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  1. T

Ta

Taajter m. dass. wie Täterch!

Taajterch siehe Täterch!

taajtern siehe tätern!

Täbe (gespr. Däbe) f. `weibl. Hund´; anne heeße Täbe `eine läufige Hündin´; die leeft rim wie anne heeße Täbe. Lautf.: Täwe, Teebe.

täberch Adj. 1. nwSüd- u. Westlausitz `unruhig, aufgeregt, benommen, taumelig´; de Fliegn sein su täwerch, mer warrn a Gewitter kriegn. Lautf.: täwerch. - 2. Schirgiswalde dass. wie toberch.

Tachtl siehe Dachtl!

Tag m. `Tag´ 1. wie litspr. `Zeit zwischen Sonnenaufgang u. Sonnenuntergang, die helle Tageszeit´; die is ieber´n Tag oalleene `die ist tagsüber allein´; doaas gitt ne su hoi hoi, under´n hoalbm Tage is nischt; ieber´n andern Tag `übermorgen´. - 2. wie litspr. `Zeitraum von 24 Stunden´; a redd ann Tag und labt a Juhr `er verspricht viel und hält wenig´. - 3. ein bestimmter Tag´; Zoahltag; murne is o noa a Tag; iech kumm ieber´n Tag ba dir verbei `ich komme dich übermorgen besuchen´. - 4. Gruß; gunn Tag `guten Tag´, Tagg o! ´einen guten Tag auch´. Lautf.: Tagg.

Tageblatl n. `Tageblatt´. 1. `Zeitung, die täglich erscheint´. - 2. übertr. `(weibl.) Person, die immer Neuigkeiten weiß und breit trägt´.

Tagewächter (gespr.: Dagewächter) m. veralt. `Gemeindediener, der bis etwa 1930 die Plakattafeln aktualisierte, Zettel an die Bürger ausgab und auch Steuerrückstände kassierte; Schutzmann, Ortspolizist; in kleinen u. mittleren Dörfern ein Bote, der auch polizeiliche Dienste verrichtete´. Lautf.: Tagewaajchter.

Tagg o (gesprochen Tacko) siehe Gunn Tagg!

Taghemde n. `Unterhemd (der Frau)´; is Nachtjäckl ieber´sch Taghemde ziehn.

Tähts siehe Däz!

Täle f. abwert. verstr. Ostlausitz siehe Hundetehle! Lautf.: Tehle.

Taller m. Dim. Tallerchl `Teller´. Pl. Taller Süd- u. Ostlausitz, Pl. Tallern Westlausitz °KM Lichtenberg, Großröhrsdorf, Leppersdorf; Kuchetaller; Sprichwort über einen Glückspilz: Dar doarf oack Taller soin, do leit de Wurscht schunn druffe.

Tallerbank f. veralt. `Tellerbank: Schrank, Brett, Gestell zur Aufbewahrung des Geschirres, was benutzt wird und nicht der Präsentation dient´.

Tallerbraat n. `Wandbrett od. -bretter in der Küche od. Stube zur Aufbewahrung von Tellern u. anderem Geschirr´.

Tallvll m. `einen Teller voll´; ann Tallvll Kuchrändl. Lautf.: Tauvll °NOL Königshain.

tälpsch (gespr. dellbsch) Adj. `ungeschickt, tollpatschig, ungelenkig´; mei Klenner is tälpsch, dar hoat zwee linke Pfutn.

tälsch (gespr. dellsch) Adj. Süd- u. Ostlausitz, Schlesien 1. `übermütig, kindisch´;  die teebstn ei dr Stube rim wie tälsch (Ostlausitz). - 2. `einfältig, dumm´; tälsche Muckn, die hoat immer schunn a bissl tälsch geredd. - 3. `ungeschickt, zu langsam´. - 4. `benommen, schwindlig´; frih bie´ch a winnk tälsch enn Nischl Ostlausitz.

tamlch (gedehntes a) Adj. `taumlig, betäubt, schwindlig´, auch damsch.

tämmern siehe dämmern!

Tamperch m. `Pers., die planlos arbeitet od. schlendert, Trödler´.

tamperch Adj. Schirgiswalde, °NOL Königshain `unsicher auf den Beinen, altersschwach´. Lautf.: toamperch °ZI Ebersbach, Cunewalde, Dittelsdorf.

tampern (gespr. dambern) swv. Südlausitz 1. `sich ohne Ziel u. Zweck beschäftigen, langsam u. planlos arbeiten, trödeln, unnütz die Zeit verbringen´; de Grußemutter tampert ver dr Oaarichte rim. - 2. `schlendern, langsam gehen´; iech tamperte sachte heem. Lautf.: tempern °ZI Reichenau, toampern.

Tampl m. `Tempel: Zimmer, Wohnung, Haus´; zun Tampl rausjoin.
Tampl m. 1. `größere Anzahl gleichartiger Dinge; Fleck, wo Bäume, Pflanzen, Blumen, Beeren, Pilze, Lebewesen in Menge beieinander stehen´; do stitt a ganzer Tampl Himmlschlissl; uff ann Tampl stihn `dicht beisammen stehen´; auch Timpl. - 2. Seifhennersdorf `niedrig gelegenes, von Häusern, Bäumen u. Sträuchern umschlossenes Stück Land´.

tänern (gedehntes ä) Adj. Südlausitz, verstr. Ostlausitz `aus gebranntem Ton hergestellt, irden´; de Grußemutter hoat noa tänerne Teppe und Kriegl. Lautf.: tienern Neißedörfer.

Tängl (gespr. Dengl) m. veralt. `Schmutzsaum an (Frauen)kleidern´.

Tanglst n. nur im Sg. Obercunnersdorf u. die meisten Orte in der Südlausitz `Teppich von den abgefallenen Nadeln der Nadelbäume´. Lautf.: Tanncht u. Tangst °ZI Ebersbach, Tangst Schirgiswalde, Toangs, Tanglcht Neugersdorf, Toanst u. Tangst Seifhennersdorf, Tangls Bertsdorf, Wittgendorf, Tänncht Cunewalde.

Tanglsreis´ch n. `Reisig ohne Nadeln, das auf dem Nadelteppich der Nadelbäume liegt und gerne verfeuert wird´.

Tanglsreisl n. Bihms Koarle `Tannenreiser´.

Tänncht n. `Tännicht´. 1. FlN `kleiner Wald aus Nadelbäumen, Schonung´. Lautf.: Tänncht Bihms Koarle, Tanncht °GR Königshain, Tähncht Cunewalde. - 2. Cunewalde dass. wie Tanglst. - 3. Tänncht `Ortsteil der Gemeinde Sohland a. d. Spree im °BZ´. Lautf.: Tanncht.

Tanz m. 1. wie litspr.; zu Tanze gihn. - 2a. übertr. `Streit, Auseinandersetzung´; doaas gibbt noa ann Tanz. - b. übertr. `Aufhebens, Umstände´; waajn mir brauchst de ne su ann Tanz machn.

Tanzbändl n. veralt. Niedercunnersdorf, Neusorge `gekauftes Abzeichen, das bei öffentlichen Tanzveranstaltungen zum Tanzen während eines ganzen Abends berechtigte´. Es war farbig und wurde von den Männern im linken Knopfloch der Jacke getragen.

Tanzbihne f. msSüdlausitz `Tanzbühne: Tanzboden´. Vgl. Bihne!

Tanzbodn m. `Tanzsaal´.

Tanzmeester m. `Aufsichtsperson bei öffentlichen Tanzveranstaltungen´.

Täpper siehe Tepper!

Täppsch m. `Tollpatsch, ungeschickter Kerl´. Siehe auch Toaapch!

täppsch Adj. `unbeholfen, ungeschickt´. Lautf.: täpsch Eibau. Siehe auch toaapch!

tärchern Großschönau `etw. gegen seinen Willen machen müssen; lustlos, widerwillig mikommen´; dr Hund misste mittärchern.

tärmern swv. siehe därmern!

Tarzerol n. `Terzerol: Pistole von geringem Kaliber, die in die Tasche gesteckt werden kann´.

Taschlkraut n. Obercunnersdorf, Cunewalde, Wittgendorf, Burkau, Girbigsdorf `Hirtentäschel (Capsella Bursa-pastoris): eine Unkrautpflanze, die als Heiltee bei Magen- u. Darmstörungen verwendet wird´; fer´sch Noablleiern is Taschlkraut gutt `gegen Bauchschmerzen hilft Hirtentäscheltee´. Lautf:. Täschlkraut.

Taschlkroattch n. 1. `Hirtentäschel (Capsella Bursa-pastoris)´. - 2. `Gemeines Zittergras (Briza media L.)´. Lautf.: Taschl-, Täschl, -kroattch, -kroitch.

Täte f. in der RA oa dr Täte `an der Spitze, in leitender Stellung´; dar is schunn zahn Juhre oa dr Täte.
Täte f. `Tute, Blechblasinstrument, Trompete´.
Täte ohne Genus, veralt. f. `Tettau (Ort der Gemeinde Vierkirchen im °GR)´; de Tätschn `die Einwohner von Tettau´.

Täter m. dass. wie Täterch! Lautf.: Taajter Neugersdorf, Spitzkunnersdorf, Tater Bihms Koarle.

Täterch m. `Tatte, Tette´. 1. veralt. `Vater´. - 2. `Pers., die laienhaft od. zu laut ein Blechblasinstrument betätigt´. - 3a. `starker, junger Bursche; Halbwüchsiger, Kerl´. - b.` kräftiges, großes od. schweres Tier´; unser Hacksch is a Taajterch. Lautf.: Taajterch °ZI Friedersdorf, Neugersdorf, Taterch. Siehe auch Fliegntaajter u. Meetaajter!

tätern (gespr. dädern) swv. Obercunnersdorf, Wittgendorf, Wehrsdorf, Oberlichtenau 1. `Trompete, Posaune (ungekonnt) blasen´; is Hernl tätert schunn. - 2. `laute Musik u. Krach machen´; die hoann de hoalbe Nacht getätert. Lautf.: taajtern.

Tatschl (kurzes a) n. `leichter, nicht allzu erst gemeinter Schlag mit der flachen Hand (ins Gesicht), sanfte Ohrfeige´.

tatschln (kurzes a) swv. `tätscheln: jmdn. mit der Hand ganz leichte Schläge verabreichen (meist aus Zuneigung); jmdn. mit sanften Schlägen liebkosend betasten´; iech moagg die Tatschelei ne. Lautf.: taatschln.

Täuber m. nWestlausitz `Tauber: männl. Taube´. Lautf.: Täuwer.

Täuberch m. Süd-, Ost- u. msWestlausitz `Tauber: männliche Taube´. Lautf.: Täuwerch.

Täubl n. `Täubchen´. 1. wie litspr. `kleine Taube´. - 2. `einfühlsame, nicht aufbegehrende, friedvolle Frau´; meine Aale is baleibe kee Täubl.

Täubm f. Obercunnersdorf, Burkau `Täubin: weibliche Taube´. Lautf.: Täum.

Taubmgucksch m. Oberlichtenau, nWestlausitz `Taubenschlag´. Lautf.: Taumgucksch.

Taubmheem `Taubenheim (Ort der Gemeinde Sohland a. d. Spree im °BZ)´; de Taubmheemer `die Einwohner von Taubenheim´. Lautf.: Taumheem.

Taubmputtl (gespr. Daubmbuttl) n. selt. 1. kindl. `(kleine) Taube´. - 2. `Klappertopf (Rhinanthus)´. Lautf.: Taumputtl.

Taubmschichl n. verstr. wSüd- u. Westlausitz `Garten-Rittersporn (Delphinium ajacis L.)´. Lautf.: Taumschichl.

Tauern `Tauer (Ort der Gemeinde Boxberg OL  im °GR)´; de Tauerschn `die Einwohner von Tauer´.

Tausndbeen n. selt. `Tausendfüßler´.

tausnd Numerale `tausend´ (häufig übertreibend zur Umschreibung einer unbestimmten, sehr großen Zahl od. Menge). Ausruf des Staunens, der Überraschung, der Anerkennung: Dr Tausnd hätte!

tausndfruh Adj. `sehr froh´; iech bie tausndfruh, doaaß de wieder heem bist.

tausndgutt Adj. `sehr gut, Gott sei Dank´; tausndgutt, is raajnt `es ist sehr gut, dass es regnet´; Ausruf: tausndgutt und neunhundert!

Tausndkoallee m (anerkennend) veralt. Zittauer Gebirge `Tausendsassa´.

Tausndluder n. °BZ Sohland, Tautewalde `Tausendsassa´; du bist a Tausndluder!

tausndsoaatgenungk Adv. selt. sOstlausitz `mehr als genug´; iech ass nischt mih, iech hoa schunn tausndsoaatgenungk.

Tausndtoalerpfard n. `Tausendtalerpferd´. 1. Niedercunnersdorf `etw. für einen bestimmten Personenkreis nicht Übliches´; die leeft rim wie a Tausndtoalerpfard. - 2. Schlesien `Tausendtalerpferd: stattliches Pferd, korpulente Frau´. Lautf.: Tausndtoalerfard.

Tautewaale Tautewalde (Ort der Stadt Wilthen im °BZ)´; de Taut(e)wälder Steinigtwolmsdorf `die Einwohner von Tautewalde´. Lautf.: Tautwaale.

Täz siehe Däz!

Techtlmechtl n. `Techtelmechtel: Liebschaft, Verhältnis´; die zwee beedn hoann a Techtlmechtl minander.

Tee m. wie litspr.; dar is starnhaglmäßch an Tee-e `der ist sehr betrunken´.

Teebs m. `(fröhlicher) Lärm (von herumtobenden Kindern od. von einer feiernden Gesellschaft); Spektakel´; woarrt oacke, zer Kirmst do breet mer Teebs!

teebsn swv. `fröhlich lärmen, toben, ausgelassen sein´; is junge Chur hoat wieder de ganze Nacht geteebst.

Teefche, Teefde, Teeft siehe Toofe!

Teeflch m. `Täufling´.

teefm swv. veralt. West- u. Ostlausitz, Nordböhmen dass. wie toofm; de Kinder woarrn geteeft; zer Schwaster zun Teefm gihn.

Teeft f. Oberland, sSüdlausitz `Taufe´; siehe Toofe! Kindteeft.

Teeftassn n. söSüdlausitz `Taufessen, Taufschmaus´; Butternudln un Reecherwurscht is ba ons a Teeftassn. Verbreiteter Kindlbrut od. Kindlbier.

Teeg m. `Teig´. 1. `Rohmasse zum Backen´; dr Teeg gitt gutt `der Teig geht gut auf´. Back mer oder frass mer´n Teeg? `Was wollen wir denn nun machen?´ - 2. `Wurstfülle´.

teeg Adj. Obercunnersdorf 1. `nicht richtig ausgebacken, schliff´; de Brutl senn teege. Auch kluntsch u. schliefch. - 2. `weich, überreif, in Fäulnis übergehend (Birnen)´. - 3a. `nachgiebig, schüchtern, kleinlaut, mutlos´; dr Meester hoat su getitt, do is´r teeg gewurn; dann Spritkupp warrn mer schunn noa teeg brengn `den Säufer werden wir schon klein kriegen´. - b. `matt, ermüdet, erschöpft, abgearbeitet´; ba dar Britte is ees teeg.

Teegäsl m. Süd- u. Westlausitz `Teigesel´ 1. abwert. `Bäcker´. - 2. Schimpfwort `Idiot, verweichlichter Kerl´.

teegch Adj. Jonsdorf `teigig´ dass. wie teeg; teegche Äppl.

Teegenaast n. verst. Schirgiswalde, nwSüd- u. Westlausitz `Teignest: Lager im Heu od. Stroh, wo man Äpfel u. Birnen nachreifen lässt´; iech hoa de Äppl as Teegenaast gelät. Lautf.: Teegnaast, auch ´s teege Naast.

Teegoaffe m. Süd- u. Ostlausitz dass. wie Teegäsl.

Teegkratzl n. Seifhennersdorf `Werkzeug des Bäckers zum Abschaben des Backtroges´; RA: ´s Geld mit´n Teegkratzl zusoammdeschoarrn `überaus sparsam sein´.

Teeks (gesprochen Deegs) m. Pl. Teekse od. Teekser `Täcks: Holzstift od. kleiner keilförmiger Stahlnagel zur Verbindung der Ledersohle mit der Brandsohle beim Schuh´. Lautf.: Täks.

Teel (gespr. Deel) m. Pl. Teele `Teil ´ 1a. wie litspr. `Anteil (Mengenangabe), Teilmenge, Gebäudeteil´; a ducht´ch senn Teil; RA: a hoat senn Teel gekrigt `er hat seine Strafe bekommen´; ann ganzn Teel  `einen ganzen Teil: bedeutende Menge, viel´; iech hoa ann ganzn Teel vergassn. - 2. `Hälfte (eines Ganzen, einer Partnerschaft´; dr schuldche Teel bie iech. - 3. Anton uff´m Teele sitzn `sehr viel zu tun haben´.

Teel (gespr. Deel) n. Pl. Teele `Teil: Teilstück eines Ganzen, Einzelteil, Ersatzteil, Körperteil´; a hoat´ch sei bestes Teel eigezwängt; is Mittlteel is grisser oas wie de Seitnteele.

teeln swv. `teilen: etw. in (gleich große) Teile zerlegen, halbieren, dividieren´.

Tehle (gespr. Deele) f. abwert. `Töle: Hund (ohne Stammbaum)´; Hundetehle, alle leefche Tehle, die verfluchte Tehle hoat mer de Wurscht gemaust.

Teiche `Teicha´. 1. Ort der Gemeinde Rietschen im °GR; de Teichschn `die Einwohner von Teicha´. - 2. Ortsteil des zur Gemeinde Radibor gehörenden Ortes Milkel im °BZ.

Teichkulbm m. verstr. Südlausitz, z.B. Wittgendorf `Rohrkolben (Typha latifolia)´.

Teichlmauke f. Südlausitz `mit Brühe angerichteter Kartoffelbrei, der auf dem Teller mit einer eingedrückten Stelle im Püree serviert wird, die mit Brühe, dem sog. Teichl, gefüllt ist´.

Teichmuhze f. verstr. Südlausitz, z.B. Neugersdorf `Rohrkolben (Typha latifolia)´.

Teichschneider m. Wittgendorf, sWestlausitz `Libelle´.

Teichsträh f. Großhennersdorf, Neusorge `Streu aus Gräsern und Pflanzen, die an Teichen wachsen´; Teichsträh hobm.

Teichzigoarre f. kinderspr. Steina, Oberlichtenau `Rohrkolben (Typha Latifolia)´.

Teichuchse siehe Mooruchse!

Teifl m. `Teufel´ 1. wie litspr.; dr Schimml roaste, oas wenn dr Teifl hindern har wär; de Nubberschfrooe is a Teifl; (dr) (zun)Teifl hätte! (Ausruf der Verwunderung od. der Empörung); Sprichwort: Dr Teifl schesst´s uff´m gußn Haufm `wo schon viel ist, kommt noch mehr dazu´; Sprichwort: Wenn ees ´n Teifl a de Wand molt, kimmt´r. RA: a Teifls Kiche kumm `Probleme bekommen´; RA: Dar is uff´s Geld wie dr Teifl uff de oarme Seele. RA: Enner is´n andern sei Teifl `es herrscht Unfrieden´; uff Teifl kumm raus `sich nicht an die Normen haltend, rücksichtslos, ohne Tabu´; RA: Dar saajgt (hackt, treibt) ´n Teifl a Been atzwä `der sägt (hackt, treibt) wie besessen´; zun Teifl gihn `kaputtgehen´; ´n Teifl hoann `nicht funktionieren´; wie dr Teifl `schnell, zügig, gut´; ´s is zun Teiflhuln! `Es geht aber auch alles schief!´ Woaas durch´n Teifl ne leidn kinn; doaas toat mer durch´n Teifl ne poassn `das passte mir ganz und gar nicht´; do koannst de uff´m Teifl brilln `da kannst du machen, was du willst, es ändert sich nichts´; Fluch , Ausruf: Kreiz Teifl! Zun Teifl noa amol! Teiflhätte! Zun Teifl oack o! (Fluch, Ausruf); zun Teifl, kunnt die Frooe zankn! Foahr oack zu uff Teiflhätte! Tud und Teifl fluchn; enn tutt dr Teifl reitn `jmd. verhält sich unnormal, begehrt auf´, weeß dr Teifl `wer weiß´. - 2. übertr. auf Pers.; doaas is a dummer Teifl (Schimpfwort), doaas weeß kee Teifl `das weiß niemand´. Lautf.: Teibl um Lauban.

Teifelei f. Süd- u. Ostlausitz `Dummheit, Schabernack, Streich´; anne Teifelei ausheckn.

Teifls-Ä n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Teufelsei: abnormal kleines Hühnerei ohne Dotter; Unglücksei´; de Teiflsee-er warrn iebersch Haus geschmissn. Lautf.: Teiflsei Cunewalde, Girbigsdorf.

Teiflsdreck m. in der Wendung sich kenn Teiflsdreck drausmachn `sich nicht das Geringste daraus machen´.

Teiflsei siehe Teifls-Ä!

Teiflszeug n. `Teufelszeug: Erfindungen, die der Teufel den Menschen eingegeben hat´; Computer is Teiflszeug.

Telle siehe Delle!

telpsch siehe tälpsch!

temmern siehe dämmern!

tempern siehe tampern!

Tennbähe, Tennbläue f. veralt. `Schlaggerät, mit dem die Scheunentenne aus Lehm festgestampft wurde´. Lautf.: Tennebähe, Tennebläue.

tentiern swv. selt. u. veralt. `etw. wagen, unternehmen, betreiben´.

Tenne n. Süd- u. Ostlausitz alte Form, f. Süd- u. Ostlausitz neue Form , m. Sächsische Schweiz `zum Flegeldrusch dienende Fußbodenfläche in der Scheune´; ´s gibbt Lehmtenn und Hulztenn, iech hoa´s uff´s Tenne od. uff de Tenne od. uff´m Tenne geschutt.

Tennewand f. `ein bis zwei Meter hohe Wand aus Holz od. Lehm, die die Tenne (beiderseits) von dem seitlichen Lagerraum abtrennt´. Lautf.: Tennwand.

Teppch m. `Teppich´; Teppch kluppm.

Teppbinder m. dass. wie Toopeistricker. Lautf.: Teppebinder, Teppeibinder, Teppeeibinder, Teppbinner öKM, Teppbinger.

Tepp(e)brat siehe Toopbrat!

Teppeistricker m. Neugersdorf dass. wie Toopeistricker.

Tepper m. `Töpfer´. 1. `Handwerker, der tönerne Gefäße herstellt´; Teppermeester; ann noaaßn Tepper (einen Töpfer bei der Arbeit) hoat Gutt lieb, a troiger Tepper is a Guttlieb (liederlicher Kerl). - 2. übertr. abwert. a. `dummer Junge, Tollpatsch´; du bist a Tepper! - b. Neugersdorf `(alter) Hut´.
Tepper m. `Töpfer: Berg aus Sandstein unweit des Kurortes Oybin im Zittauer Gebirge ´.

teppern (gespr.: debbern) swv. `tönerne Gegenstände herstellen´; mer hoann a bissl minander gerteppert.

teppern Adj. Schirgiswalde, Westlausitz `tönern, irden´; doas tepperne Tippl hoat ann Sprungk; auch tänern.

Teppl n. siehe Toop!

termern siehe därmern!

ternern swv. wSüdlausitz, sWestlausitz `unablässig bitten u. betteln, jmdn. mit Wünschen u. Fragen bedrängen´; du koannst enn bis uff´s Blutt ternern. Lautf.: turnern, tarnern Steinigtwolmsdorf, toarnern Burkau.

Tette Tettau (Gemeinde im Landkreis Oberspreewald - Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz in Brandenburg)´; de Tettschn `die Einwohner von Tettau´.

thomsn (gespr. domsn) swv. veralt. `mit Arbeit und Spiel die Thomasnacht (Wintersonnenwende vom 20. zum 21. Dezember, lange Nacht) durchwachen u. dabei abarbeiten der alten Webkette in der Zeit der Handweberei, Spinnen des gesamten mitgebrachten Flachses, ausgelassen feiern und evtl. orakeln´. Thomsn ist abgeleitet vom Namen des heiligen Thomas, dessen Tag auf den 21. Dezember fällt, den kürzesten Tag und der längsten Nacht des Jahres.

Thräne f. `Thräna (Ortsteil von Groß Radisch der Gemeinde Hohendubrau im °GR)´; de Thränschn `die Einwohner von Thräna´. Lautf.: Thrane.

Thumz siehe Dämz-Thumz!

tiche, tichte, tichtsche siehe diche!

Tichl siehe Tuch!

tichtch Adj. `tüchtig´. 1. `fleißig, geschickt, sachkundig´; euer Junge is a tichtcher Karle. - 2. `verrückt, toll, draufgängerisch´; Mädchen zum Kavalier: "Mach oack ne goar su sihre tichtch!" `Geh nur nicht gar so ran (an die Unterwäsche)!´ - 3. Wort, das im heutigen Sprachgebrauch zur Steigerung, Verstärkung von V., Adj. u. Subst. verwendet wird, `sehr, stark, groß´ (die ältere Generation gebraucht dafür sihre, irrch, gruß, derschrecklch, murdsmäßch, urndlch u. andere Adv.) ; du musst tichtch ufpoassn, ´s woarrn tichtch vill Leute do, du hoast dr aber ann tichtchn Haufm genumm. Lautf.: tichtsch; tichte verstr. Ostlausitz, söSüdlausitz, wSüdlausitz, Schlesien.
tichtsch siehe diche!

tickn siehe dickn!

Tickn-Tackn Pl. Obercunnersdorf, Großschönau Schimpfwort für Personen, junge Leute und Kinder; Niedereck(s)che Tickn-Tackn hoann ´n Teifl hindern Nackn!

ticktackn swv. `Ticken der Uhr´.

ticksch (gespr. dicksch) Adj. `tückisch´. 1. Jonsdorf ticksch senn, ticksch tun mit jmdm. `beleidigt sein, eingeschnappt sein´; a wird ticksch uff miech. - 2a. Ostlausitz, Schlesien `hinterhältig, falsch, verstockt, heimtückisch´; ticksche Leute. - b. RA: zun tickschn Pussn `aus böser Absicht, um jmdn. zu ärgern´.

tickschn swv. `beleidigt, eingeschnappt sein, heimlich grollen, schmollen, Trotzkopf aufsetzen und nicht reden´; meine Frooe tickscht mit mir schunn drei Tage.

tief Adj. tiffer Bihms Koarle, Oberland, öKürzung, °NOL Königshain, oan tiffstn Oberland wie litspr. `tief´; a Zänkl tiffer hängn; du musst wieder durch´n tiffstn Schnie stoampm!

Tiefmderfl n. `Tiefendorf (Ortsteil von Löbau)´; iech hoa meine zun Harbstmoarchte an Tiefmdurfe ufgegoablt. Auch Tiefmdurf.

Tiegl `Tiegling (Ort der Gemeinde Lohsa im °BZ)´.

tieglch (gespr. dieglch) Adj. veralt. `tauglich, zuträglich´.

Tieglwurscht f. 1. Süd-, West- u. Ostlausitz `aus dem Blut frischgeschlachteter Tiere (Gänse), Speck, Zwiebel(n), Gewürzen, Milch, zuweilen auch Mehl od. Semmelwürfel zubereitete, im Tiegel gebratene Wurst´, auch Bluttieglworscht Großröhrsdorf, umg. „Tote Oma“. - 2. nOberlausitz, Niederlausitz `dass. wie Gritz(e)wurscht: eine im Tiegel gebratene Masse aus Tierblut, Grütze u. Gewürzen´.

tiegn (gespr. diegn) unregelm. V. veralt. °ZI Ebersbach, Niederoybin `tügen: zu etwas taugen, für etw. nützlich sein, anstehen, für etw. gut genug sein, genügen´; do koann´s uns dr Knaajcht ne mih zu tiegn machn.

Tier n. Dim. Tierl, Tierchl wie litspr., häufiger Viech(t).

tierchtch Adj. 1. Lawalde, Bihms Koarle `zornig, aufgebracht, sehr böse, reizbar, niederträchtig´; doaas is a tierchtcher Moan; dar wird schiene tiercht warn! - 2. Neugersdorf `ungeheuer, groß (Steigerung)´; iech hoa ann tierchtn Hunger. Lautf.: tiercht.

Tierchtekeet f. Lawalde `Zorn, Wut, Niedertracht´.

Tierdlhosn f. 1. Süd- u. Ostlausitz `Hose für kleine Kinder, die hinten einen abknöpfbaren Latz hatte, so dass man sie beim „großen Geschäft“ nicht ausziehen musste´. - 2. `Hemdhosen für Frauen mit einem abknöpfbaren Gesäßteil´. - 3. Jonsdorf `Hose mit Latz vorn, der den Hosenstall verdeckt´. Lautf.: Tierlhosn.

Tierdricker(ch) m. msSüdlausitz `Türklinke´, auch Dricker.

Tierdrickl m. Schirgiswalde n. an der tschechischen Grenze zwischen Sebnitz und Leutersdorf `Türklinke´, auch Drickl.

Tiere f. Dim. Tierdl, Tierchl, Tierl, Tierchn 1. `Tür´; du sullst de Tiere ne su plauzn! Ufetierdl. RA: Mit dr Tiere as Haus foalln `direkt, augenblicklich, ohne Umschweife´; ba Neums-Paule spee de Tiere vier Leute aus; dar wird o baale de Sohln zer Tiere rausreckn `der wird wohl bald sterben und im Hausflur aufgebahrt werden´. - 2. fachspr. `Windklappe der Mühlenflügel´. Lautf.: Täre nOberlausitz.

tiermern siehe därmern!

Tiersteen m. `Türstein: Trittstein, der vor der Haus- od. Hintertür liegt u. ebenso breit ist; Steinschwelle´; Haustiersteen, auch Hindertiersteen. Vgl. Fletzn.

Tierstook m. Pl. Tierstecke Spitzkunnersdorf `Türstock: hölzerne od. steinerne Türeinfassung´.

Tiesch m. `Tisch´; nimm de Fisse vun Tiesch od. Tische! RA: renn od. reen Tiesch machn `durch Aussprache ein Problem lösen´.

Tieschkastl n. Dim. von Tieschkoastn `Tischkasten, Schubfach unter der Tischplatte´. Auch Schieblch.

Tieschtuch n. Dim. Tieschtichl `Tischdecke´. Lautf.: Tischtuch.

Tieschbloat n. veralt. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Tischplatte´.

Tiftlch m. dass. wie Tiftler.

Tiftler m. `Tüftler: Person, die lange nachdenkt, um Schwierigkeiten zu beseitigen od. um etw. zu erfinden´.

tiftln swv. `tüfteln: sich intensiv u. ausdauernd mit etw. Schwierigem beschäftigen, über etw. lange nachdenken´.

Tilke f. selt. Großhennersdorf, Ostlausitz `muldenartige Vertiefung im Gelände, grubenartige Bodensenkung, eingedrückte Stelle (im Ball od. Blechgefäß)´. Siehe auch Delle!

Tille (gespr. Dille) f. `Tülle´. 1a. °ZI Ebersbach, öSüd-, Ost- u. nWestlausitz `Ausgussrohr an einer Kanne od. Pumpe´. - b. `Gießkannenbrause, Sprüher´; uff´m Kirchhofe lussn de Leute de Tilln vun Gisskoann mitgihn. - c. Schlesien `Kaffeekannenschnauze´. - 2a. Schlegel `röhrenartiger Fortsatz aus Metall, in den man einen Holzstiel einpasst (Gartengeräte, Jaucheschöpfer, Fahnenhalter)´. - b. Wittgendorf, Großschönau `Metallhülse, in die man Kerzen od. Dochte steckt; Wachskerzenhalter´; irschtert kumm de Tilln uff´m Chrisboom, derno de Kugln; Lichtltille. - c. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `Rohr an der Sämaschine zum Körner in den Boden Leiten´.

Timpl m. Dim. von Tump 1. wie litspr. `Ansammlung von Wasser in einer Bodenvertiefung, große Pfütze, Lache einer Flüssigkeit´; wenn´s kenner soahg, hoa´ch de braun Timpl (braune Butter) ausgeschoappt. - 2. `größere Anzahl gleichartiger Dinge (Blumen, Bäume, Pilze, Menschen) auf kleinem Raum beieinander´ (Bedeutung wie Tampl); a Timpl Kurnblum.

timplch Adj. Ostlausitz 1. `niedergeschlagen, bedrückt, missmutig´, auch triebetimplch. - 2. Anton `einfältig, albern´.

Timplgräte f. `Tümpelkröte: Kröte, die im od. am Wasser lebt (und träge und schmutzig ist)´,  in der Fügung besuffm, saufm wie anne Timplgräte `betrunken sein, viel Alkohol trinken´. Lautf.: Timplkräte.

Timplmauke f. Obercunnersdorf dass. wie Teichlmauke.

Tinndurf (gespr. Dinndurf) n. 1. `Thiemendorf (Ortsteil der Gemeinde Waldhufen im °GR)´; Kirmst ei Tinndurf, Spitzname: Hundetinndurf; de Tinndurfer `die Einwohner von Thiemendorf´. - 2. E. Brux `Thiemendorf (Ober-, Mittel-, Nieder-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich des Queis, poln. `Radostow´.

Tinndurf (gespr. Dinndurf) ohne Genus 1. `Thiemendorf (Ortsteil der Gemeinde Waldhufen im °Görlitz)´; Spitzname: Hundetinndurf; de Tinndurfer `die Einwohner von Thiemendorf´. - 2. `Thiemendorf (Ober-, Mittel-, Nieder-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich des Queis, poln. `Radostow´.

Tinte f. wie litspr.; RA: Tinte gesuffm hoann `nicht ganz bei Trost sein´. RA: Die senn dicke Tinte minander `die sind eng befreundet, was sich leicht ins Gegenteil verkehren kann´.

Tippl siehe Toob!

tippl, tappl Adv. `kurze Schritte machend´; ´s Klintsche lief tippl, tappl ieber de Stroße.

Tipplbrat n. dass. wie Toopbrat.

Tipplbruder n. veralt. Pl. Tipplbrieder (Eibau) `Tippelbruder: Handwerksbursche, Wandergeselle, Landstreicher, Bettler´.

Tipplgucker m. scherzh. 1. `einer, der neugierig in die Töpfe guckt, um zu erfahren, was es zu essen gibt´. - 2. scherzh. `Trinker´.

Tipplhäbm n. `Topf- od. Glücksheben mit Tassen od. Töpfchen in der Andreas-, Thomas- od. Neujahrsnacht (Orakel)´. Symbolische Gegenstände (Brot, Geld, Kohle, Ring, Lappen) werden unter die Tassen gelegt, die nach einem Durcheinanderschieben aufgedeckt werden. Wer z.B. den Ring aufdeckt, wird im neuen Jahr eine Bindung (Hochzeit, Patenschaft) eingehen.

Tipplhuckst f. `Töpfchenhochzeit´. Im 19. Jahrhundert brachten die geladenen Hochzeitsgäste und die Gratulanten Gefäße mit, die (während des Hochzeitsmahles) mit Speisen gefüllt wurden. Sie wurden mit nach Hause genommen und an den folgenden Tagen verzehrt. Man feierte Tipplhuckst. Lautf.: Tepplhuckst.

Tipplmoarcht siehe Toopmoarcht!

tippln (gespr. dibbln) swv. `trippeln, mit kleinen Schritten laufen´.
tippln swv. 1. `aus Biertöpfen viel trinken´; is aale Stamml spielt Skoat de hoalbe Nacht und tipplt. - 2. dass. wie Tipplhäbm. Lautf.: teppln.

Tippltoappltur f. `nicht von der Regel abweichend, nach der vorgeschriebenen Ordnung, in altgewohnter Reihenfolge, gemächlich´. ´s gitt oalls seine Tippltoappltur.

Tippvll n. `Töpfchen voll´.

Tipsl n. 1. Cunewalde, Burkau `winzig kleiner Fleck, Pünktchen´; uff denner Kleedche sitt ees jeds Tipsl. - 2. Steina `sehr kleine Stückchen´; bei uns goab´s Quoarkbemm mit Buttertipsl.

tipsn swv. `tippen, etw. leicht und kurz (mit der Fingerspitze) berühren´.

Tirche siehe Törch!

tirksche Birne f. selt. msSüdlausitz `türkische Birne: rundlicher grünweiß gescheckter Kürbis´.

tirkscher Honch m. `türkischer Honig: eine aus Zucker und Fruchtsaft hergestellte feste, klebrige Süßigkeit, die es früher auf Jahrmärkten gab´.

Tischer (gespr. Discher) m. öSüd- u. sOstlausitz, Sebnitz `Tischler´; dann hoat dr Tischer schunn sei Rickl oaagemassn `der wird wohl bald sterben´.

Tischerei f. `Tischlerei, Schreinerei´.

tischern swv. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `tischlern: Tischlerarbeit verrichten´; dr Voater kunnt a brinkl tischern.

Titsche, Titschche f. West- u. Ostlausitz `dünnes, schlechtes Getränk´; a kunnt´n noa aus dr Titsche ziehn `er konnte ihn noch retten´.

titschern (kurzes i) swv. Südlausitz, Schlesien `Steine auf dem Wasser hüpfen lassen´. Lautf.: titschkern Schlesien, Nordböhmen.

Titschl n. (zu Titsch m.) 1. verstr. Hirschfelde, Bertsdorf `kleines Kind od. Lebewesen, wie kleiner Vogel od. kleines Insekt´. - 2. Eibau, Nordböhmen `leichter Schlag, kleiner Klaps´.

Titschlmauke f. dass. wie Teichlmauke.

titschn (gespr. dittschn) swv. 1. `etw. (Gebackenes) in eine Flüssigkeit eintauchen, (damit es aufweicht und leichter zu kauen ist.) - 2. Burkau `flache Steine so flach aufs Wasser werfen, dass sie - mehrmals von der Wasseroberfläche abprallend - über das Wasser hüpfen, bevor sie untersinken´; mer hoann´n ganzn Tag oan Teiche getitscht. - 3. übertr. `jmdm. einen Dämpfer aufsetzen, ihn ducken´. - 4. `jmdn. ausdrücklich auf etw. hinweisen, aufmerksam machen´; mit dr Noase druftitschn. Siehe auch tunkn!

Titte f. (gespr. Didde) Pl. Tittn, Dim. Tittl od. Tietl `Tüte´ (siehe auch Tute!) 1. jede Art von `Rohr, Röhre´; Ufmtitte. - 2. `einfaches kindliches Blasinstrument (aus Pappe od. Papier)´. - 3. scherzh. `Nase´; du koannst miech a dr Titte roattern `du kannst mir den Buckel herunterrutschen´ (eigtl. `du kannst mich an der Nase rütteln´). - 4. `unschöne Ausbuchtung an einem Kleid, einem Rock´. - 5. `abgetragener, alter, verschobener Hut´. - 6. `Papierbeutel, Tüte (mit Spitze)´; Zuckertitte, Leimtittl, Somtittl. Lautf.: Tiete nwSüdlausitz, Westlausitz. Siehe auch Tute!

Titt(e)hurn n. (gespr. Diddehurn) Dim. Titt(e)hernl 1. `Blasinstrument, das laute Töne hervorbringt (z.B.: Feuerwehrhorn, das Horn des Nachtwächters od. des Hirten, ein Kuhhorn, ein ausgehöhlter Krautstrunk)´. - 2. übertr. a. abwert. Spitzkunnersdorf, Dittelsdorf `Pers., die schreit und brüllt´. - b. stark abwert. Neugersdorf `dummer Mensch, Idiot´; doaas Tittehurn weeß senn eegn Geburtstag ni mih. Lautf.: Titthurn.

Titterei f. 1. Spitzkunnersdorf `lautes Blasen eines Blasinstrumentes´. - 2. übertr. `Geschrei, Gebrülle´; wie´r vu dr Oarbeit koam, gingk de Titterei o schunn lus.

Tittl siehe Titte!

Tittleis n. `Speiseeis in tütenförmigen Waffeln´; gih mer oack a Tittleis huln!

Tittlkromer m. abwert. `Inhaber eines kleinen Lebensmittelgeschäftes, kleiner Kaufmann´. Lautf.: Tittlkramer, Tietlkromer, Tietlkramer. Häufig wird Tittl dem Zunamen vorangestellt: z. B. Tittlneum `Inhaber einer Drogerie od. eines Lebensmittelgeschäftes, der Neumann heißt und seine Ware eintütet´.

tittn (gespr. diddn) swv. 1. `laut ins Horn blasen, Luft in ein Blasinstrument stoßen´; RA: enn as Hernl tittn `jmdm. Recht geben, um sich einzukratzen´. - 2a. `sehr laut reden, schreien; etw. laut ausposaunen, laut schimpfen´; musst de doaas wieder zun Fanster raustittn, ´s gitt kenn woaas oaa! - b. `laut schreien, laut weinen´; hier uf mit Tittn! - 3. in der Wendung enn woaas tittn `jmdm einen Gefallen ablehnen´.

Tittvll f. `eine Tüte voll´; anne Tittvll Zuckernissl.

Toaapch (gespr. Doaabch) m. Neugersdorf, Wittgendorf `Mensch, der alles verkehrt macht, ungeschickter Kerl, Tollpatsch, Dummkopf´. Lautf.: Toappch, Toaapsch Jonsdorf.

toaapch Adj. dass. wie toaaperch.

Toaaperch m. dass. wie Toaapch. Lautf.: Toapperch.

toaaperch Adj. Süd- u. Ostlausitz `taprig: ungelenkig, unsicher beim Gehen, unbeholfen, alt u. gebrechlich, ungeschickt u. zittrig im Alter, verbraucht´; unser Voater is aber toaaperch wurn; de Oogn woarrn a brinkl toapperch. Lautf.: toapperch, täpperch.

toaapern swv. Süd- u. Ostlausitz `tappen: unsicher gehen´; an Finstern toaapern. Lautf.: toappern, tappern.

Toaaps m. 1. Süd- u. Ostlausitz `ungeschickter Kerl, Tollpatsch´. - 2. Neugersdorf dass. wie Toapse. Lautf.: Toaps (kurzes oa) Girbigsdorf.

toaaps´ch Adj. `taprig, schwerfällig, plump, alt u. gebrechlich, unbeholfen´; a toaaps´cher Bar. Lautf.: toaps´ch (kurzes oa), toaps´sch.

Toabeet n. in der Wendung uff´s Toabeet brengn `etw. bekannt machen, etw. offen sagen´.

Toabern siehe Tofer(n)!

Toachter (kurzes oa) f. `Tochter´; iech wohn ba dr Toachter, Grußvoaterschwastersuhnstoachter `Großcousine´. Auch Maajgl. Lautf.: Tachter Schirgiswalde.

Toajnderch siehe Doajnderch!

toajndern siehe doajndern!

Toallche f. `Taille´; dar hoat mer de Toallche gerissn `der hat mich schlecht gemacht´.

Toaler m. `Taler: historische Münze, meist alte Silbermünze im Wert von 3,00  Mark´. Takt des Webens auf dem Handwebstuhl: Aalttoaler, Neutoaler; a Toaler muss warn, a Toaler muss warn! Spitzkunnersdorf.

Toalerblume f. mnWestlausitz ` Margerite (Chrysanthemum leucanthemum L.)´.

toalfern swv. Süd- u. Ostlausitz `undeutlich, unverständlich reden; stockend sprechen; stammeln (kleine Kinder, Betrunkene)´; dei Getoalfer koann´ch ne verstihn.

toalkch Adj. 1. `nicht richtig ausgebacken´; de Sammln senn mer zu toalkch `die Semmeln sind mir zu hell, zu mehlig, zu wenig knusprig´. - 2. dass. wie toalkerch.

Toalke f. 1. `missratenes, noch nicht ausgebackenes Gebäck (Brot, Semmel, Kuchen); Herdkuchen´; bihmsche Toalkn `(Milch)semmeln aus Böhmen´. - 2. übertr. `ungeschickte, etw. falsch machende Person ´; du bist anne Toalke. - 3. `(ungeschickte) Hand´. - 4. in der Wendung anne Toalke machen `einen Fehler machen´. - 5. siehe Aberntoalke!

Toalkebäcke m. Eibau `Bäcker, der schlechte Ware bäckt´. Lautf.: Toalknbäcke.

Toalkerch m. Obercunnersdorf `Mensch, der langsam arbeitet und alles verkehrt macht; ungeschickter Kerl; Tollpatsch´.

toalkerch Adj. `ungeschickt, tollpatschig, aus den Händen fallend´.

toalkern (gespr. doalkern) swv. 1a. `alles betasten, etw. od. jmdn. (plump, ungeschickt) anfassen´. Das Wort ist nur in Zuss. gebräuchlich; betoalkern, oaatoalkern, rimtoalkern. - b. Cunewalde, Girbigsdorf dass. wie boalgern `(kleine Tiere) streicheln, drücken, lieb haben´; mit dr Miezekoatze toalkern, ´s Kleene wurd gestreechlt und getoalkert. - c. Wehrsdorf `lustlos, abwesend od. ungeschickt hantieren´. - d. Spitzkunnersdorf `trödeln, sich langsam bewegen´. - 2. Ober- u. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Nordböhmen `undeutlich, unverständlich reden; stockend sprechen; stammeln (kleine Kinder, Betrunkene)´; anoochtoalkern `nachplappern´, a woar besuffm und toate oack su rimtoalkern. Lautf.: talkern, tulkern.

toalkn swv. dass. wie toalkern 1. u. 2.

Toallche f. `Taille´; enn de Toallche reißn `jmdn. schlecht machen´.

toalpch Adj. Burkau `ungeschickt´.

Toalpe f. Cunewalde, Steinigtwolmsdorf, Pulsnitz, Oberlichtenau 1. Seifhennersdorf `Pfote, Tatze (bei Tieren); unser Koatze fahlt anne Hindertoalpe. - 2a. überr. Neugersdorf `Hand des Menschen´; de linke Toalpe. - b. übertr. meist abwert. `große, schwere, derbe, ungeschlachte, ungeschickte Hand (des Menschen)´.

toalperch Adj. Steinigtwolmsdorf, Girbigsdorf `ungeschickt´.

toalpern swv. 1. Westlausitz `alles betasten, etw. od. jmdn. (plump, ungeschickt) anfassen´; auch toalkern. - 2. selt. Ostlausitz rimtoalpern `albern, kindisch sein; sich necken´.

toalpm swv. Oberlichtenau dass. wie toalpern 1. u. toalkern; oalls oaatoalpm od. oantoalpm.

Toalps m. Schirgiswalde `Mensch, der alles verkehrt macht, ungeschickter Kerl´.

toamperch siehe tamperch.

Toangst siehe Tanglst!

Toanmeese (gedehntes oa) f. Großschönau `Tannenmeise (Parus ater)´. Lautf.: Toannmeese.

Toanne f. `Tanne´. 1. wie litspr. `Abies alba´. - 2. übertr. `Fichte, Kiefer´.
Toanne `Tanne (alte Bezeichnung für die Ortschaft Neu Krauscha der Gemeinde Neißeaue im °GR)´.

Toannebarg m. `Tannenberg´, tsch. `Jedlova (Berg im Lausitzer Gebirge in Nordböhmen)´.

Toanneboom m. Spitzkunnersdorf, Waltersdorf, Lautf.: Toannebeeml `Tannenbaum: Weihnachtsbaum´, häufiger Chis(t)boom. Lautf.: Toannboom, Toanboom.

Toannezoappe f. `Tannenzapfen: Zapfen eines Nadelbaumes´, meist `Fichtenzapfen´. Lautf.: Toannzoappe f., Toanzoappe (gespr. Doaanszoabbe), Toannezoappm m., Toannzoappm m.

Toannkoappe f. Nordböhmen `Flockenstieliger Hexenpilz (Boletus miniatoporus)´.

Toanzoappe (gespr. Doaanszoabbe) siehe Toannezoappe!

Toapet n. `Tapet´ in der Wendung uff´s Toapet brengn `zur Sprache bringen´.

Toappch siehe Toaapch!

Toapperch m. selt. Dim. Toapperchl od. Toapperchn 1. Bihms Koarle, Waltersdorf, Nordböhmen `alter Frauenrock, bes. Unterrock´; die leeft immer noa a dann aaln Toapperche rim; a Toapperchl `ein Kleidchen´. - 2. dass. wie Toaapch! Lautf.: Toaaperch.

toapperch Adj. siehe toaaperch!

toappern siehe toaapern!

Toappert m. dass. wie Toapperch 1. Lautf.: Toappat Seifhennersdorf.

toappln swv. dass. wie toapsln; a kimmt schunn oaagetoapplt `er kommt mit kurzen Schritten unsicher angelaufen´.

Toaps (kurzes oa) siehe Toaaps!

toaps´ch (kurzes oa) siehe toaaps´ch! Lautf.: toaps´sch.

Toapse (kurzes oa) f. Pl. Toappsn 1. `Fußabdruck, Trittspur (auf sauberem Fußboden)´; mach mer ju keene Toapsn, iech hoa is Haus gewischt! - 2. `Hand, Fuß´; du krigst glei a poaare uff de Toapsn!

toapsln swv. `ungeschickt laufen von Kindern, mit kleinen Schritten unsicher gehen´. Lautf.: toaapsln Oberland, tapsln, täpsln Neulausitz.

toapsn swv. umg. `tapsen: plump auftreten (u./od. mit den Händen tasten), laufen und Fußabdrücke hinterlassen, tappen´; durch´n Schnie toapsn. Lautf.: toaapsn.

Toaschndurf `Taschendorf (Ort der Gemeinde Burkau im °BZ)´; de Toaschndurfer `die Einwohner von Taschendorf´; Schubbsacksdurf (Spitzname).

Toatsche (kurzes oa) f. `Tatsche: (große) Hand´.

toatschln swv. `tätscheln, betasten, (zärtlich) anfassen, streicheln´. Lautf.: tatschln.

toatschn swv. umg. dass. wie betoalkern!

Toatterch (gespr. Doadderch) m. 1a. `(krankhaftes) Zittern (der Hände)´; mit menn Toatterche koann´ch ne mih Hulz hackn. - b. `Rausch, Schwips´. - 2. `Person, die zittert´; dar aale Toatterch sellde ne su vill saufm.

toatterch Adj. `zittrig, mit den Händen zitternd´. Lautf.: tatterch.

toattern swv. `(mit den Händen) zittern´.

Toattermannl n. Nordböhmen `kleines, unansehnliches Männchen´, auch Geeklmannl.

Tobak (gespr. Doback) m. `Tabak´; Tobak(s)boajttl, Tobakknoaster, Tobakpfeife, Tobaksaak, Schnupptobak, Roochtobak `Pfeifentabak´, kreiz Tobak! (Fluch), doaas is stoarker Tobak `das ist unerhört´. Lautf.: Towak, verstr. sSüdlausitz Tobch.

Tobak(s)blume f. selt. Cunewalde `Wohlverleih, Arnika (Arnica montana L.). Lautf.: Towak(s)blume.

Tobaksom m. `Tabaksamen: Gemisch aus getrockneten u. geriebenen Tabakblättern und Tabaksamen´.

Tobak(s)pfeife f. `Tabakspfeife´. Lautf.: Tobaksfeife.

Tober (gedehntes o) m. verstr. Süd- u. Ostlausitz `Dunst, Rauch (vom Pfeiferauchen) in einem geschlossenen Raum, Dampf, Brodem´; ´s is Tober a dr Bude. Lautf.: Tofer Neusorge (Ostlausitz).

Toberch m. Wittgendorf dass. wie Tober.

toberch (1.Silbe betont) Adj. `dunstig, trübe, diesig, eingetrübt, drückend, schwül, gewittrig´; ´s macht´ch su toberch im de Ränder, mer warrn wull noa woaas kriegn `es wird so trübe am Horizont, wir werden wohl noch ein Gewitter bekommen´ (Oberland); ´s kemmt toberch ieber Frankln `Frankenthal´, ´s woard glei raan (Westlausitz). Lautf.: towerch, täberch.

Toberche f. Steinigtwolmsdorf, Westlausitz `dunstige, schwüle Luft´. Lautf.: Towerche.

tobern swv. Girbigsdorf `qualmen, rauchen, dampfen´; ´s tobert wieder.

Tofer siehe Tober!

Tofer(n) Pl. Ostlausitz `(große) abgelöste Rindenstücke alter Bäume´. Lautf.: Toafer(n), Tower(n), Toawer(n), Toaber(n) Neusorge.

Tofl f. `Tafel´; Schiefertofl, Loadntofl, a dr Stube anne gruße Tofl vierrichtn.

Toflfichte f. `Tafelfichte (1124 m hoher Berg im Isergebirge, der auch von Deutschland aus zu sehen ist´; poln. `Smrek´, tsch. `Smrk´. Lautf.: Toflficht öKürzung.

Toflsteen m. `Tafelstein (poln. Plyta, tsch. Tabulovy kamen): Grenzstein zwischen Schlesien, Böhmen und der Oberlausitz am Nordhang der Tafelfichte, höchster Punkt der Oberlausitz´.

Tonheetl siehe Pfeifmheetl!

Tonkugl f. `Murmel (aus Ton)´.

Too m. `Tau´; Murgntoo.

toob Adj. `taub´ 1. `gehörlos´; toobm Uhrn prädchn. - 2. `abgestorben, gefühllos, leblos´; de kleene Zihne oan linkn Fusse is toob; dar hoat ann Toobm `der hat keine Kinder, er ist unfruchtbar´.

Toobnessl f. `Taubnessel (Lamium L.)´.

Toofe f. Pl. Toofm od. Teefm `Taufe: die kirchliche Handlung, durch die ein Kind in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird, (bei der der Geistliche den Täufling mit Wasser benetzt,) verbunden mit der Erteilung seines Namens, u. die anschließende Feier´; auch: Teeft Oberland, sSüdlausitz, Teefche Weifa, selt. Teef(d)e Westlausitz.

toofm swv. `taufen´ 1. `Pers. (meist Säugling), durch eine kirchliche Handlung in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen´; murne wird unser Klintsches getooft. - 2. `jmdm. od. etw. einen Namen geben´; de Leute hoann doaas neue gruße Haus uff Klugscheißerkastl getooft. - 3. `verdünnen, eine Flüssigkeit mit einer anderen (im Aussehen, geschmacklich) verändern´; se toofte dann vermurkstn Koaffee mit Trinkschukeloade. Auch relikthaft noch teefm.

Toogenischt m. `Taugenichts: ungeratener, nichtsnutziger Kerl´.

toogenischtch Adj. `nichts taugend, minderwertig´.

toogn swv. `taugen´ 1a. `etw. wert sein´; ´s Assn toogt ne vill. - b. `schmecken´; dir toogt´s wull ne? - 2. `sich für etw. eignen, zu gebrauchen sein´; Richtersch Gruße toogt zu nischte ne. - 3. `jmdm. zusagen, passen, gefallen´; toogt´r´sch neue Hemde? `Ist dir das neue Hemd so recht?´ Lautf.: taugn öKürzung.

toon (gespr. doon) swv. `tauen, schmelzen von Schnee und Eis´.

Toop (gesprochen Doob, im nOstlausitz Toob) m. Pl. Teppe, Dim. Tippl od. Tippchl 1. wie litspr. `Topf´; RA: Doaas is o noa ne a dann Tuppe, wu´s koacht `das ist noch nicht endgültig´. RA: Auf die neugierige Frage "Was gibt es zu essen?" antwortet man: Ann Toop an andern und Wischehoader derzwischn od. ´s kleene Tippl an grußn (und ann Wischehoader derzwischn, dermit se siech ne stußn) `einen Topf in dem anderen und Scheuerlappen dazwischen´, eigentlich `Kochen im Wasserbad´; oalls a enn Toop schmeißn `(zu unrecht) verallgemeinern´; ´s is oalls wieder ei ann Tippl `der Streit ist beigelegt´. - 2a. `tönernes od. blechernes Trinkgefäß mit Henkel, große Tasse ohne Untertasse, Bierglas´; a Koaffeetippl; ´s guckn miher Oogn as Tippl wie aus´n Tippl. - b. `Inhalt eines solchen Trinkgefäßes´; a Tippl Ziegemilch, a Tippl Bier. - 3. `Nachttopf (Kinder)´; ´s Tippl uff´m Zaume. - 4. `Blumentopf´; Blumtippl. Lautf.: Tupp bzw. Topp Westlausitz, Teppl Westlausitz.

Toopbinder m. söSüdlausitz, sOstlausitz dass. wie Toopeistricker.

Toopbrat n. °ZI Ebersbach, Spitzkunnersdorf `Wandbrett od. einfaches hölzernes Regal in der Küche od. Stube zur Aufbewahrung von Töpfen, Schüsseln u. Geschirr´. Lautf.: Teppebrat Schirgiswalde, Teppbratl Neukirch, Teppbrat Sächs. Schweiz.

Toopeibinder m. sSüdlausitz dass. wie Toopeistricker.

Toopeistricker m. veralt. `Topfeinstricker: umherziehender Handwerker, der tönernes Geschirr mit zerkautem Brot kittete u. mit einem Drahtgeflecht vor erneutem Anstoßen und Zerspringen schützte´; auch Toopstricker. Lautf.: Tepp(e)ei(n)stricker wSüdlausitz. Siehe auch Schlowak(e)!

Toopmoarcht m. `spezieller Markt für tönernes Geschirr´; iech kumm oack uff´s Schissn waajgn Tipplmoarchte.  Formen: Tipplmoarcht, Tipplmoart.

Toopschloin n. Gesellschaftsspiel zu Kinder- u. Schulfesten `mit verbundenen Augen mit einer Stange auf Töpfe schlagen´. Lautf.: Toop-, Topp-, Tupp-, Tippl-, -schloin, -schloon, -schloarn.

Toopvll m. siehe Tuppvll!

Törch ohne Genus, veralt. f. `Türchau´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dort östlich der Neiße, poln. `Turoszow´; dem Braunkohlenbergbau zum Opfer gefallen. Lautf.: Törche, Terch(e), Tirch(e), Turch(e).

tormlch (gespr. dormlch) Adj. Westlausitz `schwindlig, drehend, taumlig´. Lautf.: tirmlch, turmlch, darmlch.

Traajger m. `Träger´. 1. `Tragebalken´; dr Nubber misst´ch dickn, wenn´r mit´n Kuppe ne a a Traajger stußn wullte. - 2. `Pers., die etwas trägt´; Leichntraajger. Lautf.: Traajer.

Träbche veralt f., ohne Genus `Tröbigau (Ort der Gemeinde Schmölln-Putzkau im °BZ))´; a (in, ei) de Träbche gihn; de Träbcher `die Einwohner von Tröbigau´. Auch Träbchn.

Träbe siehe Treebe!

Träbmdorf `Trebendorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´. Lautf.: Träbmdurf.

Träbs (gedehntes ä) `Trebus (Ort der Gemeinde Hähnichen im °GR)´; de Träbser `die Einwohner von Trebus´. Lautf.: Trabs (gedehntes a), Träbse (gedehntes ä).

Traf (gedehntes a) m. Dim. Trafl `Treff: Schlag, Stoß´; ann Traf gan od. kriegn; titt ne su rim,´s woar oack a Trafl.

Traffm n. `Treffen, Zusammentreffen von Konkurrenten, Schlacht, Krieg´; in der Wendung zun Traffm kumm `zum Streit, zur Auseinandersetzung kommen´; de Poartn wurdn as Traffm gefuhrt `die Gegner wurden auf den Kampfplatz geführt´.

traffm stv. iech traff(e), du triffst, mer traffm, iech troaf, iech hoa getroaffm `treffen´. 1. `jmdm. begegnen´. - 2. `zutreffen´; doaas trifft, woaas de gesoit hoast. - 3. `etw. (zielend) treffen´; Spottvers: Ne getroaffm, Been atzwä, wenn´s oack wieder heele wär.

Trafl n. Dim von Traf `schwacher Schlag, leichte Ohrfeige´; ´s woar wetter nischt derzu, iech hoa oack a Trafl gekrigt.

Träml (gedehntes ä, gespr. Dräml) m. 1. `kurzes, dickes Holzstück, Kantholz im Fachwerk eines Hauses, Pfahl, (Trag)balken, Knüppel, Klotz´. - 2. übertr. `ungewöhnlich großer, (kräftiger) Kerl´; woaas doaas fer a Träml wurn is! Lautf.: Treml °ZI Reichenau, Tremml u. Tramml Westlausitz, Traml °NOL Königshain.

Trämlch m. Jonsdorf dass. wie Träml.

Trämpl-PS n. scherzh. Großhennersdorf, Weifa `Fahrrad´. Lautf.: Trampl-, Troampl-PS.

Trämplch (kürzes ä) m. `Tramplich, Trampeltier; Pers., die ungeschickt, schwerfällig und laut auftritt´.

trämpln (kurzes ä) swv. Obercunnersdorf, Neukirch `trampeln´. 1. `mit den Füßen aufstampfen, kräftig auf der Stelle treten´; ´s Kraut eiträmpln; Lehm trämpln. - 2. `mit festen Schritten laut auftreten´; trämpl ne su, de Kleene schläft! Lautf.: troampln.

Trämplseff (kurzes ä) m. dass. wie Trämplch.

Trämplzeug siehe Troamplzeug!

tran swv. `tränen´; mer tran de Ogn.

Trane f. Dim. Tranl, Pl. Trann od. Tran `Träne´ 1. wie litspr.; de  Trann aus´n Ogn wischn. RA: ´n Oarsch vuler Tran hoann `Kummer haben´. - 2. `Tropfen, kleine Menge einer Flüssigkeit´, auch veralt. Tran m.; ´s is keene Trane od. kee Tran Woasser do.

Tränke f. 1. `Stelle, an der das Vieh trinkt´. - 2. selt. West- u.Ostlausitz `Flüssigkeit, womit man das Vieh tränkt; flüssiges Viehfutter´.
Tränke `Ort (Wüstung) im heutigen °GR, der 1961 dem Truppenübungsplatz weichen musste´; die schissn wieder ei Tränke.

Trantichl n. veralt. `bes. großes Taschentuch, das man zu einer Trauerfeier mitnahm und in das man den Kuchen vom Leichenschmaus einpackte´.

Traps (gedehntes a) m. Ostlausitz `Schlag (als Strafe)´; ann Traps kriegn. Auch Traf.

Traskoammer (gedehntes a) f. veralt. `Sakristei, (in der die Schätze der Kirche verwahrt werden)´, abgeleitet von Tresor. Lautf.: Troaskoammer °ZI Ebersbach, Dreeskoammer öKürzung, Tresskoammer Ostlausitz, Treeskoammer Schlesien.

Traspe f. `Trespe: ein Ackerunkraut, meist `Brombus secalinus u. arvensis L.´, ein Rispengras, das zwischen dem Getreide wächst u. dessen kleine Samenkörner sich bei der Ernte mit den Getreidekörnern mischen u. mit vermahlen werden. Vers der Bauern und Müller: Rode (Kornrade), Trasp und Vogelwickn wull mer´n Pfoarrn zun Daazn schickn `stark mit Unkrautsamen vermischtes Korn soll als Kirchenzehnt verwendet werden´.

Tratäsl m. scherzh. `Tretesel: Fahrrad´.

Trater m. (meist im Pl.) `Treter´. 1a. `großer, klobiger Fuß´. - b. `alter, derber, schwerer Schuh´; ba dann Sauwater koannst de de aaln Trater oaaziehn. - 2. `ungeschickte, schwerfällige (alte) Person, meist Mann; Tollpatsch´.

Tratmihle f. `Tretmühle´: scherzh. `Fahrrad´.

Tratmoaschine f. `Tretmaschine´: scherzh. `Fahrrad´; mit anner Tratmoaschine is de Walt noa amol su schiene.

tratn stv. iech trat(e), du trietst od. trittst, mer tratn, iech troat, iech hoa getratn `treten´. 1. litspr. `sich (mit einem Schritt) an eine best. Stelle begeben, den Fuß auf, in etw. setzen´; triet mer ne uff de Zinn! RA: ba enn as Fettnappl tratn; druf-, rei-, rimtraten. - 2. wie litspr. jmdn. tratn `jmdm. absichtlich od. versehentlich einen Tritt versetzen´. - 3. `begatten (Federvieh); dr Hoahn triet de Hihner; de Cunnerschdurfer tratn ihre Hihner oalleene `die jungen Männer aus Cunnersdorf lassen keinen Fremden an ihre Mädchen´.

Träue siehe Träut!

trauerch Adj. `traurig´; de Trauerchn `die nächsten Verwandten eines Toten´.

Trauerleute Pl. Niedercunnersdorf, Neusorge `Teilnehmer am Begräbnis, Trauergesellschaft´.

Trauermoarsch m. 1. `Marsch (Musikstück), der zur Beerdigung gespielt wird´; ann Trauermoarsch blosn. - 2. `Fußmarsch der Trauergesellschaft mit dem Verstorbenen vom Trauerhaus in die Kirche, zur Leichenhalle od. zum Grab als ein Teil des Beerdigungszeremoniells´.

Trauermohst f. Obercunnersdorf, °ZI Friedersdorf, Eibau, Leutersdorf `Trauermahlzeit: Essen (u. Trinken) für die Trauergäste im Anschluss an das Begräbnis, Leichenschmaus, Leichenschnaps´; RA: Spoaß muss senn ba dr Trauermohst, sunst kimmt ju kenner. Lautf.: Trauermohlst.

Trauernde Mutter f. um Pulsnitz `Trauerweide´; de trauernde Mutter schien ze wachsn.

Träugeld n. `Gebühren, die für die Vorbereitung und Durchführung der kirchlichen Trauung an den Pfarrer zu entrichten waren´. Lautf.: Träugaajld Bihms Koarle, Träugald.

Traumernich, Traunich `Traunicht (seit 1945 zu Polen gehörende Kolonie östlich der Neiße bei Priebus)´.

traun swv. `trauen´. 1. `jmdm., einer Sache Glauben, Vertrauen schenken´; du koannst dann jungn Karln ne mih traun; iech trau ne, doaaß de Gäste zer Zeit do senn. - 2. refl. `sich etw. getrauen, etw. zu tun wagen´; iech trau mer´sch ne.

träun swv. Südlausitz, Schlesien `trauen: eine Ehe kirchlich od. standesamtlich schließen´; uff´m Simmd warrn mer geträut. Vgl. troin!

Trauschmer siehe Drauschmer!

Träut f. Oberland `Trauung´; a de Träut gihn. Lautf.: Träude; Träue söSüdlausitz, msOstlausitz, Träuche, Trauche Neulausitz.

Träutag m. `Tag der kirchlichen Trauung, Hochzeitstag´.

Träuzug m. `Trauzug: Brautzug, Hochzeitszug, Zug des Brautpaares, der Ehrendiener und der Hochzeitsgesellschaft vom Brauthaus zur Trauung in die Kirche od. zur Eheschließung in das Standesamt und zurück od. in die Gaststätte, in der die Hochzeitsfeier stattfindet´.

Treebe f. `Treibe´. 1. `Weg, auf dem das Vieh zur Weide getrieben wurde, Viehtrift, Gemeindeweide, Weideplatz´; Schoftreebe, Hofetreebe `breiter Feldweg zum Rittergut´. - 2. übertr. `Herde, Gruppe, Schar, Meute (von Kindern), unbestimmte Anzahl von Lebewesen´; anne Treebe Hihner od. Mentschn. Lautf.: Träbe Prachenau.

Treebhulz n. 1. Cunewalde `Nudelholz, Teigholz´. - 2. scherzh.`Peitsche´. Lautf.: Treebehulz, Treib(e)hulz, Triebhulz.

treefln swv. `träufeln, tröpfeln´; oabtreefln; du musst dr noa deine Truppm a de Ogn treefln.

treefm dass. wie troofm.

treem swv. (refl.) `träumen´. 1. wie litspr. `einen Traum haben´; iech hoa vu dir getreemt; doaas toat mer treem; mir hoat´s getremmt `ich habe davon geträumt´; dir hoat wull schune wieder sich necksches Zeug getreemt? Mir treemt vu nischte, wenn´ch schlofe (Lawalde). Dar wird itz groade vu dir treem! (Lawalde) `Die wird jetzt gerade von dir träumen!´. A treemt´ch woaas Schienes. - 2. `in Gedanken versunken, unaufmerksam, nicht bei der Sache sein´; wenn de su treemst ba dr Oarbeit, brettst de ebch kenn Ziel.

Treemerch m. Steinigtwolmsdorf `verträumte, vergessliche Pers., Schlafmütze´.

treemern (gespr. dreemern) swv. `träumern: vor sich hin träumen, wie träumend dasitzen, etw. mit halbem Bewusstsein verrichten´; vu aaln Zeitn treemern.

Treeskoammer siehe Traskoammer!

Treibche f. sWestlausitz `abendliches Herumtreiben der jungen Leute beiderlei Geschlechts´.

Treibe f. 1. `abendliche Zusammenkunft (der Nachbarsfrauen), bei der das Garn mit Hilfe des Spulrades auf die Treibepfeife (Schussspule) gewickelt wird´. - 2. dass. wie Treiberoad. - 3. `Treiberei (Betrieb, Abteilung), wo Garn getrieben wird´; mer gihn zer Treibe od. a de Treibe.

Treibepfeife f. Dim. Treibepfeifl `Garnspule in der Handweberei, auf die mit dem Treiberad das Garn für die Webkette getrieben wird´; su steif dositzn wie anne Treibepfeife. Lautf.: Treibefeife. Siehe auch Pfeife! Vgl. Spulpfeifl!

Treiberoad n. Dim. Treiberadl `Spulrad zur Herstellung von Kett- (und Schuss)spulen´; ´s Treiberadl schnurrte.

Treibewulle f. `Strähne und Gebinde´.

Treibhulz siehe Treebhulz!

treibm stv. iech treib(e), du treibst, mer treibm, iech treeb, mer treebm, iech hoa getriebm od. getreebm `treiben´. 1. wie litspr. `ein Tier vor sich her bewegen (insbes. auf die Weide od. zurück in den Stall), einen Menschen zum Handeln veranlassen, antreiben´. - 2. wie litspr., intrans. `sprießen, Triebe ansetzen´. - 3. `Garn mit dem Treibe- od. Spulrad auf Pfeifen (Spulen) aufwickeln; Tätigkeit zur Herstellung von Scheibenspulen (Kettspulen) für die Webkette ausüben; de Kinder misstn zu Grußvoatersch Zeitn o moanchn Schneller fer Guchts Harrmoanne (Name des Fabrikanten) treibm. - 4. intrans. `gären, sich blähen, in die Höhe gehen (Teig)´; Lautf.: treim Westlausitz.

Tremml siehe Träml!

trempln siehe trämpln!

trenn unregelm. V. iech trenn(e), du trennst, iech trannte, iech hoa getrannt `trennen´.

Treppl ( gepr. Drebbl, Dim. von Truppm) n. siehe Truppm!

treppln swv. `tröpfeln: in kleinen, vereinzelten Tropfen herabfallen´; is misste amol richtch gissn und ne oack treppln. Sprichwort: Wenn´s ne truppt, su trepplt´s `wenig Einkommen, aber immerhin Einkommen´.

Treppstuffe f. `Treppenstufe´; iech hoa de letzte Treppstuffe verfahlt und bie hiegeschloin.

tretzerhoaftch Adj. Mückenhain `den inneren Schweinehund überwindend, trutzig, übermütig´; kummt oack tretzerhoaftch har und gatt´r´sch Poatschl!

tretzerlich Adj. veralt.`trutzig, übermütig, vor Kraft strotzend´.

tretzern Adj. Weifa `kräftig. muskulös´; anne tretzerne Frooe.

Treu f. Interj. in der Wendung menner Treu! `bei meiner Treue, es ist wirklich wahr!´ (Ausruf der Beteuerung od. Verwunderung).

treuharzch Adj. `treuherzig´; ´s Miezekatzl guckte miech su treuharzch oaa, do hoa´ch´s abm mitgebrucht.

Trichter m. wie litspr.; RA: uff´m richtn Trichter kumm `zur richtigen Ansicht kommen, etw. verstehen´.

triebeliern swv. `tribulieren: unablässig bitten und betteln, jmdn. mit Wünschen od. mit Fragen bedrängen, quälen, aufziehen, belästigen, schinden´; du sullst de Hihner ne su triebeliern, do län se keene Ee-er! Lautf.: triebliern, trieweliern.

triebetimplch Adj. verstr. Süd- u. Ostlausitz `trübsinnig, niedergeschlagen, bedrückt´. Lautf.: triebtimblch, triebetimplich.

Triebhulz siehe Treebhulz!

Triebkoichl n. Nordböhmen `Keulchen zum Teigaustreiben: Nudelwalze, Nudelholz´. Vgl. Treebhulz u. Mandlgultsch.

Triet m. `Tritt´. 1. `Stoß mit dem Fuß´; du krigst glei ann Tiet; an Tritte (kurzes i) bleibm. - 2. dass. wie Trietbrat `Trittbrett, Podest´; oan Fanster is a Triet, uff dann de Nähmoaschine stitt.

Trietbrat n. Dim. Trietbratl, Pl. Trietbrate `Trittbrett´. Lautf.: Trittbrat.

Trietgeschlinke n. `Trittschemelgeschlinge: Gesamtheit von Tritthebeln, Schnüren und Schäften am Handwebstuhl´;  de ufgebeemte Warfte wird geschlicht, mit ann Wedlch getroigt, mit Seefminslt oder ann Fette oabgeschlicht, eigelindert, oaagedräht und mit´n Zuge und´n Trietgeschlinke verbunn. Auch: Trietschemmlgeschlinke. Lautf.: Trittgeschlinke.

Trietlch m. verstr. Südlausitz `Fußpedal zum Treten der Schäfte des Handwebstuhles´. Lautf.: Trittlch.

Trietoar n. `Trottoir: Bürgersteig, Gehweg´. Lautf.: Trittoar Burkau, Trottoar Ohorn, Troattoar Schirgiswalde, Troattewoar.

Trietruller m. `Trittroller´. Lautf.: Trittruller.

Trietschemml m. `Tretwerk mit mehreren Tritthebeln zur Bewegung der Schäfte am Handwebstuhl ´; de raajchte Hand oan Zuckebändl, de linke a dr Loade und de Fisse uff´m Trietschemml. Lautf.: Trittschemml, Trittschemel.

Trietschemmlgeschlinke siehe Trietgeschlinke! Lautf.: Trittschemmelgeschlinke.

Trietsteen m. `Trittstein: großer Stein im Bach zum Überqueren´. Lautf.: Trittsteen.

triezn swv. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `jmdn unter Druck setzen, hart herannehmen, drängen, peinigen´; ba dr Foahne warrn se diech schunn triezn. Siehe auch striezn! Lautf.: driezn.

trillern swv. `trällern, singen´; de Lirchn trillern.

tristn (kurzes i) swv. `trösten´; a tutt´ch mit Kurnschnoaps tristn. Lautf.: triestn.

Trittschemml siehe Trietschemml!

Troabb m. `Trab: schnelle Bewegung, Geschäftigkeit´; RA: enn uff´m Troabb brengn `jmdn. antreiben´, RA: Dann hoa´ch schunn lange uff´m Troabbe `den habe ich schon lange auf dem Zuge, gegen den habe ich etwas´; a Trabl machn `trab laufen´. Lautf.: Troab.

troabb Adv. troabber, oan troabbstn `trab, schnell, los, vorwärts´; immer troabber loofm, anu aber troabb! Lautf.: troab.

troabbm swv. `traben´; do koam´s Pfard getroabbt, oaatroabbm.

Troadl (gespr. Droaadl) m. `das nicht verwebbare Ende der Kette in der Leinenweberei´.

Troampl m., n. `dicke, derbe, plumpe, ungeschickte Person´. Lautf.: Trämpl.

Troamplch m. dass. wie Troampl. Lautf.: Trämplch.

troampln Bihms Koarle siehe trämpln!

Troamplzeug n. Bihms Koarle, Großschönau `die Teile des Handwebstuhles, die mit dem Fuß bedient wurden´. Lautf.: Trämplzeug.

troampsn swv. verstr. Wittgendorf dass. wie trämpln.

Troan (gedehntes o) m. `Tran´, an Troane `schlaftrunken, benommen, betrunken´.

troan siehe troin!

troanch (gedehntes o) Adj. 1. `nach Tran schmeckend, ranzig (bei altem Speck)´. - 2. übertr. `verschlafen, verträumt, naiv, uninteressant, langsam, unbeholfen´; unser neuer Kullege is mer zu troanch.

Troanfunzl f. 1. `alte, mit Tran gespeiste Öllampe´. - 2. übertr. dass. wie Troantitte. Lautf.: Troanfunsl.

Troanloampe f. `Tranlampe´ dass. wie Troanfunzl.

Troansch (kurzes oa) m. Schlesien `Nässe, nasser Schmutz, Regen´. Lautf.: Troantsch.

troanschn (kurzes oa) siehe troantschn!

Troantitte f. Oberland, Jonsdorf `eine im Denken, in den Bewegungen u. in der Arbeit langsame, vergessliche Person; Schlafmütze´.

troantschn (kurzes oa) swv. Süd- u. Ostlausitz `geräuschvoll durch Pfützen, sumpfiges Gelände, Schneematsch waten´. Lautf.: troanschn, troaan(t)schn.

Troantute f. Neusorge dass. wie Troantitte.

troantutch (gedehntes oa und u) Adj. `langsam, langweilig, verschlafen, phlegmatisch, geistesabwesend, verträumt´.

Troaskoammer siehe Traskoammer!

Troasl siehe Troisl!

troasln (gedehntes oa) siehe troisln!

Troatsche (gedehntes oa) f. umg. `klatschsüchtige Frau´.

troatschn (gedehntes oa) swv. umg. `schwatzen, über andere Menschen abschätzig reden, Neuigkeiten verbreiten (vorwieg. unter Frauen)´.

Troattl `Trattlau´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße; poln. `Kostrzyna´; de Troattler `die Einwohner von Trattlau´.

Troigcht f. Süd- u. Westlausitz `Trockenheit´; ba dar dichn Troigcht gitt oalls ei; anne Troigcht an Hoalse hoann.

Troige f. 1. Obercunnersdorf `Fläche, auf der Wäsche zum Trocknen ausgebreitet wird´; ´s leit uff dr Troige; iech hingk de Hosn uff´s Ufestängl uff de Troige; de Woaschfassl zer Troige a de Grundsteene oaalahn.  - 2. `Trocknungsprozess´; de Strimpe hängn zer Troige. - 3. Spitzkunnersdorf `Trockenanlage´.

Troigehaus n. Niedercunnerdorf, Großschönau, Leutersdorf `Trockenhaus: scheunenähnliches Gebäude mit jalousieartigen Holzwänden zum Trocknen von nassen Stoffen, die gefärbt oder gewalkt wurden´.

troige Adj. troiger, oan troigstn Süd- u. Ostlausitz `trocken´. 1. `nicht nass, nicht feucht´; dr Kuchn is mer zu troige;  anne troige Gurgl hoann `Durst haben´; mit senn drei Juhrn misst´r baale troige senn `nicht mehr einnässen´, su anne troige Luft heute! Woaas as Troige brengn `etw. beiseite schaffen´; woaas an Troign hoann `etw. (Geld, Augen beim Skat) sicher besitzen´, hindern Uhrn troige warn `erwachsen werden´, saalztroige, foarztroige. - 2. `keine Milch gebend´; unse Kuhe stitt troige `unsere Kuh ist hochträchtig und gibt keine Milch´; a die diche koannst´ch ne roaamachn, die is doa noa ne troige `diese da kannst du nicht verführen, die stillt noch ihr Kind´; die stitt zu lange troige, do wird nischt mih `die ist schon zu alt zum Kinderkriegen´. - 3. `zu wenig Fett enthaltend´; troige Haut; wenn hoast´n is Loger is letzte Mol geschmährt? ´s is troige geloofm. - 4. `ohne Beilagen´; troige Brut, iech hoa de Abern glei troige gegassn. - 5. `keinen Alkohol mehr trinkend´; a woar schunn dreimol a dr Schweenz, is´r nu troige? - 6. `witzig ohne Emotionen, treffend, aber ohne Beiwerk; erheiternd, aber sachlich und nüchtern´; doaas is a ganz Troiger `der hat trockenen Humor´. Lautf.: troiche wWestlausitz, Sebnitz.

Troighoader m. Verstr. Neukirch, Westlausitz `Trockenhader´: abwert. `Handtuch´; iech brengn dr glei ´n Troighoader. Lautf.: Troichhoader sWestlausitz.

troign swv. (trans. u. intrans.) `trocknen´; de Sunne troigt de Wäsche, de Wäsche troigt, oabtroign, vertroign.

Troihalml n. (meist im Pl.) verstr. Ober- u. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach `Tragholz: Traggestell zum Eimertragen´ (hölzerne Stange mit einer dem Genick angepassten jochartigen Form). Lautf.: Troahalml Großschönau u. Seifhennersdorf.

Troikurb m. `Tragkorb: der mit zwei Tragbändern auf dem Rücken getragene, rechteckige, hohe Korb, der als wichtigstes Beförderungsmittel galt und häufiger von Frauen getragen wurde; Kiepe´; de Sammlfrooe koam seck immer mit´n Troikurbe as Haus; auch Bucklkurb. Lautf.: Troakurb Zittauer Gebirge, Schirgiswalde, Troakorb Westlausitz.

Troikurbvll m. `so viel, wie in einen Tragkorb geht´.

troin stv. iech troi, du träst (im Oberland kurzes ä, sonst lang), a trätt (Oberland) od. trät, mer troin, iech trug, iech hoa getroin od. getroan `tragen´; unser Äpplboom trätt heuer gutt; mit´n Benn zuirscht aus´n Hause troin `gestorben sein´; enn woaas anooch troin `jmdm etw. übel nehmen´; unse Kuhe is troinde `unsere Kuh ist trächtig´; rufftroin, heemtroin. Volksreim: Do hilft kee Watern und kee Kloin, a jeder muss sei Päcktl troin. Lautf.: troan (gedehntes oa) Seifhennersdorf, Schirgiswalde, troarn Zittauer Gebirge, Westlausitz, troin Oberlichtenau. Vgl. träun!

troinde Adj. (eigtl. Part. Präs.von troin) `tragend, trächtig (Pferde u. Kühe)´; de Kuhe is troinde. Lautf.: troajnde Oberland, troande Zittauer Gebirge, Schirgiswalde, Oberlichtenau.

Troisaak m. Neugersdorf `Rucksack´. Lautf.: Troasaak Großschönau. Vgl. Troislsaak!

Troiseel siehe Troisl!

Troisl n. m. `Tragseil, Tragband, Tragriemen´. 1. `Traggurt für den einrädrigen, flachen Karren (Schubkarren, Schiebbock), der beim Schieben über die Schulter gelegt und mit zwei Schlingen an den Griffen des Karrens eingehängt wurde´; a Troisl kloatschte oack su uff mei Hinderteel. Siehe auch Hoalskuppl! - 2. meist Pl. `die beiden an der Kiepe od. am Tragesack befestigten Bänder´; dr Bucklkurb hoat zwee Troisl. - 3. im Pl. verstr. `Hosenträger´. Lautf.: Troiseel, Troasl (gedehntes oa) Zittauer Gebirge, Großschönau.

troisln swv. 1. selt. `mit dem Tragseil schlagen, prügeln, se hoat ihrn Grußn getroislt. - 2. swv. söSüdlausitz `heftig regnen, Schnuren regnen´. Lautf.: troasln (gedehntes oa) Zittauer Gebirge.

Troislsaak m. `der auf dem Rücken getragene Fell- od. Leinwandsack der Handweber in der Oberlausitz´. Es war eine Art längerer Rucksack, der oben mit einem Lederriemen od. Bindfaden verschlossen wurde. Darin holte der Handweber die Webzutaten beim Unternehmer und brachte das fertige Gewebe zurück. Auch Kuppl- od. Kupslsaak. Lautf.: Troaslsaak Spitzkunnersdorf, Seifhennersdorf.

Troofe f. `Traufe´. 1. `äußerste untere Dachkante, über die das Regenwasser vom Dach abtropft oder in die Dachrinne läuft´. - 2. `das frei herabfallende Wasser, (wenn die Dachrinne fehlt od. schadhaft ist)´; RA: vun Raajne a od. under de Troofe kumm `noch schlimmer werden´.

troofm swv. `traufen: tropfen´. Lautf.: treefm.

Troofraajcht n. `Traufrecht: Anspruch eines Hausbesitzers gegenüber dem Nachbarn, beim Bauen so viel Abstand einzuhalten, dass das Regenwasser vom Dach abtropfen kann´.

Troom m. Pl. Treeme `Traum´; doaas wird dr noa an Troome eikumm `damit wirst du dich noch im Schlaf beschäftigen´.

Troomtute f. `schlafmützige, verträumte, geistig abwesende Person´.

Trudl f. 1. Niedercunnersdorf `Kartoffelschleuder´; auch: Abernschleuder. - 2. Ohorn `Haarlocke´.

trudln swv. bes. Steina, Ohorn `wirbeln, ungleichmäßig u. langsam drehen, die Haare zu Locken eindrehen´; du girst (gihst) heute aber uffgetrudlt `lockig´.

Truhne f. veralt. Süd- u. Ostlausitz `Truhe, Lade´. Dass. wie Loade 1.

Trumml f. `Trommel´.

Truppm m. Dim. Treppl `Tropfen´. 1a. wie litspr.; kee Truppm od. Treppl is mih an Fassl; scherzh. du bist aber noaaß wurn, wärscht oack zwischn ´n Truppm gegangn! Woassertreppl, Eistreppl. - b. übertr. `Getränk´; doaas is a guder Truppm. - 2. `(nur im Pl.) `flüssige Arznei´; Noasntruppm, hoast de de Truppm schunn genumm?

truppm swv. `tropfen´; de Noase truppt´n wie a Quoarksäckl.

Trust (gedehntes u) m. `Trost´.

trustln (gespr. drustln) swv. selt. °BZ Sohland a. d. Spree, Wehrsdorf `gemächlich gehen, schlendern´.

Trutsch (gedehntes u) m. `etw. Missratenes, Minderwertiges´ 1a. °ZI Reichenau, Neulausitz `liederliches, faules, zeterndes, querköpfiges Mädchen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren´. - b. °NOL Königshain `heulendes Kind´. - c. Niedercunnersdorf `unanständiger Junge, Außenseiter´. - 2a. Spitzkunnersdorf `alte, abgeliebte Puppe´. - b. Obercunnersdorf, Neugersdorf scherzh. u. abwert. `etw. Missratenes (Damenhut, Stollen, Weihnachtsbaum)´; dann armlchn Trutsch schoaff´ch wieder heem. - 3. nOstlausitz `auf der Herdplatte od. im Tiegel mit wenig Fett gebackener Kartoffelpuffer, meist mit Zucker bestreut´.

Tsch

tschaajkern siehe schaajkern!

tschachern swv. Südlausitz `schachern, handeln und tauschen´. Auch kaupln!

tschackern swv. 1a. bes. Westlausitz `gehen, (hin- u. her)laufen, rennen; herumbummeln´. - b. Oberlichtenau `sich unruhig bewegen´; a tschackert oaff´m Stuhle rem. - 2. Südlausitz `sich klappernd bewegen (Webstuhl)´; ´s Gezehe tschackert; ne mih lange Tschickerte-Tschackerte machn. Webervers: Tschickerte, tschackerte, tschirr (de tschicker, de tschaker, de tschirr), de Leinwaber sein dirr. Lautf.: (t)schäckern, schackern Sächs. Schweiz.

tschäckern swv. 1. °ZI Ebersbach, Seifhennersdorf, Nordböhmen; de Stoare (od. Nuhßhaajkl) tschackern u. tschäckern. - 2. `sich klappernd bewegen´; `s tschäckert `es (der Webstuhl) klappert´; ´s tschäckert und wumbert de ganze Nacht. Lautf.: schäckern.

tschackn swv. dass. wie tschackern. Lautf.: schackn Schlesien.

tschappern swv. Süd- u. Ostlausitz, Sächs. Schweiz 1. `sich langsam zu Fuß (u. mit kleinen Schritten) fortbewegen, spazieren´, ganz bedebbert tschappertn se heem. - 2. `schnell aber ungezielt fortbewegen´; dr Hund tschappert hinder mir har. Lautf.: tschäppern Neukirch, schappern Ostlausitz, tschoappern, schoappern.

tschäppern swv. `klappern, Klirren (von Geschirr, Fensterscheiben od. Blech)´; de Fansterscheibm tschäppern; de Stirze muss uff´m Toop poassn und doarf ne tschäppern; de Haustiergloacke tschäppert; ´s hoat getschäppert `es gab einen Verkehrsunfall´; ´s aale Gezehe kläppert und tschäppert `der alte Handwebstuhl klappert´. Lautf.: schäppern, (t)schappern.

Tschauke f. möSüdlausitz (Obercunnersdorf, Cunewalde) `Maiglöckchen (Convallaria majalis L.)´. Lautf.: Schauke Jonsdorf; Zauke Seihennersdorf, Schirgiswalde, nwSüdlausitz-, sWest- u. Ostlausitz, Tschaukl Spitzkunnersdorf, öSüdlausitz um Hirschfelde, Schaukl Ostlausitz.

Tschemperlied(l) n. veralt. Südlausitz `lustiges, meist vierzeiliges, leicht anzügliches Volkslied´. Lautf.: Tschumperlied(l).

tscheppern swv. Cunewalde dass. wie zeppln; de Milch vertscheppern `ungeschickt melken´.

tscherlern swv. refl. u. trans. 1. `zerschellen, splittern´. - 2. Obercunnersdorf `vibrieren, schwingen, Federn (des Beil- od. Hammerstiels) u. dabei Schmerz empfinden´; bei nicht fest sitzendem Holm des Beiles, heißt es: ´s tscherlert. Iech hoa miech benn Hulzhackn getscherlert `ich habe mich durch rückwärtigen Stoß des Beils geprellt´. - 3. refl. uftscherlern `abschürfen, aufreiben, blutig reiben´; iech hoa mer de Pfutn ufgetscherlert. Lautf.: tschallern, tschellern, tschirlern, scherlern, schirlern, schellern, schallern. Siehe auch zertscherlern!

Tschernschke `Tschernske (Ort der Gemeinde Kreba-Neundorf im °GR)´.

tschibb-tschibb Lockruf für Küken. Lautf.: tschieb-tschieb, schieb-schieb.

Tschibbl, Tschiebl n. 1. `das dem Ei entschlüpfte Hühnchen, Küken´. - 2. übertr. `Halbwüchsiger, Halbwüchsige, Teenager´. Lautf.: Tschiebl msSüdlausitz, Tschibbl Wehrsdorf, Schibbl nwSüdlausitz, Westlausitz, Schiebl Ostlausitz.

Tschibblboall m. dass. wie Tschibblrenn. Lautf.: Tschiebl-, Schibbl-, Schieblboall.

Tschibblhenne, Tschieblhenne f. `Henne, die Küken hat; Glucke´. Lautf.: Schibbl-, Schieblhenne.

Tschibblhuppm, Tschieblhuppm n. dass. wie Tschibblrenn.

Tschibblrenn, Tschieblrenn n. `Jugendtanz, Disko für junge Leute´; hinte is an Kraatschn wieder Tschibblrenn, do kinn mer de hoalbe Nacht ne schlofm. Lautf.: Tschibblrann, Tschieblrann.

tschindern siehe tschundern!

tschipperch siehe schipperch!

tschirlern swv. 1. sSüdlausitz, Ostlausitz, Nordböhmen dass. wie tschullern. Lautf.: tschurlern; schurlern Wittgendorf. - 2. siehe tscherlern!

tschirln sSüdlausitz, Nordböhmen dass. wie tschulln. Lautf.: tschurln, tscherln.

Tschirne `Tzschirne, Tonhain´, seit 1945 poln. `Czerna´.

Tschitschepoapperch m. Kottmarsdorf, Neugersdorf `dickflüssige, klebrige, kremige Flüssigkeit; Eierlikör, Kremschnaps´; mer trinken ann Tschitschepoapperch.

tschitscheringriene Adj. `undfefinierbarer Grünton, grellgrün´. Lautf.: schitscheringrien Schlesien.

tschoaschln siehe zäschln!

tschoappern siehe tschappern!

Tschoarschlsteen m. `glatter, rutschiger Stein auf dem Breiteberg, auf dem man tschoarschln kann´. Vgl. zäschln!

Tschoche f. `Tzschocha´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörende Burg, poln. `Sucha´.

tschuckern dass. wie schuckln!

tschuckln siehe schuckln!

Tschuk(e)loade siehe Schukeloade!

Tschulle f. `Urin´. Lautf.: Schulle.

tschullern swv. 1. `quellen, plätschern (Wasser), sprudeln, langsames Laufen einer Flüssigkeit´: ´s Bernl kimmt aus dr Arde getschullert od. getschurlert `das Quellwasser quillt aus der Erde´. - 2. `Wasser lassen, urinieren´. Lautf.: tschirlern, tschurlern, schullern Westlausitz.

tschulln swv. dass. wie tschullern. Lautf.: tschurln, schulln.

Tschulp m. Burkau, Steina `Schnuller´.

Tschumpe siehe Zumpe!

tschumpern swv. wSüdlausitz `schaukeln, wackeln, schwingen, wiegen, auf den Knien reiten´; de Sitzebank (des Handwebstuhles) tschumpert. War benn Grußvoater uff dr Schuhß soaß, dar wurde ge(t)schumpert. Lautf.: schumpern.

tschunderch Adj. Oderwitz `rutschig, zum Gleiten glatt´. Lautf.: tschinderch, schunderch, schinderch.

tschundern swv. öSüdlausitz `(mutwillig mit Schuhen auf dem Eis od. festgefahrenem Schnee) rutschen´; is Schulbargl rundertschundern. Lautf.: tschunnern, schundern, tschindern, schindern, tschinnern, schinnern; siehe auch zäschln!

Tschunder f. `Rutschbahn aus Schnee, Eis zum Gleiten´. Lautf.: Siehe tschundern!

Tschunderboahne f. dass. wie Tschunder.

Tschunderze f. dass. wie Tschunder. Lautf.: Schunderze, Tschinderze, Schinderze.

Tschunkl f. nOberland, wOstlausitz, Nordböhmen `hängende Schaukel´; Luft(t)schunkl. Siehe auch Schwenke u. Schleuder! Lautf.: Schunkl Seifhennersdorf, West- u. Ostlausitz, Schlesien.

Tschunklkurb m. Dim. Tschunklkirbl `Kinderkorb, der an zwei Stricken an der Decke hing und schaukelte´.

tschunkln swv. `schuckeln´. 1a. Lawalde `(auf einer hängenden Schaukel) schaukeln´. - b. `auf- und ab-, vor - u. zurückschwingen´; ´s Kahnl schunklt uff´m Welln. - c. Cunewalde `ein Kind (auf den Armen od. in der Wiege) wiegen´; tuck amol die Kleene a bessl schunkln (Niedersteina). - 2. Obercunnersdorf `wackeln, schwanken´; uff´m Pfare getschunklt. Lautf.: schunkln Neugersdorf, Steinigtwolmsdorf, Wittgendorf, Burkau, Oberlichtenau, Anton.

Tschuschge siehe Zuschge!

Tuch (gedehntes u) n. 1. wie litspr. `Gewebe aus Wollstreichgarn, auch mit Kammgarn kombiniert, in Leinwand- oder Köperbindung mit Walkausrüstung´; Tuchhosn. - 2. Pl. Ticher (kurzes i) Dim. Tichl (kurzes i) `gesäumtes (viereckiges) Stück Stoff´; Kupptuch od. Kupptichl, Schnupptichl; dr Urloob is a troign Tichern `der Urlaub ist gerettet´.

Tud m. (nur im Sg.) `Tod´. 1. wie litspr. `das Sterben, Ende des Lebens´; dar hoat´ch zu Tude gesuffm; an Tud gihn; Koarle leit uff´m Tud ba uns; iech bie Tuds derschroackn; doaas koann´ch fer´n Tud ne ausstihn. Sprichw.: Imsunst is nischt, ne amol dr Tud. - 2a. `nur in der Phantasie des Menschen existierende Gestalt, die das Sterben bewirkt und die zugleich die Endlichkeit des Lebens symbolisiert´; dar sitt aus wie dr Tud uff Loaatschn; dar frisst oalln Tud und Teifl `der isst alles´. - b. veralt. West-, Neu- u. Ostlausitz, Nordböhmen `Strohpuppe in dem veralteten Brauch des Todaustreibens am Sonntag Lätare´. - 3. Gebelzig `Afterspinne, Weberknecht´.

Tudaustreibm n. `Todaustreiben (alter Volksbrauch): In der westlichen, nördlichen und östlichen Oberlausitz, in Schlesien u. Nordböhmen wurde noch im 19.Jahrhundert am Sonntag Lätare, dem Tudsunntch, von der Dorfjugend ein Scheusal aus Stroh und Stoff angefertigt, das den Winter, den Tod, die Pest darstellte. Dieser Strohmann wurde verbrannt, im Fluss ertränkt oder auf die Fluren des Nachbarortes geworfen. Im Anschluss daran holte man den Sommer ein, indem man einen Nadelbaum mit Buntpapier od. bunten Bändern schmückte und durch das Dorf trug´. Siehe auch Summersingn!

tudmiede Adj. `todmüde: sehr müde, abgekämpft, übermüdet, übernächtigt´; tudmiede bie´ch as Bette geplauzt. Auch hundsmiede.

Tudsunntch m. siehe Tudaustreibm!

Tuffl m. 1. Koseform einer männl. Person, die `Christoph´ heißt. - 2. übertr. abwert. `schwerfällige, dümmliche, ungeschickte od. ungehobelte männl. Person´; du Tuffl bist wieder oan lautstn. Lautf.: Toffl Schirgiswalde, Westlausitz.

Tufflch m. Cunewalde dass. wie Tuffl 2.

tufflch Adj. Adv. Niedercunnersdorf `schwerfällig, ungeschickt, dumm´; stell dch ne su tufflch oaa!

Tullschkn (gespr. Dullschkn) m. `Tollenstein (geschichtsträchtiger Berg mit Burgruine bei St. Georgenthal in Nordböhmen)´. Lautf.: Tollschkn, Tultschn, Toltschn.

Tulpe f. verstr. Sächs. Schweiz, Schlesien wie Tulpe tun `unschuldig tun, sich taub stellen, sich unwissend stellen´.

Tump m. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Seifhennersdorf Simplex von Timpl `Tümpel´ 1. `tiefe Wasserstelle in einem Bach, Wehr´, hier schöpfte man früher Wasser od. spülte Wäsche. Siehe auch Scheppe 1! - 2. `Rohrtrog, Steintrog, aus dem man (fließendes) Wasser schöpfen kann´; hul amol anne Fahrt Woasser aus´n Tumpe! `Hole zwei Eimer Wasser aus dem Steintrog!´; auch Burntreegl.  - 3. `stets nasse Stelle auf einem Acker od. einer Wiese´. Lautf.: Tumpf Neugersdorf.

tump 1. siehe dumpfch! - 2. siehe dumb!

Tun n.; a enn Tun `ununterbrochen´; ee Tun `dieselbe Sache, einerlei´.

tun stv. iech tu(e), du tust, a tutt, mer tun, iech toat od. tot, iech hoa geton 1a. wie litspr. `etw. irgendwo schaffen, setzen, stellen, legen´; woaas uff´m Tiesch tun. - b. wie litspr. `eine Handlung ausführen, sich mit etw. beschäftigen, etw. erledigen, vollbringen, bewirken´; mer hoann zu tune Burkau, dar hoat wull nischt wetter zu tun? RA: Hätt mer´sch ne, do tät mer´sch ne. RA: Dumm tun tun se. - c. wie litspr. `jmdm. etw. zufügen, antun´; dr Hund tutt dr nischt. - d. wie litspr. `durch ein Verhalten einen best. Anschein erwecken´; dar hoat oack su geton. - e. `sich zieren, vornehm tun´; die koann aber tun. - f. wie litspr. `sich ereignen, geschehen´; ´s tutt´ch ebch nischt. - g. `an etw. leiden, Schwierigkeiten mit etw. haben´; mir hoann´s beede mit´n Zänn zu tun. - h. `von jmdm. zur Rechenschaft gezogen werden´; mit dann wellt´ch nischt zu tun hoann. - i. Neugersdorf, Königshainer Berge a is tunde `er ist betrunken´. - 2a. als Hilfsverb zur Hervorhebung des Vollverbs, das dann als Inf. ans Satzende rückt; die beedn toatn´ch oabläkn. - b. als Hilfsverb zur Umschreibung des Konj.; wenn die´ch oack ne egoal zankn tätn. - 3. als Subst. in fester Fügung a. se toat a enn Tun watern `sie schimpfte lautstark in einem fort´. - b. doaas is ee Tun `das ist eine Arbeit, dieselbe Tätigkeit´. Lautf.: tune Burkau, Imp. Sg. tuck mnWestlausitz, Pulsnitz, Ohorn, Oberlichtenau; tuck nor oarweetn!

tundern swv. siehe doajndern!

Tunke (gespr. Dunke) f. 1. `Soße, Brühe, Suppe, Marinade, Saft´; iech brauch vill Tunke; a Neegl Tunke gibbt´s zun Harche derzu; s ruhch noa sauer Eilätunke; Tunketippl. - 2. RA: die senn dicke (auch: sisse od. gude) Tunke minander `zwischen denen herrscht übertriebene enge Freundschaft, (die oft nicht lange hält)´. - 3. übertr. auf andere Flüssigkeiten `Wasser, minderwertiger Kaffee, Blut, Lauge, Jauche, dunkelbrauner Saft in der Tabakspfeife (Jazl)´; iech hoa miech mit´n Masser ausgehämscht, do liff de Tunke.

Tunkerch m. °ZI Ebersbach, Nordböhmen 1. `Verbeugung, Diener, Knicks, Bückling´. - 2. übertr. `jmd., der sich immer verbeugt u. dienert; Arschkriecher´.

Tunkkuchn m. `harter Kuchen zum Eintauchen´; auch Ploaaz. Lautf.: Tunkkuche °NOL Wiesa.

tunkn swv. 1. `etw. (Gebackenes) in eine Flüssigkeit eintauchen, damit es aufweicht und leichter zu kauen ist´; de Samml eitunkn; dar tunkt o jede Pfitze aus `der verpasst auch keine Gelegenheit, der gibt sich mit jedem bereitwilligem Mädchen ab´. Volksreim: Mach oack keene Sauerei ba dar dichn Tunkerei!  - 2. `jmdn. unter Wasser drücken, tauchen´. - 3. enn mit dr Noase druftunkn `jmdn. ausdrücklich auf etw. hinweisen, aufmerksam machen´.

Tunkoarsch m. Großschönau `Pers., die liebedienert´.

Tunks m. selt. Südlausitz, Nordböhmen `Berührung´; doaas woar kee Gunks, doaas woar oack a Tunks.

Tunzebettl n. Schlesien, Ostlausitz, Görlitz `kleines Federkissen im Kinderbett, Kuschelkissen, Einschlafhilfe´.

Tupp siehe Toop!

tuppm (gespr. dubbm) `tupfen´; ´s Blutt oabtuppm; auch tupsn.

Tuppvll m. °ZI Ebersbach, Jonsdorf `Topf voll´; zwä Tuppvll Abern, ann Tuppvll Tee; Frage eines Neugierigen an den Bauern: "Wie vill Milch gibbt´n deine Kuhe?" Antwort: "Ann Tuppvll." Lautf.: Toopvll Schirgiswalde.

Tur f. `Tour´. 1. `Wanderung, Ausflug, Spaziergang, Fahrt, Reise, Wegstrecke´; uff de Tur gihn `Wanderung antreten´; RA: a err Tur Oberland, a enner Tur `ohne Unterbrechung, in einem fort, andauernd´. - 2. `einzelner Tanz, Tanzrunde´; iech tanz oack jede zweete Tur.
Tur n. `Tor´; RA: dostihn od. guckn wie de Kuhe ver´n neun Ture.

Turf m. `Torf: aus vermoderten Pflanzenteilen bestehender Moorboden, aus dem bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. auch in der Oberlausitz Brennstoff gewonnen worden ist´; Turfluhsche.

Turfleute f. `Personen, die Torf stechen bzw. graben´.

Turge veralt. f., ohne Genus `Torga (Ort der Gemeinde Kodersdorf im °GR)´.

Turkl m. `Torkel´. 1. `Taumel, Schwindel´. - 2. Ostlausitz `unverdientes Glück´; ann Turkl hoann. - 3. `Pers., die nicht fest auf den Füßen steht, Betrunkener´.

Turklch m. dass. wie Turkl 3.

turklch Adj. bes. Ostlausitz `taumelnd, schwankend, schwindlig, betrunken´.

turkln swv. umg. `torkeln: taumeln, hin- u. herschwanken´.

Turm (gespr. Durm) m. Dim. Tirml `Turm (ein Bauwerk)´, Kirchturm, a hilzern Tirml, dr Kupper hoat ann steenern Aussichtsturm.

Turmerschdurf `Tormersdorf´, bis 1945 zum Kreis Rothenburg gehörendes Dorf am rechten Neißeufer, poln. `Predocice´.

Turmschwoalbe f. Großschönau `Mauersegler´.

turnern siehe ternern!

Turt m. (nur im Sg.) Bihms Koarle `Trotz, Verdruss, Ärger´; enn woaas zun Turt(e) machn.

tuse siehe duse!

tut Adj. `tot, gestorben´.

Tute f. 1. jede Art von `Rohr, Röhre´, auch die `Röhre der Trompetennarzisse´.  - 2a. `einfaches kindliches Blasinstrument (aus Pappe od. Papier). - b. `Trompete´. - c. übertr. `Hupe´. - 3. verstr. `Schnuller´. - 4. scherzh. verstr. Westlausitz `Nase´; de Tute leeft. - 5. `unschöne Ausbuchtung an einem Kleid, einem Rock´. - 6. `abgetragener, verschobener Hut´. Siehe auch Titte! Lautf.: Tutte Waltersdorf.

tutmachn swv. 1. `töten, umbringen´; über einen Aufschneuder sagt man: "Die dar tutgemacht hoat, labm oalle noa". - 2. sich tutmachn `sich übernehmen, sich überanstrengen´.

tutn swv. 1. `laut ins Horn stoßen´; hier mit denn Getute uf! - 2. `hupen´; tu amol tutn, dermit se riebergihn! - 3. `ertönen des Besetztzeichens beim Telefon´; ´s tutt tutn, ´s wird uff dr andern Seite geredd.

Tutngraber m. `Totengräber´. 1. `Bediensteter der Gemeinde od. der Kirche, der auf dem Friedhof die Gräber aushebt und früher zum Begräbnis eingeladen hat´; dar hoat o schunn mit´n Tutngraber geredd `der wird wohl bald sterben´; dr Tutngraber gingk friher Groabebittn. An die durch die Schnelligkeit des Essens gebundene Titelverleihung bei Kindern Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann setzt der Obercunnersdorfer noch daran: Schuster, Schneider, Leinewaber, Jauchefoahrer, Tutngraber.  - 2a. `Käfer, der sich von Aas ernährt u. Aas in die Erde einwühlt, das seiner Brut als Futter dient (Necrophorus vespillo)´. - b. Nordböhmen `Libelle´.

Tutngraberkafer m. Neugersdorf dass. wie Tutngraber 2a.

Tutnhäusl (gespr. Dudnhäusl) n. `Totenhäuschen: Leichenhalle auf dem Friedhof, in der die Toten liegen bzw. aufgebahrt sind, die kein eigenes Haus zur Aufbahrung haben´; a wird oack vun Tutnhäusl aus begroabm. Auch Leichnhoalle od. Leichnhäusl.

Tutnsunntch m. `Totensonntag: letzter Sonntag vor dem Advent, Ewigkeitssonntag´; zun Tutnsunntche miss mer a bissl Urnung uff´m Groabe machn. Vgl. Christkiench.

tuttch (gespr. duddch) Adj. tuttcher, oan tuttchstn `von Sinnen, verrückt, toll (Menschen u. Tiere), wild, liebeshungrig, mannstoll, weibstoll´; die foahrn wie de Tuttchn; de Mickn senn heut reene tuttch; dar is tuttch uff oalls, woaas ann Rook oaahoat.

tuttln (gespr. dujddln) swv. siehe duttln!