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  1. W

Wa

Waajekoaarte f. °ZI Ebersbach `Wegekarte: Landkarte mit eingezeichneten Wegen; Wanderkarte´. Lautf.: Waajgekoaarte, Waajgekoarte.

Waajeweiser m. `Wegweiser´. Lautf.: Waajgeweiser, Waajgweiser.

Waajezeechn n. `Wegezeichen, Wegmarkierung´. Lautf.: Waajgezeechn.

Waajg m. Dim. Waajgl wie litspr. `Weg´; iech gih menner Waajge. RA: Iech war´n schunn de Waajge od. Waaje weisn `ich werde ihn schon zurechtweisen´; RA: Dar zoigt anne Schnauze wie siebm Meiln bieser Waajg. RA: Dr Waajg as Maul is groade. Lautf.: Weig oOstlausitz.

waajg Adv. Hintere Sächsische Schweiz `weg´; guck ne waajg!

Waajgerch m. `Wegerich´ (Gemeinschaftsname für die heimischen Arten der Gattung Plantago L.); Breetwaajgerch od. breeter Waajgerch; Spitzwaajgerch od. spitzcher Waajgerch. Lautf.: Waajerch.

Waajnl n. `Wägelchen´ siehe Woajn!

waajn Präp. `wegen´. 1. wie litspr. a. `auf Grund (von), infolge´; iech muss waajn menn Unfoall uff de Pulezei. - b. `um - willen´; waajn dan lumpchn Pfenngn hoann mer´ch a de Wulle gekrigt. - c. `bezüglich, (eine best. Person od. Sache) betreffend´; waajn unsn Jungn misst´ch zahn Moark Strofe bezoahln. - 2. waajn woaas(e) od. waajn woaasn `warum, aus welchem Grunde´. - 3. waajn mir `meinetwegen´; waajn mir koannst de gihn! Lautf.: waajgn.

Waal m. `Wald´, bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörender Ortsteil von Reibersdorf östlich der Neiße; iech bie an Waal gewast. Lautf.: Waald Bihms Koarle

Waald m. Seifhennersdorf, Hintere Sächsische Schweiz `Wald´, mdal. besser Buhsch; bis zun Waale naus is oack a Hupserch. Lautf.: Waal- (bei Zusammensetzungen), z.B. Waaldurf, Huhwaal, Waalleefer.

Waaldurf n. `Walddorf ´. 1. Ort der Gemeinde Kottmar im °GR; iech kumm aus´n Waaldurfe, de Waalderfler od. Waalderfschn `Einwohner von Walddorf´. - 2. Ortsteil der zur Gemeinde Rietschen gehörenden Ortschaft Daubitz im °GR. Lautf.: Walddurf nOstlausitz.

Waale m. Steinigtwolmsdorf in der Wendung hindern Waale `hinter dem Hochwald um Neustadt / Sa´. Siehe auch Huhwaald!

Waalerschdurf `Waltersdorf (Ort der Gemeinde im °GR)´; de Waalerschdurfer `Einwohner von Waltersdorf´. Lautf.: Waalderschdurf.

Waalze f. Südlausitz `Walze´.

Waand f. Westlausitz `Wand´.

Waatsche f. Dim. Waatschl `Ohrfeige von mittlerer Stärke´; auch Uhrwaatschl. Lautf.: Woaatsche.

Waatschl siehe Uhrwaatschl!

waatschn swv. 1. `ohrfeigen´. - 2. `watscheln wie eine Ente´.

Wabe f. `Webe´. 1. `Webstück; das Stück, an dem der Weber arbeitet´; de Sunne fiel uff de Wabe, Spinnwäbe od. Spinnwabe `gewebtes Netz der Spinne´. - 2. `Wehe´; Windwabe od. -wäbe `Schneewehe´. Lautf.: Wäbe, Wawe, Wäwe.

Waber m. `Weber: Handwerker od. Fabrikarbeiter, der auf dem Webstuhl Gewebe herstellt´.

Waberei f. `Weberei: Fabrik, in der gewebt wird´.

Waberhäusl n. `Weberhäuschen: (meist einstöckiges, kleines,) von Handwebern bewohntes Haus (mit Umgebinde, das im Gegensatz zum Bauernhaus zumeist in der ehemaligen Dorfaue liegt)´.

wabern swv. `weben: Längsfäden der Kette od. Werfte mit den Querfäden des Schusses durch Verkreuzen zu einem Gewebe verbinden´; wawern Westlausitz.

Waberschiffl n. siehe Schiffl 2!

Waberstuhl m. verstr. °BZ Neukirch, Westlausitz dass. wie Wabstuhl od. Wirk(e)stuhl.

wabln swv. 1. selt. °Zi Ebersbach `wehen´. - 2. Bertsdorf `lebhaft hin- u. herlaufen (kleine Tiere)´. Lautf.: wawln.

wabm swv. `weben´, mdal. besser: wirkn.

Wabmeester m. `Meister in der Weberei´.

Wabsoaal m. `Saal, in dem die mechanischen Webstühle od. Webautomaten stehen´.

Wabstuhl m. `Webstuhl: großes stuhlartiges Gestell zum Weben (mit der Hand od. mechanisch)´.

Wache f. wie litspr., mdal. in der Wendung enn de Wache oaasoin `jmdm. die Meinung sagen´.

Wachsstook m. Dim. Wachssteckl `Wachsstock: langes, dünnes, gezogenes Wachslicht (Wachskerze), das entweder zylindrisch od. pyramidenförmig in Spiralen aufgerollt war und gerne zur Christmette mitgenommen wurde´. Lautf.: Wachsstock, Wachsstuck.

Wachtl f. 1. wie litspr. `Feldhuhn (Coturnix coturnix L.)´. - 2. Ostlausitz übertr. enn zer Wachtl machn `jmdn. lächerlich machen´. - 3. `Trinkflasche; breite, kleine Flasche für Schnaps´; dr Mäuer nimmt seine Wachtl uff Oarbeit mitte. - 4. `unansehnliche, verschrobene, unsympathische Frau´.

Wachtlkiench m. `Wachtelkönig: Wiesenralle (Crex crex L.)´, nach dem Volksglauben Führer der Wachteln auf ihren Zügen. Siehe auch Wiesnschnoarre.

wähn swv. `wehen: heftig schneien bei starkem Wind, so dass der Schnee an best. Stellen zusammengetrieben wird´.

Wahr n. `Wehr: Anlage zum Anstauen von Wasser, Staumauer´; a turnte uffm Wahre druffe rim.

walk Adj. Bihms Koarle, Oberlichtenau `welk: nicht mehr frisch, schlaff (Pflanzen)´.

Wälker m. f. 1a. `gewälzter, gerollter Teig´. - b. `länglicher Futterkloß aus Mehl u. Wasser zur Gänsemast´. - 2. `etw. Zusammengerolltes, verfitzter Faden; eine Art Fadenverknotung, die durch Zusammendrehen der Fadenenden mit den Fingern entsteht´. Lautf.: Walker, Wälger, Walger, Woalker, Woalger.

Wälkerch m. 1. Schirgiswalde, Burkau `etw. Zusammengerolltes, verfitzter Faden´; iech hutt ann Wälkerch a dr Gabse. - 2a. `dickes, strammes Kind´. - b. `Masseur´. - 3. Niedercunnersdorf dass. wie Wälker 1b. - 4. `Apfelstrudel´. Lautf.: Walkerch, Woalkerch, Wälgerch, Walgerch, Woalgerch, Wällerch, Wallerch.

wälkern (Anlehnung an das technische Walken in der Tuchproduktion u. Gerberei) swv. 1a. `etw. rollend (hin- u. her-) bewegen, wälzen, (Teig) ausrollen´; de Pfanngkuchn an Zucker wälkern; ´s Koallchl an Maule hie und har wälkern `das Käulchen im Munde hin und her wälzen´; a tutt de gudn Bissl lange an Maule rimwälkern; se wälkert´ch ver´n Koanepee nunder; wenn es nur wenig geschneit hat, heißt es: De Frooe hubm (hier oben, Frau Holle) die hoat de Bettn oack gewälkert (und ne geschuttlt); ruffwälkern `hochkrempeln´. - b. `etw. Weiches mit den Händen drücken, kneten´. - 2. selt. Ostlausitz `brodeln, wallen´; ´s Woasser walgert. - 3. `Falten bilden, sich ringeln´; dr Strump hoat´ch zusoammgewälkert; du hoast dr a dr Nacht is ganze Betttuch zerwälkert. - 4. breet wälkern übertr. `etw. langatmig darstellen, auch Nebensächlichkeiten nennen, aufbauschen´. Lautf.: wälgern, walkern, walgern, woalkern, woalgern; woallern Schlesien; wulkern, wulgern Ostlausitz, Schlesien. Siehe auch woalkn!

Wälkerweibl n. Cunewalde `Masseuse´.

wälkn swv. dass. wie wälkern 1.

wallern siehe woallern!

Walt f. `Welt´; ´s gitt nerne ne verruckter zu oas wie uff dr Walt; iech kennte heute de ganze Walt frassn od. eireißn. Lautf.: Waajlt.

Wälztag m. veralt. `der Tag nach einem hohen Fest, an dem nur das Notwendigste erledigt und der Kater auskuriert wird; dritter Feiertag, z.B. Kirmesdienstag´.

Wampl siehe Woampe!

Wandversoatz m. `im Winter vor Kälte schützende Schicht von Reisig, festgestopftem Laub, Kartoffelkraut, Stroh oder geschlichteten Holzscheiten (zwischen dem Umgebinde) im Erdgeschoss´; de Strickl woarrn im de Wandversoatzpflecke drimgewicklt, do huttn se ne kinn furtloofm. Vgl. Vursoatzfanster, Versetzwand u. Fansterviersetzer!

Wansche (kurzes a) siehe Woansche!

wanthoalbm Interrogativadv. Neugersdorf `weshalb, warum´.

Wapse siehe Wespe!

war (gedehntes a) `wer´. 1. Interrogativpron., wie litspr. nach Personen fragend; war kimmt´n do? Wame, wam od. wan lautn se´n heute? `Für wen läuten sie denn heute?´ Wan seine u. wan ihre `wessen´. - 2. Relativpron., wie litspr. `derjenige, welcher´; war od. warde (Endung -de dient der Verstärkung) ne koam, woarscht du! `Wer da nicht kam, warst du!´.

Warbche f. `Werbung´. 1. wie litspr. - 2. dass. wie Auswarbche. Lautf.: Warbchte.

Warfte f. `Werfte´. 1. Fachspr. der (Hand)weberei a. `die Menge der zur Verarbeitung hergerichteten Längsfäden, die zur Anfertigung eines best. Gewebestückes gebraucht wird; Webkette, Aufzug´. Der Handweber erwarb die Werfte vom Verleger in Zopfform. RA: A die Warfte gehirrt a guder Schuhß `die starke Frau braucht einen ebensolchen Mann´. - b. `Maßangabe für ein fertiges Gewebestück´; dr Voater liefert murne de Warfte oab. - 2. übertr. in der Wendung anne gude Warfte hoann `ein großes Mundwerk besitzen´. Lautf.: Werfte.

Warg n. `Werg´ 1.  `die beim Hecheln des Flachses abfallenden kurzen Fasern, Hede´. Siehe Heede! - 2. veralt. `lange Fasern, die nach dem Brechen und Hecheln zum Faden versponnen werden´.

Wargl m. n. dass. wie Warglch. Lautf.: Wärgl Großschönau, Woargl Westlausitz.

Warglch m. Burkau. Oberlichtenau, Girbigsdorf 1. `strammes, rundliches kleines Kind´. - 2. `Kleinkind, Säugling mit neutraler Einstellung des Sprechers´. - 3. Schirgiswalde `als lästig u. störend empfundenes Kind; unruhiges, unartiges Kind´. Lautf.: Werglch, Wirglch Neugersdorf.

wargln swv. `unruhig sein (Kinder)´. Vgl. warkln!

Warklch m. 1. `gebrechlicher, klappriger Mann´; dar aale Warklch is derheeme besser ufgeräumt. - 2. `nörgeliger, missmutiger (alter) Mann´. Lautf.: Wärklch.

warklch, werklch Adj. 1. Niedercunnersdorf `nörglig, lästig, vergrämt, unzufrieden, unleidlich, mürrisch (meist für längere Zeit)´; a is grätch, warklch und oallerlee `er hat sehr schlechte Laune´; auch knerglch. - 2. Obercunnersdorf, Ebersbach/Sa., Neugersdorf, Kirschau `gebrechlich, klapprig, wackelig, unbeholfen´; unser Grußvoater is ganz warklch. Siehe auch toaaperch! - 3. Obercunnersdorf `barmend, wehleidend´; die hoat a warklches Getue.

warkln swv. `nörgeln, brummen, viele kleinliche Umstände im Reden und Tun machen´; rimwarkln; de Aaln werkln wieder. Lautf.: werkln Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach. Vgl. wargln!

Warklsaak m. Schirgiswalde `Nörgler´.

Warle siehe Werre!

Wärmde, Warmde siehe Wirme!

Warmt m. dass. wie Warmte. Lautf.: Wermt.

Warmte (kurzes a) f. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `Wermut´. 1. die Heilpflanze (`Artemisia absinthium L´). - 2. Obercunnersdorf `Wermuttee´; fer´sch Noablleiern is a Schalchl Warmte gutt; Warmttee. Lautf.: Wermte.

warn unregelm. V. iech war, du wirscht od. warrscht, werrscht wSüdlausitz bis Beiersdorf od. woarrscht Steinigtwolmsdorf, Westlausitz, a wird od. warrd, werd bzw. ward wSüdlausitz bis Beiersdorf od. woarrd Westlausitz, mer warrn, iech wurd(e), mer wurdn, iech bie gewurn od. wurn `werden´. 1. als selbständiges V. a. mit präd. Ergänzung wie litspr. `eine best. Entwicklung durchmachen, in eine best. Stellung od. Lage kommen; seinen Zustand ändern, eine best. Eigenschaft annehmen´; war mer ne frech! `Werde nicht frech!´ Warrdt oack aalt! `Werdet nur alt!´. Wie aalt is´n deine Mutter wurn? Wortspiel: War nischt wird, wird Wirt, war´sch verpoasst, wird Goast od. wenn de Lust zu goar nischt hoast, wirscht de eefach Goast. - b. `entstehen, sich entwickeln´; woaas ne is, koann noa warn. Trostreim: `s wird (bzw. warrd) schunn wieder warn mit dr Mutter Barn, mit (bzw. ba) dr Mutter Burn (Knurn, Muhrn, Lurn) is ju o gewurn. - c. ne mih warn `empört sein´; iech denk, iech war ne mih. - 2. als Hilfsverb a. zur Bildung des Fut., wie litspr.; iech war dr glei a poaar poappm! Warrdt´r´sch o ne vergassn? `Werdet ihr es auch nicht vergessen?´ Wammer eigeloadd? `Werden wir eingeladen?´ - b. zur Bildung des Pass., wie litspr.; anu wirscht de mit Schnie-e eigeseeft! Lautf.: warrn Westlausitz.

Warnl n. siehe Woajn!

Warre siehe Werre!

Warrschdurf siehe Werrschdurf!

Wärsche f. Dittelsdorf, Neukirch `Wäsche´; Wärsche woaschn.

Warscht (kurzes a) f. `Werkstatt´. 1. wie litspr. `Arbeitsraum eines Handwerkers´. - 2. Obercunnersdorf `Hobelbank´. Lautf.: Werscht, Werkscht u. Warkscht Westlausitz, Sächs. Schweiz.

Wärschtebesser `Wärstdubesser (kleine Ortschaft östlich der Neiße, seit 1945 poln.)´.

wart Adj. wie litspr. `wert´; doaas Haus is nischt mih wart.

Wasche f. Ostlausitz `Wäsche´.

Wäschemandl f. dass. wie Mandl `Mangel´.

Waschl siehe Uhrwaatschl!

Wäsdurf `Weigsdorf´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Wigancice Zytawskie´; Neckvers auf die Weigsdorfer in Anspielung auf die Dorfmundart: A Wäsdurf, do fräsn se und schäßn se zer glächn Zät. Lautf.: Weisdurf, Wäsdorf, Weisdorf, auch Säcksch od. Sacksch Weisdurf.

Wasn n. `Wesen´. 1a. `Charakter, Eigenart, Verhaltensweise, Gebaren´; dann sei Wasn koann´ch ne ausstihn; dar hoat a irrches Wasn `das ist ein verrückter Kerl´. - b. in der Fügung ´s Wasn hoann `einen Rappel kriegen´; ´s Wasn kriegn `unruhig, aufgeregt, wütend sein, werden´. - 2. `Lebewesen´; a klee Wasn `ein kleines Kind´. - 3a. in der Fügung (ne vill) Wasn machn `(keine) Umstände machen. - b. in der Fügung as Wasn rei `drauflos, unbesonnen´; as Wasn rei fittern; as Wasn reilabm.

wasn swv. Großhennersdorf, °ZI Seitendorf bei Ostritz `wesen, Aufsehen machen, wütend sein´; rimwasn.

Wasnz f. `Wesenitz (kleiner Fluss, der am Valtenberg entspringt´.

Waspe siehe Wespe!

wasserch Adj. 1. `wässrig, zu Wasser´; dr Schniemoan wird wasserch, wasserche Tunke. - 2. Cunewalde, Jonsdorf, Neusorge `wässrig und glasig (Kartoffeln), seifig´, Gegenteil von mehlig.

Wasserchl siehe Woasser!

Waste siehe Weste!

wastwaajgn Interrogativadv. öKürzung `weswegen, weshalb, warum´; wastwaajgn denn ne?

Water (gedehntes a) n. `Wetter´. 1. wie litspr. `Witterung´; mir stackt´s Water an Knuchn. RA: uff ander Water woartn `auf ruhigere Zeiten warten´. - 2. `Unwetter, Gewitter´; an Draajkluche därmert´ch a Water uf `im Schlechtwetterloch türmt sich eine Wolkenwand auf´; do sull doa glei is Water reischloin! Diech sull doa glei is Water derschloin! - 3. übertr. `Gesamtstimmung, (angenehme) Atmosphäre´, heute muss´ch miech waajn menner Oarbeit vierstelln, huff mer, doaaß´ch gutt Water hoa. Lautf.: Watter Westlausitz.

Waterbeen n. `Wetterbein: Bein, das durch Schmerzen schlechtes Wetter anzeigt´.

Waterboom m. Jonsdorf, Girbigsdorf `Wetterbaum: großes, baumartig aufgetürmtes (weißes) Wolkengebilde, das anzeigt, aus welcher Richtung eine Wetteränderung kommt; Vorbote eines Gewitters´.

Waterfoahne f. `Wetterfahne: Windrichtungsanzeiger (auf Türmen und Dächern)´

Waterfrooe f. `weibl. Pers., die aufgrund von Kopf-, Glieder- u. Rheumaschmerzen eine Wetterveränderung vorhersagt´. Lautf.: Waterfroo.

Watergloas n. `Wetterglas, Barometer´.

Watergoalle f. selt. Obercunnersdorf, Großhennersdorf `nicht voll ausgebildeter Regenbogen, der neuen Regen ankündigt´.

Waterhäusl n. `Wetterhäuschen: altes Luftfeuchtigkeitsmessgerät (mit einer Sonnenfrau und einem Regenmann)´.

Waterkeim m. `Wetterkeim: Samenspirale des Wiesenstorchschnabels (Geranium protense), mit dem man ein Hausbarometer herstellen kann´. Vor dem Siegeszug des Barometers behalfen sich die Leute mit einem Wetterkeimbrettchen. Das war etwa 10 cm x 10 cm groß, darauf ein Kreis in Felder geteilt und mit einem Loch in der Mitte versehen. Darin steckte ein Samen des Wiesenstorchschnabels, der mit seinem gebogenen Fortsatz Luftfeuchtigkeitsänderungen anzeigte. Der Wiesenstorchschnabel ist eine blau blühende, etwa 50 cm hohe buschige Staude, deren reife Samen von etwa 5cm langen Fortsätzen weggeschnellt werden.

Waterkricke f. selt. scherzh. `Regenschirm´.

waterloajchtn swv. wie litspr. `wetterleuchten, Blitzen in weiter Entfernung ohne hörbaren Donner´.

Waterlooch n. `die Himmelsrichtung, aus der Regen u. Gewitter meistens kommen´; ´s wird ganz dunkl an Waterluche. Auch Draajklooch. Lautf.: Waterloch. Dat. Luche.

Watermoan m. `Wettermann: Meteorologe´.

watern swv. `wettern´. 1. `wittern; blitzen u. donnern´; is watert `es geht ein Unwetter nieder, es gewittert´. - 2. übertr. `laut und heftig schimpfen´; watern wie a Ruhrsparlch. Lautf.: wattern Westlausitz, Sächs. Schweiz.

Waterseite f. 1. `Schlechtwetterseite; die Himmelsrichtung, aus der Regen u. Gewitter meistens kommen´; uff dr Waterseite wächst Moos oan Boome. - 2. übertr. `Gesäß, Hinterviertel (bei Kindern)´.

Watertiere f. `Wettertür: Holztafel, die als Kälteschutz vor einem Fenster außen angebracht wurde´, auch Fansterviersatzer.

Watervogl m. Ostlausitz `Pirol (Oriolus oriolus)´.

Waterwand f. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `Wetterwand: Wolkenwand als Vorbote eines Gewitters, Gewitterfront´.

Waterzeug n. `Schutzbekleidung für Schlechtwetter bei Außenarbeiten´.

Watschch (kurzes a) m. 1. Burkau, Westlausitz `Mensch, der viel u. umständlich redet; Dümmling, Dummkopf´. - 2. Oberlichtenau `nicht richtig durchgebackene, missratene Semmel´. - 3. Großröhrsdorf `alter Hut, alte Mütze´. Lautf.: Woatschch (kurzes oa), Woattschch, Watsch (kurzes a), Woatsch (kurzes oa). Vgl. Woaatcht u. Woattch!

watschch (kurzes a) Adj. Westlausitz `nicht richtig durchbacken, nicht locker´; de Samml is watschch. Lautf. wie bei Watschch.

Watschker m. 1. Ostlausitz `ein rund zugeschnittener Geldbeutel mit Bügel u. Schloss zum Einschnappen´; Geldwatschker. - 2. `Hosentasche´. - 3.  Neugersdorf `welke Haut, die (vom Oberarm) herunterhängt´, benn aaln Leutn hängn Woatschkerche runder. Lautf.: Woatschker, Watschkn Anton, Wetschkn u. Wetschn.

watschln (gedehntes a) swv. `watscheln: schwerfällig, mit dem ganzen Körper wankend, unbehilflich gehen (wie eine Ente)´.

wech (kurzes e) wecher, weche, wechs `welch´. 1. Interrogativpron.; "mer hoann an Goaartn etlche Äpplbeeme." "Woaas fer weche hoat´r´n do?"  Wechs Maajdl heeßt´n Laura? - 2. Indefinitpron., das stellvertretend für ein vorher genanntes Subst. steht, bezeichnet wie litspr. eine unbestimmte Menge od. Anzahl von etw. Genanntem; de Bude is vuler Kirmstgäste, und´s kumm immer noa weche. Lautf.: wich, wiche (veralt.).

Wechnern f. `Wöchnerin: junge Mutter, deren Bewegungsfreiheit nach der Geburt ihres Kindes vom Volksglauben sechs Wochen lang auf ein Minimum herabgesetzt wurde´.

Wechslboalg m. `Wechselbalg´. 1. wie litspr. Niedercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `(nach abergläubischer Vorstellung) von bösen Geistern vertauschtes, missgestaltetes Kind; untergeschobenes Kind´. - 2. übertr. Niedercunnersdorf `uneheliches Kind, (dessen Vater nicht eindeutig feststeht)´.

Weichslkirschboom m. `Wechselkirschbaum: Sauerkirsch-baum´.

Weckerschdurf Bühlau, Schmölln `Weickersdorf (Ort der Großen Kreisstadt Bischofswerda im °BZ)´. Lautf.: Weickerschdurf Burkau.

Weckl n. (Dim. von Wecke) 1. `hölzerne Butterform, die zugleich als Buttermaß diente´; unser Weckl od. Butterweckl hoa´ch verfeuert. - 2. `in einer Holzform geformtes Stück Butter´ (meist ein halbes Pfund); a Weckl Butter od. a Butterweckl; anne Koanne Butter hutte friher vier Weckl. - 3. übertr. `Sandbackformen´; Babeweckl.

Wecklbutter f. Niedercunnersdorf, Rietschen `Bauernbutter, die mit einer Holzform geformt wurde´.

weckln swv. `frische Butter mit der Butterform formen´; dr Bauer verkeeft gewecklte Butter.

weckn unregelm. V. iech weck(e), du weckst, iech wackte, iech hoa gewackt `wecken´; dr Tag ist zeitch ufgewackt; mdal. besser: munter machn.

Wedlch (gedehntes e) m. `Gänseflügel zum Auftragen der Schlichte, den der Weber hin- u. herbewegt, damit die Schlichte auf der Webkette schneller trocknet´. Siehe auch Fladerwiesch!

weech Adj. Komp. wecher (kurzes e) Oberland, wecha (kurzes e) Seifhennersdorf, weecher übrige Oberlausitz `weich´. 1a. wie litspr. `einem Druck leicht nachgebend, leicht verformbar, nicht hart´; de Abern senn noa ne weech. - b. msSüdlausitz, Ostlausitz ´s Weeche `das Innere des Brotes, Krume´. - 2. wie litspr. `zart, geschmeidig, sich angenehm anfühlend´; ´s Hemde is weech. RA: windlweech dreschn. - 3. `stimmhaft´; a weeches B.

Weechbild n. veralt. `Weichbild´. 1. `Geltungsbereich des Orts- bzw. Stadtrechtes´. - 2. übertr. `Stadtflur außerhalb der Ringmauer, zu einer Stadt gehörend´; seine Frooe woar ne aus´n Weechbilde.

weechkatschch Adj. Süd- Ostlausitz `weich, weichgekaut´.

weechlch Adv. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle `unwohl, mulmig im Magen´; do koann enn ju weechlch warn.

weechn swv. `weichen: etw. mit Wasser durchtränken und somit weich machen´; de Wäsche weecht; eiweechn, ufweechn.

weechpoapperch Adj. Dittelsdorf, Jonsdorf `weich, wabbelig, pappig´.

Weede f. wie litspr. `Weide: grasbewachsenes Land, auf das das Vieh zur Futtersuche getrieben wird´.

Weede f. `Weide: in Wassernähe wachsender Baum mit biegsamen Zweigen´; siehe Wiede!

Weedesom m. Dittelsdorf `Grassamen für die Weide´.

weedn unregelm. V. `weiden´.

Weef, Weefe f. `Weifa (Ort der Gemeinde Steinigtwolmsdorf im °BZ)´, mer gihn a d´ Weef, de Weefner `die Einwohner von Weifa´; Quoarkweefe (Spitzname).
Weefe f. `Weife´ 1. `Gerät aus Holz zum Abwinden des gesponnenen Garnes (Flachs, Wolle) von der Spinnradspule; Haspel´. - 2. ein Garnmaß mit regional wechselndem Umfang.

weefm swv. `weifen: gesponnenes Garn (Flachs, Wolle) von der vollen Spinnradspule auf die Weefe winden´. Volksreim: Unse aale Miezekoatze, woaas fer schiene Tage hoat se, brauch ne spinn und brauch ne weefm, brauch o keene Butter keefm, brauch o keene Steuern gan, muss oack uff de Mäusl sahn.

ween swv. wie litspr. `weinen´, nur selten gebraucht, dafür fänsn, floarrn, flenn, noaatschn, ningln usw.

weeß dr Dohle siehe wissn!

weeß dr Geier siehe wissn!

weeß dr Huhle siehe wissn! Lautf.: weeß dr Hohle.

weeß dr Teifl siehe wissn!

weeß Gutt siehe wissn!

weeß Kneppl siehe wissn!

Weese m. Obercunnersdorf, Spitzkunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde, °NOL Königshain `Weizen (Triticum aestivum L.)´; dr Weese is ausgewintert `der Weizen hat durch Frost Schaden erlitten´; a macht a Gesichte, oas hätt´s´n ´n Weese verhaglt `er zieht ein Gesicht, als hätte es ihm den Weizen verhagelt´; Weesekurn, Weesekranz. Lautf.: Weeze Neukirch, Neusorge, Weezn Burkau, Oberlichtenau.

Weeseäppl m. Niedercunnersdorf, Cunewalde, Schirgiswalde `Weizenapfel: Apfelsorte, die etwa zur Zeit der Weizenernte reif ist; Augustapfel, Kornapfel´. Lautf.: Weese-, Weeze-, Weezn-, -äppl, -oappl.

Weeßebirschte f. Seifhennersdorf `Bürste zum weißen, Kalken´, auch Weeßlbirschte Dittelsdorf.

Weesekranz m. Schlesien `eine aus Weizenähren gebundene, mit Blumen, Bändern und Flittergold geputzte große Krone, die nach Beendigung der Ernte dem Gutsherrn vom Hofgesinde in festlichem Aufzuge unter Absingen geistlicher u. weltlicher Lieder u. mit einer Anrede dargebracht wird. Tanz u. Bewirtung durch den Herrn schließen sich an´. Lautf.: Weezekranz.

Weesepuppe f. Obercunnersdorf `Weizenpuppe: zum Trocknen u. Nachreifen aufrecht auf dem Feld stehende Gruppe von (sechs od. zwölf) Weizengarben´.

weeßln swv. Dittelsdorf dass. wie weeßn.

weesn Adj. `aus Weizen hergestellt´; weesn Teeg od. Weeseteeg, Weesemahl od. weesn Mahl, weesner Woare (Semmeln, Kuchen).

weeßn swv. `Seifhennersdorf `weißen, weiß anstreichen, kalken´; mer hoann de Wand geweeßt od. de Stube ausgeweeßt. Lautf.: weißn.

Weeze, Weezn siehe Weese!

wegblosn stv. in der Fügung wie weggeblosn `wie weggeblasen: plötzlich verschwunden´.

wegfoalln stv. `wegfallen: sterben´; ´n Kindern is dr Voater weggefoalln `den Kindern ist der Vater gestorben, deshalb müssen sie Mangel leiden´.

wegleckn swv. Bihms Koarle, Jonsdorf `ableugnen, abstreiten´.

weglussn stv. `weglassen, nicht anfassen´; du lässt mer de Finger weg!

wegmachn swv. umg. `etw. beseitigen, abtreiben, etw. aufbrauchen, etw. austrinken´; iech hoa zahn Biere weggemacht.

Weib n. Pl. Weiber u. Weibsn, im Sg. wird Weib nur selten gebraucht 1. bedeutungsneutral bis abwertend `erwachsene weibl. Person´; de Traudl, doaas is a Weib, war die krigt, dar fährt amol gutt! De Weiber a dr Kloasse kinn oack kroatzn, beißn und klaffern. - 2. `verheiratete Frau, Ehefrau´; RA (Bemerkung eines Mannes, wenn er junge Mädchen fleißig arbeiten sieht): Lauter fleißche Maajdl! Wu kumm oack die fauln Weiber har? Wenn de Weiber woaschn und backn, hoann se´n Teifl an Nackn, im Sg. Frooe.

Weiberderfl n. `Weiberdorf: Röderhäuser (Ortsteil der Gemeinde Bretrnig-Hauswalde)´.

Weiberhacksch m. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf, Jonsdorf `weibstoller Mann, Schürzenjäger´.

Weiberhengst m. `Junge, der häufig mit Mädchen spielt; Bursche, der den Mädchen nachsteigt´.

Weiberkrieg m. verstr. Westlausitz, Schlesien dass. wie Weiberzank. Lautf.: Weiwerkrieg.

Weibermihle f. `Weibermühle´: scherzh. `Riesenrad´.

Weibersteckl n. °ZI Ebersbach, Wittgendorf `Tränendes Herz (Dicentra spectabilis)´; auch Mannerharzl.

Weibervoit m. selt. Niedercunnersdorf `Weibervogt: Aufseher über die weibl. Arbeitskräfte auf einem größeren Gut´.

Weiberzank m. selt. Südlausitz 1. `Dornige Hauhechel (Ononis spinosa L.)´. - 2. übertr. auf `Ginster (Sarothamnus scoparius)´; aus´n Weiwerberzank(e) toatn se friher Basn machn.

Weibl n. Dim. von Weib 1a. `weibl. Person, Ehefrau´; mei Weibl hoat mer Fettschnietn mitgegan. - b. `bejahrte kleine Frau´; ver dr Tiere stitt a aales Weibl. - 2. `weibl. Tier´; iech hoa oack zwee Weibl an Voglbauer.

Weibsn n. 1. `erwachsene weibl. Person, Frau; sowohl bedeutungsneutral, als auch abwertend; meine salche Dure is a gudes Weibsn gewast. - 2. Pl. von Frooe; drei Weibsn stihn schunn wieder ba dr Plumpe und braschn. - 3. `das weibl. Gesinde auf einem Hof, Mägde´.

Weibvulk n. 1. ohne Pl., leicht abwert. `die Frauen, das weibl. Geschlecht´. - 2. mit Pl. von bedeutungsneutral bis stark abwert. `Frau´; de Weibvelker hoann oack de Mode an Kuppe. Lautf.: Weibsvulk, Weibervulk, Weiwervolk Westlausitz.

Weiche `Weicha (Ort der Stadt Weißenberg im °BZ)´.

Weickerschdurf siehe Weckerschdurf!

Weidnlamml n. siehe Lamml!

Weierschdurf `Weigersdorf (Ort der Gemeinde Hohendubrau im °GR)´; de Weierschdurfer `die Einwohner von Weigersdorf´. Lautf.: Weigerschdurf.

Weigsdurf Cunewalde `Weigsdorf (zur Gemeinde Cunewalde gehörender Ortsteil von Weigsdorf-Köblitz im °BZ)´; de Weigsdurfer `die Einwohner von Weigsdorf´.

weil Konjunkt. 1. temporal a. `solange (wie)´; bleibt oack do, weil dr wullt `bleibt nur da, solange ihr wollt´; asst oack, weil´r kinnt! - b. `während´; weil de Mutter koacht, wirkt (webt) dr Voater. - 2. kausal, wie litspr. `da, zumal´; se tickscht, weilst se oaagetitt hoast.

Weile f. Dim. Weilchl `Zeitraum von unbestimmter Dauer´; doaas wird gute Weile hoann `das wird längere Zeit dauern´.

weimerch Adj. Neugersdorf `wehleidig´.

weimern swv. Süd- u. Ostlausitz `wehklagen, jammern, leise weinen, weinerlich klagen, wimmern´; war sull oack doaas Geweimer aushaaln?

weiß Adj. wie litspr. `weiß´; kaseweiß, schnieweiß, schliherweiß, schluhweiß; weiß aussahn wie anne Quoarkschniete.

Weißbch `Weißbach (Ortsteil der Gemeinde Steina im °BZ)´; de Weißbchscher od. Weißbchschn `Einwohner von Weißbach´. Lautf.: Weißch Oberlichtenau.

Weißboach (kurzes oa) Oberlichtenau `Weißbach (Ort der Gemeinde Neukirch bei Königsbrück im °BZ)´; de Weißbächer `die Einwohner von Weißbach´.

Weißch `Weißig (Ort der Gemeinde Ossling im °BZ)´; de Weißcher `die Einwohner von Weißig´.

Weisdurf n. siehe Wäsdurf!

weise Adj. Neukirch, Sächs. Schweiz in der Wendung weise warn `begreifen, verstehen, gewahr werden´, weise kriegn `bemerken´; ar mucht´s weise gekrigt hoann.

Weiße Wirschtl (gespr. Weiße Wurrschtl) Pl. `Weiße Würstchen´. Eine regionale Spezialität im Oberland, die aus Schweine- und Kalbfleisch hergestellt, mit Speisesalz und wenigen edlen Gewürzen gewürzt, in Naturdarm abgefüllt und gebrüht in den Verkauf gebracht wird. Sie wurden paarweise, häufig mit Fleischbrühe und einer Semmel, zu DDR-Zeiten am Heiligabend und zu Silvester angeboten, bis zum 2. Weltkriege auch auf Volksfesten; unser Grußer hoat zun Hellchn Obde sechs Poaar Weiße Wirschtl gefrassn. Siehe auch Schisswirschtl!

Weiße Würstel siehe Weiße Wirschtl!

Weiser m. Bihms Koarle `Zeiger der Uhr´; dr gruße und dr kleene Weiser; benn Seeger fahlt dr kleene Weiser. Lautf.: Weisler wSüdlausitz bis Beiersdorf, Westlausitz, Nordböhmen.

weißkeppch Adj. `weißköpfig, mit weißen Haaren´; a klee weißkeppch Mannl.

Weißkeppl n. `Kopfhaar der Kleinkinder vor der endgültigen Färbung´.

Weißkraut n. `Weißkohl´.

Weisl n. `Weisel: Bienenkönigin´.

Weislch m. `Weisel: Bienenkönigin´.

Weisler m. siehe Weiser!

weißlodch Adj. `mit weißen Haaren versehen´.

weisn swstv. iech weis(e), du weist, mer weisn, iech weiste od. wees Niedercunnersdorf, Neukirch `ich wies´, mer weistn od. weesn Niedercunnersdorf, Neukirch `wir wiesen´, iech hoa geweist od. gewiesn Niedercunnersdorf, geweesn Neukirch `ich habe gewiesen´. 1a. `jmdm. etw. zeigen´; weis mer oack ´n Waajg! - b. `jmdm. etw. beweisen´; dan war´ch´s noa weisn, wie dumm´r is. - c. `jmdm. etw. beibringen, jmdn. lehren, unterweisen´; die hoat mer´sch geweist, wie geschmoatzt wird. - 2. refl. `sich erweisen´; ´s wird´ch schunn noa weisn, war de geloin hoat. - 3. wie litspr. `(mit dem Finger) in eine best. Richtung zeigen, auf etw. deuten´; se weistn oalle uff´m Kirchturm.

weißn swv. iech weiß(e), du weißst, mer weißtn, iech hoa geweißt `weißen: kalken, mit (weißer) Farbe streichen, tünchen; mer hoann de Oaabeseite geweißt.

Weißwoasser `Weißwasser (Große Kreisstadt im °GR)´; de Weißwoasserchn `die Einwohner von Weißwasser´.

Weißwurscht f. ganze Oberlausitz `eine Sorte Leberwurst mit fettigem Fleisch, Leber und ohne Semmel´.

Weitcht f. Zittauer Gebirge, öKürzung `Weite, Ferne´; iech hoa dch schunn vu grußer Weitcht gesahn.

weitleefch Adj. `weitläufig, entfernt, weit ausholend, ausschweifend, umständlich´; woass weitleefch derzähln. Lautf.: weitleeftch Neukirch.

Welke ohne Genus, veralt. f.. Bühlau, Burkau `Wölkau (Ort der Gemeinde Demitz-Thumitz im °BZ)´; de Welkschn `die Einwohner von Wölkau´. Vgl. Kleewelke u. Grußwelke!

Welker siehe Wälker!

Welkerch siehe Wälkerch!

welkern siehe wälkern!

welkn siehe wälkn!

Wellfleesch n. `Wellfleisch, Kesselfleisch, im Kessel gekochtes Bauch- u. Kopffleisch vom frisch geschlachteten Schwein, aus dem die Wurst bereitet wird´. Etym. zu welln, siehe woallern!

welln swv. Schlesien dass. wie woallern. Lautf.: walln.

welsch (kurzes e) Adj. veralt. `keltisch bzw. romanisch´. Lautf.: walsch (kurzes a).

Welschkraut n. `geringelter, gekräuselter, welliger, lockerer Krautkopf mit ausgefransten Blättern; Wirsingkohl´; auch Kräuslkraut.

Welschnuhß f. `Walnuss´, auch welsche Nuhß, Pl. welsche Nisse. Lautf.: Welschnuss, walsche (kurzes a) Nuhß °NOL Königshain.

wempsn swv. 1. Bretnig `unruhig liegen, sich im Schlaf hin und herwälzen´; du hoast dch in dr Nacht wieder woas hin und hargewempst. - 2. Burkau `nerven durch Betteln (Kinder), belästigen´; dr Junge wempst rem. Lautf.: wempm.

Wendepflug m. `Zweischarpflug: Pflug mit zwei Scharen u. beweglichem Streichblech, der die Erde wechselseitig aufwirft u. das Pflügen Furche an Furche gestattet´.

wendsch Adj. siehe windsch!

wenn unregelm. V. iech wend, du wendst, a wendt, mer wenn, iech hoa gewendt od. gewandt `wenden´. 1. wie litspr. `etw. herumdrehen´; Futter wenn `Heu wenden´. - 2. `wie litspr. `das Innere nach außen kehren´; iech hoa menn Rook gewendt. Lautf.: wengn West- u. Ostlausitz.

wenn 1. Konjunkt. a. konditional `unter der Vorraussetzung, Bedingung dass; falls´; wenns de (`wenn du´) sachte fährscht, steig´ch ei; wenne ne gesuffm hätte, wäre ne oan Boom gefoahrn (Neugersdorf) `wenn er nicht gesoffen hätte, wäre er nicht an den Baum gefahren´. - b. temporal `sobald, sooft´; wenn´ch vu dr Oarbeit kumme, gitt´s derheeme wetter. - c. konzessiv `und wenn, wenn auch´; mer missn uff Oarbeit, o wenn´s dunkl is. - d. in Verbindung mit oack einen Wunschsatz einleitend; wenn oack schunn Feierobd wär! - e. in Verbindung mit oas, wie einen Vergleichssatz einleitend; se tutt su, oas wenn se nischt hiern tät. - 2. Adv., für litspr. interrogatives `wann´; wenn kimmst´n miech besuchn?

Wenzl m. `Wenzel: Unter beim Skat´. Lautf.: verstr. Wanzl, Wenz Schirgiswalde.

Werfte f. siehe Warfte!

Werg siehe Warg!

Werglch m. siehe Warglch!

werklch siehe warklch!

werkln siehe warkln!

Wermt siehe Warmt!

Wermte siehe Warmte!

Wernickl siehe Burnickl!

Werre f. Pl. Werrn Neusorge `Maulwurfsgrille, Schnarrheuschrecke (Gryllus gryllotalpa)´; de ganzn Pflanzl gihn ei, mer missn doa Werrn an Goaartn hoann. Lautf.: Warle u. Ackerwarle (kurzes a), Werle, Erle beide Cunewalde, Werle Weifa, Warre Schlesien.

Werrschdurf `Wehrsdorf (Ort der Gemeinde Sohland a. d. Spree im °BZ)´; de Werrschdurfer od. Woarrschdoarfer Steinigtwolmsdorf `die Einwohner von Wehrsdorf´. Form: Werrchl Oppach, Woarrschdurf Steinigtwolmsdorf, Wihrschdorf Schirgiswalde.

Werscht siehe Warscht!

Wertl n. Dim. von Wuhrt `Wörtchen´; do hoa´ch a Wertl mitzurädn! Wenn doaas Wertl "wenn" ne wär, wär dr Battler Milljonär.

Wespe f. wie litspr. `die gemeine Wespe (Vespula vulgaris L.)´; Wespmnaast `Wespennest´. Lautf.: Waspe selt. Spitzkunnersdorf, Westlausitz, Wepse Zittau, Wapse Nordböhmen.

Wespmnaast n. `Wespennest´; RA: as Wespmnaast stechn `rebellisch machen´.

Weste f. Dim. Westl `Weste´. 1. wie litspr.; Weste- od. Wastekneppl, Westefleckl, Westekneppl, RA: keene reene Weste hoann `nicht ganz ohne Tadel sein´. - 2. `Oberkörper´; su ann Hoals und su a Wastl! RA: im´s Westl nahm `den Oberkörper umarmen´. Lautf.: Waste u. Wastl Neugersdorf.

westerhoalbm Interrogativadv. `weshalb, warum´. Lautf.: wasterhoalbm, westhoalbm.

wetter Adv. (eigtl. Komp. von weit) `weiter´. 1a. räumlich, wie litspr. - b. zeitlich, wie litspr.; a leeft immer wetter. - 2. `sonst, außerdem´; ´s woar wetter nischt lus mit´n. - 3. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.: a. die Fortsetzung od. Fortdauer einer Ortsveränderung bezeichnend; wetterloofm. - b. die Fortsetzung einer Handlung, die Fortdauer eines Geschehens bezeichnend; wettersaufm. - c. die Vermittlung an andere Personen bezeichnend; soi´s oack wetter! Lautf.: watter Seifhennersdorf, Hinterhermsdorf od. waajter Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde.

wettermäusln swv. `wie eine Maus leise u. unbemerkt davonlaufen´.

wettern swv. Obercunnersdorf, Bihms Koarle, Jonsdorf `etw. achtlos u. mit Wucht werfen, zerschmettern´; hiewettern, ufwettern; de Schicher a de Ecke wettern; tu ne su de Tiere wettern! Dr Voater hoat de klenn Katzl oaagewettert.

wettersch Adv. um Zittau, Mückenhain `weiter, weiterhin, deshalb´; iech bie wettersch ne biese.

Wetze f. `Eile, Zeitnot, Hektik´; iech bie a dr Wetze `ich beeile mich´; in der Fügung a de Wetze kumm `in Angst versetzt werden, in Schwierigkeiten geraten, in die Klemme kommen´.

Wetzkieze f. `Wetzsteinbehälter: kleines mit Wasser gefülltes Horn, in dem der Mäher den Wetzstein bei der Arbeit am Gürtel bei sich trägt´. Lautf.: Wetzekieze.

wetzn swv. 1. wie litspr. a. `die Schneide der Sense durch Schleifen mit dem Wetzstein schärfen; Messerklinge scharf machen´; RA beim Sensenwetzen: Wetze gutt, do schnedd se gutt, dr Grußknaajcht is dr Kechn (Köchin) gutt! - b. `etw. reibend hin- u. herbewegen´; du hoast ju schunn wieder de Hosn durchgewetzt; RA: sich de Noase wetzn `aus schlechten Erfahrungen klug werden´. - 2. `schnell gehen, rennen´; im de Wette wetzn; an Wetzn woar´ch immer gutt.

Wetzsteen m. wie litspr. Wetzsteen m. wie litspr. `Wetzstein: Stein zum Schärfen der Schneide vom Messer, der Sense u. der Sichel´.

wichern (kurzes i) swv. `wimmern, winseln, wehklagen, jammern, wehleidig sein´; woaas die aaln Weibsn su (rim)wichern! Iech koann dei Gewicher ne mih hiern!

Wichsbirrschte (gespr. Wicksbirrschte) f. `Bürste zum Blankputzen´. Lautf.: Wichsburrschte; Wichsboarrschte Westlausitz.

wichs´ch (gespr. wicks´ch) Adj. öKürzung, Westlausitz `ärgerlich, erregt, zornig´; do konnt´r oawer wöchs´ch warn!

Wichse (gespr. Wickse) f. 1. `Poliermittel, das (Schuhe u. Stiefel) glänzend machte, aus Ruß und Fett bestehend´; Schuhwichse, Stieflwichse; RA: Doaas is oalls eene Wichse `das ist einerlei´. - 2. `Prügel, Schläge´; wenn mer ne zer Zeit heem woarrn, hoann mer Wichse gekrigt.

Wichsemächer m. veralt. `Schuhcrememacher: Handwerker, der aus Bienenwachs oder tierischen Fetten unter Zusatz von Farbpigmenten (Ruß) durch Eindampfen Schuhcreme herstellt´. Lautf.: Wichsemacher.

Wichskoastn m. `Schuhputzkasten´.

Wichsl siehe Wicksl!

wichsn (gespr. wicksn) swv. 1. `etw. (mit einem Putzmittel) einreiben und blank putzen, polieren´ (z.B. Schuhe); iech hoa de Stiefl gestern irscht gewichst. - 2. `jmdn. prügeln, züchtigen´; de Mutter hoat uns durchgewichst. - 3. Obercunnersdorf, Neukirch `etw. mit Wucht irgendwohin schleudern, aufhauen, durch Krafteinwirkung zerstören´; de Koaartn uff´m Tiesch wichsn. - 4. umg. `onanieren´

wichtch Adj. `wichtig´; wichtch tun `sich in den Vordergrund schieben, aufschneiden´, a hoat´s sihre wichtch `er hat viel zu tun, er macht sich sehr wichtig´. Lautf.: wichtsch.

Wicke f. Nordböhmen `gedrehtes Strohseil´.

Wickl m. Großschönau, Leutersdorf `Wickel´. 1. `Faserbündel, Bündel Werg´ (so viel, wie auf einmal zum Abspinnen um den Spinnrocken gewickelt wurde). - 2. wie litspr. `feuchter Umschlag, der zu Heilzwecken um den Körper gewickelt wird´. - 3. enn benn Wickl nahm, kriegn, hoann `jmdn. am Schopf, Kragen fassen, packen, festhalten; woaas benn Wickl hoann `etw. anfassen u. in den Händen halten, gerade mit etw. beschäftigt sein´.

Wicklch m. Frankenthal, Ohorn, Steina `unkonzentrierter Mensch, Wirrkopf´.

Wicklkließl n. (meist im Pl.) Dim. von Wicklkluß `Wickelklößchen´. Siehe Schälkließl!

Wicklkoallchl n. (meist im Pl.) Neugersdorf, Oppach `Wickelkäulchen´, dass. wie Schälkließl. Lautf.: Wicklkoilchl, Wicklkoachl.

Wicksl n. Obercunnersdorf, Spitzkunnersdorf, Wittgendorf `Verfilzung der Kopfhaare, Haarfitz, Haarknoten, Verwicklung im Wollfaden´.

wicksln swv. Spitzkunnersdorf `einen Fitz in den Haaren bilden, der sich durch Kämmen schwer beseitigen lässt´; ´s wickslt.

Wickslzupp m. Niedercunnersdorf, Nordböhmen `ungepflegter Haarschopf´. Lautf.: Wickslzoop.

Widemut f. siehe Wiebmt!

widern swv. refl. `sich sträuben, sich verweigern´; die widert´ch, woaas zu machn.

Widerpoarte f. Wittgendorf, Ostlausitz `Widerspruch, Widerrede, freche Antwort´; Widerpoarte gan `widersprechen, das letzte Wort haben´. Form: Widerpoart m. Ostlausitz.

Widerräde f. `Widerrede: Einspruch, Verteidigung, Antwort´; die lässt ees ne zer Widerräde kumm; du gist an Kunsum, keene Widerräde!

widerwärtch Adj. `widerwärtig: widerstrebend, unbequem, unschön, abstoßend, ekelhaft, unangenehm, ungenießbar (im Charakter)´.

Widerwärtchkeet f. `eine Sache, die man nur mit Widerwillen erledigt; Unannehmlichkeit´.

widerwärtlch Adj. Obercunnersdorf, Neugersdorf dass. wie widerwärtch.

Widerwuhrt n. `Widerwort: Widerspruch´; du nimmst itz de Äppl oab, und iech will kee Widerwuhrt hiern! Ohne Widerwuhrt! Lautf.: Widerwurt Westlausitz.

wie 1. als Adv., interrogativ, in Bezug auf Art u. Weise; wie leefst´n du rim? - 2. als Konjunkt. a. modal, in Vergleichen zur Bezeichnung der Gleichheit; iech bie su gruß wie du od. iech bie su gruß oas wie du (aus Unsicherheit wird häufig gedoppelt). - b. modal, in Vergleichen zur Bezeichnung der Verschiedenheit beim Komp. (in der Mundart fast immer wie statt oas `als´); iech bie grisser wie du. - c. temporal, Gleichzeitigkeit bezeichnend `wenn, als´; wie meine Mutter stoarb, war´ch an Kriege.

wiebln swv. 1. Cunewalde, Girbigsdorf `(Arm) hin und her bewegen u. dabei etw. verrichten; etw. fein u. kunstvoll stopfen, dünne Stellen eines Gewebes ausbessern; etw. nähen, flicken´; de Hosn senn schunn gewieblt. - 2. auch Schlesien `wimmeln, in Menge herumlaufen (Insekten, Käfer od. Kinder), sich munter regen, sich bewegen´; dr Kase wieblt ver Moadn.

Wiebmt f. veralt. Süd- u. Ostlausitz `Widemut: landw. nutzbares Pfarrland (Äcker, Wiesen, Wald), Pfarrlehn´; zer Pfoarre woar anne gruße Wiebmt derzu. Lautf.: Wiednt Hirschfelde, Seifhennersdorf, Wient öKürzung, Wiemt Ostlausitz.

Wiede f. Dim. Wiedl 1. veralt. Südlausitz, Schlesien, Nordböhmen `zäher, biegsamer Zweig bes. von (geschlissener) Weide, seltener (geschlissener) Birke, der zum Binden od. Flechten verwendet wird´; Wiednrutte (Sohland a. d. Spree), Wiednkurb, Wiednschleißer, de Basn warrn mit Wiedn gebunn, a ganzes Feld Wiedn. RA: Die is gewachsn wie anne Wiede. - 2. übertr. Lawalde `Rippe´; ´s hoat´ch a Wiedl verschubm. Lautf.: Wiete.

Wiedehupp m. `Wiedehopf (der Vogel upupu epops)´; du stinkst wie a Wiedehupp.

Wiederdei m. selt. Südlausitz `Ekel, Grauen´; wenn´ch doaas sah, kimmt mer glei dr Wiederdei oaa.

Wiederdeie f. selt. Neugersdorf, Seifhennersdorf `Ekel´.

Wiednt f. siehe Wiebmt!

wie-er Adv. um °ZI Reichenau `wieder´.

Wiege f. Neugersdorf, wie litspr.; a de Wiegn gelät. Siehe auch Boie!

Wiegebratl n. `als Unterlage zum Wiegen u. Schneiden im Haushalt benutztes Brett´.

Wiegebrutl n. dass. wie Gewiegtebrutl.

Wiegeknittl m. Neugersdorf, Seifhennersdorf scherzh. für Wasserwaage.

Wiegepfard n. `Schaukelpferd´; a Wiegepfard baastln. Lautf.: Wiegefard.

wiegn swv. `etw. mit dem Wiegemesser zerkleinern´.

wienern swv. 1. `etw. durch intensives Reiben blank putzen, polieren, bohnern´. - 2. `jmdm. kräftige Schläge versetzen´; rei-, uf-, ver-, zerwienern; dar hoat mer mei Tippl zerwienert. - 3. `etw. achtlos, mit Schwung irgendwohin werfen´; ´n Schulranzn a de Ecke wiebern; hiewienern.

Wiesch m. Dim. Wischl `Wisch´. 1. `Strohbündel´. Es diente in der bäuerlichen Wirtschaft u. im Haushalt zur Reinigung von Dielen, des Bodens von Backöfen u. zur Abdichtung. Der an einer Stange aufgesteckte Wiesch od. Wusch galt als Markierung, Verbots- u. Marktzeichen. Solange der Marktwisch am Rathaus steckte, durften nur einheimische Erzeuger ihre Produkte verkaufen und privilegierte einheimische Käufer zu niedrigen Preisen einkaufen. Die Bauern und Handwerker versuchten aber bereits bei hochgezogenem Strohwisch undern Wusche (unter der Hand, unerlaubt, heimlich) ihre Waren zum vollen Preise abzusetzen; übertr.: Iech hoa undern Wusche Nubbersch Liesl besucht `ich habe heimlich u. unerlaubt Nachbars Liesel besucht´. - 2. abwert. `etw. Wertloses´. a. `beschriebenes od. bedrucktes Stück Papier; (wertloses) amtliches Schriftstück, Zettel, Schein´; dann Wiesch vun Oamte hoa´ch zu hinderlistchn Zweckn genumm. - b. `aus Zeitungspapier gerissene Papierstücke zur Säuberung nach dem Stuhlgang, Klopapier´; Oarschwischl. - c. `liederliches, oberflächliches Mädchen´; dar dumme Karle hoat´ch aber a Wischl ufgegoablt. - 3a .`kurzes Wischen, flüchtige Reinigung mit einem Lappen od. der Hand´; ann Wiesch ieber de Treppstuffm machn. - b. in der Wendung uff enn Wiesch od. uff ann Wusch `mit einem Male, flüchtig, oberflächlich, für einen Augenblick´. - 4a. Niedercunnersdorf `Schanker (eine Geschlechtskrankheit)´; ba dar hoat´r´ch ´n Wiesch gehult. - b. `Hautkrankheit zwischen den Fingern mit Errötung´; dar hoat´n Wiesch. Lautf.: Wusch, Wisch.

Wiese f. 1. wie litspr. `mit Gras bewachsene Fläche´. - 2. `Friedhof´; auch bucklche Wiese.

Wiese ohne Genus, veralt. f. `Wiesa´. 1. Ort der Stadt Kamenz im °KM. - 2. Ort der Gemeinde Kodersdorf im °NOL. - 3. bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf am linken Queisufer, poln. `Wieza´.

Wieseboom m. `Heubaum, Heureiterbalken, Wiesebaum: die in der Längsrichtung auf das Heufuder gelegte Stange zur Befestigung der Ladung´.

Wiesewoasser n. Ober- u. Niedercunnersdorf nur in der Wendung wie a Wiesewoasser senn `lebhaft, behände; quirlig (Kinder)´. Lautf.: Wies(n)woasser.

Wiesl n. `Mauswiesel (Mustela nivalis)´; die koann loofm wie a Wiesl; hurtch wie a Wiesl.

Wiesnboart m. `Borstgras (Nardus stricta L.)´, auch Ziegnboart.

Wiesnschnoarre f. Bertsdorf, Neusorge `Wachtelkönig (Crex crex, ein Vogel)´. Vgl. Schnoarre 2 u. Wachtlkiench!

wieste Interj. verstr. Cunewalde, Burkau, Westlausitz `nach links! links herum! (Zuruf, mit dem die Zugtiere nach links gelegt werden, neben schwoide, schweede od. schwude u. hiehar

Wiestebiestl n. verstr. Südlausitz `kesses, regsames, fröhliches Kind, das geduldet wird oder gern gesehen ist, meist ein kleiner Junge´.

Wiestlch m. selt. `Garten- u. Hausrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus L. u. Phoenicurus ochruros)´; auch Ardwiestlch. Lautf.: Wistlch (kurzes i).

Wiete siehe Wiede!

wiewull Adv. Neugersdorf `obwohl´; wiewull´ch´n Nubber ne ausstihn muchte, toat´r mir leed.

wih Adj. `weh´; mir tutt dr Hoals wih `mir schmerzt der Hals´; doaas tutt dann doa ne wih `das fällt ihm doch nicht schwer´; wenn Dummheet wih täte, misst´r´n ganzn Tag bläkn.

Wihtoat f. Ostlausitz `körperlicher Schmerz´.

Wihtun n. `Wehtun: körperlicher Schmerz´; ´s Bauchwihtun hirrt ne uf.

wihtun stv. `wehtun´ 1. `schmerzen´. - 2 `verletzen, verwunden´; iech hoa mer a dr Pfuste wihgeton.

Wihtund m. Nordböhmen `Schmerz´; dr Wihtund is noa grisser wurn.

Wihtunde n. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `die schmerzende Stelle am Körper´. Lautf.: Wihtunchte.

wihtunde Adj. Neugersdorf, Lawalde, Schirgiswalde, Nordböhmen `schmerzend, schmerzempfindlich´; iech hoa anne wihtunde Stelle uff´m Kreuze; mei Moan is wihtunde. Lautf.: wihtunste; wihtunche um Görlitz, wihtunchte östlich von Zittau, wihtunch Jonsdorf, Schirgiswalde, Oberlichtenau.

Wihtundekeet f. `Schmerz, das Wehtun´. Lautf.: Wihtunchtekeet.

Wimmer m. `knorriges, verwachsenes Holzstück, das sich nicht spalten lässt´.

Wilke veralt. f. `Wilka´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße.

Wilkl siehe Wulke!

willkumm Adj. `willkommen (in Grußformeln beim Empfang von Gästen)´; schiene willkumm! `Guten Tag´; luss dch willkumm heeßn!

willn Adj. siehe wulln (Adj.)!

Wimmer m. selt. `knorriges, verwachsenes Holzstück, das sich nicht spalten lässt´. Lautf.: Wummer.

wimmerch Adj. 1. Anton `aus einem dichten u. geschlungenen Gewebe bestehend´. - 2. dass. wie verwimmert.

Windbluttern Pl. `Windpocken´. Lautf.: Windbloattern.

Windboajttl m. `Windbeutel´. 1. `ein Gebäck´. - 2. übertr. `leichtblütige Person, Luftikus´. Lautf.: Siehe Boajttl!

Winde f. 1a. wie litspr. `Vorrichtung zum Heben von Lasten, Wagenheber´. - b. `Wringmaschine (zum Auswringen der Wäsche)´. - 2. `Ackerwinde ( Convolvulus arvensis L.)´.

Windebiestl n. °ZI Ebersbach, Seifhennersdorf, Wehrsdorf `wildes Kind, Wildfang, Luftikus´.

Windestook m. Dim. Windesteckl Neugersdorf, Großschönau, Leutersdorf `Stock, auf den der Spinnrocken gesteckt wird´.

Windfeege f. Obercunnersdorf `Gerät zum Säubern von Getreidekörnern´, auch Pläderch, Plädermihle od. Reenemachmoaschine. Lautf.: Windfoie, Windfeie.

windflieglch Adj. Oderwitz, Wittgendorf, Girbigsdorf `vom Winde leicht bewegbar, sperrig, spreizend, verbogen, instabil, labil, windschief´; dr Goaartnzaum is windflieglch.

windsch Adj. `wendisch: sorbisch´; die rädn windsch `die unterhalten sich sorbisch, für den Deutschen unverständlich´, iech koann kee Wuhrt windsch; anne Windsche `eine Sorbin´, mer gihn as Windsche `wir gehen in das vorzugsweise von Sorben bewohnte Gebiet´, dr windsche Zippl `der bis 1945 von Sorben bewohnter Zipfel um Zibelle nordöstlich von Muskau´. Lautf.: wendsch.

Windsch Paulsdurf siehe Paulsdurf!

Windsch Uss´ch siehe Uss´ch!

Windschboaslz ohne Genus `Wendischbaselitz (Ort der Gemeinde Nebelschütz im °KM)´.

windsche Tunke f. `wendische Soße: süß-säuerlich zubereitete Soße aus Gänseblut´. Siehe Schwoarztunke!

Windschsohland ohne Genus `Wendischsohland (Ortsteil der Gemeinde Sohland a. d. Spree im °BZ)´.

Windwäbe f. Süd- u. Ostlausitz `Schneewehe´. Lautf.: Windwabe Bihms Koarle, -wäwe,- wawe.

wing siehe winngk!

Winker m. `Vogelsteller- od. Fingertanz: ein (auch in der Oberlausitz weit verbreiteter) Volkstanz´.

Winkl m. `Winkel: Ecke (in einem Raum)´; a wohnt an äberschtn Winkl; Hoallewinkl, Hellwinkl.

Winklbulle m. `eigener Zuchtbulle, der nicht registriert ist´.

Winkluffgoate m.veralt. `Winkeladvokat: Rechtsanwalt ohne entsprechende Ausbildung und Qualifikation´; a spielte a bissl ´n Winkluffgoatn und hutte ´s Maul uff´m raajchtn Flecke. Lautf.: Winkloaffgoate, Winkloavekoate.

Winks m. `winkende Bewegung´; a machte ann Winks.

winn stv. iech wind (e), du windst, mer winn, iech woand, iech hoa gewunn `winden´. 1. refl., wie litspr. `sich krümmen (vor Schmerz)´; uff eemol krigt´ch Noablleiern, do hoa´ch miech aber gewunn. - 2. `wringen: etw. Nasses, bes. nasse Wäsche , mit beiden Händen in gegenläufiger Bewegung kräftig drehen, um das Wasser herauszupressen´; du musst´n Hoader winn od. auswinn! Ich hoa´n Strompch ausgewungn (Oberlichtenau). Lautf.: wingn West- u. Ostlausitz.

winngk winnger, oan winngstn `wenig´. 1. Adj. `schwach, dürftig, unbedeutend, klein´; a wird immer winnger. - 2. Indefinitpron. od. unbest. Zahladj., Gegensatz zu viel a. wie litspr. `nicht viele, eine geringe Anzahl; nicht viel, eine kleine Menge´; uff´m Reefm is zu winngk Luft druf. RA: Zu vill und zu winngk is ee Dingk od. is immer a Dingk. RA: Zwischn Ustern und Pfingstn hoat dr Bauer oan winngstn. - b. wie litspr. `in geringem Maße, kaum, selten´; du kimmst winngk zu uns. - c. in der Wendung ne (zu) winngk `sehr´; saufm tutt´r o ne winngk. - d. zun winngstn söSüdlausitz, Ostlausitz `zumindest´; du kunntst zun winngstn Danke soin. - e. a winngk `ein bisschen, etwas, ein Weilchen´; woarrt oack a winngk! Lautf.: wenngk Westlausitz, Sächs. Schweiz.

winngstns Adv. `wenigstens´ 1. `zumindest´; du hättst kinn winngstns Bescheed soin. - 2. (in Verbindung mit Zahlwörtern) `mindestens´; doaas Eitrietsbillett kimmt winngstns 50 Moark. Lautf.: wenngstns Westlausitz.

Winschdurf `Wünschendorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Radogoszcz´.

Winterfurche f. `Ackerfurche, die im Winter liegen bleibt und im Frühjahr od. Sommer eingesät wird´; de Winterfurche ackern `einen Acker zum zweiten Male (tiefer) pflügen´. Lautf.: siehe Furche!

Winterhund m. Niedercunnersdorf, Bertsdorf, °NOL Kunnersdorf RA: Iech kumm irscht wieder, wenn de Winterhunde balln `ich komme erst wieder, wenn mit den Handflegeln gedroschen wird´.

Winterhund m. Niedercunnersdorf, Eibau, Bertsdorf, °NOL Kunnersdorf de Winterhunde balln `hörbar mit Handdreschflegeln dreschen´. Iech kumm irscht wieder, wenn de Winterhunde balln `ich komme erst wieder, wenn Getreide mit Dreschflegeln gedroschen wird´.

wintersch Adj. Adv. Schirgiswalde `im Winter´.

Winterschzeit f. `Winters Zeit, Winterzeit, Winter´; ´s is nu abm Winterschzeit.

Wippl m. `Wipfel´. 1. wie litspr. `der oberste Teil eines Baumes, Baumkrone´. - 2. übertr. `Kopf´; anne Kugl an Wippl join; dar hoat´s mit´n Wippl `der ist geisteskrank´.

Wipplkrankt f. scherzh. `Kopfschmerzen (nach Trunkenheit)´. Lautf.: Wipplkrankheet.

Wippstalze n. verstr. Südlausitz `(weiße) Bachstelze (Motacilla alba)´. Lautf.: Wippstelze. Auch Wippschwanz m. Neulausitz, Ackermännl n. Neulausitz. Siehe auch Baachstelze!

Wirbl m. siehe Fansterwirbl!

Wirbs siehe Wurbs!

Wirflkante f. Großschönau `Würfelkante: Kennzeichen für Abschluss eines handgewebten Damaststückes´.

Wirge f. `Würge´ 1. Obercunnersdorf, Waltersdorf, Bihms Koarle `böse Sache, Schicksalsschlag´. - 2. Schirgiswalde, Burkau, Westlausitz `schwere Arbeit, Plage, Mühe´; ´s is wieder anne Wirge, Worge od. Worche a dr Foabricke. - 3. Neugersdorf, sSüdlausitz, Girbigsdorf `Schwindel, Aufschneiderei, kleine Lüge´; anne Wirge ufhängn; dar is o ne a dr irschtn Wirge derstickt `er ist unglaubwürdig´. - 4. °ZI Ebersbach `feuchtfröhliche Feier, toller Streich´; anne Wirge machn.. Lautf.: Wurge, Worge.

Wirgeband n. Dim. Wirgebändl, -bandl (eigtl. `Strick, mit dem man jmdn. würgen, erdrosseln will´) 1. in der Fügung enn od. siech Wirgebänder machn `jmdm. Schwierigkeiten bereiten, sich etw. aufbürden´. - 2. übertr. Niedercunnersdorf, Cunewalde `Kind, das Schwierigkeiten bereitet; unruhiges, ungezogenes Kind´. Lautf.: Wirglband, Wurgeband, Worgeband.

Wirgebiestl n. Neugersdorf `unruhiges Kind´. Vgl. Bieste!

Wirgeluder n. 1. `Pers., die schwer u. viel arbeitet´. - 2. `Pers., die jmdm. einen (lustigen od. bösen) Streich spielt´. Lautf.: Wurgeluder, Worgeluder Westlausitz.

Wirger (gespr. Wurger) m. selt. scherzh. Dittelsdorf `Schlips, Krawatte´; auch Gurglwirger Leutersdorf, zun Furtgihn mach´ch mer aber kenn Wirger im.

Wirglch siehe Warglch!

wirgln swv. selt, `etw. (mit den Händen) hin- u. herrollen, unordentlich zusammenrollen und dabei zerknittern, würgen, wickeln, liederlich binden´; se wirgln´ch durch, is Klabeband wirglte´s wieder oab.  Lautf.: wurgln Oderwitz, worgln Schirgiswalde, wergln, wargln.

wirgn swv. `würgen´. 1a. `ein Lebewesen an der Kehle packen und ihm die Luft nehmen´. - b. miech wirgt´s `ich bekomme keine Luft´. - 2. `(trockene Speisen) mühsam schlingen, schlucken´; ahinderwirgn; a hoat de Babe troige reigewirgt. - 3. `schwer arbeiten, schuften, sich plagen´; remworchn Steina. - 4. `ärgern, vor Ärger die Luft wegbleiben´; miech wirgt´s waajgn ihrn dumm Geloaber. Lautf.: wurgn; worgn u. worchn Westlausitz, werchn Hinterhermsdorf, warchn sWestlausitz.

Wirgs siehe Wurgs!

wirgsn siehe wurgsn!

Wirkebank f. Dim. Wirkebänkl Großschönau, Leutersdorf `Webbank: Bank vor dem Handwebstuhl, auf dem der Weber beim Arbeiten sitzt´. Lautf.: Woarkebank Westlausitz.

Wirkeharr m. veralt. `Webherr: Pers., die im Lohn Webware herstellen lässt; Besitzer einer Weberei´. Lautf.: Wirkharr.

Wirkeloade f. Dim Wirkeladl 1. Niedercunnersdorf, Großschönau `rahmenartiger Teil des Webstuhles mit Blatt, in dem die Schützen laufen und durch dessen Bewegung der Schussfaden an das gewebte Stück angeschlagen wird´. - 2. Leutersdorf `kleine Truhe, die unter dem Kettbaum des Handwebstuhles stand´. Lautf.: Wirkloade, Wurk(e)loade.

Wirkemoan m. `Weber; Mann, der Stoff webt´.

Wirkeschitzn siehe Schitzn!

Wirkestube f. `Webstube: Wohnstube mit Handwebstuhl´. Lautf.: Woarkestube Westlausitz.

Wirkestuhl m. °ZI Ebersbach, Großschönau `Webstuhl: großes stuhlartiges Gestell zum Weben mit der Hand´. Lautf.: Wirkstuhl, Wurkestuhl, Woarkestuhl Westlausitz, Woarkstuhl Oberlichtenau.

Wirkesoaal m. Großschönau `Websaal in einer (mechanischen) Weberei´.

wirkn (gespr. wurkn) swv. `wirken: weben´. Webervers: A Rupperschdurf, a Leckerschdurf, do wirkn se Koattun, und weil (während) de Mutter Suppe koacht, do wirkt dr gruße Suhn. Lautf.: workn Westlausitz.

wirm (kurzes a) sww. veralt. °ZI Ebersbach `wärmen´; ´n Buckl oan Feuerchl wirm; gewirmte Abern `Bratkartoffeln´. Lautf.: warm.

Wirme (kurzes i) f. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Cunewalde, Seifhennersdorf `Wärme´. Lautf.: Warme Neusorge; Warmde öOstlausitz.

Wirml n. 1. Dim. von Wurm `Würmchen´; Gehoannswirml, Summerwirml; RA: enn a Wirml oabdrähn `jmdn. auf den Boden der Wirklichkeit zurück holen, jmdn. seine Eigenarten unsanft abgewöhnen´. - 2. übertr. `kleines, (bedauernswertes) Kind´. Lautf.: Wurml, Werml.

Wirmldukter m. 1. Obercunnersdorf, Cunewalde dass. wie Wirmlsucher. - 2. Neusorge `Person, die Schädlinge (Kartoffelkäfer) bekämpft´. - 3. Eibau `Doktor, der Blutegel (an Aderbeine) ansetzt´.

Wirmlgucker m. verstr. dass. wie Wirmlsucher.

Wirmlmoan m. verstr. dass. wie Wirmlsucher.

Wirmlsucher m. veralt. verstr. Cunewalde `Fleischbeschauer, Trichinenschauer´.

Wirrboajttl m. `Wirrbeutel: wilde, ausgelassene, unruhige Person´.

Wirre f. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Verwirrung, Wirrwarr, Durcheinander, Gewirr´; a dr Wirre hoa´ch doaas vergassn; iech bie derbei a de Wirre gekumm `ich bin dabei in Verlegenheit / Aufregung gekommen´; du brengst oalls a de Wirre `du bringst alles durcheinander´. Lautf.: Wurre Anton, Worre Westlausitz.

Wirrstruh n. veralt. Niedercunnersdorf, Frankenthal, Nieder Neundorf `Wirrstroh´. 1. `grober Abfall beim Dreschen, aus zerschlagenen Ähren u. Strohhalmen bestehend´. - 2. `Abfälle beim Riffeln des Flachses´. Lautf.: Wurrstruh.

Wirrwoar m. `Wirrwarr: Durcheinander´. Siehe auch Wirre!

Wischer m. Pulsnitz `Tadel, Dämpfer, Erniedrigung´; ann Wischer kriegn.

Wirschtl (kurzes 1) n. `Würstchen´ 1. wie litspr., Dim von Wurst; dar frisst zahn Poaar woarme Wirschtl. RA: weg, furt wie´s Wirschtl vun Kraute. - 2. übertr. a. Obercunnersdorf, Oberlichtenau `männl. Haselnussblüte, Stäubbeutel´. - b. Niedercunnersdorf `Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis L.)´. - c. Nordböhmen `Wiesenknopf´; braune Wirschtl `brauner Wiesenknopf´. - 3. übertr. `kleines dralles Kind, Baby´. Siehe auch Wurscht! Lautf.: Wurschtl, Werschtl, Warschtl, Woarschtl.

Wirschtlfinger m. `dicker Finger´.

wirschtln swv. 1. Bihms Koarle `etw. (mit den Händen) wie ein Würstchen formen, in Falten legen, verdrehen, zerknittern´; de Strimpe oan Woadn ruffwirschtln. - 2. `planlos, ziellos, ohne Ergebnis arbeiten´; die wirschtln schunn drei Tage droaarim. Lautf.: wurschtln, worschtl.

Wirt (gesprochen Wirrt od. Wurrt) m. 1. wie litspr. `Gastwirt´; RA: War nischt wird, wird Wirt, war´sch verpoasst wird Goast od. wenn de Lust zu goar nischt hoast, wirscht de eefach Goast. - 2. `Hausbesitzer´.

Wirtl (gespr. Wirrtl od. Wurrtl) m. 1. veralt. `auf das untere Ende der Spindel (od. Spule) am Spinnrad gesteckte Scheibe, die mit ihrem Gewicht die kreisende Bewegung unterstützt´. Bereits in der jüngeren Steinzeit wurden die Wirtel zur Beschwerung der hölzernen Spindel erfunden. Es waren meist runde, aus Ton gebrannte Gegenstände mit einem bleistiftstarken Loch; Spinnwirtl. - 2a. Großschönau `angetriebene Spindel zum Bewickeln von Spulen´. - 3. übertr. `etw. sehr Großes, hoher Berg, dicker Stamm´.

Wirtlch (gespr. Wirrtlch od. Wurrtlch) m. 1. selt. `(alte) Uhr´. - 2a. `wildes, lebhaftes Kind´. - b. `arbeitswütige Pers., die mit viel Energie und (unnötigem) Aufwand herumrackert´. - c. Spitzkunnersdorf `wütende Pers.´. - 3. dass. wie Wirtl.

wirtln (gespr. wirrtln od. wurrtln) swv. 1a. Süd- u. Ostlausitz `sich anstrengen, sich bei der Arbeit zermachen (ohne den Verstand zu gebrauchen)´, geschäftig sein, abmühen, rumoren, fleißig arbeiten, hasten (eigtl. `sich schnell drehen´). - b. `für andere nicht sichtbar rumoren´; mer sitt se ne, mer hirrt se oack, se wirtlt ´n ganzn Tag an Gewelbe rim. Zungenbrecher: Wird´s woaas wird, gewirtlt wird, und wenn´s a loahmes Entl wird. - 2. Spitzkunnersdorf `toben, rasen, wüten´. - 3. Jonsdorf `umhertollen (Kinder)´. - 4. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Jonsdorf, Schirgiswalde `ausgiebig feiern, herumlärmen´. Lautf.: wurtln, wortln Schirgiswalde, wertln.

Wirtn (gespr. Wirrtn od. Wurrtn) f. `Wirtin´. 1. `Frau des Gastwirtes´. - 2. `Hausbesitzerin, Zimmervermieterin´.

Wirze (gespr. Wirrze od. Wurrze) f. `Würze´. 1. wie litspr. `Gewürz, Würzmittel, der durch das Gewürz erzielte Geschmack´; du hoast de richtche Wirze a dr Suppe. - 2. übertr. `Kraft, Forschheit, Schwung, Energie´; dar hoat´n Boall mit Wirze an Pfustn gebulzt. Lautf.: Warze, Woarze Westlausitz.

Wisch m. siehe Wiesch!

wischbern siehe wuschpern!

Wischebettl n. Jonsdorf dass. wie Steck(e)bett u. Bischebettl.

Wischeemer m. `Wischeimer: Eimer, der zum Wischen bzw. Scheuern verwendet wird und in dem sich das schmutzige Wasser und der Scheuerlappen (Hoader) befindet´; ´n Hoader iebern Wischeemer auswinn. Lautf.: Wische-eemer.

Wischhoader m. `Tuch zum Wischen bzw. Scheuern der Fußböden; Scheuerlappen´; nimm oack amol ´n Wischhoader und tunk de Pfitzn uf! Lautf.: Wischehoader.

Wischl n. (Dim. von Wiesch) siehe Wiesch!

wischln siehe wuschln!

Wischlzeug n. Pl. scherzh. leicht abwert. `Briefmarken´.

wischn swv. 1. trans. wie litspr. `mit der Hand od. einem Gegenstand über etw. hinfahren. - 2. eene (enn) gewischt kriegn `einen (elektrischen) Schlag bekommen´. - 3. intrans., wie litspr. `schlüpfen, gleiten´; de Schmährseefe is mer durch de Hand gewischt od. gewuscht; de Koanne wuschte mir furt. - 4. `jmdn. ausnehmen, um das Geld prellen, jmdn. übertölpeln´; mei Nubber is amol gewischt wurn. Lautf.: wuschn.

Wischtichl n. Dim. von Wischtuch `Geschirrtuch´.

wischpern swv. siehe wuschpern!

wispern siehe wuschpern!

wispln swv. Niedercunnersdorf dass. wie wuschpern.

Wisse auch Schirgiswalde in der Fügung enn woaas zu Wisse gan od. tun `jmdn. etw. wissen lassen, jmdm. etw. mitteilen´.

wissn unregelm. V. iech weeß, du wesst Oberland od. du weest, a weeß od. wiss (nmOstlausitz), mer wissn, iech wusst(e), iech hoa gewusst `wissen´. 1a. wie litspr. `Kenntnis von etw. haben, sich einer Sache bewusst sein´; RA: War´sch weeß, dar wird´s schunn wissn, is ganze Labm is beschissn; wesst od. wisst Westlausitz, nmOstlausitz de, war gesturbm is? Iech gih oack uffm War-weeß `ich gehe nur aufs Geratewohl´; wenn doaas sull schiene senn, do weeß´ch ne!  - b. Ausrufe, die eine gewisse Unsicherheit zum Ausdruck bringen `wer weiß´; weeß dr Teifl! Weeß dr Guguck! Weeß dr Geier! - c. `jmdn kennen´; iech wisst de eene fer diech. - 2. `sich an etw. erinnern´; iech weeß noa, wie´ch mer de linke Knuche gebroachn hoa. Zum Erinnern auffordernde vorgesetzte Frage: Wisst´r´sch noa? Zum Erinnern auffordernde vorgesetzte Frage: Wisst´r´sch noa? - 3. mit verblasster Bedeutung in Beteuerungsformeln zur Bekräftigung der Wahrheit u. als Ausruf des Erstaunens, der Verwunderung, der Verärgerung; versteckter Fluch `wahrhaftig, wirklich, tatsächlich, das hätte ich nicht gedacht´; weeß Gutt, weeß Kneppl Neukirch, weeß Knepplch Eibau, weeß dr Teifl, weeß dr Geier, weeß dr Hule Obercunnersdorf, weeß dr Hole, weeß dr Dole Ostlausitz; dr Tag funk, weeß dr Hule, glei gutt oaa. - 4. einleitende Floskel zur Kontaktaufnahme u. Versuch der Vertrauensherstellung; wesst de, iech tät ne foahrn.

Wistlch siehe Wiestlch!

Witbe f. Süd- u. Ostlausitz `Witwe´. Lautf.: Witfe Neusorge.

Witber m. Ober- u. Niedercunnersdorf, Weifa, Girbigsdorf `Witwer´. Lautf.: Witfer Neusorge.

Witbmblume f. veralt. Burkau, um Görlitz `Witwenblume´: `Purpur-Skabiose (Skabiosa atropurpurea L.)´ u. `Acker-Skabiose (Knautia arvensis = Scabiosa arvensis L.)´. Der Name bezieht sich auf die schwarz-purpurne Blüte der Purpur-Skabiose.

Witfrooe (1.Silbe kurz) f. Pl. Witweibsn, Witweiber Jonsdorf, Schirgiswalde `Witwe´. Lautf.: Witfroaa Westlausitz.

Witmoan (1.Silbe kurz, 2.gedehnt) m. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Schirgiswalde, Girbigsdorf `Witwer´. Lautf.: Witmoann Westlausitz.

Wittche f. 1. verstr. West- u. Ostlausitz `Aufhebens, Umstände´; macht oack ne su anne gruße Wittche mit dan Geburtstage! - 2. Nordböhmen in der Wendung doaas is mer anne Wittsche gewast `das ist mir eine gute Lehre gewesen´. Lautf.: Wittsche Nordböhmen.

Wittche f. `Wittig, Ober Wittig (tsch. Horní Vítkov): Dorf in Nordböhmen zwischen Zittau und Kratzau (Chrastava)´; a dr Wittche woarn se kupliert wurn `in Wittig waren sie getraut worden´.

Wittchenau `Wittichenau (Stadt im °BZ)´; de Wittchenee-er `die Einwohner von Wittichenau´.  Lautf.: Wittchenoo, Wittchenoa.

wittern swv. 1. unpersönlich `hörbar werden eines Gewitters´; ´s wittert schunn. - 2. Wenn einem Mann eine schöne Frau begegnet, gebraucht man die Wendung: ba dann an Hosn wittert´s.

wittnde Adj. (eigtl. Part. Präs.) Oberland `wütend´.

Wittndurf `Wittgendorf´ (Ort der Großen Kreisstadt Zittau im °GR)´; de Wittndurfer `die Einwohner von Wittgendorf´.

woaas Interrogativpron. `was´. 1. als subst. Pron. a. einen direkten od. indirekten Fragesatz einleitend, wie litspr.; woaas kust´n doaas? - b. in Ausrufen: "Woaas itze oalls Kinder krigt!". - c. woaas mit vorangestellter Präp.; zu woaas(e), zu woaasn `wozu´, oa woaas(e), oa woaasn `woran´, ba woaas(e), ba woaasn `wobei´, durch woaas(e), durch woaasn `wodurch´, waajn woaas(e), waajn woaasn `warum, aus welchem Grunde´, mit woaas(e), mit woaasn `womit´, noa woaas(e), noa woaasn `wonach´, ieber woaas(e) `worüber´, im woaas(e) `worum´, vu woaas(e), vu woaasn `wovon´; im woaase gitt´s´n? `Worum geht es denn?´ Fer woaas(e), fer woaasn `wofür´. - 2. wie litspr. woaas fer `welch´; woaas fer a Karle `welch ein Kerl´. - 3. als Interrogativadv. a. umg. `warum´; woaas waterscht de su? - b. umg. `wie viel´; iech wellt ne wissn, woaas doaas gekust hoat. Lautf.: woas.
woaas Relativpron. `was´. 1. wie litspr. oalls woaas wuhr is. - 2. abweichend von der Litspr. a. einen Relativsatz einleitend; woaas mei salcher Grußvoater is, dar hätte doaas ne mitgemacht. - b. in der Bedeutung der, die, das; dr Koarle zankte mit dr Guste (od. Gustn), woaas seine Frooe is. - c. `wer´; woaas´ch ferrtn tutt, koann glei derheeme bleibm `wer sich fürchtet, kann gleich zu Hause bleiben´. Lautf.: woas.
woaas Indefinitpron. `was´. 1. für das litspr. subst. Indefinitpron `etwas´; die hoat mer woaas derzahlt. - 2. für litspr. attr. `etwas´ vor subst. Adj. od. Pron. iech hoa woaas Schlaajchts gegassn. - 3. `ein bisschen, ein wenig´; iech bie woaas grisser oas wie mei Bruder. - 4. bezeichnet als Mengenangabe einen nicht näher bestimmten Teil; iech ga dr woaas dervoo. - 5. in der Funktion eines Adv.: a. drückt die Stärke u. (od.) fortwährende Wiederholung einer Tätigkeit aus, `viel, oft´; dar hoat heute schunn wieder woaas rimgewatert. - b. verstärkt in dem Satztyp woaas zusoamm- + V. Verben, `viel´; dar poampert woaas zusoamm. Lautf.: woas.

woaaswaajgn Interrogativadv. Königshainer Berge `weswegen, weshalb, warum´.

Woaatcht siehe Woattch!

woaazn siehe woazn!

Woabberlohe f. `hin und her flackernde Flamme, durch den Wind hervorgerufenes unruhiges Feuer´. Lautf.: Wabberlohe.

woabbern swv. Niedercunnersdorf, Oderwitz `sich wie Gallert bewegen, wackeln, in unsteter Bewegung sein, flackern (Feuer)´; ´s Frooschgerecke woabbert, a woabberndes Lichtl.

woabblch Adj. `wabbelig´: schwabbelig, gallert-, geleeartig, unangenehm weichlich´.

woabbln swv. Girbigsdorf `weich sein u. wackeln, sich wie Gallert bewegen´.

Woadnwickl m. `Wadenwickel: kalte Beinumschläge (gegen Fieber)´.

Woahn m. `Wahn´; mdal. nur in der festen Fügung an (ein, in) Woahne senn (sein) `der irrigen Meinung sein´; do hoa´ch doa a menn Woahne menn Jungn eene rundergehoon `da habe ich doch in meiner falschen Vorstellung meinem Sohn eine gelangt´.

Woajn m., Dim. Waajnl, Pl. Waajne `Wagen: Fahrzeug zum Transport von Lasten, das mit einer Deichsel versehen ist u. gezogen werden kann´; iech hoa Abern an Woajne, Letterwoajn, Letterwaajnl, Koastnwoajn, Schirgewaajnl. Lautf.: Woin, Woan Schirgiswalde, Woarn Jonsdorf, Dim. Wanl Schirgiswalde, Oberlichtenau od. Warnl Westlausitz, Weinl nOstlausitz, Pl. Wane od. Warne Zittauer Gebirge, Westlausitz.

Woajnäle f. `Wagenöl, Wagenschmiere´.

Woajnbauer m. Neusorge `Wagenbauer: Stellmacher´. Lautf.: Woagnbauer Burkau.

Woajnbraat n. `Wagenbrett: langes, durch die Rungen abgestütztes Seitenteil des Kastenwagens´.

Woajndestl (kurzes e) f. `Wagendeichsel: Zug- u. Lenkvorrichtung des Wagens, aus einer od. zwei Stangen bestehend, an welche die Zugtiere gespannt werden´. Lautf.: Woarn-, Woan-, -deistl, -dechsl.

Woajner m. `Wagner´. 1. wSüdlausitz, sWestlausitz `Wagenbauer, Stellmacher´. - 2. Ostlausitz `Pferdeknecht, Kutscher, der in einem größeren landw. Betrieb das erste Gespann führt´. - 3. ein Familienname. Lautf.: Woiner Seitendorf, Woarner Westlausitz.

Woajnglees n. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `Wagengleis: tief eingeschnittene Wagenspur auf einem Feldweg´.

Woajnhäber m. `den Überbruch nutzenden Wagenheber zum Schrägstellen des bäuerlichen Wagens zwecks Wechseln od. Abschmieren der Räder´. Lautf.: Siehe Woajn!

Woajnroad n. Pl. Woajnrader, Dim. Woajnradl `Wagenrad´; mer hoann hoalbe Woajnrader vu Kuchn heemgebucklt. Lautf.: Woinroad Neukirch.

Woajnrunge f. siehe Runge!

Woajnschmähre f. `Wagenschmiere´, früher mit Leinöl versetztes Pech. Lautf.: Siehe Woajn und Schmähre!

Woalke f. `Walke, Walkmaschine, Walkmühle in der Textilindustrie´. Siehe woalkn!

Woalker siehe Wälker!

Woalkerch siehe Wälkerch!

woalkn swv. fachspr. in Tuchproduktion und Gerberei `walken´. 1. `die Behandlung des Tuchs auf Walkmühlen, um die auf der Oberfläche liegenden Härchen zu verfilzen und das Gewebe zu stabilisieren´. - 2. `Leder (bes. neues Schuhwerk) durch Einfetten u. anschließendes Kneten weich u. geschmeidig machen´. - 3. refl. `sich balgen, prügeln´; durchwoalkn, verwoalkn, zerwoalkn. - 4. `kneten, drücken´. Siehe auch wälkern!

Woall m. selt. Süd-, sWest- u. sOstlausitz `kurzes Aufkochen´; ann klenn Woall missn de Abern noa kriegn. Lautf.: Wall, Well.

woallern swv. 1. Schirgiswalde, Girbigsdorf, Neusorge `wallen: leicht u. langsam kochen, zu kochen beginnen, aufkochen´; wenn de Abern woallern, wird´s kaalt (Volksweisheit). - 2. Oberlichtenau `dummes Zeug erzählen, quatschen´. Lautf.: wallern Westlausitz, wällern.
woallern swv. nNeulausitz `walen: zu Ostern bunte Ostereier nach best. Regeln auf einer abschüssigen Bahn in eine Bodenvertiefung rollen´. Bei diesem Spiel versuchen die Kinder, die bereits in der Grube liegenden Eier zu treffen, um dieses Ei und das eigene herausnehmen zu dürfen. Siehe Eierschiebm!

Woalper f. `Walpurgis (Tag der heiligen Walpurga): 1.Mai mit dem vorangehenden Abend ´. Walpurgis war Zinstag, an dem früher Lehnzins u. Steuern fällig waren. Sie war ein Los- u. Schicksalstag und leitete den endgültigen Sieg des Sommers (Pfingstmaie, Maibaum) über den Winter (Pest, Unfruchtbarkeit, Hexen) ein.

Woalperfeuer n. Süd- u. Ostlausitz `Walpurgisfeuer: Feuer am Abend und in der Nacht vom 30. April zum 01. Mai zur Abwehr von Hexen, die sich an diesem Abende mit dem Teufel treffen und auf Besen reitend Vieh behexen und Saaten vernichten´. Siehe auch Hexnfeuer!

woalpern swv. Süd- u. Ostlausitz `am 30. April Feuer entzünden und Walpurgisbräuche ausüben´; unse Kinder gihn hinte woalpern.

Woalperobd m. `Walpurgisabend: Abend u. Nacht des 30. April´. Lautf.: Woalperobm (um Görlitz), Woalperomd

Woampe f. Dim. Wampl 1. `(dicker) Bauch eines Menschen (meist eines Mannes)´; mir dräht´s de Woampe im `mir wird es übel im Magen´; a Wampl oaafrassn; dar hoat´ch wieder de Woampe vuhlgeschloin `der hat sich wieder überfressen´. RA: A Moan ohne Woampe is a hoalber Kriepl `ein Mann ohne Bauch ist ein halber Krüppel´; Aufforderung zum Suppen: Asst oack asst, Abern gan Woampe, Woampe gibbt Oaasahn, und Oaasahn lässt´ch verkeefm. - 2. personifiziert; dohiebm kumm de drei Woampm `dort kommen die drei Personen, meist Geschwister, mit den dicken Bäuchen´. - 3. `misslungener Hechtsprung, bei dem man mit dem Bauch flach auf dem Wasser aufschlägt´; du hoast anne Woampe gemacht.

Woampeknoattern n. scherzh. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Girbigsdorf `Bauchschmerzen (mit Blähungen)´.

Woamperoattern n. dass. wie Woampeknoattern.

woampern swv. Schirgiswalde dass. wie woampm; dar hoat de ganze Schissvll reigewoampert.

woampm swv. `übermäßig viel essen, sich den Bauch voll schlagen´.

Woampmkitte f. scherzh. `(dicker, trockener) Kartoffelbrei´. Lautf.: Woampekitte.

Woamvll (kurzes oa) f. `Bauchvoll´; anne Woampvll Hierschepoappe. Lautf.: Woampvll.

Woan siehe Woajn!

Woannvll f. `Wanne voll´; zwee Woannvll Wäsche.

Woansche (kurzes oa) ohne Genus, veralt. f. `Wanscha´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Spytkow´; de Woanschn `die Einwohner von Wanscha´. Lautf.: Wansche.

Woanst m. `Wanst´. 1. `(dicker) Bauch´; dar frisst oalls a senn Woanst rei. Siehe auch Woampe u. Bittch! - 2. harmloses Scheltwort für ein nicht folgendes Kind; dar Woanst hoat´ch wieder dreckch gemacht.

Woanstroammln n. `Bauchschmerzen (mit Blähungen)´.

Woapse (kurzes oa) f. Neugersdorf `(nicht sehr kräftige) Ohrfeige´.

Woare f. `Ware: das fertige Gewebe, das der Weber auf dem Handwebstuhl hergestellt hat´.

woarm Adj. `warm´. 1. wie litspr. `von verhältnismäßig hoher Temperatur (Gegensatz: kalt)´. - 2. wie litspr. `den Körper gegen Kälte schützend´; a Poaar woarme Underziehhosn oaaziehn.

woarim Interrogativadv. Bihms Koarle `warum´. Lautf.: worim, wo(a)rem Westlausitz, wo(a)rum.

Woarnboom (gedehntes oa) m. `Warenbaum: Walze, die sich vorn im Webstuhl befindet u. auf die das fertige Gewebe aufgewickelt wird; Webbaum´.

Woarnche (kurzes oa) f. `Warnung´; doaas is mer anne Woarnche gewast.

woarnchn swv. verstr. `warnen´; iech hoa dch gewoarncht.

Woarthe ohne Genus, veralt. f. `Wartha´. 1. Ort der Gemeinde Malschwitz im °BZ; de Woarthschn `die Einwohner von Wartha´. - 2. Ort der Gemeinde Knappensee im °BZ´.

Woarrschdurf siehe Werrschdurf!

Woarzl (gedehntes oa) f. dass. wie Hihnerwurzl.

Woarznkroattch n. `Warzenkraut: Schöllkraut (Chelidonium maius L.)´; fer de Woarzn nimmst de oan bestn de Milch vun Woarznkroattch! Auch Woarznkraut.

Woaschbeckn n. `Gefäß, Schüssel zum Waschen der Hände u. des Körpers´.

Woaschbrat n. Dim. Woaschbratl `Waschbrett´.

Woaschfest n. mSüdlausitz `Waschtag, große Wäsche´.

Woaschfleckl n. 1. `Lappen zum Reinigen des Körpers, Waschlappen´. - 2. selt. `Lappen zum Reinigen des Geschirrs´.

Woaschfoaaß n. Dim. Woaschfassl `Waschfass´. 1. `Holzgefäß zum Wäschewaschen´; iech stupp dch as Woaschfassl, du stinkst ju wie a Wiedehupp. - 2. vorwieg. im Dim. `Gefäß zum Waschen der Hände u. des Körpers´. Lautf.: Woaschfoass.

Woaschfrooe f. `Waschfrau: Frau, die bei der großen Wäsche half´.

woaschn stv. iech woasch(e), du wäscht, iech wuhsch, iech hoa gewoaschn `waschen´. 1. wie litspr. `sich / jmdn./ etw. mit Wasser reinigen´; RA: zu einer Pers., die mehrmals „was“ oder „wie bitte“ sagt: „Woasch dr oack de Fisse, dermit dr Dreck noochrutscht!“ RA.: Doaas hoat´ch gewoaschn! `Das ist eine knifflige Angelegenheit´; de Frooe hoat mer urndlch ´n Kupp gewoaschn `meine Frau hat mich abgekanzelt´; su a Dreckbloatt, woasch dr de Pfutn! `So eine schlechte Karte, wasche dir vor dem Geben die Hände!“ - 2. abweichend von der Litspr. `(den Fußboden) scheuern´; iech muss noa de Treppstuffm woaschn.

Woaschnoapp m. Dim. Woaschnappl `Gefäß, Schüssel zum Waschen der Hände u. des Körpers´, auch Woaschbeckn u. Woaschfoaaß.

Woaschständer m. Niedercunnersdorf, Oderwitz `Waschständer: dreifüßiges Gestell zum Einhängen ein od. mehrerer Waschschüsseln´.

Woaschweib n. `schwätzende, klatschende, verzärtelte Person´; Nubbersch Grußer is a aales Woaschweib.

Woasser n. `Wasser´. 1. wie litspr.; heeßes Woasser; RA: A hoat nohnde oan Woasser gebaut `ihm kommen schnell die Tränen´. - 2. auch Dim. Wasserchl wie litspr. `Gewässer´; do kimmt a Wasserchl ´n Barg runder. RA: Dar tutt groade, oas kennt´r kee Wasserchl triebm `unschuldig tun, aber nicht sein´. - 3. wie litspr. `Flüssigkeit, die sich im Körper bildet: Speichel, Tränen, Schweiß, Urin´; do liff mer´sch Woasser an Maule zusoamm, Blutt und Woasser schwitzn; mir koacht´s Woasser an Oarsche `ich schwitze´; ´s woar ne schlimm, a hutt´s oack mit´n Woasser.

Woasserbänkl n. `Wasserbank im Haus, auf der die gefüllten Wassereimer stehen´; is Woasserbänkl stoand under dr Treppe.

Woasserblieml n. Wilthen `Knöllchensteinbrech (Saxifraga granulata)´, auch Seechgleckl Wilthen.

woasserbloo Adj. `blau wie Wasser´; woasserblooe Oogn.

Woasserchl n. siehe Woasser! Lautf.: Woasserchn.

Woasserdukter m. selt. `Heilpraktiker od. Arzt, der Therapien der Naturheilkunde bevorzugt´. Lautf.: Woasserduchter wSüdlausitz.

Woassergoalle f. selt. Obercunnersdorf `Wassergalle´. 1. `unfruchtbare, stets nasse Stelle auf einem Feld od. einer Wiese´. - 2. Niedercunnersdorf, Schlesien `nicht voll ausgebildeter Regenbogen, schwacher zweiter Regenbogen´, auch Watergoalle.

Woassergräte f. Obercunnersdorf `Wasserkröte, Unke´. Lautf.: Woasserkräte Bihms Koarle.

Woassergrund m. `Wassergrund (Ortsteil des zur Gemeinde Sohland a. d. Spree gehörenden Ortes Taubenheim)´; mer loofm durch´n Woassergrund; sei Maajdl wohnt an Woassergrunde; de Woassergrindschn `die Einwohner´.

Woasserhäusl n. `Wasserhäuschen: Standort der Hochbehälter (Wasserreservoir) und der Wasserpumpen zur Wasserversorgung auf einem entfernten Hügel´.

Woasserhihnl n. Niedercunnersdorf, Großschönau `Blessralle, Blesshuhn´; auch Schwoarzes Woasserhihnl.

woasserhoarte Adj. `wasserhart: hart durch Einwirkung von Wasser, z.B. rissige Erdkruste, Schuhe´; dr Bodn is woasserhoarte; dar hoat ann Woasserhoartn `der hat ein steifes Glied´.

Woasserkoanne f. urspr. `Kanne zum Wasserholen´; RA: Beene wie Woasserkoann `sehr dicke Beine´.

Woasserkraatschn m. `Wasserkretscham: Ortsteil der Gemeinde Vierkirchen im °GR´.

Woasserleefer `Wasserläufer (Tringa erythropus)´; ´n Woasserleefer hoat dr Froosch verschluckt.

Woassermoan m. `Wassermann: (böser) Wassergeist´ (Sagengestalt, verstr. auch Schreckgestalt).

Woasserminze f. Ostlausitz `Wasser - od. Bachminze (Mentha aquatica L.)´ Lautf.: Woassermienze.

Woassernixe f. 1. siehe Nixe! - 2. Niedersteina, Oberlichtenau `Wasserläufer, Wasserwanze, die mit ihren langen Beinen, der auf dem Wasser läuft (Gerris lacustris)´.

Woasserpfard n. Pl. Woasserpfare Spitzkunnersdorf `Wasserpferd: Wasserläufer (Tringa erythropus)´.

Woasserpoappe m. f. `einfachste, dickflüssige Suppe aus Wasser, Salz und Roggen- od. Weizenmehl u. etw. zerlassenem Speck als Speise der Leineweber“.

Woasserriebe f. 1. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde, Neusorge `Wasserrübe´, dass. wie Stupplriebe. - 2. übertr. `großer Kopf´.

Woassersamml f. um Görlitz, Särichen `vierteilige Semmelzeile´.

Woasserschneidn n. Niedercunnersdorf `Wasserschneiden: Schmerzen beim Wasserlassen´.

Woasserspaajcht m. Großschönau, Singwitz `Eisvogel (Alcedo ispida od. Alcedo atthis)´. Lautf.: Woasserspecht.

woasserstreefch Adj. `schliff, nicht durchgebacken (Brot), stellenweise feucht, noch teigig ´.

Woasserstreefm m. (meist Dim. Woasserstreefl) `Schliff: Wasserstreifen: feuchter Streifen in einem nicht durchgebackenen Brot´, auch Klintsch u. Klautsch.

Woassersuppe f.  `Wassersuppe: gebrocktes Brot, das mit viel Pfeffer u. etw. Salz, zuweilen auch Kümmel bestreut, mit kochendem Wasser übergossen u. eventuell mit etw. Fettigkeit versetzt wird´ (vorwieg. als Mittel gegen Magenverstimmung); iech hoa mer anne Woassersuppe ohne Brutfiedl gemacht `ich habe nur Wasser getrunken´.  Daraus entwickelte sich die Knoblauchsuppe. Siehe auch Brutsuppe!

Woatschch, Woattschch siehe Watschch!

Woatschker siehe Watschker!

Woattch m. 1. Neugersdorf `Fettwulst (unterm Kinn), Doppelkinn, dicker Hals´; Sammlwoattch `Doppelkinn´. - 2. Niedercunnersdorf `anhängende, klumpige Masse; Pers. mit Fettwulst unter dem Kinn´. Lautf.: Woaatcht Neugersdorf, Woattsch Seifhennersdorf. Vgl. Watschch!

Woattehaube f. `Wattehaube: auswattierte Winterhaube für die Frauen´.

Woatterook m. `Watterock: doppelter, mit Watte gefütterter, weiter, meist buntgemusterter Unterrock, der zur Feldarbeit im 19. Jahrhundert auch ohne Oberrock getragen wurde´.

woattschern swv. siehe wuttschern!

woazn (gedehntes oa) swv. siehe wozn!

Wodcht siehe Wotcht!

wog(e)hoals´ch Adj. `waghalsig, in leichtsinniger Weise mutig, wagemutig, verwegen´; bie oack ne su wogehoals´ch!

wogn swv. `wagen´. 1. (refl.) `sich nicht scheuen, etw. zu tun u. zu riskieren; sich getrauen´; iech hoa´s hoalbe Labm gewogt; wog der´sch ne und foass mei Maajdl oaa! - 2. in der Wendung droaa wogn `ausgeben, bezahlen´; de Rente hoast de wieder droaa gewogt `die Rente hast du dafür wieder ausgegeben´, wogt oack ne goar su vill droaa!

Wohle ohne Genus, veralt. f. `Wohla´. 1. Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR.; de Wohlschn `die Einwohner von Wohla´. - 2. Ort der Stadt Elstra im °BZ.

wohr siehe wuhr!

Woin siehe Woajn!

Woiacker m. (meist im Pl.) `Soldat des königlich-sächs. Infanterieregiments Nr.103 in Bautzen´ bis 1918 in Sachsen bekannt; de Woiacker senn windsche Suldoatn (etym. zu obersorbisch wojak `Soldat´).

Woodcht siehe Wotcht!

Wooge f. `Waage´. 1. wie litspr. `Gerät zur Gewichtsbestimmung´. - 2. `Zugvorrichtung beim Zweispänner, bestehend aus einem Waagebalken u. zwei Ortscheiten´. - 3. in der Wendung a dr Wooge senn `waagerecht sein´.

Wootsche siehe Hätsche!

worchn siehe wirgn!

Wot (gedehntes o) f. verstr. abwert. Seifhennersdorf, Zentendorf `Kleidung´.

Wotcht (gedehntes o) f. 1. abwert. Ober- u. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Oderwitz `(alte, dicke u. lästige) Kleidung, Textilien´; du hoast vill zu vill Wotcht an Schranke. - 2. übertr. Oderwitz `Reisegepäck, viele Beutel u. Taschen mit Habseligkeiten´. Lautf.: Wotscht, Wotche (gedehntes o).

wotn swv. Bihms Koarle, Weifa, Oberlichtenau `waten´.

wozn (gedehntes o) swv. `waten (durch Wasser, Schlamm), schwerfällig gehen´; rimwozn; ihr sullt ne durch´n tiffstn Schnie wozn! Lautf.: woazn.

wu Adv. `wo´. 1. interrogativ wie litspr. `an welchem Ort, an welcher Stelle´; wu hängt´n mei Rickl? - 2. relativisch a. mit lokalem Bezug wie litspr. `dort, wo, wohin, bei dem/den´; oan liebstn gih´ch uff´m Kupper, wu´ch schunn oas klenner Junge rimgejaajert bie. - b. mit temporalem Bezug `die Zeit, in der´; wu´ch nu 18 bie, luss´ch mer ne mih su vill reirädn `jetzt, da ich 18 bin, ... - c. als Relativpron. fungierend an Stelle von `der, die, das´; doaas is doaas Haus, wu´ch wohne.
wu Konjunkt. 1a. `als´; se woar noa ne verheiroat, wu se is irschtemol a andern Imstänn woar. - b. `nachdem´; wu mer´n Besuch raushuttn, koam glei wieder neuer.

wuandersch(er) Adv. `woanders: an einem anderen Ort´.

Wuberch (gedehntes u) m. 1. `Aufflammen (durch einen Windstoß od. eine Explosion)´; wie dr Wind reipfeef, goab´s ann grußn Wuberch und dr ganze Haufm brannte. - 2. `Geräusch im Ofen´. Lautf.: Wuwerch.

wubern (gedehntes u) swv. 1a. Bihms Koarle `lodern, flackern, wetterleuchten, aufflammen, sich hin- und herbewegen mit leuchtender Flamme´. - b. Obercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Schirgiswalde `geräuschvoll brennen (Feuer im Ofen)´; ann Stiebl wuberte anne eiserne Koarnone; ´s Feuer wubert aber! - 2. Obercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Oberlichtenau `rollen des Donners bei aufkommendem Gewitter, donnern (aus der Ferne) ´. Lautf.: wubbern wSüdlausitz, wuwern Steina.

Wuche f. `Woche´. 1. wie litspr.; de Wuche is glei rim; die Wuche `diese Woche´, vurche Wuche `vergangene Woche´, uff de Wuche od. kummde od. neue Wuche `nächste Woche´, de ander Wuche `nächste od. übernächste Woche´, stille Wuche `Woche vor Ostern, Karwoche´, Stepsl- od. Stepplwuche. - 2. wie litspr. `die sechs Werktage der Woche´; a dr Wuche koann´ch ne kumm, irscht zun Sunntche. - 3. nur im Pl. `Zeitraum von etwa sechs Wochen zwischen Entbindung u. erstem Kirchgang der Mutter nach der Niederkunft, Wochenbett´; meine Frooe is noa an Wuchn; an Wuchn gitt dr Bauer zer Moajd; anne Frooe, die an Wuchn is, doarf ne uff Besuch gihn, doaas brengt Ungelicke.

Wucheblatl n. `Wochenblatt: Zeitung, die wöchentlich erscheint´. Lautf.: Wuchnblatl.

Wuchemoarcht m. `Wochenmarkt´ siehe Moarcht 1. Lautf.: Wuchnmoarcht, Wuchnmoart.

Wuchetag m. `Wochentag, Werktag´. Lautf.: Wuchntag, Wuchtag Kürzungsmundart.

Wuchezeug n. `(minderwertigere) Kleidung, die nur an den Arbeitstagen in der Woche angezogen wird; dar kimmt an Wuchezeuge a de Kirche. Lautf.: Wuchnzeug.

Wuchnsuppe f. veralt. `leichte, doch nahrhafte, kräftige Suppe, die der Wöchnerin von Verwandten, Freundinnen und Nachbarsfrauen reihum ins Haus gebracht wurde, das die Wöchnerin sechs Wochen nicht verlassen durfte´.

Wucht f. Ober- u. Niedercunnersdorf `Hiebe, Prügel´; du krigst glei anne Wucht.

wudln swv. söSüdlausitz, Ostlausitz 1. `sich in (großer) Menge hin u. her bewegen, von Menschen wimmeln, durcheinanderlaufen, wedeln, wehen; wallen (bei kochendem Wasser)´; dr Draajk wudlt oack su an Winde rim. - 2. `wühlen (in etw.)´, auch woaas ufwudln, siech rauswudln, an Schnie-e rimwudln. - 3. `Dreck, Staub aufwirbeln´; dr Dreck wudlte hinner uns har. - 4. `gedeihen, Vorteil bringen´.

wuhar Adv. `woher´; wuhar nahm und ne mausn?

wuhie Adv. wie litspr. `wohin: an welchen Ort, in welche Richtung´; wu fährscht´n hie?

wuhl Adj. `wohl: gut´; mer wurd´s a bissl wuhler `mir wurde besser´.

Wuhne f. Seifhennersdorf `in die Eisdecke gehauenes Loch (zum Fischen)´.

wuhr Adj. `wahr´. 1. wie litspr. `mit der Wirklichkeit übereinstimmend, tatsächlich´; doaas is ne wuhr, doaas is geloin! RA: Oalls woaas wuhr is! - 2. Reduktion der Einverständnis voraussetzenden od. Zustimmung erheischenden, vor- od. nachgestellten Floskel nu werr? Ne werr? Ni werr? No werr? `Nicht wahr?´ Du kimmst mitte, nu werr? Lautf.: wohr Ostlausitz, woahr.

Wuhrheet f. Südlausitz `Wahrheit´; doaas is de reene Wuhrheet; se toatn´ch hoajnebichn de Wuhrheet geign. RA: Geloin hoat´r sihre, aber a bissl Wuhrheet woar o derbei. Lautf.: Wohrheet West- u. Ostlausitz.

wuhrnahm stv. `wahrnehmen: bemerken, empfinden, das Umfeld registrieren´.

Wuhrt n. Pl. Wuhrte, Dim. Wertl Südlausitz `Wort´; RA: Du nimmst mer´sch Wuhrt aus´n Maule `du sprichst aus, was ich gerade sagen wollte´; dar dräht mer´sch Wuhrt an Maule rim `der entstellt bewusst den Sinn meiner Worte´, du musst´n a gutt Wuhrt gan `du musst ihm gut zureden, beruhigen´; kee Wertl drieber verliern `über etw. schweigen´; ba dar is ee Wuhrt su vill wie tausnd `die ist unbelehrbar´; mer misst´n jeds Wuhrt oabkeefm `wir mussten ihn um jedes Wort bitten´; do goab ee Wuhrt is ander `da eskalierte der Streit´. Lautf.: Wurt nwSüdlausitz, Westlausitz, Dim. Wirtl Schirgiswalde.

wuländchn (gedehntes u, 2.Silbe betont) Adv. interrogativ, selt. `wo (überall)´; wuländchn hoast´ch rimgesielt? `wo überall hast du dich herumgetrieben?´ Lautf.: wuländn, wulängk u. wulängn West- u. Ostlausitz.

Wulf m. Pl. Wilfe `Wolf´. 1a. wie litspr. das Raubtier `(Canis lupus L.)´; RA: reihoon wie de Wilfe `viel u. gierig essen´. - b. veralt. Neugersdorf, Niederoybin `(kalter) Windstoß, (der Wolf als Begleiter des Wind- und Wettergottes Wodan)´; ´s kimmt a Wulf zer Tiere rei. Zu Lichtmass sitt dr Bauer (od. Schafer) lieber ´n Wulf an Stoalle oas de Sunne. - 2. Hautreizung, wund geriebene Stelle zwischen den Oberschenkeln od. am Gesäß´; do hoa´ch mer ann Wulf geloofm. - 3. `Fleischwolf´; mir is, wie durch´n Wulf geleiert `mir ist unwohl´.

Wulke f. Dim. Wilkl Ostlausitz `Wolke´ 1. wie litspr.; dicke Wulkn blosn `Rauch ausatmen´, Schofwilkl `Schafwolke´, Molerwulkn  `bizarres Wolkengebilde im blauen Himmel´. - 2. anne (ganze) Wulke `ein Schwarm, eine große Menge´; anne ganze Wulke Sperrlche.

wulkern siehe wälkern!

Wulknbruhch m. `Wolkenbruch: kräftiger (Regen-)schauer´; RA beim Anstoßen: Prust Gurgl, itz kimmt a Wulknbruhch! Lautf.: Wulknbruch.

wull Partikel `wohl´. 1. wie litspr. in Aussagesätzen `wahrscheinlich, vermutlich, sicherlich´; murne wird´r wull kumm. - 2. wie litspr. `zwar´; a hoat wull anne gude Frooe, aber salber is es a Luder. - 3. wie litspr. in Fragesätzen `wie es den Anschein hat´; is Geldtaschl hoast de wull verlurn? Lautf.: wuhl Spitzkunnersdorf, wu (kurzes) Westlausitz.

Wullcht f. 1. `Wulst: Fettwulst unterm Kinn´; Fettwullcht. - 2. Niedercunnersdorf, Oberlichtenau `Wolle des Schafes, dicke Strümpfe, Verdickung an der Kleidung´.

wullcht Adj. `wollig, aus dicker Wolle bestehend, flauschig´; de Koalmuckjacke woar wullcht; ´s fuhlt´ch su wullcht oaa. Lautf.: wullch.

Wulle f. (nur im Sg.)`Wolle´. 1. wie litspr. `die aus Wollhaaren (Unterhaar) bestehenden spinnbaren Fasern, die als Rohstoffe für Textilien verwendet werden´; Wullerook `Wollrock´, RA: sich mit enn a de Wulle kriegn `unterschiedlicher Meinung sein und sich mit jmdn. streiten´. - 2. übertr. - a. `Baumwolle´; uff de Wulle län `ein Mittagsschläfchen in der Fabrik auf dem Garn oder Stoff machen.´ - b. scherzh. `Sauerkraut´; auch saure Wulle od. Foarzwulle.

Wull(e)kaule f. `Wollknäuel´.

Wulleknaul m. n. `Wollknäuel; `s Katzl spielt mit´n Wulleknaul.

Wullekuchn m. verstr. `trockener (Streusel)kuchen (mit viel Hefe und ohne od. mit wenig Kuchenbelag)´. Lautf.: Wullekuche.

wulln Adj. `wollen: aus Wolle gefertigt´; a wulln Tuch. Lautf.: willn Seifhennersdorf, wSüdlausitz.

wulln unregelm. V., Modalverb `wollen´; iech will, du willst, mer wulln, iech wullt od. wullde od. willde (Ostlausitz), iech hoa gewullt; RA: War ne will, dar hoat schunn. RA: Woaas, du Luder willst od. wiest (Sebnitz) ne, und de Huckst woar su teuer? Konj. iech wellt od. wellde od. welle `ich wollte´, du welltst, a wellt od. wellde od. welle, mer welltn; iech wellt amol Urloob a Amerika machn, wenn oack de Pfennge langtn. Lautf.: 1. 3. Sg. Präs. Indik. wie um Sebnitz, wiel verstr. Ostlausitz 1. 3. Pl. Präs. Indik. wunn wSüdlausitz, Hinterhermsdorf, meine Kinder wunn o woaas hoann; wonn Westlausitz, wommer komm? 1. 3. Sg. Prät. Indik. woole um Pulsnitz; ich woole komm `ich wollte kommen´.

wumeeglch Adv. `womöglich: eventuell, unter Umständen, möglicherweise, vermutlich´; wenn´ch zu späte kumm, tät´ch wumeeglch woaas verpoassn. Lautf.: wumieglch.

Wummer siehe Wimmer!

Wummerch m. siehe Wumperch.

Wumpe f. Bihms Koarle, Jonsdorf, Schirgiswalde `dickes, großes Stück; Brocken; großer Stein; Klumpen´; iech hoa a poaar Wumpm oabgenumm `ich habe einige große Obststücke abgenommen´, die hoat a Poaar Wumpm droaa `die hat eine große Brust´. Lautf.: Wumme.
Wumpe siehe Wunnsdurf!

Wumper m. 1. `ein großes od. dickes Lebewesen, ein großer Gegenstand´; guckt dr oack amol die diche Humml oaa, doaas is dir a Wumper! - 2. dass. wie Wumperch. Lautf.: Wummer.

Wumperch m. 1a. Obercunnersdorf, Jonsdorf `großer Gegenstand, der dumpf dröhnende Geräusche erzeugt; schwerer Motor´; dar koam mit senn Wumperch ´s Durf ruffgefoahrn. - b. `Person, die dumpfe Laute erzeugt´. - 2. dass. wie Wumper 1. - 3. Süd- u. Ostlausitz `starker, dumpfer Knall´; an Steenbruche hoat´s aber wieder ann Wumperch gemacht. Lautf.: Wummerch.

wumpern swv. `wummern´. 1. `dumpf dröhnen, donnern, grollen´; bleib oack a dr Stube, is wumpert schunn. - 2. `kräftig auf etw. schlagen´; ´n Pfohl a de Arde wumpern. - 3a. Burkau `geräuschvoll brennen (im Ofen)´. - b. `vor Hitze Geräusche von sich geben´; de Ufmploatte wumperte oack su.

Wumpm m. dass. wie Wumpe f.

wumpm swv. Süd- u. Ostlausitz `dumpf dröhnen, trommeln, donnern (Handwebstuhl), arbeiten und dabei dumpfe Töne erzeugen, laut spielen´; an Kraatschn is wieder Tschibblrann, iech hier´sch wumpm `im Kretscham is wieder Jugendtanz mit einer Diskothek, ich höre die tiefen Töne der Musik´, ba dann Gewumpe is nischt zu verstihn.

Wumps m. `dumpfer Schlag´. Lautf.: Wums.

Wumpse f. `Prügel, Hiebe, Schläge (auf das Gesäß)´; doaasmol goab´s keene Wumpse. Lautf.: Wumse Eckartsberg. Auch Schwumpse, Dresche, Puche, Kluppe.

wumpsn swv. dass. wie wumpern u. wumpm; ufwumsn `aufschlagen´. Lautf.: wumsn.

Wumse siehe Wumpse!

wunn siehe wulln!

Wunnsdurf `Wolmsdorf´. 1. `Steinigtwolmsdorf (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; de Wunnsdurfer `die Einwohner von Steinigtwolmsdorf´. Lautf.: Steenchtwulmsdurf, Wulmsdurf, Steewunnsdch, Steewumsdch, Spitzname aus den Nachbardörfern: Wumpe. - 2. `Langenwolmsdorf (Ortsteil der Stadt Stolpen)´; auch Langwunnsdurf od. Langwulmsdurf.

wuppdich Adv. `jäh, plötzlich, hastig, auf einmal, mit Schwung´.

wuppern swv. Niedercunnersdorf `vibrieren, schnell u. kurz hin- u. herbewegen und dabei Geräusche machen´; wenn de Abern koachn, wuppert de Stirze.

Wups m. `Schwung´; mit ann Wupse a de Baach schmeißn.

wups Adv. `mit Schwung´.

Wurbs m. `Wirbel´. 1. selt. söSüdlausitz, West- u. Ostlausitz, Nordböhmen `gedreht gewachsenes, hartes Stück Holz in einem Baumstamm´. - 2. übertr. a. `Kopf des Menschen´. - b. Wittgendorf, Neusorge `oberer Teil des Hinterkopfes´. Lautf.: Wirbs.
Wurbs m. `Wurbis: Berg im Oberlausitzer Bergland, über den sich die B96 kurvenreich schlängelt´; dr Raajn is ufgefrurn, do bie´ch ne iebern Wurbs gekumm.
Wurbs m. `Wurbis (Ort der Gemeinde Crostau im °BZ)´; die wohnt an Wurbse;  de Wurbser `die Einwohner von Wurbis´.

Wurf m. 1a. `Nähe´; dr Plumpmheinerch wohnt an Wurfe. - b. in der festen Fügung enn ann Wurf kumm `jmdm. zufällig, ungewollt begegnen; jmdm. über den Weg laufen´. - c. in der Fügung ´s kimmt mer an Wurf `es kommt mir entgegen´. - 2. veralt. `die Menge (an Saatgut), die man in die Hand nimmt u. mit einem Mal ausstreut´. - 3. `Stiel der Sense´; auch Saajnznwurf. - 4. wie litspr. `Gesamtheit der mit einem Mal geborenen Jungen´.

wurfm swv. veralt. iech wurf(e), du wurfst, mer wurfm, iech wurfte, mer wurftn, iech hoa gewurft `Reinigen des mit dem Dreschflegel gedroschenen Getreides mit der Wurfschaufel, wobei die Getreidekörner von der Spreu getrennt werden´. Diese Tätigkeit besteht darin, dass man die verunreinigten Körner auf der Tenne bei offenem Scheunentoren mit der Wurfschaufl gegen den Zugwind wirft. Siehe auch plädern!

Wurfschaufl f. veralt. `Worfschaufel: Holzschaufel zum Reinigen der Getreidekörner´.

Wurge siehe Wirge!

Wurgebändl siehe Wirgeband!

Wurgeluder siehe Wirgeluder!

wurgln siehe wirgln!

Wurgs m. 1a. °ZI Ebersbach, Jonsdorf, Waltersdorf, Schirgiswalde `zusammengewürgter Knoten, zu enges Halstuch, liederlich gewickelter Schal´; iech stulperte ieber ann Wurgs vu Drähtn. - b. Jonsdorf, Schirgiswalde `zu dickes Kleidungsstück, das nicht richtig passt u. Wülste bildet´. - 2. Jonsdorf `unförmiger Happen; zu großes Stück, das man nur mit Mühe schlingen kann´. Lautf.: Wirgs, Worgs Schirgiswalde, Wurgsch.

wurgsn swv. verstr. `würgen: mit Mühe Speisen hinunterschlucken, schwer schlingen´; nunderwurgsn, ann Schlips imwurgsn. Lautf.: wirgsn.

wurkn siehe wirkn!

wurm swv. `wurmen´, in der festen Fügung enn wurmt woaas `jmdn. verbittert, erzürnt etw.´; die Viere a Deutsch hoat miech gewurmt.

wurmfrassch Adj. Neugersdorf, Neukirch `von Würmern zernagt, wurmstichig, Wurmfraßgänge enthaltend´.

Wurmfroaß m. Obercunnersdorf, Walddorf `Wurmfraß, Wurmstich: Befall von Holz von Larven verschiedener Käferfamilien (Holzwürmer), die Fraßgänge zurücklassen´; mer hoann ´n Wurmfroaß an Tische.

Wurmlooch n. Dim. Wurmlechl `Wurmloch: kleines Loch im wurmstichigen Holz´; dr Tiesch hoat zwee Wurmlecher an Beene.

wurn `geworden´, siehe warn!

Wurre siehe Wirre!

Wurscht f. Pl. Wirschte, Dim. Wirschtl od. Wurschtl, Waschtl Neukirch `Wurst´. 1. wie litspr.; Weißwurscht, Mettwurscht, Bluttwurscht, Gritzwurscht, Presswurscht. RA: de Wurscht noa dr Speckseite schmeißn.  RA: Mir war de Wurscht vu dr Schniete gefoalln `mir ist das Lachen vergangen´. - 2. `Anschwellung, Geschwulst´. - 3. Obercunnersdorf, öSüdlausitz, sOstlausitz `lange, schmale Reihe zusammengerechten Heues´; de Wirschte zerschmeißn od. zersträhn. - 4. `gleichgültig, einerlei´; doaas is mer Wurscht. Siehe auch Wirschtl! Lautf.: Wuscht Neukirch, Worscht u. Woscht Westlausitz.

Wurschtblatl n. Eibau 1. `Stück Papier, in das man Wurst einwickelt´. - 2. übertr. `wertloses Blatt Papier, niveaulose Zeitung mit wenig Inhalt´.

Wurschtbrihe f. `Wurstbrühe´. Siehe Wurschtsuppe!

Wurschtch(e)keet f. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Gleichgültigkeit´.

Wurschtfett n. `Wurstfett: das von der Wurstbrühe abgeschöpfte Fett; sehr billiger, grauer od. grünlicher Brotaufstrich´; Wurschtfettschniete od. -schnitte `Scheibe Brot mit Wurstfett´; RA: Dr Himml sitt wie Wurschtfett aus.

wurschtfettch Adj. `wurstfettig: schmierig wie Wurstfett´; dr Himml sitt wurschtfettch aus im de Ränder `der Himmel sieht schmierig am Horizont aus´.

Wurschtfillsl n. Niedercunnersdorf, Schlesien `Wurstfülle: die Masse, die beim Hausschlachten in die Wurst gefüllt wird´.

Wurschtgewitter n. scherzh., anerkennend `poltrige, laute, lebhafte, übermütige, draufgängerische Pers., meist Kind´; unser Nubbermaajdl is a klee Wurschtgewitter; kumm har, du kleenes Wurschtgewitter! Wurschtgewitter ist die mundartliche Form von Moskowiter (Moskauer) und bedeutet eigentlich `derber, poltriger Russe´.

wurschtgrunzn Steinigtwolmsdorf dass. wie wurschtwinsln.

Wurschtlader n. `Wurstleder: Schale, Darm, Haut der Wurst´.

Wurschtlch m. `drolliges, dickes, kleines Kind´.

wurschtln swv. 1. `etw. (mit den Händen) wie ein Würstchen formen, in Falten legen, verdrehen, zerknittern´, a zusoammgewurschltes Blatl; auch durchwurschtln. - 2. `planlos, ziellos, ohne Ergebnis arbeiten´. Lautf.: wirschtln, woarschtln. - 3. refl. `alle Schwierigkeiten umgehend sich durchs Leben schlagen´; a wurschtlt´ch su durch.

Wurschtlfinger m. `dicker Finger´.

wurschtsingn stv. verstr. Westlausitz dass. wie wurschtwinsln. Lautf.: worschtsingn.

Wurschtspeiler dass. wie Speiler!

Wurschtsuppe f.: Wurstsuppe, Wurstbrühe: Brühe, die beim Kochen von Brüh- oder Kochwürsten im Kessel (beim Schweineschlachten) entsteht und auch Fülle von geplatzten Würsten enthält´; RA: Dar muss doa denkn, iech bie uff dr Wurschtsuppe dohargeschwumm `der muss doch denken, ich bin dumm´; auch Wurschtbrihe.

Wurschtteeg m. `Wurstteig´ dass. wie Wurschtfillsl.

wurschtwinsln swv. nwSüdlausitz, Westlausitz `wurstwinseln: Kinder erbetteln sich nach dem Schlachten mit einem Vers od. Lied kleine Würste beim Bauern (veralteter Brauch)´. Vers aus Burkau: "Winsl, winsl, Majoroan, dr Fleescher hoat a Schwein derschloan, schwoarze Strimp und weiße Schuh, brengt a Stickl Wurscht azu; is de Wurscht noa ne gerotn, brengt a Stickl Schweinebrotn!" Lautf.: worschtwinsln Westlausitz. Vers aus Oberlichtenau: Winsl, winsl Worscht, mich hungert ond mich dorscht, ich hoab gehiert, ihr hoat geschlacht ond mir a Worschtl mitgemacht.

Wurschtzippl m. `Wurstzipfel: Anfang od. Ende der Wurst´; RA: hinder enn har senn wie dr Koater noa´n Wurschtzippl.

Wurt siehe Wuhrt!

wurtln siehe wirtln!

Wurzl f. 1. wie litspr. `Wurzel´ - 2. siehe Hihnerwurzl! - 3. `Kalmusschnaps´; gibb zun Kurne ann Schuhß Wurzl derzu! Vgl. Koalms! Lautf.: Worzl u. Wozl Westlausitz.

Wurzlbirrschte f. `Wurzelbürste: bes. grobe Scheuerbürste´; de Grußemutter hoat mer´sch Kreuze immer mit dr Wurzlbirrschte oabgerumplt.

wurzln swv. 1. `jmdn. verprügeln, sich prügeln´; durchwurzln, auswurzln. - 2. `mit Worten prügeln, schelten, schimpfen´.

Wusch (kurzes u) m. siehe Wiesch! uff ann Wusch `einen Moment, kurze Zeit´; undern Wusche `heimlich, unerlaubt´.

wuschbern siehe wuschpern!

wuschlch (kurzes u) Adj. Jonsdorf, Schirgiswalde, Girbigsdorf `wuschlig´. 1. `wirr, zerzaust, unordentlich (Haar)´. - 2. `flauschig, kuschelig weich´, auch buhschlch.

Wuschlkupp n. Dim. Wuschlkeppl, Wuschekeppl 1. `Wuschelkopf: Kopf mit wirrem, unordentlichem od. mit lockigem Haar´; de Mutter strecht´n ieber´sch Wuschekeppl. - 2. `Person (meist Kind) mit einem Wuschelkopf´. Lautf.: Wuhschlkupp Schirgiswalde.

wuschln (kurzes u) swv. sSüdlausitz, msOstlausitz `leise reden, flüstern, tuscheln, zischeln´; Volksreim: War Fliegl hoat floigt, war wuschlt, dar loigt. Lautf.: wischln.
wuschln (kurzes u) swv. Wittgendorf dass. wie wuschn; rimwuschln wie de Omsn.

wuschn (kurzes u) swv. Südlausitz, Schlesien `rasch u. unbemerkt vorbeieilen, sich geräuschlos bewegen, huschen, schleichen, plötzlich entwischen´; mir wuschte dr Teeg aus´n Hänn; iech war fix amol zun Nubber wuschn; atwuschn `entwischen´; durchwuschn, rauswuschn, reiwuschn, rieberwuschn, verbeiwuschn. Lautf.: wischn.

Wuschperchl n. Niedercunnersdorf, Olbersdorf, Jonsdorf `sehr aufgewecktes Kind´. Lautf.: Wusch-, Wus-, Wisch-, Wis-, -perchl, -perchn. Siehe bewispert!

wuschpern swv. Wittgendorf, Jonsdorf, Girbigsdorf `wispern: flüstern, (heimlich miteinander) tuscheln´. Siehe auch pischpern! Lautf.: wischpern Obercunnersdorf, Oderwitz, Oberlichtenau.

Wust (gedehntes u) f. Dittelsdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde, steht auch im Bedeutungswörterbuch `Liederlichkeit, Unordnung´.

Wustche f. FlN Nordböhmen `wüste Stelle´. Lautf.: Wustsche, Wuschtche, Wuschtsche.

Wuttscherch m. `Wutschierling´ 1. Südlausitz, sWestlausitz `Gleiße, Gemeine Hundspetersilie (Aethusa cynapium L.)´. - 2. `Giersch (Aegopodium podagraria)´; auch Gaartquecke Löbau, Gaasche Burkau, Bluttkräutch. Lautf.: Wuttschach Seifhennersdorf, Pfutschl Ohorn.

wuttscherch Adj. Niedercunnersdorf `schlecht getrocknet aufgrund von saftreichen dicken Blättern´; doaas Grund (zweites Heu) is noa wuttscherch, doaas luss mer haußn liegn.

wuttschern swv. Niedercunnersdorf, Neusalza-Spremberg `rasch u. unverständlich od. leise reden, fremde Töne hervorbringen, kauderwelschen, leises Piepen der Küken´; hurch oack, wie de Grieschl wuttschern! Wuttscher oack ne su rim! Lautf.: woattschern Ostlausitz, woattschan Seifhennersdorf.

wuwern siehe wubern!