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  1. s

Sa

´s best. Art., unbetont siehe doaas!

´s Personalpron. 3. Person Sg. siehe is!

saajch siehe seck!

saajchte siehe sachte!

Saajge f. `Säge´; Bratsaajge. Lautf.: Saaje Wehrsdorf, Säge Burkau, Seige nOstlausitz.

Saajgebiegl m. `Sägebügel´; RA: Dodruff bie´ch gespoannt wie a Saajgebiegl; krumm wie a Saajgebiegl; Beene wie a Saajgebiegl. Lautf.: Siehe Saajge!

Saajgebook m. `Sägebock´. 1. wie litspr. `aus Holz bestehender Gegenstand zum Einklemmen des zu sägenden Holzes´; RA: dostihn wie a Saajgebook `steif, reglos, nicht zur Hilfe bereit´. - 2. übertr. Dittelsdorf, Wehrsdorf `Kreuzstreben am Umgebindehaus´. Lautf.: Saaje-, Seige-, -book, -buck, Sagebock Oberlichtenau.

Saajgekreuz n. `Sägebock (zum Zusammenklappen)´.

Saajgn m. `Segen´. 1. wie litspr. a. `göttliche Gnade´; Neujahrswunsch: Vill Gelicke und Saajgn zun neun Juhr, hunderttausnd Toaler bur. - b. Einwilligung, Zustimmung´; menn Saajgn hoast de. - 2. veralt. `Beschwörungsformel zur Abwehr von Unglück od. um etw. zu erlangen´; Diebssaajgn! Lautf.: Saajn.

saajgn swv. `sägen´. 1. `mit der Säge schneiden´. - 2. übertr. `schnarchen´; a saajgt ´n Teifl a Been atzwä; Hulz saajn; saajgn wie a Bratschneider; a saajgt, oas wenn´r Stecke rodn misst; a saajgte fleißch Kletzer und Stecke (Bihms Koarle). Benn Schnoarchn gibbt´s drei Stuffm: Suppe blosn, Boarchnt reißn und Brate saajn. Lautf.: saajn.

Saajnze f. Südlausitz `Sense: Gerät zum Mähen von Gras u. Getreide´; de Saajnze wetzn; Groassaajnze, Kurnsaajnze. Lautf.: Saajnse; Saajngse Wehrsdorf, Seinze mnOstlausitz.

Saajnzebiegl f. `Sensenbügel: das bügelartige Gestell der Getreidesense´. Lautf.: Siehe Saajnze bei Saajnzebloat!

Saajnzebloat n. Dim. Saajnzeblatl `Sensenblatt mit Spitze u. Hoamme´. Lautf.: Saajnze-, Saajnzn-, Saajnse-, Saajnsn-, Seinze-, -bloat, -bloatt, -blatl.

Saajnzegrief siehe Grief! Lautf.: Saajnzngrief.

Saajnzeringl n.`Metallring, mit dem man Sensenstiel und -blatt aneinander befestigt´. Lautf.: Saajnznringl.

Saajnzewurf m. Süd- u. Ostlausitz `Stiel der Sense´; dr Saajnznwurf is aus Birknhulz; dr Groassaajnzewurf is geschwungn und dr Kurnsaajnzewurf groade. Lautf.: Saajnzn-, Saajnse-, Saajnsn-, Seinznwurf.

Saak m. Dim. Säckl `Sack´. 1a. wie litspr.; Abern-, Battl-, Hoaber-, Kloammersaak; häufig in Vergleichen: de Koatze ne an Sacke keefm, ´s is finster wie an Sacke. - b. übertr. abwert. weibl. od. männl. Person; Schlumpersaak, Drecksaak, Saufsaak. - 2. wSüdlausitz, Westlausitz `Tasche in einer Hose od. einem Rock´, Hosnsaak, Schubbsaak. - 3a. `Hodensack, Hoden´; Saak und Pfeife verliern `alles verlieren´; dar hoat oack Pfafferkuche an Sacke `mit dem seiner Männlichkeit ist es nicht weit her´. - b. Personifizierung für einen (alten) Mann; a dr Kneipe sitzn oack aale Säcke; a groober Saak `Grobian´. - c. Säckl im Dim.abwertende Anrede für eine männl. Pers., meist `Lehrling´; na, Säckl, woaas hoast´n nu schunn wieder fer anne Scheiße gemacht! Lautf.: Sack Westlausitz; Dim. Sackl Seifhennersdorf, Burkau.

Saakbändl n. `kurze Schnur zum Zubinden eines Sackes´. Lautf.: Saak-, Sack-, -bändl, -bandl.

saakgrob (gedehntes o) Adj. Adv. `sehr grob, brutal´; a koam´r glei saakgrob. Lautf.: sackgrob Westlausitz, saaksiedegrob, saaksielegrub.

Saakhuppm n. `Sackhüpfen´ (Gesellschaftsspiel, bes. für Kinder); uff Oarbeit hoa´ch Saakhuppm `auf Arbeit habe ich sehr viel zu tun und werde getrieben´. Lautf.: Sackhoppm Westlausitz.

Saakkuttl n. Dim. von Saakkutte `Sackjacke; weite, sackähnliche (bunte), untaillierte Arbeitsbluse od. -jacke´.

Saakleimd f. `Sackleinwand: grober, fester leinwandbindiger Stoff, der auch aus Jute hergestellt werden kann´; die hoat ann Underziehrook aus Saakleimd. Lautf.: Saaklemmd °ZI Ebersbach, Sackleimd.

Saakmitze f. `Sackmütze´. 1. `lange, wollene Zipfelmütze, (die auch als Nachtmütze getragen wurde)´. - 2. übertr. ein in der Oberlausitz beliebter Volkstanz aus dem 19.Jahrhundert. Lautf.: Saakmitz, Sackmitze.

Saakschirze f. `eine aus einem Sack gefertigte Schürze als Überschürze für besonders schmutzige Arbeit; Arbeitsschürze für Stall und Garten aus Sackleinen´. Lautf.: Sackschirze, -scherze.

Saaktichl n. Neugersdorf, Schirgiswalde `Taschentuch´. Lautf.: Sacktichl u. Sacktuch Westlausitz.

Saakvll m.`einen Sack voll´; brengn mer oack ann Saakvll Hublspäne verbei! Iech hoa meine Enklkinder uff Ziehe, do heeßt´s, ann Saakvll Flihe hittn. Lautf.: Sackvll.

saakvln swv. Hinterhermsdorf `sackvollen: Säcke schnell füllen aufgrund der guten Ernte´; is saakvlt gutt `der Sack wird rasch voll´. Lautf.: sackvln.

Saakzeug n. dass. wie Saakleimd; de Kleedche vu Saakzeug hoann. Lautf.: Sackzeug Neulausitz.

saalch siehe salch!

saalt siehe salte!

Saalz n. Süd- u. Ostlausitz `Salz´; ne is Saalz a de Suppe verdinn; woaas wie´s Saalz zun Brute fahln `etw. sehr vermissen´. Ausruf der Handweber beim Essen: Abern und Saalz - Gutt derhaal´s! Sprichwort: Aale Ziegn leckn o garne Saalz. Brauch: ´s Brautpoaar krigt Brut, (Woasser) und Saalz (beim Eintritt in die neue Wohnung). Gebrotnes Saalz Großröhrsdorf siehe Brotsaalz od. Braajglsaalz!

Saalzaberne f. Pl. Saalzabern `Salzkartoffel´. Lautf.: Siehe Aberne!

saalzch Adj. Süd- u. Ostlausitz `salzig, versalzen´.

Saalzhoaffl n. selt. `Salzhäufchen (volkstümliches Todesorakel am Heiligabend od. zu Silvester)´. Alle Mitglieder eines Hausstandes setzen mit Hilfe eines Fingerhutes Salzhäufchen auf ein Fensterbrett. Fiel ein Salzhäufchen über Nacht zusammen , so sollte das auf den Tod der entsprechenden Pers. im kommenden Jahr hindeuten. Vgl. Zwibblkoalender! Lautf.: Saalz-, Salz-, -hoaffl, -heffl, -häufl.

Saalzmeste f. 1. `Salzbehälter: ein Kasten od. halbrundes Tönnchen mit Deckelklappe an der Wand, aus Holz, Steinzeug, Porzellan od. Zinn, zur Aufbewahrung größerer Mengen Salz´. - 2. veralt. `Patin, die an der Hochzeitstafel neben der Braut saß; Mutterstellvertreterin, Ehrenmutter, Züchte, die das Salz austeilte, nach dem Hochzeitsessen die Geschenke der Gäste annahm u. die Braut ins Schlafgemach begleitete´, auch Brautfrooe.

saalzn swv. `salzen´. Lautf.: salzn Westlausitz.

saalztroige Adj. `salztrocken: sehr trocken´.

Saand m. Westlausitz `Sand´.

Sabl m. `Säbel´.

Sablbeene Pl. `Säbelbeine: O-Beine´.

sabln swv. `säbeln: mit einem Säbel od. einem großen Messer etw. (ab)schneiden´; zersabln, de Riebe gloatt sabln, woaas sablst de oan Fleesche rim?

Sache f. 1. `nicht näher bestimmter Vorgang, Vorfall; Angelegenheit´; doaas is de Sache ne wart; ´s is Sache `das hat Grund und Bedeutung´. - 2. `monatliche Blutung der Frau´; meine Frooe hoat ihre Sache.

sachsch siehe säcksch!

sachte Adj., überwiegend adv. verwendet, sächter, oan sächtstn 1. `langsam, vorsichtig, sanft, allmählich´; wenn de älder wirscht, leeftst de a brinkl sächter; ´s wird sachte Feierobd. - 2. `leise, still´; verhielt dch sachte, de Grußemutter hoat´ch hiegelät! Adv. Nebenformen: a sachtn, mit sachtn, vu sachtn; ´s wird a sachtn dunkl. Lautf.: saajchte.

sachteweg Adj. Görlitz  `langsam sich bewegend´.

Sackermenter siehe Sakermenter!

Säckl siehe Saak!

sackern swv. Ostritz `schimpfen, schelten´; hier uf mit denn verdammtn Rimgesacker!

sackn swv. `sacken´. 1. `etw. in Säcke od. ein anderes Behältnis füllen, Wurstdärme füllen´; de Pilze as Tichl sackn. - 2. `jmdn od. etw. fassen, packen´; dann Kirschnmauser hoa´ch zu sackn gekrigt. Siehe auch eisackn!

säcksch Adj. `sächsisch´; mer senn säcksch und ne preißch; die sein aus´n Säckschn od. Sackschn. Lautf.: sacksch.

Säcksch Hausdurf siehe Hausdurf!

sackvln swv. Steina, Ohorn `viele Säcke füllend (beim Dreschen)´; heuer sackvlt oawer dr Weezn.

Sädndurf siehe Settndurf!

Sahe f. selt. bes. Westlausitz `Sehe: Pupille´.

Sahmoaschine f. scherzh. Obercunnersdorf `Sehmaschine´: scherzh. für `Brille´.

sahn stv. `sehen´ iech sah, du sist Oberland od. siehst Westlausitz, a sitt Oberland od. sieht Westlausitz, mer sahn, ihr satt od. saht, iech soahg Obercunnersdorf, sahg °ZI Ebersbach od. sohg sSüdlausitz, Zittauer Gebirge, Ostlausitz, du soahgst od. sohgst, mer soahgn Obercunnersdorf, sahgn °ZI Ebersbach od. sohgn Strahwalde od. sohchn Seifhennersdorf, iech hoa gesahn, Imp. 2.Sg.: sieh od. siech (oack)! 1. `optische Eindrücke mit den Augen erfassen´; mit dr Brille sah´ch´s besser. - 2. `erblicken, bemerken, als vorhanden feststellen (können); ba su ann Nabl sist de ne vill; hoast de ne gesahn! `Schnell, plötzlich´. Konj.: Wie sähg´n doaas derno aus `wie sähe denn das dann aus´; hoast de ne gesahn `auf einmal, plötzlich´; zu sahn bzw. sahne (Westlausitz) kriegn. - 3. `den Blick auf ein bestimmtes Ziel richten od. gerichtet halten, blicken´; satt´ch oack oaa! `Seht euch nur an!´ Siehch oack hie! Obercunnersdorf. Ausruf: Siehch oack har und hirrschte du! - 4. `merken, erfassen, kennen´; du wirscht schunn sahn, wu de hiekimmst! Do satt´r´sch! Na sist de! Lautf.: sohgn u. saht´r´sch im sSüdlausitz u. söOstlausitz, sonst meist soahgn und satt´r´sch; 2./3. Sg. du sickst, a sickt nOstlausitz.

Sähner m. Süd- u. Westlausitz `Sehnsucht: starker Appetit (auf etw. Bestimmtes, etw. Besonderes), Verlangen, Heißhunger, ungeduldige Begierde´; iech hoa ann Sähner uff Plinsn. Lautf.: Sehner, Sahner Hinterhermsdorf.

Sähnerch m. dass. wie Sähner.

sähnerch Adj. Süd- u. Westlausitz `lüstern, leckerhaft, naschhaft, begehrlich, begierig auf. etw. Bestimmtes zu essen od. trinken´; anne sähnerche Hippe, a sähnercher Boatzn od. Zwickl, iech bie ganz sähnerch druf. Lautf.: sahnerch.

sähnern swv. refl. Süd- u. Westlausitz in der Fügung miech sähnert´s uff od. noa woaas `ich sehne mich, ich habe starken Appetit auf etw. Bestimmtes´; miech sähnert´s uff woaas Sauersch. Lautf.: sahnern Nordböhmen.

sakerlut Interj. veralt. dass. wie sapperlut.

sakerment Interj. veralt. dass. wie sapperlut; kreizsakerment, Himmlsakerment noa amol!

Sakermenter m. veralt. `Sakramenter´: harmloses Schimpfwort für `Lausbuben´, das auch Anerkennung ausdrückt; Kreizsakermenter (abfällig), Tausendsakermenter (anerkennend). Lautf.: Sakerment, Sakramenter.

sakermentsch Adj. veralt. `verflucht, verwünscht, sehr´; a koann moanchmol sakermentsch biese warn; ann sakermenschn Schraajk kriegn. Lautf.: sakermenscht Zittauer Gebirge.

salber Adv. `selber, selbst, eigenhändig, persönlich´; du brauchst mer ne halfm, iech mach mer menn Dreck salber! Begrüßung: "Na, woaas gibbt´s´n, wenn de salber kimmst?" Lautf.: salwer.

salch (gedehntes a) Adj. `selig: von allen irdischen Übeln erlöst, verstorben, am überirdischen Glück teilhabend´; unse Grußemutter - Gutt hoa se salch - hoat mir woaas andersch derzahlt; mei salcher Grußvoater; sei Voater salch; meine Mutter, Gutt luss se salch ruhgn; ihr Salcher `ihr verstorbener Ehemann´.

salg (kurzes a) Adv. Westlausitz `zu jener Zeit, damals, früher´. Lautf.: selg, salch (kurzes a), selch (kurzes e). Vgl. salte, sech u. seck!

salte (kurzes a) Adv. söSüdlausitz, Ostlausitz `zu jener Zeit, damals´. Lautf.: salt Neukirch, saalt Seitendorf, Ostritz, saltn Jonsdorf, Ostlausitz.

saltn (kurzes a) veralt. Seifhennersdorf `selten´. Lautf.: saldn, seltn Oberland.

Samml f. `Semmel: einfaches Hefegebäck (aus Weizenmehl), bestehend aus zwei, vier od. sechs aneinandergefügten Teilen´; Flaajchtn-, Milch-, Poatn-, Sechser-, Stießlsamml; wenn de murne frih zun Bäckn gist, brengst mer zahn kleene (Brötchen), fimf gruße und zwee Flaajchtnsammln (Zöpfe) mitte! De Samml zun Brute assn `eine Leberwurst mit viel Semmelzusatz zum Brot essen´; RA: oabgihn wie woarme Sammln `sich leicht verkaufen´.

Sammlbrut n. `Semmelbrot: Weißbrot´.

Sammlfrooe f. Bihms Koarle `Semmelfrau: Frau, die von Haus zu Haus ging u. (aus dem Tragekorb) die Semmeln des Bäckers verkaufte´, bis etwa 1930.

Sammlheetl n. verstr. Cunewalde, West- u. Ostlausitz `der einzelne runde Teil einer Semmel´.

Sammlmilch f. `warme Milchschale mit Semmelstückchen, etwas Butter u. Zucker´.

Sammeljunge m. `Semmeljunge: Junge, der von Haus zu Haus ging u. die Semmeln des Bäckers verkaufte´. Vgl. Sammlfrooe!

Sammlpilz m. `Semmelstoppelpilz´

Sammlsaak m. Dim. Sammlsäckl 1. Ober- u. Niedercunnersdorf, Wehrsdorf `hausschlachtene Leberwurst mit übermäßig viel Semmelzusatz´. - 2. `Semmelbeutel, Brötchenschlauch´. - 3. übertr. `träge Person´.  Lautf.: Sammlsack.

Sammlwoattch m. selt. `Doppelkinn, das semmelweich ist´. Siehe auch Woattch!

Samz (gedehntes a)  f. Hinterhermsdorf `Sebnitz (Stadt in der Sächsischen Schweiz an der böhmischen Grenze unweit der Oberlausitz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)´; de Samzer `die Einwohner von Sebnitz´; Samzer Blum `Sebnitzer Kunstblumen´; se is aus dr Samz; mer loofm ei de Samz. Lautf.: Sabmz.

Sandboom m. `Brustbaum, Abziehbaum: mit Sandpapier belegte raue Walze am Handwebstuhl´.

Sandferschtn `Sandförstgen (Ortsteil des zur Gemeinde Hohendubrau gehörenden Ortes Gebelzig im °GR)´; de Sandferschtner `die Einwohner von Sandförstgen´.

Sandlooch n. `Sandgrube´.

Sandnickl n. siehe Niklaus!

Sängl n. 1. veralt. selt. sSüdlausitz `Handvoll Getreideähren am Halm (Maß beim Ährenlesen)´. - 2. Wittgendorf `Strohseil zum Garbebinden´.

Sänglch m. 1a. veralt. selt. Südlausitz, Schlesien `Kuchen aus Brotteig´. - b. `Brotkuchen mit Sirup überstrichen´. - 2. übertr. ann langn Sänglch machn `umständlich und wortreich erklären´.

Sanikl siehe Soanickl!

Sankt Mäff m. Ostritz `dümmlicher, ungeschickter, maulfauler Kerl´; dostihn wie Sankt Mäff `dastehen wie ein (stummer) Ölgötze´. Siehe auch maff! Lautf.: Sankt Maff.

Sanze (gedehntes a) ohne Genus, veralt. f. `Sänitz´, bis 1945 zum Kreis Rothenburg OL gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Sanice´; de Sanzer `die Einwohner von Sänitz´.

sapperlut Interj. Jonsdorf `Fluch; Ausruf des Unwillens, des Erstaunens, der Überraschung oder der Anerkennung´; nu sapperlut hätte! Bihms Koarle.

sapperment Interj. veralt. Schirgiswalde dass. wie sapperlut; (tausnd)sapperment noa amol!

Sappermenter m. dass. wie Sakermenter.Sappsdurf n. `Saupsdorf (Hintere Sächsische Schweiz)´; iech loofe bis ei´s Sappsdurf; de Sappsdurfer `die Einwohner von Saupsdorf´.

sappermichl Interj. veralt. dass. wie sapperlut; kreiz sappermichl, wie sist´n du aus?

Sappsdurf n. `Saupsdorf (Hintere Sächsische Schweiz)´; iech loofe bis ei´s Sappsdurf; de Sappsdurfer `die Einwohner von Saupsdorf´.

Sarchn `Särichen (Ort der Gemeinde Kodersdorf im °GR)´; de Sarchner `die Einwohner von Särichen´.

Särke `Särka (Ort der Stadt Weißenberg im °BZ)´; de Särkschn `die Einwohner von Särka´.

satt siehe sett!

Sätzl n. siehe Soaaz!

Saubittch m. Oderwitz dass. wie Sauluder.

Sauboajttl m. leichtes Schimpfwort `Saubeutel: freches Kind, dreister Kerl´. Lautf.: Siehe Boajttl!

saudumm Adj. `sehr dumm´.

Saue f. Pl. Saun od. Säue, Dim. Säuchl, Säuchn 1a. `weibl. Zuchtschwein, Mutterschwein´; mit anner Saue an Stoalle hoat´s nischt zu tun. Vgl. Huntschl! - b. Schirgiswalde, Steina, Oberlichtenau `weibl. Kaninchen, Häsin´, auch Siene. - 2. übertr. auf Personen `unsauberer Mensch, Schmutzfink (auch im moralischen Sinne)´. - 3. Schirgiswalde `Schellass beim Doppelkopf´. Lautf.: Säue.

Sauer m. `Sauerteig´; mer hoann Sauer oaagesoatzt.

sauer Adj. 1a. `wie Essig od. Zitronensaft schmeckend´; sauer Gurkn, sauer Fischl, saure Flecke, de sauerschtn Kirschn an Durfe hoat mei Unkl. RA: an sauern Äppl beißn `etw. widerwillig bewerkstelligen´. - b. `durch Gärung geronnen u. sauer schmeckend´; de Milch is sauer. - c. `durch Gärung verdorben´; wenn de Pflaum reifm, wird´s Bier fix sauer. - 2a. sauer senn od. sein `verärgert sein, auf jmdn. nicht gut zu sprechen sein´; iech bie uff diech ganz schiene sauer. - b. `schwer, unangenehm, unerträglich, bedrückend, nicht lebenswert´; ´s Geld sauer verdinn; mir is is Labm sauer wurn. - 3. `nass, sumpfig´; de Himmlschlissl wachsn oan bestn uff sauern Wiesn.

sauer Abern Pl. `saure Kartoffeln: Kartoffelsalat aus geschnittenen gekochten Kartoffeln, Gurken, Zwiebeln, ausgelassenem Speck, mit Essig; mit saurer Würze angemacht, erst später mit Mayonnaise´. Lautf.: saure Abern od. Ardboarn, siehe auch Aberne!

sauer Wulle Pl. Seifhennersdorf scherzh. `Sauerkraut´. Lautf.: saure Wulle.

sauer Suppe f. Oppach `Nahrungsmittel aus dem 19.Jahrhundert, das aus Buttermilch und Roggenmehl hergerichtet wurde´.

Sauerbrotn m. `Sauerbraten´.

Sauerhoampfer m. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Girbigsdorf `Sauerampfer (Rumex acetosa L.)´. Formen.: Sauerhoamf, Sauerhoampf (volksetym. an Hanf angelehnt) Ober- u. Niedercunnersdorf, Sauerhoampft, Sauerhoanf, Sauerhoamfe, Sauerhoanfer, Saueroampfer, Saueroamfer Neusorge, Saueroampflch Neugersdorf; Sauerlump verstr. Westlausitz, Sauerlempe f. Oberlichtenau; Sauerlumpe f. wSüdlausitz, Burkau, Neulausitz; Sauerluntsche verstr. nOstlausitz, verstr. Neulausitz.

Sauerkrautstoamper m. dass. wie Krautstoamper.

Sauerlump(e) m. (f.) siehe Sauerhoampfer!

Sauerploaaz m. siehe Ploaaz 2.

Säuerz  `Säuritz (Ort der Gemeinde Panschwitz-Kuckau im °BZ)´; de Säuertschn `die Einwohner von Säuritz´. Lautf.: Säuertsch.

Saufaus m. `Säufer, Trinker´; dar aale Saufaus sitzt schunn wieder an Kraatschn.

Saufbittch m. `Säufer, Trinker´.

Saufbittlch m. `männl. Person, die viel herumzieht und viel alkoholische Getränke zu sich nimmt´.

Sauflooch n. dass. wie Saufbittch.

saufm stv. iech sauf(e), du seffst, mer saufm, ihr sauft, iech suf Oberland, iech hoa gesuffm `saufen´. 1. wie litspr. `trinken (Tiere)´. - 2. `in großen Mengen, gewohnheitsmäßig Alkohol trinken´; RA: saufm wie de Timplgrätn, de Blindschleechn, de Kimmltirkn.

Saufsaak m. dass. wie Saufaus. Lautf.: Saufsack Westlausitz.

saugemittlch Adj. `sehr gemütlich´; ba dir is is saugemittlch; doaas is anne saugemittlche Kirmst. Lautf.: saugemietlch.

Saugräte f. Süd- u. Ostlausitz `Saukröte: freches Kind´; die Saugrätn gihn wieder Klingl putzn.

saugrob (gedehntes o) Adj. `sehr grob, sehr ungeschliffen´; a kunnde saugrob warn.

Säugurgl f. siehe Soigurgl!

Sauhacksch m. Schimpfwort für Männer. Siehe Hacksch!

Säuheet f. siehe Soiheet!

Saujunge m. `ungezogener, immer auf Streiche sinnender Junge, Lausejunge´.

saukaalt Adj. `saukalt: sehr kalt´.

Saukräte f. siehe Saugräte!

Saulader n. `Sauleder´: derbes Schimpfwort für vorwieg. Frauen u. Mädchen, die liederlich, leichtlebig (u. durchtrieben) sind, sowie ungezogene Kinder; doaas Saulader hoat schunn moanche Fansterscheibe zerschussn.

Saule f. Süd- u. Ostlausitz Pl. Sauln `Säule´. 1a. `(runde) senkrechte Stütze von Gebäuden od. Gebäudeteilen, hölzerner Tragpfeiler in der Mitte der Schankstuben´; immer rim im de Saule; dr Voater hoat de Mutter noa im de Saule geschwenkt `der Vater hat mit der Mutter noch um die Säule in der Mitte des Raumes getanzt´. - b. `(profilierte) senkrechte Hölzer im Stockwerkbau am Umgebinde´; Imschrutsauln. - 2. `Zaunpfahl´ (aus Holz, Stein, Eisen od. Beton). Lautf.: Säule Westlausitz.

Sauluder n. derbes Schimpfwort für schlechte, boshafte Menschen und für Tiere, die den Menschen mit ihrem Verhalten ärgern.

Säumagn siehe Soimagn!

saumäßch Adj. umg. `sehr schlecht, miserabel´; is Water is saumäßch.

saun swv. in der Wendung is saut `es regnet anhaltend´.

säun swv. `sauen: sich wie eine Sau benehmen, schweinische Witze erzählen, unsauber arbeiten, Dreck machen´; dar hoat benn Fansterstreichn aber rimgesäut!

Säuodn m. Südlausitz `Atemzug der Sau´; in der Wendung a enn Säuodn `sehr schnell´; doaas is ne a enn Säuodn gemacht.

Saurettch m. harmloses Schimpfwort für `Junge´ mit leicht anerkennendem Unterton; wu steckt´r denne, dar Saurettch?

säusch Adj. 1. bes. nwSüdlausitz, Westlausitz u. Ostlausitz `unanständig, unsauber, dreckig, unflätig, wie eine Sau´; säusch assn. - 2. sSüdlausitz `unfreundlich grob´, a säuscher Dingkerch. - 3. Umgebung von Görlitz säusch härn `schlecht hören´. 4. Südlausitz `geizig, übertrieben sparsam, äußerst knauserig´; siehe auch soisch!

Sauwater n. `Sauwetter: sehr schlechtes Wetter´.

Scha

Schaajchl n. siehe Schalchl!

schaajkern swv. `schäkern: sich necken (meist von Mädchen und jungen Burschen)´. Lautf.: tschaajkern, tschäkern.

schaal Adj. `scheel´. 1. `verdorben, ungenießbar, abgestanden´ (Flüssigkeit); is Bier is schaal. - 2. Bihms Koarle `missgünstig´; schaal oaaguckn.

Schäbch m. veralt. Lawalde, Wehrsdorf ` Kopf´; de Lodn uff´m Schäbche.

schäbch Adj. `schäbig´. 1a. `abgeschabt, abgenutzt, ärmlich (Kleidung)´. - b. `dürftig, ärmlich (Wohnung)´. - 2. `geizig, hartherzig´; a hoat dir oack anne Zahnmoark gegan? Doaas is aber schäbch!

Schäber m. `Schober´. 1a. `kleiner, halbtrockener Heuhaufen´ wird vor der Nacht od. vor dem Regen aus den einzelnen Heureihen aufgehäufelt und am Morgen od. nach dem Regen zum Trocknen wieder ausgebreitet; Futter- od. Heischäber `Heuschober´; macht oack de Schäber wieder breet! - b. `Haufen´; a Schäber Kohln, Kroattch, Schnie. - 2. übertr. `Berg aus übereinander geschichteten Kuchen- od. Fleischstücken´; dann dichn Schäber foahr´ch oalleene ei `den Kuchenhaufen esse ich selbst´; ann Schäber Wellfleesch. Lautf.: Schäwer Westlausitz, Schiäber sOstlausitz, Schoaber °NOL Königshain, Schiäwer nOstlausitz, Scheeber Nordböhmen.

schäbern swv. `fast trockenes Heu zu Haufen zusammenrechen´; die senn schunn heemgegangn Futter schäbern. Lautf.: schäwern, schiäbern, schiäwern, scheewern Westlausitz.

Schachtl f. Dim. Schächtl `Schachtel´. 1. wie litspr.; anne Poappschachtl. - 2. `alte Jungfer, ältere unansehnliche, unsympathische Frau´; dar aaln Schachtl koannst de nischt raajcht machn.

schackern
swv. siehe tschackern!

schackn swv. dass. wie tschackern.

schädchen swv. `schädigen: jmdm. unbedeutenden Schaden zufügen, auf Kosten eines anderen (viel) essen und trinken´; hinte warrn mer amol ´s Geburtstagskind schädchn.

Schadl m. `Schädel´. 1. `Kopf´; mer brummt dr Schadl `ich habe Kopfschmerzen´. - 2. übertr. ` Dickkopf , Trotzkopf, Eigensinn´; die muss wieder ihrn Schadl ufsetzn `die will wieder ihren Willen durchsetzen´, ann dickn Schadl od. ann Äberlausitzer Groanitschadl hoann `stur sein´. Auch Nischl.

Schadlbrumm n. `Schädelbrummen: Kopfschmerzen´.

Schafer m. `Schäfer: Schafhirte´.

Schaffl n. veralt. öKürzung, Weifa, Schlesien, `aus Holzdauben gefertigtes, wannenartiges, aber rundes Gefäß (zum Wäschewaschen od. als Futtertrog)´.

Schafl n. siehe Schof!

schäftn (kurzes ä) swv. `mit dem Stiefelschaft schlagen´.

Schälabern Pl. Süd- u. Ostlausitz `mit Schale gekochte, unzerschnittene Kartoffeln, die noch geschält werden müssen; Pellkartoffeln´; ´s gibbt zu Mittche Schälabern und Quoark. Lautf.: Schäl-, Schal-, -abern, -abunn, -aburn, -abbern. Auch ganze Abern.

Schalchl n. Oberland `Schälchen´. 1. `irdenes, henkelloses (Trink-)Gefäß mit hochgewölbtem Rand, Tasse´; a Schalchl Heeßes `eine Tasse Kaffee´, Koaffeeschalchl. - 2. `Untertasse´ (im Gegensatz zur Obertasse, dem Keppl od. Keppchl), auch Under-, Unger- od. Niederschalchl. - 3. `(Kompott)näpfchen´. Lautf.: Schaajchl Oberland, Schalchn übrige Südlausitz, West- u. Ostlausitz, Sächs. Schweiz.

Schälfurche f. Lawalde, ° ZI Schönbach dass. wie Oaafirlch; Schälfurche ziehn.

Schälkließl n. (meist im Pl.) sSüdlausitz `Schälklößchen (beliebtes Gericht um Zittau, in Nordböhmen u. Schlesien): Ausgerollter Nudelteig, der mit Semmelbröseln od. Grieß bestreut, mit zerlassener Butter bestrichen, fest zusammengerollt („gewickelt“) und etw. angedrückt wird. Von der Teigrolle werden 1cm breite Stücke („Klöße“) abgeschnitten und in einer Rindfleischbrühe oder Brühe mit gekochtem Kassler (Reecherbrihe) gegart. Die Klöße schälen bzw. wickeln sich dabei mehr od. weniger auf´, auch Wicklkließl od. Wicklkoallchl.

Schälkluß n. Pl. Schälkließe `Schälkloß´ siehe Schälkließl!

schallch Adj. `schellig: „Schell(en)“ der deutschen Skatkarte´; iech mach a Schallches `ich mach ein Spiel mit „Schellen“ als Trumpfkarte´. Lautf.: schellch.

Schalle f. `Schelle: schallende Ohrfeige´.
Schalle f. `Schelle: niedrigste Spielfarbe beim Skat, Schafkopf und Doppelkopf im deutschen Kartenspiel; Karo´; Schallkiench `Schellkönig´; RA: Wenn´s Schalle wählt `wenn es der Zufall zum Schlechten richtet´.
Schalle f. `Schelle: ringartige enge Metallfessel´.

schallern siehe tscherlern!

Schallesaak m. veralt. selt. Nordböhmen Dim. Schallesäckl `Schellsack: ein mit Glöckchen versehener Beutel zum Einsammeln der Kollekte während des Gottesdienstes, Klingelbeutel´; du treemst wu vun Schallesacke! `Du träumst wohl vom großen Geld´.

schäln swv. `schälen´. 1. `die äußere Hülle von etw. lösen´; Abern schäln. - 2. Niedercunnersdorf `nach der Ernte den Boden flach pflügen´; dr Stuppl wird geschält.

scham (gedehntes a) swv. `schämen´; scham dch oack an Hoals od. Schlunk rei!

Schamche f. `Schamgefühl´; de itzche Walt hoat goar kee bissl Schamche mih. Lautf.: Schamchte, Schamcht.

schamcht (gedehntes a) Adj. Obercunnersdorf `sich schämend, verschämt, schüchtern´; a soite schamch; bie oack ne su schamch! Doaas ia anne Schamche! `Das ist eine schüchterne junge Frau!´. Lautf.: schamch, schamsch Neugersdorf, Neusorge.

schamerch (gedehntes a) nwSüdlausitz, Westlausitz dass. wie schamcht.

Schaml, Schäml siehe Schemml!

Schande f. wie litspr.; mer frassn´ch zu Schann `wir essen uns krank´.

Schande ohne Genus, alt f. `Bad Schandau (Städtchen in der Sächsischen Schweiz)´.

Schänderbissl n. veralt. Weifa (1830), Großröhrsdorf `kurzes, heiteres, derb-zotiges Liedchen´, früher (von den jungen Burschen) in der Rockenstube gesungen.

schandiern swv. veralt. °NOL Königshain, Rietschen `jmdn mit Worten schlechtmachen, über jmdn. herziehen´.

Schandoarm m. siehe Schoandoarm!

Schanker m. Südlausitz `Schankwirt´. Lautf.: Schänker m., Schänke m. Pulsnitz; do machte dr Schänke keen Zuttsch mih möt´n. Doas toat ju´n Schänkn fuchsn.

Schänkhaus n. `Schänke, Gastwirtschaft´.

Schänkmaajdl n. `Kellnerin´. Lautf.: Schänkmardl Neukirch.

Schänksiems m. `Theke, Schanktisch´; beede gingn zun Schänksiemse und noahm uff dann Ärger zweemol zwee Kurne. Lautf.: Schänksims öOstlausitz.

Schänkstube f. `Schankstube´.

Schänkwirt m. `Schankwirt´.

Schänscherliedl n. Ostlausitz, Schlesien dass. wie Schänderbissl. Formen: Zänscher-, Tschänscher-, Schander-, Schämper-, Schamper-, Schumper-, Zamperlied(l).

Schanze f. 1. `Damm, Staudamm, Wall, Ringwall, Burgwall, aus einem Erdaufwurf bestehende Verteidigungsanlage´; Schwednschanze; de Jungn machtn aus Stenn a dr Baach anne Schanze. - 2. `Sprungschanze´; wie´ch noa a Cunnerschdurf wohnte, bie´ch uff dr Kupperschanze gehuppt.

schanzn swv. Süd-, West- u. Ostlausitz, Bihms Koarle `emsig, flott arbeiten; hantieren; wirtschaften´; rimschanzn; ´s is anne Freede, wie se schanzt; nu gingk a Mäuern lus und a Schanzn.

Schäppe siehe Scheppe!

schappern swv. siehe tschappern!

schäppern siehe tschäppern!

Schäps siehe Scheps!

Scharbe siehe Scherbe!

Schärbratl n. `Scheerbrettchen´. Siehe schärn!

Schare (gedehntes a) f. `Schere´.

Schärloatte f. `Scheerlatte:´. 1. `Scheergatter´. - 2. dass. wie Schärbratl. Siehe schärn!

scharn (gedehntes a) stv. iech schar(e), du scharscht, a schart, mer scharn, iech schur, iech hoa geschurn `scheren´. 1. `kurz schneiden (mit der Schere)´; RA: sei Schof scharn `nur an sich denken, etw. zum eigenen Vorteil unternehmen´. - 2. `ausnehmen, abfetten, ausbeuten´; ba Neume wellt´ch ne oarbeitn, do wirscht de geschurn. - 3. Zittauer Gebirge, Bihms Koarle,Ostritz dass. wie schiern `jmdn. mit Worten quälen, schikanieren´; misst´r miech su scharn?
scharn (gedehntes a) swv. refl. 1. `sich schnell irgendwohin begeben, weggehen, verschwinden, abhauen´; schar dch zun Teifl! Schar dch zun Guguck! `verschwinde!´ - 2. `jmdn., etw. beachten; sich um jmdn., etw. kümmern´; im dann Sissebittch schar´ch miech ann aaln Dreck. Lautf.: schern.

schärn swv. Fachspr. der Weberei `schären: Fäden zu einer Schar zusammenfassen, um eine Webkette herzustellen´. In der Handweberei wurden die vollen Pfeifl (Spulen) an der Schärloatte (Schärlatte, Schärgatter) befestigt, die dazugehörenden Fäden durch die Oogn (Porzellanösen) des Schärbratls (Schärbrettchen) geordnet, in einem Strang durch die Hand geführt und um den drehbaren Schärrahmen (Schärrahme) gewickelt. Vom Schärrahmen wurden die Fäden zu einem großen Knaul (Knäuel) od. Zoop (Zopf) über die Hand gewickelt. Im Anschluss wird ufgebeemt (aufbäumt, gebäumt). Siehe ufbeem!

Scharnschleefer m. veralt. `Scherenschleifer: Handwerker, der Scheren u. Messer schleift´. Er zog früher durch die Lande mit einem fahrbaren Schleifstein, klingelte an den Türen und schliff auf der Dorfstraße oder im Hof stumpfe Scheren und Messer.

Schärrahme f. `Schärrahmen: drehbares Lattengestell, auf das beim Schären die Fäden aufgewunden werden´, siehe schärn! Lautf.: Schärroahme f., veralt. Schärraume, Schärrahm m.

Scharschierte m. Wiesa (Gemeinde Kodersdorf) `Chargierte: Vorgesetzte, Höhergestellte´; do muss irscht a Scharschierter kumm. Lautf.: Schoarschierte.

Scharzl siehe Scherzl!

scharzn (kurzes a) swv. veralt. sSüdlausitz, Anton `den Arbeitsplatz wechseln, kündigen, Arbeit einstellen, vom Dienst abziehen´; zu Lichtmesse scharzn Knaajchte und Maajde; kimmst de gescharzt? Lautf.: scherzn, schirzn, schurzn.

Schäse siehe Scheese!

Schatzl n. Kosename Dim. von Schatz, `Schätzlein: feste Freundin, fester Freund, Liebste, Liebster, Braut, Bräutigam´.

Schatzl siehe Scherzl!

Schauer m. Dim. Schäuerchl (Oberland) 1. `kurzer, heftiger Regenguss´; prust Gurgl, itz kimmt a Schauer! `Zum Wohl!´ - 2. `Schreck´. Lautf. Dim. Schäuerchn sSüdlausitz, Ostlausitz.

schauerhoaftch Adj. Königshainer Berge `schauderhaft, unheimlich, schrecklich´.

schauern swv. 1. `einen Schauer machen´; underwaajgs hoat´s geschauert. - 2. in der Wendung miech schauert´s `mir läuft es vor Schreck über den Rücken´.

Schauke, Schaukl `Maiglöckchen´; siehe Tschauke!

Schaul m. Schal´; bind dr oack ann Schaul im!

Schaultichl n. dass. wie Schaul.

Schawanzn Pl. siehe Schoarwaanzn!

Sche

scheckch Adj. `scheckig: gefleckt, fleckig (bes. bei Tieren, bei der Haut des Menschen, bei Stoff und Kleidung)´, rutscheckch, blooscheckch, anne scheckche Kuhe, dar is bekannt wie a scheckcher Hund. RA: sich scheckch lachn `sehr lachen´. Lautf.: scheckcht.

Schecke f. verstr. Scheckn m., im Dim. Scheckl 1. `geflecktes Tier´ (Kuh, Pferd, Kaninchen); Rutschecke, Schwoarzschecke; a goab dr Schecke, dr Scheckn od. ´n Scheckn ann Kloaps; dr Koater lauert schunn uff seine dreifoarbchn Scheckn. - 2a. `fleckige Web- od. Wirkware, geflecktes Garn; fleckiger, im Farbton od. der Farbtiefe ungleichmäßig gefärbter Stoff; Produkt einer unegalen Färbung´; die ganze Kaule is a Scheckl gewurn. - b. `buntgestreifter Stoff´; Scheckn wirkn. Lautf.: Schacke Seifhennersdorf.

Schecklfarber m. Spottname für einen `Färber, (der den Stoff od. das Garn manchmal scheckig färbt)´.

Schecknleimd f. `buntgemusterte Leinwand´.

Scheckn m. dass. wie Schecke.

Scheckntichl n. Bihms Koarle `buntgeflecktes od. buntkariertes (Leinen)tüchlein´; woaas as Scheckntichl eibinn.

Scheebl m. n. 1. `alter abgetragener Hut od. Mütze od. abgetragene Haube´; ar setzt sein aaln Scheewl uff; dr Scheewl word ver dir gedecklt (Westlausitz). - 2. (Anton) `eine schlechte, verkümmerte Sache´. - 3. (Anton) `verkümmerter Mensch´. Lautf.: Scheewl, Schiebl, Schiewl, Schöwl. Vgl.Schoobm!

Scheeblch m. verstr. wSüdlausitz, Westlausitz `alter abgetragener Hut´. Lautf.: Scheewlch, Schieblch, Schiewlch, Scheebch Oberlichtenau.

Scheeche f. 1. siehe Voglscheeche! - 2. Schimpfname `(unbeliebte, hässliche) Frau´.

Scheech(e)mannl n. sWestlausitz `Kobold; Gestalt, mit der Kindern gedroht wird´; durte giht´s Scheechmannl im.

scheecherch Adj. wSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz `schüchtern, verschüchtert, niedergeschlagen´. Siehe auch verscheechert!

scheechn swv. `scheuchen´. 1a. `jmdn. mit Gesten od. Zurufen in eine best. Richtung treiben, jmdn. verjagen´; de Stoare vun Kirschboom scheechn. - b. `jmdn. (an)treiben, jmdn. auffordern zur Erledigung einer Tätigkeit´; miech noa Biere scheechn. - 2a. intrans `spuken´, immer unpersönlich; an Finstern gih´ch ne ieber´n Kirchhof, do scheecht´s. - b. trans. `jmdn. durch einen Schabernack erschrecken, ein spukhaftes Geschehen vortäuschen´; hinte wull mer de Maajdl mit dr Rumplschnure scheechn.

Scheechnacht f. Leutersdorf `Nacht von Allerheiligen zu Allerseelen, in der Kinder den Brauch des Flenntippl-Umganges durchführten´. Siehe Flenntippl!

Scheechstunde f. `Mitternacht, 24.00 Uhr´; de Scheechstunde ruckte roaa.

Scheede f. `Scheide´. 1. `Hülle, Etui´; Brillnscheede; de Stifte gehiern a de Scheede.  - 2. `Scheidelinie, Scheidewand, Grenze´; Waterscheede, Woasserscheede. - 3. Cunewalde, Spitzkunnersdorf `fehlerhafte Stelle im Gewebe mit mehreren Kettfadenbrüchen nebeneinander, die man nicht gleich bemerkt hat´; ´s warrn Scheedn.

Scheedefrooe f. Südlausitz `geschiedene Frau´.

Scheedemoan m. Südlausitz `geschiedener Mann´.

scheedn stv. (refl.) `scheiden´; aus´n Labm scheedn `sterben´, iech luss miech scheedn `ich trenne mich von meinem Partner´.

Scheednbaach f. `Scheidenbach (Ortsteil der Gemeinde Sohland a. d. Spree im °BZ)´; a wohnt a dr Scheednbaach.

Scheese f. Dim. Scheesl `Chaise´. 1a. `leichter, zweisitziger Kutschwagen mit Halbverdeck´; iech spoann´s Scheesl oaa; Hoalbscheese. - b. übertr. `altes Fahrzeug, Kinderwagen´. - 2. Dittelsdorf `alte, unsympathische, schlampige Frau´ Lautf:: Schäse.

Scheeßer m. Neukirch, Frankenthal (Westlausitz) `(breites) Gesäß, Arsch´; die hoat ann Scheeßer wie a Tausndtoalerpfard.

Scheffl m. `Scheffel´. 1. veraltetes Hohlmaß vorwieg. für Getreide, das in Sachsen etwa 100 l umfasste. - 2. `veraltetes Flächenmaß für Feldgrundstücke´; die sull ne su de gruße Gusche hoann mit ihrn drei Scheffl Wind im´s Haus `die soll nicht so groß tun mit ihrem kleinen Garten um das Haus herum´.

Scheibe f. Dim. Scheibchl, Scheibl 1. wie litspr. `(dünner), runder Gegenstand´; Äpplscheibe, zwee Scheibchl Kase. Siehe auch Plätschl! - 2a. `Bezeichnung für ein Flurstück, das eine gekrümmte Begrenzung hat´ (meist hervorgerufen durch den Verlauf einen Baches, z.B.: in Seifhennersdorf, Mittelherwigsdorf, Hainewalde); de Scheibchn `die Einwohner von Scheibe´; Ausruf, Fluch: Kreiz Himml, Herrschdurf, Hirnz und Scheibe! - b. Aale u. Neue Scheibe f. `Alt u. Neu Scheibe´, Ortsteile von Volkersdorf im alten Kreis Lauban östlich der Neiße; dar wohnt ei dr Aaln Scheibe. - c. Ortsteil von Wilka im Kreis Lauban östlich der Neiße. - 3. veralt. im Dim. Scheibl Ostlausitz `rundliche Form, in die man die fertige Butter drückte; rundes Butterstück von 250g; Butterscheibl. - 4. `unbeschlagenes hölzernes Wagenrad´.

Scheibmweiser m. Niedercunnersdorf, Kirschau `Verantwortlicher des Schießens auf eine Scheibe, der die Schießergebnisse anzeigt´; hinanoo(ch) wird dr Scheibmweiser ann Beller lusgihn lussn.

schein stswv. iech schein(e), du scheinst od. schennst (°ZI Ebersbach), a scheint od. schennt, iech schien od. scheinte, iech hoa geschinn, geschien, gescheint od. geschennt `scheinen´; de Sunne hoat as Haus geschinn. Lautf.: schenn °ZI Ebersbach, schann Seifhennersdorf.

Scheißdreck m. vulgär `Kot´; doaas gitt´ch ´n Scheißdreck woaas oaa `das geht dich nichts an´.

Scheiße f. wie litspr. `(menschlicher) Kot´; RA: (vull) a de Scheiße langn `einen Fehlgriff tun´, RA: Is misste Scheiße raajn und jeder Truppm andersch stinkn. Ausruf der Verwunderung: Nee, su woaas, do hirrt doa de Scheiße uf zu stinkn!

Scheißerchl n. Dim. von Scheißer `Kind, das noch in die Windeln kackt´; "na, mei kleenes Scheißerchl? Hoast de de Windln wieder vul gemacht?" Lautf.: Scheißerchn.

scheißern swv. Nordböhmen in der Fügung miech scheißert´s `ich muss austreten´.

scheißgaale Adj. `gelb wie der Durchfall´.

Scheißhäusl n. vulgär `Abort, Klo´.

Scheißhitte f. vulgär `Abort, Klo´.

Scheißhittlbirne f. °ZI Ebersbach, °NOL Reichenbach `Geißhütelbirne, Graumännel, Rettichbirne´; auch Groomannl.

Scheißkafer m. 1. Süd- u. Westlausitz `Mistkäfer´. RA: „Mutter, hoann Kroaazbeern o Beene?“ „Nee, mei, Junge, die hoann keene.“ „Nee? Do hoa´ch groade ann Scheißkafer gefrassn!“ - 2. übertr. `Pers., die häufig aufs Klo muss od. lange Zeit darauf sitzt; Kind, das viel einkackt´; na, du Scheißkafer, bist de baale fartch?

Scheißkarle m. `ängstliche männl. Person, Angsthase, Schlappschwanz´; die Scheißkarln hoann´ch aus´n Stoobe gemacht.

Scheißmontch m. veralt. Niedercunnersdorf, Bertsdorf `Montag in der Osterwoche´; Tage der Osterwoche: Scheißmontch od. Blooer Montch, Quoarkdinnstch, Krumme Miedwuche, Grinner Durschtch, Koarfrettch od. Stiller Frettch, Ufwoaschsimmd, Ustersunntch.

scheißn stv. iech scheiß(e), du schesst, a schesst, mer scheißn, iech scheeß od. schieß, iech hoa geschissn `scheißen´. - 1. `kacken, koten, Stuhlgang haben´;  RA: dr Teifl schesst immer uff´m grisstn Haufm `wer schon viel hat, bekommt immer noch mehr´; RA: dann schesst´s dr Hund `der wird ohne persönliches Dazutun immer reicher´; RA: scheißn ieber zahn Quarbäte `Durchfall haben´; Ausruf (des Erstaunens od. der Empörung): Do schesst´s dinne! Dialog zwischen einer Person, die austreten muss, und einer Person, die das Klo blockiert: "Fimf Minutn wird geschissn, war länger schesst, wird rausgeschmissn!" "Fimf Minutn schesst dr Hund, dr Mensch schesst anne virrtl Stund". Grobe Antwort auf eine unnötige od. unangenehme Frage: Scheiß dr ne rei! „Wenn bist´n naajchtn heemgekumm?“ „Scheiß dr ne rei!“ - 2. vulgär `furzen, pupsen´; ´s dicke Luft a dr Bude, hoast de geschissn?

Scheitl n. `Holzscheit, Scheit: das durch Spalten mit dem Beil entstandene ofenfertige Holzstück´. RA: A zind´ch de Pfeife mit ann Scheitl oaa `er ist umständlich, primitiv´.

Scheitlfeie f. Obercunnersdorf, Neusorge `aus Scheiten errichteter Stapel, meist kreisrund, sich nach oben hin ein wenig verjüngend´. Lautf.: Scheitlfäue.

Scheitlfeim m. Wittgendorf dass. wie Scheitlfeie.

Scheitlfeime f. Süd- u. Ostlausitz dass. wie Scheitlfeie.

Scheitlroaffm n. Orakel `junge Mädchen rafften im Halbdunklen Holzscheite, legten sie in die Schürze od. klemmten sie unter den Arm, zählten die Anzahl der Scheite, deuteten eine gerade Zahl als baldige Heirat und zogen aus der Beschaffenheit des letzten Scheites Rückschlüsse auf den späteren Mann´.

Scheitlzähln n. dass wie Scheitlroaffm.

Schellens `Tschelentsy (Hausberg von Weißnaußlitz)´.

schellern siehe tscherlern!

Schellkroattch n. `Schöllkraut, Warzenkraut (Chelidonium maius L.)´. In der Volksmedizin dient dessen Saft der Warzenbeseitigung. Lautf.: Schellkroitch.Schellens `Tschelentsy (Hausberg von Weißnaußlitz)´

Schemisettl n. `Chemisett: auf das Hemd aufknöpfbares steifes Vorhemd, nicht viel größer als der Westenausschnitt, nur durch einen Kragenknopf festgehalten´, auch Vurnevier.

Schemml m. `Schemel´. 1. `niedrige, drei- od. vierbeinige Sitzgelegenheit ohne Lehne, Hocker´; Schemmlbeen. - 2. Südlausitz übertr. `Stuhl´; RA: ´n Schemml ver de Tiere setzn `hinauswerfen´. Lautf.: Schaml Schirgiswalde, Schäml, Schiäml öKürzung, Schamml selt. nwSüdlausitz um Goldbach, nwWestlausitz um Königsbrück, Ostlausitz.

schemmlch Adj.  Neukirch `mit Schemeln (zum Treten) versehen´; a zweeschemmlcher Stuhl `ein Handwebstuhl mit zwei Trittschemeln´. Vgl. Trietschemml!

Schemmlfoarzer m. abwert. `Sesselhocker, Büroangestellter; Beamter, der viel sitzt´.

Schemmlrutscher m. `Person, die viel sitzt und Schreibarbeit leistet; Schreiberling, Büroangestellter´.

Schenierche f. `Genierung: Schamgefühl´; de jungn Maajdl hoann kee bissl Schenierche mih.

Schenierde f. Görlitz dass. wie Schenierche.

Schenillche f. `Chenille: Garn, dessen Fäden in Büscheln seitlich vom Faden abstehen´, aus dem Tücher, Hauben und Schals hergestellt wurden; Schenillchehaube, Schenillcheseide, se hoat´s Schenillchntichl uff´m Kuppe. Lautf.: Schinillche.

schenkn unregelm. V. iech schenk(e), du schenkst, iech schankte, iech hoa geschankt `schenken´; dann Moan woar nischt geschankt `der Mann hatte es schwer´; doaas diche is dr ne geschankt `ich werde mich an dir rächen´. RA: Besser ´n Doarm verrenkn, oas´n Wirtsleutn woaas schenkn.

schenn siehe schein!

Scheppdeckl m. Steinigtwolmsdorf, Burkau`Deckelmütze, Schirmmütze´, Kopfbedeckung für Männer; auch Dächlmitze und Speckdeckl.

Scheppe f. `Schöpfe´. 1a. Dittelsdorf, Wittgendorf, Schirgiswalde, Oberlichtenau `Stelle zum Wasserschöpfen am Rande von Gewässern (angestaute Stelle im Bach, Quelle)´, Zugang durch Stufen, Trittsteine, Holztreppe. Auch Schepplooch; se schweefte ba dr Scheppe de Wäsche. - b. Großhennersdorf `Holzpodium am Rande der angestauten Stelle zum Wasserschöpfen´. - 2. `Schöpfgefäß an langer Stange zum Jauche- od. Wasserschöpfen´; Hitte-, Jauchn-, Jauchescheppe.

Schepper m. 1. Obercunnersdorf, Wittgendorf, Burkau, Neusorge dass. wie Scheppe 2; Hitte-, Jaucheschepper, Jauchnschepper. Siehe auch Schuffe! - 2. `Schöpfgefäß (im Haushalt)´.

Schepperch m. Seifhennersdorf 1. `Schöpfgefäß, Schöpflöffel, Suppenkelle´. - 2. `Inhalt des Schöpfgefäßes´; iech ass noa ann Schepperch.

scheppern siehe tschäppern!

Scheppkannl n. Dim. von Scheppkoanne `Kännchen zum Wasser(schöpfen)´; se hulte an Scheppkannl woarmes Pfoannewoasser.

Scheppkelle f. dass. wie Scheppleffl.

Scheppleffl m. `Schöpflöffel: halbkugelförmiger, großer Löffel mit langem Stiel zum Schöpfen von Suppe; Schöpfkelle´.

scheppm unregelm. V. iech schepp(e), du scheppst, iech schoappte Niedercunnersdorf od. schappte, mer schoapptn, iech hoa geschoappt od. geschappt `schöpfen´; Usterwoasser scheppm; iech hoa mit´n Kriegl a poaar Kaularschl aus´n Teiche geschoappt.

Schepptippl n. Dim. von Schepptoop 1. `Schöpftöpfchen: kleines, in der Küche verwendetes Schöpfgefäß aus Blech od. Emaille mit Henkel´; ´s Schepptippl hängt ieber dr Pfoanne. - 2. veralt. `hölzernes Schöpfgefäß im Waschhaus mit kurzem Griff´. - 3. übertr. Westlausitz `Dummkopf´. Lautf.: Scheppteppl Westlausitz.

Schepptoop siehe Schepptippl! Lautf.: Schepptupp, Schepptopp Westlausitz.

Scheppstange f. Dim. Scheppstängl 1. `Schöpfstange: Teil der Holzrohrpumpe´. - 2. `Holzstange am Holzpodium vor der Wasserschöpfstelle´. - 3. `Holzstiel am Jaucheschöpfer´.

Scheps m. Dim. Schepsl `Schöps´. 1. `beschnittener Schafbock, Hammel´; Schepsnbrotn, Mähschepsl. - 2. harmloses Schimpfwort `Dummkopf´ (da das Schaf als Sinnbild der Dummheit gilt); RA: Wenn de Schepse niesn, wird ander Water. - 3. Flussname `Schwarzer u. Weißer Schöps´. - 4. Ort der Stadt Reichenbach OL im °GR; die wohn ei Scheps; de Schepser `die Einwohner von Schöps´.

schepsdrähnde Adj. Adv. `schwindlig, taumlig, benommen´. Lautf.: schepsdrahnde Oberlichtenau.

Scheps(e)christl m. selt. Südlausitz, Schlesien `dummer, einfältiger Mensch´, häufig Kind (mit ärgerlichem bis gutmütigem Unterton); nu kumm oack har, mei Schepschristl.

Schepsndrähe f. selt. `schnelles Herumdrehen, wovon man taumlig wird´.

Schepsnfleesch n. `Schöpsenfleisch, Hammelfleisch´; irscht soatzte´s anne Koallchlsuppe, derno Schepsnfleesch und Abernmauke.

Scherbe f. u. Pl. Dim. Scherbl `der Scherben; Bruchstück eines Gefäßes aus Glas, Porzellan od. Ton´; iech bie a de Scherbe geloatscht `ich bin in den od. die Scherben getreten´, iech hoa Scherbe gemacht, Scherbe brengn Gelicke; Gloasscherbl; Scherbe flickn `zerbrochenes Geschirr ausbessern´. Lautf.: Scharbe, Scharbl (Neukirch). Vgl. Schurb!

Scherbefassl n. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Fass (aus Holz und mit hohen Henkeln) zum Abwaschen von Geschirr´.

Scherbelooch, Scherbllooch n. `Abfallgrube, Müllgrube´.

Scherblhaufm m. Neugersdorf, Cunewalde, Hinterhermsdorf  `Scherbenhaufen (am Polterabend)´.

scherlern siehe tscherlern!

schern (gedehntes e) siehe scharn!

Scherschante m. `Sergeant: Unteroffizier´.

Scherz (kurzes e) m. `(Stück) Brot´. Lautf.: Schetz (kurzes e), Scharz (kurzes a), Schatz (kurzes a). Siehe auch Scherzl!

Scherzl n Ostlausitz `Scherzlein: Brothappen, Bissen, Brotende´, auch Hapsl u. Fiedl. Lautf.: Scharzl (kurzes a), Schatzl, Scherz u. Schetz (kurzes e).

scherzn (kurzes e) siehe scharzn!

Schesmie m. Seifhennersdorf `(falscher) Jasmin, Pfeifenstrauch (Philadelphus coronuarius)´. Lautf.: Schismie.

Schesser m. `Schosser´. 1. (meist im Pl.) `wilder, nicht fruchttragender Trieb an Bäumen u. Sträuchern, der ausgeschnitten werden muss´; auch Woasserschesser. - 2. `ins Kraut geschossene Salat-, Kraut- od. Rübenpflanze´; unser Soaloat hoat lauter Schesser. Siehe auch Heet u. heetln! - 3. übertr. auf Pers. Leutersdorf `Jugendlicher, der die körperliche Größe, aber noch nicht die geistige erreicht hat; Angeber, der feige ist´.

Schetz (kurzes e) siehe Scherz!

Scheuerhoader m. dass. wie Wischhoader.

Scheunäsl m. veralt. sSüdlausitz, Ostlausitz `Scheunenesel: Bezeichnung für einen Vegetationsgeist; wer beim Flegeldreschen den letzten Schlag ausführte, trieb diesen Dämon aus u. stand in magischer Beziehung zu ihm´. Lautf.: Scheuneäsl.

Scheunbodn m. `Obergeschoss in der Scheune´. Lautf.: Scheunebodn.

Scheundrescher m. `Landarbeiter, der von Bauerngut zu Bauerngut zog, um beim Flegeldreschen zu helfen´. RA: frassn wie a Scheundrescher. Lautf.: Scheundrascher Zittauer Gebirge, Schirgiswalde.

Scheuntenne n.(alt) f. dass. wie Tenne `zum Flegeldrusch dienende Fußbodenfläche in der Scheune´.

Scheuntur n. `Scheunentor; gruß wie a Scheuntur.

Scheusl, Scheußl n. `Scheusal; Pers., die einen scheußlichen od. abschreckenden Anblick besitzt; Pers. od. vernachlässigtes Kind in abgetragener od. nicht passender Kleidung´; nu guckt dr oack doaas Scheusl oaa!

Scheuslch, Scheußlch m. 1. Westlausitz `Person, die zerstreut ist´. - 2. Anton dass. wie Scheusl.

scheuslch, scheußlch Adj. `scheußlich´. 1. wie litspr. `hässlich, widerwärtig, unschön´. - 2. Westlausitz, Burkau `zerstreut, unbesonnen´; bis ock ni su scheuslch! - 3. Anton scheußlch tun `seinen Abscheu zeigen´.

scheusln, scheußln swv. 1. `sich kostümieren (zur Fastnacht), sich unvorteilhaft u. geschmacklos anziehen, wie ein Scheusal herumlaufen´; willst de diech zer Foaasnacht goar ne verscheusln? `Willst du dich zu Fastnacht gar nicht verkleiden, vermummen?´ Wie die´ch wieder oaagescheuslt hoat? Auch oaascheeßn, oaascheeßln, verscheeßln, oaaschießln, oaaschusln. Lautf.: oaa-, oan-, rim- , verscheusln. - 2. Steina `schusseln, herumalbern, sich hastig bewegen, zerstreut sein, seine Arbeit oberflächlich tun´.

Schi

Schibbl siehe Tschibbl!

schibbm swv. `jmdm einen (kleinen) Stoß versetzten (im Gedränge oder absichtlich)´; se hoat miech an Stroßngroabm geschibbt.

Schicher Pl. `Schuhe´; siehe Schuhch!

Schichl siehe Schuhch!

schichln (kurzes i) swv. Taubenheim `mit Schuhen laufen´; mer senn ´n Barg rundergeschichlt.

schickn swv. `schicken´. Neben der litspr. Bedeutung auch. 1. refl. `sich fügen´. - 2. refl. `sich gehören, dem Anstande u. der Sitte entsprechen´; doaas schickt´ch ne fer junge Maajdl.

Schickse f. stark abwert. für weibl. Person `sonderbare, unbeliebte, eingebildete Frau´; die aale Schickse is zun Schulmeester gegangn und hoat geklaffert.

Schicksl n. Dim. von Schickse `junges Mädchen mit noch zu ertragenden Mucken´.

Schiebeboalkn m. `großer Holzriegel´. Auch Vierricke!

Schiebefanster n. Dim. Schiebefansterchl `kleines Schiebefenster: Fensterteil eines sechsteiligen Fensters, das man auf- u. zuschieben kann´.

Schieber m. 1. `(starker viereckiger) Riegel (aus Holz)´; du musst noa ´n Hulzschieber vierrickn! - 2. `vorderes u. hinteres Brett am Kastenwagen, das in Führungsschienen eingeschoben wird´. - 3. Oberlichtenau dass. wie Schieblch 1; Kommodeschieber `Schubfach der Kommode´.

Schieberch m. Cunewalde dass. wie Schiebefanster.

Schiebl siehe Tschibbl!
Schiebl siehe Schub!

Schieblch m. `Schieber´ 1. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Nordböhmen `Schublade, Schubfach´. - 2. söSüdlausitz `Schiebefensterladen: innen am Fenster angebrachte, in Leisten rutschende Holzplatte, die man zum Verdunkeln vor das Fenster schiebt´, auch Fansterschieblch, Ritschl, Fansterrutsche. - 3. `vorderes u. hinteres Brett am Kastenwagen, das in Führungsschieneneingeschoben wird´.

Schieblch siehe Scheeblch!

Schieblchlfanster n. Niederoybin dass. wie Schiebefanster!

schiebm stv. iech schieb(e), du schoibst, a schoibt, mer schiebm, iech schub, iech hoa geschubm `schieben´. 1. wie litspr.; de Frooe schoibt mer anne Schniete a de Gabse. - 2. `schwerfällig, langsam gehen´; a schub an ´n verbei. RA: anne ruhche Kugl schiebm `eine Tätigkeit langsam ausführen´; a schoibt lus. - 3. `torkeln´; baale schub´s noa links, baale zug´s noa raajchts; rimschiebm. - 4. `jmdn. ohrfeigen´; se wullt mer eene schiebm. - 5. Obercunnersdorf `mit etw. schmeißen, (mit Steinen) werfen´; die kleene Gräte schoibt mit Stenn; ihr sullt Abern lasn und ne dermitte schiebm! Lautf.: schiem. Vgl. schirgn!

Schiebock m. 1. Westlausitz dass. wie Roaber 1. - 2. ohne Genus scherzh. `Bischofswerda (Große Kreisstadt im °BZ)´; de Schiebocker `die Einwohner von Bischofswerda´. Laut mündl. Überlieferung hätten sich die Leinwandhändler aus der Oberlausitz aus Furcht vor Plünderungen mit dem Schiebebock (einrädriger Schiebekarren) in Bischofswerda getroffen und wären von hier aus gemeinsam auf Messen und Märkte gefahren. Nach einer zweiten mündl. Überlieferung hätten die mit Karren und Wagen nach Bischofswerda reisenden Oberlausitzer zu ihrer Frau oder ihren Kindern immer „schieb oack (schieb nur)!“ gesagt, um den Anstieg in die Stadt leichter zu bewältigen. Lautf.: Schieboack, Schiebuck Hinterhermsdorf. Siehe auch Bischofswerde!

Schiebockswerde
 veralt. f., ohne Genus, scherzh. `Bischofswerda (Große Kreisstadt im °BZ)´; meine Schwaster is in (a, ei) de Schiebuckswerde gezoin (alt). Lautf.: Schiebuckswerde. Siehe auch Schiebock u. Bischofswerde!

Schieburn `Schönbrunn (Ober- u. Nieder-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße´, poln. `Studniska´.

schiech Adj. Eibau, Spitzkunnersdorf, Jonsdorf `scheu´. 1. `leicht erschreckbar u. sich wild gebärdend (Pferde, Rinder)´; de Pfare schiech machn.  - 2. `scheu, schüchtern, verwirrt, erregt´; du machst miech noa ganz schiech!

Schied m. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Jonsdorf `Schluss, Scheidung, Schiedsspruch, Entscheidung, Trennung, Ende, Wendung´; ´s kimmt ebch zu kenn Schiede; ´s muss amol a Schied warn; Schied machn `Arbeit einstellen, Kaffeekränzchen beenden, Liebesverhältnis lösen´.

Schiedl `Schiedel (Ort der Großen Kreisstadt Kamenz im °BZ)´; de Schiedler `die Einwohner von Schiedel´.

Schiefeld `Schönfeld´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Lutogniewice´; de Schiefeller `die Einwohner von Schönfeld´.

Schiefer m. 1. wie litspr. `Schieferplatte (auf dem Dach)´; Blooschiefer. - 2. `der kleine Holzsplitter, den man sich in die Haut eingezogen hat´; iech hoa mer ann Schiefer eigejoit. - 3. `etw. keilförmig Geschnittenes´; a Schiefer Brut od. Schinkn.

schieferch Adj. `schiefrig, zum Splittern neigend´; doaas schieferche Hulz hack´ch goar ne garne.

Schieferdecker m. `Dachdecker´ (früher wurden zum Decken der Dächer auch Schiefer verwendet).

Schieferkastl n. 1. `schmales, rechteckiges Holzkästchen mit Schiebedeckel zum Aufbewahren von Stiften´. - 2. übertr. `Federmappe´.

schiefern swv. 1. refl. `sich einen Holzsplitter einjagen´; iech hoa miech benn Feuern geschiefert. - 2. Anton `dünne Schnitten od. Scheiben schneiden´; Brut eischiefern `kleine Brotstückchen in die Suppe schneiden´.

Schiefertofl f. `Schiefertafel: kleine, flache Platte aus Tonschiefer mit Holzrahmen, auf die mit Kreide od. Schieferstift geschrieben werden konnte´.

Schiefl n. (Dim. zu Schiefer 3) sWestlausitz `(schräggeschnittene,) dünne (Wurst- od. Brot)scheibe´.

Schiegesichte n. Dim. Schiegesichtl `Gartenstiefmütterchen (Viola wittrockiana Gams), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor L.)´;

Schiejumpfer f. Nordböhmen, Sächs. Schweiz `Natter: graue Eidechse´. Lautf.: Schienjumpfer. Siehe Noatternjumpfer od. Schiemadl!

Schiele f. Dim. Schielchn nwWestlausitz, Peickwitz `Wurstscheibe´, siehe auch Radl!

schieleckch Adj. Wehrsdorf `schielend, um die Ecke guckend´; dar hoat anne Schieleckche geheiroat.

schieleegch Adj. Seifhennersdorf `schielend´.

Schieleisn n. `Brille´.

Schielgucke f. `Pers., die schielt´.

Schiem m. veralt., verstr., Süd- u. Ostlausitz, Hintere Sächsische Schweiz `Schiemen: Schattenbild, Schein, Schimmer, Sonnenstrahl, Mondschein´; ´s kimmt a klenner Schiem durch´s Fanster.

Schiemadl n. mnOstlausitz `graue Eidechse´. Lautf.: Schienmadl, Schielmadl. Siehe auch Noatternjumpfer!

Schiene f. (meist Pl.) neben der litspr. Bedeutung `schmale Holz- od. Metallleiste´; Pl. (zwee) Schinn.
Schiene ohne Genus, veralt. f. `Schönau (Ortsteil der Gemeinde Schönau-Berzdorf a. d. Eigen im °GR)´; mer kumm geroade vun Schinner Huttbarge; Schiene bleibt schiene, und wenn dr Dreck zun Fanster reileeft; de Schinner `die Einwohner von Schönau´.

schiene Adj. schinner, oan schinnstn oan schienstn Neukirch od. oan schennstn (Westlausitz) `schön´. 1. `ansehnlich, anziehend im Äußeren´, doaas is a schie Maajdl, die hoat ann schinn Karl heemgebrucht, de schinnste vu oalln is meine, ´s schiene Bissl is o baale runder, de Koarline leit aber schiene! `Die aufgebahrte Karline ist schön anzusehen´. - 2a. `angenehm, erfreulich´; wenn´s oan schinnstn is, sull mer ufhiern. - b. `klar, sonnig (vom Wetter)´; gestern woar´sch schinner oas heute; dr Taller wird oabgegassn, sunst wird´s ne schiene! - 3. `dumm, übel, schlimm´ in iron.-spöttischen Verwendungsweisen: doaas is ju anne schiene Bescherche! - 4. `s schiene Händl `das rechte Händchen´. - 5a. in adv. Funktion bei V. u. Adj zur Steigerung od. als Verstärkung `sehr´; ´s is schiene woarm haußn; wenn de doaas mitmachst, bist de schiene dumm! - b. bei Subst. `groß, stark´; anne schiene Rente kriegn. Lautf.: schenner Sächs. Schweiz.

schienerädn unregelm. V. siehe rädn! `schönreden: etwas in positivem Licht darstellen, obwohl es tatsächlich nicht so ist´; mit Schienerädn gih mer ne hausiern.

schienetun stv. unregelm. V. `schöntun, durch Gebärden jmdn. gewinnen wollen, flirrten, schmeicheln´; dann sei Schienegetue koann´ch mer ne mih oaasahn.

Schienheet f. `Schönheit´. Siehe Schient!

Schienloattschn Pl. Ostlausitz `Schienenlatschen: Holzpantoffeln, auf dessen Sohle in der Längsrichtung starker Draht befestigt ist´, diente im Winter auf der Eisbahn zum Gleiten. Lautf.: Schinnloaatschn.

Schient f. Wittgendorf `Schönheit´; Nubbersch Maajdl is anne Schient; de Schient is´r an Kupp gestiegn.

schiere Adv. veralt. Bihms Koarle `schier: bald, beinahe, gar, doch´.

schiern stswv. iech schier(e), du schierscht, a schiert, mer schiern, iech schur (Bihms Koarle) od schierte Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf, Jonsdorf, iech hoa geschurn `jmdn. mit Worten quälen, hänseln, schikanieren, necken, unaufhörlich betteln, mit Fragen belästigen´; tu oack ne su schiern!
schiern swv. `schüren, gegen jmdn. Stimmung machen, (Hass) schüren, hetzen, aufziehen´; hier oack nu uf mit schiern!

Schieß m. Oberland `Schiss´. 1a. vulgär `der Vorgang des Ausscheidens von Kot´; Murgnschieß. - 2. umg. `Angst´; Schieß ver´n Fliegn hoann. Mdal. besser Furcht, Ferrtche od. Ferrte. Lautf.: Schiss.

Schießl m. siehe Schuß f. !

Schießlgapse m. siehe Gapse!

Schießlfrack m. Seifhennersdorf dass. wie Schießlpinke.

Schießlpinke f. Spitzkunnersdorf `Sonntagsanzug der Männer mit langen Schößen, Gehrock´; dr Grußvoater gingk noa a dr Schießlpinke zu Groabe.

Schießlrickl n. dass. wie Schießlpinke; Koarle zug a bloogebliemlt Tichl aus senn Schießlrickl.

Schiffl n. `Schiffchen´. 1. wie litspr. `kleines Schiff´; mer baastln heute Poapierschiffl. - 2. `Webschützen zur Aufnahme der Schussspule am Handwebstuhl´; Waberschiffl.

Schifflschwimm n. dass. wie Lichtlschwimm.

schilferch Adj. `wie Schilf beschaffen sein, schuppig´, de Haut od. is Lein is schilferch.

Schilfkulbm m. Obercunnersdorf `Rohrkolben (Typha)´. Siehe auch Koarnonputzer u. Teichkulbm!

schilg, schilk (kurzes i) Adj. Südlausitz zwischen Obercunnersdorf u. Waltersdorf, Bihms Koarle, Nordböhmen `schuldig´. 1. `die Verantwortung, Schuld tragend´. - 2. `als Gegenleistung zu geben verpflichtet´; dann bie´ch noa woaas schilg; iech bie kenn woaas schilk; die is mer nischt schilg gebliebm `die hat gut gekontert´. Lautf.: schildch, schuldch.

Schillerbuhsch m. `Schülerbusch: Zur Pethauer Flur gehörender Busch am Schülerberg, in dem die Zittauer Schuljugend in der Michaeliswoche Spiele abhielt´.

Schillinde `Schönlinde´, tsch. `Krasna Lipa (Städtchen in Nordböhmen)´; de Schillinder `die Einwohner von Schönlinde´. Lautf.: Schielinde.

Schimmberch
`Schönberg´ Ortsteil der Gemeinde Cunewalde im °BZ; de Schimmberchn `die Einwohner von Schönberg´. Siehe auch Schimmrich!

Schimmbern (Betonung der 1.Silbe) `Schönbrunn (Ort der Großen Kreisstadt Bischofswerda im °BZ)´; de Schimmberschn `die Einwohner von Schönbrunn´.

Schimmch `Schönbach´ 1. Ort u. Gemeinde im °GR; de Schimmcher `die Einwohner von Schönbach´; dr Schimmcher Grienzeugmoan `Schönbacher Gemüsehändler´. - 2. Ort der Gemeinde Schönteichen im °BZ. - 3. Ort der Stadt Sebnitz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Schimmrich `Schönberg´. 1. bis 1945 zum Kreis Lauban gehörende Stadt östlich der Neiße, poln. `Sulikow´; Spitzname Schachtlschimmrich. Lautf.: Schimmerch. - 2. Dorf in der Görlitzer Heide nördlich von Kohlfurt, poln. `Piaseczna´. - 3. siehe auch Schimmberch!

Schinder m. veralt. 1. `Abdecker´ (jmd., der Tierkadaver enthäutet u. verarbeitet). - 2. selt. `Pferdeschlächter´; mer missn ´n Schinder huln. - 3. mit Mittelalter auch `Henker´. - 4. verhüllend für `Teufel´; diech wird noa dr Schinder huln! RA: Doaas weeß dr Schinder, wie doaas kimmt. RA: auf die Frage "Wie gitt´s?" Antwort: "Hoalb Schinder, hoalb Racker" od. "hoalb schinderch (schindersch), hoalb rackerch (rackersch)" `so leidlich´. - 4. `Kratzer, Riss´. Lautf.: Schinner.

Schinderch m. sWestlausitz `Kratzer, Riss (auf einer glatten Fläche od. auf der Haut)´.

Schinderecke f. `gesonderter Teil des Friedhofs für Selbstmörder´.

schindern siehe tschundern!

Schindl f. selt. Westlausitz `altes, abgetriebenes Pferd´; dirre wie anne Schindl.

schindldirre Adj. Westlausitz `sehr dürr (Menschen u. Tiere)´.

Schindluder n. 1. `Narrenpossen´; in der Wendung Schindluder treibm mit `etwas oder jemanden übel behandeln´; mit´n Leutn Schindluder treibm. - 2. Schimpfwort `Personen mit einer Beimischung von Anerkennung u. Bewunderung´; bezugnehmend auf den Ehepartner: ´s gibbt Luder und Schindluder, iech hoa a Schindluder derwischt.

Schindluderei
f. dass. wie Schindluder 1.; ihr sullt mit arnstn Sachn ne Schindluderei treibm!

Schinkn m. `Schinken´. 1. wie litspr. - 2. `Gesäß (des Menschen)´. - 3. in der Fügung a aaler Schinkn `etw. Altes (u. wenig Wertvolles)´; woaas list´n du fer ann aaln Schinkn? `Was liest du für ein altes Buch?´.

Schinknsäcke Pl. scherzh. West- u. Ostlausitz, Schlesien `ein Paar (übergroße) Unterröcke od. Unterhosen, die die Oberschenkel bedecken; weite Damenschlüpfer´.

schinn stsw. V. iech schind(e), du schindst, mer schinn, iech hoa miech geschunn od. geschindt (Bihms Koarle) `schinden´. 1. `(sich) die Haut abschürfen, verletzen´. - 2. `einen Menschen od. ein Tier bis an die Grenze seiner Kräfte beanspruchen, schlecht behandeln, quälen´; dr Bauer hoat de Pfaare geschunn; RA: Dar schind anne Laus zahnmol im a poaar Pfennge. - 3. `sich mit etw. abplagen, schwer arbeiten´; half mer oack schirgn, iech muss miech sunst su schinn! Volksvers: Wenn enner zu woaas kumm will, do muss´r woaas derfinn, sunst koann´r´ch´s ganze Labm lang fer (im) a poaar Pfennge schinn. Lautf.: sching Westlausitz, Ostlausitz um Rothenburg.

Schinnburn m. `Schönborn´, tsch. `Stúdanka (Ort in Nordböhmen zwischen Warnsdorf u. Rumburg)´; de Poascher machtn uff´m Schinnburn `die Schmuggler liefen nach Schönborn´. Lautf.: Schimburn.

schinnch Adj. Seifhennersdorf `schuppig´.

Schinne f. veralt. meist Pl. Schinn Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf; `Schuppe der Kopfhaut´; du hoast´n Kupp vuler Schinn. Lautf. Schiene.

Schippe f. `Schneeschieber´; Schnieschippe.

schipperch Adj. `wie mit kleinen Schuppen bedeckt, gesprenkelt, kleingefleckt, in verschiedenen Farben meliert´; de schipperche Henne; de Woare is ganz schipperch `das Stück Stoff ist mit vielen kleinen Farb- od. Schmutzflecken, mit Sprenkeln versehen´; anne grooschipperche Loarve `Gesicht mit einem graufarbenen Schnurrbart´; rutschipperch `rotgefleckt´. Lautf.: tschipperch Oderwitz, schieperch Königshainer Berge.

Schippl siehe Tschibbl!

Schippl n. Wittgendorf Dim. von `Schuppen´; Hulzschippl; auch Braterbude. Lautf.: Schippchl Seifhennersdorf.

Schipplkugl f. um Görlitz, Schlesien `kleine Spielkugel der Kinder, Murmeln´, auch Schipperkugln.

schippln swv. verstr, Ostlausitz, Schlesien `Murmeln schieben´.

Schipplscheißer m. abwert. Kiesdorf `Bauer, der nur wenig Land, kein Pferd und keine Scheune hatte und seine Erträge in einem Schuppen unterbrachte´.

schippm svv. 1. `stoßend schieben´. - 2. `Beseitigung des Schnees mit dem Schieber´.

Schirbl n. siehe Schurb!

Schirgche f. `das Schieben des Kinderwagens´; meine Schirgche is im dreie oalle.

Schirgewaajnl n. `Wagen zum Schieben, Kinderwagen´. Lautf.: Schirgewanl, -warnl, Schorgewanl Stolle.

schirgln swv. Seifhennersdorf siehe schurigln!

schirgn swv.1. `(kraftvoll einen Wagen) schieben´; ´n Barg ruff musst de schirgn. - 2. `drängen, eine Angelegenheit befördern´; iech wullde ne kumm, aber meine Frooe schirgt egoal. - 3. `stoßen, Geschlechtsverkehr haben´; de Monl hoat baale jeder an Durfe schunn geschirgt. Lautf.: schurgn, schorgn; schoargn Steinigtwolmsdorf, schargn Neukirch, schirchn Seifhennersdorf, schergn Rammenau, scherchn Hinterhermsdorf.

Schirgswaale siehe Schorgswaale!

Schirmdächl n. Oderwitz `Deckel der Deckel-, Schirm- od. Schiebermütze´; dar hoat anne Mitze mit ann Schirmdächl uffe.

schirmeziern siehe schoarmeziern!

Schirrkoammer f. öSüdlausitz, West- u. Ostlausitz `Aufbewahrungsort für Pferdegeschirr, Werkzeugraum u. Reparaturwerkstatt auf dem Bauernhof´.

schirrn swv. `schirren: herrichten, vorbereiten´; ausschirrn, eischirrn. Siehe auch oabschirrn, oaaschirrn, vierschirrn!

Schirzebändl n. 1. `Band zum Hochbinden langer Röcke bei der Arbeit´; de Zippl stacktn undern Schirzebändl. - 2. `Taillenband: farbiges (Seiden)band, das die Trachtenträgerin in Taillenhöhe über dem Schürzenbund trägt und vorn oder auf der rechten Seite zu einer Schleife bindet´; as Schirzebändl binn; musst de mir egoal oan Schirzebändl hängn? `Musst du fortwährend um mich herum sein?´ Lautf.: Schurzebändl, Schirzebandl, Schurzebandl, Schirznbändl, Schurznbändl, Schirznbandl, Schurznbandl, Schorznbändl Westlausitz, Scharznbändl Sächs. Schweiz.

Schirzeboall m. `Schürzenball: Ball mit Damenwahl in der Fastnachtszeit´, die Mädchen erscheinen dazu in der Schürze u. bezahlen die Zeche´. Heute hat sich der Brauch gewandelt und die Männer erscheinen in einer Schürze. Lautf.: Schirznboall.

Schirz(e)loatz m. `Schürzenlatz: Brustteil der Schürze´, auch Schurzloatz. Lautf.: Schirznloatz.

Schirzetanz m. veralt. `Schürzentanz: Tänzerinnen erschienen in Schürzen; Damenwahl, die durch eine am Kronleuchter aufgehängte Schürze angezeigt wurde´. Lautf.: Schirzntanz.

Schirzezippl m. `Schürzenzipfel´; a is vu Muttersch Schirzezippl ne lus zu kriegn.

Schirzfaal n. `Schurzfell: das von den Handwerkern (Schmieden u. Zimmerleuten) getragene schürzenartige Gebilde aus Leder ohne Brustteil, das um die Taille gebunden wird u. etwa bis zur Mitte der Unterschenkel hinabreicht; Schurzleder, Lederschurz´; dr Schmied bind´ch zun Pfarbeschloin ´s Schirzfaal im. Lautf.: Schurzfaal.

Schirzlader n. dass. wie Schirzfaal. Lautf.: Schurzlader, Schorzlader Westlausitz.

schirzn siehe scharzn!

Schirzvll f. `Schürze voll´; anne Schirzvll Quaanl. `eine Schürze voll Feldthymian´. Lautf.: Schurzvll, Schorzvll Westlausitz.

Schismie siehe Schesmie!

Schissbäre f. 1. nSüdlausitz, Westlausitz `Frucht des Zierstrauches Symphoricarpus racemosus (Eisbeere, Schneebeere)´ bzw. `Schneebeerstrauch´. Siehe auch Knattschbäre! - 2. `rote, später schwarzviolette giftige Steinfrucht des Faulbaumes (Rhamnus frangula, Prunus padus)´. Lautf.: Schissbeere, Schießbeere, Schissbiere.

Schissberbäre f. nwSüdlausitz, Westlausitz dass. wie Schissbäre! Schissberstrauch `Schneebeerstrauch´.

Schissbudnrilps m. abwert. `Schießbudenrülps: Angestellter der Schausteller´.

Schisschl n. Dim. von Schissl Oberland `kleine Schüssel´.

Schissdingk n. `Schießding: ein auf dem Schützenfest mit Jahrmarkt gekauftes Andenken´.

Schisse f. 1. `Schießgewehr´; uffm Äberhaus leit anne aale Schisse. - 2. verstr. `Brotschieber: an langem Stiel befindliche flache Holzschaufel mit abgeschrägter Vorderkante zum Einschießen, Einschieben von Broten in den Backofen´; auch Brutschisse.

Schissfreier m `männl. Person, die zum Schützenfest um ein Mädchen wirbt; Liebhaber in der Zeit des Schützenfestes´; Volksweisheit: Schissfreier hult dr Geier, doaas merkn de Weibsn aber irscht zer Kirmst.

Schissgänger m. `Besucher des Schützenfestes´.

Schissgeld n. `das für den Besuch des Schützenfestes benötigte Geld´.

Schisshaus n. `Schützenhaus, Vereinshaus der Mitglieder eines Schützenvereins´; ann Schisshause is uff´m Simmd Musicke.

Schisshund m. `Jagdhund´; RA: ufpoassn od. Achtche gan wie a Schisshund `ganz genau aufpassen´, wie a Schisshund rann.

Schissleute f. Pl. `Schausteller, die auf Schützenfestes etw. präsentieren: Betreiber von Fahrgeschäften, Schießbuden und mobilen Verkaufsbetrieben; Händler, Artisten, Wahrsager, Moritatensänger u. andere Künstler´; die hoat´s mit´n Schissleutn.

Schissn n. `Schießen´. 1. `Schützenfest, mit einem Wettkampf im Schießen verbundenes Volksfest´; uff´s Gierschdurfer, Grußschinner od. Cunnerschdurfer Schissn gihn; Uster-, Pfingst-, Vogl-, Oadlerschissn, Schissmontch `Schießmontag´; - 2. übertr. `Rummel, Jahrmarkt´.

schissn stv. iech schiss(e), du schoajßt od. schoißt, a schoajßt od. schoißt, mer schissn, ihr schisst, iech schuhß, mer schuhßn, iech hoa geschussn `schießen´. 1a. wie litspr. `(mit dem Gewehr) schießen, abdrücken´; du schoajßt dernabm; Jaajer, nu schoiß (Neusalza-Spremberg)! - b. `sprengen (im Steinbruch)´. - c. `den Ball mit dem Fuß an eine bestimmte Stelle befördern´; Ture schissn. - d. `werfen (mit der Hand), schmeißen´; Entn schissn `flache Steine so über die Wasserfläche werfen, dass sie hüpfend dahingleiten´. - 2. `ohrfeigen´, iech hoa´n eene geschussn. - 3a. `unüberlegt rennen, gedankenlos und schnell eine Tätigkeit erledigen´; de Frooe tutt a dr Kiche rimschissn. - b. `schnell wachsen, aufspringen´; as Kraut schissn; se schoaßt gälche a de Hiht `sie springt plötzlich auf´. - c. `plötzlich mit Reden beginnen´; schiss lus, raus mit dr Sproche! - 4. in der Wendung doaas is ju zun Schissn `das ist ja zum Totlachen´. - 5. enn (jmdm.) is Bloaat schissn `sich getroffen fühlen und wütend reagieren, durch Worte od. Taten gereizt kontern´; nu schuhß aber dr Lure is Bloat.

Schisspfenngk f. Pl. Schisspfennge Neugersdorf, Großschönau `(geringes) Taschengeld, das die Kinder für den Besuch des Schützenfestes erhalten´.

Schisspriegl m. umg. `Schießprügel´, scherzh. `Gewehr´.

Schisste f. 1. Kottmarsdorf, Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Burkau, Ohorn, Frankenthal `schlechter, billiger Schnaps (Korn od. Kartoffelbranntwein)´. - 2. Obercunnersdorf `Kirschkümmel mit Rum´; noa ann Bullchl Schisste sähnern.

Schissvll f. `eine Schüssel voll´; anne Schissvll Gehoannsbärn.

Schisswiese f. Neugersdorf, Kirschau `Schießwiese: Wiese, auf dem das Ausschießen des Schützenkönigs od. das Schützenfest mit Jahrmarkt stattfindet´.

Schisswirschtl n. `ein bestimmtes Würstchen, das auf dem Schützenfest angeboten wird´. Auf dem Neugersdorfer und dem Niedercunnersdorfer Schießen waren es traditionell Weiße Würstel, die mit der Fleischbrühe und einer Semmel verkauft wurden´. Siehe Weiße Wirschtl!

Schitte f. Dim. Schittl `Schütte: Bund von glattem Langstroh (des Roggens od. Weizens), so viel, wie auf der Tenne nach dem Ausschütten der Körner bei einem Flegeldrusch ausgebreitet liegen blieb u. darauf zusammengerafft u. mit der Hand einmal gebunden wurde´; Struhschitte, a Schittl Struh, a poaar Schittn Struh, aus drei Goarbm (ungedroschen) wird anne Schitte (gedroschen).

Schittegoabl f. veralt. `Holzgabel mit drei od. zwei Zinken zum Wenden der halbgedroschenen Garben beim Flegeldrusch auf der Tenne´. Auch Schittlgoabl.

schittln siehe schuttln!

schittn unregelm. V. iech schitt(e), du schittst, a schitt, mer schittn, iech schutte, du schuttst, iech hoa geschutt `schütten´. 1a. wie litspr.; a hoat ´n Eemer a de Baach(e) geschutt. - b. `die Pferde mit Hafer u. Häcksel im Stall füttern´. - c. imschittn, `umschmeißen, umkippen´; a hoat de Fuhre imgeschutt; de Fuhre is imgeschutt. - 2. `Ertrag bringen´; `s Kurn tutt heuer ne gutt schittn. - 3. `stark regnen´; is schitt wie aus Koann. Lautf.: schuttn.

Schittstruh n. `flegelgedroschenes Langstroh zur Herstellung von Seilen, Strohdächern und mit Lehm als Bestandteil des Fachwerkes´; do wurd an Lehm Schittstruh getratn.

Schitze m. `Schütze: Mitglied einer Schützengesellschaft, Teilnehmer eines Schießwettbewerbs´. Volksreim: Bumm, bumm, bumm, de Bee-erschdurfer Schitzn kumm, dr Voater trätt de Foahne, de Mutter guckt zun Fanster raus und lacht de ganzn Schitzn aus.
Schitze m. `Schütze: herausnehmbares Abschlussbrett vorn und hinten am Kastenwagen´; dr hindere Schitze is weg.
Schitze f. `Schütze: Schließvorrichtung, Fallbrett am Mühlenwehr od. Teich´; anne Schitze baun, de Schitze ziehn. Form: Schitz m. Siehe auch Schutz!

Schitzebrat n. `Schützbrett: Vorrichtung zum Anstauen des Wassers; Fallbrett am Wehr od. Teich´; ´s Schitzebrat ziehn.

Schitzn m. `Schützen: Weberschiffchen zur Aufnahme der Schussspule am Webstuhl´; auch Wabschitzn, Waberschitzn (Kirschau), Wirkeschitzn, ´n Schitzn join `weben´.

Schitznkiench m. `Schützenkönig: preisgekrönter Sieger des Wettschießens beim Schützenfest´.

Schk

Schkoaske `Skaska (Ort der Gemeinde Oßling im °BZ)´.

Schl

schlaajcht Adj. `schlecht´. 1. litspr. Verwendungsweisen `nicht gut´; du schreibst aber schlaajcht! - 2. `charakterlos, böse, übel´; de Menschheet is schlaajcht gewurn; a is dr Schlaajchste ne. - 3a. `verdorben, ungenießbar (Speisen)´; de Wurscht is schunn schlaajcht. - b. `giftig´; schlaajchte Pilze. - c. `unwohl, krank´; mir is heute uff Oarbeit schlaajcht wurn. Lautf.: schlecht Westlausitz.

Schlaajchtebarg m. `Schlechteberg (Hausberg von °ZI Ebersbach)´.

Schlaajgn Pl. Oderwitz `Schranken´; ihr braucht ne a de Schule gihn, de Schlaajgn sein runder. Lautf: Schlägn.

Schläbberkraut n. Niedercunnersdorf `Weißkraut od. Wirsing mit Kartoffelstückchen, Kümmel u. fettem Fleisch, Krauteintopf´. Vgl. schloabbern! Lautf.: Schlabberkraut Frankenthal, Schloabberkraut, Schlipperkraut (gespr. Schlibberkraut) °KM Weißig, Skaska.

Schlachtebänkl n. Lawalde `Schlachtbank´; ´s Hippl wurd uff´s Schlachtebänkl drufgelät.

Schlacht(e)fest n. `das Hausschlachten von Schweinen, das meist mit einem festlichen Schmaus verbunden ist´.

Schlächter m. `Schlachter: Pers., die schlachten darf´; Hausschlächter.

Schlächtermohst f. `anlässlich des Hausschlachtens veranstaltetes Essen; Schweineschlachten´. Lautf.: Schlächtermohlst.

Schlacht(e)schissl f. `Schüssel od. Teller mit Kostproben vom Schlachtfest (Wellfleisch, Blut- u. Leberwürstchen) , die man an gute Freunde u. Bekannte schickt´.

Schlägl (gedehntes ä) m. `Schlägel´. 1. `schwerer, beidhändig zu schwingender Holzhammer (Vorschlaghammer) zum Eintreiben von Keilen in Holz od. zum Einschlagen von Pflöcken für weidendes Vieh´; zun Pfählereischloin is a ganz grußer Hulzhoammer aus ann Kletzl vu hoartn Hulze an Gebrauche, dar Schlägl oder Birler heeßt. Siehe auch Birl! - 2. Oderwitz`(Bahn)schranke´; Boahnschlägl, de Schlägl gihn runder, Pl. auch Schlägn, de Schlägn sein hunn. Lautf.: Schlächl (gedehntes ä) Seifhennersdorf, Schliegl Zentendorf.

Schlägl m. `Schlegel (Ort der Großen Kreisstadt Zittau im °GR)´; Gustoav wohnt an Schlägl; de Schlägler `die Einwohner von Schlegel´.

Schlägn Pl. siehe Schlaajgn!

Schlämmrutte f. Burkau, Westlausitz `Rohrkette: Gerät aus Stabeisengliedern zum Reinigen verstopfter Wasserleitungen´; auch Schloammrutte. Siehe Rihrkäte!

Schlangnkraut, Schlangnkroattch n. Westlausitz 1. `Wurmfarn (Aspidium Filix-mas Sw.)´. - 2. `Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum L.)´.

Schlappl siehe Schleppl!

Schlarre, Schlärre siehe Schloarre!

schläs´sch Adj. `schlesisch´; de schläs´schn Barge; die kimmt aus´n Schläs´schn. Lautf.: schlas´sch.

Schläs´sche f. öKürzungsgebiet, Ostlausitz `Schlesien´; a (ei) de Schläs´sche foahrn. Lautf.: Schlas´sche, Schles´sche.

Schläsing f. Ostlausitz `Schlesien´. Lautf.: Schlasing

Schlaz siehe Schloaz!

Schlaze siehe Schloaze!

Schlazerch siehe Schloazerch!

schlazerch siehe schloazerch!

schlazn siehe schloazn!

schleechn siehe schleichn!

Schleefe f. `Schleife (Bindeart)´. Siehe auch Quastl!
Schleefe f. `Schleife: Bremse (am Wagen)´; uff de Schleefe loaatschn. Lautf.: Schleife Oberlichtenau.
Schleefe f. `Schlitten, schlittenartiges Holzgestell zum Transport großer Lasten, bes. zum Mistausfahren´.

Schleefe `Schleife (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Schleefchn `die Einwohner von Schleife´.

Schleefer m. `Schleifer´. 1. `Person, die schleift´; Scharnschleefer. - 2. `Mühlstein, Schleifstein; Stein, der sich dreht´.

Schleefermannl n. dass. wie Schleefer 1. `Schleifermännlein´. Lautf.: Schleifermannl.

Schleefkletzl n. meist Pl. verstr. `Bremsklotz am vorderen Wagen (stets zwei Stück), die am Schleifbalken befestigt sind u. bei Betätigung des Drehlings neben dem Kutschersitz gegen die Radreifen gepresst werden´, auch Hemmklutz! Lautf.: Schleifkletzl, Schleifklutz.

schleefm stv. od. swv. iech schleef(e), du schleefst, mer schleefm, iech schleefte, iech hoa geschliffm od. geschleeft `schleifen´. 1. `eine Schere od. ein Messer mit einem Schleifstein scharf machen´. - 2. `auf dem Boden nach sich ziehen´; dei Kleed schleeft an Drecke; mit´n Fissn schleefm. - 3. `jmdn (bei Zechtouren) mit sich ziehen, zum Mitkommen anhalten´; dr Meester hoat miech mit a de Kneipe geschleeft; de Frooe schleeft miech a jedn Loadn. - 4. `(mühevoll) umhertragen, herumschleppen´; de Gruße schleeft de Kleene rim.

Schleefsteen m. Spitzkunnersdorf `Schleifstein´.

Schleeßbarg m. `Schleißberg´ (Berg im Westlausitzer Hügelland bei Ohorn).

schleichn stv. iech schleich(e), du schlechst, a schlecht, mer schleichn, iech schleech od. schliech, iech bie geschlichn wie litspr. `schleichen´; a schlecht´ch a ihre Koammer. Lautf.: schleechn.

Schleife siehe Schleefe `Bremse´.

Schleiße f. Nordböhmen `Span; Kienspan, der früher als Lichtquelle diente´, mdal. Kienchtspoan. Siehe Schleißscheit!

Schleißkichl (kurzes i) n. meist Pl. `Schleißküchel´: An den Tagen des Kamenzer Forstfestes verkaufen die Bäcker "Schleißküchlein" nach altem Brauch. Einstmals buk man dieses beliebte Hefegebäck für die langen geselligen Abende, an denen die Gänsefedern geschleißt wurden. Schon Wochen vorher wurden die Küchlein gebacken und dann in großen Tontöpfen aufbewahrt. Das Rezept lautet: Unter den Hefeteig die vorbereiteten Korinthen kneten und den Teig rechteckig ausrollen. Die Teigplatte mit zerlassenem Honig oder Zuckerwasser bestreichen, aufrollen und etwa 5 cm breite Stücke davon abschneiden. Jeweils mit einem Quirlstiel eine Rille eindrücken, so dass sich die seitlichen Schnittflächen ein wenig nach oben öffnen. Nach kurzem Gehen auf gefettetem Backblech bei guter Mittelhitze goldbraun backen und sofort mit Zuckerglasur überziehen .

schleißn stv. iech schleiß(e), du schlesst, schlasst (Seifhennersdorf) od. schleißt, mer schleißn, iech schließ od. schleeß, iech hoa geschlissn `schleißen´. 1. `Federn vom Kiel abtrennen, reißen, rupfen´; Fadern schleißn. - 2. `dünne Späne zum Feuermachen von einem Holzstück abspalten; mit einem Spanhobel bearbeiten´.

Schleißscheit n. hochdeutsch `Leuchtspan aus astfreiem Birken-, Kiefern- od. Buchenholz, der durch Schleißen (Hobeln) hergestellt wird´. Siehe auch Kienchtspoan! Lautf.: Schleißnscheit.

Schlenker m. dass. wie Schlenkerch 1., 2., 3. u. 4.

Schlenkerbeen n. 1. `Bein (Holzbein), das beim Laufen geschleudert wird´; a hoat´n mit senn Schlenkerbeene loofm gesahn. - 2. `Pers., die gern tanzt od. oft die Beine schleudert; unbekümmertes Mädchen´; Jule, Jule, Schlenkerbeen kimmt de ganze Nacht ne heem, kimmt gepfiffm und gesungn mit´n aaln Schusterjungn.

Schlenkerch m. 1. `schleudernde Bewegung´; Linksschlenkerch; dr Woajn machte a dr Drähe ann Schlenkerch und schutte im. - 2. `unerwarteter, heftiger Stoß; Schwung´; iech krigte vu hinne ann Schlenkerch, doaaß´ch glei hieschlug `ich bekam von hinten einen Stoß, dass ich gleich hinfiel´. - 3. `Uhrpendel, Perpendikel´. - 4. `längere Wegstrecke, Umweg´. - 5. `schlaksiger, (unbeholfener, dummer, großer) Kerl; nachlässig Gehender, Vagabund´.

schlenkerch Adj. `schleudernd, schwankend, schlaksig´; a liff mit senn Hulzbeene immer su a bissl schlenkerch.

schlenkern swv. `schwingen, schleudern´ 1. `etw., mit etw. (lässig, ohne bestimmte Absicht) hin- und herschwingen´; mit´n Oarm schlenkern is gutt fer´n Kupp; ´n Wischehoader ausschlenkern. - 2. `lässig (u. schwankend) gehen, (torkelnd) schlendern, müßig bummeln´; dohiebm kimmt unser Grußer oaageschlenkert.

Schleppe f. alle Bedeutungen Albert bekannt 1. wie litspr. `Teil eines Kleidungsstückes, der hinter dem Träger oder der Trägerin über den Boden schleift´. - 2. `eggenähnliches Gerät zum Einebnen bzw. Glätten des gepflügten Ackerbodens´; Ackerschleppe. - 3. `Transportgerät für den Hinterpflug´. - 4. `von Pferden gezogener zweiteiliger Schlitten mit einem kurzen lenkbaren Vorder- u. einem mit langen Kufen versehenen Hinterteil (zum Transport von Mist, Holz u. Reisig)´.

Schlepperkraut siehe Schlipperkraut!

Schleppkroattch n. Niedercunnersdorf, Weifa `Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis)´. Alte Heilpflanze.

Schleppl n. West- u. Ostlausitz `kleines Fuder (Stroh, Heu, Getreide)´. Lautf.: Schlappl Nieder-Neundorf, Schlapperchn um Görlitz; a Schleppl Hei Oberlichtenau.

Schleppmtraajger m. `Pers. (meist Kind), die die Schleppe eines Kleidungsstückes, wie Brautkleid, trägt bzw. anhebt´. Lautf.: Schleppmträger.

Schlepprechn m. `großes eisernes Gerät zum Zusammenschleppen der Getreide-, Heu-, Grumt- u. Kleereste nach der Ernte´.

Schlerre f. siehe Schloarre!

Schleuder f. 1. litspr. Verwendungsweisen; Abern-, Dreckschleuder; sei Maul gitt wie anne Schleuder. - 2. wSüdlausitz `Schaukel´. Siehe auch Tschunkl u. Schwenke! - 3. siehe Seegerschleuder! - 4. Anton `eine größere Anzahl´; anne ganze Schleuder Kinder.

Schleuderch m. 1. `schlaksiger, großer Kerl; Herumtreiber; Vagabund´. - 2a. `(längere) Wegstrecke´; bis a de Eibe is a schinner Schleuderch. - b. Spitzkunnersdorf `kurze Wegstrecke´. - 3. `Rausch, torkelnder Gang´; dar hoat ann Schleuderch weg. - 4. `kräftiger Schluck eines alkoholischen Getränkes´; ann Schleuderch nahm. - 5. `etw. Geworfenes´; ann Schleuderch Poappe oabkriegn.

schleudern swv. neben den litspr. Verwendungsweisen auch 1a. sWestlausitz `schaukeln´. - b. `sich hin und her bewegen, pendeln´; dr aale Seeger schleudert ne mih. - 2a. `mit der Kartoffelschleuder Kartoffeln freilegen um sie aufzulesen´. - b. `zentrifugieren´. - 3a. `langsam gehen´. - b. `torkeln´.
schleudern swv. Rietschen, Görlitz `schludern: flüchtig u. liederlich arbeiten´.

Schleußern siehe Schloißern!

Schlibbermilch f. siehe Schlippermilch!

schlibbern siehe schlippern!

Schliche (kurzes i) Pl. in der Wendung enn uff de Schliche kumm `jmdm. seine Geheimnisse auskundschaften´.

Schlichte f. Fachausdruck aus der Textilindustrie `Stärkebrei (aus Getreide- od. Kartoffelmehl) zum Glätten und Steifen der Kettfäden beim Weben, um die Kettfäden widerstands- u. gleitfähiger für den Webprozess zu machen´.

Schlichtebänkl n. `auf Ständern gestellte Wanne mit Schlichte am hinteren Teil des Handwebstuhls zum Schlichten´.

Schlicht(e)poappe f. dass. wie Schlichte; ann Buttch mit Schlichtpoappe; Schlichtpoappetoop.

schlichtn swv. `schlichten´. 1. `in der Webereivorbereitung Kettfäden mit Schlichte behandeln, um die Festigkeit der Fäden für den Webprozess zu erhöhen und sie zu glätten´; Schlichtn is is hoalbe Wirkn `Schlichten ist das halbe Weben´. - 2. `kämmen, frisieren, Kopfhaare ordnen und glätten´; zu Grußmuttersch Zeitn ging de Ramschchriste noa Bräute schlichtn. - 3. übertr. in der Wendung `n Zank schlichtn `den Streit glätten´.

schlickerch Adj. 1. `glitschig, schlüpfrig (bei nassem, schlammigen Erdreich od. tauendem Schnee)´. - 2. `sauer, eingedickt, geronnen (bei Milch)´.

Schlickermilch f. 1. `ungekochte, durch Stehen sauer gewordene Milch´. - 2. `Buttermilch´; Schlickermilchsuppe.

schlickern swv. 1. `gerinnen, sauer werden (Milch)´; de Milch schlickert. - 2. `Schlieren bilden beim Mischen von zwei flüssigen Substanzen od. beim Lösen einer festen in einer flüssigen Substanz´. - 3. RA: ba dar hoat´s geschlickert `sie ist schwanger, sie verändert ihren Normalzustand´. Siehe auch oabschlickern!

Schlicks m. Bihms Koarle `breiartige, schleimartige Masse; zu dick geratene Suppe; Matsch; Schlick´; Suppmschlicks, Mahlschlicks, Bunnschlicks, Hierscheschlicks, de Fischl verkrichn´ch an Oalgnschlickse.

Schlief m. `Schliff: feuchtes, nicht durchgebackenes Gebäck; feuchte, unausgebackene Stelle im Brot od. Kuchen´; RA: Schlief (derbei) backn `jmdm. etw. misslingen´.

schlief Adj. Neusorge `schliff: nicht richtig ausgebacken, stellenweise feucht, noch teigig (bei Brot od. Kuchen)´.

schliefch Adj. Schirgiswalde dass. wie schlief; schliefch(e)s Brut. Lautf.: schliefsch Nordböhmen.

Schlieferch m. sSüdlausitz, Schirgiswalde `unbestimmte, kleinere Menge (Nahrungs- od. Genussmittel); Schluck´; a troank ann urndlchn Schlieferch.

Schliere f. 1. `schmierige, schleimige od. farbige, nicht geradlinig verlaufende schmale Bahn (Textilveredlung); Schneckenspur´; de gefärbte Woare is vuler Schliern. - 2. `bei der Jacquardweberei sichtbarer Fehler, der durch das Verwirren von mindestens zwei Kettfäden entsteht, die nicht exakt im Gewebe eingebunden sind´.

Schlietn siehe Schlittn!

schlietln siehe schlittln!

Schliez m. `Schlitz´.

Schliezhose f. `Schlitzhose´. 1. `offene Unterhose für Mädchen u. Frauen mit zwei getrennten, nur durch einen Bund zusammengehaltenen Beinteilen (um 1900)´. - 2. `Oberhose für kleine Jungen mit zwei getrennten Beinteilen, die an einer Jacke od. einem Leibchen mit Rückenschluss hängen´; friher huttn de ganz klenn Jungn Schliezhosn, wie se grisser woarrn, krigtn se Tierdlhosn, doaas woarrn beeds Leiblhosn.

schliezn swv. `schlitzen´.

Schlihdurn m. `Schlehdorn: Schwarzdorn (Prunus spinosa L.)´; a verstackt´ch hinder ann Schlihdurne, Schlihderner.

Schlihe f. `Schlehe: Frucht des Schwarzdornstrauches´. Lautf.: Schlinne Seifhennersdorf, Schliege Leutersdorf, Schlinge Großschönau, Schlingl Westlausitz.

schliherweiß Adj. sSüdlausitz, Ostlausitz `schlehweiß, schleierweiß, schneeweiß´. Lautf.: schleherweiß.

schlimb Adj. veralt. Südlausitz, Nordböhmen `schlimm´.

Schlinge f. Pl. Schlingn Dim. Schlingl siehe Schlihe!

Schlingkroattch n. Wilthen `Ackerwinde (Convolvulus arvensis L.)´.

Schlingl n. `Öse am Verschluss von Kleidungsstücken´; zun Schlingl gehirrt o a Haftl.

Schlipper m. Dim. Schlipperchl, Schlipperchn `Schlüpfer, Slip, Unterhose mit kurzen Beinen´.

schlipperch Adj. `schlüpfrig, glitschig, glatt, weich´; iech koann de Seefe ne festehaaln, se is su schlipperch.

Schlipperkraut n. siehe Schläbberkraut!

Schlippermilch f. Cunewalde, Neusorge, Schlesien `ungekochte, durch Stehen sauer gewordene Milch´.

schlippern swv. verstr. Ostlausitz, Schlesien `gerinnen (Milch)´.

Schlirferch m. 1. Obercunnersdorf, Cunewalde `Flüssigkeitsmenge, die geräuschvoll getrunken od. gegessen wird; Schluck´; a Schlirferch Koaffee, nimm oack ann Schlirferch! - 2. Cunewalde, Wittgendorf `Person, die beim Laufen die Schuhe auf dem Boden schleifen lässt´. - 3. ein Tanz, wahrscheinlich langsamer Walzer; ann langsn Schlirferch tanzn.

schlirfm swv. `schlürfen´. 1. `geräuschvoll trinken od. Suppe essen´; ´n Koaffee iebersch Kernl schlirfm `den Kaffee über ein im Munde befindliches Stück Würfel- od. Kandiszucker trinken´. - 2. dass. wie schloapm 2; häb de Pfutn und schlirf ne su! Lautf.: schlurfm.

Schlirks siehe Schlurks!

Schlirre siehe Schloarre!

schlirrern swv. Reibersdorf dass. wie schlirrn; de Nudln reischlirrern.

schlirrn swv Bihms Koarle `gleiten, rutschen´; die schlirrtn durch´s Bloseruhr durch. Vgl. Schloarre!

schlissn stv. iech schliss(e), du schloajßt od. schloasst, a schloajßt od. schloasst, mer schlissn, iech schluhß, iech hoa geschlussn `schließen´; meist rim-, zu- od. ufschlissn; wenn de heemkimmst, schliss oack derno rim!

schlittln swv. verstr. mnSüdlausitz, Westlausitz `Schlitten fahren, rodeln´. Lautf.: schlietln.

Schlittn m. Dim. Schlittl 1. `Schlitten´; Schlittn foahrn `rodeln´, Schlittnboahne. - .2 übertr. `Motorrad, PKW´. Lautf.: Schlietn Südlausitz ab °ZI Ebersbach in nordwestlicher Richtung, einschließlich Westlausitz), nOstlausitz um Rothenburg u. Rietschen. Dim. Schlietl.

Schlittnboahne f. `Rodelbahn´. Ist die Mauke `Kartoffelbrei´ zu trocken, gibt der Essende zum Besten:  „O, wie warrn mer schiebm missn, denn´s is keene Schlittnboahne!“ Lautf.: Schlietnboahne.

Schloabbei m. selt. `dicke Flüssigkeit, die man ohne zu kauen schlürfen kann, dünnflüssiges Essen od. Viehfutter´. Gegenteil von Broackei.

schloabberch Adj. `glitschig, schlüpfrig, matschig, zähflüssig, schlammig´; schloabberche Mahlsuppe. Vgl. schloapperch!

schloabbern swv. 1 `geräuschvoll trinken, Flüssigkeit od. dünne Nahrung hörbar mit der Zunge aufnehmen (bei Tieren)´: de Koatze schloabbert de Milch rei. - 2. `schlemmen´; Mahlsuppe schloabbern. - 3. Vgl. schloappern 1 u. 2! Lautf.: schläppern, schlabbern.

Schloabbertoasche f. Cunewalde, Burkau `weibl. Person, die gerne nascht u. schlemmt´.

Schloabberze f. Neugersdorf dass. wie Schloabbei.

Schloam (gedehntes oa) m. Südlausitz `Schlamm´; Schloam(m)pfitze; auch Moan(t)sche, Poappe, Poampe, Schlicks. Lautf.: Schloamm.

schloamch(t) (gedehntes oa) Adj. `schlammig, kotig, schmutzignass ´. Lautf.: schloammch(t).

Schloam(m)beißer m. dass. wie Dreckschmarle. Lautf.: Schloammbeißger Schlesien.

Schloammpoampe f. veralt. 1. Ostlausitz `Schlamm, Matsch, nasser Erdboden, Brei, Mus´. - 2a. `liederliche, nachlässig gekleidete Frau; Schlampe´. - b. Ostlausitz `Frau, die schlemmt, also alles verzehrt´.

Schloam(m)rutte f. Cunewalde dass. wie Schlämmrutte od. Rihrkäte.

Schloapm Pl. Obercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `nicht straff am Fuß sitzende Pantoffeln; bequeme, ausgetretene Hausschuhe; heruntergetretene Lederschuhe´. Lautf.: Schloappm West- u. Ostlausitz.

schloapm (gedehntes oa) swv. Obercunnersdorf, Oderwitz `schlappen´. 1. `in Schlappen, Pantoffeln, laufen´; a is fix amol a de Eibe riebergeschloapt. - 2. `schlurfend, schleppend gehen (ohne die Füße zu heben), nachlässig laufen´; häb de Pfutn und schloap ne su! Ach schlirfm. Lautf.: schloappm Schirgiswalde, Burkau, Neusorge, Sächsische Schweiz.

Schloappch m. 1. wSüdlausitz, sWestlausitz `schlecht, liederlich, nachlässig gekleideter Kerl, Landstreicher´, Battlschloappch. - 2. Oberlichtenau `Pers., die beim Laufen die Füße nicht hebt´.

schloappch Adj. 1. dass. wie schloapperch. - 2. Cunewalde `schlapp, müde, kraftlos´.

schloapperch Adj. `nachlässig gekleidet, locker herumhängend (Kleidungsstücke)´. Vgl. schloabberch!

schloappern swv. 1. `locker herumhängen, zu weit sein, schlecht sitzen (Kleidungsstücke)´; dann schloappern de Hosn im de Beene; dr Rucksaak schloapperte hie und har. - 2. auch `vor Kälte, Überanstrengung od. Angst zittern, schlottern, schlackern´; de Beene schloappern. - 3. Vgl. schloabbern 1 u. 2!

Schloappm siehe Schloapm!

schloappm siehe schloapm!
schloappm swv. iech schloapp(e) od. schlapp(e), iech schloappt(e) od. schlappte, iech hoa geschloappt od. geschlappt Südlausitz `schleppen´. 1. wie litspr.; wan brengst´n do (oaa)geschloappt? De Kohln heemschloappm. - 2. `den Acker planieren, glätten, einebnen´ (im Frühjahr nach dem Ackern). - 3. refl. `unbequemes Verhältnis mit jmdm. haben´; se schloappt´ch mit dann Karln schunn vill zu lange. Lautf.: schleppm, schlappm.

Schloarre f. Südlausitz `minderwertiges Getränk, schlechter Kaffee, dünne Suppe´. Lautf.: Schlerre Südlausitz, sOstlausitz, Schlarre, Schlurre Daubitz, Rietschen, Schlesien, Schlirre Rietschen, Zentendorf.

schloarrn swv. abwert. Ober- u. Niedercunnersdorf, Bischdorf, Sohland am Rotstein, Eigenscher Kreis, Wittgendorf 1. `Sprechweise des Oberlandes, zerebrales r sprechen, edelrollen´. - 2. `eine von der Oberlausitzer Hauptmundart etwas abweichende Aussprache gebrauchen´; de Hennerschdurfer schloarrn a bissl. Lautform: schlärrn.

Schloawickl n Dittelsdorf, Jonsdorf nur in der Wendung enn oan Schloawickl nahm `jmdn. am Schlafittchen (Kragen, Genick) zu packen bekommen´.

Schloaz (gedehntes oa) m. Süd- u. Westlausitz 1. `(langer) Riss in Stoffen, Textilien, Kleidungsstücken´; dar hoat ann Schloaz a dr Hose; a Schloaz a dr Ploane. - 2. Obercunnersdorf `Risswunde in der Haut´. - 3. `männl. Pers., die zerrissene Kleidungsstücke trägt´. Lautf.: Schlaz (gedehntes a) Jonsdorf, Schirgiswalde, Neukirch.
Schloaz (gedehntes oa) m. `schleimige Masse, Nasenschleim´. Lautf.: Schlaz.

schloazch (gedehntes oa) Adj. Steinigtwolmsdorf dass. wie schloazerch.

Schloaze (gedehntes oa) f. selt. Westlausitz dass. wie Schloaz. Lautf.: Schlaze.

Schloazerch (gedehntes a) m. dass. wie Schloaz `Riss´; a hoat ann Schloazerch an Hosebeene. Lautf.: Schlazerch.

schloazerch Adj. Westlausitz `schleimig, schlüpfrig, schmierig´; de Wurscht is ne mih gutt, die is schunn ganz schlazerch. Lautf.: schloatzerch (kurzes oa) Oberlichtenau, schlazerch, schlatzerch.

schloazn (gedehntes a) swv. geräuschnachahmend `zerreißen´; `n Stuff kinn mer glei schloazn; de aaln Zichn fangn oaa zu schloazn; de Hosn runderschloazn. Lautf.: schlazn.

Schlof (gedehntes o) m. `Schlaf´. 1. `Schlummer´; ann gudn Schlof hoann. - 2. `verhärtete Absonderung in den Augenwinkeln´; dr Schlof klabt dr noa an Oogn.

Schlofgeld n. `Schlafgeld: Übernachtungskosten´.

Schlofkoammer f. `Schlafkammer: Schlafstube´.

schlofm (gedehntes o) stv. iech schlof(e), du schläfst, mer schlofm od. schluffm, iech schleef od. schlief, iech schluf Ohorn, Nordböhmen, mer schliffm Seifhennersdorf od. schliefm od. schluhfm nOstlausitz, iech hoa geschlofm od. geschluffm `schlafen´; schloft gesund! `Gute Nacht!´ Mer gihn lange noa ne schluffm; schlof oack nu! Schloft a bissl fix, doaaß dr murne fartch sedd! RA: Itze anne Stunde schlofm und derno as Bette gihn. Formen: schluffm, schloaffm, schliffm, schluffern.

schlofmitzch Adj. `schlafmützig, verschlafen, träumend, unaufmerksam, geistig abwesend´; die schlofmitzchn Karln hoann´ch ´n Meeboom mausn lussn.

Schlofmitze f. `Schlafmütze´ 1. `Mütze für die Nachtruhe´. - 2. übertr. a. `unaufmerksame, langsame, träge Person´. - b. `Langschläfer´.

schloin stv. iech schloi, du schläst, a schlätt (Oberland) od. schläht, mer schloin, iech schlug od. schloite , a schlätte od. schlähte, se schlugn od. schloitn, iech hoa geschloin `schlagen´. 1. `einem Tier od. Menschen einen Schlag od. mehrere Schläge versetzen, prügeln´; genungk geschloin `unglücklich, bestraft, bedauernswert´; Volksreim: Oack nischt soin, glei schloin! Ausruf der Empörung: Do schloi doa glei dr Teifl nei! - 2. `etw. (unter Zuhilfenahme eines Werkzeuges) mit Schlägen bearbeiten´; Hulz od. Steene schloin. - 3. `durch Schläge Töne erzeugen´; anne geschloine Stunde; anu schlätt´s dretzn! RA: wissn, woaas (is) geschloin hoat `die Wahrheit erfahren´. - 4. `holpern und rücken beim Befahren eines unebenen Weges´; dr Woajn schlätt. - 5. `(aus)treiben, Triebe bekommen´; die beedn Nubberweiber stihn schunn zwee Stunn oan Zaume und gaajkn, die warrn noa Wurzln schloin. - 6. in Wendungen sich de Zeit im de Uhrn schloin. `die Zeit sinnlos verbringen´. Lautf.: schloon Seifhennersdorf, Gebiet zwischen Wehrsdorf u. Cunewalde mit Schirgiswalde, Schlesien, schloarn bzw. schloan Zittauer Gebirge, Westlausitz; 3. Sg. Präs. a schläht Spitzkunnersdorf, Zittauer Gebirge od. schliäht söSüdlausitz, sOstlausitz.

Schloißern f. veralt. Ostlausitz `Wirtschafterin, Ausgeberin, die alles verschließt; Wirtin, Kellnerin´.

Schloitut m. Südlausitz `Totschläger (Verniedlichung, Bedeutungsabschwächung): ungeschlachter, liederlich angezogener, ungewöhnlich großer Kerl; Strolch, Tunichtgut´.

schloon siehe schloin!

Schlooß n. `Schloss´. 1. `prunkvolles Gebäude (mit großem Garten)´. - 2. `Einrichtung zum Verschließen´. Lautf.: Schluss.

Schlooßharr m. `Schlossherr, (adeliger) Besitzer des Schlosses´.

Schlooßhund m. `Schlosshund´; in der Wendung heuln wie a Schlooßhund.

Schlowak(e) m. `Slowake, der bis 1914 von Dorf zu Dorf zog und (schadhafte) Töpfe mit einem Drahtgeflecht flickte´; a Schlowak hoat menn Toop eigestrickt. Lautf.: Schloawak(e). Vgl. Toopeistricker!

Schlubbe f. `breites Band, das geknotet oder als Schleife gebunden ist; große Schlaufe, Schleife mit herabfallenden Bändern´; de Grußemutter vu merr Grußemutter trug noa anne Radlhaube mit anner Schlubbe.

Schlucke f. `Schluckauf´.
Schlucke f. `Schluckenau´, tsch. `Sluknov (Ort im Böhmischen Niederland)´; a Schluckscher `Einwohner aus Schluckenau´, de Schluckschn kumm; dr Schlucksche Moarcht. Lautf.: Schlocke. Siehe auch Schluckn!

schluckern swv. `Wassergeräusche, die durch Schütteln erzeugt werden, hervorrufen´; de Floasche schluckert, a rimgeschluckert Ä.

Schluckn Wehrsdorf, Steinigtwolmsdorf dass. wie Schlucke `Schluckenau´; die is aus Schluckn; gitt oack uff Schluckn! Lautf.: Schlockn Schirgiswalde. Siehe auch Schlucke!

Schluckn m. `Schluckauf´; ´n Lichtlwinkler stisst dr Schluckn.

Schlucksche Zippl m. `Schluckenauer Zipfel (Schluckenauer Bogen zwischen Rumburg u. Einsiedel in Nordböhmen)´.

schluderch Adj. `schluderig´. 1. `nachlässig, liederlich´. - 2. °ZI Ebersbsch `unpässlich, nicht gesund´; dann is schluderch an Bauche gewurn.

schludern swv. umg. `nachlässig arbeiten, pfuschen´; hieschluder.

schlufferch Adj. `schläfrig, müde, schlafbedürftig´; iech bie schlufferch; mir is schlufferch.

schluffern swv. 1. miech schluffert´s `ich bin müde´. - 2. Weifa dass. wie schlofm.

schluffm stv. msöSüdlausitz siehe schlofm!

schluhweiß Adj. `schlohweiß: vollkommen weiß´; dr Birnboom stitt schluhweiß a vuler Blutt; schluhweiße Zähne.

schlumpch Adj. dass. wie schlumperch.

Schlumpe f. `unsaubere, nachlässig gekleidete, liederliche Frau´.

Schlumperch m. Oderwitz dass. wie Schlumpersaak; a eibilldscher Schlumperch.

schlumperch Adj. `liederlich, nachlässig (gekleidet), heruntergekommen´.

schlumpern swv. 1. `lose sein; lang, schlaff, unordentlich herabhängen´ (vorwieg. bei Kleidung); dar hoat su oabgenumm, doaaß´n oalls im Boalg schlumpert. - 2a. `gemächlich gehen, ziellos schlendern´; die zwee beedn koam ´s Durf rundergeschlumpert. - b. `schlampen: nachlässig, liederlich umhergehen, nicht auf sich halten, sich gehen lassen´. - c. `langsam, nachlässig arbeiten´; rimschlumpern.

Schlumpersaak m. `unsaubere, nachlässig gekleidete, liederliche, faule Pers.´ Volksvers: Aus ann schinn Murgn wird a goarschtcher Tag, aus ann hibbschn Maajdl a (aaler) Schlumpersaak. Lautf.: Schlumpersack.

Schlungk m. Pl. Schlinge `Schlund´. 1. `Schluck´; ann Schlungk Woasser trinkn. - 2. `hinterer Teil der Mundhöhle, Rachen; Speiseröhre; Luftröhre´; a krigt´n Schlunk ne vul genungk; ann herrlchn Schlungk hoann. Interj.: Scham dch oack an Schlungk rei! - 3. `jmd., der viel isst od. trinkt´; a ungeneußcher Schlungk `ein unersättlicher Kerl´; herrlcher Schlungk `mäkelige Person, Feinschmecker´.

Schlunz m. selt. swmSüdlausitz dass. wie Schlunze.

Schlunze f. Seifhennersdorf, Neugersdorf u. swmSüdlausitz `tiefe, klaffende Wunde; Schnitt´; du hoast aber anne Schlunze gebrett `du hast aber eine tiefe Wunde zustande gebracht´. Siehe auch Goaffe!

schlunzn swv. `äugen; vorsichtig, verstohlen, heimlich durch eine kleine Öffnung gucken und etw. erspähen wollen´.

schlurfm siehe schlirfm!

Schlurke f. verstr. Obercunnersdorf, Leutersdorf, Rietschen `schlechtes Getränk, dünner Kaffee, dünne Suppe´.

Schlurks m. selt. sSüdlausitz 1. Hirschfelde `geringe Menge einer Flüssigkeit, Schluck´, mdal. verbreiteter Neegl. - 2. `dass. wie Schlurke. - 3. `etw. Dickes im Getränk, Haut auf der gekochten Milch´.
Schlurks m. bes. sSüdlausitz 1. `Faden- od. Garnfitz; ins Gewebe nicht eingebundener, langer, überhängender Faden; falscher Faden auf der Garnspule; beim Spulprozess ungewollt hineingeratener Fadenrest; verschlungene Pflanzen´; de Schlurkse hängn runder. - 2a. `heruntergekommener, liederlicher, verwahrloster Mensch´; dar leeft rim wie a Schlurks. - b. Nordböhmen `Fresser, Nichtstuer, Vagabund´. Lautf.: Schlirks, Schlorks.

schlurksn swv. selt. 1. `liederlich (herum)laufen´; rimschlurksn. - 2.. `Geräusche einer sich bewegenden Flüssigkeit (Speichel); geräuschvoll trinken´; de Pfeife schlurkst.

Schlurre siehe Schloarre!

Schluße (gedehntes u) f. (meist im Pl.) `Schloße: großes Hagelkorn´.

schlußn (gedehntes u) swv. `schloßen´. 1. `(große Körner) hageln´; iech gih, moagg´s Bauernjungn raajn, Grußknaajchte schlußn und Ruperche schnein! - 2. Bihms Koarle `(wie irre herum)rennen, gedankenlos eilen, sich schnell fortbewegen´; rimschlußn, lusschlußn, runderschlußn, de junge Goatche schlußt draußn rim.

Schlussermeese f. veralt. msSüdlausitz, Ebersbach, Eibau, Niedercunnersdorf, Neusalza-Spremberg, Crostau `Schlossermeise: Kohlmeise (Parus major)´; de Schlussermeese rufft: "sissebier, sissebier!"

Schluttch m. 1. `abgerissener , lose anhängender Faden´. Vgl. Schlurks! - 2a. `verlotterter, heruntergekommener Mensch; Strolch, Vagabund, Bettler, Landstreicher´; dar leeft rim wie a Schluttch, Battlschluttch. - b. Bihms Koarle `langer Kerl´.

Schlutte f. `Schlotte´. 1a. `röhrenförmiges Blatt der Speisezwiebel, Zwiebelkraut´; auch Zwibblschlutte. Siehe auch Zoajl! - b. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle `Blatt der Aloe´, in der Volksmedizin vielfach zu Heilzwecken verwandt. - c. `röhrenförmiger Stängel des Löwenzahnes´; Meeblumschlutte. - d. Niedercunnersdorf `Fruchtstand des Riesenfuchsschwanzes (Amaranthus)´. - 2. `Rohr, Schacht, enge Öffnung, durch die etw. geleitet wird´, z.B.: Dunst- u. Fallrohr beim Klosett ohne Wasserspülung; de Oabtrietschlutte is versackt. Lautf.: Schloote Schlegel.

Schluz m. Westlausitz `schlecht ausgeführte Arbeit, Ausschuss´.

Schluze (gedehntes u) f. Westlausitz 1. Burkau, Bühlau, Oberlichtenau, Deutschbaselitz `minderwertiges Getränk, Gesöff, unappetitliche od. schmutzige Flüssigkeit´. - 2. Fachspr. der Weber `infolge liederlichen Aufspulens entstandener Fitz im Garn´. Lautf.: Schlutze Steina.

schluzn swv. Frankenthal, Ohorn `fitzen (Garn, infolge liederlichen Aufspulens)´.

Schm

schmaajchtch Adj. Hintere Sächsische Schweiz `schmächtig´; schmaajchtch wie anne Hoaslschwuppe.

Schmackustern n. auch als schwaches Verb Nordböhmen, Schlesien `Schmackostern (veralteter Volksbrauch): das Austeilen von Schlägen mit einer mehrfach geflochtenen, mit Bandschleifen verzierten Weidenpeitsche auf (nackte) Körperteile (schlafender) Mädchen durch Burschen am frühen Ostermontag´, als Gegenleistung erhielten die Burschen von den Mädchen Eier od. andere Geschenke, zu Beginn des 20. Jh. Heischegänge der Jungen im Schluckenauer Ländchen u. um Wehrsdorf u. Steinigtwolmsdorf; zun Ustermontche gih mer wieder schmackustern od. zu Schmackustern. Lautf.: Schmeckustern. Siehe auch Schwuppe 1c!

Schmährbauch m. `dicker, (weicher) Bauch (bei Männern)´. Lautf.: Schmarbauch.

Schmährbittch m. dass. wie Schmährbauch.

schmährch Adj. `schmierig: glitschig (Straßenbeschaffenheit), fettig, seifig, schleimig´; ´s macht´ch su schmährch, mer warrn wull heute noa woaas kriegn. Lautf.: schmarch Schirgiswalde, schmierch.

Schmährcher m. `Schmieriger´ (Bezeichnung für mehrere Pilzarten, die schmierig sind´. 1. `Schmerling, Körnchenröhrling (Suillus granulatus)´. - 2. `Goldröhrling (Suillus grevillei, Boletus elegans)´. - 3. `Butterpilz (Suillus luteus, Boletus luteus)´; a hoat ne vill Pilze gefunn, oack ann aaln Birknpilz und drei Schmährche uff´m Wiesewaajge. Lautf.: Schmährling.

Schmähre f. (nur im Sg.) `Schmiere´. 1. `weiche Masse (Salbe, Einreibung), Brotaufstrich (Butter, Margarine), Schuhkreme, Schmiermittel, Maschinenöl, (klebriger) Schmutz; Heedlbärschmähre, Woajnschmähre, Stieflschmähre, Runzlschmähre. - 2a. übertr. (anne teuer) Schmähre `kostspielige Angelegenheit´. - b. übertr. (de ganze) Schmähre `alles zusammen´; die ganze Schmähre macht 18 Moark. Lautf.: Schmiere.

Schmährkoatze f. `Schmierkatze´, auch `Pers., die schmieren´; a jeds misste de Schmährkoatze toalkern.

schmährn swv. `schmieren´. 1. wie litspr. `etw. mit Schmiere versehen´; doaas gitt od. leeft wie geschmährt; Sprichwort: War gutt schmährt, dar gutt fährt; ´s schmährt´ch oaa `der Himmel verdunkelt sich´; die senn doa mit oalln Soalbm geschmährt `die sind aalglatt´. - 2. `bestechen´; dar is gewieß geschmährt wurn. - 3. enn a poaar schmährn `jmdn. ohrfeigen´. - 4. `liederlich schreiben´. - 5. `dem Partner im Kartenspiel eine Karte mit hoher Augenzahl mitgeben´, auch pfuckn u. pfundn. Lautf.: schmehrn Pulsnitz.

Schmährseefe f. `Schmierseife´; woaschn mit grinner od. griener Schmährseefe; zun Woaschn fer de Schlusserhosn wurde Schmährseefe genumm.

Schmäle f. 1. (häufig im Pl. Schmäln) `Schmiele, bes. `Gemeiner Windhalm (Apera spica-venti (L.) P. BEAUV.)´ ein in verschiedenen Arten vorkommendes schmalwüchsiges Gras, das im Getreide wächst; Ackerschmäle. Lautf.: Schmiele. - 2. Seifhennersdorf `Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis L.)´.

schmaln (gedehntes a) Bertsdorf, bes. mwnSüdlausitz 1. `schimpfen, schelten´. - 2. Bihms Koarle `schmollen, ärgerlich sein´. Lautf.: schmäln.

Schmäln (gedehntes ä) `Schmölln (Ort der Gemeinde Schmölln-Putzkau im °BZ)´; de Schmälner od. Schmellner `die Einwohner von Schmölln´. Spitzname: Voglschmäln. Lautf.: Schmelln.

Schmar (gedehntes a) m. `Schmer: das frische Darmfett des Schweins´; RA: Lusst ´s ´ch oack zu Schmare gedeihn! `Langt zu und esst!´ Doaas wird´n o ne zu Schmare gedeihn `das wird ihm auch kein Glück bringen´, vgl. Schmähre! Lautf.: Schmär.

Schmarbrutl n. veralt. Niedercunnersdorf `Schmer: der rohe, zu einer Form zusammengerollte Schmer´. Lautf.: Schmärbrutl.

schmärch siehe schmährch!

Schmarfett n. dass. wie Schmar.

schmarlch (kurzes a) Adj. Dürrhennersdorf `dünn, sehr schlank, schmächtig, schwächlich´. Lautf.: schmerlch.

Schmarle (kurzes a) f. `Schmerle´. 1. Fischart `Nemachilus barbatulus´. Vgl. Dreckschmarle! - 2. `Speichel, Schleim, Schaum, der auf dem Kinn des Säuglings herunterrollt´; itze kimmt wieder anne Schmarle! - 3. übertr. `schmächtiges, körperlich unterentwickeltes Mädchen od. Kind´. Lautf.: Schmerle.

Schmärre, Schmarre siehe Schmerre!

schmarrn siehe schmerrn!

Schmarunke siehe Moarunke!

Schmatzl n. 1. siehe Schmoatz! - 2. `aus Eiweiß und Zucker bestehendes Küsschen (Gebäck), Baiser, Eischnee, süßes Schaumgebäck´; iech gih zun Schmatzlbäckn. Auch Zuckerschmatzl od. Zuckerschmoatz. Lautf.: Schmätzl.

Schmeckche f. Bihms Koarle dass. wie Schmecke.

Schmecke f. 1. `Geschmack; Eigenschaft, (gut) zu schmecken´; irscht noa´n Ufkoachn krigt´s de richtche Schmecke, Guttschmecke. - 2. `Geschmackssinn, Fähigkeit des Schmeckens´; iech hoa keene Schmecke, iech hoa´n Schnuppm.

Schmeckelappl n. Neugersdorf, °ZI Ebersbach scherzh. `Zunge´.

schmeckn unregelm. Verb iech schmeck(e), du schmeckst, mer schmeckn, iech schmackte, mer schmacktn, iech hoa geschmackt `schmecken´; ´s schmeckt gutt; schmeckt´r´sch? ´s hoat geschmackt! RA: Lusst´s euch schmeckn, iech will garne Hunger leidn! Lautf.: schmackn.

Schmecks m. dass. wie Schmecke `Geschmack´.

Schmeckustern siehe Schmackustern!

Schmeeße f. `Schmeißfliege: große blaugrüne Fliege, die ihre Eier an Fleisch od. Wurst legt´; do hoann de Schmeeßn schunn reigeheckt. Auch Schweeße.

schmeidch Adj. veralt. `biegsam, schmiegsam, geschmeidig´; macht´r ne ann schmeidchn Moan?

schmeißn stv. iech schmeiß(e), du schmesst, a schmesst, mer schmeißn, iech schmeeß od. schmieß, mer schmeeßn od. schmießn, iech hoa geschmissn `schmeißen´. 1. `werfen´; iech schmeiß dch aus dr Stube; dr Wirt schmesst de Gäste raus, rimschmeißn. - 2. `aufgeben, misslingen´; a schmeeß dann ganzn Lodn hie, iech luss miech ne schmeißn. - 3. in der Wendung dr Ufm schmesst `der Ofen strahlt Hitze aus´. - 4. `(bei viel Wind) stark regnen´; is schmesst a de Fanster.

Schmelln siehe Schmäln!

Schmerre f. `Wunde, Narbe (im Gesicht), Schramme´; die Schmerre hoa´ch vun Hulzhackn. Lautf.: Schmarre.

schmerrn swv. Obercunnersdorf, Niederoybin 1. `unangenehm klingen, in den Ohren dröhnen, schlechten Empfang haben´; `s Radio schmerrt wieder. - 2. `sehr laut und unangenehm reden od. rufen´. Lautf.: schmarrn.

Schmickse f. selt. 1. `die an das Ende des Peitschenriemens angeknüpfte dünne, etwa 15 cm lange Schnur, die aus fest gedrehtem Bindfaden besteht u. mit Knoten versehen ist´. - 2. `die Wucht eines Peitschenhiebes´. Auch Schmirze.

Schmiege f. `zusammenklappbares Metermaß, Zollstock´.

Schmiele siehe Schmäle!

Schmieß m. `Schmiss´. 1. `Schlag, Fall´. - 2. `Rhythmus, Takt, Schwung´; de Blosmusicke hoat´n richtchn Schmieß. Lautf.: Schmeeß, Schmiss.

Schmilke  `Schmilka (Ort der Stadt Bad Schandau im Landkreis Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge)´; in Schmilke; de Schmilker `die Einwohner von Schmilka´.

Schminkl n. selt. Ostlausitz `kleines bisschen, Stückchen, eine Messerspitze voll´; a Schminkl Butter.

Schmirgl m. Bihms Koarle, Jonsdorf `Angst, Scheu, Furcht´; ver´n biesn Ganserch hoa´ch Schmirgl. Lautf.: Schmurgl.
Schmirgl m. (meist im Pl.) verstr. Ober- u. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf, Süd- u. Ostlausitz, Schlesien `Sumpfdotterblume (Caltha palustris L.), in größeren Mengen beieinander stehend´; uff unser noaaßn Wiese stitt oallemol an Frihjuhre vill Schmirgl; Butterschmirgl. Lautf.: Schmurgl.

schmirgln (gespr. schmurgln) swv. 1. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `schmoren, braten, brutzeln´; dr Brotn schmirglt a dr Pfoanne. - 2. `schmieren ´. a. Oderwitz `(mit Wasser) Dreck verschmieren´; schmurgl oack ne oalls breet! - b. Obercunnersdorf, Oderwitz `(liederlich) zeichnen od. schreiben´; du hoast aber a Rimgeschmurgl. Lautf.: schmurgln.

Schmirglblume f. dass. wie Schmirgl `Sumpfdotterblume´.

Schmirze f. 1a. Niedercunnersdorf, Neusorge `die an das Ende des Peitschenriemens angeknüpfte dünne, etwa 15 cm lange Schnur, die aus fest gedrehtem Bindfaden besteht u. mit Knoten versehen ist´. - b. Großschönau, Neusorge `die Wucht eines Peitschenhiebes´; iech goab menn Kreisl Schmirze. - 2. Cunewalde `hohe Geschwindigkeit´. - 3. Großschönau, Neugersdorf `mit wasserlöslicher Farbe schwarz, blau od. rot markierte Schussfäden im textilen Flächengebilde zur Kennzeichnung von Garnpartien´. Lautf.: Schmurze.

schmirzn swv. selt. `mit einer Peitsche, Gerte od. Rute schlagen´. Lautf.: schmurzn.

Schmitze f. Dim. Schmitzl dass. wie Schmirze; a gibbt senn Gaul a Schmitzl `er schlägt seinen Gaul leicht mit der Peitsche´.

schmitzn swv. dass. wie schmirzn.

schmoadern (gedehntes oa) swv. Steina `schlecht, liederlich unsauber schreiben´; Junge, schmoader ne su!

Schmoadderunks (Endsilbe betont) m. verstr. 1a. Obercunnersdorf `(eingekochter) Pflaumenmus´; Schmoadderunkskuchn; anne Schniete mit Pflaumschmoadderunks. - b `schmierige, breiige Masse; Marmelade´. - c. Wittgendorf `Senf´. - 2. abwert. für `breiartiges, zusammengekochtes, unappetitliches Essen´. Lautf.: Schmoaddrunks Wittgendorf, Schmunks wSüdlausitz, Nordböhmen, Schmunds Weifa.

Schmoalkerch m. Obercunnersdorf, Kottmarsdorf, Burkau `etw. Zähflüssiges, Matschiges, Leimartiges´; Kaseschmoalkerch `zerlaufener Käse´.

Schmoarunke siehe Moarunke!

schmoalkern swv. verstr. nSüdlausitz, sWestlausitz `schlecht, liederlich unsauber schreiben´. Lautf.: schmoalgern.

Schmoanz m. Oderwitz `dicke Schmiere, breiartige Flüssigkeit´.

Schmoatz m. im Dim. Schmatzl `(derber, mit einem schmatzenden Geräusch verbundener) Kuss´; iech hoa´r ann fettn, soaaftchn Schmoatz ufgedruckt; ann Schmoatz uff de Backe poappm `auf die Wange küssen´. Lautf.: Schmoaaz °ZI Ebersbach, °ZI Friedersdorf.

Schmoatzguschl n. 1. Kosename für den `Mund der Liebsten, den man gern küsst´. - 2. Kosename für ein `(junges) Mädchen, dessen Lippen zum Küssen anregen.´

schmoatzn swv. `schmatzen´. 1. `küssen´; die beedn hoann´ch ´n ganzn Tag geschmoatzt od. oabgeschmoatzt. RA: mit geschmoatzn Hänn woaas nahm `reißend Abgang finden´. - 2. dass. wie poatschn 1. Lautf.: schmoaazn °ZI Ebersbach, Neusalza-Spremberg.

Schmorke `Schmorkau (Ort der Gemeinde Neukirch bei Königsbrück im °BZ)´; de Schmorkschn `die Einwohner von Schmorkau´. Lautf.: Schmurke.

schmuck Adj. Ostlausitz `ruhig, still, friedfertig, angenehm (bei Pers.), gut´; ´s sein schmucke Leute.

Schmuckfuffzn ohne Art. öSüdlausitz, Ostlausitz `Schmuckfünfzehn´, anerkennende od. wohlwollend tadelnde Bezeichnung für ein Kind, das etw. ausgefressen hat; du bist schunn Schmuckfuffzn.

Schmunks m. siehe Schmoadderunks!

Schmurgl siehe Schmirgl!

schmurgln siehe schmirgln!

schmurgst Adv. Großschönau, Ostlausitz `des Morgens, vom Morgen an´; schmurgst bis a de sinknde Nacht hoat´s getroislt; wu Sunnglanz die Barge schmurgst imseemt; wu ne die Langeweile schmurgst schunn plogt. Lautf.: schmurgs °ZI Reichenau.

Schmurze (kurzes u) f. siehe Schmirze!

Schn

Schnackerch m. 1. `Pers., die viel, unnütz und abwertend redet´. - 2. `Rad mit Hilfsmotor´. Lautf.: Schneckerch.

schnackern swv. 1. `viel und unnütz reden, sich lange unterhalten´. - 2. Wilthen, Nordböhmen `(geräuschvoll) Weben auf dem Handwebstuhl´; a soatz´ch glei hindern Wirkstuhl und fung oaa zu schnackern.

schnäckern swv. Neukirch `weben (auf dem Handwebstuhl) mit Geräuschbildung´; ar ließ de Stihle wetter schnäckern.

schnackln swv. verstr. Südlausitz `Murmeln schieben, beim Murmelschieben gewinnen´, auch bellern. Lautf.: schneckln Oberland.

Schnaffer m. `Hund, der viel bellt´.

Schnafferch siehe Schnoafferch!

schnaffern swv. siehe schnoaffern u. schnaffln. Lautf.: schnäffern.

Schnafferze siehe Schnoafferze!

Schnaffl m. `vorlaute junge Pers.´. Lautf.: Schnäffl Anton.

Schnafflch m. bes. Westlausitz `Hund, der zu oft bellt´. Lautf.: Schnäfflch, Schnafflich.

schnaffln swv. Westlausitz `kläffen, in etw. voreilig hineinreden´. Auch schnoaffern. Lautf.: schnäffln.

schnakch (gedehntes a) `zum Spaßmachen und Erzählen aufgelegt, lustig, fidel, gut gelaunt, schnurrig´; anne schnakche Derzahlche `eine schnurrige Erzählung´.

Schnake f. `Florfliege (Chrysopa)´, ein Netzflügler.
Schnake f. `kurze, lustige, (halbwahre) Geschichte; Schnurre; heitere Anekdote´; anne fette Schnake zun Bestn gan `(in Bierlaune) eine Zote erzählen.´

Schnappe f. `Schneppe´ 1. Westlausitz `Ausgussnase an einem Topf od. einer Kanne´. - 2. selt. Südlausitz `spitz zulaufender Teil eines Kleidungsstückes (eines Kopftuches, einer Haube, am Vorderteil eines Mieders)´. - 3. `Waldschnepfe (eine Vogelart)´. - 4. `unsympathische Frau´. Lautf.: Schneppe.

Schnappe siehe Schnoappe!

schnäppern siehe schnoappern!

Schnärre siehe Schnoarre!

schnärrn siehe schnoarrn!

Schnatl n. (Dim. von Schnoate) msöSüdlausitz, smOstlausitz 1a. `durch Abklopfen der Rinde angefertigte Pfeife, meist aus einem Weiden- od. Ebereschenzweig´. Die Rinde wird mit Spucke eingeseift und mit dem Taschenmesser weich geklopft. Sie lässt sich dann leicht vom Holzkern abziehen. Beim Abklopfen wurden früher Bastlösereime gesprochen; z. B: "Schnatl, Schnatl, gih oack oab, gih mit mir zu Groabe, ju, a Butter gutt gebrotn und a Äle raajcht gesotn, gih oack oab, gih oab, gih oab!" Abschkeschnatl `Pfeifchen aus Ebereschenrinde´. - b. `aus einem Löwenzahnstängel angefertigte Pfeife´. - 2. übertr. `Zigarette´; dr Grußvoater hoat schunne wieder a Schnatl zwischn Zänn. - 3. Dittelsdorf `männliches Glied, Penis (von kleinen Jungen)´. - 4. Obercunnersdorf `Papphülsen in der Textilindustrie´. - 5. Wittgendorf, Jonsdorf `Zweig zum Veredeln von Obstbäumen, Pfropfreis, Pflanzentrieb´. Vgl. Schnoate!

schnatln swv. 1. `Pfeife od. Zigarette rauchen´. - 2. `quatschen, schnattern, viel erzählen´.

Schnatlrickl n. Niedercunnersdorf  `kurze, enganliegende Jacke ohne Schöße´.

schnaubm swv. refl. `schnauben: sich schnäuzen´.

Schnauze m. Dim. Schnäuzl 1a. wie litspr. `Maul u. Nase mancher Tiere (z.B. Schwein, Hund)´. - b. `Mund des Menschen´; RA: Runder vu dr Plauze, rei a de Schnauze `jmdm. ungeschminkt und direkt die Meinung sagen´; enn is Maul od. de Schnauze stuppm `jmdn. mit Gewalt zum Schweigen zwingen´. - 2. ( meist im Dim.) `Ausgussnase an einem Topf´; iech hoa benn Ufwoaschn vu dr Koaffeekoanne is Schnäuzl oabgeschloin; de Schnauze hoat ann Sprungk. - b. `Vorderteil eines Gegenstandes´; is Auto stoand mit dr Schnauze zu weit uff dr Stroße.

Schnauzer, Schnäuzer m. `Schnauzbart: (starker) Schnurrbart´. Auch Suppmtunker oder Birrschte.

Schnäuzl n. siehe Schnauze!

Schnäuzltippl n. `kleiner (meist tönerner) Topf mit Ausgussnase´; de Milch is an Schnäuzltippl.

schnäuzn swv. `schnäuzen´. 1. (refl.) wie litspr. `sich die Nase putzen´; a muss´ch egoal schnäuzn. - 2. selt. `jmdn. betrügen, übervorteilen´; war hoat´n diech su geschnäuzt?

Schnauznhubl m. scherzh. `Mundharmonika´.

Schnauznklamper m. scherzh. `Zahnarzt´. Lautf.: Schnauznklampner.

Schnäuztichl n. `Taschentuch´, auch Schnupptichl.

Schnecke f. Dim. Schneckl 1. wie litspr. `ein Schalenweichtier´, RA: zer Schnecke machn `schlechtmachen, erniedrigen, abkanzeln´. - 2. `Weißgebäck mit schneckenförmiger Bahn einer Zutat´; Mohschnecke `Mohnschnecke´, Quoarkschnecke, Sträslschnecke `Streuselschnecke´. - 3. Kosename `(junges) Mädchen, Liebste, Braut´; ohne menn Schneckl kumm´ch ne.

Schneckerch siehe Schnackerch!

schneckln swv. 1. selt., dass. wie schnettln 2. - 2. siehe schnackln!

schneckn swv. dass. wie schneckln.

Schneedch, Schneedcht, Schneederch m. nOstlausitz `Schneidegras, das am Teichrand auf den Kaupm wächst und als Grünfutter dient(e)´; volkstümliche Bezeichnung für einige Sauergräser mit scharfkantigen Stängeln, z.B. `Steife Segge (Carex elata)´.

Schneidegroas n. Guteborn `Steife Segge (Carex elata)´.

Schneider m. 1. wie litspr. ein Beruf. - 2. `beim Skat 30 Punkte oder weniger haben´; iech bie aus´n Schneider raus. - 3. verschiedene Insekten mit einem schmalen Körper od. langen dünnen Beinen. a. sSüdlausitz `Kohlschnake´. - b. Süd- u. Westlausitz `Libelle´. - c. Westlausitz `langbeinige Spinne: Weberknecht (Opilio parietinus)´.

Schneiderfleckl n. meist Pl. Bertsdorf, Jonsdorf `breite, selbstgemachte Nudel´. Die breiten Nudeln wurden früher als eine Art Eintopf mit Weißkraut und Rindfleisch gegessen.

Schneidergangk m. Süd- u. Ostlausitz `Schneidergang: ein Weg, den man vergeblich gemacht hat, (weil man niemanden angetroffen hat)´.

schneidn stv. iech schneid(e), du schneddst, schnaddst (Seifhennersdorf) od. schneidst (Westlausitz), a schnedd, schnadd (Seifhennersdorf) od. schneid (Westlausitz), mer schneidn, iech schneet od. schniet, mer schneedn, iech hoa geschneedn od. geschnittn `schneiden´; de Saajge schnedd ne mih gutt; se schneedn Gesichter; oabschneidn.

schnein swv. 1. wie litspr. `schneien, Schnee geben´. - 2. `(unerwartet) zu jmdm. kommen´; oaaschnein, reischnein, neischnein; war kimmt´n do zun Luche reigeschneit?

Schneller m. altes Garnmaß `5 Gebinde´; hundert Schneller Goarn; itz spulst de noa ann Schneller oab!

Schnellerch m. Niedercunnersdorf, Jonsdorf `ruckartige, kräftige Bewegung durch Krafteinwirkung; schneller Schlag, Ruck, Beschleunigung´; benn Hulzhackn hoat a Scheitl ann Schnellerch gekrigt und is mer oan Schadl gefloin; a goab´ch ann Schnellerch; dr Bellerkugl mit´n Fingern ann Schnellerch gan; iech hoa ann Schnellerch gekrigt `ich habe einen zurückwippenden Ast an den Kopf bekommen´.

Schnellerkoallchl n. (meist im Pl.) mwnSüdlausitz `die kleinen, grünen, über der Erdoberfläche befindlichen Früchte an der Kartoffelstaude´. Lautf.: Schnellerkoichl, Schnellerkoilchl; Schnellerkajllchl Schirgiswalde.

schnellern swv. Lawalde 1. dass. wie schnelln; die is as Schnellern gekumm `die ist plötzlich in eine (hastige, unkontrollierte) Bewegung geraten´. - 2. Obercunnersdorf `Früchte der Kartoffelstaude aufspießen und fortschleudern´. Siehe Schnellerkoallchl!

schnelln swv. 1. `ruckartig, geschossartig bewegen; mit Schnellkraft werfen´; de Koarpe schnellt a de Hiht `der Karpfen springt ruckartig in die Höhe´, ´n Schitzn durch de Warfte schnelln `den zum Schnellschützen entwickelten Webschützen durch das Webfach mit der Schnur (Zuckebändl) schießen´; ufschnelln. - 2. `schnell laufen, rennen´; a schnellte aus´n Luche raus. - 3. Jonsdorf Grätn schnelln `eine aufgeblasene Kröte od. einen aufgeblasenen Frosch mit einer Wippe ins Wasser befördern, so dass er platzt´. Siehe auch prelln! - 4. Anton `jmdn. prellen, jmdn. betrügen, etw. vorenthalten´. - 5. veralt. Nordböhmen, Sächs. Schweiz `Überraschen zusammenweilender Liebesleute in der Kammer durch junge Burschen u. Zahlung eines Lösegeldes durch den Liebhaber´; Nubbersch Lure is mit ihrn Schoamsterch geschnellt wurn.

Schnells m. Obercunnersdorf, Neugersdorf meist Pl. Schnellse 1. `ruckartige Bewegung´; a hoat miech su as dicke Been gezwickt, doaaß´ch glei ann Schnells machte. - 2. im Pl. `Verrenkungen, lustige Sprünge, ausgelassene Streiche, Späße´.

Schneppe siehe Schnappe!

schneppern swv. Obercunnersdorf, Sächs. Schweiz `schnipsen´.
schneppern siehe schnoappern!

Schnerge f. sSüdlausitz, Ostlausitz, Schlesien veralt. `Schwiegertochter´. Lautf.: Schnierge, Schnierche Anton, Schnerche Anton, Nordböhmen.

Schnerksl meist Pl. `Schnörkel: übertriebene (schneckenförmige) Verzierung´; doaas Muster hoat mer zu vill Schnerksl, auch Schnerkl.

schnettln swv. Südlausitz 1. `überflüssige Äste ausschneiden, Bäume beschneiden, ausästen´. - 2. `mit schnellen kurzen Schritten gehen, leichtfüßig fortbewegen (Gegenteil von Loaatschn)´; a schnettlte oack su fix ieber de Stroße. Lautf.: schneitln.

Schnettlreis´ch n. Niedercunnersdorf `die ausgeästeten Zweige von Nadelbäumen´; Schnettlreis´ch zun Gräberzudeckn.

Schnicke f. (ohne Art. gebraucht) `Prügel´; du wirscht glei Schnicke kriegn.

Schnickerch m. Niedercunnersdorf `junger Mann, der sich auffällig kleidet, angibt und sich zum Affen macht´.

schnickern swv. Schirgiswalde `weben´; iech gih schnickern. Das Klappern des Webstuhles nachahmend: De schnicker, de schnacke, ´s kloappert an Sacke. Siehe auch tschackern u. tschäckern!

Schnie m. `Schnee´; an Schnie-e rimsieln; grußer Schnie brengt klintsches Woasser; Wetterregel: Floigt dr irschte Schnie an Dreck, is dr Winter weg.

schniebern swv. 1. Neusorge dass. wie schniefm. - 2. Dittelsdorf `tief Luft holen und riechen´; tu oack amol schniebern, wie gutt doaas roajcht! - 3. Oderwitz `schnuffeln, schnüffeln, spionieren´; ausschniebern.

schniebln swv. `schnupfen: Schnupftabak durch kräftiges Einatmen in die Nasenlöcher einziehen´.

schniebm siehe schniefm!

Schniebäre f. `Schneebeere: Eisbeere (Frucht des Zierstrauches Symphoricarpus racemosus)´. Siehe auch Knattschbäre!

Schnieboall m. `Schneeball´ 1. wie litspr. `Kugel aus Schnee´. - 2. wie litspr. `Zierstrauch mit kugelförmiger weißer Blüte (Viburnum opulus L.)´.

Schniechl n. Lawalde, Cunewalde `dünne Schneedecke, einige Flocken; uff´m Stängln loag a Schniechl.

Schnieferch m. `Pers., die schnieft´.

schnieferch Adj. Oderwitz `verschnupft, die Nase zu habend´.

Schnieflch m. Nordböhmen dass. wie Schnieferch.

schniefm swv. `schniefen: geräuschvoll durch die Nase atmen, Nasenschleim hochziehen´; hier uf mit Schniefm, du hoast a Schnupptichl! Se schniebte an Sitzn und krigte goar nischt mih mitte. Lautf.: auch schniebm.

Schniegestäber n. `Schneegestöber´. Lautf.: Schniegestäwer.

Schniegleckl f. 1. `Schneeglöckchen (Leucojum vernum L.)´. - 2. `Märzbecher´.

Schniekiench m. 1. `Zaunkönig (Troglodytes)´. - 2. RA: sich frähn wie a Schniekiench `sich sehr freuen´.

Schniekuttl f. Jonsdorf `Schneerolle, Schneekugel aus Pappschnee (zum Schneemannbauen), Schneebatzen´.

Schniemeese f. Großschönau `Schwanzmeise (Aegithalus candatus L.)´, auch Lefflmeese Großschönau.

Schniemoan m. `Schneemann´. Lautf.: Schniemoann.

Schniemoansche f. `Schneematsch´. Lautf.: Schniemoantsche.

Schniepoantsche f. `Schneematsch´. Lautf.: Schniepoansche.

Schnieps m. `affektierter, eingebildeter Junge od. junger Mann´.

Schnierdl n. siehe Schnur(e).

Schnierdlraajn m. Spitzcunnersdorf `mittelstarker, anhaltender Regen; Landregen´. Lautf.: Siehe Schnure u. Raajn! Schnierdlraan Jonsdorf, Schirgiswalde.

schnierdln swv. Ostlausitz `verschnüren, verspannen, Schnur spannen´, alter Brauch bei Hochzeiten u. Taufen, siehe auch verschniern!

Schnierge siehe Schnerge!

Schnierleibl n. `Mieder mit festen Stäben, das durch Schnürung den Körper in eine best. Form brachte, Korsett´.

schniern swv. Neusorge dass. wie schnierdln!

Schnieschuch m. meist Pl.: Schnieschicher od. de Schnieschuh. 1. `Schneeschuh als Fußbekleidung, Schneestiefel´. - 2. `Skier´, auch Bratl.

Schnieschuhbratl n. meist Pl. dass. wie Schnieschuch 2.

Schniesl m. `unreifer, ungebildeter, unsympathischer junger Bursche im Alter von 15 bis 25 Jahren; Angeber´. Lautf.: Schneesl.

Schnieslch m. dass. wie Schniesl. Lautf.: Schneeslch.

Schniet m. `Schnitt´. 1. `das Mähen, Getreideernte´; uff´m Schniet gihn. - 2. m. o. n. veralt. `kleines Glas Bier (0,3 l), halbvoll gefülltes Glas Bier mit viel Schaum´; a trank a Seidl (0,5 l) und ann Schniet. Lautf.: Schnitt.

Schniete f. mSüdlausitz, nOstlausitz, Neukirch, Hintere Sächsische Schweiz  Dim.: Schnietl od. Schnittl `Schnitte´. 1. `(beschmierte) Brotscheibe, zwei mit den beschmierten Flächen nach innen zusammengeklappte Scheiben Brot´; anne Schniete im´s Brut rim `eine ganze Schnitte vom großen runden Brot´, du hoast ju deine Schulschniete wieder ne gegassn! RA: anne Schniete dervoone oabschneidn `etw. zum Vorbild nehmen´, aus siebm Suppm a Schnietl `ein entfernter Verwandter´; Bäh-, Bränzl-, Butter-, Wurscht-, Kase-, Quoarkschniete. - 2. `Scheibe Stollen´; Chris(t)brutlschniete. Lautf.: Schnitte sSüdlausitz, Girbigsdorf.

Schnietebank f. Obercunnersdorf `Werkbank zur Holzbearbeitung, Holzgeiß´; dr Voater sitzt uff dr Schnietebank und schnitzt ann Rechstängl. Lautf.: Schniedebank; Schnittebank Jonsdorf.

Schnietemasser n. Obercunnersdorf `etwa 40 cm langes Messer mit breiter Schneidefläche, einer gebogenen Klinge und zwei Handgriffen zum Anspitzen von Holzstielen od. Entrinden von Stämmen´. Lautf.: Schniedemasser; Schnittemasser Jonsdorf.

Schnietgerinnchte n. `gepflasterte Rinne für den Wasserabfluss; Ablaufrinne an Straßen´. Lautf.: Schniet-, Schnitt-, gerinncht(e), -gerinne; Schnittgerinne Oberlichtenau.

Schnietlch siehe Schnittlch!

Schnietnhucke f. mSüdlausitz `in ein Tuch eingepackte Schnitten zum Mitnehmen´; dr Grußvoater ging mit´n Kriegl und dr Schnietnhucke uff Oarbeit. Lautf.: Schnittnhucke.

Schnietntichl n. Neukirch  dass. wie Schnietnhucke. Lautf.: Schnittntichl.

Schnietruppm f. Oderwitz `Schneeglöckchen´.

Schnietuchse m. mSüdlausitz `erst im Alter kastriertes männl. Rind´. Lautf.: Schnittuchse.

Schniewäbe f. Oberlichtenau `Schneewehe´, auch Windwäbe. Lautf.: Schniewabe.

schnieweiß Adj. `schneeweiß, weiß wie sauberer Schnee´.

Schnifflch m. `Schnüffler; jmd., der neugierig ist und versucht, alles zu erkunden u. auszuspähen´.

Schnimse f. Neugersdorf, Cunewalde `feine, eingebildete, hochnäsige Frau´.

Schnippl m. 1. `abgeschnittenes Stückchen, Schnipsel´. - 2. `Glied eines kleinen Jungen´. Lautf.: Schniepl.

Schnipplkugl f. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Eibau, Leutersdorf `kleine Ton-, Glas- od. Steinkugeln zum Spielen´.

schnippln swv. 1. `etw. (z.B. Papier, Gemüse) in kleine Stücke schneiden, schnipseln´; iech muss noa Bunn schnippln. - 2. `beim Kartenspiel auf Stiche mit wenig Augen verzichten, um Stiche mit viel Augen zu bekommen´; iech hoa dr de Zahne rausgeschnipplt. - 3. dass. wie schnipsln 2.

Schnips m. `kleiner, rascher Schnitt´; oack ann klenn Schnips machn.

Schnipsekugl f. dass. wie Schnipplkugl.

Schnipsljoid f. `Schnitzeljagd (Versteckspiel der Kinder)´. Die sich Versteckenden kennzeichnen den Weg zum Versteck durch Säge- oder Hobelspäne. Lautf.: Schnipsljoad.

Schnipslkugl f. Neugersdorf, Cunewalde dass. wie Schnipplkugl.

schnipsln swv. `schnipseln´. 1. wie litspr. `etw. in kleine Stücke schneiden´; Bunn schnipsln od. oabschnipsln. - 2. Neugersdorf, Cunewalde, Girbigsdorf `Schnipslkugln (Tonkugeln) mit dem Finger in ein Loch (Schnippl- od. Schnipsllechl) schnipsen´. Wer zuerst alle Kugeln im Loch hat, ist Sieger. Siehe bellern!

schnirpsn siehe schnurpsn!

Schnitt siehe Schniet!

Schnitte siehe Schniete.

Schnittebank siehe Schnietebank!

Schnittlch m. nOstlausitz, Schlesien, Böhmen `Schnittlauch (Allium schoenoprasum)´, ein Würzkraut. Lautf.: Schnietlch Neugersdorf, Schnittlich, Schnietlich, Schneetlch, Schneetlich Schlesien, Schnittlooch nWest- u. Ostlausitz. Siehe auch Brieslch!

Schnitzl n. `kleines abgeschnittenes (Holz-) Stück´; Schnitzljoid `Schnitzeljagd´.

schnitzln swv. `etw. (insbes. Rüben) in kleine Stücke schneiden, an Holz spielerisch herumschnitzen´.

schnoabeliern swv. umg. `schnabulieren: mit Behagen essen´.

Schnoabl m. `Schnabel´. 1. wie litspr. - 2. `Mund des Menschen´; RA: die rädn, wie dr Schnoabl stitt.

Schnoaderch (gedehntes oa) m. nach Horst Meyer in Cunewalde `Wachholderdrossel (Turdus pilaris)´, auch Ziemer. Lautf.: Schnoadderch Cunewalde.

Schnoaderlooch (gedehntes oa) n. Neugersdorf `Kind, das ununterbrochen unwichtige Dinge erzählt´.

schnoadern (gedehntes oa) swv. Neugersdorf `ununterbrochen unwichtiges Zeug erzählen, plappern (bei Kindern), ungebremst Töne von sich geben´.

Schnoaderseff (gedehntes oa) m. Neugersdorf dass. wie Schnoaderlooch.

Schnoaderze (gedehntes oa) f. `(großes) Mundwerk, Schnattergusche´. Lautf.: Schnoadlze.

Schnoafferch m. Dim. Schnafferchl, Schnafferchn Obercunnersdorf, Neugersdorf, Cunewalde 1. `Redefluss, loses Mundwerk´. - 2. übertr. `Person, die viel quatscht u. klatscht´. - 3. `Hund, der viel kläfft´. Lautf.: Schnafferch.

schnoaffern swv. °ZI Ebersbach, Cunewalde `erregt schnattern; viel, unnütz, unfreundlich u. nörgelnd reden´; wie´ch aus`n Kraatschn koam, hättst de meine Frooe missn schnoaffern hiern. Lautf.: schnaffern Bihms Koarle.

Schnoafferze f. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach 1. `loses Mundwerk´. - 2. übertr. `Klatschweib, Schwätzerin´. Lautf.: Schnafferze.

Schnoalle f. 1. `weibl. Pers.´. - 2. veralt. Ostlausitz `Lüge, Täuschung´.

Schnoappch m. Jonsdorf `Schnapp, Biss´.

Schnoappe f. Dim. Schnappl, Schnapperchl, Schnapperchn abwert. `(loser) Mund (von ungebildeten Mädchen)´; hiel de Schnoappe! Is Schnapperchl stuppm; a Schnappl machn `den Mund (garstig) verziehen´; Abernpoappe is gutt fer deine Schnoappe.

schnoappern swv. 1. `viel reden, belanglose Dinge erzählen, plappern´; die schnoappert oalls anooch. - 2. `in den Mund stecken, essen, trinken´; de gudn Bissl hoat se schunn weggeschnoappert; ihr hoat wull schunn enn geschnoappert `ihr habt wohl schon etwas getrunken´.Lautf.: schnäppern, schneppern Oberland.

Schnoapperze f. dass. wie Schnoafferze 1 u. 2.

schnoappch Adj. Oderwitz, Spitzkunnersdorf `schnappig: kurz angebunden, schnippisch, unfreundlich´; deine Schwaster is aber anne schnoappche Ziege! Siehe auch pfeckch!

schnoappm swv. `schnappen´, neben den standardsprachlichen Bedeutungen wie `beißen, japsen, ergreifen, fangen´ mdal. auch (Spitzkunnersdorf, Oderwitz) `knipsen, Tasten bedienen, schalten´ rausschnoappm; do koannst de noa su rim und nim schnoappm, is kimmt eemol nischt Geschoits an Kastl `da kannst du noch so auf den Tasten herumdrücken, es kommt sowieso nichts Gescheites im Radio (im Fernseher)´.

Schnoaps m. Dim. Schnapsl `Schnaps´.
Schnoaps m. Bihms Koarle `Schnapp, Biss´.

Schnoapsmahrte f. verstr. Westlausitz `Schnapsmärte: altbackene Semmel, in ein Gefäß gebrockt u. mit reichlich Schnaps übergossen´. Die Semmelbrocken werden dann reihum mit der Hand herausgelangt. Lautf.: Schnoapsmährte.

Schnoapspfenngk m. Pl. Schnoapspfennge `Schnapspfennig: Geld für Schnaps, Trinkgeld; Geld, das man zusätzlich zum Gehalt, dem Lohn oder der Rente erhält´; iech wellt mer garne a poaar Schnoapspfennge zer Rente derzu verdinn.

Schnoarre f. 1. Südlausitz, msOstlausitz `Schnarre: hölzernes Lärminstrument, das auf Jahrmärkten verkauft u. von Kindern od. von Brezelverkäufern verwendet wird; Rassel, Ratsche´. - 2. Schlesien `Misteldrossel (Turdus viscivorus L.)´; vgl. Wiesnschnoarre! Lautf.: Schnärre Nordböhmen.

schnoarrn swv. 1. Cunewalde `durchdringende, sich hölzern-trocken anhörende Töne von sich geben; Geräusche erzeugen (alte Stand- und Wanduhren)´; dr Seeger schnoarrt. - 2. Jonsdorf `schreien wie ein Eichelhäher´; dr Nuhßhaajkl schnärrt und krätscht. - 3. Neugersdorf `maulen, brummen, unterdrückt schimpfen´. Lautf.: schnurrn Obercunnersdorf, schnärrn °ZI Ebersbach.

Schnoarte siehe Schnoate!

Schnoate f. Dim. Schnatl `Schnate´. 1. msSüdlausitz, Ostlausitz `Zweig zum Veredeln von Obstbäumen, Pfropfreis´. - 2. (meist im Pl.) °NOL Kollm, See `die grünen röhrenförmigen Blätter der Speisezwiebel´. - 3. Seifhennersdorf `Schnittwunde´. - 4. Cunewalde `oberster Ansatz an einer Pfeife; Mundstück an Blasinstrumenten´. Lautf.: Schnoarde, Schnoarte. Vgl. Schnatl!

schnopern swv. 1. `prüfend die Luft durch die Nase einziehen, um etw. zu riechen´. - 2. übertr. `herumspionieren, neugierig nach etw. suchen, schnüffeln´; de Schwiegermutter schnopert wieder a dr Koammer rim.

Schnuckl n. Süd- u. Ostlausitz Kosename für `Kaninchen, Schaf, hübsches Kind, Liebste, Liebster´.

schnucklch Adj. umg. `adrett, von angenehmem Äußeren, anziehend, schmackhaft´.

Schnuder m. bes. Ostlausitz `feuchter Nasenschleim´.

schnudern (gedehntes u) swv. 1. verstr. `Nasenschleim hochziehen od. ausstoßen, die Luft geräuschvoll durch die Nase atmen´; du hoast de ganze Nacht geschnoarcht und geschnudert. - 2. `reden und dabei unter Luftnot leiden´. - 3. Schlesien `Schnaufen, Schnauben (von Pferden)´. Lautf.: schnoodern Westlausitz..

schnuddlch Adj. `nicht richtig sauber, leicht angeschmutzt´.

Schnuppe f. siehe Schnuppm!

Schnuppe f. selt. Südlausitz 1. `Rüssel des Schweins, Schnauze des Hundes´. - 2. übertr. `Mundpartie des Menschen´; de Schnuppe schoabm `rasieren´.

schnuppe Adj. (nur präd.) umg. in der Wendung: doaas is mir schnuppe `das ist mir gleichgültig´.

Schnupper m. `Schnupfer: der Verbraucher von Schnupftabak´.

schnuppern swv. `stoßweise durch die Nase einatmen, schnüffeln, riechen´; dei Hund schnuppert a menner Toasche.

Schnuppersaak m. scherzh. `Gasmaske´.

Schnuppertitte f. scherzh. `Gasmaske´.

Schnuppm m. `Schnupfen´; Hustn, Schnuppm und kee Geld. Form: Schnuppe f. wSüdlausitz.

schnuppm swv. `schnupfen: Schnupftabak durch kräftiges Einatmen in die Nasenlöcher einziehen´. RA: Do hoattn se aber geschnuppt `da haben sie sich aber geirrt´. Lautf.: schnoppm.

Schnupptichl n. `Taschentuch´; nimm dr oack winngstns a Schnupptichl mit, doaaß de de Knuchn drinne heembrengn koannst! Lautf.: Schnopptichl Westlausitz.

Schnupptichvll n. `Taschentuchvoll´; a Schnupptichvll Toaler mitte hoann.

Schnupptobak m. `Schnupftabak: geriebener od. gemahlener Tabak, der im Gegensatz zu Rauchtabak in die Nase eingezogen wurde u. Niesen hervorrief´; anne Prise Schnupptobak. Lautf.: Schnupptowak.

Schnure (gedehntes u) f. Dim.: Schnierdl, Schnierchl, Schnierl (Bihms Koarle) 1. wie litspr. `aus mehreren Fäden zusammengedrehtes, rundes Band, Kordel´; RA: Doaas gitt mer ieber de Huttschnure `das ist nicht zu fassen, unglaublich´; RA: Schnure machn `sich (beim Fahren) beeilen´; RA: doaas gitt wie oan Schnierdl; RA: dar brauch Schnure `den muss man antreiben, damit etw. wird´. - 2. `Bindfaden´; ´s raajnt Schnierdl, a Schnurn gissn `stark regnen´; mach deine Schnierdl zu! `Mache deine Schnürsenkel zu!“

Schnur(e) f. Pl. Schnurchn veralt. `Schwiegertochter´. Lautf.: Schnerge Zittauer Gebirge.

schnurplch Adj. Neusorge dass. wie schnurpslch.

Schnurpsl n. `kleine, knusprige, vertrocknete, harte Stückchen zum Essen, die beim Genuss Laute von sich geben´.

Schnurpslch m. °NOL Königshain `kleiner, properer Junge´. Lautf.: Schnurpslich.

schnurpslch Adj. 1. `beim Abbeißen von hartem od. vertrocknetem Obst od. Gemüse Laute von sich gebend´; anne schnurpslche Mähre. - 2. `knusprig, scharf gebacken od. gebraten´; de Wurscht an Nudln is mer ne schnurpslch genungk.

schnurpsln swv. Oderwitz dass. wie schnurpsn; se schnurpslte de Koaffeebunn durch de Mihle.

schnurpsn swv. 1. `etw. Hartes (Obst, Gemüse) geräuschvoll essen, hörbar beißen, knirschen, zermalmen´; de Mähre reischnurpsn. - 2. `schnell von der Hand gehen, schnell zu einem Ergebnis kommen, gelingen´; woaas mei Bruder oaapackt, doaas schnurpst. Lautf.: schnirpsn.

Schnurrkute f. veralt. Großschweidnitz `Spielzeug zum Schnurren aus einem Knochen mit durchgezogenem Faden´.

Schnurrkuze f. Wehrsdorf, Weifa, Steinigtwolmsdorf `anschmiegsame Pers., die schnurrt´.

schnurrn swv. wie litspr. `schnurren´. 1. `ein anhaltendes, leises, gleichförmiges, summendes Geräusch von sich geben´; ´s Spinnradl schnurrt. - 2. `einen schnurrenden Laut von sich geben als Äußerung des Wohlbefindens´; ´s Miezekatzl schnurrt. - 3. selt. Westlausitz `betteln´; noa anner Zigrette schnurrn.

Schnute f. Dim. Schnutl nWestlausitz, nNeulausitz, nOstlausitz abwert. `Mund, verzogener Mund´; Zuckerschnutl (Kosename), Dreckschnute.

Schnutlputzer m. dass. wie Schnutlschoaber.

Schnutlschoaber m. scherzh. `Friseur, Barbier´.

Scho

Schoabegloacke f. `Schabeglocke: glockenförmiges Gerät zum Abschaben der Borsten des geschlachteten u. gebrühten Schweins´.

Schoaber m. 1. `Gerät zum Abschaben (der Borsten des geschlachteten u. gebrühten Schweins)´. - 2. `Barbier´; Schnutlschoaber, Risslschoaber, Boartschoaber.

schoabm swv. `schaben´. 1. wie litspr., Zungenbrecher aus Dittelsdorf: Soamt schoabt´ch oab `Samt schabt sich ab´. - 2. `rasieren´; de Schnuppe od. ´s Schnutl schoabm. - 3. `sehr kurzes Gras mit der Sense hauen´.

Schoadewaale `Schadewalde´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Smolnik´.

Schoadn m. `Schaden´. 1. wie litspr. `durch negative Einwirkung verursachte Beeinträchtigung einer Sache, Beschädigung, schadhafte Stelle; körperliche, geistige, gesundheitliche Beeinträchtigung, Leiden, Krankheit´; die hoat ann Schoadn `die ist verrückt´; die hoat´ch derbei Schoadn geton `die hat sich dabei verletzt´. - 2. wie litspr. `negative Folge, Nachteil´; zu Schoadn kumm; war´n Schoadn hoat, dar brauch fer´n Sputt ne surgn.

schoadn swv. iech schoad(e), du schoaddst, a schoadd, mer schoadn, iech schoadde, iech hoa geschoadd `schaden´; doaas schoadd dr nischt! Oarbeit hoat noa kenn geschoadd.

schoadlch (gedehntes oa) Adj. veralt. Ober- u. Niedercunnersdorf `schön´. Lautf.: schoate Königshainer Berge.

Schoaft m. `Schaft´, neben den litspr. Bedeutungen auch `Teil des Geschirres vom Webstuhl´.

Schoaftrahme siehe Rahme!

schoal Adj. `schal´. 1. `abgestanden, fade´; a schoales Bier. - 2. übertr. `mager, karg, nicht Gewinn bringend, ärmlich´; a schoaler Luhntag.

Schoalabern Pl. dass. wie Schälabern. Lautf.: siehe Aberne!

Schoale f. `Schale: äußere feste Hülle (von Obst, Kartoffeln), Pelle´, Pl. Schoaln `abgelöste Schalen von Kartoffeln (als Viehfutter)´; de Schoaln zun Ziegehippl schoaffm.

Schoalk m. veralt. Pl. Schalke `Schalk´. 1. Südlausitz, Bihms Koarle `Dieb´; de Schalke senn a dr Nacht wieder uff´m Feldn gewast und hoann Abern gemaust. - 2. Obercunnersdorf `Angeber, Wichtigtuer´.

Schoaloaster siehe Oaloaster!

Schoamster (kurzes oa) m. neutral bis abwert. `Liebster, (fester) Freund, Bräutigam, Freier, Liebhaber´. Lautf.: Tschoamster.

Schoamsterch (kurzes oa) m. dass. wie Schoamster. Lautf.: Tschoamsterch.

Schoandoarm(e) m. veralt. `Gendarm´. 1. `Polizist (auf dem Lande)´; Durfschoandoarm; ohne ann Schnauzboart goab´s kenn Schandorm. - 2. übertr. `strenge Ehefrau´; mei Schoandoarm is mer uff de Schliche gekumm. Lautf.: Schandoarm.

Schoar n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Schar (w.): aus Stahl od. Hartguss gefertigtes Messer am Pflug, das die Erde auf dem Furchengrund horizontal als Scholle abschneidet´; ´s Schoar hoat´r reene, anu koann´r ackern. Lautf.: Schur.

Schoarbe f. `Scharbe: Gerät aus einem etwa 1 m langem Stiel, an dem vorn ein rundes od. S-förmig gebogenes scharfes Eisen befestigt ist, mit dem man Viehfutter (insbes. Ziegenfutter: Rüben, Kartoffeln) zerkleinert´. Siehe auch Runkse! - 2. selt. übertr. `Reibeisen´. - 3. Schlesien `Schabe (Ungeziefer)´.

Schoarber m. `Person, die mit der Schoarbe (Scharbe) Kartoffeln, Rüben u. Kraut zerkleinert´.

Schoarb(e)eisn n. dass. wie Schoarbe.

Schoarb(e)foaaß n. Dim. Schoarb(e)fassl `kleines rundes Holzfass, in dem das Viehfutter (mit der Scharbe) zerkleinert wird´.

Schoarb(e)koastn m. `hölzerner Bretterkasten für mit der Schoarbe zubereitetes Viehfutter, meist Ziegenfutter´.

schoarbm swv. `Viehfutter (insbes. Ziegenfutter: Rüben, Kartoffeln, Obst) mit der Schoarbe (Scharbe) zerkleinern´; ´s Griebschzeug krigtn de Ziegehippl geschoarbt; de Klee(ne)moajd schoarbt´n Schwein(e)froaß; Äppl schoarbm. Lautf.: schoarm Westlausitz.

Schoarbmoaschine f. `einfache Maschine mit umlaufenden Schneidewerkzeugen zum Zerkleinern von Krautstrunken und Runkelrüben für das Vieh´; auch Runkse od. Riebmrunkse.

Schoardeeke (mittlere Silbe betont) f. Schimpfwort °ZI Ebersbach, Schirgiswalde `unliebsame Frau´. Lautf.: Schoadeeke Jonsdorf.

schoarf Adj. Komp. scharfer neben den litspr. Bedeutungen 1. `schnell´; dar fuhr schoarf im de Drähe. - 2. `knusprig (gebacken), stark gebräunt´; brengn oack zahn kleene Sammln mitte, aber schoarfe! - 3. selt. Ostlausitz `hart, geizig´.

Schoarlenzche f. Westlausitz `Gleichgewicht, Balance´; de Schoarlenzche verliern. Lautf.: Schoarlenze.

schoarmeziern swv. `scharmutzieren´. 1. `laut u. aufgeregt reden, lärmend schimpfen´. - 2. (verwechselt mit charmieren) `schöntun, schmeicheln, Liebeleien mit Mädchen haben´; dar schoarmeziert im jede Henne. Lautf.: schoarmziern, schirmeziern, schirmziern.

Schoarre f. `Scharre (ehemaliger Ortsteil von Hirschfelde östlich der Neiße)´.

schoarrn swv. `scharren: mit Händen, Füßen, Klauen, Krallen auf einer Fläche kratzen´; a schoarrt´ch de Stiefln reene; de Pfennge breetschoarrn `leicht das Geld ausgeben´, RA: Imsunst schoarrt keene Henne `ohne Gegenleistung tut niemand etw.´

Schoa(r)wanzn Pl. Westlausitz, Hintere Sächsische Schweiz `die als Speise zubereiteten Innereien des Rindes od. der Ziege; Kaldaunen´; moichmo oaßn se saure Schoarwanzn. Siehe auch Kuttlflecke u. Gekreese! Lautf.: Schoa(r)waanzn Westlausitz, Schoa(r)waansn Oberlichtenau.

schoarwenzln swv. `scharwenzeln: schöntun, schmeicheln, Hof machen´; im senn Meester rimschoarwenzln `seinem Meister um den Bart gehen´. Lautf.: scharwenzln; schurwenzln °ZI Ebersbach, Neugersdorf.

schoarwerkn swv. siehe schurwerkn!

Schobm siehe Schoobm!

Schof (gedehnt) n. Dim. Schafl `Schaf´. 1. wie litspr. ein Haustier; hoast de schunn de Schofe oaagepflecklt? Schofswulle, Mähschafl `Schäflein, Lamm´. - 2. Dim. Pl. Schafl `Zirrokumuluswolken´. - 3. übertr. `einfältiger, dummer Mensch´, du bist a kleenes, dummes Schof. RA: Do redd´s schwoarze Schof iebersch grooe; zwee frumme Schafl.

Schofbook m. Dim. Schofbeckl Niedercunnersdorf, Jonsdorf `Schafsbock´.

Schofgoarbe f. `Schafgarbe (Achillea millefolium L.)´, wurde früher vielseitig in der Volksheilkunde verwendet (gegen Magen-, Nieren- u. Lungenbeschwerden, wundheilend). Lautf.: Schofkoarbe Niedercunnersdorf.

Schofharde f. `Schafherde´, übertr. `Anzahl von kirchentreuen Personen´.

Schofkupp m. `Schafskopf: Kartenspiel für vier Personen´. Lautf.: Schofskupp.

Schoflader n. `Schafleder (wenig haltbar)´; RA: ausreißn wie Schoflader `schnell die Flucht ergreifen´.

Schoflamml n. Ober- u. Niedercunnersdorf, Girbigsdorf `kleines Schaf, Lämmchen´. Lautf.: Schofelamml.

schoflch Adj. umg. `schofelig´. 1. Niedercunnersdorf, Jonsdorf `kleinlich, geizig´. - 2. `niederträchtig, gemein´. - 3. Girbigsdorf `weltfremd, kleinkariert, rückständig, einfältig´.

Schofziege f. verstr. Süd- u. Westlausitz `weibl. Schaf´.

Schoo f. °ZI Ebersbach, Neugersdorf `Schau´; zer Schooe `zum Anschauen´.

Schoobe f. (Anton) `Schaube: ein Bündel Stroh´. Siehe Schoobm!

Schoobm m. `Schaub, Schauben´. 1. `Strohbund, den man aus dem Flegeldrusch gewann, um ihn dann zum Dachdecken zu verwenden; Schilfbündel´; Schoobmhäusl `strohgedecktes Haus´. - 2. übertr. `alter, schäbiger Hut´, auch Scheebl m. Westlausitz. Siehe Scheebl(ch)! - 3. übertr. `durch Aussehen, Kleidung u. Verhalten negativ von der Norm abweichender Mann; merkwürdiger Kerl´; verdrähter Schoobm.

Schoobmbude f. abwert. `Haus mit Strohdach´.

Schoobmdaach n. 1. `mit Stroh- od. Schilfbündeln gedecktes Dach´. - 2. übertr. Obercunnersdorf `Kopfhaar, dichter Haarschopf´. - 3. übertr. `alter, schäbiger Hut´.

Schoobmdecker m. `Handwerker, der das Dach mit Strohbündeln deckt´.

Schoofanster n. Oberland `Schaufenster´. Lautf.: Schaufanster.

Schoofleckl n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `sichtbarer, ins Auge fallender Teil eines Gegenstandes od. Lebewesens´. Lautf.: Schaufleckl.

Schook m. `Schock, Menge von 60 Stück´; vier Mandln Goarbm senn a Schook; RA: Do is ees dreißch und´s ander a hoalb Schook `beide taugen gleich wenig, beide sind gleich schuld´; lieber a Schook Flihe hittn; Krabse hoann mer zu Schuckn gefangn Bihms Koarle. Lautf.: Schuck, Schock, Dim. Schuckln Weifa `ein Schock kleiner Gegenstände´.

schookweise Adj. veralt. Obercunnersdorf `schockweise: sehr häufig, in großer Zahl´; unser Foamilchnnoame koam an Durfe baale schookweise vier.

schoon swv. veralt. °ZI Ebersbach, Neugersdorf , Weifa `schauen, sehen, gucken´; schoo oack, schoo! Heute wird nur noch guckn verwendet.

Schootaller m. Bihms Koarle `Schauteller, der zur Dekoration am Tellerbrett steckte; Prunkteller´.

Schorgswaale `Schirgiswalde (Stadtteil der Stadt Schirgiswalde-Kirschau im °BZ); Schorgswälder, Schirgswälder Cunewalde, Schirgswaaler Steinigtwolmsdorf, Cunewalde `Einwohner von Schirgiswalde´. Lautf.: Schirgswaale, Schurgswaale, Schargswaale Neukirch.

Schose f. 1. umg. Bihms Koarle `Sache, Angelegenheit, Vorspielung´; do goab´s ju keene Schosn; de ganze Schose wird wull ärschlch loofm. - 2. `Spaß, Scherz, lustiger Streich´.

Schosn f. Obercunnersdorf `ein überdrehtes, vom Normalen abweichendes Mädchen´; doaas is anne Schosn!

Schr

Schraajk m. `Schreck´; dr Schraajk fuhr mer bis a de gruße Zihne; mit himmltausnd Schreckn wurd´ch´s gewoahre.

Schrank m. `richtige Stellung der Zähne an der Säge´; de Saajge hoat kenn Schrank mih.

Schrankn m. veralt. wie litspr. `Schrank´; ann aaln Schrankn ausnandernahm.

Schraubmdoampfer m. °ZI Ebersbach, Jonsdorf `mit Schlüsseln aufgeschraubter Schlittschuh´.

Schreckkraut n. dass. wie Schreckkroattch!

Schreckkroattch n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)´ od. `Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea L.)´. Ein aus den Blüten gekochter Tee wurde als Heilmittel gegen Schrecknachwirkungen bei Schwangerschaft und Kindern verwendet. Das Kraut wurde auch ins heiße Kinderbadewasser gegeben. Lautf.: Schreckkroittch Ostlausitz.

Schrecktreppl Pl. Obercunnersdorf `einige wenige Tropfen, die aber den Bauern (bei der Heuernte) erschrecken´; ´s hoat oack a poaar Schrecktreppl gemacht.

Schreiber m. veralt. `Pers., die in einem Büro arbeitet´; Gemeenschreiber `Gemeindeschreiber´.

Schreiberch m. `Schreiber´. 1. `Pers., die schreibt´; dar diche Karle is a Schreiberch vun Tageblatl. - 2. `Schreibgerät, Kugelschreiber´.

Schreiberschdurf n. `Schreibersdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ort östlich der Neiße, poln. `Pisarzowice´.

schreibm stv. iech schreib(e), du schreibst, mer schreibm, iech schreeb od. schrieb, iech hoa geschriebm `schreiben´; Volksweisheit: War schreibt, dar bleibt. Lautf.: schreim Westlausitz.

schrein stv. iech schrei, du schreist, mer schrein, iech schree (Bihms Koarle), Obercunnersdorf, Niederoybin, schreeg od. schrieg Neugersdorf, Neukirch, Königshainer Berge, mer schreen (Bihms Koarle), mer schriegn Schlesien, iech hoa geschreen od. geschrien od. geschriegn `schreien´. Siehe auch bläkn und tittn!

Schriebs m. abwert. `etw. auf Papier (unsauber) Geschriebenes; Schreiben, Brief, Schriftstück´; hoast de denn Schriebs schunn furtgeschickt? Lautf.: Schrieb.

schriem, schriemsn swv. Ostlausitz 1. `schräg gehen, um den Weg abzukürzen´; zuschriem, zuschriemsn. - 2. Schlesien `mit dem Ruhrhokn (Hakenpflug) den Acker vor der Saat der Quere nach aufrühren´.

Schriet m. Pl. Schriete, Dim. Schrietl `Schritt´; RA (zu einem, der langsam läuft od. überhaupt langsam ist): heute ann Schriet, murne ann Schriet; mit ann grußn Schriet;.Scherzreim: Schriet fer Schriet, dr Oarsch giht miet.

Schrietl n. Dim. von Schrute u. Schrut Anton `Portion Speck, abgeschnittenes Stück Speck´; a Schrietl Speck. Lautf.: Schrutl, Schrätl, Schreetl.

Schroajn m. veralt. `Schragen: ein Gestell aus kreuzweise verbundenen Pfosten oder Latten als Ladentisch od. als Schlachtgestell für Kälber´.

Schroamme f. `durch Abschürfung entstandene längliche Narbe in der Haut, Wunde, beschädigte Stelle (am Möbelstück)´. Lautf.: Schrämme sWestlausitz.

schroobm veralt. `ausfegen, reinigen, auskehren, schrubben, scheuern, kratzen´; iech schroob `ich mache mit dem Schrubber sauber´.

schropm (gedehntes o) siehe schroobm!

schrumpch Adj. dass. wie schrumplch.

Schrumpl f. `Runzel, (Gesichts)falte´.

schrumplch Adj. 1. `faltig, runzelig (Haut)´. - 2. `eingeschrumpft, welk (Obst od. Kartoffeln)´.

schrumpln swv. `schrumpfen, kleiner u. dabei faltig werden´; de Äppl schrumpln schunn.

Schrut (gedehntes u) m. `Schrot´. 1a. Südlausitz `(ausgemauerter) Entwässerungsschacht für Abwässer im Rinnstein der Straße´. - b. sWestlausitz `Schacht unter dem Fußabstreicher vor der Haustür´. - c. Jonsdorf `Kerbe im Holz´; ann Schrut hackn. - 2. litspr. a. `grob gemahlene Getreidekörner´; doaas is a Bauer vu aaln Schrut und Kurn; Schrutmihle od. Schrutmoaschine, Schrutbrut `Schrotbrot: Johannisbrot´. - b. `kleine Kügelchen aus Blei für die Patronen´.

Schrutbrutl n. `aus grob gemahlenem Getreide gebackenes Brötchen (in Schneckenform)´.

Schrute (gedehntes u) f. Särichen, in der Wendung anne Schrute Speck od. Spaajk `ein größeres Speckstück´; Speckschrute. Vgl. Schrietl!

Schrutl n. Ostlausitz dass. wie Schrietl `abgeschnittenes Stückchen (Speck)´.

Schrutletter f. `Schrotleiter: zwei durch Querhölzer verbundene starke Balken´. Diese Schrotleiter diente zum Auf- u. Abladen von Fässern oder an die Wand gelehnt zum Aufhängen gebrühter Schweine. Lautf.: Schrutlitter °NOL Königshain.

Schrutn (gedehntes u) m. °BZ Sohland dass. wie Schrute; dr Hoals woar a eenzcher Schrutn Spaajk.

schrutn swv. iech schrut(e), du schruttst, iech schrutte, iech hoa geschrutt `schroten: (Getreidekörner) grob zermahlen´.

Schruz (gedehntes u) m. umg. `altes Gerümpel, Schund, Ausschuss, Abfall´.

Schu

Schub (gedehntes u) m. Dim. Schiebl, Pl. Schiebe Niedercunnersdorf, Schirgiswalde 1. in der Wendung enn uff ann Schub brengn `jmdn. zwangsweise befördern od. mit Polizeigewalt abschieben´; se fuhrn miech wie uff´m Schub heem. - 2. auch Anton `kurze Zeit, Augenblick´; iech gih ann Schub zun Voater rieber; kumm oack uff a Schiebl! - 3. `offener Kasten in Kommode, Schrank od. Tisch; Zwischenboden´. - 4. `eine bestimmte Anzahl von Menschen´; dr irschte Schub woar schunn rei, mir gehirrtn zun zweetn. Lautf.: Schubb.

Schubbfaach n. `Schubfach: Schubkasten, Tischkasten, Schublade´; de Schare leit an Schubbfache. Siehe auch Schieblch!

Schubbloade
f. Neusorge `Schublade, Schubfach´. Lautf.: Schubloade Schirgiswalde.

schubbm swv. Bihms Koarle `jmdm. einen (kleinen) Stoß versetzen (im Gedränge od. absichtlich)´; dar hoat miech an Tump geschubbt! Ihr sullt ne su schubbm! Auch schibbm.

Schubbsaak m. mwnSüdlausitz, Westlausitz, mnwOstlausitz 1. `ein Sack, in den man etwas schiebt; weite Tasche in einem Bauernrock od. anderem Kleidungsstück´, bes. die `rechte Tasche in einem Frauenrock´, verstr. auch `Hosentasche´; de Weiber griefm an Schubbsaak und goabm uns a poaar Pfaffernissl.  - 2. übertr. `unbeholfener, ungeschickter, einfältiger Mann, (der unter dem Pantoffel steht)´; törichtes Kind. Lautf.: Schubbsack Burkau, Westlausitz.

Schubs (kurzes u) m. `durch Schieben verursachter Stoß, bei dem man die Lage verändert´.

schubsn swv. dass. wie schubbm u. schibbm.

Schuch siehe Schuhch!

schuckern dass. wie schuckln.

Schuck, Schuckln siehe Schook!

schuckln swv. umg. `schaukeln, wackeln, vibrieren, schaukeln´; a dann aaln Woajn satz´ch miech ne, dar schucklt su. Siehe auch tschunkln! Lautf.: tschuckln.

Schuffe f. 1a. Ober- u. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Großschönau, °NOL Königshain `langstieliges Schöpfgefäß zum Schöpfen von Jauche od. Wasser´; auch Hitte-, Jauche- od. Jauchnschuffe; Pfitzeschuffe. - b. Seifhennersdorf `Düngerkübel´. - 2. verstr. Süd- u. Ostlausitz. a. `Brotschieber´. - b. `Schneeschieber´. - c. Leutersdorf `Holzschaufel mit langem Stiel´.

Schuffl f. °BZ Sohland, Wehrsdorf `Getreideschaufel aus Holz´.

Schuhbändl n. verstr. Cunewalde, Wittgendorf `Schnürsenkel´. Lautf.: Schuhbandl, Schuhbännl söSüdlausitz.

Schuhch (als Kehlaut, Gen. u. Dat. Sg. kurzes u) m. Pl. Schicher (kurzes i, Oberland) od. Schiecher (Jonsdorf), Dim. Schichl (kurzes i), Schiechl Jonsdorf od. Schichlche Westlausitz, Schuchl Neugersdorf, Schirgiswalde. 1. `Schuh´; Pfuckschuhch, mir is a Schuhch oabhann gekumm, du bist noa ne richtch an Schuche (kurzes u); du hoast de Schicher ärschlch oaa `du hast die beiden Schuhe vertauscht´, zun Geburtstage krigst de a poaar neue Schichl; ´s Gezehe stitt uff Schichern; Schuhchzeug. - 2. im Dim. selt. `Sturmhut, Blauer Eisenhut (Aconitum Napellus L.)´; an Blumgaartl hoann mer o Schichl od. Blooe Schichl stihn.

Schuhß m. Süd- u. Ostlausitz, Dat. Schusse `Schuss´. 1. `das Abschießen eines Geschosses od. des Fußballs, das Abfeuern einer Schusswaffe´; iech hoa noa drei Schuhß. RA: ´s woar a Schuhß an Ufm `es war erfolglos´. - 2. `eine geringe Menge einer bestimmten Flüssigkeit´; gibbst mer a Virrtchl Urnärn und ann Schuhß Wurzl reigemengt? - 3. `Quereintrag des Fadens beim Weben, das Durchwerfen des Schützens durch die Kettfäden in der Handweberei, Schussfaden´; scherzhaft über ein buntes Stück Stoff (Albert): ann grinn Schuhß und anne gaale Werfte (Verdrehung von ann schinn Gruß). - 4. in der Wendung ann Schuhß hoann `dümmlich sein, verrückt sein´. - 5. an Schusse senn `in Ordnung sein´, woaas ann Schusse hoann (haaln, brengn) `etw. in Ordnung haben (halten, bringen), funktionstüchtig sein´. Lautf.: Schuss, Schoass Westlausitz.

Schuhsenkl m. Obercunnersdorf `Schnürsenkel´.

Schuhwichse f. siehe Wichse 1!

Schukeloade (kurzes u, gedehntes oa) f. `Schokolade´; Schukeloadnzigoarrn. Lautf.: Tschukloade söSüdlausitz, Tschikeloade; Schukloade Burkau .

Schuld f. in der Fügung a dr Schuld `schuld´; war is´n nu a dr Schuld?

schuldch siehe schilg!

Schule f. 1a. `Schulgebäude mit Einrichtung u. Lehrkörper´; a de Schule gihn. - b. `Unterricht´; mer hoann oack zwee Stunn Schule heute. - c. `höhere Form der Schulbildung nach Erfüllung der Schulpflicht, Gymnasium, Fachschule, Hochschule´; a gitt uff de Schule. - d. veralt `Kinderkirchenchor, Kurrende´. - 2. veralt. `Blutschwämmchen (Kinderkrankheit in den ersten Tagen des Lebens)´.

Schulfest n. 1. `von der Schule organisiertes Dorffest (mit Umzug, Kinderbelustigungen, Adlerschießen), das aller vier od. fünf Jahre stattfindet. - 2. Obercunnersdorf, °ZI Reichenau `Semmel und Räucher- od. Mettwurst, (die es traditionell auf jedem Schulfest für jedes Kind kostenlos gab)´; iech hoa mer benn Fleescher a Schulfest gekooft.

Schulle f. siehe Tschulle!

schullern siehe tschullern!

schulln siehe tschulln!

Schulmeester m. `Schulmeister: Lehrer´; wenn´s su wetter gitt, warrn de Schulmeester fahln. `Wenn weiter so viele Kinder im Dorf zur Welt kommen, werden die Lehrer fehlen´. Lautf.: Schumeester, Schummeester Dürrhennersdorf.

Schulreese f. `Schulreise: Klassenausflug am Wandertag´.

Schulzndurf `Scholzendorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ortsteil von Karlsberg östlich der Neiße, poln. `Bartoszowka´.

schummerch Adj. 1. Wittgendorf, Girbigsdorf, Westlausitz, Mückenhain, Schlesien `schummerig: dämmrig, verschwommen´; schummerch ver´n Oogn warn. - 2. Mückenhain `schleierhaft, unverständlich´; doaas woar´n schummerch. Lautf.: schimmerch.

schummern swv. `dämmern´.

schumpern siehe tschumpern!

schun (gedehntes u) swv. `schonen´; dar schunt od. schunnt o reene nischt. Lautf.: schunn Seifhennersdorf.

schune siehe schunn!

Schunkl f. siehe Tschunkl!

schunkln swv. siehe tschunkln.

schunn Adv. `schon´. 1. wie litspr.; kimmst de o schunn? - 2. `gewiss, sicher´; doaas wird´r schunn ne machn. Lautf.: schunne Obercunnersdorf; schune °ZI Ebersbach, Spitzkunnersdorf, Seifhennersdorf; schunt ° ZI Ebersbach, Neugersdorf; schun (gedehntes u) Ostlausitz; schunde Ostlausitz um Görlitz.

Schur m. `Verdruss, Plage, Ärger, Possen, Trotz, Schabernack, Scherz´; zu Schure machn `zum Possen machen´; kenn Schur oaatun; heut gitt mer oalls zu Schure `heute gelingt mir nichts´; enn woaas zu(n) Schure machn `jmdn. absichtlich ärgern´; woaas gitt´n do zu Schure? `Was geht da vor?´ A gingk oack su zun Schure uff´s Schissn `er ging nur zum Jux od. aus Neugierde auf das Schützenfest´.
Schur f. 1. `das Scheren der Schafe´. - 2. `Kegelschub, bei dem nur der König stehen bleibt´.
Schur f. `Jour (frz.): Hausordnung, Haustour, Großreinemachen´; iech bie die Wuche mit dr grußn (Haus)schur droaa; de Schur hoann `mit der Hausordnung an der Reihe sein´.
Schur n. siehe Schoar!

Schurb m. Dim. Schirbl od. Schurbl abwert. `altes, beschädigtes, zerbrechliches (Ton)gefäß, das meist noch verwendet wird´ (z.B. Napf, Tasse, Schüssel, Topf, Krug); Krautschurb `Krautschüssel´, scherzh. Lauseschurb; iech trink ´n Koaffee oan liebstn aus menn aaln Schurbe; die Schirbl od. Schurbl koannst de zun Pulterobde mit ufwettern. Lautf.: Schirb, Scherb, Scharb, Schorb. Vergl. Scherbe!

Schurbhaufm m. Girbigsdorf `Abfallhaufen von zerbrochenem od. nicht mehr benötigtem Geschirr´.

Schurblzeug n. `altes Geschirr´.

Schurbvll m. `ein beschädigtes Gefäß (Tasse, Kanne, Schüssel, Topf) voll´; a Schurbvll Burn `eine Tasse od. ein Glas Wasser´. Lautf.: Schirbvll.

Schurf m. veralt. `(Teil von Niederoybin (Ortsteil des Kurortes Oybin im °GR)´; iech kumm aus´n Schurfe.

schurgn siehe schirgn!

Schuriglch m. `Person, die jmdn. (aus Boshaftigkeit od. Gehässigkeit) schikaniert, drangsaliert´; dar Schuriglch vu ann Nubber leid unsn Boom ne.

schuriglch Adj. `schikanierend, unbequem aufgrund von Belästigung, quälend´; a schuriglcher Meester.

schurigln swv. `schurigeln: jmdm aus Boshaftigkeit od. Gehässigkeit das Leben schwer machen, jmdn. schikanieren, drangsalieren, durch Possen ärgern´; miech schuriglt kee Chef mih. Lautf.: schirgln Seifhennersdorf.

schurn veralt. Großhennersdorf, Seifhennersdorf, Kleinschönau `schaufeln´; schure amol doaas Hoaffl im! Siehe auch ausschurn!

Schurwark n. `Nebenarbeit´.

Schurwarker m. `Personen, die eine Arbeit oder Nebenarbeit verrichten´; de Schurwarker huttn´s soat und machtn Feierobd.

schurwarkln dass. wie schurwarkn.

schurwarkn swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf 1. `handwerkliche Gelegenheitsarbeiten (ohne feste Anstellung) verrichten´; iech gih jedn Simmd schurwarkn. - 2. `körperlich schwer arbeiten, unermüdlich schuften´; iech hier se an Hause rimschurwarkn. Lautf.: schurwerkn.

schurwenzln siehe schoarwenzln!

Schurzburte f. `Stoßborte zur Schnittkantensäuberung´.

Schurzebändl n. siehe Schirzebändl!

Schurzfaal n. siehe Schirzfaal!

Schurzlader dass. wie Schirzfaal.

Schuß (gedehntes u) f.  `Schoß´. 1. wie litspr. uff de Schuß nahm `auf den Schoß nehmen´. - 2. vorwieg. Schießl m. a. `bei der Frauenkleidung an der Taille angesetzter Teil der Oberbekleidung (Schießljacke), bei der Männerkleidung im Pl. für die zwei herabhängenden Rockschöße´; Rookschießl; ´n od. de Schießl eitunkn `betrinken´. - b. dass. wie Schießlpinke `Sonntagsanzug der Männer mit langen Schößen, Gehrock´; ´n Schießl ieberziehn, Schießlrickl.

Schuschge siehe Zuschge!

Schuschinkn Pl. Deuschbaselitz dass. wie Pätschinkn.

schusln (gedehntes u) siehe rimschusln!

schuss´ch Adj. dass. wie schusslch.

Schusse f. Obercunnersdorf `Schosse: Brotschieber, an langem Stiel befindliche flache, runde Holzschaufel mit dünner Vorderkante zum Einschieben von Broten in den Backofen´; ´s Brut reecht ne, mer missn noa anne Schusse machn.

Schussee f. `Chaussee´.

Schussl m. `unachtsamer, fahriger, hastiger Mensch´. Lautf.: Schusl (gedehntes u).

Schusslch m. dass. wie Schussl. Lautf.: Schuslch (gedehntes u).

schusslch Adj. `fahrig, unaufmerksam, hastig, aufgeregt´. Lautf.: schuslch (gedehntes u) Nordböhmen.

Schusslchkeet f. `Unkonzentriertheit, Fahrigkeit´.

Schusslfahler m. `unnötiger, vermeidbarer Fehler, der durch Zerstreutheit passiert ist´.

Schusslliese, Schussl-Liese f. `unkonzentrierte, fahrige weibl. Pers.´.

schussln swv. 1. `vermeidbare, auf Unachtsamkeit beruhende Fehler machen, hastig u. gedankenlos handeln´; hätt´ch ne geschusslt, wär´sch anne Ees gewurn. - 2. `unachtsam umherlaufen´.

Schuster (kurzes u) 1. `Schuhmacher´; a is zu schwaach zun Bauern, do larnt´r lieber Schuster. - 2. abwert. `Pfuscher, oberflächlicher Handwerker, ungeschickte Pers.´; du bist mer su a Schuster!

Schusterjunge m. 1. `Schuhmacherlehrling´; Volksreim: Lisbeth, Liesbeth, Hinkebeen (Max, Dachs, Kieslsteen; Jule, Jule, Schlenkerbeen) kimmt de ganze Nacht ne heem, kimmt gepfiffm und gesungn mit´n aaln Schusterjungn. - 2. übertr. veralt. Cunewalde, Wehrsdorf, Oberlichtenau `dunkle quadratische Semmel, aus Schrot od. Roggenmehl gebackenes Dreierbrutl´. - 3. RA: ´s raajnt Schusterjungn `es regnet stark´.

schustern swv. `pfuschen, nicht fachgerecht arbeiten´; die hoat´ch ihr Oaaziehzeug oalleene zusoammgeschustert.

Schusterschemml m. `der dreibeinige runde Schemel, auf dem die Schuhmacher bei der Arbeit saßen´.

Schute f. `Schote´. 1a. `längliche Fruchthülse der Erbse (mit Kernen)´; mer woarrn uff´m Feldn Schutn mausn; Arbsnschutn. - b. `Erbsenpflanze (Pisum sativum L.)´; iech hoa Schutn gesät. - 2. `Schwindelei, unwahrscheinliche Geschichte´; derzähl ne sicke Schutn!

schuttern swv. `rütteln, schütteln, erschüttern, hörbar erschüttert werden´; uff´m Heemwaajge schutterte de Toasche ieber die saudumm Rändl.

schuttln swv. iech schuttl, iech schuttlte, iech hoa geschuttlt msSüdlausitz `schütteln´. 1a. trans. wie litspr. `jmdn., etw. anfassen u. kräfrig, schnell hin u. her bewegen, rütteln, ; mer warrn de Pflaum glei schuttln; a schuttlt se benn Huhrn. - b. refl. `sich heftig hin u. her bewegen´; dr Hund schuttlt´ch. - 2. trans. `rüttelnd von etw. lösen´; Nisse schuttln. - 3. unpersönlich mit Akk. `frösteln, schaudern, ekeln, Widerwillen erregen´; ba dann eesndn Filme hoat´s miech geschuttlt. Lautf.: schittln.

schuttn siehe schittn!

Schutz m. Pl. Schitze Seifhennersdorf `niedriger Damm im Wasser, Schließvorrichtung, Fallbrett am Mühlenwehr od. Teich´. Lautf.: Schitz. Siehe auch Schitze f. !

Schw

schwaach Adj. schwaacher, oan schwaachstn Spitzkunnersdorf `schwach´ im Gegensatz zur Litspr. in der Mundart beschränkt auf 1. `nur geringe Körperkraft besitzend, kraftlos, geschwächt, matt´. - 2. `dünn´; Volksweisheit: Butter und Quoark macht stoark, Quoark oalleene schwaache Beene.

Schwabedecke f. `Schwebedecke´ 1. `Strohlehm als Deckenputz´; a dr Kiche is a Ploaaz Schwabedecke runder gekumm. - 2. Lawalde `Sauerkraut mit gewärmten Kartoffeln oder Kartoffelbrei verrührt´. Siehe Krautmauke!

schwabm swv. `schweben´; sull mer woaas baastln, doaas kroajcht und klattert oder woaas, doaas floigt und schwabt?

Schwadl n. siehe Schwoadn!

schwadln (gedehntes a) swv. `ausgebreitet liegendes trockenes Heu zu Reihen (vor dem Einfahren) zusammenrechen´; auch schwoadn.

Schwaajgern f. `Schwägerin´.

Schwaflbande f. `üble Gesellschaft; Gruppe lärmender, allerlei Unfug treibender Kinder od. Jugendlicher´.

Schwaflhelzl n. Neugersdorf, Jonsdorf, Ostlausitz `Schwefelholz: Streichholz mit Kuppe aus Schwefel u. Phosphor, das an jeder rauen Fläche entzündet werden konnte´. Lautf.: Schwaflhilzl , Schwawlhelzl nOstlausitz.

schwafln swv. umg. `viel, gedankenlos u. unnütz reden, schwätzen´. Lautf.: schwoafln.

Schwaletät f. (meist im Pl.) Obercunnersdorf, Burkau `Schwulität: Verlegenheit, Klemme, Schwierigkeit´; a Schwaletätn kumm. Lautf.: Schwieletät Ostlausitz, Schwuletät.

Schwamml n. Kurzform von Gaalschwamml öKürzung, Ostlausitz `Echter Pfifferling´. Siehe auch Gaalhihnl!

Schwang m. an Schwange Niedercunnersdorf `in ordentlichem Zustand´; doaas Bauerngutt is gutt an Schwange.

Schwanz m. Dim. Schwänzl 1. wie litspr. - 2. mnOstlausitz `lange, schmale Reihe zusammengerechten Heues´; irscht Schwänze machn und dernoochern kippln. - 3. kee Schwanz `nichts, niemand´; iech kannte kenn Schwanz. - 4. im Dim. `am Hinterkörper spitz auslaufender Teil eines Kleidungsstückes (z.B. Mieder)´; doaas seidn Leibl hoat a Schwänzl. - 5. verstr. Westlausitz `Ende von etw.´ Lautf.: Schwaanz Westlausitz.

Schwanzgeld n. `Schwanzgeld: Trinkgeld, das der Fleischer od. Viehhändler beim Viehkauf demjenigen gab, der das verkaufte Stück Vieh (Schwein, Ferkel, Kuh, Kalb, Ochse, Schaf) bisher gefüttert und gepflegt hatte, also der Magd od. dem Knecht´. Bei Pferden auch Zoomgeld od. Hoalftergeld. Lautf.: Schwanzgald, -gaajld.

schwänzln siehe imschwänzln u. rimschwänzln!

Schwäpperch m. 1. `Person, die etw. verschüttet´. - 2a. `Schwaps´. - b. `verschüttete Flüssigkeit´.

schwäppern swv. 1. `sich in einem Gefäß (mit klatschendem Geräusch) hin- u. herbewegen; über den Rand treten, überlaufen; Flüssigkeit aus einem Gefäß verschütten´; guck uff´s Tippl, du schwäpperscht! Du hoast´n Koaffee verschwäppert. - 2. `trinken´; kumm oacke, mer schwäppern a Luder! Lautf.: schwappern Neusorge, schwoappern.

Schwar m. `Schwär: eiterndes Geschwür, Eiterbeule, Furunkel´; aus dann Schware koam lauter Etter.

schwär Adj. schwerrer, oan schwerrschtn `schwer´. 1. wie litspr.; de Schuloarbeitn warrn immer schwerrer, de schwerrschte Oarbeit krieg immer iech ufgehoalst. - 2. `wassergesättigt, feucht´; iech krieg goar kenn Odn, de Luft is su schwär. Lautf.: schwier Schirgiswalde, Hinterhermsdorf, Ostlausitz.

schwarch Adj. Niedercunnersdorf, Cunewalde `eitrig´.

schwarn stswv. Großschönau, Jonsdorf, Burkau iech schwar(e), du schwarscht, mer schwarn, iech schwur od. schwarte, iech hoa geschwurn Niedercunnersdorf od. geschwarn Ohorn `eitern´; dar Schiefer an Finger muss ausschwarn. Lautf.: schwiern öSüdlausitz, Ostlausitz, Nordböhmen; de Bluttern toatn schwiern ` die Pocken eiterten´ Niedercunnersdorf od. schwarn Großschönau.

Schwarte f. `Schwerta´, ab 1935 `Schwertburg´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Świecie´; a kuhrt eim Kirchkraatschn ei dr Schwart ei. Lautf.: Schwart, Schwoarte.

Schwartelei f. Neugersdorf `Leserei (von minderwertiger Literatur)´.

Schwartl siehe Schwoarte!

Schwartllecker (gedehntes a) Westlausitz `Schmeichler´.

schwartln swv. dass. wie schwoartn!

Schwaster f. Dim. Schwasterchl, Schwasterchn `Schwester´; de Gitte, doaas is menner Schwaster Toachter `die Brigitte, das ist meine Nichte´; menner Froon Schwaster Kind `meine Nichte, mein Neffe´; anne woarme Schwaster `eine homosexuelle weibl. Pers.´.

Schwastersuhn m. `Sohn der Schwester: Neffe´.

Schwastertoachter f. `Tochter der Schwester: Nichte´.

Schweef m. `Schweif, Schwanz (beim Pferd)´; Pfaar(e)schweef.

Schweefbratl n. Neueibau `Schweifbrett: feste Trittfläche in Form eines oder mehrerer Bretter, die am Rande der Bach angebracht werden und nicht selten ein Stück über das Gewässer reichen, um die Wäsche zu spülen oder Wasser zum Gießen zu schöpfen. Häufig befindet sich vor oder unter dem Schweifbrett eine Scheppe, eine Schweefe oder ein Tump.

Schweefche f. Oderwitz `das Schweifen mit einer Flüssigkeit, Spülung´; is Ruhr is immer noa versackt, de Schweefche hoat nischt gebrett. Siehe Heemschweefche!

Schweefe f. veralt. `Schweife: Abschnitt des Baches, an dem man früher die Wäsche mehrmals hin- und herzog und spülte´; meine Grußemutter gingk noa mit dr Wäsche oa de Scheppe zer Schweefe.

schweefm swv. `schweifen´. 1. Süd- u. Ostlausitz `spülen´; de Grußemutter schweefte de Wäsche noa a dr Baach; ´s ganze Harzeleed durch de Kahle schweefm `den Liebeskummer mit Alkohol ertränken´. - 2. refl. `sich mit viel Wasser reinigen´; mer schweeftn´ch under dr Plumpe oab; durchschweefm.

Schweefwoasser n. `Spülwasser´. Siehe auch Spielcht!

Schweednsteen m. `Schwedenstein (Berg und Mittelpunkt in der Westlausitz)´.

Schweenz f. `Großschweidnitz mit Kleinschweidnitz´ (Gemeinde im °GR); wenn de su wetter machst, kimmst de a de Schweenz `wenn du so weiter machst, kommst du in die Psychiatrie Großschweidnitz´; de Schweenzner `die Einwohner von Groß- u. Kleinschweidnitz, Patient der Psychiatrie Großschweidnitz´; unser Gaartl is an Schweenzner Sträuchern. Siehe auch Seidnschwanz!

Schweeß m. `Schweiß´; doaas hoann mer´ch mit sauern Schweeße verdinnt.

Schweeße f. Spitzkunnersdorf `Schmeißfliege´; dr Scheißhaufm is vuler Schweeßn. Siehe Schmeeße!

schweeßgeboadt Adv. `wie in Schweiß gebadet, schwitzend´.

schweeßn swv. verstr. nSüd- u. Westlausitz `aufschneiden, lügen´. Siehe auch spreeßn!

Schweeßwurscht f. sSüdlausitz `Blutwurst´; Schweeßwirschtl n. Jonsdorf `Blutwürstchen´.

Schwein n. Dat. Pl. Schwenn (Oberland), Schwann (Seifhennersdorf, Zittauer Gebirge) 1. `wie litspr. `Hausschwein´; du frisst wie a Schwein; woaas willst´n du mit dan beedn Schwenn? Wenn einer gegen seinen Willen mit Du angeredet wird, antwortet der: „Iech hoa ne mit dir Schweine gehitt!“; RA: Do wird´s Schwein a dr Pfoanne verrickt `rebellisch machen, aufbegehren´; Schweinebrotn, Schweinschlachtn, Schweinstoal; wu a Schweineschwänzl wackln tutt, is Koarle o. - 2. übertr. auf Personen: dreckches, dummes, schwoarzes Schwein; doaas gleebt kee Schwein `das glaubt niemand´. Siehe Hausschwein! - 3. umg. `Glück´; su a Schwein misst ees hoann.

Schweineabern Pl. `Futterkartoffeln für Schweine u. anderes Vieh´, dazu werden kleine oder beschädigte Kartoffeln verwendet. Lautf.: siehe Aberne.

Schweineboajttl m.`schmutziger Mensch, Schmutzfink´. Lautf.: Schweineboa(r)ttl.

Schweinefassl n. selt. `Schweinetrog: Gefäß für Küchenabfälle u. Speisereste´.

Schweinefeierche f. Westlausitz `Schlachtfest´.

Schweinehrn `Schweinerden (Ort der Gemeinde Panschwitz-Kuckau im °BZ)´.

Schweinehund m. Schimpfwort für eine `niederträchtige Person´; die Schweinehunde hoann uns is Bauerngutt weggenumm!

Schweinekoastn m. `aus Brettern u. Latten stabil gebauter Transport- u. Wiegekasten für Schweine´.

schweinern swv. 1. `anhaltend regnen (vermischt mit Schnee)´; guck oacke amol raus, wie´s schweinert! - 2. `schmutzig machen, kleckern, mit der Fütterung unachtsam umgehen´.

Schweineschlachtn n. `Schlachtfest´. Lautf.: Schweinschlachtn.

Schweineschneider m. `Mann, der die männl. Ferkel u. andere männl. Jungtiere (Schafe, Ziegen, Kaninchen) kastriert´.

Schwein(e)schneidernoht f.. Westlausitz `mit großen, groben Stichen genähte Naht´.

Schweineschrut m. `fein geschrotenes Getreide (meist Gerste od. Hafer), das als Mastfutter für Schweine verwendet wird´.

schwemm swv. `schwemmen: mit viel Wasser spülen, schwimmen, baden´; de Ee-er schwemm `die Eier schwimmen lassen´. Am 17. Bruttag lässt man die Eier in einer Schüssel mit handwarmem Wasser schwimmen. Befruchtete Eier beben leicht und die unfruchtbaren werden aus dem Brüter entfernt´.

Schwemme f. 1. `Spülbad, Badewasser´. - 2. `mit Wasser gefüllte Mulde zum Pferdewaschen´.

Schwengl m. n. `Schwengel´. 1a. `beweglicher stangenähnlicher Teil (der Wasserpumpe)´; Plumpeschwengl od. Plumpmschwengl. - b. Obercunnersdorf, Jonsdorf `Klöppel (der Glocke)´. - 2. `Geschlechtsteil des Hengstes, männl. Glied´.

Schwenke f. smSüdlausitz, sOstlausitz, Bihms Koarle `Schaukel, schwingendes Holzbrett mit zwei Stricken´. Siehe auch Tschunkl u. Schleuder!

Schwenker m. veralt. 1. `langer Gehrock des Mannes, aus schwarzem Tuch, dessen Schoßteile bis an die Waden reichten u. der nur zu bes. festlichen Anlässen getragen wurde´. - 2. `Fortbewegung mit Richtungsänderung, Schritt nach links od. rechts, ungradliniger Gang, ungleichmäßige Fahrt´.

Schwenkerch m. dass. wie Schwenker 2; se machte ann Schwenkerch Kursch (Kurs) Goaartn.

Schwenks m. `Fortbewegung mit Richtungsänderung, ungradliniger Gang, Umweg´; mer missn ann Schwenks ieber´n Baumoarcht machn.

schwenkn swv. `schwenken, schwingen´. 1. `auf einer hängenden Schaukel schaukeln´. - 2. `schunkeln; nach links u. rechts, auf- u. ab-, vor- u. zurückschwingen (beim Wiener Walzer); tu oack uff´m Wiegepfard ne goar su schwenkn! De Jungn brauchn´ch ne kauern, die hoann woaas zun Schwenkn. - 3. `tanzen´; ´is Tanzbeen schwenkn `das Tanzbein schwingen´, iech hoa naajchtn de Frooe wieder amol ausgeschwenkt. - 4. `abbiegen´; mer schwenkn irschtert amol zun Fleescher. Siehe auch imschwenkn u. rimschwenkn!

Schwepnz `Schwepnitz (Ort und Gemeinde im °BZ)´; de Schwepnzer `die Einwohner von Schwepnitz´.

schweppern siehe schwäppern!

schwer (gesprochen schwär) siehe schwär!

schwickn swv. Lawalde, Neugersdorf dass. wie schwicksn.

Schwicke f. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Cunewalde `unbestimmte Anzahl, Menge´; do kimmt anne ganze Schwicke; iech hoa anne ganze Schwicke oabgenumm.

Schwicker m. veralt. Spitzkunnersdorf `Frack mit abstehenden Schößen´; dar hoat ann Schwicker oaa. Lautf.: Schwickser.

schwickn swv. Südlausitz dass. wie schwicksn.

Schwicks m. Obercunnersdorf `leichter Schlag (mit der Peitsche)´; Schwickse kriegn `Hiebe mit der Peitsche od. Rute bekommen´.

Schwickse f. 1. `die an das Ende des Peitschenriemens angeknüpfte dünne, etwa 15 cm lange Schnur, die aus fest gedrehtem Bindfaden besteht u. mit Knoten versehen ist´. Siehe auch Schmirze! - 2. Cunewalde, Burkau `Hiebe, Prügel (mit der Peitsche od. Rute)´.

schwicksn swv. `mit der Gerte, der Peitsche schlagen, knallen, prügeln´; mit´n Uchsnziemer heemschwicksn.

schwiemln swv. selt. `schweben, durch die Luft bewegen, schwanken, hin und her bewegen, taumeln, von einem Wirtshaus ins andere torkeln´; dr Rooch schwieblt im de Noase. Lautf.: schwiebln.

schwier siehe schwär!

schwiern stv. iech schwier(e), du schwierscht, mer schwiern, iech schwur, iech hoa geschwurn `schwören´; du schwierscht ´n Teifl a Been atzwä `du lügst´.
schwiern siehe schwarn!

Schwiete f. Obercunnersdorf, Bihms Koarle `Lügengeschichte, unglaubliche Begebenheit, Ausrede´; derzähl ne sicke Schwietn! Mach oack keene Schwietn! Lautf.: Schwitte Neukirch, Burkau, Westlausitz.
Schwiete siehe Schwoite!

Schwiegermutter f. wie litspr. RA: De Schwiegermutter is ´n Teifl sei Underfutter.

schwimm stv. iech schwimm(e), du schwimmst, mer schwimm, iech schwoamm od. schwoam (gedehntes oa), mer schwoamm od. schwumm Seifhennersdorf, iech bie geschwumm `schwimmen´.

Schwimmbettl n. `Schwimmkissen: aufblasbare Schwimmhilfe (im Doppelpack)´.

Schwinde, Schwindl siehe Schwinge!

Schwindekirbl siehe Schwingekirbl!

Schwinderch m. Neugersdorf, Neukirch, verstr. Westlausitz `heftiger, unvermuteter Stoß´.

Schwinderling(k) m. Obercunnersdorf, Anton `heftiger, unvermuteter Stoß, Schlag; Ohrfeige´.

Schwinge f. Dim. Schwingl `Korb´. 1. `geflochtener ovaler Korb ohne Bügel mit flach gewölbtem Boden´ (aus Weide, Fichtenspänen od. aber auch aus Wurzelspänen geflochten, an den Schmalseiten manchmal mit Grifflöchern versehen; wurde vorwieg. beim Füttern der Pferde benutzt); Hoaberschwinge; Dingerschwinde. - 2. `flacher, halbkugeliger od. ovaler Handkorb mit Bügel´ (diente bes. zum Kartoffel-, Steinelesen, zur Gartenarbeit od. zum Essentransport); siehe auch Schwingekirbl u. Bieglschwinge. - 3. Wehrsdorf `dreiseitig eingefasster u. einseitig offener Holzkasten als Transportgefäß´. Lautf.: Schwinde, Schwindl Ostlausitz.

Schwingekirbl n. `flacher, halbkugeliger od. ovaler Handkorb (mit Bügel)´, diente bes. zum Kartoffel- u. Steinelesen, zur Gartenarbeit od. zum Essentransport. Lautf.: Schwinge-, Schwinde-, Schwing-, -kirbl, -kurbl, -kerbl, -karbl, -koarbl.

schwippch Adv. Obercunnersdorf, Wittgendorf, Zittauer Gebirge, öKürzung `schwindelig, beklommen ums Herz, schlecht, übel (vor Angst)´; do wurd mer schwippch.

Schwippe, Schwippl siehe Schwuppe!

schwippm siehe schwuppm!

Schwirre f. 1. Ober- u. Niedercunnersdorf, Wittgendorf `hohe Geschwindigkeit´; anne schiene Schwirre druf hoann. - 2. Niedercunnersdorf, Lawalde, Cunewalde `unbestimmte Anzahl, größere Menge´; anne Schwirre Vogl `ein Schwarm Vögel´. RA: a dr Schwurre hoann `unter (strenger) Aufsicht haben´. Lautf.: Schwurre.

Schwittch m. selt. `Tunichtgut, Strolch´.

Schwitzer m. 1. `Strickjacke; dicker, aus Wolle gestrickter Pullover; Sweater´; hoast de schunn Hosn und Schwitzer (werden häufig gemeinsam genannt) eigeschoafft? - 2. Waltersdorf `aus Wolle gestrickte Weste´.

Schwitz(e)koastn m. Dim. Schwitz(e)kastl n.`Kasten mit Wärmestrahlern, in dem Grippekranke oder Erkältete zum Schwitzen gebracht werden´; RA: enn ann Schwitzkoastn nahm `den Kopf einer Person unsanft unter den Arm zwängen´.

Schwoabbe f. Süd- u. Ostlausitz `weibl. Person, die (mit anderen Frauen) viel quatscht; redselige weibl. Person; Schwätzerin, Klatschbase´.
Schwoabbe f. verstr. Süd-, West- u. Ostlausitz `dicke Frau, bei der es schwoabblt´.

Schwoabberch m. `überalterter, schwabbeliger Pilz´; Groasschwoabberch.

schwoabberch Adj. `schwabbelig: weich, weichlich (u. wackelnd), gallertartig; aufgequollen, fett´.

Schwoabberguschl n. `kleiner Mund, der viel redet´.

schwoabbern Bihms Koarle dass. wie schwoabbm `tratschen´.

Schwoabberze f. Südlausitz `Klatschbase´.

Schwoabblch m. dass wie Schwoabberch.

schwoabblch Adj. dass. wie schwoabberch.

schwoabbln swv. `weich sein u. wackeln´.

schwoabbln swv. Schlesien dass. wie schwoabbm.

schwoabbm swv. Südlausitz, °NOL Wiesa `tratschen, (viel unnötiges, belangloses Zeug) reden´; de niedereckchn Weiber stihn oan Burne und schwoabbm; do hoann se su geschwoabbt, doaaß se´s Bezoahln vergassn huttn. Vgl. schwoappm!

Schwoabbweiber Pl. `Frauen, die viel tratschen; Klatschbasen´. „Nu is die o schunn su weit?“ froitn´ch de Schwoabbweiber.  Siehe Schwoabbe!

Schwoabe f. `Schwabe´. 1. `Bewohner des Schwabenlandes´. - 2. `Küchenschabe´; de Kiche is vuhler Schwoabm und Russn.

Schwoade f. dass. wie Schwoadn.

Schwoadn m. Dim Schwadl `Schwaden´. 1. wie litspr. `in der Luft treibende wolkenähnliche Zusammenballung von Dunst, Nebel od. Rauch´. - 2. wSüdlausitz `(über die ganze Länge des Feldes od. der Wiese sich hinziehende) Reihe des gemähten Getreides od. Grases´; Schwadl od. Schwoadn rechn. - 3. `lange, schmale Reihe zusammengerechten Heues´. Siehe auch Doamm, Schwanz, Zeile u. Zulker!

schwoadn swv. dass. wie schwadln.

schwoafln (gedehntes oa) siehe schwafln!

schwoalbm swv. `schwalben´, in den Fügungen enn a poaar od. eene schwoalbm `jmdm. eine Ohrfeige geben´.

Schwoalbmschwanz m. `Schwalbenschwanz: das in der Mitte gespaltene Rückenteil eines taillenlangen Gehrocks mit knielangen Schößen´.

Schwoamp m. `Schwamm´. 1. wie litspr. `Tafelschwamm, Badeschwamm´. - 2. `Hausschwamm ((Merulius lacrimans); Löcherpilz, der die hölzernen Bauteile von Häusern befällt u. zerstört´. - 3. selt. `minderwertiges Zeug, Plunder´; ´n ganzn Schwoamp tät´ch zo Scharbm schmeißn. - 4. siehe Schwamml!

schwoan swv. umg., nur unpersönlich gebraucht `schwanen: ahnen´; mer schwoant nischt Gutts `ich ahne nichts Gutes´.

Schwoappe f. Ostlausitz, Schlesien `Ohrfeige´.

Schwoapperch m. `eine unbestimmte Flüssigkeitsmenge, die geschüttet wird´; mer trinken hinte wieder ann Schwoapperch Bier. Lautf.: Schwäpperch.

schwoappern siehe schwäppern!

schwoappm swv. 1. `schwungvoll (Wasser) schütten´; iech hoa ´n Eemer glei a de Baach geschwoappt, ausschwoappm. - 2. in der Wendung eene od. a poaar schwoappm `jmdn. ohrfeigen´. Vgl. schwoabbm!

Schwoaps (kurzes oa) m. `(schwungvoll hingeschüttete) kleine Menge Flüssigkeit od. Brei; Spritzer´; mir ann Schwoaps, dir ann Schwoaps, heute hoann mer Abernpoaps; ann Schwoaps od. Schwups Koaffee. Lautf.: Schwups Bihms Koarle, wSüdlausitz, Westlausitz.

Schwoarte f. Dim. Schwartl `Schwarte´. 1a. `dicke zähe Haut am Schweinefleisch, Speck od. Schinken´; RA: dann hoann se a Schwartl durch´s Maul gezoin `den hat man über den Löffel balbiert´. Dir woarrn se o noa amol is Schwartl durch de Noase ziehn `dich werden sie auch noch klein kriegen´. - b. abwert. `Haut des Menschen´; RA: hungern, doaaß de Schwoarte kracht. - 2. übertr., abwert. a. `Buch´; die aale Schwoarte hoa´ch an Ufm gefladert. - b. `erstes und letztes Brett beim Sägen eines Stammes in Bretter, Abfallbrett´. - c. nur im Pl. `Skier´.

Schwoarte f. siehe Schwarte (Ort östlich der Neiße).

schwoartn swv. abwert. `ununterbrochen (ein Buch) lesen´.

schwoarz Adj. Komp. schwarzer `schwarz´; soamtschwoarz, schwoarz wie de Nacht `stockdunkel´, schwoarz wie Schusterpaajch.

Schwoarzbächl n. `Bad Schwarzbach´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ort am Berg Heufuder, poln. `Czerniawa Zdroj´. Südöstlichster Ort des historischen Markgraftums Oberlausitz.

schwoarze Tunke f. dass. wie Schwoarztunke.

schwoarze Wurscht f. dass. wie Schwoarzwurscht.

Schwoarzmoler m. `Schwarzmaler: Pessimist, Miesmacher, Griesgram, Nörgler´.

Schwoarzpoapl (gespr. Schwoarzboaabl) f. Großschönau `Schwarz-Pappel: Pyramiden-Pappel (Populus nigra)´. Lautf.: Schwoarzpoappl.

Schwoarztunke f. verstr. 1. `Gänseklein mit einer säuerlich zubereiteten Soße aus Gänseblut´, dazu Kartoffelbrei. - 2. Ostlausitz `Tunke aus Pflaumenmus´.

Schwoarzwistlch m. Großschönau `Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)´. Lautf.: Schwoarzwisplch Weifa.

Schwoarzwurscht f. verstr. Jonsdorf `Blutwurst´.

Schwoger m. `Schwager´.

Schwoide f. Niedercunnersdorf `linke Seite´; dar sull oack de Abern vu dr Schwoide nahm.

schwoide Interj. Bihms Koarle, Schönau-Berzdorf, Girbigsdorf, Neusorge `nach links! Links herum!´ Befehlswort, mit dem die Zugtiere nach links gelenkt werden; hutt(e) und schwoide `rechts u. links´. Lautf.: schweede Obercunnersdorf, schwude mOstlausitz, schwuide nOstlausitz. Siehe auch wieste u. hiehar!

schwoiderim Adv. `linksherum´.

Schwoite f. veralt. Niedercunnersdorf `unbestimmte Anzahl´; anne Schwoite Jungn. Lautf.: Schwiete Ostlausitz, Schwitte Nordböhmen.

Schwuchte f. Niedercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `eine unbestimmte Menge, Anzahl´, anne Schwuchte Summergäste, anne Schwuchte Zeug.

Schwuchtl f. `(weibl.) Pers., die herumzieht und sich mit Männern herumtreibt´.

Schwuchtlbruder m. verstr. `leichtsinniger, liederlicher Kerl, der sich viel mit dem weibl. Geschlecht abgibt´.

Schwuchtlch m. `männl. Pers., die sich mit Frauen herumtreibt´.

schwuchtln swv. `schwofen, tüchtig tanzen, in großer Lust umherspringen, gern fortgehen, herumschwänzeln, sich herumtreiben mit Männern od. Frauen, sich einen Sexpartner suchen´;  zun Sunntche wurde gehierch geschwuchtlt.

schwude, schwuide siehe schwoide!

Schwudergusche f. öOstlausitz am Queis `großes Mundwerk´.

schwudern swv. veralt. `viel reden, schwatzen´, auch schwadern.

Schwuletät siehe Schwaletät.

Schwulst f. `Geschwulst, Schwellung´.

schwummerch Adj. Obercunnersdorf, Bihms Koarle, Burkau `düster, unheimlich, bange, beklommen, benommen, schwindlig, unwohl, übel, ängstlich zumute´; murne hoa´ch Exom, wenn droaa denke, wird mer ganz schwummerch.

Schwumpse f. Obercunnersdorf `Prügel, Hiebe, Schläge´; wenn´ch heemkumm, satzt´s oack wieder Schwumpse. Lautf.: Schwumse.

schwumpsn swv. 1. Neugersdorf `bewegen, laufen, gehen´; do kimmt se oaageschwumpst. - 2. Dittelsdorf `mit Schwung oder Kraft sich od. etwas bewegen, hauen´; a(r) toat´ch as Bette neischwumpsn, mit´n Knittl a de Leute schwumsn. - 3. siehe zerschwumpsn! Lautf.: schwumsn Neusalza-Spremberg.

schwupp de wupp Adj. `plötzlich, jäh, sehr schnell´; schwupp de wupp, furt woar e.

schwuppch Adj. Oderwitz `lang u. dünn´ od. `federnd, schwankend (wie eine Schwuppe)´; die is aber schwuppch gewachsn! Mer woar a bissl schwuppch `ich war ein wenig betreten´.

schwuppdich Adj. dass. wie schwupp de wupp; und schwuppdich, woar dr Junge im de Hausecke rim.

Schwuppe f. Dim. Schwippl 1a. `langer, dünner, federnder Zweig; biegsame Gerte, Rute´. - b. `Peitsche´. - c. veralteter Brauch: `Lebensrute (aus Birke, Weide oder Hasel) mit der man heiratsfähige Mädchen od. junge Frauen zu Fastnacht, Lätare, Gründonnerstag od. Ostermontag schlug od. berührte, um die Lebenskraft u. Fruchtbarkeit des Triebes auf die menschliche Person zu übertragen; Frischegrünpeitschen´; siehe auch Schmackustern! - 2. übertr. `lang aufgeschossene (weibl.) Pers.´. Lautf.: Schwippe Burkau.

schwuppm swv. 1. `etw. Biegsames (z.B. eine Gerte od. eine Peitsche) durch die Luft schnellen lassen´; Äppl schwuppm od. schwippm. - 2. `federn, wippen, schwanken, (auf dem Aste) schaukeln´; ieber doaas Bratl loof´ch ne, doaas schwuppt mer zu sihre. - 3. Westlausitz. geschwuppte od. geschwippte vull `(mit Wasser) gestrichen voll; randvoll´ Lautf.: schwippm nwSüdlausitz, Westlausitz.

Schwups m. siehe Schwoaps!

schwups Adj. `mit Schwung schüttend´.

schwupsn swv. Wittgendorf `eine Gerte od. Peitsche durch die Luft schnellen lassen; jmdn. mit der Schwuppe schlagen´; iech hoa die Saukarln urndlch durchgeschwupst. Siehe auch schwuppm u. schwicksn!

Schwurre f. siehe Schwirre!

Schwuz (gedehntes u) m. 1. Cunewalde, Neukirch, Burkau, Westlausitz `ein Schwapp Flüssigkeit´; iech hoa glei ann Schwuz Imi as Woasser geschwoappt. - 2a. selt. `unbrauchbares Zeug, Schund´. - b. selt. `schlechtes Essen´.

Schwuze (gedehntes u) f. wSüdlausitz, sWestlausitz 1. `Durchfall (bei Kälbern u. Kühen)´. - 2. `dünne Suppe, dünner Kaffee´.

schwuzn (gedehntes u) swv. Steinigtwolmsdorf Westlausitz 1. Neugersdorf, Burkau, Sächs. Schweiz `schwappen, (Flüssigkeit) schütten, gießen; (Wasser) verschütten´; a schwuzte sei Bier undern Tiesch. - 2. Burkau `(beim Durchfall) dünnen Kot entleeren, verspritzen´.

se Personalpron. unbetont, siehe sie!

Seboaste (gedehntes e) f. veralt. `Zwangsversteigerung, Verkauf´; ´s koam zer Seboaste. Lautf.: Sebaste.

sech (kurzes e) Adv. mwSüdlausitz dass. wie seck.

Sechser m. veralt. `Sechspfennigstück´, übertr. `Fünfpfennigstück´.

Sechsersamml f. veralt. `Semmel für sechs bzw. fünf Pfennige´.

Sechsnsechtscher (gespr. Secksnsechtscher) veralt. `66er: beliebtes Kartenspiel für 2 bis 4 Pers., bei dem derjenige gewinn, der zuerst 66 Augen erreicht´.

Sechspfinder m. `Sechspfundbrot´.

Sechswechnern f. `Sechswöchnerin´. Nach der Geburt des Kindes durfte die Kindmutter ihr Haus sechs Wochen nicht verlassen.

sechte Adj. Jonsdorf, Nordböhmen `seicht: flach, sanft, allmählich, sacht´.

seck Adj., Adv. veralt. mwSüdlausitz `zu jener Zeit, damals, einst, seinerzeit´; ´s woar seck (od. sech) a dann raajcht troign Juhre; ´s woar sech, (wie dr Mutter dr Seechtoop atzwä gingk); de seckn Leute huttn durte a schie Häusl `die seinerzeit lebenden Leute hatten dort ein schönes Häuschen´; seck wie de Grußemutter noa labte. Lautf.: sech; saajch Seifhennersdorf.

sedd siehe senn!

See `See (Ort der Stadt Niesky im °GR)´; de See-er `die Einwohner von See´.

Seebm in der Interj. menner Seebm siehe mei 3! Lautf.: Seem; Siebm Bihms Koarle.

Seechbichse (kurzes i) f. scherzh. bis abwert. `weibl. Person, kleines Mädchen´; dar hoat oack Seechbichsn derheeme.

Seechblume f. Dim. Seechblieml  Westlausitz `Acker-Hornkraut (Cerastium arvense L)´. Außerhalb der Oberlausitz auch Wiesenschaumkraut, Buschwindröschen oder Acker-Skabiose.

Seeche f. vulgär 1. `Urin´; Seechneegl `Urinpfütze (im Nachttopf des Kindes)´.  - 2. `Bett´; RA: ne aus dr Seeche kumm `nicht aus dem Bett kommen´.

seechern swv. in der Fügung miech seechert´s `ich muss Wasser lassen´.

Seechfetzl n. scherzh. bis abwert. Niedercunnersdorf, Oppach `kleines Mädchen´; die hoann schunn drei Seechfetzl und ann Bognseecher derheeme.

Seechgassl n. scherzh. Dittelsdorf `schmaler Weg zwischen (zwei) Häusern´.

Seechgleckl n. 1. `Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris Garcke)´, harntreibende Wirkung; auch Tschorlegleckl, Schullgleckl Demitz-Thumitz, Woassergleckl Oppach. - 2. Wilthen `Gefüllter Knöllchensteinbrech (Saxifraga granulata)´, auch Woasserblieml.

seechloo Adj. `lauwarm (Flüssigkeiten) wie der Urin´; dr Koaffee is seechloo. Lautf.: seechlau.

Seechlumpm m. verstr. Niedercunnersdorf, Bertsdorf, Ostritz `Windel´.

seechn swv. `urinieren´; RA: Iech schloi dch, doaaß (bis) de Äle seechst; mir is, oas hätt mer a Engl uff de Zunge geseecht (Ausruf, wenn man halb verdurstet ein Bier trinkt.); die macht ne oack de Beene breet zun Seechn `die hat nichts gegen einen Geschlechtsverkehr´; Volksreim: Zu dan bissl Seechn wird de Zeit schunn reechn; friher hoann mer o geseecht, do hoat de Zeit ju o gereecht.

Seechniern Pl. abwert. `Nieren, die beim Zubereiten unangenehm riechen´; wenn meine Frooe Seechniern koacht, stinkt´s an ganzn Hause.

Seechomse f. `Ameise, (die Ameisensäure verspritzt)´; miech hoat anne Seechomse oaageseecht, doaas tutt wih.

Seechomsnhaufm m. `Ameisenhaufen´.

Seechplätsche (kurzes ä) f. söSüdlausitz `Nachttopf´, auch Seecherplätsche.

Seechsauln Pl. scherzh. bis vulgär `(dicke) Frauenbeine´. Lautf.: Seechsäuln.

Seechtch n. `Seihtuch: Tuch, durch das man die frisch gemolkene Milch gießt, um Verunreinigungen zu entfernen´. Lautf.: Seechtsch Spitzkunnersdorf, Seitich, Sechtsch (kurzes e) Nordböhmen, Seechts´ch, Seegch, Seecht, Secht, Seegertichl, Seegertuch, Seegtichl Niedercunnersdorf, Girbigsdorf, Seeg- od. Seechtuch Wittgendorf, Seegetichl Cunewalde.

Seechtoop m. dass. wie Seecherplätsche.

Seechzeug n. vulgär `vordere Hälfte des Unterleibs, Organ zum Urinieren, Geschlechtsteil´; die hoann´ch ´s Seechzeug zusoammgestackt `die haben miteinander geschlechtlich verkehrt´.

Seednbarg `Seidenberg´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörende Stadt östlich der Neiße, poln. `Zawidow´; de Seednbarger `die Einwohner von Seidenberg´. Lautf.: Seidnbarg.

seefch Adj. `seifig´ 1. Jonsdorf, Oberlichtenau, nOstlausitz `wässrig u. glasig (Kartoffeln)´, Gegenteil von mehlig; de neun Abern sein noa zu seefch. - 2. `schmierig, matschig´; loof sachte, ´s is seefch uff dr Stroße!

Seefe f. `Seife´; Schmährseefe, Seefmblose `Seifenblase´; Inf. do koannst de griene Seefe frassn! Oderwitz `Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche´.

Seefer m. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Säufer´.

Seefgaajke ohne Genus od. f. selt. `Seifhennersdorf´; dar kimmt aus dr Seefgaajke!

Seefmsieder m. `Seifensieder: Handwerker, der aus den Fetten der Schlachtabfälle durch Verkochen mit Chemikalien Kernseife herstellt´, zu Beginn des 20. Jhs. ausgestorben; in der Wendung enn gitt a Seefmsieder uf `jmdm. werden plötzlich die Zusammenhänge von etw. klar´.

Seefzappl n. `aus Seife geschnitztes Zäpfchen, das Kinder in den After gesteckt wird, um den Stuhlgang zu befördern´. Lautf.: Seefmzappl, Seef(m)zäppl.

Seegbratl n. Wittgendorf, Pfaffendorf `Holzbrett mit Löchern, das beim Abgießen der gekochten Kartoffeln auf den Topf gelegt wird´. Lautf.: Seegebratl.

Seeger m. `Turmuhr, (offene) Wanduhr mit Gewichten u. Pendel, alte Standuhr´; übertr. auf alle Uhren; Kirchseeger; mach amol ´n Seeger furt! `Zieh die Uhr auf!´ RA: Dar macht´n Seeger furt `der ergreift die Initiative, der unternimmt etwas´, nu gitt dr Seeger richtch! `Nun stimmt alles; das hat gerade noch gefehlt´. Volksreim: Ihrnfried, dr Seeger stiht, mach´n wieder, doaaß´r giht. Lautf.: Seecha Seifhennersdorf.
Seeger m. `Seiher: Durchschlag zum Trennen fester von flüssigen Substanzen´; Nudlseeger, Milchseeger, Koaffeeseeger.

Seegerblatl n. `Zifferblatt der Turm- od. Wanduhr´.

Seegerhäusl n. Burkau, Großröhrsdorf dass. wie Seegerkastl.

Seegerkäte f. meist im Pl. Seegerkätn Obercunnersdorf, Neugersdorf `Kette zum Aufziehen der Uhr, an dem das Gewicht angebracht ist´. Lautf.: Seegerkette.

Seegerkoastn m. Dim. Seegerkastl Südlausitz `Holzgehäuse der Standuhr´.

seegern swv. Neugersdorf `Aufziehen, Gehen od. Schlagen der Uhr´; in der Wendung: Wie (od. wie vill) seegert´s´n? `Wie spät ist es?´

Seegerperpmdickl siehe Perpmdickl!

Seegerplaatschl n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Scheibe am Pendel des Seegers´. Lautf.: Seegerplätschl n.

Seegerschleuder f. Niedercunnersdorf, Eibau `Perpendikel, Uhrpendel´.

Seegerschmied m. scherzh. `Uhrmacher´.

Seegerschnurn f. nur im Pl. in der RA: Is raajnt od. dreescht Seegerschnurn `es regnet stark´; de Seegerschnure reißn `die Geduld verlieren´; eemol is´r de Seegerschnure gerissn.

Seegerspur(e) f. Ober- u. Niedercunnersdorf `Uhrzeiger des Seegers´; hoast de wieder Seegerspurn gebunn? `Hast du die Schnürsenkel wieder nicht parallel gebunden?´

Seeg(e)tichl siehe Seechtch!

seegn swv. `seihen: Flüssigkeit (durch ein Tuch od. Sieb) laufen lassen, um dadurch feste Substanzen von der Flüssigkeit zu trennen; abschütten´; de Milch seegn. Siehe auch oabseegn!

Seel n. `Seil´. 1. `das Seil aus Stroh zum Zusammenbinden einer Getreidegarbe´, auch: Struhseel. - 2. `das Seil mit dem der Holzbalken, der auf einer Wagenladung Heu zur Befestigung obenauf liegt, festgehalten wird´. Vgl. Striek!

Seele f. `Schwimmblase´; ´s soahg aus, oas wenn de aus ann Fettharche de Seele zoigst und dernabm uff´m Taller lähst.

Seeler m. `Seiler: Handwerker, der (aus Hanffasern) Seile herstellt´; nabm uns woar a Seeler.

Seelnwärmer m. 1. Niedercunnersdorf `gestricktes ärmelloses Jäckchen, Leibchen für Frauen zum Unter- od. seltener zum Überziehen´. - 2. Seifhennersdorf `wollenes, viereckiges, zum Dreieck übereinander geschlagenes Schultertuch, das über der Brust gekreuzt wird´. - 3. `Vorlage bei Menstruation´. "Woaas is´n doaas uff dr Leine, Mutter?" "A Seelwärmer!" Lautf.: Seelwärmer Niedercunnersdorf.

Seelstruh n. `Seilstroh: mit dem Flegel ausgedroschenes Stroh, das für die Seile zum Zusammenbinden der Getreidegarben verwendet wird´.

seem swv. `säumen: mit einem Rand, Besatz versehen; Gewebekante bei Textilien einfach oder doppelt umschlagen und nähen´; de Woaschfleckl missn noa geseemt warn, beseem, eiseem `einsäumen´; RA: A hoat dann Kinde de Uhrn od. Uhrwaschl eigeseem od. beseemt `a hat mit einer bestimmten schwangeren Frau Geschlechtsverkehr´; doaas is ne dr Voater, dar hoat oack de Uhrn eigeseemt.
seem swv. `säumen: zögern´; ne lange seem.

Seemern f. `Säumerin: weibl. Pers., die bei Hand-, Wisch- od. Taschentücher Säume näht´. Vgl. seem!

Seemlch m. Obercunnersdorf, Großhennersdorf `Säumling: Rindenkante als Abfallprodukt beim Besäumen von Brettern´; a poaar Seemlche a dr Bratelei huln.

Seete f. `Saite: gedrehter Tierdarm, Metall od. Kunststoff (zur Bespannung von Musikinstrumenten)´. RA: ander Seetn ufziehn `wirksamere Maßnahmen ergreifen, strenger vorgehen´, gelinde Seetn ufziehn.

Seff m. 1. Kurzform von `Joseph (männl. RN)´. - 2. übertr.; doaas is a (aaler) Seff `das ist ein dummer Kerl´; Mahrseff `Person (Kind), die trödelt´; Tremplseff `Kerl, der kräftig auftritt; Randalierer´.

sei Poss.pron. `sein´; sei Voater; seine (Oberland, Neusorge) od. senne (Neukirch, West u. Ostlausitz) Mutter; a fährt zu senn (Südlausitz) od. sann, san (Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Hinterhermsdorf) Bruder; a gitt zu senner od. serr (Südlausitz), sanner od. sarr (Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf) Mutter.

Seidcher m. °ZI Ebersbach, Wehrsdorf `Person, die kriecht und sich bei einer anderen Person anbiedert, um einen persönl. Vorteil zu erlangen´.

Seide ohne Genus, alt f. `Seidau (Ortsteil von Bautzen)´; se soappm durch de Seide.

Seidl n. Südlausitz, sOstlausitz `Seidel´. 1. `altes Hohlmaß (meist 0,5 l fassend u. vorwiegend zum Abmessen von Flüssigkeiten verwendet), Halblitergefäß´; hul a Seidl gude Boomäle! - 2. `Bierglas mit Henkel (u. Deckel), ca. 0,5 l fassend´; mer hoann drei Seidl Bier getrunkn.

seidlch Adj. °ZI Ebersbach `0,5 l fassend´; a anderthoalbseidlches Koaffetippl.

seidn Adj. `aus Seide bestehend´; hoalbseidn, iech gingk a menner Grußemutter ihrn schwoarzseidn Brautkleede.

Seidnschwanz m. `Seitenschweidnitz (Ortsteil von Großschweidnitz im °GR)´, Volksetymologische Anlehnung des mundartlichen Wortes Seitnschweenz an den gleichnamigen Singvogel; die wohn uff´m Seidnschwanze.

Seierschdurf `Seifersdorf´. 1. `Oberseifersdorf (Ort der Gemeinde Mittelherwigsdorf im °GR)´. - 2. `Nieder Seifersdorf (Ort der Gemeinde Waldhufen im °GR)´; de Seierschdurfer `die Einwohner von Seifersdorf´.

Seifhennaschdurf `Seifhennersdorf (Stadt im °GR)´; de Seifhennaschdurfa od. Hennaschdurfa `die Einwohner von Seifhennersdorf´; de Hennaschdurfa Dunnafeuawähr `die Seifhennersdorfer Turnerfeuerwehr´. Lautf.: Seifhennerschdurf, Kurzform: Hennaschdurf, Hennerschdurf. Siehe Seefgaajke!

Seifm m. `Seifen (Ortsteil der Stadt Seifhennersdorf im °GR)´; iech bie aus´n Seifm; iech hoa mer a Häusl an Seifm gekooft.

Seigl n. verstr. Neugersdorf, Seifhennersdorf, Nordböhmen `kleiner Seiher: Sieb zum Trennen fester Substanzen von Flüssigkeiten, Durchschlag´.

seilatche Adv. Obercunnersdorf, °ZI Reichenau `seine Lebtage, zeitlebens, bis ans Lebensende, immer´; dar is seilatche a faules Luder gewast.

seimln swv. veralt. Niedercunnersdorf `jammern, barmen, greinen, leise weinen´.

seinche Poss.pron. `seinige: seine´; jeds Kind wullte ees vu´n Seinchn mit derbei hoann `jedes Kind wollte jmdn. von seinen Familienangehörigen mit dabei haben´.

sein unregelmäßiges Hilfsverb siehe senn!

Seinze siehe Saajnze!

Seite f. 1. mdal. `Verwandtschaft einer Ehehälfte´; meine Seite; ´s woar oack ihre Seite do. - 2. in der Fügung biese Seitn `Entzündung der weiblichen Brüste (nach dem Stillen)´; die hoat anne biese Seite `dieFrau hat eine Brust entzündet´.

Seitnteel m. n. `Seitenteil, Raum unter den Emporen´; de Meierchn kimmt wieder amol zu späte und setz´ch glei as Seitnteel.

sekkiern swv. verstr., veralt. `unablässig um etw. bitten; jmdn. ärgern, belästigen, quälen´; anu is aber gutt, du hoast miech lange genungk sekkiert!

selch (kurzes e) Adv. Westlausitz siehe salg!

selg (kurzes e) siehe salg!

Selle `Sella (Ort der Gemeinde Grünewald im Landkreis Oberspree-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´; de Sellschn `die Einwohner von Sella´.

Selleroamie (dritte Silbe betont) m. Westlausitz `unsinniges Gerede, dummes Zeug´; dar redd oawer ann Selleroamie.

Sellscht veralt f., ohne Genus `Seeligstadt (Ort der Gemeinde Großharthau im °BZ)´; a Moann aus dr Sellscht; de Sellschter `die Einwohner von Seeligstadt´.

Semme f. Pl. Semm, Semdn, Semsn, Sennsn selt. verstr. 1a. `Binse (Juncus L.)´; aus Semme hoann de Maajdl immer Zeppe gefloachtn; Semmzeppl. - b. Semse Guteborn `Gemeine Teichsimse (Schoenoplectus lacustris)´. - 2. °NOL Königshain `Rohrstock (des Lehrers)´. Lautf.: Semse.

Sempf m. `Senf´. 1. wie litspr.; RA: senn Sempf derzugan `seine unmaßgebliche Meinung zu etw. sagen´; do hoat miech dr Sempf gepackt `da hat mich die Wut gepackt´. - 2. übertr. `dummes, überflüssiges Gerede´; mach oack ne irscht ann aaln Sempf har!

semmern swv. verstr., Cunewalde `(nach dem Mittagessen) ein wenig schlafen´; iech tu oack noa a bissl semmern. Lautf.: sammern Nordböhmen.

Semse f. siehe Semme!

Senge f. `Prügel, Schläge´; ´s goab Senge.

Senglch m. siehe Sänglch!

sengn swv. `sengen: die Federreste von gerupftem Geflügel abbrennen´; de Goans muss noa gesengt warn.

Senkl m. söSüdlausitz, Ostlausitz `Schnürsenkel´; uff´m Senkl hoon `angeben´; du gist mer uff´m Senkl `du nervst mich´, auch Schuhsenkl od. mdal. noch besser Schuhbändl.

Senklooch n. `Senkloch: Wasserabfluss, Schleuse für die Kanalisation auf Straßen´.

senn unregelm. Hilfsverb Oberland zwischen Taubenheim, Cunewalde, Obercunnersdorf u. Neugersdorf `sein´; iech bie, du bist, a is, mer senn, ihr sedd, sadd, saajd od seid, se senn, iech woar, du woarrscht, a woar, a wur (Neukirch, Schirgiswalde), mer woarrn, ihr woarrt, se woarrn, iech bie gewast; RA: Woaas ne is, koann noa warn. Woaas ne is, is abm ne. RA: ´s woar oack su, wie´s woar `es stand auf der Kippe´. Lautf.: sein Südlausitz ohne Oberland, West u. Ostlausitz; mer senn a dr Hoalle (Oberland), mer sein a dr Hoalle (Oderwitz, Dittelsdorf, Oppach), mer sein in dr Hoalle (Westlausitz), mer sein ei dr Hoalle (Ostlausitz); woaas is´n lus? Iech bie uff ann Braasch benn Schmiede gewast; do senn´r od. sein´r (ihrer Gen. Pl.) immer noa weche. Imp.: bie (Südlausitz u. Westlausitz) od. bies; bie oack ne su faul! `Sei nur nicht so faul!´. Konj. iech wär od. wier (Hinterhermsdorf), du wärrscht, a wär, mer wärrn, ihr wärrt, se wärrn; mer wärrn garne gekumm `wir wären gerne gekommen´.

Sennsblatl Pl. Neusorge `Blätter vom Sennesstrauch (Cassia acutifolia Del.), aus denen ein sehr verbreiteter Abführtee bereitet wird´.

sennthoalbm dass. wie senntwaajn. Lautf.: senntshoalbm, seint(s)hoalbm, sennterhoalbm.

senntwaajn `seinetwegen´. Lautf.: senntswaaj(g)n, seint(s)waaj(g)n, sennterwaaj(g)n.

Sermon m. veralt. 1. litspr. `Beerdigungsrede des Geistlichen´. - 2. übertr. `Geschwätz; nichtssagendes, langes u. langweiliges Gerede´. Lautf.: Zermon Westlausitz.

serrer siehe sihre!

sett Adv., Präp. Oberland `seit´; iech bie sett gestern Voater. Lautf.: satt Zittauer Gebirge, sieder Anton, siederm Johr `seit einem Jahr´, sint Anton, sint dar Zeit bie´ch krank.

Settndurf (gespr. Seddndurf) `Seitendorf ´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße; poln. `Zatonie´, dem Braunkohlenbergbau zum Opfer gefallen; de Settndurfer `die Einwohner von Seitendorf´; de Setterdorfer Sammlfrau. Lautf.: Settndorf öKürzung, Sädndurf, Sädndorf.

setzn unregelm.V., (refl.) iech setz(e) miech, du setzt dch, iech soatzt(e) od. satzt(e) miech, mer soatzn´ch od. satzn´ch, iech hoa miech gesoatzt od. gesatzt `setzen´. 1. wie litspr. refl. a. `sich hinsetzen´; se soatz´ch hie `sie setzte sich hin´; setz dch oack a brinkl dernieder! Se soatzte sich ver Schreck uff´m Oarsch. - b. `nach unten sinken´; dr Koaffee hoat´ch gesoatzt. - c. Anton `auf etw. bestehen´; a hoat´ch druf gesoatzt `er lässt sich davon nicht abbringen´. - 2. `etw. (kunstvoll) aufstellen, Garben auf dem Feld zu Puppen zusammenstellen´. - 3. in der Fügung is setzt woaas `es gibt etw. (zu essen, zu trinken, zum Verteilen, Prügel)´; de ganze Wuche soatzte´s Abern, derheeme hoat´s Dresche gesoatzt. Lautf.: selt. satzn.

sich 1. Refl.pron. siehe siech! - 2. Personalpron. siehe mir!

sich dass. wie sick.

siche (Schirgiswalde, Hintere Sächsische Schweiz mit Hinterhermsdorf) nur in Verbindung mit best. Artikeln, dasselbe wie diche; dar siche, die siche, doas siche `der da, die da, das da; dieser, diese, dieses´; dar siche Plootsch is mer uff de Pfutn geloaatscht. Siehe diche!

sicht dass. wie sick.

sichtch Adj. `süchtig: eitel, ehrsüchtig und stolz´; guck ne an Spiegl, do wirscht de sichtch!

sick Dem.pron. Südlausitz ohne Zittauer Gebirge u. Vorland, Westlausitz `solch´. 1. `so geartet, so beschaffen´; sicker Dreck, sicke Oarbeit, sicks Zeug, sicke Weibsn; is gibbt sicke und sicke, aber miher sicke oas sicke. - 2. ` so stark, so sehr´; iech hoa sickn Durscht, und kee Bier an Kaller. Lautf.: siche Weibsn Südlausitz, sichte od. soichte (veralt.) Weibsn öKürzung, söOstlausitz, sitte Weibsn möOstlausitz, Schlesien, silche Leute Seeligstadt bei Großharthau, secks Westlausitz.

sickln swv. 1. verstr. Bihms Koarle, Schirgiswalde `zögern, säumen, warten´; iech war ne lange sickln und mitkumm. - 2. Schirgiswalde, Nordböhmen `langsam (u. schludrig) hantieren, murksen´.

sie 1a. Personalpron. 3.P. Sg. Nom. betont: dohiebm kumm beede, ha und sie `dort kommen beide, er und sie´; Nom. unbetont: se hoat´s vergassn; im Dat. unbetont: iech hoa´r nischt geton `ich habe ihr nichts getan´; Akk. unbetont: iech sah se ne, iech hier sche `iech sehe sie nicht, ich höre sie´. - b. substantiviert `Tier weibl. Geschlechts´; doaas is kee Hacksch, doaas is anne Siene `das ist kein männl. Kaninchen, das ist ein weibliches´. - 2a. Personalpron. 3.P. Pl. dohiede kumm se `hier kommen sie´; Gen.: do stihn´r dreie `da stehen (ihrer) drei´, wie´ch heemkoam, hoat´s´r Dresche gesoatzt `als ich heimkam, hat es Hiebe gesetzt´; Dat.: Iech war´n woaas mitzn `ich werde ihnen etw. pfeifen´; Akk.: Du hoast se aber reigelät! `Du hast sie aber hineingelegt!´ - b. als Anrede (früher: Ihr) ´s is schiene, doaaß Se schunn do senn `es ist schön, dass Sie schon da sind´.

siebern siehe siefern!

Sieblfanster n. Neugersdorf, Wittgendorf `Fliegenfenster´.

Siebm nur in der Interj. menner Siebm siehe mei 3! (verhüllend für Seebm). Lautf.: Siem.

siebm `sieben´; RA: se zoigt anne Frasse wie siebm Meiln bieser Waajg; Ausruf: Menner Siebm! (Bihms Koarle) `Meiner Seelen´; wie an siemtn Himml; wie de griene Siebm aussahn `vor Kälte bleich im Gesicht aussehen´; de biese Siebm `böse Ehefrau´, auch Unglückszahl; RA bei schlechter Luft: Oan bestn, mir soin siebm, do bleibt´s Maul zu. Volksvers aus Obercunnersdorf: Ees, zwee, drei, vier, fimf, sechs siebm, a dr Schule wird geschriebm, a dr Schule wird gelacht, wenn dr Lährer Faxn macht. Lautf. siem u. sieme öKürzung, Westlausitz.

Siebmerlee m. Niedercunnersdorf `Tee, den man sich selbst als Heilmittel aus sieben verschiedenen Heilkräutern zubereitete´. Lautf.: Siemerlee Oberlichtenau.

siebmmol gesiebt Adj. `erlesen, sehr vorsichtig, berechnend, raffiniert´; doaas is a siebmmol Gesiebter `das ist eine sehr vorsichtige und auf ihren Vorteil bedachte Pers.´

Siebmriemer m. Burkau, Girbigsdorf, Neusorge `Siebenriemen: Peitsche mit kurzem Holzstiel u. sieben Lederriemen (zum Kleiderausklopfen u. als Prügelwerkzeug)´. Siehe auch Uchsnziemer! Lautf.: Siemriemer Oberlichtenau, Siebmrieber, -riebl Niedersteina.

Siebmschläfer m. `der als Lostag geltende 27.Juni´. Wenn es an diesem Tage regnet, regnet es täglich in den folgenden sieben Wochen. Lautf.: Siemschläfer.

Siebmstarn m. Neusorge `Europäischer Siebenstern (Trientalis europaea)`. Blume mit sieben weißen Blütenblättern, die im Frühjahr in Feuchtgebieten blüht´.

Siebmunsibbzch Lecherkraut n. °NOL Königshain `Siebenundsiebzig Löcherkraut: Johanniskraut, Tüpfel-Hartheu ( Hypericum perforatum)´.

Siebreiter m. `Spaßmacher im Wittgendorfer Kirmeszuge vor dem 2.Weltkriege, der seine Beine durch einen Siebreifen gesteckt hat, mit weißen Tüchern verhängt war und oben einen hölzernen Pferdekopf trug´; a leeft rim wie a Siebreiter!

siech 1. Refl.pron. der 3. P. Dat. u. Akk., Sg. u. Pl.; 1. P. Pl. im Dat. u. Akk.; a kimmt wieder zu siech (betont); die beedn zankn´ch ´n ganzn Tag (unbetont) `die beiden streiten sich den ganzen Tag´. Lautf.: siech (betont) Südlausitz; ´ch (unbetont) Südlausitz, sWest- u. sOstlausitz; sich (betont) West- u. Ostlausitz; sich (unbetont) West- u. Ostlausitz. - 2. Personalpron. siehe mir!

Siechdchvier n. `Vorsicht, sieh dich vor!´. 1. nOstlausitz `Sichdichfür (Ort östlich der Neiße und seit 1945 zu Polen gehörend)´. - 2. übertr. `abgelegene, verrufene Gegend; unordentliches Haus´; `s gitt zu wie uffm Siechdchviere `es geht zu wie an einem Ort, wo man sich vorsehen (aufpassen) muss´; Lautf.: Zichtchvier Niedercunnersdorf.

Siede f. Südlausitz 1. `(gebrühtes) Viehfutter, bestehend aus dem Abfall beim Dreschen, vermengt mit Rüben od. Kraftfutter´. - 2. Süd- u. Ostlausitz, Nordböhmen `kleingeschnittenes Stroh od. Heu zum Verfüttern an Pferde u. Vieh, vermengt mit Hafer; Häcksel´; Siede schittn; mer missn noa fer murne Siede schneidn, Siedebank, Siedeloade, Siedeschneide, Siedefoaaß.

Siedebittch m. Niedercunnersdorf `ein Haustier (Rind), das Siede (Dreschabfall) frisst; ein Mensch oder Tier mit gewölbtem Bauch´; dr Siedebittch is ufgeloofm `die Dreschabfall fressende Kuh hat sich überfressen´.

Siedeschneider f. ` Häckselschneider zum Stroh- und Grünfutterschneiden´, auch Siedeschneide Eibau.

Siedl f. Seifhennersdorf `niedriger, hölzerner Ladentisch; Schlaf- od. Sitzbank mit truheähnlichen Fächern darunter´; Loadnsiedl, lä´s oack unda de Siedl!

siedn stv. iech siede, a sied od. soit Westlausitz, iech hoa gesodn verstr. `kochen´; ´s gibbt anne Schniete mit gesodn Ee-ern. Vgl. gesotn!

siefern swv. West- u. Südlausitz, z.B. Wittgendorf, Nordböhmen `wenig u. fein regnen, nieseln, aus Nebel nässen´; ´s siefert. Lautf.: siebern Dittelsdorf.

Siehoacker m. Spitzname für einen Oberlausitzer; ursprünglich scherzh. Bezeichnung für die im königlich-sächsischen Infanterieregiment Nr. 102 in Zittau dienenden Oberlausitzer, die oftmals "sieh oack har" riefen.

siehoackn swv. Großschönau `sieh oack sagen, Oberlausitzer Mundart sprechen´; ba uns derheeme wird noa gesiehoackt (ge-sieh-oackt)´.

Sielche f. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `zerwühlte, zertretene, niedergedrückte Stelle (im Erdboden, Gras, Kraut, Getreide od. Bett)´; de Schweine machn anne Sielche an Mais.

Siele f. dass. wie Sielche Schlesien.

Siele f. veralt. `Seele, Schwimmblase der Fische´; ba menner Siel! De Siele wird ne mit gegassn.

sieln swv. refl. `sich mit Vergnügen auf, in etw. herumwälzen; suhlen; sich (wälzend) bewegen´; ´n ganzn Tag an Drecke rimsieln; die sieltn´ch ebch ne heem `die gingen ewig nicht heim´; doaas is zun Sieln `das ist zum Lachen´.

sieln swv. Ostlausitz `zögern, trödeln, zaudern, lange warten´; du sielst dch ja ebch ne azu `du wirst ja gar nicht fertig´. Lautf.: siedln Ostlausitz.

sieme siehe siebm!

Siems m. Dim. Siemsl `Sims´. 1. litspr. `waagerechter, langgestreckter Mauer - bzw. Wandvorsprung´; Fanstersiemsl. - 2. `Theke, Ausschank´; Schanksiems; iech trink mei Bier glei oan Siemse; war stoand´n oan Siemse? `Wer stand hinter dem Ausschank?´

Siene f. Südlausitz `Tier (meist Kaninchen) weibl. Geschlechts; eine Sie´; siehe auch sie 1b!

Siete f. Südlausitz `Sitte´.

siete Adj. (nur präd.) veralt. °ZI Ebersbach `sicher, geheuer´, bes. in der Fügung do is ne ganz siete `da ist es nicht ganz geheuer´. Lautf.: sitte.

Sietn m. veralt. Seifhennersdorf, Nordböhmen `Sitte, Art u. Weise, Betragen´; dar hoat an Sietn oack anne Zwee-e; jeder hoat ann andern Sietn `jeder benimmt sich (bei Unwohlsein) anders´. Lautf.: Sittn.

sietsn siehe sittsn!

Siez m. Südlausitz `Sitz´.

siezn swv. `siezen: mit Sie anreden´; wull mer´ch siezn oder duzn?

Siffl m. dass. wie Sifflch.

Sifflch m. `Säufer, Trunkenbold´; de Sifflche finn wieder kee Heemgihn ne; RA: Sifflche und Schweine finn ihrn Stoal oalleene.

siffln swv. `viel (u. hastig) trinken´.

Sihne, Sihnl siehe Suhn!

sihre Adv. `sehr´; `s is sihre schiene draußn `es ist herrliches Wetter draußen´. Lautf.: sihr od. sähr öKürzung, msOstlausitz, sähre nOstlausitz, veralt. Steigerung serrer Obercunnersdorf, (Anton) od. sirrer Schlesien, oan serrschtn od. sirrschtn; wenn´s serrer raajnt `wenn es mehr regnet´.

silberch Adj. `silberig, silbern´; unse beedn Silberchn (Silberbrautpaar) hoann´ch gutt gehaaln.

Silberfoadn m. `Silberfaden: silbern glänzender Lamettafaden (als Christbaumschmuck)´.

silln siehe sulln!

simbeliern swv. `sinnen, nachdenken, überlegen, grübeln, sich den Kopf zerbrechen´; Lautf.: simbliern, simmeliern Neugersdorf, Eibau, simmliern.

Simmd m. `Sonnabend´; zun Simmde od. uff´m Simmde `am Sonnabend, sonnabends´, Simmdzobm `Samstagabend, Sonnabend zum Abend´, Simmdnoamittch, Schisssimmd `Schießsonnabend´, Ufwoaschsimmd `Sonnabend in der Osterwoche´. Lautf.: Semmd Westlausitz, Sinnobd, Sinnomd nOstlausitz, simmdch Ostlausitz `sonnabends´.

simmerch Adj. Burkau, Oberlichtenau `einen Sommer lang´; eesimmerche u. zweesimmerche Koarpm.

Simmerche f. Obercunnersdorf `Sommergetreide (Hafer, Gerste)´.

simmern swv. verstr. `lüften, den Sommer hereinlassen´; de Bettn simmern.

Simpethie f. (in der Volksmedizin) `Sympathie: auf geheimnisvollen Wirkungszusammenhängen beruhendes Verfahren, bei dem durch Streichen des Körpers u. Murmeln von Sprüchen Krankheiten geheilt werden; Kurpfuscherei´. Lautf.: Zimpathie Ostlausitz.

simpoatch Adj. `sympathisch, anziehend, zusagend´; simpoattch.

simsln swv. 1. Neugersdorf `hell surren, sirren´; mer hoann de Koammer vuler Mickn, iech hier se simsln; a poaar Mickn kumm oaagesimslt. - 2. `vibrierende Schmerzen im Kopf empfinden´; dr Schadl brummt mer ne mih, is simslt oack noa a bissl. Lautf.: sumsln.

Sindnbeckl n. Dim. von Sindnbook `Sündenbock: Lebewesen od. Gegenstand, der für die Schuld anderer büßen muss´; dar brauch a Sindnbeckl fer de eegn Dummheet. Lautf.: Sinnbeckl.

singn stv. iech singn, du singst, mer singn, iech soangn od. sungn Seifhennersdorf, Pulsnitz, iech hoa gesungn `singen´; RA: iech koann a Lied dervoo singn `ich habe damit meine Erfahrungen gemacht´.

Singnstunde f. ` Probe des Gesangsvereins oder des Chores´; im siebm koannst de kumm, do is meine Frooe a dr Singnstunde. Lautf.: Singestunde.

sinn stv. `sinnen: sinnieren, grübeln, nachdenken´; iech hoa schunn ´n ganzn Tag gesunn, aber eigekumm is mer´sch noa ne. Mundartlich besser simbeliern od. ieberlän.
sinn siehe sulln!

Sinnomd siehe Simmd!

sinst, sinstern, sinstert, sinstn siehe sunst!

sisse Adj. `süß´. 1. wie litspr. (eine Geschmacksrichtung, Gegensatz zu sauer); dr Kuchn is mir zu sisse; de Weibsn troankn ann Sissn `die Frauen tranken einen süßen Schnaps, Likör´; woaas Sisses kriegn `Süßigkeiten erhalten´. - 2a. `hübsch, entzückend, niedlich´; a hoat´ch anne sisse Biene oaagelacht. - b. eine Geschmacksangabe beim Wein `lieblich, nicht trocken´. - c. `angenehm (duftend), wohltuend´; sisse Schmähre `Hautcreme´. - 3a. `unaufrichtig od. übertrieben freundlich, schmeichelnd liebenswürdig´; dann sei sisses Getue koann´ch ne ausstihn; sisse tun `einschmeicheln, anschmiegen´; doaas is a Sisser `das ist ein Süßholzraspler´. - b. nOstlausitz Grußformel beim Abschied: do labt oack sisse und kummt amol wieder! - c. Nu, Gutt sisse! (Ausruf beim Bericht über schwer nachvollziehbare Ereignisse.) `Na, viel Glück!´

Siss(e)bier n. m. 1. `Süßholzraspler´. - 2a. `Deutung des Rufes der Kohlmeise´. - b. `Kohlmeise (Parus major)´.

Sissebierfinke f. Schirgiswalde `Buchfink ( Fringilla coelebs)´.

Sissebissl n. Dittelsdorf, Spitzkunnersdorf, Waltersdorf `etwas Süßes (zum Naschen), Süßigkeit, Plätzchen, Tafel Schokolade, Schachtel Pralinen´; iech hoa vu menn Moanne zun Hucksttage a Sissebissl gekrigt. Musst de schunn wieder im a Sissebissl battln?

Sissebittch m. Neugersdorf, Oderwitz `älterer Mann, der immer noch jungen Mädchen den Hof macht; Schürzenjäger, Süßholzraspler´; die is ann Sissebittch uff´m Leim gekruchn.

Sissebitterch m. °ZI Ebersbach dass. wie Sissebittch.

Sissebrinkl n. selt. dass. wie Sissebissl!

Siss(e)kraut n. Niedercunnersdorf, Cunewalde `süß-sauer gekochtes Weißkraut (manchmal Rotkraut), auch als Krauteintopf, grob geschnitten und mit Kartoffelstückchen gekocht´, zur Unterscheidung von Sauerkraut; heute gibbt´s zu Mittche Sissekraut.

Sisshoahn m. `Süßholzraspler´.

Sisslch m. Seifhennersdorf 1. dass. wie Sissebittch. - 2. `komischer Hut´; die hoat ann Sisslch uffe.

sist siehe sunst!

sitt dass. wie sick.

Sitte f. `Zittau (Große Kreisstadt im °ZI), galt im historischen Oberlausitzer Sechsstädtebund als reichste Stadt´, de Sittschn `die Einwohner von Zittau´, mer kumm aus dr säckschn sittschn Sitte; Zwibblsitte (Scherzname für Zittau). Lautf.: Zitte.

sittsch Adj. `zu Zittau gehörend´; sittsches Bier, mer woarrn an Sittschn `wir waren in einem zu Zittau gehörenden Ort, wir waren im Landkreis Zittau´.

sittsn Adj. veralt. `sittsam: gesittet, diszipliniert´. Lautf.: sietsn; auch gesittsn.

Sitzche f. veralt. `Sitzung; Zusammenkunft in der Abenddämmerung, bei der man zusammensitzt und sich unterhält´.

Sitzebank f. Dim. Sitzebänkl `kleine Bank zum Sitzen, Sitzbank (am Handwebstuhl), Schulbank´. Siehe auch Wirkebank! Lautf.: Siezbänkl.

Sitz(e)brat n. Dim. Sitzebratl `abnehmbares Brett zum Sitzen auf dem Kastenwagen; Brett am Handwebstuhl, auf dem der Weber sitzt´. Lautf.: Siezbrat.

Sitzefleesch n. `Sitzfleisch: Fleisch am Gesäß´; uff´s Sitzefleesch schloin; RA: kee Sitzefleesch hoann `nicht lange sitzen bleiben´; dar hoat Sitzefleesch `der steht und steht nicht auf und redet lange zum gleichen Thema´.

sitzn stv. iech sitz(e), du sitzt, mer sitzn, iech soaß od. soß (veralt.), mer soaßn od. soßn (veralt.), iech hoa gesassn `sitzen´. 1. wie litspr. ´n ganzn Tag a dr Bude sitzn; du willst wull sitznde begroabm warn? `Du willst wohl im Sitzen begraben werden? RA über jmdn., der sich kratzt: Luss se sitzn, murne singn se. De Henne sitzt `das Huhn brütet´. - 2. übertr. - a. dar sitzt schunn drei Juhre `der ist schon seit drei Jahren eingesperrt´. - b. dar hoat enn sitzn `der ist betrunken´. - 3. in der Fügung sitzn bleibm a. `das Schuljahr wiederholen´. - b. `keinen Ehepartner finden, ledig bleiben müssen´.

Skerberschdurf ohne Genus `Skerbersdorf (Ort der Gemeinde Krauschwitz im °NOL)´; de Skerberschdurfer `die Einwohner von Skerbersdorf´.

Skoale (gedehntes oa, gespr. Schkoaale) f. `(Georgewitzer) Skala: Felsental´; mer gihn zun Sunntche a de Skoale.

Skoozer m. Königswarthe `Haussperling (Passer domesticus)´. Lautf.: Skauzer Königswartha.

Soaaft m. `Saft´. 1. wie litspr. a. `aus Obst od. Gemüse gepresste Flüssigkeit´; Äpplsoaaft. - b. `Flüssigkeit der Früchte u. Pflanzen´; Soaaft an Boome. - 2. `elektrischer Strom, Energie´; langn ne oan Droht, ´s is Soaaft druffe! Lautf.: Soaft.

soaaftch Adj. `saftig´. 1. wie litspr. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird: a. bei V. u. Adj. `sehr´ - b. bei Subst. `groß, stark´; ann soaaftchn Riffl kriegn, anne soaaftche Fauze. Lautf.: soaftch.

Soaaftquetsche f. °ZI Ebersbach `Saftquetsche: Saftfabrik´.

Soaal m. `Saal: größerer Vorraum im Obergeschoss eines ländlichen Hauses, der über die Treppe vom Erdgeschoss als Erstes erreicht wird´, auch Vursoaal; vun Soaale aus gitt´s a de Koammern.

Soaalkante f. dass. wie Soaalleeste.

Soaalleeste f. `Saalleiste´. 1a. `Webleiste, Webkante, Stoffkante: fester, (andersbindiger) Rand eines Gewebes, der durch Richtungswechsel des Schussfadens entsteht und eine höhere Kettfadendichte (meist doppelter Faden) aufweist´. Siehe auch Leeste 2! - 1b. `Saum eines Tuches´. - 2. selt. übertr.`Schaumrand des mit Bier gefüllten Glases´. Auch Soaalende, Soaalband u. Soaalkante.

Soaaltiere f. °ZI Kemnitz a. d. Eigen `Tür vor oder am Ende der Treppe, die den Hausflur im Erdgeschoss mit dem Vorraum (Soaal) im Obergeschoss verbindet´, auch Viersoaaltiere um Bautzen.

soaat siehe soat!

Soaaz m.. Dim. Sätzl od. Satzl `Satz´ 1. `Sprung´, mdal. besser Hupser, Hups, Hupperch. - 2. bescheidene Form des Nachrufes für Verstorbene; a hutte a klee Sätzl an Tageblatl stihn. Lautf.: Soatz.

Soaffer m. Niedercunnersdorf, Lawalde `Safran: Würz- u. Färbemittel für Speisen, aus den getrockneten orangefarbigen Blütennarben einer im Herbst blühenden Krokusart (Crocus sativus L), in den Mittelmeerländern gewonnen´, früher bes. verwendet, um Gebäck gelb zu färben u. Eier zu sparen, aber auch zum Färben von Quark. Lautf.: Soafer, Safer.

soaffergaale Adj. `gelb wie Safran´.

Soahne f. (nur Sg.) nOberlausitz `Sahne: Fettschicht, die sich auf der ungekochten Milch absetzt´, (in der sOberlausitz: Rohm `Rahm´).

Soajtche f. veralt. Obercunnersdorf `etw. Gesagtes, was man nicht unbedingt glauben muss; nicht ganz erst zu nehmende Redensart, Flunkerei, Gerücht´; lange Lodn, kurzer Verstand, doaas brauchst de ne fer bure Minze nahm, doaas is doa oack anne Soajtche; anne Soajtche ufbrengn. Lautf.: Soitche, Soatche, Soartche, Soitze Oppach.

soalln siehe sulln!

Soalbe f. 1. `Salbe: streichfähiges Heilmittel´; dar is mit oalln Soalbm geschmährt `der kennt alle Tricks, dem ist nicht beizukommen´.  - 2. Siehe Rauche Psoalm od. Rauche Soalbe!

Soalm m. siehe Rauche Psoalm u. Gloatte Psoalm!

Soaloaster siehe Oaloaster!

soamfte Adj. `sanft´. 1. `behutsam, zart´; a toat se soamfte boalkern `er berührte sie mit den Fingern zärtlich´. - 2. `friedlich, still´; soamfte schlofm; in der Fügung ann Soamftn nahm `mit Ruhe vorgehen, ausruhen, schlafen´; do nimm dr oack amol ann Soamftn! - 3. `nicht steil, unbeschwerlich´; a soamftes Bargl. Lautf.: soampfte Obercunnersdorf, Neugersdorf.

soamtcht Präp. `samt, zusammen mit´; dohiebn leeft´r soamtcht Geschwister. Lautf.: soamcht, soamtch °ZI Ebersbach, zoamtch Spitzkunnersdorf, zoamtcht, zoamcht; siehe auch mitsoamtcht!

Soamtheetl n. bes. wSüdlausitz meist `Maronen-Röhrling (Boletus badius Fr.)´.

Soamtmoanschester m. `Samtmanchester´. 1. `geripptes Schusssamtgewebe aus Baumwolle für die Herrenoberbekleidung´. - 2. `Vierschritt, Viertritt: ein in der Oberlausitz beliebter Volkstanz aus der 1.Hälfte des 19. Jahrhunderts´.Dazu kann gesungen werden: Soamt, Soamt, Soamt, Soamt, Soamt, Soamt, Soamt, Soamt, Soamtmoanschester sein de bestn weit und breet. Ees, zwee, drei, vier, ees, zwee, drei, vier, nimmt´r miech, do hoat´r miech, do giht´r mit mir heem. Lutt is tut, Lutt is tut, Jule leit an Starbm. War wird oack, war wird oack die poaar Toaler arbm.

Soamtriesl n. `Samtröslein´. 1. Süd- u. Ostlausitz `(großes) Gänseblümchen (mit roten Blütenblätterspitzen), Tausendschönchen (Bellis perennis L.)´. - 2. nSüdlausitz, sWestlausitz, Sächs. Schweiz, Nordböhmen `Studentenblume (Tagetes L.)´.

soamtseidch Adj. Kirschau `aus Seidensamt bestehend´; soamtseidche Kleedche.

soamtschwoarz Adj. `glänzendes Schwarz von Samt und anderen Stoffen; tiefschwarz mit samtenen Griff´; se hutte zer Huckst a soamtschwoarzes Leibl oaa.

soamtweech Adj. `samtweich, weich wie Samt´; soamtweeche Huhre `samtweiche Haare´.

soan siehe soin!

Soanickl m. selt. Süd- u. Ostlausitz `Sanikel (Sanicula europaea L.)´, früher als Wunder bewirkende Heilpflanze geschätzt, die im Garten wächst; Soanickl heelt´s Fleesch an Tuppe zusoamm. Lautf.: Sanickl, Soarnickl Wehrsdorf.

Soappche f. Westlausitz dass. wie Soappe; Drecksoappche.

Soappe f. selt. Südlausitz `Fußspur auf sauberem Fußboden, Schmutzstapfen´, häufiger Toapse.

soappm (gespr. soabbm) swv. `bedächtig u. schwerfällig gehen, durch Schmutz u. Nässe patschen, schmutzige Fußspuren hinterlassen´; rimsoappm; du sullst ne ieber´sch Futter soappm! Lautf.: sappm Pulsnitz.

Soarg m. Dim. Sargl, Pl. Sarge `Sarg´; du krigst ees a de Frasse, dooaß dr kee Soarg mih poasst. Rätsel: War´n macht, dar brauch´n ne, war´n keeft, dar moagg´n ne, war´n brauch, dar sitt´n ne!

soarn siehe soin!

soat (gedehntes oa) Adj. `satt´. 1. `wie litspr. `ganz u. gar gesättigt´. - 2. übertr. `etw., es satt haben, kriegen´; jedn Tag Mauke, doaas koann ees soat kriegn. RA: iech hoa´s´n soat `bin dessen überdrüssig; nach schwerer Arbeit erschöpft u. müde´. Lautf.: soatt Westlausitz.

soattlch Adj. Niedercunnersdorf `links, da das linke Pferd gesattelt ist´. Lautf.: sattlch.

Soattlche m. `im Gespann links gehendes Pferd oder linksgehender Ochse, da der Fahrer des Gespanns auf dem linken Pferd sitzt, das einen Sattel trägt´; uff´m Soattlchn sitzn.

Soattlpfard n. `Sattelpferd´ siehe Soattlche! Lautf.: Soattlfard.

Soattluchse m. `Sattelochse´ siehe Soattlche!

Sohland n. 1. `Sohland a. d. Spree (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; ar tipplte ei´n Äbersohlande ei Israels Teich. - 2. `Sohland am Rotstein (Ort u. Gemeinde im °NOL)´, a kimmt aus´n Sohlande, de Sohländer `die Sohlander, die Einwohner von Sohland´.

Soigurgl f. msSüdlausitz `Geizhals´; vu dar Soigurgl krigst de ann ahln Dreck.

Soiheet f. msSüdlausitz `Geiz´; dar frisst aus Soiheet ´n eegnen Dreck.

Soimagn m. öKürzung dass. wie Soigurgl.

soin swv. `sagen´; soi´s ne wetter! (Oberland) Soar´sch ne watter! (Waltersdorf) `Sage es nicht weiter!´ RA: Oack nischt soin, glei schloin! Ne vill soin, glei schloin! Der Schweigsame wird ermuntert: Soi oack woaas, wenn de o ne reddst! Bei der Unterhaltung zweier Frauen wird häufig Verwunderung vorgetäuscht und die Bemerkung eingeschoben: "Nee, woaas de ne soist!" Lautf.: soajn alte Form in der Umgebung von Obercunnersdorf u. Oderwitz, soarn Zittauer Gebirge, Westlausitz, soan Seifhennersdorf, Schirgiswalde, Sächs. Schweiz.

Soiodn siehe Säuodn!

soisch Adj. Südlausitz `geizig, übertrieben sparsam, äußerst knauserig´; vu dann soischn Karln krigst de nischt; siehe auch säusch!

Soischkeet f. dass. wie Soiheet.

Soitche, Soitze siehe Soajtche!

Som (gedehntes o) m. `Samen: Saatgut jeglicher Art´; mit Häsome rimbächtn `Heusamen aus Unachtsamkeit verstreuen´; RA: ne uff´m Som kumm `geringen Ertrag haben, nicht auf das gewünschte Geld kommen´; anne Moark koannst dr behaaln, dermit dr Som ne ausgitt `eine Mark kannst du dir behalten, damit das Geld nicht alle wird´; de Mutter läte a mei Grinnduhrschtchsäckl anne Brazl zu Some rei `die Mutter legte eine Brezel in mein Bettelsäckchen als Grundlage bzw. Glücksbringer hinein´; RA: A hoat oack ´n Som gelät, gissn muss dr Nächste `der junge Bauer ist viel zu zeitig gestorben´. Vgl. Soom!

Somaberne f. `Samenkartoffel, Saatkartoffel´, auch Stecker. Lautf.: siehe Aberne!

Somgurke f. `zur Samengewinnung verwendete ausgereifte Gurke´, de Finger woarrn dicke wie Somgurkn.

Somzwibbl f. `Samenzwiebel, Steckzwiebel´.

Soom m. `Saum: genähter Rand an Kleidungs- u. Wäschestücken´; loaatsch dr ne uff´m Soom! Vgl. Som!

Soot f. Pl. Säte od. Saate Südlausitz `Saat: junge, sprießende Getreidepflänzchen´; Wintersoot; Bauernregel: Marzeschnie tutt dr Soote (´n Saatn) wih.

Sootbett, Sootbette n. `für die Aussaat vorbereitetes Feld´; fer´sch Kurn ´s Sootbette machn. Lautf.: Soaatbett(e).

Sootbrut n. `Saatbrot´, dass. wie Gehoannsbrut.

Sootfurche f. `Saatfurche´; de Sootfurche ackern od. ziehn `durch mitteltiefes Pflügen das Feld zur Aussaat vorbereiten´. Lautf.: Soaatfurche.

Sootreitn n. `Saatreiten: berittener Umzug der männl. Dorfbewohner um die Fluren von Ostritz am Ostersonntag, um den Segen Gottes für die junge Saat zu erbitten´. Vor der Vertreibung der Deutschen 1945 wurde dieser Volksbrauch auch in den Nachbargemeinden östlich der Neiße in Blumberg, Rusdorf, Grunau, Schönfeld, Königshain und Seitendorf durchgeführt. Siehe auch Usterreitn!

Sore ohne Genus od. f. `Sora (Ort der Stadt Wilthen im °BZ)´.

Spaajcht m. `Specht (Vogel der Familie Picidae)´;  dar kloappert wie a Spaajcht. Auch Boomhaajkl.

Spaajchtmeese siehe Spechtmeese!

Spaajk m. Süd- u. Ostlausitz `Speck´; gereecherter Spaajk, grinner Spaajk `ungeräucherter Speck´; mit Spaajk fängt mer Mäuse; Spaajk- od. Speckmauke; aber: labm wie de Moade an Specke; immer roaa oan Spaajk! `Immer daran machen!´

Spaajkdeckl siehe Speckdeckl!

Spaale f. Dim. Spaalchl, Spaalchn - 1. `Spalte: längerer Riss (im Gestein od. Holz)´, auch `Augenschlitz´; a die Spaale poasst keene Masserspitze rei. - 2. siehe Äpplspaale!

spaaln unregelm. V. iech spaal(e), du spaalst, mer spaaln, iech hoa gespaaln `spalten´; Bratl spaln. Siehe auch spelln!

Spaalt m. `Spalt´.

spälln siehe spelln!

Späne nur im Pl. selt. `Zitzen der Muttersau´, daher die Bezeichnung Spoanferkl für ein noch säugendes Ferkel. Auch Strichn.

Spanl n. siehe Spoan!

Sparenzl Pl. dass. wie Sperenzl. Lautf.:  Spoarenzl, Sperenkl.

Sparrlch (kurzes a) siehe Sperrlch!

späte Adj. wie litspr. `spät´. Sprichwort: Wenn de Milch geloofm is, is abm ze späte.

Spechtmeese f. `Kleiber (Sitta caesia, Sitta europaea)´; auch Bloospecht Ostlausitz. Lautf.: Spaajchtmeese.

speckch Adj. `speckig: dreckig u. wie Speck glänzend´.

Speckdeckl m. `schmutzige, durchschwitzte, abgetragene Mütze (mit Schweißrand)´. Lautf.: Spaajkdeckl.

speckern swv. Burkau, Westlausitz `rennen, springen (Tiere u. Kinder)´.

Speckschwoarte f. Dim. Speckschwartl `dicke zähe Haut am Speck´; seine Ploatte glänzte wie a Speckschwartl; ´s Plinzeisn mit´n Speckschwartl eireibm. Lautf.: Spaajkschwoarte.

Speckteebs m. siehe Spekteebs!

Speeche f. `Radspeiche´.

speechn swv. umg. `rennen´.

speich Adj. `zum Speien zumute, vom Brechreiz befallen´; mir is aber speich, hoast de ne ann Bittern?

Speiler m. `dünnes Holzstäbchen zum Verschließen des Wurstdarmes; Spieß zum Aufstecken von Wurst- u. Fleischstücken (Schaschlik)´; Wurschtspeiler. Lautf.: Spelter °ZI Ebersbach, Spalter, Spoalter Jonsdorf.

speilern swv `die Wurst mit einem dünnen Holzstäbchen abbinden´.

Speimaizl, Speimeizl n. Pl. Niedercunnersdorf `Ackerklee (Trifolium arvense L.), aus Ackerklee bereiteter Tee´. Bezeichnung beruht darauf, dass die Pflanze als Mittel gegen Blutspeien verwendet wurde u. ihre Blütenköpfchen Weidenkätzchen ähneln. Lautf.: Speimeezl. Siehe Meezl!

spein stswv. iech spei(e), du speist, a speit, mer spein, iech spee(g) od. spie(g) od. speite, a spee(g), spie(g) od. speite, iech hoa gespeen od. gespien od. gespeit `speien´. 1. `sich übergeben, brechen, kotzen´, mdal. besser geckn od. gäkn. - 2. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle (refl.)`spucken´; a spee´ch a de Hände; de Esse spee Rooch aus.

Speisekoammer f. wSüdlausitz mit Schirgiswalde `Brotschrank´; Speiskoammer wKürzung. Siehe auch Bruthäusl!

Spekteebs m. Süd- u. Westlausitz `Lärm´ (Vermischung von Spektakel mit Teebs).

Speller m. nwSüdlausitz, Westlausitz `Person, die im Steinbruch Steine spaltet (Beruf)´.

spelln swv. nwSüdlausitz, Westlausitz `spalten´; Steene spelln `Steine brechen´, Stecke spelln; iech hoa Hoolz gespellt. Siehe auch spaaln!

Spenzer m. `kurze, eng anliegende Frauenjacke mit Schößen (gefüttert, mit Puff- od. Keulenärmeln versehen, bestickt)´, im 19. Jahrhundert zur Oberlausitzer Volkstracht gehörend. Lautf.: Spenser.

sperberch Adj. dass. wie gesperbert.

Sperenzl Pl. vorwieg. in der Verbindung Sperenzl machn `Umstände, Ausflüchte machen; Schwierigkeiten, Scherereien bereiten; sich zieren; sich gegen etw. sträuben, sperren, widerspenstig sein´. Lautf.: Sparenzl, Spoarenzl, Sperenkl. Sparenkl.

Sperenkl Pl. Spitzkunnersdorf vorwieg. in der Verbindung Sperenkl machn `Umstände, Ausflüchte machen; Schwierigkeiten, Scherereien bereiten; sich zieren; sich gegen etw. sträuben, sperren, widerspenstig sein´. Lautf.: Sparenkl.

sperranglweit Adv. verstärkend `so weit geöffnet wie möglich´; ´s Maul sperranglweit ufreißn. Lautf:. verstr. sprangeweit.

Sperrgusche f. °ZI Ebersbach `Pers., die den Mund weit öffnet´; de neuschierchn Sperrguschn stoandn hindern Goardinn.

Sperrlch m. 1. `Hausperling (Passer domesticus L.), Spatz´; de frechn Sperrlche frassn ´n Meesn oalls weg; Sperrlchnaast. - 2. `Feldsperling (Passer montanus L.)´, auch Ringlsperrlch. Lautf.: Sparrlch.

Sperrlchgehirne n. `Sperlingsgehirn´; in der Wendung a hoat a Sperrlchgehirne `er hat wenig Verstand, er kann sich nichts merken´.

Sperrloaffe f. Niedercunnersdorf `Pers., die gähnt od. den Mund aufreißt´.

Sperrrutte f. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle, Cunewalde, Großschönau `Breithalter: Vorrichtung am Handwebstuhl zum Breithalten des Gewebes´. Lautf.: Sparrrutte.

sperzln siehe spirzln!

Spicke f. siehe Pfarspicke!

spickn swv. `spicken: einspießen, stechen und dabei nicht umfallen´; eispickn, verspickn; dr Schulhof is zu hoarte, do spick´s Masser ne; de Deistl vun Letterwaajnl verspickte sich an Stroßngroabm und zerbroach.

spieberch Adj. selt. °ZI Ebersbach, Wehrsdorf `ärmlich, schmächtig, zurückgeblieben, schwächlich, schmal (im Gesicht), ausgedünnt´; de Lodn senn spieberch.

Spiel n. wie litspr. `Tätigkeit, die der Unterhaltung, dem Vergnügen od. der Entspannung dient´; Koaartnspiel; kee Spiel heembrengn `alle Spiele verlieren´; RA: gude Miene zun biesn Spiele machn. - 2. meist Pl. `Schicksal´; ja ja, doaas senn abm siche Spiele `das lässt sich nicht beeinflussen´; Labmsspiele.

Spielcht m. Obercunnersdorf, Oberlichtenau `in einem Gefäß gesammeltes Aufwaschwasser mit Speiseresten u. Küchenabfällen´ wurde in den sehr sparsamen Bauernhaushalten vergangener Zeit dem Schweinefutter zugesetzt; Spielchteemer `Eimer mit Abwaschwasser´.

spieln swv. Westlausitz `spülen, (Wäsche) schweifen´, sonst schweefm.

Spielschule f. veralt. `Kindergarten´.

Spieß m. Pl. Spisser 1. wie litspr. `Stange, Stab´; RA: wie oan Spisse bläkn `sehr schreien (vor Schmerzen)´. - 2. Dim. Spissl verstr. Obercunnersdorf, Deutsch Ossig `an langem Stiel angebrachte leichte zweizinkige Gabel, mit der man die Garben anspießt u. auf den Erntewagen reicht´.

spiez, spiezch dass wie spitzch.

Spillchn m. n. Oberlichtenau `ungepfropfte, unveredelte, wilde, kleine gelbe Pflaume´; Spillchnboom. Lautf.: Pl. Spillinge Peickwitz.

Spille f. 1. `Spindel: stab-, stangenförmiges Teil (um das sich etw. dreht), Teil des Spinnrades´. - 2. übertr. a. `Eisenstab zum Zusammenhalten der Sprossenleiter´; ehb´ch Äppl oabnahm, mach´ch anne neue Spille a de Letter. - b. `Verbindungsstück zwischen den beiden Pflugarmen´ - c. `Seitenstab am Kuh- u. Ochsenjoch´. - d. `Stahldraht am Spulrad, auf den die Garnspule gesteckt wird´. - e. `auf die Kirchenspitze aufgesetzte eiserne Stange, auf der Knopf, Wetterfahne u. Stern stecken´ - f. Obercunnersdorf `Einziehnadel´. - g. Leimspille `Leimrute zum Vogelfang´. - h. abwert. `altes Fahrrad´; mit dar aaln Spille tät´ch ne bis uff Usterz foahrn; Dreckspille. - i. Jonsdorf `Welle, Schnecke mit Gewinde´. - 3. übertr. `dünne Person´. Vgl. Spirle!

Spillerch m. veralt. verstr. `Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense L.)´, auch Spinnlch u. Spinnerch, Koatznzoajl u. Zinnkraut!

spillerch Adj. `wie eine Spindel aussehend, spindeldürr, lang u. dünn, dünnbeinig, zurückgeblieben, schwächlich´; a Poaar spillerche Beene hoann.

spilln swv. veralt. `spillen: beim Spinnen die Spindel drehen´; vun Spilln und vu Bärn miss mer´ch dernährn.

Spindebrat n. Ober- u. Niedercunnersdorf, Jonsdorf `gespundetes Brett, (Dielen-)Brett mit Feder u. Nut´; RA: Dar sitt durch a Spindebrat `der bemerkt alles´; dar loigt wie zahn gespunne Brate. Lautf.: Spundebrat Niedercunnersdorf.

spindesiern swv. siehe spintesiern!

Spinettl n. Dim. von Spinett `kleines einchöriges Kielklavier mit fünf- bis sechseckigem Instrumentenkorpus´; a Kusinl vu dr Liesl soatzte sich oa doaas aale kloapperchte Spinettl.

Spingst m. verstr. Ostlausitz `vorlauter, naseweiser junger Bursche´. Lautf.: Spings.

spinn stv. iech spinn(e), du spinnst, mer spinn, iech spoann (stv.), spunn (Seifhennersdorf) od. spinnte (swv.), iech hoa gespunn `spinnen´. 1. `Flachs, Wolle ´(mit Hilfe des Spinnrades) zu einem Faden drehen´; kenn gudn Foadn minander spinn `sich nicht vertragen´. - 2. übertr. `sich unnormal verhalten, verrückt sein, Unsinn erzählen´; du spinnst wull! - 3. übertr. `gehorchen, sich ein- und unterordnen´; wenn de ne spinnst, gist de heem!

spinnch Adv. 1. selt. `albern, verrückt, aus der Art schlagend, unrealistisch´; dar is aber heute spinnch. - 2. `spinnefeind´; se sein anander spinnch.

Spinn(e)road n. Dim. Spinn(e)radl `Spinnrad: Gerät, mit dessen Hilfe man Flachs od. Wolle mit der Hand zu einem Faden dreht´.

Spinnerch siehe Spillerch!

Spinnewäbcht siehe Spinnwabe!

Spinnro(a)ckn siehe Roackn!

Spinnwabe f. `Spinngewebe´. Lautf.: Spinnwäbe Jonsdorf, Schirgiswalde, Oberlichtenau, Spinnewabe, Spinn(e)wäbe, Spinnwiebe um Görlitz, Spinn(e)wabcht n. Neugersdorf, Spinn(e)wäbcht n. Neugersdorf, Obercunnersdorf, Spinn(e)wabmnaast wSüdlausitz n., Spinn(e)wäbmnaast n.um Löbau.

Spinoat (1.Silbe kurz und betont) m. `Spinat´. Lautf.: Spinoate (2.Silbe betont).

Spinte f. veralt. Westlausitz, nOberlausitz dass. wie Rocknstube, siehe auch Lichtnobd!

spintesiern swv. 1. °ZI Ebersbach `über etwas nachgrübeln´; dr Grußvoater wullt oack a brinkl spindisiern. - 2. Jonsdorf `dummes Zeug erzählen, spinnend erzählen, fantasieren´. - 3. Schirgiswalde `nachdenken´. Lautf.: spindisiern, spindesiern.

Spirle f. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach `schwächliche, dünne, kleine Pers., meist Frau oder Mädchen´. Vergl. Spille! Lautf.: Sperle.

spirzln swv. 1. Steina, Oberlichtenau `wiederholt ein bisschen ausspucken (verbunden mit leichtem Hüsteln), schwach spucken´; waajn dan Kernln misst mer immer spirzln. - 2. Schlesien `fein regnen´. Lautf.: sperzln, sparzln, spoarzln.

Spisser m. `Spießer´ 1. Obercunnersdorf `kleiner Spieß, langes spitzes Hölzchen (zum Aufspießen von kleinen Gegenständen´. - 2. Spitzkunnersdorf `aufgespießtes kleines Stück, kleiner Bissen, Kostprobe´.

Spisserch m. dass. wie Spisser.

Spissl n. `an langem Stiel angebrachte leichte, zweizinkige Gabel, mit der man die Garben anspießt u. auf den Erntewagen reicht.

spissn swv. `spießen´. 1. `etw. mit einem spitzen Gegenstand anstechen´; RA (zu einem Neunmalklugen): wenn mer diech ne hättn und de klenn Leffl, misst mer de Suppe (mit dr Goabl) spissn. - 2. refl. `mit der Spitze in etw. stecken´; ´s Masser hoat´ch an Dreck gespisst. - 3. `herausragen (Haarnadeln aus dem aufgesteckten Haar)´.

spitterch Adj. Obercunnersdorf, Zittauer Gebirge, Nordböhmen `gefleckt, gesprenkelt´; spitterche od. gespitterte Hihner.

Spittl n. `Hospital, Krankenhaus, Armenhaus´; Spittlkirche; a misste a poaar Tage as Spittl.

spitzch Adj. `spitzig´ Verwendungsweise wie `spitz´. 1. wie litspr.; brengn mer oack a spitzches Masser! A zug anne spitzche Gusche; kleene Mäusl mit spiezchn Schnäuzln. - 2. `abgemagert, schmal u. dünn (Personen, meist nach einer Krankheit)´; du bist aber spiez gewurn! - 3. in der Wendung spitzch warn `spöttisch, ironisch, verletzend werden (in den mündlichen Äußerungen anderen gegenüber)´. Lautf.: spiez, spiezch, spitzsch Jonsdorf.

Spitze f. 1a. wie litspr. - b. `Vorderzone des Sensenblattes´. - 2. `bes. Spielart beim Skat (eine Art umgekehrter Grand)´; mer spieln Spitze, du kimmst!

Spitzebarg m. `Oderwitzer Spitzberg´; uff´m Spitzebarg kraajgln; iech sah´n Uderwitzer Spitzebarg schunn vu weitn.

Spitzkrepper m. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Drachen an der Schnur´.

Spitzkunnerschdurf ohne Genus `Spitzkunnersdorf (Ort der Gemeinde Leutersdorf im °GR)´; auch Kunnerschdurf od. Spitze; de Spitzkunnerschdurfer od. Kunnerschdurfer `die Einwohner von Spitzkunnersdorf´.

Spitzlirche f. Großschönau `Baumpieper (Anthus trivialis)´.

spitzn swv. `spitzen´ von der Litspr. abweichend 1. de Uhrn spitzn `lauschen´. - 2. (refl.) uff woaas spitzn `aufmerksam auf etw. Bestimmtes sein, auf der Lauer liegen´; de Kinder spitzn oack druf, doaaß´ch´n woaas mitgebrucht hoa; do hoat´r imsunst gespitzt; a hoatt´ch schunn druf gespitzt.

Spitznsoaloat m. in der Wendung Spitznsoaloat hoann `Abbruch der Skispitze von Holzskiern´. Lautf.: Spitznsuloat(e).

Spitzwaajgerch m. `Spitzwegerich (Plantago landceolata L.)´. Lautf.: Spiezwaajgerch.

Spoan (gedehntes o) m. Pl.: Späne, Dim.: a Spanl, zwee Spanl `Span: schmales, abgespaltetes Holzteil´; kenn Spoan Feuerhulz mih hoann, a poaar Spanl zun Oaafeuern machn; gegen Motten Kiefernspanl; RA: Späne machn `etw. nicht befolgen, aufbegehren´; RA: Ees hoat ann Spoan zu winngk od. enn fahlt a Spoan `jmd. ist nicht besonders gescheit´. Lautf.: Spon.

Spoankirbl n. `Spankorb: kleiner, aus dünnen Holzspänen geflochtener Handkorb´ wird zum Transport von Obst, Beeren u. Pilzen verwendet. Lautf.: Sponkirbl, Spoankerbl Oberlichtenau.

spoann swv. `spannen´ 1a. wie litspr. `etw. straffen, straff anziehen´. - b. `zu sehr gestrafft, zu eng sein (bei Kleidungsstücken)´; du hoast aber zugenumm,´s Hemde spannt iebern Bauch und iebersch Kreuze. - 2. `seine Aufmerksamkeit auf etw. richten, scharf hinsehen, angestrengt horchen´; uff´s Assn spoann; mir Kinder spoanntn uff de Foaasnacht; wie de Mäusl uff woaas spoann.

Spoann(e)moann m. `Pers., mit der man bei einer bestimmten Aufgabe zusammenarbeitet´; mei Spoannemoann is ne uff Oarbeit gekumm.

Spoannknittl m. `Spannknüttel: Holzknebel, mit dessen Hilfe die Spannkette durch Drehung gespannt wird´. Siehe auch Rettl!

Spoannrettl m. dass. wie Spannknittl.

Spoannseel n. `Spannseil: (hinteres) Seil zum Befestigen des Heubaums auf dem Heufuder´.

spoansch Adj. 1. `spanisch, aus Spanien stammend´. - 2. in den Wendungen spoansch vierkumm, doaas is mer spoansch `seltsam, unerklärbar, unbekannt´.

spoansches Ruhr n. Albert unbekannt `spanisches Rohr: Rohrstock aus Material der Rattanpalme´; ging Koarrseck uff´s Schissn, nahm´r sei spoansches Ruhr mitte `ging der Räuberhauptmann Karaseck auf das Neugersdorfer Schießen, nahm er seinen Rohrstock mit´. Siehe auch Ruhrstook!

Spoarrn m. `Sparren: schräg liegender, vom First bis zum Dachfuß reichender Balken des Dachstuhles´.

Spoaß m. `Spaß´. 1. wie litspr. `lustige Äußerung od. Handlung, Scherz´; iech hoa miech oack zun Spoaß geplogt; doaas gitt mer iebern Spoaß. - 2. wie litspr. (nicht im Pl.) `Vergnügen, Freude´; Spoaß muss senn, und wenn´s ba dr Leiche is, sunst gitt kenner mitte.

Spoaßdurdl n. Obercunnersdorf `spaßige Person, bes. Mädchen´. Lautf.: Spoaßdurl Neugersdorf.

Spoatzer m. Niedercunnersdorf, Eibau `an beiden Enden zugespitztes Holzpflöckchen zum Spielen´; mit Kreisln und mit Spoatzern hoa´ch Spoaß gehoat.

spoatzern swv. Niedercunnersdorf, Eibau, Neugersdorf altes Kinderspiel `ein zweiseitig gespitzter Holzpflock wurde auf einen Stein gelegt. Nun schlug man mit einem Stecken auf eine Spitze, so dass der „Spoatzer“ durch die Luft flog und von den anderen Kindern (in der Schürze) aufgefangen wurde´.
Lautf.: spatzern.

Spoaziersteckn m. `Spazierstock´.

Spoazierwaajg m. `Spazierweg: Spaziergang´.

Spon (langes o) siehe Spoan!

Spraa f. auch Wünsche Kirschau `Spree´ (Fluss, der im Oberland entspringt, drei Quellen hat und durch den Spreewald nach Berlin fließt). Lautf.: Sprä, Spreeflissl Neulausitz.

Spraaburn m. `Spreeborn: eine von drei Spreequellen, sich in °ZI Ebersbach befindend´.

Spraadurf n. `Spreedorf (Ortsteil der Stadt Ebersbach-Neugersdorf im°GR)´; de Spraadurfer `die Einwohner von Spreedorf´; die wohn an Spraadurfe.

Spraaqual m. `(die auf dem Kottmar gelegene) Spreequelle´.

Spraamerch `Spremberg´. 1. Stadtteil von Neusalza-Spremberg im °GR; uff Spraamerch gihn, de Spraamcher `Einwohner von Spremberg´. Siehe auch Neusaalz! - 2. Stadt in der Niederlausitz im Land Brandenburg.

Spräh f. Südlausitz `Spreu: feiner Abfall beim Dreschen, aus Spelzen u. Grannen des Getreides bestehend´. Lautf.: Spreu Niedercunnersdorf; Sprähe; Sprihe Westlausitz, Sprie nOstlausitz. Siehe auch After!

Sprähkurb m. `Spreukorb: sehr großer, (runder, ovaler od. vierkantiger) Korb mit od. ohne Henkel zum Transport von Spreu od. Heu auf kurzen Wegen im Gehöft, der mit Hilfe einer Gurtschleife od. eines Seils über einer Schulter getragen wird´. Lautf.: Spriekurb Ostlausitz.

sprähn swv. `sehr fein regnen, nieseln, sprühen´; `s misste wieder amol raajn und ne oack sprähn; iech ieberspräh de Wiese itze.

Spree `Spree (Ort der Gemeinde Hähnichen im °GR)´; de Spree-er `die Einwohner von Spree´.

Spreehoammer (2.Silbe betont) `Spreehammer (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´.

Spreeßboajttl m. Seifhennersdorf dass. wie Spreeßer!

Spreeßer m. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Angeber, Aufschneider, Prahler´.

spreeßn swv. (refl.)Südlausitz `angeben, prahlen, protzen, wichtig u. groß tun, mit Worten viel her machen´; tu oack ne su spreeßn.

Spreeuffwurf (2.Silbe betont) n. `Spreeaufwurf (Teil des zur Stadt Rothenburg OL gehörenden Ortes Neusorge im °GR)´; de Uffwurfer `die Einwohner von Spreeaufwurf´.

Spreezn m. `Spelzen´; de Kernl huppm aus´n Spreezn.

Spreuße f. veralt. `Sprieße, Stütze am Wagen, Stangen zwischen den Leitern des Ackerwagens´. Lautf.: Spreuze.

Sprie siehe Spräh!

Spriegl m. `Spriegel: gebogenes, elastisches Stück Holz, z.B. hölzerner Bügel, über den eine Wagenplane gespannt wurde´.

Sprinkl m. `Sprenkel´. 1. `(sehr kleiner) Fleck, Klecks, Tupfen´; du hoast´n Arml vuler Sprinkl. - 2. `Spritzer, kleiner Tropfen´. - 3. nur im Pl. `Sommersprossen´. Lautf.: Sprenkl.

sprinklch Adj. `kleingefleckt, getupft´. Lautf.: sprenklch.

sprinkln swv. selt. `sprenkeln: tröpfeln, sprühen, tüpfeln, mit wenig Spritzern versehen´; ´s hoat ne vill geraajnt, ´s hoat oack gesprinklt, besprinkln `bespritzen´ Lautf.: sprenkln.

Sprissl siehe Sprusse!

Sprisslch m. Wehrsdorf `Schnittlauch (Allium schoenoprassum L.)´, siehe auch Brieslch u. Schnittlch!

sprisslch Adj. Westlausitz `gefleckt, getupft, gesprenkelt´; dr Stoff is ganz sprisselch.

sprissln swv. °BZ Sohland `wenig od. sehr fein regnen´.

Spritze f. 1. `Feuerlöschgerät´. - 2. Ober- u. Niedercunnersdorf `Tempo´; heemzus macht mer Spritze un lenktn ´s vierraderche Waajngl mit´n Benn.

Spritznhaus n. Dim. Spritznhäusl `Geräteschuppen der Feuerwehr eines Dorfes´, diente früher zugleich als Gefängnis für Landstreicher, Bettler u. kleine Kriminelle, die hier vom Ortsvorsteher festgesetzt wurden, bevor ein ordentliches Verfahren eingeleitet wurde.

Sproche f. 1. wie litspr. `Sprache´; do hoat mer´sch glei de Sproche verschloin. RA: Iech koann drei Sprochn: Loabern, geckern und wie derheeme rädn. - 2. `Mundart´; unse gude aale Sproche.

Sproz (gedehntes o) ohne Genus, veralt. m. selt. `Sproitz (Ortsteil der Gemeinde Quitzdorf am See im °GR)´, de Sprozer `die Einwohner von Sproitz´.

Sprungk m. `Sprung´. 1a. `springende Bewegung´. - b. `kurze Wegstrecke´. - c. in der Wendung uff ann Sprungk `für eine kurze Zeitspanne´. - 2. `Riss, feiner Spalt´.

Sprungkbulle m. Cunewalde, Burkau, Westlausitz `Sprungbulle: Zuchtbulle´.

Sprungkseel n. `Springseil´.

Sprusse f. Dim. Sprissl `Sprosse: rundes Querholz an einer Leiter, Querleiste an der Erntewagenleiter´, im Dim. `Stängel der Hühnerleiter´.

Spucke f. `Speichel´; dar sitt aber gaajkch aus, wie Braunbier und Spucke; de Spucke wegbleibm `keine Worte finden´.

spuckn swv. 1a. wie litspr. `spucken´. - b. `brutzeln, zischen´. - c. `Funken sprühen´; dr Ufm spuckt, do kimmt Besuch (Volksglauben). - 2. `schimpfen, schelten´; RA: Gift und Goalle spuckn.

Spuhle veralt. f., ohne Genus `Spohla (Ort der Stadt Wittichenau im °BZ)´. Lautf.: Spohle. Laut Sage Geburtsort des Oberlausitzer Hexenmeisters Martin Pumphut.

Spule f. 1. `Stab od. Rolle aus Holz für Garn und mit Garn´. - 2. übertr. `Spulrad, Spulmaschine, Spulerei´; die oarbeitn a dr Spule.

Spulkirbl n. `mit Schussspulen gefüllte Körbchen in Reichweite des Webers´. Lautf.: Spulkurbl.

Spulkn Pl. Reichenau bei Zittau `Haussperling (Passer domesticus L.)´.

spuln swv. `spulen: Garn auf eine Spule wickeln´.

Spulpfeifl n. `Garnspule im Schützen des Handwebstuhles, (leere) Schussspule´. Siehe auch Pfeife! Vgl. Treibepfeifl!

Spulroad n. Dim. Spulradl `Spulrad: Vorrichtung zum Aufwickeln von Webgarnen auf (Schuss)spulen´.

Spund m. 1. `Stöpsel, Zapfen zum Verschließen einer Fassöffnung´. - 2. `Feder an einem (Dielen-)Brett, die in die Nut eines Nachbarbrettes eingepasst wird´. - 3a. Südlausitz `vorwitziger, kleiner Junge´. - b. Südlausitz `jüngster Lehrling´; doaas is Oarbeit fer´n Spund. - 4. siehe Spundes!

Spundebrat siehe Spindebrat!

Spundenudl f. Südlausitz `kleiner munterer, freundlicher u. molliger Junge´.

Spundes m. `Angst, Respekt´; ver´n Voater hoat´r Spund(es). Lautf.: Spundus, Spund.

Spunz m. Göda `Sperling´. Lautf.: Spunzch

spurch Adj. mnOstlausitz `sporig: kernfaul, morsch (Bäume, bes. Kiefern)´. Lautf.: spurich.

Spur(e) f. Süd- Ostlausitz `Uhrzeiger´; de kleene und de gruße Spure, auch Seegerspur. Lautf.: Spur.

spurn (gedehntes u) swv. `gehorchen, sich einordnen´; ba uns musst de spurn, sunst roocht´s!

spurnstracks Adv. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `unverzüglich, sofort, schnell´.

sputtschlaajcht Adj. `charakterlich überaus schlecht´.

Sta

Staadtl od. Stadl n. Dim. von Stoaadt 1. `Städtchen (in unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfes, in dem der Mundartsprecher das Wort verwendet); Marktflecken´. So ist für den Dittelsdorfer Hirschfelde das Staadtl, für die Schönau-Berzdorfer Bernstadt. Mer wulln heute as Staadtl gihn. - 2. `Ortsteil mehrerer Dörfer´; Ziegestaadtl (Ortsteil von Obercunnersdorf). Siehe auch Bettstaadtl!

Staadtler od. Stadler m. `Einwohner eines Städtchens´.

staadtsch od. stadsch Adj. `städtisch´.

Staajg m. Dim. Staajgl `Steg: über eine Holzbrücke führender schmaler Weg´.

Staajnder m. siehe Ständer!

staate siehe state!

Stäber m. dass. wie Stäberch.

Stäberch m. `kurzer Regen- od. Schneeschauer (mit viel Wind), Schwall kalter Luft´.

stäbern swv. `stöbern: `(heimlich) nach etw. suchen (u. dabei alles durchwühlen)´.
stäbern swv. `stäubern´ 1. `Staub aufwirbeln´. - 2. `bei starkem Wind heftig schneien, wehen, Stieben von Schnee´; wenn´s su stäbert, joit mer kenn Hund raus; Schniegestäber. - 3. ausstäbern `etw. durch Ausschütten, Ausklopfen von Straub reinigen´. Lautf.: steebern, stäwern Westlausitz.

Stäberwater n. `stürmisches Wetter, Schneegestöber´.

Stabl (Dim. von Stoab) n. 1. Neugersdorf, °NOL Königstein `Stäbchen´; zun Basnstängl brauch mer vier Stabl; dr Papegei huppte a Stabl hicher. - 2. Großhennersdorf `Stelze´. - 3. übertr. Schirgiswalde `Zigarette´; itze rooch mer a Stabl.

stabln swv. verstr. `unsicher gehen, wie auf Stelzen laufen´.

Stachete (kurzes a, gedehntes e) f. Dim. Stachetl `Stakete: schmale Zaunlatte´; Zaumstachete.

Stachlbäre f. `Stachelbeere´. 1. wie litspr. - 2. Anton `bissige Bemerkung, Stichelei´; Stachlbärn austeeln `Spitzen austeilen´.

stachlbeench(t) Adj. selt. dass. wie stachlch; du gist mer ju su stachlbeencht?

stachlch Adj. nwSüdlausitz, Westlausitz `unsicher, steifbeinig´.

stachln swv. Westlausitz `unsicher gehen (bei Glatteis)´. Vgl. staksn.

stackn siehe steckn!

stade siehe state!

stahln stv. `stehlen´; mdal. besser: mausn.

stakch (gedehntes a) Adj. `steifbeinig, steif, hölzern´. Lautf.: stackch Westlausitz.

stäkern swv. 1. selt. `stochern, mit einer Stange in etw. herumbohren´. - 2. Neu- u. Ostlausitz `staken: einen Kahn oder ein Floß auf seichtem Wasser durch eine Stechstange fortbewegen´.

stakn swv. (Neusorge, Hintere Sächsische Schweiz) dass. wie staksn; mit´n Steckn stakn; zun Omde koam´r oaagestakt.

staks´ch Adj. `staksig: dünn- u. hochbeinig´.

staksn (gedehntes a) swv. `unbeholfen, steifbeinig gehen; stelzen (evtl. mit Unterstützung eines Stockes)´.

Stamml n. Dim. von Stoamm `Stämmchen´. 1. `kleiner Baumstamm´. - 2a. `Stammtischbrüder´; ´s ganze Stamml sitzt wieder basoamm und driescht Skoat. - b. `(kleine) unbestimmte Anzahl von (sich gut kennenden, aufeinander eingestimmten) Personen; Kollektiv, Mannschaft, Team, Verein´; unser Stamml hoat verlurn; Koaffeestamml `Kaffeekränzchen´; Reecherstoamm, Musikantnstamml.

stanate Adv. Neugersdorf `obstinat: würdig, würdevoll, gemessen, gesetzt, steif, aufrecht, unbeugsam, starrsinnig, unbelehrbar´; dr aale Inspekter ging immer ganz stanate uff Oarbeit. Lautf.: stoanoat (zweite Silbe gedehnt).

Stand m. neben der litspr. Bedeutung 1. `Ansehen, Stellung´. - 2a. `Verkaufsstand für eine begrenzte Zeit´; ann Stand uff´m Schissn hoann. - b. `kleiner, abgeteilter Raum eines Stalles; Box´. - c. `fester Sitzplatz in der Kirche, Kirchenstuhl´; a jeds hutte seck senn Stand a dr Kirche. - 3. in der Wendung (zu nischt) an Stande senn `(zu nichts) in der Lage sein´; is Frasszeug is an Stande `die Zähne sind in guter Verfassung´.

Standare (zweites a gedehnt) f. `Standarte´. 1. °ZI Ebersbach `lange dürre Frau´. - 2. Bihms Koarle `große, kräftige Frau´. Lautf.: Standoare.

standebeene, stande Beene
Adv. selt. Südlausitz `sofort, augenblicklich, stehenden Fußes´; doaas machst de itz, standebeene! Iech misste sahn, doaaß´ch standebeene zun Luche raus koam. Lautf.: standerbeene Oderwitz.

Ständer m. `Ständer´. 1. `großes, rundes (dreibeiniges abgedecktes) Gefäß aus Holz od. Steinzeug für den Wasservorrat der Küche´; Burnständer. - 2. `der senkrechte, aus der Erde ragende Teil der Pumpe (häufig ein ausgehöhlter Baumstamm), in dessen Innerem sich die Pumpenröhre befindet´; Plumpmständer; ann Ständer hoann `ein steifes Glied haben´. - 3. dass. wie Saule 1b. Lautf.: Staajnder Neugersdorf, Stander Seifhennersdorf.

Ständerchl n. selt. `Unterhaltung, die im Stehen (auf der Straße) geführt wird´; a Ständerchl machn. Lautf.: Ständerchn Anton.

ständern swv. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach `müßig herumstehen, um Maulaffen feilzuhalten od. zu klatschen´; an Waajge rimständern. Lautf.: staajndern.

standhoaftch Adj. `standhaft, fest stehend´; a standhoaftcher Schemml.

Standboom m. selt. `hängender Balken, der zwei Boxen in einem Pferdestall voneinander trennt´.

Ständl Dim. `Ständchen: ein kleines Lied oder Musikstück, mit dem der Vortragende oder die Vortragenden meist einem einzelnen Zuhörer aus besonderem Anlass eine Freude bereiten wollen´; dar brengn mer a Ständl.

Standpauke f. in der Wendung anne Standpauke haaln `jmdn. schelten´. Mdal. besser Refermande.

Stängl m. n. 1. dr Stängl `fester Teil der Pflanze, Stiel´. - 2. msSüdlausitz, sOstlausitz `Besen- od. Rechenstiel´, vun Basn is dr Stängl oab; Rechstängl. - 3. ´s Stängl `Holzstab am oberen Ende der Hühnerleiter´; RA: ver Schreck vun Stängl foalln. - 4. in der Wendung enn uff´s Stängl nahm dass. wie stängln.

Stänglbasn m. Südlausitz `langstieliger Besen (im Gegensatz zum Handfeger)´.

Stänglbuhne f. `an Stangen gezogene Bohnensorte´.

Stänglburscht(e)wiesch m. Niedercunnersdorf `aus Stroh gebundener Besen mit langem Stiel´. Lautf.: Siehe Burscht(e)wiesch!

stängln swv. `jmdm. od. etw. zum Aufstehen verhelfen, ein Kleinkind auf den Arm nehmen, hoch setzen, herum tragen, stützen´; do musst de abm tittn, mei Klenner, iech koann diech ne ´n ganzn Tag stängln.

Stänker m. 1. `Teer´. - 2. °ZI Ebersbach, Cunewalde `(stinkendes) Teerpräparat als Heilmittel fürs Vieh´.

Stänkerbook m. `nicht kastrierter Ziegenbock´.

Stänkerch m. 1. `Person (Tier, Ding), die (das) die Luft verpestet´. - 2. `Person, die Unfrieden stiftet´. - 3. `Person, die unerlaubt herumstöbert´.

stänkern swv. 1. `mit Gestank (und Qualm) die Luft verpesten´; dr Ufm stänkerte.  - 2. `Unfrieden stiften, hetzen, Streit schüren´. - 3. `(aus Neugierde heimlich u. unerlaubterweise) in Schränken, Kästen u. ähnl. stöbern, herumsuchen´; iech hoa de Koammer zugeschlussn, dermit de Kleene ne an Schranke rimstänkert. Lautf.: alte Form für Bedeutung 3 stankern.

Starbche f. `das Sterben, Sterblichkeit, todbringende Seuche´.

Starbl dass. wie Starblch. Lautf.: Stirbl, Sturbl.

Starblch m. Süd- u. Ostlausitz `Sterbling´. 1. `tot geborenes, nicht lebensfähiges od. zurückgebliebenes Kind od. Jungtier; missgebildetes (Haus)tier´. - 2. `missratener, verkrüppelter Baum; verkümmerte Pflanze´. Lautf.: Sterblch, Stirblch Neugersdorf, Sturblch, Stoarblch Oberlichtenau.

starblch Adj. `zum Sterben verdammt, nicht lebensfähig, sehr ärmlich´; dr stirblche Sturchschnoabl. Lautf.: stirblch Neugersdorf, Seifhennersdorf.

starbm stv. iech starb(e), du stirbst, a stirbt od. sterbt od. starbt Neukirch, mer starbm, iech stoarb, iech bie gesturbm `sterben´; Volksglauben: Wenn´s Käuzl rufft „kumm mit, kumm mit“, muss ees starbm; ees stirbt, ´s ander verdirbt `Geschwisterhochzeiten im selben Jahr bringen Unglück´; woaas stirbt, doaas frisst ne mih; aalt mecht ees ne warn, und jungk mecht ees o ne starbm; dar Karle is fer miech gesturbm `der Kerl existiert für mich nicht mehr´; Volksweisheit: War nischt derheiroat und nischt dererbt, dar bleibt a oarmes Luder, bis a sterbt. Lautf.: starm, sterm.

Starbs siehe Stirbs!

Starnbratl n. siehe Barnstaadtl!

starnhaglmäßch Adj. in der Wendung starnhaglmäßch besuffm senn `außerordentlich betrunken sein´.

Starnickl (kurzes a) n. meist. Pl. verstr. wSüdlausitz , sWestlausitz `kleine (wilde) Pflaume (Prunus insititia J.)´. Lautf.: Stoarnickl, Sternickl.

Starz m. siehe Sterz!

starzlch siehe sterzlch!

starzln siehe sterzln!

state Adv. stater, oan statstn 1. `stetig, langsam, bedächtig, ruhig, allmählich, behutsam, gelassen´; a gingk state und gewieß `er ging stolz und selbstsicher´. RA: State und gewieß (kimmt dr Murgnschieß) `langsam aber unaufhaltbar´. - 2. `aufrecht, gerade, hoch aufgerichtet (beim Gehen), stolz, eingebildet´. Lautf.: stade Neukirch, Neukirch.

Stäubl n. Dim. von Stoob. Siehe Stoob u. Steebl!

Staubz `Neuschmölln (Ort der Gemeinde Schmölln-Putzkau im °BZ); de Staubzer `die Einwohner von Neuschmölln´.

Staucher m. 1a. `schwere Anstrengung; etw., dessen Überwindung viel Kraft kostet´. - b. `Dämpfer, Schicksalsschlag; se hoat ann Staucher durchgemacht. - 2. `Stoß, Erschütterung (beim Fahren)´.

Staucherch m. dass. wie Staucher.

stauchn swv. `stauchen´, neben den litspr. Bedeutungen auch `erniedrigen, kleinlaut machen´.

stauchn swv. Burkau, Frankenthal, Pulsnitz `stehlen´; ich hoa woas oabgestaucht.

Stäudl n. Dim. `kleine Staude´; a schie Stäudl Pumplrusn.

Staupe f. `leichtere grippenartige Erkrankung, die umgeht; immer einmal wiederkehrendes Kranksein; Erkältung´.

Ste

Stecheisn n. Ostlausitz `gabelartiges Gerät mit langem Stiel u. eisernen Spitzen zum Stechen von Hechten´.

stechn stv. iech stech(e), du stiechst od. stichst, mer stechn, iech stoach, iech hoa gestoachn Obercunnersdorf od. gestachn Zittauer Gebirge, Schirgiswalde wie litspr. `stechen´. Lautf.: stachn Seifhennersdorf.

Stechnelke f. `Igelpolster (Acantholimon glumaceum)´. Lautf.: Stechnaajlke.

Stechoappl m. Weifa `Große Klette (Arctium lappa L.)´.

steckch Adj. 1. Niedercunnersdorf, Lawalde `trotzig, verstockt, störrisch´; de Kuhe woar steckch; ees hoat ann steckschern Nischl wie´s ander. - 2. Wittgendorf `mit Stockflecken versehen, modrig, muffig´; ´s hoat uff de Säcke getrepplt, anu sein se steckch. Lautf.: stecksch.

Stecke Pl. siehe Stook!

Steck(e)bett n. Dim. Steck(e)bettl `langes Kissen, in das der Säugling eingebunden wird; Wickelkissen´. Darin wurde dieser zur Taufe getragen. In das Steckbett wurden die Patenbriefe geschoben.

Steckefichtl n. Niedercunnersdorf, Eibau `Fichtensetzling´.

Steckenole f. Pl. Steckenoln Oberland `Stecknadel´. Lautf.: Steck(e)nulde Zittauer Gebirge, söSüdlausitz, Steck(e)nodl.

Steckl n. siehe Stook!

Stecklbeene Pl. scherzh. `lange, dünne Beine´.

Stecklicht n. verstr. veralt. wSüdlausitz um Neukirch, Nordböhmen, Sächs. Schweiz `(letzter) Kienspan´; RA: zu Steck(e)lichte kumm `gerade zur rechten Zeit kommen´. Lautf.: Steckelicht.

Steckn m. `Stock, Stab, Stange´; RA: A leeft, oas wenn´r ann Steckn verschluckt hätte `er läuft sehr gerade u. steif´, Spoaziersteckn.

steckn unregelm. V. iech steck(e), du steckst, mer steckn, iech stackt(e), mer stacktn, iech hoa gestackt `stecken´. 1. intrans. a. wie litspr. dr Schlissl hoat gestackt; is Fiedl bleeb mer baale an Hoalse steckn. Konj.: A bläkte, oas wenn´r oan Spisse stäke. - b. `im Gefängnis sitzen´; dar steckt immer noa an Stookhause. - 2. trans. a. wie litspr. dr Ruperch wird´ch an Saak steckn; dar steckt oalls under dr Noase rei. - b. `in die Erde tun, säen, pflanzen´; hoast de schunn `n Suloat gestackt? - c. `jmdm. die Meinung sagen´; de Nubbern hoat mer´sch wieder gestackt. - d. RA: Se stacktn wieder enn uf `sie machten weiter´. Lautf.: stackn Spitzkunnersdorf, Pulsnitz; mer staajktn Hintere Sächsische Schweiz `wir steckten´.

Stecknpfard n. `Steckenpferd: Hobby´.

steebern siehe stäbern!

Steebl n. Dim. von Stoob u. Stoobm `Stäubchen: sehr kleine Menge, fast gar nichts´; a Steebl Mahl burgn; a koam uff a Steebl verbei; a Steebl Mahl muss droaa! RA: Dar macht jeds Steebl zu Miste. Vgl. Stoobm!

steebm swv. Neugersdorf `stäuben´. 1. `herumfliegen, umherwirbeln (Staub)´, dr Mahlsaak steebt; de Funkn steebm aber! - 2. `Staub aufwirbeln´. - 3. `etw. staubig machen, in Staub einhüllen, mit einem Flüssigkeits- Luft-Gemisch einnebeln´; iech muss mei Auto noa eisteebm. Lautf.: steem. Siehe auch stiebm!

Steefe siehe Steife!

Steen m. Dim. Steenl od. Steenchl Nordböhmen 1. `Stein´, mei Voater gingk an Steenbruhch Steene kluppm; Sprichwort: Zwee hoarte Steene mohln ne gutt `zwei eigensinnige Menschen kommen schwer miteinander aus´; RA: Iech schmeiß dr amol ann Steen an Goaartn `ich werde mich erkenntlich zeigen´; Volksmund: Gruße Steene, kleene Steene, miede Beene, Aussicht keene; Reensteen, Kuttlsteen. - 2. `Pflaster (im Hof od. Keller)´; uff de Steene stelln `auf das Pflaster stellen, um etw. zu kühlen´. - 3. `Steinplatte´; de Äppl schloin uff´m Stenn, Stinn Ostlausitz od. Steen nOstlausitz uf. - 4. a de Steene gihn `im Steinbruch arbeiten´.

Steenbach `Steinbach´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf am rechten Queisufer, im Gegensatz zu Friedersdorf vor 1815 schlesisch; poln. `Kaluzna´.

Steenbeißer m. Bihms Koarle `Steinbeißer (eine Fischart)´.

Steenbook m. wKürzung `einem Schiebbock ähnlicher Karren mit einer starken Holzplatte u. angeführter kürzerer Schräge als Ladefläche´ (diente zum Transport einzelner großer Steine).

Steenbrecher m. `Arbeiter im Steinbruch´. Lautf.: Steenebrecher.

Steenbrecherkrankt f. `Steinbrecherkrankheit: Staubinhalationskrankheiten (Silikose)´.

Steenbruhch m. `Steinbruch´; dar hoat ann Steenbruhch a dr Gusche `der hat schlechte Zähne´.

Steenbude f. `Steinbetrieb´.

steenchn swv. `steinigen´; iech kennt´ch steenchn.

steencht Adj. `steinig´; dr Waajg woar steencht. Lautf.: steench.

Steenchtwunnsdurf Neukirch `Steinigtwolmsdorf´ (Ort u. Gemeinde im °BZ)´. Kurzform: Wunnsdurf; de Wunnsdurfer `die Einwohner von Steinigtwolmsdorf´. Lautf.: (Steencht)wullmsdurf, Steewumsdch.

Steenderfl n. `Steindörfel (Ort der Gemeinde Hochkirch im °BZ)´.

Steene ohne Genus, veralt. f. `Steina (aus Ober- u. Niedersteina bestehende Gemeinde im °BZ)´; Emil von Äwersteene, en (in)Niedersteene, en Äbersteene, no Steene gihn, de Steenschn `die Einwohner vom Steina´.

Steenelse ohne Genus, veralt. f. `Steinölsa (Ortsteil des zur Gemeinde Quitzdorf am See gehörenden Ortes Sproitz im °GR)´; de Steenelser `die Einwohner von Steinölsa´; auch Steenerln (aus der Nazi-Zeit übernommen). Lautf.: Steenilse.

steenern Adj. `aus Stein bestehend´.

Steenfloaatsche f. Großschönau `Steinschmätzer (Oenathe oenathe)´.

Steengoalle f. Niedercunnersdorf, Burkau `Stelle im Feld, wo auf dem Steinuntergrund nur eine dünne Schicht Boden lag´.

steenhoarte Adj. `steinhart, hart wie ein Stein´.

Steenkirch n. `Steinkirch (Ober-, Mittel-, Nieder-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf am rechten Queisufer, poln. `Koszielniki´.

Steenklupper m. scherzh. `Steinbrecher´.

Steenkuttl m. `großer, unförmiger Stein´.

Steenleckerze f. °ZI Rosenthal `Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare L.)´. Der Name ist sicherlich davon abgeleitet, weil sich der Tüpfelfarn an Steine anschmiegt und auch als Mauerspaltenpflanze in Erscheinung tritt.

Steenmatzcher m. °ZI Ebersbach, Cunewalde `Steinmetz´; Steenmatzchermeester. Lautf.: Steenmatscher, Steenmatschcher Wehrsdorf, Steenmetzcher Neukirch, Steenmatschner °NOL Königshain.

Steenoarsch m. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach `dickes Ende eines großen Steinbrockens´.

Steenpilz m. `Steinpilz´; mdal. besser Harrnpilz `Herrenpilz´.

Steenricke f. `Steinrücken´. 1. `Steinrücken: großer, meist langgestreckter Haufen von abgelesenen Feldsteinen auf dem Feldrain´. Siehe auch Granzsteenricke! - 2. `FlN in der Gemeinde Schöpstal zwischen Ebersbach und Kunnersdorf´.

Steenschläger m. veralt. `Steinschläger: Pers., die die grobgebrochenen Steine aus dem Steinbruch am Straßenrand zu Steinen zur Befestigung der Straße oder zu Schotter schlug´.

Steensetzer m. 1. `Pers., die Straßenpflaster legt´. - 2. Cunewalde `Kleiner Fuchs (Aglais urticae)´, ein Schmetterling.

Steewumsdch siehe Wunnsdurf `Steinigtwolmsdorf (Ort u. Gemeinde im °BZ)´!

Steife f. Niedercunnersdorf `provisorische Stütze für junge Bäume, überlastete fruchttragende Äste od. zum Absteifen bei Rekonstruktionen am Haus; Stange, mit der man die Leiter von der Rückseite her stützt; Wäschestütze´; Wä(r)schesteife. Lautf.: Steufe Bertsdorf, Jonsdorf, Steefe.

steifm swv. 1. `steifen: etw. mit einer Stütze versehen, abstützen´. - 2. `(mit Stärke Kleidungsstücke) steif machen, stärken; etw. voller, griffiger, schwerer od. härter machen´; de Wäsche wurde gesteift, anne gesteifte Radlhaube. Lautf.: steufen Bertsdorf, Jonsdorf.

Steigerwaajnl n. veralt. selt. Südlausitz `Bauernwagen für Stadtrundfahrten; Überlandwagen zur Erledigung von Einkäufen u. zum Transport von Kleinvieh´. Lautf.: Steierwaajnl.

steign stv. iech steig(e), du steigst, mer steign, iech steeg od. stieg, mer steegn (Bihms Koarle), iech bie gesteegn od. gestiegn, mer senn gesteegn od. gestiegn `steigen´; de Nubberschfrooe steeg mer uff de Bude.

steite Adv. verstr. Westlausitz `oft, öfters´; dar is steite mo besoffm.

Stelle f. 1. Südlausitz `(Platz für ein Grab) auf dem Friedhof, Grabstätte´; die hoann ihre Stelle hinder dr Kirche. - 2. verstr. Ostlausitz, Schlesien `kleine Bauernwirtschaft´.

Stellhilzl Pl. `Stellhölzchen´. 1. Anton `Hölzchen zum Fallenaufstellen´; iech bie baale vun Stellhilzl gefoalln `ich bin aus Verwunderung fast vom Stuhle gefallen´. - 2. ` scherzh. `Beine´. Lautf.: Stellhelzl.

stelln unregelm. V. iech stell(e), du stellst, mer stelln, iech stallte, iech hoa gestallt `stellen´.

Stelloaasche f. `Stellage: Gestell aus Brettern zum Abstellen od. als Stütze, Regal, Horde´; a hoat Bunn gesoatzt und anne Stelloaasche gebaut. Vgl. Hurde u. Buberatsche! Lautf.: Stellasche.

Stelzn Pl. `Stelzen´: scherzh. od. abwert. `lange (dünne) Beine´.

stemm swv. `stemmen´. 1. `emporheben, stoßen´; mer senn keene zwanzch mih und kinn ne oalls stemm. - 2. veralt. Ostlausitz `die Milch fett machen, Sahne (Rahm) zugießen´. - 3. `mit Kraftaufwand Geschlechtsverkehr haben´; dicke Weiber stemm.

Stemmer m. Neugersdorf `(alte) lange Pfeife mit großem Pfeifenkopf´.

Stemmlasse f. verstr. swSüdlausitz `Stemmleuchse´, dass. wie Stemmrunge. Lautf.: Stemmlesse °ZI Ebersbach, Stemmlechze Zodel, Leckse Nordböhmen, Stemmleiste, Lesse Schlesien.

Stemmrunge f. `Stütze zwischen oberen Leiterbaum u. Achse am Leiterwagen´, auch Rungnstitze.

Stempl m. `Pfahl, Pfosten, Stützbalken´; setz ann Stempl ei, sunst kimmt de Decke runder!

Stemplch m. dass. wie Stempl `Stützbalken, Stütze, Krücke´. Hulzstemplch.

Stenker `Steinkirchen´, bis 1945 zur Görlitzer Heide gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Koscielna Wies´.

stenzln (kurzes e) 1. siehe stenzn! Iech hoa´n rausgestenzlt, heemstenzln. - 2. Jonsdorf `stolz dahergehen´.

stenzn (kurzes e) swv. bes. wSüd- u. Ostlausitz, Nordböhmen, Schlesien `jmdn (mit Schimpfen od. Gewalt) verjagen, jmdn. antreiben (zu einer Arbeit)´; iech hoa die Goatche furtgestenzt, enn ärschlch zun Luche rausstenzn.

Steppl m. mösSüdlausitz, wOstlausitz `kurzer, (kräftiger, von Windböen begleiteter) Regen- od. Schneeschauer, kurze Schlechtwetterperiode´; ´s macht schunn wieder ann Steppl; dar kaale Steppl gitt verbei; a Steppl Rooch as Gesichte blosn.
Steppl m. Girbigsdorf 1. `Vorrichtung zum Verstopfen, Stöpsel: Korken auf der Flasche, Pfropfen, Stopfen (auch aus angesammeltem Dreck)´; ´s is a Steppl an Ruhre `das Rohr ist verstopft´. - 2. Schlesien `Saugläppchen, Zulp´. - 3. übertr. °ZI Friedersdorf `Keim im Inneren der Kartoffel´. - 4. übertr. `kleines (untersetztes) Kind´, bes. `kleiner Junge´; unser Steppl woar immer mit derbei. - 5. Ostlausitz `Kopf, Haupt´; a schuttlte ´n Steppl. Lautf.: Stippl Ostlausitz.

Stepplch m. Großschönau `Wiesenpieper (Anthrus pratensis)´, auch Piep- od. Wiesnlirche

stepplch Adj. Südlausitz `mit Keimen, Einwüchsen behaftet (Kartoffeln)´;  nee, sicke stepplche Abern, du hast se wull ba neun Monde gestackt!

steppln swv. dass. wie stepsln.

Stepplwuche f. Obercunnersdorf dass. wie Stepslwuche; a dr Stepplwuche doarf ees keene Abern steckn, do krign de Abern Steppl (Keime).

Stepsl (kurzes e) m. dass. wie Steppl 1., 2., 3. u. 4.; wie a Esschstepsl (Essigstöpsel) guckn (Burkau) `mit saurer Miene gucken´; du kleener Stepsl, du! (Pulsnitz).

stepslch Adj. dass. wie stepplch.

stepsln swv. `stöpseln´. 1. `durch einen Stöpsel verschließen, verkorken´; zustepsln. - 2. `Geschlechtsverkehr haben´; die lässt´ch vu jedn stepsln.

Stepslwuche f. Südlausitz, sWestlausitz, sOstlausitz `Stöpselwoche: Woche des Überganges vom April zum Mai, erste Woche im Mai´; in dieser Zeit soll man keine Kartoffeln stecken, weil sie da viele Stepsl, Steppl (Keime) bekommen. Bauernregel: Willst dch ieber de Abern an Harbste frähn, do doarfst se ne a dr Stepslwuche län.

sterbm siehe starbm!

Sterbs siehe Stirbs!

sterlch Adj. siehe stirlch!

sterlerch Adj. siehe stirlerch!

sternhaglmäßch siehe starnhaglmäßch!

Sterz m. Dim. Sterzl 1. verstr. West- u. Ost- u. Neulausitz `Schwanz der Säugetiere, Steiß beim Geflügel´. - 2. übertr. `widerspenstige, eigensinnige, unbelehrbare Person, meist Kind´; musst du Sterz durch de Windwäbe stoampm? - 3a. Pl. Sterze `Pflugarme´ Westlausitz, verstr. Süd- u. Ostlausitz, siehe auch Riester u. Hoalm! - b. Neugersdorf `abstehender Griff am Sensenstiel´. - 4. Dim. Sterzl `abstehende Haarsträhne´. - 5. Niedercunnersdorf `langer Balken an der Windmühle, mit dem sie gegen den Wind gedreht werden kann´. - 6. Dim. Sterzl Ostlausitz dass. wie Stitzl `(wollene, gestrickte) Pulswärmer für die Handgelenke´.  - 7. Schlesien `ein dick gekochter Brei aus Salzkartoffeln, Hirse, Buchweizen- oder Gerstemehl´, siehe Faustmauke! Lautf.: Starz.

sterzch Adj. Niedercunnersdorf 1. `abstehend, steif, unbeweglich´; sterzche Nickl `abstehende, pralle Brüste´. - 2. `stolz, unnahbar´; se tutt su sterzch, woaas moagg se oack hoann? Doaas is anne Sterzche `das ist eine Frau, die stolz tut´.

Sterze f. selt. `(zäher) Kartoffel-, Buchweizen- od. Hirsebrei´; Abern-, Abbernsterze. Auch (Abern)mauke, Faustmauke, (Abern)poapps, (Abern)poappe, (Abern)poamps, (Abern)poampe, (Abern)stoamps, (Abern)stoampe, Stoampabern, Rihrabern od. Woampmkitte.

Sterzlch m. Wittgendorf `abstehende Haarsträhne´.

sterzlch Adj. `abstehend u. kurz´. Lautf.: starzlch, stoarzlch.

sterzln swv. 1a. `in die Höhe stehen (Haar), spießen, abspreizen´. - b. `den Schwanz heben´; de Kieze sterzlte ´n Schwoanz a de Hiht. - 2. Oberlichtenau `stolzieren, geziert (mit Stöckelschuhen od. wackelndem Hinterteil) gehen´. Lautf.: starzln.

sterzn swv. `sterzen´ 1. `steif abstehen, emporragen´; de Lodn sterzn. - 2. Bihms Koarle `etw. steif emporrecken, strecken, spreizen´; ´s Pfard sterzt de Uhrn.

Steuerkäte f. Oberland `die vom Kumt zur Deichselspitze führende Kette bei Zugtieren, Deichselkette´. Lautf.: Steuerkette Süd- u. Ostlausitz.

Steufe siehe Steife!

Sti

stibide siehe stipidch!

stichzn siehe stuchzn!

stickch Adj. Cunewalde 1. `zerrissen, zerbrochen, zerschnitten´; stickche Abern. - 2. `klumpig (z.B. vom Ackerboden)´; dr Acker is stickch. Lautf.: stickcht, steckch Westlausitz.

Sticke n. Pl. Stickn, Dim. Stickl `Stück´. 1. `(abgetrennter od. selbstständiger) Teil eines Ganzen´; a Stickl Kase, die hoann zwee Stickn zusoammgelät. - 2a. `einzelnes Exemplar einer Gattung, Art´; du bist mei bestes Sticke. - b. aus frein Stickn `ohne Veranlassung, ohne Zwang´. - 3. mit einem Adj. harmloses od. kräftiges Schimpfwort; faules, freches, dummes Sticke; Miststicke. - 4a. Weifa, als ungefähres Zählmaß, mit angehängtem -er u. oftmals vorangehendem a; (a) Sticker fimfe `etwa fünf Stück´. - b. a schie Stick Geld. - 5. `Stoffballen´; vun Sticke keefm. - 6. `eine gewisse Strecke, eine unbestimmte Entfernung´; bis Ditterschbuch is noa a Sticke. Lautf.: Stecke Westlausitz.

Sticklabbern Pl. Ostlausitz `in Fleischbrühe gekochte Kartoffelstückchen (als Eintopf)´. Siehe auch Abernstickl!

Sticklzucker m. `Würfelzucker´; auch Kernlzucker.

Sticktuch n. Dim. Sticktichl `eingerahmtes mit den Buchstaben des Alphabets und mit Zittern in verschiedenen Sticktechniken besticktes weitmaschiges Tuch als Abschlussarbeit der Mädchen im Handarbeitsunterricht (um 1900)´.

Stieber m. Jonsdorf, Bretnig `Schneetreiben, Schneeschauer´.
Stieber m. `Stoß mit der geballten Faust unter die Nase´; Noasnstieber.

Stieberch m. dass. wie Stieber!

Stiebl m. siehe Stiefl!

Stiebl n. auch Curt Müller siehe Stube u. Koafferneet!

Stieblfrooe f. `weibl. Pers., die zur Miete im Stübchen wohnt´.

stiebm stv. od. swv. iech stieb(e), du stoibst od. stiebst, a stoibt od. stiebt, mer stubm dass. wie steebm! Trink oack a Tippl Koaffee mitte, dermit dr Kuchn ne su aus´n Uhrn stiebt!

Stiech m. Süd- u. Ostlausitz `Stich´. 1. wie litspr. - 2. ann Stiech hoann `überspannt, verrückt sein; nicht mehr ganz einwandfrei (Speisen)´. - 3a. `beim Kartenspiel Karten, die ein Spieler an sich bringt´. - b. `beim Kegeln Herausschieben der drei mittleren Kugeln´. - 4. `Spaten für Drainagearbeiten, Stichschaufel´. Lautf.: Stich Westlausitz, nOstlausitz.

Stiechschaufl f. verstr. Süd- u. Ostlausitz `Spaten´. Lautf.: Stichschaufl.

Stiefl m. 1. `Schuh mit hohem od. halb hohem Schaft´. - 2a. `stiefelförmiges Glasgefäß´ (in Gaststätten zum Umtrunk). - b. selt. `unterster Teil der halblangen Pfeife´, in dem sich der Pfeifensaft sammelt´. - 3. übertr. in RA u. Wendungen sich ann Stiefl eibildn `eingebildet sein´, dar oarbeit wetter noa senn aaln Stiefl. Lautf.: Stiebl Ostlausitz, Stiewl nOstlausitz.

Stieflch m. verstr. dass. wie Stiefl.

Stieflknaajcht m. `Stiefelknecht: hölzernes Gerät zum Ausziehen der Stiefel´.

stiefln swv. `mit Stiefeln gehen´.

Stieflschmähre f. `Schuhkreme´; RA: Ees frisst garne Stieflschmähre, ´s ander griene Seefe `jeder hat einen anderen Geschmack´.

Stieflwichser (gespr. Stieflwickser) m. 1. `Pers., die die Stiefel mit Schuhkreme einschmiert und blank putzt´. - 2. übertr. veralt. `Gehilfe; Pers., die einer höhergestellten Person zu Diensten ist; beigegebene persönliche Begleitperson´; a schickte senn Stieflwichser a de Oaptheke.

Stiefmitterchl n. Südlausitz Dim. von Stiefmutter `Gartenstiefmütterchen (Viola wittrockiana Gams), Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor L.)´; Pl. (zwee) Stiefmitterchl od. Stiefmuttern. Siehe auch Schiegesichte!

Stiege f. selt. veralt. °ZI Friedersdorf `20 Stück; Gruppe von zwanzig zum Trocknen od. Nachreifen aufgestellten Getreidegarben´.
Stiege f. 1. `flache Lattenkiste´. - 2. Seifhennersdorf, Wehrsdorf `(enge) Holztreppe, verstärkte Leiter´, auch `einzelne Stufe´; de Stiegn nuff.

Stieglze f. `Stieglitz (Carduelis carduelis L.)´. Lautf.: Stieglz m., Stieglitsch m. (Crostau), Stieglitze f. Nordböhmen.

Stiegnhaus n. Nordböhmen `Treppenhaus´.

stiern swv. `stören´; stier miech ne!

Stießer m. 1. `Sperber´, aber auch andere Greifvögel: `Habicht, Bussard, Wanderfalke´, Klenner Stießer `Sperber´, Grußer Stießer `Hühnerhabicht´. - 2. Cunewalde `Stechmücke´. - 3. Schlesien `mörserstoßender Hausknecht in Apotheken´.

Stießerch m. Steinigtwolmsdorf, Neukirch, Burkau dass. wie Stießer.

stießern swv. `angriffslustig stoßen wie ein Greifvogel, etw. aufstöbern wollen´; de Hurnse stießerte de ganze Decke oab. Siehe auch rei- u. rimstießern.

Stießl m. derbes bis harmloses Schimpfwort für eine `erwachsene männl. Pers. von einem ungehobelten, törichten, primitiven, unfreundlichen, aufgeblasenem bis zu einem komischen Kerl´.

Stießl n. 1. Obercunnersdorf, Cunewalde `Endstück u. Anschnitt des Brotes´. - 2. Obercunnersdorf, Leutersdorf `einzelner Teil einer drei- od. vierteiligen Semmel´; ees krigt a Stießl Samml und a Fischl druf. Auch Heetl.

Stießlch m. dass. wie Stießl (Schimpfwort) u. Stießer!

stießlch Adj. 1. Niedercunnersdorf `unbeholfen, tapsig´. - 2. Oderwitz `nicht umgänglich, unfreundlich, überheblich´; mei Unkl is sei Labm langk stießlch und pumoadch gewast.

stießln siehe rimstießln!

Stießlsamml m. msSüdlausitz `Zeilensemmel: aus drei od. vier hintereinander liegenden Teilen bestehende längliche Semmel´.

Stiftl n. Dim. von Stift 1. `kleiner Stift, kleiner Nagel, kleine Nadel´; iech find´s Stiftl vun Bilderhokn ne mih. - 2. `Lehrling, Kleinknecht, Osterjunge´, auch Usterjunge, Pujttl, Säckl, Spund.

stiftn swv. Südlausitz `(unterdrückt) jammern, leise wehklagen´; de Trauerchn tun sihre stiftn.

stihn stv. `stehen´; iech stih(e), du stist od. stihst, a stitt od. stiht, mer stihn, iech stund (Obercunnersdorf) od. stoand Neugersdorf, Spitzkunnersdorf, stund Ostlausitz, öSüdlausitz, Baarsdorf, staand Westlausitz, mer stoann, stunn, stundn Ostlausitz, stungn veralt. nOstlausitz, iech hoa gestunn od. gestoann Oberland, gestaan Westlausitz, stungn veralt. nOstlausitz; deine Hosn stihn ver Drecke, se stitt (Oberland), se stiht (restliche Südlausitz, Westlausitz, Ostlausitz.)

stihn bleibm `stehen bleiben´, neben den standartsprachlichen Bedeutungen auch `aussetzen, nicht rückgängig machen lassen, in Muskelstarre verfallen´; mach ne sicke Froatzn, dir wird noa amol ´s Gesichte stihn bleibm!

stihnde Adj. (eigtl. Part. Präs. von stihn) `stehend, im Stehen´; de Wurscht stihnde assn; du kimmst uff stihnder Foahrt zu mir `du kommst sofort zu mir!´

Stihufmannl n. `Stehaufmännlein´. 1. `kleine Figur aus leichter Masse, deren unterer Teil kugelförmig u. mit Blei beschwert ist u. die sich infolgedessen aus jeder Lage wieder aufrichtet´ (Kinderspielzeug). - 2. übertr. `Person, die sich nicht unterkriegen lässt´. Lautf.: Stihuffmannl.

Stihwurzl f. `Stehwurzel: Sellerie´, Sellerie als würziger Salat oder als Bestandteil der Kartoffelsuppe, lt. Volksglauben stärkt Sellerie die Manneskraft; Millersch senn´r schunn fimfe, und´s goab wieder Stihwurzl zu Mittche.

stille Adj. 1. wie litspr. `lautlos, leise, ohne Geräusch´; RA: stille Musicke blosn `nicht reden, schweigen´; stille Wuche `Karwoche: vom Palmsonntag bis Ostersonnabend´, stilles Woasser `Osterwasser´. - 2. `wie litspr. `unbeweglich, bewegungslos´; stille sitzn.

stimm swv. `stimmen: zutreffen; wahr, richtig sein´; do hoast de zahn Moark, ´s stimmt su!

Stimmchl n. Oberland, Nordböhmen Dim. von `Stimme´, `Stimmchen´; iech hirrte die drei halln Stimmchl vu menn Enklkindern.

Stimmbach (1. Silbe betont)  `Steinbach (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´; de Stimmbächer `die Einwohner von Steinbach´.

Stindl n. (Dim. von Stunde) `Stündchen´; dei Stindl hoat geschloin! Siehe Stunde!

stinkch Adj. `stinkig´ 1. `übelriechend´; stinkcher Kase. - 2. umg. `schlecht gelaunt, verdrießlich, unnahbar, abstoßend´; mit sachtn wurd´r a brinkl stinkch.

Stinkerwitz fingierter Familienname in dem Kindervers: ´ch will dr woaas derzähln vu dr Muhme Mähln, vu dr Muhme Stinkerwitzn, hoat`n Fluhg an Hemde sitzn, wenn se will a Brutl backn, muss se irscht ´n Fluhg zerknackn.

stinkfaul Adj. `sehr faul´.

Stinkstiefel m. `unbeliebter Kerl, der überall Schwierigkeiten macht u. Unfrieden stiftet; zänkischer, streitsüchtiger Mensch´.

Stinko dass. wie Stinko-Minko.

Stinko-Minko m. n. 1. `Gestank´. - 2. Bihms Koarle `etw. Stinkendes: Tabak, Käse, Auto, übelriechende Person´; Stinko-Minko uff dr Schniete `stinkenden Käse auf der Scheibe Brot´, a dei Stinko-Minko soatz´ch miech ne `in dein stinkendes Auto setze ich mich nicht´.

stipidch Adj. `stupid´. 1. wie litspr. `beschränkt, dumm, geistlos, beklopft, monoton, eintönig´; do wird ees ju stipide uff´m Nischl. - 2. `aufgeregt, wild, zornig, verrückt durch Ärger´; wie stipide rimtittn `wie verrückt herumschreien´. Lautf.: stiwidch Cunewalde, stipide, stipid, stiwide, stiwid.

Stippe f. mnOstlausitz `aus ausgebratenem Speck, gebräunter Zwiebel, Mehl u. Wasser zubereitete breiartige Soße, die zu Pellkartoffeln od. Brot gegessen wird´; Mahlstippe.

Stirbl m. dass. wie Starblch!

Stirblch siehe Starblch!

stirblch siehe starblch!

Stirbs m. Ostlausitz, Schlesien `Sterben, Tod´; uff´m Stirbs gihn; uff´m Stirbs liegn `sterbenskrank sein´. Lautf.: Sterbs, Starbs.

Stirl (kurzes i) m. 1. `Rute, langer Stab, Stange, Knüppel, Stecken, Schwengel, Kolben der Wasserpumpe, Mörser, Bein, Stock zum Umrühren od. Stochern, abstehende Äste einer Pflanze, Pflanze mit abstehenden Pflanzenteilen´. - 2. Anton übertr. `hagere, lange männl. Pers.´ Lautf.: Sturl, Sterl, Storl, Stirdl Schlesien, Nordböhmen.

Stirlch (kurzes i) m. `hervorstehender Ast, verkrüppelter Baum, hoch aufgeschossene Pflanze´. Lautf.: Sturlch, Sterlch, Storlch.

stirlch (kurzes i) Adj. dass. wie stirlerch 1. u. 2.; a stirlches Gerecke; iech krieg dan stirlchn Droht ne ausenander. Lautf.: stirlcht, sturlch, sterlch, starlch, storlch.

Stirle f. 1. dass wie Stirl; Butterstirle `Stock mit gelöcherter Holzscheibe, der im Butterfass auf und ab bewegt wird´. - 2. Anton übertr. `lange, hagere Frau´. Lautf.: Stoarle Westlausitz.

Stirlerch (kurzes i) m. Obercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Wittgendorf dass. wie Stirl u. Stirlch. Lautf.: Sturlerch, Sterlerch, Storlerch, Stullerch °ZI Ebersbach, Stollerch Schigiswalde.

stirlerch (kurzes i) Adj. 1. `verästelt, verwachsen, mit abstehenden Ästen od. Stöcken versehen, verholzt´; de Sträucher senn stirlerch wurn. - 2. `widerspenstig´. Lautf.: sturlerch, sterlerch, storlerch.

stirlern (kurzes i) swv. 1. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Bihms Koarle dass. wie stirln; mit´n Drohte durchstirlern; an Mootwurflechern brauchst de ne rimstirlern, su krigst de kenn. - 2. `aufziehen, mit Worten oder Taten provozieren, jemanden reizen´; iech war schunn su lange stirlern, bis se aus´n Häusl kimmt. Lautf.: sturlern, sterlern Niedercunnersdorf, storlern Westlausitz, stirdln Schlesien, stallern Nordböhmen.

stirln (kurzes i) swv. 1. `mit einem Stock od. ähnlichem Gerät in etw. rühren, stochern, drehen, nach etw. stoßen´; mit´n Steckn a dr Poappe stirln. - 2. `buttern´. Lautf.: sturln, sterln, starln; stoarln Westlausitz.

stirm swv. `stürmen: bei Feuer mit einer Kirchenglocke, meist der mittleren, durch einförmiges Anschlagen in gleichen Zeitabständen Alarm auslösen´; uff´m Kirchturme toatn se stirm. Lautf.: sturm, sterm.

Stirne f. `Stirn´, scherzh. huche Stirne bis as Genicke `ausgedehnte Glatze´. Lautf.: Sturne, Sterne, Starne, Stoarne.

Stirze f. `Stürze´. 1. `Deckel für ein Gefäß (meist für einen Kochtopf)´; ´s Woasser koacht, nimm oack amol de Stirze oab. - 2. dass. wie Sturzacker; Stirze ufackern. - 3. `verzierter Blechkranz für das Ofenrohr vor dem Essenloch´; a Lehmklumpm zun Schirzezuklabm benn Ufmausräum. Lautf.: Sturze, Sterze, Starze, Stoarze, Storze.

Stirzebrat n. `Stürzenbrett: sich nach oben verjüngendes Holzgestell, mit schrägen Kerben versehen, an der Küchenwand, in das die Kochtopfdeckel nach der Größe geordnet griffbereit übereinander gesteckt wurden´. Lautf.: Stirznbrat, Stoarznbrat Westlausitz.

Stirzl m. siehe Sturzl.

stirzlch siehe sturzlch!

stirzn (kurzes i) swv. `stürzen´ (für litspr. stürzen verwendet der Oberlausitzer hieschloin, fliegn, hiefliegn.) 1. `kippen, stülpen´; ´s Bier ahinderstirzn, dar stirzt ´n Wein wie Woasser rei `der gießt den Wein wie Wasser in den Hals hinein´, Taller und Tippl stirzn `Teller und Töpfchen (beim Abwaschen) auf den Kopf stellen, damit das Wasser herausläuft´, de Goalerte uff´m Taller stirzn; ufstirzn `zum Trinken ansetzen´. - 2. verstr., Jonsdorf, Nordböhmen `ackern: ein Stoppelfeld flach pflügen; den Ackerboden umwenden mittels des Pfluges (Sturzacker)´; dr Stuppl wird gestirzt. Lautf.: sturzn, stoarzn.

Stitzl n. (Dim. von Stutz, meist im Pl.) `Stützlein: (wollene, gestrickte) Pulswärmer für die Handgelenke´, auch Oarmstitzl od. Miffl. Lautf.: Stutzl; Sterzl öOstlausitz.

Sto

Stoaadt f. Dim. Staadtl od. Stadl `Stadt´, auf dem Lande nennt man nicht den Namen der wichtigsten Nachbarstadt, sondern man geht od. fährt a (ei, in) de Stoaadt. Lautf.: Stoadt, Stoodt.

Stoaadtfrooe f. `Städterin: weibl. Einwohner einer Stadt´.

Stoaadtleute Pl. etw. abwert. `Städter´; unse Kinder senn Stoaadtleute wurn `unsere Kinder sind in die Stadt gezogen und haben das dörfliche Benehmen abgelegt´; de Stoaadtleute hoann de gruße Gusche, stellst se aber uff´m Kupp, fällt kee Pfenngk raus.

Stoaadtmoan m. `Städter, männl. Einwohner einer Stadt´.

Stoal (gedehntes oa) m. Dim. Stallchl od. Stallchn `Stall´. Lautf.: Stoall Westlausitz.

Stoalgangk m. Obercunnersdorf `Stallgang: etw. erhöhter, gepflasterter Mittelgang zwischen den Viehständen im Stall´.

stoalln swv. 1. `Vieh in den Stall stellen´. - 2a. Hirschfelde `Wasser lassen, urinieren (Pferd)´; wenn de Schecke stoalln muss, hielst de oaa! - b. übertr. `urinieren (Mensch)´; gitt oack wetter, iech muss oack stoalln!

Stoalvll m. `Stallvoll´; se misste ann Stoalvll Vieh besurgn.

Stoamm m. Dim. Stamml `Stamm´; Boomstoamm; doaas Stamml hack´ch oalleene durch. Von der Litspr. abweichende Bedeutungen siehe Stamml 2! Lautf.: Stoam (gedehntes oa) Seifhennersdorf.

Stoammtiesch m. `Stammtisch: Tisch in der Gaststädte, der für eine Anzahl von sich gut kennenden, aufeinander eingestimmten Personen, die regelmäßig erscheinen, reserviert bleibt´.

Stoampabbern Pl. mnöOstlausitz `Stampfkartoffeln: Kartoffelbrei´; auch gestoampte Ardbern Mückenhain.

Stoampe f. 1. `Durcheinander, Unordnung (von Kleidungsstücken)´; ehb de furtgist, räumst de deine Stoampe uf; Lumpmstoampe. - 2. Schlesien dass. wie Butterstoamper 1 u. 2; Butterstoampe. - 3. Niedercunnersdorf` `ge- od. zerstampfte Masse, Brei, Kartoffelpüree´; doaas mit´n Quirle Zesoammgestoampte hieß nu Mauke, Poamps oder o Stoampe.

Stoamper m. 1. `Gerät zum Stampfen, Zerkleinern od. Zerdrücken´; Maukestoamper, Sauerkrautstoamper, Futterstoamper, Wä(r)schestoamper. - 2. `großes kelchartiges, dickwandiges Schnapsglas mit kurzem Stiel (gefüllt od. ungefüllt)´; ann Stoamper Kurn; brengn mer oack a Bier und ann Stoamper! - 3. siehe Butterstoamper! - 4. `starke, kräftige Beine einer Frau´; de Guchtn is anne Strunze wurn, woaas die fer a poaar Stoamper hoat!

Stoampfoaaß (gespr. Stoamp-Foaaß) n. veralt. dass. wie Butterfass.

Stoampkließl Pl. Neusorge `Stampfklößchen: gestampfte Salzkartoffeln, Weizenmehl u. Salz werden zu Teig gestampft bzw. verrührt. Davon rafft man mit einem Löffel die Klößchen ab. Ausgelassener heißer Speck und heiße Milch werden über die Klöße geschüttet, die noch mit Zucker bestreut werden können.´ Das Gericht war früher ein beliebtes und schnell zuzubereitendes Armeleuteessen im Ostteil der Oberlausitz.Siehe auch Faustmauke!

stoampm swv. `stampfen´. 1a. `fest u. laut auftreten´. - b. `sich stampfend fortbewegen´; durch´n huchn Schnie stoampm. - 2. `etw. mit einem stößelartigen Gerät zerkleinern, zerdrücken od. zusammenquetschen´; Abern stoampm; gestoampte Aboarn `Kartoffelbrei´ Neukirch, Steinigtwolmsdorf.

Stoamps m. Westlausitz, Steinigtwolmsdorf, Peickwitz; `dicker Brei, (minderwertiger) Kartoffelbrei´; heute ze Mettche gebbt´s Stoamps met Bottermelch, Abernstoamps.
Stoamps m. verstr. Süd- u. Westlausitz `kräftiger Kerl; dicker, strammer Junge´.

stoampsn swv. Neugersdorf `mit den Händen od. einem stößelartigem Gerät etw. zerkleinern, zerdrücken od. zusammenquetschen; stampfend laufen´. Lautf.: stoamsn Oberlichtenau, Sächs. Schweiz.

Stoannwisch `Stannewisch (Ort der Großen Kreisstadt Niesky im °GR)´.

Stoar m. Pl. Stoare `Star: der Singvogel Sturnus vulgaris´; RA: Dar hirrt de Stoare ne mih pfeifm `der überlebt das Frühjahr nicht´, RA: iech war´r schunn ´n Stoar stechn `ich werde sie schon bändigen, klein kriegen´. Lautf.: Pl. Sture Seifhennersdorf, Hinterhermsdorf.

stoarblind (gedehntes oa) Adj. Nordböhmen `unter der Augenkrankheit Star leidend´.

stoark Adj. Komp. starker `stark´; doaas is stoarker Tobak.

Stoarkieze f. verstr. °KM Skaska, Neusorge, Daubitz `Nistkasten für Stare´.

Stoarmeste f. 1. `Nistkasten für Stare´. - 2. scherzh. Ostlausitz `hohes Kopftuch mit Papiereinlage´.

Stoarmoatz m. kosend u. kindersprachlich `Star (Sturnus vulgaris)´.

stoatlch (gedehntes oa) Adj. Obercunnersdorf `stattlich´ 1. Bihms Koarle, auf dem Eigen, Anton `ansehnlich, gut gewachsen, hübsch, prächtig´. - 2. mdal. in der Bedeutung `gut´; is gitt mer ne groade stoatlch. Lautf.: stoadlch, staatlch, stoattlch.

stoatts Präp., Konjunkt. `statt, anstatt, anstelle von´; stoatts Bier sauf´ch Woasser.

Stoob m. Dim. Steebl `Staub, Erd-, Straßenstaub´; ´n Stoob a dr Kahle leschn; RA: sich aus´n Stoobe machn `sich (eilig u. unauffällig) entfernen´; a hoat oack Stoob gewischt `er hat sich nur oberflächlich bzw. kurzzeitig mit etw. beschäftigt´. Siehe auch Steebl!

stoobch Adj. `staubig´.

Stoobm m. veralt. söSüdlausitz, Ostlausitz `Staubpartikel: Kleinigkeit, Moment, Augenblick´; gibb mer oack ann Stoobm Brut! Setz dch oack ann Stoobm! Vgl. Steebl!

Stooboarsch m. Nieder Neundorf, Rietschen, Rauscha `Dreiteiliger Zweizahn (Bidens tripartita) u. dessen Kletterfrüchte´.

Stook m. Pl. Stecke, Dim. Steckl `Stock´. 1. `Baumstumpf (mit Wurzeln)´; ´s gingk ieber Stook und Steene, Wurzlstook, Stecke rodn. Auch Boomsturzl. - 2. `stauden- od. strauchartige Pflanze jeder Art´; Stecklwächter, Blumsteckl, Stecke reefm `(verwelktes Kartoffel)kraut aus der Erde ziehen´. - 3. Seifhennersdorf dass. wie Steckn. - 4. dass. wie Stookhaus; du wirscht an Stook gestackt.

Stookbihm n. `bis zur Vertreibung der Deutschböhmen tschechisches Sprachgebiet im mittleren Teil von Böhmen´; iech bie anne Wuche a Stookbihm od. an Stookbihmschn gewast. Lautf.: Stockbihm.

stookbihmsch Adj. `stockböhmisch, tschechisch´; se gucktn oaa, oas wenn´r stookbihmsch geredd hätte. Lautf.: stockbihmsch.

Stookbihmscher m. `Tscheche, der das Deutsche nicht beherrscht´; ´s gibbt Bihmsche (Deutschböhmen, Sudetendeutsche) und Stookbihmsche (Tschechen). Lautf.: Stockbihmscher.

stookdunkl Adj. dass. wie stookfinster.

Stookfiesch m. `Stockfisch: im frischen Zustand getrockneter Kabeljau´.

stookfinster Adj. `stockfinster: völlig finster, finster wie im Stockhaus´. Lautf.: stookfinsterch Neusalza-Spremberg, stuckfinsterch Sächs. Schweiz.

stookfremd Adj. `stockfremd´.

Stookhaus n. `Stockhaus: Stadtgefängnis, Zuchthaus´. Lautf.: Stockhaus.

Stookhulz n. `durch Zerkleinern von Baumstümpfen gewonnenes Brennholz´; a Stuß Stookhulz; a poaar Scheitl Stookhulz. Lautf.: Stock-, Stook-, -hulz, -hoolz.

Stookschwamml n. `Stockschwämmchen, Kuehneromyces mutabilis´, eine Pilzart.

Stoot m. `Staat´. 1. `Kleidung, die man zu festlichen Anlässen, an Sonntagen trägt´. - 2. in der Wendung mit jmdm. kenn Stoot mih machn `mit jmdm. nicht mehr angeben können´. Lautf.: Stoaat.

Str

Sträh f. Oberland, Girbigsdorf, Neusorge `Streu: das Lager im Stall für das Vieh u. das dafür verwendete Material´; RA: Anne gude Kuhe sucht mer uff dr Sträh und ne uff´m Moarchte. Lautf.: Striäh sSüdlausitz, Strei Ostlausitz.

Strähhacke f. verstr. West- u. Ostlausitz `Hacke mit breitem Blatt zum Loshacken u. Zusammenkratzen der obersten Schicht des Waldbodens als Streu´. Vgl. Hacksträh!

Strahn m. Dim. Strahnl 1. `eine bestimmte, früher handelsübliche Menge Garn in Form einer kleinen Lage´; iech misste sechs Strahne spuln. - 2. `eine best. Menge gehaspelten (Leinen-)Garns´ (aus einer örtlich verschiedenen Anzahl von Gebinden bestehend); in der Ostlausitz gaben zwanzig Fäden ein Gebinde (wurde abgeknotet), zwanzig Gebinde eine Zaspel, drei Zaspeln einen Strähn, vier Strähne ein Stück, dreißig Stück ein halbes Schock´. Lautf.: Strähn, Strähnl.

strähn swv. `streuen´ 1. `etw. locker über eine Fläche verteilen´; Sand strähn, Futter strähn. - 2. `dem Vieh im Stall Stroh od. anderes Material als Lager unterbreiten´. Lautf.: striähn söSüdlausitz, msOstlausitz.

Strähne f. 1. wie litspr. `Haarsträhne´; anne Strahne Huhr. - 2. Dim. Strahnl verstr. selt. `Stück (Blech-)Kuchen´. Lautf.: Strahne.

strähncht Adj. `strähnig: hart, glatt, wenig biegsam, abstehend´; strähnchtes Groas, strähnchte Lodn.

Strährechn m. wSüd- u. Westlausitz `Streurechen: eiserner Rechen zum Zusammenkratzen der obersten Schicht des Waldbodens als Streu´.

stramch (gedehntes a) Adj. Großröhrsdorf, Westlausitz `schlierig, streifig´; de Wand is stramch, dr Teeg is bluttstramch geworn.

Strangk m. `Strang: Teil des Geschirrs, mit dem Zugtiere angespannt werden´.

Sträsl m. `Streusel: Klümpchen aus Mehl, Butter u. Zucker, die auf den Kuchen gestreut werden´; butterche Sträsl.RA: Mer lussn´ch ne ´n Sträsl vun Kuchn nahm.

Sträslkuchn m. `Streuselkuchen´. Lautf.: Sträslkuche, Strieslkuchn od. Strieslkuche verstr. Ostlausitz.

sträsln swv. `müßig umherschlendern, bummeln, flanieren´; ´s Maajdl sträslt wieder draußn rim.

Straubkoatze f. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Bihms Koarle nur in der Wendung Straubkoatze (minander) ziehn `sich zanken, sich streiten; ernsthaft, nachdrücklich, derb reden; eine sich sträubende Katze ziehen´. Lautf.: Sträubkoatze, Stroblkoatze; Stroablkoatze Schlesien, Straabkoatze Nordböhmen.

Sträucherberta f. scherzh `kleine Lokomotive der Schmalspurbahn Zittau, Kurort Oybin, Kurort Jonsdorf, die von höherem Strauchwerk verdeckt wurde´.

Sträuchl n. 1. `kleiner Strauch´. - 2. Südlausitz `kleiner Strauß´; de meestn Sträuchl richn gut; Bräutchnsträuchl `Blumen- od. Blätteranstecker, den der Bräutigam im Knopfloch trägt´; de Braut wurde rut wie ihr Rusnsträuchl; Blum-, Hutt-, Kirchn-, Richesträuchl.

Strauchschitze m. Bihms Koarle `Jagdliebhaber, Dorfjäger´.

straußiern swv. `sich laut, lebhaft und zänkisch miteinander unterhalten; sich streiten´; die beedn Koapphähne straußiern schunne wieder. Lautf.: straußn.

streckn unregelm. V. iech streck(e), du streckst, iech strackte, iech hoa gestrackt `strecken´.

Streech m. Bihms Koarle, Niederoybin `Streich´.

Streechfrooe f. `Streichfrau: Kurpfuscherin, die durch Auflegen der Hände, Bestreichen und Murmeln von Zauberformeln und -sprüchen, versucht, Krankheiten zu heilen´; de Streechfrooe hoat mer de Beenangst versproachn. Siehe versprechn! Lautf.: Streech-, Streich-, -frooe, -froo, -frau, -froaa.

streechln swv. `streicheln´; se toat Koarln vu hinne benn Kuppe nahm und streechln.

streechn siehe streichn!

streefch Adj. `streifig´.

Streefl n. Dim. von Streefm `Streifen´. 1. `kleine längliche Fläche, kleiner Streifen, schmales Stück Land, kurze Wegstrecke´; kee eenzches Streefl Foarbe a dr Wand; gatt Achtche, itze kimmt a schlaajchtes Streefl! - 2. übertr. `kurzer Zeitabschnitt, Weile´; iech hoa mei miedes Streefl; is Maajdl krigt wieder sei Streefl `das Mädchen bekommt wieder seine (schlechte) Zeit, in der es aus der Art geschlagen ist´. - 3. Oberland, Neusorge `ein Stück (Blech-) Kuchen´; pack mer oack vu jedn Kuchn a Streefl ei!

Streeflkuchn m. `aufgeschnittener (in Stücke geschnittener) Kuchen´. Lautf.: Streeflkuche.

streefln swv. 1. `streifen, abstreifen, Bedeckendes abziehen´; Loob oabstreefln. - 2. `sich die Ärmel hochkrempeln´ nur in Zuss.: de Arml ruff- od. runderstreefln.

Streefm m. wie litspr. `Streifen´; doaas poasst mer goar ne an Streefm. Siehe Streefl!

Streeml n. verstr. nwSüdlausitz, Westlausitz, wSüdlausitz dass. wie Strieml. Vgl. Streefl!

Streicher m. 1. °ZI Ebersbach `junger Bursche´. - 2. Ober- und Niedercunnersdorf `Insasse des Pflegeheims in Obercunnersdorf´; a Streicher kimmt is Durf runder.

Streichfetzl n. Niedercunnersdorf `Streichholz´; iech schmeiß a Streichfetzl rei, doaaß die aale Bude oabbrennt. Lautf.: Streichfezl °ZI Reichenau.

streichn stv. iech streich(e), du strechst od. streichst, a strecht, mer streichn, iech streech (Bihms Koarle) od. striech, iech hoa gestrichn `streichen´. 1. `mit einer gleitenden Bewegung leicht über etw. hinfahren´; de Mutter strecht dan klenn Steppl iebern Kupp; a streech de Toaler ei. - 2. `mit einem Farbanstrich versehen´, mdal. auch moln. Lautf.: streechn Neukirch, se toat´n iebern Bauch streechn.

Streitfeld n. `Streitfeld: Siedlungsteil der Gemeinde Lawalde im Landkreis Görlitz´; die wohn an Streitfelde.

streitn stv. iech streit(e), du strettst, a strett, mer streitn, iech street od. striet, iech hoa gestrittn wie litspr. `streiten´ (in der Mundart kaum verwendet, da die nach der Art und Weise des Streites unterscheidet); doaas strettst mer ne aus! Itz strett´r mir´sch oab.

streunern swv. `streunen: sich herumtreiben´; unse Koatze streunert a dr Nubberschoaft rim.

Striche f. dass. wie Strichl `Zitze´.

Strichl (kurzes i) m. n. (meist im Pl.) `Zitze am Euter des Milchviehs, bes. der Kuh´. Lautf.: Strechl Westlausitz.

Strichn m. Pl. dass. wie Strichl u. Striech 3.

Stricke f. `Unterrichtsstunde(n) für weibliche Handarbeiten, Strickerei´; a de Stricke gihn.

Stricklmächer m. scherzh. bis abwert. Niedercunnersdorf `Seiler; Handwerker, der Seile herstellt´.

Striech m. `Strich´. 1. wie litspr. `gezogene, meist gerade verlaufende kurze Linie´; kenn groadn Striech breetn, aber: uff´m Striche gihn. - 2. wie litspr. `Richtung, in der die Haare bei Menschen u. Tieren, die Fasern best. Gewebe liegen´. - 3. meist im Pl. Strichn Niedercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf `Zitzen am Euter des Milchviehs u. der Muttersau´. - 4. Ostlausitz enn uff´m Striche hoann `jmdn. nicht leiden können und schikanieren wollen´. Formen: Strich Westlausitz, Strichl.

Striechboom m. `Strichbaum am Handwebstuhl´.

Striek m. Dim. Strickl `Strick´. 1a. `(dickes) Seil´; dr Meester will mer ann Striek drähn `der Meister will mich zu Fall bringen, vom Posten entheben´; a enn Stricke ziehn `gemeinsam ein gestecktes Ziel erreichen wollen´. - b. `Schnur, starker Bindfaden´; a richtcher Junge hoat immer a Masser und a Strickl a dr Gabse. RA: Iech hoa´s Strickl ne langk genungk, mer fahlt´s oan nietchn Zwirne `ich bin dazu etwas zu dumm´. - c. RA: wie vern Strickl lus senn `wie wild´. - 2. übertr. `Schlingel, Nichtsnutz, harmloses Schimpfwort für Kinder´; wu kimmst´n du itz har, du Striek, du? Lautf.: Strick. Vgl. Seel!

Strieknole f. `Stricknadel´.

Striem m. dass. wie Strieme 1.; Ruttnstriem.

striem swv. 1. Großschönau `strömen, Spritzen der Milch beim Melken, Spritzen des Wassers aus einem defekten Schlauch´; ´s Woasser striemt. - 2. Anton `eilend, mit einem gewissen Eifer kommen´.

striemch Adj. `streifig, schwielig´.

Strieme f. 1. `roter Streifen durch Peitschenschläge oder durch eine Blutvergiftung, Schwiele´; du hoast ju ´n Oarsch vuler Striem, hoast wull Schwickse gekrigt? - 2. `Kuh mit Rückenstreifen, Kuhname´. - 3. West- u. Ostlausitz `stramme (u. mannstolle) Frau´. - 4. Anton `Wasserstreifen (im Brot)´. - 5. Anton `Sonnenstrahl´.

Strieml n. selt. West- u. Ostlausitz, Nordböhmen `Stück vom großen, viereckigen (Blech-)Kuchen´; schmales, langes Stückchen (Brot od. Fleisch)´; Kuchnstrieml. Lautf.: Streeml.

Striez siehe Striezl!

Strieze f. Großschönau `Zitze am Euter des Milchviehs´; mach amol de Striezn reene! Häufiger Strichl.

Striezl m., verstr. n. 1. `Gebäck in länglich-ovaler Gestalt´. - a. wSüdlausitz, Schirgiswalde, Westlausitz, Hinterhermsdorf, Neusorge `Weihnachtsstollen´; ´s werd Zeit zen Striezlbackn; anne Matze Striezl. - b. f. verstr. sSüdlausitz `Patensemmel: große geflochtene, 50 bis 75 cm lange, mit Mohn behaftete Semmel aus Semmelteig, die ein Pate seinem Patenkind am Gründonnerstag schenkt´; auch Poatn- od. Griendurnschtch-samml od. `(mit Zuckerguss überstrichene) Semmel aus Kuchenteig´; de Striezl is ba uns anne Flaajchte. Lautf.: Striez, Poatnstriez Leutersdorf, Waltersdorf.  - c. `geflochtenes Kuchengebäck aus Weizenmehl´. - 2a. °ZI Ebersbach, Anton `ungelenker, unbeholfener Mensch´. - b. Burkau, Ohorn `gelenkige Person, Lausbube´.

Striezlch m. Westlausitz dass. wie Striezl 1a.

striezn swv. umg. `striezen: hart herannehmen, von jmdm. Unmenschliches verlangen, schikanieren bzw. quälen durch hohe Anforderung´; ba dr Foahne hoann se uns gestriezt.
striezn swv. `mit dünnem, scharfem Strahl spritzen´.

striffln swv. Neukirch 1. `(Laub, Beeren, Getreidekörner) abstreifen´; de Blatl oabstriffln. - 2. `sich die Ärmel od. Hosenbeine hochkrempeln´ nur in Zuss.; de Arml ruffstriffln.

strikte Adv. `strikt, streng, genau, konsequent´; dar Beschluhß muss strikte durchgefihrt warn.

Strimpebändl siehe Strumpband!

Strinkl siehe Strunk!

strinklch Adj. Obercunnersdorf `derb, fest (wie ein Strunk), kernig, stramm´; de Nudln missn strinklch senn; strinklche Woadn.

stroamm Adj. `stramm´. 1. `kräftig gebaut, stämmig´; stroamme Beene. - 2. veralt. Anton `steif, angespannt, unbeugsam´; haalt´ch stroamm und lusst´ch ne underkriegn!

Stroamplch m. 1. `strampelndes Kleinstkind´. - 2. `Strampelanzug´.

Strofe f. `Strafe´.

Strofprädcht f. `Strafpredigt´, auch Refermande.

strofm swv. `strafen´. 1. wie litspr. RA: Luss´n oack loofm, Gutt wird´n strofm! - 2. etw. strofm `recht viel od. zu viel von etw. Ess- od. Trinkbarem nehmen, etw. (naschend) stehlen´; tu oack ne de Butter su strofm!

Stroße f. `Straße´.

Stroßnhäusl n. `Straßenhäuschen: Chausseewärterhäuschen zur (kurzzeitigen) Unterbringung der Chausseewärter, Straßenarbeiter und zur Lagerung der Geräte für den Straßenbau´. Auch Stroßnwärterhäusl.

Stroßnloampe f. `Straßenlampe: Straßenlaterne´; mer warrn immer grußfrass´cher, wenn mer warrn zu Mittche de Stoßnloampm oaazinn, do hoann mer´n Kummunismus.

Strohwaale Obercunnersdorf `Strahwalde (Ort der Stadt Herrnhut im °GR)´; de Strohwäldschn od. de Strohwaaler `die Einwohner von Strahwalde´. Lautf.: Stroahwaale Bihms Koarle, Strahwaale Ebersbach/Sa.

struckte Adv. verstr. Westlausitz `straff, angespannt, schwer´; de Walle in dar neun Moaschine giht no recht struckte; struckte Oarbcht `schwere Arbeit´.

Struh n. `Stroh: trockene Halme von ausgedroschenem Getreide oder trockene Stängel anderer Feldfrüchte´; RA: dumm wie Bunnstruh; dar driescht ´n ganzn Tag lär(es) Struh `der redet den ganzen Tag belangloses Zeug´.

Struhblume f. `Gartenstrohblume (Helichrysum bracteatum)´.

Struhbucht f. Wittgendorf, Girbigsdorf 1. `(beim Dreschen entstehende) Strohabfälle, umherliegende Strohreste´. - 2. `auf dem Fußboden bereitetes Schlaflager aus Stroh´ od. `Bettstroh in einem Bettgestell´.

struhch Adj. `strohig, wie Stroh´; doaas Zeug hoat su struhch geschmackt.

Struhdeckl m. `Fußabstreicher aus Stroh´.

Struhfeie f. verstr. mSüdlausitz `auf dem Feld kunstvoll aufgesetzter großer Strohhaufen (zur Lagerung von Stroh)´.

Struhfeim m., Struhfeime f. dass. wie Struhfeie.

Struhhoalm m. `Strohhalm´. Ein in der Küche od. im Hausflur liegender Strohhalm kündigt Besuch an.

Struhkupp m. `Strohkopf: dummer Mensch, der nur Stroh im Kopf hat´.

Struhlehm m. dass. wie Lehmstruh.

Struhsaak m. `Strohsack: mit Stroh gestopfter großer Sack, der an Stelle einer Matratze verwendet wurde´. Lautf.: Struhsack Westlausitz.

Struhschiefer m. selt. `kleiner Strohsplitter, den man sich in die Haut eingezogen hat´.

Struhschitte f. siehe Schitte!

Struhseel n. `Strohseil: Seil aus Stroh, insbes. zum Zusammenbinden einer Getreidegarbe´; zun Hellchobde tu mer Struhseele im de Boomstämme vun Äpplbeem binn, doaaß se gutt troin.

Struhwiesch m. `Strohwisch´. 1. `Handvoll Stroh, kleines Strohbündel (zum Scheuern, Wischen od. Abdichten)´. Früher verwendete man zum Scheuern des Fußbodens weder Scheuerbürste noch Schrubber, sondern einen mehrfach verknoteten Strohwisch. - 2. `an einer Stange befestigtes kleines Strohbündel, das als Warnungs- u. Verbotszeichen galt´; Struhwische im de noaaße Wiese machn.

Strump m. Pl. Strimpe od. Strempe Westlausitz, Dim. Strimpl `Strumpf´; die hoat ihr Geld an Strumpe; iech kumm glei an Strimpm; Strickstrump. RA: a macht´ch uff de Strimpe `er verschwindet´. Lautf.: Stromp Westlausitz, Pl. Strempe Westlausitz.
Strump m. Obercunnersdorf `oberer Teil von Obercunnersdorf´; dar wohnt uff´m Strumpe; zugihn wie uff´m Strumpe (Standort des Armenhauses) `liederlich´.

Strumpband n. Dim. Strumpbändl od. Strimpebändl, -bandl Seifhennersdorf `Band, das den Strumpf festhält u. am Rutschen hindert´ (früher aus Stoff od. Leder, später aus Gummi); de jungn Karln stahln dr Braut a Strimpebändl, woaas dr Bräutchn mit ann Fassl Biere oder Schnoapse ausliesn muss.

Strumpch m. verstr. Jonsdorf, Westlausitz `Strumpf´. Lautf.: Strompch Oberlichtenau.

Strumpjacke f. `Strickjacke, Jacke als Strumpf gestrickt´.


Strunk m. Pl. Strinke Dim. Strinkl 1. `kurzer, dicker stängelähnlicher Teil best. Pflanzen, bes. des Krautes´; iech will o a Strinkl (vom Blättersalat) hoann! - 2. Strunkzeug `minderwertiges Obst´. - 3. `die bei der Ernte zusammen mit dem obersten Stück der Rübe abgehackten Blätter´. - 4. übertr. auf Pers.; fauler Strunk `Faulpelz´, geizcher Strunk, klenner Strunk `kleines derbes Kind´.

Strunkkraut n. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `Futterpflanze mit starkem Strunk u. viel Blattwerk´ (dem Kohlrabi ähnlich).

strunkch Adj. Neugersdorf dass. wie strinklch.

strunzch Adj. `strunzig: drall, groß und kräftig´.

Strunze f. abwert. `große, dralle, kräftige, bequeme, oft etw. ungeschlachte (junge) Frau´.

struppch Adj. `struppig: starr, steif abstehend, ungepflegt (Haare, Fell, Federn), wirr durcheinandergewachsen (Pflanzen)´.

Struppl m. Westlausitz `kurzer, heftiger Regenguss, Aprilschauer´.

strupplch Adj. Westlausitz dass. wie struppch.

Stu

Stube f. verstr. Stubm, Dim. Stiebl od. Stiebchl 1a. `täglich genutzter heizbarer Aufenthalts- und Arbeitsraum im Erdgeschoss des Oberlausitzer Hauses´;  de Loampm a dr Stubb hängn schief (Ostritz). - b. kleene Stube, Stiebl `durch Teilung des großen Wohnraumes gewonnene Auszugsstube für die Großeltern od. Arbeits- u. Esszimmer des Bauern´; wenn dr gruße Junge heiroat, zoigt dr Voater as Stiebl. Siehe auch Koafferneet! - c. `Küche, die durch Teilung des Wohnraumes entstanden ist´; de Mutter is an Stiebl und macht´s Mittassn. - 2. `Raum einer kleinbürgerlichen Wohnung´; kummt oack a de gude Stube od. Stubm! Stubbtiere `Stubentür´, Stubbdecke `Stubendecke´. Lautf.: Stubb öKürzung, Stuwe Westlausitz.

Stubetuch n. Pl. Stubeticher Niedercunnersdorf `grob gewebtes Stück Stoff mit wolligem Schussgarn, dass man nach dem Wischen auf die Dielen gelegt hat; wurde durch die Teppiche verdrängt´. Lautf. Stubbtuch.

stuchzn (kurzes u) swv. Südlausitz, sOstlausitz, Nordböhmen `(heimlich, unbefugt) nach etw. suchen; (in fremden Sachen) herumwühlen´; woaas stuchzt´n du an Schieblche rim? Lautf.: stichzn.

Studierche f. `Studium´; unser Junge sull uff de Studierche gihn.

Stuff m. `Stoff: textiles Flächengebilde´, siehe auch Woare!

stuffch Adj. selt. `stufig, abgestuft, übereinandergelagert´, stuffche Wulkn `Kumuluswolken, Haufenwolken´. Lautf.: stufch.

Stuffe f. Oberlichtenau `Stufe´; dr Eemer stitt anne Stuffe tiffer.

Stuffm m. 1. Neugersdorf, Schirgiswalde dass. wie Stuffe. - 2. veralt. Anton `Schritt´; ´s is kee Stuffm Boahne. Lautf.: Stoffm.

Stuhl m. Pl. Stihle `Webstuhl in der Hausweberei´; RA: die kumm ebch ne zu Stuhle `die fangen ewig nicht an, die trödeln sich nicht aus, die kommen mit etw. nur langsam voran´; auch Wirkestuhl od. Gezehe.

Stuhlbettl n. `Stuhlkissen´. Lautf.: Stullbettl.

Stuhlkastl n. Bihms Koarle `Stuhlkästchen (zur Aufbewahrung der Schussspulen)´.

Stuhlloade f. `Webstuhllade: rahmenartiger, beweglicher Teil des Handwebstuhles, durch den der Schussfaden an das bereits gewebte Stück herangeschlagen wird´, auch Gezeheloade.

Stullerch m. 1. siehe Stirlerch! - 2. `große, schlanke männl. Pers.´. Lautf.: Stulla(j)ch Seifhennersdorf.

Stullfader f. Neugersdorf `Stuhlfeder´.

Stulpm `Stolpen (Kleinstadt mit Burg) ´; de Stulpner `die Einwohner von Stolpen´; de Stulpschn Jaajcher. Lautf.: Stolpm.

Stulpm Pl. Neugersdorf `Stulpen: Manschetten´.

stulz Adj. Neugersdorf `steil´; de Treppe gitt stulz.

Stulznbarg `Stolzenberg´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Wyreba´.

stumm Adj. Oderwitz, Neusorge `stumpf´; ´s Masser is stumm. Lautf.: stump Bihms Koarle.

stump Adj. siehe stumm!

Stumpl m. `Stummel´. 1. `kurzer Rest eines länglichen, meist kleineren Gegenstandes´; Zigrettnstumpl, Lichtlstumpl; iech hoa oack noa Stumpl an Schieferkastl. - 2. `Stumpf (holzige od. dicke Pflanzenstängeln), kurzes Stück mit Wurzel´; Boomstumpl, dar hoat oack noa Stumpl a dr Gusche `der hat nur noch abgebrochene, abgenutzte, schlechte Zähne im Munde´.

Stunde f. Pl.: Stunn, Dim. Stindl `Stunde´; anne geschloine Stunde hoa´ch uff diech gewoarrt; mer loofm zwee gude Stunn; a dr zahntn Stunde is´r heemgekumm `zwischen 9.00 und 10.00 Uhr ist er heimgekommen´.

Stunnbodn m. selt. `Boden, der nicht bestellt werden kann, wenn er zu nass od. zu trocken ist´. Lautf.: Stundnbodn.

stupide siehe stipide!

Stuppch m. n. Burkau, Westlausitz 1. selt. `das, was gestopft werden muss´. - 2. `Korb mit den zu stopfenden Stücken´. - 3. selt. `die ausgebesserte, gestopfte Stelle im Gewebe´. Lautf.: Stoppch.

stuppch Adj. `reif zum Stopfen (von Enten u. Gänsen)´. Vgl. Stupper 1.

Stuppenole f. Pl. Stuppenoln Oberland `Stopfnadel´. Lautf.: Stupp(e)nulde Zittauer Gebirge, söSüdlausitz, Stupp(e)nodl.

Stupper m. Dim. Stupperchl, Stupperchn 1. `fingerstarkes Röllchen aus einer Mischung von Kleie, Schrot u. Wasser; gerolltes Teigstück zum Mästen von Gänsen´. - 2a. Taubenheim, Schirgiswalde `von einer Rolle abgeschnittener scheibenförmiger Kartoffelkloß´, die Leute aßen dazu früher braune Butter oder (fettige) Brühe; de Mutter macht zu Mittche Stupperchl mit Zwibbln und Spaajk; siehe auch Abernkoallchl! - b. Spitzkunnersdorf `gerollter, geschnittener u. gekochter Nudelteig´.

Stuppl m. od. f. Pl. Stuppln `Stoppel´. 1a. Pl. `die nach der Getreideernte stehen gebliebenen Halmreste´; dr Stuppl wird geschält und gestirzt. - b. Sg. `das Getreidefeld nach der Ernte, Stoppelfeld´; uff de Stuppl (n) gihn. - 2. Pl. `das nachgewachsene, unrasierte Barthaar des Mannes´; Stuppln stutzn `rasieren´, Boartstuppln, Stupplboart.

Stupplaberne f. meist Pl. `Stoppelkartoffel; die nach dem Abernten des Kartoffelackers nachgelesene Kartoffel´.

Stupplacker m. `das Getreidefeld nach der Ernte, Stoppelfeld´.

Stupplboart m. `Stoppelbart: kurzer, kräftiger Bart´.

stupplch Adj. `mit Stoppeln versehen, unrasiert´; loof oack ne su stupplch rim zun Sunntche!

Stupplfeld n. `Stoppelfeld´. Siehe Stuppl! Lautf.: Siehe Feld

Stupplfuchs m. Nordböhmen `Stoppelfuchs: Pflaumen-Kartoffel-Auflauf im Sudetengau´.

Stupplkatzl n. °BZ Sohland `Kätzchen, das im Herbst geboren worden ist´.

Stupplklie m. `Klee, der mit dem Getreide zusammen gesät, aber erst später gehauen wird´.

stuppln swv. `stoppeln: die nach dem Abernten des Kartoffelackers noch liegenden Kartoffeln herausgraben u. auflesen´; Abern stuppln.

Stupplriebe f. `Stoppelrübe´. 1. `Weiße Rübe (Brassica rapa L.)´eine Futterrübe, die nach der Getreideernte ins Stoppelfeld gesät wird. - 2. `kurzgeschorener Haarschopf´.

Stupplsoot f. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `Stoppelsaat: Saat zwischen den Stoppeln´.

stuppm swv. `stopfen´. 1. `etw. füllen (z.B. Würste, die Tabakspfeife)´; anne Pfeife stuppm; enn is Maul stuppm; iech hoa miech vuhlgestuppt od. iech bie vuhlgestuppt `ich habe viel gegessen´. - 2. `beschädigtes Gewebe ausbessern´; Strimpe stuppm. - 3. `etw. irgendwo unterbringen, hineinstecken´; iech hoa mer´n letzn Bissn reigestuppt; hiestuppm, rimstuppm.

Stuppoarsch m. Nieder-Neundorf `Ackerklee (Trifolium arvense L.); Pflanzen mit stopfender Wirkung´; a hoat de Feederze, a muss Stuppoarsch trinken; auch Stuppslooch, Stoppsloch, Stupp fersch Looch `Stopp fürs Loch´.

Stupppilz m. `Stopfpilz: die beim Stopfen verwendete hölzerne pilzförmige Unterlage, über die das auszubessernde Gewebe gespannt wird´.

Stuppslooch n. dass. wie Stuppoarsch.

Sturch m. `Storch, (der dem Kinderglauben nach die Neugeborenen bringt)´; dr Sturch is zwee Wuchn zu risch gekumm. RA: Do tät´n se Sterche brilln `da würden die Leute lachen und drüber reden´; dar hoat mer enn Sturch gebrotn `der hat mir eine unangenehme Sache eingebrockt´.

sturchbeench(t) Adj. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `storchbeinig: dünne Bein, keine Waden besitzend´.

Sturche ohne Genus, veralt. f. `Storcha (Ort der Gemeinde Göda im °BZ)´. Lautf.: Storche.

Sturchnhaus n. scherzh. `Frauenklinik´.

Sturchnaast m. `Storchennest´. 1. wie litspr. - 2. Rietschen `kleines, schwaches Reisig; dünnes Leseholz´.

Sturchnheim n. `Storchenheim´, scherzh. `Frauenklinik´.

Sturchschnoabl m. `Storchschnabel: Geranie, Pelargonie (Pelegonium L., Geranium)´. Siehe auch Waterkeim!

Sturl, Sturlch, Sturlerch (kurzes u) m. siehe Stirl; dann Sturlerch vu anner vertroigtn Brennnessl koannst de rausruppm.

Sturzacker m. `geschältes Stoppelfeld mit großen Schollen´.

Sturze (kurzes u) f. siehe Stirze!

Sturzl (kurzes u) m. 1a. auch Bihms Koarle `Stummel, Stumpf, deformierter Rest; kurzes dickes Ende´; Basnsturzl; doaas is a Sturzl vu ann Basn; dar steckt senn Sturzl raus `er ist trotzig´. - b. `Baumstumpf, Wurzelstock, Stumpf von holzigen Pflanzenstängeln´; Boomsturzl. - c. `abgenutzter od. abgebrochener Zahn´; luss dr oack deine poaar Sturzl ziehn! - 2. `verkrüppelte od. verdorrte Pflanze, bes. Kartoffelkraut; obere Rückstände der Rüben und Kartoffeln´; Sturzl reefm `Kartoffelkraut herausreißen´; Krautsturzl. - 3. übertr. `widerspenstige od. ungezogene Person, Kind´; du klenner Sturzl, du, oalls muss noa denn Kuppe gihn. - 4. übertr. `Rausch, Schwips´; ann Sturzl sitzn hoann; Koarle kimmt mit ann granatchn Sturzl aus´n Kraatschn. Lautf.: Storzl Westlausitz, Stirzl.

Sturzlbasn m. `unförmiger, sperriger od. abgenutzter Reisigbesen´; Neckreim auf den Knecht Ruprecht: Ruperch, Ruperch, Sturzlbasn, bist de a dr Stoaadt gewasn? Hoast de mir woaas mitgebrucht? Ei, doaas hätt ich ne geducht! Siehe auch Basnsturzl!

Sturzlch m. Burkau dass. wie Sturzl. Lautf.: Stirzlch.

sturzlch (kurzes u) Adj. 1. `abgenutzt, abgebrochen, verknöchert, dick und kurz´. - 2. Neugersdorf `widerspenstig, unbeweglich, starr´. - 3. °BZ Sohland, Burkau `beleidigt, eingeschnappt, verdrossen´; bie oack ne immer glei su sturzlch! Lautf.: stirzlch.

Sturzlfeuer n. `Kartoffelkrautfeuer´.

sturzln swv. selt. `stolpern´.

Stuß (gedehntes u) m. Pl.: Stieße, Dim. Stießl  `Stoß: Stapel, Haufen´; ann Stuß Hulz uff´m Hofe stihn hoann; enn Tag ver Gehoanne mach mer wieder ann Stuß `am 23.Juni errichten wir wieder einen Reisighaufen (zum Verbrennen)´.

stußn stv. iech stuß(e), du stisst od. stießt, a stisst od. stießt, mer stußn, iech steeß od. stieß, iech hoa (miech) gestußn `stoßen´ 1. `in schneller, heftiger Bewegung gezielt od. unbeabsichtigt auf jmdn., etw. auftreffen´; unsn Klenn stisst wieder is Beckl `unser kleiner Junge kriegt wieder einen Wutanfall od. Weinausbruch´. - 2. `Erde aufwerfen (Maulwurf)´; uff unser Wiese hoann de Mootwirfe wieder (uf)gestußn.

Stutte f. Bihms Koarle `Stute (weibl. Pferd)´.

Stutz m. Neusalza-Spremberg, Wehrsdorf, Steinigtwolmsdorf, Neukirch `etw. Gestutztes, ein am Hinterkopf zusammengesteckter Zopf; Dutt´, übertr. auch a eigebildcher Stutz `eine überhebliche Person´.

su Adv. `so´. 1. verstärkend `sehr, tüchtig´; de Sunne scheint su schiene heute. - 2. `etwa, schätzungsweise´; is hoat su (im de) zwanzch Moark gekust. - 3. `sonst, im übrigen´; a is a bissl eegnsinnch, aber su koannst de mit´n auskumm. - 4. `sowieso, ohnehin´; dreißch Moark Strofe sull´ch blechn, iech hoa su schunn keene Pfennge. - 5. `wie es ist, rein, ohne Zusatz, ohne Veränderung´; sull´ch de Schnitzl woarm machn oder frass mer´sche glei su. - 6. in der Fügung su tun `verstellen, Gesinnung verleugnen, nachahmen´; a muss su tun, oas wär´r derfier. - 7. in floskelhafter Verwendung, bedeutungsleer: wie´s su is; woaas oalls su gibbt. Lautf.: asu; ´s is abm oalls asu.

Suche (kurzes u) in der Wendung uff Suche gihn `suchen´.

suchern swv. Dürrhennersdorf `Siechen der Pflanzen´. Lautf.: sochern.

Sucherze f. Dürrhennersdorf `Siechtum´. Lautf.: Socherze.

suchn (kurzes u) swv. `suchen´; Sprichwort: RA: War sucht, dar find! Die hoann´ch gesucht und gefunn. Wenn jmd. etw. sehr lange sucht, sagt man: „Du suchst wull ´n gesterchn Tag?“

Suckch m. Cunewalde, Wittgendorf `Socke´; doaas is Suckch wie Hose `das ist egal´.

Sucke f. meistens Pl. Suckn `Socke: kurzer, bis über den Knöchel od. bis zur halben Wade reichender Strumpf´; RA: sich uff de Suckn machn `aufbrechen´.

Sudbrut n. Niedercunnersdorf dass. wie Gehoannsbrut.

Suderch m. selt. 1. `Sud´. - 2. Weifa `(von Enten aufgewühlte) dreckige, lehmige Pfütze´.

Suf m. `Suff: Trunkenheit, Trunksucht´; dr Suf frisst´n uf; aber: a senn Suffe hoat´r´ch ne mih heemgefunn bzw. heemgefungn.

Suffkupp m. `Trinker´.

sugoar Adv., um etw. besonders hervorzuheben `sogar: leibhaftig, in Person, höchstpersönlich, alle Achtung, Donnerwetter´; is Lihrmaajdl kunnde sugoar mit dr Moaschine schreibm.

Suhn m. `Sohn´. Dim.: Sihnl Südlausitz, Sihndl od. Suhndl Ostlausitz; Pl.: Sihne od. Sehne; ´n Scholznbauer senner Schwaster Suhn (Neukirch) `der Neffe von Bauer Scholze´.  Statt Suhn verwendet der Oberlausitzer meistens Junge.

Suldoate (1.Silbe kurz und unbetont, 2.Silbe gedehnt und betont) m. Pl. Suldoatn `Soldat´; dohiede stitt a Suldoate, unser Grußer is benn Suldoatn. Lautf.: Soaldoate.

Suldoatnknupp m. `Klette (Arctium L.)´.

sulln unregelm. Modalverb `sollen´ iech sull, soall od. sill, du sullst, soallst od. sillst, a sull, soall, soa (Sebnitz) od. sill, mer sulln, soalln od. silln, iech sullt(e) od. soallt(e), du sulltst od. soallst, mer sulltn od. soalltn, iech hoa gesullt od. gesoallt. Konj.: iech sellt(e) od. selle, du selltst, mer selltn; sellt´ch murne zu dir kumm, koannst mer´sch weisn; Mutter zum Kind, wenn es zu Besuch geht: „Mach oack ne erne woaas, woaas de derheeme ne sullst!“. Die hättst de sulln sahn! Lautf.: Inf. 1. 3. Pl. sinn wKürzung, wSüdlausitz (ab Lawalde westlich),Westlausitz; mer sinn od. sunn kumm `wir sollen kommen´. Konj. 1. 3. Sg. sole sWestlausitz; ich sole komm `ich sollte kommen´. Konj. 1. 3. Pl. soln sWestlausitz; mer soln komm `wir sollten kommen´. Lautf.: soalln, silln Obercunnersdorf, Cunewalde, Spitzk., Seifhennersdorf, sinn wSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz.

Suloat (1.Silbe kurz u. betont, 2. Silbe gedehnt u. unbetont) m. `Salat´ 1. wie litspr. `Kopf- od. Blattsalat (Lactuca sativa L.)´; Soaloatebätl, Heetlsoaloat, brengn oack drei Heetl Soaloat mitte! RA: do hutt mer´n Soaloate! `Da hatten wir die Bescherung!´ - 2. `mit einer Marinade angemachte kalte Speise aus zerpflückten Salatpflanzen´; Krautsoaloat. Lautf.: Suloate (1.Silbe kurz u. unbetont, 2.Silbe gedehnt u. betont, 3.Silbe kurz u. unbetont), Soaloate °ZI Ebersbach, Soaloat Burkau, Soaloatn od. Suloatn wSüdlausitz, sWestlausitz, Suloatche Königshainer Berge.

Suloatestaadtl n. `Salatstädtchen: Zittau (Scherzname)´. Lautf.: Soaloat(e)staadtl. Auch Zwibblsitte u. Gurknstaadtl.

Suloatheetl n. `Salatkopf´. Lautf.: Siehe Suloat!

summ swv. `summen´. 1. wie litspr. - 2. Leutersdorf `(ärgerlich) werfen, schmeißen´; a summte verbußt sei Hickl uff´m Tiesch.

Summer m. `Sommer´; dr Summer is mer reigekumm `die sommerliche Hitze hat mir das Essen verdorben´.

Summerbeeml n. Schlesien `Sommerbäumchen´, siehe Summersingn!

Summerfanster n. `Sommerfenster´. 1. `einfache Fenster (Gegensatz zu Doppelfenster)´. - 2. `Fliegenfenster´.

Summerfrische f. `Sommerfrische: Sommerurlaub, Sommerferien´; die dichn kumm zu uns oalle Juhre uff de Summerfrische; Summerfrischler `Sommerurlaubsgast´.

Summergoast m. `Sommerurlaubsgast´.

Summerkalbl n. Südlausitz, sOstlausitz, Schlesien `Sommerkälbchen für Marienkäfer´. Wenn Kinder einen Marienkäfer auf dem Finger od. der Hand halten, singen sie: Summerkalbl fliege, dr Voater is an Kriege, de Mutter is a Pummerland, Pummerland is oabgebrannt, Summerkalbl fliege! Lautf.: Summerkälbchn °KM Cunnersdorf, Schmorkau.

Summerkaubl n. °ZI Ebersbach, Neugersdorf, °BZ Sohland, Wehrsdorf `Marienkäfer´

Summerkirbl n. Südlausitz, z.B.: Obercunnersdorf, Cunewalde `Sommerkörbchen für Marienkäfer´; Lautf.: Summerkurbl, Summerkarbl, Summerkerbl Daubitz, Rietschen, Schirgiswalde, Beiersdorf.

Summerkoalb n. Wittgendorf siehe Summerkalbl!

Summerkurn n. `Summerkorn: Roggen, der im Frühjahr ausgesät wurde´; iech hoa Summerkurn druffe (uff dr Mihle). Lautf.: Sommerkorn Rammenau.

Summermätschl (kurzes ä) n. °NOL Königshain `Marienkäfer´.

Summermatzl n. Frankenthal, um Sebnitz `Marienkäfer´.

Summermeezl n. dass. wie Summermätschl.

Summermietschl n. msOstlausitz dass. wie Summermätschl.

Summermiezl n. Ostlausitz `Marienkäfer´.

summern swv. Schlesien, Nordböhmen `den Brauch des Sommersingens ausüben´; siehe Summersingn!

Summeroo `Sommerau´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmann Zittau gehörend östlich der Neiße; poln. `Biatopole´; de Summeree-er `die Einwohner von Sommerau´. Lautf.: Sommeroo, Summerau, Sommerau.

Summerpuppe f. Bihms Koarle `Sommerpuppe: Kornpuppe ohne Deckhaube´. Siehe auch Puppe 2!

Summerputtl n. Westlausitz, °KM Friedersdorf, Großröhrsdorf, Ohorn, Rammenau `Marienkäfer´.

summersch Adj. Schirgiswalde, Hinterhermsdorf `im Sommer, während des Sommers´; summersch stuß mer´ch unse Zihn ei; ´s is summersch und wintersch su!

Summerschzeit f. Königshainer Berge `Sommerzeit´, auch Summerzeit.

Summersingn n. Westlausitz, Ostlausitz, Neulausitz, Schlesien, Nordböhmen `Sommersingen (veralteter Volksbrauch): Am Sonntag Lätare (nach dem Todaustreiben) wurde von den jungen Leuten ein mit bunten Bändern geschmückter Wipfel eines Fichtenbäumchens (Summerbeeml) oder eine mit einem Kränzchen geschmückte Stange (Summersteckn) von Haus zu Haus getragen und gesungen. Dafür erhielten diese Sommerkinder Eier, Brezeln u. Geld´. Heute hat sich vereinzelt nur noch das Singen von Chören oder Gesangsvereinen erhalten, z.B. in Niesky. Vgl. Summersteckn u. Tudaustreibm!

Summersprinkl m. (meist Pl.) Wittgendorf `Sommersprenkel: Sommersprosse´; du hoast ieberoale Summersprinkl(n). Lautf.: Summersprenkl(n).

summersprinklch Adj. `viele Sommersprossen besitzend´; dar hoat´ch anne rutlodche und summersprinklche ufgegoablt. Lautf.: summersprenklch.

Summersteckn m. Dim. Summersteckl bes. Ostlausitz, Schlesien `eine mit einem Kränzlein u. bunten Bändern geschmückte Stange, die eine Gruppe Kinder zum Sommersingen am Sonntag Lätare durchs Dorf trug und damit Brezeln und Eier erbrüllte od. die ein Junge vor dem Brautpaar im Brautzug trug anstelle eines Lebensbaumes´ (bis zum 1.Weltkrieg).

Summersunntch m. Schlesien `Sommersonntag: Sonntag Lätare, an dem das Sommersingen stattfand´. Siehe Summersingn u. Tudaustreibm!

Summertierdl n. verstr. Ostlausitz (Obersächs. Wb.), um Bernstadt `Märzbecher (Leucojum vernum L.)´. Lautf.: Summertierl.

Summerwirml n. verstr. Süd- u. Ostlausitz `Marienkäfer´. Lautf.: Summerwerml Burkau, Hinterhermsdorf

Sums (kurzes u) m. ohne Pl. `Aufwand, Aufheben, Umstände, Wesen, überflüssiges Gerede über Nichtigkeiten, Lärm um nichts´; mach ne sickn Sums waajn dann drei Pfenngn!

Sumse f. Oberlichtenau dass. wie Sumsl.

Sumsl f. bes. Westlausitz 1. scherzh. `Insekt, das summt, z.B. Fliege od. Biene´. - 2. übertr. a. `abfällig `Freundin, Geliebte´. - b. `eine lästige, nerventötende (weibl.) Pers.´.

sumsln swv. siehe simsln!

sumsn swv. `summen´. 1. wie litspr. - 2. `in froher Runde feiern´, rimsumsn.

Sunne f. `Sonne´; de Sunne braajglt vun Himml runder.

Sunn(e)barg m. 1. `Sonneberg (zur Gemeinde Kottmar gehörender Ortsteil von Ottenhain im °GR)´; dar wohnt an Sunnebarge; de Sunnebargschn `die Einwohner von Sonneberg´. - 2. `Sonnenberg (Ort der Stadt Schirgiswalde- Kirschau im °BZ)´. Lautf.: Sunnbarg.

Sunnebrinkl n. dass. wie Sunnesteebl.

Sunnesteebl n. `Sonnenstäubchen: (leichte) Verunreinigung der Luft, die man nur bei Sonne sieht´.

Sunnkafer m. verstr im °BZ `Sonnenkäfer´ für `Marienkäfer´.

Sunntch m. `Sonntag´ 1. `der 7. Tag der Woche´; zun Sunntche od. uff´m Sunntche `am Sonntag, sonntags´; Sunntchzobm `Sonntagabend´, Sunntchnoamittch `Sonntagnachmittag´, Sunntchfoahrer `Sonntagsfahrer´, Sunntchjaajer `unprofessioneller Jäger´, Sunntchwootcht `Sonntagskleidung´, Sunntchhosn, Sunntchreturbillett `Sonntagsrückfahrkarte´; iech muss noa Sunntch brengn a dr Bude `ich muss saubermachen für den Sonntag´. - 2. nur im Pl. Sunntche `Einkerbungen an der Tropfkante einer Deckleistenschalung (auch „Oberlausitzer Verschlag“ genannt)´. Die Arbeit an dem nicht unbedingt notwendigen Schmückwerk wurde vom Hausbesitzer meistens am Sonntag durchgeführt. Lautf.: Sunntsch, Surn(t)ch, Sonntch, Sorn(t)ch Westlausitz.

Sunntchkahle f. `Schlund, der leckeres Essen bekommt´; dr Nubber hoat heute wieder anne Sunntchkahle (Hintere Sächsische Schweiz) `der Nachbar leistet sich heute wieder etwas besonders Gutschmeckendes´; in der Wendung mir is woaas a (ei) de Sunntchkahle gekumm Girbigsdorf `ich habe mich verschluckt´.

Sunntchkleed n. `Sonntagskleid, besseres Kleid der jungen Mädchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts´.

Sunntchrickl n. `Sonntagsgehrock für Männer´.

Sunntchzeug n. Neugersdorf `Sonntagskleidung für Männer u. Frauen´.

sunst Adv. `sonst´; wie litspr.; zieh a neuwoaschn Hemde oaa, sunst gih´ch oalleene! Lautf.: sunste, sunstern um Görlitz, sinst Obercunnersdorf, Neugersdorf, sinstn Neukirch, sist Hinterhermsdorf, sinstern, sinstert, sunstert.

sunstewoaas Adv. `sonst etwas, irgendwas, etw. Unbekanntes´; do denkt ees sunstewoaas. Lautf.: sunsterwoaas Spitzkunnersdorf.

sunstewu Adv. `auf einer unbekannten, (weit entfernten) Stelle; irgendwo´; dar wohnt sunstewu.

sunst(e)wuhar Adv. `sonstwoher: von anderwärts, anderswoher, von auswärts´, Anwendung bei unbekanntem Herkunftsort; meine Schwaster hoat ann neun Karl, dar ist sunstewuhar.

suppch Adj. `dünn wie Suppe (insbes. Viehfutter)´; suppches Futter.

Suppe f. Dim. Sippl `flüssige Speise, meist mit Einlage, die gelöffelt wird´; Brutmahlsuppe, gaale Suppe, Klimplsuppe, Wurschtsuppe. RA: Wenn mer diech ne hättn und de Leffl, misst mer de Suppe spissn; ´s koacht a jeds sei Sippl oalleene; de Suppe, die d´r eigebroackt hoast, musst de o salber wieder ausleffln; luss dr ne a de Suppe spuckn! Scherzh. RA: Besser anne Fliege a dr Suppe, oas goar kee Fleesch an Tuppe; Suppe blosn `im Schlaf Luft durch die Lippen pressen und dabei leicht schnarchen´. RA: Die missn doa denkn, mer senn uff dr Suppe (Wurschtsuppe, Nudlsuppe) dohargeschwumm `die unterschätzen uns´. RA. Dar will immer uff dr Suppe schwimm `der will immer obenauf sein´.

suppm swv. 1. `Suppe essen´: RA: Dar koann aus dr Daachrinne suppm `der ist von der Körperstatur sehr groß´; Sprichwort: War lange suppt, dar lange huppt. - 2. `Saufen von Tieren, wie man Suppe isst´. - 3. `Flüssigkeit, Treibstoff verbrauchen´; woaas suppt´n dei Auto uff hundert Kilometer?

Suppmkelle f. `großer, tiefer Löffel mit langem Stiel zum Schöpfen von Suppe; Schöpflöffel´; RA: Dar hoat de Geschoitheet mit dr Suppmkelle gesuppt.suptile (gespr. subdile) veralt. Lawalde `fein, zart, sorgsam´; is nieslt a bissl su suptile.

Suppmtunker m. `Schnurrbart, Schnauzbart´; dar hoat aber under´n Richer ann struppchn Suppmtunker!

Surge f. Pl. Surgn wie litspr. `Sorge´; de Aaln woarrn schunn a grußer Surge; Sprichwort: Burgn macht Surgn, (Wiedergan Sauersoahn). RA: Kleene Kinder kleene Surgn, gruße Kinder gruße Surgn.

Surge f. `Sorge´, ein FlN, Ortsname (Flurstücke in Grenzlage bzw. Ortsteile am Rand eines Ortes); meine Schwaster wohnt uff dr Surge. 1. Ortsteil der Gemeinde Leutersdorf im °GR. - 2. `Neue Sorge (Ortsteil des zur Gemeinde Großschönau gehörenden Ortes Waltersdorf im °GR)´; de Surgschn `die Einwohner´. - 3. `Neusorge (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´; de Surger Stollberg `die Einwohner von Sorge´. - 4. bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ortsteil von Schwerta (Schwertburg) östlich der Neiße, poln. `Troszcyn´.

Surte f. wie litspr. `Sorte, auch auf Menschen bezogen´; dooas is su de richtche Surte.

Sutsche (gedehntes u) f. Steina `unappetitliche od. schmutzige Flüssigkeit, schlechter Kaffee´. Lautf.: Suze, Sutze selt. Westlausitz.

sutschn (gedehntes u) swv. selt. Westlausitz `unachtsam Flüssigkeiten verschütten´. Lautf.: sutzn, suzn.

Sutze siehe Sutsche!