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  1. K

Ka

kaalt Adj. Komp. kälder od. käller (öKürzung), Sup. oan kältstn `kalt´. 1. wie litspr. `wenig od. keine Wärme enthaltend, ausstrahlend´; a Neegl kaales od. kaalt Woasser, saukaalt, hundekaalt, kaales Fieber siehe Fieber! - 2. übertr. a. `ohne Körperwärme, tot´. - b. `ohne Liebesglut´. - c. `besonnen, die Ruhe bewahrend, unerschrocken, kaltblütig, gleichgültig, ungerührt, kaltherzig, herzlos´; doaas lässt miech kaal; kaalt wie Hundeschnauze. Lautf.: kaale.

Kaalwoasser n. (Ortsteil der Gemeinde Neißeaue im °GR)´; de Käl(t)wässner od. de Kaal(t)wassner `die Einwohner von Kaltwasser´.

kaapsch siehe kappsch!

Kaartl siehe Koaarte!

kaaschln siehe koaaschln!

kaazn siehe kazn!

Käberchn n. 1. Burkau `kleiner Kobold: seelenverderbender Hausgeist, der äußere Glücksgüter (Reichtum, Besitz) beschert´; `s Käberchn hoann `den Kobold, oft in Gestalt eines kleinen schwarzen Hühnchens, haben, der Geld und Gut bringt, ungesehen bei der Arbeit hilft, dafür aber die Ruhe im Tod nimmt; spuken, scheuchen, nicht geheuer zugehen´, auch Puttl od. Hihnl. - 2. siehe Kober! Lautf.: Käwerchn Steina, Käferchn Bühlau.

Käblz ohne Genus, veralt. f. `Köblitz (zur Gemeinde Cunewalde gehörender Ortsteil von Weigsdorf-Köblitz im °BZ)´; de Käblzer `die Einwohner von Köblitz´.

Käbse f. veralt. Südlausitz `Kebse: Geliebte, Nebenfrau, Konkubine´; a hoat´ch mit senner Käbse sahn lussn.

Käbsliebste f. Westlausitz `(außereheliche) Geliebte´.

kachln swv. 1. `stark heizen (im Kachelofen)´; su anne Wärme, du hoast aber wieder gekachlt od. eigekachlt! - 2. `Geschlechtsverkehr haben´; ´s gibbt ne vill, die dar noa ne gekachlt hoat. Lautf.: koachln.

Kacke f. Kinderspr. `Kot´; ´s is oalls Kacke `es ist alles schlecht´, RA: Do hirrt doa glei de Kacke uf zu roochn od. zu stinkn! `Das ist ja unerhört!´ De Kacke is an Roochn `eine kritische Situation ist eingetreten´.

kackn swv. `kacken: den Darm entleeren (weniger derb als scheißn)´. Auf die Frage „Woaas wird oack meine Liebste machn?“ bekommt man bisweilen die Antwort: „Krumme Beene benn Kackn.“

Kafer m. Dim. Kaferchl `Käfer´. 1. wie litspr.; Guld-, Mist-, Scheißkafer. - 2. übertr. a. Kosewort `hübsches Kind od. hübsches Mädchen´; sisser od. guldcher Kafer. - b. `(Partei)abzeichen´; dar hoat wieder senn Kafer oaasteckn.
Kafer (gedehntes a) m. dass. wie Kaffer 2 `Hosenstall´, urspr. `die vordere Klappe (Latz) der Männerhose´. Lautf.: Koafer.

kafern swv. 1. sSüdlausitz, öKürzung `keifen, schimpfen´. - 2. Bihms Koarle `brummen wie ein Käfer´.
kafern swv. refl. Frankenthal, Ohorn, Großröhrsdorf, Polenz `kauern´; hinkafern. Lautf.: kaffern u. hiekaffern (Ostlausitz).

Kaffeneet siehe Koafferneetl!

Kaffer m. Dim. Kaf(t)erchl, Kafterchn 1. `aus dem Dach hervortretendes (schlitzartiges, gaubenartiges) Fenster; Gaube´; Daachkaffer, Kafferfanster. - 2. `Latz´; Hosnkaffer od. Hosekaffer `Hosenlatz, Hosenschlitz, Hosenstall´; auch Kafer. - 3. Kafferchl, Kafterchl (Niedercunnersdorf, Großschönau), Kafterchn (Sächs. Schweiz) `enger Raum, kleine Kammer; der meist durch eine Holzwand abgetrennte besondere Raum einer großen Wohnstube als Rückzugsraum für den Eigentümer und seine Familie; Raum unter der Treppe´. Lautf.: Käffer.

Kaffer m. `kläffender Hund´. Lautf.: Käffer.

Kafferch m. 1a. `kläffender Hund´. - b. `Mensch, der zu viel redet u. schimpft´. - 2. `Hosenöffnung, -stall, -klappe´; Hosnkafferch.

Kafferfanster n. dass. wie Kaffer 1 `Dachfenster´.

Kafferlooch n. Süd- u. Ostlausitz `gaubenartig vorgebaute Öffnung im Dach der Scheune, durch die das Heu hineingegabelt wird´.

kaffern swv. 1. `bellen, kläffen (Hund)´; Nubbersch Hund hoat de ganze Nacht gekaffert. - 2a. `unfreundlich und laut reden, schimpfen, widersprechen´; kaffer ne su rim! - b. `über etw., jmdn. klatschen, üble Nachrede führen; an allem herumnörgeln´; die muss ieber jedn kaffern; die hoat immer woaas zu kaffern! Lautf.: gaffern Bihms Koarle, Kirschau, kafern.

kaffern swv. Ostlausitz `hocken, kauern´: kaffer dch oack zun Bullern hie har! Lautf.: kafern Westlausitz.

Kaffertierdl n. Ostlausitz dass. wie Heikaffertierdl.

Kafferze f. `Frau, die an allem herummeckert u. -nörgelt´.

kaffm swv. Ostlausitz `bellen, kläffen (Hund)´; auch kaffern. Lautf.: käffm Anton.

käffm swv. Anton dass. wie kaffern.

Kaffterchl siehe Kaffer!

Kaffzerch m. Nordböhmen `kläffender Hund´.

kaffzn swv. öKürzung, Nordböhmen, Schlesien dass. wie kaffern.

Kahlbänkl n. Dittelsdorf `Raum über den Kehlbalken im Dachraum´, auch Kahlbänksl Niedercunnersdorf. Siehe Kahlboalkn!

Kahlboalkn m. Dim. Kahlbalkchl Niedercunnersdorf, Kahlbalkl Jonsdorf, Pl. Dim. Kahlbalkln `Kehlbalken´. 1a. `Balken in dem Winkel, den die zwei aneinanderstoßenden Dachseiten bilden´; de Schissscheibe wird as Kahlbalkl genoajlt. - b. `mittlerer waagerechter, die Dachkehle tragender Balken zwischen oberstem Balken (Hoajneboalkn) und Deckenbalken im Dachstuhl´; de Steckn uff´s Kahlbalkl län . - c. dass. wie Hoajn(e)bänder 1a. u. Hoajn(e)boalkn. - 2. im Pl. u. Dim. a. `Spitzboden des Hauses, Raum zwischen dem oberen Querbalken u. dem Dachfirst´. - b. `oberer Boden in der Scheune´. Lautf.: Kaulboalkn veralt.

Kahle f. `Kehle´. 1. wie litspr. a. `der vordere obere Teil des Halses´; iech kennt´n a de Kahle huppm. - b. `die Speiseröhre´; anne durstche Kahle hoann. - c. `Luftröhre´, auch als foalsche od. unraajchte Kahle bezeichnet. RA: a de unraajchte Kahle kumm `sich falsch ausdrücken, falsch verstanden werden´. - 2. übertr. a. `Höhlung an der Innenseite des Knies´; Kniekahle. - b. `der Winkel, den zwei aneinanderstoßende Dächer od. Dachseiten bilden´.

Kahncht n. Dim. Kahnchtl mnOstlausitz `dichtes Kieferngehölz, Halbwüchsiges, Kiefernschonung´. Lautf.: Kahnicht, Koahncht.

kahnln swv. `Kahnfahren´.

Kährcht siehe Kehrcht!

kährn siehe kehrn!

Kaiserblume f. öSüd-, sOstlausitz `Margerite (Chrysanthemum Leucanthemum L.)´.

Kaiserbrutl n. `kleine runde Semmel mit bogenförmigen od. geraden Einschnitten´.

Kaiserkirmst f. Südlausitz `sich aus der verschiedenen Berechnung ergebender terminlicher Zusammenfall der Kirmesfeiern mehrerer Dörfer´.

Kalbcht f. Ortsteil von Wehrsdorf; die wohn a dr Kalbcht.

kälbern (kurzes ä) swv. 1. Ostritz, Seifhennersdorf `sich übergeben, speien´. - 2. Burkau `übermütig herumspringen, ausgelassen sein´.

Kälbersteene f. `Kälbersteine´, Berg zwischen Ellersdorf und Crostau im °BZ.

Kälberzähne Pl. `gekochte, grobkörnige Graupen (als Eintopf)´. Die Zähne der Kälber haben einen dunklen Saum, die Graupen nach dem Kochen meist auch.

Kälde f. `Kälte´; Hundekälde.

kälkn swv. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `kalken, weißen´; de Oaabeseite od. de Helle kälkn. Lautf.: koalkn.

kallaschn swv. siehe goaloaschn!

Kaller m. `Keller: (unter dem Haus befindlicher) Raum, in dem Lebensmittel und Futtervorräte aufbewahrt werden´.

Kalleräsl m. Niedercunnersdorf `Kelleresel: Kellerassel´.

Kallerbuwerzche siehe Buberatsche!

Kallerkloappe f. `Kellerklappe: Falltür über der Kellertreppe´.

Kallerlamml n. Neusalza Spremberg, Wehrsdorf, Steinigtwolmsdorf, Schirgiswalde, Weifa, Neukirch, Tautewalde, Goldbach `Kellerassel´.

Kallerlooch n. `Kellerloch´. 1. `minimale Form des Kellers, meist eine Senke im Haus od. in der Stube zur Aufbewahrung von Lebensmitteln als Kellerersatz´. Häufig ist das Kellerloch vom Hausflur aus über eine Falltür und eine schwindlige, rohe Treppe erreichbar. - 2. `(rechteckige) Vertiefung in der Kellerwand (zum Abstellen von wärmeempfindlichen Flüssigkeiten)´. - 3. `Vertiefung im Oberteil des Kellers, die in einem Fenster endet´. - 4. °NOL Königshain `Öffnung für das Einschütten von Rüben u. Kartoffeln´.

Kallerriebe f. 1. Bihms Koarle, Großschönau, Jonsdorf, Nordböhmen `Kohlrabi´. - 2. `Rübe, die im Keller gelagert wird´. a. `Kohlrübe´. - b. Steinigtwolmsdorf `Futterrübe (Runkelrübe)´.

Kallerschof n. Dim. Kallerschafl Westlausitz `Kellerassel´.

Kallerschwein n. Dim. Kallerschweinl Altbernsdorf, Neusorge `Kellerassel´.

Kallerstuffm Pl. `Kellerstufen: Kellertreppe´. "Woaas gibbt´s´n heut zu Mittche?" - "Eigeläte Kallerstuffm!"

Kallerwoanze f. Seifhennersdorf `Kellerassel´.

Kaluchn Pl. (kurze Vokale) um Görlitz `(alte) Schuhe´; a Poaar aale Kaluchn. Lautf.: Koaluschn (kurzes oa u. kurzes u) Prachenau.

Kamlz (kurzes a)  f. (alt), ohne Genus `Kemnitz OL (Ort der Stadt Bernstadt a.d.Eigen im °GR)´, de Kamlzer od. Kamzer `die Einwohner von Kemnitz´; mer gihn a de Kamlz (alt), mer gihn noa Kamlz (neu); ´s woar a (dr) Kamlz.

Kammerchl n. siehe Koammer!

kammern swv. Steina dass. wie krackn od. firzln. Lautf.: kämmern nWestlausitz.

Kampl m. Südlausitz 1. abwert. `Kerl, Mann (mit Geld u. von Ansehen), hoher Herr´; aus´n klenn Nubberjungn is a grußer Kampl wurn. - 2. `seltsame, komische, eingebildete männl. Pers.´.

Kamplbruder m. `Kampfbruder, Raufkumpan, Gegner beim Ringkampf´; de Buxer wulln ihrn Kamplbriedern Furcht eijoin.

Kamplch m. Steinigtwolmsdorf dass. wie Kampl.

kampln (kurzes a) siehe koampln!

kampln swv. Nordböhmen `kämmen´.

Kamschner (kurzes a) m. veralt. Seifhennersdorf, wSüdlausitz, Schirgiswalde, Westlausitz, Rumburg in Nordböhmen dass. wie Huckstbitter. Lautf.: Koamschner.

kamt (kurzes a) Adv. Seifhennersdorf, Pulsnitz, sWestlausitz `kaum´; mer kemmt moanchmo kamt uff seine Kostn.

Kannl siehe Koanne!

Kanter m. `Kantor´. 1. `Organist u. Leiter des Kirchenchores´. - 2. veralt. `Lehrer, Schulmeister´; der Kantor versah früher auch das Amt des Lehrers.

Kanthokn m. enn benn Kanthokn nahm `jmdn. unter den Arm nehmen, jmdn. härter herannehmen, gegenüber jmdm. handgreiflich werden´. Lautf.: Kanthockn Westlausitz.

Kantl n. Neusorge dass. wie Rämpfl!

Kanzl f. Niedercunnersdorf `Kanzel (in der Kirche)´; die warrn vu dr Kanzl geschmissn `Verlesung des Aufgebots (zwei Sonntage vor der Trauung) in der Kirche, öffentliche Bekanntmachung einer beabsichtigten kirchlichen Trauung´.

Kappl n. 1. `kleine Kappe (als Kopfbedeckung)´; Rutkappl; a trätt a Kappl mit err Bumml; a jeder Quarx soatzte sei Kappl uf. - 2. Schlesien `Heuhaufen´.

Käppl siehe Keppl!

Käppchl siehe Keppl!

Käppchlhäbm dass. wie Tipplhäbm!

kappern siehe ufkoappern!

kappsch Adj. 1. Süd- u. Westlausitz; öKürzung `unfreundlich, kurz angebunden, schnippisch, trotzig, abweisend, barsch, eingeschnappt´; a kappsch Dingk is doaas `ein unfreundliches Mädchen ist das´; die senn schunn a poaar Tage kappsch minander. - 2. Seifhennersdorf `gesundheitlich nicht auf der Höhe, kränklich´. Lautf.: kaapsch Seifhennersdorf, käppsch.

kappschern swv. Schirgiswalde `wehleidig tun, über Schmerzen klagen, den Kranken spielen, jammern´.

kappschn swv. Seifhennersdorf dass. wie kappschern; dar kappscht rim.

Karbe f. Seifhennersdorf siehe Karbl!

Karbl n. Dim zu Karbe `(kleine) Kerbe, Einschnitt´; Karbl schnitzn, in der Wendung a Karbl zurickesteckn `etwas nachgeben´.

Karbhulz n. veralt. `Kerbholz: Holzbrettchen, auf dem die Schuld einer Zeche durch Kerbstriche verzeichnet war´. RA: woaas uff´m Karbhulze hoann `einen Makel, eine Schuld haben´.

karbln swv. `(in das Holz oder harte Brot) Kerben schneiden´; de Rinde od. ´s Rämpftl karbln. Lautf.: kerbln.

Karle (kurzes a) m. Dim. Karlchl Pl. Karln `Kerl´. 1. `Mann, der nicht viel taugt´; Scheißkarle. - 2. `junger lediger Bursche (mit viel Kraft u. Vermögen)´; mir woarrn Karln. - 3. schwach abwert. `Junge´; a soischer, dummer, geschoiter, hämscher, versuffner od. beschissner Karle. - 4. `der Geliebte´, meine Schwaster hoat ann neun Karln. - 5. `der Sohn´; mer hoann a Maajdl und zwä Karln. - 6. `(unverheirateter) Knecht´.

Karmst siehe Kirmst!

Karnl n. Dim. von Karn `Kernlein´. 1a. `Steinchen in den Früchten des Stein- u. Kernobstes´; Kirschkarnl, Äpplkarnl, iech hoa´s Karnl verschluckt. - b. `Samen (des Getreides u. verschiedener Nutzpflanzen)´; Gurknkarnl. - c. `Pille´; a Karnl Oarznei. - 2. in der Fügung a Karnl Zucker `ein Stück Kandis- od. Würfelzucker´; `n Koaffee ieber´sch Karnl schlurfm `Kaffee geräuschvoll mit einem Stück Zucker im Mund trinken´. Laut mündlicher Überlieferung nahmen früher die armen Leute ein Stück Kandiszucker in den Mund, tranken Kaffee und gaben das Stück dem nächsten Kaffeetrinker. Würfelzucker war damals noch unbekannt. Lautf.: Kernl.

Karnlkoaffee m. `(dünner) Kaffee aus gebrannten Gerstenkörnern, Malzkaffee´; anne Koannvll Karnlkoaffee.

karnln swv. siehe kernln!

Karnlzucker m. 1. `Kandiszucker´; auch Zuckerkarnl. - 2. übertr. `Würfelzucker´.

karzch siehe kerzch!

Kaschl `Kaschel (Ort der Gemeinde Boxberg OL im °GR)´; de Kaschler `die Einwohner von Kaschel´. Lautf.: Koaschl.

kaschln siehe koaaschln!

kaschn (kurzes a) siehe koaschn!

Kase m. `Käse´. 1. wie litspr.; stinkcher Kase, Kasekaule `runder Käse´. - 2. `Unsinn, dummes Zeug, Unwahrheit´; derzähl ne sickn Kase! - 3. Kase wiegn `die Kinder hängen sich Rücken an Rücken ein und beugen sich abwechselnd nach vorn (Kinderspiel)´.

Kaseblieml n. wSüd- u. Westlausitz, Hintere Sächsische Schweiz `Margerite (Leucanthemum ircutianum)´, auch Gehoannsblieml. Lautf.: Käseblieml Neulausitz.

Kasehäusl m. Ostlausitz `an der Giebelseite des Hauses befestigtes Kästchen zum Käsereifen´, auch Quarglhäusl.

Kasehitsche (gedehntes a, kurzes e u. i) f. `kleiner, einfacher, altmodischer, primitiver, einsitziger Holzschlitten für Kinder´. Siehe auch Brathitsche!

Kasekoallchl n. `Käsekeulchen: Quarkkeulchen´. Lautf.: Siehe Koallchl!

Kasekuchn m. `Käsekuchen: Kuchen aus trockenem, festem Quark, den man reibt und mit Buttern, Madeln, Rosinen und Zucker geschmeidig macht´. Lautf.: Kasekuche.

Kasenappl n. `Käsenäpfchen´. 1. `(hölzerner) Napf mit Löchern für Käse´. - 2. öSüdlausitz, Ostlausitz übertr. a. `kleine Früchte der Weg-Malve (Malva neglecta, Malva vulgaris)´, alte Heilpflanze mit essbaren runden Früchten. - b. `kleine Früchte der wilden Malve (Malva silvestris L.)´ - 3. übertr. Nordböhmen `Kopftuch der Frauen, das am Kopfe anliegt und daher eine halbkugelförmige Gestalt erhält´. - 4. übertr. Pl. `große Augen´; mach deine Kasenappl uf!

Kasenapploogn Pl. `große Augen´.

Kasepoapl f. 1. `Weg-Malve´. - 2. `Wilde Malve (Malva sylvestris)´. Den Namen haben die Malven von den plattgedrückten, käseähnlichen Formen der Früchte.

Kaseritsche f. dass. wie Kasehitsche. Lautf.: Kaserutsche.

Kasequargl n. siehe Quargl!

Kaseschränkl n. `Käseschränkchen: luftdurchlässiges, käfigartiges, transportfähiges Gestell zur Aufbewahrung des Käses´.

kaseweiß Adj. Adv. `weiß wie Käse, blass, bleich´; wie Nubbersch Kleene as Auto liff, wurd´ch kaseweiß.

Kastl n. Dim. von Koastn 1. 1. wie litspr. `Kästchen: Behältnis oder Schrank, der verschlossen werden kann´; Masserkastl, Schieferkastl, Farnsehkastl; an Kastl hängn `das Aufgebot hängt aus´. - 2. `Gefängnis´; Kinder zur Polizei: Pulezei sparr miech ei, a doaas Kastl Nummer drei!

kastlch Adj. Adv. `gekästelt, kariert´; a rutkastlch(es) Tichl.

Kastlgucker m. `Pers., die (lange) vor dem Fernseher sitzt u. fern sieht´.

Kastlhuppe f. Neusalza-Spremberg, Cunewalde dass. wie Kastlhuppm.

Kastlhuppm n. `Kinderspiel, bei dem mit einem Bein in auf den Erdboden eingeritzte Kästchen gesprungen werden muss´, siehe Huppekastl!

Kastlkoarre f. nwmSüdlausitz, Ostlausitz `einrädriger Schiebekarren mit viereckigem, kastenartigem Aufsatz; Schubkarre´, auch Kastlkoarrn m.

Kastlroaber f. dass. wie Kastlkoarre und Roaber 2.

Kasterole f. siehe Koasterole!

Kate f. abwert. `Hütte, ärmliches Haus´.
Kate f. Dim. Katl `Käthe´. 1. RN, Kurzform des weibl. Vornamens `Katharina´; se gitt zer Katn. - 2. übertr. a. bedeutungsneutral `Mädchen, Freundin, Liebste´; junge Katn, woaas hoat dar fer a Katl ufgegoablt? - b. abwert. `(dickes, starkes) Frauenzimmer´; doaas is anne Kate wurn! - 3. siehe Katl! Lautf.: Käthe, Käthl.

Käte (gedehntes ä) f. Dim. Kätl, Kätchn, Kätchl Pl. Kätn Oberland `Kette (zu techn. Zwecken u. als Schmuck)´; Hoalskätl, RA: ´s hängt wie a tausnd Kätn `es bewegt sich nichts´, ´s gitt mer uff de Kätn `es nervt mich´; Weiberkätchl `Halskettchen für Frauen´. Lautf.: Kette. Lautf.: Kette.

Kathe siehe Kate!

Katl n. Dim. zu Kate 1a. Kurzform des weibl. Vornamens `Katharina´. - b. übertr. `Mädchen´. - 2a. `Rotkehlchen´, auch Rutkatl. - b. `Blaukehlchen´; auch Blookatl. Siehe auch Kate!

Katlbäre f. söSüdlausitz 1. `Frucht des roten Holunders (Sambucus racemosa L.)´. - 2. `Frucht des schwarzen Holunders (Sambucus nigra L.)´; aus´n Katlbärn mach mer Suppe. Siehe auch Flieder! Es kann sich bei der Katlbäre auch um eine Umdeutung des Wortes Koadl (Ruß) handeln, der sich durch kräftiges Schwarz auszeichnet, denn auch die Wacholder- und Brombeeren sollen bisweilen so benannt worden sein. Lautf.: Kadlbäre, Kadlsbäre, Katlbiäre, auch Rutkatlbäre. - 3. Schlesien `Frucht der Eberesche´, Katlabeere.

Katl(bär)suppe f. söSüdlausitz `Holundersuppe´, auch Rutkatlbärsuppe od. Rutkatlsuppe.

Katlboom m. Olbersdorf `Holunderstrauch´.

Katlbrut n. Großschönau `Früchte des Pfaffenhütchenstrauches (Gewöhnliche Spindelstrauch, Pfaffenkäppchen, Spillbaum oder Spindelbaum)´, eine Pflanzenart aus der Familie der Spindelbaumgewächse (Celastraceae).

Kätnhund (langes ä) m. Karl Gude `Kettenhund: bissiger Hofhund, der an der Kette liegt´; war anne Hennerschdurfer Frooe hoot, dar brauch kenn Kätnhund! Großschönau.

Kätnseeger m. `Kettenseiger: (Stand)uhr mit (Pendel, Gewichten u.) Ketten zum Uhraufziehen´. Lautf.: Kettnseeger.

katschch (kurzes a) Adj. `kätschig: weichgekaut, zerkaut, weich´; katschcher Kuchn, weechkatschches Brut.

Kätsche (kurzes ä) siehe Ketsche!

katschern (kurzes a) swv. dass. wie katschln.

katschlch (kurzes a) Adj. Niedercunnersdorf, Großhennersdorf `noch nicht restlos getrocknet, noch feucht, klumpig´; katschliches Fuder `noch nicht restlos getrocknetes, klumpiges Heu´. Lautf.: kutschlch Neugersdorf.

katschln (kurzes a) swv. `kätschen: (harte, zähe) Speisen laut hörbar u. mit Mühe (zer)kauen´. "Du sullst ne su katschln!" "Wenn doaas Fleesch aber su zähterch is." De aaln Manner katschltn Priem.

katschn (kurzes a) swv. dass. wie katschln; oabkatschn.

Katzl n. Dim. von Koatze, siehe Koatze!

katzln swv. `gebären (von der Katze)´.

kaubln siehe kaupln!

Kauermannl n. `Hocke´; dar fährt Kauermannl `der fährt (mit den Skiern) in Hockstellung´, Kauermannl machn `sich hinkauern (Kinder), urinieren (Mädchen)´.

Kaularschl (Dim. von Kauloarsch) n. `Kaulquappe: Froschlarve´, auch `Pers. mit einem dicken, runden Arsch´. Lautf.: Kaulaschl (gedehntes a) Neugersdorf.

Käulchl siehe Koallchl!

Kaule f. `zu etw. Rundem, Rollenförmig- oder Zylinderförmigen aufgewickelte Fäden od. aufgewickelter Stoff; Knäuel, aufgedockte Webware, Kegelkugel´; anne Kaule Sellerie `eine Knolle Sellerie´, anne Kaule Kase, Kasekaule `runder Käse´.

Kaulende n. Niederoybin `Ende des Kehlbalkens: Giebel´; ´s Kaulende verschloin lussn. Vgl. Kahlboalkn! Lautf.: Käulende Nordböhmen.

kauln swv. `etw. Rundes, Kugelförmiges bewegen; kugeln; rollen´; misst ihr euch ´n ganzn Tag an Schnie-e rimkauln?

käun swv. Südlausitz `kauen´; doaas zähterche Fleesch koann de Grußemutter ne mih käun; a Schlowake hoat´n Toop mit gekäutn Brut verkitt. RA: zu koin hoann `schwer haben´; Zungenbrecher: Kunze Koarle koann keene Kirschkerne käun.

Kaupe f. Pl. Kaupm nOstlausitz, Neulausitz 1. `Wurzelgewächs am Rande von Teichen und Seen, durch Pflanzen entstandene inselförmige Erhöhung, Grasinsel´; auch Woasserkaupm. - 2. `mit dem Spaten ausgestochenes Rasenstück, Grasbatzen´; uff anner Kaupe knien. - 3. `Maulwurfshaufen´.

Kauplei f. `Tauscherei, Feilscherei´.

kaupln swv. `handeln u. tauschen (unter Kindern)´. Lautf.: käupln Schlesien.
kaupln swv. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Seifhennersdorf, Wehrsdorf `kollern, wälzen, Purzelbaum schießen, umkippen mit einem Stuhl, schaukeln´; se kaupltn a de Hublspäne `sie kollerten in die Hobelspäne´, de Bichse is mer vun Tische gekauplt.

kausche Adv. Kemnitz, Oberlichtenau `geheuer, gefahrlos, sicher, wohlauf, gesund, sehr gut´, in der Wendung doaas is mer ne ganz kausche `das ist mir nicht ganz geheuer´; mir is ne ganz kausche `ich bin erkältet´. Lautf.: kauscher. Siehe auch koscher!

Kaute veralt. Dim. Käutl `Büschel, Bündel Flachs; Gebund Wolle od. Garn´.

kaute Adj. Ostlausitz 1. `kleinlaut, geknickt´; hoast de woaas ausgefrassn, tust mer heut su kaute. - 2. `abgearbeitet, kaputt, matt´.

Käutl n. veralt. `derb zusammengedrehter Bund gehechelten Flachses´; auch Kaute.

Kauz m. Dim. Käuzl 1. wie litspr. `ein zu den Eulen gehörender Vogel´. Er ruft kiwitt, umgedeutet kumm mit! Wo er schreit, muss bald jmd. sterben. 2. übertr. `sonderbare, wunderliche männl. Person´; aaler Kauz, putzcher Kauz.

kauzn swv. `schlagen, fallen´; a kauzte uff´m Nischl.

Käwerchn siehe Käberchn!

kazn (gedehntes a) swv. Pulsnitz `schäkern, läppisch tun, herumalbern´; a kazte met´n jungn Mardln rem. Lautf.: keezn Wehrsdorf, koazn (gedehntes oa) Steina, käzn Oberlichtenau.

Kecherei f. Bihms Koarle, Seifhennersdor `Kocherei´.

Kechn f. `Köchin´.

kechn (kurzes e) unregelm. V. iech kech(e) od. keich(e), du kechst (kurzes e), mer kechn od. keichn, iech kechte, iech hoa gekecht od. gekichn `keuchen´; ruffzus kecht de Grußemutter immer, se keichte zun Fanster raus `sie bekam einen Asthmaanfall´. Lautf.: keichn, kichn Bihms Koarle, keechn Schirgiswalde.

kechzn (kurzes u) unregelm. V. Nordböhmen dass. wie kechn.

kee, kenner od. kerr; keene, kees unbest. Pron. `kein, keiner, keine, keines´. 1. Verstärkung der Negation; kenner weeß nischt dervoo; die hoat fer kenn Menschn (keene) Zeit ne; heute kimmt kees ne zu mir. - 2a. subst.; iech brauch keene `ich brauche keine Freundin od. Frau´; besser su a Water oas wie goar kees; auf Personen bezogen `niemand´; ´s is kenner, kerr od. kees derheeme. - b. adj.; a hoat kenn od. kinn (Rothenburg) Bruder, keene Schwaster und kee Geld; a kenner od. kerr Gapse find´r´sch `in keiner Kleidertasche findet er es´. Lautf.: für kee auch keen Westlausitz u. Neulausitz, für kenner auch kerr Oberland, karr sSüdlausitz, kinner mWest- u. mOstlausitz, keener Neulausitz, für kees auch keens Westlausitz u. Neulausitz.

Keefer m. `Käufer´; wesst de ann Keefer fer mei Auto?

keefm unregelm. V. (refl.) iech keef(e), du keefst, mer keefm, iech koofte, du kooftst, iech hoa gekooft `kaufen´; keeft oack, Leute, keeft! Enn od. a Luder keefm `(viel) trinken´, dann Karln war´ch mer keefm `den Kerl werde ich zur Rede stellen´. RA: Wenn´s nischt kust, do keef´ch´s `etw. billig haben wollen´. Lautf.: umg. koofm.

keeln swv. Süd- u. Ostlausitz `wiederkäuen: das Futter zum zweiten Mal kauen (bei Paarhufern)´. Lautf.: käuln.

keemol Adv. `keinmal: niemals´; keemol ne; Sprichwort: Eemol is keemol. Lautf.: kee-, keen-, - mol, -mo, -moal, -moa.

Keench siehe Kiench!

Keenchsbreck siehe Kinnsbreck!

Keenchswoaarthe f. (alt), ohne Genus `Königswartha (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; de Keenchswoaarther `die Einwohner von Königswartha´. Lautf.: Keench-, Kienchs-, -woaarthe, -woarthe.

Keene siehe Kehne!

keene siehe kee!

keepln siehe keppln od. kippln!

kees siehe kee!

Keetn ohne Genus `Ketten (Ort in Nordböhmen)´. Lautf.: Kätn.

keezn siehe kazn!

Keglkaule f. `Kegel´. Lautf.: Keglkaul öKürzung. Siehe auch Kaule!

Keh(e) siehe Kehne!

Kehne f. Südlausitz in der Fügung a de Kehne `entgegen´; de Huckstgäste koam mer schunn a de Kehne; iech kumm dr hinte a de Kehne `ich hole dich heut Abend ab´. Lautf.: a de Kehe verstr. Südlausitz (z.B. Bertsdorf u. Wehrsdorf) u. atkehe; atkehne Südlausitz; in de Kehne od. Gehne Westlausitz, oan de Gähne Steina, akeegn nOstlausitz.

Kehrche (gespr. Kährche) f. Südlausitz `Kehrtwendung´; anne Kehrche machn.

Kehrcht (gespr. Kährcht) m. `Kehricht: Zusammengekehrtes´.

Kehrchtbasn (gespr. Kährchtbasn) `Handfeger, Kehrbesen mit kurzem Stiel´.

Kehrchtschaufl (gespr. Kährchtschaufel) f. `Kehrschaufel: die kleine Schaufel, auf die man mit dem Handbesen den Schmutz kehrt´. Lautf.: Kehrschaufl.

Kehrchtwinkl (gespr. Kährchtwinkl) m. `Nische in der Küche, in der der Kehricht zusammengenommen wird; Besenwinkel´.

Kehreule (gespr. Kähreule) f. 1. `langstieliger Handfeger (zum Reinigen der Webstühle)´. - 2. `walzen- od. kugelförmiger Besen aus Draht und biegsamen Drahtstiel zum Ofenkehren´. Siehe auch Eule!

Kehre (gespr. Kähre) f. Pl. Kehrn `Kehre, 180°-Kurve, Serpentine´.

Kehrfrooe (gespr. Kährfrooe) f. `weibl. Pers., die im Lohn mit dem Handfeger Maschinen säubert oder mit dem langstieligen Besen den Fußboden oder die Wände kehrt oder noch im 19. Jh. in den Städten die Straßen von Pferdeäpfeln und Müll befreite´; wenn oabgewirkt woar, koam de Kehrfrooe und hoat gekuhrt `wenn in der Weberei der Kettbaum leer war, kam die Kehrfrau und hat die Flusen vom Webstuhl gekehrt´.

kehrn (gespr. kährn) unregelm. V. iech kehr(e), du kehrscht, mer kehrn, iech kuhrte Obercunnersdorf od. koahrte Seifhennersdorf, iech hoa gekuhrt Obercunnersdorf, gekoahrt od. gekihrt (Ostlausitz, Hinterhermsdorf) `kehren, mit dem Besen säubern, den Schornstein fegen, den Ofen von Ruß u. Asche säubern´; auskehrn, iech hoa de Stroße gekuhrt. RA: irscht ver senner eegnen Tiere kehrn `erst den eigenen Unrat beseitigen, (bevor man auf den von anderen Personen zeigt)´. Lautf.: kährn, kahrn.
kehrn (gespr. kährn) unregelm. V. 1. `wenden´, siehe imkehrn! - 2. `einen Zuchtbullen oder einen Hengst auf Eignung prüfen (Körperbau, Körpermaße, Milchleistung der Mutter)´.

Kehrschaufl f. dass. wie Kehrchtschaufl.

Kehrseite (gespr. Kährseite) f. `Rückseite der Münze´; RA: de Kehrseite dr Medoallche.

keichn siehe kechn!

keifern siehe geifern!

Kellnermaajdl n. `(ledige) Kellnerin´. Lautf.: Siehe Maajdl!

kenn unregelmäßiges V. iech kenn(e), du kenntst, mer kenn, iech kannt(e), iech hoa gekannt od. gekaant (Westlausitz) `kennen´. 1. woaas kenn `etwas kennen´. - 2. enn kenn `jmdn. kennen´; die kenn´ch vu dr Schule har. - 3. siech kenn `sich kennen´; a hoat anne Grußoartche geheiroatt, anu kennt´r´ch ne mih `er hat eine Persönlichkeit geheiratet, nun gedenkt er seiner Herkunft nicht mehr´.

kenner siehe kee!

kennerlee `keinerlei´; dar hoat kennerlee Benahm `der hat kein Benehmen´. Lautf.: keenerlee, kinnerlee.

Keppboom m. Obercunnersdorf, Altbernsdorf `Stange zum Kippen; hölzerne Brechstange´.

-keppch Adj `aus einer bestimmten Anzahl Köpfen od. Personen bestehend´; dar frisst wie anne zahnkeppche Raupe; Räuberhauptmoann vu anner achtkeppchn Bande.

Keppchl siehe Keppl!

Kepper m. `Kopfsprung´; mei Bruder macht vun Turme schunn ´n Kepper.

keppern swv. Neugersdorf, Cunewalde dass. wie keppln.

Keppl n. Dim. von Kupp `Köpfchen´ 1. `Haupt des Menschen´; Lucknkeppl, Dickkeppl. - 2. `(henkellose) Obertasse (ohne Untertasse)´; Koaffeekeppl; a Keppchl Gaarschtnkoaffee. Lautf.: Käppchl Bihms Koarle, Keppchl °ZI Ebersbach, Keppchn, Guppl u. Kuppchn Westlausitz, Sächs. Schweiz.

-kepplch Adj. `-köpfig´; mei Poatnkind is flachskepplch und bloogucklch. Siehe auch -keppch.

Keppllirche f. aus Großschönau `Haubenlerche (Galerida cristata)´, auch Dreck- u. Spitzlerche Königswartha.

keppln swv. `kippeln: nicht das gehörige Gleichgewicht haben; nicht feststehen (von einem Tisch od. Stuhl); auf einem od. zwei Stuhlbeinen schaukeln´. Siehe auch kippln! Lautf.: keepln Pulsnitz; dr Waagweiser keeplte met em.

keppm swv. `kippen´. 1. trans. a. `in eine schräge Stellung bringen´. - b. `ausschütten, wobei man den Behälter schräg stellt´. - 2. intrans. `das Gleichgewicht verlieren und umschlagen´; ´s Fuder keppt; iech bie mit´n Schemml gekeppt; imkeppm.
keppm swv. `köpfen´. 1. wie litspr. `enthaupten´. - 2. `kappen, stutzen, Pflanzen verkürzen, Blattwerk der Rüben abschneiden´; de Blieml keppm; ´s Ä wird gekeppt `dem Ei wird die Spitze abgeschnitten´.

Keppvll n. veralt. Obercunnersdorf, Eibau `Obertasse voll´; iech brauch derzu zwee Keppvll Burn `ich brauche dazu zwei Obertassen voll Wasser´, a Keppvll Koaffee. Lautf.: Kuppvll, Koppvll Westlausitz.

Kerbhulz siehe Karbhulz!

Kerbl siehe Kurb!

Kerbl siehe Karbl!

kerbln siehe karbln!

kermln siehe kirmln!

Kermst siehe Kirmst!

kernern siehe kernln!

Kernl Dim. siehe Kurn u. Karnl!

Kernlkoaffee siehe Karnlkoaffee!

kernln swv. `körneln´ 1. `Körner ausbilden (Getreide)´; dr Weese kernlt schunn. Auch karnln, karn, kern, karnern u. kernern °GR Königshain. - 2. Dittelsdorf `knirschen, als wenn man über Körner oder Krümel läuft´; ´s tutt su kernln unnern Loaatschn (Loattschn).

kerr siehe kee!

kerzch Adj. `kerzig: 1 Kerze Lichtstärke habend´, entspricht ungefähr 1 Candela (cd), der heute weltweit gültigen SI-Einheit der Lichtstärke; ´s hingn noa drei 16-kerzche Birn an ganzn Hause `es hingen noch drei Birnen mit einer Lichtstärke von 16 cd im ganzen Hause´. Lautf.: karzch (kurzes a).

Kerzdurf n. `Kerzdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, `Ksieginki´. Lautf.: Karzdurf.

Kescher (kurzes e) m. `Netzbeutel mit Bügel und Stiel zum Fangen von Krebsen, Fischen, Wasserflöhen und Schmetterlingen. Lautf.: Ketscher.

Kessl m. `Kessel: großes, eingemauertes, oben offenes Gefäß im Waschhaus oder im Hausflur, in dem die Wäsche oder beim Hausschlachten die Wurst und das Wellfleisch gekocht oder das Badewasser erhitzt wird.´

Ketsche (kurzes e) f. `Kötzschau (zur Gemeinde Lawalde gehörender Ortsteil von Kleindehsa im °GR)´; de Ketschner `die Einwohner von Kötzschau´.

Keule f. söSüdlausitz, West- u. Ostlausitz 1. `Holzwalze zum Aufwickeln der Wäsche beim Rollen´; mach oack noa anne Keule! Siehe auch Mandlkeule! - 2. `Nudelholz´. - 3. Neusorge `Mohnstampfer´; Mohkeule. Lautf.: Kule Oberlichtenau.

Keulende siehe Kaulende!

keulern swv. Westlausitz, Sächs. Schweiz `umgehen und dabei Lärm machen, schwer arbeiten´; rimkeulern, si koam o zi uns rausgekeulert.

Khoo f. `Khaa´, tsch. `Kyjov´ (Ort im böhmischen Niederland unweit von Schönlinde); mer gihn ei de Khoo, de Khäer `die Einwohner von Khaa´.

Kermst siehe Kirmst!

Kichl (kurzes i) n. `Küchlein, Küchel´ 1. Südlausitz `kleines Bonbon, Zuckerle´; Pfafferminzkichl `Pfefferminzküchlein´, Malzkichl. - 2. selt. Dim. von Kuchn `kleines, meist rundes Gebäck aus Hefeteig, das in Fett gebacken wird; kleiner Kuchen´. Siehe auch Schleißkichl!

Kichl (kurzes i) n. Dim. von Kiche `kleine Küche´.

Kichtiere (i in erster Silbe kurz) f. `Küchentür´. Lautf.: Kichtier.

kiebch siehe kiefch!

kiefch Adj. kiefcher, oan kiefchstn `keifend, böse, gereizt, sehr unhöflich, gehässig, boshaft, zynisch´; du brauchst mer ne glei su kiefch kumm! Lautf.: kiebch Ostlausitz.

Kiefe f. °NOL Könishain, Rauscha `altes, stumpfes Messer´.

kieferch Adj. Großschönau, Burkau dass. wie kiefch.

Kiefercht n. selt. `Kiefernschonung, halbwüchsiger Kiefernwald´.

Kieferhuntschl n. Königshain `Kiefernzapfen´.

kiefern Adj. `aus Kiefernholz bestehend´; kiefern Underhulz; RA: Du bist a bissl fichtn und hoast ann kiefern Oarsch `du bist verdreht´.

Kiefernmuhzl n. um Niesky `Kiefernzapfen´.

kiefm swv. Ostlausitz 1. `an etw. herumkauen, herumnagen´; kief mer ne su an Brute rim! - 2. `etw. unordentlich mit dem Messer schneiden´. Siehe auch oabkiefm!

Kiele f. Pl. Kiele `Kiel (an der Feder), Federschaft´; de Faderkiele; Kielnbettl `Federbettchen mit Kielen´. Kinderverslein: Kiele, Kiele miss mer beißn, Fadern, Fadern, miss mer schleißn.

Kien m. Dim. Kienl °ZI Ebersbach, Neusorge 1. `harzreiches Kiefernholz, harzige Stelle an der Kiefer´; Kiefernkien. - 2. `(harzreicher) Holzspan (von der Kiefer); zerkleinertes Holz (zum Feuermachen)´. Die Späne aus harzreichem Nadelholz wurden vor Aufkommen des Petroleums zur Beleuchtung verwendet; Hulzkienl. - 3. in der Wendung ne oaff´m Kien sein (Burkau) `nicht im Vollbesitz seine Kräfte sein, kränkeln´.

Kiench m. `König´. 1. `Träger der Königswürde in der Monarchie´; Zungenbrecher: Dr Kiench kimmt, dr Kiench kimmt uff Neusaalz, ebb´r aber ieber Uppaach oder ebb´r aber ieber Äberspraamerch kimmt, doaas weeß´ch ne, aber kumm tutt´r. - 2. übertr. a. `Sieger beim Schützenfest´; ´n Kiench brengn se heemgefuhrt. Siehe auch Schitznkiench! - b. Spielblatt im Kartenspiel. - c. `beim Kegelspiel der mittlere Kegel´. - d. siehe Schniekiench! Lautf.: Keench nWestlausitz, Neulausitz.

Kienchn f. `Königin´. Lautf.: Keenchn Neulausitz.

Kienchsbrick siehe Kinnsbreck!

Kienchsee-er m. veralt. `Königsseer: hausierender Händler mit Medikamenten, Kräutern u. Sämerein´, benannt nach Königsee im Thüringer Wald, früher ein Produktionszentrum für Volksmedizin.

Kienchshulz n. `Königsholz (Wald um den Sonnenhübel zwischen Niederoderwitz u. Großhennersdorf)´. Lautf.: Kienchsthulz Oderwitz.
Kienchsmohst f. veralt. `Königsmahlzeit: gemeinsame Mahlzeit aller Mitglieder des Schützenvereins und deren Ehefrauen nach dem Ausschießen des Schützenkönigs´. Es muss vom neuen Schützenkönig nach dem Schützenfest ausgerichtet werden. Lautf.: Kienchsmohlst, Keenchsmoh(l)st.

Kiench(s)radl n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Königsrad zwischen den Vogelhälsen auf dem Schützenadler mit einem Durchmesser von ca. 5cm, Königsscheibe´; Reinhuld hutt´s Kienchradl rausgeschussn und mir boanntn anne weißgriene Schärpe im.

kiencht Adj. 1. `aus (harzigem) Kiefernholz bestehend´. - 2. übertr. Neusalza-Spremberg `harzig´, kienchtes Hulz.

Kienchtloajchte f. `Kienholzfackel´.

Kienchtspoan m. Dim. Kienchtspanl Obercunnersdorf 1. `Kienspan: Span eines harzdurchtränkten Kiefernholzstückes´. Siehe auch Schleißscheit! - 2. dass. wie Kienchtloajchte.

Kienloajchte f. dass. wie Kienchtloajchte.

Kiepe f. 1. nOberlausitz dass. wie Troikurb. - 2. Nordböhmen `Kufe, Kübel; hohes, mit Farbflüssigkeit gefülltes Fass des Färbers´; Kiepmfoaaß `in die Erde eingelassene Tonne zum Blaufärben´.(Könnte auch von Küpe `Färbebad´ abgeleitet sein.)

Kiesdurf ohne Genus `Kiesdorf a. d. Eigen (Ort der Gemeinde Schönau-Berzdorf im °GR)´; de Kiesdurfer `die Einwohner von Kiesdorf´.

Kiez n. Dim. Kiezl `Kitz: Junges vom Reh´. Lautf.: Kitz.

Kieze f. `weibl. Katze´; ´s is kee Koater, ´s is anne Kieze. Lautf.: Kitze.
Kieze f. 1. Ostlausitz `ein kleines hölzernes Gefäß´. - 2. `Wetzsteinbehälter´. Siehe Wetzkieze! - 3. Dittelsdorf `Nistkasten´, Stoarkieze Ostlausitz `Starkasten´. Lautf.: Gieze Jonsdorf, Kitze Burkau.
Kieze f. Schirgiswalde `Hosenstall, Hosenschlitz´; Hosnkieze.

kiezebloo Adj. Spitzkunnersdorf, Cunewalde `dunkelblau, wie ein Bluterguss aussehend, ein künstlich erzeugtes Blau der Haut durch Kälte oder Schlageinwirkung´, du hoast ann kiezebloon Flaajk oan Beene; vun Sauwater kiezebloo senn. Lautf.: kiezbloo, kitzebloo; kitzeblau Burkau, kitzebloaa Oberlichtenau.

Kihbauer m. häufig abwert. `Kuhbauer: Besitzer eines kleinen Bauerngutes, auf dem nur Kühe als Zugtiere vorhanden sind´.

Kihbläke f. `durch Landwirtschaft geprägter, rückständiger kleiner Ort´; Kuhbläke.

Kihfoaaß n. Bihms Koarle `Kuhfass: Futter- u. Tränkgefäß für die Kühe´; RA: Do mecht ees ann Kupp wie a Kihfoaaß hoann `wer soll sich das alles merken´. Lautf.: Kuhfoaaß, -foass.

Kihgloacke f. `Kuhglocke´. Lautf.: Kuhgloacke.

Kihjunge m. `Kuhjunge, Kuhhirte´, dass. wie Kirte! Lautf.: Kuhjunge.

Kihkoalb siehe Kuhkoalb!

kihle Adj. `kühl (Luft, Wetter)´. Lautf.: kihlch Ostlausitz.

kihln swv. `kühlen, kühl machen´. "Asst Quoark, doaas kihlt!" sagt der geizige Gastgeber beim Essen. "Iech ass Butter, und wenn´ch verbrenne!" erwidert der Gast.

Kihmaajdl n. veralt. `Kuhmädchen: bei einem Bauern in Dienst stehendes halbwüchsiges Mädchen im ersten Arbeitsjahr, bevor sie Kleenemoajd (Jungmagd) wird´.

Kihncht `Kühnicht (Stadtteil der Großen Kreisstadt Hoyerswerda im °BZ): Siedlung am/im Kiefernwald´. Vgl. kiencht u. Kienchtspoan!

Kihploapper m. dass. wie Kihploapperch. Lautf.: Kih-, Kuh-, -ploapper, -pläpper.

Kihploapperch m. 1. `Kotfladen des Rindes´; anne Laber wie a vertroigter Kihploapperch hoann; hoast wull wieder amol an Kihploapperch geboadd? `Bist wohl wieder einmal barfuß durch Kuhfladen gelaufen?´. - 2. übertr. `gekochter Spinat als Speise´; zun Mettche gibbt´s Mauke und Kuhpläpper (Burkau). Lautf.: Kuhploapperch, Kihpläpperch Neukirch, Kuhpläpperch Westlausitz.

Kihrte m. `Kuhhirte: Kuhjunge, der auf dem Bauerngut für das Austreiben u. Hüten der Kühe zuständige Junge im Alter von 9 bis 14 Jahren´. Lautf.: Kuhrte, Kihrtn m.

Kihrtn f. `Kuhhirtin: Hütefrau der Rinder´.

Kihstoal (gedehntes oa) m. `Kuhstall´. Lautf.: Kuhstoal, Kuhstoall.

Kihzoajl m. 1. `Kuhschwanz´. - 2a. Südlausitz `Fuchs-Kreuzkraut, Fuchssches Greiskraut (Senecio fuchsii)´, benannt wegen der Pfahlwurzel. Der Tee davon wird in der Oberlausitzer Volksmedizin täglich mehrmals auf Hautausschläge und Wunden gestrichen, auf die er heilfördernd wirkt; RA: Dr Kihzoajl heelt´s Fleesch an Tuppe zoamm. - b. Nordböhmen `Silbergreiskraut (Senecio bicolor)´. - d. Nordböhmen `Artemisia´. - 3. `ein Flurstück oder Ortsteil in länglicher, zugespitzter Form´, z.B.: `Kuhzahl (Stadtteil von Neugersdorf)´.  Lautf.: Kih-, Kuh-, -zoajl, -zoal (Jonsdorf, Bertsdorf).

kilstern swv. 1. `hüsteln, räuspern´; dei Gekilster kimmt vun ebchn Roochn. - 2. Steina `husten (mit Schleimauswurf)´. Lautf.: koalstern.

Kimml m. `Kümmel´, siehe auch Koarbe!

Kimmlabern Pl. `Eintopf mit Kartoffelstückchen, Weißkraut und viel Kümmel´, vgl. Abernstickl od. -bissl.

kimmln swv. Ostlausitz `Schnaps trinken´; a hoat´ch zu Tude gekimmlt.

Kimmltirke f. `Türke (od. andere Person), der gern Kümmel trinkt; Trunkenbold´; saufm wie de Kimmltirkn.

Kind n. Dim. Kindl, Kinnl, Kinderchl, Pl. Kinder, Kinner, Kinger `Kind´. Sprichw.: Schreikinder und Speikinder senn Gedeihkinder. Verluss dch oack uff de Kinder, do sedd´r verlussn. Volksvers aus Niedercunnersdorf: Ba dr Irschtn ging´s gutt, ba dr Zweetn koam´s Blutt, ba dr Drittn ging´s geschwind, ba dr Viertn koam´s Kind. Frage: „Woaas machst´n heute?“ - Antwort: „Kleene Kinder mit grußn Keppm.“

Kinderchl Dim. u. Pl. von Kind `kleine Kinder´.

Kindlbier n. Waltersdorf, Ostlausitz, Schlesien dass. wie Kindlbrut. Aus Bier wurde bei den schlesischen Taufessen die Kindelsuppe bereitet, mit Zutat von Milch, Zucker, Rosinen, Mandeln u. Semmelbrot.

Kindlbrut n. möSüdlausitz, smOstlausitz `Kindtaufschmaus: Essen im Anschluss an eine Kindstaufe´.

Kindlbrutvoater m. Südlausitz, smOstlausitz `Vater des Täuflings´, musste sich eine blaue Schürze umbinden, eine Zipfelmütze aufsetzen und bei der Rückkehr der Taufgesellschaft jedem Paten und Gast einen Schnaps spendieren.

Kindlmohst f. dass. wie Kindlbrut. Lautf.: Kindlmohlst.

Kindlsuppe f. Anton dass. wie Kindlbier.

Kindlvoater m. dass. wie Kindlbrutvoater.

Kindlvoaterschirze f. veralt. Obercunnersdorf, Kottmarsdorf, Jonsdorf, Nieder Neundorf, Ohorn `blaue Leinenschürze, die der Vater des Täuflings trug´. Der Vater musste am Tag der Taufe die Hausarbeit verrichten und die Gäste bedienen. Siehe Kindlbrutvoater!

Kindsch ohne Genus `Kindisch (Ort der Stadt Elstra im °BZ)´; de Kindscher `die Einwohner von Kindisch´.

kindsch Adj `kindisch: albern, ausgelassen wie ein Kind´. Lautf.: kinnsch.

Kindschheet f. `Albernheit, die Kinder machen´; ´n Kupp vuhler Kindschheetn. Lautf.: Kinnschheet.

kindschn swv. `sich albern wie ein Kind benehmen; läppisch tun´; dar koann oack kindschn `der kann nur kindisch tun´; rimkindschn `herumalbern´, Gekindsche `Kinderei, kindisches Benehmen´. Lautf.: kinnschn Dittelsdorf.

Kingchsoin ohne Genus, veralt. m. `Königshain´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße´; poln. `Dziazoszyn´; de Kingchsoiner, Kingchsoajner, Kingchsaner `die Einwohner von Köngshain´. Vgl. Kingstn! Lautf.: Kingchsoajn, Kinchshoin.

Kingsner Barge Pl. `Königshainer Berge (zum Ostlausitzer Hügelland gehörende Berge im Niederschlesischen Oberlausitzkreis)´. Lautf.: Kingstner Barge Baarsdorf.

Kingstn ohne Genus, veralt. m. `Königshain (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Kingsner `die Einwohner von Königshain´; Koarnicklkingstn (Spitzname von Königshain). Vgl. Kingchsoin! Lautf.: Kingsn.

kinn unregelm. V. iech koann, du koannst, mer kinn, ihr kinnt, iech kunnt od. kunnde, iech hoa gekunnt `können´. 1a. `verstehen, wissen´; du koannst wull ne lasn? - b. `vermögen, imstande sein´; die kinn ne stille sitzn. - c. `dürfen, die Erlaubnis haben´; iech koann murne zun Dukter kumm. - d. `mögen, wünschen´; iech kennt´ch uff´m Mond schissn. - e. `sollen´; benn Kohlnreischoaffm koannst mer halfm. - f. iron. `müssen´; du hoast dr de Suppe eigebroackt, do koannst se o ausleffln. - g. do is nischt gekunnt `da ist nichts erreicht´. - 2. mit zu ergänzendem Inf. iech kunnt ne mih uf `ich konnte nicht mehr aufstehen´.

Kinnsbreck ohne Genus Oberlichtenau, Steina `Königsbrück (Stadt im °BZ)´; de Kinnsbrecker od. Kinnsbreckschn `die Einwohner von Königsbrück´. Lautf.: Kinnsbrick, Keenchsbreck, Keenchsbrick, Kienchsbrick.

Kippe f. 1. auch Bihms Koarle `Kante auf der höchsten Erhebung eines Hügels, Weges od. der Straße; Anhöhe´; wenn de ieber dr Kippe bist, sist de de Kirchspitze; ´s stitt mit´n uff dr Kippe. - 2. nOstlausitz Heikippe od. Heikippl `Heuhaufen´; Kippl machn. Lautf.: Keppe.

kippern Adj. 1. `kupfern: aus Kupfer bestehend´; a kippern Pfenngk `ein kupferner Pfennig´; anne kippern Stirze `ein kupferner Topf- od. Pfannendeckel´. - 2. `kupferfarben´; ar hutt su anne kipperne Noase, die woar ne mih rut, aber o noa ne bloo; se wurde kippern, gaale und griene. Lautf.: kuppern.

Kippl n. 1. Neukirch `Obertasse´; Koaffekippl. Siehe auch Keppl 2! - 2. siehe Heikippl od. Kippe 2! Kippl machn gihn.

kippln swv. 1. umg. `nicht das gehörige Gleichgewicht haben; nicht feststehen (von einem Tisch od. Stuhl); auf einem od. zwei Stuhlbeinen schaukeln´. Mdal. besser keppln! - 2. refl. `sich nicht ernsthaft streiten´; die beedn kippln´ch ´n ganzn Tag. Lautf.: keepln Westlausitz. Siehe auch keppln!
kippln swv. mnOstlausitz `zwei Schwaden Heu (abends) zusammenrechen und auf Wetterhaufen setzen´, dass. wie heffln; `(fast) trockenes Heu zu Haufen zusammenrechen´; dass. wie schäbern; irscht Schwänze machn und dernoochern kippln; ´s Hei wird eigekipplt. Lautf.: keppln, kappln, koappln.

Kirbl n. Dim. von Kurb, siehe Kurb!

Kirblwaajnl n. `kleiner Wagen mit geflochtenem Korb´. Lautf.: Siehe Kurb u. Waajnl!

Kirbs m. `Kürbis´; Kirbssuppe. Lautf.: Kurbs, Kerbs, Koarbs.

Kirche f. `Kirche´. 1. `das Gebäude, in dem Gottesdienst gehalten wird´; RA: de Kirche an Durfe lussn `seine Forderungen nicht überziehen, nicht übertreiben´. - 2. `Gottesdienst´; de Kirche is aus. RA über einen sehr Langsamen: „Du gist wull o irscht ´n Montch a de Kirche, wenn se zun Sunntche lautn?“ Lautf.: Kurche, Kerche, Korche Schirgiswalde, Karche Neukirch, Koarche Westlausitz.

Kirchhof m. 1. `(von einer Mauer begrenzte) Fläche, auf der die Kirche steht und auf der die Toten bestattet werden bzw. wurden´. - 2. übertr. `Friedhof, Begräbnisplatz´ (auch in nicht unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche); enn uff´m Kirchhofe ufräum `jmdn. begraben´. Lautf.: Siehe Kirche!

Kirchleute f. `Kirchgänger´; wenn´s under de Kirchleute raajnt, do raajnt´s anne Wuche. Lautf.: Karchleute Neukirch.

Kirchnlicht n. in der Wendung kee Kirchnlicht sein `nicht besonders klug sein´.

Kirchnmaus f. `Kirchenmaus´; in der Wendung oarm wie anne Kirchnmaus od. de Kirchnmäuse.

Kirchrickl n. Bihms Koarle `der zum Kirchgange getragene Oberrock des Mannes´.

Kirchseeger m. Obercunnersdorf, Bihms Koarle `Kirchturmuhr´.

Kirchvoater m. `Kirchvater, Kirchendiener: männl. Pers., die für alle Tätigkeiten um den Gottesdienst verantwortlich ist, die die Einkünfte der Kirche verwaltet und das Dankopfer mit dem Klingebeutel einsammelt´. Lautf.: Kurchvoater, Kirchnvoater, Kerchnvoater Burkau.

kirmln swv. sSüdlausitz, Seifhennersdorf, Ostlausitz, Schlesien, Nordböhmen `das Lallen (von Kindern); das trauliche, undeutliche Sprechen der kleinen Kinder; murmeln´. Lautf.: kermln.

Kirmst f. 1. `Kirchweihfest, Kirmes, (eigtl. Kirchmesse): Fest des Gedenkens an die Einweihung der Kirche´. Früher das volkstümlichste und eins der größten dörflichen Feste, das mehrere Tage begangen wurde: Kirmstsimmd, Kirmstsunntch, Kirmstmontch, Kirmstdinnstch;  a de Kirmst gihn (alt), zer Kirmst gihn (neu); Kirmstgoast; Kirmstkuchn; Kirmstmontch; Volksvers: Wenn Kirmst wird senn, wenn Kirmst wird senn, do schlacht mei Voater ann Book, do tanzt de Mutter, do huppt dr Voater, do woacklt dr Mutter dr Rook. RA: Du bist ne zer Kirmst gekumm `du bist nicht zum Nichtstun gekommen´. RA: enn ne zer Kirmst gebatn hoann. RA: Iech war dir zer Kirmst o amol kumm `ich werde dir auch mal einen Possen tun´. RA: Du koannst mer zer Kirmst kumm! `Du kannst mich am A. lecken´. - 2. übertr. `Hiebe, Schläge, Prügel´; wuandersch Kirmst hoann. RA: Dr Oarsch hutte Kirmst `es gab Schläge auf den Po´. Lautf.: Kirms, Kurmst; Karmst Neukirch, Kormst Schirgiswalde, Kermse um °ZI Reichenau, Koarmst Westlausitz, Kermst.

Kirmstblieml n. `kleinblütige, blassviolette Staudenaster, Bergaster (Compositae), die zur Kirmes blüht´; auch Kirmstblume.

Kirmstfreier m `männl. Person, die zur Kirmes um ein Mädchen wirbt; Kirmstliebhaber´; Volksweisheit: Kirmstfreier hult dr Geier.

Kirmstgoast m. `Gast auf dem Kirchweihfest´. Volksreim: A Kirmstgoast und a Schwein, die wulln gefittert sein.

Kirmsthucke f. `in ein Tuch gebundene Kuchenstücke, die die Gäste von der Kirmst mit nach Hause bekamen´.

Kirmstkahle f. selt. in der Wendung mir is woaas a de Kirmstkahle kumm `ich habe mich verschluckt´.

Kirmstkuchn m. `Kirmeskuchen´. Zur Kirmes gab es u. a. Sträsl-, Zucker-, Quoark-, Kase-, Pflaum-, Äppl-, Moh- u. Flecklkuchn. Lautf.: Kirmstkuche.

Kirmstvoater m. `Familienvater als Wirt seiner zum Kirchweihfeste eingeladenen Gäste´.

kirre Adj. umg. `zahm, zutraulich, gefügig´; a kiefches Weibsn kirre kriegn, breetn od. machn `ein boshaftes Frauenzimmer (durch Zwang od. List) zähmen od. gefügig machen´. Lautf.: karre Neukirch.

Kirschboom m. `Kirschbaum´.

Kirsche f. 1. wie litspr. Prunus avium u. Prunus verasus; Kirschkarnl, Sauerkirsche. - 2. übertr. `Angebetete, Freundin (mit roten Wangen)´; dr Klaus hoat anne neue Kirsche. Lautf.: Kursche, Kersche, Karsche, Koarsche.
Kirsche ohne Genus, veralt. f. `Kirschau (Stadtteil der Stadt Schirgiswalde-Kirschau im °BZ)´; de Kirschner `die Einwohner von Kirschau´. Lautf.: Kursche, Korsche, Karsche.

Kirschloaatsch m. Großschönau `(Kirsch)kernbeißer (Coccothraustes, coccothraustes)´, eine Finkenart.

Kirte m. siehe Kihrte!

Kirtn f. siehe Kihrtn!

Kissntraajger m. `Kissenträger: Kind, das beim Einzug in die Kirche vor dem Brautpaar läuft und ein Kissen trägt´. Das Kissen wird auf die Altarstufen gelegt, auf denen sich die Braut zum Einsegnen niederkniet. Seltener gibt es auch für den Bräutigam einen zweiten Kissenträger.

Kiste f. 1. wie litspr. `Kiste´. - 2. übertr. scherzh. `Bett; altes, lärmendes Fahrzeug; Fußballtor´. - 3. Nicklkiste `Kaninchenstall´. - 4. `Sarg´.

Kitte f. `Kitt´ m. 1. ein Klebe- und Dichtungsmittel; Kitte fer´sch Fanster, Fansterkitte. - 2. übertr. `kittähnlicher Stoff, Kleister´; Woampmkitte scherzh. `dicker, trockener Kartoffelbrei´; zun Mittche goab´s Fanster- od. Woampmkitte.

Kittlch m. Pl. Kittlche, Dim. Kittchl (Oberland) 1. `Kittel: mantelartiges od. hemdartiges Oberbekleidungsstück, das vor allem zur Arbeit getragen wurde´. - 2. veralt. `Kittelchen, Kittlichen: das in der Frauentracht über dem Unterhemd getragene, mit kurzen od. langen Bundärmeln (mit od. ohne Puff) versehene, nur bis zur Taille reichende Oberhemdchen aus Leinwand, Batist, Damast od. Samt, das nicht geknöpft, sondern nur übereinandergeschlagen wurde´. Lautf.: Kuttlchn n. °Zi Reichenau. - 3. im Pl. `Kleidungsstücke´.

Kittlz ohne Genus `Kittlitz (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´. Lautf.: Kittl (alte Form).

klabch Adj. `klebrig´; klabche Pfutn `klebrige Hände´.

Klabe f. 1. Westlausitz `etw. Klebendes, klebrige Masse´. - 2. `Klebkraut, Klettenlabkraut (Galium aparine L.)´.

Klaber m. dass. wie Klabe 2.

Klabestießl m. °BZ Sohland, Polenz bei Sebnitz `Ende eines Brotes, das beim Backen ein anderes Brotende berührt hat und deshalb nicht richtig durchgebacken ist, das hell und ohne Kruste geblieben u. auch aufgerissen ist´, auch Klaberämpftl.

klabm swv. `kleben´. 1. intrans. `fest haften´; dar diche Leim klabt wie dr Teifl. - 2. trans. a. `zwei Objekte (mit Leim) aneinander binden´; du doarfst nischt a Beeme klabm! - b. enn eene od. a poaar klabm `jmdm. eine Ohrfeige versetzen´. - 3. in der Fügung klabm bleibm `sitzen bleiben, das Schuljahr wiederholen, sich nicht aus der Kneipe finden´.

Klabuster siehe Kloabuster!

klackern swv. Ober- u. Niedercunnersdorf `(geräuschvolles) wackeln des Bleches´.

Klaffer m. (Anton), Ohorn, Nieder Neundorf, Rietschen, Rauscha `Bauernsenf (Unkraut im Getreide), Klappertopf (Rhinanthus)´. Lautf.: Lautf.: Kloaffer (M. Militzer, Th. Schütze).

Klafferliese f. `Mädchen, das petzt´.

klaffern swv. 1. `petzen, klatschen, jmdn. verraten, jmdn. anzeigen (bei Kindern)´; de Trude muss oalls ´n Schulmeester klaffern. - 2. `schimpfen, zanken´.

Klafferpfenngk m. `Klafferpfennig: Lohn für petzendes Kind´.

Klaffersäckl n. `petzendes Kind´; Kinderreim: Klaffersäckl, Klaffersäckl, klaffert waajn jedn Dreckl! Iech will amol as Beikastl sahn, iech war dr glei ann Klafferpfenngk gan!

Klafte (kurzes a) f. selt. sSüdlausitz, Ostlausitz `weibl. Person, die sich in Geschäften viel zeigen lässt, viel redet und nichts kauft´.

klaftn (kurzes a) swv. selt. Reibersdorf, Oybin, Ostlausitz `viel reden, herumstehen, dumm gucken und nichts unternehmen; sich im Geschäft viel zeigen lassen u. nichts kaufen´.

klammerch siehe kloammerch!

Klamper (gespr. Glamper) m. Oberland, sWestlausitz `Klempner: Handwerker, der Gegenstände aus Blech herstellt, repariert und installiert´. Lautf.: Klampner.

Klamperloadn m. `Klempnerladen´. 1. `Geschäft tausend kleiner Dinge´. - 2. scherzh. `große Anzahl von Orden´. Lautf.: Klampnerloadn.

klampern swv. `klempnern´. 1. `(auf einem Blech klopfend) Klempnerarbeit verrichten, hämmern´. - 2. übertr. `(geräuschvoll, klappernd, mit wenig Erfolg) hantieren, allerlei nichts Sinnvolles mit den Händen verrichten, sich mit etw. lange beschäftigen´.

klängln swv. Niedercunnersdorf `klängeln: läuten einer (kleinen) Glocke´; ´s klänglt, Plumpmneums Klenner sull gesturbm senn.

Klantsch (kurzes a) Ostlausitz dass. wie Klintsch 1.

klantsch, klantschch Adj. Niedercunnersdorf, Cunewalde, Ostlausitz dass. wie klautscherch od. kluntsch; a klantsches Brut. Lautf.: klannsch Oberlichtenau.

Kläpper m. `altes, abgemagertes Pferd´, auch Kläpperch m.
Kläpper f. `Klapper: Gerät zur Erzeugung eines klappernden Geräusches, Uhr´. Lautf.: Kloapper.

Kläpperchl n. Südlausitz `Geschlechtsverkehr´; die hoann minander a Kläpperchl gemacht. Lautf.: Klapperchl, Kläpperchn.

Kläpperkraut n. `Klappertopf (Rhinanthus)´.

Kläppermihle f. 1. Wehrsdorf `Getreidereiniger, der Wind erzeugt und die Spreu vom Weizen trennt´. In einem Gehäuse wird durch ein mit Hand gedrehtes Flügelrad ein Luftstrom erzeugt, der die Spreu aus den Körnern bläst, die gleichzeitig auf Sieben geschüttet werden; auch Plädermihle. - 2. Burkau, Westlausitz `kleine Windmühle im Kirschbaum, in der bei Luftbewegung eine Klapper in Bewegung gesetzt wird, um die Stare zu vertreiben´. Lautf.: Kloappermihle.

kläppern swv. 1a. `klappern: ein klapperndes Geräusch verursachen (mit dem Besteck auf dem Teller)´; de Bratlloaatschn kläppern, Stieflgekläpper. - b. Eibau `am klappernden Handwebstuhl arbeiten´; a misste vu frih bis a de Nacht nei kläppern. - 2. `(von Geschäftsleuten) viel (und erfolglos) unterwegs sein, um etw. zu kaufen od. verkaufen´; mei Grußvoater woar a Leimdmoan, dar de vill a dr Waltgeschichte rimgekläppert is. Siehe auch oabkläppern! - 3. eene kläppern `mit einer weibl. Person Geschlechtsverkehr haben´; a versucht´s ba jeder, meine Barbl wullt´r o schunn kläppern. Siehe auch kloappern!

Kläppl siehe Kleppl u. Klippl!

Klassl n. Eibau, Spitzkunnersdorf, Jonsdorf `Gesellschaft, Clique, Gemeinschaft von Menschen mit gleichen Interessen´; Sauerkrautklassl; do hoat wieder is richtche Klassl basoamm gesassn.

Klatscherkraut n. Cunewalde `Klappertopf (Rhinanthus)´.

Klatscherkroattch n. Wilthen, Neukirch `Klappertopf (Rhinanthus)´. Lautf.: Klatscherkräutch.

Klatterbuhne f. Pl. Klatterbunn od. Klatterbuhn `Kletterbohne: rotblühende, an Stangen kletternde Bohnenstaude´.

klattern swv. `klettern´.

Klaue f. mdal. in der Fügung anne Klaue hoann `eine liederliche, unleserliche Handschrift haben´.

Klautsch m. 1. `mit den Stielen zusammengewachsene Früchte (meist Kirschen od. Nüsse)´; a Klautsch Kirschn; ieber jedn Uhre hoat´r ann Klautsch hängn. - 2. etw. Missratenes a. `Klumpen, unförmiger Batzen, zusammengeknüllte Kleidungsstücke, Anballung (von Menschen), zerkochte Nudeln´; vur dr Koasse stitt a ganzer Klautsch. - b. `unausgebackenes klumpiges Brot´.

klautschch Adj. dass. wie klautscherch; a klautschches Brut.

klautscherch Adj. `klumpig, unausgebacken, durch Feuchtigkeit zusammenklebend, mit Wasserstreifen behaftet´.

kleckenoaaß siehe gleckenoaaß!

Kleckerboahne f. `Kleckerbahn´. Früher löffelten die Familienmitglieder die Suppe aus einer gemeinsam Schüssel. Vom Löffel fielen hin und wieder Tropfen auf den Tisch. Es entstanden Suppenbahnen.

Kleckerch m. `Klecks´; de Kleckerche uff´m Tieschtuche.

kleckern swv. 1. `etw. Weiches, Klebriges, Essbares, Flüssiges (beim Essen) auf die Kleidung od. den Untergrund fallen lassen; schweinern´. - 2. übertr. a. in der Wendung gekleckert kumm `ungelegen kommen´. - b. `s kleckert oack su hie `das Geschäft geht nicht besonders gut´.

kleckerweise Adv. `stoßweise, schubweise, mit Unterbrechungen´.

kleckn siehe gleckn!

Kleckser m. dass. wie Kleckserch.

Kleckserch m. 1. `Person, die (beim Schreiben, Zeichnen od. Malen) Kleckse macht´. - 2. scherzh. `Maler´.

Kleckskuchn m. `Blechkuchen aus Hefeteig mit verschiedenem Belag (Quark, Mohn, Marmelade) u. Streusel´, auch Fleck- od. Flecklkuchn. Lautf.: Kleckskuche.

Kleckslkuchn m. dass. wie Kleckskuchn. Lautf.: Kleckslkuche.

Klee Krausche veralt. f., ohne Genus `Klein Krauscha (Ort der Gemeinde Neißeaue im °GR)´; de Kleekräuschner od. Kräuschner `die Einwohner von Klein Krauscha´.

Klee Neundurf ohne Genus `Klein Neundorf (Ort der Kreisstadtt Görlitz im °GR, früher zu Deutsch Ossig gehörend)´.

Klee Priebs (1.Silbe betont) ohne Genus `Klein Priebus (Ort der Gemeinde Krauschwitz im °GR)´; a kimmt vu Klee Priebse ba Ruttnburg.

Kleeber m. veralt. `Kleiber: Handwerker, der alle Lehmarbeiten, z.B. das Herstellen der Wellenwände und des Lehmschlages, ausführte´. Lautf.: Gleeber.

kleebern swv. veralt. Niedercunnersdorf dass. wie kleebm.

kleebm swv. `schmieren, kleistern, verschmieren von Holz und Stroh mit Lehm (am Fachwerk).´; `n Ufm kleebm; wie se de Butter druffkleebte! Lautf.: gleebm, kleem, gleem.

Kleebusch  `Neu-Diehmen (Ort der Gemeinde Döberschütz-Gaußig im °BZ)´.

Kleed n. Dim. Kleedl, Pl. Kleeder `Kleid: einteiliges Gewand´ (für Frauen u. Mädchen, früher auch für kleine Jungen).

Kleedahse f. (alt), ohne Genus `Kleindehsa (Ort der Gemeinde Lawalde im °GR)´; de Kleedahsner od. Dahsner `die Einwohner von Kleindehsa´; die wohnt a Kleedahse od. a dr klenn Dahse.

Kleedche f. `Kleidung: Anziehzeug, Gesamtheit der Kleidungsstücke für beide Geschlechter´; do kennt ees aus dr Kleedche foahrn! `Es ist zum Verzweifeln´. Lautf.: Kleedcht öKürzung.

Kleederhokn m. `Kleiderhaken´.

Kleederrechn m. `Holzleiste mit Kleiderhaken´.

Kleedittsdurf siehe Dittsdurf! Lautf.: Kleendittsdurf.

Kleedoasche f. dass. wie Kleedche. Lautf.: Kleedasche.

Kleefe siehe Gleefe!

Kleeferschtchn `Kleinförstchen (Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im °BZ)´. Lautf.: Kleeferschtn.

kleefisslch Adj. `kleine, kurze Schritte machend´, Bewegungsablauf, hat nichts mit der Schuhgröße zu tun.

Kleegake siehe Kleengake u. Gake! Lautf.: Kleegage Westlausitz.

Kleegelumpe n. nicht abwertend Ostlausitz `Kleinvieh´, bes. `junges Federvieh´.

Kleegemiese n. 1. `Gemüsepflanzen von kleinem Wuchs´. - 2. `Kinder im Kindergartenalter u. in den unteren Schulklassen´; ´s ganze Kleegemiese gitt zun Grinndurschtche fechtn.

Kleehänchn `Kleinhänchen (Ort der Gemeinde Burkau im °BZ)´; de Kleehänchner `die Einwohner von Kleinhänchen´.

Kleehulz n. `Kleinholz, zerhackte Äste und Holzscheite zum Feuern´.

Kleeknaajcht m. `Kleinknecht: Unterknecht; 2. Knecht in einer Bauernwirtschaft, der für das Rindvieh zuständig war´. Lautf.: Kleeknecht Burkau, Kleekneicht Neusorge. Siehe auch Usterjunge!

Kleekrom m. `Kleinkram: kleine, wertlose, unbedeutende Warenstücke´.

kleelaut Adj. `kleinlaut´.

Kleemoajd f. siehe Kleenemoajd!

Kleengake Spitzname `Kleinröhrsdorf (Ortsteil der Stadt Großröhrsdorf im °BZ)´. Lautf.: Klee-, Kleen-, -gake, -gage Westlausitz. Siehe auch Rihrschdurf!

Kleencht n. Süd- u. Ostlausitz 1. `Menge kleiner Stücke´. - 2. `die beim Dreschen abfallende grobe Spreu´. - 3. `Innerein (vor allem von Geflügel), Klein (mit Reis, Nudeln oder Kartoffelbrei)´; Hoasnkleencht, zu Mittche gibbt´s Nudlsuppe mit Gänsekleencht.

kleene Adj. klenner od. klinner Neukirch, Ostlausitz od. kleener (umg.), oan klennstn od. oan (oam) klinnstn Neukirch, Ostlausitz od. oan (oam) kleenstn (umg.) `klein´. 1a. Gegensatz zu groß; dr kleene Finger, anne Nummer klenner, a klee Maajdl. - b. `jung´; dr Kleene is gutt a dr Schule `unser jüngerer Sohn ist gut in der Schule´, dr Grußknaajcht hoat´s mit dr klenn Moajd; gih oack zer Klenn! `Geh nur zu meiner jüngeren Schwester´. - c. Kosename meine Kleene `mein Mädel´. - 2a. `geringfügig, unbedeutend´; anne kleene Bitte hoann. - b. von Menschen `von geringem Stande, arm´; de klenn Diebe hängt mer, de Grußn lässt mer loofm. - 3. `kleinlaut´; diech warrn se schunn noa kleene kriegn.

Kleene Groashitsche f. Großschönau `Zaungrasmücke´.

Kleene Kirmst f. `der Sonntag nach der Kirmes´. Lautf.: Kleene Karmst Sächs. Schweiz.

Kleenemoajd f. `Kleinmagd: junge Magd, die die Hausarbeit in der Bauernwirtschaft erledigen musste; Dienstmädchen´. Siehe auch Ustermaajdl! Lautf.: Klee-, Kleenemoajd, -moid, -moad, -moard.

kleenicklch Adj. Ober- u. Niedercunnersdorf `kleinbusig, kleine Brüste besitzend, leptosom´.

Kleepfingstn n.. `der Sonntag nach Pfingsten´; ´s woar su im Kleepfingstn rim.

Kleepustwitz `Kleinpostwitz (Ort von Kirschau im °BZ)´. Lautf.: veralt. Kleepustz.

Kleerihrschdurf siehe Rihrschdurf! Lautf.: Kleenrihrschdurf.

Klees m. `Kleis´, tsch. `Klic (Berg im Lausitzer Gebirge in Nordböhmen)´.

Kleesaubernitz `Kleinsaubernitz (Ort der Gemeinde Malschwitz im °BZ)´. Lautf.: Kleesäubernz, Kleesäubernitz.

Kleeschiene `Kleinschönau´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörende Ortschaft östlich der Neiße; poln. `Sieniawka´; de Kleeschinner `die Einwohner von Kleinschönau´.

kleeschipperch Adj. `kleingeschippert, gesprenkelt´.

Kleeschweenz f. `Kleinschweidnitz (Ortsteil der Gemeinde Großschweidnitz im °GR)´. Siehe Schweenz!

Kleevieh n. `Kleinvieh´. Sprichwort: Kleevieh macht o Mist.

Kleevulk n. `Kleinvolk: Kinderschar´.

Kleewelke ohne Genus, veralt. f. `Kleinwelka (Ort der Kreisstadt  Bautzen im °BZ)´. Lautf.: Kleenwelke.

Kleezeug n. `Kleinzeug: kleine, wertlose, unbedeutende Gegenstände´.

Kleine f. `Kleie: beim Mahlen von Getreide abfallendes Produkt aus Schalen, Spelzen u. Resten von Mehl´; Weesnkleine, Kleinesäckl.

klenkern swv. Lauba, Neugersdorf, Spitzkunnersdorf, Nordböhmen `schlendern, lässig gehen und dabei unbedeutende Arbeiten verrichten, sich mit unwichtigen Dingen beschäftigen, taumeln, trödeln´; dr Moan klenkerte noa haußn rim.

Klepper siehe Kläpper!

kleppern siehe kläppern!

Kleppl m. `Klöppel´ 1. `Werkzeug zum Klopfen, Schlagen, z.B. `beweglicher Teil des Dreschflegels´. - 2. `Glockenschwengel´. - 3. `Stück Holz, das man dem weidenden Rindvieh an den Hals hängt und das hin- u. herbaumelt, dadurch das Vieh am schnellen Laufen hindernd, auch bei Hunden´. - 4. Neusorge `Perpendikel, Uhrpendel, Standuhrschleuder´. - 5. `herunterhängende Bommeln an der Gardine´. - 6. `beerenartige Frucht der Kartoffelpflanze´; Abernkleppl. Siehe auch Klippl.

klerr Interj. `klirr (beim Bruch einer Scheibe od. eines Behälters aus Ton)´.

klerrn swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf `klirren´; de Fansterscheibm klerrtn. Lautf.: klarrn Neukirch.

Kletzl n. Dim. von Klutz. 1. `kleiner Klotz (aus Holz od. Stein)´; a Kletzl Hulz, Hackekletzl, Steenkletzl, Fansterkletzl, Bratkletzl, Baukletzl `Bausteine´. - 2. siehe Schleefkletzl! - 3. übertr. `kleiner Berg´.

kletzln swv. `klötzeln: laufen mit Holzpantoffeln oder mit Schuhen mit großen Absätzen, die lärmen´; mit´n Braatlloaatschn aus´n Häusl rausgekletzlt kumm.

Klie m. `Klee´. 1a. ruter Klie od. Rutklie `Wiesenklee (Trifolium pratense)´; a Klieblatl, mer missn noa Klie hoon, dr Klie wird gereitert. RA: enn od. woaas iebern grinn Klie lobm `jmdn. od. etw. übermäßig loben´. - b. weißer Klie od. Weißklie `Lämmerklee (Trifolium repens)´. - c. siehe Bitterklie! - d. siehe Hurnklie! - e. siehe Buhschklie! - 2. Bihms Koarle ufgesoatzer Klie `mit Alkohol aufgesetzter Klee, Wundklee´. Lautf.: Pl. Klien Hintere Sächsische Schweiz.; an Kliene rimsieln.

Kliebloat n. `Kleeblatt´. 1. wie litspr. - 2. übertr. `aus drei Personen bestehende Gruppe´; ´s Kliebloat hoat wieder anne Teiflei ausgeheckt.

Klieheetl n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Blattwerk mit Blüte vom Klee´.

Klien siehe Klie!

Klientsch siehe Klintsch!

Kließl siehe Kluß!

Kließlhäber m. 1. `Kloßheber, Schaumlöffel´; nimm oack de Kließe mit´n Kließlhäber au´s Tuppe! - 2. scherzh. `Büstenhalter´; dir warrn de Nickl noa runderfoalln, wenn de kenn Kließlhäber imbindst!

Kließlhengst m. selt. `ein minderwertiges Taschenmesser mit hölzernem Griff´.

kließln swv. selt. Großhennersdorf, Schlesien `undeutlich reden, sprechen als hätte man ein Kloß im Mund od. Hals´.

Kließlroaffer m. 1. verstr. West- u. Ostlausitz `Schaumlöffel´. - 2. scherzh. `Büstenhalter´.

Kließlsuppe f. `Suppe mit unförmigen aus Mehl und Ei geformten Klößchen´, auch Koallchlsuppe.

Kliftl n. `schlechtes, dünnes Kleid´.

Klimperch m. `ehem. Kleinbahn zwischen Dürrhennersdorf u. Taubenheim´. Die Glocke erzeugte klimpernde Töne.

Klimperkoastn m. `Klavier´.

Klimpl n. Dim. von Klumpm `Klümpchen´.

klimplch Adj. `mit Klümpchen versehen´; de Murgnsuppe woar´n zu klimplch.

klimpln swv. `kleine Klumpen bilden´; de Suppe od. Butter klimplt.

Klimplsuppe f. Ober- u. Niedercunnersdorf, Schlesien `Klümpchensuppe: durch Einquirlen von Mehl in kochendes Wasser oder in Milch zubereitete Mehlsuppe, die kleine Klumpen bildet´.

Klimpsl n. Südlausitz, Nordböhmen `Klümpchen (aus Mehl in der Suppe)´.

Klinge f. mdal. in der RA: anne gude Klinge schloin `viel essen´.
Klinge veralt. f., ohne Genus `Klingewalde (Stadtteil der Kreisstadt Görlitz im °GR)´; doaas Haus stiht ei dr Klinge.

Klinglboajttl m. `Beutel, Behältnis für das Dankopfer, das während od. nach dem Gottesdienst eingesammelt wird´. Lautf.: Klinglboajgl Oberland, -boardl Westlausitz.

Klinke f. 1. °ZI Ebersbach, Neugersdorf in der Wendung Klinke schloin (gihn) `sich erkundigen (gehen)´; do miss mer amol Klinke schloin; ´s woar keene Tiere a dr Klinke (Verdrehung der Wörter) `es war sehr liederlich´. - 2. Neugersdorf `Klinke am Handwebstuhl´; ´s Arnstinl misste noa a poaar Klinkn wirkn; häb oack amol hunn de Klinke! Deshalb auch: Hundeklinke.

Klinke f. veralt. `Clique, kleine Gesellschaft, Freundes- u. Verwandtenkreis´; zu unser Klinke hoat´ch noa a Fremdes derzu gefunn.

Klinkerchl n. Dim. von Klunkerch Lawalde `kleines Hemd, Kleidungsstück´. Lautf.: Klinkerchn Mückenhain.

Klinknputzer m. veralt. `Bettler; Landstreicher, der von Türlinke zu Türlinke geht´.

Klinks m. `Raste´; zerletzt noa a Klinks und de Werfte is oab.

Klintsch (kurzes i) m. 1. `feuchtes, nichtdurchgebackenes Gebäck; feuchte, weiche Masse; feuchter Streifen in einem nicht durchgebackenem Brot, Schliff´; Klientschstreefm. Siehe auch Schlief, Klautsch u. Woasserstreefm! - 2. umg. minander ann Klintsche liegn `miteinander Streit haben´. Lautf.: Klientsch Obercunnersdorf, Klinsch, Kluntsch (Jonsdorf), Klunsch, Klantsch Ostlausitz, Gloantsch (kurzes oa) Burkau, Gloansch Westlausitz.

klintsch Adj. `nicht richtig durchgebacken´.
klintsch (kurzes i) Adj. 1. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Bihms Koarle, Schirgiswalde, Nordböhmen `klein, winzig, noch nicht vollendet´; a klintsches Naast `ein kleiner Ort´; a klintscher Karle, a klintsches Brinkl, dr Sturch brengt´s Klintsche. Lautf.: klinsch, klin(t)schch, klinzch.

Klippl m. `Klöppel´ 1. `Holzhammer, Werkzeug zum Klopfen, Schlagen´, z.B. `beweglicher Teil des Dreschflegels´. - 2a. `Glockenklöppel´. - b. nOstlausitz `Gewichte der Standuhr´. - 3. `(unförmiges, gespaltenes, gesägtes) großes Stück Holz´; Birknklippl. - 4. Pl. `geschältes Meterholzstück (für Grubenholz od. zur Herstellung von Pappe)´. Fichtn-, Birknklippl, Meterklippl. - 5. Burkau `eine kleine Menge Getreide od. Mehl in einem Säckchen´; a Klippl Mahl. - 6. Steinigtwolmsdorf `klöppelartiger Fleischauswuchs am Unterkiefer bei jungen Ziegen´. - 7. `beerenartige Frucht der Kartoffelpflanze´; Abernklippl. - 8. Faderklippl `Federhalter aus Holz´. Siehe auch Kleppl!

Klirre f. `(klirrende) Kälte´; heute is aber o anne Klirre haußn. Lautf.: Klerre.

Klistier siehe Kristier!

klistiern siehe kristiern!

klitschch Adj. dass. wie klitscherch!

Klitsch (kurzes i) m. `Schlag mit der flachen Hand, wobei ein klatschender Ton erzeugt wird; mit Löffel od. Kelle verabreichte kleinere Menge, Portion´; Oarschklitsch.

Klitsche f. `kleines Dorf, kleine Bauernwirtschaft´.

Klitscher m. siehe Abernklitscher!

klitscherch Adj. `klitschig: feucht u. glatt, schlüpfrig, rutschig; unausgebacken´.

Klitschl n. `kleiner Klumpen, zusammengerührter kleiner Klecks´; die hoann´ch a schie Klitschl Zeug zusoammde gemacht `die sind durch gemeinsame Arbeit wohlhabend geworden´.

klitschn swv. 1. `klatschen; schlagen, wobei ein heller Ton erzeugt wird´. - 2. `(mit feuchten Händen) mit (klebrigen) Karten spielen´. - 3. übertr. enn eene od. a poaar klitschn `jmdn. ohrfeigen´.

Kloabuster m. Pl. Kloabustern Ostlausitz, öSüdlausitz 1. `getrockneter Kotklumpen an den Schenkeln; bei Rindern u. Schweinen, durch Liegen verursacht u. durch unsaubere Stallhaltung begünstigt, anhaftender Schmutz u. Kot; etw. Verklebtes, Schmutzfleck´, de Kihe hoann Kloabuster a dr Seite. Siehe auch Klunkern! - 2. übertr. `großes Stück´. Lautf.: Klabuster.

Kloabusterbärn Pl. Cunewalde, Burkau dass. wie Kloabuster 1. Lautf.: Klabusterbeern.

kloabustern swv. 1. bes. Ostlausitz, Westlausitz `kleistern, verkleben, mit Schmutz beschmieren´. - 2. Südlausitz `etw. sorgsam zusammensetzen, basteln, errichten, Fitz beseitigen´. Lautf.: klabustern.

Kloafter (kurzes oa) f., n. Bihms Koarle `Klafter´. 1. altes Längenmaß `die Spannweite der beiden Arme´; a spuckte drei Kloafter weit ei de Luhsche nei (Ostlausitz). - 2. altes Raummaß; anne Kloafter Feuerhulz `Holzstapel von der Länge u. Höhe der Spannweite der beiden Arme u. Dicke der Scheitlänge; aufgesetzter Holzstapel von einer Breite von ca. 2 m und einer Höhe von ca. 1,1 m´. - 3. Ostlausitz in der Wendung noa dr Kloafter `unentwegt nach Plan´.

kloafterch Adj. `einen Klafter umfassend´; a zahnkloaftercher Klutz. Siehe Kloafter!

Kloammer f. `Klammer´; Wäschekloammer, Kloammerkirbl, Kloammersaak.

kloammerch Adj. verstr. 1. Süd- u. Westlausitz `verklemmt, unsicher, steif, schwer beweglich (Beine)´; ganz kloammerch stitt´r do und bebbert. - 2. Westlausitz in der Fügung kloammerch tun `verlegen sein´. Lautf.: klammerch (Burkau, Ohorn)

Kloammersaak m. Dim. Kloammersäckl `Sack, Beutel zur Aufbewahrung der Wäscheklammern´; RA: mit´n Kloammersäckl gepudert sein `nicht recht bei Verstand sein´; deine Mutter hoat´ch wull mit´n Kloammersaak gepudert!

Kloamp m. `Klampf´. 1. `Einschlafen der Arme u. Beine, verbunden mit einem ameisenartigen prickelnden Gefühl´; iech hoa´n Kloamp an Beene. - 2. `Muskelkrampf an den Gliedmaßen´. - 3. Bihms Koarle `Lähmung´. Lautf.: Kloamm, Kloampf.

kloan siehe kloin!

Kloappe f. `Klappe´. 1. `Deckel, der etwas verschließt od. zudeckt´. - 2. übertr. `Mund´; de gruße Kloappe und nischt derhinder.

Kloapper f. `Klapper´, dass. wie Kläpper.

Kloapperjunge m. 1. `Junge, der zusammen mit anderen Jungen (u. dem Küster) in katholischen Orten (Schirgiswalde) an den Kartagen, meist Karfreitag, durch die Straßen od. um die Kirche läuft und statt der Kirchenglocken eine Klapper betätigt´. - 2. `Junge, der zusammen mit anderen Jungen (unter der Aufsicht des Kantors) am Gründonnerstag nach dem Gründonnerstagsingen mit der Klapper durchs Dorf zog und durch das klappernde Geräusch Eier u. Geld erbettelte´. Dieser Brauch fand unter der Bezeichnung kloappern gihn bis 1945 in den katholischen Dörfern der Amtshauptmannschaft Zittau statt, z.B. Seitendorf, Königshain. Die Klapper bestand aus einem gestielten Brettchen u. einem beweglichen hölzernen Hammer´.

kloappern swv. `klappern´. 1. `ein klapperndes Geräusch hören oder erzeugen; klappernd klopfen´; de Zähne kloappern; mit´n Denglhoammer gleiche kloappern. - 2. `mit der Klapper Krach machen´, siehe Kloapperjunge! - 3. `das Erzeugen von Lauten des Storches mit dem Schnabel´. Siehe auch kläppern!

Kloappersturch m. `der (mit dem Schnabel klappernde) Storch, der die Babys bringt´. "Vati, woarim leit´n de Mutter an Bette?" "Die hoat dr Kloappersturch as Been gebissn".

kloappm swv. `klappen´. 1. `klappend öffnen od. schließen´; ufkloappm, imkloappm. - 2. `ineinander passen, gut zusammenpassen; gelingen, glücken´; ´s hoat gekloappt `es ist mir geglückt´.

Kloapptiere f. `Klapptür: Falltür, meist eine in den Fußboden im Hausflur oder in der Stube eingelassene Kellertür, die sich vertikal nach oben öffnen lässt´.

Kloaps (kurzes oa) Dim. Klapsl `Klaps´. 1. in der Wendung ann Kloaps hoann `verrückt sein´; dar hoat ann Kloaps und siebm Bumse (Dittersbach a. d. E.). - 2. bes. im Dim. `leichter Schlag mit der Hand (aus Liebe)´; du krigst glei a Klapsl.

Kloapsmihle f. `Klapsmühle: Irrenanstalt´.

Kloarnette f. `Klarinette´.

Kloasse f. `Klasse´. 1. `Unterrichtsabteilung in der Schule, Klassenzimmer´; a is dr dimmste a dr ganzn Kloasse. - 2. `Rang, Qualität´.

Kloassnschnicke f. (ohne Art. gebraucht) `Prügel von der ganzen Klasse´; dar hoat Kloassnschnicke gekrigt.

kloaterch (gespr. gloaaderch) Adj. um Bautzen 1. `erkältet, fiebrig, gesundheitlich angeschlagen, matt´. - 2. in der Wendung kloaterch warn `bedenklich, riskant, mulmig werden´. Lautf.: klatrich, glatrich.

klobch (gedehntes o) Adj. `klobig: klotzig, wuchtig, plump, unförmig, roh gearbeitet´; globche Schicher `unförmige Schuhe´; die Stoarmeste is aber klobch. Lautf.: globch.

Kloberadl n. `im Kloben laufende Umlenkrolle mit Rille als Teil des Flaschenzuges, in der der Strick geführt wird´; ´s Kloberadl oan Hokn hängn. Lautf.: Klobmradl, Globeradl, Globmradl.

Klobm (gedehntes o) m. `Kloben´. 1. `grob gespaltenes Holz, unförmiger, dicker Holzklotz´. 2. `Teil des hölzerner Flaschenzuges am Giebel´; zun Klobm gehirrt o de Spille und´s Klobmradl. - 3. Nähklobm `ein Arbeitsmittel des Sattlers´. - 4. `große Nase´. Lautf.: Globm, Klom, Glom Westlausitz.

kloin swv. `klagen´. 1. `einen Schmerz , ein Leid mit Worten laut zum Ausdruck bringen´. - 2. `seine Unzufriedenheit, sein Missvergnügen äußern´; ieber de schlaajchtn Zeitn kloin. Lautf.: kloan Seifhennersdorf, Schirgiswalde, kloarn Zittauer Gebirge, Westlausitz.

Klooz siehe Klutz!

Klumpm m. Dim. Klimpl `Klumpen´; Eisklumpm, Butterklimpl, Klimplsuppe, Mistklimpl.

Klunker m. f. Pl. Klunkern, Pl. Dim. Klinkerchl (Oberland) 1. `kleiner Klumpen´, z.B. `getrocknete Kotklümpchen am Fell der Kuh´; oa dr Oarschbacke hängn Klunkern droaa. Siehe auch Kloabuster! - 2. `etw. Herabhängendes´ a. Schlesien `Quaste, Trottel´. - b. Großröhrsdorf `Haarzotteln´. - 3. abwert. `(alte, abgetragene) Kleidung´; gibb mer oack ann aaln (anne aale) Klunker! Zun Hulzhackn koannst de deine aaln Klunkern oaaziehn! Die hoat schunn wieder neue Klunkern uff´m Boalge! - 4. Tautewalde, Girbigsdorf, Daubitz, Rietschen `verwahrloster Mensch´, siehe auch Klunkerch 2! - 5. umg. abwert. `am Körper od. an der Hand angelegte (unechte), große Schmuckstücke´.

Klunkerch m. Dim. Klinkerchl 1. `(schlechtes) Bekleidungsstück´, - 2 °BZ Sohland, Schirgiswalde `nachlässig gekleidete männl. Person, die nichts von Arbeit hält und herumzieht; Vagabund, heruntergekommener Kerl, liederlicher Junggeselle od. Witwer´; mer hättn sulln dan Klunkerche ´n Buckl oabräum.

klunkerch Adj. selt. `unordentlich, nachlässig, schlampig´; dar leeft aber klunkerch rim!

klunkern swv. 1. `träge, saumselig arbeiten, trödeln´; klunkert oack ne su rim! Tu dch oack ausklunkern! - 2. `langsam, nachlässig gehen; schlendern; trotten; bummeln´; se klunkertn ´s Durf nunder, heemklunkern. - 3. `liederlich herabhängen (Kleidung)´.

Klunkerwäsche f. `kleine Wäsche mit wenig Aufwand´.

Klunst (gespr. Glunst) f. 1. dass. wie Klunzn. - 2. `(ehemaliger) Berg in °ZI Ebersbach´.

Kluntsch m. siehe Klintsch!

kluntsch Adj. Niedercunnersdorf, Jonsdorf, Ostlausitz, Schlesien `schliff, wässrig, unausgebacken, durch Feuchtigkeit zusammenklebend, sitzen geblieben´; dr Kuchn is kluntsch(ch). Lautf.: klunsch, klun(t)schch, klantsch, klautschch.

Klunze f. FlN Pl. Klunzn Südlausitz `zerklüfteter Felsen´.; Steenklunse. Siehe auch Nunnklunzn! Lautf.: Klunse.

Klunzn m. dass. wie Klunze; Steenklunsn. Lautf.: Klunsn Niedercunnersdorf.

Kluppe f. `Klopfe´. 1a. `hölzerner Schlegel zum Klopfen des Leinenfasermaterials´. - b. verstr. `Klöppel am Dreschflegel´. - 2. `Hiebe, Schläge, Prügel´; Kluppe kriegn.

Klupper m. `Teppichklopfer´.

kluppm swv. `klopfen´. 1. intrans. `(mit dem Fingerknochen) mehrmals leicht gegen etw. schlagen, (um auf sich aufmerksam zu machen)´. - 2. trans. a. `etw. schlagend bearbeiten´; Teppch kluppm. - b. refl. `jmdn. schlagen, prügeln, hauen´; die diche Bucht kluppt´ch schunn wieder; verkluppm. Lautf.: kloappm.

Klupschn siehe Glupschn!

klupschn siehe glupschn!

Klupschooge siehe Glupschooge!

Kluß n. Dim. Kließl Pl. Kließe `Kloß´. 1. `rundliches, meist kugelförmiges Gebilde (aus Mehl, Grieß, Kartoffelbrei od. Fleisch zum Verspeisen); Knödel´; Sammlkluß, Abernkluß, Kließlsuppe; iech ass noa a Kließl! RA: a Kluß an Hoalse hoann `undeutlich reden, heiser sein´. - 2. übertr. Dim. u. Pl. `(kleine bis mittelgroße) weibl. Brüste´; die hoat oack a Poaar Kließl.

Kluster n. `Kloster´; wenn de Gloackn klingn an Klustern, is es Ustern.

Klutz m. Dim. Kletzl, Pl. Kletzer `(Holz)klotz; etw. Wuchtiges u. Unförmiges´; Kletzer und Stecke an Schlofe saajn, Gebäudeklooz; siehe auch Kletzl! Lautf.: Klooz Neugersd., Zittauer Gebirge, Neukirch, Nordböhmen.

Knaajcht m. `Knecht: männl. Pers., die als Arbeiter auf einem Bauernhof schwere Arbeiten zu verrichten hat´; Uchsnknaajcht; Kunzebauer hoat senn Knaajcht furtgejoit. Siehe auch Grußknaajcht u. Kleeknaajcht! Lautf.: Knecht Westlausitz, Kneicht nOstlausitz.

Knaatsch m. Hirschfelde, Hörnitz `Knete, teigige Masse, durch Drücken u. Schütteln formlos gewordene Speise´.
Knaatsch m. umg. `Streit, Zank, Gezerre, Gezeter; wenn´ch zu späte heemkumm, gibbt´s oallemol Knaatsch. Lautf.: Knoaatsch.

knaatsch Adj. Niedercunnersdorf, Steinigtwolmsdorf `zu dick (aufgetragen, gekleidet, geschmiert)´; dar frisst de Butter knaatsch od. knaatch uff´s Brut `der isst die Butter ohne od. mit wenig Brot´.

knaatschch Adj. `unleidlich, unausstehlich, weinerlich, nörglig´.

knaatschn swv. umg. `unleidlich langanhaltend weinen´. Lautf.: knoaatschn.

knaatschn swv. siehe knattschn!

Knäbl m. wSüdlausitz, msWestlausitz, Sächsische Schweiz, msOstlausitz `Knebel: Sensehandhabe, Griff in der Mitte des Sensenwurfes´, auch Grief.

Knacker m. 1. `Gerät zum Öffnen der Nüsse´; Nuhßknacker. - 2. `Knackwurst, z.B. (knackende) Bockwurst´. - 3. scherzh. od. verächtl. `(älterer) Mann´; dar aale Knacker guckt egoalfurt ´n jungn Maajdl anooch. - 4. `Steinbrecher: Maschine zur Zerkleinerung von harten Steinstücken (im Steinbruch) zu Schotter´.

Knackerch m. 1.  `Knacklaut´; an raajchtn Knie-e goab´s sicke Knackerche. - 2. `Maschine zur Zerkleinerung von harten Steinstücken (im Steinbruch) zu Schotter´.

knackern swv. `knacken, knattern, ein sich wiederholendes Knistern (im Stroh), andauerndes Knacken (des Feuers).

knäckern swv. Oberland `ein wiederholtes, nicht besonders lautes Geräusch hören lassen (in Gelenken), knistern (von Stroh)´; die aale Hitsche knäckerte und wullde ne oaaspringn. Lautf.: knackern.

Knacks m. 1. `Knacklaut´. - 2. `Riss, Sprung, Schädigung´. - 3. `physischer od. psychischer Schaden beim Menschen´; a hoat benn Unfoalle ann Knacks oabgekrigt.

Knacksbeere f. Spitzkunnersdorf dass. wie Knattschbeere! Auch Knackbeere.

knacksn swv. umg. `knacksen: verstärktes Knacken (von Gelenken), ein knackendes Geräusch erzeugen, geräuschvoll knicken, knackend zerbrechen (Holz)´.

Knäke f. Königswartha `Knäkente (Anas querquedula)´.

Knäl siehe Kneel!

knäln siehe kneeln!

Knärch siehe Kneel!

knärgln swv. siehe knergln!

Knärglsaak m. siehe Knerglsaak!

Knate f. `Knete: Schlamm, Matsch, aufgeweichter Boden, feuchte Masse´.

knätern swv. 1. `einen Knoten knüpfen´; ufknätern, verknätern, zuknätern, zusoammknätern. - 2. Ohorn `jmdn. bedrängen, intensiv befragen´; die hoann mich wieder geknätert. Lautf.: kneetern.

knätln swv. dass. wie knätern; iech muss irscht de Schniersenkl ufknätln, verknätln, zuknätln, zwee Bändl zusoammknätln. Lautf.: kneetln.

knatn stv. iech knat(e), du knattst, iech knatte, iech hoa geknatn `kneten´. Vgl. moalkern, wälkern!

Knatsch (gedehntes a) siehe Knaatsch!

knatscherch (gedehntes a) siehe knaatscherch!

knatschn (gedehntes a) siehe knaatschn!

Knattschbäre (kurzes a) f. `Frucht des Zierstrauches Symphoricarpus racemosus (Eisbeere, Schneebeere, Knallerbse); wenn de uff de Knattschbärn loaatscht, do knattscht´s. Lautf.: Knaatschbäre Cunewalde.

knättschln swv.Neukirch `geräuschvoll essen, schmatzen, laut kauen´; se huttn lange droaa ze knättschln. Lautf.: knattschln Frankenthal.

knattschn swv. 1. `zerdrücken, zertreten und dabei pfatschend knallen wie bei einer Eisbeere, einem Tannenzapfen od. einem Käfer; knacksen, knacken´; iech bie uff anne Schnecke geloaatscht, hoast´s knattschn hiern? - 2. `geräuschvoll essen, knackende Geräusche beim Essen verursachen´; woaas zerknattscht´n du mit´n Zänn? - 3. Steina `knittern´; de Hose knattscht. Lautf.: knoattschn, knaatschn Cunewalde.

Knaul m. n. `Knäuel: zusammengedrückter Gegenstand, zu einem Ball aufgewickelter Faden´; Wulleknaul.

Knaulgroas n. `Knäuelgras, Wiesenknäulgras (Dactylis glomerata L.)´.

knäumln swv. Südlausitz 1. `(am harten Brot) herumbeißen, unlustig essen, naschen, herumfressen, knabbern. nagen´; dr Grußvoater hoat keene Zähne mih und knäumlt oan Brute rim. - 2. `mühsame Arbeit (mit den Fingern) verrichten, klauben´; ann zermeetschtn Karn aus´n Nuhßschoaln rausknäumln. - 3. Oderwitz `bei geringer Energiezufuhr ganz leicht, fast unmerklich braten od. kochen´. Lautf.: gnäumln.

knaupln swv. 1. `(an Fleischresten) nagen´; an Knuchn rimknaupln, oabknaupln. - 2. `(aus Nervosität) an den Fingernägeln nagen, abknabbern´; hier uf mit Knaupln!

knauserch Adj. umg. `knauserig: übertrieben sparsam, geizig´. Lautf.: knausterch Bretnig.

knausern swv. umg. `geizen, übertrieben sparsam sein´; die knausern mit jedn Pfenngk.

Kneefl n. `kleiner Knauf (an der Stecknadel): Nadelkuppe´.

Kneel m. Seifhennersdorf, °ZI Seitendorf , West- u. Ostlausitz `Knöterich: Spörgel, Spark, Spörk, Spergula, Ackerspark (Spergula arvensis)´, Gattung der Nelkengewächse, einjährige Kräuter mit quirlständigen, schmalen Blättern und weißen Blüten; Ackerunkraut, das auch auf Feldern als Futterpflanze angebaut wurde. Lautf.: Knäl, Knärch, Knärich, Kneerch, Kneerich

kneeln swv. Westlausitz `wiederkäuen; lange kauen und nicht herunterschlucken´; kneel oack ne su lange rim! Lautf.: knäln (gedehntes ä). Siehe auch keeln!

kneetern siehe knätern!

kneetln siehe knätln!

Kneetl n. Pl. Altbernsdorf `Knötchen, kleiner Knoten, ungequirlte, klumpige Mehl- od. Teigstücke, klumpige Verdickung´. Siehe Angstknotn!

Kneetlsuppe f. Cunewalde, Seitendorf, auch Schlesien `Knötleinsuppe: Suppe mit Mehl- od. Teigklumpen´; siehe Roaffkoallchl!

Kneipm siehe Bauchkneipm!

Kneppe Pl. von Knupp `Knöpfe: Münzen, Geld´; dar hoat mer meine Kneppe oabgenumm.

Kneppl n. siehe Knupp!

Knepplkraut n. `Wiesen-Witwenblume, Acker-Witwenblume (Knautia arvensis L.)´; auch Bauchkneppl.

Knepplkuchn m. um Zittau `Streuselkuchen´.

kneppm swv. `knöpfen: mit Knöpfen verbinden, schließen´; zukneppm, ufkneppm, knepp deine Uhrwaschl uf! `höre zu!´.

knerbln swv. Neugersdorf, °ZI Friedersdorf `nörgeln, wehleidig tun, jammern´; rimknerbln.

knerch Adj. Wittgendorf, Ostlausitz `schlecht gelaunt, verdrießlich, mürrisch, unfreundlich´; du bist aber heute knerch!

Knerglch m. `Nörgler´. Lautf.: Knirglch.

knerglch Adj. `nörglig, lästig, vergrämt, unleidlich, mürrisch (meist für längere Zeit)´. Lautf.: knirglch.

knergln swv. `nörgeln´. 1. `an allem etw. auszusetzen haben; kleinlich tadeln´. - 2. `weinen eines Kindes, unleidlich sein´. Lautf.: knirgln Bihms Koarle, knargln, knurgln, nergln.

Knerglsaak dass. wie Knerglch. Lautf.: Knirglsaak, Knerglsack.

knibbern swv. `knabbern (Maus)´; ´s Mäusl knibbert.

Knichl (kurzes i) n. `kleiner Knochen´. 1. `hervorstehender kleiner Knochen an Hand-, Finger- u. Fußgelenken´; Fußknichl, ´s biese Knichl Zittauer Gebirge `das Knöchel am Handgelenk´. - 2. `Ellbogengelenk´; necksches °ZI Ebersbach, Neugersdorf, Seifhennersdorf od. dummes Knichl Obercunnersdorf, ´s foalsche Knichl Neusalza-Spremberg, Dürrhennersdorf `empfindlicher Ellbogenknochen´. Siehe auch Knuchn! Lautf.: Knechl, Knichlchn.

knichlhoarte Adj. `knochenhart, sehr hart´, auch knuchnhoarte.

Knickatschche f. smWestlausitz, Neulausitz `Prunus insititia J.; kleine, wild gewachsene Pflaume mit kleinen kugeligen Früchten von unterschiedlicher, meist blauer Färbung´. Lautf.: Kniekatschge od. Kniekatschka (Gebelzig). Formen: Knicker, Knickerchl, Knickerchn Peikwitz. Siehe auch Grieschl!

knicke umg. `müde, matt, geknickt, lahm´.

Knicker m. 1. Pl. Dim. Knickerchl `Knickholz, Bruchholz, fingerstarke Äste´; se hoat´ch wieder ann Troikurbvll Knicker aus´n Busche gehult. - 2. dass. wie Knickatschche. - 3. `Gegenstand, von dem man Teile knicken kann´, z. B. Luftgewehr, das zum Laden geknickt werden muss; Dolch, Messer mit verstellbarer Klinge.

knickerch Adj. umg. `übertrieben sparsam, geizig, knauserig´.

Knickerchl n. dass. wie Knickatschche. Lautf.: Knickerchn.

Knickerhickl n. °BZ Sohland, Frankenthal `kleine Hocke mit Knickholz, das dem Waldarbeiter kostenlos zusteht; Bündel aus aufgelesenentrockenen Zweigen´.

knickn swv. `knicken´; iech hoa dann Fluhg geknickt `ich habe den Floh durch Knicken mit den Fingern getötet, wobei es knackt´.

Kniebeege f. Pl. Kniebeegn Oderwitz, Pfaffendorf, Girbigsdorf `Kniebeuge, Hocke´.

Kniebl m. `hervorstehender Knöchel am Finger, an der Hand, am Fuß; der vorstehende Teil vom mittleren Fingergelenk´; du hoast de Fingerkniebl uffe! `Deine Fingergelenkknochen bluten´. Brachte vor fünfzig Jahren eine Frau besonders saubere Wäsche auf die Leine od. Bleiche, wurde sie oft scherzhaft gefragt: "Woaas fer anne Seefe hoast´n genumm?" Sie antwortete darauf schnippisch: "Knieblseefe!" Lautf.: Gniebl.

Kniefixl n. `Knicks, Kniefall´, in der Wendung a Kniefixl machn `einen Kniefall als Zeichen der Unterwürfigkeit machen, um etw. zu erreichen´.

kniefixln swv. `die von oben bis zum Knie geschlossenen Beine unten auseinander spreizen; `(aus Unterwürfigkeit, Schöntuerei, Berechnung) einen Kniefall machen´. Lautf.: kniefickn Schlesien, Nordböhmen.

Kniekahle f. `Kniekehle´.

Kniekatschche siehe Knickatschche!

Knieriem m. `Knieriemen: Den Knieriemen legt sich der Schuster mit dem einen Ende um den Fuß, und das andere Ende schlingt er sich um das Knie. Er dient dazu, dass sich der Schuster den Schuh am Knie festhalten kann, um ihn zu bearbeiten.´

knieseeln siehe kniesln!

Kniesl m. selt. 1. Steina `Tabakspfeife´. - 2. Schirgiswalde `verknöcherte, unangenehme Pers.´

kniesln swv. selt. Ostlausitz, Nordböhmen `knieseilen´. 1. `ungebärdige Ochsen u. Kühe an den Knien fesseln, um sie besser (in das Schlachthaus) leiten zu können´. - 2. übertr. `plagen, quälen, drangsalieren´; dann hoann se geknieslt. Lautf.: knieseeln.

Kniestook m. `über die Decke des obersten Geschosses reichender Abschnitt der senkrechten Außenwand eines Gebäudes, der in der Schräge des angehobenen Dachfußes übergeht u. eine bessere Ausnutzung des Dachraumes gestattet, Drempel´. Lautf.: Kniestock.

Knietsch m. `Knitter; ein nichtgewollter scharfer Bruch (im Stoff), Deformierung im Stoff od. Papier´. Lautf.: Knittsch.

Knietscher(ch) m. dass. wie Knietsch.

knietscherch Adj. Oderwitz `knülle, zerknirscht, niedergeschlagen, deprimiert, schwermütig´.

knietschn swv. 1. `knittern, knüllen, knautschen´; ´s Hemde knietscht. - 2. `breitdrücken, quetschen, zusammenknüllen´; de Zitrone knietschn, knietsch ne su de Hose a de Ecke! De Poappe knietscht mer durch de Zinn; aus-, rei-, zer- u. zusoammknietschn. Lautf.: knittschn.
knietschn swv. `(ohne Grund) leise weinen´. Lautf.: knutschn (gedehntes u).

Kniewand f. selt. Ostlausitz dass. wie Kniestook.

Knifte f. Burkau, °BZ Gröditz `bestrichene dicke Brotscheibe, Brotanschnitt´. Lautf.: Knufte.

Knillch m. abwert. umg. `(ungehobelte, unhöfliche) männl. Person´, meist `Junge´ od. `Jugendlicher´.

knille Adj. umg. `knülle´. 1. `erschöpft´. - 2. `betrunken´.

Knipperchl n. meist Pl. Obercunnersdorf, Wehrsdorf `Knickholz; kleines, dünnes Reisig´; de Grußemutter brengt oallemol aus´n Busche Knipperchl mitte. Auch Vogltriet.

knippern swv. dass. wie knippm.

Knippl m. sSüd- u. Ostlausitz `Knüppel: länglich geformte Semmel aus Weizenmehl´.

knippln swv. dass. wie knippm; ´s Schuhbändl ufknippln; an Knotn as Schnupptichl knippln.

knippm swv. `knüpfen´. 1a `binden, mit einem Knoten verschließen´; ´s Päckl knippm; iech knippte de Ringl an Chrisboom. Mer misstn Handtichl knippm `die geflochtenen Franzen am Handtuch verknoten´. - b. `mühsam Knoten auflösen´. - 2. `(Teppiche od. Netze) knüpfen´. Lautf.: knuppm Lawalde.

Knipptichl n. 1. `ein (leinenes, meist kariertes) Tuch, etw. größer als ein Taschentuch, in das der Proviant eingeknüpft wurde´, auch Eibindetichl. - 2. `(seidenes) Halstuch in der Oberlausitzer Volkstracht, das vor dem Hals zum Knoten geknüpft wurde´.

Knipser m. `Eisenbahnschaffner, der die Fahrkarten locht´.

Knipsl n. `etw. Kleines und Hartes (zum Anfassen)´. 1. `elektrischer Lichtschalter´; ´s Knipsl is oabgebroachn. - 2. `Teil von Armaturen und Geräten´. - 3. `Teil des Reißverschlusses und Strumpfhalters´; vun Strumphaaler is is Knipsl oabgegangn.

knirgln swv. Bihms Koarle siehe knergln!

Knirzlwoade f. `knorrige, stämmige Wade (bei Frauen)´. Vgl. Knurz!

knisperch Adj. selt. `knusprig´.

knispern swv. Obercunnersdorf, Schirgiswalde, Nordböhmen `knuspern´.

Knispl n. Dim. von Knuspe 1. Schirgiswalde `kleine Knospe von Blättern u. Früchten´. 2. Leutersdorf `Wachskleckse´. - 3. Nordböhmen `Knoten (im Taschentuch), verwirrtes Garn´. - 4. Niedercunnersdorf `Stiel eines bes. angenähten Mantel- od. Jackenknopfes´.

knisplch Adj. selt. Ost- u. Westlausitz `mühselig, zeitaufwendig´.

knispln swv. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf, um Zittau `mühsame Handarbeit verrichten u. dabei mit den Fingernägeln Geräusche machen, knuspern, knacken, rascheln (bei der Handarbeit), das Knappern der Mäuse am Käse´; iech koann´s ne hiern, wenn du mit´n Fingernaajln su knisplst.

Knittl m. `Knüttel: Knüppel; kurzer, derber Stock´. RA: Dr Knittl leit benn Hunde `bei der Arbeit wird angetrieben´.

knittln swv. `mit einem Knüttel, Knüppel schlagen od. arbeiten´; dann infamchtn Karln hoa´ch zun Luche rausgeknittlt.

Knoaatsch siehe Knaatsch!

knoaatschn siehe knaatschn!

Knoallbäre f. Burkau dass. wie Knattschbäre u. Knoapsbäre. Lautf.: -beere, -biere.

Knoallerch m. `Knall; plötzlicher, kurzer, explosionsartiger Laut´.

Knoalls m. Weifa, Steinigtwolmsdorf `Knall´.

Knoallser m. °ZI Ebersbach `Knall´.

Knoapsbäre f. ´°ZI Ebersbach, Frankenthal, Burkau `Schneebeere (Symphoricarpus racemosus Michaux)´.

Knoapskirsche f. Ohorn, Steina 1. `Knorpelkirsche´; du sist wie anne Knoapskoarsche aus. - 2. scherzh. `dralles Mädchen´. Lautf.: Knoapskoarsche, Knoapskersche.

knoapsn swv. 1. `geizen, sparsam leben´, umg. oabknoapsn. - 2. Frankenthal, Burkau `mit knackendem Laut zerspringen´; de Eisbeern knoapsn su.

Knoapser Pl. 1. Ohorn `Knorpelkirschen´. - 2. Westlausitz `Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris Garcke)´, harntreibende Wirkung. Lautf.: Gnoapser, Knapser.

Knoarre f. `Knarre´ 1. scherzh. od. verächtlich `(altes) Gewehr´. - 2. veralt. `gesellige Zusammenkunft junger Männer (am Abend) in der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts´.

Knoaster m. `Knaster: (minderwertiger) Rauchtabak´; Tobakknoaster, Pfeifmknoaster; brengn mer oack a Päcktl Knoaster mitte!

Knoatterkiste f. `Motorrad´.

knoattern swv. `knattern: kurze, in rascher Folge sich wiederholende Schälle von sich geben (von brennendem Fichtenholz im Ofen, vom Gewehrfeuer od. von laufenden Motoren)´; woaas du heute su knoatterscht! `Was du heute so furzt´.

Knoblch m. `Knoblauch (Allium sativum)´; Knoblchwurscht `Knoblauchwurst´.

Knoblchsuppe f. `Knoblauchsuppe: gebrocktes Brot, das mit viel Knoblauch u. etw. Salz, zuweilen auch Kümmel bestreut, mit kochendem Wasser übergossen u. eventuell mit etw. Fettigkeit versetzt wird´, vorwieg. als Mittel gegen Magenverstimmung. Knoblauch fand erst nach dem 2. Weltkrieg verstärkt Eingang in die Oberlausitzer Küche.

Knoblchzihne f. `Knoblauchzehe: Teilzwiebel der Knoblauchzwiebel´.

Knoop siehe Knupp!

knuchch Adj. `knochig: mit starken Knochen´; iech soahg´s a senn knuchchn Benn.

Knuchn m. Dim. Knichl od. Knechl `Knochen´. 1a. `Knochen im lebenden menschlichen od. tierischen Körper; Knochengerüst´; dar is wie Haut und Knuchn; Knuchnmihle. - b. `Gliedmaßen, Arme u. Beine´; ´s resst mer su a menn Knuchn; nimm oack winngstns a Schnupptichl mit, dermit de de Knuchn drinne heem brengn koannst! - c. `vom Fleisch gelöste Knochen´; dr bieseste Hund krigt´n grisstn Knuchn. - 2. übertr. a. `derber, ungeschlachteter, grober Kerl´; a hämscher od. bieser Knuchn. - b. scherzh. od. verächtl. `alter Mann´; dar aale Knuchn is ne tut zu kriegn. - c. `Kritik´; iech hoa mer missn ann Knuchn gefoalln lussn. Siehe auch Knichl! Lautf.: Knuche f. West- u. Ostlausitz.

Knuchnbrecher m. scherzh. `Arzt, Person od. Kurpfuscher, der ausgerenkte Gliedmaßen wieder einrenkt; Chiropraktiker´. Auch Eirichter u. Eirenker.

Knuchndukter m. `Knochendoktor: Orthopäde´; benn Knuchndukter woartst de drei Stunn, ehb de droaa kimmst. Lautf.: Knuchnduchter.

Knuchnfroaß m. `Knochenfraß: Knochenauflösung (Krankheit)´.

knuchnhoarte Adj. `knochenhart: steinhart, steifgefroren´.

knuckern swv. selt. Neukirch, Westlausitz `grummeln, undeutlich sprechen, murren, raunzen, schimpfen´; de Weibsn fingn glei oaa zu knuckern.

knucksn swv. 1. `beim Kauen ein knackerndes Kehlgeräusch hören lassen´. - 2. `drucksen: murren; auf Grund von Hemmungen nur zögernd mit der Sprache herauskommen; etw. sagen wollen u. sich doch nicht entschließen können offen zu sprechen; leise nörgeln; nach Worten haschen´; knucks ne su (rim) und soi´s, woaas de ausgefrassn hoast! Siehe auch knurksn!

Knupp m. Pl. Kneppe, Dim. Kneppl `Knopf´. 1. wie litspr.; Kneppl oaaflickn. Ausruf der Bewunderung: Weeß Knupp od. Kneppl! - 2. übertr. `Skabiose (ein Kardengewächs)´; uff´m Acker stihn´r vill Kneppe, auch Bauernknupp od. Suldoatnknupp. - 3. übertr. `Knauf, Griff (an Spazierstöcken)´. - 4. Pl. `Geld´; mer fahln de Kneppe derzu. - 5. `Kind´; a klenner Knupp; die klenn Kneppe missn schunn su zeitch ufstihn. Lautf.: Knoop.

Knupplooch n. `Knopfloch´; dr Huckstbitter hutte a Tichl an Knuppluche; ´s wird glei aus oalln Knupplechern roochn! `Ich werde gleich wütend werden!´

knuppm siehe knippm!

knurgln siehe knergln!

Knurks (kurzes u) dass. wie Knurz.

knurksn swv. 1. °ZI Ebersbach, Zittauer Gebirge `knurren; stammelnd, unverständlich reden; zögerlich mit der Sprache herauskommen´; rimknurksn. Siehe auch knucksn! - 2. `leise vor sich hinschimpfen´.

Knurpl m. `Knorpel´. 1a. wie litspr. `Hautverhärtung, Wucherung´. - b. `knorriges Stück Holz; Ast im Holz´. - c. `Kehlkopf´; wie´s ieber´n Knurpl rullt; enn hindern Knurpl gissn. - 2a. `Branntwein´; ann Knurpl hinder de Binde gissn. - b. `Kornschnaps´.

Knurrbook m. `missmutige Person´.

Knurrn m. Prachenau dass. wie Knurz.

Knurz (kurzes u) Pl. Knurze, Dim. Knurzl od. Knirzl Ober- u. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Schirgiswalde, Schlesien 1. `knorriges Stück Holz; Ast, der sich schlecht hacken lässt´. - 2. `seitlicher Ausbuk am Brotleib´. - 3a. `kleine, breitgewachsene Pers.´ - b. `kleines Kind´. Lautf.: Knurks Wittgendorf, Ostritz; Knerzl Burkau.

knurzch Adj. selt. `knorrig, astreich, verwachsen´. Lautf.: knurks´ch.

knurzlch Adj. selt. `knorrig, astreich, missgebildet´.

Knurzlwoade f. Niedercunnersdorf `stramme Wade´.

Knuspe f. Dim. Knispl `Knospe von Blättern u. Früchten´.

knusperch Adj. `knusprig´. 1. wie litspr. - 2. `jung, unverbraucht, fesch, zum Anbeißen´; a knusperches Maajdl. - 3. `überfroren´; loof sachte, ´s is knusperch haußn!

Knutsche (gedehntes u) f. Wehrsdorf, Görlitz, Nordböhmen `Geschwulstknoten, Beule´, auch Knutsch m.

knutschn (gedehntes u) swv. 1. `weinerlich reden; unleidlich lang anhaltend weinen´. Lautf.: knietschn. - 2. Schirgiswalde ´s Knutschn kriegn `ängstlich werden´. - 3. umg. `(lang anhaltend u. fortwährend) küssen´.

knuxn siehe knucksn!

Koaane ohne Genus, veralt. f. `Kaana bzw. Caana (ehem. Ort bei Niesky)´; dem Quitzdorfer Stausee zum Opfer gefallen; de Koaanschn `die Einwohner von Kaana´.

Koaarte f. Dim. Kaartl `Karte´. 1. `ein geografisches Bildwerk´; Landkoaarte; wu gitt´s´n lank? Guck oacke amol uff de Koarte! - 2. `Spielkarte´; siech ne a de Koaartn guckn lussn; enn de Koaartn län. - 3. weitere Bedeutungen: Postkarte, Speisekarte, Bankkarte, Tischkärtchen, Pustkoaarte; hinder de Taller hoann se Kaartl geton, wu de Noam druffestoann. Lautf.: Koarte.

Koaartnfrooe f. `Kartenlegerin; Frau, die aus Karten das Kommende voraussagt´.

Koaaschl f. Ostlausitz `Rutschbahn aus Schnee od. Eis zum Gleiten (in Schuhen, Holzpantoffeln)´. Vgl. Läusekoaaschl! Lautf.: Kaaschl.

koaaschln swv. Ostlausitz, Schlesien `(auf dem Eis) rutschen, schindern´; uff´m Hosnbodn runderkoaaschln. Lautf.: kaaschln, koaschln (kurzes oa), kaschln.

Koach (kurzes oa) m. `Koch´; Sprichwort: Hunger is dr beste Koach. Lautf.: Kooch (gedehntes o) Seifhennersdorf, Ostlausitz um Rothenburg. Volksvers: Lieber Kooch, sieh dernooch, doaaß dr Poappe ne leeft as Looch!

Koachfleesch (kurzes oa) n. `Kochfleisch: Rindfleisch zum Kochen´. Lautf.: Koochfleesch nmOstlausitz.

Koachleffl (kurzes oa) m. `Kochlöffel, Rührlöffel´. Lautf.: Koochleffl mnOstlausitz.

koachn (kurzes oa) swv. `kochen´. 1a. trans.; Koaffee koachn; RA: ´s wird ne su heeß gegassn, wie´s gekoacht is `es ist alles nur halb so schlimm´; RA: ´s koacht a jeds oack mit Woasser. - b. intrans.; ´s Assn koacht. - 2. übertr. `aufregen, ereifern´; iech hoa gekoacht ver Wut.

Koachtoop (kurzes oa) m. `Kochtopf´; RA: sich ne garne an Koachtoop guckn lussn `nicht gerne beobachtet werden wollen´. Lautf.: Koochtoop mnOstlausitz.

Koadl (gedehntes oa) m. siehe Koaflt!

Koadlsaak m. selt. `Sack, Beutel über dem Herd als Rauchfang´; do stiht a grußer Feuerhard mit ann Koadlsacke drieber. Lautf.: Siehe Koaflt u. Saak!

Koadl(s)ruß m. Ostlausitz dass. wie Koadl. Siehe Koaflt!

Koaffee (1.Silbe betont) m. `Kaffee´. 1. `die Früchte des Kaffeebaumes u. das daraus zubereitete Getränk´; Bunnkoaffee; breng oack a virrtl Pfund Koaffee mitte! RA: ´s is kaaler Koaffee `es ist nichts wert, es stimmt nicht´. - 2. `Kaffeeersatz´; Bliemlkoaffee, Karnlkoaffee, Koaffeetunke. - 3a. `das Kaffeetrinken, Vesper´; mer gihn zu ann Koaffee-e. - b. `Leichenschmaus´; gist de hinderhar zun (zu ann) Koaffee mitte? `Gehst Du im Anschluss (an die Beerdigung) mit zum Kaffeetrinken?´ Siehe Trauermohst! - c. `fröhliche Zusammenkunft von Freunden oder befreundeten Arbeitskollegen od. Arbeitskolleginnen´; de Foabricker gingn zun Koaffee-e. - 4. `Kaffeestube´; mer gihn oack as Koaffee. Lautf.: Koaffi.

Koaffeeblume f. Gnaschwitz `Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis L.)´.

Koaffeebränzl siehe Bränzl!

Koaffeebuhne f. Pl. Koaffebunn od. -buhn `Kaffeebohne´.

Koaffeekeppl siehe Keppl 2!

Koaffeekränzl n. siehe Kränzl 2!

Koaffeekriegl n. veralt. `tönernes Gefäß, um Kaffee mit zur Arbeit zu nehmen´.

Koaffeekuppchn siehe Keppl 2!

Koaffeelurke f. 1. `sehr dünner Bohnenkaffee´. - 2. `Muckefuck, Malzkaffee; Ersatzkaffee aus Gerste, Weizen, Roggen, Malz, Rüben oder den Wurzeln der Zichorie´. Lautf.: Koaffeelorke, Koaffeelurge.

Koaffeesäckl n. veralt. `aus feinem Gewebe (Barchent) gefertigtes Säckchen in Form einer spitzen Tüte, durch das der aufgebrühte Kaffee geseiht wurde´.

Koaffeeschalchl n. `Kaffeeschälchen: Kaffeetasse (im Gegensatz zur Untertasse)´. Lautf.: Siehe Schalchl!

Koaffeetippl n. `Kaffeetöpfchen: große Kaffeetasse mit Henkel u. ohne Untertasse´. Diese Kaffeetöpfchen haben unten und oben den gleichen Durchmesser.

Koafferneet n. Dim. Koafferneetl, Kaf(f)eneetl, Kabeneetl 1. `Kabinett: der meist durch eine Holzwand abgetrennte besondere Raum einer großen Wohnstube als Rückzugsraum für den Eigentümer und seine Familie´. Siehe Stube! - 2. im Dim. `kleines Zimmer, enger Raum´. Lautf.: Kaffeneet Niedercunnersdorf, Koaferneet Neugersdorf, Koafeneet Bihms Koarle, Koafenet, Koabeneet. Siehe auch Koafferchl!

Koaflt (gedehntes oa) m. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Ruß, Ofenruß´; dar sitt aus oas wie a Muhr vuler Koaflt. Lautf.: Koadlf °ZI Ebersbach, Koadl Königshainer Berge, Koadluff.

Koahlemeile f. `Kahlemeile (zur Stadt Rothenburg OL gehörender Ortsteil von Nieder Neundorf im °GR)´.

Koahm m. verstr. `Schimmel auf Flüssigkeiten´.

koahm Adj. Dürrhennersdorf dass. wie koamcht.

koahmch Adj. verstr. `schimmelig, leicht gegoren (bei Flüssigkeiten); etwas trüb, aber nicht verdorben´. Lautf.: koahnch.

Koahn m. n. Dim. Kahnl, Pl. Kahne `Kahn´. 1. wie litspr. `flaches Boot zum Rudern ohne Kiel´; anne Koahnfoahrt machn, Äpplkoahn, Elbkoahn. - 2. übertr. a. `Bett´; mach dch an Koahn! - b. Pl. `große Schuhe´; Elbkahne, Oderkahne.

Koahncht siehe Kahncht!

Koalb n. Dim. Kalbl, Kalbchl litspr. `Kalb´; ´s Koalb austreibm `ausgelassen u. übermütig sein´; Kuhkalbl `weibl. Kälbchen´; Oogn machn wie a gestoachn Koalb; Sprichwort: Hoat´s de Kuh gekust, koann´s is Koalb o noa kustn. Siehe auch Uchse!

Koalbe f. Pl. Koalbm `Färse; junge halbwüchsige Kuh, die noch nicht gekalbt hat´.

Koalbfleesch n. `Kalbsfleisch´.

koalbm swv. wie litspr. `kalben: Gebären des Nachwuchses bei Rindern´; de Liese hoat gehoalbt.

Koalbsbrotn m. `Kalbsbraten´.

Koaldaun Pl. Ostlausitz `Kaldaunen: Innerein, Eingeweide, Gedärme (Tiere)´; als Speise zubereitete Innerein´: auch Kuttlflecke, Flecke, Geschlinke, Gekreese, Schoa(r)wanzn.

Koalesche f. `Kalesche´. 1. `leichte Kutsche mit Faltverdeck´. - 2. übertr. `Auto´; do stitt su anne Koalesche. Lautf.: Koalesch öKürzung.

Koalfakter m. `Kalfaktor´. 1. `Einheizer, Aufseher, Aufsichtsperson, die die anderen zur Arbeit anstellt´. - 2. `Angeber´.

koalfaktern swv. 1. `andere zur Arbeit anstellen, anordnen, befehlen, kommandieren´. - 2. `tadelnd sich in Fremdes einmischen´. - 3. `herumwirtschaften (ohne dass weil dabei herauskommt)´; rimkoalfaktern! Lautf.: kalfaktern.

Koalkbutte f. siehe Butte!

Koalkebäre f. 1. `Schneeball (viburnum opulus L.)´, ein Strauch mit weißen Blütenschirmen u. roten beerenartigen Steinfrüchten. - 2. Neugersdorf, °ZI Friedersdorf, Großschönau `Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris)´; Koalkebärschnoaps. Die scharlachroten, elliptischen, 10-12 mm langen Früchte sind essbar. Sie enthalten Apfelsäure und wurden früher zur Herstellung von Marmeladen, Fruchtsäften und Obstwein verwendet. Lautf.: Koalksbärn, -beern Steinigtwolmsdorf, Weifa, Goalgenbeern Weifa (G. Wolf), Koalinke f. Gebelzig, Goalchn m. Polenz (Sächs. Schweiz).

Koallchl n. Oberland `Käulchen, kleine Kaule´. 1a. `Kloß aus geriebenen gekochten Kartoffeln und Mehl´; Abernkoallchl `käulchenförmige Kartoffelklöße´. - b. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `kleines, rundes Hefengebäck aus Roggenmehl´; Ringlkoallchl Blumberg. - c. Bertsdorf `kleine gebratene Klößchen aus gewiegtem Fleisch´, auch Fleeschkoallchl. - 2. `beerenartige Frucht der Kartoffelstaude´, auch Schnellerkoallchl od. Abernkoallchl. - 3. im Pl. `(kleine) Brüste, Busen´. Lautf.: Koilchl, Koichl; Kallchl Schirgiswalde; Koallchn, Koalchn, Käulchl, Käulchn übrige Oberlausitz, Koichl Nordböhmen. Siehe auch Koallchlsuppe, Quoarkkoallchl u. Roaffkoallchl!

koallchln swv. 1. `mit runden Gegenständen hantieren´; mit´n Gelde koallchln. - 2. Jonsdorf `unbeholfen, undeutlich, langatmig reden´. - 3. siehe auskoallchln! Lautf.: koichln, koilchln.

Koallchlhäber m. scherzh. `Büstenhalter´.

Koallchlroaffer m. scherzh. `Büstenhalter´.

Koallchlsuppe f. Neugersdorf , Mittelherwigsdorf, Großhennersdorf `Nudelsuppe mit feinen kleinen Semmelklößchen bzw. Kugeln (Potageklößchen) darin´.

koalloabern (1.Sibe kurz, 2. gedehnt) swv. 1. `Galopp reiten, schnell laufen od. fahren´. - 2. `wild herumspringen, draußen herumtoben,´; rimkoalloabern. - 3. Seifhennersdorf dass. wie loabern!

Koalloatche siehe Kulloatche!

Koalms m. `Kalmus (Acorus calamus)´, eine grasähnliche Staude u. Sumpfpflanze, die im Heide- u. Teichland auch als Bettfederersatz verwendet wird (Stollberg) u. deren blasskarminroter, aromatischer Wurzelstock als Gewürz und in der Volksheilkunde als Arznei dient; a Tittl mit eigezuckertn Koalmse; iech trink ann Kurn mit Koalmse. Siehe auch Wurzl!

Koalmuck m. veralt. `Kalmuck: langhaariges, gerautes und nicht geschorenes tuchartiges Wollenzeug; Stoff, der warm hält´; Koalmuckjacke, hoast ja wieder de Koalmuckhosn oaa!

Koaloaschn siehe Goaloaschn!

koaloaschn siehe goaloaschn!

koalstern siehe kilstern!

Koalupp siehe Goalupp!

Koaluppche siehe Goaluppche!

Koaluppe, Koallupche siehe Goaluppche!

Koalvun n. veralt. `Kolophonium: aus Terpentinöl gewonnene Substanz, die u. a. zum Bestreichen der Geigenbogen verwendet wird; Geigenharz´.

Koamedche siehe Kumedche!

Koamesol n. veralt. `Kamisol: kurze Unterziehjacke, Wams, Brustlatz für Männer, Mieder für Frauen´. Lautf.: Kamesol, Koamisol.

Koamille f. `Echte Kamille (Matricaria chamomilla)´, Heilpflanze.

Koamm m. Dim. Kamml Seifhennersdorf `Kamm´. 1. `Zinkenwerk zum Reinigen u. Ordnen der Haare´; die beedn kumm ni mih uff enn Koamm `die beiden vertragen sich nicht mehr´; RA: Oach Leute, keeft Kämme, is kumm laus´che Zeitn!  - 2. `Blatt: mit Rohrstäben versehener Teil der Weblade am Webstuhl, welches die Kettfäden voneinander trennt u. die Webdichte- u. -breite bestimmt´, auch Koammzeug od. Bloat. RA: Du koannst ne oalle ieber enn Koamm schärn `du musst differenzieren´. - 3. `gezackter, roter Fleischauswuchs auf dem Kopfe der Hühner´; RA: Do schwillt mer dr Koamm od. Koamp `da könnte ich wütend werden´. Lautf.: Koamp Seifhennersdorf, °ZI Seitendorf.

Koammer f. Dim. Kammerchl `Kammer: Raum ohne Heizung´. 1. `(kleine) Schlafstube´, eigtl. `Nebenzimmer bei der Wohnstube, das als Schlafgemach dient´. - 2a. `jeder kleine Raum im Haus´, insbes. `Vorrats- u. Abstellkammer´; Hauskammerchl. - b. dass. wie Bruthäusl Bertsdorf, siehe Speisekoammer!

Koammertiere f. `Kammertür: Schlafstubentür (im Obergeschoss)´.

Koammerwoajn m. nwSüdlausitz `(geschmückter) Wagen, der das Heiratsgut, die Mitgift der Braut ins neue Heim bringt; Aussteuer der Braut für die Ehe´. Lautf.: Koammerwoin, Koammerwoarn Westlausitz.

Koammgoarn n. `Kammgarn: das aus langer u. wenig gekräuselter, gekämmter Wolle gesponnene Garn zu glatten Wollenzeugen´.

Koammode siehe Kummode!

koammode siehe kummode!

Koammzeug n. Bihms Koarle `Webstuhlblatt: gebundene Metallstäbe, durch die die Kettfäden laufen u. den Schussfaden mit der Webladenbewegung an den Warenrand schieben´, auch Koamm u. Bloat.

Koampee siehe Koanepee!

Koamp siehe Koamm!

Koamper m. `Kampfer: eine in Medizin u. chem. Industrie verwendete, aus den Blättern des Kampferlorbeerbaums gewonnene, weiße, durchscheinende, harzartige Masse von eigentümlichen Geruch u. Geschmack´; ba Zähnangst wird´s Zoahnfleesch mit Koamper eigeriebm. Lautf.: Koampfer, Koamfer Ostlausitz.

Koampelei f. `Rauferei, Balgerei, Stichelei, Schlägerei´. Lautf.: Kampelei.

Koampl m. `Streit, Auseinandersetzung´.

koampln (kurzes oa) swv. refl. 1. `kampeln: sich nicht bösartig raufen, leicht balgen´; die koampln´ch im a Weibl. - 2. verstr. `handeln und tauschen unter Kindern´, dass. wie kaupln. - 3. selt. `sich (mit Worten) harmlos streiten´. Lautf.: kampln.

Koampvll f. `Kannevoll´; anne Koampvll Tee, a poaar Koampvll Usterwoasser. Lautf.: Koamvll, Koampvtl, Koamvtl, Koannvll.

Koamscher siehe Kamscher!

Koamuckjacke f. `Kalmuckjacke: dicke Jacke (für Frauen) aus Kalmucktuch, das aus langhaarigem, gerautem, nichtgeschorenem tuchartigem Wollzeug besteht´. Lautf.: Koalmuckjacke.

Koamuff n. Dim. Koamuffl abgeschwächt `Idiot, dumme Person´.

Koamurke f. Süd- u. Ostlausitz `ein alter Gegenstand´. 1. `baufälliges, altes Haus´. - 2a. `verwahrloste, enge Stube´. - b. `dunkle, fensterlose Kammer´. - 3. `altes Möbelstück´; Foarzkoamurke `altes Bett´. Lautf.: Koamoarke, Koamerke, Kamurke, Kumurke, Koamurche.

Koamz siehe Goamz!

Koamzer siehe Goamzer!

Koandoarre f. `Kandare: Zaumzeug für die Reitpferde´; RA: enn a de Koandoarre nahm `jmdn. streng behandeln, straff herannehmen´.

Koanepee n. `Kanapee: gepolstertes Sitz- u. Liegemöbel mit Rückenlehne und Seitenlehnen; Sofa´; iech lä miech uff´s Koanepee. Lautf.: Koampee Seifhennersdorf, öKürzung, wKürzung, Neukirch.

Koanne f. Dim. Kannl `Kanne´. 1. `Gefäß aus Ton od. Blech, mit od. ohne verengter Öffnung, mit od. ohne Ausguss, zur Aufnahme od. zur Beförderung von Flüssigkeiten aller Art, meist mit Henkel u. Deckel´; Milchkannl, Koaffeekoanne; mit´n Kannl und´n Pflucketippl gingk´s a de Heedlbärn; ´s guhß wie mit (aus) Koann. Sprichwort: Koaarte und Koanne macht moanchn zun oarm Moanne. - 2. `Gefäß für 1 Liter (1 kg); vier Weckl (Stück) Butter (zu je 250g)´; anne Koanne Butter `vier Stück Butter´.

Koanoallche f. siehe Koarnoallche!

Koanoar m. Oberland `Kanarienvogel´; auch Koa(r)noarchnvogl. Lautf.: Koarnoar.

Koapelle f. veralt. `Kapelle: auf dem Feld zum Trocknen zusammengestellte Gruppe von Flachsbüscheln, Flachspuppe´. Die Anzahl der Büschel u. die Formen dieser Kapelle waren unterschiedlich: z.B. vier Bündel gegeneinandergelehnt (mit einem fünften Bündel in der Mitte) od. zehn Bündel dachförmig aufgestellt; anne Koapelle setzn.

Koappe f. Dim. Kappl `Kappe´. 1a. eine Kopfbedeckung. - b. übertr. `oberer Teil des Kopfes´; RA: enn de Koappe lausn `jmdm. die Meinung sagen; jmdm. seine Schwächen und Vergehen vorhalten u. schelten´. - 2a. übertr.; (Lader)koappe `die gerundete, aus steifem Leder bestehende Verstärkung am Fersenteil des Schuhs; Vorderteil des Schuhes´. - b. `die Aufsätze (aus Schweinsleder) am oberen Ende des Dreschflegels. - 3. Schlesien `Heuhaufen´.

koappern siehe ufkoappern!

Koapphoahn m. Pl. Koapphähne, Koapphahne `Kampfhahn´. 1a. `tüchtiger, kräftiger, mutiger Hahn´. - b. `kastrierter Hahn´. - 2. übertr. `ein zu Streit und Händel aufgelegter Junge od. Bursche´; de Koapphähne kauln´ch an Schnie-e rim.

koappm swv. `kappen´. 1a.`sich begatten (beim Federvieh)´; a Hoahn muss seine Henn o koappm. RA: Menner Hihner hoalbm brauch dr Nubber kenn Hoahn, iech koapp mer meine Hihner salber. - b. übertr. auf den Menschen `geschlechtlich verkehren´; dar Karle is zu dar geruckt zun Koappm; dar koappt de Aale. - 2.`sich streiten, wie Kampfhähne aufführen´.

Koappsgrube f. veralt. (Anton) `Ort unter der Erde, an dem Kappis, Kraut, Kohl u. anderes Grünzeug den Winter über aufbewahrt wird´.

Koappsheete Pl. veralt. (Anton) `Kraut, das man aushebt und über Winter zu Samenköpfen bewahrt´.

Koappskraut, Koappkraut n. veralt. (Anton) `Weißkraut´.

Koappssom veralt. Lückendorf `Krautsamen´. Siehe auch Koappsheete! Lautf.: Koappsom.

Koaputthittl n. veralt. `Kapotthut: kleiner, hoch aufgesetzter, in der Biedermeierzeit getragener Damenhut aus Stroh, unter dem Kinn gebunden, mit hochstehender Krempe, die das Gesicht einrahmt´.

koarande siehe kurande!

koaranzn siehe kuranzn!

koarenzn (kurzes oa) siehe kuranzn!

Koaraasche siehe Kuraasche!

koaraasche siehe kuraasche!

Koarbatsche f. Obercunnersdorf `Karbatsche: aus mehreren Lederriemen geflochtene Peitsche; Riemchenknute´. Lautf.: Koarwatsche Bihms Koarle.

Koarbe f. siehe Goarbe `(wilder) Kümmel´!

Koareete siehe Koarrete!

Koarenzl siehe Kurenzl!

koarenzln siehe kurenzln!

Koaressn siehe Kuressn!

Koarfjol m. Ostlausitz, Nordböhmen `Karfiol: Blumenkohl´. Lautf.: Koarwjol.

Koarfrettch m. `Karfreitag: Freitag in der Osterwoche, Tag der Kreuzigung Jesu Christi´. Früher war der Karfreitag der höchste Feiertag des Jahres u. Fasttag, an dem fleischlos gegessen wurde, z.B. Eierspeisen, Fisch, Linsen, Sauerkraut. Am Karfreitag werden in den katholischen Orten keine Glocken geläutet. Auch: Stiller Frettch od. Langer Frettch. Lautf.: Siehe Frettch!

koarjemersch Adj. 1. Südlausitz `unwohl´; mir is aber koarjemersch; mir wird su koarjemersch im´s Harze. - 2. `schrecklich, sehr´; ganz koarjemersch fruh. Lautf.: kajomersch nOstlausitz.

koarjos Adj. `kurios, seltsam, sonderbar´.

koariern (kurzes oa) siehe kuriern!

Koarline f. `Karoline´. 1. weibl. RN. - 2. abwert. `einfältige weibl. Person´; is doaas anne dumme Koarline!

Koarlsdurf ohne Genus `Karlsdorf (Ort der Gemeinde Demitz-Thumitz im °BZ)´; auch Coarlsdurf.

Koarnaats´che f. veralt. 1. Obercunnersdorf `Schelm, (frecher) Kerl, Kanaille´; die Koarnaats´chn tun oack de aaln Leute schiern. - 2. Seifhennersdorf `(ungewollt geborenes) Kind´. Lautf.: Koarnauzche Neugersdorf, Koarnuhzche Neugersdorf, Seifhennersdorf.

Koarnickl n. Pl. Koarnickl, Koarnuckn od. Koarnucker Oppach, Schigiswalde od. Nucker Niedercunnersdorf `Karnickel´. 1. `Kaninchen, Stallhase´; Koarnicklbrotn. - 2. `dumme Person; dummes Kind, das sich alles gefallen lassen muss´; dr Schusterjunge woar oack ebch ´s Koarnickl. Formen: Nuckl, Nickl; Koarnucke od. Nucke f. Obercunnersdorf, Neugersdorf, °ZI Ebersbach; Nucker m.; Koarnucksch, Koanucksch od. Nucksch m. Seifhennersdorf, Nordböhmen; Koarneckl Westlausitz; dr Koarnucker m. Schirgiswalde, Kleindehsa, dr Koarnuckerch Steinigtwolmsdorf `männl. Kaninchen´, de Koarnucke Steinigtwolmsdorf `weibl. Kaninchen´. Siehe auch Hacksch u. Siene!

Koarnicklbuchte f. `Kaninchenstall´.

Koarnicklhacksch siehe Hacksch 1!

Koarnicklschoaln Pl. `Kaninchenschalen: Kartoffel-, Kohlrabi-, Äpfel- und andere Schalen zum Verfüttern an die Kaninchen´.

Koarnicklverein m. `Kaninchenzüchterverein´; iech bie benn Nickl- u. Puttlverein (beachte die Zweideutigkeit von Nickl u. Puttl!).

Koarnicklziege f. Ostlausitz `weibl. Kaninchen´. Siehe auch Siene!

Koarnoar m. siehe Koanoar!

Koarnoallche f. mildes Schimpfwort `Kanaille: auffällige (männl.) Pers., Strolch, Schelm´; Mausekoarnoallche. Lautf.: Koanoallche.

Koarnone f. Dim. Koarnonl `Kanone´. 1. `Flachfeuergeschütz mit langem Rohr´; dar is geloadd wie anne Koarnone `der ist betrunken´; RA: doaas is under oaller Koarnone `das ist unter aller Kritik´. - 2. übertr. `eiserner rundlicher Ofen zum Kochen und Heizen´; auch Koarnonufm. - 3. übertr. `tüchtiger Kenner, Supermensch, hervorragender Sportler´; a Rechn is´r anne Koarnone; Spurtskoarnone. Lautf.: Koanone.

Koarnonputzer m. Niedercunnersdorf `Rohrkolben (Typha latifolia)´. Lautf.: Koanonputzer Steinigtwolmsdorf, Burkau, Bühlau.

Koarnucke f. siehe Koarnickl!

Koarnuckerch m. Steinigtwolmsdorf, Neukirch `männl. Kaninchen, Rammler´; iech hoa unsn Koarnuckerch derschloin. Vgl. Hacksch!


Koa(r)nucksch m. siehe Koarnickl!

Koarnuhzche siehe Koarnaats´che!

Koarpe f. Süd- u. Ostlausitz `Karpfen´; RA: A schnoappt Luft wie anne Koarpe uff´m Troign.

Koarre f. `Karre, Karren´. 1a. `der Wagen mit zwei od. vier Rädern´. - b. siehe Roaber! - 2. übertr. abwert.`Auto, Motorrad, Fahrrad´.

Koarree n. `Karree´. 1. `Viereck´; mer tanzn an Koarree-e, de Schemml warrn an Koaree-e gesoatzt. - 2. übertr. veralt. Obercunnersdorf `(Hochzeits-)tanz´; mer gihn zun Koarree-e.

Koarrete (2.Silbe betont u. gedehnt) f. `Karrete´. 1. `(schlechte) Kutsche´; de Koarretnpfare `Pferde der Kutsche´. - 2. übertr. `schlechtes Fahrzeug, schlechter Wagen´. Lautf.: Kurrete.

koarretln swv. dass wie koarretn; durch´s Durf durch koarretln.

koarretn (2.Silbe betont u. gedehnt) `kutschieren, (mit einer Kutsche, einem Fuhrwerk od. einem anderen Fahrzeug) ziellos herumfahren´; dar tutt ´n ganzn Tag mit senner Hiesche rimkoarretn. Lautf.: kurrretn.

Koarrn m. Wehrsdorf dass. wie Roaber 1.

koarrn swv. `karren, mit einer Karre etw. befördern´; nu wurd Sand gekoarrt.

Koarrseck m. `Räuberhauptmann Karaseck´. Der bei Prag geborene Jan Nepomuk (Johannes) Karasek unternahm mit seiner Bande von 1795 bis 1800 von der böhmischen Enklave Niederleutersdorf aus zahlreiche Einbruchsdiebstähle in der Oberlausitz und in Böhmen und wird in der Volkserzählung als Person dargestellt, die den Reichen nahm und den Armen gab´. Lautf.: Koarreseck Dürrhennersdorf.

koarschberoat veralt. dass. wie dischberoat.

koartholsch Adj. `katholisch´. 1. wie litspr. - 2. mit enn koartholsch rädn `jmdn. zurechtweisen´. Lautf.: kartholsch, koatholsch, katholsch.

Koartun m. `Kattun: dünnes Gewebe aus roher Baumwolle in Leinwandbindung, das anschließend bedruckt, gestärkt und geglättet wurde und im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts Eingang in die Volkstracht fand´. Webervers: A Kutterschdurf, a Leckerschdurf (a Rupperschdurf ba Nineve, a Gierschdurf und a Seierschdurf), do wirkn se Koartun, und weil (wenn) de Frooe (Mutter) Suppe koacht (und wenn dr Voater scheißn gitt), do wirkt dr gruße Suhn, und wenn dr gruße Suhn ne wirkt, do wird o kee Koartun. Lautf.: Koattun.

koartune Adj. `aus Kattun bestehend´; a bind´ch a poaar Schnietn as neuwoaschne, rutkoartune Schnupptichl.

Koartung m. Pl. Koartungse Obercunnersdorf, Neugersdorf `Karton: (große) Schachtel aus (starker) Pappe´.

Koarussl (2.Silbe betont) n. `Karussell´.

Koarwentsmoann m. umg. `Karventsmann: großer Gegenstand, der beeindruckt´; doaas is aber a Koarwentsmoann vu ann Harrnpilze´.

koaschln (gedehntes oa) siehe koaaschln!

koaschn (kurzes a) swv. umg. `ergreifen, verhaften, schnappen´; de Pulezei hoat´n gekoascht. Lautf.: kaschn.

Koaschwitz siehe Goaschwitz!

Koasl (gedehntes oa) f. `Kasel´. 1. wie litspr. `Messgewand katholischer Priester´. - 2. übertr. abwert. `schlechter Gehrock´; anne woarme Koasl imhängn.

Koasper m. `Kasper: Spaßmacher, Possenreißer, närrische Person´. Zur Fastnacht verkleiden sich die Kinder auch als Kasper und bitten mit folgendem Spruch um eine Gabe: Iech bie dr kleene Koasper, hoa uff´m Kupp a Floaster, un uff´m Bauch a Fleckl, nee, gatt mer woaas eis Säckl (Nieder Neundorf). Lautf.: Koaschper Nordböhmen.

koaspern swv. `kaspern´. 1. `sich wie ein Kasper aufführen, ausgelassen sein, sich närrisch aufführen, dummes Zeug zum Lachen machen´. - 2. Süd- u. Ostlausitz Schlesien `scherzen, liebkosen, mit jmdm. ein Liebesverhältnis haben´. Lautf.: koaschpern, kaspern, kaschpern öOstlausitz.

Koaspertheoater n. `Kaspertheater: Handpuppenbühne u. -spiel´. Lautf.: Koaschpertheoater.

Koasse f. `Kasse´. 1a. `Behälter, Kassette, in der Geld aufbewahrt wird´; Geldkoasse; ne gutt ba Koasse senn `wenig Geld besitzen´.  - b. `Stelle in einem Geschäft, an der die Käufer ihre Einkäufe bezahlen´. - c. `Sparkasse´. - 2. `öffentliche Versicherung zu bestimmten Zwecken´; Brandkoasse, Kranknkoasse.

Koastanche f. `Kastanie (Baum u. Frucht)´. Laut Volksheilkunde helfen Kastanien in der Hosentasche gegen Rheuma.

Koasteisernaajlke f. um Görlitz `Bartnelke (Dianthus barbatus)´. Nicht zu verwechseln mit der Kartäusernelke!

Koasterole f. auch Koastrol m. n. `Kasserolle: Bratpfanne; halb hoher eiserner Kochtopf; Tiegel´; ´s Griefmfett a dr Kasterole hoa´ch verschmährt. Lautf.: Koastrole Nordböhmen, Kastrol m. n., Koasrole f. u. Koasrol m. Niedercunnersdorf.

Koastn m. Dim. Kastl, Pl. Koastn `Kasten: größerer od. kleinerer, meist rechtwinkliger Behälter aus Holz, in neuerer Zeit auch aus Metall, Plaste oder Pappe´; zwee Koastn Bier, Koastnwoajn, Kohlnkoastn, Beikastl, Briefkoastn, Hirnkastl `Kopf´, Flimmerkoastn, Schieferkastl, Rumplkoastn `(altes) Fahrzeug, das beim Fahren rumpelt´. Ausruf, wenn etw. Sicheres nicht gelingt (in Anlehnung an eine Kastenfalle), Unglück, Missgeschick: Wenn de denkst, du hoast´n, huppt´s Luder aus´n Koastn.

Koastnfanster n. Großschönau, Waltersdorf `Vorsatzfenster für den Winter mit kastenförmigen Rahmen, die mit Häkchen vor dem Fenster befestigt werden´. Mit dem Anbringen dieser Fenster entsteht ein Doppelfester.

Koastnroaber f. sSüdlausitz dass. wie Kastlkoarre und Roaber 2.

Koater m. `Kater´. 1. `männl. Katze´. - 2. `Folge übermäßigen Alkoholgenusses´; ann Koater hoann.

Koaterch m. Westlausitz dass. wie Koater.

koaterch Adj. `vergraut; graufarben von ursprünglich weißer u. leuchtender Wäsche u. Kleidung´; schenk mer oack a neues Hemde, ´s aale is koaterch wurn; dr Neum ihre Wäsche is o schunn koaterch. Auch verkoatert.

koatterch Adj. `zum Speien, zum Kotzen zumute´. Lautf.: quoatterch, koaterch Cunewalde, Altbernsdorf.

koattlch Adj. Niedercunnersdorf dass. wie koatterch.

Koattun siehe Koartun!

Koatzboalgerei f. `Balgerei wie bei den Katzen, harmloses Raufen (unter Kindern), Rauferei um eine Frau´.

koatzbuckln swv. `tiefe Bücklinge machen vor Höhergestellten; sich unterwürfig zeigen; sich an einen Mächtigen anschmeicheln´.

Koatze f. Dim. Katzl `Katze´. 1. `Katze als (Haus-)tier (Felis domestica)´; Koatzeschalchl; RA: die is geleckt wie a Katzl; RA: an Sacke keeft mer keene Koatze `man kauft nichts Unbesehenes´; RA: anu lässt´r de Koatze aus´n Sacke `jetzt sagt er das Konkrete, den eigentlichen Grund´; RA: doaas macht dr Koatze kenn Buckl `das ändert nichts´. - 2. übertr. a. `Gürtel, in dem man früher Geld mit sich führte´; Geldkoatze. - b. im Dim. `Blüte der Weide´; wenn de Weidn Katzl hoann, koann ees Schnatl machn. - c. im Dim. `Kätzchen am Haselstrauch´. Siehe auch Mieze, Miezekoatze, Miezl, Mietschl, Meezl u. Poalmmiezl! Lautf.: Koaaze Seifhennersdorf.

Koatzedoarm m. `Katzendarm: Schafs- u. andere Naturdärme für Schnüre und Saiten´; ´s Paketl mit Koatzedoarme zugeknippt.

Koatzedreck m. `Katzendreck, Katzenscheiße´; Gustoav, wenn du der doaas gefoalln lässt, misst ste mit Koatzedreck derschussn warn! Lautf.: Koatzedraajk, Koatzndraajk, Koatzndreck.

Koatzefaalchl n. `Katzenfell´; de Weste is aus Koatzefaalchl. Lautf.: Siehe Faal!

Koatzefanster n. `Katzenfenster: Dachluke´. Lautf.: Koatznfanster.

Koatzefiedl n. `kleingeschnittene (Brot-)bissen für Katzen u. Kleinkinder´. Vgl. Fiedl! Lautf.: Koatznfiedl Oppelsdorf.

Koatzekraut n. 1. Ober- u. Niedercunnersdorf, Eibau `Baldrian (Valeriana officinalis)´; Koatzekrautsteckl. Koatzekraut wurde als Richesträuchl mit zum Gottesdienst genommen; Koatzekrautzwiesl. Der Duft der Blühten lockt Katzen an. - 2. Neugersdorf `Gamander (Teucrium marum)´. Lautf.: Koatznkraut.

Koatzelooch n. `Katzenloch: etw. 10 cm x 10 cm große Öffnung an der Unterkante vor allem von Türen zu Kammern, in denen Korn gelagert wurde´. Lautf.: Koatznlooch, -luch.

Koatzepfietl n. meist im Pl. 1. `Katzenpfötchen (Antennaria dioica Gaertn.)´, auch Feldmiezl. - 2. Weifa `Gemeine Hainsimse (Luzula campestris)´. Siehe auch Hoasebrut! Lautf.: Koatzpfietl, Koatznpfietl, Koatznfietl.

Koatzeschirbl n. `Katzenfutternapf aus Ton´; a dr Hoalle troat Emil as Koatzeschirbl. Lautf.: Koatznschirbl.

Koatzesteckl n. Niedercunnersdorf `Ableger der Baldrianpflanze´. Lautf.: Koatznsteckl.

Koatznfaal n. Dim. Koatznfaalchl, -faalchn `Katzenfell´, schmerzlinderndes Mittel bei Rheuma u. Gicht.

Koatzngejauer n. 1. `Liebesgesang der Katzen; Katzengesang (in der Brunstzeit)´. - 2. `unmelodischer Gesang od. Musik´.

Koatznkeppe Pl. `Katzenköpfe´; scherzh. `Kopfsteinpflaster; altes, unebenes Straßenpflaster mit runden Köpfen´.

Koatznoogn Pl. `Katzenaugen: grüne Augen´.

Koatznseefe f.. `Knotige Braunwurz ( Scrophularia nodosa L.)´, auch Neunte Nessl bei Bautzen .

Koatznsprungk m. `Katzensprung´, a Koatznsprungk `unweit, sehr kleine Wegstrecke´.

Koatzntiesch m. selt. `Katzentisch: abseits stehender kleiner Tisch für Kinder, die am Familientisch wegen Platzmangels nicht mitessen können oder zur Strafe nicht dürfen´. Lautf.: Koatzetiesch, Koatzntisch.

Koatznwäsche f. `Katzenwäsche: flüchtiges, oberflächliches Waschen, meist nur des Gesichtes´.

Koatznzoahn m. Guteborn `Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre)´.

Koatznzoajl m. öSüdlausitz, smOstlausitz `Schachtelhalm, Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense L.)´, eigtl. `Katzenschwanz´. Lautf.: Koatzezoajl, Koatzzoajl, Koatznzoal, Koatzezoal.

koazn (gedehntes oa) siehe kazn!

Kober m. Frankenthal Dim. Käberchn, Käberchl `Korb aus grobem Weidengeflecht (zum Kartoffellesen)´. Lautf.: Kofer Bühlau.

Koberch m. Steinigtwolmsdorf, Neukirch dass. wie Kober.

Koberche f. Steinigtwolmsdorf, Frankenthal, Großröhrsdorf, Polenz `Durcheinander, Aufregung, ausgelassenes Treiben´; su anne Koberche!

Kobl n. Sächs. Schweiz dass. wie Troihalml.

Kobm m. `Koben: Verschlag für Schweine im Stall, viereckiges Behältnis, Bett´, Schweinekobm. Lautf.: Kubm, Kom, Kum.

Koderschdurf Kodersdorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Koderschdurfer `die Einwohner von Kodersdorf´.

koin siehe käun!

Kohlwäse ohne Genus, veralt. f. `Kohlwesa (Ort der Gemeinde Hochkirch im °BZ)´; de Kohlwäs´chn `die Einwohner von Kohlwesa´. Lautf.: Kohlwase.

konsch (gedehntes o) Adj. `konisch´. Lautf.: konscht, konch(t).

Kooch siehe Koach!

koofm siehe keefm!

Koop siehe Kupp!

Kootsch `Koitzsch (Ort der Gemeinde Neukirch im °BZ)´; de Kootscher `die Einwohner von Koitzsch´.

koscher (gedehntes o) Adj. umg. (meist verneint) 1. `anständig, ohne Tadel, makellos, einwandfrei´; doaas Dingk is ne ganz koscher. - 2. `geheuer, gefahrlos, sicher´; a dr Nacht is mersch uff´m Kirchhofe ne ganz koscher `nachts ist es mir auf dem Friedhof unheimlich´. Siehe auch kausche!

Kosl `Kosel (Ort der Stadt Niesky im °GR)´; de Kosler `die Einwohner von Kosel´.

Kraajgl f. m. meist Pl. scherzh. `langes Bein, (das bei verschiedenen Tätigkeiten im Wege ist)´; nimm deine Kraajgln rieber!

Kraajglch m. 1a. `ungeschickte, schwerfällige (männl.) Person, die schlecht gehen kann ´. - b. `stöhnende, schlecht gelaunte (männl.) Person; Griesgram´. - 2. `unbeholfene Bewegung, Verbeugung´; mach ann geschoitn Beegerch und ne su ann Kraajglch! - 3. `missratenes Schriftzeichen´.

kraajglch Adj. 1. `gespreizt, sperrig, breitbeinig´. - 2. `schwerfällig, ungeschickt, unbeholfen, schief´. - 3. `mürrisch, verstimmt, schlecht gelaunt´.

kraajgln swv. 1. `(nach Art alter Leute) langsam, ungeschickt, unbeholfen, schwerfällig gehen od. sich bewegen´; rauskraajgln, de Grußemutter kimmt ganz sachte aus´n Auto gekraajglt. - 2. `(im Gehen od. Sitzen) die Beine krumm stellen, auseinander sperren, spreizen, verrenken´. - 3. `liederlich schreiben´; woaas hoast´n do hiegekraajglt? Heute kraajglt a jeds, wie´s will. Lautf.: kreigln nOstlausitz. kroagln Neulausitz.

Kraatsche siehe Gratsche!

kraatschln swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Neusorge `kriechen, sich unbeholfen fortbewegen (kleine Kinder od. alte Leuten), kraxeln´. Lautf.: gratschln.

Kraatschmer m. `Kretschmar, Kretschmer: Besitzer, Wirt des Kretschams´.

Kraatschn m. msSüdlausitz, Ostlausitz `Kretscham´. Name von Dorfschenken, Gaststätten (auf Höfen, die früher Erbrichter innehatten); hinte is an Kraatschn Musicke `heute Abend ist im Kretscham Tanz´; Äberkraatschn, Niederkraatschn.

kraatschn swv. `kriechen, (unbeholfen fortbewegen) fortbewegen von kleinen Kindern od. alten Leuten, kraxeln´; de Koatze kraatschte uff´m Burgemeester senn Kupp ruff. Verbreiteter kraatschln.

Kräbe ohne Genus, veralt. f. `Kreba, Creba (Ortsteil der Gemeinde Kreba-Neudorf im °GR)´; de Kräbschn `die Einwohner von Kreba´.

Krabs m. `Krebs´. 1. das Tier `Astacus fluviatilis´. - 2. sachl. a. die Krankheit `carcinom´ beim Menschen. - b. `warzenähnlicher Auswuchs an Bäumen, bes. Birken´. - c. Eibau `Innenteil des Krautkopfes mit Strunk und Blätteransatz´; benn Krautschneidn kumm de Krabse raus.

Krabsgangk m. `Krebsgang´, in der Wendung mit enn gitt´s´n Krabsgangk `mit jmdm. geht es bergab´.

Krabseloajchtn n. `Krebsleuchten: mit Licht Krebse fangen´.

krabsn swv. `langsam, viel Fläche od. Raum benötigend krabbeln, kriechen, gehen, hantieren, sich mühsam bewegen´ (Ableitung von Krabs `Krebs´ od. Krape `Krücke´); rimkrabsn; dr Grußvoater krabst durch de Stube.

krabsrut Adj. `rotfarben wie ein Krebs, sehr rot´; du bist krabsrut, gih an Schoattn!

Kracheel m. `Krakeel, Radau, durch Streit entstandener Lärm´; doaas goab ann Murdskracheel. Lautf.: Kraheel.

kracheeln swv. krakeelen: mit lauter Stimme schreien, lärmen, Krach machen, schimpfen´; luskracheeln, rimkracheeln. Lautf.: kraheeln, kroaheeln.

Krachl (kurzes a) m. od. f. selt. Oberlausitz, Nordböhmen, Schlesien 1a. `Knochen, Finger; dünnes, langes Bein´; Krachlstange `Hauptgräte bei Fischen, Wirbelsäule´. - b. im Pl. `Zähne´; die Krachln missn raus. - 2. `altes, dürres Weib´. - 3. `vertrockneter, dürrer Baum´.

krachldirre Adj. Nordböhmen `sehr dürr, prasseldürr´.

Kracke f. `etw. Widerspenstiges od. Minderwertiges´. 1.`im Wachstum zurückgebliebenes Tier, bes. altes, abgemagertes, schlechtes Pferd´; de Kihe woarrn a poaar dirre Krackn. - 2. Bihms Koarle `Krabbe´. - 3. `schiefer, verwachsener Baum´. - 4. `langer, schiefgewachsener Zahn´. - 5. `unartiges Kind´; anne kleene Kracke. - 5. `störanfälliger Gegenstand, nicht immer funktionierende Maschine´; mei Reißverschluhß is anne Kracke. Lautf.: Krake Neugersdorf. Siehe auch Kricke!

krackern swv. Steina dass. wie krackn.

krackn swv. 1. Westlausitz `kracken: unruhig hin- u. her-, fortwährend u. unnötig zur Tür hinaus- u. hereinlaufen; dauernd die Tür auf- u. zumachen; mehrere Male hintereinander ungelegen kommen´; ´s woard kalt, wenn de egoal krackst. - 2. Westlausitz, Rietschen `sich lärmend bewegen, rumoren´; krack ne su in Kaller rem! Lautf.: kreckn Burkau.

Kräckse (gespr. Krexe) f. `(hartnäckiger) Husten, Heiserkeit´.

kräcksn (gespr. krexn) swv. `krächzen´. 1. `krächzende Laute hören lassen (Krähe)´. - 2. `krächzend husten´; du kräckst schunn anne ganze Wuche rim, gih oack zun Dukter! Du hoast aber a Gekräckse! - 3. `heiser reden´.

kraheeln swv. siehe kracheeln!

Kräler siehe Gräler!

Krälerch siehe Grälerch!

krälern siehe grälern!

kräln siehe gräln!

Kraml n. 1. Dim. von Krom `Gesamtheit des Hausrates, wertlose Gegenstände´; mei bissl Kraml muss´ch zusoammpackn. - 2. Südlausitz, Nordböhmen `Techtelmechtel, Flirt, Liebelei´; die hoann minander a Kraml.

kramln swv. 1. Spitzkunnersdorf `sich ohne zeitlichen Druck mit unwichtigen Dingen beschäftigen´. - 2. Schirgiswalde `mit jmdm. ein Techtelmechtel haben´; die zwee beedn kramln minander rim.

Kramper m. `alter Mann, der jungen Mädchen nachläuft´.

Krän m. veralt. öSüd-, sOst- u. sWestlausitz `Kren: Meerrettich´. Lautf.: Krien.

Kränke f. in der Wendung de Kränke kriegn `krank werden, erbleichen, aus Ärger krank werden, Farbe Verlieren (von bunten Stoffen)´; do sull ees ne de Kränke kriegn! `Da soll man nicht verrückt werden!“

Krankt f. `Krankheit, Sucht, krankhaftes Hobby´; de biese Krankt, de faule Krankt `Faulheit´, de älende Krankt, de imfoallnde Krankt `Epilepsie´, Hulzkrankt `die Sucht des Feuerholzmachens´. Lautf.: Krankheet, Kranktch öKürzung, Krankcht Burkau.

Kränzl n. Dim. von Kranz `Kränzchen´. 1. `in Form eines Ringes geflochtene od. gebundene Blumen od. Zweige´; Braut-, Myrthe-, Jumpfernkränzl. In Schlesien warfen heiratslustige Mädchen ein Kränzchen mit neunerlei Kräuter rückwärts nach einem Baum. Bleibt er beim ersten Wurf hängen, so heiraten sie im selben Jahre; sonst in so viel Jahren, wie Würfe nötig waren. - 2. `regelmäßige Zusammenkunft einer kleinen, unbestimmten Anzahl von (sich gut kennenden, aufeinander eingestimmten, klatschenden) weibl. Pers.´; Koaffeekränzl; murne gitt meine Frooe wieder as Kränzl. Lautf.: Kranzl Schirgiswalde, Nordböhmen.

Kränzljumpfer f. selt. `Brautjungfer, die auf Hochzeiten einen kleine Kranz trägt´. Lautf.: Kranzljumpfer.

Kränzljunge m. veralt. `Junge, der auf Hochzeiten den kleinen mit einem bebänderten grünen Kranz geschmückten Maibaum trug´. Das Blumenstreuen war noch vor 100 Jahren Angelegenheit der kleinen Mädchen. Die Jungen trugen kleine Maibäume und wurden im Brautzug noch vor den Blumenstreumädchen eingeordnet. Lautf.: Kranzljunge.

Kränzlschwaster f. `Teilnehmerin am Kaffeekränzchen´. Siehe Kränzl 2!

Krape (gedehntes a) f. Dim. Krapl 1. Südlausitz, Nordböhmen, Bihms Koarle `Krückstock, Gehhilfe´; noa´n Kriege huttn vill anne (a) Krapl. - 2. Bihms Koarle `kleiner Sitzstuhl´. Lautf.: Grape.

krapern (gedehntes a) swv. Neugersdorf, Oderwitz, Seifhennersdorf `sich ungelenkig, schwerfällig bewegen; herumkriechen, um etw. zu suchen; sich tapsig beschäftigen´; undern Bette rimkrapern, benn Runderkrapern ver´n Schemml stoand´ch uff eemol an Eemer drinne. Siehe auch kraajgln! Lautf.: kroapern Dittelsdorf, Wittgendorf, grapern.

kräpln, krapln swv. nSüdlausitz `sich mühsam und schwerfällig fortbewegen´. ieberoal rimkräpln, de aale Frooe kräplt´ch ´n Barg ruff, sich wieder ufkräpln `sich wieder aufraffen´. Auch krapern! Lautf.: kräbln, krabln, gräbln, grabln, kräppln °ZI Kemnitz.

Kräpper siehe Krepper!

krapsn siehe krabsn!

Krasse f. Seifhennersdorf `Kresse´.

krätch siehe grätch!

Kräte f. siehe Gräte!

Krätnprelln siehe prelln!

krätschn (gedehntes ä) swv. °ZI Ebersbach, Cunewalde, Jonsdorf, Wehrsdorf `schrille Töne erzeugen, schreien des Eichelhähers od. der Elster´; dr Nuhßhaajkl schnärrt und krätscht; de Saajge krätscht. Lautf.: grätscht.

kratschln siehe kraatschln!

Kratschn (gedehntes a) m. siehe Kraatschn!

Kratzl f. n. 1. mit spitzen Zinken versehenes kammähnliches Instrument mit Griff zum Reinigen des gebrochenen Flachses, kammartiges aus Draht bestehendes Werkzeug mit dem man das Werg herauskämmt´; mit dr Kratzl wurdn de Oajn aus´n gehechltn Leine gekämmt. - 2. `der zweimal mit Kratzln gereinigte Flachs´; auch Machkratzl. Lautf.: Krätzl.

Kratzlpfuckn m. `Abfall des zweimal mit Kratzln bearbeitenden Flachses´.

Krausche f. `Groß-, Klein- u. Neu Krauscha (Orte der Gemeinde Neißeaue im °GR)´.

Krause f. 1. `gefältelter, um den Hals gelegter Kragen´; Kräuslhaube. - 2. `der über den Hals des Zugtieres gestreifte gepolsterte Teil unter dem Kummet´. Siehe auch Kummt!

Krause Minze f. `Minze mit gekräuselten Blättern´. Diese Pflanze wuchs früher nach der Getreideernte zwischen den Stoppeln. Sie wurde als Mittel gegen Durchfall im Tiegel mit Eiern verbraten. Der Tee dieser Pflanze soll potenzfördernd sein. Lautf.: Krause Mienze Ostlausitz.

Kräusl n. Dim. von Krause 1a. `Rüsche: gefältelter Stoffbesatz´. - b. `mit dichten Fältchen behafteter, lockiger, gewellter Gegenstand ´. - 2. selt. `Wirsing´.

kräuslch Adj. `gekräuselt: kraus, wellig, gerüscht, gefältelt, kleingelockt´.

Kräuslkraut n. `Wirsingkohl: geringelter, gekräuselter, welliger, lockerer Krautkopf mit ausgefransten Blättern´; auch Welschkraut.

Kraut n. 1a. `alle grünen Pflanzen´. - b. `das Blattwerk der grünen Pflanzen´; as Kraut schissn. Siehe auch Heet 3! - 2. für den Menschen nützliche Pflanzen a. `Kohl´; Weißkraut, Rutkraut, Blookraut; RA: `s Kraut fett machn `etw. übertreiben, überziehen´; doaas macht´s Kraut o ne fett `das hilft nicht viel´; furt wie´s Wirschtl vern Kraute `schnell fort sein´. - b. `Würz- u. Heilkräuter´; Bunnkraut; doderfier is kee Kraut gewachsn. Vgl. Kroattch! - 3. im Sg. `schlechter Tabak´; doaas Kraut stänkert aber!

Kraut und Rieben `Durcheinander, Unordnung´.

Krautäfftlch m. verstr. mwSüdlausitz `Vogelscheuche, die auf Beeten und Feldern aufgestellt ist´, auch Krautäff(t)erch.

Krautblatl n. 1. `Kohlblatt´. - 2. Pl. übertr. scherzh. `Ohren´; iech krigte a poaar hinder de Krautblatl.

Kräutch n. siehe Kroattch!

Krauter m. umg. `eigenwilliger alter Mann, Sonderling´. Lautf.: Grauter.

Kräuterfrooe dass. wie Kroattchfrooe.

Kräutersäckl n. veralt. `mit Heilkräutern gefüllter leinener Beutel, der auf dem Ofen gewärmt und dann bei best. Krankheiten aufgelegt wurde´; Kamille gegen Leibschmerzen, Farnkraut gegen Rheuma. Auch Kroattchsäckl.

Krautgescheeche n. 1. `Vogelscheuche´. - 2. übertr. `alte, hässliche, altmodisch angezogene Frau´.

Krauthacke f. 1. `Stoßeisen mit längerem Stiel (mit beiden Händen anzupacken), mit dem man Rüben köpft´. - 2. `alte, knorrige (weibl.) Pers.´; RA: besuffm wie anne Krauthacke senn.

Krautheetl n. Dim. von Krautheet `Krautkopf´.

Krauthubl m. `Krauthobel: Küchengerät (mit zwei od. drei schrägen Messern), mit dem man Kraut schneidet´.

Krautmauke f. `verrührter dicker Brei aus Kartoffelpüree und Sauerkraut´, auch Lehmstruh od. Struhlehm.

Krautpopl m. °ZI Reichenau `Vogelscheuche´.

Krautscheeche f. dass. wie Krautgescheeche!

Krautscheißer m. Niedercunnersdorf, Jonsdorf, Altbernsdorf `Kohlweißling´.

Krautstoamper m. 1. `Gerät zum Zerdrücken und Stampfen von Kraut bei der Sauerkrautherstellung´, meist ein Mühlstein mit Holzstiel. - 2. Pl scherzh. `(dicke) Beine (von weibl. Personen)´.

Krautwickl n. `Kohlroulade´.

krawatschn (kurzes oder langes a od. oa in der 2. Silbe) swv. Westlausitz `kroatischen: undeutlich, leise schimpfend sprechen; sich zanken´. Lautf.: kroawoatschn, kroawatschn, krabatschn, krabatzn.

kreckn siehe krackn!

Krees m. `Kreis´. 1. `geometrische Figur´. - 2. `Verwaltungskreis´; Koamlz leit schunn uff´m Eegnsinnschn Kreese.

kreeschn swv. `kreischen´. 1a. `Speck, Fett, Schmer (in der Pfanne od. im Tiegel) auslassen´. - b. intrans. `etw. im Fett in der Pfanne oder im Tiegel geräuschvoll braten, zischend brutzeln´; dr Brotn kreescht `der Braten brutzelt´, iech kreeschte a dr Sunne. Siehe auch auskreeschn. - 2. wie litspr. Ostlausitz `kreischen: grell schreien´. Lautf.: krieschn Schlesien.

Kreeßerch siehe Kreißerch!

kreeßn siehe kreißn!

Kreibz `Kreibitz´, tsch. `Chribska´, Kleinstadt im böhmischen Niederland.

Kreißerch m. `lauter, durch Stöhnen hervorgerufener Ton; Seufzer´. Lautf.: Kreeßerch.

kreißn stv. sSüdlausitz, Ostlausitz, Bihms Koarle iech kreiß, du kresst, a kresst, iech kreeß od. krieß, iech hoa gekrissn `ächzen, stöhnen, seufzen´; a krieß od. kreeß wie a aaler Moan `er stöhnte wie ein alter Mann´. Lautf.: kreeßn, kresstn Weifa.

kreiz Interj. Ausruf (der Empörung, der Überraschung, des Entsetzens, der Angst, des Abscheus), Fluch; kreiz noa amol! Kreiz Dunnerwater! Kreiz Teifl! Kreiz Tobak! Kreiz sappermichl! Kreiz Miez! Kreiz Tirkn! Kreiz Durschtch und Frettch! Kreiz Sackerment! Kreiz verdanzch.

kreizfidel (letzte Silbe betont) Adj. `vergnügt, unbeschwert fröhlich´.

kreizdumm Adj. `kreuzdumm: sehr dumm´.

kreizgemittlch Adj. Oberland `sehr gemütlich´. Lautf.: kreizgemietlch übrige Oberlausitz.

kreizmäßch Adv. Bihms Koarle `außerordentlich´. Bedeutungen wie ludermäßch.

krempln swv. `wenden, umschlagen´, de Arml ruffkrempln; siehe imkrempln!

krenkln siehe krinkln!

kreppch Adj. selt. `kröpfig: auffahrend, zornig, boshaft´; dar wird wieder kreppch. Lautf.: kreppsch.

Krepper m. `Kröpfer´. 1. fachspr. Name einer Taubenrasse, bei der die männl. Taube einen bes. stark entwickelten Kropf hat´. - 2. `unausstehliche, grobschlächtige (männl.) Person´. Lautf.: Krepfer Schirgiswalde.

kreppm swv. (refl.) `kröpfen: sich ärgern, fuchsen, wurm´; doaas kreppt miech goar ne! ´s toat´n zu sihre kreppm, doaaß´n su woaas poassiert woar.

kresstn siehe kreißn!

Kreuz n. Dim. Kreuzl 1a. das Kreuz Christi. - b. das Kreuz als christliches Symbol; iech sah schunn´s Kreuz `ich sehe schon das (mit Trauerflor behängte) Kreuz, das vor dem Sarg getragen wird und dem Trauerzug vorangestellt ist´; zu Kreuze krichn `sich vor einem Stärkeren demütigen, anbiedern´ ; drei Kreuze machn (im Volksglauben als Schutz vor Hexen, bösen Geistern u. bösen Menschen und ihrem sündhaften Tun)´. - c. die Kreuzform zu profanen Zwecken; iech koann ne schreibm und mach dr drei Kreuze drunder; dr Waajg gitt (der)kreuz und (der)quare `der Weg läuft in alle Richtungen´; du bist doa iebersch Kreuz zu dumm! - 2. kreuzähnliche Dinge a. `Hüftkreuz bei Mensch u. Tier´; iech hoa´s an Kreuze `ich habe Rückenschmerzen´. - b. Fansterkreuz `Fensterkreuz´. - 3. übertr. `Last, Leid, Sorge´; ´s is a Kreuz mit dan Moanne. Lautf.: Kreiz.

Kreuzbeege f. `Kreuzbiege, Kreuzbeuge, Brücke (gymnastische Übung)´.

Kreuzer m. Sg. u. Pl. `eine kleine Münze´.

Kreuzkroattch n. 1. Niedercunnersdorf `Fuchs-Kreuzkraut, Fuchssches Greiskraut (Senecio fuchsii)´, auch Kihzoajl. - 2. Weifa `Tüpfel-Hartheu, Johanniskraut (Hypericum perforatum L.)´.

Kreuztraajger m. `Kreuzträger: Pers., die ein großes Kreuz trägt und den Trauerzug anführt´.

Krexe siehe Kräckse!

krexn siehe kräcksn!

kribbln swv. wie `kribbeln´. 1. `wimmeln (Ameisen)´. - 2. `wimmelnd jucken, prickeln, krabbeln (unter den Fingernägeln)´; mir kribblt´s a dr Noase. Lautf.: kriebln.

Kricher (kurzes i) m. `Kriecher: Person, die ihre Meinung der einer höher gestellten Person unterordnet, um einen persönlichen Vorteil zu erreichen; Person, die sich überzogen unterwürfig darstellt´; Oarschkricher.

Krichl (kurzes i) n. (meist. Pl.) 1. öSüdlausitz, Ostlausitz `Prunus insititia J.: kleine wild wachsende runde Pflaume mit kugeligen Früchten von unterschiedlicher Färbung´; auch Grieschl od. Grischl. - 2. selt. bes. Ostlausitz `verkrüppeltes, zu klein geratenes´, auch `unreifes Obst´.

Krichlch m. Ostlausitz dass. wie Krichl u. Krichlitze.

Krichlitze (kurzes i) f. Ostlausitz `Prunus insititia J. : kleine wild wachsende Pflaume mit kugeligen Früchten von blauer (od. gelber) Färbung´. Lautf.: Krichling.

krichn (kurzes i) stv. iech krich(e), du kroajchst (kurzes oaj), kroachst Zittauer Gebirge od. kroichst wSüdlausitz, a kroajcht, kroacht od. kroicht, mer krichn, iech kruhch, iech bie gekruchn (kurzes u) od. gekroachn (alte Lautform) `kriechen´. 1. `sich kriechend fortbewegen (auf allen Vieren)´; a kroajcht zu´r as Bette, a is´n baale an Oarsch gekruchn `er wollte sich bei ihm einschmeicheln´. - 2. `sich langsam fortbewegen (Kranke)´; iech koann kaum noa krichn od. kroichn! Lautf.: kroichn.

Kricke f. `Krücke´. 1. `Stange mit einem Brettchen aus Hartholz am vorderen Ende; Schürhaken´. Dient beim Backen zum Zerteilen der Kohlen im Backofen oder zum Herausnehmen, bevor das Brot eingeschoben wird; Ufe- od. Ufmkricke; RA: a hoat´ch de Kricke verbrannt `er hat sich selber geschadet´. - 2. `Krückstock´, siehe auch Krape! - 3. Nordböhmen `Stange, die zum Ausspreizen und Zusammenhalten der unteren Leiterbäume am Wirtschaftswagen dient´. - 4. Nordböhmen `Rückentragegestell der Gebirgsbewohner´, siehe auch Raaf! - 5. übertr. `störanfälliges Gerät, nicht immer funktionierende Maschine´; ba dar Kricke vu ann Foahrroade huppt immer de Käte runder. Siehe auch Kracke!

Kricke f. Königswartha `Krickente (Anas crecca)´.

krickln swv. °ZI Ebersbach `die Ofenkrücke etc. hin u. herbewegen´ ; a kricklte mit´n Ufehäkl under dr Kummode rim.

krickn swv. Eibau `mit der Ufekricke (Schürhaken) durch die brennenden Kohlen fahren, um sie zu verteilen´; ´s Feuer wurde durchgekrickt.

krickn swv. Westlausitz dass. wie krackn.

Krickstook m. 1. `Krückstock´. - 2. übertr. ` Spazierstock´.

kriebln swv. 1. `krabbeln, wimmeln, kribbeln´; in der Wendung ´s is a Wiebln und Kriebln (uff´m Omsehaufm) `es ist ein Bewegen und Krabbeln (auf dem Ameisenhaufen)´. - 2. Bihms Koarle `wallen, kochen´; de Milch krieblt uf und nieder. - 3. Ostlausitz, Schlesien `kitzeln, jucken´; mer krieblt´s ein Fingern. Lautf.: kriewln.

Kriebsch(t) m. siehe Griebsch!

Kriebs m. siehe Griebsch!

Krieg m. wie litspr. `Krieg´; mer wulln kenn Krieg `wir wollen Frieden´ (das Wort Frieden meidet der Oberlausitzer); noa´n irschtn Kriege `nach dem 1. Weltkrieg´; ba Schuberte sitt´s aus wie noa´n Kriege `bei Schuberts herrscht Mangel an allen Dingen´; wie ver´n Kriege `wie vor dem 2. Weltkrieg, unverändert seit Jahren, altmodisch, freudlos, abgewirtschaftet´.

Kriegl n. 1. Dim. von Krug `Krüglein: kleines zylindrisches od. bauchig geformtes Gefäß mit einem od. zwei Henkeln zum Aufbewahren od. Ausschenken einer Flüssigkeit´; Koaffeekriegl, Milchkriegl `leerer Milchkrug´; a Kriegl Bier `gefüllter Bierkrug´. - 2. `Saugkopf am Rohr der Wasserpumpe, Saugnapf in der Holzpumpe´.

kriegn swv. iech krieg(e), du krigst, a krigt, iech krigte, du krigtst, mer krigtn, iech hoa gekrigt od. krigt `kriegen´. 1. woaas od. enn kriegn `etw. od. jmdn. bekommen, erhalten´; Dresche kriegn; se hoat a Kind (ge)krigt; mer krigtn oalle gezankt. - 2. woaas od. enn kriegn `etw. od. jmdn. fassen, ergreifen, fangen, packen´. RA: Die beedn hoann´ch a de Lodn (ge)krigt `die beiden haben sich gestritten´. RA: Wenn dr Hund ne geschissn hätte, hätt´r´n Hoasn gekrigt. Lautf.: iech kriege, du krichst, a kricht, iech krichte, du krichtst, mer krichtn, iech hoa gekricht (Seifhennersdorf, Schirgiswalde, Westlausitz).

Kriems siehe Griems!

Krien (gespr. Grien) m. sSüdlausitz, Nordböhmen `Kren, Meerrettich´; Krienfleeschtunke, dar hoat kenn Krien an Kuppe `der ist dumm´.

Kriepl (gespr. Griebl) m. n. `Krüppel´. 1. `Lebewesen od. Pflanze, die verwachsen od. missgebildet ist; Invalide´; dar is oas Kriepl uff de Walt kumm, dann Kriepl vu ann Chrisboom koannst de glei a de Feueresse steckn! - 2. übertr. abwert., Schimpfwort für Personen `widerspenstiger, starrsinniger od. niederträchtiger Kerl´; woaas dr Neum-Hansjirge fer a Kriepl is! - 3. `widerspenstiger Gegenstand´. - 4. verstr. Süd- u. sWestlausitz `vorderer, lenkbarer, mit eigenen Kufen versehener Teil eines Lastschlittens´.

krieplch Adj. `krüppelig, verkrüppelt, krumm, im Wuchs verunstaltet´; is Äpplbeeml is ganz krieplch wurn, siech droaa krieplch schleppm, mer hoann´ch krieplch gelacht.

kriepln swv. (refl.) `krüppeln: schwer arbeiten, sich schinden, sich plagen´; iech koann miech mit dar Fuhre oalleene kriepln; rimkriepln, oabkriepln.

Krieplrädn Pl. Jonsdorf, Lückendorf `Krüppelreden: Beschimpfungen, Schimpfreden´.

Krieplschlittn m. `Lastschlitten, der vorn einen mit eigenen Kufen versehenen lenkbaren Teil hat´. Die vorderen Kufen sind mit einer Kette mit den hinteren verbunden, auf denen die Unterlage liegt. Mit Rungen und Mistbrettern entsteht ein Kastenwagen zum Misttransport. Lautf.: Kriepl-, Krippl-, -schlittn, -schlietn.

Kriepz  `Kriepitz (Ort der Stadt Elstra im °BZ)´; de Kriepzer `die Einwohner von Kriepitz´.

Krieschl siehe Grieschl!

krieslch Adj. `kräuselig: gekräuselt´; de Abern (Kartoffelstauden) sahn krieslch aus. Lautf.: krisslch, grieslch, grisslch Niedercunnersdorf.

Kriewatsch (gedehntes a) m. Dim. Kriewatschl 1. Großschönau. Schirgiswalde `körperlich zurückgebliebener Mensch; Krüppel, verkrüppelte Pflanze´. - 2. Prachenau `unleserlicher Buchstabe´. - 3. `stumpfes Messer´. Auch Kriewatsche f. Lückendorf, Ostlausitz.

kriewatschch (gedehntes a) Adj. Ostlausitz, Schlesien `krummbeinig, krumm, verkrüppelt, x-beinig´; a kriwatschches Beeml.

kriewatschlch (gedehntes a) Adj. Schirgiswalde dass. wie kriewatschch. Lautf.: kriewatschlich Ostlausitz.

kriewatschln (gedehntes a) Großschönau `ungelenkig laufen´; auch kraajgln.

krimm swv. `krümmen´; RA: Woaas a Haajkl warn will, krimmt´ch bezeitn.

krimm siehe grimm!

Krimme f. 1. Ober- u. Niedercunnersdorf, Cunewalde `Griff am Stiel (der Sense)´; Saajnzekrimme. - 2. `Weg(krümmung)´; RA: Mer muss de Krimme a dr Beege rechn. `Man muss evtl. Schaden gegen anderweitigen Vorteil abwägen´.

Krimmer (gespr. Grimmer) m. `ein flauschiger, pelzartiger gewebter Stoff, der zur Herstellung von Mantelkragen, Handschuhen und Muffen verwendet wurde´; Krimmermuff, Krimmerkoappe, Krimmermantel.

krimmern swv. dass. wie grimm.

Krimmeräge f.. Pl. Krimmerädn od. Krimmereedn veralt. Südlausitz `Hakenegge, eggenähnliches Gerät mit 5 bis 7 Zinken zum Lockern des Bodens´. Lautf.: Grimmeräge.

Krineline f. `Krinoline, Crinoline, Reifrock des 19. Jahrhunderts´; iech koof mer anne Krineline.

Krinkl m. `Kräusel, kleine Locke´. Lautf.: Krenkl.

krinklch Adj. Südlausitz, Nordböhmen `sich ringelnd, gekräuselt, kraus´.

Krinklkupp m. `Kopf mit gekräuselten Haaren´. Lautf.: Krenklkupp.

krinkln swv. `kraus machen, kräuseln, ringeln, zusammenziehen´; dar krinklt de Noase. Lautf.: krenkln, kringln.

Krinklnoase f. `verbogene, gekräuselte Nase´. Lautf.: Krenklnoase.

Krinne f. öOstlausitz `Kerbe, Einschnitt, Vertiefung, Scheitel, Gesäßfalte´; a macht´ch mit´n Koamme de Krinne uff senn Kuppe wieder gleiche.

Krintsch, Krintschl, Krinnsch siehe Grintsch!

Krippe f. 1. wie litspr. `an der Stallwand befestigter Futtertrog für Hausrinder u. Pferde´; früher aus Holz, jetzt meist aus Stein. - 2a. wie litspr. `Einrichtung zur Betreuung von Säuglingen u. Kleinkindern´. - b. wie litspr. `die Krippe Christi´. - c. Krippl `selbstgebastelte od. gekaufte kleine Krippe mit Landschaft u. Figuren als Weihnachtsdekoration´; ba Harzche baun se oalle Juhre a dr Weihnachtszeit is Krippl uf; die wohn wie an Krippl `die wohnen ärmlich und eng, aber sauber und zufrieden´. RA: ´s sitt aus wie uff´m bihmschn Krippl Leutersdorf `es sieht ärmlich aus´.  Lautf.: Grippe.

krippm swv. refl. veralt. `krümmen´; a krippt´ch zusoammde.

Krippsetzer m. `Krippensetzer: verhaltensgestörtes Pferd´.
Lautf.: Krippmsetzer.

Krische ohne Genus, veralt. f. `Krischa (alte Bezeichnung der zur Gemeinde Vierkirchen gehörenden Ortschaft Buchholz im °GR)´; mer gihn noa Krische; de Krischner od. Krischer `die Einwohner von Buchholz´.

Krischl n. siehe Grieschl!

krisslch siehe krieslch!

Kristier m. veralt. `Klistier: Einlauf´.

kristiern swv. veralt. `klistieren, einen Darmeinlauf machen, jmdn. quälen, drangsalieren, schikanieren, peinigen´; de Frooe toat miech kristiern. Lautf.: krestiern, klistiern.

Kristl (kurzes i) n. Dim. von Kruste nOstlausitz `kleine Kruste, Brotrinde, Anfang des Brotlaibes´; Brutkristl. Siehe auch Rämpfl!

Kroaazbärcht n. Südlausitz `Brombeerstrauchwerk´. Lautf.: Kroaaz-, Kroatz-, -bärcht, -beercht, - biercht, -biärcht.

Kroaazbäre f. msSüdlausitz `Kratzbeere: Brombeere (Rubus fruticosus, Rubus caesius))´. Lautf.: Kroatzbäre sWestlausitz, Ostlausitz, Kroatzbihre Ostlausitz.

Kroaazeisn n. `Kratzeisen: seitlich der Haustreppe od. der Haustür eingelassenes Eisen, an dem man den Schmutz von den Schuhsohlen streicht´. Lautf.: Kroatzeisn.

kroabbeln swv. `krabbeln´. 1. `sich langsam fortbewegen ( Schnecken u. Würmer)´. - 2a. `kitzeln´; durchkroabbln, de Sunne kroabblt de Schniegleckl. - b. `Juckreiz empfinden´; siehe auch grimm!

Kroammzer, Kroammzvogl m. Großschönau, Weifa `Wacholderdrossel (Turdus pilaris)´, auch Ziemer. Lautf.: Krammzer, Krammzvogl.

Kroamperch m. Ostritz `alter Mann, der noch hantiert und bastelt´.

kroampern swv. Großhennersdorf `hantieren, handwerkeln´.

kroamschn swv. `kramen, wühlen, stöbern (ohne Erfolg)´; an Kleederschrankn kroamschn. Lautf.: kromschn.

Kroanch (gedehntes oa) m. `Kranich (der Vogel Grus grus)´. Volksglauben: Wenn die Kraniche schreien, kündigt sich eine Hochzeit od. schlechtes Wetter an.

kroannchn swv. 1. selt. `(fix u. liederlich) braten´. - 2. Burkau `etw. suchen´. - 3. Niedercunnersdorf, Schirgiswalde `etw. raffen, grabschen´; a kroanncht oalls zusoamm; a kroannscht an Drecke. Lautf.: kroannschn, groanschn, granschn. Vgl. verkroannchn!

kroapern siehe krapern!

Kroappe (gespr. Groabbe) `Krappe (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´; de Kroappschn `die Einwohner von Krappe´. Lautf.: Kroape (gedehntes oa).

Kroattch n. 1. `Kraut (an den Rüben), Blattwerk´, Abernkroattch, Kroattchfeuer. - 2. `Unkraut´. - 3. `unartige Kinder´. Lautf.: Kräutch, Kroitch West- u. Ostlausitz.

Kroattchfeuer n. `Kartoffelkrautfeuer auf dem Feld´. Lautf.: Kräutchfeuer.

Kroattchfrooe f. `Kräuterfrau´. 1. `Gemüsefrau (auf dem Markt)´. - 2. `weibl. Person, die ihre Patienten mit Naturprodukten behandelt; Kurpfuscherin, die Krankheiten versprach und unerlaubte Schwangerschaftsabbrüche durchführte´. Siehe auch versprechn! Lautf.: Kroitchfrooe Ostlausitz.

Kroattchsäckl n. dass. wie Kräutersäckl. Lautf.: Kroitchsäckl.

kroattschn swv. siehe groattschn!

Kroatzbeercht siehe Kroaazbärcht!

Kroatzbeere siehe Kroaazbäre!

Kroatzbeerwinkl m. `Kratzbeerwinkel (Ortsteil des Kurortes Jonsdorf im °GR)´. Lautf.: Kroaazbärwinkl.

Kroatzbirrschte f. `Kratzbürste´. 1. `(unbequeme) raue Person, der schwer beizukommen ist; widerspenstige Person (meist Kind od. Frau)´. - 2. `unbeholfene Verbeugung, Diener´. Lautf: Kroatz-, Kroaaz-, -birrschte, -burrschte.

Kroatze f. Dim. Kratzl `Kratze: mit Zinken versehenes Instrument zum Reinigen des gebrochenen Flachses; kammartiges aus Draht bestehendes Werkzeug, mit dem man das Werg herauskämmt´.
Kroatze f. `Kratzau´, tsch. `Chrastava (Ort in Nordböhmen unweit von Reichenberg)´. Lautf.: Kroaaze.

Kroatzeisen siehe Kroaazeisen!

Kroatzer m. `Kratzer´. 1. persönl. a. `Mensch, der andere kratzt´. - b. `Mensch, der versucht, sich bei jmdm. anzuschmieren´. - 2. sachl. a. `eine durch Kratzen verursachte Verletzung der Haut od. Oberfläche´; siehe auch Roaz, Roazer, Roazerch, Gräler, Grälerch! - b. `Geräte zum Kratzen, Schaben, Streichen´. Lautf.: Kroaazer.

Kroatzerch m. 1. Bihms Koarle `Kratzer, Kratzstrich´. - 2. sSüdlausitz `Kratzfuß, Fußfall´; ann Kroatzerch machn `sich tief verbeugen als Zeichen der Unterwürfigkeit´. Lautf.: Kroaazerch.

Kroatzerei f. `Diabetes, Zuckerkrankheit (mit Juckreiz)´; iech muss vill Burn trinkn oack waajgn dar ebchn Kroatzerei. Lautf.: Kroaazerei.

kroatzn swv. `kratzen´. 1. trans. `mit einem Gegenstand, den Fingernägeln ritzen; ein kratzendes Geräusch erzeugen´; iech kroatz dr de Oogn aus. - 2. intrans. `eine beißende Empfindung hervorrufen (im Hals od. in den Augen)´; ´s kroatz an Hoalse. - 3. intrans. `reiben, scheuern, jucken´; ´s Hemde kroatzt. - 4. `sich unterwürfig zeigen, sich bei jmdm. anschmieren, einschmeicheln´; Kurtl hoat de fettste Prämche gekrigt, weil´r egoal kroatzt; meine Frooe fuhlt´ch gekroatzt `meine Frau fühlt sich geehrt, geschmeichelt´. Lautf.: kroaazn.

Kroawate m. `Kroate (Angehöriger eines südslawischen Volkes)´; Mutter, de Kroawatn kumm!

Krobmz ohne Genus, veralt. f. `Krobnitz (Ort der Stadt Reichenbach OL im °GR)´; de Krobmzchn `die Einwohner von Krobnitz´. Lautf.: Kromz.

Krohaajkl n. `undefinierbare Schriftzeichen; schlecht geschriebene, unleserliche Buchstaben´, eigtl. `Häkchen (Füße) der Krähe´; die Krohaajkl koann´ch ne lasn. Lautf.: Krohakl. Auch Krohhokn.

Krohe f. `Krähe´ 1. wie litspr. der Vogel `corvus corone u. cornix´; de Krohe gakt. Sprichwort: Anne Krohe hackt dr andern kee Ooge aus `zwei Personen der gleichen Art tun sich kein Leid an´; auch aale Krohe bzw. Aalekrohe. Die Krähe kündigt im Volksglauben mit ihrem Schreien den baldigen Tod eines Menschen an. - 2. übertr. Schimpfwort für `alte bösartige Frau´. RA: Junge Frooe - aale Krohe. Lautf.: Grohe.

Krohfissl n. selt. um Bautzen `Krähenfüßchen: Buschwindröschen (Anemone nemorosa L.)´. Die Blätter sind krähenfußartig gespalten.

Krohhokn m. Ostlausitz dass. wie Krohaajkl.

Krohnfisse Pl. Jonsdorf, Nordböhmen `Krähenfüße: Falten im Gesicht´.

Krohnooge n. Dim Krohneegl `Krähenauge, Krähenäuglein: Samen der Brechnuss (Strychnos)´. Dieser Samen enthält das hochgiftige Alkaloid Strychnin. Im 17.Jahrhundert findet das Krähenauge Verwendung beim Betäuben von Fischen und beim Vergiften von Füchsen, Katzen, Hunden, Krähen, Raben, Ratten und Mäusen. Die Bande des Räuberhauptmanns Karaseck vergiftete damit die Hunde der Einbruchsopfer.

Krohpfietl n. Großdrebnitz dass. wie Krohfissl.

kroichn siehe krichn!

Kroitch siehe Kroattch!

Krokussl n. `Krokus (Crocus albiflorus Kit.)´; iech weeß anne Krokusslwiese.

Krom m. Dim. Kraml `Kram´. 1. veralt. `Kaufmannsware´. - 2. übertr. abwert. `überflüssige, minderwertige Ware aller Art; Gerümpel´; mei Kraml mittenahm. RA: Doaas poast mer goar ne an Krom! - 3. Dürrhennersdorf `Kramladen, Gemischtwarenladen´; egoal woarrn Leute an Krome. - 4. `als lästig od. unwichtig empfundene Angelegenheit´; dann ganzn Krom hieschmeißn. - 5. siehe Kraml!

krom swv. dass. wie kromern.

Kromer m. °ZI Ebersbach `Krämer: Kleinhändler, Gemischtwarenhändler´.

kromern swv. `kramen´. 1. `suchen, stöbern, wühlen (meist ohne Erfolg)´. - 2. `umständlich, planlos herumhantieren, sich mit sich selber beschäftigen´; ba dan dichn Gekromer koann o nischt rauskumm. - 3. `ein Techtelmechtel haben´; die Guste kromert mit´n Nubber.

Kromerloadn m. veralt. `Gemischtwarenladen (auf dem Dorf)´.

Kromloadn m. `Kramladen: Gemischtwarenladen´.

kromschn (gedehntes o) siehe kroamschn!

Kroop siehe Krupp!

Kroppm `Kroppen (Gemeinde im Landkreis Oberspree-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´; de Kroppner `die Einwohner von Kroppen´.

Krucke f. Süd- u. Ostlausitz `Gärtopf, Gärkrug: (bauchiges) Gefäß aus Ton (oder Glas) mit Deckel und runder Wasserrinne als luftdichter Schließvorrichtung´; Gurkn-, Steen-, Sauerkrautkrucke.

Kruhtscherch m. siehe Gruhtscherch!

Kruhtscherei f. Sächs. Schweiz `Zankerei, Streiterei, Balgerei´.

kruhtschn swv. refl. sWestlausitz, Sächs. Schweiz `sich zanken, sich streiten, sich veruneinigen´; ich hoa mich mit dr Monl gekruhtscht. Lautf.: krutschn.

krumb Adj. veralt. Bihms Koarle, Reichenau, Weifa `krumm´.

Krumbhulz n. 1. Niedercunnersdorf `gebogene Stange zum Aufhängen des Schlachtviehs´. - 2. Jonsdorf `Schulterjoch: Querbalken, mit dem man zwei gefüllte Eimer trug´. Siehe auch Troihalml!

krummbeencht Adj. `mit krummen Beinen versehen´; a krummbeenchtes Gestecke. Lautf.: krummbeench.

Krummch ohne Genus, veralt. f. `Krombach´, tsch. `Krompach (Ort in Nordböhmen unweit vom Kurort Jonsdorf)´; mer gihn a de Krummch od. uff Krummch; de Krummcher `die Einwohner von Krombach´. Lautf.: Krumbch, Krummcht Nordböhmen.

krummln swv. Obercunnersdorf, Bihms Koarle `fingern; mit den Fingern oder der Tatze (mühsam) graben, mit den Fingern od. Krallen in der Erde kratzen, im Erdreich buddeln (u. Klumpen zerkrümeln)´; de Abern auskrummln; Fleeschbitzl aus´n Zänn krummln. Lautf.: grummln.

krumpln swv. `wellig werden beim Zusammenlaufen; schrumpfen, einlaufen, zusammenziehen, einspringen und knittern, krümmen´; zusoammkrumpln.

Krune f. Dim. Krienl `Krone´. 1. wie litspr. Zeichen fürstlicher Würde; dr Schlangnkiench hoat a Krienl uff´m Kuppe. RA: Do wird dr keene Parle aus dr Krune foalln! - 2. `oberster Teil eines Baumes´. - 3. übertr. `Kopf´; enn a dr Krune hoann `betrunken sein´; doaas is mer a de Krune gefoahrn! `das hat mich verdrossen´.

Krune f. Pl. Krun `Krone´. 1. `alte Münze in Deutschland und Österreich´; se huttn a poaar Krun gearbt. - 2. `Währung in verschiedenen Staaten´.

Kruhtsch siehe Gruhtsch!

Kruntsch m. siehe Gruntsch u. Grintsch!

Krupp m. Pl. Kreppe `Kropf; geschwollene Schilddrüse´; RA: Iech hoa´n Krupp od. Kroop vuhl `ich habe genug davon´. Lautf.: Kroop.
Krupp m. Schimpfwort Dittelsdorf, Wittgendorf, Girbigsdorf `grober, rücksichtsloser Mensch´, (eigtl. `Abfall im Steinbruch)´; a boarbeeßcher Krupp, a elender Kroop. Lautf.: Kroop Neugersdorf, Nordböhmen; Kruppe f.

Kruppzeug n. Dittelsdorf, Wittgendorf, Jonsdorf, Ostlausitz, Schlesien `Kropfzeug´. 1. `böse, grobschlächtige Menschen; Pack, Gesindel, freche Kinder´. - 2. `Kleinvieh, das jmdn. ärgert od. jmdm. Schaden zufügt´; doaas Kruppzeug is schunne wieder uff dr Soot. - 3. Burkau `grobgewebter Stoff, Gewebe mit starken Fäden´. Lautf.: Kroopzeug, Grubbzeug, Kruppschzeug Cunewalde, Kroppzeug Schirgiswalde.

Kruschl siehe Grieschl!

Kruz (gedehntes u) m. siehe Oaakroatz! `Händel, Streit, Zank, Uneinigkeit´; ´s goab kenn Kruz doderwaajgn. Auch Gekruze. Lautf.: Gruz Weigsdorf (östlich von Zittau, heute polnisch).

kruzn (gedehntes u) swv.öSüdlausitz `anhaltend streiten´; misst ihr euch egoal kruzn? Lautf.: gruzn Westlausitz.

ksch Interj. Ausruf zum Vertreiben von Katzen od. Vögeln; de Emma stund undern Kirschboome und machte „ksch!“

Kuche (kurzes u) siehe Kuchn!

Kuchn (kurzes u) m. `Kuchen´; a Streefl Kuchn `ein Stück Kuchen´, Fleckl-, Kase-, Pflaum-, Sträslkuchn, Kuchnblaajch, Kuchnbude, Kuch- od. Kuchnhucke; RA: Kuche a dr Wuche, und Sunntch kee Brut zu frassn. RA: Abweisung einer Forderung: Ja, Kuchn od. Kuche, mei Harzl! `Nichts´. Volksvers: Tunk ne irscht as Schalchl ei, doaas is a hoarter Kuchn. Dar wird ne weech wie Sammlbrei, dann dichn misst de puchn! Lautf.: Kuche m. u. f. °ZI Ebersbach, Neugersdorf, Walddorf, Eibau; um Hirschfelde u. Ostritz; Pulsnitz, Oberlichtenau; Ostlausitz.

Kuchnbrat n. Dim. Kuchnbratl `Brett zur Zubereitung des Kuchenteiges´. Lautf.: Kuchebrat, Kuchbrat um Görlitz.

kuchnbreet Adj. Adv. `kuchenbreit´. 1. `breit wie ein Kuchen´; mei Bruder is vun Boome gefloin und loag kuchnbreet an Drecke. - 2. übertr. `faul, bequem´; de Nubberschfrooe sitzt kuchnbreet uff dr Ufmbank `die Nachbarin sitzt müßig auf der Ofenbank´. Lautf.: kuchebreet, wie Kuchn breet.

Kuchnfuhre f. `Kuchenfuhre´. Bettelnde Musikanten zogen mit einem Fahrzeug am Kirmesdienstag durch das Dorf, musizierten und erhielten von den Einwohnern nicht verzehrte Kuchenreste´. Dieser Brauch wird in abgewandelter Form in Dittelsdorf, Olbersdorf und im Kurort Jonsdorf noch gepflegt.

Kuchnhucke f. `das Kuchenpaket, das man den Gästen nach Festen mit heim gab´. Lautf.: Kuchehucke, Kuchhucke.

Kuchnhurde f. Dim. Kuchn-, Kuche-, -hurdl, -hirdl Niedercunnersdorf, Girbigsdorf siehe Hurde!

Kuchnraaf n. Ober- u. Niedercunnersdorf, Großhennersdorf, Zodel `Kuchengestell´, auch Kuchnhirdl u. Kuchnrahme.

Kuchnradl (kurzes u) n. `Kuchenrad: Drehrad zur Kuchenverlosung´; mit´n Kuchnradl wird Kuchn verradert. Lautf.: Kucheradl.

Kuchnrahm m. dass. wie Kuchnrahme.

Kuchnrahme f. Dim. Kuchnrahml `Kuchenrahmen: stockwerkförmiges Lattengestell zum Ablegen und Tragen von Kuchen, das von zwei Personen wie eine Bahre getragen wird´; auch Hurde od. Hirdl. Zur Kirmes wurde es in das Gewölbe gesetzt. Lautf.: Kucherahme.

Kuchnrämpfl n. `hartgebackener Kuchenrand´. Lautf.: siehe Rämpfl!

Kuchnrändl (kurzes u) n. `abgeschnittener Rand der auf dem Blech gebackenen Kuchen´. Lautf.: Kucherändl, Kuchrändl.

Kuchnsänger m. Westlausitz `(nicht geladene) Person, die am letzten Kirmestag mit anderen Personen durchs Dorf zieht und mit Gesang od. Gebrüll den nicht verzehrten Kuchen erheischen möchte´. Lautf.: Kuchesänger Westlausitz.

Kuchnschusse f. `an langem Stiel befindliche flache Holzschaufel mit abgeschrägter Vorderkante zum Einschieben von Kuchen in den Backofen´.

Kuchnsingn n. Schirgiswalde, Westlausitz `Kuchensingen´. Am Kirmesmontag od. am -dienstag zogen die Jugendlichen, später die Kinder, im Dorf von einem Bauerngut zum anderen u. sangen Lieder vor, wofür sie Kuchen (u. Schnaps) bekamen. Lautf.: Kuchesingn Westlausitz.

Kuchnstreefl n. `ein Stück Kuchen´. Lautf.: Kuchestreefl, Kuchstreefl.

Kuckuck siehe Guguck!

Kuckucksblume siehe Gugucksblume!

Kuddl siehe Kuttl!

kuddln siehe kuttln!

Kuffe f. `Kufe´. 1. Ostlausitz, Schlesien `Bierkrug mit Henkel u. Deckel´, auch Kuffl od. Bierkuffe; a poaar Kuffm eefach Bier. - 2. `Gleitschiene (eines Schlittens)´; Schlittenkuffe.

Kuffer m. Dim. Kifferchl `Koffer´; ´n Kuffer(t) ba dr Boahne ufgan. Lautf.: Kuffert.

kuffm swv. veralt. `stoßen, hauen, schlagen, rempeln´; oaakuffm `anstoßen´, dr Banknubber tutt´n kuffm.

Kuh(e) f. 1. `weibl. Rind´; mit dr Kuhn an Stoal gihn; RA: Do koannst de rädn wie mit anner krankn Kuhn od. Kuhe `jedes Wort ist zwecklos´; RA: guckn od. dostihn wie de Kuhe ver´n neun Ture; Sprichwort: Waajn ann Tippl Milch keef´ch mer keene Kuhe. - 2. abwert., Schimpfname `weibliche Person (mit negativen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen)´; die dumme Kuhe is a de Schule gekumm und hoat´n Schulmeester oalls brihwoarm geklaffert. - 3. Blinde Kuh f. `ein Gesellschafsspiel für Kinder, wobei einem Spieler, der die blinde Kuh darstellt, mit einem Schal oder einem Kopftuch die Augen verbunden werden. Die anderen Kinder laufen umher und ärgern die blinde Kuh. Wen diese ergreifen kann, der muss sich an ihrer Stelle die Augen verbinden lassen´.

Kuhbauer siehe Kihbauer!

Kuhbläke f. 1. `Kuhweide´. - 2. abwert. `vom Verkehr abgelegenes, schwer erreichbares Dorf od. Bauerngut, (auf dem sich die Füchse u. Hasen gute Nacht sagen)´; a dar Kuhbläke mach´ch kenn Urloob mih. Lautf.: Kihbläke.

Kuhbloatt n. Guteborn `Hoher Ampfer (Rumex hydrolapathum)´.

Kuhdreckbränze siehe Broanz!

Kuhfoaaß n. siehe Kihfoaaß!

Kuhgloacke siehe Kihgloacke!

Kuhhurn n. Oderwitz `Kuhhorn (als Wetzsteinfutteral)´. Siehe auch Wetzkieze!

Kuhkoalb n. Dim. Kihkalbl `das weibl. Junge der Kuh im 1. Jahr´. Lautf.: Kihkoalb, Kihkalbl.

Kuhkrausche siehe Gruß Krausche!

Kuhlecke f. `(wie ein von einer Kuh angeleckter) Wirbel am Haaransatz der Stirn, wo sich das Haar nicht glätten lässt´.

Kuhmuhzl n. 1. `Kälbchen, das weibliche Junge der Kuh im 1. Jahr´. - 2. kinderspr. `Kuh´. Auch Kuhmiezl, Kuhmuhtschl u. Kuhmietschl.

Kuhne ohne Genus, veralt. f. `Kuhna´, bis 1945 zum Kreis Görlitz gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Kunow´.

Kuhpilz m. `Kuh-Röhrling (Boletus bovinus L.)´.

Kuhplinse f. Westlausitz `Kotfladen des Rindes´.

Kuhploapper(ch) siehe Kihploapperch!

Kuhzoajl siehe Kihzoajl!

Kukeruz n. `Kukuruz: Mais (als Futtermittel in Form von Körnern für Hühner u. Schweine)´; de Bargmillern hulte aus ihrer Schirze Hampvll uff Hampvll Kukeruz raus und sträht´s ´n Fadervieh hie. Lautf.: Kukerutz, Gugeru(t)z.

Kulbe f. Dim. Kelbl od. Kilbl `Kolben: dickes Ende; etw. Rundes, das sich an einem nichtrunden Körper od. Teil befindet´. 1. `sich bewegender Teil im Zylinder eines Motors´. - 2. `Blüten- u. Fruchtstand des Weizens u. Maises´; ´s Kurn hoat anne Ähre, dr Weese anne Kulbe und dr Hoaber anne Rispe, Kukeruzkulbe. - 3a. `kolbenförmige Flasche´; Firnskelbl `kleiner Kolben mit Firnis´. - b. `Schnapsflasche´; Kurnkulbe; de Kulbe mit´n Kurne aus´n Kaller huln. - 4a. veraltet `Kopf´ (eigtl. `kahle, haarlose Stelle auf dem Kopf´); RA: enn de Kulbe lausen `jmdn. den Schopf beuteln, jmdn. zurechtweisen´. - b. `dicke Nase´.

Kulbm m. dass. wie Kulbe.

Kulbmruhr n. Königshainer Berge `Rohrkolben (Typha latifolia)´.

Kulke siehe Gulke!

Kullegchl n. Eibau, Neueibau dass. wie Kumviebchn u. Stamml 2b. `Kollegium´; Kullegchl haaln `sich (am Sonntagabend) beim Nachbarn treffen´; a dr Eibe gingn de Manner as Kullegchl und de Weiber zu Lichtn. Lautf.: Koallegchl.

Kuller m. Südlausitz `Koller: Wutanfall, schlechte Laune´. Lautf.: Kolder Westlausitz.

Kullerch m. Dim. Kullerchl, Kullerchn 1a. `kleine, dicke, runde Person´. - b. `runder Gegenstand, der rollen kann´; de Kullerchl vu Tumoatn. - 2. `Truthahn´: auch Gauderch. Lautf.: Kollerch Westlausitz.

kullerch Adj. bes. Westlausitz u. Sächs. Schweiz 1. `wütend, zornig, gereizt´. - 2. `unwohl, übel im Magen´. Lautf.: kollerch Westlausitz.

kullern swv. (refl.) `kollern: purzelnd rollen, wälzen´; dr Boall kullert uff de Stroße; mer kullern´ch ver Lachn. Lautf.: koallern.
kullern swv. 1. `einen Koller kriegen, mit jmdm. schmollen, böse sein´. Siehe auskullern! - 2. `poltern, Unruhe verursachen, schimpfen´. - 3. `sich aufplustern (Truthahn)´; dr Gauderhoahn kullert und gaudert. Lautf.: koldern Westlausitz.

Kullerriebe f. 1. `Kohlrübe, Steckrübe (Brassica Napus Napobrassica L.)´, als Eintopf mit Schweinefleisch und viel Brühe; Kullerriebmsuppe. - 2. übertr. `(runder, glatter) Kopf´. Lautf.: Kujllerriebe.

Kullerroabi n. °ZI Ebersbach `Kohlrabi´.

Kullerwoalze f. verst. Dim. Kullerwälzl in der Wendung Kullerwoalze machn `zwei Kinder erfassen sich und rollen sich einen Hang hinunter, (im Bett od. auf dem Sofa) seitwärts rollen´.

Kullerweckl n. Westlausitz, Hintere Sächsische Schweiz  dass. wie Kullerwoalze.

Kullm veralt. m., ohne Genus `Kollm´. 1. `Kolm (Ort der Gemeinde Quitzdorf am See im °GR)´; se wohnt emm Kullme; de Kullmer `die Einwohner von Kollm´. - 2. Schwarzkollm (Ort der Großen Kreisstaadt Hoyerswerda im °BZ); Schwoarzkullm. - 3. `Weißkollm (Ort der Gemeinde Lohsa im °BZ)´; Weißkullm.

Kulloatche (2.Silbe gedehnt) Pl. Obercunnersdorf, Oderwitz `wilde (Kinder)schar, Bande, Sippe, Menschenansammlung, Gruppe Kinder oder Jugendlicher einer Familie´; anne ganze Koaloatche wullde kenn Eitriet bezoahln. Lautf.: Goaloitsche (alte Form in Niedercunnersdorf), Kulloazche od. Kulloaazche °ZI Ebersbach, Neugersdorf, Oderwitz.

Kullriebe f. Girbigsdorf dass. wie Kullerriebe!

Kumedche f. `Komödie´. 1. `theatralische Aufführung´. - 2. übertr. (ohne Beziehung zum Theater) `Handlung, Auftritt, Vorstellung´; fihr ne su anne Kumedche uf! Kumedche machn od. spieln `etw. vortäuschen´. Lautf.: Koamedche.

Kumfermande m. `Konfirmand´; Kumfermandnrickl.

kumfermiern swv. `konfirmieren´.

kumm stv. iech kumm(e), du kimmst od. kemmst (Westlausitz), a kimmt od. kemmt (Westlausitz), mer kumm, iech koam (Ebersbach/Sa.), du koammst (Ebersbach/Sa.) od. koamst, a koam (Ebersbach/Sa., Schirgiswalde, Oberlichtenau) od. a koamm (Niedercunnersdorf, Jonsdorf), mer koamm (Ebersbach/Sa.), ihr koammt (Ebersbach/Sa.), se koamm (Ebersbach/Sa.), iech bie gekumm od. kumm `kommen´. 1. wie litspr.; RA: war ne kimmt, brauch ne gihn! RA: ´s kimmt, wie´s kimmt. Vor einem guten Trunk: Prost Gurgl, itz kimmt a Wulknbruch, Schauer od. Durchmoasrsch! Abschiedsgruß: Do labt gesund und kummt wieder! Wenn´ch zu späte kämm, tät´s miech fuchsn. - 2. `kosten´; doaas Hemde koam 30 Moark. - 3. `vertragen, verstehen´; meine Frooe kimmt gutt mit menner Mutter.

kummde Wuche f. `kommende Woche, nächste Woche´.

Kummode f. 1. `kastenförmiges Möbelstück in Tischhöhe mit Schubladen´. - 2. Schlesien `die alte Kopfbedeckung der schlesischen Landfrauen u. Mädchen: eine Kappe von Kattun oder Seide, mit weißem Bande eingefasst, das in langen Schleifen auf den Rücken fällt; zuweilen mit gefältelten Backen- u. Kinnstreifen (Bartkommode), häufig mit einer Stirnschneppe (Schneppenkommode)´. Siehe Schnappe! Lautf.: Koammode, Kommode.

kummode Adj. ` bequem; träge, faul´; mach dersch oack kummode! Lautf.: koammode, kommode.

Kummt n. Dim. Kummdl, Kunndl `Kummet; Kumt (Halsjoch der Zugtiere); auf der Krause liegendes Holzgestell mit Leder und Stroh ausgestopft, das über der Krause liegt´; Kummtgeschirre. Lautf.: Kunnt. Siehe auch Krause!

Kummtleestn Pl. 1. `gepolsterter Bügel aus Hartholz um den Hals von Zugtieren, der dem Kumt die feste Form gibt´. - 2. übertr. scherzh. `Ohren´; krigst glei a poaar hinder od. ver de Kummtleestn.

Kummtringl n. Obercunnersdorf `Ring am Geschirr der Zugtiere, durch den die Leine geht´.

Kumpe m. `Kumpan, Kamerad, Gefährte, Mitgefangener, Mitbewohner des Hauses´; in der Wendung minander Kumpe machn `etw. zu zweit bewerkstelligen´.

Kumpl m. `Kumpel´. 1. wie litspr. `Bergmann, Arbeitskollege unter Tage´. - 2. umg. `(guter) Freund, Vertrauter´.

Kumputt m. (Cunewalde, Steina) n. `Kompott: eingewecktes od. gekochtes Obst od. Gemüse als Nachtisch´; hinderhar goab´s ann Selleriekumputt.

Kumtur n. `Kontor: Büro, Geschäftszimmer, Verwaltung (von Kaufleuten)´; uff´m Kumture machn se sich ne su dreckch.

Kumturfetzl n. `junge weibl. Büroangestellte´; siehe Fetzl!

Kumviebchn n. Bihms Koarle, Schlesien `kleine Gesellschaft von Personen, die sich kennen und aufeinander eingestimmt sind; Zechbrüder, Mannschaft, Clique, verschworene Gemeinschaft´.

kuncheniern swv. Obercunnersdorf, Dürrhennersdorf `kujonieren: jmdn. (durch fortwährendes Kritisieren) plagen, quälen, schikanieren, tyrannisieren, jmdm. das Leben schwer machen, eine andere Ansicht haben u. streiten´; de Pfaare ließn´ch ne mih kuncheniern. Lautf.: kunscheniern.

Kundewitt(e) f. Süd- u. Westlausitz, Hinterhermsdorf `Witz, Verstand, Kenntnis, gutes Benehmen´; a bissl Kundewitt gekooft hoann; die hoann keene Kundewitte.

Kundfrooe f. Großschönau `Kundin, eine Bekannte´.

Kundleute Pl. Großschönau, öSüdlausitz, Ostlausitz `Kundschaft´, scherzh. `Bekannte´.

Kundmoan m. 1. Großschönau, öSüdlausitz, Ostlausitz, Bihms Koarle `Mann, der Kunde ist; ein Bekannter´. - 2. `Kumpan, Kerl, übler Bursche´.

Kundurf n. `Kundorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße´, poln. `Skrzydlice´.

kungln swv. selt. Ostlausitz, Schlesien `heimlich tauschen´. Lautf.: kingln

Kunks siehe Gunks!

Kunnerschdurf ohne Genus 1. `Spitzkunnersdorf (Ort der Gemeinde Leutersdorf im °GR)´; de Kunnerschdurfer `die Einwohner von Spitzkunnersdorf´. - 2. Jenke `Kunnersdorf auf dem Eigen (Ort der Stadt Bernstadt a. d. Eigen im °GR)´, auch Kunnerschdurf uff´m Eegn od. uff´m eegnsinnschn Kreese. - 3. `Kunnersdorf (Ort der Gemeinde Schöpstal im °GR)´. Siehe auch Cunnerschdurf!

Kunnt siehe Kummt!

kunscheniern siehe kuncheniern!

kunsterniert Adj. `konsterniert: bestürzt, fassungslos´; de Kechn guckte ganz kunsterniert a de Schissl.

Kunsum m. `Konsum: (zu DDR-Zeiten) Verkaufseinrichtung einer Konsumgenossenschaft´; iech hoa an Kunsum (1.Silbe betont) od. Kunsume (2.Silbe betont) ´n letzn Koastn Bier gekrigt.

Kun(t)sch m. dass. wie Kunze.

kuntra Adv. Bihms Koarle `kontra: entgegengesetzt, schief, quer´; ´s gitt kuntra.

Kuntusch m. öKürzung `lange, weite Frauenjacke; warmes Kleidungsstück für Frauen (u. Männer) anstelle der heutigen Mäntel´. Lautf.: Kuntusche f.

Kunze m. wSüdlausitz, Westlausitz 1.`verschnittenes männl. Schwein´. Siehe auch Birgl u. Burg! - 2. selt. `männl. Zuchtschwein´. Lautf.: Kunz wKürzung, Kun(t)sch Neulausitz.

Kupee n. `Coupe´. 1. `geschlossener zweisitziger Kutschwagen mit Fenstern, festem Vollverdeck u. erhöhtem Bock´. - 2. `Eisenbahnabteil´; is Nabmkupee is lär; die sitzn an Kupee-e.

kupeliern swv. `verheiraten, trauen, zusammenfügen, verbinden´; die senn noa benn aaln Pfoarrn kupeliert wurn. Lautf.: kupliern, kopliern öKürzung.

Kupp m. Dim. Keppl Pl. Keppe `Kopf´. 1a. `Haupt von Mensch u. Tier´; im Kupp machn `frisieren´; ann Kupps klenner; iech war´n Gutscher froin, ´n Kupp koann´s ne kustn; RA: de Oogn aus´n Kuppe guckn `neugierig sein´; de Oogn aus´n Kuppe flenn `viel und anhaltend weinen´. RA: Iech weeß ver Oarbeit ne, wu mer dr Kupp stitt. RA: De Kinder wachsn enn zu Kuppe `die Kinder werden groß´. RA: ´n Kupp oack zun Huhreschneidn hoann; RA: enn `n Kupp zeraajchte rickn `jmdn. zurechtweisen´; RA: ´s sitt aus wie uff´m biesn Kuppe `es sieht unordentlich aus´; Dickkupp, Lucknkeppl. - b. `der Kopf als Sitz der geistigen Fähigkeiten´;  Struhkupp `Dummkopf´; a Radl zu vill od. Struh an Kuppe hoann `dumm sein´; aus´n Oogn, aus´n Kuppe `aus den Augen, aus dem Sinn´; oalls mechte noa senn Kuppe gihn; die hoat ann Kupp `die ist stur´; RA: a Brat ver´n Kuppe hoann `aus Sturheit mit sich nicht reden lassen´; RA: War´sch ne an Kuppe hoat, hoat´s an Benn. RA: Iech bie wie ver´n Kupp geschloin `ich bin im Kopf nicht ganz richtig´. - c. übertr.; Fansterkupp Pfeifmkupp, Krautkupp, mdal. meist -heet od. -heetl. - 2. Toassnkupp, Keppl, Keppchl `(henkellose) Obertasse´. - 3. personifiziert `Mensch´; dr Moan vu menner Schwaster is a geschoiter Kupp `mein Schwager ist eine kluge Person´. Lautf. Koop Neugersdorf, öKürzung, Pfaffendorf; Kopp Westlausitz.

Kuppangst f. `Kopfschmerzen´. Lautf.: Koopangst.

Kuppbettl n. `Kopfkissen´; auch Heetbettl.Waajgn dann Huhrlacke bie´ch mit menn Bärschl oan Kuppbettl klabm gebliebm.

Kuppchn n. siehe Keppl!

Kuppe f. `Koppe: oberster Teil (eines Kopfes, eines Pilzes, einer Rübe od. eines anderen gewölbten Gegenstandes)´; Schniekuppe, Rutkuppe.

Kupper m. `Kottmar (583m hoher Berg im °ZI, auf dem sich die höchstgelegene Spreequelle befindet)´; Kupperwoasser `Wasser, das auf dem Kottmar entspringt´.

Kupper n. `Kupfer (Metall)´; Kupperdroht `Kupferdraht´, Kuppergeld.

Kupperhäuser Pl. `Kottmarhäuser (zum Ort Walddorf gehörender Ortsteil der Gemeinde Kottmar im °GR)´; die wohn an Kupperhäusern.

 Kupperschmiede f. `Kupferschmiede´.

Kuppheetl n. Verniedlichung von `Kopf, Haupt´.

Kupphille f. Westlausitz `Kopfhülle: wollenes Kopftuch (unterm Knie gebunden)´. Lautf.: Kopphille Westlausitz.

Kuppl f. `Koppel´. 1. `eingezäunte Weide (für Kühe u. Pferde)´. - 2. dass. wie Hoalskuppl. Lautf.: Kuppsl.

Kupplpelz m. in der Wendung ann Kupplpelz verdinn bzw. verdien `für das Verkuppeln etw. erhalten´.

Kupplsaak m. veralt. Obercunnersdorf, Lawalde `Koppelsack: Webersack; der auf dem Rücken getragene Fellsack der Handweber in der Oberlausitz´. Es war eine Art längerer Rucksack, der oben mit einem Lederriemen od. Bindfaden verschlossen wurde. Darin holte der Handweber die Webzutaten beim Unternehmer und brachte das fertige Gewebe zurück. Auch Kuppsl- od. Troislsaak.

Kuppmeese f. Großschönau `Haubenmeise (Parus cristatus L.)´, auch Keppl- od. Hernlmeese, Meesnkiench.

Kuppnuhß f. Dim. Kuppnissl Obercunnersdorf, Jonsdorf `Kopfnuss: eine mit den Fingerknöcheln verpasste schmerzhafte Drehung am Nacken oder Hinterkopf; Schlag od. Stoß auf den Kopf´. Lautf.: Koppnuss Westlausitz.

Kuppoarbeit f. `geistige Oarbeit´; stier miech ne, iech hoa Kuppoarbeit! Lautf.: Siehe Kupp u. Oarbeit!

Kupsl siehe Kuppl!

Kupslsaak (kurzes u) m. °ZI Ebersbach, sSüdlausitz `Kopfseilsack´, dass. wie Kupplsaak.

Kuppstick n. Dim. Kuppstickl (Neugersdorf) dass. wie Kuppnuhß; ehb´ch miech richtch besinn kunnde, hutt´ch a Kuppsticke hinne sitzn.

Kupptichl n. `Kopftuch: Tuch, das um den Kopf gebunden getragen wird´.

Kuppwäsche f. `Kopfwäsche: (gut gemeinte) Schelte, Zurechtweisung, Rede ins Gewissen´; auch: `n Kupp gewoaschn kriegn `durch Schelte jmdn. zur Vernunft bringen´.

Kuppwihtun n. °NOL Königshain `Kopfschmerzen´; iech hoa Kuppwihtun.

Kur siehe Chur!

Kuraasche (kurzes u, gedehntes a in zweiter Silbe) f. `Courage: Mut´. Lautf.: Kuroaasch Jonsdorf, Koaraasche, Koaroaasche, Kraasche Neukirch.

kuraasche (gedehntes a) Adj. Adv. Neugersdorf, Bihms Koarle `couragiert: beherzt, mutig´; ´n Hund kuraasche oaarädn, drei kuraasche Manner. Lautf.: koaraasche.

Kuraascher m. `couragierte, mutige, freche, kesse männl. Pers.´.

kurande Adj. Adv. 1. Obercunnersdorf, Neugersdorf `schnurstracks, ungefügig, widerspenstig, rechthaberisch, ungezähmt´. - 2. `agil, aufgeweckt, unternehmungsfreudig´; mei Bruder hoat anne Liebste, doaas is aber anne kurande!  - 3. `zahm, zutraulich, gefügig´; se woar goar ne zu koarande zu kriegn `sie war gar nicht in den Griff zu kriegen, zu beruhigen´. Lautf.: koarande, karande Oberlichtenau.

kurandern swv. Eibau, Großschönau dass. wie kuranzn.

kuranzn (kurzes oa) swv. Cunewalde, Burkau `wild, schnell, ziellos, geräuschvoll umherrennen od. -fahren; herumwirtschaften; agil, sehr lebendig sein´; rimkuranzn. Lautf.: koaranzn °ZI Ebersbach, öKürzung, kurenzn, koarenzn Jonsdorf, karanzn Oberlichtenau.

Kurb m. Dim. Kirbl, Kurbl, Kerbl, Karbl, Karwl, Koarbl Pl. Kerbe `Korb´. 1a. `aus ungeschälten od. geschälten Weiden geflochtenes Behältnis verschiedener Form u. Größe, mit oder ohne Henkel´; Kloammerkirbl, Spoankirbl; RA: ann Kurb kriegn `abgewiesen werden´. Spruch der Bauern beim Kartoffellesen: "Leute macht´n Buckl krumm, dermit de Abern a de Kirbl kumm!" - b. `mehr oder minder korbähnliches Flechtwerk, z.B. Bienenkorb´. - 2. übertr. `Bett´; Bischekurb; mach dch as Kirbl!

Kurbe od. Kurbl f. Steina, Oberlichtenau in der Wendung enn de Kurbe (Kurbl) lausn `jmdn. zurechtweisen´.

Kurbs siehe Kirbs!

Kurbvll m. `Korb voll´; a brengt ann Kurvll Ee-er mit. Lautf.: Kirbvll.

Kurbwaajnl n. `kleiner Korbwagen´. Lautf.: Kurbwanl, Kurbwarnl.

Kurenzl Pl. `große, meist nicht realistische Pläne, Illusionen, Mätzchen´. Lautf.: Koarenzl.

kurenzln (kurzes u) swv. `wild und ziellos rennen od. fahren, kutschieren´; rimkurenzln. Lautf.: koarenzln.

kurenzn siehe kuranzn!

Kuressn Pl. Cunewalde, Dittelsdorf `Späße, lustige Streiche, Albereien; Grimassen, Faxen; Kunststücke, sonderbare Sachen´; Kuressn machn. Lautf.: Koaressn Spitzkunnersdorf, Jonsdorf, Karessn Schirgiswalde.

Kuressl Pl. Niedercunnersdorf dass. wie Kuressn; mach oack keene sicke Kuressl vier! Lautf.: Koaressl.

kuressn (kurzes oa) dass. wie kuranzn! Lautf.: koaressn.

kuriern (kurzes oa) swv. `kurieren´. 1. `von einer Krankheit heilen´. - 2. übertr. `von einer (irrigen, abwegigen) Meinung od. Einstellung befreien´; dar roast ne mih, dar is kuriert. Lautf.: koariern Bihms Koarle.

Kurks siehe Gurks!

Kurmst siehe Kirmst!

Kurn n. Dim. Kernl, Karnl, Pl. Kerner, Karner `Korn´. 1. `pflanzliches Samenkorn´. a. ohne Pl. allgemein für `Getreide´. - b. `Roggen´; ´s Kurn stitt heuer gutt. RA: Kurn eifoahrn `viel essen´. - c. andere Samenkörner; Pfafferkurn. - 2. übertr. a. `kleines, festes Teilchen´; Saalzkernl, Sandkernl, Haglkurn, dar schoajßt mit Schrutkernln. - b. a Kernl Zucker `ein Stück Würfel- od. Kandiszucker´. - 3. Teil der Zielvorrichtung am Ende des Gewehrlaufes; RA: enn uff´s Kurn nahm `es auf jmdn. absehen´. - 4. Siehe Kurnschnaps!

Kurnäppl m. `Kornapfel: Apfelsorte, die etwa zur Zeit der Kornernte reif ist´, auch Weeseäppl.

Kurnblume f. `Kornblume (Centaureacyanus L.)´: Siehe auch Ziegebeen!

Kurnblutt f. `das Blühen des Korns (Roggen) bzw. Getreides, Gesamtheit der Blüten, Blütezeit des Getreides´; a de Kurnblutt hoat´s geschneit.

Kurnjak m. Südlausitz `Kognak: Weinbrand´; oan liebstn trink´ch ann Kurnjak, aber ´s is oack su teuer.  Lautf.: Kunjak.

Kurnpuppe f. `Kornpuppe: zum Trocknen u. Nachreifen aufrecht stehende Gruppe von (acht) Roggengarben auf dem Feld´.

Kurnsaajnze f. Ober- u. Niedercunnersdorf dass. wie Ristsaajnse. Lautf.: Kurnseinze Neusorge.

Kurnschnoaps m. `Kornschnaps: Kornbranntwein´.

Kurnspinne f. °BZ Sohland `Weberknecht (Phalangium opilio)´, langbeinige Spinnenart.

Kuroater m. `Kurator: Aufseher, Anleiter, Sachverwalter, Fachmann´.

kuroatern (gedehntes oa) swv. Ober- u. Niedercunnersdorf `kommandieren, hektisch Befehle erteilen bzw. ausführen´; rimkuratern. Lautf.: koaratern, kuratern, karatern Schirgiswalde.

Kursch (gedehntes u) m. Obercunnersdorf, Niederoybin `Kurs, Richtung´; woaas ann Kursch brengn `etwas zuerst ausgeben´; iech bie Kursch aus´n Waaldurfe gekumm.

Kursche (kurzes u) siehe Kirsche!

Kurte siehe Kirte!

kurtsch siehe kurz!

kurz Adj. kirzer od kirtscher, oan kirtschtn Gegensatz zu `lang´; RA: dreimol oabgeschnittn und immer noa zu kurz; RA: Verstand wie a Ziegeschwänzl, kurz und beschissn; anne kurze Räde haaln. Lautf.: kurzsch (alte Form) Südlausitz, Neukirch, Steina, Nordböhmen; kutsch Neukirch, kortsch Ohorn.

kurzim Adv. `kurzum´. Lautf.: kurzschim.

kurzpfutch Adj. `kurze Beine besitzend und dabei sehr agil´. Lautf.: kurtschpfutch.

kurzsch Adj. `kurzig´, siehe kurz!

Kussl n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Küsschen´. 

Kusslguschl n. Oderwitz `Mund der Liebsten, den man gern küsst; spitzgemachter roter Mund, der zum Küssen auffordert´; se soatzte anne Loarve mit ann klatschrutn Kusslguschl uf. Auch Schmoatzguschl.

Kussn `Kosma´, bis 1945 zum Kreis Görlitz gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Kozmin´.

Kustebissl n. Niedercunnersdorf, Altbernsdorf, Wittgendorf, Girbigsdorf `Kostprobe: ein Stückchen zum Kosten´. Lautf.: Kustbissl.

Kustebrinkl n. Waltersdorf dass. wie Kustebissl.

Kusteplatzl n. Eibau `frischgebackenes Plätzchen zum Kosten´; doarf´ch mer a Kusteplatzl nahm?

Kustgänger m. `Kostgänger´. 1. `Pers., die für ihre Arbeit statt Lohn Essen erhält bzw. die nur wegen des Essens irgendwo beschäftigt ist´; Kustgängerprädcht `erst um 10.00 Uhr beginnende sonntägliche Morgenandacht ´. - 2. `Pers., die über das Wohnen zur Miete oder die Schlafstätte hinaus vom Hausherren oder Hauptmieter auch noch verpflegt wird´.

Kustgeld n. `Kostgeld: ein Entgeld für die Verköstigung und für Wohn- und Wäschekosten einer Person´; iech hoa menner Froon is Kustgeld gestrichn. Lautf.: Kustgald, Kustgaajld.

kustn swv. trans. `kosten: den Geschmack von etw. mit den Sinnesorganen feststellen´.
kustn swv. intrans. `kosten: den Preis in einer best. Höhe haben´; woaas doaas wieder kust! Is wird ne de Walt kustn. `Das wird wohl bezahlbar sein´.

Kutschpfard n. Dim Kutschpfardl, -fardl `Kutschpferd´. 1. wie litspr. - 2. im Dim. a. Frankenthal, Nieder Neundorf `Echter Sturmhut (Aconitum Napellus L.)´. - b. °ZI Ebersbach `Garten-Rittersporn (Delphinium Ajacis L.)´.

Kuttch m. abwert. Wehrsdorf, Steinigtwolmsdorf `altes Kleidungsstück´.

Kutte f.. `(abgetragene), weite, dicke Jacke aus grobem Stoff´, auch `Arbeitskittel, -bluse´.

Kutterschdurf ohne Genus `Kottmarsdorf (Ort der Gemeinde Kottmar im °GR)´; de Kutterschdurfer `die Einwohner von Kottmarsdorf´; de Kutterschdurfer Windmihle.

Kuttl m. f. n. (meist Pl.) Pl. auch Kuttln 1. `Pansen u. Eingeweide des Schlachtviehs´. - a. `Nieren, Leber, Milz´, gerne sauer gegessen. - b. `Rindermagen´. - 2a. `Pferdekot, Pferdeapfel´; Pfarkuttl. - b. `Kuhfladen´. - c. `großer Stein od. Klumpen, Findling´; Kuttlsteene; Steenkuttl; woaas liegn oack do fer gruße Kuttl rim? - d. `unförmige Klumpen, Batzen aus Erde, Schnee oder einer anderen Masse´; Dreckkuttl, Schniekuttl. Lautf.: Kottl Westlausitz.
Kuttl n. Dim. von Kutte 1. `(abgetragener) den weibl. Oberkörper verdeckender Arbeitskittel; (weite, hemdenähnliche) Arbeitsbluse´. - 2. `(abgetragene), weite, dicke Jacke; Sackjacke für Mädchen und Frauen´. Vgl. Saakkuttl. Lautf.: Kottl Westlausitz.

Kuttl-Muddl n. `Wirrwarr, Durcheinander´.

Kuttlch m. 1a. um Zittau `Person, die viel trinkt´. - b. Oberlichtenau `unsaubere, nachlässig gekleidete, liederliche männl. Pers.´ - 2. Jonsdorf, Wehrsdorf `großer, unförmiger Stein´; Feldkuttlch.
Kuttlch m. n. Weifa, Burkau `(altes, abgetragenes, weites) Anziehzeug´; du hoast ann Kuttlcht oaa od. oanne. Lautf.: Kuttlcht, Kottlcht Westlausitz.

kuttlch Adj. 1. °ZI Ebersbach, Großschönau `übel im Magen´; do kunnt´ch enner kuttlch droaa assn `essen, bis nichts mehr hineingeht´. - 2. `dreckig, schmutzig, klumpig, weich, aus Kot bestehend´; a kuttlches Gelumpe. - 3. `zerzaust, unordentlich (Kleidung)´. Lautf.: kuttlcht, kudlch, kottlch.

Kuttlflecke Pl. Dim. Kuttlfleckl `zum Verzehr bestimmte Innereien (zumeist des Rindes) u. daraus zubereitete Speise´. Meist nur Flecke gesagt; zu Mittche gibbt´s siss-sauer Kuttlflecke; Kuttlflecklsuppe. Vgl. Geschlinke u. Gekreese

Kuttlfritze m. `Trinker, Säufer´; de Kuttlfritzn soaßn bis frih im viere a dr Laube. Lautf.: Kottlfritze Pulsnitz.

Kuttlhof m. veralt. Ostlausitz, Schlesien `Schlachthof´.

Kuttljacke f. `einfache Jacke aus grobem Stoff zum Überziehen´.

Kuttl-loaasche f. abwert. Burkau `Kleidung: Anziehzeug, Gesamtheit der Kleidungsstücke für beide Geschlechter´; ich muss derno deine ganze Kuttl-loasche wieder woaschn. Lautf.: Kuttl-laasche.

kuttln swv. 1. `Pferdekot machen´. - 2. `herumtreiben auf schmutzigen Stellen´; an Drecke rimkuttln. - 3. Südlausitz `(mit großen Schlücken hastig) trinken´; auskuttln, reikuttln, du sullst de kaale Limnoade ne su runderkuttln! - 4. Steinigtwolmsdorf `langsam arbeiten od. laufen, trödeln´. Lautf.: kottln.

Kuttlpeff m. Wittgendorf `Tollpatsch, dümmlicher Kerl; Pers., die das Pulver nicht erfunden hat´.

Kuttlpfloaster n. Neugersdorf, Seifhennersdorf `Katzenkopfpflaster, Kopfsteinpflaster´.

Kuttlsteen m. Obercunnersdorf, Jonsdorf `größerer, unförmiger Stein´; gebräuchlicher: Steenkuttl.

Kutze f. veralt. `Kotze: (dicke) Decke, Decke zum Schlafen, Pferdedecke´. Zur Kette wird meist Baumwollgarn und zum Schuss ganz dickes, aus grober Wolle bestehendes Streichgarn verwendet.

Kuze (gedehntes u) f. Ostlausitz, Schlesien `schlimmer Husten (mit Aushusten von Schleim)´; de Kuze kriegn. Lautf.: Kutze, Kutz m.

kuzn (gedehntes u) swv. Ostlausitz, Schlesien `(Speichel) husten´; de Koatze kuzt; hiel de Hand ver de Gusche benn Kuzn! Lautf.: kutzn.