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  1. V

Va

Varrsch m. Dim. Varrschl od. Verrschl  `Vers´. 1. `Strophe eines Gedichtes od. Liedes´; RA: siech ann Varrsch druf machn. - 2. `vollständiges Gedicht´; iech hoa missn a langes Varrschl larrn. Lautf.: Varsch, Versch, Varschl, Verschl.

vaartn, vahrtn, vartn siehe faartn!

Vasper f. n. `Vesper´. 1. `Mahlzeit zwischen Mittagessen u. Abendbrot, Kaffeetrinken´. - 2. übertr. `das, was man zur Vesper isst´; iech brengn glei de (od. ´s) Vasper.

Vasperbrut n. `die am Nachmittag eingenommene Speise; früher waren es Schnitten´.

Vasperch m. Neukirch dass. wie Vasper; Vasperch haaln.

Vasperhickl n. `Bündel mit Speise (Kuchen, Semmel, etw. Gebackenes), die nachmittags gegessen wird´; se bruchtn ihr Vasperhickl salber mit.

vaspern swv. `vespern, das Nachmittagsbrot einnehmen´; kummt oack vaspern! Lautf.: vaspan Seifhennersdorf.

Vasperschnietl n. `die am Nachmittag gegessene od. zu verzehrende Schnitte´. Lautf.: Vasperschnittl.

Vasperstunde f. Dim. Vasperstindl `Vesperstunde: Zeit von etwa einer Stunde, in der die Vesper eingenommen wird´.

Vasperz f. dass. wie Vasper; brengn oack woaas Geschoits zu Vasperz mitte! Lautf.: Vaschperz Nordböhmen.

Vehickl n. `Vehikel: schlechtes, altmodisches Fahrzeug´.

Veikstanz siehe Feixtanz!

Velke f. Pl. Velkn `Veilchen´; wie kumm oack de Velkn (od. Bloovelkn) undern Gehoannsbärstrauch? Lautf.: Valke Zittauer Gebirge, Nordböhmen, auch Bloovelke Mittelherwigsdorf.

velkn Adj. Obercunnersdorf `veilchenfarben, blauviolett´; mei Brautkleed hoa´ch velkn farbm lussn. Lautf.: velkch Neusalza-Spremberg, veltch Bihms Koarle.

velkebloo Adj. °ZI Ebersbach `veilchenblau´; anne velkeblooe Weste. Lautf.: velknbloo, valkebloo Zittauer Gebirge.

ver Präp. mit Dat. u. Akk. `vor´; kee Bloat ver´sch Maul nahm; iech hoa miech ver lauter Zoahnangst besuffm. Siehe auch `vier´!

ver siehe vu Präp. mit Dat.! War vern Durfe is, wird´s wissn `wer vom (aus dem) Dorf ist, wird es wissen´.

ver in der Verbindung ver machn `Verlust erleiden, einbüßen, beim Spiel verlieren´; iech wellt oack wissn, vu woaase dar labt, dar macht doa oack ver.

ver Juhre Südlausitz `letztes, vergangenes Jahr´; ver Juhre hoa´ch mei Exom gemacht. Lautf.: vern Juhre; ver Johre Ostlausitz, vor Joahre Westlausitz.

veräppln swv. `jmdn. zum Narren halten, foppen, an der Nase herumführen, sich einen Spaß mit jmdm. erlauben´; du musst doa denkn, iech veräppl diech!

verärschln swv. selt. nSüdlausitz, West- u. Ostlausitz, Schlesien `etw. falsch machen, einen Auftrag falsch ausführen, etw. verdrehen´; dr Kohlnmoan hoat´s verärschlt und de Kohln benn Nubber oabgeloadd. Auch verärschn.

verbächten (kurzes ä) swv. 1. °ZI Ebersbach, Burkau `etw. aus Unachtsamkeit od. Ungeschick beim Tragen, Transport verlieren, verstreuen, verschütten; mit etw. wüsten, etw. verschwenden´; du verbächtst de Buttermoarkn. - 2. Neukirch `unnütz ausgeben, einbüßen´; a hoat de gude Butter mit Bitterpilzn verbächt; ´s Geld verbächtn. Lautf.: verbächn.

verbch Präp. wKürzung `vor´; verbch´n Waale `vor dem Hohwald´.

verbeegn siehe beegn!

verbei Adv. `vorbei´. 1a. wie litspr. `an etw., jmdm. vorüber´; iech gih a dr Nacht goar ne goarne oan Kirchhofe verbei. - b. wie litspr. temporal `vergangen´; de Huckst is nu verbei. - c. `herein (ins Haus)´; kumm oack amol ba mir verbei! - 2. Adverbialpartikel in unfesten Verbzusammensetzungen mit den Bedeutungen: a. `an etw., jmdnm vorüber´; verbeiloofm; RA: A guckte benn Verbeigihn amol rei. - b. `das Ziel verfehlend, daneben´; verbeischissn. Lautf.: verbeine, verbeinde, verbeind alle Ostlausitz.

verbeißn stv. `verbeißen´. 1. refl. wie litspr.; de Hunde hoann´ch verbissn. - 2. refl. umg. `hartnäckig an einer Sache festhalten´. - 3. mdal. `etw. unterdrücken, zurückhalten, nicht ausplaudern´; iech kunnt mer´sch groade noa su verbeißn.

verbimsn swv. selt. `jmdn. verhauen, jmdn. prügeln´; su a Räudl hätt mer salber verbimst.

verbinn stv. iech verbind Südlausitz, iech verbingn Ost- u. Westlausitz; du verbindst Südlausitz, du verbingst Ost- u. Westlausitz, a verbindt Südlausitz, a verbingt Ost- u. Westlausitz; mer verbinn Südlausitz; mer verbingn Ost- u. Westlausitz; iech verboand od. verbund Südlausitz, iech verboangn od. verbungn Ost- u. Westlausitz; iech hoa verbunn Südlausitz, iech hoa verbungn Ost- u. Westlausitz `verbinden´; mir hoann´n de Ogn verbunn.

verbittn stv. `verbieten, verbeten´; ´s Maul verbittn; dr Dukter wullt mer´sch Bier verbittn, doaas hoat uns de Mutter verbaten.

verbitzln swv. auch Anton `(Stoff) verschneiden, unbrauchbare Stückchen zuschneiden´; jmdm. die Haare schneiden´; enn de Huhre verbitzln.

verbläun swv. `verprügeln´; dann dichn hoann se ludermäßch verbläut `diesen da haben sie sehr verprügelt´.

verblosen stv. Zittauer Gebirge, Ostlausitz, Schlesien `verblasen: Luft holen, verschnaufen´.

verboabern (gedehntes oa) swv. 1. `die Zeit mit belanglosem Gerede verbringen, sich im Reden vergessen´; verboaber ne wieder ´n hoalbm Tag! - 2. refl. `unbedacht etw. ausplaudern´; verboaber dch ne ba Koarln.

verboajttln swv. `verbeuteln: leichtsinnig verlieren, verlegen´. Lautf.: verboajgln Oberland, verboattln Jonsdorf, verboartln Westlausitz, verbattln Schirgiswalde.

verbotn Adj. `seltsam, abgeschmackt, geschmacklos, wunderlich´; in der Wendung doaas sitt verbotn aus.

verbraajgln swv. `verbrutzeln, zusammenbraten, durch langes Braten schrumpfen (u. anbrennen)´; Mahl, Saalz und Inslt wird minander (zu Braajglsaalz) verbraajglt. Lautf.: verbräggln Westlausitz.

verbrengn unregelm. V. selt., in mdal. Verwendung `etw. vollbringen, fertig bringen, über sich bringen´; doaas verbrengn´ch dr ne!

verbrinkln swv. `Krümel verstreuen´.

verbrumm swv. umg. `etw. vergessen, verpassen, versäumen´; verbrumm ne wieder de Schule!

Verbs m. veralt. 1a. `Vorfuß: alter, unansehlicher Schuh; Fußteil des Strumpfes´. - b. `Ausbesserung Absatz, Kappe vom Schuh´. - 2. `Vorausnahme, Vorsorge, finanzielle Rücklage, Vorrat´; woaas fer Verbsn `etwas als Vorrat (im Strumpf) zurücklegen´. Lautf.: Virbs.

verbuchtn swv. Ost- u. Südlausitz `etw. aus Unachtsamkeit od. Ungeschick beim Transport verlieren, verstreuen, verschütten, verschwenden, vergeuden, mit etw. wüsten, zu viel verfüttern´. Lautf.: verpuchtn nOstlausitz.

verbuddln swv. `etw. vergraben´.

verbuhrt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verbuhren) umg. `verbohrt: starrköpfig, uneinsichtig´.

verbuhschlt Adj. Jonsdorf `wirr (Harre), zerzaust, zerwühlt´.

verbusn (gedehntes u) swv. refl. dass. wie derbusn `erbosen: sich erzürnen, sich empören; geifern´.

verbust (gedehntes u) Adj. Süd- u. Ostlausitz `erbost: verärgert, böse, bösartig, zornig, wütend´. Auch verbustch °NOL Königshain.

verbutt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verbuttn) Niedercunnersdorf `im Wachstum zurückgeblieben, verwelkt, abgestorben´.

verbuttn swv. Südlausitz `im Wachstum zurückbleiben, verkümmern, absterben, verwelken, eingehen (Pflanzen, Tiere u. Kinder)´; die warrn noa amol verbuttn, wenn se ne a de Luft gihn.

verdann Adv. veralt. `vordem: früher, damals´; verdann huttn se doderfier noa Zeit. Lautf.: verdan; verdam Ostlausitz.

verdanzch Interj. Dürrhennersdorf, Cunewalde `verdammt, verflucht´; kreiz verdanzch! Verdanzch noa amol!

verdefmtiern swv. meist refl. `verteidigen, widersprechen, herausreden´; luss dch ne su loappch machn und tu dch verdefmtiern! Lautf.: verdefetiern.

Verdefmtierche f. `Verteidigung, Widerspruch, Rechtfertigung´. Lautf.: Verdefetierche.

verdenkn unregelm. V. `verdenken´ 1. `verstehen, versetzen, erfassen, begreifen´; mer kinn´ch an Cumputer ne mih rei verdenkn. - 2. `jemanden etwas übel nehmen´; iech koann´s menner Schwaster ne verdenkn, doaaß se ihrn Moan rausgeschmissn hoat.

verder Adj. Sup. verderscht `vorn befindlich´; mer sitzn uff dr verderschtn Bank; de verder Tiere od. Verdertiere `die vordere Tür´, dr hinder Acker is steenchter oas dr verder °ZI Ebersbach `der hintere Acker ist steiniger als der vordere´, Verderroad. Lautf.: vierder Ostritz, verer Ludwigsdorf; varder wSüdlausitz, sWestlausitz; varer Steina.

Verderblch m. um Görlitz, Schlesien `schwächliches Kind; nicht recht gedeihendes, kümmerliches Tier´. Siehe auch Buchtlch!

verderhand Adv. Obercunnersdorf, Bihms Koarle `zunächst, vorläufig, zur Zeit, gegenwärtig´; verderhand (ver dr Hand) hoa´ch genungk; se soite goar nischt verderhand.

Verderhaus n. `Vorderhaus: (vorderer) Flur im Erdgeschoss des (bäuerlichen) Wohnhauses´, meist nur Haus.

Verdertiere f. Obercunnersdorf `Vordertür, Haustür´.

verdinn swv. (refl.) msöSüdlausitz, Eigenscher Kreis `verdienen´; dar hoat (hoat´ch) ba Geiern ann schinn Pfenngk vedinnt. Woaas´r verdinnte, doaas krigte dr Wirt an Niederkraatschn. Lautf.: verdien.

Verdinnst m. Oberland `Verdienst: verdientes Geld, Lohn, Gehalt´. Lautf.: Verdienst.

verdoattert Adj. umg. `verdattert: (unangenehm) überrascht, verdutzt, erschrocken, für kurze Zeit verwirrt u. sprachlos, schockiert´; verdoattert senn `perplex sein´.

verdrähn swv. `verdrehen´; luss dr oack vu dan Karln ne ´n Kupp verdrähn.

verdräht Adj. (eigtl. Part. Prät von verdrähn) `verdreht´ 1. `verwirrt, durcheinander´. - 2. `schlecht gelaunt, ekelhafter Charakter, abstoßend, unausstehlich´; is dir anne Laus ieber de Laber geloofm, du bist ju su verdräht heute?

verdreckn swv. umg. `verschmutzen´; wenn´s noa dir ginge, tät mer verdreckn.

verdreschn (2.Silbe kurz u. betont) stv. `jmdn. prügeln´. Lautf.: verdraschn Zittauer Gebirge.

verdrickn unregelm. V. iech verdrick(e), du verdrickst, iech verdruckte Südlausitz, iech hoa verdruckt Südlausitz `verdrücken´. 1. umg. `etw. (in großer Menge) essen´. - 2. refl. umg. `sich heimlich davon machen´.

verdrissn stv. miech verdroajßt´s, miech verdruhß is, miech hoat´s verdrussn wie litspr. `verdrießen: etw. macht jmdn. missmutig, ärgert jmdn.´; dann koann o goar nischt verdrissn `er ist immer guter Dinge´, doaas is goar ne amol raajnt, doaas verdroajßt enn.

Verdruhß m. `Verdruss: Ärger; Streit´. Lautf.: Verdruss.

verdunnern swv. umg. `verdonnern: jmdn. verurteilen, bestimmen (zu einer Freiheitsstrafe od. zu einem unangenehmen Auftrag, verpflichten´; dr Voater hoat miech zun Stieflwichsn verdunnert.

verdunnert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verdunnern) öKürzung, Ostlausitz, Schlesien `verwünscht, verflixt, verflucht, niederträchtig´; dan verdunnertn Rechstängl hoa´ch an Kupp gekrigt. Auch verdunnerscht.

verdurschtn swv. `verdursten: vor Durst sterben´.

Vereinl n. `Verein: Vereinigung, Bund´; Singevereinl.

vereuln swv. Großschönau, Bihms Koarle `jmdn. zur Eule machen, jmdn. lächerlich machen, verspotten´.

verfahln swv. `verfehlen: nicht treffen, vom Ziel abkommen´.

verfangn stv. mdal. sich verfangn `zu viel Luft schlucken u. danach aufgebläht, von Meteorismus geplagt sein´.

verflixt verhüllend für verflucht 1. als Interj in Ausrufen u. Flüchen verflixt noa amol! Verflixt hätte! Kreiz verflixt und zugenäht! - 2. als attr. Adj. verflixte Scheiße! - 3. als Adv. `sehr´; doaas is a veflixt schienes Maajdl! Lautf.: verflischt öOstlausitz, Schlesien.

verflucht eigtl. Part. Prät. von verfluchn, Bedeutungen wie verflixt.

verfrassn swv. `verzehren, ausgeben für Süßigkeiten´; iech hoa zahn Moark zun Verfrassn gekrigt.

verfrassn Adj. (eigtl. Part. Prät. von  verfrassn) `nur das Essen immer im Kopf, immer Appetit habend, naschhaft, gefräßig´; verfrassn wie se is, koann se ne mit´n Assn uff uns woarrtn.

vergackee´ern swv. `veralbern, necken, belügen´; luss dch vun Nubber ne wieder vergackee-ern! Lautf.: vergackeiern.

vergackln swv. umg. `etw. nicht mit Ernst und persönlichem Einsatz betreiben, bei einer Tätigkeit etw. auf die leichte Schulter nehmen, vertrödeln, verplempern´; de deutsche Moannschoaft hoat ´n Boall vergacklt. Siehe auch gackln!

vergablch Adj. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Schirgiswalde 1. mundartspezifisch zur Bezeichnung negativer menschlicher Eigenschaften (der weibl. Personen) `verschoben, erbärmlich, einfältig, albern, langweilig´; is doaas a vergablches Weibsn! - 2. `missraten, minderwertig, verwelkt´; doaas vergablche Chrisbrutl.

vergan (gedehntes a) stv. `vergeben´. 1. wie litspr. `verzeihen, nicht mehr nachtragen´. - 2. in der Fügung woaas vergan `etw. vergeben, auslassen, verpassen, nicht in Anspruch nehmen´; du wirscht dr nischt vergan, wenn de de Leute grisst.

vergangn Adj. (eigtl. Part. Prät. zu vergihn) 1. wie litspr. als attr. Adj. in Zeitangaben `vorig, letzt´; vergangn Simmd `letzten Sonnabend´. - 2. als Adv. `vor kurzem, unlängst, neulich´; mer woarrn vergangn irscht a Drasn. Lautf.: vergangs Oberlichtenau.

vergasserch Adj. `vergesslich´; de Grußemutter is ganz schiene vergasserch wurn.

vergasserlich Adj. `vergesslich´.

vergassn stv. wie litspr. `vergessen: etw. aus dem Gedächtnis verlieren´; iech hoa reene druf vergassn `ich habe das ganz u. gar vergessen´, vergieß ne uff´s Wiederkumm! `Vergiss nicht wiederzukommen! Iech hoa ganz uff diech vergassn; mer hättn baale uff´s Heemgihn vergassn; ´s koam aber wieder as Vergassn.

vergeckern swv. refl. 1. `beim Sprechen durcheinanderkommen, ins Stocken, Stottern geraten´; iech hoa miech benn Viertroin dreimol vergeckert. - 2. `beim Sprechen etw. ungewollt verraten´; iech weeß, woaas´ch zun Geburtstag kriege, de Mutter hoat´ch vergeckert.

vergeiert Adj. `verteufelt, wie vom Teufel besessen, sonderbar, schrecklich´; ´s Water is vergeiert heute.

vergeign swv. umg. `verspielen, verschenken, verderben, verlieren, zunichte machen´; unser Fußboallstamml hoat vergeigt, a vergeigte de ganzn Zutoatn. Siehe auch geign!

vergihn stv. `vergehen´. 1. wie litspr. `vorübergehen´; de Zeit vergitt ebch ne. Sprichwort: Besuffm vergitt, dumm bleibt. - 2. wie litspr. `schwinden´; dir wird´s Lachn noa vergihn!

verginn stswv. (Part. Prät.) `vergönnen´ 1a. `jmdm etw. neidlos zugestehen, von Herzen gönnen´ (meist verneint); dar verginnt mer noa ne amol de Luft; de Äberchn vergunntn´s ´n Niederchn ne; mir hoann se´n vergunn, vergunnt od. verginnt. - b. `jmdm. boshaft wünschen, dass ihm etw. Schlechtes widerfährt´; dann tät´ch´s verginn, doaas´n de Pulezei derwischt. - 2. in der Wendung a tutt mer ne is Wuhrt verginn `er lässt mich nicht zu Worte kommen´.

vergoaffm swv. refl. 1. `nicht richtig hinsehen, sich beim Sehen irren´. - 2. `(durch Blickkontakt) sich in jmdn. od. etw. verlieben´; iech hoa miech a Neums Barbl vergoafft.

vergoattern swv. `vergatten: durch Befehl zu einem unangenehmen Auftrag verplichten´.

vergockern swv. 1. `durch überlanges Kochen od. Braten zuviel Flüssigkeit verlieren, einkochen od. einschrumpfen´; meine Frooe hoat wieder is Assn vergockern lussn. - 2. übertr. `eingehen, verblöden, (geistig od. körperlich) abbauen´. Lautf.: vergoackern.

vergockert Adj. (eigtl. Part. Prät. von vergockern) `durch überlanges Kochen an Flüssigkeiten verloren, eingebraten, eingegangen´.

vergokln swv. `Feuer oder Licht unnötig brennen lassen´; a Feuer wird vergoklt `ein Feuer breitet sich durch unvorsichtigen Umgang aus´; ´n Strom vergokln. Auch vergeekln.


vergrauln swv. umg. `verärgern (und dadurch vertreiben)´; de Schwiegermutter vergrauln.

vergreifm stv. refl. iech vergreif(e) mich, du vergreffst´ch, mer vergreifm´ch, iech vergreef od. grief mich, iech hoa mich vergriffm `vergreifen: entehren, vergewaltigen, misshandeln, missbrauchen, tätlich werden gegen´; a vergreef´ch a senner Froon.

vergroattschn (gedehnt od. kurz, helles od. dunkles a) swv. bes. Ostlausitz `etw. schlecht machen, vergeuden´. Lautf.: verkroattschn.

vergroattscht Adj. (eigtl. Part. Prät. von vergroattschn) Schirgiswalde, Ostlausitz, Schlesien 1. `verdorben, unordentlich´; vergratscht aussahn `übermüdet aussehen´. - 2. `unförmig, verwachsen, missgebildet´; a vergroattschtes Weibsn. Lautf.: vergrattscht, verkroattscht, verkrattscht.

verguckn swv. refl. dass. wie vergoaffm.

vergurksn swv. `etw. durch Ungeschick verderben, verpfuschen´. Lautf.: verkurksn.

vergurkst Adj. (eigtl. Part. Prät. von vergurksn) 1. `(durch Ungeschick) verpfuscht, verdorben, versaut, verunstaltet´. - 2. Wittgendorf `verkommen, zerzaust, übernächtigt, verlebt, ungepflegt´. Lautf.: verkurkst Girbigsdorf.

verhaaln stv. Konjug. siehe haaln! (refl.) `(sich) aufhalten, (sich) verweilen´; iech hoa a aales Rickl, a dann´ch keene Laus mih verhaaln koann.

verhädern swv. Niedercunnersdorf, °NOL Königshain `verheddern, verwirren,sich verfitzen, beim Sprechen durcheinander kommen´. Lautf.: verheedern.

verhaglt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verhagln) 1. `durch Hagelschlag vernichtet, verdorben´; mir hoat´s heuer ´s Kurn verhaglt. - 2. übertr. `verdorben´; die hoat mer´n ganzn Tag verhaglt mit ihrer biesn Gusche. - 3. `niederträchtig, gemein, verdammt´; du verhaglt Weibsn, du!

verhägn swv. refl. °BZ Neukirch, Ohorn `verhegen: sich schützend (mit einem Hag, einer Einfriedung) umgeben, retten, sich in die Stille zurückziehen, sich erwähren´; iech koann miech vu dan Unkraute ne verhägn, ich koann mich ba dan Ufloofe goar ne verhägn.

verhäkern siehe verheckern!

verhaspern swv. refl. `verhaspeln: etw. falsch machen, sich vertun, sich versprechen´. Lautf.: verhaschpern, verhaschbern.

verhatschln (gedehntes a) swv. `verhätscheln: ein Kind verwöhnen, verziehen, verzärteln´.

verheckern swv. umg. `verhökern: (billig) verkaufen, tauschen, Geschäfte machen´. Lautf.: verhäkern Schirgiswalde.

verheckt Adj. `verzwickt, kompliziert´; doaas is a verhecktes Dingk.

verheemchn swv. Obercunnersdorf, Wittgendorf dass. wie verheemln.

verheemln swv. Ohorn, Oberlichtenau `(jmdm.) etw. verheimlichen´; bei dr Richtern es woas ungerwägs, doas lässt´ch ne verheemln.

verheiroat Adj. `verheiratet´. Lautf.: verheiroatt, verheirutt.

verhexn swv. `verhexen: nach abergläubischer Vorstellung etw. durch Hexerei mit schädlichen Folgen für den Menschen verwandeln´: de Nubbern hoat unse Kuhe verhext, die gibbt Blutt stoatts Milch.

Verhier(e) n. Neukirch `Verhör: Vernehmung´; dr Schoandoarm noahm mei Knaajchtl as Verhier.

verhimmln swv. `verhimmeln´. 1. wie litspr. `jmdn. verehren, vergöttern´; die verhimmlt ihrn neun Lährer. - 2. veralt. `sterben (u. in den Himmel kommen)´; o a Pfoarr muss amol verhimmln.

verhinn swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Bihms Koarle `verhöhnen´. Lautf. verhihn.

verhittn unregelm. V. iech verhitt(e), du verhittst, iech verhutt, iech hoa verhutt od. verhitt `verhüten: (ein Unglück od. eine Schwangerschaft) verhindern´; se froite, wie se´s Kinderkriegn verhittn kennte.

verhoahnepipln swv.( volksetym. Anlehnung an Hahn) 1. `jmdn. lächerlich machen, veralbern, verhöhnen´; du willst miech wull verhoahnepipln. - 2. `verballhornen, etw. entstellen, etw. (bewusst) verdrehen´; verhoahnepipl ne menn Noam!

verhobm siehe verhoon!

verhoon unregelm. V. iech verhoo(e) diech, du verhoost miech, mer verhoon diech, iech verhoote diech, iech hoat diech verhoon `verhauen: jmdn. prügeln; die grußn Karln wulldn miech verhoon. Lautf.: verhaun Burkau, verhobm Verbreitung siehe hobm!

verhosn swv. Süd- u. Ostlausitz `etw. verwirren, durcheinander bringen, sich verfitzen´; dar wird ne mih vill verhosn; de Wulle verhost´ch egoalfurt.

verhost Adj. (eigtl. Part. Prät. von verhosn) `vom Normalen abweichend´ (wohl eigtl. `die Hosen verkehrt angezogen´) 1. `verdreht, verrückt, verzwickt, verfitzt, unnormal, durcheinander, in Unordnung gebracht habend´; ´s is a verhostes Juhr gewast; a verhoster Schobm `ein verrückter Kerl´; enn verhost machn `jmdn. kopflos machen´. - 2. `verärgert, erregt, wütend´; bie oack ne glei su verhost! - 3. `verschroben, komisch´ (vorwiegend in Bezug auf die Kleidung); die gingk aber verhost oaagezoin.

verhudln swv. Obercunnersdorf, Wittgendorf, Girbigsdorf `verderben, verpfuschen, zerzausen, durcheinander bringen´; du hoast mer oalls verhudlt.

verhudlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verhudln) Jonsdorf, Schirgiswalde, Schlesien `unordentlich gekleidet oder frisiert; verpfuscht, durcheinander gebracht, verhunzt´; verhudlt im Kupp gihn.

verhungert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verhungern) mdal. `geizig´.

verhunzn swv. umg. `etw. verunstalten, verpfuschen, verderben´.

verhuppm swv. siech ´n Fuß verhuppm `sich etw. verstauchen, sich die Sehne dehnen´.

verhurachn swv. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Wittgendorf, Girbigsdorf `etw. mutwillig oder aus Dummheit beschädigen, verderben, zerstören, verunstalten, sich zu seinem Nachteil kleiden´; die toat´ch de Lodn ganz ver(h)urachn. Lautf.: verurachn Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Oderwitz, Jonsdorf.

verhuzlt (gedehntes u) Adj. `verhutzelt: eingetrocknet, zusammengeschrumpft, runzelig, Falten besitzend´; a aalt verhuzlt Weibl. Lautf.: verhutzlt.

verihrn swv. Bihms Koarle `verehren´.

verjingn swv. refl. `verjüngen: ein Kind zur Welt bringen´; de Nubbern hoann´ch verjingt.

verjoin swv. `verjagen´. Lautf.: verjoan, verjoarn.

verjucheen swv. `mit Juchhei verschwenden, verprassen, liederlich leben und Geld u. Eigentum leichtfertig ausgeben´.

verjucheetln swv. Burkau, Girbigsdorf, Neusorge dass. wie verjucheen; de Wirtschoaft verjucheetln.

verjuxn swv. dass. wie verjucheen.

verkältn swv. Ostlausitz `erkälten´.

verkastln swv. Schlesien `verkästeln: Gegenstände um sich herumstellen, abkapseln´.

verkaupln swv. Dürrhennersdorf `Kleinigkeiten verkaufen, vertauschen; kleine Handels- u. Tauschgeschäfte machen (unter Kindern)´; dar Lauserettch hoat Voatersch Briefmoarkn verkauplt. Lautf.: verkäuplt Schlesien

verkäzn (gedehntes ä) swv. Cunewalde `jmdn. verscheuchen, jmdm. Angst machen´. Lautf.: verkeezn Wehrsdorf, verkaazn. Siehe auch kaazn!

Verkeefer m. `Verkäufer´; ba Winschn hoann se ann Verkeefer und anne Verkeefern.

verkeefm unregelm. V. `verkaufen´; verkeefst de mir dei Foahrroad? RA: War de miech fer dumm (ver)keefm will, gibbt sei Geld imsunst aus. Konjug. siehe keefm!

verkeezn siehe verkäzn!

verkimmln swv. `verkümmeln: verhindern, jmdm. etw. verderben´; de Pulezei hoat mer´sch Autofoahrn verkimmlt.

verklaffern swv. `jmdn. verpetzten, verraten, anzeigen´. Häufiger klaffern.

verkläppern swv. woaas verkläppern `(etw. eilig u. unter Wert) verkaufen´; dr Leimdmoan verkläpperte seine Woare.

verkleckern swv. 1. wie litsp. - 2. refl. `sich durch Kleckse od. Spritzer beschmutzen, sich bekleckern´; se hoat´ch de Strimpe verkleckert. - 3. `jmdm. (nach und nach) etw. mitteilen´; iech hoa´s´n missn verkleckern.

verkleedn swv. `verkleiden´. 1. refl. dass. wie verscheusln `sich kostümieren (zur Fastnacht)´. - 2. `mit Brettern od. Platten unsichtbar machen bzw. zunageln, verschlagen´; de Bodntreppe hoat schunn dr Unkl mit Hulze verkledd.

verkloin swv. `verklagen, gerichtlich klagen´; waajn unsn Hunde will miech dr Nubber verkloin. Lautf.: verkloan, verkloarn.

verklunkern swv. Cunewalde, Schirgiswalde, Burkau `Geld unnütz u. leichtsinnig ausgeben, vergeuden, verlieren´. - 2. Neusorge `Zeit vertrödeln´.

verkluppm swv. `verklopfen´. 1. enn verkluppm `jmdn. prügeln´. - 2. woaas verkluppm `(etwas eilig u. unter Wert) verkaufen´. - 3. `leichtsinnig Geld ausgeben, verjubeln´; dar hoat schunn sei ganzes Luhn an Kraatschn verkluppt.

verknackn swv. 1. `sich das Bein od. den Fuß verstauchen´. - 2. `jmdn. veralbern´. - 3. `jmdn. zu Haft verurteilen´.

verknacksn swv. dass. wie verknackn 1; iech hoa mer´n Fuß verknackst.

verknätln swv. `etw. durch Knoten festmachen, dass es sich schwer wieder lösen lässt; verknoten´; iech war´sch Päcktl schiene verknätln. Lautf.: verkneetln.

verknätern swv. Burkau, Girbigsdorf dass. wie verknätln. Lautf.: verkneetern.

verknätert Adv. (eigtl. Part. Prät. von verknätern) `verschlungen, verknotet´. Lautf.: verkneetert.

verkneetern, verkneetln siehe verknätln!

verknernert Adj. Ostlausitz, Schlesien dass. wie verknurplt; verknernertes Hulz.

verknietscht Adj. (eigtl. Part. Prät. von verknietschn) Ostlausitz `mürrisch, unfreundlich, verbittert´; a aaler verknietschter Junggeselle.

verknippern, verknippln, verknippm swv. `verknüpfen, verknoten´.

verknurnt (kurzes u) Adj. °NOL Königshain, Thiemendorf `knorrig, vernarbt, fest in sich verwachsen (von astreichem u. daher schwer spaltbarem Holz)´; a verknurnter Knippl. Auch verwimmert.

verknurplt Adj. Neusorge `knorrig, astreich, verwachsen, verkrüppelt´. Siehe auch verwimmert! Lautf.: verknorplt Schirgiswalde.

verknurzlt Adj. Ostlausitz, Schlesien dass. wie verknurplt.

verknurzt Adj. Ostlausitz, Schlesien dass. wie verknurplt.

verknusn swv. 1. in der Fügung enn (od. woaas) ne verknusn kinn `jmdn., (etw.) nicht leiden können, nicht ausstehen können´. - 2. in der Fügung sich woaas ne verknusn kinn `eine Äußerung nicht unterdrücken können´; iech hoa´n de Meenche gegeigt, doaas kunnt´ch mer ne verknusn.

verkoaaschlt Adj. Ostlausitz, Schlesien `verpfuscht, betrunken, in einer Kneipe hängen geblieben´.

verkoaleppiern (kurzes oa) swv. `vergaloppieren: einen Missgriff tun´. Lautf.: vergoaleppiern.

verkoalkt Adj. (eigtl. Part. Prät von verkoalkn) `verkalkt: alt (von Pers.), aus Altersgründen geistig verbraucht; vergesslich.

verkoatern swv. Ober- u. Ostlausitz `alt, schmutzig u. grau (wie ein Kater) werden´; deine langn Underziehhosn verkoatern an Schranke.

verkoatert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verkoatern) 1. `alt, schmutzig u. grau (wie ein Kater); durch lange Lagerung, vieles Tragen und viele Wäschen an farblicher Leuchtkraft eingebüßt´; Grußvoater Hemm senn verkoatert. Siehe auch koaterch! - 2. `unausgeschlafen nach durchzechter Nacht, durch Übernächtigung u. Zecherei die gesunde Gesichtsfarbe verloren habend´.

verkrattscht siehe vergroattscht!

verkrieplt Adj. `verkrüppelt, verkrümmt, nicht ausgewachsen, schlecht entwickelt, im Wuchs verunstaltet´.

verkriewaatschln bes. Ostlausitz, Schlesien `sich krummbeinig, krumm, klein, hässlich machen; sich entstellen´; tu dch oack ne su verkriewaatschln!

verkroannchn swv. Cunewalde, Oberlichtenau `etw. (gut) verstecken, verwühlen; etw. so verlegen, dass man es selbst nicht wiederfindet´; wu hoa´ch oack meine Sahmoaschine verkroanncht? Lautf.: verkroannschn Wittgendorf.

verkrumm swv. Ostlausitz `nach u. nach krumm werden´.

verkrumpln swv. selt. Ostlausitz, Schlesien `zerknittern, zerdrücken, faltig machen´.

verkrumplt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verkrumpln) selt. `zerknittert, zerdrückt, verkrümmt´.

verkruschlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verkruschln) Seifhennersdorf, Schlesien `eingelaufen, eingegangen, kleiner geworden, eingedrückt´.

verkuhrt Adj. Obercunnersdorf, Neukirch `verkehrt´. Lautf.: verkoahrt Neugersdorf, Wehrsdorf; verkahrt Schirgiswalde, verkihrt Ostlausitz.

verkumm stv. `verkommen´. 1. `verwahrlosen (von Menschen), umkommen, verrotten´; Kunze Koarle verkimmt zusahnde, doaas macht die Sauferei. - 2. selt.`mit jmdm. auskommen, zurechtkommen´; ihr hoat euch nu genumm, nu satt oack zu, wie´r tutt verkumm.

verkumfermiern swv. veralt. `konfirmieren´.

verkunsemiern swv. `verkonsumieren: verzehren´.

verkurkst siehe vergurkst!

verkuttln swv. 1. Burkau `verschmeißen, verlieren, nicht mehr finden´. - 2. Schirgiswalde `ausleeren, austrinken´.

verkuttlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verkuttln) Cunewalde, Schirgiswalde `zerzaust, unordentlich (ums Haar)´. Lautf.: verkudlt.

verkuzn swv. refl. `sich (beim Husten) verschlucken´. Lautf.: verkutzn Anton.

verlaajn Adv. `verlegen: befangen (und dabei schamhaft) , unsicher´; se wurd ganz verlaajn.

verladern swv. `verledern: jmdn. prügeln´; iech verlader dch glei!

verlän swv. `verlegen´. 1. wie litspr. `etw. an eine best. Stelle legen u. nicht wiederfinden´. - 2. `Eier nicht ins gewohnte Nest legen, sondern an schwer auffindbare Stellen´.

verlangn swv. veralt. in der Wendung is od. doaas sull miech verlangn `es verlangt mich zu wissen, ich bin neugierig´; miech verlangt´s, wie doaas noa wird.

verläppern swv. `Geld in kleinen Beträgen für Lappalien ausgeben, ohne großen Nutzen vertun´; dar hoat´s ganze Luhn schunn wieder verläppert.

verläusn swv. Wehrsdorf, Weifa `verlieren´; de Froo verläust´n foalschn Zoop.

verleckn swv. selt. bes. Nordböhmen `verleugnen, ableugnen´; doaas brauchst de ne verleckn.

verliedern swv. 1. intrans. `liederlich werden, verwahrlosen, verfallen; ba dann is de ganze Wirtschoaft verlumpert und verliedert.. - 2. trans. `etw. unachtsam behandeln, verlieren, leichtsinnig ausgeben´; woas´r verdient, tutt´r glei verliedern (Frankenthal).

verliern stv. iech verlier(e), du verlierscht, du verloist (verstr. Westlausitz), a verliert, a verloit (verstr. Westlausitz), mer verliern, iech verlur, iech hoa verlurn `verlieren´. 1. wie litspr; huff mer´sch, doaaß de ne is Gehiere verloist (Cunewalde).  - 2. refl. `nachlassen, verschwinden, allmählich aufhören, weniger werden´; de Leute verliern´ch uff dar grußn Wiese; de Kuppangst hoat´ch verlurn. - 3. verlurn Part. Prät., adj. u. adv. a dar Kleedche sist de verlurn aus `unpassend, lächerlich´. Lautf.: Inf. verlierdn Ludwigsdorf, Nieder Neundorf.

verloaatschn swv. `verlatschen: verstauchen´; iech hoa mer´n Fuß verloaatscht. Lautf.: verloattschn.

verloabern swv. 1. `die Zeit mit belanglosem Gerede verbringen, sich im Reden vergessen´; die hoat´s hoalbe Labm verloabert. - 2. refl. `unbedacht etw. ausplaudern´; nu hoa´ch´s verloabert.

Verlobche f. `Verlobung´.

verlobm swv. (refl.) `verlobm´. 1. wie litspr. - 2. Niedercunnersdorf, Dittelsdorf `vergeben, erteilen, sich verdingen´; Oarbeit verlobm; de Guste hoat´ch ba Schulzn verlobt `die Guste hat bei der Firma od. dem Bauern Schulze Arbeit erhalten´.

verloin Adj. `verlogen´; doaas is aber a verloines Luder!

verloofm stv. refl. iech verloof miech, du verleefst dch, a verleeft´ch, mer verloofm´ch, iech hoa miech verloofm `verlaufen´; RA: Nanu, hoast dch wull verloofm? `Lässt du dich auch wieder mal blicken?´

verludern swv. 1. intrans. `verwahrlosen, verkommen, verfallen´; dar lässt senn ganzn Goaartn verludern. - 2. trans. `Geld leichtsinnig ausgeben, verprassen´.

verludert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verludern) `verwahrlost, heruntergekommen´; dar sitt verludert aus.

verluhn swv. refl. Ostlausitz `lohnen´; ba dar verluhnt sich nischt.

verlumpm swv. dass. wie verludern; dar hoat´s ganze Geld verlumpt.

verlumpern swv. intrans. dass. wie verludern.

verlumpert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verlumpern) `liederlich, verwahrlost, heruntergekommen´.

vermachn swv. 1. wie litspr. enn woaas vermachn `jmdm etw. als Erbe hinterlassen´. - 2. `abdichten (eigtl.: fest-, zumachen)´; du sist aus wie a vermachtes Plumpehäusl. - 3. `mit etw. verschwenderisch umgehen, Geld leichtsinnig ausgeben´; dar hoat de Pfennge vermacht. - 4. refl. `etw. falsch machen, sich vertun´; do hoa´ch miech vermacht.

vermahrn swv. `vermähren, vermären´ 1a. `Zeit nutzlos verbringen, vertrödeln´; mit´n Besuche hoa´ch mer ´n ganzn Tag vermahrt. - b. `mit etw. verschwenderisch umgehen, Geld leichtsinnig ausgeben´; hoast de dei Toaschngeld schunn wieder vermahrt? - 2. `etw. falsch auffassen, durcheinanderbringen, verwechseln, verkehrt machen´; iech vermahr mer de Noam immer.

vermaledeit Adj. (eigtl. Part. Prät.) veraltet `verflucht, verwünscht´.

vermassn stv. `vermessen´. 1. wie litspr. - 2. veralt. Aberglaube: Bei einem gesunden Menschen stimmt das Längenmaß von der Ferse bis zum Wirbel mit dem Quermaße vom Mittelfinger über die Schulterblätter bis wieder zum Mittelfinger genau überein. Durch Krankheit, die sich in Form von Rückenschmerzen bemerkbar macht, werden die beiden Längen verschoben. Parallel dazu werden Pflanzen in Töpfen gezogen. So wie die Pflanzen gedeihen, stellt sich nach dem dritten Messen mit einem Bindfaden auch das richtige Maß wieder ein. Damit die Rückenschmerzen nicht wiederkommen, wird das Töpfchen vor Sonnenaufgang in fließendes Wasser geschüttet u. der Faden im Feuer verbrannt. Der Bach nimmt die Krankheit fort. Erst hatte der Patient ´s Moß verlurn, jetzt hat er das richtche Moß wieder. Bei dem Vermassn od. Massen legt sich der Patient mit dem Bauch auf den Boden. Der Kurpfuscher und sein Gehilfe nehmen das Vermessen mit einem Flachsfaden vor. Vgl.Moß u. Simpethie `Sympathie´!

vermäuern swv. `vermauern, zumauern´.

vermauliern swv. refl. `auf Tadel, Verbote od. Anordnungen frech antworten; trotzig aufbegehren; widersprechen; jmdm. über den Mund fahren (meist Kinderngegenüber Erwachsenen)´; gih zun Schuster und tu dch ne irscht vermauliern!

vermauln swv. refl. dass. wie vermauliern.

vermaust Adj. ( eigtl. Part. Prät. von vermausn) `gewohnheitsmäßig stehlend´; ba Bricklmillern senn se oalle vermaust.

vermeetschn swv. Südlausitz 1. `etw. zerdrücken und anschließend verrühren; herummatschen´. - 2. übertr. `verderben, vernichten, abwerten, ungenießbar machen´; de Schwiegermutter hoat mer de ganze Huckst vermeetscht `die Schwiegermutter hat mir die ganze Hochzeit verdorben´.

vermeldn swv. 1. `mitteilen, ankündigen, bekannt machen´. - 2. nischt zu vermeldn hoann `nichts zu bestimmen haben´.

vermittch siehe virrmittch!

vermittn swv. `vermieten´. 1. wie litspr. `Nutzungsrechte gegen Barzahlung vergeben´; is Stiebl a de Summerfrischler vermittn.  - 2. veralt. refl. `eine Arbeitsstelle als Knecht od. Magd annehmen, sich beim Bauern verdingen´; Rudlphs Gruße hoat´ch benn Gulbsbauer vermitt od. vermutt. Vers der Kuhhirten aus Markersdorf bei ° ZI Reichenau: Horiweedn ho, ze Juhr bie´ch ni mih do, do tu ich mich oas Knaajcht vermittn, do koannst´r de Kih salber hittn. Lautf.: vermietn.

vermoanschn (kurzes oa) swv. 1. `mit Flüssigkeit od. Brei unachtsam umgehen, Flüssigkeit verschütten, (Futter od. Essen) vergeuden´. - 2. `dass. wie vermeetschn 1 u. 2. Lautf.: vermoantschn.

vermohmilchn siehe vermuhmln!

Vermucht(e) f. °ZI Ebersbach, Cunewalde, Schirgiswalde, Frankenthal dass. wie Vermug; keene Vermuchte mih hoann. Lautf.: Vermocht bzw. Vermucht m. Schirgiswalde, ° ZI Reichenau.

Vermuchtche f. Burkau dass. wie Vermug.

vermuckern swv. `morsch werden, verfaulen (von Holz), eingehen von Lebewesen u. Pflanzen´; luss mer de Blumsteckl ne vermuckern!

vermuckert (eigtl. Part. Prät. zu vermuckern) `ärmlich geworden, eingegangen, verfault´; de Bratl hinder´n Hause senn underdan vermuckert.

Vermug (gedehntes u) m. Obercunnersdorf, Lawalde, Großschönau, Hirschfelde, Wittgendorf, Jonsdorf, Zodel `Kraft; das Vermögen, etw. zu tun´; ba dar Britte hoa´ch goar kenn Vermug. Lautf.: Vermugg; Vermog Hinterhermsdorf.

vermuhmeln swv. (abgeleitet von Mohmilch, siehe Mohkließl) selt. söSüdlausitz `etw. verschwenden, Geld leichtsinnig ausgeben, Essen vergeuden´; a hoat´s ganze Luhn a enn Tage vermuhmelt. Lautf.: vermohmeln, vermohmieln, vermohmelchn, vermohmielchn, vermohmilchn Ostlausitz.

vermummln swv. 1. `jmdn., sich in warme Kleidung völlig einhüllen´; du hoast´ch aber vermummlt, so kaalt is is doa goar ne. - 2. `sich bis zur Unkenntlichkeit verhüllen, vermummen´; unse Jungn vermummln´ch groade, se wulln zu Lichtn gihn.

vermummlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von vermummln) `dick angezogen, mit Kleidung verhüllt´; dar is ganz vermummlt. Lautf.: vermummlcht.

vermurksn swv. 1. `etw. durch Ungeschicklichkeit od. unfachmännische Arbeit verderben, verpfuschen´; die hoat sugoar ´n Koaffee vermurkst. - 2. Anton `vergeuden, verschwenden´.

vermurkst Adj. (eigtl. Part. Prät. zu vermurksn) 1. wie litspr. `verpfuscht, verdorben´; iech misste waajgn dr vermurkstn Woare uff de Raajchtfartche kumm. - 2. °ZI Ebersbach `verdrießlich´; vermurkstes Gesichte.

vernabln siehe nabln!

vernahm stv. `vernehmen´; luss dch ne vernahm `lass dich nicht aushorchen, sage nichts´.

vernähtern swv. Südlausitz `fest verknüpfen, verschlingen´, vgl. nähtern! ´s Riemlzeug vernähtern. Lautf.: verneetern.

vernähtert Adj. (eigtl. Part. Prät. von vernähtern) `verknüpft, verknotet´. Lautf.: verneetert.

verneesn swv. 1. Süd- u. Ostlausitz `verbrauchen, wegbringen, verzehren, aufessen, vernaschen, gebrauchen, von Mäusen benagen´; wull mer minander anne Mähre verneesn?  RA: Dann Karln koann´ch ne verneesn `den kann ich nicht leiden´. - 2. Neukirch `schlecht machen, herunterputzen, bereden´; a verneeste de oarm Summerfrischler. Vgl. neesn!

verneetern siehe vernähtern!

verneetert siehe vernähtert!

vernimpftch Adj. `vernünftig´. Lautf.: vernimftch Westlausitz, mnOstlausitz.

vernoaatscht Adj. `verheult´.

vernoajlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von vernoajln) `vernagelt: verbohrt, besessen (von etw.); beschränkt´. Lautf.: vernoilt, vernoalt, vernoarlt.

vernoam swv. mWestlausitz `beim Namen rufen und necken, Namen verunstalten´; de Kinder vernoamtn o egoal ond brelltn emmer Zick-zack Züliak anoo.

vernoarrt Adj. `verliebt, auf etw. od. jmdn. stehen´; unser Grußer is a de Monl vernoarrt.

vernoattschern swv. `(versehentlich durch Schwatzen etw.) verraten´.

Veroabrädche f. `Verabredung, Stelldichein, Rendezvous´. Lautf.: Veroabrädchte.

veroabrädn unregelmäßiges V., Konjug. siehe räden! `verabreden´ 1. `jmd. vereinbart mit jmdm. etw. mündlich; ausmachen; ein Treffen, einen Treffpunkt, einen Termin aushandeln; gemeinsam beschließen´; iech muss mit menner Schwaster noa veroabrädn, woaas mer dr Mutter zun Gebutzstage schenkn. - 2. refl. `sich zu einem Stelldichein oder einem Treffen verabreden; beschließen, gemeinsam einer Aktivität nachzugehen´; mer hoann´ch fer´n Obd zun Roadfoahrn veroabredd.

veroalbern swv. `veralbern: jmdm. zum Besten haben, jmdn. aus Spaß etw. Unwahres erzählen, etw., jmdn. nicht ernst nehmen´; irschtert veroalbert´r unser Maajdl und derno macht´r´ch aus´n Stoobe.

veroarschn swv. dass. wie veroalbern.

verpapln (gedehntes a) swv. `verpäppeln: jmdn. verwöhnen, verhätscheln, verweichlichen´; guck oacke, wie die ihrn Hund verpaplt!

verpflaum swv. `verpflaumen: zum Besten halten, verhöhnen, verspotten´; de Äberchn und Niederchn verpflaum´ch anander. Lautf.: verflaum.

verpichn swv. 1. `Fässer durch Überziehen mit Pech abdichten´; ´s Foaaß is zerlechzt und muss verpicht warn `das Fass ist undicht und muss mit Pech abgedichtet werden´. - 2. `etw. mit Pech bestreichen´.

verpicht Adj. (eigtl. Part. Prät. von verpichn) `erpicht, begierig, versessen´; wie koann ees oack su verpicht uff Zwibblquoark senn!

verpimpern (gespr. verbimbern) swv. msOstlausitz `(Geld) verschleudern, durch liederliche Arbeit herunterwirtschaften´; de ganze Wirtschoaft verpimpern.

verpimpln swv. dass. wie verpapln!

verplättn swv. enn eene verplättn `jmdm. einen Schlag versetzen´. Lautf.: verploattn.

verplempern swv. umg. `Zeit od. Geld nutzlos vertun, vertrödeln, vergeuden´; die tutt´ch verplempern `sie nutzt die Chancen nicht´.

verpoaffm swv. `verrauchen´; ´s Geld a Zigrettn verpoaffm. Lautf.: verpeffm.

verpoampern swv. `vertrödeln´; de Zeit verpoampern.

verpoampm swv. 1. `vertrödeln´. - 2. Anton `durch Schlemmen verschwenden´.

verpoanschn (kurzes oa) swv. `unachtsam, verschwenderisch mit Wasser hantieren und dabei verschütten od. vergießen´. Lautf.: verpoantschn.

verpoanstern swv. nwSüdlausitz, Westlausitz `dick anziehen, mit Stoff verpacken´; wie kunnt´ch oack deine Mutter su verpoanstern!

verpoaarn swv. refl. `verpaaren: ein Paar werden´; de Vogl verpoaarn´ch.

verpoartiern (kurzes oa) swv. veralt. selt. `etw. verstecken, verbergen, aufräumen und nicht wiederfinden´; iech wellt oack wissn, wu du mei neues Bichl hie verpoartiert hoast. Lautf.: verpoaretiern.

verpoassn swv. `verpassen´. 1. wie litspr. `etw. versäumen´. - 2. enn eene od. ees verpoassn `jmdm. einen Schlag versetzen, eine Niederlage zufügen´; Nubbersch Hundeviech hoa´ch eene verpoasst. - 3. umg. enner enn verpoassn `mit einer weiblichen Person schlafen´. - 4. is verpoassn `einschlafen, wegnicken´; iech hoa oack ´s irschte Stickl vun Filme gesahn, derno hoa´ch´s verpoasst.

verpopln swv. mOstlausitz, Schirgiswalde 1a. `sich in warme Kleidung einhüllen´. - b. `verkleiden, vermummen wie ein Popanz´. Siehe Popl 1a! - 2. `sich mit Wolken verdunkeln´; dr Himml verpoplt sich.

verpoplt Adj. (eigtl. Part. Prät. zu verpopln) veralt. `eingehüllt vermummt´

verposementiern swv. 1. refl. Jonsdorf `etw. Falsches machen od. denken, vertun´. - 2. Schirgiswalde `ausführlich erklären, erläutern´. - 3. Burkau `ausgeben (Geld), verkaufen; Austeilen (von Ohrfeigen)´. Lautf.: verposmentiern.

verpoasementuckln swv. Niedercunnersdorf 1a. `abgeben, verkaufen, abstoßen; iech hoa dch verposementucklt. - b. `beseitigen, wegmachen, aufessen, trinken´. - 2. Schirgiswalde `erklären, erläutern, beibringen´.

verpuchn swv. `verpochen´. 1. `jmdn. prügeln, verhauen´; de Schuljungn hoann miech verpucht. - 2. `Geld leichtsinnig ausgeben, verschwenden´; dar verpucht seine ganze Rente a dr Kneipe.

verpudln swv. Oderwitz, Zittau `Haare in Unordnung bringen´; mei Enklmaajdl hoat mer´n ganzn Bärschl verpudlt.

verquackern swv. Schirgiswalde, nOstlausitz `zu stark u. zu lange kochen (bis das Wasser verdampft ist)´.

verquar(e) Adj. `verquer´. 1. `quer, schräg, schief´; unser Klintsches leit verquar(e) an Naaste; RA: dir sitzt wull a Furz verquare `du hast wohl Blähungen, du hast wohl einen schlechten Tag, du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank´. - 2. in der Wendung enn woaas verquar(e) gihn `jmdm. etw. misslingen´; mir gitt heute oalls verquar(e); doaas is doa ganz verquar! `Das ist doch ganz verkehrt!´ Siehe auch derquare!

Verreckche f. `das Verrecken: eine schwere Krankheit, die zum Tode führt´; meine Fischl gihn oalle ei, se hoann de Verreckche.

Verrecker m. 1a. `kleines, schwächliches Tier, das nicht gedeiht; Kümmerling´. - b. Schimpfwort. - 2. `unvollendeter od. steckengebliebener Schuss´; doaas woar oack a Verrecker, is hoat ju oack gepfatscht.

verreckn swv. vulgär bei Menschen `verrecken: verenden, elend sterben (bei Tieren)´; ne im´s Verreckn `niemals, unter keinen Umständen´; die tät´ch im´s Verreckn ne froin. Volksreim: Pfard verreckn grußer Schreckn, Frooe starbm kee Verdarbm.

verreechern swv. `verräuchern: einen Raum mit Rauch, Qualm erfüllen, durch Rauch schwärzen´; dr Grußvoater hoat mit senn Gequoarze de ganze Bude verreechert; die verreechertn Goardinn kumm a de Wäsche.

Verrenkerch. m. `Verrenkung, unnormale Körperstellung´; a kricht under aschrecklchn Verrenkerchn durch de Schränke durch.

verrenkern swv. `verrenken´. 1. wie litspr.; iech hoa mer´n Oarm verrenkert. - 2. `gymnastische Übungen machen´.

Verrichtche (2.Silbe betont) f. `Verrichtung: Erledigung, Tätigkeit, Arbeit, Stuhlgang´.

verrichtn swv. 1. `etw. schaffen, fertig bringen, eine Absicht ausführen, etw. erledigen´; o uff dr Pulezei kunnt´ch nischt verrichtn. - 2. `genügen, ausreichen´; a Motorroad muss ne senn, a Foahrroad verricht´s o.

verrickt Adj. `verrückt´. 1a. `von Sinnen, toll; überspannt; geistig beschränkt´. - b. `wütend, zornig´; du wirscht immer glei verrickt. - c. `ausgelassen, lustig´; zer Kirmst ging´s ba Draaßlern verrickt zu. - 2. verrückt auf etw., jmdn. sein `begierig, versessen´; uff woaas Sisses is se ganz verrickt. Lautf.: verruckt Obercunnersdorf, Neugersdorf.

verriedern swv. selt. `verkramen, verschmeißen, verlegen, unterrühren, in Unordnung bringen´; die diche Sache wird verriedert.

verroaazt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verroaazn) Süd- u. Westlausitz verroaazt senn `verloren, in aussichtsloser Lage sein´; do bist de verroaazt und verkooft. Lautf.: verroatzt Bihms Koarle.

verroanschn (kurzes oa) swv. 1. Ostlausitz `umgehen, umhertollen und dabei etw. zerstören, verderben, zerzausen´; verroansch mer ne de Frisur! Lautf.: verroantschn. Siehe auch roanschn! - 2. Oderwitz dass. wie verkroannchn `etw. (gut) verstecken, verwühlen; etw. so verlegen, dass man es selbst nicht wiederfindet.´

verroast (gedehntes oa) Adj. (eigtl. Part. Prät von verroasn) Ostlausitz 1. `mit einer geschlossenen Grasdecke überzogen sein´. - 2. übertr. `das Gesicht zugewachsen´; dar Karl is verroast enn Gesichte; anne verroaste Gusche.

verroochn swv. `verrauchen´ 1. `jmd. veraucht etwas´; hoast de schunn beede Schachtln verroocht? - 2. `für Tabakwaren vergeuden´; mei Bruder koann zu nischte kumm, dar verroocht oalls. 

verroocht Adj. `verraucht´. 1. `verräuchert, qualmig, eingenebelt´; de Goardinn senn verroocht (od. verreechert); - 2. `verflüchtigt, Rauch abgezogen, verdampft´; de Wut is verroocht.

verrotn swstv. iech verrot(e), du verruttst, a verrutt, iech verrutte, mer verrotn, iech hoa verrutt od. verotn `verraten: Verrat begehen, etw. Geheimes preisgeben´; wie´ch heeße, wird ne verrutt! RA: Du wirscht noa fer ann Dreier is Voaterland verrotn `du bist aber sparsam´; verrotn und verkooft `vom Glück verlassen´.

verruhschln siehe ruhschln!

verruckt siehe verrickt!

versaalzn swv. `versalzen: verderben, den Gebrauchswert mindern´; mei Voater hoat mer gehierch de Suppe versaalzn. Lautf.: versalzn Westlausitz.

versackn swv. umg. 1. `in etw. einsinken u. stecken bleiben´. - 2. versackt senn `verstopft sein; ´s Ruhr is versackt: ba mir is oalls versackt `ich habe keinen Stuhlgang´. - 3. `beim Zechen viel trinken, sich sehr lange aufhalten u. nicht imstande sein aufzubrechen´; mir Moan is wieder amol an Kraatschn versackt.

versahn stv. `versehen´ 1. refl.`innehaben, besinnen, zu Verstande kommen, etwas ausführen´; ehb´ch miech versoahg, loag´ch uff dr Gusche. - 2. Niedercunnersdorf, Dürrhennersdorf `sich irren, sich täuschen, dumm od. falsch handeln, sich eingelassen haben mit jmdm., Geschlechtsverkehr haben (und dabei geschwängert werden)´; is Versahn hoann; die hoat´s versahn; meine Schwaster hoat´s mit´n Nubberjungn versahn.

versauboajttln swv. Obercunnersdorf 1. `etw. verlegen, verlieren, verschmeißen´. - 2. `Geld leichtsinnig ausgeben´; hoast de dei ganzes Toaschngeld schunn versauboajttlt? Lautf.: versauboajgln, versauboattln, versauboartln, versaubattln.

versaufm stv. 1. `(Geld, Besitz) vertrinken´; dar Aale versefft oalls, woaas de Frooe azu brengt. - 2. `münden, von einem Bach od. Fluss aufgenommen werden´, doaas Bernl versefft a dr Baach `das Rinnsal läuft in den Bach´.

versaun swv. 1. `etw. stark beschmutzen´. - 2. `etw. durch Ungeschicklichkeit od. durch unsachgemäße Behandlung verderben, verpfuschen´.

verscheechern swv. Westlausitz dass. wie verscheechn.

verscheechert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verscheechern) Burkau, Westlausitz `verschüchtert, ängstlich, zurückhaltend´; ar guckt ganz verscheechert. Siehe auch scheecherch!

verscheechn swv. `verscheuchen: jmdn. von einer best. Stelle wegjagen, vertreiben´; ne rippln, du verscheechst mer sunst de Fische.

verscheeßln swv. siehe scheusln 1.

verscheißn stv. `es mit jmdm. verderben, sich unbeliebt machen´; dar hoat´s ba mir seilatche verschissn.

verscheusln swv. siehe scheusln 1.

verschirgt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verschirgn) Wittgendorf, Girbigsdorf `verschoben, schief´; a verschirgtes Gesichte.

verschitt siehe verschutt!

verschittn unregelm. V., Part. Prät. verschutt. 1. wie litspr. `etw. aus Versehen vergießen, ausschütten´. Volksglaube: Salz verschütten bedeutet Unglück, denn man wird in Zukunft noch viel weinen. - 2. übertr. RA: dar hoat´s ba mir verschutt `der hat mein Wohlwollen verloren´. - 3. veralt. `vor der Zeit niederkommen, fehl gebären, abtreiben lassen´; meine Schwastertoachter hoat verschutt.

Verschl siehe Varrsch!

verschleudern swv. `etw. leichtsinnig vergeben, etw. großzügig ausgeben, verschenken´; iech war mer keene Huckst mih verschleudern.

verschloin stv. `verschlagen´. 1. wie litspr. mit Brettern u. Nägeln etw. abteilen, auskleiden od. verkleiden´; dr Zimmermoan verschlätt mer´sch Imgebinde neu. - 2. `in eine andere Region, ein anderes Land ziehen´; mei Nubber is a Berlinscher, dann´s a de Äberlausitz verschloin hoat. - 3. in der Wendung de Sproche verschloin `verstummen, keine Worte mehr finden´; wie´ch doaas gehirrt hoa, hoat mer´sch de Sproche verschloin. - 4. als Part. Prät. verschloin hoann od. sein `sich erkältet haben u. als Folge in den Beinen gelähmt sein´. - 5. als Part. Prät `verschlagen, gerissen, durchtrieben´; dar Karle is verschloin. Lautf.: verschloon Schigiswalde.

verschlumpern swv. `verschlampern, versauen, durch liederliche Arbeit verderben, verwahrlosen´; se hoat´s Gaartl verschlumpern lussn. Auch verludern od. verlumpern.

verschlumpert Adj. (eigtl. Part. Prät. von verschlumpern) `verschlampert: verschlammt, zerlumpt, heruntergekommen, unordentlich, verlottert, vernachlässigt, verwahrlost, ungepflegt´.

verschmährn swv. `verschmieren´.

verschmeißn stv. `etw. an eine Stelle legen, wo man es nicht wiederfindet´; unser Voater verschmesst jede Wuche drei Kämme.

verschmurgln swv. Südlausitz 1. `verschmoren, durch zu langes Schmoren verderben´; ba dann grußn Feuer is de Lichtleitung verschmurglt. - 2. `verschmieren, kritzeln´; is ganze Blatl hoat´r mit ruter Foarbe verschmurglt. Siehe schmirgln!

verschnerkslt Adj. `verschnörkelt: übermäßig verziert, mit zu viel Häkchen und Rundungen verunstaltet´; is Fanstergitter is ganz schiene verschnerkslt; tu de Buchstoabm ne su verschnerksln! Lautf.: verschnerklt, auch schnerkslch u. schnerklch.

verschnickn swv. Ostlausitz `prügeln´.

verschniern swv. Südlausitz `verschnüren´ (alter Brauch bei Hochzeiten u. Taufen): Durch eine von Kindern quer über die Straße od. vor dem Portal der Kirche, Eingang des Standesamtes gespannte Schnur wird der Hochzeits- od. Taufzug bzw. die Hochzeitskutsche aufgehalten. Der Hochzeitsbitter, die Hochzeitsgesellschaft od. die Paten werfen Geld hin, um sich den Durchgang zu erkaufen; uff´m Waajge is verschniert, is Brautpoaar muss´ch luskeefm. Siehe auch schnierdln od. hemm!

verschnuppm swv. `verschnupfen: verdrießen, ärgerlich stimmen´; seine Räde toat miech a bissl verschnuppm.

verschnuppt Adj. (eigtl. eigtl. Part. Prät. zu verschnuppm) `verschnupft: vom Schnupfen befallen, verärgert, beleidigt, verletzt´; de meestn Fußboallspieler woarrn waagjn dann Eegnture verschnuppt.

verschnurplt Adj. Cunewalde, Schlesien `hart wie eingetrocknetes Obst od. Gemüse´.

verschnurpsn swv. Burkau `etw. Hartes geräuschvoll essen´; anne Mähre verschnurpsn. Lautf.: verschnorpsn.

verschrumpln swv. `austrocknen, faltig, schrumpelig werden (z.B. Haut, Obstschale)´; a unsn woarm Kaller verschrumpln oalle Äppl.

verschrumplt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verschrumpln) `ausgetrocknet, faltig, runzelig, schrumpelig´; de Grußemutter is verschrumplt wie Backobst.

verschussln svw. Oderwitz `durch Unkonzentriertheit etw. vermassln´.

verschutt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verschittn) Südlausitz `unnormal, sonderbar, verrückt, aussichtslos´; a verschuttes Weibsn; a dr itzchn Zeit is oalls verschutt; verschutt an Kuppe senn; du bist wull verschutt? RA: verschutt gihn `verloren gehen (Gegenstände)´. Lautf.: verschitt Burkau.

verschwäppern swv. `mit Flüssigkeit unachtsam umgehen u. dabei welche verschütten, vergießen´; loof sachte, dermit de ne wieder ´n hoalbm Eemer verschwäpperscht!

verschweinern swv. 1. `etw. stark verschmutzen´. - 2. `Futter vergeuden´.

verschwiemlt Adj.(eigtl. Part. Prät. von verschwiemln) umg. `verkommen, ungepflegt, verlebt, übernächtigt´.

verschwiern stv. `verschwören´. 1. wie litspr. - 2. `beschwören, schwören´; doaas koann´ch verschwiern.

verseecht Adj. (eigtl. Part. Prät. zu verseechn) 1. `mit Urin durchtränkt´. - 2. übertr. `gelblich-grau, verblichen, verwaschen; gelblicher Farbton, der anfänglich rot war´; hoat die´ch de Lodn farbm lussn? - Die hoat ju su ann verseechtn Kupp? - 3 `ausdruckslos´; die hoat a verseechtes Gesichte.

verseem swv. `versäumen: etw. verpassen´; iech hoa unser Traffm verseemt.

versemmln swv. trans. u. intrans. `Schläge erhalten, jmdn. (ver)prügeln´; iech krigte a poaar versemmlt, doaas mer Hiern und Sahn verging. Vgl. Semme `Binse, Rohrstock´.

versetzn swv. `versetzen´ 1. wie litspr. `etw. verpfänden, verkaufen´; dar versetzt sei ganzes Gutt. - 2. enn versetzn `ein vereinbartes Treffen nicht einhalten´; de Monl, doaas Luder vu ann Weibe, hoat miech schunn zweemol versoatzt. - 3a. `(Türen u. Fenster) gegen Kälte u. Zugluft abdichten´; waajn dar Kälde tun de Leute de Stubm versetzn; de Stubmwand wurd an Winter mit Struh oder Reis´ch versoatzt; RA: die gitt wie anne versoatzte Plumpe `die ist dick angezogen´. - b. `Durchfall hemmen, stopfen´; frieß Tschukloade, doaas versoatzt od. versetzt! Lautf.: versatzn, versoatzn.

Versetzwand f. `bewegliche Bretterwand, die durch eine Schicht mit festgestopftem Moos od. Laub verstärkt wurde und im Winter das Erdgeschoss der Häuser vor Kälte schützte´. Vgl. Fansterviersetzer u. Wandversoatz!

versieln swv. `etw. verlegen, verlieren, verschmeißen´; iech hoa mer mei Noasnfoahrroad versielt.

Versoammlche f. `Versammlung´; de Gemeeneversoammlche.

verspoann swv. Jonsdorf `verspannen´ dass. wie verschniern.

versprechn stv. iech versprech(e), du verspriechst od. versprichst, mer versprechn, iech versproach, iech hoa versproachn 1. wie litspr. a. `jmdm. etw. fest zusichern´; a de Hand versprechn. - b. refl. `sich verloben´; die hoann´ch anander versproachn. - 2. Aberglaube: `best. krankhafte Erscheinungen (z.B. Warzen, Geschwülste, Rose, Zahnschmerzen) durch Sprechen von Zauberformeln in christlicher Verbrämung u. unter Bestreichen od. kreisförmigem Reiben der kranken Stelle beseitigen´; wenn oack dar ihr Fimml zu versprechn gingk! Luss oack deine Hihnerwurzl versprechn! Iech hoa´s versproachn, wie de Tampl-Guste Leiche loag.

verspuln swv. `etw. schnell, in großer Menge u. mit gutem Appetit aufessen´.

verständch Adj. `verständig: vernunftbegabt, etw. verstehend, nicht mehr unwissend´; de Kleene moagg zun Schuster gihn, die is doa schunn verständch!

verstechn stv. `nach Beendigung einer Näharbeit das Fadenende im Gewebe befestigen´.

Verstecker m. `Verstecken; Versteckspiel, bei dem ein Kind andere Kinder, die sich versteckt haben, suchen muss´; wull mer Verstecker spieln? Auch Verstecke nOberlausitz.
Das Kind, durch einen Abzählreim ausgewählt, das suchen muss, lehnt sich mit geschlossenen Augen an einen Festpunkt (Baum, Mauer). In einen Spruch eingebettet, zählt es laut. In dieser Zeit versucht sich jeder Mitspieler möglichst gut zu verstecken. Das suchende Kind beendet mit den Worten "iech kumme" seinen Spruch und beginnt zu suchen. Wenn es einen Mitspieler entdeckt hat, läuft es zurück zum Festpunkt und ruft laut: "Anni (Max, Paul) oabgebrannt!" In der Zwischenzeit versuchen die anderen Kinder unbemerkt den Festpunkt zu erreichen und sich mit den Worten "erlöst" freizuschlagen. Die Runde ist beendet, wenn alle Kinder gefunden bzw. sich erlöst haben. Der nächste Sucher wird aus der Reihe der abgebrannten Kinder bestimmt.

versteckn unregelm. V. trans. (u. refl.), iech versteck(e), du versteckst, iech verstackte, iech hoa verstackt wie litspr. `verstecken´. 1. `etw., sich verbergen´; a toat´ch hindern Boom versteckn; wu hoast´n de Usternaaster verstackt? - 2. Anton veralt. `zu viel ausgeben und sich dabei ruinieren´; mei Schwoger hoat´ch verstackt.

verstihn stv. `verstehen´. 1. `hören´; a redde su leise, iech verstoand od. verstund nischt. - 2. `begreifen, beherrschen, eine Fertigkeit besitzen´; iech verstih miech oack uff´s Wirkn, aber ne uff´s Farbm `ich kann nur weben, aber nicht färben´.

Verstistdemiech m. n. `Verstand, Verständnis, Einsicht, Kenntnis´; dar hoat kenn (kee) Verstistdemiech fer su woaas. Lautf.: Verstihstdemiech, Verstihstdemich.

verstoarrn swv. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `erstarren´; iech bie ver Schreck verstoarrt.

versträhn swv. selt. Eibau `verstreuen: verlegen; Eier nicht ins gewohnte Nest legen, sondern an schwer auffindbaren Stellen´. Kinderreim: Gacke, gacke Naast, iech bie´s ne gewast, iech hoa´s ne gelät, iech hoa´s ne versträht.

verstußn stv. veralt. Ostlausitz `abstoßen, aus Geldnot verkaufen´; a hoat seine Bicher verstußn missn.

vertaatschln swv. Wehrsdorf, Särichen `jmdn, verwöhnen, verhätscheln´; die tun ihrn Jungn vertaatschln. Lautf.: vertätschln.

vertampern swv. Südlausitz `vertrödeln, mit Nebensächlichkeiten vertun´. Lautf.: vertoampern, vertempern °ZI Reichenau.

verteeln swv. `verteilen, austeilen´.

Verteelche f. `Verteilung´; de Verteelche iebernahm iech. Lautf.: Verteelchte Neukirch.

verteiflt Adj. 1. `verteufelt: teuflisch, sonderbar, schrecklich´; doaas verteiflte Zeug vu ann Schnoapse sauf´ch ne. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird `sehr, außerordentlich´; doaas Dingk koann verteiflt dumm ausgihn.

vertoalkern swv. `durch ungeschickte Hände etw. verderben; etw. Missratenes herstellen; etw. verpfuschen´.

vertraten swv. `vertreten´ 1. `(ein kleines Stück) gehen, damit die Füße od. Beine nicht einschlafen´; iech stih uf und vertrat mer a bissl de Beene. - 2. `sich durch ungeschicktes Auftreten den Fuß verstauchen´; iech bie imgeknickt und hoa mer´n Fuß vertratn.

vertreem swv. `verträumen: etw. nicht wahrnehmen oder verpassen aufgrund von gedanklicher Abwesenheit´; du hoast wull de Leichnprädcht vertreemt?

vertreemern sww. dass. wie vertreem.

Vertreibche f. `Vertreibung´; Zeitvertreibche.

vertrepplt Adj. (eigtl. Part. Prät. von vertreppln) `vertröpfelt´. 1. `Flüssigkeit in Tropfenform verlierend´. - 2. `evtl. verflossen, verlorengegangen, nicht mehr rückgängig machen könnend´; iech derzahl dr woaas aus aaler vertrepplter Zeit.

vertroign swv. `vertrocknen: trocken werden, verdorren´; de Blumsteckl senn mer oalle vertroigt.

vertroigt Adj. (eigtl. Part. Prät. von vertroign) `vertrocknet´; aussahn wie a vertroigter Harch.

vertroin stv. `vertragen´. 1. wie litspr. `etw. ertragen, aushalten, leiden können, jmdm. bekömmlich sein (Speisen u. Getränke)´; dar verträtt ne vill, do is´r bloo. - 2. refl. wie litspr. `sich gut verstehen, miteinander auskommen, harmonieren´; die beedn senn wie Hund und Koatze, die vertroin´ch ne. Lautf.: vertroan.

vertrudln swv. `vertrudeln´. 1. refl.Oderwitz `ausreißen, weggehen, verschwinden´; Max vertrudlt´ch vun Fanster! - 2. `Zeit unnütz verbringen, vertun, vertrödeln´.

vertscheppern siehe zeppern!

vertun stv. 1. wie litspr. `Geld leichtsinnig ausgeben, verschwenden´; de Weibsn senn zun Geldvertun do. - 2. refl. `sich versehen, irren´; mit menn neun Auto hoa´ch miech verton. - 3. refl. `sich vermischen, verteilen´; meine Gäste hoann´ch uff dr Schisswiese verton; dr Dreck vertutt´ch an Bette `der Schmutz (von den Füßen) verteilt sich im Bett´. - 4. refl. `sich verbrauchen´; de Butter vertutt´ch benn Brotn.

verurachn siehe verhurachn!

verurglt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verurgln) `verorgelt: liederlich in Bezug auf das Äußere, ungepflegt, zerzaust, übernächtigt, gesundheitlich angegriffen´; dar sitt aber verurglt aus!

verurksn swv. 1. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `etw. durch Ungeschick verunstalten, verstümmeln, verderben, verpfuschen´; du verurkst is ganze Brut mit dann Gruntsche od. mit dar Lumml `du verunstaltest das ganze Brot mit dem stumpfen Messer´. - 2. dass. wie verurschn.

verurschn (gedehntes u) swv. `verschwenderisch umgehen, wüsten, etw. verschwenden, vergeuden´; tu oack ne su is Futter verurschn!

veruzn (gedehntes u) veralt. `jmdn. zum Besten halten, veralbern´; du brauchst anne aale Frooe, wie miech, ne mih veruzn.

verwackln swv. enn verwackln `jmdn. verprügeln´.

verwähn swv., häufig refl. `verwöhnen´; luss dch ne su verwähn! Lautf.: verwänn °ZI Ebersbach.

verwähn swv. `verwehen´; de Stroße is verwäht.

verwähnt Adv. (eigtl. Part. Prät. von verwähn `verwöhnen´) `verwöhnt, verpäppelt, mit guten Essen verzogen´; mer woarrn ne su verwähnt wie heute.

verwandt Adv. (eigtl. Part. Prät. von verwenn `beschädigen´) selt. Bihms Koarle `verrenkt, verstaucht´; ´s Fissl woar verwandt.

verwenn swv. Oberland `verwöhnen´. Lautf.: verwähn übrige Oberlausitz.

verwenn unregelm. V. Lawalde `beschädigen, lädieren´; a wullt´ch ´n Hoals ne mih verwenn.

verwichn 1. Adj. `vorig, vergangen´; a dr verwichn Nacht hoa´ch schlaajcht getreemt; de verwichne Mietwuche. - 2. Adv. Bihms Koarle, Schirgiswalde, Schlesien `vor nicht gar langer Zeit, unlängst, kürzlich, neulich, vor Wochen´; iech bie irscht verwichn benn Dukter gewast.

verwichsln (gespr. verwicksln) swv. selt. Süd.- u. Ostlausitz `(die Haare, das Garn) verfitzen´; du hoast´n Zoop verwichslt. Von den dem Aberglauben bekannten Wichtelmännchen, die den Kobolden glichen, nahm man an, dass sie den Menschen die Haare verfilzen.

verwichslt (gespr. verwickslt) Adj. (eigtl. Part. Prät.) `verfitzt, verfilzt, verwirrt (die Haare, das Garn), verwichtelt´.

verwichsn (gespr. verwicksn) swv. umg. `prügeln, verhauen´.

verwienern swv. `jmdn. prügeln´.

verwimmern swv. `knorrig, knotig werden (Holz, Pers.)´. Lautf.: verwummern.

verwimmert Adj. (eigtl. Part. Prät.) Obercunnersdorf, Wittgendorf, Girbigsdorf, Neusorge `knorrig, vernarbt, fest in sich verwachsen (bei astreichem u. daher schwer spaltbarem Holz)´; doaas Hulz lässt´ch ne gutt hackn, ´s is su verwimmert. Lautf.: verwummert.

Verwink m. selt. Ostlausitz, Schlesien `Verweis´.

verwinkn swv. `ohrfeigen, einen (elektrischen) Schlag erhalten´; iech hoa dar Lausegräte eene verwinkt.

verwinn stv. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `verwinden: überwinden, überstehen, (ein Leid) von sich abstreifen´; se hoat´n Tud vu ihrn Moanne bis zun heutchn Tage noa ne verwunn; de Hoanne hutt´s ne mih verwinnn kinn. Lautf.: verwingn Mückenhain.

verwirkt Adj. öKürzung `verrückt, unnormal, ausgefallen, närrisch´; do gibbt´s winngstns a poaar sitt(e) verwirgte Luder winnger.

verwirschlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verwirschtln) `verschlungen (Schnuren, Schläuche od. Stoffstreifen), umschlungen, verwickelt, verdreht´; benn Ausziehn hoast der´n Arml verwirschtlt `beim Ausziehen hast du dir den Ärmel verdreht´. Lautf.: verwurschtlt.

verwirrt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verwirrn) 1. `nicht ganz normal, verrückt´. - 2. Dittelsdorf, Ostritz, Jonsdorf`ärgerlich, zornig, wütend´; bie oack ne immer glei su verwirrt! Do bie´ch doa zu verwirrt ! `da bin ich aber sehr verärgert´. Lautf.: verwurrt; verwerrt, verwoarrt Westlausitz.

verwoahrn swv. `verwahren´. 1. `etw. (für längere Zeit) ablegen, aufräumen, unterbringen u. dafür verantwortlich sein´. - 2. `verbitten, zurückweisen´; doaas verwoahr´ch mer.

verwoalkn swv. `jmdn. prügeln, verhauen´.

verwoamsn (kurzes oa) swv. `jmdn. prügeln, verhauen´.

verwoapsn (kurzes oa) swv. Großschönau `Ohrfeigen austeilen´; iech hoa glei oalle dreie verwoapst.

verwoarnchn
(kurzes oa) swv. `verwarnen, warnen´.

verwurschtln swv. umg. `verwursteln: durcheinander schlingen, verwirren´.

verwurschtlt Adj. (eigtl. Part. Prät. zu verwurschtln) `verwirrt, verrückt´; is´r itz verwurschtlt?

verzähln swv. 1. `verzählen, fehlerhaft zählen´; se hoat´ch benn Schaufln verzählt od. verzahlt. - 2. Ostlausitz `erzählen´; mir koannst de nischt verzähln od. verzahln. Lautf.: verzahln, verzihln veralt. Ostlausitz.

Verzährche f. verstr. `Verzehrung: Schwindsucht, Tuberkulose´. Siehe auch Auszährche!

verzeebern swv. veralt. `verzaubern´.

verzoappm
swv. umg. `verzapfen: etw. Unsinniges anstellen, ausfressen´.

verzeppern siehe zeppln!

verziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `verziehen´ neben den litspr. Verwendungsweisen auch 1. trans. Riebm verziehn `überflüssige Rübenpflanzen herausziehen´. - 2. refl. `verschwinden, sich heimlich aus dem Staube machen´; wie´ch bezoahln sullte, verzug´ch miech. Kimmt de Schwiegermutter, do verzieh´ch miech. ´s Water hoat´ch verzoin `das (schlechte) Wetter hat sich verzogen´. Lautf.: ´s Watter hoat´ch verzon (Burkau)

verziepst Adj. Ostlausitz, Schlesien `verwirrt, verklebt (Haare)´.

verzippln swv. `den Kühen durch ungeschicktes Melken keine Milch abgewinnen´.

verzwirnt Adj. (eigtl. Part. Prät. von verzwirnen) Cunewalde, Oybin, Zittau `verbittert, verärgert, sehr schlecht gelaunt, zornig, wütend´.

Vetter m. veraltet `Sohn von Bruder od. Schwester eines Elternteils, Cousin´. In der Mundart ursprünglich: Muttersch Bruder Suhn, Muttersch Schwaster Suhn, Voatersch Bruder Suhn, Voatersch Schwaster Suhn.

Vetter Doavd m. Großschönau `Gartensänger´, ein Vogel; später zwitschern o de Vetter Doavde. Lautf.: Vetter Doavid.

Vettl f. abwert. `Vettel: hässliches Frauenzimmer mit schlechtem Charakter´; vu dar aaln Vettl luss mer nischt soin.

Vetzl n. Dim. von `Votze´ siehe Fetzl!

Viduz selt. in der Wendung a hoat zu nischte raajchtn Viduz `er hat zu nichts Neigung, Lust´.

Viebch m. FlN `Viebig, Viehweg: Weg (zwischen den Feldern), auf dem das Vieh zur Weide getrieben wurde´; die wohn uff´m Viebche. Lautf.: Viebcht Ostlausitz, Hintere Sächsische Schweiz

Viech n. Pl. Viechter od. Viecher, Dim. Viechl 1. oft abwert. `Tier´; Koatznviech, heute hoann mer a Haufm Viechter a dr Stube. - 2. übertr. auf Menschen; a grußes Viech `ein Mensch in einer hohen Stellung´, arbeitn wie a Viech. Lautf.: Viecht Niedercunnersdorf.

Viechdukter m. scherzh. Cunewalde, Jonsdorf, Neusorge `Tierarzt´. Lautf.: Viechduchter wSüdlausitz, Viehdukter Burkau, Viecherdukter, Viecherduchter Schirgiswalde.

Viecherei f. umg. `Schinderei´.

Viecherstoal m. `Viehstall´. Lautf.: Viecherstoall.

Viechzeug n. (nur im Sg.) 1. `die Gesamtheit der Haustiere (auch Klein-, insbes. Federvieh)´. - 2. `Ungeziefer´.

Viehbch siehe Viebch!

vier `vor´. 1. als Adv. a. lokal `nach vorn´; tutt oack a bissl vierrickn. - b. lokal `hervor´. - c. temporal `vorhin, vorher´; iech hoa´s´n immer wieder viergekäut. - 2. als Adverbialpartikel in unfesten Zuss.: a. lokal viergihn, avier- od. vurgihn (1.Silbe betont) `vorgehen des Uhrzeigers´; vier-, avier- od. vurguckn (1.Silbe betont); dar guckt dr Underziehrook avier - b. temporal `voraus, vorweg´; vier - od. vurschreibm (1.Silbe betont). - c. in der Fügung `jmdm. etw. vormachen´; vier- od. vurloabern (1.Silbe betont), singn mer oack doaas Lied vier! - 3. als Präp. mit Dat. u. Akk. a. lokal; se lauert vern Hause schunn uff miech; verbch Bautzn Weifa; RA: kee Bloat versch Maul nahm; iech stoand do, wie vern Kupp geschloin; se leeft vur mir. - b. temporal; sull´ch de Oarznei vur´n (betont) oder nooch´n Assn einahm? ver (unbetont) acht Tagn; iech bie irscht ver Juhre a dr Ustsee gewast `ich bin erst im letzten Jahr an der Ostsee gewesen´. - c. kausal; iech bie ver Freede a de Luft gehuppt; ver lauter Unkroattch sitt ees kee Pflanzl ne. - d. mit Dat., in Abhängigkeit von best. Subst., Adj. od. Verben; die hoann Schmirgl vur mir `die haben Angst vor mir´. Lautf.: vier u. vur: betont, zuzuordnen dem mittelhochdeutschen Wort vor; ver (gespr. verr, virr): unbetont, zuzuordnen mhd. vür.

vierbeegn swv. `vorbeugen: durch Maßnahme eine Gefahr od. Krankheit verhindern´; ´s Woasser leeft uns ne glei wieder an Kaller, mer hoann viergebeegt.

Vierbihne f. siehe Vurbihne!

vierbrengn unregelm. refl. `vorbringen: übernehmen, überarbeiten, überanstrengen´; drei Kinder hoat´r gemacht, a wird´ch wull derbei ne viergebrucht hoann.

viere Numerale wie litspr. `vier´; die senn´r (od. sein´r) viere `die sind ihrer zu viert´.

Viereechn `Viereichen: Ort (Wüstung) auf dem Gemeindegebiet Rietschen im °GR, der dem Bergbau weichen musste´; de Viereechner `die Einwohner von Viereichen´.

viergerickt Adj. `vorgerückt´; zer viergericktn Stunde koam o noa de Nubberschleute zu uns rim `zur Nachtzeit, mit Verzögerung kamen auch die Nachbarn noch zu uns´. Lautf.: viergeruckt.

viergihn stv. `vorgehen: passieren, ablaufen´; mir is, oas wenn de Geschichte gestern viergegangn wär.

Viergrusch(n)er m. veralt. `Fünfzigpfennigstück´, nach alter Währung bis 1871 hatten vier Groschen den Wert von 50 Pfennigen; oas grußer Schuljunge krigt´ch zu jedn irschtn an Monate ann Viergruschner.

Vierhängl n. `Vorhang (Vorläufer der Gardine)´ Fanstervierhängl; de Ufebank krigte a neu Vierhängl. Lautf.: Vurhängl.

Vierhemdl n. siehe Vurhemdl!

vierhoann unregelm. V. `vorhaben: etw. unternehmen, sich beschäftigen´.

vierhoon (1.Silbe betont) unregelm. V. `vorhauen: um ein Getreidefeld einen Randstreifen mit der Sense mähen, damit die Mähmaschine ansetzen kann´. Lautf.: vier-, virr-, vur-, -hoon, -haun, -hobm.

vierkneppm swv. `vorknöpfen, sich jmdn. vorknöpfen: jmdn. für einen Fehler od. für sein schlechtes Verhalten tadeln, jmdn. abpassen od. zu sich bestellen u. zurechtweisen od. verprügeln´; dr Schulmeester hoat uns viergekneppt.

vierkumm stv. `vorkommen´. 1. `nach vorn kommen, zum Vorschein kommen´; kumm oack amol vier od. avier. - 2. wie litspr. `sich ereignen, geschehen´; su woaas kimmt a jeder Foamilche amol vier. - 3. wie litspr. `einen bestimmten Eindruck hervorrufen, fühlen´; mir kimmt´s vier, du hoast ann andern.

vierlasn stv. `vorlesen: laut lesen´.

vierlautn swstv. `vorläuten: durch Glockenläuten einen Gottesdienst beizeiten ankündigen od. bei einem Todesfall (am Tag) vor der Beerdigung mit der Kirchenglocke läuten, um die Dorfbewohner aufmerksam zu machen´. Lautf.: Siehe lautn!

viermachn swv. 1. in der Wendung enn woaas viermachn `eine falsche Vorstellung hervorrufen, um jmdn. dadurch zu täuschen´. - 2. in der Fügung mir hoat´s (woaas) viergemacht `ich hatte den irrigen Eindruck, ich hatte Halluzinationen´; dir macht´s wull moanchmol Mannl vier?

Viermittch siehe Virrmittch!

viermittch siehe virrmittch!

viernaajchtn Adv. Oderwitz `vorgestern Abend, vorgestern Nacht´. Lautf.: vurnaajchtn.

viernahme, viernahmcht Adj. siehe vurnahme! Lautf.: virrnahme.

vierrichtn swv. `vorrichten´. 1. `etw. vorbereiten, in Ordnung bringen´; Junge, richt oack schunn ´n Tiesch vier! `Junge, deck nur schon den Tisch!´ - 2. `Speisen od. Viehfutter zubereiten´; is Schweinefutter vierrichtn. - 3a. `reparieren, in Ordnung bringen´; ´s Letterwaajnl vierrichtn. - b. `einen Innenraum renovieren´; uff´s Wuchnende richt mer de Kiche vier.

Vierricke f. Obercunnersdorf `(holzbalkenartiger) Türriegel´. Lautf.: Vurricke.

vierrickn swv. `vorrücken´. 1. `(Tür) mit dem holzbalkenähnlichen Türriegel schließen´. - 2. übertr. °ZI Ebersbach `vorhalten´. - 3. `(Uhr) vordrehen. etw. auf später stellen´; ´n Seeger anne Stunde vierrickn.

vierschirrn swv. Südlausitz, sOstlausitz `vorschirren´. 1.`die Pferde anschirren und vorspannen´. - 2. auch Bihms Koarle `etw. servieren, auftragen, anstellen, zurichten, zurechtmachen, verrückt anziehen, jmdm. etw. vorsetzen, anbieten´; imkrempln und neu vierschirrn; ´n Koaffee vierschirrn; de Braut hoann se viergeschirrt. - 3. `etw. vorrichten, etw. ganz machen´; schirr mer oack wieder de Plumpe vier!

vierschloin (1.Silbe betont) stv. `vorschlagen´. 1. `die nicht aufgebundenen Garben das erste Mal überdreschen´. - 2. `bei Beginn des Flegeldreschens den Takt angeben bzw. als Erster schlagen´. Lautf.: vier-, vur-, -schloin, -schloan, -schloarn.

vierschmeißn stv. `vorwerfen: Vorhaltungen machen, jmdn. für etw. verantwortlich machen, jmdm. die Schuld zuweisen´; du schmesst mer immer meine Mutter vier.

Viersetzer m. `herausnehmbares Abschlussbrett vorn u. hinten am Kastenwagen´.

viersichtch Adj. `vorsichtig´. Lautf.: virrsichtch, vursichtch.

Vierspoanne f. 1. `Vorspannstelle (Stall mit Zugtieren u. Kutscherstube am Fuß eines steil ansteigenden Berges)´. - 2. `Zugtiere, die (zusätzlich) vorgespannt werden´.

Vierstecker m. `Achsnagel, Stift am Achsenende eines Ackerwagens, der das Abgleiten des Rades verhindert; Splint´. Lautf.: Vurstecker.

vierstellch Adj. `vorstellig´; murne war´ch a dr Schule vierstellch `morgen werde ich in der Schule vorsprechen´. Lautf.: vurstellch.

Vierstellche f. `Vorstellung´. 1. wie litspr.; keene Vierstellche dervoone hoann, anne Vierstellche gan. - 2. `Prüfung bei den Soldaten´. Lautf.: Vurstellche.

Vierstoand m. siehe Vurstoand!

Viertchl, Viertchn siehe Virrtchl!

viertroin stv. `etw. vortragen´; a Varrschl viertroin.

vierwartlch Adv. `auf der vorderen Seite, am vorderen Körperteil, von vorn, nach vorn´. Lautf.: vierwärtlch.

Vierzeechn siehe Vurzeechn!

vierziehn (1. Silbe betont) stw. Hintere Sächsische Schweiz, Nordböhmen dass. wie verschniern.

vill Südlausitz 1. unbest. Zahlwort a. wie litspr. `in großer Zahl, in großer Menge´; RA: Woaas zu vill is, is zu vill; uff´m Gierschdurfer Schissn senn immer vill Leute. Volksreim: Wenn´ch will, gitt vill. - b. wie litspr. `eine große Menge´; zu dar is ne vill derzu. - 2. Adv. a. wie litspr. `oft, häufig´; mei Moan gitt vill an Kraatschn. - b. wie litspr. (vor Komp. sowie vor zu + Adj.) `wesentlich, bedeutend, weitaus´; dar Barg is vill hicher; die is mer vill zu eefällch. Lautf.: ville, viel Ostlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz.

villechte Adv. sOstlausitz `vielleicht´, mdal. besser:  amende. Lautf.: vellechte, viellechte.

villerlee Adj. `vielerlei´.

villguschch Adj. selt. `vorlaut, großsprecherisch, naseweis´; villguschche Leute.

villmol Adv. `vielmals´. Lautf. villmo, vielmol, vielmoa.

Virbs siehe Verbs!

Virrmittch (1.Silbe betont) m. Obercunnersdorf, Spitzkunneresdorf `Vormittag´. Lautf.: Viermittch, Vurmittch Cunewalde, Vermittch Burkau, Varmittch Sächs. Schweiz.

virrmittch (1.Silbe betont) Adv. Obercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `vormittags, vor dem Mittage´; kumm oack murne viermittch. Lautf.: viermittch, vurmittch (1.Silbe betont) Jonsdorf, Oberlichtenau, vermittch Burkau, ^NOL Königshain, vermittche (1. od. 2. Silbe betont) Neusorge, viermitts öKürzung, Ostlausitz, Nordböhmen;

Virrtchl n. veralt. 1. Süd- u. Westlausitz `kleine langhalsige Trinkflasche für Schnaps, 1/4 Seidel = 1/8 l enthaltend´; brengn mer oack a Virrtchl Kurn! - 2. °ZI Ebersbach a Virrtchl `ein Viertelliter´, a Hoalbvirrtchl `ein Achtelliter´. Lautf.: Vurrtchl, Virrtchn, Vorrtchl Schirgiswalde, Westlausitz.

Virrtl n. `veraltetes Hohlmaß für Getreide mit einem Fassungsvermögen von etwa 25 l = 1/4 Scheffel´. Ausruf: Do schloi doa glei de Tunne as Virrtl und de Matze as Maßl! Lautf.: Vurrtl, Verrtl, Varrtl, Vorrtl.

Virrtlkurb m. `aus Weidenruten geflochtener zweihenkliger Korb in Form eines Kegelstumpfes´. Lautf.: Siehe Virrtl!

virrz Numerale Südlausitz `vierzehn´; a virrz Tagn kumm´ch wieder heem. Lautf.: vurrz, voarrz Westlausitz.

Visasche f. umg. `Visage´, abwert. für `Gesicht´. Lautf.: Visoasche.

Vitroasche (gedehntes oa) f. `Vitrage: Fenstergardine, (alter) Fenstervorhang (als Vorläufer der heutigen Rollos)´; de Vitroaschn woaschn.

Voater m. `Vater´. 1. wie litspr.; die Frau sagt mit Bezug auf ihren Mann nicht nur ihren Kindern, sondern zuweilen auch anderen Leuten gegenüber unser Voater; mit Voatern und Muttern uff´s Schissn gihn Leutersdorf; ar woar noa von senn Voatern Neukirch. - 2a. `jmd., der für etw., jmdn. sorgt´; Binnvoater. - b. `Inhaber eines Amtes´; Kirchvoater.

Voatermerder m. `Vatermörder´, dass. wie Voatermerderbindl; tu mer oack ´n Voatermerder plattn.

Voatermerderbindl n. `Vatermörderbündchen: gestärkter Stehkragen (mit vorn umgeknickten Kragenecken)´.

Voatertag m. `Vatertag od. Herrentag: Himmelfahrtstag´.

Voaterunser n. `Vaterunser: das christliche Gebet´; von einem sehr mageren Menschen, heißt es: Dann koannst de´s Voaterunser durch de Backn  (od. Rippm) blosn.

Vogl m. Pl. Vogl (Südlausitz) wie litspr. `Vogel´; RA: Du hoast ann Vogl `du bist verrückt´, RA: ´n Vogl oabschissn `Spitzenreiter sein´, de Vogl fliegn as Woarme. Lautf.: Sg. Vugl Ostlausitz, Pl. Veegl, Veechl Westlausitz.

Voglbauer n. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Jonsdorf, Burkau, Oberlichtenau, Girbigsdorf `Vogelkäfig´. Auch Voglgebauer.

Voglbrut n. Weifa `Gemeines Zittergras (Briza media L.)´; auch Voglhoam(p)f.

Voglfuß m `Serradella, Großer Vogelfuß (Ornithopus sativus)´; Schmetterlingsblütler, der als Futterpflanzen im Oberlausitzer Heideland angebaut wurde; uff´m geringn Bodn hutte dr salche Unkl Heedekurn, Hiersche, Voglfuß und Lupin gebaut.

Voglgebauer n. Süd-, sWest- u. Ostlausitz `Vogelkäfig´; se trug a Voglgebauer mit ann Papegeie. Auch Voglbauer.

Voglhäusl n. `Futterhäuschen für die Vögel zum Füttern in Freien´; auch Futterhäusl.

Voglhuckst f. `Vogelhochzeit: ein Fest, das die Oberlausitzer Kinder am 25. Januar feiern; an diesem Tag findet nach einer alten sorb. Überlieferung die Hochzeit zwischen der Elster u. dem Raben statt; auf Tellern, die am Vorabend vor das Fenster gestellt wurden, werden den Kindern Gebäck u. Süßigkeiten als Dank für fleißiges Füttern von der Hochzeitstafel beschert´.

Voglkastl n. Oderwitz `künstlicher Nistkasten für Vögel´, siehe auch Meste!

Voglkirsche f. `wilde Kirsche (Prunus avium L.)´.

vogln swv. vulgär `vögeln: geschlechtlich verkehren´.

Voglmeierch m. Südlausitz, Ostlausitz `Vogelmiere (Stellaria media Villars)´, meist nur Meierch. Lautf.: Voglmeirich nOstlausitz.

Voglmeste f. `künstlicher Vogelnistkasten´.

Voglscheeche f. `Vogelscheuche´; heuer mach mer anne Voglscheeche uff´m Kirschboom.

Voglschissn n. `Vogelschießen: Volksfest, bei dem ein Wettschießen auf einen bunten Holzvogel (Adler) im Mittelpunkt steht; Schützenfest´.

Voglsdurf `Vogelsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ort östlich vom Queis, poln. `Zapusta´.

Voglsteller m. `Vogelsteller, Vogelfänger´.

Vogltriet m. selt. Süd- u. Ostlausitz, bes. wSüdlausitz `Vogeltritt: kleine dürre Fichtenreiser, die auf dem Waldboden liegen; minderwertiges, dünnes Brennholz´; auch Vogltriethulz. Lautf.: Vogltritt.

Voit m. `Vogt: Aufseher auf einem großen Gut, der zum Gesinde gehörte und verantwortlich für Einsatz u. Kontrolle der Arbeitskräfte u. für den Einsatz der Gespanne war; Vorarbeiter´; Hofevoit, Ackervoit, Weibervoit.

vu Präp. mit Dat. Südlausitz, sOstlausitz `von´. 1. lokal: a. wie litspr., den Ausgangspunkt einer Bewegung, eines Geschehens angebend; kumm vu dr Letter runder! Dann sah´ch lieber vu hinn(e) wie vu vurne, do kimmt enner vu dr Steuer `da kommt ein Finanzbeamter´. - b. wie litspr., das Entfernen von einem Ausgangspunkt weg bezeichnend; de Leffl vun Tische nahm. - c. wie litspr., die Herkunft angebend `aus´; du musst doa denkn, iech bie vu Dummsdurf; mei Voater is vu Ruttnburg und meine Mutter vu Ditterschbuch. - 2. temporal, wie litspr., einen zeitlichen Ausgangspunkt od. den Beginn einer Zeit angebend; vu Oaafange oaa. - 3. modal, Art u. Beschaffenheit kennzeichnend; a klenner Karle vu fimf Juhrn, doaas Kleed is vu Soamte. - 4. kausal, wie litspr., die Ursache, den Urheber bezeichnend; vu nischtn wird nischt. - 5. zur Umschreibung des Gen.; ´s Häusl vun Nubber, vu wan/wam is´n doaas Masser? - 6. in Verbindung mit lobenden od. herabsetzenden Bezeichnungen für Lebewesen od. Sachen, auf deren Gattungszugehörigkeit hinweisend; doaas is a Luder vu anner Verkeefern; doaas is anne Seele vu ann Moanne. - 7. vu woaas `wovon´; vu woaase bist´n su a de Breete gegangn? Lautf.: voa; vun, voan Westlausitz, nOstlausitz. In unbetonter Stellung auch r als Auslaut; ver ubm `von oben´, iech stih do wie vern (von dem) Dunner gepucht; war vern Durfe is, wird´s wissn.  Lautf.: von Westlausitz, Kort von Niedersteene `Kurt aus Niedersteina´.

vuhl (gedehntes u) Adj. Süd- u. Ostlausitz vuhler, oan vuhlstn `voll´. 1a. `ganz gefüllt, ohne freien Raum´ (Gegensatz von leer); dr Eemer is vuhl, anne vuhle Schissl, anne Schissvll `eine Schüssel voll´, mit verstärkendem Attr.: geroapplte vuhl, geroappte vuhl, oaanegeroapplte vuhl; ´n Hoals (od. de Pfutn) ne vuhl kriegn kinn `nicht genug kriegen können´.  - b. `satt´; iech bie vuhl. - c. `betrunken´; mei Bruder is vuhl wie anne Blindschleeche od. Rodehacke. - d. RA: an Vuhln sitzn `reich sein´. - 2. wie litspr. a. `vollständig, vollzählig, gesamt´; ´s vuhle Haus hoat´ch an Kraatschnsoaale eigefunn `alle Bewohner des Hauses haben sich im Kretschamsaal eingefunden´. - b. `vollwertig ´ in den RA: woaas od. enn (ne) fer vuhl nahm. - 3. Verbverbindungen, z.B. vuhlplumpm, vuhlsaufm, vuhlgeefern, vuhlloabern. Lautf.: vull u. voll Westlausitz.

Vuhlmond m. `Vollmond´; RA: Dar sitt aus wie dr Vuhlmond zu Pfare `der strotzt vor Gesundheit´. Lautf.: Vullmond.

vuhlsackn swv. `sich voll sacken: viel essen´.

vuhlsaun swv. `vollsauen: schmutzig machen, eindrecken´; musst de denn oalls vuhlsaun?

vul siehe vuhl!

Vulk n. `Volk´. 1. `Gruppe von Personen; Menschen, Leute´; ´s Jungkvulk is schunn gegangn. - 2. abwert. `üble Gesellschaft, Pack, Gesindel´; mit su ann Vulke luss´ch miech ne ei!

vull siehe vuhl!

vulld Adv. `vollends´. 1. wie litspr. `völlig, vollständig, endgültig, ganz´; war oack vulld gesund! - 2. verstärkend, steigernd, etw. hervorhebend, `besonders, erst recht, ganz und gar´; die hoat immer woaas zu wischn, vulld zun Simmde. Lautf.: vullds; vollds Westlausitz.

vulldchn Bihms Koarle dass. wie vulld.

Vulluffs (1. Silbe betont) Pl. Westlausitz `Vollaufs (fingierter FN in verschiedenen RA; Menschen, die aus dem Vollen leben; in Saus und Braus´; dar Tesch (Tisch) es je gedeckt wie bei Vulluffs.

vunander reziprokes Pron. `voneinander: einer von dem anderen´.

vur siehe vier!

Vurberch n. Oppelsdorf, Reibersdorf `Vorwerk: Vorort (mit Ackerwirtschaft)´; Zieg(e)vurberch `eine Häuserzeile am Ortsrand, wo es fast in jedem Haus eine Ziege gab´.

Vurbihne f. söSüdlausitz, msOstlausitz, Spitzkunnersdorf `Vorbühne: Vorraum od. Flur im ersten Stock (Obergeschoss) des ländlichen Wohnhauses´. Lautf.: Vurbihn Hirschfelde, Seitendorf, Vierbihne.

Vurbinder m. Großhennersdorf, Wittgendorf `Vorbinder´. Siehe Vurnevier 2a! Lautf.: Vierbinder.

vurch Adj. (nur attr.) `vorig: vorherige, letzte´; is vurche Varrschl is schinner gewast; mer hoann´ch irscht vurche Wuche gesahn, vurchs Frihjuhr, ´s vurche Mol.

vurdn siehe vurtn!

Vurhängl siehe Vierhängl!

Vurhaus n. `Vorhaus´. 1. selt. `Flur im ländlichen Haus, Hausflur´; durch´s hulperche Vurhaus ging´s a de Stube. - 2. im Dim. Virrhäusl, Vierhäusl od. Vurhäusl `Vorhäuschen: überdachter u. an den Seiten verglaster Anbau vor der Haustür (Veranda)´.

Vurhemdl n. Dim von Vurhemde `Vorhemd: Brustlatz, Hemdbrust, um den Jacken- od. Westenausschnitt zu füllen, mit einem Bündchen versehen, an das ein steifer Kragen geknüpft werden konnte´. Lautf.: Vierhemdl.

Vurmittch siehe Virrmittch!

vurmittch Adv. siehe virrmittch!

vurnahmcht Adj. siehe vurnahme! A richt´ch seine Bude vurnamcht ei.

vurnahme Adj. Neugersdorf 1a. `ausgezeichnet, vorzüglich, sehr gut, fein´; ´s hoat wieder vurnahme geschmackt; de Oarbeit gitt vurnahme `die Arbeit geht gut von der Hand´. - b. `geschmackvoll, elegant, kostbar, sauber´; du gist aber vurnahme oagezoin. - c. Obercunnersdorf, Niederoybin `wirksam´; vurnahme Oarznei. - 2. `der sozialen Oberschicht angehörend od. Anspruch auf eine solche Zugehörigkeit erhebend, bessergestellt´; mit sickn vurnahm Leutn hoa´ch nischt gemeene `mit solchen hohen Persönlichkeiten habe ich nichts gemeinsam´. Lautf.: vurnahmcht(e), viernahme, viernahmcht(e) Cunewalde, Jonsdorf, Schirgiswalde.

vurne Adv. `vorn´. 1. `auf der vorderen Seite, im vorderen Teil, im Vordergrund, an der Spitze, am Anfang´; dann steckn se is Zeug vurne und hinn(e) rei; dar is benn Maajdln vurne und hinn(e) `der ist bei den Mädchen sehr angesehen´; vurne is de Musicke! `Schau nach vorn!´ - 2. unter Skatspielern: du bist vurne! `Du musst zuerst ausspielen!´

vurne droaa Adv. `vorn dran: an 1. Stelle, Sieger, Marktführer´; meine Frooe is meestns vurne droaa.

Vurnevier f. n. 1. Niederoderwitz `Vorderseite, Gesicht´; iech war dr ees a de Vurnevier gan `ich werde dir ins Gesicht schlagen´. - 2a. selt. `Schürze; Vorbinder (eine kleine Schürze, die bei Dreckarbeit zusätzlich über die bessere Schürze gebunden wird)´. - b. veralt. `Chemisett: auf das Hemd aufknöpfbares steifes Vorhemd, nicht viel größer als der Westenausschnitt, nur durch einen Kragenknopf festgehalten´. - 3. (Anton)`Person, die sich vor anderen hervorhebt, immer die Erste sein will od. alles besser weiß.´

vurnevier Adv. `vorn davor: ganz vorn, am Zuge, an erster Stelle stehend, tonangebend´; itze woar Ernst vurnevier.

vurneweg als Adverbialpartikel in unfesten Zuss. 1. lokal `ein Stück voraus´; dr Moan leeft immer vurneweg. - 2. temporal `vorher, zuvor´; iech hoa vurneweg ann Kurnschnoaps durch de Kahle gegussn. Lautf.: vurnewaajg Sebnitz.

vurns siehe vurtn!

Vurrtchl n. siehe Virrtchl!

Vursetzfanster n. Dittelsdorf siehe Fansterviersetzer! Lautf.: Vur-, Vier-, -Virr-, -setzfanster, -soatzfanster.

vursichtch Adj. `vorsichtig´. Lautf.: virrsichtsch, viersichtch.

Vursoaal m. Neugersdorf, Jonsdorf, Dittelsdorf, Sächs. Schweiz dass. wie Soaal! Lautf.: Virrsoaal, Viersoaal um Bautzen.

Vurstoand (1.Silbe betont) m. `Vorstand´ 1. wie litspr. `Leiter od. Leitungsgremium eines Vereins´. - 2. `Bürgermeister´; Gemeenevurstoand.

vurtn (gespr. vurdn) Adv. `vorhin, soeben, gerade erst vorbei´; woaas hoast de vurtn gesoit? Lautf.: vurns, vurtns; vurn Ostlausitz, vorn Westlausitz.

vuwaajn interjektionsartig; Ausdruck des Widerspruchs, der Missbilligung, Abweisung `das trifft nicht zu, das kommt nicht in Frage´; vuwaajn zu späte zun Assn kumm, do gibbt´s nischt mih! Lautf.: vuwaajgn.

Vurzeechn n. `Anzeichen, das auf etw. Künftiges hindeutet; Omen´; bleibt dr Seeger stihn, doaas is kee gudes Vurzeechn. Lautf.: Vierzeechn.