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  1. I

Ib

i Interj., Gefühlsregungen des Ekels u. der Ablehnung bekundend; i wu! °NOL Königshain, i wu dn! I wu dn har! `Ach wo! Aber nein! Keineswegs!´ I nee! `Nur nicht!´ I woaas´n? I Gutt behitte!

ib siehe ihb!

ibb siehe ebb!

ibbch siehe ubbch!

Ichsl (gespr. Icksl) siehe Uchse!

ieber 1. als Adv. a. wie litspr. `mehr als´; iech bie schunn ieber achtzn. - b. wie litspr., mit vorgestelltem Akk. `während´; de Wuche ieber bie´ch a Drasn. - 2. als Adv. woaas ieber senn `etw. satt haben, einer Sache überdrüssig sein´; iech bie dr Nudln ieber wurn. - 3. enn ieber senn `jmdn. (geistig, moralisch, standesgemäß) überlegen sein, von höherem Stande sein´; luss de Pfutn vu dr Barbl, die is dir ieber. - 4. als Adverbialpartikel in festen u. unfesten Verbzuss.; ieberfrassn, ieberschnoappm. - 5. als Präp. mit Dat. u. Akk. a. wie litspr. lokal; ´n Strump iebern Kupp ziehn, iebersch Assn harfoalln, iebern Kraatschn gihn `den Kretscham beim Gang mit einbeziehen´. - b. abweichend von der Litspr. ieber enn woaas soin `zu jmdm. etw. sagen´. - c. mit Akk., wie litspr., zur Bezeichnung einer Reihenfolge, einer Rangordnung; ´s gitt nischt ieber sauer Abern. - d. mit Akk., wie litspr., zur Bezeichnung des Inhalts, Themas einer Äußerung; iech suche a Bichl ieber de Äberlausitz. - e. ieber woaas `worüber´; ieber woaase hoast´n geredd? - f. mit Akk., in Abhängigkeit von best. Verben; iech kennt miech ieber das Raaf vu ann Weibe dereschern. - g. zwischen zwei gleichen Subst. stehend, wie litspr., zur Bezeichnung einer Anhäufung; iech hoa zun Geburtstage Blum ieber Blum gekrigt. - h. mit Akk., temporal, wie litspr., für die Bezeichnung des Ablaufes einer Zeitspanne; montch ieber acht Tage kumm´ch wieder heem; se loag Leiche ieber´n Sunntch; ieber´n andern Tag `übermorgen´. - i. mit Dat. eine Tätigkeit gerade ausführen, wobei das Verb substantiviert wird; iech bie ieber´n Lasn `ich lese gerade´; kinn mer ne a zahn Minutn irscht assn, iech bie groade ieber´n Mäuern `können wir nicht zehn Minuten später essen, ich mauere zur Zeit´. Lautf.: iewer Westlausitz.

Ieberbeen n. `Überbein: verhärtete Sehnengeschwulst an einem (Hand-)gelenk´; se striech de Ieberbeene weg. Lautf.: Iewerbeen Westlausitz.

ieberch Adj. `übrig´. 1. wie litspr. `noch (als Rest) vorhanden, restlich´; iech brauch oack zwanzch Pflaum fer de Pflaumkließl, de ieberchn koannst dr mit heemnahm. War ne kimmt zer raajchtn Zeit, dar muss sahn, woaas ieberch bleibt. RA: `etw., jmdn. (nicht) mögen´; dar hoat fer de Kinder nischt ieberch. - 2. `überflüssig, unnötig´; iech bie derheeme oack ieberch; ´s Kurn is ieberch reif. Lautf.: iewerch Westlausitz.

ieberdrissch Adj. `überdrüssig, jmd. empfindet Widerwillen gegenüber einer Person, einer Sache; jmd. hat jmdn., etw. satt´; iech bie dan aaln Sifflch ieberdrissch. Lautf.: iewerdrissch Westlausitz.

ieberecke Adv. `drüber und drunter´; ´s gitt bunt ieberecke. Auch ieber Ecke.

iebereene Adv., nur präd. u. adv. `übereins; miteinander einig sein, werden´; mir kumm ne iebereene `wir kommen nicht klar miteinander, wir werden uns nicht einig´. Lautf.: iewereen(e).

ieberees Adv. dass. wie iebereene.

ieberfrassn stv. refl. `zu viel fressen od. essen´; iech hoa miech zu Weihnachtn ieberfrassn. Lautf.: iewerfrassn Westlausitz.

ieberhand Adv. veralt. dass. wie ieberhandsweiln; a koam ieberhand eis Purzln.

ieberhandsweiln Adv. veralt. °ZI Ebersbach `zuweilen, öfters einmal, ab und zu, hin und wieder, in kurzen Zwischenräumen, binnen kurzem, häufig´, a kimmt ieberhandsweiln amol ba uns verbei.

ieberhiern sww. `überhören´. 1. wie litspr.; `mit den Ohren nichts wahrnehmen´; dar ieberhirrt nischt `der hört alles´. - 2. `abhören, hören und auf Richtigkeit prüfen´; soi amol doaas Varrschl uf, iech war dch ieberhiern. Lautf.: Siehe hiern!

Ieberkährcht f. Obercunnersdorf, Cunewalde, Neusorge `Überkehre: grober Abfall beim Dreschen´. Lautf.: Ieberkähre wSüdlausitz, Iewerkähre Westlausitz, Ieberkihrcht. Vgl. Spräh!

ieberkumm stv. `überkommen´. 1. ` gegen den Willen kommen, übermannen´; oan Groabe is es dr Schwaster ieberkumm, und se hoat Rutz und Woasser geflennt. - 2. `überstehen, verdrängen, vergessen´; dan grußn Schreck hoat se hoalberwaajge ieberkumm.

ieberlän swv. `überlegen: nachdenken´. Lautf.: iewerlän bzw. iewerleen Westlausitz.

ieberlee Adj. Adv. 1. `übrig, übriggeblieben´; mer bleeb nischt andersch ieberlee; doaas ieberlee´e Assn; de ieberleen Sachn. - 2. `überflüssig, unnötig´; doaas is oalls oack ieberlee Geritze; gih heem, du bist oack ieberlee. Lautf.: iewerlee Westlausitz, ieberlä (gedehntes ä) Burkau, Oberlichtenau, Hinterhermsdorf.

ieberloofm (Betonung auf der 1.Silbe) stv. `überlaufen: über einen Gefäßrand hinweg laufen´; dr Eemer leeft ieber. Lautf.: iewerloofm Westlausitz.

ieberloofm (Betonung auf 3.Silbe) stv. 1. in der Fügung ´s ieberleeft miech `ich bekomme (vor Schreck, Kälte) eine Gänsehaut, mich befällt ein Schauer´. - 2. söSüdlausitz `überholen, an jmdm. mit großer Geschwindigkeit vorbeilaufen, -fahren´; deine Mutter hoa´ch groade ieberloofm. Lautf.: iewerloofm Westlausitz.

iebermeenchn swv. 1. refl. Süd- u. Ostlausitz `sich (körperlich, geistig) überanstrengen, überarbeiten, übernehmen´; iech hoa miech benn Steckerodn iebermeencht (Südlausitz) od. iebermenncht (Westlausitz). - 2. `überwältigen, besiegen, übermannen´; dr Hunger hoat´n iebermeencht, und a hoat gegassn. Lautf.: iebermennchn Cunewalde, iewermähnchn Steinigtwolmsdorf, Burkau, iewermennchn bes. Westlausitz, iebermänign Ostlausitz.

iebermurne Adv. `übermorgen´.

iebernahm (3. Silbe betont) stv. `übernehmen´. 1. wie litspr. `(ein Bauerngut, ein Geschäft) von den Vorfahren, Vorgängern in Besitz od. Verwaltung nehmen´. - 2a. siech iebernahm wie litspr. `über seine Kräfte gehen, sich überanstrengen´. - b. siech iebernumm hoann `über seine finanziellen Mittel gegangen sein´. Lautf.: iewernahm Westlausitz.

ieberoal(e) (gedehntes oa) Adv. `überall´; ieberoal hie. Lautf.: ieberoall, ieweroall Westlausitz.

ieberrädn unregelm. V. `überreden: jmdn. durch langes Reden von seiner Meinung od. seinem Anliegen überzeugen´; iech wullde goar ne, aber a hoat miech ieberredd.

Ieberrickl n. veralt. `Überrock: mit einem Loch in der Mitte versehenes, gedrechseltes Holz am Spinnrocken, um das der Flachs gewickelt wird´. Lautf.: Ieberreckl.

ieberricks Adv. `überrücks: über dem Rücken, hinter dem Rücken, nach hinten (geneigt)´; de Nubberschfrooe gitt schunn ieberricks `die Nachbarin neigt ihren Oberkörper schon nach hinten, sie ist schwanger´.

iebersahn stv. `übersehen: etw. nicht sehen, nicht bemerken´.

ieberscheinch Adj. Großhennersdorf, °ZI Kemnitz `überscheinig, schattig: am Nordrand, in Schattenlage gelegen´; die diche Wiese toogt ne vill, die is ieberscheinch.

ieberschittn unregelm. V. `überschütten: überhäufen, eindecken, konfrontieren´; mdal. jmdn. mit etw. überschütten; se hoann se mit Geschenkn ieberschutt.

ieberschloin Adj. (meist präd.) `überschlagen: leicht angewärmt´; iech mach ann Husch a de Stube, dermit´s a bissl ieberschloin is. Lautf.: ieberschloan Seifhennersdorf, ieberschloarn Zittauer Gebirge, iewerschloarn Westlausitz, ieberschloon Schirgiswalde.

ieberschnoappm swv. `den Verstand verlieren (vor Eitelkeit, Hochmut), verrückt sein´; tu se oack ne su lobm, die wird noa iebergeschnoappter. Lautf.: iewerschnoappm Westlausitz.

ieberständch Adj. Adv. `überständig´ 1. `zu alt zum Verpflanzen (von Jungpflanzen, überreif (meist von Getreide, das wegen langen Regens nicht gehauen werden konnte)´. - 2. `überfällig, über die Zeit hinaus´; mei Luhn is ieberständch; de ieberständche Gruße vun Nubber is ausgezoin `die älteste Tochter vom Nachbarn, die vom Alter her schon lange einen Partner haben müsste, ist ausgezogen´; die is ieberständch `die geht über die Zeit schwanfer´. Lautf.: iewerständch Westlausitz.

ieberstihn stv. `überstehen´. Konjug. u. Lautf. siehe stihn!

ieberwinn stv. `überwinden: mit einer seelischen Belastung fertig werden, verkraften, überstehen´; die hoann´s immer noa ne ieberwunn bzw. iewerwungn. Lautf.: iewerwingn, ieberwingn Pulsnitz.

ieberwoalln swv. verstr. `überwallen: etw. nur ganz kurz u. wallend kochen lassen´; ´n Blumkohl tun mer oack ieberwoalln.

Ieberzieher m. `Überzieher´. 1a. `Mantel´. - b. hilzerner Ieberzieher `hölzerner Überzieher: Sarg´. - 2. `Kondom´. Lautf.: Iewerzieher `Westlausitz´.

ieberziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `überziehen´. 1. (Betonung auf ziehn) `mit frischer Bettwäsche versehen´; de Mutter hoat de Bettn ieberzoin. - 2. Niedercunnersdorf (Betonung auf ziehn) `verhören, befragen, mit Fragen überziehen´; dann Jungn war´ch ieberziehn. - 3. (Betonung auf ziehn) `Zeit oder Konto überschreiten´; dr Meester hoat seine Räde im fimf Minutn ieberzoin. - 4. (Betonung auf ieber) `überstreifen, mit einem Überzug versehen, schnelles Anlegen der Oberbekleidung; drüberziehen eines Mantels, einer Jacke od. Schutzkleidung´; ba su ann Sauwater zoigst dr de Raajnkutte ieber! - 5. (Betonung auf ieber) in der Wendung enn eene, ees, a poaar ieberziehn `(mit einer Peitsche, Gerte) auf jmdn. einschlagen´; a hoat´n Pfaard eene iebergezoin. Lautf.: iewerziehn Westlausitz.

iebl Adj. Adv. `übel´. 1. wie litspr., bezogen auf das Wohlbefinden `elend, unwohl, Brechreiz verspürend´; iech muss a de frische Luft, mir is ganz iebl. - 2. bezogen auf (Charakter)eigenschaften, Vorgänge, Handlungsweisen, `schlecht, niederträchtig, gemein´; doaas is a iebler Karle, sei neues Maajdl is ne ganz iebl `seine neue Freundin ist nicht ganz schlecht´. Lautf.: iewl Westlausitz.

ieblnahm stv. `übel nehmen´; nimm mer´sch oack ne iebl! Lautf.: iewlnahm Westlausitz.

ieblnahmsch Adj. `zum Übelnehmen neigend, leicht verletzbar, überempfindlich, leicht zu kränken, nachtragend´; bie oack ne su ieblnahmsch und hier uf zu tickschn! Lautf.: iewlnahmsch Westlausitz.

iech Personalpron. der 1. Person Sg.; Nom. betont: Immer iech muss dobleibm! "War kimmt´n mit?" "Iche!"; Nom. unbetont: Doaas hoa´ch ne gewusst!; Dat. betont: Kumm oack zu mir! Mir nischt, dir nischt; Dat. unbetont: Kumm mer oack ne ufgezoin! Koannst mer´sch gleebm! `Du kannst mir es glauben!´; Akk. betont: Meenst de miech? (Süd- u. Ostlausitz), meenst de mich? (Westlausitz); Akk. unbetont: Du hoast mich beschissn!

Iefchl, Iefl siehe Ufm!

iezch Adj. Ohorn, Burkau `unruhig, aufgebracht, bösartig (Pferde)´; de Stutte is iezch.

Ifl siehe Ufm!

iftersch (1. Silbe kurz) siehe eftersch!

Igl m. `Igel: Eisengestell mit vielen Zinken, um das Unkraut zwischen den Furchen zu beseitigen und die Erde aufzulockern´.

igln (gedehntes i) swv. `igeln: mit dem Igel den Boden in den Kartoffel- od. Rübenfurchen auflockern und das Unkraut beseitigen´; Abern igln.
igln (gedehntes i) swv. refl. `sich räkeln, alle Viere von sich strecken und nichts tun´; siech a dr Sunne igln.

ihb Konj. smSüdlausitz, Ostlausitz `ehe, bevor, bis´; RA: Ihb ´ch dar eemol imdräht, bie´ch zahnmol fartch. Lautf.: ehb nSüdlausitz. Lautf.: ibb, ebb.

iher Adv. `eher´. 1. `früher, vorher´; kumm oack besser fimf Minutn iher! - 2. `vielmehr, schon eher´; geschoiter is dar ne gewurn, iher dimmer. - 3. oan ihstn `am ehesten: am leichtesten, am schnellsten, am besten´; an Wirtshause vergisst ees sei Harzeleed oan ihstn. Lautf.: eher; ihnder °ZI Ebersbach, ihre Oderwitz, sSüdlausitz, ihger nwSüdlausitz, Westlausitz; ähnder Neukirch, ehern mOstlausitz, ehnder Schirgiswalde, Ostlausitz, Schlesien.

ihnder siehe iher!

Ihr n. Südlausitz `Öhr´ 1. `Nadelöhr´; Nodlihr; findst´s Ihr(e)? - 2. übertr. `Öffnung an eisernen Geräten (z.B.: Schaufeln, Hacken, Beilen, Heu- und Mistgabeln, Sensen, Jauchenschöpfer), in die der Holzstiel getrieben wird´. Lautf.: Ihre n., Ähr n., Ihre od. Iähre f., im Dim. Ihrl.

ihr 1. Personalpron. 2. Pers. Pl.; Nom. betont: Die Luderbeene, doaas sedd ihr gewast! Nom. unbetont: Kummt´r murne? Macht, woaas dr (mit eingeschobenem d) wullt! Dat. u. Akk. betont: Mer kumm hinte zu euch! Dat. u. Akk. unbetont: Hoat´r´ch reigefunn? `Habt ihr euch hereingefunden?´ Schloit´ch oack! `Schlagt euch nur!´. - 2. als höfliche Anrede; sedd´r schunn uff´m Schissn gewast? `Sind Sie schon auf dem Schützenfest gewesen?´

ihrber siehe erber!

Ihrchl n. siehe Ihrlch! Auch Zwickihrchl Seifhennersdorf.

Ihre f. `Ehre´. 1. `Wertschätzung durch andere Menschen, Ansehen´; ´n saalchn Grußvoater wull mer a Ihrn haaln; enn de letzte Ihre oaatun `an jmds. Beerdigung teilnehmen´. - 2. Niedercunnersdorf `Dank´; hoann´s oack schiene Ihre! `Haben Sie nur schönen Dank!“ Die Leutersdorfer sprechen den Satz "Hoann´s oack schinn Ihre" als ein Wort aus.

ihre siehe iher!

Ihrlch m. msSüdlausitz, msOstlausitz `Öhrling: Ohrwurm, Ohrenzwicker´, auch Zwickiihrlch. Lautf.: Ihrdlch, Ihrlich, Ihrlicht Niedercunnersdorf, Ärlch, Ährlich; Ihrchl n. um °ZI Ebersbach, Ihrdl Nordböhmen.

ihrlch Adj. Obercunnersdorf, Neugersdorf `ehrlich; wahrheitsliebend, redlich´. Lautf.: ihrlich.

ihrn swv. `ehren´; war de Eldern und de Heemte ihrt, is dr Schlaajchste ne.

Ihrnjumpfer m. `Ehrenjungfrau: unverheiratete junge weibl. Person, die mit anderen das Ehrengeleit des Brautzuges bildet, z.B. Brautjungfer, Züchtjungfer´; de Ihrnjumpfern hoann a Kranzl uff´m Heete.

Ihrnmol n. `Ehrenmal´.

Ihrnpustn m. `Ehrenposten´.

Ihrnspfurte f. `Ehrenpforte´. 1. `für einen würdigen Empfang aus Baumstämmen und Reisiggirlanden bestehende Pforte (am Eingang des Dorfes)´; zer 750-Juhr-Feier vu unsn Durfe hoann se vier Ihrnpfurtn ufgestellt. - 2. `Hauseingang mit umwundener Girlande aus Fichtenreisig, Buchsbaum od. anderen grünen Zweigen (mit Glück- od. Willkommensgruß) zur Hochzeit´. Lautf.: Ihrnpfurte Cunewalde, Ihrnfurte, Ehrnfurte.

Ihrntag m. `Ehrentag: Jubiläum, Hochzeitstag, Geburtstag, Muttertag´; die huttn senn Ihrntag ne vergassn.

Ihrnwuhrt n. `Ehrenwort´.

ilfe `elf´.

illern swv. umg. `heimlich, verstohlen gucken´.

Ilster m. n. selt. veralt. Südlausitz, Nordböhmen, Schlesien `Iltis´. Lautf.: Elter m., Ilk m. Cunewalde, Iltnis Anton, Eltnis n..

im `um´. 1. als Präp. mit Akk. a. wie litspr., lokal (häufig in Korrelation mit rim); iech loofe im´s Haus (rim), im Kupper (rim) gibbt´s schiene Maajdl. - b. übertr., abweichend von der Litspr. `was ... betrifft´; du sist necksch im de Ogn (rim) aus! - c. wie litspr., temporal, zur Bezeichnung eines genauen Zeitpunktes iech bie im (a) dreie as Bette gekumm. - d. wie litspr., temporal (fast immer in Korrelation mit rim), zur Bezeichnung eines ungefähren Zeitpunktes; im Ustern (rim) is is ufte weiß. - e. wie litspr., Bezeichnung eines regelmäßigen Wechsels; eene Nacht im de ander `jede zweite Nacht´; ees ims ander `reihum, der Reihe nach´. - f. zur Bezeichnung eines Wertes, eines Kaufpreises `für´; dar schindt anne Laus zahnmol im a poaar Pfennge. - g. kausal, abweichend von der Litspr. `wegen´; ´s is mer ne im de Pfennge `es geht mir nicht ums Geld´. - h. wie litspr., in Abhängigkeit von best. Wörtern: Se macht ann grußn Sums im ihr Exom; im´s Geschenk kumm. - i. in Verbindung mit woaas `worum´; im woaas zankt´r´ch´n? `Worum zankt ihr euch denn?´. - k. in festen Fügungen; im Gutts willn. - 2. als Adv. a. wie litspr., meist in Korrelation mit de u. rim `ungefähr´; iech bie im de zahn Kilometer rim gefoahrn. - b. wie litspr. in Verbindung mit senn/sein `vorbei, vorüber, fällig´; dr Urloob is murne im, ´s Luhn is im. - 3. als Adverbialpartikel in festen u. unfesten Verbzuss., wobei im- verschiedene Bedeutungen hat; imrihrn, imguckn, imdrähn, imschmeißn, imbuttern, imkumm. Lautf.: em (kurzes e) u. emme beide Westlausitz.

im a Ringk siehe Ringk!

imaringk siehe Ringk!

imackern (1.Silbe betont) swv. `das Erdreich (um)pflügen´; de Wildschweine hoann wieder ´n hoalbm Buhsch imgeackert.

imbändch Adj. `unbändig´. 1. `wild, nicht zu bändigen´. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird. a. bei V. u. Adj. `sehr´; doaas hoat miech imbändch gewurmt; dar hoat imbändch gruße Pfutn. - b. bei Subst. `groß´; anne imbändche Freede droaa hoann. Lautf.: imbändcht.

Imber m. siehe Ingber! `Ingwer´.

imbinn stv. `umbinden´; anne Schirze imbinn. Lautf.: imbingn West- u.nmOstlausitz.

Imbogn m. Schirgiswalde, West- u. Ostlausitz `Umweg´.

imbrengn unregelm. Verb 1a. wie litspr. `jmdn., sich ums Leben bringen´. - b. Dittelsdorf ´n Oarm imbrengn `den Arm verrenken´. - 2. übertr. `einer Sache ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit widmen´; wenn de Huchn kumm, brengt´ch dr Chef baale im a dr Foabricke.

imbuttern swv. `etw. (gründlich) verändern, ändern´.

imdrähn swv. `umdrehen´ 1. trans. a. `herumdrehen´; RA: Iech kennt´n ´n Hoals imdrähn. - b. `wenden, umkehren´; mit´n Auto imdrähn. - 2. refl. `sich umdrehen´; wenn doaas dei Voater wisste, dar tät´ch noa an Groabe imdrähn. - 3. `umwenden; die unten, innen liegende Seite nach oben, außen bewerkstelligen´.

imfamcht Adj. `infam: ehrlos; niederträchtig, schändlich´. Lautf.: imfamch, infamch(t); a imfamchter Racker.

Imgangk m. `Umgang´. 1. `Ausflug, bei dem sich nicht allzu weit vom Ausgangspunkt entfernt und wieder zurückkehrt wird; in der Volkssage Ausflug (eines Straftäters) um einen Bannfleck´; zu Gehoanne hoat dr Reiter ohne Kupp wieder senn Imgank `in der Johannisnacht spukt der Reiter ohne Kopf wieder´. - 2. `ein Arbeitsvorgang hin u. zurück (z.B. beim Eggen, Pflügen, Säen) auf dem Feld´; ann Imgank ägn (eggen).

Imgebinde n. `Umgebinde: um die ebenerdige Blockstube herumlaufende hölzerne Stützkonstruktion für das Ober- od. Dachgeschoss vieler Oberlausitzer Häuser, wobei die Säulen nie vor den Erdgeschossfenstern stehen´, auch Imschrut.

Imgebindehaus n. Dim. Imgebindehäusl `Haus mit Umgebinde´.

imgeschutt Adj. (eigtl. Part. Prät zu imschittn) `umgeschüttet, umgekippt, am Boden liegend, körperlich am Ende, unbrauchbar´; mit sibbzch is ees lange noa ne imgeschutt.

imgihn (Betonung auf der 2.Silbe) unregelm. V. wie litspr. `umgehen´; iech muss de Schwiegermutter mitnahm, doaas lässt´ch ne imgihn.

imgihn (Betonung auf der 1.Silbe) unregelm. V. 1a. wie litspr. `im Umlauf sein, kursieren´; de Staupe gitt wieder im. - b. ´s gitt im `sich fortbewegen (von Straftätern) von einem Bannfleck, wobei es spukt und nicht geheuer ist´; a dr Neujuhrschnacht gihn uff´m aaln Kirchhofe de Gescheeche im. - c. `laut u. ausgelassen sein, herumtoben´; ihr sullt ne su uff´m Äberbodn imgihn! - 2a. wie litspr. mit woaas imgihn `etw. od. jmdn. (in best. Weise) handhaben, behandeln´; wie gist´n du mit´n Leutn im? RA: imgihn dermit wie dr Pfoarr mit´n Sunntche `mit etw. leichtfertig und robust umgehen´. - b. `von einem Leiden betroffen sein´; woaas de Kleene su ninglt, die wird mit´n Zänn (od. Zähn) imgihn.

imgleckn swv. `steif u. schwerfällig umfallen´; dr Lichtmoastn is oack su imgegleckt ba dann Water.

imguckn swv. refl. `umgucken´ 1. wie litspr. `sich umsehen; sich umschauen; herumgucken, um sich einen Eindruck zu verschaffen´. - 2. übertr. in der Fügung sich imguckn `sich wundern, unangenehm überrascht sein, bittere Erfahrungen machen´; wenn´n de Frooe furtleeft, wird´r´sch aber imguckn.

imhie Adv. `umhin: beiläufig, nebenbei´; a meente su imhie. Lautf.: imhin Westlausitz.

imkehrn (gespr. imkährn) unregelm. V. wie litspr. `umkehren: kehrtmachen, den Rückweg antreten´; uff dr Kippe bie´ch imgekuhrt Obercunnersdorf, imgekoahrt Eibau od. imgekehrt Girbigsdorf. Konjug. siehe kehrn!

imkeppm swv. `umkippen´. 1. `das Gleichgewicht verlieren und umschlagen; iech bie imgekeppt `ich bin umgefallen´, iech hoa imgekeppt `ich bin mit dem (voll beladenen) Wagen umgekippt´. - 2. `klein beigeben, rückfällig werden, wankelmütig werden´; dar Scheißkarle is benn Birgemeester imgekeppt. Lautf.: imkippm.

Imkleedche f. `Umkleidekabine´; de Mutter stuppte miech a de Imkleedche.

imkrempln swv. `umkrempeln´. 1. `etw. wenden´; ´n Saak imkrempln `die Innenseite des Sackes nach außen wenden´. - 2. enn od. woaas imkrempln `jmdn. zu einer anderen Meinung umstimmen, jmdn. od. etw. von Grund auf verändern´.

Imkuhrche f. `Umkehrung. Umkehr, Abweisung´, in der Fügung de Imkuhrche huln `umkehren, (von einer best. Stelle aus) den Rückweg antreten´, u. zwar wird dabei der urspr. geplante Weg ein wenig verlängert; wu hoat ´r ´n de Imkehrche gehult? `Wo seid ihr denn umgedreht?´. Lautf.: Imkoahrche, Imkehrche (gespr. Imkährche).

imkumm stv. Konjug. siehe kumm! `umkommen´. 1. wie litspr. `ums Leben kommen´. - 2. `nicht verbraucht werden u. deshalb verderben (Speisen u. Getränke)´; asst oack oalls uf, dermit nischt imkimmt!

Imleefer m. `Umläufer: Nagelbettvereiterung´.

immachn swv. `ummachen: (Bäume) fällen´.

immer Adv. 1. wie litspr. - 2. `(inzwischen) schon, bereits´; fangn immer oaa, iech kumme glei! Lautf.: emmer Westlausitz.

immerfurt Adv. `immerfort: ständig, immerzu´.

immodln swv. dass wie imkrempln.

Imnahmche f. dass. wie Imnahmetuch.

Imnahmetuch n. Dim. Imnahmetichl `Umnehmtuch´. 1. `Regentuch od. Trauertuch, das bis um 1800 zur Oberlausitzer Volkstracht gehörte´. - 2. `Schultertuch, Brusttuch, Busentuch (großes dreieckiges od. längliches zur Volkstracht gehörendes, meist farbiges od. buntes Tuch aus Baumwolle, Wolle, Seide, Seidendamast od. Chenille, das Frauen um die Schulter nahmen, nehmen)´; iech hutt mer a aaltvoatersch buntgestricktes Imnahmetichl geburgt.

imnander reziprokes Pron. `umeinander: einer um dem anderen´; de Liebsleute hängn imnander.

imoarmln swv. Schirgiswalde `umarmen´.

imoarmvln swv. `umarmen´; iech hoa meine Schwaster imoarmvlt. Lautf.: imoarvln Pulsnitz, Baarsdorf.

imsaajn swv. `umsägen: durch Sägen Bäume fällen´. Lautf.: Siehe saajn!

imschittn unregelm. V. iech schitt im, du schittst im, iech schutte im, iech bie imgeschutt  `umschütten´. 1. `umschlagen, verändern´; ´s Water schitt im. - 2. intrans. (zusammengesetzte Zeitformen mit senn, sein u. hoann möglich) a. `umfallen, hinfallen, stürzen´; meine schiene Reige woar imgeschutt. - b. `mit dem (voll beladenen) Wagen umkippen´; dr Nubber is od. hoat mit ann Fuder Futter imgeschutt. - 3. trans. (zusammengesetzte Zeitformen mit hoann); iech hoa de Milchkoanne od. ´n Poapierkurb imgeschutt. Lautf.: imschuttn.

imschloin stv. `umschlagen´. 1. wie litspr. `(ein Tuch) umschlagen´. - 2. dass. wie imschittn `umkippen, umfallen, umschmeißen´. Lautf. u. Konjug. siehe schloin!

Imschloituch n. Dim. Imschloitichl dass. wie Imnahmetuch.

imschmeißn stv. Konjug, siehe schmeißn! `umschmeißen´. 1. trans. `umwerfen, umstoßen´; schmeiß mer ne de Voase im! - 2. Eckartsberg intrans. `mit dem (voll beladenen) Wagen umkippen´; dr Foahrer hutte zu tun, doaaß de Fuhre ne imschmesst.

Imschrut m. Südlausitz `Umschrot´, dass. wie Imgebinde. - 2. Anton `Einfassung von Brettern´.

Imschrutsaule f. siehe Saule 1b!

imschwänzln (Betonung 2. Silbe) swv. `umschwänzeln: jmdn. (den Vorgesetzten, die Angebetete) ohne Aufforderung ununterbrochen begleiten und dabei schön tun, um etw. zu erreichen; jmdn nicht aus dem Auge verlieren und sich bemerkbar machen; umwerben´; de Barbl wird vu oalln Karln imschwänzlt.

imschwenkn (1.Silbe betont) swv. `umschwenken´. 1. `(mit dem Fahrzeug) umdrehen´. - 2. `(aus Eigennutz) eine Kehrtwendung (in der Weltanschauung) machen; die alte (politische) Auffassung aufgeben und sich eine neue bilden; seine Meinung über etw. od. jmdn. ändern; einem neuen Idol nachlaufen´; moagg´s kumm, wie´s will, is senn immer weche, die de Foahne an Wind hängn und imschwenkn.

imspoann swv. `umspannen: (Zugtiere) auswechseln´.

imständch Adj. `umständlich: unbeholfen, schwierig´; woaas dr Gruße imständch is, is dr Kleene oaastellch.
imständch Adj. `inständig, innig, eindringlich, inbrünstig, mit viel Pathos vorgetragen´; a toat imständch battln; imständch im anne Moark oaahaaln `eindringlich um eine Mark bitten´. Lautf.: inständch.

imstirzn swv. `umstürzen: Gefäße umstülpen, damit das Wasser herausläuft´; ´s Tippl imstirzn.

Imstoand m. mdal. in der Wendung a andern Imstänn `schwanger´.

imstußn stv. `umstoßen´, in der Wendung enn imstußn `jmdn. (kurz u. unangemeldet) besuchen´; iech wullt meine Toachter a Leipzch imstußn.

imsunst Adv. `umsonst´. 1. wie litspr. `kostenlos, unentgeltlich´; RA: Imsunst schoarrt keene Henne; nischt is imsunst, noa ne amol dr Tud. - 2. wie litspr. `ohne etw. zu erreichen, vergeblich, vergebens´; dar ganze Droasch woar imsunst. Lautf.: imsinst; imsist Hinterhermsdorf.

imtun stw. `umtun´. 1. `anlegen, umbinden´; anne Schirze imtun. - 2. refl. a. `näher kennen zu lernen versuchen´; sich an Hause imtun. - b. sich um etw. bemühen´; a misst´ch amol im anne Liebste imtun.

imverkuhrt Adv. Niedercunnersdorf `umgekehrt´; nee, ´s is groade imverkuhrt `nein, das Gegenteil ist der Fall´. Lautf.: imverkoahrt Oderwitz, imverkährt.

imzech Adv. `umzech: der Reihe nach, eins ums andere, in regelmäßiger Folge; abwechselnd (bei zwei Beteiligten)´; de Foamilche soaß oan Tische und lefflte de Suppe imzech aus dr Schissl; oan imzechtn Tag `am nächsten Tag´. Lautf.: imzeche Ostlausitz; emzech Westlausitz. Siehe auch zechim!

imziehn stv. `umziehen: Wohnung wechseln, Kleidung wechseln, Standort wechseln (durch Beteiligung an einem Umzug)´.

in Präp. Westlausitz wie litspr. `in´. In der Südlausitz steht dafür a und in der Ostlausitz ei. Lautf.: en (kurzes e).

Inderloge siehe Underloge!

infamch(t) siehe imfamcht!

Ingber m. `Ingwer, Ingwerschnaps´; mer hoann oack Ingber, dinn, sissn und gemengtn; Ingberglasl. Lautf.: Imber, Imba Seifhennersdorf.

Inschenier m. `Ingenieur´.

Inlt n. `Inlett: sehr dichter, geschmeidiger, meist rotgefärbter Stoff für Federbetten u. -kissen aus Leinen od. Baumwolle in Köperbindung, der stark kalandert wird´.

inne Adv. `innen´; de Fanster vu inne putzn.

innewendch siehe inwendch!

ins Personalpron. Steinbach, Podrosche, Pechern `uns´ siehe mir!

Inslt n. (nur im Sg.) `Unschlitt: geringwertiges gelbliches Darmfett von Tieren (z.B. Rind, Schwein, Ziege, Schaf), Talg´, früher zur Herstellung von Kerzen u. Seife; aber auch als Zutat an Speisen, zum Braten u. Backen und zum Ledereinfetten verwendet; Ziege-Inslt, Insltgriefm, Insltlicht `Talklicht´, Insltpfloaster. RA: Dar hoat´s hindern Uhrn wie de Ziege ´s Inslt `der ist ganz schön durchtrieben´; RA: Do koann ees wieder amol sahn, woaas a Saajgebook fer Inslt gibbt!

insltch Adj. Adv. `Eigenschaft wie geringwertiges Darmfett habend, unangenehm fettig´; ´s schmeckt aber insltch. Lautf.: inslch.

instand in der Fügung instand kumm `in Ordnung gebracht werden´.

inständch Adj. Adv. `inständig: eindringlich, inbrünstig´; inständch im anne Moark oaahaaln `eindringlich um eine Mark bitten´.

inwendch Adj. Adv. `inwendig: im Inneren od. sich auf der Innenseite befindlich, darin´; wie´s inwendch aussitt, gitt kenn woaas oaa. Iech steck mer´sch innewendch a de Rickltoasche rei. Lautf.: innewendch; eiwendch Ostlausitz.

irber (kurzes i) siehe erber!

Irgerschdurf `Irgersdorf (Ort der Stadt Wilthen im °BZ)´. Lautf.: Argerschdurf Neukirch, Oargerschdurf Steinigtwolmsdorf.

irrch Adv. 1a. `merkwürdig, außergewöhnlich, ungeheuer, eigenartig, unwahrscheinlich (Begebenheiten, Zustände)´; doaas is anne irrche Derzahlche. - b. `merkwürdig, außergewöhnlich (Verhaltensweisen), verrückt, irre, gereizt, erregt, aufgebracht´; a gitt im wie a Irrcher; a irrches Wasn hoann; bie oack ne su irrch! - c. `ärgerlich´; ´s is a irrch Dingk; a woar o goar ne irrch drieber. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird: a. bei V. u. Adj. `sehr´; se hoat mit mir irrch gewatert. - b. bei Subst. `groß´; doaas senn aber irrche Steene! Lautf.: urrch, ürrch; irrcht Burkau.

irrchern swv. selt. Südlausitz `geräuschvoll tätig sein, lärmend herumwirtschaften, laut u. intensiv arbeiten´; rimirrchern; a hoat seilatche oack geirrchert `er hat zeitlebens nur geschuftet´. Vgl. urbern!

Irrch(e)keet f. Neugersdorf `unbeherrschtes Handeln, Wutanfall, Jähzorn´; a serr Irrchekeet hoat´r oalls ufgewettert.

Irre f. verstr. 1. `Klapsmühle, Psychiatrie´; die war a poaar Wuchn uff (a) dr Irre. - 2. `in der Wendung a (dr) Irre rädn `verwirrt reden (im Fieber)´. Lautf.: Irrt.

Irrwiesch m. Dim. Irrwischl `Irrwisch´. 1. Volkssage `Irrlicht´. Irrwische od. Irrlichter sind die Geister Verstorbener, die im Grabe keine Ruhe finden und Verirrten leuchten od. in die Irre führen, indem sie vorher hüpfen. Sie erscheinen vorzugsweise über Sümpfen u. feuchten Wiesen´. - 2a. übertr. `wilde, ausgelassene, unruhige Person, meist Kind´; na, du klenner Irrwiesch, kimmst de o schunn heem? - b. `Pers., die gern fortgeht, herumzieht und das Abenteuer sucht´; iech weeß doa o ne, woaas´r´ch fer a Fetzl oder fer ann Irrwiesch ufgegoablt hoat! - c. `Gegenstand, der sich schnell hin und her bewegt´. Lautf. Irrwisch.


Irscht (kurzes i) f. `Erst: Anfang´. 1. a dr Irscht od. uff de Irscht `anfangs, anfänglich, zuerst´; Lautf.: in dr Irscht(e) Westlausitz, ei dr Irscht(e) Ostlausitz, Schlesien, Sächs. Schweiz; wesst de, woaas mer a dr Irscht amol poassiert is? - 2. zer Irscht (geschrieben: zerirscht, zuirscht) `zuerst´. Lautf.: Ierscht Neukirch, Steina.

irscht (kurzes i) Adv., Partikel `erst´. 1. wie litspr. a. `zuerst, vor allem anderen; zuerst, vor allen anderen´; irscht bie iech droaa! - b. `zuerst, anfangs, im ersten Augenblick´; iech hoa´s irscht salber ne gegloobt. - 2a. `vorher, zuvor, früher´; iech ass ne mih su vill wie irscht. - b. `gerade eben, kurz zuvor´; se hoat irscht geheiroat. - 3. wie litspr. a. `nicht eher als´; doaas wird irscht neue Wuche fartch. - b. `(zeitlich) nicht weiter zurückliegend als; nicht später als; ´s is irscht im dreie. - c. `nicht mehr als´; iech hoa irscht de Hälfte bezoahlt. - 4. wie litspr, ausdrückend, dass etw. irgendwann später geschieht; Abern hoann mer noa keene ausgemacht, doaas wird irscht noa. - 5. in Verbindung mit ne, drückt aus, dass das Beginnen der vom Verb bezeichneten Tätigkeit nicht nötig od. möglich ist; hoa ne irscht de gruße Gusche! - 6. wie litspr. als Partikel in Ausrufesätzen, verstärkend u. hervorhebend, `mehr noch, um wie viel mehr´; mei Moan, dar is irscht besuffm! - 7. steigernd vor best. Adverbien u. Partikeln; as Poolsche tät´ch irscht raajcht ne foahrn. Lautf.: urscht Südlausitz, erscht Bühlau, ierscht Neukirch, oarscht Westlausitz, öKürzungsmundart, arscht Sächs. Schweiz.

irschte Zahladj. `erste´; iech bie a dr Kloasse dr Irschte vu hinne (hinten) `ich bin Klassenletzter´; fersch Irschte `zuerst´; zun Irschtn `erstens´. Lautf.: Vgl. irscht!

irschtert dass. wie irscht. Lautf.: urschtert, oarschtert, irschtern.

Irschtlch m. selt. `Erstling: Jungtier (Ziege, Schaf, Kuh, Sau), das zum ersten Mal Junge bekommt´. Lautf.: Urschtlch Steinigtwolmsdorf, Irschtling Neusorge.

irschtlch Adv. selt. `zuerst, vor allen anderen´.

Irtsdurf `Oertmannsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Szyszkowa´.

Is

is best. Art., unbetont siehe doaas!

is Personalpron. 3.Pers. Sg. `es´. 1a. wie litspr. Stellvertreter eines im vorangehenden Text erwähntes Neutrum (Nom. od. Akk.); `s wullt gestern schunn kumm `es (das Kind) wollte gestern schon kommen´; wenn´ch´s Geld ausgegan hoa, is is oalle; ´s Christbeeml is furt, ees hoat´s gemaust; do satter´sch! - b. der Gen. s´n (sein) noch in der RA iech hoa´s´n soat, iech hoa´s´n dicke. - c. Dat.: iech hoa a Huntschl krigt, kumm oacke, mer gihn zun! `Ich habe ein Schweinchen gekriegt, komm nur, wir gehen zu ihm´. - 2. wie litspr. als Korrelat eines Subst od. eines Nebensatzes; hirrscht´n Hund balln, is wird doa kees mih kumm im die Zeit? - 3. wie litspr. formales Subj. a. in Verbindung mit unpersönlich gebrauchten Verben; hurch oack, wie´s rumplt! Is scheecht `es spukt!´ Miech häbt´s! - b. in Verbindung mit senn, warn, bleibm + Prädikativ; wie spät is´n? `Wie spät ist es denn?´ - c. bei passivischer Konstruktion; ´s wird schunn wieder warn. - d. in zahlreichen festen verbalen Verbindungen; woaas macht´n? `Wie viel kostest es denn? - 4. wie litspr. als formales Obj. in festen Wendungen; iech hoa´s uff dr Plauze. Lautf.: es.

is `ist´, siehe senn!

Ittsch m. Neugersdorf `Badeteich´; mer gihn an Ittsch.

ittschern swv. Neugersdorf `baden im Schwimmbad´.

ittschn swv. 1. Neug. `baden im Schwimmbad´. - 2. Schlesien `ausspucken´.

itzch Adj. `jetzig, heutig, gegenwärtig´; a dr itzn Zeit is doaas abm su. Lautf.: jitzch, (j)etzch.

Itzche n. `das Jetzige, das Heutige, Gegenwart, neue Zeit´; a schert´ch ne im´s Itzche. Lautf.: Itzsche.

itze Adv. `jetzt´. 1a. `im gegenwärtigen Augenblick´; itze hoa´ch mer eigeschissn;   itzert ne, aber dernoochert (Dittelsdorf). - b. `in der gegenwärtigen Zeit, derzeit´; itz miss mer schunn im fimfe ufstihn. - 2. `in unmittelbarer Zukunft, sogleich, nun, bald´; mer gihn itze schluffm! Lautf.: itz, jitz(e), (j)etz(e), itzern, itzernde, itzert Niedercunnersdorf, Dittelsdorf.

itzscherzeit Adv. Südlausitz `in der jetzigen Zeit, gegenwärtig´.

ixn swv. selt. `lahm od. ungeschickt gehen´; a ixt de Stroße runder `er hinkt die Straße hinunter´.