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  1. U

Ub

ubbch Präp. Ober- u. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `oberhalb (von), über´; ubbch dr Haustiere, ubbch´n Schissburne `über dem Schießborn gelegen´; iech wohn ubbch´n Kraatschn; iech loofe uff Rummerch ubbch Gierschdurf. Lautf.: ubch (gedehntes u) Wittgendorf, Schirgiswalde, Oberlichtenau, ibbch Eibau, ubcht Ostlausitz, Nordböhmen, ubbsch Jonsdorf, drubch Zittauer Gebirge.

ubm Adv. Süd- u. Ostlausitz, Stolle `oben´; uff dr Feueresse ubm sitzt anne Koatze. Formen: drubm söSüdlausitz, z.B. Niederoybin, Lückendorf; iech bie drubm ba Zittau har; druhm ° ZI Reichenau, uhm Westlausitz. Vgl. hubm!

ubmdrieber Adv. `oben darüber: oben über allem anderen´; looft oack ubmdrieber!

ubmdruf Adv. 1. `oben darauf: oben auf alles andere, oben auf allem anderen, darüber, aufliegend´. - 2. `obendrein, noch dazu´; dar krigt Guchtns Maajdl und a Häusl ubmdruf. Lautf.: ubmdruffe. Auch hubmdruffe, hubmdruf.

ubmhie Adv. `oben hin´.

ubmnaus Adv. `oben hinaus´: dass. wie ubmraus 1b. u. 2.

ubmnieber Adv. `oben hinüber´; a gitt ubmnieber.

ubmoaa Adv. `oben an´.

ubmraus Adv. 1a. `oben heraus´; a kimmt ubmraus gekruchn. - b. `oben hinaus´. - 2. ` gereizt, eingebildet, stolz´; dar is glei ubmraus `der braust immer gleich auf´, ubmraus sein.

ubmrieber Adv. 1. `oben herüber´; kumm oack ubmrieber! - 2. `oben hinüber´.

ubmrim Adv. `oben herum´; ubmrim hoast de nischt zu suchn!Iech weeß ieber mei Ubmrim Bescheed `ich kenne meinen Oberkörper und meinen Kopf´. Auch hubmrim `hier oben herum´.

uchs´ch (gespr. ucks´ch) `ochsig: widerspenstig, störrisch, grob, ungeschliffen´.

Uchse (gespr. Uckse) m. Dim. Ichsl (gespr. Icksl) od. Echsl (gespr. Ecksl) `Ochse´. 1. `(verschnittenes) männl. Rind´. - 2. übertr. `sturer, uneinsichtiger Mensch; geistig schwerfälliger Mensch; Dummkopf´; Hurnuchse.

Uchsejunge m. veralt.  Mückenhain `Ochsenjunge: bei einem Bauern in Dienst stehender halbwüchsiger Junge im ersten Arbeitsjahr´; wie Guttlieb aus dr Schule woar, koam´r oas Uchsnjunge uff ann Hof. Lautf.: Uchsnjunge.

uchsn (gespr. ucksn) swv. `schwer arbeiten wie ein Ochse´.

Uchsnbauer (gespr. Ucksnbauer) m. `Ochsenbauer: Bauer (einer kleineren Wirtschaft), der nur Ochsen als Zugtiere hält´.

Uchsnooge n. `Ochsenauge´. 1. übertr. `lidförmiges Dachfenster, durch Aufwerfung der Dachhaut gebildet; im Fenster häufig Ziersprossen´. Vgl. Hecht! - 2. um Steinigtwolmsdorf `Fettwiesen-Margerite (Leucanthemum ircutianum DC.)´, als Orakel benutzt. - 3. °NOL Königshain `Spiegelei´.

Uchsnseeche f. Girbigsdorf, Neusorge `die krumme Urinspur, die der Zugochse beim Laufen hinterlässt´; Uchsnseechn foahrn `krumme Furchen ziehen´.

Uchsnziemer m. `Ochsenziemer´. 1. `das getrocknete, als Stock verwendete Glied des Bullen´ (wurde zum Viehtreiben und als Prügelwerkzeug benutzt). - 2. Girbigsdorf `aus einem Holzstiel u. mehreren schmalen Lederriemen bestehende Peitsche´. Siehe auch Siebmriemer!

Uchs(n)zunge f. `Ochsenzunge´, übertr. als Bezeichnung für verschiedene Pflanzen mit länglich-zungenförmigen Blättern, gewöhnlich für großblättrige Ampferarten (Rumex spec.).

ucks´ch siehe uchs´ch!

Uderwitz siehe Uderz!

Uderz veralt. f., ohne Genus `Oderwitz (aus Ober-, Mittel u. Niederoderwitz bestehende Gemeinde im °GR); mer missn durch de Uderze foahrn, a dr Uderz, vu dr Uderz, Äberuderz, Niederuderz. Lautf.: Uderze, Uderwitze f., Uderwitz ohne Genus, de Uderzer (alt) od. Uderwitzer (neu) `Einwohner von Oderwitz´; de Uderwitzer hoann gruße Hemmschlitzer, de Aberschbächer gruße Noasnlecher. Kinderreim: A Uderwitz, do hoat´s geblitzt, do hoann de Bauern su geschwitzt, do hoann se siech a Haus gebaut vu Laberwurscht und Sauerkraut, do is is wieder eigekracht, do hoann se siech hoalb tut gelacht. Od.: A Uderwitz, do hoat´s geblitzt, do hoat´s ´n (beliebiger Namen) de Hemm zerschlitzt, ... Od.: A Uderwitz, do hoat´s geblitzt, do hoat´s´n Weibern ´n Rook zerschlitzt, ...

uf (gedehntes u) Adv. u. in adj. Funktion Süd- u. Ostlausitz `auf´. 1. `in die Höhe, nach oben´; uf und nieder, uf und dervoo! - 2. `aus dem Bett aufgestanden, munter, wach´; dar is schunn uf od. uffe, de Kinder kinn uffe bleibm. - 3. `geöffnet, offen´; dr Loadn is schunn uf, uffe od. uffm. - 4. in der Fügung de Arde is uf `es ist kein Frost mehr in der Erde´. - 5. uf- als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; uflasn, ufziehn, a sparrt´s Maul uf, ufstihn `sich vom Liegen erheben´, uffe stihn `nicht geschlossen sein´. Lautf.: uffe; uff Ober- u. Niedercunnersdorf, Burkau, oaff Westlausitz.

ufackern swv. sSüdlausitz `zum zweiten Mal u. tiefer pflügen, die Winterfurche pflügen´. Lautf.: uffackern.

ufbärschln, ufbärschn swv. meist refl. 1. `sich aufplustern´. - 2. `sich aufrichten, sich aufwölben; sich aufbauschen´; wu´ch´s Tanglst ufbärschlt, kimmt a Pilz raus. - 3. übertr. a. `in der Erregung aufbäumen´; bärsch dch oack ne su uf! - b. `widerspenstig sein, sich sträuben, aufbegehren´, dar tutt´ch waajn jedn Drecke ufbärschn. - c. `sich aufblasen, groß tun, prahlen´. Lautf.: uff-.

ufbeem swv. `aufbäumen´. 1a. `bei der Handweberei die Längsfäden des herzustellenden Gewebes, die sog, Kettfäden, auch Werfte od. Kette genannt, (von der Zopfform her) auf den Kettbaum in der Breite der zu webenden Ware durch den Reetkoamm (Rietkamm) wickeln´; de Warfte ufbeem. Zu dieser Tätigkeit wurden drei Personen benötigt, dr Beemer (Bäumer), der mit dem Drähknittl (Drehknüttel) den Garnbaum drehte, der Rietkammführer und der Zoophaaler (Zopfhalter). - b. selt. `die Ware, das fertige Gewebe, das der Weber auf dem Handwebstuhl hergestellt hat, auf den Warenbaum wickeln´. - 2. Süd- u. Ostlausitz `Wäsche beim Mangeln um das Mangelholz wickeln´. - 3. `längs über das Heufuder eine starke Stange legen, diese kräftig niederdrücken, mit je einem Seil vorn u. hinten verschnüren u. damit der Ladung einen festen Halt geben´. Lautf.: uffbeem.

ufbeißn swv. Konjug. siehe beißn! West- u. Ostlausitz `einem Pferd das Gebeeße anlegen´. Lautf.: uff-, oaffbeißn.

ufbirschtn (gespr. ufbirrschtn, ufburrschtn) swv. Großhennersdorf, Ostritz `aufregen, aufbegehren, sich stark machen, sich sträuben´, auch ufbärschtn.

ufblosn stv. `aufblasen´. 1. `Atemluft ausstoßen, um etwas mit Luft zu füllen´. - 2. refl. sich ufblosn `grosstun, angeben´. Lautf.: uffblosn.

ufbludern siehe ufpludern!

ufboammln swv. `sich od. etw. aufhängen´; a hoat´ch ufgeboammlt `er hat sich erhängt´. Lautf.: uf-, uff-, oaff-, -boammln, -bammln.

ufbrumm swv. `mit etw. reichlich eingedeckt werden, viel übertragen bekommen´; dr Lehrer hoat mer ann Haufm Schuloarbeitn ufgebrummt.; iech krigte virrz Tage ufgebrummt `ich wurde 14 Tage eingesperrt´.

ufbuckln swv. `aufbürden; sich eine schwere Last auf den Rücken heben´.

ufdackln swv. refl. `sich herausputzen, sich auffällig kleiden u. schminken´; die hoat´ch aber wieder ufgedacklt. Lautf.: uffdackln.

ufdärmern swv. (refl.) Obercunnersdorf, Seifhennersdorf, Nordböhmen `sich auftürmen, sich aufrichten, sich ausstrecken´; a Water därmert´ch uf; ´s tutt ufdärmern. Lautf.: uffdärmern, uf(f)termern.

ufdrähn swv. 1. litspr. `durch Drehen öffnen´. - 2. in der Wendung sich woaas ufdrähn lussn `sich beim Einkaufen (minderwertige Ware) aufschwatzen lassen´. Lautf.: uffdrähn.

ufdriesln swv. `aufdröseln´. 1. trans. `etw. mehrfach Gedrehtes (z.B. eine Schnur) drehend auflösen, Fäden in Fasern zerlegen´. - 2. intrans. `sich in einzelne Fäden od. Fasern auflösen, sich aufdrehen; ausfransen´; ´s Bändl drieslt schunn uf. Lautf.: uffdriesln.

ufdunnern swv. refl. `sich auffällig kleiden, sich (geschmacklos) herausputzen´. Lautf.: uffdunnern.

Ufebank f. Dim. Ufebänkl `Bank am oder um den Ofen, die ihn meist auf drei Seiten umschließt´. Lautf.: Ufmbank, Ufmbänkl.

Ufegoabl f. `Gabel mit Holzstiel, gebraucht zum Rücken der (hohen zweihenkligen) Töpfe, wenn sie in den (in der Stube stehenden) Ofen (vom Hausflur aus) unmittelbar in die Glut gesetzt wurden´. Lautf.: Ufmgoabl.

Ufehaajkl n. `Ofenhäkchen; Feuerhaken; eiserner Haken zum Schüren des Feuers´. Lautf: Ufmhaajkl, Ufehäkl, Ufmhäkl.

Ufehitsche f. Dim. Ufe- od. Ufmhitschl `am Ofen verwendete Fußbank´.

Ufekraajgl n. dass. wie Ufekricke. Lautf.: Ufmkraajgl.

Ufekranz m. Dim. Ufekränzl `der vorstehende, in halber Höhe des Ofens herumlaufende ziemlich breite Rand am Ofen in der Bauernstube, auf welchen man gewöhnlich die Späne zum Trocknen legte´. Lautf.: Ufe-, Ufm-, -kranz, -kränzl, -kranzl.

Ufekricke f. `Ofenkrücke: Ofenkratze, altes Gerät aus Holz, aus Stange u. Querbrettchen bestehend´ (diente zum Herausziehen der Feuerungsrückstände aus dem Ofen od. zum Verteilen der Feuerung im Ofen). Lautf.: Ufmkricke.

Ufelooch n. `Ofenloch: Ofenöffnung für Brennmaterial´; vern Ufeluche stihn; wenn de Funkn aus´n Ufeluche kumm, kimmt Besuch. Lautf.: Ufmlooch, Ufmloch.

Ufepfoanne f. siehe Pfoanne! Lautf.: Ufmpfoanne.

Uferändl n. `Sims des Kachelofens auf dem Messer, Gabeln und Salzfässchen aufbewahrt worden sind´.

Uferihr n. `Ofenröhre´. Lautf.: Ufmrihr.

Uferihre siehe Rihre! Lautf.: Ufmrihre!

Uferohm siehe Rohm! Lautf.: Ufmrohm.

Ufestängl n. Dim. von Ufestange `oben um den Ofen herumgeführte Stangen, in der Wand befestigt u. in den Ösen eiserner Halterungen ruhend, die in die Decke eingelassen sind´ (meist zum Trocknen von Wäsche u. nasser Kleidung benutzt). Lautf.: Ufmstängl.

Ufetitte f. 1. `Ofenrohr´. - 2. übertr. scherzh. Bihms Koarle `Zylinderhut´. Lautf.: Ufe-, Ufm-, -titte, -tute.

Ufetoop m. Pl. Ufeteppe `Ofentopf´. 1. `in den Ofen eingebauter Behälter zum Erwärmen von Wasser´; dar sitt aus wie a kipperner Ufetoop. - 2. Bihms Koarle `kupferner Warmwasserbehälter´. Lautf.: Ufmtoop.

uff Präp. `auf´ 1. lokal a. mit Dat. auf die Frage wo? Uff´m Kirschboome sitzt a dicker Stoarmoatz. - b. mit Akk auf die Frage wohin? Uff Oarbeit gihn, uff de Pust foahrn. - c. vor zusammengesetzten Richtungsadverbien, die auf -zu enden; uff ruffzu `nach oben´, uff heemzu `heimwärts´. - d. vor Ortsnamen `nach´; se hoat uff Schimmch geheiroat; iech foahr murne uff Gierschdurf. - 2. temporal a. zur Angabe des Zeitpunktes `zu, an´; uff de Letzt `zuletzt´, uff´m Sunntche `am Sonntag´, a Virrtl uff dreie Neugersdorf `2.15 Uhr od. 14.15 Uhr´, dreivirrtl uff zahne `9.45 Uhr od. 21.45 Uhr´. - b. zeitliches Nacheinander bezeichnend `nach´; do vergitt ees uff´s ander. - 3. modal, die Art u. Weise angebend; uff sei Aalder is´r noa gutt basoamm. - 4. final, den Zweck angebend; se gitt uff ann Braasch zer Nubbern `sie geht zum Quatschen zur Nachbarin´; lusst oack euern Jungn uff Dukter oder uff Uffgoate studiern! `Lasst nur euren Sohn zu einem Doktor oder Rechtsanwalt ausbilden!´. - 5. in fester Abhängigkeit von anderen Wörtern; uff doaas Gejauer mitz´ch druf `auf das schauerliche Gesinge verzichte ich´. - 6. vor einen Namen stehend; mer rufftn uff Fritzn `wir riefen ihn auf den Namen Fritz´. Lautf.: off, oaff Westlausitz.

uffe siehe uf!
uffe Adj. `offen, nicht geschlossen´; a goaffte mit uffm Maul.

uffe hoann unregelm. V. `geöffnet haben, nicht verschlossen sein´; ´s Museum hoat ´n ganzn Tag uffe. Siehe uf!

Uffgoate m. Obercunnersdorf `Advokat: Rechtsanwalt´; bleib mer mit denn Uffgoatn vun Hoalse! Lautf.: Oaffgoate.

uffihrn swv. `aufführen, darbieten, durchführen, verhalten, sich in bester od. schlechtester Weise benehmen´; wenn unser Jingl Spinoat assn sull, woaas dar do oallemol (fer a Sticke) uffihrt; woaas Schienes hoat´r do ne ufgefuhrt. Lautf.: ufffihrn, uffuhrn, ufffuhrn.

uffoahrn stv. `auffahren´. 1. Abern uffoahrn Jonsdorf, Oberlichtenau `die Kartoffelzeilen mit dem Pflug aufreißen´, auch ufruhrn. - 2. `bei einem Gastmahl reichlich auftafeln´. Lautf.: ufffoahrn.

Uffzier m. `Offizier´. Lautf.: Uffezier.

ufgaudern swv. refl. `Laute erzeugen und vor Aufregung rot werden wie ein Truthahn, sich aufblasen, sich aufspielen´. Lautf.: uffgaudern.

Ufgebitte n. `Aufgebot´. 1. `öffentliche Aufforderung zur Anmeldung od. Ermittlung von Rechten od. Tatsachen´. - 2. `öffentliche Bekanntmachung einer beabsichtigten kirchlichen Trauung od. standesamtlichen Eheschließung´; wenn kinn mer (gespr. kimmer) zun Ufgebitte kumm? Lautf.: Ufgebiete, Ufgebote, Uffgebot.

ufgeblunsn Adj. Seifhennersdorf, Bertsdorf `aufgedunsen, geschwollen´.

ufgedunnert Adj. (eigtl. Part. Prät. von ufdunnern) `auffällig gekleidet, geputzt´; RA: ufgedunnert wie a Pfingstuchse. Lautf.: uffgedunnert.

ufgekroatzt Adj. (eigtl. Part. Prät.von ufkroatzn) `gut gelaunt, sehr lebhaft, sehr vergnügt, übermütig, wie aufgezogen´; gemittlch und ufgekroatzt.

ufgeräumt Adv. (eigtl. Part. Prät von ufräum) `aufgeräumt: nach getaner Arbeit mit Gott und der Welt zufrieden, sich selbst nicht im Wege´; de Liese woar immer vergniegt und ufgeräumt; de Nubberschfrooe woar wie ufgeräumt. Siehe auch ufräum!

ufgesoatzt Adj. (eigtl. Part. Prät. von ufsoatzn) `aufgesetzt: mit Alkohol übergossene Früchte od. Kräuter, um einen Auszug daraus zu gewinnen und Magenschnaps od. Einreibung herzustellen´; ufgesoatzter Klie, ufgesoatzte Kroaazbärn.

ufgetacklt (gespr. ufgedacklt) Adj. ugs. `aufgetakelt: auffällig, aber geschmacklos, gekleidet´. Lautf.: uffgetacklt.

Ufgetue n. Taubenheim dass. wie Uftue.

ufgihn unregelm. V. Konjug. siehe gihn! wie litspr. `aufgehen´; de Tiere gitt uf `die Tür öffnet sich´; de Sunne giht oan Murgn uf `die Sonne geht im Osten auf´, RA: Mir is a Seefmsieder od. Lichtl ufgegangn `mir ist plötzlich etw. klar geworden´, ufgihn wie a Häfekließl `an Volumen zunehmen, dick werden´.

ufgoabln swv. `aufgabeln: etw. ausfindig machen, zufällig finden, irgendwoher bekommen, jmdn. kennen lernen´; dar hoat zer Musicke anne neue Hiesche ufgegoablt. Lautf.: uffgoabln.

ufgroabln swv. Obercunnersdorf, °ZI Reichenau `aufraffen; sich (nach einer Krankheit) erholen und wieder aufstehen´.

ufhaaln stv. Konjug. siehe haaln! `aufhalten´. 1. wie litspr. `etw., jmdn. daran hindern, sich vorwärts zu bewegen; zurückhalten; zum Stehen bringen´. - 2. `etw. geöffnet halten´; de Hände ufhaaln. - 3. `refl. `irgendwo lange verweilen, bleiben´. Lautf.: uffhaaln.

ufheeßn stv. Jonsdorf enn ufheeßn `jmdn. nötigen aufzustehen, jmdn. antreiben, Beine machen´; iech war glei ´n Jungn ufheeßn. Lautf.: uffheeßn Niedercunnersdorf.

Ufhenker m. Süd- u. Ostlausitz `Aufhänger: Bändchen an Kleidungs- od. Wäschestücken´. Lautf.: Uffhenker.

ufhiern swv. `aufhören: ein Ende nehmen´; RA: Do hirrt doa glei de Kacke uf zu stinkn! `Das ist ja unerhört!´ Lautf.: uffhiern, uf(f)härn.

ufhoalsn swv. umg. `aufhalsen: jmdm. etw. aufbürden, aufdrängeln´; mir hoann se´s Reenemachn o noa ufgehoalst.

ufhuckn swv. `aufhocken: aufbürden; etw., jmdn. zum Tragen auf den Rücken od. auf die Schulter(n) nehmen; sich auf den Rücken eines anderen setzen´; is Buhschweibl hoat´ch ´n Bucklkurb ufgehuckt. Lautf.: uffhuckn.

ufkapern (gedehntes a) siehe ufkoappern.

ufkneppln swv. dass. wie ufkneppm; ´s Hemde ufkneppln. Lautf.: uffkneppln.

ufkneppm swv. `aufknöpfen´. 1. wie litspr. - 2. übertr.; knepp deine Uhrn uf! `höre gut zu!´ Lautf.: uffkneppm.

ufkoappern swv. refl. `sich aufregen, sich erregen; provozieren, kampfeslustig aufführen ´; tu dch oack ne irscht ufkoappern! Lautf.: uffkoappern, ufkappern Spitzkunnersdorf, ufkapern (gedehntes a) Seifhennersdorf.

ufkraajgln swv. `sich erheben (alte, gebrechliche Menschen), (mühevoll, ungeschickt) aufstehen, unbeholfen auf die Beine kommen´; a is mit´n Bratln hiegefloin und sachte wieder ufgekraajglt.

ufkumm stv. `aufkommen´. 1. `hochkommen, auf die Beine kommen´; ´s soahg biese mit´n aus, aber a is noamol ufgekumm. - 2. wie litspr. `entstehen u. Verbreitung finden´; iech weeß ne, war die Berädche ufgebrucht hoat, ´s wird benn Weibern ba dr Plumpe ufgekumm senn. - 3. Schlegel enn woaas ufkumm `jmdm. etw. klar werden, bewusst werden´; doaas is mer do irscht ufgekumm. Lautf.: uffkumm, uffkomm Westlausitz.

uflasn stv. 1. `auflesen: aufheben, mitbringen, sammeln, an sich binden´; wu hoast´r oack de Mosern ufgelasn? - 2. a Ufgelasner `ein Aufgelesener: Kind einer ledigen Mutter und eines nicht eindeutigen Vaters´.

ufloadn swstv. Konjug. siehe loadn! wie litspr. `aufladen´; und war loadd de Säcke uf? Die hoat´ch mit dann Karln woaas ufgeloadd od. ugfeloadn `die hat es mit dem Manne schwer´; dar hoat enn ufgeloadd `der ist betrunken´. Lautf.: uffloadn.

Ufloge f. `Auflage: Aufenthalt ´; an Kraatschn hoann de Bauerschleute ihre Ufloge. Lautf.: Uflog öKürzung.

ufloofm stv. `auflaufen´. 1. `dick werden, anschwellen´; de Pfare loofm uf, se hoann zu vill Siede gefrassn; iech hoa mer de Fisse ufgeloofm. - 2. `Saat aufgehen´; de Soot leeft uf. - 3. in der Wendung de Kuhe is ufgeloofm `die Kuh hat sich überfressen´. - 4. enn ufloofm lussn `jmdn. bewusst in die Irre gehen od. an etw. Falsches glauben lassen´. Lautf.: uffloofm, oaffloofm.

Ufm (gedehntes u) m. Pl. Iefm `Öfen´, Dim. Iefl Niedercunnersdorf od. Iefchl `Öfchen´ 1. `gekachelter od. eiserner Ofen zum Kochen u. Heizen´, bei alten Öfen war die Ofenöffnung auch im Hausflur; Ufmtierdl od. Ufetierl (Bihms Koarle), Neusorge `Ofentürchen´, Ufmblaajch od. Ufeblaajch `Ofenblech´, Ufmrihre, Uferihre, Ufmrihrl od. Ufmrihr `Ofenröhre´, Ufe- od. Ufmruhr `Ofenrohr´, Summerufm Obercunnersdorf `Herd´, Winterufm `Kachelofen´; doaas woar a Schuhß an Ufm `die Aktion hat nichts gebracht´. - 2. `Backofen´.

ufmachn swv. `aufmachen´ 1. `öffnen´; dr Loadn, dr Brief od. is Fanster warrn ufgemacht; RA: a Foaaß ufmachn. - 2. `aufhängen´; meine Frooe hoat gestern neue Goardinn ufgemacht. - 3. `loslaufen, aufbrechen´; mer hoann´ch uff´m Kupper ufgemacht `wir sind losgelaufen, um den Kottmar zu besteigen´. Lautf.: uffgemacht.

ufmannln swv. refl. `sich aufrichten, auf die Hinterbeine stellen (bei Tieren), Männchen machen´; wenn´ch aus dr Foabricke kumm, mannlt´ch unser Hindl glei uf. Lautf.: uffmannln.

ufmäusln swv. refl. `nach einer Krankheit wieder auf die Beine kommen, wieder gesund werden und aufstehen´; de Grußemutter hoat´ch wieder ufgemäuslt. Lautf.: uffmäusln.

Ufmbank siehe Ufebank!

ufmellern swv. `trockenen Erdboden mit der Hacke oder dem Grubber lockern, Staub aufwirbeln´. Lautf.: uffmellern, uf-, uffmillern, uf-, uffmallern. Siehe auch mellern!

Ufmgoabl siehe Ufegoabl!

Ufmhaajkl siehe Ufehaajkl!

Ufmhitsche siehe Ufehitsche!

Ufmkraajgl dass. wie Ufekricke.

Ufmkranz siehe Ufekranz!

Ufmkricke siehe Ufekricke!

Ufmlooch siehe Ufelooch!

Ufmpfoanne siehe Pfoanne! Lautf.: Ufepfoanne.

Ufmrändl n. siehe Uferändl!

Ufmrihr n. söSüdlausitz, Ostlausitz dass. wie Uferihre, siehe Rihre! Lautf.: Ufmriähr.

Ufmrihre siehe Rihre!

Ufmstängl siehe Ufestängl!

Ufmtitte siehe Ufetitte!

Ufmtoop siehe Ufetoop!

ufmuckn swv. `aufbegehren, heftig widersprechen, laut u. deutlich seine Meinung sagen´; iech sullde schunn wieder Nachtschicht machn, do hoa´ch aber ufgemuckt. Lautf.: uffmuckn.

ufmucksn swv. Neusorge dass. wie ufmuckn. Lautf.: uffmucksn.

ufmutzn swv. 1. Seifhennersdorf, Wittgendorf dass. wie ufmuckn. - 2. in der Fügung enn woaas ufmutzn `jmdn. etw. vorwerfen, tadeln´; dr Pfoarr misste mir wieder meine Fahler ufmutzn. Lautf.: uf(f)muhzn.

ufnahm stv. `aufnehmen´; neben den litspr. Bedeutungen `warten´; benn Fleescher koannst de lange ufnahm!

ufneetern swv. °NOL Königshain `etw. Gestricktes od. Genähtes lösen, etw. entwirren´. Lautf.: uf-, uff-, -neetern, -nätern.

ufnietchn swv. `jmdm. etw. aufdrängeln, aufschwatzen; jmdm. etw. schenken wollen, was derjenige (aus Bescheidenheit) nicht annehmen will´; meine Mutter misst´s´r richtch ufnietchn. Lautf.: uffnietchn.

ufpapln swv. siehe papln! Se hoat´n ufgepaplt.  Lautf.: uffpapln.

ufplädern swv. refl. °ZI Ebersbach dass. wie ufpludern. Lautf:. uf-, uff- -plädern, -pleedern, -pladern.

ufploatzn swv. enn ufploatzn `jmdm. aufwarten, jmdn. bedienen´; ieberoal krigt´r ufgeploatzt. Lautf.: uffgeploatzt.

ufpludern swv. (meist refl.) 1. `aufplustern, aufblasen, durch Luftzufuhr an Volumen zunehmen´; de Sparrlche sitzn ganz ufgepludert uff´m Ästl. - 2. übertr. auf Personen `großtun, angeben, sich aufblasen´.

ufpulstern swv. `aufpolstern´; de Stroße ufpulstern `die Straße mit Baumaterial vorrichten, Decke aufziehen´.

ufräum swv. `aufräumen´. 1a. wie litspr. `etw. (wieder) in einen ordentlichen Zustand bringen, Ordnung machen´. - b. `verzeihen, Zwistigkeiten abbauen´; räumt uf minander! - 2a. wie litspr. `etw. wegräumen, wieder an seinen Platz stellen´; iech muss immer dei Spielzeug ufräum! - b. räum dch uf! `Verschwinde, hau ab!´ - 3. `heiraten, ehelichen, verheiraten´; Seefmwoajner hoat meine Schwaster ufgeräumt; ´s Nubbermaajdl is ufgeräumt. - 4. `sich an einem traditionellen Platz aufhalten bzw. befinden und nicht im Wege sein´; de Manner gihn noa dr Kirche an Kraatschn, do senn se ufgeräumt. - 5. `begraben´; gestern hoann se de Jule uff´m Kirchhofe ufgeräumt. Lautf.: uffräum.

ufribbln swv. selt. `Gestricktes auftrennen´; Wulle ufribbln.

ufriedern swv. `aufrühren; etw. Zurückliegendes wieder ins Bewusstsein bringen´. Lautf.: uffriedern, offriedern Westlausitz.

ufroappln swv. refl. umg. `aufrappeln: sich mit Mühe erheben, aufstehen; nach schwerer Krankheit wieder auf die Beine kommen´. Lautf.: uffroappln.

ufruhrn swv. Jonsdorf `bei der Kartoffelernte mit dem Hakenpflug, mdal. Ruhrhokn, die Kartoffeln freilegen´; mer wulln heute de Abern ufruhrn. Lautf.: uffruhrn; ufruhrdn Neusorge.

ufrulln swv. `aufrollen´, in der Wendung is rullt nischt uf `es passiert nichts, es ist nichts vorhanden´. Lautf.: uffrulln Neukirch.

ufsäss´ch Adj. `aufsässig: aufmüpfig, bockig, rechthaberisch, respektlos, störrisch, trotzig, unbequem, unfolgsam´. Lautf.: uffsäss´ch.

ufscheechn swv. `aufscheuchen: jmdn. von seinem Platz auftreiben, jmdn. vom Sofa oder Stuhl verjagen´.

ufschinn unregelm. V. refl. `sich verletzen´. Lautf.: uffschinn.

ufschittn swv. `aufschütten´. 1. wie litspr. du häbst´n Groabm aus und schittst ´n Dreck uff dr linkn Seite uf! - 2. `anstellen, ausfressen, (Hindernis) errichten´; woaaas hoast´n do nu wieder ufgeschutt? Lautf.: uffschuttn.

ufschloin stv. `aufschlagen´. 1. `ein Ei öffnen´. - 2. `ein Buch öffnen´. - 3. `teurer werden´; itz schlätt dr Sprit egoal uf. - 4. `einen Ärmel oder ein Bein eines Kleidungsstückes etw. einschlagen´. Siehe schloin! Lautf.: uffschloin, oaffschlorn Großröhrsdorf.

Ufschneider m. `Aufschneider, Angeber´. Lautf.: Uffschneider. Siehe auch Spreeßer!

ufschnelln swv. `ruckartig aufspringen´. Siehe auch schnelln!

ufschnoappm swv. umg. `aufschnappen: etw. hören, mitbekommen´. Lautf.: uffschnoappm.

ufsetzn unregelm. V. `aufsetzen´ Konjug. siehe setzn! 1. wie litspr. `(Hut od. Mütze) auf den Kopf setzen´. - 2. `(auf-)schichten (Holz od. Kohle)´; murne wird de Scheitlfeie ufgesoatzt! - 3. `Früchte, Pflanzenteile, Kräuter mit Alkohol übergießen, um einen Auszug daraus zu gewinnen, Magenschnaps od. Einreibung herzustellen´; mir setzn o heuer wieder schwoarze Gehoanne uff Kurn uf. - 4. wie litspr. `ein Schreiben entwerfen, abfassen´. - 5. senn Kupp ufsetzn `auf seinen Willen beharren, widerspenstig sein´. Lautf.: uf-, uff-, -setzn, -soatzn, -satzn.

Ufsoatzbratl n. Dim. von Ufsoatzbrat, meist Pl. Ufsoatzbrate `Brett, das auf die Längswände des Kastenwagens aufgesetzt wird, um diese zu erhöhen und damit den Laderaum (zur Kartoffel- u. Rübenernte) zu vergrößern´; wenn Tasse od. Suppenteller bis zum Rande gefüllt worden ist, heißt es scherzh.: Mach oack a Ufsoatzbratl ubm druf! Lautf.: Uffsetzbratl, Ufsetzbratl, Uffsoatzbratl.

ufsingn stv. `aufsingen´, in der Wendung enn zu woaase ufsingn `jmdn zu etw. (meist zu einem dummen Streich) überreden, aufhetzen, anstiften´; de Saufbrieder hoann Lichtlhanse ufgesungn, de Schwiegermutter aus´n Hause zu join. Lautf.: uffsingn.

ufsparrn swv. `aufsperren: etw. aufmachen, weit öffnen´; sparr de Leffl uf, dermit de woaas hirrscht! Lautf.: uffsparrn, -sperrn.

ufspickn swv. `aufspießen´.

ufspieln swv refl. siech ufspieln `sich aufspielen, sich wichtig tun´.

ufsteckn unregelm. V. `aufstecken´. 1. wie litspr.; iech stackte de Lichtl uff´m Christboom uf. - 2. `Spule auf eine Spindel stecken´; iech hoa oalle Pfeifl ufgestackt. - 3. verstr. `Grünfutter od. Heu in die Raufe geben´. - 4. doaas Kummt ufsteckn `dem Pferd das Kumt anlegen´. - 5. `aufgeben´; oack ne ufsteckn! - 6. `etw. machen, bewerkstelligen, aufführen´; iech weeß is o, oack doaaß´ch ne su a gruß Geschnoaffer ufstecke. Lautf.: uffsteckn, uf(f)stackn.

ufstihn stv. `aufstehen´; benn jungn Leutn sitt´s aus wie noa´n Ufstihn `ungeordnet, ungepflegt, unangenehm riechend mit Erwartung auf Änderung´. Lautf.: uffstihn.

ufstirzn (kurzes i) swv. Jonsdorf, Schirgiswalde, Neusorge `aufstülpen, in Schräglage aufstellen, zum Trinken ansetzen´; de Taller ufstirzn. Lautf.: uffstirzn, oaffstoarzn Westlausitz.

ufstitzch Adj. in der Fügung ufstitzch warn `stutzig, aufmerksam, misstrauisch, hellhörig werden´; wie mei Moan irscht a dr Nacht heem koam, wurd´ch ufstitzch. Lautf.: uffstitzch, uf(f)stutzch.

ufstreefln swv. `hochstreifen, hochkrempeln´; streefl oack de Arml uf, ´s neue Hemde wird ganz dreckch! Lautf.: uffstreefln

ufstriffln swv. dass. wie ufstreefln. Lautf.: uffstriffln.

ufstußn stv. `aufstoßen´. 1. wie litspr. `aus dem Magen aufgestiegene Luft ausstoßen, rülpsen´; übertr. miech stisst dr Bauer uf `an meinem Verhalten und Sprechen erkennt man, dass ich Bauer bin´. - 2. `Erde, Hügel aufwerfen (Maulwurf)´; dr Mootwurf hoat wieder ufgestußn. - 3. `aus dem Wasser schnellen (Fische)´. Lautf.: uffstußn.

ufsumm swv. `aufsummen: überreden, aufhetzen, aufsingen´; luss dch ne zu jeder Teiflei ufsumm! Lautf.: uffsumm.

ufte (kurzes u) Adv. `oft´; Komp. eftersch od. iftersch `öfters´.

uftermern siehe ufdärmern!

uftischn swv. `auftischen´. 1. `auf den Tisch an Essen und Trinken auftragen´. - 2. übertr. `etw. weismachen, (Unwahrheiten) erzählen, Lügengeschichten anbringen´; ann Reefmschoadn hätt´r gehoat, wullt´r mir uftischn. Lautf.: ufftischn.

uftitschn (kurzes i) swv. dass. wie uftunkn. Lautf.: ufftitschn.

uftittn swv. `aufschreien´. Lautf.: ufftittn.

uftofln swv. `auftafeln: die Tafel reichlich decken´. Lautf.: ufftofln Obercunnersdorf.

uftoon swv. `auftauen´. 1. wie litspr. - 2. `(nach anfänglicher Scheu) in Erscheinung treten, sichtbar werden, sich zeigen´.

ufträmpln swv. `(fest u. laut, im Zorn) mit den Füßen od. dem Schuhwerk auftreten´, trämpl ne su uf, de Decke kimmt runder! Lautf.: uffträmpln, uf(f)troampln.

uftroign swv. 1. `auftrocknen, eine Flüssigkeit aufwischen´; mit´n Hoader uftroign. - 2. `(Geschirr) abtrocknen´. Lautf.: ufftroign.

uftroin stv. `auftragen´. 1. `servieren, Tisch decken´. - 2. `angeben, protzen´; dar trätt aber dicke uf!

Uftuche f. dass. wie Uftue. Lautf.: Ufftuche Wehrsdorf, Steinigtwolmsdorf.

Uftue f. `Kuchenbelag: Mohn, Quark, Pflaumen, Streusel´. Lautf.: Ufftue Niedercunnersdorf.

uftun stv. `auftun´ 1. `öffnen´; dar loigt´wenn´r de Frasse uftutt. - 2. `den Kuchen mit Quark, Mohn, Pflaumen, Streusel usw. belegen´; iech gih ´n Kuchn uftun. Lautf.: ufftun.

uftunkn swv. `auftunken´. 1. `eine Flüssigkeit auftupfen, mit etw. aufsaugen´; iech hoa mit´n troign Wischehoader doaas Pfitzl ufgetunkt. - 2. `den Boden berühren (Kleider u. Röcke)´; de langn Huckstkleeder tunkn oalle an Drecke uf. Lautf.: ufftunkn.

ufwälkern swv. Süd- u. Westlausitz `etw. aufwickeln (bes. Garn), hochkrempeln, (sich im Bett) hin und herwälzen u. dabei aufdecken´. Lautf.: uffwälkern, uf(f)wälgern.

ufwärm swv. `aufwärmen, etwas (Gekochtes) noch einmal warm machen´; ´s gibbt oack woaas Ufgewärmtes vun Mittche. Lautf.: uf-, uff-, -wärm, -warm, -wirm.

Ufwäschern f. `Frau, die schmutziges Geschirr abwäscht´.

ufwettern swv. Obercunnersdorf, Cunewalde `achtlos und kraftvoll aufhauen, zerschmettern´; a senner Raasche hoat´r´sch Blumsteckl ufgewettert. Lautf.: uffwettern.

Ufwoartche f. `Aufwartung: Anstands- bzw. Antrittsbesuch´; dr neue Nubber will hinte seine Ufwoartche machn.

Ufwoasch m. (nur im Sg.) `Aufwasch, Abwasch´. 1. `das Reinigen, Spülen des gebrauchten Geschirrs´; RA.: ´s is a Ufwoasch `das lässt sich alles zusammen erledigen´. - 2. `nach dem Gebrauch zu reinigendes Geschirr´; schoaff oack dan ganzn Ufwoasch a de Kiche! Lautf.: Uffwoasch.

Ufwoasch(e)fassl n. Cunewalde, Neusorge urspr. `fassförmiges, hölzernes Gefäß, in dem das Geschirr gespült wurde´, heute dass. wie Ufwoaschoasch. Lautf.: Uffwoaschfassl.

Ufwoasch(e)fleckl n. `Abwaschlappen´.

Ufwoasch(e)noapp m. `Abwaschnapf´.

Ufwoasch(e)oasch (oa in beiden Fällen kurz) m. Cunewalde, Schirgiswalde `Emailleschüssel od. -becken, in denen das Geschirr gespült wird´. Lautf.: Uffwoaschoasch Burkau.

Ufwoasch(e)woasser n. `heißes Wasser zum Abwaschen´.

ufwoaschn stv. `aufwaschen, abwaschen: gebrauchtes Geschirr reinigen, spülen´. Lautf.: uffwoaschn.

ufwumpm swv. `dumpf aufschlagen, aufdonnern´. Lautf.: uffwumpm.

ufwurzln swv. selt. selt. Südl., verstr. Westlausitz 1. `sich beeilen bei der Arbeit, dranbleiben an einer Tätigkeit, zügig arbeiten´; mer mechtn a bissl ufwurzln, dermit mer´n Feierobd ne verpoassn. - 2. `schelten, Klartext sprechen´. Lautf.: uffwurzln, oaffwurzln.

ufzeem siehe zeem 1!

ufziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `aufziehen´ (Bedeutung 1- 5 Perfektbildung mit hoann, Bedeutung 6 mit senn/sein) 1. `großziehen, erziehen, züchten, gesund machen, zum Gedeihen bringen, hochpäppeln´; ver dr Kunze Ursl koannst de oack ´n Hutt ziehn, die hoat siebm Kinder ufgezoin, und oalle senn woaas gewurn. - 2 `Gestricktes auftrennen, aufwickeln, aufrollen´; iech muss ´n Strump wieder ufziehn. - 3. wie litspr. `die Feder von etw. spannen´; iech zieh itze ´n Seeger uf. - 4. `jmdn zum besten haben, necken, hänseln´; de freche Blose hoat wieder de Staajglmillern ufgezoin. - 5. meist refl. u. unpersönlich `sich aufheitern´; ´s zoigt´ch uf, de Sunne wird glei rauskumm. - 6. `heranziehen, herankommen, sich nahen, sich zusammenbrauen´; macht oack macht, a Water zoigt uf! - 7. Kumm mer oack ne ufgezoin! `Gib nicht so an! Belehr mich nicht!´ Lautf.: uffziehn.

Uhre n. Pl. Uhrn `Ohr´; iech war dr glei de Uhrn langziehn, enn de Uhrn oabschraubn (wulln) (bildhafte Drohung für Züchtigung),  RA: vill im de Uhrn hoann `sich um viele Dinge gleichzeitig kümmern müssen´; RA: iebersch Uhre hoon `betrügen, übervorteilen´; enn ´s Faal ieber de Uhrn ziehn; an Gulde sitzn bis ieber de Uhrn od. an Fette sitzn bis zun Uhrn `sehr reich sein´; uff´s Uhre hoon `hinlegen, ruhen´; uff´m Uhrn sitzn `nichts hören (wollen)´; woaas zu Uhrn kumm `etw. erfahren, hören´; RA: enn ann Uhrn liegn `jmdn. mit vielen Worten belästigen u. beeinflussen, um etw. zu erreichen´; de hoalbe Nacht im de Uhrn schloin.

Uhrkäte f. siehe Seegerkäte! Lautf.: Uhrkette.

Uhrlappl n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Ohrläppchen´.

Uhrnqueiker m. Burkau, Bühlau dass. wie Uhrnzwicker. Lautf.: Ohrnqueiker.

Uhrnreißn n. Niedercunnersdorf `Ohrenreißen: Ohrenschmerzen´.

Uhrnsausn n. `Ohrensausen, Ohrenschmerzen´.

Uhrnzwicker m. nSüdlausitz, sWestlausitz `Ohrenzwicker: Ohrwurm´, Lautf.: Uhrzwicker. Siehe auch Ihrlch!

Uhrt m. Dim. Ärtl `Ort´. Lautf.: Urt.

Uhrwaatsche f. Schirgiswalde, Oberlichtenau dass. wie Uhrwaatschl 2. Siehe auch Waatsche!

Uhrwaatschl n. kindl. 1a. `Ohrmuschel, Ohr´ - b. `Ohrläppchen´. - 2. `Ohrfeige´. Lautf.: Uhrwaaschl; Uhrwaschl (kurzes a), Uhrwatschl (kurzes a).

Uhrwachs m. `Ohrenschmalz´.

Uhrwurm m. dass. wie Uhrnzwicker.

Uhsdurf `Uhsmannsdorf (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´; de Uhsdurfer `die Einwohner von Uhsmannsdorf´. Spitznamen: Usslwitze, Usslwitz, Uhslwitz; de Usslwitzer.

Ulberschdurf `Olbersdorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Ulberschdurfer `die Einwohner von Olbersdorf´.

Ulle f. Obercunnersdorf, Cunewalde, Burkau `sehr schlechte Laune, Wut, Zorn´; uff dann Karl hoa´ch dr anne Ulle.

Ullerschdurf 1. `Ullersdorf (Ort der Gemeinde Waldhufen im °GR)´. - 2. `Ullersdorf´, am Queis gelegen, ehem. zum Kreis Bunzlau gehörend. - 3. `Ullersdorf, Oberullersdorf ´ bis 1945 zur ehem. sächs. Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Kopaczow´. - b. Bihmsch Ullerschdurf `Böhmisch Ullersdorf ´ auf der böhmischen Seite gelegener Teil von Ullersdorf 3, selbstständige Gemeinde, tsch. `Oldrichov´. De Ullerschdurfer `die Einwohner von Ullersdorf´. Lautf.: Ollerschdurf, Ollerschdorf.

Ulmer m. Obercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Burkau `kurze, gerade Tabakspfeife´.

Ulze f. Pl. Ulzn Steina, Gersdorf-Möhrsdorf `Hornisse´. Lautf.: Olze Ohorn, Irlze Schmorkau.

ulzn swv. `scharf u. ungenau schießen (beim Fußball)´.

Umflot siehe Unflot!

Umse f. Ostlausitz siehe Omse!

unberuffm Interj. `unberufen´. Mit diesem Wort u. dreimaligen Klopfen will man ein ausgesprochenes Lob wieder zurücknehmen, um nicht damit das Schicksal zu einer gegenläufigen Entwicklung herauszufordern. Siehe beschrein!

und Konjunkt. wie litspr. - Nebenordnend verbindet es in der mundartlichen Erzählweise Sätze, häufig gefolgt von do od. derno. Oft steht es auch am Beginn einer Äußerung: Und do wullt mer mit´n Auto furtfoahrn, und do sproangn die Koarre ne oaa, und do misst mer oalle schirgn. - Unterordnend kann und interpretiert werden, wenn es zur Umschreibung hochsprachlicher Inf.-Konstruktionen benutzt wird: mer fuhrn uff Berlin und hilltn underwaajgs ne oaa `wir fuhren nach Berlin, ohne unterwegs anzuhalten´. Lautf.: un; on(d) Westlausitz.

Under m. `Unter´ eine Spielkarte, Wenzel (höchster Trumpf im Skatspiel´. Lautf:. Unner söSüdlausitz, Unger Burkau, Westlausitz.

under `unter´. 1. als Präp. mit Dat. u. Akk. a. lokal, wie litspr.; undern Bette, bis undersch Daach; RA: under de Oarme greifm `helfen´, undern Wusche siehe Wiesch! - b. zur Bezeichnung einer sozialen Stellung, eines Raumes, mit Dat. in den festen Fügungen etw., jmdn. under sich hoann. - c. `inmitten, mitten hinein, zwischen´; under de Leute od. under de Rader kumm. - d. `während, am´; undern Sunntch, doarfst de keene Wäsche raushängn; undern Tag kumm. - 2. als Adverbialpartikel in festen und unfesten Verbzuss., wobei under verschiedene Bedeutungen hat; underhaaln, underbuttern, runder. Lautf.: unner söSüdlausitz, unger Neukirch, Burkau, Westlausitz, mnOstlausitz, Sächs. Schweiz.

underbächtn (kurzes ä) swv. `etw. unter etw. verbuttern, in die Bedeutungslosigkeit befördern, jmdn. zurücksetzen´. Vgl. bächtn!

underbuttern swv. `unterbuttern: unterdrücken, jmdn. nicht zur Geltung kommen lassen´; in der Wendung sich (ne) underbuttern lussn `sich (nicht) zurücksetzen lassen´; de Schwiegersihne muckn schunn lange ne mih uf, die hoat de Mutter undergebuttert. Lautf.: unnerbuttern öKürzung um Hirschfelde, ungerbuttern West- u. Ostlausitz.

underdann Adv. `während dem, in der Zeit, unterdessen, mittlerweile, inzwischen´; iech soaß uff de Hitte, underdann räumte mei klenner Enkljunge ´n Oaschekoastn aus. Lautf.: underdan, unnerdan(n), ungerdan(n); ungerdam Ostlausitz.

undergihn stv. `untergehen´. 1. wie litspr. `unter die Wasseroberfläche gelangen´. - 2. übertr. `den Halt verlieren, sozial absteigen, in der Versenkung verschwinden´.

underhaaln stv. iech underhaal(e), du underhillst, a underhillt, mer underhaaln, iech underhielt, iech hoa underhaaln `unterhalten´; a underhillt de ganze Kloasse, mer hoann´ch ieber´n Urloob underhaaln. Lautf:. unnerhaaln, ungerhaaln.

Underkahle f. `Unterkehle: Doppelkinn, Hautsack mit Fettgewebe zwischen Kinn u. Kehle´. Lautf.: Unnerkahle, Ungerkahle Burkau, Girbigsdorf.

underkallert Adj. (eigtl. Part. Prät. von unterkallern) `unterkellert: einen Keller besitzend´; doaas Haus is underkallert `das Haus hat einen Keller und ist somit etwas Besseres´. Lautf.: unnerkallert, ungerkallert.

underkittch siehe underquittch!

underlee Adv. Seifhennersdorf `durcheinander´; oalls is underlee. Lautf.: unnerlee Dittelsdorf.

Underloge f. `Unterlage: die in Längsrichtung auf dem Boden des Wagens liegenden Bretter, auf denen die Ladung ruht´. Unner-, Unger-; Inder-, Inner- Ingerloge nöOstlausitz.

undernander Adv. `untereinander´ 1. wie litspr. `eins unter dem anderen, unter das andere´. - 2. wie litspr. `zwischen uns, zwischen euch, unter sich´; undernander gibbt´s kee bieses Wuhrt. Diebe undernander bemausn´ch ne. - 3. `durcheinander´, auch als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; undernanderkumm, undernandermengn `vermischen´. Lautf.: unnernanner, ungernander.

underquittch Adj. Niedercunnersdorf 1. Obercunnersdorf `unter der Haut entzündet u. eitrig, einen Umläufer habend´; mei ganzer grußer Zinnnoajl is underquittch od. underkietch od. unnerkittch. - 2. `hinterhältig, falsch´. Lautf.: unner-, unger-, -quittch, -quietch, -quietsch Cunewalde, Jonsdorf, -kietch, - kittch, -kietch Nordböhmen, -gietch, underquietsch Schirgiswalde.

Underschalchl n. `Untertasse´, siehe Schalchl 2!

Underschied m. selt. `hölzerne Zwischenwand (im Stall, Zimmer, Schrank); Trennvorhang´; a de Koammer mach mer ann Underschied, derhinder koann de Gruße schlofm.

Undersetzbratl n. `Untersetzer: Brett als Untersatz für Gefäße mit heißen Speisen od. Getränken´.

understihn (Betonung der 2.Silbe) unregelm. V. `unterstehen: sich erdreisten, sich wagen, etw. zu tun´; understih dch! `wage es nicht!´

understrähn swv. Niedercunnersdorf `unterstreuen: dem Vieh im Stall Stroh od. anderes Material als Lager unterbreiten´.

underwaajgs Adv. `unterwegs´; iech hoa deine Schwaster underwaajgs getroaffm, die lässt dch grissn; ba dar is woaas (Kleenes) underwaajgs `sie ist schwanger´. Lautf.: unnerwaajgs um Hirschfelde, ungerwaajgs Ostlausitz Neukirch, ungerwegs Westlausitz.

underzeechn swv. `unterzeichnen: unterschreiben´; iech hoa mit drei Kreuzln underzeecht. Lautf.: unner-, onnerzeechn söSüdlausitz.

Underziehosn f. `Unterhose´. Die Frau muss beim Wäscheaufhängen in die Unterziehhose des Mannes lachen, damit sie schönes Wetter hat. Das Wort wird in pluralischer Form (Underziehhosn) mit singularischer Bedeutung gebraucht. Lautf.: Unnerziehhosn, Ungerziehhosn Sächs. Schweiz.

Underziehrook m. Dim. Underziehreckl `Unterrock´; se koam an Underziehrucke a de Stube. Der Unterrock für Frauen in der Oberlausitzer Volkstracht war meist doppelt, gefüttert und farbig; ein petzendes Kind wird in Spitzkunnersdorf gehänselt: Klaffersäckl, Underziehreckl! Lautf.: Unnerziehrook, Ungerziehrook, -ruck, -rock.

Underziehzeug n. `Unterwäsche´, auch Underzeug. Lautf.: Unner(zieh)zeug öKürzung.

underzinn (Betonung 1.Silbe) stswv. selt. `unterzünden: das Feuer im Ofen (mit leicht brennbarem Material) anzünden; zun Underzinn nimm oack Reis´ch!

unegoalch Adj. 1. `nicht zusammenpassend, ungleich´; doaas is a unegoalches Poaar. - 2. `uneben, ungleichmäßig, unterschiedlich groß od. lang´; de Blieml uff denner Bluse senn unegoalch.

unflatch (gedehntes a) Adj. `unflätig´. 1. `in hohem Maße unanständig, unverschämt´. - 2. Wort, das zur Steigerung u. Verstärkung verwendet wird `groß, stark, sehr´; a unflatcher Haufm. Lautf.: unflatsch Jonsdorf, unflätsch.

Unflot (gedehntes o) m. Obercunnersdorf, Steinigtwolmsdorf, Neukirch, °ZI Reichenau `Unflat´. 1. `roher, rücksichtsloser, unverschämter, flegelhafter Kerl; Grobian´. - 2. `verschiedene Krankheiten, z.B.: Ziegenpeter´. Lautf.: Unfloat, Umflot.

ungebittch Adj. Neugersdorf , Seifhennersdorf `unbehaglich (nach dem Essen), unleidlich, unerträglich, erbärmlich, ungeduldig´; ungebittch zumute senn.

Ungedeihe f. od. n. `Schaden, Unfug´, in der Fügung uff Ungedeihe gihn od. ausgihn `etw. anstellen, was anderen Schaden zufügt (das Gedeihen anderer stört), etw. im Schilde führen´.

ungehirme Adj. selt. `wild, unvorsichtig, leichtsinnig´; gih mer mit´n Feuer ne su ungehirme im! Vgl. gehirme!

Ungelaajgche f. Seifhennersdorf dass. wie Ungelaajnheet.

Ungelaajnheet f. `Ungelegenheit: Schererei, Schwierigkeit´; do brettst de Ungelaajnheet `da gibt es Ärger´.

Ungelicke n. `Unglück´. 1. wie litspr. `Tragödie, Malheur, Elend, (pers.) Missgeschick´; RA: doliegn wie a Hoaffl Ungelicke. - 2. `Epilepsie´, auch elende Krankt.

ungeneege Adv. `zu jmdm. keine Neigung habend, nicht zugetan, unsympathisch´.

ungenoißch Adj. `ungenießerisch, unersättlich, ungenügsam, habgierig, gierig, gefräßig´; dar ungenoißche Karle koann ´n Schlunk ne vul genungk kriegn.

Ungenoißchkeet f. `Unersättlichkeit, Gefräßigkeit´.

ungenoißlch Adj. öSüdlausitz bei Ostritz, Ostlausitz dass. wie ungenoißch.

ungersche Pflaume f. Pl. Pflaum `ungarische Pflaume: kleine, späte, blaue Pflaumensorte´; meine Frooe nimmt fer Pflaumkließe ungersche Pflaum.

ungeschurn Adj. `ungeschoren: unangetastet´; kees vu euch bleibt ungeschurn `niemand von euch wird verschont, jeder bekommt etw. ab´.

ungittch Adv. Zittauer Gebirge, Schirgiswalde `ungütig: garstig im Benehmen, unhöflich´; nahm se´s ne (fer) ungittch `Entschuldigen Sie!´

ungittlch Adv. dass. wie ungittch `garstig im Benehmen, unhöflich´.

ungleebch Adj. `ungläubig´.

ungn siehe unne `unten´!

ungnadch Adj. selt. `ungnädig: ohne Wohlwollen´; nimm mer´sch oack ne ungnadch!

ungoamber Adj. Niedercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Girbigsdorf `ungangbar: unbequem, unhandlich, nicht richtig passend, starr, steif, unförmig, formlos, plump, träge, wuchtig, zu groß, unbehaglich´; die diche Jacke is ungoamber; su ungoamber wie die aussitt, krigt die kenn; dr Woajnerschmied is a bissl ungoamber `der Wagnerschmied ist ein bisschen plump im Benehmen´, a noahm mit anner ungoambern Zange a Sticke aus´n Feuer; a is heute ungoamber `er ist heute nicht zu ertragen´. Lautf.: ungoamba Seifhennersdorf, ungoambert °NOL Königshain.

ungoamberch Adj. Obercunnersdorf dass. wie ungoamber.

ungoambern Adj. Neugersdorf, Wittgendorf, Dittelsdorf dass. wie ungoamber.

Ungust `Ungunst (Ortsteil des zur Stadt Rothenburg OL gehörenden Ortes Lodenau im °GR)´; de Ungunster `die Einwohner von Ungunst´.

ungutt Adj. (nur präd.) nur in der Fügung nischt fer ungutt als Formel der Entschuldigung, als Bitte, etw. Gesagtes od. Getanes nicht übel zu nehmen (meist beim Abschied); labm Se gesund, Harr Inspekter, und nischt fer ungutt `auf Wiedersehen, Herr Inspektor, es ist nicht böse gemeint´.

Unkl m. `Onkel´. 1. wie litspr. - 2. grußer Unkl `große Zehe´; iebern (grußn) Unkl gihn, loofm, loaatschn `die Fußspitzen beim Gehen einwärts setzen´.

Unkroattch n. `Unkraut´; se reeft ´s Unkroattch raus. Lautf.: Unkräutch Ostlausitz.

unne Adv. Obercunnersdorf `unten´; mir wohn unne. Siehe auch hunne! Lautf.: unn Oberland, Jonsdorf; drunn, dronn Lückendorf, söSüdlausitz; ung(e) Ostlausitz um Rothenburg, ungn Neukirch, de Buhn hingn ganz ungn oan Kroattche droan (Burkau); ongn Westlausitz; undn wSüd-, Ost- u. Neulausitz.

unnedrunder Adv. `untendrunter: unter etw. anderem´; RA: ubmdruf hoi, unnedrunder pfoi `zwar äußerlich hübsch zurechtgemacht, aber bei genauerem Hinsehen schlampig u. liederlich´. Lautf.: unn-, hunn-, undndrunder, -drunner, -drunger.

unnietch Adj. `unnötig, nicht notwendig´; doaas kust oack unnietch Geld.

unreimsch Adj. veralt. `nicht bei Sinnen, wahnwitzig, nicht richtig im Kopf´.

uns Personalpr. siehe mir!

unser Poss.pron. wie litspr.: doaas Häusl is unse, mer foahrn zu unsn Kindern. Lautf.: inser nöOstlausitz.

unserees Indefinitpron. `unsereins, unsereiner, jmd. wie ich´; unserees hoat ne vill vun Labm. Lautf.: unser-, inser-, -ees, -eens.

unserenner Indefinitpron. `unsereiner, jmd. wie ich´. Lautf.: unsereener.

unsiete Adj. (nur präd.) veralt.`unsicher, nicht geheuer´. Vgl. siete!

unter siehe under!

unterquittch siehe underquittch!

unvernimftch Adj. `unvernünftig´. Lautf.: unvernimpftch, unvernimftsch.

unverschamt Adj. `unverschämt: schamlos, aufdringlich, ichsüchtig, raffgierig´; dar unverschamte Karle hoat oalls eigesackt.

Uppach `Oppach (Ort u. Gemeinde im °GR)´, de Uppächer (2. Silbe betont) `die Einwohner von Oppach´; Uppächer Kurn. Lautf.: Uppch Neugersdorf, Schönbach.

Uppch siehe Uppach!

Uppln `Oppeln (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´.

Upplsdurf n. `Bad Oppelsdorf ´, bis 1945 zur Amtshauptmann-schaft Zittau gehörende Gemeinde östlich der Neiße, poln. `Opolno Zdroj´; de Upplsdurfer `die Einwohner von Bad Oppelsdorf´. Lautf.: Opplsdurf, Opplsdorf.

Urberch m. Neukirch `Trubel, Durcheinander, Aufregung´; dar ganze Urberch stierte se ne.

Urberei f. Weifa `(überhastete) Tätigkeit, Arbeit´.

urbern swv. 1. geräuschvoll tätig sein, lärmend herumwirtschaften, laut u. intensiv arbeiten´; iech hier de Frooe an Woaschhause (rim)urbern. - 2. `herumrumoren, poltern, rütteln´; `s Water urbert an Ufm rim; hurch oack, wie´s urbert! Lautf.: obern Burkau.

Urder (gespr. Urrder) f. m. `Order: Nachricht, Befehl, Auftrag´; iech hoa Urder gekrigt.

Urgl f. `Orgel´; Trinkspruch der trinkenden Chorknaben: Prost Gurgl hinder dr Urgl!

urgln swv. `orgeln´; siehe auch rimurgln!

Urglpfeife f. `Orgelpfeife: klangerzeugendes Teil einer Orgel´; wie de Urglpfeifm dostihn `in einer Reihe der Größe nach dastehen´; Lautf.: Urglfeife nördl. Oberlausitz.

Urkse f. Wittgendorf, Jonsdorf `unförmiges, großes Stück (z.B. Fleisch, Brot, Holz), starke ungleichmäßige Schnitte´; dar hoat anne Urkse oabgeschnittn.

Urkser m. söSüdlausitz, Ostlausitz `Pers., die seine Sache nicht schont; Pers., die beim Schuften den Kopf nicht gebraucht´.

Urksn m. dass. wie Urkse.

urksn swv. 1. Süd- u. Ostlausitz `schlecht, schludrig arbeiten; pfuschen; schuften ohne den Kopf zu gebrauchen´; ihr urkst schunn ´n ganzn Tag an Schuppm rim, aber woaas Geschoits is derbei ne rausgekumm; verurksn, zerurksn, rimurksn. - 2. selt. Süd- u. Ostlausitz `angestrengt arbeiten, schuften´. - 3. um Zittau, Schirgiswalde, Ostlausitz `verschwenderisch (mit etw., mit dem Essen) umgehen, wüsten, beim Fressen nur das gute Futter auswählen´.

Urloob m. `Urlaub´.

Urloober m. `Urlauber: (männl.) Person, die Urlaub macht´.

Urloobern f. `Urlauberin: weibl. Person, die Urlaub macht´.

urnär (zweite Silbe betont) Adj. Niedercunnersdorf, Hirschfelde, um Görlitz `ordinär: gewöhnlich; von schlechtem, billigem Geschmack´; urnärer Schnupptobak; anne Bulle Urnärn saufm `eine Flasche gewöhnlichen Korn ohne Aroma trinken´. Lautf.: urdnär.

urndlch Adj. `ordentlich´. 1a. `nicht liederlich, geordnet, aufgeräumt´. - b. `anständig, sittsam, ehrlich´. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird, u. zwar: a. bei V. u. Adj. `sehr´; letzte Nacht woar´sch urndlch kaalt. - b. bei Subst. `groß´ doaas is a unrndlch Sticke Oarbeit.

Urnung f. `Ordnung´; ´s is oalls a Urnung.

urrch siehe irrch!

Ursch (gedehntes u) m. Pl. Urschn mWestlausitz, nOstlausitz `die bei der Ernte auf dem Feld liegengebliebenden Getreidereste´. Siehe auch Bucht, Gebächte, Noochreche!

urschch (gedehntes u) Adj. Schlesien `verschwenderisch´.

Urscher (gedehntes u) m. Ostlausitz, Schlesien `Verschwender´.

urschln (gedehntes u) dass. wie urschn 1.

urschn (gedehntes u) swv. Obercunnersdorf, Burkau, Girbigsdorf, Neusorge, Schlesien 1. Obercunnersdorf, Cunewalde, Schirgiswalde, Neusorge `verschwenderisch umgehen, wüsten, etw. verschwenden, vergeuden, verschleudern, beim Fressen nur das gute Futter auswählen´; tu oack ne su mit´n Woasser urschn! - 2. verstr. `in etw. herumwühlen, etw. durcheinanderbringen´; tu oack ne su drinnerimurschn! Lautf.: uhschn °NOL Königshain.

Urt (gedehntes u) n. m. Pl. Ärter (gedehntes ä) `Ort´; doaas is a schie Urt `das ist ein schöner Ort´.

Urtsch, Urtscht (gedehntes u ) n. Obercunnersdorf `Ortscheit: Querholz beim Zweispänner, an dem die Zugvorrichtung des Zugtieres befestigt wird´. Lautf.: Utscht Niedercunnersdorf, nwSüdlausitz u. sWestlausitz, z.B. Rammenau, Frankenthal, Großharthau; Utschkl Cunewalde; Oitscht Eigenscher Kreis, Dittelsdorf, sOstlausitz; Ohtscht Seitendorf bei Zittau, Utscht Ortsch, Otscht Westlausitz; Urtscht °NOL Königshain, Utschk (kurzes u) u. Urtschk nOstlausitz.

Uss´ch `Ossig´ 1. `Deutsch Ossig (ehemaliger Ort der Kreisstadt Görlitz, der dem Braunkohlentagebau weichen musste)´. Lautf.: (Deutsch) Usschch. - 2. Windsch Uss´ch `Wendisch Ossig´ , bis 1945 zum Kreis Görlitz gelegenes Dorf östlich der Neiße, poln. `Osiek Luzycki´. Lautf.: Windsch Usschch.

Usslwitz(e) siehe Uhsdurf!

Uster (kurzes u) `Ostro (Ort der Gemeinde Panschwitz-Kuckau im °GR)´; de Usterschn.

Usterblosn n. `Osterblasen: kirchliche Musik des Posaunenchores od. weltliche Musik des Blasorchesters am Ostermorgen´. Die Blechmusikanten nehmen vor verschiedenen Häusern Aufstellung und werden für ihre Musikstücke mit Geld od. Schnaps belohnt.

Usterblume f. 1. `(gelbe) Narzisse (Narcissus pseudonarcissus L.)´, mdal. auch Nillge. - 2. Schlesien `Annemone, Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)´.

Usterch siehe Usterz!

Ustergloacke f. `Osterglocke´. 1. `Märzbecher (Leucojum vernum L)´, auch Marzegleckl. - 2. `(gelbe) Narzisse (Narcissus pseudonarcissus L.)´, siehe Nillge!

Usterheelchobd m. veralt. `Abend vor Ostern´. Lautf.: Usterhellchobd.

Usterjunge m. `Osterjunge; etwa 14-jähriger Bursche, der nach der Schulentlassung zu Ostern ein Dienst- u. Lehrverhältnis bei einem Bauern einging u. dort die jüngste Arbeitskraft war´. Schulentlassung und Schuleintritt fanden bis 1945 Ostern statt. Vgl. Kleeknaajcht!

Usterloamm n. `Osterlamm´, das Lamm steht für Christus, der unschuldig gekreuzigt wurde; unschuldch wie Usterlämmer senn.

Ustermaajdl n. `Ostermädchen; etwa 14-jähriges Mädchen, das nach der Schulentlassung zu Ostern ein Dienst- u. Lehrverhältnis bei einem Bauern einging´. Lautf.: Siehe Maajdl! Vgl. Kleenemoajd!

Ustern n. `Ostern: Fest der Auferstehung Christi´; im de Ustern rim `in der Zeit um Ostern´, Uster-Ä `Osterei´, Usterhoase `Osterhase´, Usternaast `Osternest´, Usterbeeml `Osterbäumchen´, Bauernregel: Zwischn Ustern und Pfingstn hoat dr Bauer oan winngstn; iech krigte anne Hurbl, doaaß´ch duchte, Ustern und Kirmst wär a enn Tage.

Usterreitn n. `Osterreiten: berittener Umzug der männl. Dorfbewohner um die Fluren od. über die Fluren am Ostersonntag´. Das Osterreiten wird in den katholischen Pfarrgemeinden Bautzen, Ralbitz, Wittichenau, Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Radibor, Storcha, Nebelschütz und Ostro durchgeführt´. Siehe auch Sootreitn!

Ustersamml f. `Ostersemmel: große geflochtene, 50 bis 75 cm lange, (mit Zuckerguss überstrichene) Semmel aus Kuchenteig, die ein Pate seinem Patenkind am Gründonnerstag schenkt´; auch Poatnsamml od. Grinndurschsamml bzw. Griendurnschsamml (Ostritz).

Ustersänger m. meist Pl. `Sänger, der in der Osternacht (mit Familienangehörigen, im Gesangsverein oder im Chor) singt. Siehe Ustersingn!

Usterschissn n `Osterschießen (Osterbrauch); das laute Einschießen des Osterfestes in der Osternacht durch Jugendliche mit Hilfe von Knallkörpern, Schreckpistolen od. Karbidkanonen´.

Ustersingn n. `Ostersingen: Singen von Kunst-, geistlichen od. Volksliedern in der Osternacht durch den Kirchenchor od. den Gesangsverein´.

Usterwoasser n. `Osterwasser; in der Osternacht (od. am Gründonnerstag) geschöpftes, nach altem Aberglauben heilkräftiges Wasser´; Usterwoasserhuln od. Usterwoasserscheppm gihn (Osterbrauch); wenn dabei geredet wird, verliert das Wunderwasser seine Wirkung und Ploapper- od. Loaberwoasser toogt nischt. Wer sich mit diesem Wasser wäscht, dem wird die Gestalt des zu erwartenden Mannes vorgegaukelt.

Usterz `Ostritz (Stadt im °GR)´; de Usterzer `die Einwohner von Ostritz´. Lied: A Usterz, do gibbt´s schiene Mardl, tanzn kinn se wie de Radl, a Usterz sein mer, a Usterz bleib mer, a Usterz is goar hibbsch, hibbsch, hibbsch. Lautf.: Usterch, Ustersch.

Utschkl, Utscht siehe Urtscht!

Uttehoajn siehe Uttnhoajn!

Utter f. `Otter: Schlange, Natter´.

Utterkroattch n. Weifa, Wilthen, Rammenau `Waldweidenröschen (Epilobium angustifolium L.)´. Lautf.: Utterkräutch.

Uttjepeff m. Ober- u. Niedercunnersdorf dass. wie Puttjepeff.

Uttndurf `Ottendorf (Hintere Sächsische Schweiz, Gemeinde Kirnitzschtal)´; de Uttndurfer `die Einwohner von Ottendorf´.

Uttnhoajn `Ottenhain (Ort der Gemeinde Kottmar im °GR)´; de Uttnhoajner `die Einwohner von Ottenhain´. Lautf.: Uttehoajn.

uzn (gedehntes u) swv. umg. `uzen: jmdn. zum Besten haben, veralbern, sich gegenseitig necken, foppen, sich aufziehen´; a ließ´ch ne lange uzn, und koam´r saakgroob; musst de egoalfurt die aaln Weiber uzn? Lautf.: huzn Westlausitz; ar woard hämsch gehuzt.