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  1. N

Na

´n unbetontes Personalpron. 1. 3. Pers. Sg. a. im Dat. od. Akk., siehe a (Personalpron.)! - b. im Dat., siehe is (Personalpron.)! - 2. 3. Pers. Pl. Dat., siehe sie!
´n
best. Art., Dativ, unbetont siehe dar!
´n best. Art., Dativ, unbetont siehe doaas!
´n Adv., als Partikel in Fragesätze eingeschoben, intensivierend `denn´; woaas is ´n lus? `Was ist denn los?´ Woaas hoast´n wieder ausgefrassn? Wu wohnst´n? Lautf.: dn.

na (gedehntes a) siehe nooch `nach´!

na (kurzes a) siehe noa `noch´!

Naacht siehe Nacht!

naajchtn Adv. 1a. `gestern Abend´. Volksreim: Woaas naajchtn geschoah, gitt kenn woaas oaa. b. `in der Nacht, die Nacht durch´; dar Koastn toat jedn Tag und o noa naajchtns loofm. - 2. selt. `neulich, vor kurzem´. Lautf.: nächtn, naajchtns.

Naajlke f. selt. `Nelke´; Fadernaajlke `Dianthus plumarius´, Lautf.: Nalke, Nelke.

Naajlknäppl m. `Nelkenapfel (rotbäckiger kleiner Apfel, der zum Schmücken des Christbaumes genommen wurde)´. Lautf.: Naajlkn-, Nalkn-, Nelkn-, -äppl, -oappl.

Naast n. Dim. Naastl `Nest´. 1a. `Vogelnest; Platz, wo Eier gelegt werden´; de Vogl tun zu Naaste troin `die Vögel bauen mit Baustoffen ein Nest´; Sprichwort: Anne geschoite Henne schesst´ch o amol as Naast. Volksreim: Gacke, gacke Naast, iech bie´s ne gewast, iech hoa´s ne gelät, iech hoa ne versträht. - b. Omsnnaast Bihms Koarle `Ameisenhaufen´. - c. `Bett´; bis zun Mittche an Naaste rimsieln, zu Naaste gihn `ins Bett gehen´. - d. `Heim, Stube´; iech gih heem as woarme Naast; RA: Die koann´ch as woarme Naast reisetzn `die hat einen wohlhabenden Ehemann geheiratet´; sieh oacke, die trätt o schunn zu Naaste! `Sieh nur, die junge Frau macht Großeinkäufe!´. - 2. `kleiner Ort´; woaas sull´n doaas fer a Naast senn? - 3. `Haarknoten der Frauen´; iech muss dr Grußemutter noa is Naastl drähn. - 4. `Häufung von Kettfadenbrüchen bzw. nicht eingebundenen Kettfäden beim Weben´.

Naastä (Naast-Ä) n. Pl. Naastee-er `(künstliches) Ei (aus Ton, Gips oder Plaste), das im Hühnernest liegen bleibt, um die Hühner zum Legen zu bewegen´. Lautf.: Naastei.

Naasthäkl n. `Nesthäkchen´. 1. `Nachzügler; das jüngste Kind in der Familie, das am längsten im Nest hockt u. gern verwöhnt wird´. - 2. `das kleinste u. schwächste Tier im Nest´. Lautf.: Naasthaajkl.

Naastvll n. `Nest voll: unbestimmte Anzahl (von Tieren od. Personen, die in einem Nest od. einem Zimmer Platz finden)´; a Naastvll Kleegemiese feierte Kindergeburtstag.

Nabl m. `Nebel, auch `Dampf´; dr Nabl häbt´ch `der Nebel steigt´.

nablch Adj. `neblig´.

nabln swv. `nebeln; Nebel, Dunst, Rauch erzeugen´; ´s nablt draußn, ´s Reechermannl hoat de ganze Bude eigenablt, vernabln.

Näblschitz `Nebelschütz (Ort und Gemeinde im °BZ)´; de Näblschitzer od. Nablschitzer `die Einwohner von Nebelschütz´. Lautf.: Nablschitz.

nabm Präp. `neben´; mer loofm nabmnander. Lautf.: nam Westlausitz, naber sOstlausitz.

Nacht f. 1. wie litspr.; a dr Nacht `nachts´; RA: Macht oack macht, ´s wird glei Nacht! - 2. gude Nacht `abendlicher Abschiedsgruß´. - 3. lange Nacht `Thomasnacht vom 20. zum 21. Dezember´; in der längsten Nacht im Jahre wurden die Weihnachtsvorbereitungen 24.00 Uhr abgeschlossen, der Handweber arbeitete ab, der Spinner verspann den letzten Flachs im alten Jahre; Los- und Schicksalsnacht mit Heiratsorakeln. Lautf.: Naacht Westlausitz.

Nachteule f. `Pers., die gern nachts lange aufbleibt´.

Nachtjacke f. 1. Dim. Nachtjäckl `Nachthemd´; de Grußemutter hoat noa de Nachtjacke ieber´sch Taghemde gezoin; mei Moan feixt egoal, wenn´ch oack an Nachtjäckl as Bette steige. - 2. übertr. `dummer Mensch, Idiot´; woaas bist du oack fer anne Nachtjacke!

Nachttoop m. Dim. Nachttippl `Nachttopf´.

nackch Adj. Burkau, Oberlichtenau nackig´. 1. `unbekleidet´; an Bleechteiche boadn de Leute nackch; dar kunnt ees bis uff´s nacktsche Labm guckn `die konnte man ohne Kleidung sehen´; die kenntst mer nackch uff´m Bauch binn `gegen diese Frau habe ich eine große Abneigung und würde mich nicht mir ihr einlassen´. RA: Fräh dch oack nacktch, doaaß dr ne ´s Hemde zerresst. - 2. übertr. `ohne Beilage, ohne etw. dazu (bei Speisen), ungesalzen´; de Mauke is mer zu nackch; dar Poaps schmeckt wie nackcher Oarsch. - 3. übertr. `ohne Geld, ohne Vermögen´; ihr hoat miech nackch gespielt. Lautf.: nacktch Lawalde, Girbigsdorf, foaslnacktch Königshainer Berge, nacksch Spitzkunneresdorf, Schirgiswalde, Neusorge, nacktsch Jonsdorf, splitterfoadnnackch.

Nackches Maajdl n. 1. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Wittgendorf `Wollgras (Eriophorum)´; de Wiese is vuhler nackcher Maajdl. - 2. °NOL Königshain `entrindeter Ast einer Kiefer od. Buche´. Lautf.: nacktsches Maajdl (ab Leutersdorf in südöstlicher Richtung); im Pl. nackche, nacktche, nacksche od. nacksche Maajdl, Maajgl, Madl, Mardl od. Weiber.

nacksch, nacktsch siehe nackch!

nahm stv. iech nahm, du nimmst od. nemmst (Westlausitz), mer nahm od. namm, ihr nahmt od. nammt, iech noahm, du noahmst od. noammst, a noahm od. nohm (veralt. Südlausitz), mer noahm od. noamm od. nohm (veralt. Südlausitz), ihr noahmt od. noammt, iech hoa genumm `nehmen´. 1. `etw. anfassen, ergreifen´; a nahm´s Auto und fuhr furt. - 2. `etw. ergreifen u. zu sich heranholen´; nimm od. nihm oack de Voase vun Tische! - 3. `sich etw. aneignen, sich etw. kaufen, sich in den Besitz bringen von etw.´; a noahm glei zwee Saakvll Koalk. - 4. `etw. für einen best. Zweck gebrauchen´; zun Brotn nimmst de gude Butter! - 5. `etw. essen od. trinken´; mer nahm heut noa a Luder; enn genumm hoann `infolge alkoholischer Getränke leicht angeheitert sein´. - 6.`etw. hinnehmen, sich mit etw. abfinden´; mer missn´s nahm, wie´s kimmt. - 7. `jmdn. einstellen´; nahmt euch oack anne Reenemachfrooe! - 8. `heiraten´; a hoat´ch de Barbl genumm. - 9. `einander gleich sein, einander nicht nachstehen´; die beedn Schwastern nahm´ch anander ne vill. - 10. in der Fügung anacht nahm `in Acht nehmen´.

Nähnde f. Cunewalde, Schlesien `Nähe´. Lautf.: Nähncht öKürzung, Nordböhmen.

nähnder siehe nohnde!

Nähtern f. `Näherin, Schneiderin´ kam früher oft ins Haus, um Kleidung u. Wäsche auszubessern; die hoat oack ba anner Weißnähtern gelarnt `die hat nur bei einer Frau gelernt, die Bettwäsche nähte´.

Nähtersoaal m. `Nähsaal (in einem Textilbetrieb)´.

Nähterstube f. `Nähstube´; iech froi amol a dr Nähterstube, ebb se mir a Fleckl uff´s Looch nähn.

Näme, Name Pl. von Noame `Name´; siehe Noame!

nämlch Adj. `nämlich, (der)-, (die)-, (das)selbe´; iech bie mit dr nämlchn Boahne gefoahrn oas wie du; doaas is is Nämlche; Koaffee zu Koaffee oder Milch zu Milch macht immer die nämlche Tunke. Lautf.: namlch Schirgiswalde, Ostlausitz.

nanu Adv., Interj. `aber nun, aber jetzt´.

Nappl siehe Noapp!

nappln swv. 1. `Bier od. Schnaps trinken´. - 2. `die frische Butter im Butterfässchen in kaltem Wasser kneten, um sie von Molkeresten zu säubern u. danach formen zu können´.

narne, narnd siehe nerne!

närrn siehe nerrn!

närrsch Adj. `närrisch´. 1a. `der Sinne nicht mächtig, überspannt, verwirrt´; du bist wull närrsch! RA: Dar is´n närrschn Karl sei Bruder Umschreibung für `der ist närrisch´. - b. `übermäßig lebendig´; ´s gibbt Oapplsinn, de Leute senn wie närrsch an Loadn gewetzt. - 2. `begierig, versessen´; iech moagg keene Plinsn, aber meine Frooe is ganz närrsch druf. - 3. `sonderbar, wunderlich, komisch, ausgefallen´; woaas hoast ´n du fer anne närrsche Mitze uf? - 4. `unwohl, merkwürdig´; mir is su närrsch an Bittche. Lautf.: narrsch.

Närrschkarl m. `sonderbare, wunderliche, komische männl. Person´. Lautf.: Narrschkarl Königshainer Berge.

närrschn swv. Wittgendorf, Anton `sich wie ein Narr benehmen, (vor Zorn) toben´. Lautf.: narrschn.

nätern siehe neetern!

Naumberch ohne Genus `Naumburg (poln. Nowogrodziec)´, schlesische Kleinstadt am Ostufer des Queis.

Naundurf 1. `Großnaundorf (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; de Naundurfer `die Einwohner von Großnaundorf´. - 2. `Naundorf (Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im °BZ)´.

naus 1. Adv. Zittauer Gebirge, Neukirch, Oberlichtenau `hinaus´; mer gihn naus as Griene; im Oberland raus. - 2. naus- als Adverbialpartikel in zahlreichen Verbzuss. `hinaus-´; nausfeuern, nausfladern, nausjoin, iech gih naus, im Oberland -raus.

nauszu(s) Adv. `auf dem Wege nach draußen´, im Oberland auch rauszu(s).

Naz m. Dim Nazl 1. Kurzform des RN `Ignaz´. Besonders in Böhmen weit verbreitet. - 2. Dittelsdorf `verweichlichte, jammernde männl. Pers.´.

ne Adv. `nicht´; ne mih (gespr. ni mih);  iech denk, iech war ne mih `ich denke, ich hör nicht recht´; baleibe ne! Luss dch ju ne derwischn! Du bist ne ann Dreck andersch! Doppelte Verneinung: kenner ne weeß woaas; nie ne `niemals´; dar is zu woaas Geschoitn goar ni mih ne zu gebrauchn. Lautf.: ni Zittauer Gebirge, Neulausitz, nie Ostlausitz, njä Hinterhermsdorf.

Nechn (kurzes e) `Nechen (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´; de Nechner `die Einwohner von Nechen´.

necksch Adj. `neckisch´ 1. `närrisch, sonderbar, albern, verdächtig,verrückt´; doaas is mer glei necksch viergekumm! Dr Nubber is immer neckscher gewurn, gestern hoann se´n a de Schweenz geschoafft `der Nachbar ist immer sonderbarer geworden, gestern haben sie ihn nach Großschweidnitz in das Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie geschafft´. - 2. `lustig, zu Späßen aufgelegt, drollig´; woaas mir ieber die necksche Geschichte gelacht hoann! - 3. `erpicht, gierig, lüstern´; zu Mittche gibbt´s Schälkließl, iech bie schunn ganz necksch druf. - 4 necksches Knichl `Ellbogen´.

neckschn swv. Oderwitz `preschen, rasen, jagen, hetzen´; wie dar is Durf runderneckschte! `Wie der das Dorf hinunterpreschte!´

nee Partikel `nein´; nee, nee, nee, do wird nischt draus!

Neege f. Dim. Neegl `Neige´ 1. `Rest einer Flüssigkeit in einem Gefäß´. - 2. uff de Neege gihn `so aufgebraucht sein, dass nur noch ein Rest übrig ist; zu Ende gehen; im Sterben liegen´; dr Summer gitt uff de Neege; ´s gitt mit´r (mied´r, meed´r) uff de Neege. - 3. `eine unbestimmte Menge, Anzahl´; anne Neege Juhre.

Neegl (gesprochen Neejgl) n. Dim. von Neege `Neigel: eine zur Neige gehende Menge´. 1a. `Rest einer Flüssigkeit in einem Gefäß´; ´s is oack noa a Neegl Bier an Seidl. - b. `kleine Flüssigkeitsmenge´; a Neegl zugissn. - 2. `Garnrest; Fadenrest, der beim Weben auf der Schussspule bleibt´; mit´n Treiberadl Neegl oabtreibm. - 3. uff´s Neegl gihn od. zun Neegl gihn od. im´s Neegl gihn `zu Ende gehen´.

Neeglbier n. Cunewalde, Frankenthal, Ohorn `abgestandener Bierrest im Glase, der noch als Viehfutter verwendet werden kann´.

neegn swv. Obercunnersdorf, Bihms Koarle `neigen´.

neesn swv. Obercunnersdorf 1. Neugersdorf, Nordböhmen, Mauermann Jauernick `jmdn. necken, reizen, in harmloser Weise ärgern, veralbern, an der Nase herumführen´; wirscht sahn, dar wird se noa lange neeßn `wirst sehen, der heiratet sie lange noch nicht´. - 2. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle, Wittgendorf `einen Menschen stark beanspruchen, herannehmen, zusetzen, jmdn. plagen, quälen´. herunterputzen´; mei Meester hoat miech aber geneest; se toat´n Moan urndlch neeßn. - 3. Bihms Koarle, Wittgendorf `über etw. Essbares herfallen, gebrauchen, vernaschen´; de Kuchnstreefl wurdn oalle geneest, a hoat´s Nubbermaajdl geneest. Siehe auch verneesn!

neetern swv. `nötigen´. 1. Bihms Koarle `mit Worten quälen durch fortwährendes Bitten, Drängen, Drängeln, Mahnen; bie ruhch und neeter ne su! Dr Pfoarr hoat miech geneetert `der Pfarrer hat mich bedrängt´. - 2. Wittgendorf `ziehen, hin- und herziehen, zerren, gewaltsam zupfen, an etw. rütteln (um es zu lockern), mit Gewalt etw. verändern´; du sullst ne su a dr Tiere neetern! Lautf.: nätern Neukirch, Schirgiswalde, nietern.

nei Südlausitz ohne Oberland `hinein´ 1. Adv.; nischt wie nei! (im Oberland u. der Ostlausitz nischt wie rei!) - 2. nei- als Adverbialpartikel in zahlreichen unfesten Verbzuss.; neibuttern, mer gihn as Haus nei, neiguckn, iech hupp itze as Woasser nei, neitratn, neitroin. Im Oberland u. der Ostlausitz steht dafür rei. Lautf.: nein Neukirch, Westlausitz.

Neidnoajl m.`eingerissene Haut am Fingernagelbett, entzündeter Fingernagel´. Lautf.: Neidnoa(r)l.

neidreschn siehe reidreschn! Lautf.: neidraschn.

neihoon siehe reihoon!

neileckn siehe reileckn!

neiloajchtn siehe reiloajchtn!

Neißtoal n. `Neißetal: in die Landschaft eingeschnittenes Flusstal der Neiße zwischen Rosenthal und Marienthal´. Siehe auch Skoale `Skala´!

neitunlch Adj. Obercunnersdorf, Dittelsdorf, Wittgendorf 1. `einnehmend, raffend, an sich reißend´. - 2. Schirgiswalde `zutraulich, anschmiegsam, liebesbedürftig, aufdringlich vertraut, zu sexuellen Kontakten bereit´ (von Mädchen); die hoat a neitunlches Gemitte `die zieht Männer an´. Fomen: neitunlch(t) Cunewalde, neituncht Schirgiswalde, neintuncht u. neintuch Oberlichtenau, neitulch, reitunlch.

neizu(s) Adv. `auf dem Wege nach drinnen vom Standpunkt des Außenstehenden aus, einwärts, nach innen ´; neizu giht´s fixer, im Oberland reizu(s).

nerne Adv. `nirgends, an keiner Stelle´; su schiene wie derheeme is nerne; a is nerne ne zu finn (doppelte Verneinung bedeutet Verstärkung der Verneinung). ´s is nerne mih schiene! "Wu gist´n hie?" "Nerne!" . A is nerne ne derheeme `er ist auf Wanderschaft, er hat keinen festen Wohnsitz´.  Lautf.: nernd nwSüdlausitz wie Neukirch, Schirgiswalde, nernde Hinterhermsdorf, noarne Westlausitz, narne, narnd Ostlausitz, nand Schlesien, nirne, narnde Sächs. Schweiz.

Nerre f. Nieder Neundorf, Ludwigsdorf, Schlesien `altes, stumpfes Messer´.

nerrn swv. 1. Neugersdorf, Lawalde, Jonsdorf `sich anstrengen, zerren, mit aller Kraft etw. ausführen´; drei Zähne hoat´r mir rausgenerrt, de Achsl huchnerrn, an Ziegefleesche nerrn. - 2. Ostlausitz `(einen Hund) zum Knurren veranlassen, reizen, ärgern´.

nesn siehe neesn!

Nesslkroattch n. Jonsdorf, Großschönau `Brennnessel (Urtica dioica)´. Lautf.: Nesslkroitch.

Nessl f. `Brennnessel (Urtica dioica)´; RA: sich a de Nessln setzn `sich Schaden zufügen, sich die Finger verbrennen´.

neu Adj. 1. wie litspr.; neue Hosn. - 2. Lawalde neuer Mond `zunehmender Mond´. - 3. `nächst´; neue Wuche, uff de neue Wuche.

Neu Gerschdurf `Neu Gersdorf´, bis 1945 zu Wiegandsthal gehörender Ortsteil im Kreis Lauban östlich der Neiße, poln. `Gieraltowek´

neubackn Adj. 1. `frisch gebacken´; neubackn Sammln. - 2. übertr.: `frisch, unberührt, unverbraucht, neugeboren´; die is o ne mih ganz neubackn; a neubackn Kindl. - 3. `neu eingestellt, unerfahren, keine Berufserfahrung besitzend´; a neubackner Oamtsdiener.

Neubatsdurf `Neubertelsdorf´, bis 1945 zu Bertelsdorf im Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich des Queis, poln. `Nw. Uniegoszcz´.

Neuch(e)keet f. `Neuigkeit´.

Neudurf n. od. ohne Genus `Neudorf´. 1. `Neufriedersdorf (Ortsteil des zur Stadt Neusalza-Spremberg gehörenden Ortes Friedersdorf im °GR)´. - 2. `Neuschirgiswalde (Stadtteil von Schirgiswalde im °BZ))´; de Neudurfer `die Einwohner von Neuschirgiswalde´, a is aus´n Neudurfe. - 3. Ortsteil der Gemeinde Cunewalde im °BZ´. - 4. Ortsteil der Gemeinde Kreba-Neudorf im °GR.

Neue Walt f. `Neuwalde (Ortsteil der Gemeinde Leutersdorf im °GR)´; Barndts Oalwin a dr Neun Walt.

Neueibe f. `Neueibau (Ort der Gemeinde Kottmar im °GR)´; de Neueibschn `die Einwohner von Neueibau´; se wohnt a dr Neueibe od. a dr Neun Eibe. Auch Neue Eibe.

Neuer Mond m. `zunehmender Mond´. Beim aaln Monde `abnehmender Mond´ wird gesät od. gesteckt, was in der Erde geerntet werden wird, z.B. Kartoffeln, Rüben; und bei neun Monde wird gesät, was man über der Erde erntet, z.B. Getreide Zwiebeln.

Neugerschn m. Niedercunnersdorf `Neugroschen´. 1. `alte sächsische Münze von 1840 bis 1870 im Werte von 12 Pfennigen´. - 2. übertr. `Groschen, Zehnpfennigstück der Reichswährung´. Lautf.: Neuerschn Großschönau, Jonsdorf, Neugruschn Schirgiswalde, Neugrischn Lawalde.

Neugierschdurf dass. wie Gierschdurf!

Neuhoammer ohne Genus, veralt. m. `Neuhammer´. 1. Ortsteil der Gemeinde Rietschen im °GR. - 2. bis 1945 zur Görlitzer Heide gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Jagodzin´.

Neuhof `Neuhof (Ort der Gemeinde Burkau im °BZ)´; de Neuhofer.

Neujuhr n. `der erste Tag im neuen Jahre´; zu Neujuhre de Grußemutter besuchn. Lautf.: Neujohr Ostlausitz, Neujoahr Westlausitz, Neulausitz.

Neujuhrschnacht f. `Neujahrsnacht: Nacht vom 31.Dezember zum 1.Januar, Silvesternacht´. Lautf.: Neujohrschnacht Ostlausitz.

Neukarch, Neukirch siehe Neunkarch!

Neukraatschn m. `Neukretscham´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ort östlich der Neiße, poln. `Nowa Karczma´.

neumelk Adj. Jonsdorf, Cunewalde `(nach dem Kalben) wieder Milch gebend´; de Kuhe is neumelk, anne neumelke Kuhe. Lautf.: neumelkn Burkau, neumalk Westlausitz, neumalkn mnOstlausitz.

neumodsch Adj. abwert. `neumodisch, neuartig, modern´; du hoast oack neumodsche Graupm an Kuppe.

Neumond m. `von der Sonne unbeleuchteter Mond´; ´n Tag noa´n Neumonde gih´ch zer Streechfroon. Vgl. Neuer Mond!

Neundurf n. od. ohne Genus, 1. Ober- u. Niedercunnersdorf, Altbernsdorf `Neundorf a. d. Eigen (Ort der Stadt Herrnhut im °GR)´; die is aus´n Neundurfe, mer kumm vun Neundurfe bis do har, de Neundurfer `die Einwohner von Neundorf´. - 2. `Nieder Neundorf (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´.

neune `neun´; Ausruf der Überraschung, des Erschreckens: Oach, du griene Neune!

Neunkarch `Neukirch´. 1. Ort u. Gemeinde im °BZ; de Neu(n)karcher Schmölln `die Einwohner von Neukirch´; se machte wieder heeme noa Neunkarch; Redensart, womit die Steinigtwolmsdorfer u. Wehrsdorfer wegen ihrer Sprache die Neukircher foppen: A Neunkarch gibbt´s Karschn zar Karmst; Neunkarcher Kurn. Lautf.: Noannkerch, Noanngerch Steinigtwolmsdorf, Neukarch,  Neu-, Neun-, -karch, -kirch, -kurch, -kerch, -koarch Westlausitz. - 2. Neukoarch (Ort und Gemeinde bei Königsbrück im °BZ); de Neukircher od. Neukoarcher `die Einwohner von Neukirch´.

neunmolgescheut Adj. Bihms Koarle `neunmalgescheit: überklug, alles besser wissend´.

neunneunzch Zahladj. `neunundneunzig´; do fahln mer doa glei neunneunzch Pfennge zer Moark!

Neusaalz (Betonung der 1.Silbe) 1. `Neusalza´ (Teil der Stadt Neusalza-Spremberg im °GR); de Neusalzer `die Einwohner von Neusalza´; Spottname: Schusterstaadtl. - 2. `Neusalza-Spremberg (Stadt im °GR)´. Siehe auch Spraamerch

Neuschiene `Neuschönau (Ortsteil der Gemeinde Großschönau im °GR)´; de Neuschinner `die Einwohner von Neuschönau´.

Neuschier f. `Neugier´. Lautf.: Neuschur Nordböhmen.

neuschierch Adj. Südlausitz `neugierig´; Neuschierche `Schaulustige, Katastrophentouristen, Gaffer´, RA: die is neuschierch wie gaaler Hihnerdraajk od. wie Schmidts Ziege. RA: Neuschierch bie´ch ne, will aber oalls wissn.

Neuschierche f. Cunewalde `Neugier´.

Neuschierchekeet f. Neugersdorf dass. wie Neuschierch(e).

neuschierchn swv. Niedercunnersdorf, Cunewalde `seine Neugier befriedigen´; ´s Nubbermaajdl heiroat, kumm oacke, mer gihn zer Kirche neuschierchn! Lautf.: neugierchn.

Neuschimmbern `Neuschönbrunn (Ort der Großen Kreisstadt Bischofswerda im °BZ)´.

Neuscht f. wSüdlausitz, Hintere Sächsische Schweiz, Westlausitz `Neustadt/Sachsen (Stadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)´, ihr giht ei de Neuscht; ´s Neuschter Schissn `das Neustädter Schützenfest´; ´s blitzte und dunnerte wie ei dr Neuscht zun Voglschissn; de Neuschter `die Einwohner von Neustadt´.

Neustaadtl n. söOstlausitz `Neustadt an der Tafelfichte (Nové Město pod Smrkem) in Nordböhmen´; ne weit vo Neustaadtl unner dr Toflficht.

neuwoaschn Adj. `frischgewaschen, sauber, frisch gebadet´; se hoat´ch neuwoaschn oaagezoin; du sist su neuwoaschn aus, hoast de geboadd?

ni siehe ne!

ni werr (ni betont) siehe nu werr!

Nicke f. Görlitz `altes, schadhaftes od. stumpfes Messer´.

Nickerch m. Dim. Nickerchl n., Nickerchn n. `Schläfchen´; ann Nickerch machn `kurz schlafen´.

Nickerz `Hagenwerder (Ort der Kreisstadt Görlitz mit der alten Bezeichnung Nickrisch im °GR)´; de Nickerzn `die Einwohner von Hagenwerder´. Lautf.: Nickersch.

Nickl m. n. `Nikolaus´; siehe auch Niklaus!
Nickl n. `Karnickel, Kaninchen´; Nicklfaalchl `Karnickelfell´; Nicklverein `Kaninchenzüchterverein´.
Nickl Pl. Süd- u. Westlausitz `weibliche Brüste´; die hoat Nickl wie a Kunfermandl `die hat kleine Brüste wie eine Konfirmandin´, mei Maajdl hoat keene loappchn Nickl, die hoat sterzche `meine Freundin hat keine schlaffen Brüste, die hat abstehende´.

Nicklhaaler m. `Büstenhalter, Brusthalter, enges Mieder´, auch Nicklhäber, Koallchlroaffer od. Kließlroaffer!

Nicklkiste f. `Kaninchenstall´.

Nicklsdurf `Nikolausdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ort östlich der Neiße, poln. `Mikulowa´. Lautf.: Nickldurf.

nickn swv. mdal. `am Tage etwas schlafen´.

niddln siehe nuddln!

nie siehe ne!

nie ne Adv. doppelt verneint, `niemals´.

nieber `hinüber´ 1. Adv. gesamte OL (außer Oberland, da heißt es auch rieber) `von hier nach dort drüben´; a is nieber `er ist in den Westen geflüchtet´. - 2. nieber- Adverbialpartikel in zahlreichen unfesten Verbzuss. (im Oberland auch -rieber) `hinüber´; nieberhuppm, iech hoa de Kihe niebergetriebm `ich habe die Kühe über ein Hindernis, eine Straße, einen Bach usw. getrieben´. Lautf.: niewer.

nieberzu(s) Adv. `hinüberzu(s), auf dem Wege vom Sprecher weg´; nieberzu hoa´ch miech miher geschunn oas wie retur. Lautf.: nieberschzu(s) Ostlausitz.

Nieche ohne Genus, veralt. f. `Niecha´, alte Bezeichnung des Ortsteiles Buschbach des zur Gemeinde Markersdorf gehörenden Ortes Jauernick-Buschbach. im °GR.

Niede ohne Genus, veralt. f. `Nieda, Wolfsberg´, bis 1945 zum Kreis Görlitz gehörender Ort östlich der Neiße an der Wittig, poln. `Nedow´.

nieder 1. Adverbialpart. in Verbzuss., wobei das Wort die Bedeutung `(von oben) nach unten´ hat; niederknittln, niederknien. - 2. Adj. a. lokal `unten, tiefer gelegen´; de nieder od. niedere Kinnloade, dr nieder(e) od. Niederkraatschn, de niederste Reige. - b. zur Bezeichnung einer sozialen Reihenfolge `tiefer stehend, untergeordnet´; is niedere Vulk. - c. Bezeichnung für den tiefer gelegenen Teil des Dorfes; mei Bruder wohnt an niedern Durfe od. an Niederdurfe. Vgl. niederch!

Nieder Hoalbmdurf `Nieder Halbendorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Mala Wies Dolna´.

Nieder Neundurf `Nieder Neundorf (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´. Siehe auch Neundurf!

Nieder Rusdurf `Nieder Rudelsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Wrociszow Dolny´.

Nieder Seierschdurf  `Nieder Seifersdorf (Ort der Gemeinde Waldhufen im "GR)´. Siehe auch Seierschdurf!

niederbeench(t) Adj. msOstlausitz `kurzbeinig, kleingewachsen´; anne niederbeench(t)e Heedekuh `kurzbeiniges Mädchen aus dem Oberlausitzer Heideland´.

niederch Adj. `niedrig´. 1. wie litspr. `nicht hoch´; de Stubbdecke is niederch; niederche Schicher `Halbschuhe´. - 2a. lokal `unten, tiefer gelegen´; de Äppl hängn oan niederchn Ästn. - b. zur Bezeichnung einer sozialen Reihenfolge `tiefer stehend, untergeordnet´; is niederche Vulk; doaas is a gemeener Moan, dar is benn Huchn und benn Niederchn oaagesahn `das ist ein volkstümlicher Mann, der bei den Großen dieser Welt und den Kleinen angesehen ist´. - c. Bezeichnung für den tiefer gelegenen Teil des Dorfes und dessen Bewohner; de Äberchn und de Niederchn hoann´ch wieder amol a dr Wulle; ´s äberche und´s niederche Schissn `das Schützenfest im Oberdorf und im Niederdorf´.

Niedercunnerschdurf `Niedercunnersdorf (Ort der Gemeinde Kottmar im °GR)´; de Niedercunnerschdurfer od. Cunnerschdurfer `die Einwohner von Niedercunnersdorf´. Siehe auch Cunnerschdurf!

Niederdurf n. `tiefer gelegener Teil, unteres Ende des Dorfes´; mei Bruder wohnt an Niederdurfe, de Niederderfschn od. Niederdurfschn, scherzh. auch de Niedern od. Niederchn `Einwohner des unteren Dorfteiles´.

Niederecke f. `tiefer gelegener Teil, unteres Ende des Dorfes´; de Niedereckchn (Niedercunnersdorf) od. Niedereckschn `die Bewohner des Niederdorfes´.

Niedergurch `Niedergurig (Ort der Gemeinde Malschwitz im °BZ)´.

Niederland n. 1. `tiefer gelegenes Land´; RA: ´s gibbt ne oack an Niederlande Koatzn, o an Äberlande `ich bin auch nicht dumm´. - 2a. `der nördliche, tiefergelegene Teil der Oberlausitz´; se stoammte aus´n Preißchn, aus´n Niederlande, aus ann Durfe hinder Gerlz. - b. bihmsches Niederland `Schluckenauer Zipfel in der Tschechischen Republik´. - c. `Niederlausitz´.

Niederlichtn `Niederlichtenau (Ortsteil der Gemeinde Oberlichtenau im °BZ)´; de Niederlischn `die Einwohner von Niederlichtenau´.

Niedern Pl. `Niederen, Unteren, Unterzähne, Einwohner des Niederdorfes´; a weiste de Niedern `er war sehr zornig und zeigte die Zähne des Unterkiefers´.

Niederoybm m. `Niederoybin (tiefer gelegene Teil des Kurortes Oybin im °GR)´. Siehe auch Schurf!

Niederrrihr n. söSüdlausitz dass. wie Niederrihre.

Niederrihre f. Südlausitz ohne dem SO `Brat-, Backröhre im Kachelofen; untere Ofenröhre´; Gegensatz zu Äberrihre.

Niederschalchl n. Neugersdorf, Oderwitz `Untertasse´. Siehe auch Schalchl!

Niederschuh m. Pl. veralt. Niederschuhe, -schicher `Halbschuh´. Lautf.: Niederschuhch.

Niedersteene siehe Steene!

Niederstube f. Dim. Niederstiebl `Wohnraum im Erdgeschoss´, die sitzt a dr Niederstube od. a dr niedern Stube.

Niederwittch(e) (f.) `Niederwittig´, tsch. `Dolni Vitkov (Ort in Nordböhmen)´.

niedlich Adj. 1. sSüdlausitz `überaus feinfühlig, empfindlich, leicht reizbar´; ba dar musst de jeds Wuhrt uff de Guldwooge län, die is goar niedlich. - 2. Anton `zum Nörgeln und Murren geneigt´. Lautf.: niedlch.

niedln siehe nuddln!

Nies´che ohne Genus, veralt. f. `Niesky (Große Kreisstadt im °GR)´; noa Nies´che `nach Niesky´; de Nies´chn `die Einwohner von Niesky´. Lautf.: Nieske.

Nießer m. wKürzung `Eichelhäher´.

nießlch Adj. Bihms Koarle `geizig, habsüchtig´. Lautf.: neeßlch, genießlch, geneeßlch.

nießldrähtch siehe messldrähnde!

Nieslpriem siehe Nisslpriem!

niesn swv. wie litspr. `niesen´. Gesundheit wünschen beim Niesen: „Half dr Gutt zun Niesn, wenn de Kuche hoast, do ieß´n!“ oder „Half dr Gutt zu ann klenn Jungn oder zu tausnd Toalern!“

nietch Adj. `nötig, notwendig´; mer fahln de nietchn Zähne derzu; die hoat´s aber nietch `die ist lüstern´. Lautf.: neetch.

nietchn swv. `nötigen, zu etw. auffordern, bedrängen, bitten´; lang oack zu und luss dch ne nietchn!

niffln swv. selt. `reiben, wetzen, (ab)schaben, sich an etw. reiben, sich an etwas scheuern (und dabei Ausschau nach Neuigkeiten machen´; se nifflte hindern Vurhange rim.

Niklaus m., auch Nickl `Nikolaus´ 1. Rufname. - 2. `volkstüml. Gestalt mit großer Mütze, langem Gewand und wallendem Bart, die in den Frühmorgenstunden des 6.12. den folgsamen Kindern Äpfel, Nüsse, Pfefferkuchen u. Süßigkeiten in die Schuhe od. Strümpfe steckt´ (nach einem als katholischer Heiliger verehrten Bischof); Lieber Niklaus zoig´s Rickl aus, zoig´s Pelzl oaa, dr Winter kimmt roaa! In den Zwölfnächten zwischen Weihnachten und dem Hohen Neujahr lieferte früher der Sankt Nikolaus, mdal. Sandnickl n., kleine Geschenke nach. - 3. `Tag (6.12.), an dem nach altem Brauch der Nikolaus kommt und die Strümpfe und Schuhe füllt.

Nille f. 1. verstr. `aus der Nase hängender Nasenschleim´; Rooznille. - 2. Hirschfelde Süd- u. Westlausitz `ausfließender Speichel (bei Kleinkindern)´.

Nillge f. Ober- u. Niedercunnersdorf 1. `Lilie (Lilium candidium L.)´; Nillgnstängl. Siehe auch Dukternillge! - 2. Seifhennersdorf `(gelbe) Narzisse (Narcissus pseudonarcissus L.)´; ´s gibbt gaale und weiße Nillchn od. Nillcher. Lautf.: Nillje, Nillche.

nilln swv. 1. `den Nasenschleim laufen lassen, den Nasenschleim durch kräftiges Ausatmen abwerfen´; auch rutzn od. roozn!  - 2. selt. `Speichel aus dem Mund laufen lassen´.

nim Adv., als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. `hinum, hinwärts um etw., herum, hinüber´; rim und nim, irscht misst´ch dreimol im´s Ringl nim, gih oacke schunn nim!

ninglch Adj. `stände leise weinend; weinerlich (Kinder)´.

ningln swv. `ständig (leise) weinen (Kinder)´; dei Geningl is ne auszuhaaln!

nippln swv. 1. `schluckweise trinken, nippen´; dann heeßn Koaffee koann´ch oack nippln. - 2. `leicht betrinken´; naajchtn hoann mer enn genipplt.

nirgln swv. Bihms Koarle `nörgeln´. Lautf.: nurgln, nergln.

Nischl m. 1. `Kopf´; mer brummt dr Nischl; mit´n Nischl vuhler Surgn. - 2. übertr. ` Dickkopf , Trotzkopf, Eigensinn´; a misste wieder senn Nischl ufsetzn.

Nischlbrumm n. `Kopfschmerzen´.

nischln swv. 1. `züchtigend beim Kopf nehmen, Kopfnüsse geben od. an den Haaren anfassen und ziehen´; zernischln. - 2. `jmdn (bes. Kinder) liebkosend beim Kopf nehmen´; luss dch oack amol nischln!

nischt Adv. `nichts´; do soi´ch nischt derzu! Mir nischt, dir nischt, ging´r wieder; in Verb. mit Präp. auch nischte od. nischtn; vu nischte od. nischtn wird nischt; du kimmst zu nischte od. zu nischtn; ´s roajcht noa goar nischtn; mir treemt vu nischte, wenn´ch schlofe (Lawalde). Verstärkung der Verneinung durch Verdoppelung: iech kumm zu nischtn ne; se kunnt´n nischt ne raajcht machn; dar wusste vu nischte nischt; die hoa zu nischte nischt kee Geschicke; die tutt kenn Menschn nischte (°NOL Horka). Lautf.: nischte Ostlausitz.

Nischtegutt m. Ostlausitz, Schlesien `Taugenichts, Nichtsnutz´.

Nischtl n. °BZ Sohland, Wehrsdorf `Karte ohne Zählwert, Niete´.

nischtnutzch Adj. `zu nichts nütze, unbrauchbar´; a nischtnutzcher Joanz; Arln und Weidn stunn uff ann sumpfchn, nischtnutzchn Bodn; doass nischtnutzche Gerimpl kimmt mer aus´n Gewelbe! Lautf.: nischtnitzch.

Nissl n. `kleine Nuss´. 1. auf Pers übertr. `(dummes) Kind´; du, Nissl, du, doaas weeß´ch oalleene!  - 2. übertr. `kleine Kartoffeln´; ´s gibbt gruße Abern, Soom und Nissl. Siehe auch Nuhß! - 3. selt. `der an dem oberen Ende eines Pfeifenrohres angeschraubte, aus Horn gedrechselte Bestandteil, in den die Pfeifenspitze geschraubt wird´. - 4. Ostlausitz `etw., was man sich extra gönnt; Süßigkeit´; siehe Zuckernissl!

Nisslpriem m. umg. `einfältiger, unbeholfener; verschlossener, mürrischer, unzugänglicher Mensch´. Lautf.: Nieslpriem.

Nister f. meist Pl. `Nüster: Nasenloch (bei Pferden)´; de Nistern ufblosn.

nistln swv. Kottmarsdorf, Oderwitz `anhaltend leicht schmerzen (Zähne)´.

Nitte f. Seifhennersdorf `Niete´.

nitze Adj. (nur präd.) `nützlich, brauchbar´; dar Karle is zu nischtn nitze; zu woaase nitze senn. Lautf.: nutze.

Nix m. Westlausitz `Wassermann, männl. Gegenstück zur Nixe (Sagen- u. verstr. Schreckgestalt)´; Woassernix.

Nixe f. `weibl. (böser) Wassergeist (Sagen- u. verstr. Schreckgestalt)´; Woassernixe, Boadenixe scherzh. `weibl. Person, die viel baden geht´.

no (gedehntes o) Westlausitz, Nordböhmen  siehe nooch `nach´! Ich foahre no (gesprochen noo) Polznz `ich fahre nach Pulsnitz´.

no (kurzes o) siehe nu (kurzes u)!

noa (kurzes oa) Präp. `nach´. 1a. als lokale Präp. in Verbindung mit einem Ortsnamen; noa Schimmch, iech foahre murne noa od. no (gedehntes o) od. nooch Gerlz (mdal. besser: iech foahre murne uff Gerlz). - b. als Präp. bei Angabe eines Zieles; mer gihn noa Milche, iech gih glei noa´n Pfoarrn `ich gehe gleich, um den Pfarrer zu holen´. - 2. als temporale Präp.; noa´n Assn gingn mer zun Nubber. Lautf.: na Schirgiswalde.Achtung! Das litspr. `nach´ als Präposition heißt in der Mundart noa (kurzes oa), no (langes o) od. nooch, das litspr. `nach´ als Adverbialpartikel in der Mundart ausschließlich nooch, anooch od. anoo, aber nicht noa; iech gih noa od. no od. nooch Biere; aber:  iech loof dir ne nooch, no (gedehntes o), anooch od. anoo.

noa (kurzes oa) Partikel `noch´; iech foahr murne noa amol a de Stoaadt. Lautf.: na Schirgiswalde.

noa woaas `wonach´; noa woaase roajcht´n doaas?

noaaß Adj. Komp. nasser Seifhennersdorf `nass´; de Wäsche is noa noaaß; pfetschenoaaß `pitschenass´; ´s macht noaaß `es regnet fein´; gleckenoaaß `so nass, dass es zur Tropfenbildung kommt´. Lautf.: noass Westlausitz.

noaatschch Adj. `weinerlich´. Lautf.: naatschch.

Noaatsche f. `weinerliches Mädchen´.

Noaatscherch m. `weinerlicher Junge´.

noaatscherch Adj. `weinerlich´.

noaatschn swv. `weinen, heulen´; hier oack uf mit Noaatschn!RA: Rooz und Woasser noaatschn.

Noaatschliese f. `weinerliches Mädchen´.

Noablleiern n. scherzh. `Leibschmerzen´.

Noahrche f. veralt. `Nahrung: ein Ackergut, wovon man sich ernährt´; dr Bihme hoatte anne Noahrche. Eine Gartennahrung bestand aus 2 bis 4 ha Land, die von einem "Gärtner" bewirtschaftet wurde und die eine Familie ernähren musste. Die Gärtner reihten sich sozial zwischen Häusler und Bauern ein. Lautf.: Noahrcht öKürzung.

Noajl m. Pl. Naajle Südlausitz od. Na(r)le Westlausitz) `Nagel´. 1. `spitzer Metallstift mit Kopf´; ´s woar a Noajl zu senn Soarge. - 2. `Finger-, Zehennagel´; iech hoa mer´n Fingernoajl eigerissn. Lautf.: Noarl Zittauer Gebirge Westlausitz, Noal Seifhennersdorf, Schirgiswalde, Noil Steinigtwolmsdorf.

noajln swv. `nageln´. Lautf.: noarln, noaln, noiln.

Noal siehe Noajl!

Noame m. Pl. Noam u. Nom (gedehntes o), Näme (Niedercunnersdorf, Dittelsdorf), Name `Name, Monogramm´; de Mutter hoat mer Name (oder Näme) a de Schnupptichl reigemacht.

noamhaftch Adj. `namhaft, bekannt´; a noamhoaftcher Dukter.

Noamittch (1.Silbe betont) m. `Nachmittag´, selt. Noamitts Süd- u. Ostlausitz.

noamittch Adv. `nachmittag, nachmittags´; iech kumm murne noamittch zu dir od. iech kumm murne noa´n Mittche zu dir. Lautf.: noamitts Bertsdorf, Zittauer Gebirge, Mergthal (Nordböhmen), Ostlausitz, namitts; noamettch Ohorn, noamittsch Schirgiswalde, noomitz Mückenhain.

Noamittchbänkl n. Eibau, Neugersdorf, °ZI Ebersbach `Bank vor der Haustür´; in der Wendung uff´m Noamittchbänkl sitzn bleibm `keinen Mann finden´.

Noamittchbratl n. Neugersdorf, Dittelsdorf, Jonsdorf `Bank vor der Haustür; als Sitzgelegenheit dienendes Brett zwischen den Umgebindeständern´; uff´s Noamittchbratl kumm `keinen Mann mehr bekommen, eine alte Jungfer werden´.

Noanngerch, Noannkerch (1. Silbe betont) siehe Neunkarch!

Noapp m. Dim. Nappl `Napf (aus Steingut); flache, kleine Schüssel od. Becher; Kompottnäpfchen´ (meist als Dim.); is Nappl is schunn wieder lär. RA: Se frassn doa oalle aus enn Noappe `sie vertreten geschlossen ihre gemeinsamen Interessen´.

Noappvll m. `Napf voll, voller Napf´; ann Noappvll Quoark.

Noarr m. `Narr´ 1. `törichter Mensch, Dummkopf´; zun Noarrn hoann `veralbern´; ann Noarrn droaa gefrassn hoann `etw. besonders schätzen´; Sprichwort: Huffm und Hoarn hillt (hoat) moanchn zun Noarrn. - 2 `verkleidete Person, Jeck´; Foaasnachtsnoarr.

Noarrheet f. `Narrheit: Unsinn, Abenteuer, Albernheit, Streich, Leichtsinn´; die toatn minander Noarrheetn machen.

noarrn swv. narren, irreführen, täuschen´.

Noase f. Dim. Nasl `Nase´. 1a. wie litspr. für das Geruchsorgan; de Bissn under dr Noase reisteckn; RA: Dann Karln muss mer immer irscht mit dr Noase druftunkn; RA: Iech hoa mit dir de Noase vul `ich habe es satt mit dir´; RA: Du reckst deine Noase hie, wu dr Hund mit´n Schwanze woacklt; RA: Musst de oaller Noasn langk gahnern `musst du immer wieder gähnen´; RA: Woaas a de Noase foahrn `sich über etw. ärgern´; RA: Luss dr ne oalls aus dr Noase ziehn! `Gib von alleine Auskunft! RA: Ne oalls uff de Noase binn `nicht alles mitteilen´; RA: De Noase a jedn Quoark steckn ´alles wissn wollen, sich überall hineinhängen´; RA: Luss dr amol draußn de Noase putzn `dich wird man in der Fremde schon klein kriegen´; anne kaale Noase `eine feuchte und errötete Nase´, die hoat anne kaale Noase (übertr. auf das weibl. Geschlechtsorgan) `die lebt sehr freizügig, die empfängt häufig Männer´. - b. `Geruchssinn, Spürsinn´; anne Noase fer woaas hoann. - 2. `hervorstehendes nasenförmiges od. hakenartiges Gebilde´. - 3. `geflügelte Frucht des Ahorns´; Noasnzwicker. - 4. wSüdlausitz `Tadel, Verweis´; anne Noase kriegn.

Noasnboom m. verstr. West- u. Ostlausitz, Schlesien `Ahorn´, nach den geflügelten Früchten benannt, die sich die Kinder auf die Nase kleben. Siehe auch Ahurn! Lautf.: Noaseboom.

Noasnfoahrroad n. `Nasenfahrrad´: scherzh. für `Brille´. Lautf.: Noasefoahrroad.

Noasnlooch n. Dim. Noasnlechl, Pl. Noasnlecher `Nasenloch´. Lautf.: Noasn-, Noase-, -looch, -luch, -loch.

Noasnpopl m. `verhärteter Nasenschleim´. Lautf.: Noasepopl.

Noasnstäberch m. dass. wie Noasnstieber. Lautf.: Noasnsteeberch Jonsdorf, Schirgiswalde..

Noasnstieber m. `Nasenstüber´. 1. `Stoß, Schlag (mit der Faust) auf die Nase´. - 2. übertr. `Ermahnung, Verweis´.

Noasnzwicker m. `geflügelte Frucht des Ahorns, die sich die Kinder zum Spaß auf die Nase kleben´. Lautf.: Noasezwicker.

noatschn siehe noaatschn!

Noatternjumpfer f. Großschönau, Nordböhmen `Natternjungfer: graue Eidechse´. Sie gilt im Volksglauben als das Weibchen der Natter. Lautf.: Noatterjumpfer, Noatter(n)jimpferchl.

Noattscherch m. `Quatschkopf´.

noattschern swv. 1. `bedeutungsloses Zeug erzählen, albern reden, plappern (kleine Kinder), quatschen´; die hoat genoattschert `die (weibl. Person) hat gequatscht und dabei etw. verraten´, Weibergenoattscher `Frauengeschwätz´. - 2. Wittgendorf `mit Spucke anfeuchten´.

nochern (kurzes o) Ostlausitz siehe noochern u. dernoochern!

nohnde Adj. `nahe´; nähnder, oan nähndstn od. nähnstn; ´s gitt mer salber sihre nohnde `ich bin ergriffen´; dei neues Auto war´ch mer amol vu nohndn beguckn, dr nähndste Waajg, ´s Flenn is mer nähnder oas wie is Lachn, de nähndste Frenndschoaft `die nächsten Angehörigen´.

Noht f. Pl. Nähte `Naht´. 1. wie litspr.; anne groade Noht machn; RA: enn uff de Nähte rickn `jmdm. nahe kommen, jmdn. durch die Nähe bei seiner Tätigkeit beeinträchtigen´. - 2. übertr. `Vielzahl, Menge´; anne Noht vertroin.

Noil siehe Noajl!

Nole f. Pl. Noln 1. `Nadel zum Stecken, Nähen´; Nähnole; RA: wie uff Noln sitzn. - 2. `Nadel am Baum´. Lautf.: Nulde Zittauer Gebirge u. söSüdlausitz bis Schlegel, Oppach, Taubenheim, °BZ Sohland, Noale Westlausitz, Nodl Ostlausitz, umg.

nooch Adverbialpartikel `nach´. 1. das räumliche Nacheinander bezeichnend `hinterher´; noochbläkn, noochsahn, dr Seeger gitt nooch od. anoo(ch). - 2. das zeitliche Nacheinander bezeichnend `fortsetzend u. zu Ende führend, wiederholend´; noo(ch)räum, noo(ch)rechn, noo(ch)soin, Abern noo(ch)lasn, nooch und nooch `allmählich´. Lautf.: noo- wSüdlausitz u. Westlausitz.

nooch Präp.  Neugersdorf, Wittgendorf `nach´; de irschte Kirmst nooch´n Kriege (Lawalde); iech foahre nooch Heenewaale, a giht nooch Sammln. Lautf.: noo, no (gedehntes o) Westlausitz, Nordböhmen, naa, na (gedehntes a) Sebnitz. Siehe auch noa!

noochäfften swv. `jmdm. etw. nachmachen, jmdn. nachahmen´; a äfft mer oalls nooch od. anooch.

noochern (1.Silbe betont) Adv. Spitzkunnersdorf, öKürzung `nachher: danach, später, dann´. Lautf.: noochert, noocherts Niedercunnersdorf, Neugersdorf, noochernde, nochern (kurzes o) Ostlausitz.

Noochgereche n. `die Heu- od. Getreidereste, die nach der Ernte liegengeblieben sind´, auch Noochgerechte.

Noochkumm n. Zittauer Gebirge `Nachkommen: die Nachgeburt der Kuh´.

Noochreche f. West- u. Ostlausitz dass. wie Noochgereche, auch Noochrechsl Seifhennersdorf, Jauernick.

noochrechn swv. `die bei der Ernte liegengebliebenen Heu- u. Getreidereste zusammenrechen´; mer rechn noo(ch). Lautf.: noorechn Westlausitz.

Noochschrift f. `Nachschrift von etwas Gesprochenem, Diktat´.

noochseegern swv. `nachgehen der Uhr´.

Noochteel n. `Nachteil´. 1. wie litspr. - 2. möSüdlausitz, z.B. Obercunnersdorf u. Wittgen-dorf `Nachteil: die Nachgeburt der Kuh´.

Noos m. `Noes (Teil der Stadt Rothenburg OL im °GR); zum Noos; Hundenoos (Spitzname).

Nootreibche f. Westlausitz dass. wie Nootreibl; die kemmt wull vun dr Nootreibche.

Nootreibl m. n. Ohorn `die Nachfeier von einem großen Fest´; ich bie zun Nootreibl von dar Hockst eingelan. Auch Nootreibche.

nor Adv. mnwWestlausitz, Ohorn und nördlich davon (statt ock od. oack) `nur´; komm nor! (In der Südlausitz heißt es: Kumm oacke!)

nu (kurzes u, bei Betonung gedehnt) Partikel `gedankenloses, unbedeutendes ja, hm, genau´. "Hoast de de Schuloarbeitn schunn gemacht?" - "Nu!". "Nu, nu!" Intensive Verneinung: Nu nee! `niemals, keinesfalls, aber nein!´ „Bie´ch dr erne zu zeitch iebern Hoals gekumm?“ - „ Nu nee, mir hoann schunn lange uff Diech gewoarrt!“ Lautf.: no (kurzes o), noa (kurzes oa).

nu (gedehntes u bei Betonung, z.B.: kumm oack nu! Kurzes u bei unbetontem Wort, z.B.: nu kumm oacke!) `nun´. 1. Adv. `jetzt, endlich´; de Kirmstgäste senn furt, nu (anu) kinn mer schluffm gihn; itze nu ne mih. Lautf.: anu. - 2. partikelhaft, als belebendes, verstärkendes Element mündlicher Rede, z.B. zur Verdeutlichung des Fortschreitens der Handlung; wie mer nu uff Drasn fuhrn, ... - 3. als Interj. vor Grüßen , Anreden, Fragen, Ausrufen, wichtigen Meinungsbekundungen; nu hurch oack amol har! Nu do! Nu nee, de Plumpmrichtern labt noa! Nu frei! Bertsdorf `nun freilich´.

nu werr (kurzes u) unbedeutendes Interrogativpron. (Fragewort) `nicht wahr´, eine positive Antwort od. Zustimmung herausfordernd, "nu werr, deine Eldern zankn ne mit dir?" Lautf.: ni werr Oberlichtenau, ne werr, noa werr, nu wuhr, nu woahr.

Nubber m. `Nachbar´, Gen.Sing.: Nubbersch, Pl.: Nubbern od. Nubberschleute, der Pl. Nubbersch bezeichnet die Angehörigen der Nachbarfamilie; iech gih amol uff ann Roaps zu Nubbersch; Nubberweiber, Nubberschoaft, Nubberderfler, Nubberdurf; RA: Dr Nubber oa dr Wand is besser wie dr Bruder ieber Land. Lautf.: Nobber Schirgiswalde, Westlausitz, Nuppern nOstlausitz, Schlesien.

Nubberhurchn n. `Nachbarhorchen: heiratswilliges Mädchen horcht in der Andreas- od. Neujahrsnacht am Fenster des Nachbarn und deutet aus den gesagten Worten ihre Zukunft´.

Nubbern f. `Nachbarin´.

nubbern swv. Seifhennersdorf, Nordböhmen in der Wendung nubbern gihn `abends zu den Nachbarn gehen, um sich mit ihnen zu unterhalten´, hinte gih mer nubbern.

Nubbernboall m. `abendliches Tanzvergnügen im Dorfgasthof (in der Fastnachtszeit), an dem nur verheiratete vollwertige Gemeindemitglieder, also Nubbern, teilnehmen dürfen´; an Kraatschn is heut Nubbernboall; Form: Nubberboall.

Nubberschfrooe f. `Nachbarin´; Pl.: Nubberweiber.

Nubberschleute f. `Nachbarn´. Lautf.: Nupperschleute nOstlausitz.

Nubberschmoan m. `männl. Nachbar´.

Nubberschoaft f. `Nachbarschaft´; gude Nubberschoaft haaln. Lautf.: Nobberschoaft Westlausitz.

Nuchtn `Nochten (Ort der Gemeinde Boxberg im °GR)´.

nuck, nuck! Interj. `Lockruf für Kaninchen´. Lautf.: nucke-nucke!

Nucke f. siehe Koarnickl!
Nucke f. meist Pl. Nuckn, Dim. Nuckl od. Nickl Südlausitz `weibliche Brust´; die hoat a Poaar Nuckn droaa! Siehe auch Nickl!

Nucker m. siehe Koarnickl!

Nuckl n. `kindlicher Name für Kaninchen´.

Nuckl m. n. umg. `Nuckel: Schnuller´.

Nucknhäber m. Südlausitz scherzh. `Büstenhalter´, auch Nickl- od. Nucklhäber. Häufiger Kließlroaffer!

Nucknroaffer m. Südlausitz scherzh. `Büstenhalter´, auch Nickl- od. Nucklroaffer.

Nucksch m. 1. siehe Koarnickl. - 2. Nordböhmen `kleines Schwein, Ferkel, Frischling´.

nuddln swv. 1. `als sehr lästig empfundene eintönige Musik abspielen´; dar lässt ´n ganzn Tag sei Kastl nuddln. - 2. `auf die Nerven gehendes Weinen´ ; Spottv.: Nuddl, nuddl Leiersaak (Dudlsaak), murne is a Feiertag, iebermurne wieder enn, sunst de ganze Wuche kenner. - 3. `drehen, leiern, rütteln, schlagen´; die aale Moaschiene nuddlt immer noa; ausgenuddlt, oabgenuddlt. Lautf.: nujgln Oberland, nujddln Obercunnersdorf; niedln Westlausitz, niddln West- u. Ostlausitz.

Nudl f. 1. wie litspr. `Teigware von länglicher Form´ - 2. übertr. in Verbindung mit einem Attr. `Person´; lustche, putzche, trauerche Nudl.

Nudleibe f. siehe Eibe!

Nudlgultsch m. `Nudelholz´, siehe auch Mandlgultsch 2.

nudln swv.; Ganse nudln `Gänsen Nudeln durch den Schlund schieben, um sie zu mästen´; übertr. iech bie (wie) genudlt `ich habe sehr viel gegessen und kann mich kaum noch bewegen´.

Nudlseeger m. Obercunnersdorf, Eibau `Durchschlag: emailliertes Blechgefäß mit siebartig durchlöchertem Boden, das zum Abgießen von Nudeln verwendet wird´.

Nudltoop m. `Nudeltopf´; RA: zugihn od. senn (sein) wie an (in, ein, enn) Nudltuppe `es wimmelt von Menschen´. Lautf:. Nudltupp, Nudltopp.

nuff 1. Adv. `hinauf, hoch´; nuff as Äberdurf; de Treppstuffm nuff; im Oberland u. der Ostlausitz auch ruff. - 2. nuff- als Adverbialpartikel in zahlreichen unfesten Verbzuss.; nuffbläkn, nuffgihn, nuffkraajgln `hinaufklettern´, nuffziehn. Lautf.: noff.

nuffzu(s) Adv. `vom Standpunkt des Sprechers aufwärts, bergauf´, im Oberland auch ruffzu(s); uff nuffzu.

Nuhß f. Pl. Nisse, Dim. Nissl. `Nuss´. 1. wie litspr.; Hoaslnisse, welsche Nisse `Walnüsse´, Nuhßboom. Kinderreim: Bim baum, Äppl und Pflaum, Birn und Nisse schmeckn sisse um Zittau. - 2. übertr. `Bonbon, Zuckerzeug´; Zuckernissl. - 3. übertr. `Hoden´. - 4. übertr. `Kopf´. - 5. `Kopfnuss´. Siehe auch Nissl!

Nuhsche siehe Nusche!

Nuhßhaajkl m. msSüdlausitz, Nordböhmen `Eichelhäher´. Lautf.: Nuhßhäkl, Nuhßhäckl, Nusshäckl.

Nuhßhacker(ch) m. verstr. `Eichelhäher´. Lautf.: Nusshacker(ch), Nusshäcker(ch).

Nuhßhacksch m. Cunewalde, auch Ober- u. Niedercunnersdorf `Eichelhäher´.

Nuhtsch siehe Nutsch!

Nuhtscherch siehe Nutscherch!

nujddln siehe nuddln!

Nulde siehe Nole!

Null f. `Null´; dar hoat anne Nulle `der hat einen runden Geburtstag´; under Null `Minusgrade´, ieber Null `Plusgrade´.

Nulpe f. 1. `Niete, Trottel, Versager´; dostihn wie Nulpe. RA: wie Nulpe tun `sich unwissend stellen, unschuldig tun´. - 2. Schlesien `Tabakspfeife´.

nulpern, nulpm swv. Dürrhennersdorf, Seifhennersdorf, Wehrsdorf `saugen am Euter (Jungtiere) od. an der Pfeifenspitze (Raucher)´.

Numml f. Seitendorf b. Zittau dass. wie Lumml u. Nusche!

Nummer f. 1. wie litspr. - 2. umg. keene Nummer hoann `unter dem Pantoffel stehen´, anne Nummer machn `Geschlechtsverkehr ausüben´.

Nummerbratl n. Obercunnersdorf `Nummernbrettchen: die in der Kirche aufgehängte Tafel, auf die zum Gottesdienst oder zur Beerdigung die Liednummern gesteckt wird´; dar wird wull baale uff´s Nummerbratl kumm `der wird wohl bald sterben´.

nunder auch Thomas `hinunter´ 1. Adv. `von hier oben nach unten´; meine Frooe is is Durf nunder; im Oberland auch runder. - 2. nunder- als Adverbialpartikel in zahlreichen unfesten Verbzuss.; iech gih an Kaller nunder, nundergleckn. Lautf.: nunner Hirschfelde, nunger Neukirch, Steina. Siehe auch runder!

nunderzu(s) Adv. `abwärts, bergab´; (uff) nunderzu. Lautf.: nunderschzu Ostlausitz, nungerzu Sächs. Schweiz.

Nunnefetzl n. dass. wie Nunnefirzl!

Nunn(e)firzl n. (nur im Pl.) `Nonnenfürzlein´. 1. um Görlitz, Schlesien `kleine Pfeffernüsse, die früher in Nonnenklöstern gebacken wurden´. Siehe Pfaffernissl! In anderen deutschen Landstrichen auch Schmalz- oder Makronengebäck. - 2. Neusalza-Spremberg, Oberland `etw. Leckeres´; dar will o oack immer Nunnefirzl frassn; a krigte gebrotne Nunnefirzl viergesoatzt. Lautf.: Nunne-, Nunn-, -firzl, -ferzl, -farzl; Nunnfetzl Niedercunnersdorf, Nunneferzl Neugersdorf, Nunnfatzl Neugersdorf.

Nunn(e)pinktl n. (nur im Pl.) Taubenheim, °BZ Sohland `kleine Gegenstände; kleine unbedeutende Dinge od. Lebewesen´.

Nunnklunzn Pl. `Nonnenklunzen: Nonnenfelsen im Zittauer Gebirge´. Siehe Klunze!

Nuppe f. `Noppe, knotenartige Verdickung in Garnen und Geweben, Wollknötchen´; vgl. Pfucke!

Nuppl m. n. Anton, Särichen `Sauger für das Kleinkind, Schnuller´.

nuppln swv. verstr. bes. Ostlausitz `saugen, trinken (Kleinkinder u. Jungtiere an der Mutterbrust, den Zitzen, dem Schnuller, den Fingern)´.

nuppm swv. `noppen: Knoten aus dem Gewebe entfernen, Faserbüschel wegzupfen´.

Nuppmmasser n. `Noppenmesser: Messer zur Beseitigung der knotenartigen Verdickungen in der gewebten Ware´.

nurkln swv. West- u. Ostlausitz `mit stumpfem Messer schneiden; ungeschickt, ungleichmäßig abschneiden´. Lautf.: nurgln.

Nusche (gedehntes u) f. söSüdlausitz, Ostlausitz, vereinzelt Westlausitz `altes, stumpfes Messer´.

nuschlch (gedehntes u) Adv. `genuschelt: undeutlich (mit halbgeschlossenem Mund) gesprochen´.

Nusshaakjl siehe Nuhßhaajkl!

Nut f. `Not´; ´s woar im hibbsche Maajdl Nut `es fehlten hübsche Mädchen´; Scherzreim: A dr Nut frisst ees de Wurscht o ohne Brut. Sprichwörter: Nut is´n Guttsenn Tud `Not ist der Liebe Tot´; a dr Nut frisst dr Teifl Fliegn.

Nutgruschn m. `Notgroschen: kleine, für den Notfall ersparte Geldmenge´.

Nutnoajl m. `Notnagel: Lückenbüßer´; ´n Nutnoajl machn. Lautf.: Nutnoal, Nutnoarl.

Nutpfennge Pl. `Notpfennige: kleine, für den Notfall ersparte Geldmenge´; de Grußemutter hoat de Nutpfennge an Wullstrump gestackt.

Nutsch (gedehntes u) m. Dim. Nutschl 1. Obercunnersdorf `Sauglappen mit eingewickeltem aufgeweichten Brot od. gebrühter Semmel mit klarem Zucker zur Beruhigung der Kleinstkinder´, auch Nutschfleckl Eibau. - 2. übertr. `Schnuller, Zulp, Gummi-, Flaschensauger´. - 3. Niedercunnersdorf `weiche (saure) Gurke zum Essen´, auch Zutsch.

Nutsche (gedehntes u) f. Neugersdorf dass. wie Nutsch.

Nutscher (gedehntes u) m. dass. wie Nutsch u. Nutscherch!

Nutscherch (gedehntes u) Cunewalde, Burkau 1. dass. wie Nutsch; nimm oack ´n Nutscherch aus´n Guschl! - 2. übertr. Neugersdorf `Tabakspfeife, bes. Mundstück der Tabakspfeife´.

nutschn (gedehntes u) swv. `lutschen, saugen´.

nuttln siehe nuddln!

nutwendch Adj. Adv. `notwendig´; iech misst ganz nutwendch amol uff´s Hittehäusl.

nutze Adj. siehe nitze!

nuwerr siehe nu werr!