Sie sind hier :
  1. L

La

laajgerch Adj. `zum Liegen bestimmt od. gezwungen´; bettlaajgerch.

laatsch (gedehntes a) Adj. `schief´; a laatsches Fuder Futter geloadd, anne laatsche Gusche; do zoigst de wieder anne lätsche Loaffe.. Lautf.: lätsch (gedehntes ä) Neukirch.
laatsch (gedehntes a) Adj. `fade, abgestanden, schlecht gewürzt, weichlich´. Lautf.: loaatsch Jonsdorf, Oberlichtenau, lättsch Schirgiswalde.

laatschbeench (gedehntes a) Adj. verstr. `schleppend gehend, krummbeinig, zwei unterschiedlich lange Beine besitzend´; benn Suldoatn warrn se diech wull ne miegn, weil de laatschbeench bist. Lautf.: laatschbeencht.

Labander (2.Silbe betont) m. verstr. Ostlausitz `großer Kerl´.

labendch siehe labmdch!

Laber f. `Leber´; RA: Anne Laus ieber de Laber loofm `schlecht gelaunt sein´; enn de Laber iebergihn vor Ärger; a redd´ch oalls vu dr Laber runder `er redet ohne Hemmungen´.

Laberblieml n. `Dreilappiges Leberblümchen (Hepatica nobolis)´; ein Märzblüher.

Laberwurscht f. Dim. Laberwirschtl `Leberwurst: aus gekochter Leber u. Speck bestehende, leicht geräucherte Wurst´; mer huttn heute zu Mittche gebrutte Laberwirschte; die leeft rim wie anne eigesackte Laberwurscht! RA: de beleidchte Laberwurscht spieln `(ohne Grund) gekränkt, beleidigt sein´.

Labm n. `Leben´. 1a. `Dasein, Existenz im Gegensatz zum Tod´; RA: ´s hoalbe Labm (droaa) wogn `sich einer Gefahr aussetzen, um etw. zu erreichen´; ´s Labm is kurz und beschissn wie a Kinderhemde. - b. `Lebenszeit, -dauer´; zeitslabms. - c. `Lebensverhältnisse´; doaas bissl Labm. - d. `Lebenskraft, Unternehmungsgeist´; a sitt aus wie´s Labm salber `er sieht sehr gesund und unternehmungslustig aus´; is is Labm noa munter? - 2. übertr. `lebhafte Tätigkeit, Betrieb, Bewegung, Stimmung´; Labm a dr Bude, Labm under dr Bluse. Lautf.: Lahm Hinterhermsdorf.
 
labm swv. `leben´; Ausruf: Nee, nee, wu lab mer denne! RA: zun Labm zu winngk und zun Starbm zu vill; lab (mer) gesund `leb wohl´; Abschiedsgruß: Labt oack gesund, doaaß mer´ch iebersch Juhr wieder sahn! Volksreim: Mer labm abm wie mer labm, aber labm miss mer abm.

labmdch (1.Silbe betont) Adj. `lebendig, lebend´; RA: Nimm´s oack vu Labendchn, vu Tutn krigst de nischt! Lautf.: labendch (2.Silbe betont), labendsch Zittauer Gebirge, lamdch Westlausitz, lawendch Westlausitz.

Labmslust `Löbenslust (poln. Zareba)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ortsteil von Lichtenau.

Labmsoart f. `Anstand, Benehmen; keene Labmsoart hoann. Lautf.: Lamsoart.

Lache (kurzes a) f. `Art zu lachen´; anne dreckche Lache oaaschloin.

Lachkoaffee m. veralt. `Lachkaffee: Kaffeegesellschaft´, wenn eine Frau einen Patenbrief erhalten hat, gibt sie ihren Freundinnen einen Lachkaffee´.

Lachrämpfl n. `Anschnitt des frischen Brotes´. Lautf.: Siehe Rämpfl!

Lachschnoaps m. veralt. `Lachschnaps: Trinkgelage, das ein Mann ausrichten muss, der einen Patenbrief erhalten hat´.

Lackl m. abwert. `männl. (junge) Person, (ungeschickter, ungeschliffener, eingebildeter, großer) Bursche´; a bihmscher, dummer od. ufgedunnerter Lackl. Lautf.: Lakl (gedehntes a).

Lacksteckl n. Niedercunnersdorf `Goldlackstaude (Cheiranthus cheiri)´.

lädch (gedehntes ä) Adj. Süd- und Westlausitz, Sächs. Schweiz 1a. `ledig, unverheiratet´; die is noa lädch. - b. `einzeln, nicht paarweise vorhanden´; a lädcher Loaatsch, a lädches Pfard `ein Pferd ohne Reiter´. - 2a. `leer, mit leerem Magen´ söSüdlausitz, wSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz drei lädche Säcke; a liädcher Woajn;l ädch zer Kirmst oabrickn.  - b. Westlausitz `umsonst, vergeblich´; mer sein im´s Lädche gewast. Lautf.: ledch, ledsch Jonsdorf, liädch, lädsch.

Lader n. `Leder´. 1. `gegerbte Tierhaut´; Oarsch-, Sau-, Schofs-, Booklader. - 2. übertr. `Haut des Menschen´; dar will mer as Lader `der will mich verprügeln´; enn ne vun Lader gihn `jmdn. nicht in Ruhe lassen´; RA: enn uff´s Lader rickn `jmdn. aufsuchen´; RA: vern od. vun Lader ziehn `in aggressiver Form seine Meinung sagen´. - 3. `Wurstpelle´.

Laderch (gedehntes a) m. Burkau `großgewachsene männl. Pers.´; a langer Laderch. Lautf.: Läderch Steina, Oberlichtenau.

Laderhosn f. `Lederhosen´; scherzh. Volksreim: Laderhosn, doaas senn Hosn, wu de koannst ann Foarz reiblosn.

Laderloaatsch m. `Lederlatsch, Lederpantoffel´, Pl.: Laderloaatschn, - loattschn od. ladern Loaatschn.

ladern Adj. `ledern´. 1. `aus Leder gefertigt´; wie anne bookladerne Schirze su gaale. - 2. `wie Leder, zäh, ausgetrocknet´; de Samml is ladern; a läte mir seine ladern Pfutn uff de Stirne. - 3. `eintönig, langweilig, steif´. - 4. `schleppend, langsam´; de Handierche ging ladern.

ladern swv. `(ver)hauen, urspr. wohl mit einem Riemen züchtigen´; durchladern, verladern, zerladern; a wullt´n ladern.

Laderschirze f. `Lederschürze´; (an Gesichte) wie anne gaale Laderschirze aussahn.

Laderschuhch m. Pl. Laderschicher `Lederschuh´.

Laderschurz siehe Schirzfaal!

Lädsche (gedehntes ä) f. veralt. öSüdlausitz, Ostlausitz `weibl. Hund´; Hundelädsche. Lautf.: Lädche, Leetsche.

Lähde f. `Lehde´. 1. FlN selt., `Brachacker, unbebautes Land´. - 2. `bis 1945 Ortsteil von Hirschfelde östlich der Neiße, heute zur Republik Polen gehörend´; poln. `Trzciniec Dolny´; wie´r baal uff dr Lahde woar, fiel´s´n ei. „Wu wohnst´n du?“ „Uff dr Loahde!“ Lautf.: Lahde Loahde.

Lähdehäuser Pl. `Lehdehäuser´. 1. Ortsteil des zur Stadt Bernstadt a. d. Eigen gehörenden Ortes Kemnitz OL im °GR; dar wohnt an Lahdehäusern. - 2. Ortsteil des zur Gemeinde Lawalde gehörenden Ortes Lauba im °GR. Lautf.: Lahdehäuser.


lahn swv. `lehnen; leicht geneigt an etw., das als Stütze dient, stehen/stellen´; de Letter oan Boom oaalahn.

lähn siehe län!

Lahne f. Pl. Lahn `Lehne´. 1. `Rücken-, Armstütze am Sitzmöbel´. - 2. `Hang von mäßiger Neigung´; Berglahne.

lahne Adj. Adv. Westlausitz 1. `leicht geneigt, allmählich ansteigend´; dr Waajg giht su lahne noff. - 2. `langsam, träge, faul´. - 3. `leise´; gih lahne, dr Voater schläft! Lautf.: lahncht Ostlausitz.

Lahnroaber f. sSüdlausitz, Nordböhmen `Lehnekarre: einrädrige Schiebekarre mit leiterartig gefügter Ladefläche, die vorn über dem Rad in einer Wölbung ausläuft´. Lautf.: Lahneroaber.

lallern swv. Großhennersdorf, Tautewalde, Großröhrsdorf `lallen, stammeln (Kinder, Betrunkene)´.

Lama n. `flanellähnliches, weiches Gewebe aus Streichgarn´, teurer Wollstoff, Kamelhaarstoffimitation.

Lamberch m. Schirgiswalde, Burkau 1. `große männl. Pers.´ - 2. `Pers., die trödelt´. Lautf.: Lemberch Cunewalde, Loamperch Westlausitz.

Lamber f. selt. dass. wie Lambl. Lautf.: Loamber Dürrhennersdorf.

lambern swv. dass.wie lambln. Lautf.: loambern.

Lambernuhß f. `Lambertsnuss: große Nuss einer Haselnussart (Corylus maxima Mill.)´. Lautf.: Lamber(s)-, Loamber(s)-, -nuhß, -nuss.

Lambersaak m. Schirgiswalde `langsame, langweilige Pers.´

Lambl m. f. n. `die lange Stange, die Vorder- und Hinterteil des Bauernwagen an der Unterseite verbindet´; auch Lamblstange. Lautf.: Lamblt, Lämblt.

Lamblfihrer m. Dürrhennersdorf, °BZ Sohland, Frankenthal `Pers., die den hinteren Teil des Langholzwagens lenkt´.

Lamblhaufm m. `Langbäumelhaufen, Stangenhaufen (im Walde)´.

Lamblkäte f. Südlausitz `Langbaumkette: zwischen Vorder- und Hinterteil eines auseinandergezogenen Wagens eingelegte Kette´. Lautf.: Lamblkette.

Lambllenker m. sSüdlausitz dass. wie Lamblfihrer.

lambln swv. 1a. Obercunnersdorf, Ostritz `den hinteren Teil des Langholzwagens (in den Kurven) lenken. - b. `lenken´. - 2a. Seifhennersdorf, Wittgendorf, Jonsdorf `langsam, nicht zielstrebig laufen, schlendern, trödeln´, du hoast aber a Gelambl (oder Gelämbl)! - b. Wittgendorf `leicht schwankend gehen´. - c. Oberlichtenau `vorsichtig und genau gehen´. - 3. Jonsdorf, Westlausitz `trödeln bei der Arbeit´. Lautf.: lämbln Dittelsdorf, loambln.

Lamblstange f. dass. wie Lambl.

lametiern siehe loametiern!

Lämmerch m. Westlausitz `sinnloses, langes Gerede´.

Lämmerfetzl Pl. `etw. bes. Leckeres, auserlesene Speise´; iech koann ne jedn Tag Lämmerfetzl brotn! Lautf.: Lammerfetzl.

Lämmerfirzl Pl. dass. wie Lämmerfetzl. Lautf.: Lämmer-, Lammer-, -firzl, -furzl, -farzl, -foarzl.

lammern swv. `Junge bekommen (beim Schaf)´.

Lämmerschwänzl Pl. dass. wie Lämmerfetzl. Lautf.: Lammerschwänzl.

Lämmertext m. Süd- u. sWestlausitz `langes Gerede, viele belanglose Worte´; mach ne su ann Lämmertext. Lautf.: Lammertext.

Lamml n. (Dim. von Loamm `Lamm´) `Lämmchen´. 1. neben Schafl ` weibl. (u. männl.) Jungtier des Schafes´; auch Schofelamml; Usterlamml. - 2a. selt. Ostlausitz `Blüte am Haselnussstrauch´. - b. Ostlausitz `Weidenkätzchen: graugrüne, walzenförmige Blütenstände der männlichen Salweide (Salix caprea); auch Weidnlamml, Poalmmiezl, Meezl, Maizl od. Mietschl. - 3. siehe Kallerlamml! - 4. `brave, folgsame, unterwürfige Pers.´; a gedulches Lamml.

lammln swv. `Junge bekommen (beim Schaf)´; is Schof lammlt, und de Ziege zicklt.

lamper siehe loamper!

Lampl n. `Lämpchen´.
Lampl n. `Dünnbier, Kofent; auch: schlechtes, abgestandenes Bier´; a Fassl Lampl, Lamplbier.

län swv. iech lä, du läst od. leest, a lät od. leet, mer län, iech läte, iech hoa gelät `legen´. 1. `in die waagerechte oder eine stark geneigte Lage bringen´; uff´`m Schrank län;  a hoat´ch anne Stunde gelät `er hat sich zum Ausruhen eine Stunde hingelegt´; hielän; RA: sich a de Nessln län od. setzn `durch eigene Schuld Schaden erleiden´. - 2. län + Subst. im Akk. in festen Fügungen; Wäsche län, iech luss mer de Koaartn län; iech luss mer an Bihmschn de Koaartn län. - 3. `ausstoßen, (ins Nest) ablegen´; Ee-er län. - 4. übertr. `sich einer Sache bes. widmen´; a hoat´ch uff´s Mäuern gelät. - 5. übertr. `nachteilig, schädlich auswirken auf´; doaas hoat´ch uff de Plauze gelät. - 6. übertr. `sich beruhigen, nachlassen´; is Liftl hoat´ch gelät. Lautf.: leen Großschönau, Pulsnitz.

Land n. 1. `Grund- u. Boden, Acker- u. Gartenland´; dr Kießlchbauer hoat´s meeste Land. - 2. `dörfliche Gegend´; a gitt as od. ieber´sch Land. - 3. `Flachland, Ebene´; is schneit ne oack uff´m Barge, o an Lande. - 4. `Gegend, Landschaft, Herrschafts-, Staatsgebiet´; Äber-, Nieder-, Teichland.

Landgänger m. selt. veralt. `Hausierer´.

landleefch Adj. `landläufig: allgemein verbreitet und üblich, herkömmlich´; anne landleefche Surte wäre besser gewast.

Landmausn n. Niedercunnersdorf dass. wie Landoabstechn.

Landoabstechn n. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `Jugendspiel mit Taschenmessern, bei dem jeder Mitspieler durch Werfen des Messers nach best. Regeln seinen auf dem Erdboden abgrenzenden Bereich zu vergrößern sucht´. Spielanleitung: Auf der feuchten Erde wird ein Kästchen geritzt, das in zwei gleich große Hälften geteilt und an die beiden Spieler vergeben wird. Mit einem aufgeklappten Taschenmesser versucht der eine Spieler seinem Nachbarn durch Einspicken des Messers im fremden Kästchen ein Stück Land abzutrennen und sich anzueignen. Der Ritz der Einwurfstelle des Taschenmessers wird bis zum Rand des Kästchens verlängert und stellt die neue Grenze dar. Der ursprüngliche Besitzer des Landes kann entscheiden, welchen Teil er dem Messerwerfer abgibt. Bleibt das Messer nicht spicken oder wird das Kästchen nicht getroffen, übernimmt der Gegenspieler das Messerwerfen. Dabei kann es zur Inselbildung kommen und das Land des Nachbarn ist nicht mehr teilbar, der dann auch verloren hat.

Landraajn m. `Landregen: lang anhaltender, gleichmäßiger, mittelstarker Regen´, auch Schnierdlraajn. Lautf.: Siehe Raajn.

Landskrune f. `Landeskrone (Hausberg von Görlitz)´.

Längcht f. 1. Nordböhmen `Länge´. - 2. Steina `hundert Meter gewebtes Band´; de Längcht fartch hoann. Lautf.: Längde Schlesien.

lange Adv. 1. `sich über einen größeren Zeitabschnitt erstreckend´; iech bie lange schunn oalleene. - 2. `seit geraumer Zeit, längst´; de Kirschn senn lange schunn runder. - 3. `vollkommen, in hohem Grad´; fer su ann Schlumpersaak is doaas lange gutt.

lange Nacht f. veralt. 1. `Zusammenkunft von Verwandten, Freunden, Kriegskameraden, alten Arbeitskollegen od. Nachbarn, um länger als an einem normalen Arbeitstag Karten zu spielen, zu essen, zu trinken od. Brauchhandlungen auszuführen´. - 2. `Thomasnacht vom 20. zum 21. Dezember´; in der längsten Nacht im Jahre wurden die Weihnachtsvorbereitungen 24.00 Uhr abgeschlossen, der Handweber arbeitete ab, der Spinner verspann den letzten Flachs im alten Jahre; Los- und Schicksalsnacht mit Heiratsorakeln.

längelangk Adv. `in ganzer Länge´; a is längelangk (dr Länge langk) a de Poappe gefloin.

langk Adj. 1. räumlich a. Gegensatz `kurz´; RA: War langk hoat, lässt langk hängn. RA: Wenn dar su langk wär wie dumm, do kennt´r´n Mond oan Oarsche leckn und misste sich noa bickn derzu. - b. Gegensatz `breit, quer´. - 2. zeitlich `sich über einen größeren Zeitraum erstreckend´; oaller Foarze langk, lange Nacht machn.

Langkboom m. verstr. `Langbaum: die lange Stange, die Vorder- u. Hinterteil des Bauernwagens an der Unterseite verbindet´, verbreiteter Lambl.

langkdärmerch Adj. 1. Niedercunnersdorf `langweilig´. - 2. Oderwitz `langgestreckt´; anne langkdärmerche Räde.

Langkhoaber m. `Langhafer´. 1. selt. `Haferrispe mit Halm´. - 2a. Großhennerschdorf, Zodel in der Wendung Langkhoaber fittern, gan od. kriegn `Peitschenhiebe (auf den Rücken des Pferdes) verabreichen, Prügel erhalten´. - b. Seifhennersdorf, Lückendorf `Peitsche´. Lautf.: Lang(k)hoafer.

langklodch Adj. `mit (ungepflegten) langen Haaren´.

langkmahrch Adj. Wehrsdorf, Frankenthal, söSüdlausitz `nicht fertig werdend, sehr langsam´; su langkmahrch is´r sunst ne gewast!

Langkschäfter Pl. `Stiefeln mit hohem Schaft´.

Langkschemml m. Westlausitz `eine träge, schwerfällige, unbeholfene Pers.´. Lautf.: Siehe Schemml!

langkschemmlch Adj. Niedercunnersdorf, Cunewalde, Burkau `langsam im Handeln u. Denken, träge, schwerfällig, umständlich, unbeholfen´; a langkschemmlcher Karl.

langkschleuderch Adj. Wehrsdorf, Frankenthal, Ohorn, Särichen, Rietschen `lang bzw. hoch aufgeschossen (bei Menschen u. Pflanzen), einen langen Stiel od. Stängel besitzend´; langkschleuderche Blum.

langkschwuppch Adj. Wehrsdorf, Tautewalde dass. wie langkschleuderch.

langkstielch Adj. 1. `langstielig, langatmig, weitschweifig´. - 2. `langweilig, nicht abwechslungsreich´; nee, su anne Langkstielche! - 3. `langsam im Handeln und Denken, träge, schwerfällig´; doaas is a langkstielcher Karle.

langkstirlch Adj. Niedercunnersdorf, Zodel `so lang und schmal wie ein Stirl, lang bzw. hoch aufgeschossen (bei Menschen u. Pflanzen)´. Lautf.: langksturlch, langstorlch Ohorn, langksterlerch Sächs. Schweiz.

Langkstruh n. `Langstroh: Stroh aus langen u. geraden Halmen´. Das beim Flegeldreschen gewonnene Stroh wurde zur Herstellung von Strohseilen, zum Abdichten u. Dachdecken, auch als Bettstroh u. zum Auslegen der frisch gescheuerten Stube verwendet´.

langkziehn stv. 1. wie litspr. `in die Länge ziehen´. - 2. `Soße mit Wasser verdünnen, strecken´.

langn swv. `langen´. 1. `(mit ausgestreckter Hand) nach etw. greifen, fassen´. - 2a. `(dar)reichen, geben´; lang mer amol de Schmiege rieber! - b. enn a poaar, eene langn `jmdn. ohrfeigen´. - 3. `ausreichen, genügen´; de Pfennge langn hinne und vurne ne; mir langt´s mit dir! Se is a de Foabricke gegangn, wetter hoat´s ne gelangt `sie ist in die Fabrik arbeiten gegangen, zu etwas anderem war sie zu dumm´. - 4. `reichen, sich erstrecken´(räumlich); iech stell de Bulle uff´m Schrank, su huch koann unser Klenner ne langn.

Längst f. `Länge´; dr Schrank is zwä Meter a dr Längst. Siehe auch Längcht!

langstn Adj. Adv. längstner Lawalde od. langs(t)ner, oan längstn Obercunnersdorf, Spitzkunnersdorf, Neukirch. 1. `langsam´; oalle Juhre ging´s a brinkl langstner od. langsner. - 2. `träge´; a Langstner `ein langsamer Kerl´. - 3. `allmählich´; oack state und langstn! - 4. veralt. `spät (von der Zeit)´; du kimmst zu langstn. Lautf.: langsn Neugersdorf, längsn Pulsnitz.

Langwunnsdurf siehe Wunnsdurf!

läpperch Adj. 1. `lüstern, begierig (auf leckere Speisen)´; läpperch druf sein. - 2. `lecker, appetitlich´; woaas Läpperches `etw. besonders Gutschmeckendes´; noa woaas Läpperchn suchn.

Lapperei f. 1. `unbedeutende Kleinigkeit, Lappalie´. - 2. Neugersdorf `Unordnung, Nachlässigkeit, Schlamperei´. Lautf.: Läpperei.

Läpperfetzl n. (meist. Pl.) Niedercunnersdorf, Rietschen `etw. bes. Schmackhaftes, Leckerei, süßes Backwerg´; auch Lämmerfetzl.

läpperläppsch siehe lipperlappsch!

Läppermaul n. `naschhafter Mensch´.

läppern swv. 1a. `saufen, schlappen, lecken, schlecken (bei Hunden, Katzen und Ziegen)´; de Koatze hoat de ganze Milch ausgeläppert. - b. `(genüsslich) schlürfen beim Trinken oder Essen; eine Flüssigkeit, insbes. Suppe, nur in kleinen Schlücken auslöffeln´. - c. in der Wendung miech läppert´s `mich gelüstet es´. - 2. `tropfenweise zusammenfließen, sich allmählich ansammeln´; do hoat´ch schunn woaas zusoammgeläppert. Lautf.: lappern, loappern.

Läpperschuldn Pl. `zahlreiche kleine Schuldenposten´.

Lappl n. siehe Loappm!

Lappsch m. Königsbrück `heruntergekommener, unordentlicher Mensch´; Battllappsch. Laut.: Loappsch.

lappsch Adj. Westlausitz `läppisch: kindisch, albern, verspielt´; a lappscher Karle. Lautf.: läppsch.

Lappscherei f. `Läppischtuerei (mit dem anderen Geschlecht), Liebelei´; auch Rimlappscherei. Lautf.: Loappscherei.

lappschn swv. Bihms Koarle, Jonsdorf, Girbigsdorf `läppisch tun, kindische Späße machen, herumalbern, schäkern´; unser Hund lappscht mit uns an Goaartn rim. Lautf.: loappschn.

lär Adj. 1. `leer, nichts enthaltend´. - 2. `überraschend wenig besetzt, besucht´; läre Bänke. - 3. `inhaltslos, nichtssagend´; läre Wurte. - 4. `arm´; ganz lär bie´ch o ne. Lautf.: lier Schirgiswalde, Hinterhermsdorf, söSüdlausitz.

Lärge f. Ostlausitz `Hundevieh, Köter´; Hundelärge.

Lärre f. Obercunnersdorf `dünne Suppe od. dünner Kaffee´. Lautf.: Loarre Neugersdorf, Larre; Lurre u. Lirre Ostlausitz.

larrn, lerrn swv. `lernen´. 1a. `Kenntnisse od. Fertigkeiten erwerben´. - b. `eine Berufsausbildung durchmachen´; mei Junge larrnt Mäuer. - 2a. `lehren, jmdm. Kenntnisse od. Fertigkeiten vermitteln´; eilarrn; dr Meester wird dr schunn woaas larrn; iech larrn dann Hunde rädn! - b. `lehren als Drohung od. Zurechtweisung´; iech war dr schunn Urnung larrn; iech war dr larrn de Koatze benn Schwanze ziehn! Lautf.: lirrn Ostlausitz.

Lasebichl n. `Lesebuch´.

Lasesteen m. meist Pl. `vom Feld abgelesener Stein´.

lasn stv. iech las(e), du list, a list, mer lasn, iech loas, iech hoa gelasn `lesen´. 1. `aufheben, einsammeln, ablesen´; Abern lasn, Steene lasn. - 2a. `Geschriebenes lesen´; Bichl lasn;  iech bie groad ieber´n Lasn. - b. RA: enn de Levitn (ver)lasn `jmdm. ernste Vorhaltungen machen´.

Lasse f. Pl. Lassn Pl. °ZI Kemnitz `Stütze am Leiterwagen von den Rädern zu den Leitern hin´.

Latche (gedehntes a) Pl. veralt. `Lebtage, zeitlebens´, nur in Verbindung mit mein, dein und sein; meilatche, deilatche, seilatche; iech bie meilatche noa ne besuffm gewast. Lautf.: malatche, salatche Zittauer Gebirge.

Lätsch (gedehntes ä) m. `Lulatsch: große schlanke männl. P.´.

Lätsche siehe Lädsche!

latsch, lätsch siehe laatsch!

latscherch siehe loattscherch!

Lätschl (gedehntes ä) m. nOstlausitz `großer Kerl´.

Latzl n. `Lätzchen´, siehe Loatz!

Latzlhosn siehe Loatzhosn!

Laube f. 1. `Gartenhäuschen´, auch Goaartnhäusl. - 2. Rietschen, Nieder Neundorf, Zodel `Hausvorbau´; Laubmhäusl. Siehe auch Vurhaus! - 3. Läubm od. Leebm Pl. Ostritz, Hirschfelde `Arkaden an der Vorderseite von Bürgerhäusern´. Siehe auch Leebe!
Laube f. `Lauba (Ort der Gemeinde Lawalde im °GR)´; mei Poatl is aus dr Laube `mein Patenonkel ist aus Lauba´; de Laubschn `die Einwohner von Lauba´; de Laubsche Flecklfrooe `die wandernde Verkäuferin von Stoffresten aus Lauba´.

Laubm m. `Lauban´, am Queis gelegene, östlichste Stadt im historischen Oberlausitzer Sechsstädtebund, bis 1945 Kreisstadt der preußischen Oberlausitz, poln. `Luban´; se wohnt eim Laubm; a Water urbert iebern Laubm; dr hoalbe Laubm hoat sich uff de Been gemacht.

Lauche ohne Genus, veralt. f. `Laucha (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´; de Lauchschn `die Einwohner von Laucha´.

Lauer f. umg. in der Wendung uff dr Lauer liegn `warten´.

lauern swv. `sehnsüchtig, ungeduldig warten´.

Laus f. wie litspr.; RA: anne Laus zahnmol im a poaar Pfennge schinn `überaus sparsam sein´; a hoat Läuse und kenn Koamm `er kann seine Schulden nicht bezahlen´; vu dann kaaln Zeuge krigt ees Läuse an Bauch.

laus`ch Adj. `lausig´. 1. `(mit Läusen behaftet): sehr unangenehm, schlecht, schlimm, saumäßig´; RA: Keeft Kämme, is kumm laus`che Zeitn! - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird: bei V. u. Adj. `sehr´; heute Murgn woar´sch laus´ch kaalt haußn; ann laus´chn Krach machn.

Lauschewiese f. `unbewaldeter Teil des Lauschehanges auf der Waltersdorfer Seite´.

Läusebänkl n. veralt. Cunewalde, Tautewalde `Strafbank in der Schule (urspr. abgesonderte Schulbank für Kinder, die Läuse hatten)´.

Läuseblume f. 1. `Cineraria (Senecio cruentus)´, auch Läusesteckl. - 2. verstr. `Ackerwitwenblume (Knautia arvensis)´, der Blütenkopf wird von zahlreichen kleinen Insekten besucht.

Läuseboahne f. Obercunnersdorf, Jonsdorf verstr. scherzh. `Scheitel´.

Läusebunker m. scherzh. Hainewalde, Großhennersdorf `voluminöse Frisur´.

Läusefurz m. in der Wendung wie a Läusefurz `sehr klein, winzig´.

Lausegräte f. Schimpfwort für `freches Kind´. Lautf.: Lausekräte.

Lausehitze f. mWestlausitz `große Hitze´.

Lausejunge m. Schimpfwort für `Junge´.

Läusekoaaschl f. Ostlausitz `Glatze, Scheitel´.

Läusekraut n. 1. dass. wie Läuserch. - 2. siehe Läusesteckl! - 3. `Pflanzen, aus denen ein Absud gegen Läuse verwendet wurde´. - a. `Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris L.)´ - b. `Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica L.)´.

Läuserch m. 1. Rammenau, Mückenhain `Zittergras-Segge (Carex brizoides)´; iech fluckte anne Hamvll jungn Läuserch oab. - 2. lt. Obersächs. Wb. `Borstgras (Nardus stricta L.)´. - 3. siehe Läusesteckl!

Läuserechn m. scherzh. `Kamm´. Lautf.: Lauserechn.

Lauserettch m. `Junge´ mit leicht anerkennendem Unterton. Lautf.: Lauserattsch Jonsdorf. Siehe Rettch!

lausern swv. refl. Dittelsdorf `frösteln, frieren´; itze lausert´s miech aber; miech hoat´s a dr Woanne gelausert.

Läusesteckl n. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf, Wehrsdorf `Cineraria ( Senecio cruentus DC.)´. Siehe auch Läuseblume!

lausn swv. 1a. `jmdm. (sich) Läuse absuchen´. - b. RA: iech denke, miech laust dr Oaffe! `Ausruf des Erstaunens´. - 2. RA: `tadeln, schelten´; enn `n Kupp, de Kulbe, de Koappe, de Kutte lausn `jmdm. den Kopf waschen´.

Lausnz f. Ostlausitz `Lausitz´; de Lausnzer Sproche, de Lausnzer `die Lausitzer´.

Laußnz `Laußnitz (Gemeinde und Ort im °BZ)´.

lautn swstv. Spitzkunnersdorf, Cunewalde u. Neusorge iech laut, läut od. loajt, du lautst, läutst od. loajtst, iech hoa geläut, geloajt (kurzes oaj) od. gelautn `läuten´. RA: woaas lautn hiern `etw. gerüchteweise hören, aber (die Zusammenhänge) nicht verstehen´. RA: Dar hirrt´s lautn, aber ne zusoammschloin. Bei der Unterhaltung über einen arbeitsscheuen Menschen: "Zwischn Murglautn und Omdlautn koannst de oallerlee schoaffm." - " A bissl Lust musst de o hoann."  Siehe auch loajtn!

Lawaale `Lawalde (Ort u. Gemeinde im °GR) ´; de Lawäldschn, de Lawaaler u. de Lawälder `die Einwohner von Lawalde´. Lautf.: Loawaale.

laweede siehe loaweede!

lecherch Adj. `löchrig, mit Löchern versehen´; lecherche Daachrinn.

lechern swv. umg. `löchern: jmdn. durch anhaltendes Fragen od. Bitten belästigen´; du koannst enn aber lechern!

lechte (kurzer Vokal) Adj. lechter, oan lechtstn 1. `leicht, von geringem Gewicht´. - 2. `dünn, luftig´; de lechtn Klunkern. - 3. `leichsinnig, sorglos´; wie´r gewunn hutte, is´r lechte wurn. Lautf.: leicht(e).

lechtgleebch Adj. `leichtgläubig´.

lechtsinnch Adj. `leichtsinnig´. Lautf.: leichtsinnch.

Lecke f. `etw. Wohlschmeckendes, Leckerei´; RA: is Labm is keene Honchlecke, keene Zuckerlecke; keene Lecke und Schmecke hoann.

leckerfetzch Adj. verstr. West- u. Ostlausitz 1. `wohlschmeckend, den Appetit anregend; süß; herzhaft´; dr Kuchn woar leckerfetzch. - 2. `genusssüchtig, Leckerbissen liebend´; doaas is anne leckerfetzche Frooe. Vgl. lipperlappsch!

Leckerfetzl n. (meist Pl.) 1. `Leckerei´, vgl. Lämmerfetzl! - 2. `Naschkatze´.

leckerfetzlch Adj. Girbigsdorf dass. wie leckerfetzch.; woaas Leckerfetzlches assn.

leckern swv. Steinigtwolmsdorf, Ohorn `jmdn. locken, verleiten, verführen´; mit in de Kneipe leckern.

Leckerschdurf `Leutersdorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Leckerschdurfer `die Einwohner von Leutersdorf´.

Leckl n. Dim. `kleine Haarlocke, Löckchen´; oas Kind hutt´ch´n Kupp vuler Leckl.

leckn swv. `lecken´ 1. wie litspr.; RA: sich oalle zahn Finger dernooch leckn; du koannst miech oan Oarsche leckn! Aussahn wie geleckt `(übertrieben) sauber´. - 2. `Naschen kleinster Mengen´; iech wullt oack amol leckn. - 3. `küssen´; zerirscht Gelecke, derno blooe Flecke `zuerst Zärtlichkeiten, später Schläge´.

leckn swv. veralt. Südlausitz `leugnen: lügen, schwindeln´; oableckn.

Lecks m. Leutersdorf, Oderwitz `Text, Sachverhalt, das Aufgenommene, viele Worte´; de Grußemutter hoat´n ganzn Lecks wieder vergassn; mach kenn grußn Lecks!

lecksn swv. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Steinigtwolmsdorf `lecken: infolge von Trockenheit Risse bekommen od. Risse haben´; ´s Fassl leckst. Lautf.: lechzn.

ledsch siehe lädch!

Leebe (abgeleitet von dem französischen Wort lever `erheben´) f. östlich von Zittau, Nordböhmen 1. `Vorlaube, Vorhaus´. Siehe Laube und Vurhaus! - 2. `Vorraum im ersten Stock des Hauses, Dachraum´. Siehe auch Bihne! - 3. söSüdlausitz `Empore in Tanzsälen, auf denen die Musikanten spielen´; uff de Leebe nuffgihn. Lautf.: Leeb öKürzung, Leew(e).

Leed n. 1. `Leid, Kummer, Gram, Trauer´; Harzeleed. - 2. siech a Leed oaatun `Selbstmord begehen, sich hängen´. - 3a. mit ins Leed gihn Westlausitz `mit hinter dem Sarge hergehen´. - b. Ostlausitz `Leichenschmaus´; kummt oack mit eis Leed! Vgl. Trauermohst!

leed Adj., Adv. `leid´; doaas sellt mer aber leed tun.

leen siehe län!

Lee-e f. selt. Niedercunnersdorf, Dürrhennersdorf `Lea: lang aufgeschossenes, ungeschicktes, schlaksiges Mädchen´, anne dumme, lange Lee-e.

Lee-erch m. msSüdlausitz, Ostlausitz `langer, schlaksiger, (ungeschickter) Kerl; Lulatsch ´; is doaas a langer Lee-erch! Scham dch an Hoals rei (nei), aaler Lee-erch!

leefch Adj. Jonsdorf leefch senn od. sein `läufig sein, brünstig sein (Hündin u. weibl. Katze)´; de Hundetehle is leefch.

Leefer m. Dim. Leeferchl `Läufer´. 1. `langer, schmaler Teppich´. - 2. `junge Schweine zwischen 25 und 50 kg´. - 3. `Papierscheibe, die die Kinder an der Drachenschnur emporsteigen lassen´. - 4. `Mahlwalze in der Mühle; Mühlstein´. - 5. `im Mauerwerksbau parallel zur Richtung der Mauer liegender über 1 m langer Stein (an den Hausecken)´. - 6. `in der Textilveredlung textiles Flächengebilde, dessen Länge dem Inhalt der Veredlungsanlage entspricht, mit der die zu veredelnden Ware verknüpft ist und vorher läuft, um Standstellen zu vermeiden´, auch Vier- od. Vurleefer.

Leeft m. siehe Loof!

Leeftl n. meist Pl. `Bein des Wildes, Läufchen´, bes. `Lauf des Hasen´.

Leeste f. Dim. Leestl `Leiste´. 1. wie litspr. `schmale Latte aus Holz od. Band´; a poaar Leestl zuraajchte schneidn; Schuster, bleib ba denn Leestn! Kummtleeste. - 2. `(andersbindiger) Rand des Stoffstückes, der eine höhere Kettfadendichte (durch doppelte Fäden) aufweist; Stoffkante, Webkante´, auch Soaalleeste.

leestn swv. refl. `leisten: sich zulegen, kaufen, anschaffen´; doaas kinn mer´ch ne leestn.

leetn unregelm. V. `löten´. 1. wie litspr. a litt de Teppe (°ZI Ebersbach) `er lötete die Töpfe´. . - 2. enn leetn `trinken´.

Leffl m. `Löffel´. 1. wie litspr., RA (scherzh. zu einem Wichtigtuer gesagt): Wenn mer diech ne hättn und ´n klenn Leffl, misst mer de Suppe spissn. RA: Dar hoat de Dummheet mit Leffln gefrassn; enn iebern Leffl boalbiern `jmdn. betrügen, übern Tisch ziehen, übervorteilen´; dar hoat´n Leffl oabgegan od. oabgelät `der ist verstorben´.  - 2. Pl. `Ohr´ (scherzh. aus der Jägersprache); sperr de Leffl uf!

Lefflkließe Pl. Dim. Lefflkließl Cunewalde dass. wie Roaffkoallchl!

Lefflmeese f. Großschönau `Schwanzmeise (Aegithalus candatus L.)´, auch Schniemeese Großschönau.

leffln swv. `löffeln´. 1. `(beim Essen) den Löffel gebrauchen´; de Teichlmauke koannst de leffln! Siehe auch ausleffln! - 2. umg. `verstehen, begreifen´; de meestns warrn´s wull ne uff eemol leffln; dar hoat´s immer noa ne gelefflt.

leffzn swv. Cunewalde, Wittgendorf `Undicht-werden von Holzfässern, auslaufen´; ausleffzn, zerleffzn; ´s Fassl leffzt aus. Vgl. lecksn.

Lehde siehe Lähde!

Lehm m. wie litspr.; RA: Dreck undern Lehm machn `etw. durcheinanderbringen, vermengen´. Frage an einen Grübler: Ieberläst de, wu a hundert Juhrn dr Lehm harkimmt?

Lehmlooch n. `Lehmgrube´. Lautf.: Lehmloch, -luch.

Lehmstruh n. °NOL Königshain 1. `mit Stroh vermengter Lehm (Baumaterial)´. - 2. übertr. `Kartoffelbrei mit Sauerkraut vermengt´. Auch Struhlehm Uhsmannsdorf.

Lehmziegl f. `aus Lehm geformter, nur getrockneter, nicht gebrannter Ziegelstein zum Bereiten von Lehmbrei für den Ofensetzer´.

leibelies`ch Adj. Westlausitz, Bühlau `nicht intakt, sich (auf)lösend, auseinandergehend von Gegenständen und Kleidung, locker zusammengebunden´; die Juppe is o schunn tichtch leiwelies´ch `verschlissen´. Lautf.: leiwelies´ch Westlausitz, leiberlees´ch Burkau, leiberliersch Oberlichtenau.

Leibl n. `Leibchen´. 1. Dim. von `Leib´. - 2. `Mieder´ (Teil der Oberlausitzer Frauentracht); se hutte a schwoarz Soamtleibl oaa. - 3a. `Brust u. Rücken umschließendes Kleidungsstück zum Unterziehen, Unterhemd´. - b. `in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Kleidungsstück für Kinder, das zwischen Unterhemd und Hemd getragen wurde, an dem sich Strumpfhalter (Strapse) zum Befestigen von einem Paar Strümpfe befanden.´

Leiblhosn f. 1. `Unterhose u. Leibchen in einem Stück für Kinder´. - 2. `Hose mit angenähtem Leibchen (u. einer Klappe auf der Hinterseite der Hose für kleine Jungen)´. Vgl. Schliezhosn 2 u. Tierdlhosn!

Leiblrook m. Seifhennersdorf `Leibchenrock: Leibchen (Mieder) u. Rock in einem Stück´.

Leiche f. 1. wie litspr. `toter Körper´; macht oack anne schiene Leiche aus mir! Mer hoann anne schiene Leiche draus gebrett; Leichnwoajn; seine Mutter leit Leiche `seine Mutter ist gestorben´. Die Leiche soll nur drei Nächte liegen und am vierten Tage begraben werden. - 2. `Begräbnis, Beerdigung´; kleene Leiche `Beerdigung mit weniger Trauergästen u. kleinem Leichenschmaus´, gruße Leiche `Beerdigung mit großem Trauerzug und großem Leichenschmaus´; a Spoaß muss senn und wenn´s ba dr Leiche is, sunst gitt kenner mitte.

Leichedurn m. Dittelsdorf `Leichdorn: Hühnerauge´; seech oack druf, do weecht dr Leichedurn uf!

Leichnbabe f. Frankenthal `einfacher Aschkuchen zum Leichenschmaus´, auch Häfmbabe.

Leichnbitter m. °ZI Friedersdorf, Bihms Koarle, Jonsdorf, Schirgiswalde, Schlesien `Person (meist Totengräber od. Leichenwäscherin), die zum Begräbnis einlädt´; dr Leichnbitter gitt Groabebittn.

Leichnbittermiene f. `sehr ernster Gesichtsausdruck, (den der Leichenbitter beim Laden zur Beerdigung aufsetzte)´; anne Leichnbittermiene machn.

Leichnbrat n. Niedercunnersdorf, Burkau `Leichenbrett: Brett, auf das die Leiche vor dem Einsargen gelegt wird´.

Leichnfinger m. `Leichenfinger: stangenförmiger, etwa fingerdicken Sauermilchkäse mit Blauschimmel aus Leipzig´. Siehe auch Quargl!

Leichnfrooe f. auch Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Bihms Koarle, Niederoybin, Schirgiswalde dass. wie Leichnwäschern. Lautf.: Leichnfroaa Oberlichtenau.

Leichnhoalle f. `Leichenhalle: Halle, in der die Toten liegen bzw. aufgebahrt sind´. Auch Tutnhäusl!

Leichnmohst f. Dürrhennersdorf, Jonsdorf dass. wie Trauermohst. Lautf.: Leichnmohlst.

Leichnprädcht f. `Trauerrede des Geistlichen zur Beerdigung´; RA über eine Schwätzerin: die redd´n Pfoarrn noa a de Leichnprädcht `die hält den Mund auch nach ihrem Tode nicht´; aussahn wie anne ausgekoachte Leichnprädcht `krank aussehen´.

Leichnräde f. `Leichenrede´, dass. wie Leichnprädcht.

Leichnsingn n. `Singen von Sterbeliedern an der Bahre oder am Sarg des Verstorbenen´. Lautf.: Leichesingn.

Leichnsteen m. `Leichenstein, Grabstein´.

Leichntraajger m. `Leichenträger: männl. Person, die den Sarg mit dem Leichnam trägt´.

Leichnwäschern f. Obercunnersdorf, Leutersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde, Girbigsdorf, Zodel, Rietschen `Leichenwäscherin; weibl. Person, die Verstorbene wäscht, kleidet, bettet´.

Leichnwoajn m. `Leichenwagen: Wagen, mit dem der Verstorbene transportiert wird´. Lautf.: Siehe Woajn!

Leichnzug m. `Sarg u. Gefolge auf dem Weg vom Trauerhaus zum Friedhof´.

Leidn n. `Leiden´, fast nur in festen Verbindungen; aales Leidn, aussahn wie´s bittre Leidn, langes Leidn `große Pers.´

leidn stv. Jonsdorf, Neukirch iech leid(e), du leddst, laddst (Seifhennersdorf) od. leidst, a ledd, ladd (Seifhennersdorf) od. leid, mer leidn, iech leed `ich litt´, iech hoa geliedn od. gelittn mdal. `etw. dulden, erlauben, gestatten´; iech misst´s abm leidn; iech leed´s ne `ich litt (duldete) das nicht´; dr Voater hätt´s ne gelittn.

Leier f. 1a. `Kurbel, Drehvorrichtung´ an Geräten u. technischen Einrichtungen. - b. `Gerät mit Kurbel´; Leierkoastn. - 2. abwert. `das stets sich Wiederholende´; doaas is die aale Leier.

Leierbackufm m. veralt. sSüdlausitz `gemauerter Backofen mit Handkurbel´. Die Kurbel versetzt ein als Kuchenablage dienendes Eisenkreuz in der Backröhre in drehende Bewegung u. ermöglicht somit ein gleichmäßiges Bräunen des Gebäcks.

Leierboom m. 1. `drehbare Weihnachtspyramide´. - 2. `geschmückter Weihnachtsbaum, der sich dreht ´.

Leierchris(t)boom m. Neugersdorf dass. wie Leierboom.

leierch Adj. 1. `schwindlig´; mir is ganz leierch im Nischl. - 2. `langsam und unmelodisch´.

Leierkoastn m. 1. `Leierkasten, Drehorgel´. - 2. iron. abwert. `Radio´.

Leierkoastnmoan m. `Leierkastenmann: Drehorgelspieler´.

Leiermilch f. `Magermilch, durch Leiern mit der Zentrifuge entrahmte Milch´. Vgl. Oabgenummne!

leiern swv. 1a. `eine Kurbel drehen, etw. drehen´; de Hemme ufleiern `die Bremse locker drehen´; ´s Bändl oableiern. RA: enn woaas aus´n Kreuze leiern `jmdm. etw. abbetteln, ablisten´. - b. `(sich) drehen´; ´s Roaberradl lässt´ch ne mih leiern; miech leiert´s; Kindervers  beim Treiben mit dem Treiberadl: Leier, leier Dudlsaak, murne hoann mer Feiertag. - 2. `trödeln´; kimmst de endlch oaageleiert? - 3a. `langsam, monoton od. unmelodisch rezitieren oder singen´; du doarfst doaas Varrschl ne su leiern! - b. `anhaltend, monoton weinen´.

Leiersaak m. `weinerliches Kind´; Spottvers: Nuddl, nuddl Leiersaak, murne is a Feiertag, iebermurne wieder enner, sunst de ganze Wuche kenner.

Leierze f. 1. Obercunnersdorf, Cunewalde, Wittgendorf `Magermilch´.; a de Mauke kinn mer Leierze nahm. - 2. Cunewalde `Zentrifuge, Schleuder´.

Leikoof m. `Leikauf: Trunk zur Besiegelung eines abgeschlossenen Kaufvertrages´.

Leim m. `Klebemittel, das zwei Teile fest zusammenklebt´. RA: aus`n Leime gihn `in die Brüche gehen, kaputt gehen, eine Beziehung auseinandergehen, die Figur verlieren und dick werden´; RA: uff´m Leim gihn `hereinfallen, sich übervorteilen lassen´.

leim swv. `leimen´. 1. wie litspr. `kleben mit Leim´. - 2. (refl.) `jmdn. täuschen, hereinlegen, übertölpeln´; dr Nubber hoat miech aber geleimt; do hoat´s miech geleimt `da habe ich mich geirrt´; iech woar dr Geleimte `ich war der Genarrte´.

Leimboom m. veralt. 1. `Ahorn´, auch Leinboom. - 2. `Baum mit Vogelleim für die Vogelsteller´.

Leimd f. Pl. Leimdn `Leinwand´. 1. `(leinwandbindiges) Gewebe, das in Kette und Schuss aus Leinengarn besteht´. - 2. `ein Stück gewebte Leinwand´, auch Leimdl, Äberlausitzer Leimd, de blooe Leimdschirze, Leimdtichl, anne Leimdlänge Wirschtl. Lautf.: Lemmd °ZI Ebersbach u. Umgebung.

Leimdboom m. `Baum mit Leinwand als fertige Ware vorn am Handwebstuhl, Webbaum zum Aufwickeln der Leinwand´. Lautf.: Lemmdboom. Vgl. Woarnboom.

leimd Adj. `leinwandig´; ´s leimde Tichl, anne blooleimde Schirze.

Leimdfrooe f. `Leinwandhändlerin´.

Leimdlänge f. Niedercunnersdorf `Stück Leinwand, das vom Webstuhl abgezogen wird´; zer Kirmst goab´s anne Leimdlänge Brotwirschtl. Vgl. Längcht! Lautf.: Lemmdlänge.

Leimdmoan m. `Leinwandhändler´. Lautf.: Lemmdmoan °ZI Ebersbach, Leimdmoann.

leimdn Adj. `aus Leinwand bestehend´; a leimdn(es) blookastlch(es) Tichl.

Leimdnfuhre f. `eine Fuhre (Schiebekarrenvoll) mit Leinwandballen´.

Leimspille siehe Spille!

Lein m. 1. `Flachs (Linum usitatissimum L.)´, zur Öl- u. Fasergewinnung angebaute Pflanze; Leinsäckl, Leinsom, Lein(e)waber. - 2. dass. wie Leimd.

Leinäle f. Südlausitz `aus Leinsamen gewonnenes Öl´; zun Mittche goab´s meestns ganze Abern, Leinäle und Quoark; Leinäleplinsn. Lautf.: Leineele f. Ostlausitz, Leineel n. Ostlausitz.

Leinboom m. selt. `Ahorn´, auch Leimboom.

Leine f. `Seil mittlerer Stärke´; Hundeleine, Wäscheleine; RA: Leine ziehn `ausreißen, weggehen´.

Lein(e)waber m. `Leineweber´.

Leinsäckl n. `mit Leinsamen (auch -mehl) gefülltes Leinensäckchen´ wird bei Zahn-, Hals-, Leib-, Gelenkschmerzen, Ziegenpeter, eitrigen Geschwülsten heiß aufgelegt.

Leinsom m. `Leinsamen´; mit Lein- und Heisome bähn.

Leipchn ohne Genus `Leipgen (Ort der Gemeinde Mücka im °GR)´; de Leipchner `die Einwohner von Leipchen´.

Leipe 1. ohne Genus, veralt. f. `Leipa, Leippa, Selingersruh´, bis 1945 zum Kreis Rothenburg gehörender Ort östlich der Neiße, de Leipschn `die Einwohner von Leippa´, poln. `Lipna Luzycka´. - 2. f. `Böhmisch Leipa´, tsch. `Ceska Lipa (Stadt in Nordböhmen)´; auch Bihmsch Leipe.

Lemberch siehe Lamberch!

Lemmd siehe Leimd!

Lenker m. `Lenkvorrichtung an einem Fahrzeug´; Foahroadlenker `Lenkstange´.

lenkern swv. wKürzung `lenken´; de Deistl lenkern.

Lenkschemml m. Bihms Koarle, Jonsdorf dass. wie Lenkscheit.

Lenkscheit n. `Gestell zum Lenken der Vorderräder´.

leppern siehe läppern!

Lepperschdurf ohne Genus `Leppersdorf (Ort der Gemeinde Wachau im °BZ)´.

Lerge siehe Lärge!

Lerre siehe Lärre!

letsch (kurzes e) Adv. Südlausitz 1. `weichlich´. - 2. `fade, nicht schmackhaft, ungewürzt, unappetitlich´; doaas letsche Zeug. Auch loaatsch.

Letter f. Südlausitz, sOstlausitz 1. wie litspr. `Leiter´. - 2. `leiterartiger Seitenteil des Erntewagens´. Lautf.: Latter Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Litter wSüdlausitz, Neukirch, Westlausitz, Großröhrsdorf, mnOstlausitz.

letter Adj. Ostlausitz `zu wenig gewürzt, fade´; ´s Mittchassn schmeckt aber heute letter, ´s hoat weder Lecke noa Schmecke.

Letterboom m. `Holzstange, die über den vollgeladenen Ernte- od. Heuwagen gelegt und festgezurrt wird, um die Ladung auf den abschüssigen Wegen zu sichern´. Auch Wieseboom.

Letterwaajnl n. Dim von Letterwoajn `Leiterwäglein, mit leiterartigen Seitenteilen ausgestatteter Handwagen´. Lautf.: Latterwarnl Zittauer Gebirge, Letterwanl Schirgiswalde, Litterwarnl wSüdlausitz, Westlausitz, Leiterweinl nOstlausitz.

Letterwoajn m. Dim. Letterwaajnl `Leiterwagen; Wagen mit leiterartigen Seitenteilen; Erntewagen, der früher zum Einfahren von Heu und Getreide diente´. Lautf.: Latterwoan, Latterwoarn Zittauer Gebirge, Litterwoin Ringenhain, Litterwoarn Westlausitz, Leiterwoajn Neusorge.

Letzt f. `Ende, Abschluss´; dar Poampersaak kimmt immer uff de Letzt `der Bummler kommt immer als Letzter, zuletzt´; uff de Letzt(e) hoat´r´ch goar bemaust `womöglich hat er dich sogar bestohlen´; im de Letzt toatn oalle schlofm `gegen Ende schliefen alle´; zu guder Letzt.

letzt 1. Adj. `am Ende einer zeitlichen, räumlichen, rangmäßigen, auch Menge, befindlich´; uff`m letztn Drickl, letzter Dreck, uff´m letztn Luche pfeifm, dann is sei letztes Brut gebackn. - 2. Adv. um Görlitz `unlängst, neulich´; letzt koam de Tante zu Besuch.

Leube ohne Genus, veralt. f. `Leuba (Ort der Stadt Ostritz im °GRI)´; de Leubschn `die Einwohner von Leuba´.

Leute Pl. 1. `Menschen´; ´s gitt´n Menschn wie´n Leutn; ´s sitt aus wie ba aaln Leutn `altmodisch´. - 2a. `Arbeiter, Angestellte´; de Oarbeit machn seine Leute. - b. `das bäuerliche Gesinde´; de Leute kriegtn meestns Poappe zu Mittche. - 3. `Eltern, Familie, Verwandte´; a feiert oack mit senn Leutn.

Leutl Pl. (Dim. von Leute) `kleine Menschen, Zwerge´; die klenn Leutl wohn an Barge. Vgl. Quarxe!

Levitn Pl. `Leviten´, nur in RA: enn de Levitn (ver)lasn `jmdm. ernste Vorhaltungen machen´.

Lex siehe Lecks!

Licht n. 1. `Helligkeit´; scherzh.: Miene, mach oack Licht, sunst starb´ch an Finstern! RA: a Lichtl ufgihn; RA: enn hindersch Licht fihrn `jmdn. veralbern, betrügen´; RA: Dar stitt´ch salber an Lichte `der schädigt sich selbst´; ba Lichte besahn. - 2. `Kerze´, Pl. (zwee) Lichte, Dim. Lichtl; a poaar aale Lichte zesoammsuchn; itze wird´s vierte Lichtl oaagezundt. - 3. übertr. `intelligente Person´; dar is a dr Schule o kee grußes Licht gewast. - 4. in der Wendung zu Lichte od. zu Lichtn gihn `zum Lichtenabend gehen´; mer wulln hinte wieder amol zu Lichtn gihn. Siehe Lichtnobd!

lichte Adj. 1a. `hell vom Tageslicht od. durch künstliche Beleuchtung´; is wird lichte; a lichtes Fanster; gih oack aus´n Lichtn, iech koann goar nischt sahn. - b. `hell von Farben´; dr Himml, is Hemde, de Strumpjacke is lichtebloo; lichtegriene, lichtegroo. - 2. `lichtdurchlässig, kahl, dünn, spärlich, schütter´; uff´m Kuppe is is ganz schiene lichte gewurn; dr Buhsch wird immer lichter.

Lichtenoo n. `Lichtenau (Ober- u. Nieder-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Zareba´.

Lichterzug m. `Zug der Cunewalder Konfirmanden mit gläsernen Christleuchtern am Heilig Abend in die Christnacht´. Vgl. Christloajchter.

Lichtewaale ohne Genus `Ober- u. Niederlichtenwalde´, tsch. `Horne Svetla, Dolni Svetla´ (Dorf in Nordböhmen an der Südseite der Lausche); mer gihn uff Lichtewaale.

Lichtl n. siehe Licht 2!

lichtln swv. verstr. `aufflammen, blitzen, wetterleuchten´.

Lichtlschwamml n. Niedercunnersdorf `schwimmende halbe Nussschale mit kleiner Kerze´. Siehe Lichtlschwimm!

Lichtlschwemm n. dass. wie Lichtlschwimm.

Lichtlschwimm n. `Lichtleinschwimmen, -schwemmen: Mädchen und Jungen setzen Walnussschalen mit brennenden Kerzen in eine große Schüssel mit Wasser. Jeder wählt sich ein Schifflein. Aus dem Zusammengehen, Auseinanderschwimmen, Kentern, Abbrennen und Ausgehen der Flamme wird orakelt (Oberlausitzer Brauch zu Weihnachten oder Silvester).

Lichtlwachs n. `Wachs od. Paraffin der Kerze´; uff´m Tieschtuche is Lichtlwachs.

Lichtmass f. Ostritz `Lichtmess, Mariä Lichtmess (kath. Fest am 02.Februar)´; zer Lichtmass wird’s wieder haller.

Lichtn n. siehe Äberlichtn!

Lichtn gihn siehe Licht 4 und Lichtnobd!

Lichtnbarg `Lichtenberg´. 1. bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörender Ort östlich der Neiße; poln. `Jasna Gora´. RA: Ba euch is su hall wie a dr Lichtnbarger Christnacht `ba euch ist es dunkel´ (Lichtenberg hatte keine Kirche, also auch keine Christnachtsfeier); de Lichtnbarger `die Einwohner von Lichtenberg´. - 2. Ort u. Gemeinde im °BZ. - 3. `Lichtenberg´, bis 1945 zum Kreis Görlitz gehörendes Dorf östlich der Neiße´, poln. `Bialogorze´. Lautf.: Lichtnberg.

Lichtnbarger m. 1. siehe Lichtenbarg! - 2. Pulsnitz `sehr dünner Kaffee, durch den das Licht scheint´.

Lichtngangk m. `Lichtengang: der Gang zum Lichtenabend´. Siehe Lichtnobd!

Lichtnhoan `Lichtenhain (Ortsteil der Gemeinde Kirnitzschtal in der Hinteren Sächsische Schweiz)´; de Lichtnhoaner `die Einwohner von Lichtenhain´; iech kumm vu Lichtnhoane.

Lichtnobd m. `Lichtenabend´. 1.`Treffen von Frauen und Mädchen zu gemeinsamer Tätigkeit (Spinnen, Federschleißen, Handarbeit) in der kalten Jahreszeit um eine Lichtquelle (Kienspan, Petroleumlampe) und in einer beheizten Stube, wo auch geplaudert, gescherzt und gesungen wurde´, kummt oack zu Lichtn! Lichtnstube, siehe auch Rocknstube! - 2. `gesellige Zusammenkunft der Nachbarn, Freunde, Verwandten an Spätherbst- oder Winterabenden´. - 3. Besuch von vermummten Freunden oder Arbeitskollegen in der Fastnachtszeit, die sich anonym angemeldet haben und vom Gastgeber erraten werden müssen (Südlausitzer Volksbrauch in der Fastnachtszeit).

Licke f. Dim. Lickl `Lücke: Loch, Öffnung, Ritze, Spalt, Zwischenraum´; is Maul vuler Lickn; luss oack de Tiere a Lickl uffe!

Lickerschdurf `Lückersdorf (Ort der Großen Kreisstadt Kamenz im °BZ´.

Lickndurf `Lückendorf (Ort der Gemeinde Oybin im °ZGR´; de Lickndurfer `die Einwohner von Lückendorf´.

Lid n. 1. `Augenlid´; Oognlid, scherzh. Fansterlid `Augendeckel´ - 2. selt., veralt. Pl. Lide `Lider´, `Klappe, Deckel, Luke, klappbare Fensterlade, Auslagebrett (zum Verschließen einer Öffnung)´; Heibodnlid, de Huntschl senn durch´s Lid gekruchn, a ließ Fansterlide machn.

Liebe veralt. f. `Löbau´ (Große Kreisstadt im °GR, dem historischen Oberlausitzer Sechsstädtebund angehörend); benn Boahnhofe a dr Liebe; mer kumm aus dr Liebe od. Liebschn Liebe; de Liebschn `die Einwohner von Löbau´; Begrüßung eines Löbauers: Oach, du mei Liebscher!  Lautf.: Liewe.

Liebsch Adj. `zu Löbau gehörend, Grundbesitz von Löbau´; mei Unkl oarbeit an Liebschn `mein Onkel arbeitet an einem Ort, der zu Löbau bzw. zum Landkreis Löbau gehört´; iech hier de Liebschn Gloackn; dr Liebsche Seegermoan `Judutekopf an der Löbauer Rathausuhr´; de Liebsche Wiese `die Löbauer Wiese (bei Walddorf gelegen)´.

Liebscher Barg m. veralt. `Löbauer Berg´.

Liebschn `Liebstein (Ort der Gemeinde Schöpstal im °GR)´; de Liebschner `die Einwohner von Liebstein´.

Liebschoaft f. `Liebesverhältnis´; su anne gruße Liebschoaft is doaas ne gewast.

Liebsbrief m. `Liebesbrief´. Lautf.: Liebstbrief.

Liebsdurf ohne Genus Dim. Liebsderfl `Liebesdorf (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´; de Dure is anne Liebsderflern.

Liebsteckl n. `Liebstöckel (ligusticum levisticum)´. Heil- u. Gewürzpflanze, in Bauern- u. Hausgärten angebaut, mit maggiähnlichem Geruch, als Gewürz an Suppe, Fleisch u. Salat verwendet, Medizin bei Zahnschmerzen; sie wurde am Tage der Sommersonnenwende gesammelt; a de Abernsuppe kimmt Liebsteckl rei, Liebsteckl fer de Zähnangst `Liebesstöckel gegen Zahnschmerzen´; auch Maggikraut.

Liebsleute Pl. `Liebespaar, Braut und Bräutigam vor der Hochzeit´. Lautf.: Liebstleute.

Liebszeit f. `Zeit, in der man verliebt ist´; a dr Liebszeit bie´ch bis Hennerschdurf geloofm. Lautf.: Liebstzeit Seifhennersdorf.

liegch Adj. `verlogen´; a liegcher Hund.

Liege f. `Lüge´. Lautf.: Lieche Seifhennersdorf.

Liegeboajttl m. `Lügenbeutel: Lügner, Schwindler´. Lautf.: Liegnboajttl. Siehe auch Boajttl!

Liegeluder n. `Lügner´. Lautf.: Liegnluder Neulausitz.

Liegemaul n. `Lügner´. Lautf.: Liegnmaul.

Liegerettch m. `Lügner´. Lautf.: Liegnrettch.

liegn stv. `liegen´; iech lieg(e), du leist, a leit od. liecht (Hinterhermsdsorf), mer liegn, iech hoa gelaajn, iech lag °ZI Ebersbach, iech loag Obercunnersdorf, nwSüdlausitz, Westlausitz, iech log öSüdlausitz, Zittauer Gebirge, Ostlausitz. 1. `sich in waagerechter Lage befinden, um zu ruhen´; de Grußemutter leit uff´m Koanepee. - 2. `sich (irgendwo) in Ruhelage befinden´; de Bicher liegn uff´m Tische rim; is schmackte, oas wenn´s schunn juherlangk gelaajn hätte. - 3. wie litspr. liegn oa(n) `liegen an: begründet sein mit, seine Ursache haben in´; ´s hoat oa mir gelaajn. Lautf.: mer hoann gelaajgn Oberland, mer hoann gelan Schirgiswalde. Lautf.: liechn Seifhennersdorf, leegn Pulsnitz.

liegn stv. `lügen´ iech lieg(e), du loigst, a loigt, mer liegn, iech hoa geloin, mer lugn. 1. `schwindeln, die Unwahrheit sagen´; du Luder loigst! ´s Blooe vun Himml runderliegn; Sprichwort: War zuschlt, dar loigt, war ne zuschlt, dar floigt `wer flüstert, der lügt, wer laut seine Meinung sagt, der fliegt´. Volksreim: Nischt soin is besser oas geloin. - 2. `leugnen´; a loigt oalls oab. Lautf.: liengn Westlausitz.

liegnhoaftch Adj. Jonsdorf `verlogen´.

Liegnpieter m. söSüdlausitz `Lügenpeter: Schwindler´. Lautf.: Liegepieter, Liegnpeter.

Lierboom m. selt. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Steinigtwolmsdorf `Lärche, Holz aus Lärche´; oack a Ästl vu ann Lierboome wippte. Lautf.: Lährboom, Luhrboom Großschönau, Luhre Olbersdorf, Leerbeeml Nordböhmen.

lier siehe lär!

Liese f. Dim. Liesl n. f. 1. weibl. RN, Kurzform von `Lieselotte od. Elisabeth´. - 2. übertr. Mahrliese, Loaberliese, Pimperliese, Zimperliese, Poatschliese. - 3. ´s liebe Liesl `Heilige Elisabeth, die bis zum 1.Weltkriege am ersten Januar Weihnachtsgeschenke nachlieferte´.

liesn swv. Südlausitz `lösen´; iech hoa´s Ratsl geliest.

Liftl n. siehe Luft!

Lihre f. `Lehre´. 1. Ratschlag, Verhaltensregel´; keene Lihre oaanahm; RA: Iech hoa mer Lihre gehult `ich bin durch Schaden klug geworden´. - 2. `Inhalt und Dauer der Handwerksausbildung´; a de Lihre gihn.
Lihre f. `Lehre: Zugstellbogen am Räderteil des eisernen Karrenpfluges´, auch Pfluglihre.

Lihrer m. Ostlausitz `Lehrer´. Lautf.: Liährer, Lährer.

Lihrjunge m. `Lehrjunge, männl. Lehrling; männl. Pers., die bei Handwerkern einen Beruf erlernt´.

Lihrmaajdl n. `Lehrmädchen, weibl. Lehrling´. Lautf.: Lihrmaajgl, -mardl, -madl.

lihrn swv. `lehren´; RA: Iech war dr Mores lihrn! `Ich werde dir anständige Sitten beibringen!´ (Drohung).
lihrn swv. `lehren: den Zustellbogen am Räderteil des eisernen Karrenpfluges einrichten und somit die Arbeitsbreite einstellen´; oaalihrn `die Lehre (siehe Lihre!) einwärts kehren, damit das rechte Rad des Pfluges mehr in die Furche geht´. Das Gegenteil davon ist oablihrn.

lilla Adj. `lila: violett, fliederfarbig´; a lilla(n)es Kleedl. Vgl. velkn!

lillancht Adj. Neugersdorf, Oderwitz `lila, violett, fliederfarben´; anne lillanchte Bluse. Auch lilla u. velkn. Lautf.: lilancht.

Lille f. 1. Burkau, bes. Ostlausitz, Schlesien `Speichel, der bei kleinen Kindern und alten Leuten aus dem Mund läuft´. - 2. Oberoderwitz, Leutersdorf, Hirschfelde, Wittgendorf, Ludwigsdorf, Zentendorf, See `der dunkelbraune Saft in der Tabakspfeife´. Siehe auch Jahzl!

lilln swv. bes. Ostlausitz `Speichel aus dem Mund laufen lassen; sabbern´; a lillt.

Limenoade f. `Limonade´. Lautf.: Limnoade.

Limml m. `Lümmel´. 1. wie litspr. abwert. `ungezogener Junge; übler, nichtsnutziger Kerl´. - 2. wertungsneutral Ober- u. Niedercunnersdorf, Neueibau, Oberlichtenau `größer, kräftiger Kerl´.

Limpl n. Dim. von Lumpm 1. `kleiner Lumpen: kleines Stück abgenutzter Stoff, Fetzen´. - 2. derb `kleines Kleidungsstück, Unterhemd; gewagtes, zu kurzes (Reiz)wäschestück´; se hutte a Limpl oaa; uff dr Leine hoat se a poaar Limpl hängn; ´s Nubbermaajdl hoat kee Limpl drunder. Auch Fetzl.

Linche f. `Linie´.

Linchnoal n. `Lineal´; dar gitt, oas wenn´r a Linchnoal verschluckt hätte.

Linde f. `Linda´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Zalipie´; se wohnt ei dr Lind(e). Lautf.: Lind.

linde Adj. 1. `lauwarm, mild, tauwetterig´; `s gitt a lindes od. gelindes Liftl. - 2. Spitzkunnersdorf, Seifhennersdorf `(leicht) feucht, klamm´.

lindern swv. Großhennersdorf, Diehsa in der Fügung ´s lindert `es wird wärmer, Tauwetter setzt ein´.

Lindersteckl n. `Linderstöcklein: Stab, der genau in die Rinne des Warenbaums (Gewebebaum, Webbaum) passt u. mit dem das Gewebe zum Aufwickeln der Ware auf dem Gewebebaum befestigt wird´.

Lindertuch n. `Lintertuch: rohleinenes Tuch am Handwebstuhl, das am Warenbaum und am Ende der Webkette befestigt ist, damit die Fäden nicht durch den Kamm rutschen´.

Lingn `Lindenau (Gemeinde im Landkreis Oberspreewald - Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´.

linkns Adv. verstr. `zur linken Seite´, linkns sah´ch ´n Schlaajchtebarg.

Linksfiedler m. verstr. Ostlausitz `Linkshänder´; meine Toachter is anne Linksfiedlern.

Linksploaatsch m. Cunewalde `Linkshänder´.

Linkstoaaps m. Niedercunnersdorf `Linkshänder´. Lautf.: Linkstoaps. Auch Linkstoaapch u. - toapch.

Linkstoalpe f. Frankenthal `Linkshänder´.

Linn m. See, Zodel, Daubitz, Särichen `Lünen: durch die Achse gesteckter Nagel od. Bolzen, der verhindert, dass sich das Rad von der Achse löst´.

Linnblietntee m. Oberland `Lindenblütentee´. Lautf.: Lindnblietntee.

Linne f. selt. Südlausitz dass. wie Linn `Achsnagel´.

linsn swv. `vorsichtig, verstohlen, heimlich (durch eine kleine Öffnung, einen Spalt, die vorgehaltenen Hände) gucken u. dabei (neugierig) etw. erspähen wollen´; de Poastern linzte neuschierch an Woajn; uff eemol lunzte de Sunne wieder durch den Wulkn. Lautf.: linzn, lunsn, lunzn (Hintere Sächsische Schweiz), luntschn, lunschn (Sächs. Schweiz).

lipperlappsch Adj. 1. Obercunnersdorf, Oderwitz `Delikatessen, Leckerbissen liebend; lecker, gut schmeckend´, mir is su lipperlappsch; hoast de ne woaas Lipperlappsches an Kihlschranke? - 2. `flau im Magen, unwohl, appetitlos, Magen verstimmt´. - 3. Schirgiswalde `fade, nicht besonders gut, mittelmäßig im Geschmack´. - 4. `dämlich, primitiv, geistig beschränkt´; dar tutt oack su läpperläppsch `mit dem ist nicht viel los´. Lautf.: lipperläppsch, läpperläppsch Niedercunnersdorf, Cunewalde, läpperlappsch.

Lippm `Lippen (Ort der Gemeinde Lohsa im °BZ)´.

Lippsch m. Obercunnersdorf, Wittgendorf, °BZ Sohland, Bihms Koarle `Lippenpartie´, in der Fügung `n Lippsch hängn lussn `trotzig den Mund verziehen´, de raajchte Lippschseite runderhängn lussn.

Lipsche `Lipschau´, bis 1945 zum Kreis Sagan gehörendes Dorf, poln. `Lubuszow´.

Lipse `Lipsa (Ort der Gemeinde Hermsdorf im Landkreis Oberspree - Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´.

Lirche f. `Feldlerche (Alauda arvensis L., Vogelart)´.

Lirre f. °NOL Kunnersdorf, Kosel, °NOL Wiesa `schlechtes Getränk, Brühe, dünner Kaffee, Kaffeeersatz´. Lautf.: Lurre. Siehe auch Lärre!

Liss(e) siehe Moarklisse!
Lisse ohne Genus, veralt. f. `Lissa´, bis 1945 zum Kreis Görlitz gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Lasow´.

Lister m. `Lüster: Kleider- u. Schürzenstoff aus Baumwollkette und hartem Kammgarnschuss´.

Listl n. Dim. von Lust `Lust, Begierde, Appetit´.

littch Adj. Neugersdorf, Spitzkunnersdorf, Seifhennersdorf `wacklig, labil, nicht fest´; a littcher Zaum `ein wackeliger Zaun´.

Litter siehe Letter!

Litterwoajn siehe Letterwoajn!

Loaatsch m. Pl. Loaatschn `Latsch´ 1. `Hausschuh ohne hintere Kappe, Pantoffel, abgetragener Schuh´; RA: aus´n Loaatschn foahrn `wütend werden´; RA: zusoammpoassn wie a Poaar aale Loaatschn `altes Paar, das sich zusammengerauft hat und sich ergänzt´; undern Loaatsch kumm `als Mann in der Ehe rechtlos sein´, Bratlloaatsch `Holzpantoffel´ Filzloaatsch `Filzpantoffel, Filzschuh´, Laderloaatsch `Lederpantoffel´. - 2. abwert. `Fuß´. - 3. `abgefahrener Radreifen´; du hoast immer noa die aaln Loaatschn druf? Lautf.: Pl. Loattschn söSüdlausitz, Ostlausitz.

loaatschch Adj. dass. wie loatscherch.

Loaatschschmeißn n. Frankenthal `Schuhwerfen (Brauch): In einer Losnacht (Andreasnacht, Weihnachten, Silvester) werfen die jungen Mädchen einen Schuh od. Pantoffel rückwärts über die Schulter nach der Tür. Zeigt die Spitze nach draußen, heiratet man im neuen Jahr und zieht von zu Hause fort´.

Loaatsche f. abwert. `Fuß´.

Loaatscherch m. Großschönau, Jonsdorf dass. wie Loaatsch. Lautf.: Loattscherch Dittelsdorf.

loaatschn swv. `latschen´. 1a. `nachlässig, schwerfällig, schleppend gehen´; mir senn fimf Juhre minander geloaatscht, ehb mer geheiroat hoann. - b. in der Wendung minander loaatschn `sich als Liebespaar zeigen´. - 2a. `jmdn. treten; auf, gegen, in etw. treten´; RA: geloaatscht is geloaatscht `Versehenes ist nicht leicht gutzumachen´, ba enn as Fettnappl loaatschn. - b. `etw. niedertreten´; uff de Bätl loaatschn. - 3. enn a poaar od. eene loaatschn `jmdn. ohrfeigen´; iech loaatsch dr glei eene! Lautf.: loattschn.

Loaatschnkino n. scherzh. `Fernseher´.

loabbch Adj. Jonsdorf dass. wie loabberch 1.

loabberch Adj. 1. Wittgendorf, Schirgiswalde, Burkau, Girbigsdorf `fade, ungewürzt´, doaas loabberche Zeug koannst de oalleene assn! - 2. Jonsdorf `unwohl im Magen, appetitlos durch den Genuss süßer Speisen´; mir is loabberch. - 3. siehe loapperch!

Loaberoarsch (oa gedehnt) m. `Laberarsch: Schwätzer´.

Loaberch (oa gedehnt) m. 1. `Schwätzer, Quatschkopf´, du bist a aaler Loaberch! - 2. `sinnloses Gerede, Schwatz´; ann Loaberch machn. Lautf.: Loawerch.

loaberch (oa gedehnt) Adj. selt. `geschwätzig, redselig´. Lautf.: loawerch.

Loabergapse f. °BZ Sohland `Schwätzerin´.

Loaberguste f. `Schwätzerin´.

Loaberliese f. `Schwätzerin´.

loabern (oa gedehnt) swv. 1a. `sich wortreich über oft belanglose Dinge auslassen, viele überflüssige Worte machen´; dei Geloaber gitt mer uff´m Wecker; Loabergapse, Loabersaak, Loabertoasche. - b. `sich zwanglos unterhalten, plaudern´. - 2. `(unbedacht) etw. ausplaudern´; dar hoat ba dr Pulezei geloabert. Lautf.: loawern.

Loaberoarsch m. `(männl.) Person, die viel quatscht´.

Loabersaak m. dass. wie Loaberoarsch.

Loaberskoat (gespr. Loaberschkoat) m. `Laberskat´ 1. `Skatspiel mit Unterhaltung, in der dem zweiten Mann unerlaubte Tipps für seine Spielweise (verschlüsselt) mitgeteilt werden´. - 2. übertr. `belanglose Plauderei unter Männern´.

Loabertitte f. `Schwätzer, Schwätzerin´.

Loabertoasche f. `Schwätzerin; Person, die viel quatscht´.

Loaberwoasser n. Spitzkunnersdorf, Jonsdorf `Plapperwasser´. 1. `alkoholisches Getränk, das die Redefreudigkeit erhöht´; ´s Loaberwoasser hoat schunn oaagerungn. - 2. `Osterwasser, das wirkungslos geworden ist, weil beim Holen gesprochen wurde´. Lautf.: Loawerwoasser.

Loaberze f. Cunewalde, Jonsdorf `Schwätzerin´.

loackn swv. `locken´; de Henne loackt ihre Tschibbl.

Loadche f. `Ladung´; a hult´ch de irschte Loadche oab. Siehe auch Fuhre od. Fuder! Lautf.: Loadcht.

Loadchn m. Südlausitz `eine aus Rohrschilf geschnittene, noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendete Spule für das Weberschiffchen (Handschützen)´. Auch Loadche f.

Loade f. Dim. Ladl `Lade´. 1a. `Truhe; große hölzerne, bemalte Kiste zur Aufbewahrung der Ersparnisse, besonders Wäsche und Kleidung´. - b. veralt. `(gut verschlossener) Behälter für Urkunden, Bücher u. das Vermögen von Gemeinden, Innungen, Zünften´. - 2. `rahmenartiger Teil des Webstuhles, in dem die Schützen laufen und durch dessen Bewegung der Schussfaden an das gewebte Stück angeschlagen wird´; Gezeh(e)ladl, Stuhlloade, Wirkeloade `Weblade´.

Loadn m. Dim. Ladl `Laden´. 1a. `Geschäft, Verkaufsraum´; Bauch-, Krom-, Sauloadn, Loadnbank, Loadntiesch, Loadntofl. Volksreim: Mutter zieh de Loaatschn oaa, enner is an Loadn. Will fer ann Dreier Kase hoann, aber ohne Moadn. Ohne Moadn hoann mer ne, dummes Maajdl, schier miech ne!  - b. übertr. `Sache, Angelegenheit´; dann ganzn Loadn schmeißn; dr Loadn stimmt `die Sache rechnet sich´. - 2. im Pl. `Vorrichtung zum Verdunkeln od. Schützen der Fenster, Fensterladen´.

loadn stswv. `laden´; iech load(e), du loaddst, a loadd, iech lud od. loadde, mer ludn od. loaddn, iech hoa geloadd od. geloadn 1. wie litspr. `etw. mit einer Last versehen, einen Wagen beladen´; de Fuhre is ganz laatsch (schief) geloadd; dr geloadde Woajn. - 2. wie litspr. `(eine Schusswaffe) mit Munition versehen´. - 3. `elektrischen Strom (in etw.) speichern´. - 4. übertr. `zu viel trinken´; enn od. a Luder geloadd hoann `betrunken sein´. - 5. übertr. `wütend sein´; iech bie geloadd. - 6. RA: enn uff´m Basn loadn `jmdn. zum Besten haben´.
loadn stswv. iech load(e), du loaddst, mer loadn, iech lud Cunewalde, Spitzkunnersdorf od. loadde, iech hoa geloadd Cunewalde od. geloadn Spitzkunnersdorf `jmdn. einladen, jmdn. bestellen´; dr Huckstbitter loadd de Gäste zer Huckst.

Loadnhitter m. `Ladenhüter´. 1. `Ware, die sich schwer verkauft und den Laden hütet´. - 2. übertr. `älteres Mädchen, das keinen Abgang hat und noch bei den Eltern wohnt´.

Loadnmaajdl n. `Ladenmädchen: (ledige) Verkäuferin´.

Loadnschwengl m. veralt., abwert. selt. `Verkäufer´.

Loadnsiedl f. siehe Siedl!

Loaffch m. Steinigtwolmsdorf, Frankenthal `eingebildeter Kerl, Angeber´.

Loaffe f. 1. Westlausitz `(verzogener) Mund´. - 2. Südlausitz abwert. `Gesicht, Visage´; ees mecht´r´sch a de Loaffe gissn. RA: Vu dr Zihne bis zer Loaffe reeneweg a grußer Oaffe.
Loaffe f. Kottmarsdorf, Dürrhennersdorf `Schnittwunde´. Lautf.: Loabbe.

Loaffette f. Obercunnersdorf, Cunewalde, Bihms Koarle dass. wie Loaffe 2.

Loahde f. siehe Lähhe!

loahm Adj. `lahm´. 1. wie litspr. `beim Laufen behindert´; war ne hinkte, gingk loahm. - 2. `träge, faul, langsam´; doaas is a loahmer Hund.

loahmoarschch Adj. `lahm, träge, schwerfällig´; auch loahmoarschlch.

Loajchte f. `Leuchte´. 1. `Laterne´. - 2. `eine durch seine Intelligenz auffallende Pers.´; a woar a dr Schule o ne groade anne Loajchte. Lautf.: Loachte.

Loajchter m. `Leuchter´. Lautf.: Loachter.

loajchtln swv. Neugersdorf dass. wie loajchtn.

loajchtn swv iech loajcht(e), du loajchst, mer loajchtn, iech hoa geloajcht. 1. `leuchten im Sinne von Licht ausstrahlen´. - 2. `(jmdm.) Licht geben, eine Stelle erhellen´; übertr. in RA: Iech war dr heemloajchtn `ich werde dich hinauswerfen´. Lautf.: loachtn Zittauer Gebirge.

loajtn swv. `läuten´. Lautf.: loattn Zittauer Gebirge. Siehe auch lautn!

Loakritzn m. f. n. Neugersdorf `Lakritze: schwarzer, gepresster Süßholzsaft in Form von Stangen, Pfeifen, Rollen u. Pastillen´. Lautf.: Loakreezn, Lukreezn Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Loakriezn, Leckeriezn Ohorn, Zodel, Luckerreezn.

loambern siehe lambln!

loambln siehe lambln!

loametiern (kurzes oa) swv. `lamentieren: ausgiebig klagen, jammern´. Lautf.: loamtiern, lam(e)tiern.

Loampe f. Dim. Lampl `Lampe´. 1. wie litspr.; heute wird dr deine Loampe ausgeblosn `heute musst du sterben´, Riebälelampl. - 2. übertr. kindersprachl. `Fruchtstand des Löwenzahns´.

loamper Adj. Adv. Bihms Koarle, bes. Ostlausitz, Schlesien nur in adv. Gebrauch `wohltuend, beruhigend, angenehm, behaglich, locker´; wie doaas loamper tutt! `Wie das wohl tut!´ Lautf.: lamper.

Loampmäle f. veralt. `Lampenöl: Petroleum´. Loampmäl n. Westlausitz.

Loappch m. Cunewalde, Pulsnitz dass. wie Loapperch; Battlloapp(s)ch. Lautf.: Loappsch Steina.

loappch Adj. `lappig´. 1. `schlaff, schlapp, schwächlich, weich´; dann loappcher Karln verdreschn sugoar de Maajdl, noa´n Woaschn wird´s Hemde loappch; loappche Nickl `schlaffe Brüste´. - 2a. `minderwertig, wertlos, gering, unbedeutend, gewöhnlich, einfach, lächerlich´; loappche zahn Moark hoa´ch derfier gekrigt. - b. enn loappch machn `jmdn. schlecht, lächerlich machen´.

Loappe f. siehe Milchloappe!

Loapperch m. Neugersdorf, Burkau, Westlausitz 1. `schäbig, schlecht angezogener Mensch´. - 2. `schlapper, energieloser Kerl; haltloser, liederlicher, charakterlich minderwertiger Mann; Feigling´.

loapperch Adj. bes. West- u. Ostlausitz 1. `schlaff, nicht straff, locker, unfest, weich, gallertartig´. - 2. `kraftlos, schmächtig, unterentwickelt´. - 3. `ungeordnet, liederlich, verkommen´. - 4. siehe loabberch!

Loappm m. Dim. Lappl `Lappen´; neben den litspr. Bedeutungen 1. übertr. `Ohr´; Uhrlappl `Ohrläppchen´, Hurchloappm. - 2. übertr. `Geldschein (von größerem Wert)´; iech hoa mer a poaar Lappl eigestackt. - 3. `Stofflappen´ heißen in der Mda. je nach Verwendungszweck auch Fleckl, Tichl, Hoader!

Loappsaak m. Cunewalde, Wehrsdorf, °ZI Reichenau dass. wie Loapperch. Lautf.: Lappsack Westlausitz.

loappschn siehe lappschn!

Loappschwanz m. `Schwächling, Feigling´.

Loarber siehe Lurber!

Loarre siehe Lärre!

Loartarne f. `Laterne´.

Loarve f. `Larve´. 1. wie litspr. `Made, Puppe´. - 2a. `Gesichtsmaske´; steck dr anne ander Loarve uf! - b. übertr., abwert. `Gesicht´; iech soaß derbei und machte anne wichtche Loarve. - c. übertr. `ärgerlich verzogener Mund´.

loarvm swv. Oderwitz `das Gesicht zeigen, gucken´; a loarvte zun Fanster raus.

loasch (kurzes oa) Adj. auch Neulausitz `fade, ohne Geschmack, schlecht gewürzt, ungesalzen´.

Loasche (kurzes oa) f. `Lasche´. 1. Obercunnersdorf, Cunewalde a. `offene Wunde, Hautabschürfung, (Haut)fetzen, herabhängender Fetzen Fleisch´; anne Loasche hängt runder. - b. `Grind´. - 2. `Zunge am Schuh´.

Loaschn (kurzes oa) m. `Laschen´. 1a. Obercunnersdorf, Cunewalde, Neusorge `klaffende Wunde, Hautabschürfung, (Haut)fetzen, herabhängender Fetzen Fleisch´; iech hoa ann Loaschn a dr Noase. - b. söSüdlausitz, Ostlausitz `abgetrockneter Grind auf der Wunde´; kroatz oack ne 'n Loaschn oab! - 2. Schlesien `Zunge am Schuh´.

Loaster n. 1. `zur Gewohnheit gewordene Untugend, schlechte Angewohnheit´; ee Loaster kimmt im´s ander. - 2a. `Schimpfwort´, nicht spezifiziert, allg.; doaas kleene Loaster muss egoalfurt de aaln Weibsn schiern. - b. `boshafte, zänkische, niederträchtige (weibl.) Person´.
Loaster m. umg. `Lastkraftwagen´.

Loatsch m. siehe Loaatsch!

Loatsche siehe Lujtte!

loatschn siehe loaatschn!

Loatte f. Bihms Koarle `Latte: Rausch´; anne Loatte derwischt hoann.

Loattscherch m. siehe Loaatscherch!

loattscherch Adj. Ober- u. Niedercunnersdorf, Wittgendorf, Burkau, Oberlichtenau, °NOL Wiesa, Neusorge 1. `weich (von unausgebackenem Brot)´. - 2. `ohne Geschmack, fade, schlecht gewürzt, weichlich, ungesalzen´, wu stitt´n is Saalz?- De Mauke is mer zu loattscherch. - 3. Dittelsdorf `kraftlos, welk, weich, leicht´; a loattschercher Händedruck. Lautf.: loaatscherch, laatscherch Girbigsdorf.

loattschern swv. Ostlausitz, Schlesien `rieseln (Wasser); in großen Tropfen regnen, fließen´.

loattschn siehe loaatschn!

Loatwarge f. Neugersdorf veralt. `Latwerge: Abführmittel´, Gemisch aus abführenden Pulvern und Fruchtmus.

Loatz m. Dim. Latzl 1. `den Hosenschlitz verdeckende Klappe an der Männerhose´. - 2a. `Zeugstück auf der Brust der Frauentracht, getragen vor dem Aufkommen des BHs; Brustlatz´. - b. `Brustteil der Schürze´. - c. `Brustteil der Arbeitshosen´. - d. `Fell oder Haare auf der Brust´; dr Koater leckt´ch de Pfutn und´s Latzl. - 3. im Dim. `Tüchlein, das dem Kind während des Essens oder Trinkens zum Schutz der Kleidung vorgebunden wird´; Geeferlatzl. Lautf.: Loaaz.

Loatzhosn f. Dim. Latzlhosn `Hosen mit einem Latz´.

Loawaale siehe Lawaale!

loaweede Adj. Steinigtwolmsdorf, Steina, Oberlichtenau `lavede: müde, kraftlos, lahm, wackelig, instabil´; de Braterbude hinder´n Hause is loaweede. Lautf.: loabeede.

Lob n. veralt. `Ruf, Leumund´; dr Nubber hoat kee gudes Lob an Durfe.

Lobetanz m. 1. Westlausitz, Sächs. Schweiz `zwei Wochen nach Pfingsten od. später stattfindendes Volksfest in einigen Dörfern der Sächs. Schweiz mit Verwandtschaftsbesuch, Kuchenbacken und Tanzmusik (im Erbgericht), ursprünglich eine Form der Brautschau´. - 2. veralt. °NOL Horka `Erntefest mit Erntetanz, Umzug und Volksbelustigungen´.

Lobl m. männl. RN `Lobel: Gottlob´; du wärscht mer a Lobl!

lobm swv. Jonsdorf `loben: wünschen´; zer Foaasnacht lob´ch mer Pfanngkuchn.

Lode f. meist Pl. Lodn, Dim. Lädl `langes, (wirres) Haar´; de langn Lodn missn runder. RA: su dumm wie de Lodn langk senn; RA: Hundslodn kriegn `Schelte bekommen´; an die Volksweisheit "Handwerk hat goldenen Boden" fügte der Handweber an: "Und benn Wirkn (Weben) verliert ees de Lodn". RA (Dittelsdorf): Nee, brengt dar Moan de Butter wieder waajn dar eenzchn Lode!
Lode ohne Genus, veralt. f. `Lodenau (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GH)´; noa Lode foahrn.

Lodln (nur Pl.) Dim. von Lode (Neukirch, Ohorn)  `lange, (wirre) Haare´; nee, hoat dar lange Lodln! (Meist Verniedlichung des neuerdings als grob empfundenen Wortes Lodn.)

Lodn m. 1. `grobes Stück Tuch, wie es vom Webstuhl kommt´. - 2. `Streichgarngewebe, das auf der Oberfläche mit einer kräftigen, im Strich liegenden Haardecke versehen ist (Herrenoberbekleidungsstoff)´.

Lodnbärschl m. `Haarschopf´; auch Lodnbärschlch.

Loge f. `Lage´. 1. wie litspr. `Art zu liegen, örtliche Lage, Situation´; de Loge is ne schlaajcht. - 2. `Schicht (Papier, Stoff)´. - 3. `spendiertes Getränk (Bier, Schnaps) für alle Beteiligten, Runde´; iech ga anne Loge aus.

Loger n. `Lager´. 1a. wie litspr. `Stelle zum Liegen u. Schlafen´. - b. `Krankenbett´; iech wellde amol uff kee Loger kumm. - c. `Stelle, wo sich das Getreide gelegt hat´; seine Gaarschte hoat Loger; mer missn `s Loger aushoon. - 2. wie litspr. `Aufbewahrungsraum´. Lautf.: Loocher Hinterhermsdorf.

logerch Adj. (meist. präd.) `am Boden liegend (Getreide)´; ´s Kurn hoat´ch schlaajcht hoon lussn, ´s woar logerch. Lautf.: loagerch.

logern swv. `lagern´. 1. wie litspr. `in einem aufbewahren´. - 2. refl. `am Boden liegen, sich legen´; ´s Kurn logert´ch `der Roggen hat sich wetterbedingt gelegt, der Roggen liegt auf der Erde´.

loo Adj. `lau´. 1. `nicht heiß und nicht kalt ( bei Flüssigkeiten)´; `s Woasser is loo od. seechloo. - 2. `milde Lufttemperatur´; a looer Obd; a foarzlooes Gurknnächtl. Lautf.: loaa Oberlichtenau.

Loob n. `Laub, (abgestorbene) Blätter´; Loobboom, anne Loobbude baun, grienes Loob.

Looch n. Süd- u. Ostlausitz Pl. Lecher, Dim. Lechl, Dat. Luche (kurzes u) `Loch´. 1a. `Öffnung, Höhle´; RA: uff´m letztn Luche pfeifm `bald zu Ende gehen mit jmdm´; enn a Looch an Bauch froin `jmdn. bis aufs Letzte ausfragen´; enn od. woaas ver´sch Looch schiebm `einen fadenscheinigen Grund finden, eine Ausrede ausdenken´; de Schwiegermutter od. is Moantschwater ver´sch Looch schiebm. - b. `Bodenvertiefung, Tal, Senke´; an Bargn leit a klee Looch mit a poaar Häusln. - c. `Grube´; Sandloch, Hittelooch `Jauchegrube´; Volksreim: Nimm dr Zeit und ne is Labm, mach as Looch und ne dernabm. - d. `After, Gesäß´; Oarsch- Oarm- Reit- Rankerlooch.; do wird´r´sch Looch ne rustn! Vu dan sauern Zeuge zoigt´s enn oalle Lecher zu. - 2. `Tür, Durchlass, Luke´; macht´ch zun Luche raus! RA: Do hoat dr Zimmermoan is Looch gelussn! `Verlasse meine Wohnung!´ - 3a. `(armselige, schlechte) Wohnung´; a doaas Looch tät´ch ne ziehn! - b. `Gefängnis, Zuchthaus´; wenn de ne fulgst, kimmst de as Looch; as Looch steckn. - 4a. `Verletzung´; - b. `schadhafte Stelle in Gegenständen´; a Looch an Strumpe; RA: Lecher an Bauch od. as Hindervirrtl froin `ununterbrochen, lästig fragen´. - 5. `Himmelsrichtung´; Drecklooch, Waterlooch; RA: Itze pfefft´s aus ann andern Luche! Lautf.: Loch Westlausitz.

Loof, Looft m. Pl. Leefte `Lauf: das Laufen, kurzer Aufenthalt während eines Laufes, Gewehrlauf, Wegerecht´; Nubbersch hoann ihrn Loof durch unsn Hof; de Leefte vu err Dupplflinte; Labmslooft. Lautf.: Looft, Leeft veralt. Obercunnersdorf.

Loofch m. wSüdlausitz, Westlausitz `kurzer Spaziergang, kurzer Besuch´; ann Loofch machn.

Loofche f. wSüdlausitz, Westlausitz `Laufung: Durchfall´; de Loofche hoann.

Loofjunge m. `Laufjunge; Junge, der für die Geschäftsleute die Botengänge erledigte; iech bie doa ne dei Loofjunge.

loofm stv. iech loofe, du leefst, a leeft, mer loofm, iech liff (veralt.), lief od. luf Neukirch, Schirgiswalde, Westlausitz, Nordböhmen, mer liffm (veralt.), liefm od. lufm Neukirch, iech bie geloofm. 1a. `laufen, fortbewegen im Sinne von zu Fuß gehen, wandern´; RA: Luss´n oack loofm, Gutt wird´n strofm! Doaas is ju zun Dervooneloofm! - b. `rennen´; dar koann aber loofm! - c. `häufig auf das Klo gehen´; wenn de su vill seffst, musst de oack egoal loofm! Looferei. - 2a. `fließen, rinnen (bei Flüssigkeiten)´; de Baach leeft, mir leeft de Noase wie a Quoarksäckl. - b. `auslaufen, Undicht-sein von Gefäßen´; is Foarbfassl leeft schunn lange. - c. `weich, flüssig werden´; dann dichn Kase moagg´ch ne, dar leeft ju schunn! - 3. `eingeschaltet sein, in Betrieb sein´; dr Motor leeft. - 4. `gut vorankommen´; de Oarbeit leeft. Lautf.: laufm Reichenau bei Zittau.

Loofpoass m. in der Wendung ´n Loofpoass gan `gehen lassen, abschieben´.

Looge f. `Lauge: (speziell zubereitetes) Wasser, das man zum Wäschewaschen benutzt (und das heute mit Waschmitteln versehen ist)´. Siehe Loogesaak! 

Loogesaak m. veralt. `Laugensack: Sack mit Holzasche´. Dieser breite Sack besaß einen eisernen Bügel für die Lauge. Die Waschlauge (Wasser zum Wäschewaschen) wurde dadurch bereitet, dass man heißes Wasser über Holzasche goss. An Hause stoann ´s Bruthäusl, dr Schoarbekoastn, dr Burnständer, dr Malkschemml, de Futterschwingn, is Butterfassl und dr Loogesaak. Siehe Looge `Lauge´! Lautf.: Loognsaak, Loognsack.



Luch (kurzes u) siehe Looch!

luchern swv. Niedercunnersdorf, Dürrhennersdorf, Jonsdorf, Zodel Rietschen `heimlich gucken, spionieren, auskundschaften; heimlich suchen, stöbern´; de Kinder luchern wieder ver´n Schlisslluche, ausluchern. Lautf.: lochern Frankenthal, Ohorn.

Luchter m. veralt. `Lachter´. 1. °ZI Ebersbach `Raummaß für Holz (2 Kubikmeter). Siehe auch Kloafter! - 2. übertr. Wehrsdorf dass. wie Scheitlfeie.

luchzn swv. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `lechzen, sehnsüchtig verlangen nach etw., begierig sein auf etw.´; uff doaas Assn hoa´ch schunn lange geluchzt.

lucker Adj. `locker´. 1a. `durchlässig, weich, mürbe´; de Arde muss lucker senn. - b. `mangelhaft befestigt, lose, wacklig´; de Zaumstoachetn senn lucker, mach oack anne Zahnmoark lucker! - c. `schlaff, nicht straff gespannt´; RA: Oack ne lucker lussn! `Nur dranbleiben!´ - 2. umg. übertr. `schnell, unkompliziert, unverkrampft, leichtfertig´; immer lucker vun Hucker! Lautf.: luckerch Wehrsdorf.

Luder n. 1a. `faulendes Fleisch zum Ködern von Raubwild, Aas´. RA: as Luder schloin `leichtsinnig Geld ausgeben, über seine Verhältnisse leben od. feiern´. - b. übertr. auf den Menschen: kee Luder `niemand´. - c. Die Wendung wie´s Luder drückt eine Steigerung aus; se hoat geflennt wie´s Luder. - 2. `Alkoholrausch, Schnaps, Besäufnis´; a Luder schwäppern. - 3a. `Schimpfwort für böses Weib, freches Kind usw.´; Liegeluder `Lügner´, Mauseluder `Dieb´, doaas is a Luder vu ann Moanne, RA: Woaas a Luder is, bleibt ees. - b. eine Mischung von Tadel und Anerkennung, auch Bewunderung; doaas is a Luder `der, die ist gerissen, durchtrieben, meistert jede Situation´; du bist a Luder uff dr Boassgeige `du bist gescheit´; dummes Luder `grobe od. gutmütige Schelte für einen einfältigen Menschen´, Sauluder, Dunnerluder, Hundeluder, Mistluder, Dreckluder; RA: Is gibbt Luder und Schindluder, iech hoa a Schindluder derwischt `ich habe eine mich besonders schikanierende Frau geheiratet´; im Pl. neben Luder auch Ludersch: De Fliegn, doaas senn Ludersch!

Luderbeen n. derbes, häufiger gutmütiges od. scherzhaftes Schimpfwort, z.T. mit einer Beimischung von Anerkennung od. Liebkosung: doaas Luderbeen is wieder mit ann bloon Oge dervoone gekumm.

Luderei f. `(ausgelassener, lustiger, auch derber) Streich, Schabernack, Unsinn, Übermut´; wu de beedn Gulbsbrieder ufkreuzn, gitt´s ohne Luderei ne oab.

Ludersch siehe Luder!

ludersch Adj. 1. `unangenehm, schwierig, heikel, sehr´; ´s is ludersch gloatt uff dr Stroße. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird: a. bei V. u. Adj. `sehr´; se hoat miech ludersch zer Schnecke gemachtt; de Äppl senn ludersch sauer. - b. bei Subst. `groß´.

Luderdingk n. teils tadelnde, teils anerkennende Bezeichnung für eine große oder ausgefallene Sache: zer unser Huckst kumm oalle a aaler Kleedche, doaas wird a Luderdingk.

ludermäßch Adv. 1. verstärkend bei V., Adj. u. Part. `sehr´; die hoann´ch ludermäßch oaagebläkt. - 2. bei Subst. `übermäßig groß´, dar aale Sifflch hoat anne ludermäßche Foahne.

ludern swv. 1. `liederlich leben, sich herumtreiben´; rimludern. - 2. `flüchtig, schlecht arbeiten´; do hoat´r wieder mit menner Warfte geludert.

Luderzeug n. 1. `etw. Minderwertiges, Wertloses´; de Meesteckl, doaas Luderzeug, wächst ieberoale. - 2. `etw. Anerkennungswertes´; dar diche Bittre, doaas Luderzeug, dar hoat geschmackt.

Ludsch (gedehntes u) m. Neugersdorf, Seifhennersdorf, Kemnitz, Ostritz `Ludwig´; de Ludschn `eine Frau Ludwig´, mer gihn zu Ludsche; ´s woarrn´r zahn Ludsche an Durfe.

Luft f. 1a. `die Luft, die die Erde als Hülle umgibt´; RA: De Luft is reene. RA: Luss oack Luft und tu ne flenn! (Taubenheim) `Warte erst mal ab!“ - b. `Atemluft´; nu hiel aber de Luft oaa! `Nun sei aber still!´ Siehe auch Odn! - c. `etw. Ungreifbares, Leeres, ein Nichts´; die dumme Hippe is Luft fer miech. - 2. Liftl `bewegte Luft, Luftzug, schwacher Wind´; is pfefft a frisches Liftl. - 3. `Platz, Bewegungsfreiheit, Spielraum´; do hoa´ch mer missn irscht Luft machn. Lautf.: Loft Westlausitz

luftch Adj. `luftig´. 1. `leicht und durchlässig, dünn (Kleidung); fersch Frihjuhr gitt se aber luftch. - 2. `locker (gebacken)´; de itzchn Sammln senn mer zu luftch.

Luftkichl (kurzes i) n. Süd- u. Westlausitz `Schaumzuckerplätzchen bzw. -bonbon; kleines, linsenförmiges (Pfefferminz)plätzchen; kleiner Würfel mit Aniskern´; de Luftkichl stackte de Mutter a dr Oadventszeit a de Zoappe.

Luftschauklrunks m. Frankenthal, Ohorn `kräftige, grobe männl. Pers., die als Schausteller arbeitet´.

Luftschunkl f. `Luftschaukel´. Lautf.: Loftschunkl.

Luftschnoapper m. `Kurzzeitausflügler (aus der Stadt)´.

Luhfinke f. °ZI Ebersbach, Oberoderwitz, Schönau-Berzdorf, Großschönau, Dittrich Nordböhmen `Lohfink: Gimpel, Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula)´. Form: Luhfink m.

Luhmihle f. Neukirch `Lohmühle: Mühle zur Zerkleinerung der für die Lohgerberei notwendigen pflanzlichen Gerbmittel (Fichten- u. Eichenrinde)´.

Luhn m. `Belohnung´, sittl.-moral., abstrakt; iech hoann ann Strofzettl gekrigt, doaas is dr Luhn derfier.
Luhn m. `(lohendes) Feuer´; Luhnfeuer. Evtl .auch Luhe f.
Luhn m. Südlausitz `Lohe: gemahlene Fichten- od. Eichenrinde zum Gerben´.
Luhn n. Pl. Lihne `Lohn, Bezahlung für eine Dienstleistung, Bestrafung für eine Dummheit´; fer a schie Luhn, is Wucheluhn `der Wochenlohn´; ´s Luhn derfier sullt´ch mit´n Steckl kriegn; zu Luhne a de Foabricke gihn.

luhn swv. meist refl. `lohnen´. Lautf.: lunn Seifhennersdorf.

Luhrboom, Luhre siehe Lierboom!

Luhsche f. msöSüdlausitz, Ost- u. Neulausitz, Schlesien `Lache, Pfütze, Menge Flüssigkeit´; dar koann anne Luhsche vertroin, Woasserluhsche, Mistluhsche `Mistpfütze, Misthaufen in einer Vertiefung od. Grube´.
Luhsche f. Hirschfelde `altes, stumpfes Messer´.

Luhsdurf `Lohsdorf (Ortsteil von Hohnstein in der Sächsischen Schweiz)´, de Luhsdurfer `die Einwohner von Lohsdorf´.

Luhtsch m. siehe Ludsch!

Lujtche siehe Lujtte!

Lujtte f. Niedercunnersdorf `schlechtes Getränk, Brühe, minderwertiger Kaffee, gepanschte Flüssigkeit´; Koaffeelujtte. Lautf.: Lutte, Lujtche Obercunnersdorf, Lujtsche, Luttsche, Loattsche (Bihms Koarle), Loaatsche, Luhtsche Schirgiswalde, Luttsch m Eibau.

Lui m. 1. Neugersdorf männl. RN `Louis´. - 2. übertr. `leichtblütige, liederliche, lüsterne männl. Person; ein Windbeutel´; gibb dch ju ne mit Rainern oab, doaas is euch a Lui vu ann Moanne!

Lukemotive f. `Lokomotive´. Lautf.: Lukmotive.

Lukreezn siehe Loakritzn!

Lulle f. um Löbau `dünner Kaffee´.

lullern swv. `urinieren´ (meist bei Kindern).

lulln swv. `urinieren´ (meist bei Kindern).

Lullo n. kinderspr. 1. `Geschlechtsteil bzw. Urinausscheideorgan eines kleinen Kindes´. Auch Bullo, Hullo, Tschullo. - 2. `Urin, Harn, Pipi´; Lullo od. lullull machn `urinieren´.

Lumerch m. Großschönau `Vagabund, männl. Pers. mit leichtem Lebenswandel, verzogener Bursche, Tunichtgut´.

Lumml f. verstr. msSüdlausitz, msOstlausitz, Schlesien 1. `(altes) stumpfes Messer´. - 2. `Taschenmesser ohne Federmechanismus´. - 3. Ostlausitz, Nordböhmen `Messerklinge´.

Lumpatz (1. Silbe betont) m. Jonsdorf `Person, die viel fortgeht und herumzieht; Herumtreiber´. Lautf.: Lumpaaz, Lumperz Oberlichtenau.

lumpch Adj. `lumpig in der Bedeutung billig, minderwertig, gewöhnlich, unbedeutend, belanglos´; lumpche fimf Pfennge Trinkgeld. Lautf.: lumpcht.

Lumperch m. Jonsdorf, Bühlau 1. dass. wie Lumperjoanz. - 2. dass. wie Lunderch. Lautf.: Lomperch Westlausitz.

Lumperjoanz m. Oderwitz `schäbig, schlecht angezogene, liederliche Pers.´

lumpern swv. `langsam laufen, schlendernd gehen, herumlungern´.

lumpm swv. in der Wendung sich ne lumpm lussn `freigebig sein´.

Lumpmkraut n. verstr., Rietschen  `Krauteintopf mit großen Weißkrautblättern, Großkraut´.

Lumpmmoan m. `Lumpensammler´

Lumpmsaak m. `Lumpensack´.

Lumpmsoammler m. `Lumpensammler´. 1. `Person, die Lumpen, aber auch Altpapier, Schrott und Flaschen, sammelt od. aufkauft und zur Verarbeitung weiterverkauft´. - 2. übertr. `Fahrzeug (Bus, Zug), das einzelne Personen an verschiedenen Haltepunkten einsammelt´.

Lumpmstoampe f. 1. `Betrieb, wo Lumpen aufbereitet werden´. - 2. `unordentlicher Stapel von Kleidungsstücken´; willst de deine Lumpmstoampe ne ufräum?

Lunderch m. wSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz `Kerl, Herumtreiber, Landstreicher´; doaas tät dir fauln Lunderch su poassn; brauchst ne irscht nunder gihn, a Lunderch od. Battllunderch stitt ver dr Tiere. Lautf.: Londerch Westlausitz.

lunderch Adj. `liederlich, heruntergekommen´.

lundern swv. wSüdlausitz, Westlausitz `lungern, herumziehen, herumstreichen ohne Ziel´; rimlundern. Lautf.: (rem)londern Ohorn.

Lungk m. Obercunnersdorf, Cunewalde, Spitzkunnersdorf, Ostlausitz `Moment, Augenblick, freie Zeit, Verschnaufpause, Atempause, kurze Erholung, Muße´; ann klenn Lungk ginn; wenn amol a freier Lungk is, rooch´ch eene; uff enn Lungk `für einen Augenblick´; iech hoa noa ann Lungk Zeit ieberch; setz dich ock noa ann Lungk! Lautf.: Lung, Luhk.

Lungnkraut n. `Echtes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis L)´, auch Lungnblieml.

lunsn siehe linsn!

Lunte f. 1. `für den bevorstehenden Spinnprozess parallelisierter Faserstrang´. - 2. `ein in einer brennbaren Lösung getränkter Strick von starkem Hanfgespinst als glimmendes Zündmittel für Geschütze´; umg. in der Fügung Lunte richn `Gefahr wittern´.

lun(t)schn siehe linsn!

lunzn siehe linsn!

Lurber f. (fast nur Pl.) Dim. Lurbl Obercunnersdorf, Cunewalde, Neusorge `Lorbeer´. 1. wie litspr. - 2. übertr. `Kot der Schafe, Ziegen, Hasen u. Kaninchen´; de Wiese is vuler Lurbern, Ziegelurber, Hoaselurbl, Koarnickllurbl. - 3. übertr. `zu kleine, der Größe u. Form einer Lorbeere entsprechenden Frucht od. Kartoffel´; de Abern senn heuer ne gerutt, doaas senn oack Lurbern. Lautf.: Loarber, Loa(r)wer, Lurwer.

lurbern swv. `Kot abstoßen (Schafe, Ziege, Hasen)´; die Ziegn hoann uff´m Waajg gelurbert. Lautf.: Siehe Lurber!

Lurge siehe Lurge!

Lurke f. 1. (meist im Plural) `lustige Begebenheit, Luderei; kurze, lustige, (unwahre) Erzählung, Hirngespinst; Schnurre; spaßige Anekdote´; ´n Kupp vuler Lurkn hoann. - 2. Ostlausitz `Schmähwort´; enn Lurkn gan `mit jmdm. schimpfen´. Lautf.: Lurge Neukirch.
Lurke f. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Cunewalde, Wittgendorf, Girbigsdorf, Neusorge `schlechtes Getränk, Brühe, dünner Kaffee, Kaffeeersatz; dicke, trübe, unreine Flüssigkeit´; die diche Lurke koannst de oalleene saufm! Lautf.: Lorke Schirgiswalde, Lorge Burkau, Oberlichtenau.
Lurke f. verstr. Süd- u. Ostlausitz `Dickstelle im Garn; Fehler im Garn, Zwirn od. Strickmuster; abgenutztes Arbeitsmittel, verschlissener Gegenstand, missratenes Produkt, z.B.: verdengeltes, welliges Sensenblatt; stumpfes Messer´.

Lurknluder n. selt. nwSüdlausitz `Person, die kurze, lustige, unwahre Geschichten erzählt; Spaßmacher; Zotenreißer´.

Lurks m. 1. Anton dass. wie Lurknluder. - 2. böhmisches Niederland `Lehrling, Lehrjunge, Stift´. Lautf.: Lorks.

Lurkse f. msSüdlausitz `kurze, lustige, (unwahre) Erzählung; Schnurre, spaßige Anekdote, Zote´; Lurksn reißn, machn, auspackn.

lurksn swv. Anton `unzüchtige Reden führen, freche Witze erzählen´.

Lurre siehe Lirre!

Lus n. Niedercunnersdorf, Ohorn `Los: senkrechte Spalte im Gestein´.

Lus n. `Los: Anteilschein in der Lotterie´; a hoat´s Gruße Lus gezoin `er hat großes Glück gehabt´.

lus `los´. 1. präd. Adj., Adv. a. `gelöst, abgetrennt, frei´; de Kuhe is lus. - b. in den Wendungen woaas, nischt, vill lus senn/sein. - 2. Adverbialpartikel in Verbzusammensetzungen; lusgihn, lusbläkn `sofort brüllen´, lusloofm `auf ein Ziel hin laufen, luslussn `los lassen: Handgriff lösen´, luswarn `los werden, abschieben´.

Lusche (gedehntes u) siehe Luhsche!

Lusche (kurzes u) f. 1. `Spielkarte ohne Zählwert´. - 2. `etw. Wert- od. Bedeutungsloses´.

luse Adj. `lose´. 1a. `locker, nicht mehr fest verbunden´; de Zähne senn luse. - b. `offen angelehnt´. - c. übertr. `vorlaut, geschwätzig´; anne luse Gusche hoann. - d. `sittenlos, gewöhnlich, ordinär´; luses Vulk. - 2. `unverpackt´; keefst de´s luse, kimmst de billcher.

Lusdurf `Ludwigsdorf´ (Ort der Kreisstadt Görlitz im °GR)´; de Lusdurfer `die Einwohner von Ludwigsdorf´.

luskeefm swv. refl. `sich durch eine Geldgabe aus den alten Bindungen lösen, bei Hochzeiten durch Hinwerfen von Geld den Weg, der mit Schnüren u./od. Stangen versperrt ist, freikaufen´; de Nubberkinder schnierdln ver dr Kirche, is Brautpoaar muss´ch luskeefm. Auch luskoofm.

lusplauzn swv. `ohne Aufforderung laut und direkt mit Reden beginnen´.

lusschiebm stv. `losschieben, aufbrechen, sich (schwerfällig laufend) auf den Weg machen´; wie se derno bezoahlt huttn, schubm se lus.

lussn stv. Südlausitz sWestlausitz msOstlausitz `lassen´, iech luss, du lässt, mer lussn, iech ließ, mer ließn od. mer lissn (öOstlausitz.),  ech hoa gelussn. 1. `etw. von sich lassen, abstoßen´; ann Foarz lussn. - 2. `unterlassen, aufhören´; luss die Groabscherei! - 3a. `belassen, unverändert lassen´; luss´n oack bläkn! - b. `etw. an einem Ort lassen´; de Frooe hoa´ch derheeme gelussn, die muss de Miete oabsitzn. - 4. `überlassen, aushändigen´; iech luss der´sch Bichl fer zahn Moark. - 5. `eine Handlung anderer veranlassen oder dulden, einen Vorgang bewirken´; iech hoa miech foahrn lussn. - 6a. `dulden, erlauben, gestatten, zulassen´; luss dch ne heeßn! - b. dass. (aber ohne Inf.); die lässt jedn `im Geschlechtsverkehr entgegenkommend sein´. - 7. Ausdruck hoher Anerkennung oder Steigerung, dar diche Kurb lässt´ch troin. Lautf.: lossn Westlausitz, loaan veralt. Ostlausitz, ber wulln doaas Kindl teefm loaan.

lustch Adj. `lustig´.

luswarn stv. `loswerden´. 1a. `sich von jmdm., etw. Lästigem befreien können´; iech war dann Karln schunn luswarn. - b. `etw. (Minderwertiges) verkaufen können´; die Toalkn (minderwertige Semmeln) war´ch wull ne luswarn. - 2. `etw. abgeben, verlieren, einbüßen´; meine Pfennge bie´ch ganz fix lusgewurn.

Lut n. `Lot´. 1. `an einer Schnur hängendes Blei- oder Stahlgewicht zur Bestimmung der Senkrechten´; Lutwooge (Lotwaage, Bleiwaage). - 2. `die durch das Lot angegebene Senkrechte´; übertr. (ne) an Lute senn `(nicht) in Ordnung sein´; as Lut kumm `richtig werden´; as Lut brengn `reparieren´.

Lutsche f. 1. siehe Lujtte! - 2. Burkau, Steina `ärgerliches, weinerliches, missmutiges, trotziges Gesicht´.

Luttch m. sSüdlausitz 1. Schirgiswalde, Großschönau `großer (ungeschickter od. liederlicher) Kerl´. - 2. Niedercunnersdorf, Westlausitz `Spaß, Luderei, Ulk, Possen´; a poaar schoabernecksche Karln hoann´ch ann Luttch gemacht. Lautf.: Luttsch Jonsdorf, Schirgiswalde, Lottch Westlausitz.

Lutte siehe Lujtte!

lutterch Adj. °Zi Kemnitz `lottrig: verlottert: liederlich, verwahrlost, heruntergekommen´.

luttln swv. `lotteln: Lotto spielen´.

Luttn m. Großschönau `Lärm, Spektakel´; ann Luttn machn.

luttn swv. Anton `einen großen Lärm machen´.