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  1. O

O

o Partikel `auch´; mir feiern o ne; gunn Tag o.
o Interj. unterschiedliche Gefühlsregungen wie Freude, Erschrecken, Erstaunen, Mitleid bekundender Ausruf; o ju! O jemersch nee! O jemenee! O jee o jee! O du meine Gitte!

oa (kurz gesprochen) Präp. mit Dat. u. Akk. `an´. 1. lokal; iech hoa anne Meesnmeste oa dr Wand; de Letter lahnt oan Boome `die Leiter lehnt am Baum´. - 2. wie litspr. in fester Abhängigkeit von Verben; a hängt oa senn Kindern. - 3. oa woaas(e) od. oa woaasn `woran´. Lautf.: a (kurz).

oa su (kurzes oa) Interj. Ausdruck der Verwunderung, des Staunens `ach so!´; oa su muss´ch doaas machn! Lautf.: oach su, a su. Vgl. asu!

oaa Adv. 1. `eingeschaltet, angedreht´; is Licht is oaa (Südlausitz) od. oanne (Westlausitz). - 2. oaa- als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; oaaguckn, oaahaaln, oaaringn, oaadräh; pfuz miech ne schunn wieder oaa! Lautf.: oan (kurzes oa) nwSüdlausitz u. Westlausitz, oanne Westlausitz; ar hotte bluß noa de Armlweste oanne (Westlausitz).

oaabändln swv. `jmdn. ansprechen, mit jmdm. eine Beziehung eingehen´. Lautf.: oaabandln, oanbändln Westlausitz.

oaabattln swv. `anbetteln: um etw. bitten´; iech battl ba kenn Maajdl oaa!

oaabe siehe oab!

oaabeem swv. `anbäumen: die Wäsche beim Rollen auf die Rollwalze wickeln´.

Oaabeschlag m. Oberland `Abschlag: Querinne auf Straßen zum Ablaufen des Regenwassers´. Lautf.: Oaabschlag öKürzung, Oabschlag.

Oaabeseite f. Obercunnersdorf `Abseite´. 1. `Hinterfront des Hauses´. - 2. `Anbau an der Hinterseite des Hauses (unter dem herabgezogenen Dach) und diente u. a. als Abstellraum für Leitern, Kannen u. Fässer u. verbarg den Abort´; de Roaber stitt a dr Oaabeseite. Auch Oaaschieblch. Lautf.: Oabseite Jonsdorf, Oaweseite.

Oaabinder m. dass. wie Oaabindlch. Lautf.: Oanbinger Oberlichtenau.

Oaabindlch m. Jonsdorf, °BZ Sohland, Steinigtwolmsdorf `angebundenes Tier, (das zur Produktion gehalten wird)´.

oaabinn stv. `anbinden´. 1. wie litspr. `etw., jmdn. an etw. festbinden´; RA: "Woaas is´n lus?" - "Woaas ne oaagebunn is!" - 2. `nicht als Jungtier schlachten, sondern zur Weiterzucht od. zur späteren Schlachtung im Stall stehen bleiben´; die hoann´s Koalb oaagebunn. - 3. de Beeme oaabinn `am Heiligabend beim Leuten der Glocken die Obstbäume mit Strohbändern umwickeln´. Lautf.: oanbingn Westlausitz, oaabingn Ostlausitz.

oaabittn stv. iech bitt oaa, du bittst oaa, iech hoa oaagebotn Spitzkunnersdorf, Neusorge `anbieten, vorsetzen´, a toat mer oack Limnoade oaabittn. Lautf.: oanbittn.

oaabläckn swv. Oberland `jmdm. die Zunge herausstrecken´; hoat miech doa dar freche Lackl oaagebläckt! Lautf.: oaabläkn Südlausitz ohne Oberland, Ostlausitz, oanbläkn Westlausitz.

oaabläffm swv. umg. 1a. Schirgiswalde, Neusorge `jmdn. mit Rauch (geräuschvoll) anblasen´. - b. selt. `das Feuer durch Blasen entzünden´. - 2a. Jonsdorf, Wittgendorf, Schirgiswalde `unfreundlich anfahren´. Lautf.: oanbläffm Westlausitz.

oaabrenn unregelm. V. iech brenn oaa, du brennst oaa, iech brannte oaa, iech hoa oaagebrannt `anbrennen´. 1. wie litspr. `anzünden, zum Brennen bringen´; ´n Christboom oaabrenn. - 2. wie litspr. `zu brennen beginnen, in Brand geraten´; dei Arml brennt oaa! - 3. wie litspr. `sich beim Kochen od. Braten auf dem Topfboden in einer verkohlten Schicht absetzen´; dir brenn de Abern oaa! De Ardboarn sein wieder oangebraant Steina. Lautf.: oanbrenn Westlausitz.

Oaabrenne f. auch Seifhennersdorf `Anbrenne, Einbrenne; mit Fett od. Speck gebräuntes Mehl als Zutat für Speisen od. als Verdickungsmittel für Soßen u. Suppen, dunkle Mehlschwitze´. Lautf.: Oanbrenne Westlausitz.

oaadächtch Adj. `andächtig: aufmerksam, besinnlich, inbrünstig´; die beedn Aaln hurchtn dar Singerei oaadächtch zu. Lautf.: oandächtch Westlausitz.

Oaadenkn n. `Andenken´. 1. `Erinnerung, Bewußsein´; ´n Unkl a gudn Oaadenkn behaaln. - 2. `Souvenier, Erinnerungsstück´; die hoat vu Hanse a klee Oaadenkn `die hat vom Hans ein Kind´. Lautf.: Oandenkn Westlausitz.

Oaadrähche f. `Betrieb od. Abteilung, in der man die neue Webkette mit dem Rest der alten verknüpft; Andreherei´. Siehe oaadrähn!

Oaadräher m. `Pers., die in der Weberei die neue Kette mit dem Ende der alten durch Drehung verknüpft´; Oaadrähern `weibl. Pers., die andreht´. Lautf.: Oandräher.

oaadrähn swv. `andrehen´. 1. `die Fäden der neuen Kette od. Werfte mit den Resten der alten verknüpfen od. mit Schlämmkreide verdrehen´. - 2. enn woaas oaadrähn `jmdn. eine minderwertige Ware aufschwatzen´; de Flecklfrooe koam mit´n Troikurbe verbei und wullt mer woaas oaadrähn `die Stoffhausiererin kam mit der Kiepe vorbei und wollte mir etwas aufhalsen´. - 3. `bewerkstelligen, anstellen´; doaas hoast de gutt oaagedräht. Lautf.: oandrähn Westlausitz.

oaadreeschn swv. 1. `anspritzen, etw. vollspritzen´. - 2. `Schaden erleiden, Pech haben, jmdm. etw. missglücken´; meine Schwaster hoat´s oaagedreescht. Lautf.: oaadreetschn, oandreeschn Westlausitz.

oaaeckn swv. umg. `anecken: etw. (Unangenehmes) machen od. sagen, womit man (bei jmdm.) Anstoß erregt´; mit menn Sprichl bie´ch ba dr Schwiegermutter oaageeckt. Lautf.: oaneckn Westlausitz.

oaafangn stv. iech fangn oaa, du fängst oaa, iech fungk Obercunnersdorf, Rosenhain od. fingk Jonsdorf oaa, iech hoa oaagefangn `anfangen´. 1. volksspr. für `etw. beginnen´; dr Seeger fungk zu schloin oaa. - 2. in Formulierungen, bei denen man das Geschehene in Gedanken ergänzen muss´; iech ne, mei Bruder hoat oaagefangn. Lautf.: oanfangn Westlausitz.

oaaferzln siehe oaafirzln!

Oaafeuerche f. `Anfeuerung; leicht brennbares Material (Papier, Reisig, Kohlenanzünder) zum Feuer machen´.

oaafeuern swv. 1. `im Ofen Feuer machen, den Ofen anheizen´; nimm oack Reis´ch zun Oaafeuern! - 2. enn oaafeuern `durch Zurufe jmdn. beflügeln wollen´. Lautf.: oanfeuern Westlausitz.

Oaafirche f. Cunewalde dass. wie Oaafirlch.

oaafirchln swv. selt. Jonsdorf `anfürcheln (dass. wie oaafoahrn 2)´ siehe auch firchln!

Oaafirlch m. `die zwei zuerst gepflügten Furchen eines Beetes´, in der Fügung ´n Oaafirlch machn, ziehn, foahrn `die erste Furche ziehen´. Lautf.: Oaafirdlch Girbigsdorf, Oaafihrlich nOsdtlausitz.

oaafirnsn swv. Steinigtwolmsdorf `heftig (u. unberechtigterweise) anfahren, grob zurechtweisen´. Lautf.: oaafurnsn, oanfoarnsn Westlausitz, oanfurnsn Sächs. Schweiz.

oaafirzln swv. `ungelegen kommen´; dar kimmt o schunn wieder oaagefirzlt! Siehe firzln! Lautf.: oaaferzln, oanfoarzln.

oaaflamschn (gedehntes a) swv. Süd- u. Ostlausitz `böse, heimtückisch, auf Rache sinnend, die Zähne zeigend ansehen´; wie´ch doaas Dingk derzahlte, hoat miech meine Frooe aber oaageflamscht.

oaaflickn swv. `annähen´; du kenntst mer a Kneppl oaaflickn!

Oaaflug m. meist Pl. Eibau, Kemnitz `nicht durch Menschenhand gesetzte, sondern aus dem durch Wind oder durch Vögel verbreiteten Samen entstandene Planze´; Oaaflugbeeme `meist Bäume, die am Waldrand stehen und einseitig Äste aufweisen´, mer schneidn oack ´n Oaaflug raus.

oaafoahrn stv. `anfahren´. 1. wie litspr. `jmdn. laut u. scharf zurechtweisen´. - 2a. Obercunnersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Girbigsdorf `mit dem Hakenpflug die Kartoffelpflanzen anhäufeln, die Kartoffeldämme hochziehen´. Siehe auch rufffoahrn, firchln, oaaheffln u. oaafirchln! - b. Ostlausitz `mit dem Pflug die erste Furche ziehen´. Lautf.: oanfoahrn Burkau u. Oberlichtenau.

oaafoarzn swv. `anfurzen: jmdn. heftig anfahren, auszanken, grob zurechtweisen´, in der Wendung enn oaafoarzn `jmdn. anschnauzen´.

oaagan stv. `angeben´. 1. `prahlen, groß tun´. - 2. Neugersdorf `etw. unternehmen, anstellen, (Dummheiten) machen, treiben, bewerkstelligen´; woaas hoast´n do wieder oaagegan? Lautf.: oangan.

oaagebändlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von oaabändln) in der Wendung oaagebändlt senn/sein `angebunden sein, von jmdm. abhängig sein, auf jmdn. Rücksicht nehmen müssen´; iech schoaff mer kenn Hund oaa, do bie´ch su oaagebändlt. Lautf.: oaagebandlt, oangebändlt, oangebandlt.

Oaagebinde n. `Angebinde´, dass. wie Eigebinde; doaas teure Oaagebinde goab´r a keene fremdn Hände. Lautf.: Oangebinde Neukirch.

oaageburn Adj. (eigtl. Part. Prät.) `angeboren, von Kindesbeinen an, erblich´; doaas Radl a dr Gurgl is mer oaageburn. Lautf.: oangeburn u. oangeborn Westlausitz.

Oaagehier n. selt. msSüdlausitz in der Wendung enn woaas zun Oaagehier gan `jmdm. etwas vorhalten, vorwerfen´.

Oaagehierche f. Wehrsdorf dass. wie Oaagehier. Lautf.: Oangehierche Westlausitz.

Oaagemenge n. Obercunnersdorf, Wittgendorf, Neusorge `Kraftfutter (z.B. Schrot verschiedener Getreidearten, Kleie, schwarzes Mehl), das dem anderen Viehfutter wie Rüben od. Kartoffeln, beigemengt wird´; de Kihe hoann mer mit Oaagemenge ufgefittert. Siehe auch Gemenge! Lautf.: Oangemenge.

Oaagemengsl n. dass. wie Oaagemenge.

oaagereimt Adj. (eigtl. Part. Prät. von oaareim) veralt. `mit Raureif überzogen´; de Beeme senn oaagereimt. Lautf.: oaagereemt.

oaagepicht Adj. (eigtl. Part. Prät. von oaapichn) `mit Teer angeklebt, mit Teer bestrichen´; a bleeb wie oaagepicht sitzn. Lautf.: oangepicht Westlausitz.

oaageroocht Adj. (nur präd., eigtl. Part. Prät. von oaaroochn) Bihms Koarle `angeraucht: angetrunken, betrunken´. Lautf.: oangeroocht Westlausitz.

oaageträut Adj. Südlausitz `angetraut: verehelicht, mit jmdm. verheiratet´; iech brengn mei oaageträutes Maajdl mitte.

oaagewähn swv. `angewöhnen´. Lautf.: oaagewänn °ZI Ebersbach, oangewähn Westlausitz.

oaagewurzlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von oaawurzln) `angewurzelt: unbeweglich, ohne einen Schritt zu machen´; a bleeb wie oaagewurzlt stihn.

oaagezoin Adj. (eigtl. Part. Prät. von oaaziehn) `klamm, noch nicht ganz trocken´; de Bettn senn oaagezoin.

oaagihn unregelm. V. 1. enn woaas oaagihn `jmdn. etw. betreffen, berühren, jmd. mit etw. zu tun haben´; doaas gitt´ch ann aaln Dreck oaa! `Das geht dich nichts an!´ - 2. `jmdm. auf die Pelle rücken, jmdn. belästigen (mit Worten, Taten od. Handgreiflichkeiten), bitten um etw., anfallen´; uff eemol gingk miech dr Pulezeier oaa und wullde menn Noam ufschreibm. - 3. `beginnen, anfangen´; mei Urloob gitt zun Schissn oaa; im fimfe rim gitt de Musik oaa. Lautf.: oangihn Westlausitz.

oaaglupschn swv. `jmdn. finster, drohend ansehen, anstarren´.

oaagräln swv. `ankrallen´. Lautf.: oaakräln Bihms Koarle

Oaagreifer m. selt. Südlausitz `Topflappen´.

oaaguckn swv. `angucken: ansehen´. Lautf.: oanguckn Westlausitz.

oaahaaln stv. `anhalten´. 1. wie litspr. `etw. zum Halten, zum Stillstand bringen; stehen bleiben´; a hillt´n Odn oaa `er hält die Atemluft an´. - 2. selt. `neugeborene Kälber od. Zickel beim Muttertier anlegen u. an das Saugen gewöhnen´. - 3. woaas hillt oaa `etw. sättigt für längere Zeit´; ´s Mittchassn hoat ne lange oaagehaaln, im zwee-e hutt´ch schunn wieder Hunger. - 4. im woaas oaahaaln `um etwas bitten´; a toat im unser Maajdl oaahaaln. Lautf.: oanhaaln.

Oaahangk m. `Anhang´. 1. `Familienangehörige, Verwandtschaft, Freundes- u. Bekanntenkreis´. - 2. wSüdlausitz `Anbau an der Rückseite des Hauses, der als Schuppen dient(e) od. den Backofen enthielt´. Siehe auch Hoalle u. Oaabeseite! Lautf.: Oaahang, Oanhang Burkau.

oaahänglch Adj. Neugersdorf, Cunewalde `anhänglich, schlecht los werdend, treu, unheilbar´; is Reißn is anne oaahänglche Krankt. Lautf.: oaahänglcht.

Oaahänglchkeet f. `Anhänglichkeit: Treue, Verbundenheit, Ergebenheit´.

oaahängn swstv. `anhängen´. 1. wie litspr. `etw. an etw. hängen´. - 2a. `jmdn. ausschimpfen, schelten´; de Mutter hoat mer oaagehangn od. oangehangn. - b. enn woaas oaahängn `jmdm. Übles nachreden, jmdm. etw. auswischen´. Lautf.: oanhängn Westlausitz.

Oaahängsl n. `Anhängsel´ 1. `ein kleiner Gegenstand, den man an einer Kette od. an einem Schlüsselbund trägt´. - 2. `Pers., die als unbedeutend bzw. störend empfunden wird´; ba Gustoave senn de Weibsn oack Oaahängsl.

oaaheemln swv. `Vertrauen erwecken, zutraulich machen, sich geborgen bzw. heimisch fühlen´; ihr Wasn heemlt enn urndlch oaa; a redde su oaaheemlnde. Lautf.: oanheemln Westlausitz.

oaahaun dass. wie oaahoon 1 bis 3.

oaaheffln stv. Obercunnersdorf, Girbigsdorf `mit dem Hakenpflug (Ruhrhokn) die Kartoffelpflanzen anhäufeln, die Kartoffeldämme hochziehen´. Lautf.: oaahoaffln Jonsdorf, oaahäufln Neusorge.

oaahimmln swv. `anhimmeln, verehren, bewundern, vergöttern´; dar aale Karle himmlt noa de jungn Maajdl oaa.

oaahoann unregelm. V. `ein od. mehrere Kleidungsstücke tragen´; iech hoa a neuwoaschn Hemde oaa; die hoat nischt oaa, die is nackch. Lautf.: oanhoann.

oaahobm stv. dass. wie oaahoon 1. Verbreitung siehe hobm!

oaahoon swstv. Obercunnersdorf `anhauen´. 1. `zu Beginn der Ernte mit der Getreidesense einen Randstreifen um das Getreidefeld mähen, damit die Mähmaschine eingesetzt werden kann´. - 2. dass. wie oaawettern; de klenn Katzl oaahoon. - 3. umg. enn oaahoon `jmdn. um etw. angehen´. - 4. umg. `schwängern´; dar hoat meine gruße Schwaster oaagehoon. Lautf.: oaa-, oanhoon, -haun.

oaahosn swv. `sich (merkwürdig, liederlich, ungeschickt, geschmacklos, übermäßig dick) anziehen, ankleiden´. Siehe hosn! Lautf.: oanhosn nwSüdlausitz, Westlausitz.

oaakachln swv. `stark heizen (im Kachelofen)´.

oaaknippln swv. `anknüpfen, anbinden durch Verschließen mit einem Knoten´.

oaakreeschn swv. `(Fleisch) auf starkem Feuer anbraten´. Siehe kreeschn! Lautf.: oaa-, oan-, kreeschn, -kreischn.

Oaakroatz m. 1. Ober- u. Niedercunnersdorf Oaakroatz finn `Anschluss, schnell Freunde, Zuspruch finden; begehrt werden (Ware); Abgang finden (von Mädchen bei jungen Männern)´; die find ieberoale fix Oaakroatz. - 2. Niedercunnersdorf, Anton `Händel, Streit, Zank, Uneinigkeit´; naajchtn hoa´ch mit ann Sifflche Oaakroatz krigt; Oaakroatz hoann `Verdruss haben´; dar sucht wull wieder Oaakroatz! `Der sucht wieder eine Gelegenheit zum Streit!´. Lautf.: Oaakroaaz °ZI Ebersbach, Oaakroz (gedehntes o) Seifhennersdorf, Oankroatz Westlausitz; Oaakruz od. Kruz Oderwitz.

Oaakroatzch (gespr, Oaakroatsch) m. öSüdlausitz, Ostlausitz, 1. `Pers., die leicht Verdruss hat, die alles übel nimmt´. - 2. `Sache, die leicht Verdruss macht´.

Oaakroatzche f. Südlausitz dass. wie Oaakroatz 1. u. 2.; die sucht o ieberoale Oaakroatzche; a hoat wieder mit´n Nubberjungn Oaakroatzche krigt. Lautf.: Oaakrozche (gedehntes o) Zittauer Gebirge.

oaakuffm swv. Bihms Koarle `anstoßen, anecken´; iech bie oa ann Steene oaagekufft.

Oaakuhrche f. veralt.`Ankehrung, Aufenthaltsort, Verbleib´. Lautf. Oaakoahrche, Oankährche.

oaakuttln swv. refl. West- u. Ostlausitz `sich flüchtig, liederlich od. geschmacklos anziehen´. Lautf.: oankuttln Westlausitz.

oaalän swv. `anlegen´. 1. `Garben zum Dreschen mit dem Flegel auf der Tenne breitlegen´. - 2. `Holz od. Kohle auf das im Ofen brennende Feuer legen´. - 3. refl. `sich mit jmdm. streiten wollen, bewusst auf eine Auseinandersetzung hinzielen´; iech hoa miech mit´n Birgemeester oaagelät.

oaaleiern swv. `anleiern: andrehen´ 1. woaas oaaleiern `etwas in Gang bringen, etwas ankurbeln, etwas bewerkstelligen´. - 2. Dittelsdorf woaas oaaleiern `etwas aufschwatzen, etw. aufhalsen´; dr Hausierer wullt uns schunn wieder woaas oaaleiern. - 3. `ungelegen oder in einem angetrunkenen Zustand kommen´; a dr Nacht im zwee-e brucht´s menn Aaln oaageleiert. - 4. Niedercunnersdorf `schwängern´; dr Gruße vu Viebchneume hoat unser Maajdl oaageleiert `Neumanns großer Sohn, der auf dem Viehweg wohnt, hat unserer Tochter ein Kind gemacht´.

oaalihrn siehe lihrn!

oaalindern swv. `anlintern´. 1. `beim Anweben das Lintertuch (siehe Lindertuch!) mit eingezogenen Kettfäden verbinden´. - 2. Nordböhmen `feucht mangeln´.

oaaloarven swv. Oderwitz `sich oder etwas mit einem (hässlichen) Gesicht, der Larve, anschauen; sich im Spiegel begaffen´; iech bie kee Spiegloaffe, iech loarv miech ne ´n ganzn Tag oaa.

Oaaloaster siehe Oaloaster!

Oaaloof m. `Anlauf´, in der Wendung Oaaloof nahm `Schwung nehmen, um etw. zu berwerkstelligen, das nicht immer in die Tat umgesetzt wird´; iech hoa schunn dreimol Oaaloof genumm, oack gewurn is is noa ne. ´n Oaaloof grisser machn `die zum Erzielen einer notwendigen Geschwindigkeit vorgegebene Strecke erhöhen´.

oaaloofm stv. `anlaufen´. 1. `sich mit Wassertröpfchen bedecken, beschlagen´; mir is de Brille oaageloofm. - 2. Westlausitz een oanloofm loassn `jmdn. anzeigen, gerichtlich belangen´. Lautf.: oanloofm Westlausitz.

Oaalraupe f. Altbernsdorf, sOstlausitz `Aalraupe: Quappe (Lota lota L.)´, breitköpfiger, dem Aal ähnlicher Süßwasserfisch aus der Familie der Dorsche´.

oaamachn swv. `anmachen´. 1. `anzünden, einschalten´; Licht oaamachn. - 2. `etw. mit etw. vermischen, anrühren´; iech muss noa ´n Quoark oaamachn. Lautf.: oanmachn Westlausitz.

Oaamangk m. 1. dass. wie Oaagemenge. - 2. Oberlichtenau `Zutat beim Kochen´; a bissl Oanmangk droanmachn. Lautf.: Oanmang(k) Westlausitz.

Oaamengsl n. verstr. dass. wie Oaagemenge.

oaamummln swv. refl. Spitzkunnersdorf `sich in warme Kleidung einhüllen´; war wird´ch´n ba dar Wirme su oaamummln!

Oaamerd siehe Oaan(e)wand!

Oaan(e)wand f. Pl. Oaanewände Süd- u. Ostlausitz `Anwand, Anbeet´. 1. Pflugwende; der Streifen an den beiden Schmalseiten eines Feldes, auf dem der Pflug gewendet wird u. der zuletzt rechtwinklig zu den anderen Furchen gepflügt wird´. - 2. `Grenzrain, breiter Rasenstreifen, Fahrweg zwischen zwei Feldern´. - 3. `erste Bankreihe´; se huttn beede a dr Schule immer uff dr Oaanewand gesassn. Lautf.: Oaamerd u. Oaam(e)d öKürzung; Oaam(e)t u. Oaamcht Nordböhmen, Oanwand Westlausitz.

oaanevuhl Adj. `gestrichen voll, zum Überlaufen voll´; ´s Koaffeetippl is oaanevuhl. Lautf.: oaane-, aane-, vuhl, -vull.

oaanegeroapplte vuhl Adj. Obercunnersdorf dass. wie oaanevuhl. Lautf.: oaanegeroapptn vuhl, oaanegeroappm vuhl.

oaaniesn swv. `anniesen´. 1. wie litspr. - 2. ` jmdn. anraunzen, anfahren, jmdm. im derben Ton die Meinung sagen´; brauchst miech ne su oaaniesn, koannst´s a bissl schinner soin! Lautf.: oanniesn.

Oaapacker m. 1. Oderwitz `Griff, Henkel´. - 2. Wittgendorf, °Nol Königshain `Topflappen´.

Oaapackerch m. Oderwitz `Griff´.

oaapflaum swv. `anpflaumen: jmdn. pöbelhaft, herausfordernd od. stichelnd anreden´. Lautf.: oanpflaum, oaaflaum, oanflaum.

oaapfleckern swv. siehe pfleckln 1 und oaapfleckn! Lautf.: oanpfleckern nwSüdlausitz, Westlausitz.

oaapfleckln swv. Obercunnersdorf siehe pfleckln 1 und oaapfleckn! Lautf.: oanpfleckln Burkau.

oaapfleckn swv. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `anpflocken, Vieh auf der Weide mit einer Kette od. einem Seil an einem in die Erde getriebenen Eisenstab anhängen´; de Ziege aus´n Stoalle huln und oaapfleckn.

oaapfoin swv. siehe pfoin!

oaapfuzn swv. 1. `anfauchen (Katze)´. - 2. `unhöflich anfahren, fauchend schimpfen´; iech luss miech vu dir ne egoal oaapfuzn! Lautf.: oanpfuzn Westlausitz.

oaapoanstern (kurzes oa) swv. Cunewalde, wSüdlausitz, Westlausitz `dick u. unvorteilhaft anziehen´. Lautf.: oangepoanstert Westlausitz.

oaapumpm swv. `anpumpen: sich von jmdm. etw. borgen, sich von jmdm. Geld eihen´; iech koann ne schunn wieder meine Schwaster oaapumpm.

oaaputzn swv. enn od. woaas oaaputzn `schmücken, gut kleiden´; ´n Christbomm od. de Braut oaaputzn. Lautf.: oanputzn Westlausitz.

oaarauzn swv. Ostlausitz dass. wie oaaroanzn.

oaareechern swv. selt. `anräuchern´, enn oaareechern `jmdn. anführen, täuschen, hintergehen, etw. Schlechteres statt des Besseren aufhängen´; dar hoat´ch salber oaagereechert.

Oaareim m. veralt. Südlausitz `Raureif´. Lautf.: Oaareem Niedercunnersdorf.

oaareim swv. veralt. Neusalza-Spremberg, Nordböhmen `mit Raureif beschlagen´; ´s reimt oaa, de Beeme senn su schiene oaagereimt. Lautf.: oaareem.

oaarempln swv. `jmdn. im Vorbeigehen (absichtlich u. herausfordernd) stoßen´. Lautf.: oanrempln Westlausitz.

oaarichtn swv. `anrichten´ 1. `(Essen) zubereiten´; ´s Assn is oaagericht. - 2. Obercunnersdorf `reparieren, in Ordnung halten´; ar toat an ganzn Durfe de Seeger oaarichtn bzw. vierrichtn. Lautf.: oanrichtn Westlausitz.

oaarickn unregelm. V. `anrücken´; do is´r oaageruckt gekumm `da kam er in einer best. Absicht (mit etw.) irgendwohin´. Lautf.: oaaruckn, oanrickn.

oaarihrn unregelm. V. 1. `anrühren, berühren´; iech hoa se goar ne oaageruhrt. - 2. in der Fügung ne Rihroaa `keine Reaktion´; jeds Wuhrt is imsunst, a zuckt ne, do is ne Rihroaa. - 3. `etw. kosten, essen´; ´s Christbrutl wird irscht zu Weihnachtn oaageruhrt. Lautf.: oanrihrn, oaaruhrn.

oaaringn stv. Oberland zwischen Taubenheim u. Oderwitz, Spitzkunnersdorf `anringen: anschlagen, wirken, helfen (bei Medikamenten u. Heilmitteln)´; de Duktertruppm ringn ne oaa; o goar nischte rungn (rang) oaa.

oaaroanzern swv. Dittelsdorf, Jonsdorf dass. wie oaaroanzn!

oaaroanzn swv. Wittgendorf, Schirgiswalde `anfahren, anscheißen, anschnauzen, tadeln´. Lautf.: oaaranzn Anton.

Oaaroasslch m. `Anraunzer, Anschiss´; hoast de denn Oaaroasslch schunn gekrigt? Lautf.: Oanroasslch Westlausitz.

oaaroassln swv. ehem.°ZI Reichenau, Schirgiswalde `anrasseln: jmdn. anraunzen, anfahren, jmdm. im derben Ton die Meinung sagen, jmdn. auszanken´. Lautf.: oanroassln Westlausitz.

oaarotn stswv. Bihms Koarle `anraten: ans Herz legen, empfehlen´.

oaaruhrdn, oaaruhrn swv. Neusorge `Kartoffeln mit dem Hakenpflug, mdal. Ruhrhokn, anhäufeln, anfahren´.

Oaarunkser m. `grober Stoß, scharfe Zurechtweisung´.

oaarunksn swv. 1. `jmdn.grob u. unflätig stoßen, anrempeln´. - 2. `jmdn. grob anfahren, unhöflich ansprechen´. Lautf.: oanrunksn.

oaasackn swv. 1. `mit derbem, festen Griff fassen, anpacken´; iech hoa dan feegn Karln oaagesackt und as Woaaser geschmissn. - 2. Bihms Koarle `jmdm. saugrob kommen´. Lautf.: oansackn Westlausitz.

Oaasahn n. `Ansehen´ 1. Bihms Koarle `Hochachtung, Anerkennung, Ehre´;  a dar Zeit, wu noa kee Automubil fuhr, stoand dr Botnmoan a Oaasahn. RA: Suppe gibbt Woampe, Woampe gibbt Oaasahn, und Oaasahn lässt´ch verkeefm. - 2. `(hübsches) Aussehen´; deine Tippl hoann kee Oaasahn mih `deine Töpfchen sind unansehnlich geworden´. Lautf.: Oansahn Westlausitz.

oaasahncht Adj. 1. dass wie oaasahnlch. - 2. `nicht von Unbedeutung, groß, von beachtlichem Umfang´; a oaasahnchter Haufm.

oaasahnlch Adj. `ansehnlich: gut aussehend, stattlich, hübsch´; Nubbersch Kleene is a oaasahnlch Maajdl wurn. Lautf.: oansahnlch Westlausitz.

oaasäss´ch Adj. `ansässig: an einem bestimmten Ort dauernd wohnend, eingesessen, beheimatet, einheimisch´; de Ginzln wohnt schunn fuffzch Juhre an Durfe und is immer noa ne oaasäss´ch gewurn; ba unsn Fußboallern spieln oack noa drei Oaasäss´che mitte; a hoat´ch anne Oaasäss´che genumm. Lautf.: oansäss´ch.

oaascheeßln swv. Obercunnersdorf dass. wie oaascheusln.

oaascheeßn swv. dass. wie oaascheusln.

oaascheißn stv. `anscheißen´. 1.`jmdn. grob zurechtweisen, beschimpfen´; miech schesst dr Meester ne mih oaa, iech hoa gekindcht! - 2. `Schaden erleiden, Pech haben, jmdn. etw. missglücken´; mit serr Liebstn hoat´s´n oaageschissn. - 3. in der Wendung oaageschissn kumm `ungelegen kommen, unaufgefordert kommen und nicht gerne gesehen werden´; kumm du mer ne o noa oaageschissn! Lautf.: oangeschissn Westlausitz.


oaascheusln swv. refl. um Zittau, Cunewalde, Girbigsdorf, Neusorge `sich wie ein Scheusal anziehen´ 1. `sich verkleiden, vermummen (bes. zur Fastnacht); de kleene Goatche scheuslt´ch zer Foaasnacht wieder oaa. - 2. `sich sonderbar, unvorteilhaft, geschmacklos, unordentlich anziehen´. Lautf.: oanscheusln Westlausitz. Formen: oaaschusln u. oaaschussln verstr. Südlausitz, Jonsdorf, oaascheeßln Obercunnersdorf, Seifhennersdorf, oaascheeßn, oaaschießln (von Schießl: Schößchen) verstr. Ostlausitz, Schirgiswalde.

oaaschicksn swv. refl. selt. Süd- u. Westlausitz `sich verkleiden´. Lautf.: oanschicksn.

Oaaschieblch m. um Bautzen, Sebnitz und Bischofswerda `Anbau am Bauernhaus, schuppenartiger Anbau an der Scheune´. Auch Oaabeseite. Lautf.: Oanschieblch Westlausitz.

Oaaschieß m. `Anschiss: Tadel, Verweis in barschem, grobem Ton´. Lautf.: Oanschiss Westlausitz.

oaaschießln swv. dass. wie oaascheusln.

Oaaschirre f. °ZI Ebersbach, °BZ Sohland, Seifhennersdorf in der Wendung a de Oaaschirre kumm `(im Wirrwarr) verlegt werden u. unauffindbar sein, verloren gehen, in die Irre geraten, verlaufen´, iech find ´n Ausweis ne, a wird wull a de Oaaschirre gekumm senn; a de Oaaschirre gihn `in die Irre gehen´, wie a dr Oaaschirre rimloofm `müßig gehen´. Lautf.: Oschoarre (gedehntes o) Burkau, Oanschoarre Westlausitz, Oaascherre Hinterhermsdorf.

oaaschirrn swv. 1. wie litspr. `anschirren: (einem Zugtier) das Geschirr anlegen´. - 2. `übertr. `anstellen, einstellen, jmdn. für sich nützlich machen´; an Baumoarchte hoann se drei neue Verkeefern oaageschirrt. Lautf.: oanschirrn Burkau, Westlausitz.

oaaschitzn swv. Cunewalde `(einen Wassergraben) anstauen´; ´s Woasser wird oaageschitzt. Lautf.: oanschitzn Burkau, Westlausitz.

oaaschleefm stswv. bes. Westlausitz `die Bremsklötze des Wagens zur Einleitung des Bremsvorganges in Funktion setzen´. Lautf.: oaaschleifm, oanschleefm, oanschleifm.

oaaschloin stv. `anschlagen´. 1. wie litspr. `wirken, helfen (Medikamente u. Heilmittel)´; auch oaaringn. - 2. veralt. `nach dem Mittags- u. Abendläuten neunmal (zu je drei Schlägen) die große Glocke anschlagen u. damit zum Beten eines Vaterunsers auffordern´. - 3. Anton `an schon geackerte Beete od. Felder noch eine od. mehrere Furchen hinzufügen´. Lautf.: oaa-, oan-, -schloin, -schloan Seifhennersdorf, -schloarn, -schloon.

Oaaschluhß m. `Anschluss´; RA: ´n Oaaschluhß verseem `keinen Ehepartner mehr bekommen´.

oaaschmährn swv. `anschmieren´. 1. enn oaaschmährn a. `jmdm. in betrügerischer Weise eine minderwertige Ware verkaufen´. - b. `jmdn zum besten halten, veralbern´. - c. `jmdn. anzeigen, denunzieren´. - 2. refl. `schmeichelnd sich anschmiegen, anbiedern, einkratzen´; unser Maajdl hoat´ch wieder benn Grußvoater oaageschmährt. - 3. in der Wendung dr Himml schmährt´ch oaa `der Himmel bewölkt sich´. Lautf.: oanschmährn, oaaschmiern Ostlausitz.

oaaschmeißn stv. Niederoderwitz in der Wendung ´s schmesst oaa `es regnet stark bei stürmischem Winde, wobei große Tropfen an die Fensterscheibe anklatschen´.

oaaschnelln swv. selt. dass. wie oaadrähn 1.

oaaschoaffm swv. refl. `anschaffen´; in der Wendung sich eene oaaschoaffm `mit einem Mädchen gehen´; do hoat´r´ch se oaageschoafft. Lautf.: oanschoaffm Westlausitz.

oaaschreibm stv. in der Wendung oaaschreibm lussn `wegen Fehlens von Geld seine Schulden vom Verkäufer od. Gastwirt anschreiben (notieren, aufschreiben) lassen, Stundung der Schulden´.

oaaschusln swv. dass. wie oaascheusln; die hoann´ch zun Voatertage oaageschuslt.

oaaschustern swv. söSüdlausitz, Ostlausitz dass. wie oaaschustiern.

oaaschustiern swv. 1a. `sich anziehen, ankleiden´. - b. Bihms Koarle `sich aufputzen, fein machen´. - c. `sich nachlässig, geschmacklos, sonderbar kleiden´; wie hoast´n du dch oack wieder oaa(ge)schustiert! - d. `sich übermäßig warm kleiden´. - 2. `sich verkleiden´; zer Foaasnacht wird´ch oaa(ge)schustiert. Lautf.: oaaschustriern.

oaaschwäppern swv. in der Wendung enn, ann Dunner, ann Dunnerch od. ann Doammerch oaaschwäppern `ansaufen, sich betrinken´. Lautf.: oanschwäppern Neukirch.

Oaase dass. wie Roase!

oaaseechn swv. `anpinkeln, urinieren und dabei jmdn. beschmutzen, Ameisensäure durch Ameisen verspritzen´; de Omsn hoann miech oaageseecht. Lautf.: oanseechn Westlausitz.

oaasichtch Adj. Südlausitz `sichtbar, deutlich´; oaasichtch warn `sich sehen´.

Oaaspänner, Oaaspoanner m. verstr. `Knecht, Kutscher, der mit den Pferden u. dem Fuhrwerk zu tun hat; erster Kutscher, Gespannvogt (auf dem Rittergut)´. Siehe auch Voit `Vogt´! Lautf.: Oanspänner.

Oaastaalt f. `Anstalt´. 1. in der Wendung Oaastaalt machn `Vorbereitungen (für etw.) treffen; sich anschicken, etw. zu tun, mit etw. beginnen´; iech wellde garne woaas assn, aber de Frooe macht goar keene Oaastaalt. - 2. Krankenhaus für Psychiatrie u. Neurologie´; dan hoann se a de Oaastaalt geschoafft. Lautf.: Oaastalt, Oanstalt.

Oaastand m. `Anstand: Jägerstand, Hochsitz´. Lautf.: Oanstand Westlausitz.

oaaständch Adj. `anständig´. 1. wie litspr. `redlich´. - 2. `beträchtlich, ordentlich, tüchtig sehr´; die hoat oaaständch gebrillt. Lautf.: oanständch Westlausitz.

oaastelln unregelm. V `anstellen´. 1. `verpflichten, Arbeit geben, beschäftigen, ein Arbeitsverhältnis eingehen´; meine Frooe is ba Tipplwinschn oaagestellt. - 2. `machen, bewerkstelligen, unternehmen´; woaas sull´ch oack mit dar eefällchn Koarline oaastelln? - 3. `anrichten, verüben, ausfressen, bewerkstelligen´; woaas hoast´n wieder oaagestallt? - 4. `sich darstellen, ein Bild von sich vermitteln´; dar stellt´ch wie dr irschte Mensch oaa. - 4. `warten in einer Schlange, sich anstellen´; zu DDR-Zeitn stallt mer´ch sugoar waajgn Landskrunbiere oaa. - 5. `anlehnem, stützen´; stell oack de Letter oan Birnboom oaa! Lautf.: oanstelln Westlausitz.

Oaastecker m. `Pulswärmer, (gestricktes) Müffel´. Lautf.: Oanstecker Burkau, Westlausitz, Sächs. Schweiz.

oaastellch Adj. Adv. `anstellig: für die Tätigkeit einsetzbar, geschickt, arbeitsam´; a is sihre oaastellch.

oaastießch Adj. `anstößig: unanständig, anzüglich, obszön, ordinär, schamlos´; oaastießche Rädn fihrn.

oaastihn unregelm. V. `anstehen´ 1. wie litspr. `in einer Reihe stehen u. warten´. - 2. woaas oaastihn lussn `die Behandlung einer Krankheit, Wunde vernachlässigen´; luss dan Hustn oack ne oaastihn. - 3. `etw. zu jmdm. passen, jmdn. kleiden´; a bissl Bescheednheet tät´r gutt oaastihn. Lautf.: oanstihn Westlausitz.

oaasträngn swv. `beim Anspannen die Stränge eines Zugtieres einhängen´. Lautf.: oansträngn Westlausitz.

oaastreefm swv. Weifa `anstreifen: an den Stiel anstecken bei der Kunstblumenherstellung´.

Oaastreicher m. `Anstreicher: Handwerker, der Wände weißt; Maler´. Lautf.: Oanstreicher Westlausitz.

oaastreichn stv. `anstreichen´. 1. wie litspr. `mit Farbe streichen, anmalen´. - 2. `jmdm. etw. heimzahlen, vergelten´; doaas war´ch dann schunn noa oaastreichn. Lautf.: oanstreichn Westlausitz.

Oaastriech m. `Anstrich: das Auftragen von Farbe auf einer Oberfläche´; ann neun Oaastriech kennt dr Zaum schunn vertroin. Lautf.: Oanstrich Westlausitz.

oaasuckn swv. `Strümpfe oder Socken anstricken´.

oaasurnsn swv. Weifa, Steinigtwolmsdorf `(unberechtigt) anschreien, grob anfahren´.

oaatoalkern swv. dass. wie oaatoalpern. Lautf.: oantoalkern Westlausitz.

oaatoalpern swv. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `etw. ungeniert, unerlaubt anfassen, angreifen; etw. ungeschickt betasten´.

oaatoalpm swv. dass. wie oaatoalpern. Lautf.: oantoalpm Westlausitz.

oaatoatschn swv. dass. wie oaatoalpern.

oaatriezn swv. selt. `antreiben, striezen, drängeln´. Siehe auch triezn!

oaatroin stw. in der Wendung enn woaas oaatroin `jmdn. ansprechen, jmdm. seinen Kummer mitteilen, jmdn. befragen, jmdn. um etwas bitten, jmdn. mit etw. beauftragen´; doaas kunnt´ch oack menner Nubbern oaatroin, de Poatnschoaft oaatroin, a trug dr Gustl de Heiroat oaa `er machte der Guste einen Heiratsantrag´. Lautf.: oaa-, oan-, -troin, -troan, -troarn.

oaatun unregelm. V. `antun´. 1. `jmdn. durch Zauberei, Hexerei etw. schaden, (jmdm. das Vieh) ver- , behexen´; dir hoat enner woaas oaageton. - 2a. enn woaas oaatun `jmdm. etw. (Böses, Unangenehmes) zufügen´; doaas tät´ch menn Kindern ne oaatun. - b. die hoat mer´sch oaageton `die gefällt mir´. - 3. siech woaas oaaton a. `sich etw. gönnen, sich etw. Gutes leisten (an Essen u. Trinken)´. - b. `Selbstmord begehen´; die hoat´ch woaas od. a Leed oaageton. Lautf.: oantun Westlausitz.

oaavettern swv. refl. Bihms Koarle `sich bei jmdm. anbiedern, einschmeicheln´. Lautf.: oanvettern.

Oaaweiser m. `Anzeiger: Pers., die sich in der Anzeigerdeckung befindet und die Treffer auf der Schießscheibe anzeigt´; dr Oaaweiser hoatte oalls zeraajchte gemacht zun irschtn Schusse.

Oaaweißer m. Holtendorf `Handwerker, der Wände weißt´. Auch Oaastreicher.

Oaaweisler m. Ebersbach (Oberland) 1. `Anweiser, Instrukteur, Vorarbeiter, Einweiser´. - 2. `Hochzeitsbitter´.

oaaweißn swv. `weißen: kalken, mit (weißer) Farbe anstreichen´.

oaawettern swv. Obercunnersdorf `anhauen, gegen die Wand werfen´; dar hoat de Katzl oalle oaagewettert.

oaawotchn (gedehntes o) swv. `(sich dick u. warm) anziehen´. Lautf.: oaawotschn.

Oaazeechn n. `Anzeichen: unerklärliches Geschehen, das ein künftiges, gewöhnlich unglückliches Ereignis od. ein Ereignis, das in dem betreffenden Augenblick an einem fernen Ort geschieht, anzeigt´; wie dr Seeger stihn bleeb, wusst´ch, unser Junge is an Kriege gefoalln. Lautf.: Oanzeechn Westlausitz.

oaazeechn swv. `anzeichnen, durch ein Zeichen hervorheben, kennzeichnen, markieren´; dr Sunntch is an Koalender rut oaagezeecht.

oaaziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `anziehen´. 1. wie litspr. `ein bestimmtes Kleidungsstück anlegen´; meine oarme Frooe hoat nischt zun Oaaziehn. - 2. refl. u. trans. `sich od. jmd. ankleiden´; RA: sich oaaziehn wie anne Zwibbl `sich mit mehreren Schichten kleiden, die man im Laufe des Tages ablegen kann´; hoast de di(e)ch schunn oaagezoin od. oangezun (Westlausitz)? - 3. wie litspr. `an sich ziehen; Feuchtigkeit aufnehmen; den Geruch, den Geschmack von etw. annehmen´; nimm de Wäsche oab, sunst zoigt se wieder oaa! - 4. wie litspr. `etw.straff machen´; de Schraubm oaaziehn. - 5. `Beginn der Fahrt mit Zugpferden´; deine Pfare ziehn aber gälche oaa! Konjug. siehe ziehn! Lautf.: oanziehn Westlausitz.

Oaaziehzeug n. `Anziehzeug: Kleidung´. Lautf.: Oanziehzeug Westlausitz.

oaazinn unregelm. V. iech zind(e) od. zinge oaa, du zindst od. zingst oaa, mer zinn od. zingn oaa, iech zundt(e) od. zungt oaa, mer zundn oaa, iech hoa oaagezundt od. oaagezungt `anzünden: anbrennen, entzünden´; dr Nubber hoat sei Haus oaagezundt. Lautf.: oaazunn; oanzingn Westlausitz, oaazingn Ostlausitz.

Oaazucht siehe Oabzucht!

Oaazug m. `Anzug: die aus Jackett, Weste u. Hose bestehende Kleidung der Männer´. Lautf.: Oanzug Westlausitz.

oaazwirn swv. `mit schleudernden Armen schnell laufen´; se kimmt oaagezwirnt. Lautf.: oanzwirn, oanzworn.

oab `ab´. 1. als Adv. `fort, weg, los, abgetrennt´; dr Knupp is oab. - 2. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; oabhoon, oabkroatzn, oabkneppm, oabmurksn. Lautf.: oaabe.
oab (kurzes oa) Konjunkt. `ob´, siehe ebb!

oabäschern siehe oabeschern!

Oabbacke f. `Blech, auf dem im Ofen Pilze od. Obst getrocknet werden´.

oabbackn swv. `an der Luft, im Backofen, im od. auf dem Ofen geschnittene Äpfel, Birnen, Pflaumen od. Pilze trocknen, bis sie ganz gedörrt sind´.

oabbauern swv. bes. Ostlausitz 1. `eine Bauernwirtschaft an die jüngere Generation abgeben, auf das Altenteil ziehen´. Siehe Ausgedinge! - 2. Nieder-Neundorf `auf einem Bauerngut Bankrott machen´.

oabbeem swv. `abbäumen´. 1. `die Stange, mit der die Heuladung befestigt wird, abnehmen´. 2a. ` die geschärten Kette vom Schährrahmen abziehen ´. - b. `die fertig gewebte Ware vom Warenbaum im vorderen Teil des Webstuhles abnehmen´, auch oabziehn.

oabberzln swv. Westlausitz `Rüben mit dem Messer abputzen und vom Wurzelgeflecht befreien´. Lautf.: oabboarzln, oabbirzln. Siehe Boarzl!

oabbeusln swv. Obercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `mühsame Arbeit mit den Fingern verrichten, etw. trennen, loslösen, z.B.: abbeeren´.

Oabbindlch m. Steinigtwolmsdorf, Weifa, Burkau `junge männl. Ziege, die zur Zucht gehalten wird´.

Oabbitte f. veralt. in der Fügung Oabbitte tun `Abbitte leisten, jmdn. um Verzeihung bitten´.

oabbuckln swv. refl. in der Wendung sich enn oabbuckln `sich abschinden, plagen´. Lautf.: oabpuckln nöOstlausitz.

Oabdankche f. Cunewalde `Abdankung: Verabschiedung´. 1. wie litspr. `Verlesung der vor kurzem beerdigten Toten im Gottesdienst (in Verbindung mit einem Dankgebet)´. - 2a. `liturgischer Text, der vom Geistlichen am Grabe bei Erdbestattungen gesprochen wird´. - b. Niedercunnersdorf `billigste u. ärmlichste Form einer Beerdigung´. - 3. übertr. Dittelsdorf `Resteressen´; doaas is wull de Oabdankche vu dr Kirmstmohlst, woaas is heute gibbt?

Oabdanke f. Ostlausitz `Dankesrede der Hebamme im Namen der Kindeseltern nach dem Tischgebet nach dem Taufschmaus.´

oabdirrn swv. `dörren, dürr machen, abtrocknen´. Se hoat Pilze oabgedirrt. Lautf.: Siehe dirrn!

oabdrähn swv. `abdrehen: durch Drehen einen Zustand verändern´; ´s Radio oabdrähn `das Radio ausschalten´; de Riebe oabdrähn `Haare schneiden´.

Oabdricker m. `Abdrücker: schwaches, unterernährtes Ferkel, das von den Zitzen der Mutter abgedrückt, abgedrängt worden ist´.

oabdroaaschn swv. refl. Südlausitz `durch viel übertriebene Eile müde werden´.

oabdusln swv. Westlausitz 1. selt. `schlachten (Haustiere)´. - 2. Sächs. Schweiz `abhacken u. durch Schläge bearbeiten´ (Fachsprache der Steinmetzen). - 3. `jmdn. abkanzeln, schlecht machen, herunterputzen´.

oaber `aber´ 1. Konjunkt. `(je)doch, dagegen, allerdings, freilich´; mir woarrn oarm, oaber zufriedn. - 2. Partikel a. eine Behauptung verstärkend `wirklich´; dr Junge is oaber gruß wurn! - b. in Ausdrücken, Verwunderung ausdrückend; nu oaber, wie sist´n du aus? Lautf.: aber, oawer, awer.

Oabert (kurzes oa) `Abort, Klosett´. Lautf.: Oaburt.

oabeschern swv. refl. `sich abhetzen u. dabei außer Atem kommen u. sich erhitzen´; oabgeeschern (oabgeäschert) sein. Siehe auch dereschern!

oabfarbm swv. °ZI Friedersdorf, Dittelsdorf `mit Farbe anstreichen; den massiven Teil des Hauses mit farbigem Kalk streichen (im Gegensatz zum weißen)´; ´s Haus oabfarbm. Lautf.: oabfärbm, oabfarm, oabfärm.

Oabfartche f. `Abfertigung´. 1. `Kontrolle; kurze Bedienung´. - 2. Dittelsdorf `schnell zubereitetes Essen´; `s gibbt wull heute oack anne Oabfartche?

oabfauzn swv. `mit Ohrfeigen bewusst abstrafen´; de Mutter hoat ihr Frichtl oabgefauzt und rausgeschmissn.

oabfiezn swv. Niedercunnersdorf, Oderwitz, Wittgendorf `(mit dem Messer Brot) abschneiden´; woaas hoast mer denn do fer anne Husse oabgefiezt?

oabfinn stv. refl. `abfinden: sich erkenntlich zeigen, revanchieren (z.B. für eine Einladung, eine Gefälligkeit)´; iech find miech o amol oab ba dir. Lautf.: oabfingn West- u. Ostlausitz.

oabfittern swv. `abfüttern: zu fressen geben, satt füttern, verköstigen, mit Essen oder Fressen voll stopfen´; wenn der Todestag der Urgroßmutter und der Geburtstag des Urenkels auf den gleichen Tag fällt, kann es heißen: Do kinn se mit enner Gebäcke zwee Poartn oabfittern, Toofe und Trauermohst `da können sie mit einen Backofenfüllung gleich zwei Gesellschaften abspeisen, Taufe und Leichenschmaus.´

oabfladern swv. 1. `die beim ersten Drusch des Kornes zurückgebliebenen Ähren von den Körnern (mit einem Fladerwiesch) entfernen´. - 2. `Staub od. Schmutz oberflächlich beseitigen´. - 3. Frankenthal `wegrennen´.

oabfoahrn stv. umg. `abfahren: sterben´.

oabfodern swv. Bihms Koarle `abfordern, abholen´; iech wullt´ch oabfodern.

oabgan stv. `abgeben´. 1. wie litspr.; iech muss menn Verdinnst derheeme oabgan. - 2. `darstellen, verkörpern´; de Gustl tät o ann Jungn oabgan; die gibbt anne gude Mutter oab. - 3. refl. a. `sich mit etw. beschäftigen, befassen´; dar gibbt´ch ´n ganzn Tag mit dr Eisnboahne oab. - b. `mit jmdn. Umgang haben, sich einlassen mit jmdm.´; doaas die´ch mit dann Sissebittch oabgan tutt, verstih´ch ne!

oabgängch Adj. Niedercunnersdorf `abgegangen, nicht mehr am alten Ort, verschwunden´; a wird wull oabgängch senn `er wird ausgerissen sein; man (die Polizei) wird ihn abgeholt haben´; mir is enner oabgängch `ich furze gerade´.

oabgebackn Adj. Niedercunnersdorf  (eigtl. Part. Prät. von abbackn) `gedörrt; an der Luft, über dem Ofen oder in der Backröhre getrocknet´; oabgebackne Pilze `getrocknete Pilze´, oabgebackne Strimpe `schnell ausgewaschene Strümpfe, die eine kurze Zeit zum Trocknen (auf dem Boden) aufgehängt werden´.

oabgedroaascht Adj. (eigtl. Part. Prät. von oabdroaaschn) `abgehetzt, ermüdet, matt durch viel Arbeit u. große Eile´; nooch dann langn Loofe missn se doa oabgedroaascht senn. Vgl. Droaasch!

oabgefeemt Adj. (eigtl. Part. Prät.) Jonsdorf `abgefeimt: durchtrieben, mit allen Wassern gewaschen´. Lautf.: oabgefeimt Schirgiswalde.

oabgehackt Adj. (eigtl. Part. Prät zu oabhackn) `abgehackt´. 1. `stockend, zusammenhangslos, stoßweise´; oabgehackt rädn. - 2. `unvollkommen, nicht ausformuliert, ohne Zusammenhang´; dar schreibt su oabgehackt, doaas list´ch ne gutt.

oabgekoart Adj. (eigtl. Part. Prät. von oabkoartn) `abgekartet: ausgemacht, heimlich vorher besprochen u. die Art u. Weise festgelegt´.

oabgelaajn Adj. `abgelegen, schwer erreichbar´; a oabgelaajn Naast.

oabgenujddlt Adj. (eigt. Part. Prät. von oabnujddln) 1. `durch rotierende Bewegung abgenutzt, abgearbeitet, verschlissen´. - 2. `tot gemacht´. Lautf.: oabgeniddlt Oberlichtenau.

Oabgenummne f. `Magermilch, die dadurch entstanden ist, dass man mit der Hand oder einem Flachlöffel den Rahm von der Milch abgeschöpft hat´; auch oabgenummne Milch.

Oabgerihrte f. `Abgerührte: Napfkuchen´. Siehe auch Babe u. Buchte!

oabgeton Adv. (eigtl. Part. Prät. von oabtun) `abgetan: erledigt, beglichen´; do hoast de anne Zahnmoark und doaas diche Dingk is oabgeton!

oabgewähn swv. `abgewöhnen´. 1. wie litspr.; mer trinken noa enn zun Oabgewähn; a wullt´ch sei Loaster oabgewähn. - 2. `einen Säugling (von der Muttermilch) entwöhnen´; die hoat ihr Kind schunn oabgewähnt. Lautf.: oabgewänn.

oabgihn unregelm. V. 1. `sich ablösen´; dr Noajl vu dr gruße Zihne is mer oabgegangn. - 2a. `ausgeschieden, abgesondert werden´; mei Blosnsteen gitt und gitt ne oab. - b. `die Nachgeburt wird abgestoßen´. - 3. `gut verkauft werden, sich zeitig verloben od. heiraten´; oabgihn wie woarme Sammln. - 4. `auf etw. verzichten müssen; Achtung verlieren, Ansehen einbüßen´; wenn de dr Grußemutter de Kohln reischaffst, wird´r wull nischt oabgihn´. - 5. `jmdm. fehlt, mangelt etw., kein Interesse für etw. haben´; Koarle is a Fußboallnoarr, doaas gitt Hanse wieder oab.

oabgoabln swv. `Garben vom Erntewagen herab mit der Gabel durch das Balkenloch in das Obergeschoss der Scheune reichen´.

oabguckn swv. `in der Schule unerlaubt von jmdm. abschreiben´.

oabguschln swv. `küssen, abschmatzen´.

oabhein swv. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Seifnennersdorf `jmdn. durch Betteln od. mit List etw. abgewinnen´; ´n Voater de Pfennge oabhein. Lautf.: oabhän, oabheen; oabheidn Cunewalde.

oabhittn swv. Frankenthal, Nieder-Neundorf `abhüten: eine Grasfläche abweiden lassen´.

oabhoann unregelm. V. `abhaben: mit Weben fertig sein, die fertig gewebte Ware vom Warenbaum im vorderen Teil des Webstuhles abnehmen´; wenn´ch oack baale oab hätte!

oabhoon swstv. trans. `absicheln, abmähen´; murne hoo´ch de Wiese oab. Lautf.: oabhaun, oabhobm.

oabhoon swstv. intrans. `aufbrechen, sich entfernen, ausreißen, flüchten´; dr Nubber is an Westn oabgehoon. Lautf.: oabhaun; oabheebm Königshainer Berge, z.B. dr Koarle heebt oab.

oabhuckn swv. `die Hocke (Tragegestell, Tragekorb) vom Rücken nehmen und absetzen´.

oabjechn swv. `abhetzen, verausgaben´.

oabkanzln swv. `abkanzeln: scharf tadeln, erniedrigen, herunterputzen´.

oabkaupln swv. `durch Handeln od. Tauschen (unter Kindern) jmdm. etw. abnehmen´.

oabkiefm swv. Ostlausitz `abnagen, (mit stumpfen Zähnen) abbeißen, nicht scharf abschneiden, mit einer stumpfen Sense Gras mähen´; doaas hoa´ch oabgekieft.

oabkindchn swv.  `abkündigen: das Bekanntmachen von der Kanzel herab vor oder nach der Predigt´; dr Pfoarr kindchte zwee Leichn oab.

oabklaun swv. °ZI Ebersbach, Neugersdorf, Bertsdorf dass. wie oabknaupln 1; oabgeklaute Gänseknichl.

oabkläppern swv. `abklappern´. 1. `mit der Holzklapper am Gründonnerstag (unter der Aufsicht des Kantors) die Häuser aufsuchen und Eier, Geld und andere Dinge einsammeln´ (Gründonnerstagsbrauch der Kinder in katholischen Gemeinden). - 2. übertr. `von Ort zu Ort, von Haus zu Haus laufen, um eine Nachricht zu überbringen od. etw. zu kaufen, verkaufen´; mer hoann´s ganze Durf oabgekläppert; a kläpperte oalle Kneipm oab. Lautf.: oabkloappern.

oabkluppm swv. `abklopfen´. 1. `sich od. seine Kleidungsstücke (von Schmutz od. Schnee) mit den Händen befreien´. - 2. `von Haus zu Haus laufen, um eine Nachricht zu überbringen od. etw. zu verkaufen´, auch oabkläppern.

oabknaupln swv. 1. `Fleischreste abnagen´. - 2. `die Fingernägel abknabbern´.

oabkneppm swv. umg. `abknöpfen´, in der Wendung enn woaas oabkneppm `jmdm. etw. durch Geschick, mit List od. auf rechtmäßige Weise abgewinnen, (Geld beim Spiel) abnehmen´.

oabkroatzn swv. `abkratzen´. 1. `etw. von etw. durch Kratzen entfernen´. - 2. `flüchten, ausreißen, sich mit Schaden davonmachen, beschämt abziehen´. - 3. `(unerwartet u. qualvoll) sterben´. Lautf.: oabkroaazn Oberland.

oabkoaloaschn swv. refl. selt. Königshainer Berge `sich abjagen (in alten Schuhen), abhetzen, sich übernehmen beim Arbeiten´; mir uff´m Durfe missn uns oabkoaloaschn. Lautf.: oabkalaschn, oabgoaloaschn.

oabkoartn swv. `abkarten: heimlich absprechen, ausmachen´; die beedn hoann doaas Dingk oabgekoart.

Oabkumm n. Burkau, Oberlichtenau, Girbigsdorf, Neusorge `Abkommen´; kee Oabkumm vu derheeme `daheim unentbehrlich´; in der Wendung `s Oabkumm hoann `abkömmlich, entbehrlich (bei der Arbeit), ungebunden sein; seine Aufgaben im Leben erfüllt haben (u. eine gute Rente bekommen), einen guten Verdienst haben; im Alter auf das Sterben eingestellt sein´. Lautf.: Oabkomm.

oabkumm stv. Konjug. siehe kumm!  `abkommen´. 1. wie litspr. `sich verlaufen, sich verfahren, vom Kurs kommen´; kumm mer ba dann Schniegestäber ne vun Waajge oab! - 2. `sich zurückziehen, weggehen, verschwinden´; war hoalwaajge oabkumm kunnde, dar ging mit´n zu Groabe. - 3. Ebersbach/Sa `mit dem Alter an Körpergewicht abnehmen´.

oablautn swstv. dass. wie auslautn ` den Tod eines Gemeindegliedes durch Glockengeläut bekannt geben´; se tun´n mit oalln Gloackn oablautn. Is se schunn oabgelautn? Lautf.: oabloajtn, oabläutn.

oablettern swv. `von einem Leiterwagen die Leitern abnehmen (und durch Bretter ersetzen)´. Lautf.: oablittern Westlausitz.

oabloaatschn swv. `ablatschen: ablaufen, Schuhwerk abnutzen, abtragen´; oabgeloaatschte Fisse `durch vieles Laufen abgenutzte Füße´.

oabluchsn (gespr. oablucksn) swv. in der Wendung enn woaas oabluchsn `jmdm. etw. durch Geschick od. List abgewinnen, ablocken´.

Oabmachche f. dass. wie Oabmache 2.

Oabmache f. 1. msöSüdlausitz, z.B. Obercunnersdorf u. Schlegel `Mehlschwitze aus gebräuntem Mehl, Fett u. Salz zum Andicken von Gemüse od. als Grundlage für Soßen (unter Zugabe von gebräunten Zwiebeln)´. - 2. `Übereinkunft, Vorbesprechung, abgekartete Sache´.

oabmachn swv. `abmachen´. 1. wie litspr. `etw. vereinbaren, eine Übereinkunft treffen´. - 2. Südlausitz `Fettigkeiten od. Speck ans Essen tun´; de gewärmtn Abern hoat de Mutter noa mit Inslt oabgemacht. Vom Sauerkraut heißt es: Siebmmol ufgewärmt und siebmmol oabgemacht, derno schmeckt´s irscht gutt. - 3. `Steckzwiebeln von überflüssigen Häuten zum Zwecke des Steckens befreien´.

oabmächsln siehe mächsln!

oabmoartern swv. 1. Westlausitz refl. `sich abmühen, plagen, abrackern´. - 2. Rietschen `ein Tier (zu Tode) quälen´.

oabmoln swv. enn oabmoln `jmdn abmalen: jmdn. schildern, beschreiben´.

oabmurksn swv. umg. `umbringen, schlachten, töten´; Schlenkerch murkste derheeme anne Goans oab.

oabnahm stv. `abnehmen´. 1a. wie litspr. `etw. weg-, herunternehmen, entfernen´; Äppl oabnahm, ´n Boart oabnahm `rasieren´. - b. Niedercunnersdorf `Rahm (Sahne) von der ungekochten Milch abschöpfen´. Vgl. Oabgenummne! - c. `jmdn. um etw. bringen´; iech hoa´n benn Skoatspieln zwanzch Moark oabgenumm. - 2. `jmdn., etw. fotografieren´; mer lussn´ch vun Futegroafm oabnahm. - 3. wie litspr. `Maschen zusammenstricken, um ihre Anzahl zu verringern´. - 4. wie litspr., intrans. `an Gewicht verlieren´; iech koann assn, woaas´ch will, aber oabnahm tu´ch ne. - 5. `jmdn. prüfen; feststellen, ob einer Bedingung genügt wird; sich etwas anhören und bewerten´; ´s Exom oabnahm, de Beichte oabnahm´.

oabnickn swv. `abnicken´. 1. `vor Müdigkeit den Kopf fallen lassen und einschlafen´; iech bie an Kinoe oabgenickt. - 2. `(durch Kopfnicken) bestätigen, befürworten, erlauben, genehmigen´; dr Meester hoat´s oabgenickt.

oabnischln swv. `abnischeln´. 1. `züchtigend beim Kopf nehmen, jmdn. am Haarschopf packen u. hin- u. herschütteln´. - 2. `liebkosend beim Kopf nehmen´; iech bie dan klenn Karln su gutt, iech kennt´n abnischln. - 3. Westlausitz `den Kopf abhacken, schlachten´.

oabpoaspln swv. `abpaspeln: Kleidungsstücke mit schmalem Nahtbesatz versehen´.

oabputzn swv. ´n Chrisboom oabputzn `den Baumschmuck abnehmen´.

oabrackern swv. `abschinden, schwere Arbeit verrichten und sich dabei voll ausgeben´.

Oabrahmcht m. selt. `Abfall (geschnittene Möhren, geputzte Möhren od. Möhrenabfall vom Putzen), Abraum, Ramsch, altes Zeug ´; ´n Kruhtscherch mitsoamtchn Oabrahmchte. Lautf.: Oabroahmcht.

oabräum swv. `abräumen´. 1a. wie litspr. `etwas wegschaffen, beseitigen, ableeren´; ´n Tiesch räumst heute du oab! Dr Himml is oabgeräumt. - b.`gewinnen, das Maximale erreichen, beim Kegeln alle Neune umwerfen, beim Kartenspiel alle Stiche machen´; dar hoat de ganzn Preise oabgeräumt. - c. `essen´; doaas bissl Kuchn räum´ch oalleene oab! - 2. in der Wendung enn ´n Buckl oabräum `jmd. prügeln´. - 3. Niedercunnersdorf `versorgen, pflegen´; de Mutter muss nu o oabgeräumt warn `die Mutter ist jetzt bettlägerig geworden und muss gepflegt werden´.

oabrehm swv. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `Rahm von der ungekochten Milch abschöpfen´. Lautf.: oabroahm umg.

Oabreibche f. `Abreibung´. 1. `Frottage, Trockenreiben mit einem Handtuch´. - 2. `körperliche Züchtigung´. - 3. `Attacke, Abkanzelung, Tadel, Zurechtweisung´; enn anne Oabreibche verpoassn `jmdn. zurechtweisen´.

oabreigln swv. siehe reigln!

oabrickn swv. `sich (heimlich) davonmachen, weggehen´; dan is de Frooe oabgeruckt. Konjug. siehe rickn! Lautf.: oabruckn.

oabrispln siehe rispln!

Oabroaffer(n) m. (f.) `(weibl.) Person, die bei der Getreideernte abrafft´.

oabroaffm swv. `abraffen´. 1. `(bei der früher üblichen Mahd mit der Sense) im Rückwärtsgang hinter dem Mäher das gehauene Getreide mit der Hand, einem Abraffhaken od. einer Sichel aufnehmen und zu Garben binden´. - 2. übertr. `etw. sich (widerrechtlich) aneignen, an sich reißen´.

Oabroamcht m. siehe Oabrahmcht!

oabruhgn swv., meist refl. Frankenthal `abruhen: sich ausruhen´. Lautf.: oabruhn Ostlausitz.

oabrumpln swv. `kräftig reiben, schrubben od. rubbeln´; iech war der´sch Kreuze mit´n Woaschfleckl oabrumpln.

oabruppm swv. `abrupfen: etw. mit ruckartiger Bewegung heraus-, ab- od. wegreißen, hastig pflücken´; ruppst mer´sch Pfloaster oab?

oabsabln swv. `absäbeln: ungeschickt ein großes Stück von etw. (meist Brot, Wurst) abschneiden´.

oabsackn swv. `absacken´. 1. umg. `versinken, untergehen´. - 2. selt. Westlausitz `grob anfahren, belehren, ermahnen, zurechtweisen, tadeln, schelten´; se wonn mich nu oabsackn ond soan, doaaß´ch andere Leute en Ruhge lossn soall (Westlausitz).

oabschiebm stv. `fortgehen, verschwinden, sterben´; luss miech a Ruhe und schoib oab! Du koannst dr o nischt mitnahm, wenn de wirscht amol oabschiebm.Konjug. siehe schiebm!

oabschirrn swv. Süd- u. Westlausitz `einem Zugtier das Geschirr abnehmen, ausschirren´; de Pfare warrn oabgeschirrt. Lautf.: oabschoarrn Westlausitz.

Oabschlag siehe Oaabeschlag!

oabschlichtn swv. `die mit Stärkeschlichte bestrichene und getrocknete Webkette mit einer gleitenden Substanz (Seife od. Fett) nachbehandeln´; de ufgebeemte Warfte wird geschlicht, mit ann Wedlch getroigt, mit Seefminslt oder ann Fette oabgeschlicht, eigelindert, oaagedräht und mit´n Zuge und´n Trietgeschlinke verbunn.

oabschlickern swv. `liederlich (Geschirr) abspülen ohne abzutrocknen´; a schlickert´ch de Pfutn under´n Plumpmruhre oab.

oabschloin stv. `abschlagen (beim Haschespiel)´. Lautf.: Siehe schloin!

oabschmoatzn swv. refl. `sich (immer wieder u./od. intensiv) küssen (Jungverliebte)´; die beedn schmoatzn´ch ´n ganzn Tag oab. RA: Doaas koannst dr oabschmoatzn `das kannst du dir abschminken, darauf brauchst du nicht zu hoffen´. Siehe auch schmoatzn! Lautf.: oabschmoaazn.

Oabschnoappe f. Rammenau `äußerster Termin, höchste Zeit, im letzten Augenblick´, auch Oabschnoappche.

oabschnoappm swv. `abschnappen´. 1a. `etw. im letzten Augenblick schaffen, erledigen, erhalten, machen´; ´n Bus hoann mer groade noa su oabgeschnoappt; in der Wendung (geroade noa) zun Oabschnoappm kumm `mit knapper Not zurechtkommen´. - b. `abpassen, einen günstigen Zeitpunkt wählen´; `s Groateliern hoann mer gutt oabgeschnoappt. - 2. `sterben´; ´s woar mit´n zun Oabschnoappm, dar wird baale oabschnoappm.

oabschoabm swv. `abschaben´. 1. wie litspr. `etw. durch Schaben entfernen´. - 2a. `vom geschlachteten u. abgebrühten Schwein die Borsten abkratzen´. - b. selt. `Rüben vor dem Verfüttern mit dem Messer säubern´. - 2. `sehr kurzes Gras mit der Sense hauen´. - 3. Part. Präp. oabgeschoabt `abgetragen, abgenutzt (Kleidung)´.

oabschweefm swv. `abschweifen: etw. mit Wasser abspülen´.

oabschwenkn swv. `fortbewegen und dabei die Richtung ändern, abbiegen´; iech muss itze noa links oabschwenkn.

oabseegn swv. `abseihen: Flüssigkeit abgießen und durch ein Tuch od. ein Sieb laufen lassen, um dadurch feste Substanzen von der Flüssigkeit zu trennen´; Abern oabseegn.

Oabseite f. siehe Oaabeseite!

oabsingn stv.  in der Fügung Leichn oabsingn od. singn `das fortwährende Singen von Sterbechorälen (durch den Schulchor od. durch die Kurrentesänger) vom Abholen der Leiche im Trauerhaus bis zur Kirche od. bis zum Friedhof´; de Leichnsänger kumm o und singn oab.

oabsoalviern (1. Silbe betont) swv. `observieren´. 1. Ober- u. Niercunnersdorf `nicht ernst nehmen, abwimmeln, wenig Beachtung finden, mit wenigen Worten od. wenig Geld abspeisen´. - 2. verstr. `jmdn., etw. beobachten, überwachen´; mer missn irschtert amol oabsoalviern, war a dr Nacht de Abern maust. - 3. Cunewalde `überlegen, überdenken´. Lautf.: oabsulviern, oabsoalbiern u. oabsoalwiern.

Oabsoatzreißer m. Jonsdorf, Steinigtwolmsdorf `mit Schlüsseln aufgeschraubter Schlittschuh´.

oabspenstch Adv. `abspenstig´ in der Wendung enn woaas oabspenstch machn `jmdm. durch Geschick oder List etw. abgewinnen, ausspannen, wegnehmen´.

oabspieln swv. refl. in der Wendung do spielt´ch nischt oab! `Daraus wird nichts!´

oabstriffln swv. Obercunnersdorf `etw. abstreifen´; de Blatl oabstriffln.

Oabteelche f. Niedercunnersdorf, Wittgendorf, Großröhrsdorf `Abteilung: Scheitel (im Haar)´.

oabteeln swv. `abteilen´. 1. `aufteilen, verteilen´; doaas bissl Frassn wurde akkeroate oabgeteeln. - 2. `abtrennen, absondern, abzweigen´; mer wulln anne Wand eiziehn und´s Boad vu dr Kiche oabteeln.

Oabtrater m. `Fußabtreter (aus Stoff)´.

Oabtriet m. `Abtritt: primitiver Abort´. Lautf.: Oabtritt.

Oabtroige f. verstr. Jonsdorf, Seifhennersdorf, Jauernick `Handtuch´.

Oabtroiger m. verstr. `Tuch zum Abtrocknen des Geschirrs´.

Oabtroigeloappm m. verstr. dass wie Oabtroigetichl 1 u. 2.

Oabtroigetichl n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Abtrockentuch´. 1. Neugersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde `Handtuch´. - 2. Cunewalde, Wittgendorf, Jonsdorf, Schirgiswalde, Neusorge `Tuch zum Abtrocknen des Geschirrs´.

oabtroign svw. (trans. u. intrans) `abtrocknen´.

oabtuffln swv. Niedercunnersdorf, Jonsdorf `als dummen Menschen hinstellen, zum Tuffl machen, abkanzeln, erniedrigen´.

oabtun stv. veralt. `wegbringen, beseitigen, schlachten, abtreten´; de Aaln senn oabgeton `die alten Leute haben nichts mehr zu sagen´.

Oaburt (kurzes oa) siehe Oabert! `Abort: Klosett´. Lautf.: Oabert.

oabwirkn swv. `abweben: bei Kettende mit dem Weben aufhören (leerer Kettbaum)´. Der Handweber richtete seine Arbeit so ein, dass er am Vorabend eines hohen Feiertages abwirkte.

Oabwoartche f. Obercunnersdorf, Königshainer Berge `Abwartung: Pflege, Betreuung eines alten (kranken) Menschen od. eines Kindes´; iech muss itze heem, dr Grußvoater brauch seine Oabwoartche; meine Frooe hoat de Oabwoartche oaagenumm.

oabwoartn swv. `abwarten´ 1. wie litspr. - 2. Niedercunnersdorf, Burkau `alte (kranke) Menschen, Kinder u. Tiere versorgen, betreuen, pflegen´; de Grußemutter muss oabgewoart warn.

Oabziehmannl n. Neugersdorf `Abziehbild´.

oabziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `abziehen´. 1. wie litspr. `weggehen, abrücken´; wie de Feuerwehr koam, zug die Goatche bedeppert oab. - 2. `wegziehen´ a. `die fertig gewebte Ware vom Warenbaum im vorderen Teil des Webstuhles abnehmen´. Siehe auch oabbeem! - b. wie litspr. `etw. (Schutzdecke, Haut, Fell, Bettbezug) entfernen, enthäuten´; de Bettn oabziehn. - 3. `bewerkstelligen, machen, ausüben´; anne Rake oabziehn `einen lustigen Streich vollführen, betrinken und dabei übermütig sein´. - 4. `vervielfältigen, kopieren´; iech hoa dann Schriebs vun Urnungsoamte dreimol oabgezoin. - 5. `subtrahieren´.

Oabzucht f. 1. `offener od. verdeckter Abflusskanal für Abwässer aus Haus u. Hof; Jauchenrinne; Graben zur Entwässerung von Feldern u. Wiesen´; uff dr Oabzucht is a Gitter. - 2. `Stelle, wo die Abwässer in unterirdische Rohre u. Kanäle abgeleitet werden, Abzugsloch in Waschhaus, Keller, Stall u. auf der Straße; Gosse, Gully, Senkloch´, auch Oaazucht, Oanzocht Ohorn.

Oabzuchtlooch n. dass. wie Oabzucht 2.

oabzwängn swv. `(angenagelte) Bretter od. Zaunlatten mit einem Beil od. einer Rodehacke durch Hebelbewegung lockern´.

oach (kurzes oa) Interj. `ach´, unterschiedliche Gefühle des Sprechers - als Reaktion auf etw. Gesagtes, Geschehenes - zum Ausdruck bringender Ausruf; oach, du meine Gitte!

oack Partikel Süd- und Ostlausitz (Kennwort der Oberlausitzer Mundart) 1. `nur, bloß, doch (im Befehlssatz Ungeduld u. Unwillen hervorhebend)´; kumm oack nu! Aber: Kumm oacke! Find´ch oack rei! Hurch oack amol har! Sieh oack(e) oder siech oack(e) oder siech dr oacke! Siehoacker `Spitzname für die mundartsprechenden deutschstämmigen Oberlausitzer, urspr. scherzh. Bezeichnung für die im königlich-sächsischen Infanterieregiment Nr. 102 in Zittau dienenden Oberlausitzer´; oack su! `nur so, ohne Sinn´; RA: Doaas is ne oack su! `Das ist gar nicht so einfach, das geht nicht ohne Folgen ab´; oack wu d´is harwesst? Gereiroat hoann se oack uff´m Standesoamte. (Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die kirchliche Trauung als der Höhepunkt der Hochzeit, und die vorangegangene Eheschließung nur als Formsache.); be uns derheeme hutt mer oacke´s Hitschl; die gitt oack a de Foabricke (Abwertung der Arbeit in derr Fabrik).  - 2. `obwohl´; miech hoat geschwitzt derbei, wenn´ch o (od. glei) oack an Hemde dostoand. Lautf.: oacke Niedercunnersdorf, Oderwitz, ock um Bretnig u. Großröhrsdorf, ack Schirgiswalde, Sebnitz.

Oader siehe Oajder!

Oadler m. `Adler´. 1. eine Vogelart. - 2. `hölzerner Adler (auf einer Stange)´; de Leckerschdurfer hoann o ann Oadler geschussn `die Leutersdorfer haben auch ein Adlerschießen veranstaltet´.

Oadlerschissn n. `Adlerschießen: Wettkampf im Schießen auf einen hölzernen Adler (als Volksbelustigung)´; Nubbersch Grußer is benn Oadlerschissn Schitznkiench wurn.

Oaffe m. `Affe´. 1. wie litspr.; Ausruf der Verwunderung: Miech laust dr Oaffe! - 2a. umg. `Narr, Dummkopf, einfältiger Mensch´; - b. umg. `eitler, eingebildeter Mensch´. - 3. `Rausch´; ann Oaffm mit heembrengn. - 4. Neugersdorf, Jonsdorf `Tornister mit Fellklappe´.

Oaffgoate siehe Uffgoate!

Oaffmschaukl f. `Affenschaukel´. 1. `kleiner Zopf aus Kopfhaar, der links- od. rechtsseitig schlaufenförmig hochgesteckt wird´. - 2. `geflochtene Schützenschnur´.

Oajn (kurzees oaj) Pl. veralt. `Annen: die beim Brechen, Hecheln und Kämmen des Flachses abfallenden holzigen Teile des Stängels´.  Siehe Kratzl u. Heede! Lautf.: Oin, Oann.

Oajter (kurzes oaj, gespr. Oajdder) n. Obercunnersdorf, Cunewalde `Euter´. Lautf.: Oarter, Oatter (gespr. Oadder) Obercunnersdorf, Jonsdorf, Oitter Eibau.

Oajttl-Boajttl m. Neugersdorf in der Wendung rimloofm wie Oajttl-Boajttl `liederlich u. schlampig angezogen sein´. Lautf.: Oattl-Boattl Seifhennersdorf.

Oak(e)leie f. `Akelei (eine Zier- u. Wiesenpflanze)´. Lautf.: Oakelei Oberlichtenau.

Oalb m. `Alb: gespenstisches Wesen, das sich nachts einem Schlafenden auf die Brust setzt u. Atemnot u. Angstträume verursacht´ (Volksglaube); du hoast su vill gassn, do hoat´ch dr Oalb gedruckt.

Oalbdrickn n `Albdrücken: Beklemmungen u. Angstträume während des Schlafens´.

Oalbe f. `Albe: weißes Gewand über dem Priesterrock´.

oalbern swv. `sich kindisch benehmen; übermütig, ausgelassen sein; Unfug treiben; scherzen´; rimoalbern.

oalbern Adj. 1. `kindisch, ausgelassen, übermütig´; ihr sedd a oalbernes Vulk! - 2. `unzurechnungsfähig, verrückt´, du bist wull oalbern? - 3. `versessen, begierig´; die is uff Karln reene oalbern. - 4. in der Verbindung enn is oalbern `jmdm. ist übel, schlecht´; mir is ganz oalbern an Bittche. - 5. in der Verbindung oalbern tun mit enn `den Beleidigten spielen´. - 6. `unschön, unangenehm, ärgerlich´; die neue Loampe nimmt´ch oalbern aus. Lautf:. oalwern.

Oalbschwanz m. verstr. Südlausitz, um Görlitz dass. wie Oalbzoajl; mir hoat noa kee Oalbschwoanz is Vieh behext.

Oalbzoajl m. verstr. Südlausitz 1. dass. wie Oalb. - 2a. Niedercunnersdorf `lustige aber alberne, kein Niveau im Umgang mit anderen Menschen habende Person´. - b. Steinigtwolmsdorf, Neukirch, Reichenau/Sa.(Polen), Ostlausitz `dummer, einfältiger Mensch; Narr´. Lautf.: Oalpzoil, Oalbzoal.

oalländchn Adv. msSüdlausitz `überall´; a is oalländchn, wu a Schweineschwänzl woackln tutt; mir woarrn gestern oalländchn `wir waren gestern überall und nirgends´. Lautf.: oalländn, oallängk, oallängn wSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz, mnOstlausitz, oallängchtn Steina, oallängntn Ohorn, oalländch °NOL Königshain, oallängs Anton.

oalle Adv. `verbraucht, zu Ende (Essen, Geld, Veranstaltung)´; de Milch is oalle; oalle senn `sterben´; ´s macht oalle mit mir `ich sterbe´. Ausspruch, wenn etw. ausgetrunken od. aufgegessen worden ist: Oalle oalle! Oalle ba Hoalle Bertsdorf `vorbei´.
oalle Indefinitpron. u. unbest. Zahladj. 1. wie litspr. `ganz, gesamt, vollständig´; du hoast wull ne oalle basoamm? - 2. wie litspr. `jeder, jeglicher´; dar kimmt miech baale oalle Tage besuchn. - 3. ver oalln `vor allem, besonders´; griss oack de Leute schiene, ver oalln de aaln!

oalledan(n) nur in Verbindung mit a (in) `in diesem Augenblick, unterdessen, inzwischen´; iech bie a oalledan(n) zun drittn Mole verheiroat. Lautf.: in oalledan(n) Westlausitz, a oall(n) dan(n).

oalleene `allein´. 1. Adj., nicht attr. a. wie litspr. `ohne die Anwesenheit, Gesellschaft, Begleitung anderer; einsam, für sich´; war bleibt schunn garne oalleene, mutterhundeoalleene, RA: ne mih oalleene senn `einen Rausch haben´. - b. `aus eigener Kraft, ohne fremde Hilfe, selbst, selber´; doaas weeß´ch oalleene, vu oalleene wird nischt. Macht euern Dreck oalleene! - 2. Adv. wie litspr. `nur, ausschließlich´; vu Rädn oalleene wird nischt. Lautf.: oalleend Weifa, oalleende Neukirch, alleene Westlausitz.

oallemol Adv. `immer, jedes Mal´; wenn´ch ann Bittern getrunkn hoa, wird mer oallemol ganz drähnde. Lautf.: oallemo.

oallerlee Indefinitivpron. `allerlei´ 1. wie litspr. `viel Verschiedenes, mancherlei, vielerlei´; RA: Oallerlee und sicks! RA: A is grätch, warklch und oallerlee. - 2. präd. Süd- u. Westlausitz `übel, unwohl´; wenn´ch dan Gotl sah, wird mer oallerlee `wenn ich den seltsamen Menschen sehe, wird mir schlecht´.

oalleweile Adv. selt. 1. `allweil, immer´. - 2. `im Moment, zur Zeit´; iech hoa oalleweile kee Geld.

oalls Adv. `alles´; iech muss miech im oalls kimmern; ieber oallse; du soist zu oallse od. zu oallsn ja `du sagst zu allem ja´. Lautf.: oallz Hinterhermsdorf, allz Sebnitz.

oallse siehe oalls!

oalltags Adv. Niedercunnersdorf `alltags, werktags, wochentags, nicht sonntags, nicht feiertags´; die kimmt wie oalltags oaagezoin,

oalltagsch Adv. `alltäglich, gewöhnlich, normal, jeden Tag wiederkehrend´; anne oalltagsche Geschichte.

Oalmer siehe Almer `Brotschrank´!

Oaloaster (1.Silbe gedehnt u. betont) f. n. (veralt.) Seifhennersdorf, Cunewalde, Jonsdorf, Steinigtwolmsdorf `Elster´; de Oaloaster lässt´s Mausn ne. Lautf.: Oaaloaster, Alaster, Aloaster; Alster Westlausitz; Soaloaster, Saloaster, Schoaloaster Ostlausitz, Obergebelzig, ´s Schoaloaster n. Girbigsdorf, Nordböhmen.

Oalpmruse f. `Alpenrose (Rhododentron)´.

Oalwee (gedehntes oa) f. m. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle, Neusorge `Aloe (Aloe vera L.)´ u. `der aus ihren Blättern gewonnene heilkräftige Saft´. Aufgeschnittene Blätter werden als Heilpflaster aufgelegt. Aloesaft wird ferner als Einreibung der Kopfhaut bei Haarausfall verwendet u. mit Kandiszucker aufgekocht als Hustensaft; Oalweeschluttn, RA: Oalwee heelt´s Fleesch an Tuppe zoamm. Lautf.: Oalewee Schirgiswalde.

Oambissl, Oambies(t)l siehe Ambissl!

Oamme f. `Amme: eine weibl. Pers., die ein fremdes Kind gegen Entlohnung stillt´.

Oamsl f. Niedercunnersdorf `Amsel ( Turdus merula L.)´. Lautf.: Oamstl °ZI Ebersbach, Nordböhmen, Oamlzer selt. msSüdlausitz, Oammlze Großschönau, Ostlausitz.

Oamt n. `Amt: Behörde, Gemeindeamt´; de Neum-Guste oarbeit uff´m Oamte.

oan Adv. siehe oaa!

oan (Präp. oa + Dat.) Süd- u. Westlausitz `am, an dem´. 1a. lokal; mer sitzn oan Tische. - b. temp.; oan Vurmittche `am Vormittag´. - c. in festen Fügungen; a jeds klabt oan Labm `ein jeder hängt am Leben´. Lautf.: oam Ostlausitz. - 2. vor Superlativ (adv. u. präd.); derheeme is oan schinnstn. Lautf.: an; am u. oam Ostlausitz.

oan Hubberch m. `Am Hohberg (Ortsteil der Gemeinde Sohland im °BZ)´; die wohn oan Hubberch.

Oandriesobd m. `Andreasabend: der Abend u. die Nacht vor dem 30.November, dem Gedächtnistag des Apostels Andreas´. Die Nacht vor dem Andreastag gehört zu den Nächten, in denen man die Zukunft zu erkunden suchte. Besonders junge Mädel erhofften sich, das Bild des zukünftigen Ehegatten zu sehen. Lautf.: Andres-, Andries-, -obd, -omd.

oanevuhl siehe oaanevuhl!

oanne siehe oaa!

Oanwand f. siehe Oaanewand!

oapoarte Adj. `apart´ 1. `nicht alltäglich, eine Ausnahme bildend, ausgefallen, ungewöhnlich, hochklassig´; dar hoat´ch woaas Oapoarts ausgesucht. - 2. wie litspr. `reizvoll durch seine besondere Art, geschmackvoll, fein, vornehm´. Lautf.: apoarte.

Oappl m. siehe Äppl!

Oapplschimml m. `Apfelschimmel: weisse Pferde mit dunklen, ringförmigen Flecken; dunkle Pferde mit apfelähnlichen weißen Flecken´.

Oapplsine f. `Apfelsine: Orange´; iech hoa vun Ruperche zwee Oapplsinn gekrigt.

Oapptit m. `Appetit´.

Oapriller m. 1. Südlausitz `April´;  murne hoann mer´n irschtn Oapriller, do muss´ch miech uff´s Veräppln eirichtn.  - 2. Süd- u. söWestlausitz `kalter Regenguss (im April)´.

Oaptheke f. `Apotheke´.

Oaptheker m. `Apotheker´. Lautf.: Oapetheker.

Oarbeit f. `Arbeit´. RA: Oarbeit is kee Froosch, die huppt ne weg. Lautf.: Oarbeet Seifhennersdorf, Ostlausitz; Oarweit Hinterhermsdorf; Oarbät, Oarweet; Ärbt wKürzung Weifa, Arbt °BZ Neukirch, Oarbt West- u. Ostlausitz, Oarbcht Steina, Oart Marklissa Ostlausitz.

oarbeitn swv. `arbeiten´. Lautf.: oarbeetn Seifhennersdorf, Ostlausitz; oarweitn, oarweetn; ärbtn wKürzung; oarbtn West- u. Ostlausiz.

oarbern siehe erber!

Oarbt siehe Oarbeit!

Oarche f. `Arie: Sologesangsstück´.

oarg Adv. `arg´. 1. `schlecht, schlimm, böse´; war wird´n glei su oarg denkn? - 2. `ärgerlich´. - 3. Westlausitz oarg sein uff woas `erpicht sein auf etw., begierig sein nach etw.´.

Oarle f. siehe Arle u. Ahurn!

Oarm m. wie litspr. `Arm´; RA: enn uff´m Oarm nahm `jmdn. zum Besten halten, veralbern´; siehe auch Ärmchl!

oarm Adj. wie litspr. `arm´. 1. `mittellos´, a battloarmer Moan; Bauernregel: Is dr Winter woarm, wird dr Bauer oarm. - 2. `bedauernswert, bemitleidenswert´, die oarme Frooe, die!

Oarmer Ritter m. meist Pl. Oarme Ritter `Armer Ritter (Süßspeise für Kinder)´. In einer aus Milch. Eiern, Zucker und Vanille bestehende Mischung eingeweichter (altbackener) Semmelscheiben oder Semmelbrotschnitten werden mit Butterschmalz gebraten. Diese Speise kann mit Plaumenmus bestrichen oder mit Vanillensoße oder brauner Butter übergossen werden.

Oarmetei (gespr. Oarmedei) f. Westlausitz `Armut´; bei dan Jungn guckte de Oarmetei oallängn raus.

oarmsalch Adj. `armselig: ärmlich´; doaas oarmsalche Wirml hoat kaum woaas zu frassn.

Oarmt f. Cunewalde, Lawalde `Armut´.

Oarmvll m. siehe Oarvll!

oarmvlln siehe oarvlln!

Oarnsdurf `Arnsdorf´. 1. Teil des zur Gemeinde Vierkirchen gehörenden Ortes Arnsdorf-Hilbersdorf im °GR. - 2. Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im °BZ. - 3. Ort der Stadt Ruhland im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg. - 4. Ort und Gemeinde im °BZ unweit von Radeberg, liegt außerhalb der historischen Oberlausitz; de Oarnsdurfer `die Einwohner von Arnsdorf´.

Oarsch m. Dim. Arschl, Aschl `Arsch´ 1. wie litspr. `Gesäß´; die hoat ann Oarsch wie a Pfard od. Tausndtoalerpfard od. Bräuereipfard; ´n Oarsch drähn; dar häbt senn Oarsch ne `dar bleibt sitzen und macht nichts´; enn an Oarsch krichn `sich bei jmdm. einkratzen´; ´n Oarsch uffe hoann `nicht recht bei Verstande sein´, se tutt´ch waajn dir ´n Oarsch ufreißn `sie unternimmt wegen dir alles´, enn ´n Oarsch woaschn `jmdn. herunterputzen, über jmdn. herziehen´, dir wird dr Oarsch ne zuschnoappm `du wirst nicht sterben´, enn benn Oarsche hoann `jmdn. zur Verantwortung ziehen, bestrafen´, schunn undern Oarsche brenn `in letzter Minute´, de Beene an Oarsch stihn `lange warten´, dar sitt schunn, wie´r mit´n Oarsche a de Wand kimmt `der weiß seinen Vorteil zu wahren´, enn Zucker an Oarsch blosn `jmdm. eine besondere Handlung gewähren, jmdn. bevorzugen´, doaas poasst wie dr Oarsch uff´m Eemer od. Nachttoop `das passt ganz genau´, oan Oarsch dreeschn `in eine üble Situation geraten´, dar will´ch ann renn (od. weißn) Oarsch brenn `der will sich als schuldlos hinstellen´, Maxn sei klenner Oarsch feiert su richtch Kirmst `Max bekommt Hiebe auf den Hintern´; woarrt oack woarrt, dei Arschl hoat itz Kirmst! `Warte nur, du bekommst jetzt Hiebe auf dein Hinterteil!´ Die beedn senn wie Oarsch und Hemde `die beiden sind unzertrennlich´, die poassn zusoamm wie Oarsch und Friederch; dan is jeder Pfenngk oan Oarsch gebackn `der ist geizig´, dar weeß sich bann (od. ver´n) Oarsche kenn Rot `er weiß nicht ein noch aus´, dar kimmt dr Oarsch glei rim `die ist sehr ängstlich´; Max, Dachs, Taubmdreck, hoat a Stick vun Oarsche weg! - 2. vielfach in übertr. Bedeutung für den hintersten, untersten, schwersten od. dicksten Teil eines Gegenstandes; Äpploarsch, Steenoarsch, die wohn oan Oarsch dr Walt. - 3. übertr. auf Personen und Tiere; Oarsch mit Uhrn, Loaberoarsch, Kaularschl. Lautf.: Oaasch.

Oarschbacke f. `Arschbacke: Gesäßhälfte´.

Oarschbettl n. 1. Burkau, Großröhrsdorf `Sitz-, Stuhlkissen´. - 2. `Turnüre, unter dem Rock getragenes Polster am unteren Ende des Rückens (Frauenmode im 19. Jh.)´.

Oarschbrutl n. Neugersdorf, Oberlichtenau `Stoß in das Gesäß mit den Knien´; du krigst glei a Oarschbrutl.

Oarschfleckl n. `auf den Hosenboden aufgesetzter Stofffleck´.

Oarschhokn m. °ZI Ebersbach Dim. Oarschhäkl, Oarschhaajkl `Arschhaken: das leicht nach innen gekrümmte Ende der Wirbelsäure, Steißbein´.

Oarschkarbe f. `Arschkerbe: Gesäßspalte´.

Oarschkimme f. Neusorge dass. wie Oarschkarbe!

Oarschklitsch m. Westlausitz 1. `leichter Schlag mit der flachen Hand auf das Gesäß, wobei ein klatschender Ton entsteht´. - 2. übertr. `Winzigkeit, kleine Menge´; fer ann Oarschklitsch keefm. Lautf.: Oaaschklitsch.

Oarschkricher m. `Arschkriecher: Schleimer, Schmeichler, übertrieben unterwürfige Person´.

Oarschlooch n. `Arschloch´ 1. `After´; wortspielerische Entgegnung auf "iech duchte": Duchtn senn keene Lichter und Oarschlecher keene Gesichter. - 2. derbes Schimpfwort (vorwieg. für männl. Personen), `Pers. ohne Charakter, Feigling, verweichlichte Pers.´; doaas is kee Moan, doaas is a Oarschlooch. Lautf.: Oarschloch, Oarschluch.

Oarschloochdukter m. `Arschlochdoktor: Enterologe´.

Oarschloochschinder Pl. `etw. Hartes zum Essen´, in Obercunnersdorf für `große unförmige Roaffkoallchl´, in °NOL Königshain `harte Klöße aus Roggenmehl´.

Oarschwischl n. `aus Zeitungspapier gerissene Papierstücke zur Säuberung nach dem Stuhlgang, Klopapier´.

Oart f. `Art´. 1. wie litspr. `(angeborene) Eigenschaft´; du bist ganz aus dr Oart geschloin `du bist im Charakter ganz anders als deine Eltern´. - 2. `Ordnung´; ´s muss oalls a bissl Oart hoann; ei Oart brengn (Ostlausitz) `in Ordnung bringen, aufräumen´.

oartch Adj. 1. `artig: brav, folgsam, anständig´; du krigst nischt vun Ruperch, du bist ne oartch gewast. - 2. Obercunnerdorf `etwas, ein bisschen´; „Na, wenn die´n anne Hurbl gan will, muss se sich oartch bickn!“

oartlch Adj. selt. `von dieser Art´. 1. dass. wie oartch. - 2. ehem. °ZI Reichenau, Ostlausitz, Hintere Sächsische Schweiz `sonderbar, wunderlich, auffallend, eigentümlich, eigenwillig´; doaas is a oartlch Dingk; bie oack ne su oartlch! - 3. Bihms Koarle `empfindlich, beleidigt, übelnehmend, ärgerlich´; bie oack ne glei oartlch!

Oarvll m. `einen Arm voll´; ann Oarvll Äppl. Lautf.: Oarmvll, Oarmpvll °ZI Ebersbach; Arvll, Ärvll Burkau.

oarvlln swv. 1. schlesisch `(zudringlich) umarmen, etw., jmdn.(ungeschickt) an- od. umfassen, abmühen´. - 2. `gierig, hastig essen und dabei den Mund vollstopfen´. Lautf.: oarmvlln, oarbvlln, oanoarvlln.

Oarznei f. `Arznei: Medizin, Medikament´.

oas (kurzes oa) Konjunkt., modal `als´. 1. vergleichend a. bei Ungleichheit, häufig in Verbindung mit wie; iech bie grisser oas du od. iech bie grisser oas wie du. - b. bei Gleichheit `wie´; du bist su gruß oas iech od. du bist su gruß oas wie iech `du bist so groß wie ich´. - c. in den Verbindungen oas ebb `als ob´, oas wenn; a leeft, oas wenn´r besuffm wär. - 2. in Verbindung mit einem Subst. die Rolle, Eigenschaft einer Bezugsgröße erläuternd; oas Braut bie´ch langk gegangn. Lautf.: oals (kurzes oa).

Oasch (kurzes oa) m. Dim. Aschl (kurzes a) `Asch´. 1. `irdenes Gefäß, meist in der Gestalt von Napf od. Schüssel mit einem verspundeten Loch an der tiefsten Stelle´; Milchaschl. - 2. `Emailleschüssel od. - becken, in denen das Geschirr gespült wird´. - 3. `kleine Leichtmetallwanne mit zwei Henkeln´.

Oase (gedehntes oa) f. dass. wie Roase!

Oaspe f. Obercunnersdorf, Bihms Koarle, Nordböhmen `Espe: Zitterpappel (Populus tremula L.)´; zittern wie Oaspmloob.

Oasphoaltblose f. `Asphaltblase´, scherzh. `Automobil´.

Oassl f. umg. `Fuß´; nimm de Oassln rieber!

Oast m. `Ast´. 1. wie litspr. `(am Stamm ansitzender) stärkerer Zweig eines Baumes´; a stitt wie a Oast. - 2. wie litspr. `Ansatzstelle eines Astes am Baumstamm´. - 3. `Verkrümmung der Wirbelsäule, Buckel´.

oastn swv. umg. `etw. Schweres tragen, schwer arbeiten´; du hoast aber zu oastn!

Oatter (kurzes oa) siehe Oajder!

Oattndurf `Attendorf (Ortsteil des zur Gemeinde Waldhufen gehörenden Ortes Nieder Seifersdorf im °GR)´; de Oattndurfer `die Einwohner von Attendorf´.

Obd (gedehntes o) m. `Abend´. 1. wie litspr `Zeit zwischen Nachmittag und Nacht´; ´n Obd zuvure `vorgestern Abend´, jenn Obd `vorgestern Abend´, gunn Obd `guten Abend´, zun Obde od. uff´m Obde `am Abend´, Montchzobm `Montag zu Abend´, Obdassn (Kottmarsdorf), Obm(d)assn, Omdassn, Obm(d)brut (Schirgiswalde); ´s is noa ne oaller Tage Obd `es ist noch nicht endgültig entschieden´; du koannst miech oan Obde besuchn `du kannst mir gestohlen bleiben´. - 2. `Abendbrot´; ´s wird groade Obd gegassn.  - 3. `Westen´; Omdseite, de Sunne gitt an Obde under. Lautf.: Omd Westlausitz, Sächsische Schweiz, Obmd söSüdlausitz, Ostlausitz, Oabmt Neulausitz.

Obdmohlskoastn m. Niedercunnersdorf `Kasten mit Abendmahlutensilien, die der Pfarrer zu Sterbenden mitbringt´.

obds Adv. `abends´. Lautf.: omds °ZI Ebersbach, obmds Schirgiswalde; mdal. besser zun Obde, uff´m Obd.

Obdseite f. siehe Obd 3!

Obm m. in Zuss. siehe Obd! Simmdzobm.

ock siehe oack!

Oder f. `Ader´; meine Toachter hoat anne Oder vu menn Moanne `meine Tochter hat eine Charaktereigenschaft, Begabung von meinem Mann´.

Oderbeen n. Pl. Oderbeene `Aderbein: Bein mit Krampfadern´; waajn menn Oderbeene zieh´ch lieber lange Hosn oaa.

Oderkoahn siehe Elbkoahn!

Oderlusser m. `Aderlasser: Person, die einen Aderlass durchführt´. Lautf.: Oderlosser Großröhrsdorf.

Oderlussn n. `Aderlass: Entziehung venösen Bluttes aus therapeutischen Gründen´; dar Moan will zer Oder gelussn hoann.

Odermannl n. Niedercunnersdorf, °NOL Reichenbach `Odermennig (Agrimonia eupatonia): eine bis zu 1m hohe Heilpflanze mit gefiederten Blättern und gelben Blüten´. Lautf.: Odermännl.

odersch Adj. `zur Ader gelassen´ 1. Oberland, sSüdlausitz `verdrießlich, mürrisch, missgelaunt, launisch, emfindlich´; du bist a aaler oderscher Saak, ´n ganzn Tag zoigst de schunn a odersch(es) Gesichte. - 2. selt. `aufgebracht, erregt´. - 3. Anton `eigensinnig, wunderlich´. - 4. bis 1930 °ZI Ebersbach, Nordböhmen `heißhungrig´.

oderschn swv. Neugersdorf `schlecht gelaunt, mürrisch sein, griesgrämig sein´.

Odersch(e)keet f. Südlausitz `schlechte Laune´.

Odn m. (nur Sg.) 1. `Atmen, Atmung´; winngk od. kurtschn od. kurzn Odn hoann `kurzatmig sein, schwer Luft kriegen´; doaas hoat´r a enn Odn rundergeleiert `das hat er ohne zu Atmen eintönig vorgetragen´.  RA: A hoat´s Odnhuln vergassn `er hat das Atmen vergessen, er ist gestorben´. - 2. `Atemluft´; dr Odn ausgihn, hindern Odn kumm `keine Luft bekommen´, ´n Odn verschloin `sprach- u. ratlos sein´, noa Odn roaffm `in Atemnot sein´.

Odnluft f. `Atemluft´.

Ohle f. `Ahle: Werkzeug von Schuster u. Sattler zum Vorstechen der Löcher in Leder´, auch Schusterohle od. Pfriemer. Lautf.: Oahle.

Ohtscht siehe Urtsch!

Oin siehe Oajn!

oju (gesprochen euju) Interj. `o ja, doch, aber ja, trotzdem, dennoch (Ausruf des Widerspruchs)´. "Do sull doa glei is Water reifoahrn, du hoast doa wieder ne ufgegassn!" "Oju, iech hoa!"

Oltwurf(t) siehe Mootwurf!

Omd m. siehe Obd!

Omdlauten, Obm(d)lautn n. `Abendläuten: Geläut der Kirchenglocken am Abend (gegen 18.00 Uhr)´, urspr. ein Läuten zum Gebet, später Zeichen für den Beginn des Feierabends. Lautf.: Omdlautn Girbigsdorf.

Omdmelke f. `die am Abend gemolkene Milchmenge´. Lautf.: Obmmelke Niedercunnersdorf, Obdmelke.

Omdmohlrickl n. Niedercunnersdorf `Abendmahlsrock: von den Männern beim Abendmahlsgang getragener schwarzer Gehrock aus Tuch´.

omds siehe obds!

Omse (gedehntes o) f. 1. `Ameise (alle Arten)´; Seechomse, miech hoat anne Omse oaageseecht `mich hat eine Ameise mit Ameisensäure bespritzt´. - 2. dass. wie Omsebarg; mer gihn uff de Omse. Lautf.: Ummse °ZI Seitendorf, Ommse Burkau, Umse Ostlausitz.

Omsebarg m. `Ameisenberg (Sandsteinberg im Zittauer Gebirge)´. Lautf.: Omsnbarg.

omsn swv. 1. `fleißig wie die Ameisen arbeiten; Ameisenfleiß zeigen´; meine Frooe omst ´n ganzn Tag. - 2. selt. um Görlitz `wie mit Ameisen überlaufen, kribbeln, jucken, brennen in den Gliedern od. in den Fingerspitzen u. Zehen (bei Kälte)´; miech omst´s ein Zihn. Auch seechomsn.

Omsnaast n. verstr. Cunewalde, Bihms Koarle `Ameisennest: Ameisenhaufen´.

ond siehe und!

Ooe f. `Aue: flaches Wiesenland beiderseits des Bachlaufes, (das in der Besiedlungszeit von den Dorfhirten als Weideland benutzt wurde)´; Gaartlooe.

Ooge n. Pl. Oogn od. Oongn (Westlausitz) `Auge´. 1. wie litspr.; RA: Do muss ees de Oogn a de Hand nahm, wenn ees woaas sahn will. RA: mit ann bloon Ooge dervone kumm. RA: de Oogn iebergihn `staunen´; de Oogn grisser oas is Maul hoann; de Oogn zumachn `sterben´. Oogn und Oarsch gehiern zusoamm, reiß dr amol anne Lode aus´n Oarsche, do wirscht de sahn, wie dr de Oogn tran! Über einen Schielenden heißt es: Mit enn Ooge guckt´r dch oaa und mit´n andern hackt´r Hulz; jmdn. ganz auspressen: enn´s Weiße aus´n Oogn nahm. - 2a. `Fetttropfen auf einer Flüssigkeit´; auch Fettooge. Eine dünne Suppe wird getadelt: Do guckn miher Oogn rei oas raus. - b. RA: dar muss o jeder Dreckpfitze de Oogn austratn `der nimmt jede Gelegenheit wahr, um sich ein Vergnügen zu bereiten´. - 3. (meist im Pl.) `die zählbaren Punkte bei Würfel- od. Kartenspiel´; du krigst vu mir oack zwee Oogn mit. Lautf.: Auge öKürzung östlich von Reibersdorf.

Oognbraune f. Pl. Oognbraun `Augenbraue´.

Oogngucker f. verstr. `Augengucker: Heilpraktiker, der an der Beschaffenheit der Augen die Krankheit diagnostiziert´.

Oognringe Pl. `Augenringe: dunkle, halbkreisförmige Flecken unter den Augen´.

Oos n. Pl. Äster od. Aster (gedehntes a) `Aas´. 1. wie litspr. `verwesende Tierleiche, Kadaver´. - 2. übertr. eine der häufigsten Affektbezeichnungen für Menschen beiderlei Geschlechts, auch für Tiere, Schimpfwort; de Nubberschfrooe, doaas aale Oos, blesst ihre Hihner a unser Gaartl; Schindoos. - 3. Anton `der zusammengekehrte Abfall von Mehl od. Kleie, letzter Ausschutt in der Mühle´; Steenoos. Lautf.: Oost, Oaas(t).

Opplsdorf siehe Upplsdurf!

Otscht siehe Urtscht!

Oybm m. 1. `Kurort Oybin (Ort u. Gemeinde im °GR)´; mer foahrn an Oybm; de Oybschn `die Einwohner von Oybin´; ´s Oybsche Niederdurf `Niederoybin´. - 2. `Berg Oybin mit Burgruine´; mer loofm uff´m Oybm od. Oybschn Oybm.