Zulker m. f. (meist Pl.) 1. Michel Seifh. `dickes, festes Gebund Wolle´. - 2. `etw. Herabhängendes; liederliches, ungepflegtes Haar; Franse, Faden, Faser an der Kleidung´; lange Zulkern `lange, unschönen, strähnigen Haare´. - 3. veralt. Anton `altes abgetragenes, (weibliches) Kleidungsstück, Fetzen.´ - 4. veralt. Anton `liederliches, freches, sehr schmutziges Weib´. - 5. verstr. um Niesky `Heureihe´.

Zulkerbeckl n. 1. Schlesien `unfrisierter Mensch´. - 2. Nordböhmen `Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi)´.

Zulkerch m. 1. Jonsdorf, Schirgiswalde `etw. Herabhängendes; ungepflegtes Haar, Franse´. - 2. Neugersdorf , Cunewalde, Schirgiswalde `Schnuller zur Beruhigung von Säuglingen, Sauger´. - 3. Jonsdorf, Girbigsdorf `Verstopfung (durch Scheuerlappen, Laub, Haare, Papier) im Rohr´.

zulkerch Adj. Seifhennersdorf `ungepflegt, baumelnd (ums Haar)´; zulkerche Lodn.

Zulkerlode f. (meist Pl.) °ZI Ebersbach, Cunewalde dass. wie Zulker 1.; dar hoat lange Zulkerlodn.

zulkern swv. 1. selt. Anton `schmutzige, zweideutige Reden führen, Zoten reißen´. - 2. Schlesien `langsam gehen, dahertrotten, herumhängen´. - 3. Oderwitz `ungeschickt Haare kämmen, beim Frisieren ziehen´; meine Kleene zulkerte mir mit´n Koamme uff menn Kuppe rim.

Zulle f. abwert. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `(ungeschicktes, langsames, großes, kräftiges) Mädchen (im jugendlichen Alter)´; die lange Zulle kimmt ne zu Rande.

zuloofm stv. 1. wie litspr. `(von herrenlosen, entlaufenden Haustieren) sich (jmdm.) anschließen´; die diche Koatze is uns zugeloofm. - 2. zugeloofm Adj. (eigtl. Part. Prät.) scherzh. `eine Partnerschaft eingegangen sein, eingeheiratet haben, in einer anderen Gemeinschaft Anschluss gefunden haben´; zerirscht futegroafier´ch´s Geburtstagskind mit´n Kindern und´n Zugeloofnen und derno mit´n Enklkindern; doaas is ihr neuer Zugeloofner.

Zulp m. Schirgiswalde, Girbigsdorf `Saugbeutel, der Kleinkindern u. Säuglingen zur Beruhigung in den Mund gesteckt wurde´; das Wort wurde später auf den `Schnuller´ übertragen. Lautf.: Zschulp Burkau, Steina, Zulpsch Steina.

Zumft f. `Zunft´ 1. wie litspr. `Zusammenschluss von Handwerkern, Innung, Gilde´. - 2. übertr. `Beruf, Tätigkeit´; doaas is doa enner vu denner Zumft `der übt doch die gleiche Tätigkeit aus wie du´; dar is vu dr schreibmdn Zumft. Lautf.: Zumpft.

zuppln swv. `zupfen, ziehen´; ´s Zickl zupplt oan Strichn dr Ziege rim.

zumachn swv. `schließen´.

zumol(e) Konjunkt. `zumal: besonders weil´; iech kumm ne mit, zumole hinte Fußboall kimmt. Lautf.: zemol(e).

Zumpe f. 1. abwert. Niedercunnersdorf, Altbernsdorf, Schlesien `liederliche, schlampige Frau´. - 2. Großhennersdorf `Fräulein, Jungfer´. Lautf.: Tschumpe Großhennersdorf.

Zumplliese f. 1. Ostlausitz dass. wie Zumpe. - 2. Särichen `Frau, die trödelt´.

zun (gedehntes u)  Adj. `zuen, geschlossen´; iech koann mit zun Oogn menn Noam schreibm.

zunahm stv. `zunehmen: an etw. (Gewicht, Aussehen) erhöhen, vergrößern´; dr Mond nimmt wieder zu.

zunander reziprokes Pron. `zueinander: einer zu dem anderen´.

Zunder mdal. ohne Genus `Tempo, hohe Geschwindigkeit´; mer fuhrn mit Zunder de Barglahne runder.

zunoam swv. `mit zusätzlichen Namen (Spitznamen) eindecken; den Namen verunstalten´; de Kinder warrn zugenoamt.

zunn siehe zinn!

zuplauzn swv. `etw. laut zuschlagen´; dr Wind hoat de Tiere zugeplauzt, und iech koam ne mih rei.

zupoasse Adv. in der Wendung woaas kimmt enn zupoasse `etw. kommt jmdm. gerade recht, gelegen, zum richtigen Zeitpunkt´; doaas Weihnachtsgeld koam mer zupoasse.

zupoatschn (kurzes oa) swv. `(mit der kindlichen Hand) zuschlagen, zugreifen´. Vgl. Poatsche!

zuppln swv. Südlausitz `zupfen, ziehen´; ´s Zickl zupplt oan Strichn vu dr Ziege rim. Lautf.: zippln.

zuppm swv. `zupfen: ein bisschen an etw. ziehen´; Unkraut zuppm.

zuraajchte siehe zerraajchte!

zuraajchte- als Adverbialpartikel in unfesten Zuss. `rechtzeitig, zurecht-´; zuraajchtelän, zuraajchtesaajn `zurechtsägen´. Lautf.: zeraajchte-.

zuraajchtekumm stv. 1. mit woaas zuraajchtekumm `etw. gut bewältigen´. - 2. mit enn zuraajchtekumm `mit jmdm. gut auskommen´. - 3. `zur rechten Zeit kommen´. Lautf.: zeraajchtekumm.

zuraajchtemachn swv. `etw. (für die Benutzung) vorbereiten´.

zuraajchterickn swv. enn zuraajchterickn `jmdn. zurechtweisen´. Lautf.: zeraajchterickn.

zurande Adv. 1. `an den Rand, in den Winkel, ins Abseits´; a kruhch zurande; woaas zurande schoaffm `etw. aufräumen´. - 2. `zur Ruhe, ins Bett´; willst de ne endlch zurande gihn? - 3. `abgeschlossen, erledigt, fertig´; iech kumm ebch ne zurande. - 4. `zur Neige, bald aufgebraucht, zu Ende´; murne gihn de Feiertage zu Rande. Lautf.: zerande, zeraande Westlausitz.

zurechn Adv. Obercunnersdorf, Oberlichtenau, Girbigsdorf, Mückenhain `sozusagen, nach meinem Dafürhalten, beinahe, fast, ungefähr, etwa´ (eigtl. `so wie ich rechne, wie ich annehme´); de Kinder huttn su zurechn anne gude Stunde zu loofm. Lautf.: zerechn.

zuricke siehe zericke!

zurickn unregelm. V. `zurücken´. 1. `zusammenrücken: sich ein kleines Stück weiterbewegen, um anderen Platz zu machen´. - 2. Niedercunnersdorf `zuschieben der innen am Fenster angebrachten, in Leisten rutschenden Holzplatte´; de Fanster zurickn. Siehe Fansterloadn! Lautf.: zuruckn.

zurickzu(s) Adv. `auf dem Rückweg, heimwärts´; zurickzu hoa´ch länger gebraucht. Lautf.: zerickzu(s).

zuroackn Adv. 1. `zum gemeinsamen Spinnen´; kummt oacke zuroackn! zuroackn gihn. - 2. dass. wie zulichtn. Lautf.: zeroackn.

zusahn stv. `zusehen: versuchend etw. in Angriff nehmen; probieren, einen Plan in die Tat umzusetzen´; ihr misst zusahn, doaaß dr noa de Boahne krigt; siech oack zu, doaas de heemkimmst !

zusahnde Adv. `zusehends: mit den Augen wahrnehmbar, rasch, offenkundig´; a noahm zusahnde oab.

zusch-aus Interj. Ruf, mit dem man ein Kind verspottet od. dessen Schamgefühl wecken will; dabei zeigt man mit dem linken Zeigefinger auf den Betroffenen, während man mit dem rechten Zeigefinger rasch o. oft über den linken streicht´; zuschaus, zuschaus, oalle Leute lachn diech aus! Lautf.: zisch-aus.

zuschanzn swv. Bihms Koarle `zuschanzen: etw. zukommen lassen, etw. ohne Anlass schenken, verkuppeln´.

Zuschge (kurzes u) f. Pl. Zuschgn nOstlausitz `Kiefern- u. Tannenzapfen´. Lautf.: Tschuschge, Schuschge, Schischka nOberlausitz.

zuschln swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Cunewalde, Schirgiswalde `zischeln: leise u. heimlich (Unfreundliches) über jmdn. reden, flüstern, tuscheln´; RA: Woaas zuschlt, doaas leugt, woaas Fliegl hoat, floigt. Lautf.: zischln.

zuschloin stv. `zuschlagen´. 1. wie litspr. - 2. `mit der Weblade den eingeschossenen Schuss an das Gewebte anschlagen´.

zuschn swv. Südlausitz `zischen´; meine Fitschlche zuschtn oack su durch´s Bloseruhr.

zuschnoappm swv. `zuschnappen´. 1. `ein Tier beißt nach jmdm. od. nach etw., sterben´; dr Ganserch schnoappte zu. - 2. `etw. schließt sich plötzlich´; iech mechte noa ´n Schrank ufräum, ehb mer dr Oarsch zuschnoappt.

zusetzn unregelm. V. `zusetzen: enn zusetzn `jmdn. unter Druck setzen, bedrängen´; de Foamilche hoat mer aber zugesoatzt! Konjug. siehe setzn!

zusoamm `zusammen´. 1. als Adv.; doaas macht zusoamm zahn Moark. - 2a. als Adverbialpartikel in unfesten Zuss.; zusoammnahm, zusoammknietschn. - b. in der umg. Fügung vom Typ (sich) woaas zusoamm; die loabert enn Mist zusoamm, sich woaas zusoamm reim. Lautf.: zersoamm, zesoamm, zoamm Spitzkunnersdorf, zusoammde, zesoammde, zoammde, zsoamm Jonsdorf, öKürzung od. zsoamme.

zusoammboalln siehe boalln 2!

Zusoammgekoachtes `eine Art Eintopf, der sich aus Speiseresten der Vortage zusammensetzt (Kartoffeln, Gemüse, Fleisch).

zusoammgihn unregelm. V. `zusammengehen´. 1. `kleiner werden, eintrocknen, schrumpfen´ - 2. `Klümpchen bilden, flockig werden, zu Butter werden (von der Milch beim Stampfen), gerinnen´. - 3. `liiert sein, ein Paar bilden´; Sprichwort: Zusoammgihn und zusoammziehn is zwee-erlee. Lautf.: zusoammdegihn.

zusoammkehrn swv. `zusammenkehren: Dreck auf einen Haufen kehren´. Lautf.: zusoamm-, zusoammde-, -kehrn, -kährn.

zusoammknietschn swv. `etw. (meist Gewebe, Papier) unordentlich zusammendrücken, zusammenknüllen´. Lautf.: zusoammdeknietschn.

zusoammkrippm siehe krippm!

zusoammkreeschn swv. `Fett u. Saft durch das Braten verlieren u. dadurch zusammenschrumpfen´. Lautf.: zusoamm-, zoamm-, zusoammde-, -kreeschn, -kreischn.

zusoammläppern swv. refl. `(aus kleinen Mengen) langsam anwachsen, allmählich mehr werden, sich ansammeln´; ieber de Wuche hoann´ch vill Schuloarbeitn zusoammgeläppert. Lautf.: zusoammdegeläppert.

zusoammloofm stv. `zusammenlaufen´. 1. `sauer werden, gerinnen´; de Milch is zusoammgeloofm. - 2. in der RA: do leeft enn ´s Woasser an Maule zusoamm `da bekommt man einen großen Appetit´. Lautf.: zusoammdeloofm.

zusoammnahmsch Adj. Hirschfelde, Ohorn `sehr sparsam´; die is su zusoammnahmsch, doaaß se is Wirschtlwoasser zun Suppekoachn nimmt. Lautf.: zesoamm-, zusoammde-, zoammnahmsch.

zusoammrechn swv. `zusammenrechen: mit einem Rechen etw. auf einen Haufen befördern´. Lautf.: zusoammderechn.

zusoammrettln swv. Girbigsdorf `(mit einem Rettl) etw. fest zusammenziehen, zusammenschnüren´. Lautf.: zusoammderettln, zusoammreetln.

zusoammrickn swv. `zusammenrücken: ein kleines Stück aufeinander zu rücken´. Lautf.: zusoammderuckn, zusoammruckn, zusoammderickn.

zusoammroaffm swv. 1. ann Saak zusoammroaffm `vor dem Zubinden eines vollen Sackes das obere Ende zusammennehmen´. - 2. refl. `sich zusammennehmen, benehmen´; roafft dch zusoamm!

zusoammsackn swv. `in sich zusammensinken (z.B. Erdreich), zusammenbrechen (Menschen)´; die is ver dr Koofhoalle zusoammgesackt. Lautf.: zusoammdesackn.

zusoammschoarrn swv. `sich durch Geiz u. Enthaltsamkeit mühsam Besitz od. Geld aneignen´; woaas ha zusoammschoarrt, schoarrt sie wieder breet. Lautf.: zusoammdeschoarrn.

zusoammschrumpln swv. `zusammenschrumpfen, kleiner u. dabei faltig werden´; de Pilze uff´m Ufm senn ieber Nacht ganz schiene zusoammgeschrumplt. Lautf.: zusoammdeschrumpln.

zusoammschustern swv. umg. `etw. liederlich anfertigen, stümperhaft arbeiten´.

zusoin swv. `zusagen: ansprechen, passen, gefallen´. Lautf.: zusoarn, zusoan.

zutiegn (gespr. zudiegn) Adv. veralt., selt. `gut genug, recht, taugend´; do koann´s uns dr Knaajcht ne mih zutiegn machn. Lautf.: zetiegn.

Zutrauche f. `Zutrauen, Vertrauen´; Zutrauche hoann.

Zutsch (gedehntes u) m. sSüdlausitz, Ostlausitz 1. `Gummisauger, der dem Kleinkind zur Beruhigung in den Mund gesteckt wird; Schnuller, Zulp´. - 2. Seifhennersdorf  `weiche, hohle (saure) Gurke; etw. Schlüpfriges zum Essen´.

Zutschboajttl m. 1. `Lutschbeutel: kleiner Leinenbeutel, gefüllt mit Brot, Zwieback, Zucker, Apfelmus oder Möhrenbrei für Kleinkinder´; auch Zutschfleckl, Nutsch, Nutscher, Nutscherch, Nutschfleckl. - 2. übertr. `eingelegte Gurke, die sehr wässrig ist´. Lautf.: Zutschboajgl, -boattl, -boardl.

Zutscher (gedehntes u) m. `Sauger, Schnuller´; Stoobzutscher `Staubsauger´.

Zutschfleckl (gedehntes u) n. veralt. Dittelsdorf `Sauglappen mit eingewickeltem aufgeweichtem Brot od. gebrühter Semmel mit klarem Zucker zur Beruhigung der Kleinstkinder´, auch Nutsch, Nutscher(ch) oder Nutschfleckl.

Zutschl (gedehntes u) n. Oberlichtenau `Bonbon´.

zutschn (gedehntes u) swv. `zutschen: (geräuschvoll) an etw. saugen, an den Fingern lutschen´; wie anne ausgezutschte Zitrone aussahn `bleich aussehen´.

Zuttl f. Ober- u. Niedercunnersdorf, Wittgendorf, Jonsdorf `Zottel´ 1. im Sg. `einzelnes Haar, Haarsträhne, Haarbüschel´, meist Pl. `liederliche, ungepflegte, lang herabhängende Haare´; dr Teppch is vuler Lodln und Zodln. - 2. `Franse, hängender Faden´; du reddst bis de Zudln a dr Gusche hust. Lautf.: Zodl (gedehntes o) Cunewalde, Westlausitz, Zudl (gedehntes u) Schirgiswalde.

Zuttlbar m. Ober- u. Niedercunnersdorf, Cunewalde, Wittgendorf `Zottelbär´. Lautf.: Zodlbar Bihms Koarle, Burkau, Zudlbar Schirgiswalde.

Zuttlbook m. 1. `(Schafs)bock mit liederlichen, ungepflegten Wollhaaren´. - 2. übertr. `Pers., mit ungepflegtem, üppigem Haar´. Lautf.: Zudlbook Oberland, Zodlbuck Burkau, Zodlbock Westlausitz.

zuttlch Adj. Ober- u. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `zottelig: liederlich, ungepflegt, struppig (bei Haar od. Garn)´. Lautf.: zudlch Neugersdorf, Schirgiswalde, zodlch Steinigtwolmsdorf, Burkau, Oberlichtenau.

Zuttkupp m. Niedercunnersdorf, Cunewalde `Zottelkopf: Kopf mit (ungepflegten) langen Haaren´. Lautf.: Zudlkupp, Zudlkopp Schirgiswalde, Zodlkupp Burkau.

zuttln swv. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach `zotteln: ziellos schlendern, trotten´; rimzuttln. Lautf.: zodln.

Zuttsch m. `Schottisch´. 1. veralt., ein Volkstanz; ann klenn Zuttsch uffihrn. - 2. übertr. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `Aufhebens, Umstände, Gerede´; mach kenn Zuttsch! `Vollführe keinen Tanz! Mache keine Umstände!´ Lautf.: Tschuttsch.

zutunlch Adj. Südlausitz `zutraulich, anschmiegsam, innig´; a is ne eestielch, a is zutunlch. Lautf.: zutulch, zutu(n)lich.

Zutunlche f. Südlausitz `Zutraulichkeit, das Zutrauen, Natürlichkeit, angenehmes Wesen, Gemütlichkeit´; doaas Zutunlche is´n oaageburn. Lautf.: Zutunliche, Zutulche, Zutuliche Pulsnitz.

zuvure Adverbialpartikel `zuvor, vorher´; ´s woar a Juhr zuvure, dar wohnt a Häusl zuvure. Lautf.: ze(r)vure.

zuwaajge Adv. `zuwege: zustande´; dar brett nischt zuwaajge `der bringt nichts zustande´.

zuwinngstns Adv. Obercunnersdorf 1. `zumindest´. - 2. (in Verbindung mit Zahlwörtern) `mindestens´; iech hoa zuwinngstns drei Pfund oabgenumm. Lautf.: zuwinngstn; zun winngstn Bihms Koarle, Ostlausitz.

zuzeuge Adv. 1. Siehe Zeug! Find´ch oack zuzeuge! `Bist du endlich angezogen!´ - 2. in der Fügung zuzeuge kumm `gelingen, vonstatten gehen´.; iech kumme mit dar Baastlei eefach ne zuzeuge. Lautf.: zezeuge.

zuziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `zuziehen´ 1a. `etw. (Knoten, Vorhang, Tür) schließen, indem man daran zieht, (um sich zu verbergen)´; de Goardinn zuziehn. - b. `bewölken´; dr Himml hoat´ch zugezoin, is wird glei raajn. - 2. `in einen Ort ziehen, sich ansiedeln, sesshaft werden´; die is zugezoin. - 3. refl. `etw. Unangenehmes bekommen´; iech hoa mer mei schlaajchtes Oognlicht an Kriege zugezoin.

zuzode (gedehntes o) Adv. veralt. Neugersdorf, Seifhennersdorf in der Fügung woaas zuzode gihn `etwas vonstatten gehen, vorwärts gehen, etwas geschehen´; amende gitt´s meed´n Häuslbaue doa noa zuzote. Lautf.: zezote.

Zwaajke f. `Zwecka, Erlbachtal´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ort östlich der Neiße bei Seidenberg, poln. `Swiechow´.

zwä / zwäe Zahladj. Oberland veralt. siehe zwee! Nur noch in azwä `entzwei´ enthalten.

zwackn swv. umg. `zwacken: zwicken, kneifen´.

Zwänge f. selt. in den Fügungen a de Zwänge kumm `aus Zwang handeln müssen´, enn a de Zwänge treibm `jmdn. in die Enge treiben´.

zwängn swv. dass. wie quängn!

zwängln swv. Niedercunnersdorf, Jonsdorf siehe quängn 1!

zwätun siehe zweetun!

Zwecke f. 1a. `Nagel im Mittelpunkt der Zielscheibe´. - b. Jonsdorf `kleiner Nagel mit breitem Kopf´. - c. silberne Zwecke als Ohrenschmuck; a senn Uhrwaschln finkln silberne Zweckn. - 2. übertr. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `kleine, aufgeweckte, drahtige Pers.´, meist `Kind´. - 3. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `(hohe) Geschwindigkeit´; dar hoat aber anne Zwecke druf! Lautf.: Zwaajke Seifhennersdorf.

Zwecknkupp m. `Zweckenkopf´. 1. `breiter Kopf eines kleinen Nagels´. - 2. übertr. auf Pers. `Dickkopf´. Lautf.: söSüdlausitz um ehem. °ZI Reichenau an der böhmischen Grenze Zwecknkoop

Zwecknschadl m. Nordböhmen `Dickkopf´.

zwee / zwee-e Numerale `zwei´; du kimmst zwee od. zwä Stunn zu späte; durte kumm zwee-e od. zwäe; doaas is seine zweete od. zwäte Frooe; wie wär´sch mit uns zwee beedn? Lautf.: zwiene (Moannzn) m., zwu (Weibsn) f., zwä (Kinder) n. (Differenzierung der Genera veraltet).

zweeächslch Adj. Obercunnersdorf (eigtl. `auf zwei Schultern tragend´) `doppelzüngig; sich im Reden u. Handeln den Bedingungen anpassend, keine eigene Meinung habend´.

zweeballch Adj. selt. `zweibällig: asymmetrisch (Schuhwerk), der rechte und linke Schuh sind der natürlichen Fußform angepasst´. Lautf.: zwee-, zwä-, ballch, -boallch.

zwee-erlee undeklinierbares Gattungszahladj. `zweierlei: verschiedenartig, nicht zusammengehörend, uneins, auseinander´; wenn de doaas machst, senn mer zwee-erlee `wenn du das machst, ist es zwischen uns aus´.

zweegeschooßch Adj. `zweigeschossig´; mer hoann´ch a zweegeschooßches Häusl gekooft. Lautf.: zwägeschooßch bes. Oberland.

zweeglees´ch Adj. `zweigleisig´. 1. wie litspr. `aus zwei parallel verlaufenden Gleisen bestehend´; de Boahne is zweeglees´ch. - 2. Obercunnersdorf, Burkau `zwei Dinge (gleichzeitig od. hintereinander) machend´. - 3. Girbigsdorf dass. wie zweeächslch.

zweelaatsch Adj. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `doppelt´. Lautf.: zwä-, zwee-, -laatsch, -lätsch.

zweelitzch Adj. Niedercunnersdorf `doppelt, zweifach´; nihm ´n Foadn zweelitzch!

zweemannsch Adj. dass. wie zweemenschch `für zwei Mann bestimmt´. Lautf.: zweemännsch Sächs. Schweiz.

zweemenschch Adj. `für zwei Menschen bestimmt´; a zweemenschches Bette. Lautf.: zweementschtch, zwämen(t)sch(t)ch.

Zweepfennger m. `Zweipfennigstück´. Lautf.: Zwäpfennger veralt. Obercunnersdorf.

zweeschemmlcher Stuhl m. `Webstuhl mit zwei Trittschemmeln (Tretwerken) zur Bewegung der Schäfte´. Lautf.: zwäschemmlcher Stuhl.

zweespännch Adj. `zweispännig´. 1. wie litspr. `mit zwei Pferden im Geschirr´; a zweespänncher Bauer. - 2. übertr. a. Obercunnersdorf `für zwei Personen bestimmt´; a zweespännches Bette `eine Doppelbettstelle´. - b. `zu zweit, miteinander, paarweise´; wull mer zweespännch durch´s Labm gihn? `Wollen wir heiraten?´. Lautf.: zwäspännch; zwäspänncht °ZI Ebersbach.

Zweespänner m. `mit zwei Zugtieren bespanntes Fahrzeug´.

zweesteckch Adj. `zweistöckig, doppelstöckig´; anne zweesteckche Reitmoaschine. Lautf.: zwästeckch.

zweetun Adv. `zweierlei´, eigentl. Zweetun substantiviertes Adv. ohne Genus; a Rook und a Rickl is zweetun. Lautf.: zwätun.

zwelfe Numerale `zwölf´; vu zwelfm bis zu Mittche `nicht einmal für kurze Zeit´. Lautf.: zwilfe °ZI Ebersbach.

Zwelfnächte Pl. `Zwölfnächte: die zwölf Nächte zwischen dem Weihnachtstag (25.12.) und Hohen Neujahr (6.1.)´. An diese Zeitspanne sind abergläubische Vorstellungen u. Bräuche geknüpft. So sollen die Träume, die man in diesen Nächten hat, in dem entsprechenden Monat des kommenden Jahres in Erfüllung gehen. Auch kann man aus der Witterung dieser Tage das Wetter für das nächste Jahr vorhersagen. Man darf keine Bettwäsche waschen, nicht spinnen und nicht nähen, keinen Nagel in die Wand schlagen und auch nicht Jauche oder Mist fahren.

Zwibbl f. `Zwiebel´. 1. wie litspr.; gebrutte Zwibbln. - 2. Oderwitz `alte, nicht mehr genau gehende Taschenuhr´; Toaschnzwibbl. Lautf.: Zwiebl Oberlichtenau.

Zwibblabern Pl. `Kartoffeln mit Zwiebeln´; dr Junge oaß senne Zwibblabern noamo su hurtch oas sunst.

Zwibblkoalender m. `Zwiebelkalender´: In der letzten Stunde der Neujahrsnacht werden von einigen gesunden Zwiebeln die braunen Häute abgelöst. Dann schneidet man die Zwiebeln von der Spitze bis zur Wurzel durch. Auf das Fensterbrett werden zwölf Zwiebelschalen nach der Zahl der Monate aufgestellt. In jede Schale kommt eine Messerspitze trockenes Salz. Am Vormittag des 1. Januar erfolgt die Auswertung. Trocken gebliebenes Salz weist auf einen trockenen Monat, feucht gewordenes auf einen regnerischen hin.

Zwibblquoark m. `Zwiebelquark: mit geschnittenen Zwiebeln angerührter Quark´.

Zwibblschlutte f. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `röhrenförmiges Blatt der Speisezwiebel, Zwiebelkraut´.

Zwibblschnoate f. selt. dass. wie Zwibblschlutte. Siehe Schnoate!

Zwibblschute f. Hirschfelde, Daubitz, Rietschen, Pechern dass. wie Zwibblschlutte.

Zwibblsitte f. verstr. sSüdlausitz `Zittau´, bezugnehmend auf die Zittauer Gelbe, eine Zwiebelsorte; de Zwibblsittschn kumm `die Zittauer kommen´.

Zwibblzoop m. `Zwiebelzopf´. Lautf.: Zwibblzupp, Zwibblzopp.

Zwickl m. n. 1. `spitz zulaufender, keilförmiger Einsatz (in einem Kleidungsstück)´; Zwicklstrimpe. - 2. übertr. in Fügungen wie doaas is a närrscher, neckscher, putzcher od. verdrähter Zwickl `das ist ein eigentümlicher Kerl´, oalberner Cunewalde, Burkau od. oalbernes Zwickl (Bihms Koarle).

Zwicklch m. wSüdlausitz, sWestlausitz dass. wie Zwickl 2.

zwickln swv. `mit einem kneifenden Gegenstand etw. zusammenklemmen´; de Zeppe mit ann Zoophaal(d)er zusoammzwickln.

zwickn swv. `zwicken´. 1a. wie litspr. `jmdn. kneifen´. - b. a Billett zwickn `eine Fahrkarte lochen´. - 2. intrans. is zwickt und zwackt `es schmerzt´.

zwiefch Adj. veralt. Südlausitz `zweifach´.

zwiemern swv. °ZI Ebersbach, Burkau `schmerzen, weh tun´.

zwiene siehe zwee!

Zwiesl m. n. 1. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `kleiner Zweig, junger Trieb einer Pflanze´; Birknzwiesl, Koatznkrautzwiesl, a poaar Zwiesl Dille; se bickt´ch noa ann Waajgerchzwiesl fer´n Koarnoar.  - 2. `kleiner, sich aufdröselnder Rest eines Fadens´. - 3. Anton `Ende eines Zopfes´. - 4. Schlesien `hinteres zweiteiliges Teil der Deichsel´.

Zwieslch m. dass, wie Zwiesl 1.

Zwillch m. `Zwillich: dichtes, köperbindiges Leinen-, Halbleinen- oder auch Baumwollgewebe, meist mit Streifenmusterung´.

Zwille f. Niedercunnersdorf, Wittgendorf `Astgabel´.

zwingn stv. iech zwing(e), du zwingst, mer zwingn, iech zwoangn od. zwungn Seifhennersdorf, iech hoa gezwungn `zwingen´. 1. wie litspr. - 2. woaas zwingn `etwas bewältigen, mit Anstrengung schaffen´; minander warrn mer´sch schunn zwingn.

Zwirbl m. Schlesien dass. wie Zwirblwind.

Zwirblch m. 1. Westlausitz dass. wie Zwirblwind. - 2. Bühlau `(Haar)wirbel´.

Zwirblwind m. öSüdlausitz, West- u. Ostlausitz 1. `Wirbelwind, Windhose´. - 2. `unternehmungslustige, sich immer auf den Beinen befindende Pers. (meist Kind)´; de Oanne is a klenner Zwirblwind. Lautf.: Zwurblwind, Zwoarblwind Westlausitz; Quirglwind Südlausitz.

zwirbln swv. 1. `die Schnurbartenden zusammendrehen´. - 2. Anton, Jonsdorf `weh tun, schmerzen (durch zu schnelles Herumdrehen)´; mir zwirblt dr Kupp.

zwirn swv. `zwirnen´ 1. trans. Girbigsdorf `seinen Ärger zum Ausdruck bringen, klagen, schmollen, finster gucken´; se zwirnt wieder. - 2. intrans. Obercunnersdorf, Oybin, Schirgiswalde is zwirnt `es schmerzt stechend´.

Zwirnkupp m. `Zwirnkopf: verwirrte, eigensinnige Person´.

zwischnrei Adv. `in der Zwischenzeit, zwischendurch´, auch zwischnnei.

Zwistn Pl. `die zur Bildung der Webleiste notwendigen Doppelfäden der Kette´.

zwistn swv. veralt. 1. `zwirnen´. - 2. `durch Zusammenfalten einem Stück Stoff die halbe Breite geben´; nu is gezwist, geschärt und gebeemt.

Zwitterch m. `Zwitter´. 1. `zweigeschlechtlicher Organismus´, beim Manne Schimpfwort; die hoann keene Kinder, doaas is a Zwitterch. - 2. `zwei zusammengewachsene Früchte´.