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  1. H

Ha

ha (gedehntes a) Personalpron. betont `er´, siehe a!
ha (gedehntes a) Interj. nachgestelltes Fragepartikel ohne Bedeutung, aber herausfordernd `hä´; woaas schreibst´n du do, ha?

(kurzes ä) `dumm, einfältig, geistig beschränkt´; du bist wull a bissl hä?

(gedehntes ä) siehe Hei `Heu´!

Haajcht siehe Hecht!

haajgln swv. selt. `hageln´.

Haajkl m. (n.) `Hackel: (schwer heilende) Hautrisse an Händen od. Füßen´: an Frihjuhre hoat a jeder Junge ´n Haajkl gehoat. Lautf.: Haajgl, Hagl.

Haajkl n. Dim von Hokn `Häkchen´, siehe Hokn! Lautf.: Häkl. Für Kleidungsstücke ist Haftl gebräuchlicher.

Haajkelei f. `belanglose Streiterei, Neckerei, Stichelei´. Lautf.: Häkelei, Hakelei.

haajkln swv. auch Seifhennersdorf `häkeln´. 1a. `mit der Häkelnadel arbeiten´. - b. eihaajkln `die Arme gegenseitig einhängen´, auch eihenkln. - 2. refl. `sticheln, sich necken, harmlosen Streit suchen´; die beedn haajkln´ch ´n ganzn Tag.

Haalestelle f. `Haltestelle´.

haaln stv. iech haal(e), du hillst od. hielst, a hillt od. hielt, mer haaln, iech hielt od. hult (Westlausitz), iech hoa gehaaln `halten´; ar hult oan (Pulsnitz). 1. trans. a. `festhalten, etw. od. jmdn. halten; ´s Kirbl haaln. - b. `abfangen, abwehren´; ann Boall haaln. - c. übertr. `ein Tier halten, Feste begehen, Handlungen ausführen, an etw. festhalten, etw. einhalten, glauben, meinen´; anne Koatze haaln; hill´ch derzu! Woaas hillst´n vu dr Nubberschfroon? - 2. refl. a. `sich festhalten´. - b. `aushalten, sich behaupten, Maß halten´; dar hoat´ch gutt gehaaln. - c. `nicht verderben´; de Wurscht hillt´ch ne su lange. - 3. intrans. a. `bei Beanspruchung lange unversehrt bleiben´; doaas Spielzeug wird ne lange haaln. - b. `bewirken, dass ein bestimmter Zustand bewahrt wird´; dr Bunnkoaffee hillt munter. - c. `stehen bleiben, verweilen´; hiel od. haal oack nu!

Haand f. siehe Hand!

häbbern, habbern siehe hebbern!

Häbebeeml n. `auf dem neu errichteten Dachstuhl angebrachtes, mit farbigen Taschentüchern behängtes Bäumchen (Birke, Fichte) aus Anlass des Richtfestes. Die Anzahl der Taschentücher ist mit der Anzahl der Bauarbeiter identisch.´

Häbefest n. `Richtfest: kleines Fest, das der Bauherr für die Bauarbeiter veranstaltet, wenn ein Haus im Rohbau fertig u. der Dachstuhl errichtet ist´.

Häbekurb m. `Hebekorb: größerer Korb, der zwei Griffe besitzt und gehoben und getragen werden kann im Unterschiede zu einem Handkorbe und Tragekorbe´. Lautf.: Häwekorb Westlausitz.

Häbemohst f. `Hebemahlzeit, Mahl zum Richtfest: Essen und Trinken, das der Bauherr für die Bauarbeiter veranstaltet, wenn ein Haus im Rohbau fertig u. der Dachstuhl errichtet ist´. Lautf.: Häbe-, Häb-, -mohst, -mohlst.

Häber m. Pl. (meist im Plural, da zwei Träger vorhanden sind) Häbm od. Häm `Heber: Träger; Tragbänder über die Schultern, die früher die Hosen, den Rock od. die Schürze hielten´. Siehe auch Hosehäbm!

häbm stv. iech häb(e), du häbst, mer häbm, iech hub (selt.), iech hoa gehoabm (Oberland) gehabm (Jonsdorf) `heben´. 1a. wie litspr. `etw. od. jmdn. emporheben´; ´s Foaaß häbm; ihr sullt de Pfutn häbm und ne su schloapm! Die häbm schunn wieder de Preise; dr Hund häbt´s Been; ufhäbm; die häbt´n Oarsch ne `die bleibt sitzen, die unternimmt nichts´. - b. `etw. od. jmdn. emporheben und tragen´; war häbt´n Jungn? `Wer trägt den Jungen?´. - c. `ein Trinkgefäß heben, um (viel) zu trinken´; naajchtn hoann mer enn gehoabm `gestern haben wir viel getrunken´. - d. de Zähne häbm `etw. nicht essen wollen´. - 2. `den gezimmerten Dachstuhl auf das Haus setzen´. - 3. refl. `sich aufrichten, steigen, wachsen´; wenn´ch dr Nabl häbt, do wird´s schiene. - 4. Burkau `erheben, mit etw. beginnen, eine Tätigkeit anfangen´; dr Wind häbt sich wieder. - 5. in der Wendung ´s hoat miech gehoabm `ich hatte Anwandlungen von Übelkeit´. Lautf.: häm, hiäbm.

Hacke f. Dim. Häckl wie litspr. `Harke: langstieliges Werkzeug zur Bodenbearbeitung´; in der Wendung anne Hacke hoann `betrunken sein´; ´s is anne gude aale Hacke `es ist eine gute volksverbundene Pers.´; RA: Zu jeder Hacke find´ch a Stiel. RA: A toat de Hacke putzn Dittelsdorf `er hat sich davon gemacht´.

Hackebrat n. Dim. Hackebratl `Hackbrett: Brett, auf dem man Fleisch od. Gemüse zerhackt (Arbeitsmittel des Fleischers)´.

Hackebeil n. `Handbeil mit kurzem Stiel´.

Hackekletzl n. `Hackklotz, Hackstock: kurzes Stück von einem gefällten Baumstamm zum Zerhacken von Holz od. Fleisch´. Lautf.: Hackkletzl.

Hacker m. (meist im Pl.) `Zahn´.

Häcker m. wKM, Westlausitz `Häcksel´. Siehe auch Siede!

Häckerchl n. `kleingeschnittener , mit Öl, Zwiebeln und Gurke angemachter Hering für Brotaufstrich´. Lautf.: Häckerchn, umg. Häckerle.

Hackl n. (meist im Pl.) Kindersprache `Zahn´;  nu guck oack amol, ´s is schunn a Hackl do!

häckln swv. `häckeln´. 1. `mit der kleinen Hacke den Boden leicht lockern und dabei das Unkraut entfernen´; ´s Bätl häckln; RA: Eemol gehäcklt is su gutt wie zwämol gegussn. - 2. `etw. (meist Fleisch) hackend zerkleinern´.

hackn swv. 1. `mit der Hacke den Boden lockern´. - 2. `mit dem Beil etw. zerkleinern´. - 3. `heftig mit den Schnäbeln schlagen´; diech sull doa glei dr Hoahn hackn! - 4. `schmerzen in sehr kurzen Intervallen, schmerzhaft pulsieren´; dr biese Zoahn hoat de ganze Nacht gehackt.

Hacksch m. 1. Süd- u. Westlausitz `männl. Kaninchen, Rammler, Bock´. - 2. Neusorge `unbeschnittenes männl. Schwein, Eber´. - 3. übertr. `weibstoller Mann, Schürzenjäger´; Weiberhacksch. - 4. oft im Dim. Hackschl `Zahn´; mer fahln de nietchn Hacksche an Gebeeße; de irschtn Hackschl kumm schunn.

Hacksträh f. Neusorge `als Streu verwendete oberste Schicht des Kiefernwaldbodens mit dem Oberwuchs (Heidelbeerkraut) und Unterwuchs´.

Haderch (gedehntes a) m. `Hederich ( Raphanus raphanistrum)´, ein Ackerunkraut. Lautf.: Häderch, Hadersch.

hadschee siehe hatschee!

Häfebändl n. sSüdlausitz `die an das Ende des Peitschenriemens angeknüpfte dünne Schnur´; auch Häfld Hörnitz, Hagl Hartau bei Zittau.

Häfebrutl n. `Hefebrötchen: eine runde Semmel´; an Summer goab´s zun Obde uff´m Hofe stoatts Suppe fimf Koann Milch und a Häfebrutl zun Eibroackn. Lautf.: Häfbrutel °NOL Königshain.

Häfeschnierdl n. Bertsdorf dass.wie Häfebändl `die an das Ende des Peitschenriemens angeknüpfte dünne Schnur´. Lautf.: Häfschnierdl öKürzung.

Häfm f. `Hefe: Backhefe, Bodenbelag im Gärbehälter´; dr Teeg ohne Häfm giht ne; Bierhäfm. Lautf.: Hiäfm, Häfe, Hiäfe.

Häfmbabe f. wSüdlausitz, Westlausitz `einfacher mit Hefe gebackener Aschkuchen (zum Leichenschmaus)´. Lautf.: Häfmbäbe.

Häf(e)kluß n. Dim. Häfekließl, Häfkließl `gekochtes Kloß aus leichtem Hefeteig als Beilage zum Mittagessen, das gerissen od. in Scheiben geschnitten wird´. Häfekließe od. Häfekoallchl werden gekocht und Buchtl gebacken; Häfkließl und Sauerbrotn; RA: ufgihn wie a Häf(e)kließl `dick werden´. Lautf. Häfmkluß, Häfmkließl.Vgl. Buchte!

Häf(e)koallchl n. `Hefekeulchen: Keulchen aus leichtem Hefeteig´; dass. wie Häfekluß! Lautf.: Häfekoilchl, Häfekoichl.

Häf(e)stickl n. `Hefenstück: aus Hefe, Milch u. etw. Mehl angesetzte kleine Teigmenge, die man aufgehen lässt u. dann mit der Hauptmenge des Teigs vermischt.´

Haftl n. `Hafthäkchen, kleiner Haken zum Einhängen in eine Öse am Kleidverschluss´; Bestandteil alter Trachtenstücke zum Schließen und Öffnen (von Frauenkleidern); a Dutznd Haftl und Schlingl. Lautf.: Heftl nOberlausitz.

Haftlmächer f. `aufmerksamer Mensch (eigentlich Handwerker der Häkchen für den Kleidungsverschluss verfertigt)´; RA: Achtche gan wie a Haftlmächer `aufpassen wie jemand, der Hefthäkchen herstellt´. Lautf.: Heftlmächer, Haftlmacher.

haftln swv. 1. `Verschließen alter Kleidungsstücke mit Hafthäkchen´. - 2. `Naht nähen´.

Hägewiesch m. veralt. `Hegewisch: an einer Stange befestigtes kleines Strohbündel, das das Betreten der zu hegenden Schonung, des Ackers od. der Wiese untersagte´, Hägewische setzn. Lautf.: Hiägewiesch Ostlausitz. Siehe auch Wiesch u. Struhwiesch!

haglmäßch Adj. `hagelmäßig´. 1. `außerordentlich, sehr (eine Steigerung ausdrückend)´; ´s is haglmäßch heeß; de Mutter hoat menn Bruder haglmäßch zerladert. - 2. Bihms Koarle `misstrauisch, sonderbar´; a soahg miech ganz haglmäßch oaa.

Hagl siehe Haajkl!

Haglschur (gespr. Haglschur) n. `(ungezogene) Kinderschar´.

Haglsgräte f. `ungezogenes Kind´. Lautf.: Haglskräte.

Haglsjunge m. 1. harmloses Schimpfwort `ungezogener Junge, Lausejunge, Rüpel´. - 2. `tüchtiger, lobenswerter Junge´; de Haglsjungn rissn aus.

Haglskarle m. `schlechter od. tüchtiger Kerl´.

Haglsklautsch m. `Lausejungen, die zusammenhalten´.

Haglsschwoabbe f. `Quatschweib, Klatschbase´.

Haglsvulk n. `Rasselbande, Pack, Gesindel´.

Hahnchn ohne Genus, veralt. n. `Hähnichen (Ort u. Gemeinde im °NOL)´; de Hahnchner `die Einwohner von Hähnichen´.

Hahnl n. Dim. von Hoahn, siehe Hoahn!

Haide ohne Genus, veralt. f. `Haide (Ort der Gemeinde Weißkeißel im °NOL).

Haie siehe Heie!

häkern siehe heckern!

Hakl siehe Haajkl!

Hakl n. Ostlausitz `Groll, Wut´; ann Hakl uff enn hoann. Lautf.: Häkl.

häkln siehe haajkln!

halard(e) Adj. verstr. Ostlausitz siehe hoaload!

Hallchl siehe Hoalle!

halfm stv. iech half(e), du hilfst, mer halfm, iech hoalf, iech hoa gehulfm `helfen´. 1. mit persönl. Subj. a. wie litspr. `jmdn. um Hilfe bitten, jmdm. seine Hilfe anbieten, jmdn. unterstützen, jmdm. Hilfe gewähren, mitmachen´; iech hoa´n ganzn Tag nischt gemacht, und oalle hoann mer derbei gehulfm; iech war euch a brinkl benn Nischtmachn halfm. Volksreim (beim Niesen): Half dr Gutt benn (od. zun) Niesn, wenn de Kuchn (Kuche) hoast, do ieß´n! Abschiedsgruß an eine junge Frau: "Half dr Gutt zu ann klenn Jungn!" Antwort der jungen Frau: "Wullde Gutt, iech hätt´n schnunn!" - b. mit Schlägen od. Strafe drohend; iech war dr glei halfm! - 2. mit sachl. Subj. a. oalls Boarm hoat ne gehulfm. - b. `wirken (von Medikamenten), anschlagen´; de Arznei hoat gehulfm; siehe auch oaaringn!

halle Adj. haller, oan hallstn `hell´. 1. `hell von der Stimme, von Tönen´; se singt mit haller od. glecklhaller Stimme. - 2. `hell vom Licht´; siehe auch lichte! - 3. `hell von der Farbe´; a Poaar halle od. feuerfinklhalle Ogn. - 4. in der Wendung oa woaase halle Freede (droaa) hoann `an etwas große Freude haben´. - 5. `intelligent, gescheit´; a haller Kupp, halle Oogn hoann `aufgeweckt sein´.

Hälle siehe Helle!

hallelaut Adj. `helllaut: laut u. mit heller Stimme´; do misst´ch hallelaut lachn.

Haller m. `Heller´, Ortsteil von Volkersdorf im ehem. Kreis Lauban östlich der Neiße; se wohnt uff´m Haller.

halleraus Adj. `hellheraus: plötzlich mit heller Stimme´; se hoann halleraus gelacht.

hallerlichte Adj. `sehr hell vom Licht od. von der Farbe´; ´s hoat´ch oan hallerlichtn Tage zugetroin; a Kleed mit hallelichter Foarbe; die mausn oan halllichtn Tage. Lautf.: hallelicht, halllichte.

halletroab Adv. `gleichmäßig, ununterbrochen schnell; zügig´; ´n ganzn Tag gitt´s halletroab. Lautf.: halletroabb.

halluf Adv. `hellauf´; halluf lachn `laut und fröhlich lachen´. Lautf.: halluff.

Halml n. Dim. von Hoalm `Hälmchen: kleiner Stängel bei Gras u. Getreide´.
Halml n. Dim. von Hoalm od. Halm `Helm´. 1. `Schaft, Stiel des Beiles od. der Axt´; Axthalml; iech war dr glei is Halml iebersch Kreuze poassn! - 2. `Holm, Griffstange des Schubkarren´. - 3. siehe Troihalml!

halt Ostlausitz `eben, nun einmal (den Inhalt einer Aussage als unabänderlich, allgemeingültig darstellend´; ´s is halt su! Mdal. besser: abm!

Hälter m. Frankenthal, Rietschen `kleiner Teich zur Fischzucht; Fischbehälter, (hölzernes) Behältnis für lebende Fische, das in einem Gewässer schwimmen kann´. Lautf.: Hälder, Halda Seifhennersdorf.

Hamberch n. 1. `Handwerk´; ´s Hamberch län, as Hamberch pfuschn. - 2a. m. `wandernder Handwerksbursche´. - b. m. `Landstreicher, Bummler, Bettler´; a Hamberch stitt ver dr Tiere. - 3. n. `Handwerkszeug´; wu hoast´n ´s ganze Hamberch? Lautf.: Hamperch.

Hambercher (1. Silbe betont) m. Oberland 1. `(wandernder) Handwerksbur-sche´. - 2.  `Landstreicher, Bummler, Bettler´; a Hambercher hutte immer anne feine Riche `ein Bettler hatte immer das Gespür, wo er etwas bekommt´. Lautf.: Hampercher.

hamberchn swv. Süd- u. Ostlausitz `handwerkeln´; dr Willi hambercht fer senn Jungn a ann Loastautu rim.

Hamberchzeug n. `Handwerkszeug´; Sprichwort: Hamberchzeug und de Frooe sull ees ne aus´n Haus verburgn. Lautf.: Hamperchzeug.

hambern swv. `handwerkeln, (mit Handwerkszeug) hantieren, arbeiten (ursprünglich: ohne Meister eines Gewerbes zu sein unprofessionell kleine Arbeiten in demselben verrichten)´. Lautf.: hoambern. Siehe auch hampern!

Häme f. Südlausitz, in der Wendung iech hoa keene Häme mih `ich habe keine Lust, kein Verlangen mehr´.

hamm Kinderspr. in der Wendung hamm-hamm machn `essen´.

hammern swv. (in Bezug auf eine Wunde) `hämmern: heftig klopfen, schmerzhaft pulsieren´; an Finger hammert´s aber.

Hamperch siehe Hamberch!

Hamperchzeug siehe Hamberchzeug!

hampern swv. Burkau `hampeln: unruhig sein (wie der Hampelmann), nicht stille sitzen´. Siehe auch hambern!

Ham(p)flch f. `Hänfling´. 1a. `Grünhänfling, Grünfink (Coccothraustes chloris, Carduelis chloris)´, auch Grinnhampflch. - b. Crostau, Schirgiswalde `Bluthänfling (Carduelis cannabina)´, auch Ruthampflch. - 2. übertr. `kleiner, schmächtiger Mensch; körperlich unterentwickeltes, schwächliches Kind´. Lautf.: Hamflch, Hampflch, Hampftlch, Hämpftlch, Hämpflch, Hämflch.

Hampl m. `Hempel (Ortsteil von °ZI Ebersbach)´; se wohnt uff´m Hampl; mer foahrn ieber´n Hampl.

Hampvl (kurzes a) f. `Handvoll´; anne Hampvl Nisse. Lautf.: Hampvtl, Hamvtl, Hamvl, Hoampvl..

hampvln swv. selt. `mit beiden Händen voll zugreifen´. Lautf.: hampvtln, hamvln.

hampvlch Adj. 1. `handvollweise, haufenweise, mit vollen Händen, in großer Menge´; ´s koam hampvlch. - 2. Ostlausitz `plump, grob, etw. ungehobelt´. Lautf.: hamvlch.

hampvlweise Adj. dass. wie hampvlch 1.

hämsch Adj. `hämisch: versteckt boshaft, unaufrichtig, niederträchtig, schadenfroh, heimtückisch´; a hämscher Knuchn; anne hämsche Zoaspl; loof oack sachte, heute is hämsch (gefährlich durch Glatteis) haußn.

Hämschekeet f. Südlausitz `boshafte Äußerung, üble Nachrede, Falschheit´; anne sicke Hämschekeet hätt´ch menner Schwaajgern goar ne zugetraut. Lautf.: Hämschkeet.

Hämscherch m. Jauernick `Verletzung´.

hämschn swv. refl. 1. `sich körperlich wehtun, sich verletzen´; iech hoa miech mit´n Masser gehämscht. - 2. Anton `hämisch behandeln, grob necken, jmdn. verhöhnen´; a tutt de Maajdl garne (aus)hämschn.

Hanacke (1.Silbe kurz, 2. Silbe betont) m. f., meist im Pl. 1. `dreiste, durchtriebene, betrügerische, unzuverlässige, ungeschliffene männl. Pers.´, (urspr. wohl `Angehöriger des mährischen Volksstammes der Hanaken´); du bist mer su anne Hanacke! - 2. `zu dummen Streichen aufgelegter Junge´; ihr sedd mer su a poaar Hanackn! Lautf.: Hanake (2. Silbe gedehnt).

Hanch `Hennig´, bis 1945 zu Bertelsdorf gehörender Ortsteil im Kreis Lauban östlich des Queis´, poln. `Krotoszow´.

Hand f. Dim. Händl, Dat. Pl. Hänn `Hand´ 1. wie litspr.; ´s gitt mer ne vun Hänn `es gelingt mir nicht viel, die Arbeit geht nur langsam voran´; itze kimmt´s guldne Händl `jetzt kommt der Mann mit den geschickten Händen (Bastler, Tüftler); RA: De linke Hand weeß ne, woaas de raajchte macht. RA: Woaas´r mit´n Hänn ufbaut, resst´r mit´n Oarsche wieder ei; dann senn de Hände ba dr Oarbeit an Waajge; ´s schiene Händl `das rechte Händchen´. - 2. Person; ´n Meester seine raajchte Hand senn. - 3. ver der Hand siehe verderhand! Lautf.: Haand Westlausitz.

Handche m. `Handpferd: das im Gespann rechts gehende Zugtier´; gibb Achtche, dr Handche tutt beißn!

handch Adj. `rechts (gehend), zur rechten Hand gelegen´; iech sitz uff´m Soattlchn und dr Handche loahmt handch `ich sitz auf dem linken Pferd und das rechte Pferd lahmt auf dem rechten Hinterbein´. Lautf.: handsch.

Handchepfaard n. `das im Gespann rechts gehende Pferd´, auch Handche.

Handgrief m. `Handgriff: die Tätigkeit des Greifens mit der Hand, kleine Arbeit´; RA: Dan is jeder Handgrief oan Oarsch gebackn. `Der ist für jede kleine Tätigkeit zu faul´. Lautf.: Handgriff Westlausitz.

Handierche siehe Hantierche!

Handkirbl n. Bihms Koarle `kleiner Handkorb´. Lautf.: Siehe Kirbl!

Händl n. 1. verstr. Süd- u. Ostlausitz, Oberlichtenau `Sensenhandhabe, der mittlere Griff am Sensenstiel´. - 2. meist Pl. Obercunnersdorf `Griffe am Pflug´. - 3. selt. `Messergriff´. Siehe Hand!

Handlange f. in der Wendung de Handlange machn `zureichen, helfen´.

Handlänger m. `Handlanger: Person, die mit den Händen Hilfsarbeiten verrichtet od. jmdm. hilft´; a bissl Handlänger machn.

handlängern swv. `mit den Händen Hilfsarbeiten (im Baugewerbe) verrichten, bei einer Tätigkeit behilflich sein´; kumm oack hinte mit uff´m Bau, kenntst mer handlängern.

Handpfaard n. dass. wie Handchepfaard. Lautf.: Handfaard.

Handquahle f. veralt. `Handtuch´. Siehe auch Quahle!

Handschk, Handschkn m. Pl. Handschkn Obercunnersdorf, Cunewalde, Lawalde, Reichenau bei Zittau, Burkau, Girbigsdorf, Sächs. Schweiz `Handschuh´; wenn´ch Miffl oaazieh, brauch´ch keene Handschkn. RA: enn mit Soamthandschkn oaapackn `mit jmdm. ganz feinfühlig umgehen´. Lautf.: Handsch u. Handzch nwSüdlausitz, Westlausitz, Handschn Spitzkunnersdorf, Niederoybin, Ostritz, Handzchn °ZI Ebersbach, Handschchn Sächs. Schweiz.

Handseite f. `die rechte Seite des Gespanns´.

Handstitzl siehe Stitzl!

Handtichl n. `Handtuch´, auch Oabtroigetichl.

Handuchse m. `der im Gespann rechts gehende Ochse´.

Handwaajnl n. Dim. von Handwoajn `kleiner mit der Hand gezogener (Leiter-)Wagen´. Lautf.: Handwanl, Handwarnl.

Hänge f. selt. 1a. `Hänggestell mit Sprossen, zwischen denen man die Brote aufbewahrt´; auch Kuchnhirdl `kleine Kuchenhorde´, siehe Hurde! - b. veralt. `scheunenartiges Gebäude mit Öffnungen und Vorrichtungen zum Aufhängen von Wäsche oder Stoffen nach dem Waschen od. Färben´. - 2. bes. Nordböhmen `alte Wasserwaage mit Lot´.

Hängebändl n. West- u. Ostlausitz 1a. `(noch) nicht ausgeheilter Rest od. (noch) nicht überwundene Folgen einer Krankheit´; a wird´s Hängebändl ebch ne lus. - b. `(nicht bereinigte) Angelegenheit, deren Folgen nicht absehbar sind´. - 2. `fortwährende Belastung durch Gebundensein an einen Menschen, der ständig betreut werden muss; Pers., um die man sich ständig kümmern muss, die man nicht alleine lassen kann´; kleene Kinder und kranke Leute sein fer de andern immer a Hängebändl.

Hängebänkl n. Ostlausitz in der Wendung ba enn od. ieberoale a Hängebänkl hoann `bei jmdm. od. überall zu lange verweilen´; dar findt ieberoal a Hängebänkl.

Hänger m. 1. `Aufhänger an einem Kleidungs- od. Wäschestück´. - 2. `Wagen zum Anhängen, Anhänger´; dr Trakter koam mit zwee Hängern ieber de Feldn. - 3. `geistesabwesender Zeitabschnitt, Wissenslücke, kurzzeitiger Gedächtnisausfall, Blackout´; iech muss doa benn Diktoate an Hänger gehoat hoann!

hängn swstv. (die starken Verbformen sind geläufiger) iech hängn od. hänge, du hängst, iech hängte (selt.) od. hingk, iech hoa gehängt (selt.) od. gehangn, mer hängtn, hingn od. hungn (Ohorn) `hängen´. 1. intrans.; se hängt de Strimpe iebersch Ufestängl; se hingk dr Mutter immer oan Schirzebändl. - 2. trans.; de Keppe hängn lussn `niedergeschlagen sein´; Sprichwort: Ver´n Assn hängt mer´sch Maul, nooch´n Assn is mer faul. - 3. refl. `sich erhängen´; RA: War ne aalt warn will, muss´ch jungk hängn.

hängn bleibm stv. `hängen bleiben´. 1. `an der Pflanze verbleiben, nicht abernten´; a poaar Äppl senn hängn gebliebm, doaas Loob bleibt heuer aber lange hängn! - 2. `etw. nicht aussortierten, nicht umhängen, nicht wegwerfen, etw. noch verwerten´; dr Hutt und de Juppe vun Grußvoater senn an Schuppm hängn gebliebm. - 3. `stecken bleiben, Anstiege nicht bewältigen, rutschen´; wenn´ se ne baale strähn, warrn wull noa miher Autos uff´m Viebche hängn bleibm. - 4. `sich ins Gedächtnis schreiben, sich einprägen´; vun Deutschunderrichte is ne vill hängn gebliebm. - 5. `sich verfangen, sich verhaken, haften bleiben, festsitzen´; menn Drachn luss´ch wuandersch steign, dar bleibt mer uff´m Beem hängn; oan Kupper bleibm de Wulkn hängn. - 6. `ins Stocken geraten, sich verhaspeln, nicht vorwärts kommen´; benn zweetn Varrschl bleib´ch oallemol hängn. - 7. `sitzen bleiben, nicht versetzt werden´. - 8. `zu lange bleiben, versumpfen, versacken´; a is an Kraatschn hängn gebliebm. - 9. `keine Veränderung vornehmen, am Zustand nichts verändern´; a is ba dr irschtn Froon od. a dr Foabricke hängn gebliebm.

Hans Ubmdruff(e) m. Westlausitz, Sächs. Schweiz `wildestes Kind einer Gruppe´. Lautf.: Hans Umdroaff(e).

Hanschmihe f. `Hänischmühe (Ortsteil des Kurortes Jonsdorf im °ZI)´. Siehe auch Bleechn!

Hansl n. m. 1. Dim. von Hans, männl. RN `Hänschen´. - 2. Pl. `Personen, Leute´; is senn oack drei Hansl gekumm.

Hantierche (2.Silbe betont) f. `Arbeit mit den Händen, Tätigkeit, Beschäftigung, Handwerk, Gewerbe´; mer findt keene Hantierche mih.

häppern (gespr. hebbern) swv. 1. Süd- u. sWestlausitz `traben, galoppieren (Pferd)´. - 2. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach `schnell laufen, rennen´. - 3. °ZI Ebersbach, Frankenthal, Nieder Neundorf `mit kleinen Schritten laufen, trippeln; sich ungleichmäßig fortbewegen´. Lautf.: happern Burkau.

Happl n. kindlich `Pferd´; Pfarhappl, Happlpfard, a Happl eispoann; Kniereitereim: Reit, Happl, reit, war de floigt, dar leit, war de will ne liegn bleibm, dar muss wieder uff´s Happl steign! Oder: Huppe, huppe, Reiter, wenn´r fällt, do leit´r, wenn´r will ne liegn bleibm, muss´r wieder uff´s Happl steign. Lautf.: Hoappl, Hapl (gedehntes a) Schirgiswalde.

happln swv. Niedercunnersdorf `mit kleinen Schritten und Sprüngen wie junge Pferde laufen, nicht Trab und nicht Galopp´. Siehe auch häppern! Lautf.: häppln.

Hapsl n. nOstlausitz `Brothappen; kleines, mundgerecht geschnittenes Stück Brot´.

har `her´. 1. Adv.; dient zur Angabe einer Richtung od. eines Zeitpunktes; har mit´n Pfenngn! Hie und har; mit dann dichn Karln is ne weit har `mit diesem Kerl ist nicht viel los, dieser Kerl ist nichts Besonderes´. - 2. har- `als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; harhuln, harkumm.

Harberche f. `Herberge´. 1. `Nachtquartier für Handwerksburschen u. Obdachlose´. - 2. `Unterkunft für (jugendliche) Wanderer´. Lautf.: Herberche, Harbche.

Harbsdurf siehe Herbsdurf!

Harch (gedehntes a) m. `Hering´. 1. wie litspr.; Saalzharch; griene, sauer, eimoarierte, eigemulkerte Harche; Sempfharche; Harchtunne; ´s gibbt zu Mittche Schoalabern und sauern Harch. RA (vor reichlich gedecktem Tisch): "Frooe, hul ann Harch! Woaas nitzt doaas schlaajchte Labm?"  RA aus Putzkau: Dar hoat a Kreuze su breet wie a Harch zwischn Oogn `der ist dürr´. - 2. übertr. verächtl. `magerer Mensch od. mageres Haustier´; a dirrer Harch. - 3. `schmaler Holz- od. Metallpflock mit Einkerbung zum Zeltaufbau´.

harchern Adj. `aus Hering bestehend´; ba Hofms gibbt´s woaas Harchernes.

Harchleckerze f. 1. `kleine Heringsstücke in gewürzter Soße´; auch Sauergurken und Zwiebeln dazu und zu Pellkartoffeln gegessen. - 2. `Heringsmarinade: Tunke, in die die Heringe eingelegt werden, um sie zu marinieren und abzuwürzen´. Bei armen Leuten wurde sie den Pellkartoffeln beigegeben. Gibb oack a bissl Harchleckerze derzu! Mer hoann ganze Abern zu Mittche.

Harchschmähre f. `aus kleingeschnittenem Hering bereiteter, mit Zwiebel angemachter u. mit Mehl angedickter, im Tiegel gebratener und zur Schnitte od. zu Pellkartoffeln gegessener Heringsbrei´. Lautf.: Harchschmiere Königshain.

Hard m. `Küchenherd: offener, häufig eiserner Ofen zum Kochen u. zum Heizen in der Küche´; mdal. besser Ufm.

Hard (gedehntes a) m. (ältere Form) f. (neuere Form). Pl. Hardn, Dim. Hardl Neugersdorf 1. `Herde, Meute, Schar, Gruppe, unbestimmte Anzahl von Tieren od. Personen, einige´; a Hard Krohn `ein Schwarm Krähen´; do kimmt a Hard Jungn `da kommen einige Jungen´; drei Hardn od. Hardl Kinder senn zun Grinndurschtche zu uns singn gekumm.  - 2. übertr. `unbestimmte Anzahl (von Gegenständen), einige, einige Mal´; a Hard Tage druf, a od. anne Hard Juhre, iech bie schunn a ganz Hard mol uffm Oybm gewast.

Harde f. Dim. Hardl `Herde´. 1. `unbestimmte Anzahl von Tieren, meist Weidetieren, od. von (herumwildernden) Personen; Schar´; a Hardl Schofe, anne Harde Mentschn; die hoann doa schunn a ganz Hardl derheeme `die haben schon mehrere Kinder´. - 2. übertr. a. `unbestimmte Anzahl von Gegenständen´; a Hardl Zuckertittn. - b. a Hardl mo(l) `mehrere Male´.

Hardl siehe Hard u. Harde!

hardlweise Adj. `herdenweise: gruppenweise, Kinder in Gruppen auftretend, sehr viel´.

härm swv. refl. `härmen´. 1. `sich um etw. sorgen, sich um etw. kümmern, Interesse haben, daran gelegen sein´; a härmt´ch nischt drim `er hat kein Interesse daran, er begehrt es nicht´, dar hoat´ch noa nie im anne Oarbeit gehärmt. - 2. `sich ärgern, Kummer erleiden müssen´; härm dch oack ne! `Lass dir nur keinen Kummer bereiten!´ Lautf.: harm.

harmachn swv. `hermachen´ 1. `mit etw. beginnen, etw. energisch in Angriff nehmen, über jmdn. oder über etw. herfallen´; se hoat´ch über de Babe hargemacht `sie hat den Napfkuchen gegessen´; dar hoat´ch ieber meine Frooe drieber hergemacht `er hat meine Frau genötigt (vergewaltigt, überfallen, ausgeraubt)´. - 2. in der Wendung woaas harmachn `etwas hermachen: viel unternehmen, auffällig agieren, beeindrucken, große Beachtung finden´; zer Huckst hoann se ne vill hargemacht `die Hochzeit fand im Stillen statt, (weil etwas Kleines unterwegs war)´; dr neue Chef macht woaas har.

Harmche f. selt. `Verlangen, Interesse´; keene Harmche dernooch hoann. Lautf.: Härmche.

Harnl n. Dim. zu Hurn; siehe Hurn `Horn´!

Harr m. `Herr´. 1. `Gott, Christus´. - 2. `Fürst, Standesperson, Mitglied einer Obrigkeit, der Vornehme, Hausherr, Familienoberhaupt, Dienstherr´. - 3. in den Fügungen enn, woaas Harr(e) warn, kriegn, brengn `bezwingen, bewältigen, schaffen´; iech war meine Kinder ne mih Harre; dr Schniepflug brengt de Schniehuckn ne mih Harr. - 4. Interj. meine Harrn! Iech duchte, meine Harrn, doaas gibbt´s doa ne!

Harrgutt m. Dim. Harrguttl, Harrgotl `Herrgott´. 1. volkstümlich für `Gott´; du koannst denn Harrgutt dankn; oalle Tage, die unser Harrgutt warn ließ. - 2. Harrguttl n. Nordböhmen `Heiligenfigur´; dr Lihrer (Lehrer) is a hoalbes Harrgotl od. Harrguttl. Lautf.: Harrgoot.

Harrguttsfrihe f. `Herrgottsfrühe: sehr früh am Morgen´; a oaller Harrguttsfrihe hoat´r schunn ´n Schnie weggeschaufelt. Lautf.: Harrgootsfrihe.

Harrguttsschafl n. wSüdlausitz, Sächsische Schweiz `Marienkäfer´.

Harrguttstischlrook m. veralt. Ostlausitz `Abendmahlsrock (Kirchgangskleidung für Männer)´. Lautf.: Harr-, Herr-, -gutts-, -goots-, -tischl-, -tiesch-, -tisch-, -rook, -rock, -ruck.

harriersch od. harrihrsch (2. Silbe betont) Adj. Niedercunnersdorf, Dittelsdorf `herrschsüchtig, herrisch, bestimmend´; anne harriersche Frooe, die trat aber harriersch uf!

harrje Interj. Ausruf des Erstaunens od. Erschreckens; oach harrje, doaas o noa!

harrjemerschnee, - hätte! Interj. `Ausruf der Überraschung, des Erstaunens, der Freude, des Entsetzens, des Bedauerns, der Abscheu, der Verwünschung)´; harrjemerschnee, hoast du oabgenumm!

harrlch (kurzes a) siehe herrlch!

Harrmoann m. `Herrmann, Hermann: Sauerteigstarter; Sauerteigvorrat; aufbewahrter, kühl gelagerter Sauerteigrest, der bei späterer Brotherstellung zum Leben erweckt wird´; ´n Harrmoann fittern `den aufbewahrten Sauerteig mit handwarmen Wasser und Mehl aktivieren und vermehren´. Lautform: Herrmoann.

Harrn(h)ittsche Soalbe f. `Herrnhuter Salbe´. Lautf.: Harrn(h)utter Soalbe.

Harrnfrooe f. `Frau des Herrn, Frau des Rittergutsbesitzers´. Lautf.: Herrnfroo(e).

Harrnhutt, Harrnutt m.(alt), ohne Genus `Herrnhut (Stadt im °ZI, weltbekannt durch die Brüderunität)´; mer gihn an Harrn(h)utt; ´s woar ees aus´n Harrn(h)utte; iech bie an Harrn(h)utte gewast; de Harrn(h)ittschn od. Harrn(h)itter `die Einwohner von Herrnhut´, de Harrn(h)ittschn `Angehörige der Herrnhuter Brüdergemei-ne´; du bist a richtcher Harrn(h)itter `du bist etwas eigensinnig u. verstockt, ein Sonderling´; Harrn(h)ittsche (Äppl) `Herrnhuter (eine Apfelsorte)´; a fuhr mit senn Zweeraderch und hulte Harrn(h)ittsche Woare; Harrn(h)ittsche Brazln. Lautf.: Herrnhutt, Herrnutt.

Harrnpilz m. `Herrenpilz: Steinpilz (Boletus edulis)´, Speisepilz.

Harrschdurf siehe Herrschdurf!

Harrschoaft f. `Herrschaft´. 1. abstrakt; benn Nubberschleutn hoat de Frooe de Harrschoaft.
2. persönl. a. `die Herrschaft innehabende Fürsten und Standespersonen´. - b. `Arbeitgeber des Gesindes´; de Harrschoaft uff´m Rittergutte hutte a Eisahn.

harrtn swv. Westlausitz in der Wendung woas ne harrtn kinn `sich etw. nicht leisten können´; ich kennt´s ne harrtn, mir a Auto ze koofm. Lautf.: härrtn.

härtlch Adj. Süd- u. Ostlausitz `etwas hart, nicht völlig gar´; de Abbern sein noa bissl härtlich, die missn noa a bissl koachn (Nieder Neundorf). Lautf.: hartlch, härtlich Ostlausitz.

Hartswaale (kurzes a in der 1. Silbe) `Hertigswalde (Ortsteil von Sebnitz, Hintere Sächsische Schweiz)´. Lautf.: Hartchswaale, Hert(ch)swaale.

Harzblieml n. Ebersdorf, Bischdorf `Gemeine Kreuzblume (Polygala vulgaris L.)´. Lautf.: Herzblieml.

Harze (kurzes a) n. Dim. Harzl `Herz´. 1. `das Herz von Mensch u. Tier´ a. als Organ; a hoat a schwaaches Harze. - b. als Sitz der Empfindungen; iech koann´s ne iebersch Harze brengn; as Harze schlissn. - 2. übertr. a. sachlich; Pfafferkuchnharzl. - b. persönl., Kosewort (für weibl. Personen u. Kinder); kumm oack har, mei Harzl, krigst ann Schmoatz!

Harzebrinkl n. Kosename `Herzstückchen: Liebling, Schatz´.

Harzeleed n. `Herzeleid: tiefes Leid, seelische Schmerzen, Liebeskummer´.

Harzgespoann n. `Herzgespann´. 1. veralt. `Asthma; schmerzhafte Blähung, Völlegefühl im Leib unter den Rippen´, wodurch schweres und ängstliches Atmen hervorgerufen wird, tritt bei Kleinkindern auf und wurde durch Massieren u. Einreiben mit Butter geheilt, als Ursache wird heftige Zugluft genannt; lusst is Kleene ne su an Wind kumm, doaas krigt doa Harzgespoanne! - 2. `Herzgespann (Leonurus carddiaca L.): Heilkraut, das Blähungen des Magens und Beschwerden an Magen und Darm lindert´.

harzhoaftch Adj. `herzhaft´; Harch schmeckt harzhoaftcher; mer wulln´ch ann Harzhoaftchn genahmchn `wir wollen uns ein herzhaftes Getränk genehmigen´.

harziehn stv. in der Wendung ieber enn harziehn `jmdn. hinter dem Rücken bereden´.

Harzl n. Dim. von Harz `kleines Herz´. 1. `herzförmiger Gegenstand (bes. bei Backwaren u. Nascherein)´; Pfafferkuchnharzl. - 2. sSüdlausitz, Nordböhmen `Hirtentäschel (Capsella bursa pastoris)´, auch Harzlkraut und Taschlkraut. - 3. Kosewort `Herzallerliebste(r), Liebling, Schatz´. Lautf.: Herzl.

Harzlbude f. dass. wie Harzlhäusl.

Harzlhäusl n. `(der abseits vom Wohnhaus stehende u. mit einem in die Holztür gesägtem Herz versehene) Abort´.

Harzlkraut n. `Herzelkraut´. 1. `Hirtentäschel (Capsella bursa pastoris)´, auch Harzl u. Taschlkraut. - 2. selt. `Baldrian (Valeriana officinalis)´.

Harztruppm Pl. `Herztropfen: bei Herzleiden verordnete Medizin in flüssiger Form´.

harzu(s) (1. Silbe betont) Adv. `herzu, zurück´; hiezus kunnt´ch schunn ne gutt loofm, und harzus glei goar ne.

Harzwurm m. selt. Nordböhmen `Herzwurm´, in der Wendung dr Harzwurm hoat miech beseecht `ich habe Sodbrennen im Magen´.

hasbern swv. Obercunnersdorf 1. `(sich ohne Sinn) ruhelos beschäftigen; abhetzen ohne ein Ergebnis zu erzielen´; rimhasbern. - 2. verstr. Südlausitz `hetzen, jagen, treiben´; iech hoa´n as Bette gehäschbert. Lautf.: haschbern Südlausitz, häschbern selt. Oberland.

häschbern, haschbern swv. siehe hasbern!

häschern swv. Bihms Koarle `(neckend) haschen, hetzen´.

häschn (gedehntes ä) swv. Bertsdorf, Nordböhmen `schnell laufen, rennen´; rimhäschn `herumtoben´. Lautf.: ähschn Hirschfelde, Sächs. Schweiz.

Haslch (gedehntes a) ohne Genus `Häslich (Ortschaft der Gemeinde Haselbachtal im °KM)´; de Haslcher `die Einwohner von Häslich´. Lautf.: Haslich, Häslch.

Häsn f. Westlausitz `Häsin: weibl. Kaninchen´. Siehe auch Siene!

Hatsche (gedehntes a) f. veralt. `Spinnrockengestell´.

Hätsche (kurzes ä) f. 1a. wSüdlausitz, Westlausitz `Kröte´, Hätsche- od. Hätschnteich. - b. `Frosch´. - 2. übertr. Schirgiswalde `kleines, (freches) Kind´; kumm ack du kleene Hätsche! Lautf.: Hätschche, Hutsche, Hutschche, Hootsche Ostlausitz, Wootsche °NOL Königshain.

hatschee Interj. `adieu: Gott befohlen!´. Lautf.: hadschee, hadchee!

Hatschepippl (gedehntes a) n. 1. `Püppchen, das gehätschelt wird´. - 2. übertr. `Kind, das gehätschelt, verzärtelt und verwöhnt wird´. Lautf.: Hoatschepippl Seifhennersdorf.

hatschi dass. wie hatzi.

Hatschlch (gedehntes a) m. `(schwaches) Wesen (meist Kind), das verzärtelt wird´; Mutterhatschlch. Lautf.: Hätschlch.

hatschln (gedehntes a) swv. `hätscheln: verzärteln, ein Kind (mit übertriebener Liebe) großziehen u. damit verwöhnen, (dem Kind) jeden Wunsch erfüllen´.

Hätschnprelle f. Cunewalde, Schirgiswalde siehe Grätnprelle und prelln!

Hätschnprelln n. Cunewalde, Oberlichtenau siehe Grätnprelln und prelln!

hätte Interj. Ausruf des Erstaunens, der Verwunderung, der unangenehmen od. freudigen Überraschung, des Befremdens, des Bedauerns od. des Erschreckens `na, so etwas! o weh!´; O Jesses hätte (nee)! O Jemersch hätte! O meines hätte! Menner Seebm hätte! Zun Teifl hätte! Oach Gutt hätte! Foahr oack zu uff Teiflhätte! `auf Teufel komm raus´.

Hatzjoid f. Ostlausitz `Hetzjagd, Gehetze´.

Hatzi Kindersprache `Blume´, auch Hatziblieml. Lautf.: Hatschi.

hatzi Interj. Zuruf an einen Niesenden, Ruf eines Niesenden.

Haubank f. Ostlausitz 1. `Bock, auf dem Balken mit der Axt behauen werden´. - 2. `(provisorischer) Bock (im Wald) zum Reisighacken´.

Haube f. Dim. Häubl 1a. `Frauenhaube (mit der Tracht untergegangen)´; Radl-, Taller-, Blieml-, Boart-, Tichl-, Bändl-, Guldhäubl; RA: under de Haube kumm `heiraten bei Mädchen´. - b. `Nachthaube´. - c. `Kinderhäubchen´. - 2. übertr. auf Gegenstände, die eine ähnliche Form u. Funktion wie eine Haube haben; z.B.: Haube für Getreidepuppe od. Pumpenhaube.

Häuer m. Seifhennersdorf `Hauer (im Bergwerk)´.

haufch Adj. `haufig: haufenweise, sehr viel (eigtl. mit zahlreichen Haufen bedeckt)´; mer hoann heuer haufch Äppl.

Haufm m. Dim. Hoaffl u. Hoajffl msSüdlausitz, Heffl °ZI Friedersdorf, Girbigsdorf, Häufl Schirgiswalde `Haufen´. 1. `eine Menge übereinander liegender Dinge´; Steenhaufm, Futterhoajffl. - 2. `eine größere Menge´; dr Teifl schesst zu grußn Haufm `wo schon viel ist, kommt noch mehr hinzu´; a Hoaffl Steene. - 3. in der Wendung a Hoaffl Ungelicke `ein jammervoller Mensch´.

haufm swv. um Löbau Bautzen dass. wie heffln 1.

Haumiechblau siehe Hoomiechbloo!

haun siehe hoon!

Haus n. 1. wie litspr. `Wohngebäude´; Dim. Häusl; Äberlausitzer Häusl, Imgebindehäusl, Waberhäusl; RA: aus´n Häusl senn `außer sich sein vor Aufregung´; Sprichwort: Wenn de Koatze aus´n Hause is, tanzn de Mäuse uff´m Tiesch. - 2. `(vorderer) Hausflur im unterem Geschoss´; "Is de Mutter uff´m Soaale?" - "Nee, an Hause?" - 3. `zur Miete´; mir senn dohiedn oack zu Hause; zu Hause ziehn.

hausbackn Adj. (eigtl. Part. Prät. von backen) 1. `im eigenen Backofen gebacken´; hausbackn Brut. - 2. übertr. a. `praktisch ausgerichtet´; a hausbackn Maajdl. - b. `ans Haus gebunden u. somit etw. einfältig (durch eintönige Hausarbeit), weltfremd, ohne Reiz´. - c. `laienhaft, unexakt, nicht fachlich, nur für den Hausgebrauch geeignet´.

Hausdrachn m. 1. `(feurige, einen Schweif besitzende) Sagengestalt, die den Schornstein benutzt, den Hausbewohnern Reichtum, aber keinen Segen beschert´, uff´m Linkegutte hoann se ann Drachn od. Hausdrachn `der Bauer Linke ist reich´. Vgl. Drachn!  - 2. `weibl. Unfriedenstifter im Haus; zänkische, herrschsüchtige Hausherrin; böse Ehefrau´; mei Hausdrachn woar ne derheeme. Lautf.: Hausdrache.

Hausdurf n. 1. `Sächsisch Haugsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße und westlich des Queis, auch Säcksch Hausdurf, poln. `Nawojow Luzycki´. - 2. `Schlesisch Haugsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich des Queis, auch Schläsch Hausdurf, poln. `Nawojow Slaski´.

Hausfanster n. `Hausflurfenster zu beiden Seiten der Haustür´.

Hausfletzn m. 1. Südlausitz `gefliester Boden des Hausflurs´. - 2. Frankenthal, Ohorn `Türschwelle´.

hausgemacht Adj. `im eigenen Haus (nach alten Rezepten od. eigener Kreativität) selbst hergestellt´; hausgemachte Wurscht, hausgemachte Nudln.

Hausgräte f. `Hauskröte: die glücksbringende, das Haus und seine Bewohner vor Unheil bewahrende Kröte (im Keller des Hauses), die nicht vertrieben oder getötet wird und in der die Seele eines Verstorbenen wohnt; guter Hausgeist´. Lautf.: Hauskräte. Siehe Gräte!

Hauskammerchl n. siehe Koammer 2a!

Hausknaajcht m. Scherzwort 1. `Diener, Gehilfe, Hausbursche´. - 2. Südlausitz `Hausknecht: (großer) Hausschlüssel´; dr Hausknaajcht sitzt uff´m Hausfanster `der Hausschlüssel liegt auf dem Hausfenster´.

Hausleute Pl. `Mieter, zugezogene in eigener Wohnung´; RA (bei Hausbesitzern): Hausleute senn Oaffm.

Häuslkastl n. `Moosbild: verkleinertes, halbplastisches Abbild eines Grundstückes, wobei für Strauchwerk u. Baumkronen Moos verwendet wurde´.

Häuslleute Pl. `Häusler, Besitzer eines kleinen Hauses (ohne Feld), z.B. eines Umgebindehauses´.

Häuslmoan m. `männl. Person, die ein Häuschen, etw. Garten, aber kein Feld besitzt´.

Hausloob n. Burkau `Hauslaub: Dach- Hauswurz (Sempervivum tectorum L.)´. Dieses Dickblattgewächs wird auf Wunden aufgelegt.

Hausmoan m. `Mieter´.

haußn Adv. `hier draußen (von außen her gesehen)´; mer bleibm haußn.

Hausschur f. `Hausjour: Reinigung des Hauses, Hausordnung´; mir senn neue Wuche mit dr grußn Hausschur droaa.

Hausschwein n. 1. wie litspr. `domestizierte Form des Wildschweins´. - 2. übertr. `Familienmitglied, das alle Essensreste isst´; mer hoann a Hausschwein derheeme, doaas is unser Voater.

Hausteifl m. `(weibl.) Unfriedenstifter im Haus, böse Ehefrau´.

Haustierbänkl n. `Sommerbank vor der Haustür´, auch Ausruh-, Summer- od. Noamittchbänkl.

Haustiere f. `Haustür: vordere Eingangstür, durch die man in den Hausflur gelangt´.

Hauswaale ohne Genus `Hauswalde (Ort der Gemeinde Bretnig-Hauswalde im °KM)´; de Hauswaaler od. Hauswälder `die Einwohner von Hauswalde´.

Häutl n.  Dim. von Haut `Fettschicht auf der gekochten Milch´; Milchhäutl.

Häzt f. veralt. Oberland `Heuzeit´.

hebbern siehe häppern!

hechln swv. `hecheln´. 1. wie litspr. `Flachs od. Hanf durch ein aus vielen spitzen Stahlstiften bestehendes Werkzeug (Hechel) ziehen, um die Fasern zu ordnen, zu parallelisieren, die längeren von den kürzeren (Werg) zu sondern und um Holzteile zu entfernen´. - 2. übertr. `jmdn. durch den Kakao ziehen; über jmdn. lästern, übermäßig bereden´; ´s hoalbe Durf durchhechln; se is gehierch gehechlt wurn.

Hecht m. 1. `Süßwasserfisch Esox lucius´. - 2. `langgezogenes Dachfenster, (das häufig in Einzelfenster aufgeteilt ist)´. Vgl. Uchsnooge! - 3a. `Draufgänger´. - b. `sehr schlanker, junger Mann´. Lautf.: Haajcht Seifhennersdorf, Neukirch.

Heckche f. Schirgiswalde 1. wie Hecke. - 2. `unbestimmte Anzahl von Pers´; anne Heckche Jungn.

Hecke f. `(größere) Anzahl neugeborener Tiere (Kaninchen Mäuse, Katzen); Wurf Junge´; se hoann anne Hecke Kinder grußgezoin.

Heckepfenngk m. veralt. Pl. Heckepfennge `Glückspfennig; kleine Münze, die man gefunden hat´. Man darf sie nicht ausgeben, sondern soll sie immer in der Geldbörse aufbewahren, weil sie nach altem Volksglauben das Geld vermehrt. Heckpfennge legten die Paten dem Patengeschenk bei und wurden von den Eltern nicht ausgegeben. Lautf.: Heckpfenngk.

Hecker m. `Höcker´. 1. wie litspr. `Buckel´, übertr. im Pl. auch `Brüste´; die hoat zwee Hecker. - 2. `unnützes Zeug, unnützer Schmuck´; die hängt´ch oalln Hecker im Hoals.

Heckerlooch n. `unruhig sitzendes Kind´. Lautf.: Häkerlooch.

heckern swv. Obercunnersdorf, Steina `höckern´ 1. `(unnützerweise) klettern, (be) steigen, kraxeln´; uff jedn Barg heckern; dr Koarle häkert de Treppe nuff; ar toat mit´n Älkannl uff de Moaschine nuffhäkern (Neukirch). - 2. `(herum) balancieren, (herum) lümmeln, (herum) kriechen, (herum) hängen, mal da und mal dort sitzen, hin u. her rutschen´; uff´m Koanepee rimheckern od. rimhäkern. Lautf.: häkern Bihms Koarle, sSüdlausitz, Schirgiswalde, Neukirch; hägern Burkau.

heckn swv. `hecken: (viel) Junge zur Welt bringen, wie Hasen u. Kaninchen´; RA: die heckn wie de Filzläuse.

Hee siehe Hei!

heebm siehe hobm!

Heede m. `Heide´. 1. `Nichtchrist´. - 2. `ungetauftes Kind´; Spruch der Hebamme vor der Taufe im Elternhaus: "Ann klenn Heedn schoaff mer furt, und ann getooftn Christn brengn mer wieder heem!"
Heede f. `Heide´. 1. `nördlicher Teil der Oberlausitz mit unfruchtbarem, ungenutztem, sandigem Boden und Kiefernwäldern; Heideland´; Heedeblieml; mer foahrn murne frih a od. ei de Heede Pilze suchn. - 2. `Heidekraut (Calluna vulgaris)´; de Heede bliht. Volksaberglaube: Stellt man sich einen Strauß Heidekraut in die Wohnung, schleppt man sich etwas ein und es wird jemand krank.  - 3. Pl. `Hede: Werg; kurze Fasern in Wirrlage, die beim Hecheln von Bastfasern, wie Leinen, anfallen und durch Schmutz und Ammen (Oajn) verunreinigt sind´.                                                                         Heede f. 1. `Heide´, Ortsteil von Volkersdorf im ehem. Kreis Lauban östlich der Neiße. - 2. `Haida (tsch. Novy Bor, Stadt in Nordböhmen)´.

Heedebarg m. od. ohne Genus `Heideberg (häufiger Orts-, Flur- u. Bergname)´. 1. Ortsteil des zur Gemeinde Kottmar gehörendem Ort Niedercunnersdorf im °GR; a wohnt oan Heedebarge; de Heedebarger `die Einwohner´. - 2. Ortsteil der Gemeinde Vierkirchen im °GR.

Heedeckse siehe Eedeckse!

Heedefleesch n. scherzh. Weigersdorf `Heidefleisch: Pilze aus der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft´; ba uns gibbt´s sugoar a dr Wuche Fleesch, nämlch Heedefleesch.

Heedegritze m. (veralt.) f. `Grütze aus den Körnern des Buchweizens, die auch als Mus (Brei) vor dem Siegeszug der Kartoffel zu Brot oder zu Fleisch als sog. „Zugemüse“ gegessen wurde´.

Heedehaus Pl. Heedehäuser Stollberg `Heidehaus (Ortsteil des zur Gemeinde Rietschen gehörenden Ortes Daubitz im °GR)´

Heedekroattch n. `Heidekraut (Callus vulgaris)´. Lautf.: Heedekroitch.

Heedekurn n. `Heidekorn: echter Buchweizen (Fagopyrum sagittatum Gil bzw. Fagopyrum esculentum Moench)´. Die Körner wurden wie Grütze gekocht od. zu Mehl gemahlen, aus dem man Plinsen buk.

Heedeland n. `Heideland´, dass. wie Heede 1.

Heedeleefer m. Ostlausitz `Heideläufer: Aufsichtspers., Jäger, Förster in der Oberlausitzer Heidelandschaft, der sein Revier in der Heide abläuft (u. z.B. von den Heidelbeerpflückern Gebühren verlangt)´.

Heedelirche f. `Heidelerche´. 1. `Lullula arborea´; die singn wie de Heedelirchn; auch Boomlirche Großschönau od. Buhschlirche. - 2. übertr.; Aberschbächer Heedelirchn `aus Frauen bestehende Ebersbacher Heimat- und Mundartgruppe´.

Heedemahl n. `Heidemehl: Buchweizenmehl´; Heedemahlplinzn.

Heedepoappe m. od. f. `Brei aus dem Mehl des Buchweizens´, auch Heedepoapp, Heedepoapps.

Heedepulezeier m. Neusorge `Heidepolizist: Eichelhäher´.

Heederschdurf `Heidersdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Wlosien´.

Heedesträh f. selt. nmOstlausitz `aus Heidekraut und Nadeln bestehende Streu fürs Vieh´.

Heedlbäre f. Süd- u. Westlausitz `Heidelbeere´, auch Bloobäre Ostlausitz. Lautf.: Heedlbihre Königshainer Berge, Hinterhermsdorf.

Heedlbärcht n. `Heidelbeerkraut´. Lautf.: Heedlbeercht, Heedlbihrcht.

Heedlbärkroattch n. dass. wie Heedlbärcht. Lautf.: Heedlbär-, Heedlbeer-, Heedlbihr-, -kroattch, -kroitch.

Heedlbärwoanze f. dass. wie Buhschwanze!

heelch siehe hellch!

Heelcher Christ siehe Hellcher Christ!

Heelcher Obd siehe Hellcher Obd!

Heeldche Pl. veralt. Seifhennersdorf in der Wendung uff de Heeldche `zu den heiligen (Weihnachts)feiertagen´. Lautf.: Heildche.

heele Adj. `heil´. 1. `gesund, unverletzt´; a is mit heeler Haut dervoone gekumm; kumm oack heele derheeme oaa!  - 2. `geheilt, wieder gesund, gut´; mei Oarm is wieder heele; mit dr Puppe heele, heele machn. Ein schlechter Werfer wird gehänselt: Gutt getroaffm, Been atzwä, wenn´s oack wieder heele wär! - 3. `unbeschädigt, ganz´; zwee Tippl senn heele gebliebm; doaas diche Dingk is noa amol heele oabgegangn.

heelfruh präd. Adj. `heilfroh: sehr erleichtert´.

heeln swv. `heilen´. 1. trans.; dr Dukter hoat miech geheelt; die is geheelt `die ist befreit von ihrem Laster´. - 2. intrans. `verheilen, abklingen einer Krankheit´; wenn’s juckt, do heelt´s o.

heem `heim: nach Hause´. 1. als Adv.; nischt wie heem! - 2. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss; mer wulln oack nu heemgihn; heemfoahrn, heemsieln, heemscharn. Lautf.: heeme Neukirch.

heembrengn unregelm. V. `die in Lohnarbeit gefertigte Webware (auf dem Rücken tragend) zum Verleger (Faktor, Fabrikant) befördern´; Liebl, mei Handwaber, brengt heem; auch heemtroin.

Heemcht(e) siehe Heemte!

Heemfihrche f. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Heimführung: Begleitung (eines Mädchens von einem Burschen vom Tanz) auf dem Weg nach Hause´. Lautf.: Heemfuhrche.

Heemfuhre f. dass. wie Heemfihrche.

Heemhilfe f. Cunewalde, Burkau, sOstlausitz in der Wendung enn de Heemhilfe gan `nachhelfen, um jmdn. ins Jenseits zu befördern´; de Heemhilfe kriegn; ´n Äpplpoappe de Heemhilfe gan `beim Apfelmusessen helfen´; ´n Spielzeug de Heemhilfe gan.

heemhittn swv. `heimhüten´. 1. ` zu Hause bleiben, wenn die anderen Familienangehörigen ausgehen; aus bestimmtem Anlass einen fremden Haushalt für kurze Zeit betreuen´; zun Nubberschleutn heemhittn gihn. - 2. `Rausschmeißen eines ungebetenen Gastes, jmdn. nach Hause jagen´; dann Karln war´ch heemhittn. Lautf.: heemehittn Westlausitz.

Heemkrankt f. °NOL Königshain, Mückenhain, Nieder Neundorf `Heimweh´. Lautf.: Heemkrankheet.

Heeml n. selt. dass. wie Heemlch.

heemlautn swstv. 1. `die heimkehrenden Besucher nach dem Kirchbesuch mit Geläut begleiten´. - 2. enn heemlautn `jmdn. zum Gehen auffordern´. Lautf.: heemläutn.

Heemlch m. `Heimchen, (Haus)grille´.

heemlch Adj. 1. `heimisch, wie in der Heimat, anheimelnd, traut, traulich, vertraut, gemütlich´; heemlch fuhln.  - 2. Ostlausitz `schön (vom Wetter), nicht regnerisch, nicht windig´; heute is haußn hoalwaajge vu ubm heemlch.

Heemlchkeet f. `anheimelnde Atmosphäre´; de ganze Heemlchkeet woar weg.

Heemlchfutter n. selt. `Feld-Thymian (Thymus pulegioides L.)´.

heemloajchtn swv. `heimleuchten: jmdm. eine Abfuhr, Rüge erteilen; fortjagen´; dann Karl hoa´ch heemgeloajcht.

heemsch Adj. `heimisch´; de heemsche Sproche.

Heemschleppche f. Ostlausitz dass. wie Heemfihrche.

Heemschoaffche f. Ober- u. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf dass. wie Heemfihrche; uff de Heemschoaffche.

Heemschoaffe f. dass. wie Heemfuhre.

heemschoaffm swv. `heimschaffen´. 1. `ein Mädchen nach dem Tanz nach Hause begleiten´. "Doarf´ch diech heute heemschoaffm?" - 2. dass. wie heemtroin 2.

Heemschweefche f. Oderwitz `letzte Spülung vor dem Heimgang, der letzte Kaffee vor dem Ende der Feier´; anne Heemschweefche kinnt´r noa kriegn, derno is gutt.

Heemte f. Obercunnersdorf, öSüdlausitz, Ostlausitz `Heimat´. 1. `Elternhaus (mit allen Gepflogenheiten), Geburtshaus, Wohnstätte´; benn jungn Leutn is de Heemt fix vergassn; de Kihe finn´ch oalleene a de Heemte `die Kühe finden sich allein in ihren Stall´. - 2. `Heimatort mit Umgebung´. Lautf.: Heemt °ZI Ebersbach, Cunewalde, Spitzkunnersdorf, Schirgiswalde, Hinterhermsdorf; Heemcht söSüdlausitz, Steudtner, Westlausitz, Heemcht(e).

heemticksch Adj. `hinterhältig, falsch´.

Heemtsproche f. Seifhennersdorf `Heimatsprache´.

heemtroin stv. `heim tragen´. 1. `eine Last nach Hause tragen´. - 2. `die in Lohnarbeit gefertigte Webware (auf dem Rücken tragend) zum Verleger (Faktor, Fabrikant) befördern´.

Heemwaajg m. `Heimweg; Gang nach Hause´. Lautf.: Heemweig oOstlausitz.

heemzoahln swv. `heimzahlen: vergelten´.

heemzu(s) Adv. `heimwärts, auf dem Heimweg´; mer machtn´ch uff heemzuKumm oacke, heemzus gitt´s! `Komm nur, wie gehen heim!´ Lautf.: uff heemzus, heemszu.

Heenerschdurf `Hainersdorf (zur Stadt Sebnitz gehörend)´; de Heenerschdurfer `die Einwohner von Hainersdorf´; a neuer Lihrer koam no Heenerschdurf.

Heenewaale ohne Genus `Hainewalde (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Heenewäldschn, de Heenewälder od. de Heenewaaler `die Einwohner von Hainewalde´. Spitzname Heenewuppdich.

Heenewuppdich ohne Genus siehe Heenewaale!

heescher Adj. `heiser´; hoast du´s an Hoalse, du reddst ju ganz heescher? Anne heescher(e) Gurgl hoann.

heeschlings Adv. Neusalza-Spremberg, Oppach, Schirgiswalde `überstürzt, ruckartig, schnell, heißhungrig´; tu oack ne su heeschlings assn! Verschun miech vu dann heeschlingchn Dinkerche (Weifa)! Lautf.: heeschlingch.

heeß Adj. hesser (Oberland) od. heeßer (übrige Oberlausitz), oan heeßestn `heiß. 1. wie litspr; heeßer Summer; RA: ´s wird ne su heeß gegassn, wie´s gekoacht is. - 2. `von (hoher) Körperwärme, hitzig, aufgeregt´; RA: Woaas´ch ne weeß´, macht miech ne heeß. - 3. `läufig, brünstig´; anne heeße Täbe `eine läufige Hündin´.

heeßn stv. iech heeß(e), du heeßt, mer heeßn, iech hieß od. hiss, mer hießn od. hissn (öKürzung), iech hoa geheeßn `heißen´. 1a. enn heeßn `jmdm. einen Auftrag erteilen, jmdm. etw. befehlen, jmdn. zu etw. auffordern´; luss dch ne heeßn! `Lang zu und iss!´ - b. `verbieten´; iech heeß der´sch! `Ich verbiete es dir!´ - c. `bedeuten´; woaas sull´n nu doaas wieder heeßn? `Was hat denn das zu bedeuten?´ - 2. (trans.) `nennen´. a. `einen Vor- od. Spitznamen geben´. - b. `mit Schimpfnamen belegen´; du brauchst miech ne glei ann dumm Hund heeßn. - c. `lauten´; wie heeß´n glei das Varrschl? - d. ´s heeßt `man sagt, sein Wahlspruch lautet, es gilt´; ´s heeßt, a hätt´ch a Leed oaageton `man erzählt, er hätte Selbstmord begangen´.

Heet n. Dim. Heetl `Haupt´. 1. `Kopf des Menschen´; ´s Huttl leit zu Heetn vu Pauln `der Schnuller liegt neben Pauls Kopf´. - 2a. `das Querholz am Rechen´; ´s fahln a poaar Zinkn as Heet. - b. `Oberteil des Rutenbesens´; dr Ruttnbasn is aus zwee Heetln zusoammegebunn. - 3a. meist im Dim. `der geschlossene Blätterkopf bei Kraut od. Salat´; Krautheetl, Klieheetl, iech hoa a Heetl Soaloat mitgebrucht; RA: War Gutt vertraut und schesst as Kraut, dan wachsn gruße Heetl. - b. Großhennersdorf, °ZI Kemnitz in der Wendung a Heet od. Heete setzn `erste Gabeln beim Heu- od. Getreideaufladen zum Eckenansetzen im Ernteleiterwagen´; benn Klie- und benn Heiloadn wird irscht a Heet gesoatzt. - 4. siehe Pfeifmheetl! - 5. nur im Dim. a. `der Schirm, Hut, die Kappe eines Pilzes´; ´s Heetl is moadch. - b. `Pilz´; Rutheetl `Rotkappe´, Braunheetl `Braunkappe, Marone´. - 6. nur im Dim. `der einzelne Rundteil einer Zeilensemmel´, siehe Stießl, Stießlsamml u. Heetlsamml!

Heetbettl n. `Kopfkissen´.

heetch Adj. verstr. Westlausitz `einen festen Kopf ausgebildet habend´; dr Soaloat is heuer zeitch heetch.

Heetfiel n. Oberlichtenau, Westlausitz `Kopfkissen´. Lautf.: Heetpfiel.

Heetfurche f. `Kopffurche: Schlussfurche am gesäten Feld, über die das Regenwasser abläuft´. Lautf.: Siehe Furche!

Heetkissn n. Dim. Heetkissl Süd- u. Ostlausitz `Kopfkissen´.

Heetkraut n. `Weißkraut´.

heetln swv. 1. `Köpfe bilden´. - 2. `ins Kraut schießen, blühen´; dr Soaloat heetlt schunn.

Heetlsamml f. `Zeilensemmel: aus drei, vier od. sechs Teilen bestehende Semmel´; auch Heet- od. Stießlsamml.

Heetlsuloat m. selt.. `Kopfsalat´. Lautf.: Heetlsoaloat.

Heetreefm m. Bihms Koarle aus der Böttchersprache `Kopfreifen, Fassreifen´; dir war´ch de Heetreefm gehierch oaapoassn! `Dir werde ich helfen!

Heezl n. `Streicheleinheit, Liebkosung´; gibb oack dr Omi a Heezl! Lautf.: Heizl.

heezln swv. Südlausitz `heizen: (die Wangen liebkosend) streicheln, liebkosen´. Lautf.: heezln.

Heffl n. siehe Haufm!

heffln swv. `häufeln´. 1. Obercunnersdorf `zwei Schwaden Heu (abends) zusammenrechen und auf Wetterhaufen setzen´; irscht wird geschwadlt, derno gehefflt und zerletzt geschäbert. - 2. `heranwachsende Hackfruchtpflanzen, Gurkenreihen u. dgl. mit Erde behäufeln´. Lautf.: hoaffln msSüdlausitz, häufln Cunewalde.

Heft n. Dim. Heftl 1. `Handhabe, Handgriff (an der Sichel, an der Feile, am Messer od. einer Stichwaffe)´. - 2. übertr. scherzh. `(lange) Nase´. - 3. `(eine zu Späßen aufgelegte) Person´; doaas is a kreizfideles Heft.

Hei n. `Heu: Trockenfutter vom ersten Wiesengrasschnitt sowie von Futterpflanzen, insbes. Klee´; Heiarnte `Heuernte´, Heisome `Heusamen´.  RA: A hoat sei Hei troige rei `er hat die richtige Ehefrau gefunden´. Lautf.: (gedehntes ä) Oberland, Bihms Koarle, Großschönau, Hee Nordböhmen, Heu. Oft verwendet der Oberlausitzer dafür auch (troiges) Futter.

Heiboalkn m. 1. `Balken, der zum Heuheraufziehen aus dem Heuboden ragt´. - 2. `der obere Raum der Scheune über der Tenne, in dem Heu gelagert wird´; dass. wie Heibodn. Lautf.: Häboalkn Großschönau.

Heibodn m. `Abteil in der Scheune zum Einlagern von Heu, auch Bodenraum über dem Viehstall des Wohn- od. Stallgebäudes´.

Heibodntag m. `Heubodentag: Regentag, an dem nur in der Scheune od. im Haus gearbeitet werden kann´. Lautf.: Häbodntag.

Heibodnwater n. dass. wie Heibodntag.

heide in der Wendung heide, heide machn kinderspr. `schlafen´; mach oack heide, heide!

heidie Adv. Bihms Koarle `fort, auf und davon´; in der Wendung woaas od. enner is heidie `etwas od. jmd. ist verschwunden, nicht mehr da, hinüber, kaputt´; de Pfennge woarrn heidie.

Heidl n. Westlausitz `Liebkosung, Streicheleinheit´; du krigst a Heidl. Auch Heiz od. Heizl.

heidln swv. 1. Frankenthal, Nieder Neundorf `schlafen (Kinder)´. - 2. Frankenthal, Burkau `liebkosen, streicheln, heizeln´.

Heie (gespr. Heije) `Heia´: kinderspr. `Bett´; Heiebettl.

heie in der Wendung heie machn `schlafen gehen´.

Heiebettl n. `Heiabettchen´. 1. `kleines Kissen für Kinder, ca. 15cm x 10cm´. - 2. kinderspr. `Bett´. Lautf.: Heiabettl.

Heikaffer m. Ostlausitz `Heuboden´.

Heikaffertierdl n. Ostlausitz `Heubodenaußentür zum Heu Durchreichen´.

Heikippl n. nOstlausitz `kleiner, halbtrockener Heuhaufen; Heuschober´.

Heikurb m. `Heukorb: Tragkorb ohne Tragseile zum Befördern von Heu auf dem Rücken´.

Heileine f. Süd- u. Ostlausitz `Heuleine: dickes Seil, das zur Befestigung der Ladung längs über das Heufuder gespannt wird´.

Heim n. Kurzform für "Alten-´ od. `Pflegeheim´; se is schunn ebch und drei Tage an Heime.

Heiroat f. `Heirat´. 1. `Eheschließung´; de Heiroat oaatroin `Heiratsantrag machen´; iech war mer keene Heiroat verschleudern `das ist nicht so schlimm´. - 2. `Stelldichein, Brautschau´; a de, ei de od. uff de Heiroat gihn `die Liebste besuchen, auf Brautschau gehen, auch: fremd gehen´, a koam jedn Sunntch a de Heiroat, vu dr Heiroat kumm `vom Stelldichein kommen´. Siehe auch Freit!

Heiroatsmoarcht m. `(Jauernicker) Heiratsmarkt (zu Himmelfahrt): Volksfest mit Jahrmarktcharakter, Tanz und allerlei Belustigungen, bei dem sich viele junge Leute treffen´.

Heiroatsteifl m. `Heiratsteufel: Wille zum Heiraten, Heiratslust´; dan muss dr Heiroatsteifl ausgetriebm warn.

Heischeune f. `Heuscheune´. 1. verstr. `Scheune, die außerhalb des Gehöftes in der Nähe der Wiese steht u. zur Aufbewahrung des Heues dient´; auch Feldscheune. - 2. übertr. abwert. `zu hoch gewachsenes Pferd´. - 3. zu Großhennersdorf gehörender Ortsteil der Stadt Herrnhut im °GR.

Heischoaber m. °GR Königshain `Heuschober´, siehe Schäber 1! Lautf.: Heischäber.

Heisom m. `Heusamen: Heureste auf dem Scheunenboden od. auf dem Wagenboden nach dem Abladen des Heufuders´. Durch Nachtrocknen auf dem Heuboden fällt der Samen aus, er wird aufgekehrt, aufbewahrt, als Grassamen auf die Wiese gestreut, im Winter aufgebrüht, um die aufsteigenden Dämpfe als Heilmittel bei Erkältung einzuatmen; mit Lein- und Heisome bähn. Lautf.: Hä-, Heesome Wehrsdorf.

Heitierdl n. `Heubodenaußentür zum Heu Durchreichen´. Lautf.: Hätierdl Großschönau. Siehe Hei und Tiere!

Heiz m. Südlausitz Dim. Heizl od. Heezl n. Kinderspr. `Liebkosung´.

Heizl n. siehe Heezl!

heizln siehe heezln!

Hekndurf ohne Genus Westlausitz `Höckendorf (Ort der Stadt Königsbrück im °BZ)´.

hellch Adj. `heilig´. 1. wie litspr. `(von Gott) geweiht, gesegnet´; Ausruf der Enttäuschung od. Bestürzung: Do hoann mer´n Dreck vun hellchn Moanne! - 2. `sehr fromm, frömmelnd´; hellch tun `scheinheilig sein´. Lautf.: heelch, heilch.

Hellche Geister Pl. Niedercunnersdorf `Heilige Geister: aus leichtem Papier angefertigte Schwebetiere, meist Vögel, die mit einem Faden an der Decke aufgehängt sind und sich durch die aufsteigende Wärme der Lampen und Lichter bewegen´. Lautf.: Heelche Geister.

Hellcher Christ m. Oberland `Heiliger Christ´. 1. `Christkind, Weihnachtsmann´. - 2. `mit Art. `Weihnachtsgeschenk´; hoast de schunn denn Hellchn Christ gekrigt? Lautf.: Heilcher, Heelcher Christ od. Haajlcher Christ.

Hellcher Obd m. Oberland `Heiliger Abend´. 1. `24. Dezember´. - 2. übertr. `Weihnachtsgeschenk zum Heiligabend´; ver mir wirscht de kenn Hellchn Obd mih sahn. Lautf.: Heelcher Obd, Haajlcher Obd, Heilcher Obd, Heilcher Obmd, Heilcher Omd; siehe Obd!

Hellchobdsuppe f. `Heiligabendsuppe: Suppe aus quellenden Speisen od. Pilzsuppe´; dar isst keene Hellchobdsuppe mih `der stirbt noch vor dem Heiligabend´. Lautf.: Siehe hellch u. Obd!

Helle f. `Hölle´. 1. wie litspr. `Reich des Teufels´; iech hoa de Helle derheeme `mir geht es zu Hause sehr schlecht´; RA: enn de Helle heeß machn `jmdm. die schlimmen Folgen ausmalen´. - 2a. Berthelsdorf `vom Rauch schwarz gefärbte (offene) Feuerstelle im Haus´; Mann zur Ehefrau: "Mach dch a de Helle!" `Verschwinde und kümmere dich um deine Angelegenheit (ums Kochen)´. - b. `dunkler Raum zwischen Wand und Ofen´. Volksreim: Hinder´n Ufm a dr Helle is de Aale-Weiber-Stelle. Beliebte Antwort auf die Frage „Wie vill Kinder hoat´r denne?“ lautete früher: „Na woarrt oacke, doaas koann´ch dr soin, iech war sche a de Helle join!“ - c. `Küche in alten Bauernhäusern´. - 3. FlN a. `schauerlich, wilde Gegend (an Flussläufen); abgelegenes Wiesenstück zwischen zwei zusammenfließenden Bächen´. - b. Ortsteil des Kurortes Oybin im °GR. - c. veralt. `Höllengrund bei Großschweidnitz´; mer gihn a de Helln.

Hellfanster n. `Fenster im Raum zwischen Wand und Ofen´; a poaar wilde Viecher guckn zun Hellfanster rei.

hellsch Adj. `höllisch´. 1. wie litspr. `wie in der Hölle, ganz besonders heftig´; ´s is heute uff Oarbeit hellsch zugegangn. - 2. `sehr (eine Steigerung ausdrückend)´; mer misstn hellsch Achtche gan.

Hellwinkl m. `Höllewinkel´, dass. wie Helle 2. Lautf.: Hellewinkl.

helzern swv. Niedercunnersdorf `Bretter, die aus dem Sägewerk kommen, mit Zwischenlagen von schmalen Leisten zum Austrocknen stapeln, bevor sie verarbeitet werden´.

Helzl n. `Streichholz´. Lautf.: Hilzl. Siehe auch Hulz!

helzln swv. Großhennersdorf dass. wie helzern.

Hemde n. Pl. Hemm, Dim. Hemdl `Hemd´. 1. wie litspr. a. `als Unterwäsche getragenes, über die Hüften reichendes Kleidungsstück´; RA: Die poassn zusoamm wie Oarsch und Hemde; de ziehn uns o `s Hemde aus `die nehmen uns alles weg´. - b. von männl. Pers. als Oberbekleidung getragenes Kleidungsstück´; iech hoa zahn Hemm mit langn Armln. - 2. auf Personen übertragen; du bist a ganz verdrähtes Hemde. - 3. `leinene Stoffhintergrund in Schießbuden´; dr Schuhß gingk as Hemde.

Hemdelämper m. Großhennersdorf, öSüd- u. Ostlausitz `Kind, das nur mit einem Hemd bekleidet ist´. Lautf.: Hemdnlämper.

hemm swv. `hemmen´. 1. `die Bremse am Wagen feststellen´; siehe auch eihemm! - 2. Bühlau, Westlausitz `Wasser stauen; Brautzug mit einem quergespannten Seil stoppen u. dabei um Münzen bitten´, auch verschniern od. schnierdln.

Hemmboalkn m. öSüd- u. Ostlausitz `Querbalken am Räderteil des Vorder- od. Hinterwagens, an dem die Bremsklötze befestigt sind´.

Hemme f. `Bremse: Bremsvorrichtung an Fahrzeugen´; iech misste ganz gälche uff de Hemme gihn.

Hemmeisn n. 1. `Eisenstab hinten am Bauernwagen, der zwischen den Speichen ruht und ein Zurücklaufen bergab verhindert´. - 2. `Holzknüppel, der zwischen die Rungen gesteckt wird und auf die Radreifen drückt und den Wagen abbremst´.

Hemmhulz n. verstr. 1. msSüdlausitz `Bremsklotz am Vorderwagen´. - 2. Burkau `zusätzliche Bremsvorrichtung an den Hinterrädern in Form eines Baumstammes´.

Hemmkäte f. Obercunnnersdorf `Hemmkette: Kette, die an einem Hinterrad des Bauernwagens eingehängt wird und dieses sperrt, um den Wagen auf abschüssigen Wegen stark zu bremsen´, ähnlich Schneekette; derbe RA: Hemmkätn scheißn `Dauerdurchfall haben nach Magenverstimmung.´

Hemmklutz m. Dim. Hemmkletzl 1. `Bremsklotz: hölzerner Klotz (stets zwei) an den eisenbereiften Vorderrädern, der bei Betätigung des Drehlings gegen die Radreifen presst´, auch Schleefkletzl. - 2. übertr. `Pers., die durch körperliche Behinderung, Bummelei od. Weltanschauung auf Tätigkeiten anderer bremsend einwirkt´.

Hemmschuhch m. 1. dass. wie Hemmeisn `kufenförmige Eisenplatte, die am mittleren Wagen an einer Kette befestigt ist, bei starkem Gefälle unter ein Hinterrad gelegt wird, dieses blockiert u. den Wagen auf diese Weise bremst´. - 2. `Bremskeil, der (bei der Bahn) unter die Räder geschoben wird´. - 3. übertr. `langsame Person, die den Arbeitsfortgang aufhält´; iech will ne dr Hemmschuhch senn! Lautf.: Hemmschuh.

Hemmzeug n. Süd- u. Ostlausitz `die gesamte mechanische Bremsvorrichtung mit Bremsklötzen am Wagen´.

Hengst m. 1. wie litspr. `männl. Pferd´. - 2. in Wortzusammensetzungen `leidenschaftlicher Liebhaber, Anhänger, Fan, leidenschaftlicher Verfechter eines Hobbys´; Bilderhengst, Weiberhengst.

Henkerschmohst f. `Henkersmahlzeit: Abschiedsmahlzeit, letztes Essen (vor dem Antritt einer Reise od. endgültigen Trennung); letzte Mahlzeit des Gesindes, bevor man das Anstellungsverhältnis wechselte´. Lautf.: Henkermohlst, Henker(sch)mohlst.

Henkl m. 1. `Aufhänger von Kleidungsstücken´. - 2. `Traghenkel am Eimer od. an der Kanne´; Milchkoannhenkl. - 3. `Handhabe an Gefäßen, wie Tassen und Töpfen, an Körben (mit zwei Griffen) und am Sarg; RA: mer gihn lieber a die Kirche, wu de Gebatsbichl (od. Gesangkbichl) Henkl hoann `wir gehen lieber ins Wirtshaus´. - 4. `Leder- od. Stoffschlaufe an Schuhen od. Stiefeln, die das Anziehen erleichtert´.

Henkluhrn Pl. `Henkelohren: abstehende Ohren´.

Henklkurb m. Dim. Henklkirbl `kleiner Korb mit Griffbügel (zum Obstpflücken), der darüber quer gespannt ist´: vgl.Bieglkurb.

Henkltoop m. Dim. Henkltippl `(große) Tasse od. Topf mit Henkel als Griff´; die machn ´n Spurt a dr Kneipe, eeoarmches Henkltipplreißn.

Hennaschdurf siehe Hennerschdurf u. Seifhennaschdurf!

Henne f. 1. wie litspr. `Huhn´. Sprichwort: Anne geschoite Henne schesst´ch o amol as Naast. - 2. übertr. Schimpfwort für `(dumme) Frau´.

Hennerschdurf veralt. n., ohne Genus `Hennersdorf´, de Hennerschdurfer `die Einwohner von Hennersdorf´. 1. im °GR a. `Dürrhennersdorf ´. - b. `Seifhennersdorf´, auch Hennaschdurf. - c. `Großhennersdorf´. - 2. `Hennersdorf (Ortsteil der Großen Kreisstadt Kamenz im °BZ)´; Hennerschdurfer Busch. - 3a. siehe Durnhennerschdurf! -b. `Hennersdorf´, bis 1945 zum Kreis Görlitz gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Jedzychowice´. - c. `(Katholisch) Hennersdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Henrykow Lubansky´. Lautf.: Hennerschdorf Westlausitz.

heppern swv. siehe häppern!

Herberche siehe Harberche!

Herbsdurf (kurzes e) ohne Genus, veralt. `Herwigsdorf (Ort der Gemeinde Rosenbach im °GR)´; de Herbsdurfer `die Einwohner von Herwigsdorf´. Lautf.: Herbstdurf, Harbsdurf.

Hermannl n. Seifhennersdorf, Nordböhmen `Echte Kamille (Matricaria chamomilla)´. Lautf.: Harmannl, Herml, Harml sSüdlausitz.

Herml siehe Hermannl!

Hermsdurf 1. ohne Genus `Hermsdorf (Gemeinde im Landkreis Oberspree - Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´. - 2. `Hinterhermsdorf (zur Stadt Sebnitz gehörender Ort in der Hinteren Sächsischen Schweiz)´; war vu Hermsdurf kimmt ungeschloan, dar koann vu grußn Gelicke soan `wer in Hinterhermsdorf (auf dem Tanzsaal) keine Hiebe erhalten hat, hat großes Glück gehabt´. Lautf.: Harmsdurf.

Herner Pl. von Hurn.

Hernerbook m. Dittelsdorf, Oderwitz `Hörnerbock´, scherzh. für `Hörnerschlitten´; ar fuhr mit´n Hernerbucke Schneidersch Bargl nunner.

Hernl n. Dim. von Hurn; siehe Hurn `Horn´!

Hernl n. verstr. `Hörnlein: Sensenhandhabe, Sensengriff´, auch Knäbl u. Grief.

Hernlmeese f. Südlausitz, Nordböhmen `Hörnchenmeise: Haubenmeise, Krönchenmeise (Parus cristatus L.)´, auch Kuppmeese od. Meesnkiench.

herriersch siehe harriersch!

herrlch Adj. 1. msSüdlausitz, Ostlausitz `(in bezug aufs Essen) verwöhnt, wählerisch, anspruchsvoll, mäkelig´; bie oack ne su herrlch an Assn! a herrlcher Saak, herrlcher Schlungk, herrlcher Boatzn. RA: War herrlch is, muss vill doarbm. - 2. Neugersdorf `herrisch, stolz, eingebildet´.

Herrmoann, Hermoann siehe Harrmoann!

Herrn(h)utt siehe Harrn(h)utt!

Herrnpilz siehe Harrnpilz!

Herrschdurf n. `Mittelherwigsdorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Herrschdurfer `die Einwohner von Mittelherwigsdorf´. Volksreim: Herrschdurf, Hirnz (Hörnitz) und Päthe (Pethau) sein drei schiene Städte. Lautf.: Harrschdurf.

heschbern swv. siehe hasbern!

Hetsche (kurzes e) siehe Hätsche!

Hetze f. `Hetzwalde (Ortsteil der Gemeinde Leutersdorf im °GR)´; die is aus dr Hetze; de Hetzwaaler `die Einwohner von Hetzwalde´.

heuer Adv. `in diesem Jahr´.

heuerch Adj. `heurig, diesjährig´; de heuerche Arnte; vun heuerchn Winter derwoarrt´ch o nischt.

heutch Adj. `heutig´; dr heutche Murgn. Lautf.: de hicksche Na(a)cht Niedersteina, Bischheim, Oberlichtenau; in dr hickschn Naacht hoatt´ch ann schlechtn Troom.

heutzutage Adv. `in der jetzigen Zeit´.

Hexe f. 1. `(garstige, alte) weibliche Person, die mit dem Teufel im Bunde steht, überirdische Fähigkeiten besitzt u. Mensch und Tier Schaden zufügen kann´. In der Volkssage reiten die Hexen in der Walpurgisnacht auf einem Besen und treffen sich mit dem Teufel. Necken des Fängers beim Haschespiel in Obercunnersdorf: Hexe, Hexe Kaukau, ausgestuppter Wauwau. Beim Murmelspiel versuchte man, mit dem Spruch „Hexe ver´sch Looch“ (Niedercunnersdorf) die Kugel des Gegners von der Bahn abzubringen. Miech schoajßt de Hexe `ich habe Hexenschuss´. - 2. übertr. a. `alte, hässliche Frau´. - b. `alte unausstehliche, unsympathische Frau´. - 3. Cunewalde `Eidechse´, im Volksglauben giftig u. Unheil verkündend.

hexn swv. `hexen: Hexenkunst treiben, zaubern, übermäßig schnell machen´; iech koann ne hexn.

Hexnbrenn n. `Hexenbrennen: Gesamtheit der Brauchhandlung am Walpurgisabend und in der Walpurgisnacht mit (Fackelzug, öffentlichem Gericht, Musik), Anzünden des Hexenhaufens und Verbrennen der Puppe (Hexe)´ aus Stroh und Stoff.

Hexnfeuer n. mnOberlausitz `Hexenfeuer´. 1. `Feuer am Abend und in der Nacht vom 30. April zum 01. Mai (Walpurgisnacht) zur Abwehr von Hexen, die sich an diesem Abende mit dem Teufel treffen und auf Besen reitend Vieh behexen und Saaten vernichten´. - 2. `der (von der Dorfjugend) errichtete Haufen aus Holz, Reisig, Stroh und brennbaren Kränzen mit aufgesetzter Hexe´; ´s Hexnfeuer stiht heuer uff Richtersch Bargl. Siehe auch Woalperfeuer!

Hexnmeester m. `Hexenmeister´. 1. `Mann, der hexen kann; Zauberkünstler´. - 2. übertr. `Teufelskerl, Tausendsasa´.

hibbsch Adj. `hübsch´. 1. `geziemend´; du musst hibbsch Achtche gan a dr Schule. - 2. `nett, angenehm, einen gutebn Charakter besitzend, von gefälligem Aussehen´; doaas is aber a hibbscher Moan!

hicher siehe huch!

hichstns (kurzes i) Adv. `höchstens: nicht mehr als, im höchsten Falle, maximal´; dar krigt hichstns a Juhr ufgebrummt. Lautf.: hiechstns.

hichtche selt. söSüdlausitz, Ostlausitz nur in Verbindung mit best. Artikeln: dar hichtche, die hichtche, doaas hichtche `der hier, die hier, das hier; dieser, diese, dieses´; mit´n Nubberjungn luss miech ne ei, die hichtchn sein mer zu frech. Siehe auch diche! Lautf.: hiche, hichte, hichtsche.

Hichte siehe Hiht!

hichte siehe hichtche u. diche!

Hickl n. siehe Hucke!

hickln swv. verstr. `zum Transport in ein Tuch einbinden, als Hucke fortschaffen´; assn kinnt´r, aber gehicklt wird ne! `Essen könnt ihr, aber eingewickelt und mit heim genommen wird nichts!´. Vgl. Hucke 1b!

hicksch siehe heutch!

hicksn swv. `Schlucken bekommen´; is Hicksn kriegn.

Hickstl n. siehe Huckst!

hie Adv. `hier, an diesem Ort´; hierim `hier herum´; se sein doa noa nie oallzulange hie (Lauban); iech will hie(t) Bauer senn (Lawalde). Lautf.: hiet Niedercunnersdorf; hie-e od. hiehe Westlausitz.

hie Süd- u. Ostlausitz `hin´ 1. Adv.; hie und har, wu oack hie dermitte? ´s senn schunn zwee Stunn hie `vor zwei Stunden´. - 2. hie- als Adverbialpartikel in zahlreichen unfesten Verbzuss.; hielangn, hieloofm, hiepfaffern, hieschloin. Lautf.: hin Neukirch,
hen (kurzes e) Westlausitz.

Hiebl m. `Hübel: Hügel, Bodenerhebung, kleiner Berg, rundliche Bergkuppe, Stück Feld od. Wald am Hügel´; Sunnehiebl. Lautf.: Hiewl.

hiebm Adv. `hier auf dieser Stelle´; hiebm und driebm `hüben u. drüben´; Nubbersch Kindergoatche is wieder hiebm. Wie kimmt´n doaas Luderbeen hiebm har? Siehe auch dohiebm! Lautf.: hiem Westlausitz.

hiefällch Adj. `hinfällig´. 1. `überholt, veraltet, überflüssig, ungültig, unnütz, nutzlos, ohne Wert, unnötig, sinnlos, ungerechtfertigt´; doaas diche Dingk mit dr Bauerei is underdann hiefällch gewurn. - 2. `anfällig, unfähig, nicht belastbar, gebrechlich, kraftlos, schwächlich, krank´; die is hiefällch `die ist zu nichts zu gebrauchen´. Lautf.: hiefältch.

Hiefer m. dass. wie Hieferch.

Hieferch m. Cunewalde, Spitzkunnersdorf Dim. Hieferchl u. Hieferchn `Person, die im Wachstum zurückgeblieben ist; kränkliches, schwächliches Jungtier´; Nubbersch Klenner is oack su a Hieferchl.

hieferch Adj. `hieferig´. 1. `schwächlich, schmächtig, unterentwickelt, kümmerlich´. - 2. `anfällig, kränklich´; euer Jingl sitt sihre hieferch aus.

hiefern swv. 1. refl. Obercunnersdorf, Cunewalde, Oberlichtenau, Nordböhmen `(sich vor Frost) zusammenkrümmen, zusammenkauern (vor Kälte), zusammenschmiegen, zusammenhocken, sich klein machen´; roaahiefern;  du hoast´ch aber zusoammgehiefert! - 2. Wittgendorf, Mückenhain `kleine Schritte machen´; ´s Madl hiefert aber.

hieglitschn swv. `ausrutschen und hinfallen´.

hiehar Südlausitz `hierher: nach links! Links herum!´ Befehlswort, mit dem die Zugtiere nach links gelenkt werden. Siehe auch schwoide und wieste!

Hiehurche f. 1. meist Pl. Hiehurchn Oderwitz `Ohren´; du krigst glei eene hinder de Hiehurchn, dermit se wieder harhurchn! - 2. `Ohrfeige für geistig abwesende od. nicht hören wollende Kinder´; iech hoa mit dir geredd, du krigst glei anne Hiehurche!

Hiele f. nOstlausitz `junge Gans´.

hiele hiele Interj. Neusorge Lockruf für Gänse.

Hierche f. selt. Süd- u. Westlausitz in der Fügung keene Hierche hoann `taub sein, nicht hören wollen´.

hiern swv. bzw. unregelm. V. iech hier(e), du hirrscht, hiärscht (Ostlausitz), hierscht (Neukirch, Westlausitz); a hirrt, hurrt od. hiert (Neukirch, Westlausitz), mer hiern, iech hirrte, hurrte od. hierte, mer hirrtn, hurrtn od. hiertn (Westlausitz, Sächs. Schweiz), iech hoa gehirrt, gehurrt od. gehiert (1. Form immer aus der Südlausitz) `hören´. 1. `Gehör haben´; bläk ne su, iech hier noa gutt! RA: enn vergitt Hiern u. Sahn. RA: uff´m linkn Beene ne gutt hiern `nicht wahrhaben wollen´. - 2. `hörend vernehmen, aufmerksam zuhören, kundschaften´; die sist de ne, die hirrscht de; hier amol har! Hirrschte du! Doaas lässt´ch hiern `das klingt gut´. - 3. `folgen, gehorchen´; RA: A hirrt uff´s Wuhrt, oack ne uff´s irschte. - 4. `erfahren´; iech hoa gehirrt, du hoast gewunn. Se soit´s an jedn, dar´sch oack hiern will. Lautf.: härn, hiärn öSüdlausitz, sOstlausitz, Mühle.

Hierruhr n. Bihms Koarle `Hörrohr, Stethoskop´.

Hiersche m. (alt) f. (neu) `Hirse (Panicum miliaceum)´ Getreideart u. Körner dieser Getreideart; Hierschepoappe od. Hierschepoapps `Hirsebrei´, Hierschemauke Bertsdorf `dicker Hirsebrei´; RA: Do ging´n dr Hiersche `da bekam er Angst´. Lautf.: Hirsche.

Hierschekurn n. Dim. Hierschekarnl `Korn einer Hirserispe´. Lautf.: Hirschekarnl.

Hiesche f. Dim. Hieschl 1. selt. `weibliche Person, Frauenzimmer´. - 2. `Freundin, Liebste, Angebetete´; woaas brengt´r dar fer anne Hiesche oaa? - 3. im Dim. `kleine Frau´; a Hieschl. Vgl. Huhsche!

hieschlch Adj. Schirgiswalde dass. wie hieferch 1.

hieschloin stv. Konjug. wie schloin `hinschlagen: stürzen, hinfallen´; iech schlug baale hie. Lautf. hie-, hin-, hen- (Westlausitz), -schloin, -schloan, -schloon, -schloarn; dreimol hiegeschloin und schunn bie´ch derheeme.

hieschmeißn stv. 1. trans. `mit Wucht hinwerfen; iech schmeiß dan ganzn Krom hie und such mer anne neue Oarbeit! - 2. refl. `hart zu Boden fallen´; miech schmesst´s hie `ich falle´.

Hiesl n. Dim. von Hose selt. `Höschen´. Lautf.: Hosl, Heesl.

hiesln swv. Niedercunnersdorf in der Zusammensetzung hiehiesln `schwach werden, kränkeln und hinlegen´; ´n Nubber hoa´s hiegehieslt. Lautf.: hiezln.

Hietroibrat n. Dim. Hietroibratl `Tablett´. Lautf.: Hietroabratl Zittauer Gebirge; Hentroabratl Westlausitz.

hietroin stv. `hintragen: etw. mit den Händen auf eine bestimmte Stelle schaffen´. Lautf.: hietroa(r)n, hintroa(r)n.

hiezu(s) (Betonung 1.Silbe) Adv. `hinzu: hinwärts´; iech bie schunn hiezus gestulpert. Lautf.: hinzu(s) bzw. henzu(s) Westlausitz.

Hihe f. dass. wie Hiht.

hihn swv. `höhnen: spotten, schmähen, jmdn. verspotten´; hihn ne su!

Hihne f. Peickwitz `Huhn, Henne´.

Hihner Pl. Obercunnersdorf `Hühner´; Kindersprache Hihnerputtl. Das Wort Huhn gibt es in der Mda. nicht, dafür steht Henne. Mit´n Hihnern as Bette gihn. Doaas senn a poaar verrickte Hihner `das sind ein paar durchgeknallte (weibl.) Personen. De Kunnerschdurfer tratn ihre Hihner oalleene `die Spitzkunnersdorfer lassen keinen Fremden einheiraten´. "Tu oack ne Hihnl dertratn!" `Tappe am Morgen nicht so verschlafen herum und pass auf!´ RA: Menner Hihner hoalbm brauch dr Nubber kenn Hoahn. Lautf.: Hinger an der böhmischen Grenze zwischen Seifhennersdorf u. Steinigtwolmsdorf, Hinner Cunewalde, Breitendorf, Neukirch, Hinder nwWestlausitz um Königsbrück u. Schwepnitz, Ostlausitz, Nordböhmen, Schlesien, Hihnder Ostlausitz. Siehe auch Hihnl!

Hihnerbeenl n. Neugersdorf `Fasan´. Lautf.: Hingerbeenl.

Hihnerbihne f. sSüdlausitz, sOstlausitz `Hühnerbühne, Hühnerboden: aus Brettern bestehender Zwischenboden im Schweinestall, auf dem die Hühner die Nacht verbringen; Stangen- od. Lattengerüst im Stalle als nächtlicher Aufenthaltsort der Hühner´. Lautf.: Hinnerbihne Nordböhmen.

Hihnerdreck m. `Hühnerkot´; neuschierch wie gaaler Hihnerdraajk. Lautf.: Hihner-, Hinner-, Hinger-, -dreck, -draajk.

Hihnereegl n. 1. `Hühneräuglein: Heidenelke (Dianthus deltoides)´. Siehe auch Reennaajlke! - 2. Weifa `Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys L.)´. Lautf.: Hihner-, Hinger-, Hinnereegl.

Hihnerklaue f. Ober- u.Niedercunnersdorf `liederliche, unleserliche Schrift´.

Hihnerletter f. `Leiter, die die Hühner hinaufsteigen müssen, um in ihr Nachtquartier zu kommen´. Lautf.: Siehe Hihner u. Letter!

hihnern swv söSüdlausitz dass. wie hihnln.

Hihnernaajlke f. `Heidenelke (Dianthus deltoides)´. Lautf.: Hihner-, Hinger-, Hinner-, naajlke, -nalke, -nelke. Siehe auch Reennaajlke!

Hihneroarsch m. Dim. Hihnerarschl n. Kottmarsdorf, Lawalde `Hühnerauge: örtliche Verdickung verhornter Oberhautzellen an den Zehen mit zentralem, in die Tiefe vordringendem Zapfen´; Lautf.: Hingerarschl.

Hihnerooge n. `Hühnerauge´.

Hihnerputtl n. siehe Puttl 1! Lautf.: Hihner-, Hinner-, Hinger-, Hinder-, -pujttl, -buttl, -bujttl.

Hihnerschoarre f. `Hühnerscharre´ 1. `von Hühnern ausgescharrte Kuhle´. - 2., Peickwitz, Schlesien `Vogelmiere´. - 3. ein Altoberlausitzer u. Altschlesischer Volkstanz.

Hihnerschreck m. `Hühnerschreck´, scherzh. für `Fahrrad mit Anbaumotor´. Lautf.: Hingaschraajk Seifhennersdorf; Hihner-, Hinger-, Hinner-, -schreck, -schraajk.

Hihnersitze f. Westlausitz dass. wie Hihnerstängl.

Hihnerstängl n. Süd- u. Ostlausitz `Holzstangen im Schweinestall, auf denen die Hühner die Nacht verbringen´.

Hihnerwoarzl f. Ober- u. Niedercunnersdorf, Sächs. Schweiz `Warze: kleine rundliche oft stark verhornte Wucherung der Haut´. Lautf.: Hinger-, Hinner-, -woarzl.

Hihnerwurzl f. öSüdlausitz, Ostlausitz, Schlesien `Warze´; se kunnde Zähnangst und Hihnerwurzln versprechn.

Hihnl n. 1. wie litspr. `Hühnchen´; RA: mit enn a Hihnl ruppm `jmdn. ausschelten u. dabei nicht glimpflich umgehen´. - 2. übertr. `Pfifferling´; auch Gaalhihnl, Gaales Hihnl, Hihnlch. - 3. Steinigtwolmsdorf, Westlausitz um Pulsnitz `Kobold, oft in Gestalt eines kleinen schwarzen Hühnchens, das Geld und Gut bringt, ungesehen bei der Arbeit hilft, dafür aber die Ruhe im Tode nimmt´; die missn doa is Hingl hoann! Auch Puttl u. Käberchn. Lautf.: Hingl (zwischen Seifhennersdorf u. Steinigtwolmsdorf an der böhmischen Grenze) Hinnl (Cunewalde), Hindl.

Hihnlblieml n. `Heidenelke (Dianthus deltoides)´; auch Hihnernaajlke u. Reennaajlke. Lautf.: Hinglblieml, Hinnlblieml.

Hihnlch m. wmSüdlausitz um Oppach u. Cunewalde `Pfifferling´.

Hihnlhenne f. 1. `Glucke; Henne, die ausgebrütet hat u. Kücken führt´. - 2. übertr. `besorgte Mutter´. Lautf.: Hingl- (Wehrsdorf), Hinnl- (Cunewalde), -henne.

hihnln swv. Jonsdorf enn hihnln `jmdn. verhöhnen, verspotten, foppen´.

hihnsch Adj. `höhnisch: spöttisch, sarkastisch, boshaft, sich lustig machend´.

hihnschn swv. söSüdlausitz dass. wie hihnln.

hihr Adj. `hehr, heilig, in Ehren, bedeutendst, Haupt-´; (dr) hihre Tag `hoher kirchlicher Feiertag´; hihre Zeiten; Weihnachtn, Ustern, Pfingstn und de Kirmst senn hihre Tage an Juhre und do gibbt´s woaas Fleeschernes; Geburtstag woar friher kee hihrer Tag; dr hihre Tag `der 1.Feiertag der großen Feste´; de Schnieloaatschn woarrn´n zu hihr, oas doaaß´r´sche hargegan hätte; dr Oalwin ihr Koaffeetippl hihr haaln.

Hiht f. `Höhe´; a de Hiht huppm `in die Höhe springen´; do ging mer de Mitze a de Hiht `da bekam ich Angst´. Lautf.: Hihe Burkau, Hiche Seifhennersdorf, Hi(h)chte Schirgiswalde, Schlesien, Hihche Neukirch, Hihcht Westlausitz, Hichte (kurzes i) Oberlichtenau, nOstlausitz, Hicht Nordböhmen.

Hilfe f. `geknüpfte Garnlitze´, Pl. Hilfm `Litzen auf Webschäften´. Lautf.: Helfe.

Hilger f. veralt. `Flachsbreche (mit Schneide)´.

hilgern (kurzes i) swv. veralt. 1. `den Flachs auf der Hilger brechen´. - 2. `beschmutzen´.

Hille f. Westlausitz `Hülle: warmes Kopftuch, (das unterm Knie gebunden wird)´; anne Hille imbingn `ein Kopftuch umbinden´.

Hillerschdurf `Hilbersdorf (Ortsteil des zur Gemeinde Vierkirchen gehörenden Ortes Arnsdorf-Hilbersdorf im °GR)´; de Hillerschdurfer `die Einwohner von Hillersdorf´.

hilzern Adj. `hölzern: aus Holz gefertigt´; mer hoann a hilzern Häusl; dann warrn se baale ann helzern Ieberzieher (Sarg) oaamassn. Lautf.: helzern.

him Adv. Bertsdorf, Jonsdorf `hier auf dieser Stelle, hüben´, nur in der Wendung him und drim `hüben und drüben´.

Himbärcht n. Südlausitz `Himbeerstrauchwerk´. Lautf.: Himbeercht, Himbiercht, Himbiärcht, Hintbeercht.

Himblbeere f. °NOL Königshain, Schlesien `Himbeere´.

Himblch n. °NOL Königshain `Himbeerstrauchwerk´; mer gihn enn Himblch. Lautf.: Himblcht, Himblich. Siehe auch Himbärcht!

Himml m. 1. wie litspr.; `der sich über den Menschen befindende Raum zwischen den Horizonten´; iech sah keene Wulke oan ganzn Himml. - 2a. `das Jenseits, das Reich Gottes (Gegensatz: Hölle)´; du kimmst ne an Himml! - b. `die Gesamtheit von Gott, Jesus, den Engeln´; dr Himml will, dr Teifl lenkt, und´s kimmt uft andersch, wie ees denkt! - 3. Interj.. Ausruf (der Überraschung, des Erstaunens, der Freude, des Entsetzens, der Angst, der Abscheu); Himml noa amol! Himmlsakerment! Himml, Dunner, Dursch und Frettch! Himml, Oarsch und Zwirn, dr Mensch, dar koann´ch o irrn!

himmlbloo Adj. `himmelblau: ein helles bis mittleres Blau´; himmlblooe Oogn.

Himmldunnerwater Interj., Fluch `Himmeldonnerwetter´; Himmldunnerwater noa amol! Lautf.: Himmldunerwater, Himmldunnerwetter.

Himmlschlissl n. `Himmelschlüssel: Schlüsselblume, Wiesen- u. Wald-Primel (Primula veris, Primula elatior)´.

Himmlsbrief m. veralt. weit verbreiteter Volksbrauch Dim. Himmlsbriefl `angeblich aus dem Himmel stammender Brief mit biblischen u. außerbiblischen Texten, der als Schutz gegen Krankheiten u. tödliche Unfälle dienen soll´. Junge Männer, die zur Musterung gingen od. in den Krieg zogen, bekamen ihn von der Braut, Frau od. Mutter heimlich überreicht u. trugen ihn als Amulett auf der Brust. Auch werdende Mütter hängten ihn um den Hals od. steckten ihn unters Kopfkissen.

Himmlsgucker m. meist Pl. `Schuh mit aufwärts gerichteter Spitze´.

Himmlsletter f. `Himmelsleiter (Polemonium caeruleum)´. Staude mit großen breitglockigen, hellblauen, lilablauen od. weißen Blüten in dichter, endständiger Rispe. Lautf.: Himmlslitter.

Himmlsziege f. verstr. `Bekassine, Sumpfschnepfe (Gallinago gallinago)´, eine Vogelart, benannt nach dem meckernden Ton, den sie beim Balzflug mit ihren gespreizten Schwanzfedern erzeugt.

Himmlvoater m. Kindersprache `Himmelvater: Gott´; RA (bei Donner): dr Himmlvoater zankt od. besst.

himmln swv. selt. Niedercunnersdorf, Ohorn, Nieder Neundorf `klagen, jammern´; do kunntst de baale himmln! Doaas goab moanchmol a Gehimml und Geboarme!

himpern (gespr. himbern) swv. 1. selt. Ostlausitz `humpeln, hinken´; a himperte uff´m zu. - 2. selt. Ostlausitz, Schlesien `vor sich hinweinen; ungleichmäßig, schluchzend weinen´.

himpln swv. dass. wie himpern 1. u. 2.

hinanooch Adv. u. Adverbialpartikel lokal u. temporal Obercunnersdorf `hintennach: hinterher, dahinter, hinterher, nachkommend, folgend, später, zu spät´; irscht koam dr Moan, hinanooch de Frooe; dr Seeger gitt hinanooch; iech bie hinanooch `ich bin zu spät´. Lautf.: hinanoo Kirschau, hinganoo sWestlausitz.

Hinder siehe Hihner!

hinder `hinter´ 1. Präp. mit Dat. u. Akk.; a hoat´s faustdicke hindern Uhrn, hindern Odn kumm `außer Atem sein´, doaas koannst dr hindern Spiegl steckn! - 2a. Adv. `nach hinten´; auch ahinder. - b. Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; hinder- od. ahinderschluckn. Lautf.: hinner öKürzungsmundart mit söSüdlausitz um Hirschfelde, hinger West- u. Ostlausitz, Neukirch.
hinder Adj., nur attr., Sup. hinderscht `am Ende, hinten befindlich´; dr hinderschte Winkl `der letzte Winkel´, de hindern Fisse od. de Hinderfisse, zu hinderscht `zuletzt´. Lautf.: hinner u. hinger.

Hinderbeen n. `eines der beiden hinteren Beine beim Vierbeiner´; RA: siech uff de Hinderbeene stelln `sich dagegen stemmen, trotzen, sich nicht fügen´. Lautf.: Hinnerbeen (öKürzung um Hirschfelde), Hingerbeen (West- u. Ostlausitz).

hinderbrengn unregelm. V. `hinterbringen: heimlich verraten, einer zweiten Person etw. hinter dem Rücken einer dritten Person über letztere mitteilen´. Lautf.: hinner-, hingerbrengn.

hinderhar Adv. `hinterher´ 1. lokal `jmdm, etw. folgend, hinterdrein´; irscht koam dr Huckstbitter und de Zichtjumpfern aus dr Kirche raus, hinderhar ´s Brautpoaar. - 2. temp. `danach, später´; mir is is hinderhar irscht eigekumm. Lautf.: hinnerhar söSüdlausitz, hingerhar West- u. Ostlausitz, hingerthar Ostlausitz.

Hinderharmsdurf `Hinterhermsdorf (Hintere Sächsische Schweiz, Ortsteil von Sebnitz)´; de Hinderharmsdurfer `die Einwohner von Hinterhermsdorf´, häufig nur Harmsdurf. Lautf.: Hinderhermsdurf; Hingerharmsdurf (Mittelndorf, Langburkersdorf).

Hinderfeld n. `Feldstück im oder hinter dem Bauernbusch, Feld hinter od. außerhalb des normalen Ackerbereichs´. Vgl. Fulge u. Bauernbischl! Lautf.: Hinnerfeld, Hingerfeld.

Hindern m. 1. `Gesäß´; ann Triet an Hindern kriegn. - 2. `Gesäßteil der Hose´; a Looch an Hindern hoann. Lautf.: Hinnern öKürzungsmundart, Hingern West- u. Ostlausitz.

hindernander Adv. `hintereinander´. Lautf.: hinderanander, hinner(a)nanner, hinger(a)nander.

Hinderstiebl n. `Hinterstübchen´. 1. wie litspr. - 2. übertr. `Hinterkopf, Gehirn´. Lautf.: Hinnerstiebl, Hingerstiebl.

Hinderteel n. `Hinterteil: Gesäß´. Lautf.: Hinnerteel, Hingerteel.

Hindertiere f. `Hintertür: Tür im Hinterhaus, die von der Halle oder der Abseite auf den Hof, in den hinteren Garten oder auf einen Fußweg führt´; mach de Hindertiere zu, dermit keene Koatzn reikumm! Lautf.: Hinnertier(e) söSüdlausitz, Hingertier(e) West- u. Ostlausitz.

Hindertraffm n. in der Wendung as Hindertraffm kumm od. gerotn `abgeschlagen sein, nicht beachtet werden, verlieren, benachteiligt werden´.

Hindervirrtl n. `Hinterviertel: Gesäß´. Lautf.: Hinder-, Hinner-, Hinger-, -virrtl, -vurrtl, -vertl.

hinderwartlch 1. Adv. `auf der hinteren Seite, am hinteren Körperteil, von hinten, nach hinten´ a ließ hinderwartlch de gruße Trumpete blosn `er ließ einen Furz´. - 2. Adj. `hinter dem Rücken, hinterrücks, heimtückisch´; enn hinderwartlch woaas zu Leede tun. Vgl. ärschlch! Lautf.: hinnerwartlch, hingerwartlch.

hinderzu(s) Adv. `auf dem Wege nach hinten´; hinderzus bie´ch hiegeschloin. Lautf.: hinderschzu(s), hinner(sch)zu(s), hinger(sch)zu(s), hingerzu Westlausitz.

Hindl n. Dim. von Hund.

Hindleeft m. um Löbau `Hundelauf: Pflanzen, die am Wegrand wachsen, auf dem die Hunde laufen und die als Kaffeeersatz dienten; wahrscheinlich die gerösteten Wurzeln der Wegwarte (Zichorie)´; a poaar Päcktl Hindleeft lagn uff dr Loadntofl. Vgl. Zigoarrntunke u. Zichoarche, Zigoarche.

Hinger Pl. Dim. Hingl siehe Hihner u. Hihnl!

hinger siehe hinder!

Hingerdurf 1. `Hinterdorf, Hinter-Quolsdorf (Ortsteil des zur Gemeinde Hähnichen gehörenden Ortes Quolsdorf im °GR)´. - 2. `hinterer Teil eines Dorfes´. Lautf.: Hinderdurf, Hinnerdurf.

Hinglpilz siehe Gaalhihnl!

hinieber Adv. im Zusammenhang mit senn/sein `unbrauchbar, verdorben, erschöpft, tot sein´; de Hose is hinieber. Lautf.: hiniewer.

Hinkebeen n. scherzh., spöttisch `Person, die hinkt´.

hinkn swv. `hinken: humpeln, lahmen´; dr Seeger hinkt `die Uhr geht nach´.

hinn siehe hinne `hinten´!

hinne Adv. Obercunnersdorf `hinten: auf der Rückseite, etw. weiter weg´; hinne haußn `hinten draußen´, a soaß hinne haußn ver dr dr Tiere; mer gingn hinne runder `wir gingen die hintere Dorfstraße hinunter´; de jungn Leute liffm hinne; ne wissn, woaas hinn(e) und vurne is; dan Karln sah´ch lieber vu hinn(e) oas vu vurne; ia woar ganz hinne und vurne `er wollte mitreden und bestimmen´; iech stih dohinne; iech bie hinn(e) `ich bin beim Kartenspiel hinten, ich spiele als Letzter aus´. Lautf: hinn, hingn (Neukirch, Westlausitz), hinge (Ostlausitz, Altbernsdorf), hindn (Neulausitz). Lautf.: Verstärkung mit do- `da-´.
hinne Adv. `hier innen (von innen gesehen)´; hinne od. dohinne stinkt´s; hinne und haußn `überall auf dem Grundstück´. Lautf.: Verstärkung mit do- `da-´.

hinnedraußn Adv. `hintendraußen: hinter dem Hof´; hinnedraußn wulln se mausn. Lautf.: hinn-, hinne-, hingn-, hinge-, -draußn. Auch hinnehaußn.

hinnedroaa Adv. lokal `hintendaran: an der hinteren Stelle´; ´s hängt ees hinnedroaa. Lautf.: hinn-, hinne-, hingn-, hinge-, droaa, -droan, -droane.

hinnedruf Adv. `hintendarauf´ als lokale Bestimmung hintere Lage od. nach hinten zielende Richtung angebend; krigst glei ees hinnedruf. Lautf:. hinn- (Oberland), hinne-(Obercunnersdorf), hingn- (Westlausitz), hinge- (Ostlausitz), -druf, -druff, -droff.

Hinner siehe Hihner!

hinner siehe hinder!

hinneraus Adv. `nach hinten´; de Liese schlätt hinneraus. Lautf.: hinn-, hinne-, hingn-, hinge-, -raus, -naus.

hinnerim Adv. Obercunnersdorf 1a. `hinten herum´; gitt oack hinnerim! `Geht nur um das Haus herum!“ - b. `um das Gesäß herum´; a is hinnerim noa ne ganz reene `er macht noch in die Windeln´. - 2a. `heimlich, nicht offiziell, unter der Hand, hinter vorgehaltener Hand, hinter dem Rücken´; ´n Koalk hoa´ch mer hinnerim besurgt; ´s wurd hinnerim su geredd. - b. `auf Umwegen, nicht direkt´; iech hoa´s hinnerim derfoahrn. Lautf.: hinnrim, hingerim, hingnrim.

hinnerim Adv. `innerhalb des Hauses´; irschtert mach´ch hinnerim reene. Auch drinnerim.

hinnerunder Adv. `hinten herunter, hinten hinunter´; gitt oack hinnerunder! `Geht nur hinten hinunter! Geht nur nicht auf der Dorfstraße!´ Lautf.: hinnrunder, hinnrunner, hingerunder, hingerunger, hingnrunder, hingnrunger.

Hintbäre f. veralt. Kemnitz `Himbeere´. Die Himbeere hieß ursprünglich Hintbeere und galt als Strauch, an dem die "Hindin", das weibliche Rotwild, gern äste. Lautf.: Hingbeere Großröhrsdorf.

hinte Adv. `heute Abend´; hint(e) Obd Seitendorf; hinte wird geboadd! `heute Abend wird gebadet!´

hinter siehe hinder!

Hintleeft siehe Hindleeft!

hinzobd dass. wie hinte. Lautf.: hinzche Obd (°NOL Königshain) hinzomd.

Hippe f. häufig Dim. Hippl, Mähhippl od. Ziegehippl Obercunnersdorf, Lawalde 1. `Ziege´; unse Hippe od. unser Hippl is herrlch `unsere Ziege frisst nicht alles´. - 2. übertr. `unsympathische, alberne, eingebildete, zickige weibl. Person´; die dumme Hippe is zu menn Eldern klaffern gekumm; anne sähnerche Hippe `eine naschhafte (weibl.) Pers.´

Hippermickl n. 1. Dittelsdorf, Wittgendorf, Girbigsdorf `Zickel´. - 2. Wittgendorf `etwas Niedliches, Kleines´. - 3. übertr. weibl. Kosewort `Schätzchen´. Siehe auch Micke, Mucke u. Hippe!

Hippl siehe Hippe!

Hipplch m. `Lebewesen, das hüpft od. schnelle kurze, aber hohe Schritte macht´.

hipplch Adj. `hippelig: unruhig, nervös, zappelig´;´s wird Zeit, doaaß dr Ruperch kimmt, unser Enklmaajdl is schunn ganz hipplch.

hippln (gespr. hibbln) swv. `hüpfen, laufen wie eine Ziege; schnelle kurze, aber hohe Schritte machen; leicht hüpfend kleine Schritte machen (beim Laufen od. Tanzen)´.

Hipplpulke f. `Polka, bei der man schnelle kurze, aber hohe Schritte macht (Altoberlausitzer Volkstanz)´.

hippl tippl Adv. `kurz Schritte machend´; de klenn Buzlche machtn hippl tippl wieder heem.

Hirdl siehe Hurde!

Hirns´che siehe Hurns´che!

Hirnz (kurzes i, zum u hin gesprochen) `Hörnitz (Ort der Gemeinde Bertsdorf-Hörnitz im °GR)´; de Hirnzer od. Hurnzer `die Einwohner von Hörnitz´. Lautf.: Hurnz. Siehe auch Hirnzerstecher!

Hirnzerstecher m. veralt. scherzh. in Anlehnung an Hurnse (Hornisse) `Einwohner von Hörnitz´. Lautf.: Hurnzerstecher.

Hirsch n. (alt) °ZI Ebersbach, Hintere Sächsische Schweiz, m. (neu) `Hirsch: männl. geweihtragendes Tier aus der Familie der Paarhufer´; is Hirsch is schunn ieber de Stroße. Lautf: Hursch (kurzes u) Süd- und Ostlausitz, Hoarsch (kurzes oa) Westlausitz. 

Hirschfell ohne Genus `Hirschfelde (Ort der Großen Kreisstadt Zittau im °GR)´; de Hirschfeller `die Einwohner von Hirschfelde´; Hirschfeller Moart. Lautf.: Hirschfelle, Hurschfell(e), Huschfell, Hörschfoal, Hirschfaal..

Hirtnbrut n. Burkau `Hirtentäschel (Capsella bursa pastortis)´.

Hirtntaschl n. `Hirtentäschel (Capsella bursa pastortis)´, auch Taschl- u. Harzlkraut.

Histerchl n. meist Pl. `Geschichten´. 1. `Vorkommnisse, Ereignisse, Histörchen´. 2. `(dumme) Gedanken, (verrückte) Ansichten, Hirngespinste, Eigenarten´; die hoat oack Histerchl an Kuppe; mach mer keene Histerchl vier. - 3. `Ausreden, Schwindeleien´. - 4. `charakterliche Eigenschaften´; woaas hoat´n dar fer Histerchn? Lautf.: Histerchn.

Histl siehe Hustn!

Hitsche (kurzes i) f. Dim. Hitschl 1. `Fußbank, Kinderschemel´; Ufehitschl `beim Ofen stehende Fußbank´; die missn´ch a Hitschl nahm, wenn se schmoatzn wulln. - 2. `Kinderschlitten aus Brettern u. mit Kufen´; Kasehitsche. - 3. übertr. scherzh. `(altes) primitives Fahrzeug´; woaas hoast´n du fer anne Hitsche? `Was hast du denn für ein Auto oder Motorrad?´ Lautf.: Hetsche Steina.

Hitte f. Dim. Hittl `Hütte´. 1. `einfaches, aus Holz gezimmertes Häuschen; Wohnstätte des Hundes; ungepflegtes, verwahrlostes Haus´; ba dann Water joit ees kenn Hund aus dr Hitte. - 2a. `(der abseits vom Wohnhaus stehende) Abort´; iech muss uff de Hitte; an Winter misst mer irscht Boahne machn, ehb mer uff de Hitte kunndn. - b. übertr. `Jauche´; ´s stinkt noa Hitte, de Hitte ausdingn.

Hittefoaaß n. Dim. Hittefassl `Jauchefass´. Lautf.: Hittefoass. Siehe auch Zuber!

Hittehäusl n. dass. wie Hitte 2a.

Hittejunge m. `Hütejunge, Hirte´; vgl. Kirte!

Hittelooch n. Pl. Hittelecher Südlausitz, smOstlausitz `Jauchegrube´; ´s Hittelooch ausscheppm; de Hittelecher richn, ´s wird raajn; richn wie Hittelooch `schlechten Mundgeruch haben´. Lautf.: Hitteloch, Hitteluch.

Hittepoapier n. `Klopapier´; uff´m Hittepoapier senn lillanchte und gaale Blieml druffe.

Hitteschuffe f. Großschönau siehe Schuffe!

Hittewoajn m. `Jauchewagen´.

Hittl n. 1. Dim. von Hutt `Hütchen´; siehe Hutt! - 2. Dim. von Hitte `Hütte´.

Hittlkugl f. veralt. Großschönau, Waltersdorf `Murmel´; auch Hadlkugl (gedehntes a) Jonsdorf.

Hittllooch n. veralt. Großschönau, Waltersdorf `kleine, mit dem Absatz in die Erde gedrückte Vertiefung, in die beim Murmelspiel die Murmeln geschoben werden´; auch Hadllooch Jonsdorf.

hittln swv. veralt. Hainewalde, Waltersdorf `mit Murmeln spielen od. tauschen´; auch hadln Jonsdorf.

hittn unregelm. V. iech hitt(e), du hittst, iech hutte, iech hoa gehutt od. gehitt `hüten´. 1a. `jmdn. fürsorglich beschützen, vor Schaden bewahren´; de Glucke hitt de Tschibbl; Gutt behitt´ch! `Gott beschütze dich! Auf Wiedersehen´ - b. `Tiere od. Menschen beaufsichtigen, bewachen, vor Dieben beschützen´; Kihe od. Kinder hittn; mer hoann noa keene Schweine minander gehutt. - 2. refl. `sich hüten, sich vorsehen, auf der Hut sein´; hitt´ch ver menn Bruder! Iech soi nischt, iech war miech hittn.

Hitze f. 1. wie litspr. `übermäßige Wärme, die von einer Wärmequelle ausgeht´. - 2. wie litspr. `übermäßige innere Wärmeempfindung des Menschen´; Wirscht de ne glei uff de Hitze trinkn! Du willst wull krank warn? Wortspiel, wenn eine weibl. Pers. über Hitze klagt: Hitze hoat se, soit se, hätt se. Oder: Hitze hutt se, soit se, aber wu se Hitze hutte, soit se ne.

Hitzeblietl n. siehe Blietl u. Fräsl!

Hitzekernl meist im Pl. `das aus der Eisenhutpflanze gewonnene homöopathische Fiebermittel Aconitum, aus kleinen weißen Kugeln mit Zucker bestehend´.

hitzch Ad. hitzch senn, sein 1. `brünstig sein (Kaninchen)´; de Koarnickl senn hitzch. - 2. verstr. `brünstig sein (Katze)´. Lautf.: hitzsch.

Hoaarte f. `Hartau (Ort der Großen Kreisstadt Zittau im °GR)´; de Hoaartschn `die Hartauer´. Lautf.: Hoarte.

Hoaarthe f., ohne Genus 1. siehe Grußhoaarthe! - 2. `Hartha (Ortsteil der Stadt Seifhennersdorf im °GR)´. - 3 `Hartha (Ortsteil der Gemeinde Vierkirchen im °GR)´; uff dr Hoaarthe toatt mer uns de Fisse bissl vertratn. - 4. `Hartha´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ortsteil von Karlsberg östlich der Neiße, poln. `Zacisze´; de Hoaarthschner `die Einwohner von Hartha´. Lautf.: Hoarthe.

hoaatschn swv. selt.`mühsam gehen, hinkend u. schleppend, mit den Füßen auf den Boden schlürfend´; de Guste hoaatscht. Lautf.: haatschn.

hoabch (gedehntes oa) Adj. Dittelsdorf, Hinterhermsdorf `habsüchtig, habgierig, an sich raffend, gefräßig ´; giht oack mit dan sauern Fischln ne su hoabch im! Doaas is anne hoabche Froo; do fuhr awer dan beedn hoabschn Bauerschleutn de Laus iewer de Laber. Lautf.: hoabsch Pulsnitz.

hoabch siehe hoappch!

Hoabcht m. Südlausitz `Hühnerhabicht´. Lautf.: Habcht, auch Grußer Stießer.

Hoaber m. 1. `Hafer (Avena sativa)´ Getreideart; Marznhoaber sän; Bauernregel: Wenn de Buche treibt, is´s mit´n Hoaber Zeit! `Wenn die Buche treibt, ist es Zeit zum Hafersäen (März, Anfang April)´. RA: Diech hoat wull dr Hoaber gestoachn! `Du bist übermütig, du drehst wohl durch!´ RA: Dr Sperrlch misst´ch an Hoaber knien `es herrschte Mangel, es waren karge Zeiten´. - 2. verhüllend für `Henker´ im Ausruf des Unwillens und der Entrüstung: Dr Hoaber oack o! Lautf.: Hoawer Westlausitz.

Hoaberbirne f. `Haferbirne: kleine gelbe Sommerbirne, die zur Zeit de Hafers reift´. Lautf.: Hoaber-, Hoawer-, Hoafer-, -birne, -burne, -barne, -boarne. Auch Scheißhittlbirne.

Hoaberboom m. Dim. Hoaberbeeml `Gestell an der Getreidesense´. Lautf.: Hoawerboom.

Hoabergloobm m. Ostlausitz `Aberglauben´. Lautf.: Hoafergloobm Schlesien.

Hoabergritze m. (veralt.) f. `Hafergrütze´; sie wurde vor dem Siegeszug der Kartoffel mit Wasser oder Milch, Salz und etwas Fett zu Mus (Brei) gekocht und zu Brot oder zu Fleisch als sog. „Zugemüse“ gegessen. Lautf.: Hoafergritze.

Hoabermoan m. Steinigtwolmsdorf, Weifa `Kanker, Weberknecht (Phalangium opilio)´, langbeinige Spinnenart.

Hoaberpuppe f. `Haferpuppe: zum Trocknen u. Nachreifen aufrecht stehende Gruppe von (vier) Hafergarben auf dem Feld´.

Hoabersaak m. Dim. Hoabersäckl `Hafersack: Futtersack mit Hafer, der den Pferden umgehängt wird, wenn sie außerhalb des Stalles fressen sollen´; RA: (im de Maajdl) rimhuppm wie a Sparlch im Hoabersaak; ´n Hoabersaak ver de Gusche hängn lussn `sich bedienen lassen, es sich einfach machen´. Lautf.: Hoaber-, Hoawer-, -saak, -sack.

Hoader m. `Hader´. 1. `Scheuerlappen´; de Frooe hoote od. hieb mer´n Hoader im de Uhrn, Wischehoader. - 2. `Tischlappen´; Bankhoader, Stubbhoader `Stubenhader´.

Hoaderlaus f. 1. `Kleiderlaus´; die hoann gefrassn wie de Hoaderläuse; über Kinder, die sich breit machen, heißt es: Die senn wie de Hoaderläuse. - 2. (im Pl.) übertr. verstr. `klettenartige, mit rauen Grannen versehene Früchte des Sumpf-Zweizahns (Bidens tripartitus L.), die leicht an der Kleidung Vorübergehender hängen bleiben u. nur schwer zu entfernen sind´.

Hoaderlump m. 1a. `Lumpensammler´. - b. `zerlumpter, liederlich gekleideter Mensch´. - c. Schimpfwort `Gauner, Verbrecher, Person mit schlechtem Charakter´. - 2.  `Sauerampfer´ Nordböhmen.

Hoaderlumpm m. `minderwertiger Scheuerlappen, stark verschlissene Kleidung´.

Hoaderwiesch m. söSüdlausitz dass. wie Hoader!

Hoaffl n. msSüdlausitz siehe Haufm!

hoaffln siehe heffln!

hoafflweise Adv. Obercunnersdorf `haufenweise: sehr viel (eigtl. mit zahlreichen Haufen bedeckt)´; ´s macht hoafflweise Schnie. Lautf.: hefflweise.

Hoaft m. `Nadelstich, um zwei Stoffteile zu verbinden; ( provisorische, kurze) Naht´; ann Hoaft nähn.

Hoahn m. Pl. Hähne od. Hahner (öKürzungsmundart u. Nordböhmen), Dim. Hahnl 1a. `Haushahn´; RA: Do kräht kee Hoahn dernooch `niemand fragt danach´; Hoahn an Kurbe senn `im Mittelpunkt der Frauen stehen´; Hoahn-ubm-druf senn; nu sieh oack har und gucke, a fremder Hoahn uff menner Glucke! Der Hahn galt als Verkünder baldiger Heirat eines Mädchens: "Gackert dr Hoahn, krieg´ch ann Moan, gackern de Henn, krieg´ch kenn". Hihnl und Hahnl flugn uff´s Planl, Hihnl woar weg, Hahnl woar weg, Hihnl koam wieder, Hahnl koam wieder. - b. im Dim. `Broiler, Brathähnchen´. - c. `männl. Vogel´; Finknhahnl. - 2. `Mann mit ausgeprägtem Hang zum weibl. Geschlecht´; Sisshoahn. - 3. `Vorrichtung zum Absperren von Rohrleitungen, Abzug an Gewehren´; dr Hoahn truppt. - 4. in der Wendung ´n rutn Hoahn uff´s Daach setzn `das Haus anzünden´.

Hoahn(e)pipelei f. `Verhöhnung´.

Hoahnpfute f. `Hahnpfote´, selt. abwert. Reibersdorf, Oybin `(unförmiger) Fuß´; die hoat a poaar pummersche Hoahnpfutn! `die hat große (verwachsene) Füße´.

Hoajffl n. siehe Haufm!

Hoajn m. `Hain (Ortsteil des Kurortes u. der Gemeinde Oybin im °GR)´; de Hoajner `die Einwohner vom Hain´; mer foahrn iebern Hoajn. Lautf.: Hoan, Hoarn Zittauer Gebirge.

Hoajn m. FlN `Hain: umhegter Ort, gehegter Wald´; hullst de mit mir Hulz an Hoajne unn? Lautf.: Hoin, Hoan Niederoybin, Hoarn.

Hoajne f. dass. wie Hoajnebänder 1 `Querbalken des obersten Dachraumes´.
Hoajne f. `Haine (Ortsteil der Stadt Ebersbach-Neugersdorf im °GR)´; uff dr Hoajne, do koam enner vu dr Hoajne.

Hoajn(e)barg m. `Hainberg (°GR Ebersbach-Neugersdorf)´.

Hoajn(e)bänder Pl. 1a. `die obersten waagerechten Balken im Dachstuhl des Hauses od. der Scheune; Dachgebälk, oberstes Sparrenwerk´; ´s Feuerhulz leit gehackt uff´m Hoajnbändern. - b. `der oberste Raum auf dem Boden direkt unterm Dach (meist in der Scheune´; is Hei kimmt a de Hoajnbänder. - 2. selt. `Brett bzw. Leiste unter dem Balken an der Stubendecke (zum Aufbewahren von Bibeln, Gesangbüchern, Tabakspfeifen u.ä.), Simsbrett´, auch Roase u. Oase. Lautf.: Hoajn-, Hoahn-, -bänder, -baajnder; Hoinbänder.

hoajnebichn (kurzes i in der 3.Silbe) Adj. 1. `aus dem Holz der Hainbuche (Hagbuche, Weißbuche) bestehend´. - 2. übertr. a. `hart (wie das Holz der Hainbuche), außer gewöhnlich, unerhört, sehr schlimm, kaum zu beschreiben, unglaublich´; doaas is ju hoajnebichn mit euch! Doaas is a Hoajnebichner `das ist ein grober Kerl´. - b. Wort, das zur Steigerung u. Verstärkung verwendet wird, bei V. u. Adj. `sehr´; se hoat hoajnebichn eigefeuert. Lautf.: hoanebichn, hoarnebichn, hoanebiechn Bihms Koarle.

Hoajn(e)boalkn m. dass wie Hoajnebänder. Lautf.: Hoahnboalkn.

Hoajn(e)butte f. `Hagebutte: Frucht der Heckenrose´; Hoajn(e)buttstrauch, Hoajn(e)butt(n)wein. Lautf.: Hoinbutte Steinigtwolmsdorf, Hoan(e)butte, Hoarn(e)butte Westlausitz.

Hoajnhäubl n. Berzdorf `Hainhäubchen, Buschwindröschen (Anemone nemorosa L.)´. Lautf.: Hoanhäubl, Hoajgnhäubl Großschönau.

hoalb Adj, Adv. `halb´. 1. wie litspr. genau die Hälfte bezeichnend; a hoalber Meter, hoalbvul. - 2. wie litspr. Gegensatz zu ganz od. voll; iech bie oack noa a hoalber Karl. - 3. `sehr viel, fast alle´; de hoalbe Menschheet is krank.

Hoalbe f. `Maß für ein Glas Bier´.
Hoalbe f. `Halbau (Ort der Gemeinde Cunewalde im °BZ)´; de Hoalbschn `die Einwohner von Halbau´.
Hoalbe veralt. f., ohne Genus `Halbau´, ehem. zum Kreis Sagan gehörende Stadt im nördlichsten Zipfel der preußischen Oberlausitz östlich der Neiße, poln. Iłowa.

hoalberwaajge siehe hoalwaajge!

hoalbm Adv. `halber: wegen, zuliebe´; iech bie denner Froon hoalbm kumm `ich bin deiner Frau zuliebe gekommen´; RA: Menner Hihner hoalbm (brauch dr Nubber kenn Hoahn) `meinetwegen´.

Hoalbmdurf 1. `Halbendorf/Gebirge (Ort der Stadt Schirgiswalde-Kirschau im °BZ)´; de Hoalbmdurfer `die Einwohner von Halbendorf´. - 2. `Halbendorf/Spree (Ort der Gemeinde Malschwitz im °BZ)´. - 3. `Halbendorf (Ort der Gemeinde Groß Düben im °GR)´. Lautf.: Hoalmdurf, Hoalbmdorf. - 4. Siehe Äber Hoalbmdurf u. Nieder Hoalbmdurf!

Hoalbscheese f. veralt. `Halbchaise: zweisitziger, leichter Kutschwagen mit zurückklappbarem Halbverdeck´, Einspänner ohne Kutscherbock.

Hoalbseidl n. `altes Hohlmaß (meist 0,25 l fassend u. vorwiegend zum Abmessen von Flüssigkeiten verwendet)´; a Hoalbseidl Milch.

hoalbseidn Adj. 1a. `aus einem Gewebe hergestellt, das die in einer Fadenrichtung aus Seide und in der anderen aus einem zweiten Faserstoff, meist Baumwolle, besteht´; a hoalbseidn Tichl. - b. übertr. `nichts Gewöhnliches, aber auch nichts Festliches, meist ohne Seide; angeberisch´; a hoalbseidn(es) Kleed. - 2. übertr. `undurchsichtig, anrüchig, fragwürdig, unseriös, wankelmütig´; dar diche Karle, dar hinder unsn Maajdl har is, is a Hoalbseidner.

Hoalfter m. f. n. `Halfter´. 1. `ledernes Kopfgeschirr des Zugtieres (Pferdes)´; mach amol ´n Pfaarn de Hoalfer im! - 2. Westlausitz `Tragegurt am Rückentragekorb od. für die Holme des Schubkarrens´, auch Hoalster Westlausitz.

Hoalftergeld n. dass. wie Zoomgeld. Lautf.: Hoalftergaajld.

Hoalle f. Dim. Hallchl `Halle´, neben litspr. Bedeutungen 1. `Innenraum des schuppenartigen Anbaus an der Hinterseite des Hauses, der als Abstellraum diente´. a. `unter dem herabgezogenen Dach´; siehe Oaabeseite! Ba villn Häusln is hinn anne Hoalle droaa. - b. Wehrsdorf `unter dem Flachdach´. - 2a. Südlausitz `bei Teilung des Hausflures hinterer Raum, Hinterhaus´. - b. Schirgiswalde `bei Teilung des Hausflures vorderer Raum´.

Hoallekoammer f. Niedercunnersdorf, Eibau `Bodenkammer über dem Anbau an der Hinterseite des Hauses (unter dem herabgezogenen Dach), der sog. Hoalle od. Oaabeseite. Auch äbre Oaabeseite.

Hoall(e)tiere f. 1. `Halletür: Tür zwischen Haus (Hausflur, Vorderhaus) und Hoalle (Hinterhaus)´. - 2. `Hintertür´; de biesn Abern flugn benn Auslasn a dr Oaabeseite zer Hoalltiere raus uff´m Mist.

Hoalm m. `Halm: Stängel bei Gras u. Getreide´; Struhhoalm.
Hoalm m. Pl. Hoalme, Dim Halml 1. im Dim. Niedercunnersdorf, Altbernsdorf `Schaft des Beiles od. der Axt´. - 2. im Dim. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Altbernsdorf `Griffstange des Schubkarrens´. - 3. Pl. Hoalme Jonsdorf, Altbernsdorf `Pflugarme, die der pflügende Bauer in den Händen hält u. mit denen er den Pflug führt´, auch Sterze. Lautf.: Hulm. Siehe Halml!

hoaload Adj. verstr. Westlausitz `gesund, munter, fix, gewandt´; die es (is) wieder hoaload. Lautf.: halard(e) verstr. Ostlausitz.

Hoals m. Pl. Halse `Hals´. 1a. `Hals bei Mensch u. Tier´; RA: ann Hoals schmeißn `leichtfertig ausgeben´, enn ann Hoals schmeißn `sich jmdm. hingeben´; woaas iebern Hoals kumm `unerwartet tritt etwas Unangenehmes auf´, zu zeitch od. zu gälche iebern Hoals kumm `zu zeitig od. zu unerwartet zu Besuch kommen´. Volksvers: Maajdl, die de pfeifm und Henn, die de krähn, dann sull mer oalln beedn ´n Hoals imdrähn! - b. `Gurgel, Speise- u. Luftröhre´; ann Froosch an Hoalse hoann `erkältet reden´. - 2. übertr. `Verengung eines Gegenstandes, z.B. Flaschenhals od. Verschlussaufsatz des Butterfasses´.

Hoalsbreche f. verstr. `schlecht beschaffener Weg´.

Hoalse f. Cunewalde, Tautewalde, Schmölln dass. wie Hoalskuppl.

Hoalskuppl f. od. n. Obercunnersdorf, Lawalde, Neusorge `Halskopfseil´. 1. `Tragegurt am Schubkarren mit Schlingen an beiden herabhängenden Enden für die Holme des Karrens´, man legte ihn um das Genick u. konnte dadurch die Arme entlasten; zer Roaber gehirrt o de Hoalskuppl. - 2. Niedercunnersdorf `Gurtband mit Ösen, das einem Zugtier um den Hals gehängt wird und an das auf beiden Seiten des Rumpfes Lasten angebracht werden´. Lautf.: Hoalskuppsl.

Hoalster dass. wie Hoalfter.

Hoalstichl n. `Halstuch´ 1. Bihms Koarle `Halstüchlein in der Altoberlausitzer Männertracht´. Siehe auch Knipptichl! - 2. Bihms Koarle `Busen-, Brust-, Schultertuch in der Altoberlausitzer Mädchen- u. Frauentracht´. Siehe auch Imnahmetuch!

hoalwaajge Adv. `halbwegs: auf halbem Wege, annähern, in etwa, einigermaßen, leidlich´; iech hoa meine Oarbeit hoalwaajge geschoafft `ich habe den größten Teil meiner Arbeit erledigt´; mach´s oack hoalwaajge! `Übertreib nicht so!´. Lautf.: hoalbewaajge, hoalberwaajge Ostlausitz, hoalwaajche Hinterhermsdorf, hoalwaajgs.

Hoam (gedehntes oa) m. Seifhennersdorf, Rietschen `Hamen: beutelförmiges Fischnetz an einer Stange´; hie is anne Koarpe, kumm oack amol mit´n Hoam!

Hoamme f. `Hamme: der hakenartige Fortsatz am breiten Ende des Sensenblattes, mit dem dieses am Sensenstiel befestigt wird´, aber auch `die gesamte Hinterzone des Sensenblattes´.

Hoammringl n. `eiserner Ring am unteren Ende des Sensenschaftes, in dem die Hoamme eingreift, um dann verkeilt zu werden´. Lautf.: Hoammeringl.

Hoampf m. `Hanf´. 1. wie litspr. (Cannabis sativa)´; Hoampfstrickl `Strick aus Hanf´; RA: sich ne zu Hoampfe finn od. ne aus´n Hoampfe finn `sich nicht hineinfinden, nicht zurechtfinden´. - 2. `Seil, Strick aus Hanf´; durch´n Hoampf guckn `sich mit einem Hanfseil erhängen´. - 3. `überflüssiges Gerede, Zank, Händel´; a dan Hoampf neimengn. Lautf.: Hoamf.

hoampln swv. `hampeln: unruhig sein (wie der Hampelmann), nicht stille sitzen´.

Hoampvll siehe Hampvll!

hoampvlln swv. Schlesien `beim Grasabschneiden eine Handvoll in der Hand behalten´.

hoamstern swv. `hamstern: Mangelware über den eigenen Bedarf einschaffen´.

hoanebichn siehe hoajnebichn!

hoann unregelm. V. iech hoa, du hoast (Obercunnersdorf) od. hust (°ZI Ebersbach, Hinterhermsdorf), a hoat (Obercunnersdorf) od. hoot (°ZI Ebersbach, Spitzkunnersdorf, Seifhennersdorf, Neukirch), mer hoann, iech hutte od. hoatte, iech hoa gehoat od. gehoatt (Westlausitz) `haben´. 1. selbstständiges V. a. `halten, festhalten´; dar hoat´s mit jeder. - b. `zu eigen haben, besitzen´; dar hoat ann Oaffm `der ist betrunken´; RA: Woaas mer hoat, doaas hoat mer, woaas mer krigt, doaas weeß mer ne; hoast de woaas, koannst de woaas `jähe, schnell, mit ganzer Kraft´. Sprichw.: Hätt mer´sch ne, do tät mersch ne! Hoast de woaas, do bist de woaas, hoast de nischt, do bist de nischt `Wohlstand bringt Ansehen´. - c. abstr.; Hunger hoann, zun Noarrn hoann. - d. in der Wendung iech koann mer´sch goar ne hoann `ich kann es gar nicht glauben, verstehen; ich kann mir es gar nicht denken, erklären´. - c. in der Wendung mit etw. od. mit jmdm. etw. haben; die hoat´s mit´n Doarme `Durchfall´, die hoat´s mit´n Kirchnchure `die singt im Kirchenchor´, die hoat´s mit´n Knaajchte `die ist die Geliebte des Knechts´. - 2. wie litspr. Hilfsverb; mer hoann dch gesahn! Hoast de gehirrt? A schmieß die oabgegeklautn Gänseknichl oallemol, - hust de ne gesahn -, ieber de Achsl zun Fanster naus. Lautf.: hoaan Podrosche, Steinbach.

Hoanschpuch ohne Genus `Hainspach´, tsch. `Lipova (Ort im böhmischen Niederland)´.

Hoappch m. Dittelsdorf, Oberlichtenau `einen Happen, Bissen, einen (ergatternden) Biss, Schnapp´; ann Hoappch machn.

hoappch (gespr. hoabbch) Adj. `happig´. 1. `begehrlich, dienstbeflissen, gierig´; hoappche Ufpoasser; uff´s Oableckn woarn mer ganz hoappch  - 2. umg. `zu stark, übertrieben´; doaas is aber hoappch! Lautf.: hoabch Bihms Koarle, hoabsch.

Hoarm m. `Harm: Kummer, Leid´.

hoarte Adj. Komp. harter `hart´. 1. wie litspr. `nicht weich´; knuchnhoarte od. steenhoarte `sehr hart´; Sprichwort: Zwee hoarte Steene mohln ne gutt. - 2a. `eigensinnig, dickköpfig´; a hoarter Nischl `ein Dickkopf´. - b. `unsentimental, unempfindlich, dickfellig´; RA: Die is hoarte verpackt. - 3. °KM Schmorkau, °NOL Horka `schwer´; de Kuhe melkt´ch hoarte, hoarte hiern od. härn. - 4. `hochprozentig (Korn, Kognak)´; bestell oack zwä Sisse und ann Hoartn! - 5. `stimmlos´; a hoartes P.

hoartleibch Adj. `hartleibig´. 1. `mit verstopftem Darm´. - 2. übertr. `geizig´. - 3. `hartnäckig´; a hoartleibcher Loapperch `ein aufdringlicher Bettler´´.

Hoartsdurf n. `Hartmannsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Miloszow´.

Hoarzgoalle f. `nasser Harzfleck im Holz eines Nadel-, Kirsch- od. Pflaumbaumes´. Siehe Goalle!

Hoaschemutter f. Ostlausitz, Nordböhmen, Schlesien `Hebamme´.

Hoasche f. verstr. wWestlausitz dass. wie Hoascher; mer spieln Hoasche; ´n Boal a de Hoasche schmeißn; Boomhoasche.

Hoascher m. Süd- u. Ostlausitz, öWestlausitz `Hascher: Haschen (Fangspiel der Kinder)´. Bei diesem Geländespiel müssen die Fänger andere Mitspieler durch eine Berührung fassen. Ausruhpunkte, sog. Packste, geben dem Fliehenden eine Verschnaufpause. Dabei kann jedes erkletterte Objekt höher als die Spielfläche als Ausruhpunkt dienen, z.B.: Bänke, Leitern, Hackeklötzer.

Hoaschmich m. umg. `Haschmich´, in der Wendung ann Hoaschmich hoann `verrückt sein, einen Vogel haben´. Lautf.: Hoaschmiech.

hoaschn swv. `haschen´. 1. `den Ball rasch und geschickt fangen´. - 2. `jmdn. beim Kinderspiel oder auf der Verbrecherjagd mit raschem Griff fangen´.

Hoase m. 1. `Feldhase (Lepus europaeus)´; Hoase- od. Hoasnbrotn. RA: Wenn dr Hund ne geschissn hätte, hätt´r´n Hoasn gekrigt; su leeft dr Hoase `so wird es gemacht´; dr Hoase leeft andersch(er) `der Lauf der Dinge hat sich geändert´; a wusste ju glei, wie Hoase leeft `er erkannte sofort die Situation´. - 2. (Süd- u. Ostlausitz) Der Hase als Korndämon. Wurde der letzte Sensenhieb getan od. die letzte Garbe gebunden, so sagte man zu den Kindern: Poass uf, itze leeft dr Hoase furt od. kimmt dr Hoase raus.

Hoasebargl n. `Hasenberg(e) bei Kottmarsdorf´.

Hoasebrut n. `Hasenbrot´. 1. `belegter, angetrockneter Brotrest, den man vom Feld od. von der Jagd zurückbringt (und häufig von den Kindern gegessen wird); Proviantreste, die wieder mit nach Hause gebracht werden´;  Hoasebrut is´n Kindern wie Golaatschn `angetrocknetes Brot ist den Kindern wie Plundergebäck´. - 2a. Oberlausitz `Hainsimse, Feldmarbel (Luzula campestris)´. - b. Burkau `Zittergras (Briza media L.)´. - c. Ohorn `Haarsegge, Rauhe Segge, Behaarte Segge (Carex hirta L.)´. - d. Frankenthal `Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris Med.)´. - e. Schönau-Berzdorf, Neue Sorge `flache schotenförmige Früchte des Besenginsters (Cytisus scoparius)´. Lautf.: Hoasnbrut.

Hoaslhulz n. °BZ `Besenginster (Cytisus scoparius)´.

Hoaslkroattch n. °BZ, Hainitz dass. wie Hoaslhulz; auch Hoasnkroattch. Lautf.: Hoaslkräutch.

Hoaslnuhß f. `Haselnussfrucht, Haselnussstrauch´. Lautf.: Hoaslnuss Westlausitz.

Hoaslnuhßbirschl n. Schimpfwort `schmächtiger Bursche´.

Hoaslreis´ch n. °BZ dass. wie Hoaslhulz; auch Hoasnreis´ch.

Hoaslrutte f. °BZ dass. wie Hoaslhulz.

Hoasnbrut n. siehe Hoasebrut!

Hoasnkraut n. Obergebelzig `Besenginster (Cytisus scoparius)´.

hoasoart Adj. `hasart: ungestüm, rücksichtslos, blind drauf losgehend´; dar dräht durch, dar spielt hoasoart; dar hoat a hoasoartes Benahm.

Hoaspe f. `große Krampe für den Türverschluss an Stall u. Schuppen (zum Aufnehmen von Riegel, Vorhängeschloss od. Kette); angespitztes, in Holz geschlagenes Hufeisen´. Hufeisen wurden in Koppelpfähle geschlagen und Stangen als Riegel eingeschoben; se zugen de Stangn aus´n Eisnhoaspm raus.

Hoaspl f. `Haspel: Gerät , das sich um die eigene Achse dreht, insbes. zum Winden´. 1. `Garnwinde, Weife´, siehe auch Weefe 1 u. Goarnweefe! - 2. Maurersprache `Seilwinde mit Materialaufzug´.

Hoaspm m. 1. dass. wie Hoaspe. - 2. übertr. `Nase´; mit´n Schnupptichl ´n lädiertn Hoaspm oabtruppm.

hoast-de-ne-gesahn in adv. Verwendung `schnell´.

hoast-de-woaas, koannst-de-woaas in adv. Verwendung `schnell´.

Hoatzche f. selt. `Hatz: Hetzjagd, hastiges Treiben´. Lautf.: Hetzche, Hatzche.

hobm stv. iech hob(e), du heebst, a heebt, mer hobm , iech hieb, iech hoa gehobm südöstlich von Eibau, Ruppersdorf, Bernstadt und Tauchritz, Bedeutungen wie hoon; Kurnhobm, Saajnsehobm; a heebt mit dr Faust uff´m Tiesch; se hieb de Koaffekoanne uf; poass uf, doaaß´r miech ne heebt `pass auf, dass er mich nicht schlägt´; hob a brinkl irrcher zu! Lautf.: hoaam Westlausitz.

Hof m. 1. `zu einem Gebäude od. Gebäudekomplex gehörender, umschlossener Wirtschaftsplatz´. - 2a. `bäuerliches Anwesen mit dem Grundbesitz´. - b. `Rittergut´; in der Wendung zu Hofe tun `Hofe- od. Fronarbeit verrichten´; a gingk zu Hofe; `er arbeitete auf dem Rittergut´; Hofefelder, Hofewiesen, Hofesträucher, Hofewaajg `Hofweg´, Hofeschmiede, Hofemihle `Hofmühle´.

Hofebuhsch m. `zum Rittergut gehörender Wald´; mer gihn zun Hofebusche raus.

Hofedei f. Nordböhmen `alle zum Hof gehörenden Personen u. Gegenstände´.

Hofegänger Pl. `Leute, die nur zu Saisonarbeiten (Heu-, Getreide-, Kartoffelernte, Dreschen) auf dem Rittergut arbeiten´.

Hofeharr m. `Großgrundbesitzer, Rittergutsbesitzer, Patron´.

Hofehuttch n. abwert. `Gesamtheit der Menschen, die auf dem Rittergut arbeiten; Gesinde´. Vgl. Huttch u. Gehuttche!

Hofehäusl n. `Wohnstätte der Hof- bzw. Fronarbeiter´.

Hofejunge m. `Sohn des Rittergutsbesitzers´; de Hofejungn hießn uns kumm.

Hofeleute f. `Personen, die auf dem Gutshof od. dem Dominium einer Tätigkeit nachgehen, Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft ohne Qualifikation; ursprünglich Fronarbeiter´.

Hofelusche (gedehntes u) f. `Hofloge, Herrschaftsloge: Platz der Herrschaft in der Kirche in Altarnähe´; ei dr Hofelusche soaß dr gnadche Harr mit senner Foamilche. Lautf.: Hofelosche.

Hof(e)reete f. `Hofreite: Gehöft, Hofstatt; alles, was an Gebäuden zum Bauerngut gehört´. Lautf.: Hoferiete Niedercunnersdorf.

Hofevoit m. `Aufseher (Vogt) auf einem großen Gut (Hof), der zum Gesinde gehörte und verantwortlich für Einsatz u. Kontrolle der Arbeitskräfte u. für den Einsatz der Gespanne war und sogar auf dem Gesindemarkt den Rittergutsbesitzer (Hofherr) oder Großbauern beim Anmieten der Saisonarbeiter beriet´. Er wurde auch gerne Weibervoit genannt, weil die Mehrzahl der Beschäftigten auf dem Rittengut Frauen (Hofeweiber) waren.

hofsch Adj. `höfisch, vom Hofe stammend, dem Rittergut gehörend´; dr hofsche Brenner, a hofsches Uchsnfuhrwark hutte a Fuder junges Futter geloadd.

Hohle f. 1. `tief eingeschnittener Fahrweg, Talvertiefung, Senke, Schlucht, von Dämmen od. Felsen begrenzte Gasse´; a dr Hohle hoat´s gruße Woasser ´n Waajg ausgeschweeft. - 2. selt. `Wölbung des menschlichen Fußes´.

Hohlwaajg m. `Hohlweg: tief eingeschnittener Weg´.

hoi Interj. `hui (Ausruf der angenehmen Überraschung, der Freude, des Jubels)´; hoi, is hoat geschneit! RA: Ubm hoi und drunder pfoi od. ubm hoi - unne pfoi `oberflächlich interessant, aber im Grunde banal und nüchtern´.

hoi, hoi Adv. `schnell und oberflächlich´; oalls muss ba dir hoi, hoi gihn; oack sachte und ne su hoi, hoi! Lautf.: hui, hui.

Hoin siehe Hoajn!
Hoin m. `Hain´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ortsteil von Steinkirch, poln. `Janawka´.

hokern (gedehntes o) swv. 1. `(herum)hängen, (herum)kriechen, mal da und mal dort sitzen´, auch häckern. - 2. `übereinander hocken, brünstig sein, preschen (Kaninchen)´.

Hokn m. Dim. Haajkl od. Häkl `Haken´. 1. wie litspr. `winklig od. rund gebogene Haltevorrichtung, an der Gegenstände aufgehängt werden können´; Kleederhokn, Fleescherhokn, Feuerhaajkl; ann Hokn a de Wand puchn; uff de Hokn spoann `auf die Folter spannen, Felle aufspannen´; RA: Woaas hoat ann Hokn `etwas ist komplizierter als es scheint´. - 2. `Hakennase´; dar hoat ann Hokn a dr Loaffe. - 3. auch Schlesien `(schlechter) Zahn´; woaas Geschoits uff de Hokn kriegn. - 4. auf Personen bezogen; Mausehokn `Dieb´, Naasthaajkl `Nesthäkchen´; RA: Woaas a Haajkl warn will, krimmt´ch bazeitn. - 5. `Pflug, hakenförmige Pflugschar´; Ruhrhokn. - 6. siehe Misthokn!

Hole in der Fügung weeß dr Hole siehe wissn!

Holunder (1.Silbe betont und gedehnt) `Holunder´; Holunderbäre, Holundersuppe. Lautf.: Holunger (Westlausitz). Siehe auch Flieder u. Katlbäre!

Honch (gedehntes o) m. n. (veralt) `Honig´; RA: enn Honch ims Maul schmährn `sich bei jmdm. einkratzen, jmdm. schmeicheln´. RA: aus Drecke Honch machn `aus etw. Geringfügigem etw. Wertvolles machen´. Lautf.: Honsch Schirgiswalde, Hunch Neukirch.

Honchbirne f. `Honigbirne´. Lautf.: Honchburne, -barne, -berne, -boarne.

Honchburn m. `Honigbrunnen (am Löbauer Berg)´; mer foahrn uff´m Honchburn assn. `wir fahren in die Berggaststätte Honigbrunnen essen´.

Honchlecke f. dass. wie Honchleckn! Is Labm is abm keene Honchlecke.

Honchleckn n. `Honiglecken, Honigschlecken: süße Angelegenheit; angenehme, leichte Tätigkeit´; de Oarbeit an Steenbruche woar baleibe kee Honchleckn.

Honchsamml f. `mit Honig bestrichene Semmel´; beliebte Gründonnerstagsspeise in der nOberlausitz.

Hoolz n. siehe Hulz!

Hoolzmächer siehe Hulzmächer!

Hoomiechbloo ohne Art. "Hau mich blau": imaginäres Heilmittel für nörgelnde Kinder; Eltern, Erwachsene od. große Geschwister schickten kleine Kinder zu Fastnacht od. am 1. April mit den Worten zum Kaufmann: "Gih amol zun Kromer und hul a Pfund Hoomiechbloo!" Lautf.: Haumiechblau söSüdlausitz.

hoon unregelmäßiges V. iech hoo(e), du hoost, mer hoon, iech hoote, iech hoa gehoon `hauen´. 1. `mit Werkzeugen od. Körperteilen abhauen, zerkleinern od. bearbeiten´. a. `Gras od. Getreide mit der Sense od. Sichel mähen´; ´s Futter mit dr Hand hoon. - b. `die Zähne in Essbares einschlagen´; de Stoaadtleute hoann zer Kirmst wie de Drescher reigehoon. - c. mit dr Faust uff´m Tiesch hoon. - d. RA: uff de Pauke hoon `auftrumpfen´. - 2. `Schläge, Hiebe austeilen; verbläuen, verprügeln´; a hoat mer uff´m Kupp gehoon; iech hoo dr glei a poaar runder! Lautf.: haun. Siehe auch hobm!

Hoor(e) siehe Huhr!

hoorkleene siehe huhrkleene!

Hootsche f. siehe Hätsche!

hootschn swv. °NOL Königshain `langsam u. schlapp wie ein Kranker laufen, schleppend gehen, schlürfen´; durte kimmt´r oaagehootscht. Siehe auch hutschn!

hor Interj. Ruf des Kuhhirten beim Treiben des Viehs. Hirtenlied: Horei, horei, treib ei, treib ei, durch is gruße Tur treib nei, wu de reichn Bauern sitzn mit´n rutn Zipplmitzn, die ´n Quoark mit Leffln frassn und is Geld mit Scheffln massn.

horaus Interj. Ruf des Kuhhirten am Morgen beim Austrieb aus den Ställen auf die Weide.

Horche f. Westlausitz `einfache, behagliche Stube; eigene kleine Wohnung; kleines Haus´; ihr bleibt off euer Horche klabm. Lautf.: Hurche.

horei! Interj. `Ruf des Kuhhirten am Abend beim Heimtrieb in die Ställe´.

Horke siehe Hurke!

Hosebeen n. `Hosenbein´; vun Fissn bis zun Hosebenn hoa´ch Angst `von den Füßen bis zum Hosenbein habe ich Schmerzen. Lautf.: Hosnbeen, Hosbeen öKürzung.

Hosegapse f. wSüdlausitz `Tasche in der Männerhose´. Lautf.: Hosegoapse, Hosngapse Westlausitz.

Hosehäbm Pl. (da zwei Träger vorhanden sind) bes. Westlausitz 1. veralt. `Tragbänder über die Schultern, die früher die Hosen hielten, bevor Gummizüge od. Gürtel benutzt wurden´. - 2. übertr. `heutige Hosenträger´. Lautf.: Hose-, Hosn-, Hos-, -häbm, -hebm, -häm.

Hosekafer (gedehntes a) m. Ober- u. Niedercunnersdorf, Jonsdorf `Hosenlatz (die vordere Klappe der Männerhose), Hosenschlitz, Hosenstall`; du hoast ´n Hosekafer uffestihn! Lautf.: Hosnkafer Cunewalde, Hoskafer Hirschfelde, Hosnkoaffer Steinigtwolmsdorf, Hosekaffer Mückenhain, Hosnkaffer Schirgiswalde, Ostlausitz, Hoskaffer Nordböhmen.

Hosekoascher m. Obercunnersdorf `Hosenschlitz, Hosenstall´. Lautf.: Hose-, Hosn-, -koascher, -kascher; Hosnkoascher Altbernsdorf, °NOL Königshain Schlesien.

Hosemannl n. veralt. `Hosenmann (Figur der Oberlausitzer Weihnachtskrippe u. -pyramide aus dem 19.Jahrhundert)´. Lautf.: Hosnmannl.

Hosemoan m. `männl. Person, die mit Hosen handelt´. Lautf.: Hosnmoan, Hosnmoann.

Hosemoatz m. scherzh. `Kind, das nur mit Unterhosen bekleidet dasteht; Kleinkind´. Lautf.: Hosnmoatz.

Hoseoarsch m. `Hosenarsch: Gesäßteil der Hose, Hosenboden´; du hoast ann Schloaz oan Hoseoarsch. Lautf.: Hosnoarsch.

Hoserei f. `übertriebne Eile, nervöses Verrichten einer Tätigkeit mit wenig Erfolg´; Rimhoserei, Gehose, Rimgehose; die ganze Hoserei woar imsunst.

Hosetraajger m. `Hosenträger´. Siehe auch Hosehäbm! Lautf.: Hosntraajger.

Hosezeug n. `Hosenstoff´; sei Hosezeug boajttlte. Lautf.: Hosnzeug.

Hosn f. (Pl.) Dim. Hiesl, Heesl od. Hosl `Hose: Beinkleid´; de Frooe hoat de Hosn oaa `die Ehefrau ist Herr im Hause´. Kenn Oarsch an Hosn hoann `zu feige sein, etwas zu tun´. Hoat´s is Rickl gekust, versauf mer o noa de Hosn. Es heißt Hosn statt Hose, da das Kleidungsstück aus zwei Strümpfen entstanden ist.

Hosn siehe Hosna!

hosn swv. Süd- u. Ostlausitz 1. `nicht reibungslos funktionieren, reißen von Fäden und verfitzen´; ´s fängt oaa zu hosn. - 2. `eilen, hasten; sich erregen´; mach anne Fuffzn und luss doaas Gehose! - 3. °NOL Königshain `unordentlich u. unangemessen kleiden´; auch oaahosn.

Hosna `Hosena (zur Oberlausitz gehörender Ort der Niederlausitzer Kreisstadt Senftenberg im Landkreis OSL im Land Brandenburg)´; de Hosner `die Einwohner von Hosena´. Lautf.: Hosne, Hosn.

Hosngoatter n. Bischofswerda, Burkau, Rammenau, Nieder Neundorf `Hosenschlitz´, auch Hosngoatterch m. Steinigtwolmsdorf, Burkau. Siehe auch Hosekafer!

Hosnhäbm Pl. wSüdlausitz, Westlausitz `Hosenheben: Hosenträger; mehr oder weniger breite Tragebänder über die Schultern, die früher die Hose hielten, bevor Gummizüge od. Gürtel benutzt wurden´. Lautf.: Hoshäbm wKürzung, Hosehäbm, Hosnhähm Westlausitz.

Hosnkaffer siehe Hosekafer! Lautf.: Hosnkäffer.

Hosnkafferch m. Burkau dass. wie Hosekaffer.

Hosnkieze f. Wehrsdorf, Schirgiswalde, Sächs. Schweiz `Hosenstall, Hosenschlitz´. Lautf.: Hoskieze Cunewalde, Hosekieze.

Hosnsaak m. Jonsdorf, Schirgiswalde `Hosensack: Hosentasche´.

Hosntierdl n. Hirschfelde, Seifhennersdorf `Hosenlatz: breite Klappe, die früher die Männerhose vorn verschloss´. Lautf.: Hosn-, Hose-, tierdl, -tierl, -tierchl.

Hoyerschwerde ohne Genus, veralt. f. `Hoyerswerda (kreisfreie Stadt im Norden der Oberlausitz im °BZ)´. Lautf.: Hoyerschwarde.

Hoywoi ohne Genus umg. Scherzname für `Hoyerswerda´.

Hubberch m. `Hohberg (Ortsteil von Sohland an der Spree im °BZ)´; die wohn hindern Hubberche.

Hube f. sWestlausitz, Sächs. Schweiz `Menge, (größere) Anzahl´; anne ganze Hube Jungn.

Hubl m. `Hobel´. 1a. wie litspr. `Tischlerwerkzeug mit einer Stahlklinge´. - b. `Krauthobel´. - 2. abwertend übertr. auf andere Maschinen, Gegenstände u. Körperteile; woaas is´n doaas fer a Hubl? `Was ist denn das für eine komische Maschine?´ RA: Du koannst miech amol oan Hubl blosn `du kannst mir den Buckel hinunterrutschen´. Lautf.: Huwl.

Hublspane Pl. `Hobelspäne´; mer kinn de Kihe o ne oack mit Hublspann fittern!

hubln swv. `hobeln´. 1. `Holz mit dem Hobel glätten´. - 2a. Wittgendorf, Dittelsdorf `schneiden´; hubl dr oack ne a de Pfutn!  - b. `Kraut, Gurken od. Äpfel mit dem Hobel in dünne Scheiben schneiden´. - 3. bis 1914 Strafmaßnahme unter Rekruten, Internatsschülern od. jungen Leuten bei unkameradschaftlichem Verhalten; zwei große Tische mit geringem Abstand od. Bänke stellte man nebeneinander; der Delinquent wurde an Armen und Beinen gepackt u. in Rückenlage auf den Platten hin und hergezogen, so dass das Gesäß immer wieder schmerzhaft im Spalt hängen blieb.

hubm Adv. Südlausitz `hier oben´; "wu bist´n du?" "Hubm!" Lautf.: hum u. hom Westlausitz.

hubmdruffe Adv. `darauf, darüber, oben liegend´; a muss immer hubmdruffe schwimm. Lautf.: hubmdruf. Auch ubmdruffe, ubmdruf.

hubmrim Adv. `hier oben herum´. Siehe ubmrim!

Huch (gedehntes u) n. Interj. `Hoch: Hochruf´; irscht wurd anne Räde geredd und derno a Huch rausgebrucht.

huch (gedehntes u) Adj. hicher (kurzes i Oberland), hiecher od. hecher (Steina), oan hichstn, hickstn, hiechstn od. hechstn `hoch´ 1. räumlich, Gegensatz von niedrig od. tief; a hucher Hutt; de Lausche is a brinkl hicher oas wie dr Huhwaal; a sitzt uff´m huchn Pfare `er gehört einer höheren Schicht an, er ist hochnäsig´; RA: woaas uff de huche Kante län `etwas sparen´; doaas is mer zu huch `das ist mir unverständlich´. - 2. von der Tonhöhe; singn oack ne su huch! - 3. übertr. a. zur Bezeichnung einer sozialen Reihenfolge `von hohem Range, hoch stehend, übergeordnet´; dr Direkter kimmt murne mit zwee Huchn a de Foabricke `der Direktor kommt morgen mit zwei Hohen, Großen, Obersten, Vorgesetzten in die Fabrik´; menner Poatn ihr Bräutchn is a Hucher vun Zulle; de Huchn lussn´ch ne ´n Sträsl vun Kuchn nahm `die Hochgestellten denken zuerst an sich´; uff de hicher Schule schickn. uff de hicher Schule schickn. - b. vom Preis; wenn´s huch kimmt, kust´s hundert Moark. - c. `hoher Trumpf beim Kartenspiel´; dr Eechlkiench woar mei Hichster. - d. ´s wird hichste Zeit; a koam uff´m hichstn Drickl `er kam im letzten Moment´. - e. zeitlich; se is huch a de achtzch `sie ist bald 90 Jahre alt´; as huche Aalder kumm; a is huch a Juhrn. - f. stimmungsmäßig; do doarfst de ne vill soin, a is immer glei huch.

huchbeench(t) Adj. 1. `hochbeinig, langbeinig´. - 2. `eingebildet, anmaßend´.

Huche (gedehntes u) m., dr Huche, a Hucher, de Huchn siehe huch!

Hucher Steen m. `Hochstein (Berg in der Westlausitz)´.

Huch(es) Neujuhr n. dass. wie Gruß(es) Neujuhr `6. Januar´ Lautf.: Huchneujohr Frankenthal, Huhes Neujohr Rietschen.

Huchkirch siehe Huhkirch!

huchmittch Adj. `hochmütig: überheblich, von oben herabblickend´.

Huchst siehe Huckst!

Huchsteen m. `Hochstein´. 1. Berg (533 m) im Oberlausitzer Bergland neben dem Czorneboh. - 2. Berg (448m) im Westlausitzer Hügelland. - 3. Berg (406m) in den Königshainer Bergen.

Hucke f. Dim. Hickl 1a. `Holztragegestell´. - b. `eine (in Stoff eingebundene,) meist auf dem Rücken oder der Schulter getragene Last´; Bruthickl `Schnittenbündel´, Kuchnhickl, anne Hucke Reis´ch. - c. Niedercunnersdorf, °ZI Ebersbach `Mitbringsel (vom Ruperch od. klenn Chriskindl)´. - 2a. `Höcker, bauschiges Abstehen, Windel´; ´s Hemde macht anne Hucke; dar hoat noa anne Hucke zwischn Benn. - b. `Beule: Anschwellung des Gewebes´. - c. `Bauch der schwangeren Frau´; die hoat anne Hucke. - 3. `der Rücken als Träger einer Bürde´; RA: enn de Hucke vuhl hoon; siech de Hucke vuhl lachn; siech de Hucke vuhl frassn. - 4. `unbestimmte Anzahl von Personen oder Gegenständen, Haufen´; do koam die ganze Hucke mit uff de Bude; dr Ruperch bruchte a jedn anne Hucke; de Fußboaller hoann´ch anne Hucke eisteckn missn `die Fußballer haben hoch verloren´. Auf die Frage, was man zum Geburtstag od. zu Weihnachten kriegt, antworten die Eltern: Ann Toop und ann Tiegl und anne Hucke vull Priegl. Lautf.: Hocke Schirgiswalde.

Huckekurb m. dass. wie Troikurb od. Bucklkurb. Lautf.: Hockekorb Schirgiswalde.

huckesaalz Adv. Südlausitz `huckepack: eine Last auf dem Rücken oder auf den Schultern tragend, ein Kind wie eine Hocke Salz auf dem Rücken tragen´; iech misste egoalfurt meine Klennste huckesaalz troin od. nahm. Mach mer huckehuckesaalz!

Hucketichl n. Dim. von Hucketuch 1. Niedercunnersdorf, Neukirch `Einbindetüchlein: mit zwei Knoten zusammengebundenes viereckiges Tuch zum Verstauen von Gegenständen, Esserein und Trinkerein´; woaas as gebliemte Hucketichl eischloin. Siehe auch Eibindetichl! - 2. Großhennersdorf `großes Tuch zum Gras od. Futter einbinden und befördern´. Siehe auch Groastuch! Lautf.: Hucktichl, Huckntichl.

Huckfatzn m. ° ZI Ebersbach `altes Kleidungsstück (für schmutzige Arbeit)´; Nubber, iech half dr glei, iech zieh mer oack fix meine Huckfatzn oaa!

Huckl n. 1. `kleiner Berg, Hügel´. - 2. `Beule´.

hucklch Adj. `uneben, wellig, holperig (vom Boden)´; ´s Bätl is hucklch und bucklch.

huckn swv. `hocken´. 1. `etw. auf dem Rücken tragen, schleppen (in gebückter Haltung)´. - 2. `längere Zeit an einem Platz untätig sitzen´. - 3. refl. `gekrümmt dasitzen, kauern´. Lautf.: hockn.

Huckst f. Pl. Hickste, Dim. Hickstl `Hochzeit´. 1. `kirchliche und weltliche Feier zur Trauung od. Eheschließung´; ´s gibbt anne gruße Huckst an Durfe `es heiratet ein Wohlhabender´; iech gih murne a de Huckst; Huckstvoater, Huckstkuchn, Huckstgeschenke.  - 2. Der Doppelkopf- od. Schafkopfspieler sagt Huckst (an Durfe), wenn er die beiden Alten (Eichelober) hat und einen Mitspieler sucht. Der Mitspieler ist dann derjenige, der den ersten Stich einstreicht. Lautf.: Hockst Westlausitz.

Huckstbitter m. `Hochzeitsbitter: männl. Person mit bebändertem u./od. mit einem Blumensträußchen geschmückten Hut, bebändertem Zeremonienstab und mit zwei Brauttüchern geschmückt, die die Gäste zur Hochzeit bittet; Zeremonienmeister, Brauchtumskenner, Organisator, Spielmeister, Alleinunterhalter auf der Hochzeit; Hochzeitsleiter´.

huckstbittn stv. veralt. `feierlich zu einer Hochzeit einladen´; huckstbittn gihn.

Huckstblatl n. `Hochzeitszeitung´.

Huckstblume f. °ZI Ebersbach, Neueibau `Echter Sturmhut (Aconitum napellus L.)´; auch Huckstgutsche, Huckstgespoanne, (Blooe) Schichl.

Huckstleute f. `Hochzeitsgäste´; de Huckstleute stoann Spoalier.

Huckstmohst f. `Hochzeitsmahl´. Lautf.: Huckstmohlst.

Huckstreese m. `Hochzeitsreise´.

Hucksttag m. `Hochzeitstag´.

Huckvll f. `die Menge, die man auf dem Rücken tragen kann´. Lautf.: Hockvll Westlausitz.

Huddl siehe Huttl!

Hudelei f. `Probleme, Schwierigkeiten, Ärger, Umstände´; iech hoa Hudelei mit´n Nischl `ich habe Kopfschmerzen´; woaas su ohne jede Hudelei oabgenumm kriegn. Lautf.: Huddelei, Huttelei.

hudln swv. 1. `nicht funktionieren, nicht vonstatten gehen´, de Koarre hudlt wieder `das Motorrad springt nicht an´. - 2. enn hudln Bihms Koarle `jmdn necken, hänseln, schikanieren, belästigen, plagen´; die Luderbeene hoann miech ´n ganzn Tag gehudlt. - 3. Westlausitz, Schlesien `liederlich arbeiten´. Lautf.: huttln.

huffm swv. `hoffen´; wull mer´sch huffm.

Hufloattch m. `Huflattich (Tussilago farfara)´, getrocknete Blätter, Bestandteil von Bronchial - u. Hustentee. Lautf.: Hufeloattch.

Hufnoajl m. `Hufnagel: Nagel zum Befestigen des Hufeisens auf dem Pferdefuß´. Lautf.: siehe Noajl!

Huhkirch Südlausitz `Hochkirch (Ort u. Gemeinde im °BZ)´, de Huhkirch(n)er od. Huchkirch(n)er `die Einwohner von Hochkirch´. Lautf.: Huhkerch, Huchkirch, Huchkerch.

Huhn m. Neugersdorf, Cunewalde, Bihms Koarle `Hohn´; ´n Huhn rächn `übermütig sein, verhöhnen, sich ein Gütchen tun´; `s Chur hoat´ch´n Huhn gerächt od. geraajcht `die Gruppe hat ihren Übermut ausgeführt´. Lautf.: Hohn.

Huhr n. f. Pl. Huhre od. Huhr, Dim. selt. Härl `Haar´; im de Huhre machn `frisieren´; die hoat Schleefm an Huhrn; RA: siech a de Huhre kriegn. ´s fahltn oack a Huhr und drei Lodn `es fehlte ganz wenig´; iech tu der´dch Huhr flaajchtn. Lautf.: Hoor Ost- u. Westlausitz, Hoaar Burkau, Neulausitz. Lautf.: Pl. Hoaarn wSüdlausitz.

Huhrkäte f. `Haarkette: Uhrkette aus ausgekämmten Frauenhaaren´, früher beliebtes Geschenk der Braut für den Bräutigam. Lautf.: Huhr-, Hoor-, Hoaar-, -käte, -kette.

huhrkleene Adj. `haarklein: sehr ausführlich, im kleinsten Detail, haargenau´; a hoat mer´sch huhrkleene ausenanderposementiert. Lautf.: hoaarkleene, hoorkleene Ostlausitz.

Huhrlode f. `einzelne Haarsträhne´; flachsfoarbm Huhrlodn `blonde Haare´.

Huhrnole f. Neugersdorf, Spitzkunnersdorf `Haarnadel´. Lautf.: Huhrnulde `Zittauer Gebirge´.

Huhroabschneider m. `Haarschneider, Friseur´.

Huhrschneider m. Spitzkunnersdorf, Jonsdorf `Friseur´.

Huhsch siehe Husch!

Huhsche f. Dim. Huhschl 1a. `(junge) Gans´. - b. selt. `(junge) Ente´. - c. im Dim. `Vogelküken´. - d. Schlesien `(fette) Sau´. - 2. übertr. a. im Dim. `kleine Pers., kleines Getier´; seine Liebste is oack a Huhschl od. Hieschl. - b. `kränkliche Pers.´ Lautf.: Huhtsche Schlesien. Vgl. Hiesche!

huhsche huhsche Interj. 1. Obercunnersdorf, Schirgiswalde Lockruf für Gänse. - 2. Seifhennersdorf Lockruf für Enten.

Huhschl n. siehe Huhsche!

huhschl huhschl
Interj. Steinigtwolmsdorf Lockruf für Gänse.

Huhschnickl (gedehntes u) n. Ostlausitz `Haarfitz´. Lautf.: Huschenickl (kurzes u).

huhtschlch Adj. Obercunnersdorf, Neugersdorf `ärmlich, mickrig, klein´; a klee hutschlch Mannl.

Huhwaald m. `Hochwald (Berg im Zittauer Gebirge)´; de Huhwaaler Windmihle, dr neue Huhwaaldturm. Lautf.: Huhwaal.

Huhwaald m. `Hohwald (Bergwald zwischen Steinigtwolmsdorf u. Neustadt /Sa)´; woaas fer Stecke ei´n Huhwaale draußn stihn! Siehe auch Waale!

hui, hui siehe hoi, hoi!

Huldndurf  `Holtendorf (Ort der Gemeinde Markersdorf im °GR)´; de Huldndurfer `die Einwohner von Holtendorf´.

Hule in der Fügung weeß dr Hule siehe wissn!

hule hule Interj. °NOL Wiesa, Gebelzig Lockruf für Gänse (u. Enten), Scheuchen der Gänse.

hulkerch Adj. Neukirch `uneben, holprig´. Lautf.: hulgerch.

hulkern swv. Neukirch `holpern, auf unebenem Weg fahren´; dar wär doa tutsicher ärschlich d´ Oabprelle nunterghulkert `er wäre doch tot sicher den steilen holprigen Dorfweg rückwärts hinuntergerollt´. Lautf.: hulgern Neukirch.

Hullermickl n. 1. Ostlausitz `männl. Glied (bei kleinen Jungen)´. - 2. `Harnaustrittsstelle bei kleinen Mädchen´.

hullern swv. söSüdlausitz, Ostlausitz `urinieren (meist von Kindern)´.

hulln swv. dass. wie hullern.
hulln siehe huln!

Hullo n. kinderspr. Südlausitz 1. `Geschlechtsteil eines kleinen Kindes´; hul schnell dei Hullo raus, dermit´r ne eiseechst. Auch Bullo, Lullo, Tschullo. - 2 . `Urin, Harn, Pipi´; Hullo machn `urinieren´.

huln (gedehntes u) swv. `holen´. 1. mit pers. Obj. `herbeirufen´; hul oack ´n Dukter! Diech sull ´doa glei dr Teifl huln! - 2. mit sachl. Obj. a. `Vorräte einholen´; Sand huln. - b. `im Laden einkaufen´; iech muss noa a poaar Geschenke huln. - c. `stehlen, klauen´; ´n Chrisboom an Busche huln. - d. ba dar is ne vill zu huln. - e. übertr. Bedeutungen; dar hoat´ch wieder a dr Kneipe ann Oaffm gehuln. - f. Odn huln `Atem, Luft holen´. - g. `eine Wunde, eine Krankheit, den Tod holen; anstecken´; iech hoa mer´n Wulf gehult `ich habe die Oberschenkel wund´. - h. Rot huln. Lautf.: hulln Dörfer an der böhmischen Grenze, Hinterhermsdorf, Nordböhmen.

Hulper m. `kleine Erhöhung, Unebenheit, im Wege liegender Stein´. Lautf.: Holper.

Hulperch m. dass. wie Hulper.

hulperch Adj. `holprig´. 1. `uneben infolge von Löchern u. Steinen´. - 2. `uneben (vom Lesen, Schreiben od. Sprechen)´; unse Äberlausitzer Sproche is hulperch und pulterch.

hulpern swv. `holpern: auf unebenem Boden mit rüttelnden Bewegungen fahren´; ´s Waajnl hulperte ock su ieber de Steene.

hulterdepulter Adv. `geräuschvoll, überstürzt´; ´s Fassl kullerte hulterdepulter de Stuffm runder.

Hulz n. Dim. Hilzl od. Helzl `(lebendes, gefälltes) Holz, Feuerholz, Nutzholz, aus Holz gefertigte Gegenstände u. Teile´; Hulzkletzl; mer gihn murne Hulz schloin; hult oack Hulz an Busche! Sprichwort: Dummheet und Stulz wachsn uff enn Hulz. RA: Doaas is su gutt wie´s Hulz an Buhsch geschoafft `das ist nutzlos´; Hulzbricke. Lautf.: Hoolz wSüdlausitz, Westlausitz.

Hulzbandiene f. `Holzpantoffel´, mdal. besser Bratl- od. Hulzloaatschn. Lautf.: Hoolzbandiene Steina.

Hulzbook m. 1. `Holzbock, Waldzecke (Ixodes ricinus)´. - 2a. `Sägebock´. - b. Burkau `eisernes Gestell in der Ofenröhre, auf dem feuchtes Holz getrocknet wurde´. Lautf.: Hulz-, Holz-, Hoolz-, book, -buck, -bock.

hulzch Adj. `holzig: verholzt (von Gemüse u. Früchten)´; is Strinkl is hulzch.

Hulzchristboom m. veralt. `grünbemalter oder mit grünem Papier beklebtes Holzgestell, dessen Mittelspindel Querhölzer trägt, die sich entsprechend der Wuchsform der Nadelbäume nach oben verjüngen und an deren äußeren Enden Rüböllämpchen angebracht sind.

Hulzhäusl n. `Haus (mit Um- od. Giebelgebinde) aus Holz´. Siehe Imgebinde!

Hulzkienl siehe Kien!

Hulzkirch `Holzkirch´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Koscielnik´; dr Hulzkirchner Poaster.

Hulzloaatsch m. meist im Pl. Hulzloaatschn `Holzpantoffeln´; auch Bratlloaatschn. Lautf.: Hoolzloaatschn wWestlausitz, Hulzloattschn Ostlausitz.

Hulzmächer m. °BZ Sohland, Jonsdorf, Königshain b. Ostritz, °NOL Königshain `Wald-, Forstarbeiter´. Lautf.: Hulzmacher, Hoolzmächer u. Hoolzmacher Westlausitz. Siehe auch Buhschmächer!

Hulzscheitl n. `Scheit: das durch Spalten mit dem Beil entstandene ofenfertige Holzstück´. Lautf.: Hoolzscheitl Westlausitz.

hulzn swv. `holzen´. 1. `im Wald Holz fällen´. - 2. `roh u. unfair (Fußball) spielen´.

Hulzschloappm Pl. nwSüdlausitz `Holzpantoffeln´. Lautf.: Hulzschloapm (gedehntes oa), Holzschloappm, Hoolzschloappm Westlausitz.

Hulzspeiler m. dass. wie Speiler.

Hulzwaajg m. `Weg, der für die Holzabfuhr bestimmt ist und nicht zwei Orte verbindet´; RA: uff´m Hulzwaajge senn `sich irren´.

Hulzweibl n. `Holzweiblein´ dass. wie Buhschweibl.

Hulzwurm m. 1. `im Holz (bes. im Balkenwerk alter Häuser u. in Möbeln) lebende Larve´. - 2. scherzh. `Handwerker, der Holz verarbeitet; Tischler, Arbeiter im Sägewerk´.

Humpatsch m. Burkau dass. wie Humpatsche.

Humpatsche f. Bretnig `Unebenheit im Gelände, kleiner Hügel, Buckel (auf der Rodelbahn)´.

humpln swv. `humpeln: hinken, lahmen, mit verletztem Fuß od. Bein laufen´.

Humml f. 1. wie litspr. `Hummel´; RA: Hummln an Kuppe od. Hummln an od. undern Oarsche hoann `unruhig, lebhaft sein´. - 2. übertr. `immer unruhiges, lebhaftes, unbändiges Mädchen´; unse Kleene, doaas is anne Humml!

Hund m. Dim. Hindl od. Hundl keine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern `Hund´. 1. wie litspr.; dr Hund is leefch `die Hündin ist brünstig´, dr Hund heult ´n Mond und ´n Leierkoastn oaa. RA: Wenn dr Hund ne geschissn hätte, hätt´r´n Hoasn gekrigt. RA: uff´m Hund kumm `dem wirtschaftlichen bzw. gesundheitlichen Ruin entgegen gehen´. RA: Ann biesn Hund gibbt ees zwä Bissn. RA: Ba su ann Water joit ees kenn Hund raus. RA: Die vertroin´ch wie Hund und Koatze. RA: wie Pimpls Hindl od. Pimpersch Hindl `übertrieben anhänglich´, vu jedn Durfe a Hund `bunt durcheinander, von jedem etwas, unsortiert´, dar sitt ju aus oas wenn dr gruße Hund benn (bei ihm) Poate gewast wär `der sieht aufgedonnert aus´, ´n grußn Hund oas Poate hoann `einen Einflussreichen als Fürsprecher haben´, ´s is zun junge Hunde kriegn; mit oalln Hundn gehetzt sein `erfahren, raffiniert, gerissen, durchtrieben sein, alle Tricks kennen´; dar is ieberoale, wu dr Hund is Been häbt od. wu dr Hund mit´n Schwanz woacklt, is dar o `der muss überall dabei sein´. - 2. übertr. auf Person, häufig Schimpfwort; dar oarme Hund; du fauler Hund! - 3. `ein unangenehmes Ding´; ann Hund oabkriegn; hul dr ba dar dichn Kälde ne ´n Hund! `Erkälte dich nicht bei dieser Kälte!´ - 4. Blinder Hund `Brotsuppe mit Salz, Pfeffer u. Kümmel, aber ohne Fett´. - 5. `der hinterste Teil des Langholzwagens´. - 6. im Dim Hundl °NOL Königshain `(größerer) Pflasterstein´. Lautf.: Hond Westlausitz.

Hundehuckst f. in der Wendung uff jeder Hundehuckst senn `keine (noch so unbedeutende) Feier auslassen´; iech koann ne jede Hundehuckst mitmachn.

hundekaalt Adj. `sehr kalt´.

Hundelabm n. `schlechtes Leben (wie die Hunde)´; doaas Hundelabm hirrt mer uf!

Hundelärge f. Ostlausitz, Schlesien abwert. `Hundevieh, Köter, kleiner Hund ohne Stammbaum´.

Hundelädsche siehe Lädsche!

Hundelenker m. `der Mann, der den hintersten Teil eines Langholzwagens lenkt´; auch Hundefihrer Westlausitz.

Hundeluhn n. `sehr wenig Lohn´; uff doaas diche Hundeluhn mitz´ch druf!

Hundepaaze (gespr. Hundebaaze) f. Niedercunnersdorf 1. `Streifzug des Hundes bei der Suche nach einem Partner zum Paaren´. - 2. übertr. `Nutte; weibl. Pers., weibl. Pers. mit vielen Freiern´. Siehe Paaze und Paaz! Lautf.: Hundepoaaze, Hundepatze.

hundeschnauznkaalt Adj. 1. `kalt wie die Schnauze des Hundes´. - 2. `gefühllos, ungerührt, gleichgültig´; doaas ließ´n hundeschnauznkaalt.

Hundesuppe f. selt. `Wassersuppe, die gegen einen verdorbenen Magen helfen soll´; dass. wie Hund 4.

Hundetehle (gespr. Hundedeele) f. abwert. bes. Ostlausitz, Schlesien `Töle: (weibl.) Hund (ohne Stammbaum)´. Lautf.: Hundetäle.

Hundetirkei f. `Hundetürkei´. 1. `liederliches Haus, Gehöft, Dorf, vernachlässigter Landstrich´. - 2. abwert. `der bevölkerungsarme, landwirtschaftlich ausgeprägte, von Heide überzogene, (sorbisch sprechende) nördliche Teil der Oberlausitz u. südliche Teil der Niederlausitz´; mer foahrn runder uff Spraamerch a dr Hundetirkei `wir fahren nach Spremberg in der Niederlausitz´.

hundsälend Adj. Adv. `hundeelend: sehr krank, sehr unwohl, sehr schlechtes körperliches Befinden´; mir is vu dr Weibermihle hundeälend gewurn. Lautf.: hundeälend.

Hundsflihe Pl. 1. in der Wendung dar is vuler Hundsflihe, dar is oaller Hundsflihe vul `der ist sehr lebendig, übermütig´. - 2. Nordböhmen Hundsflihe setzn `Schelte bekommen´.

Hundsgräte f. `Hundskröte: Tunichtgut´. Lautf.: Hundskräte Bihms Koarle.

Hundskälde f. `große Kälte´.

Hundsklunkern Pl. dass. wie Hundslodn 2.

Hundsliege f. Bihms Koarle `schlimme Lüge´; anne Hundsliege machn.

Hundslodn Pl. 1. `raue, grobe Haare (vom Hund)´. - 2. übertr. `grobe Worte, Schelte, Ausgeschimpftes´; Hundslodn kriegn `derb ausgeschimpft werden´; stoatts Hundslodn toat´r´n lobm.

hundsmiede Adj. `hundsmüde: ermüdet, sehr müde´; auch tudmiede.

Hundstage Pl. `die Zeit der heißen Sommertage, nach dem Hundsstern benannt, vom 24.07. bis 23.08.´; dr Schweeß lief´m ieber de Backn, oas wenn´r misste oan Hundstagn Stecke rodn.

Hundswater n. `sehr schlechtes Wetter´.

Hunger m. wie litspr.; kees is Hungersch gesturbm `niemand ist vor Hunger gestorben´.

hungerch Adj. `hungrig´. 1. `Hunger empfindend´;  RA nach dem Essen: Anu haal mer´sch wieder mit ann Hungerchn aus. - 2. `ausgesogen vom Kulturboden, Dünger verlangend´.

Hungerknuchn m. dass. wie Hungerschlunk.

Hungerkroattch n. `Hungerkraut: Hirtentäschel (Capsella Bursa-pastoris)´; auch Hungerblume; verbreiteter ist die Bezeichnung Taschlkraut. Diese Pflanze wächst auf schlechten, sauren Wiesen. Laut Volksglauben weist ein üppiger Wuchs von Hirtentäschel auf eine schlechte Ernte hin. Lautf.: Hungerkräutch öKürzung.

Hungerleider m. 1. `Person, die oft Hunger leiden muss´. - 2. `Person, die übertrieben sparsam u. geizig ist´.

hungern swv. mdal. nur in der Wendung miech hungert´s `ich habe Hunger´.

Hungerschlunk m. bes. Ostlausitz `Hungerschlund: geiziger Mensch, Geizhals´.

hunne Adv. Ober- u. Niedercunnersdorf `hier unten´; de Moannsn sitzn uff dr Purkirche und de Weibsn hunne `die Männer sitzen in der Kirche auf der Empore und die Frauen unten im Mittelteil´. Siehe auch unne! Lautf.: hunn Ebersbach/Sa., Zweideutigkeit: Hoast de hunn de Fisse? Hoast de Hundefisse? hungn Westlausitz, hunge Ostlausitz.

hunnerim Adv. Niedercunnersdorf `hier unten herum´; siehe unnerim! Lautf.: hunnrim Ebersbach/Sa.

Hunschl (kurzes u) n. siehe Huntschl!

huntsch - huntsch (kurzes u) Jonsdorf Lockruf für Schweine und Ferkel. Lautf.: hunsch - hunsch.

Huntschl (kurzes u) n. 1. kindlich `(kleines) Schwein, Ferkel, Frischling´. - 2. übertr. Ostlausitz, Sächs. Schweiz `Tannen-, Kiefernzapfen´; Kieferhuntschl °NOL Königshain `Kienapfel´. Lautf.: Hunschl, Hontschl Westlausitz.

hunzn swv. `hunzen: störanfällig sein, nicht funktionieren, versagen´; ´s neue Auto hunzt schunn.

Hupp m. Bihms Koarle `Hops, Sprung´; ann gälchn Hupp machn.

hupp hupp Adv. `schnell´.

hupp nahm siehe hups nahm!

Huppch m. Sächs. Schweiz, Westlausitz  `Hops, Sprung, Satz´; uff ann Huppch verbei kumm.

huppdich, galluppdich Adv. `plötzlich, schnell (u. liederlich)´.

Huppe f. `Hopse´. 1. `Kinderspiel, bei dem mit einem Bein gesprungen werden muss´; mer spieln Huppe; Huppesteen. - 2. `Springseilspringen´.
Huppe f. dass. wie Huppm `Hopfen´; de Huppe pfluckn.
Huppe (gespr. Hubbe) f. Westlausitz `Flieder´. Lautf.: Hoppe.

Huppekastl ohne Genus `Hoppekästchen: Hüpfspiel der Kinder mit im Erdreich eingeritzten oder aufs Pflaster gemalte Kästchen´, auch Kastlhuppm!
Mit Kreide wird ein Spielfeld mit fünf hintereinanderliegenden Kästchen aufs Pflaster gemalt. Das letzte Kästchen ist der Himmel. Ein sechstes und ein siebentes Kästchen werden links und rechts neben das vierte gemalt. Die aufgezeichnete Spielfläche hat die Form eines Kreuzes. Der erste Spieler wirft einen kleinen Stein in ein beliebiges Kästchen und hüpft vom Ausgangspunkt mit einem Bein von Kästchen zu Kästchen. Das Kästchen mit dem Stein muss übersprungen werden. In die Arme des Kreuzes springt er so, dass das linke Bein im linken und das rechte Bein im rechten Kästchen stehen. Ist der Spieler im Himmel angekommen, springt er zurück. Vor dem Kästchen mit dem Steinchen hält er an und hebt es auf einem Bein stehend auf, dann erst setzte er sein Hüpfen fort. Wer als erster alle Kästchen durchhüpft, ohne den Stein daneben zu werfen, ohne den Fuß abzusetzen und ohne auf eine Linie zu treten, hat gewonnen.

Hupper m. dass. wie Hupperch.

Hupperch m. 1. `Lebewesen, das springt; Grille, Heuschrecke, Floh´. - 2. `Hops, Sprung, Satz´; dar wird kenn grußn Hupperch mih machn `der wird sich nicht mehr viel leisten können´. - 3. Bihms Koarle `kleiner Berg, Hügel, Bodenerhebung´.

Huppesteenl n. `zum Hüpfspiel verwendetes Steinchen od. bes. schön aussehendes Keramik- od. Glasstückchen´.

Huppm m. `Hopfen (Humulus lupulus)´; RA: Ba dan is Huppm und Maalz verlurn. Auch Huppe f.
Huppm n. `Hopsen´. 1 `Kinderspiel, wo mit einem Bein gesprungen werden muss´; Kastlhuppm, mer spieln Huppm. - 2. `Springseilspringen´.

Huppmstange f. `Hopfenstange´. 1. wie litspr. - 2. übertr. `überschlanke Person´; anne dirre Huppmstange.

huppm swv. `hupfen´. 1. `hopsen, springen´; RA.: ´s bleibt´ch gehuppt wie gesprungn; huppe hie, ´s gibbt´r mih ! Mir missn huppm, wenn die pfeifm!  - 2. `hüpfen, (verrückt) tanzen´; Tschibblhuppm `Jugendtanz´. - 3. `zu schnell auf etw. reagieren, auf etw. hereinfallen´; du musst ne uff jedn Dreck huppm.

Huppoatz m. `Wiedehopf´. Lautf.: Huppsch Oberlichtenau, Huppch, Huppack Rietschen, Huppatsch Peickwitz; a stinkt wie a Huppsch, saufm wie a Huppsch.

Huppoatze f. Seifhennersdorf `großer Gegenstand, Hindernis, Bodenerhebung, Bodenwelle, Abschlag´; do kimmt anne Huppoatze de Baach rundergeschwumm `da kommt ein Eisklumpen den Bach heruntergeschwommen´. Lautf.: Huppa(j)ze.

Huppsch siehe Huppoatz!

Hups m. Pl. Hupse, kindersprachlich `Hops: kleiner Sprung´; na, Klenner, mach ann Hups! Kumm oack uff ann Hups zu mir!

hups gihn `entzwei gehen, bankrott sein, sterben´.

hups nahm `festnehmen, einsperren´.

Hupser m. `Hopser´. 1. `eine Person, die hopst´. - 2a. `Hüpfer, Sprung´. - b. `hüpfender Tanz´.

hupsn swv. `hopsen´.

Hurbl f. 1. `kräftige Ohrfeige´; du krigst glei anne Hurbl. - 2. Neusorge`Ohrfeige mit den hervorstehenden Knochen der mittleren Fingergelenke´.

Hurche f. siehe Horche!

Hurcher m. `Lauscher´.

Hurchleffl Pl. `Horchlöffel´, scherzh. `Ohren´.

Hurchloappm Pl. scherzh. `Ohren´.

hurchn swv. `horchen´. 1. `angestrengt od. aufmerksam lauschen; zuhören´; zur Erregung der Aufmerksamkeit od. als Ausruf des Erstaunens: Hurch oack amol har! - 2. uff enn hurchn `auf jmdn. hören; gehorchen, folgen´. - 3. `heimlich, unbemerkt, unerlaubt lauschen; aushorchen´; iech hoa gehurcht, aber nischt verstann; rimhurchn.

Hurde (kurzes u) f. Dim. Hirdl od. Hurdl `Horte´. 1a. `Gestell aus Holzlatten od. Flechtwerk zur Lagerung (von Winterobst, insbes. Äpfeln, Klee)´. - b. `Regal für Kuchenbleche´; Kuchnhurde od. Kuchnhirdl. Siehe auch Kuchnroahme! - 2. Neusorge `Lattenrost; aus Holzleisten bestehende siebartige Schräge, über die Kartoffeln u. Futterrüben in den Keller rollen, wobei anhängende Erde durch die Ritzen fällt´. - 3. verstr. `Holzgestell für Klee und sonstiges Futter´, Kliehurde, auch Reiter.

Hurke f. (veralt.), ohne Genus `Horka´ 1. Ort und Gemeinde im °GR; noa Hurke loofm, doas Haus stiht ei (dr) Hurke, Quoarkhurke (Spitzname), Äber-, Mittl- u. Niederhurke; de Hurkschn `die Einwohner von Horka´. - 2. Ort der Gemeinde Crostwitz im °BZ. Lautf.: Horke.

Hurke f. selt. nSüdlausitz `altes stumpfes Messer´.

Hurlze, Hurlitze f. veralt. Südlausitz `Hornisse: größte heimische Wespenart (Vespa crabro)´; verbreiteter Hurnse. Siehe auch Ulze!

Hurml f. Ostritz `Hormel: Ohrfeige´, verbreiteter Hurbl. Lautf.: Horml.

Hurn n. Pl. Herner, Dim. Hernl od. Harnl `Horn´. 1. wie litspr. a. `Tierhorn´; Hernl weisn. RA: de Herner eirann `erfahren werden, aus Schaden klug werden´. - b. `Blashorn´; enn as Hernl tittn od. blosn `jmdm. nach dem Munde reden´. - c. `Hornhaut´. - 2. `Beule (am Kopf): (durch Schlag od. Stoß schmerzhafte) Anschwellung des Gewebes´; du hoast a Hurn uff dr Stirne! - 3. meist im Dim. `hornförmige Gegenstände´. a. `Gebäck´; Mohhernl, Butterhernl. - b. `kleines Horn zum Blumenstreuen´. - c. `Pulverhorn´. - d. siehe Hernl!

hurnch Adj. `aus Hornhaut bestehend´; ann hurnchn Daum.

Hurnklie m. `Wiesen-Hornklee (Lotus corniculatus)´, gelbe Blüten.

Hurns´che (kurzes u) f. 1. `(altes)Bett´. - 2. `abgewohnte Wohnung, baufälliges Haus´;  a su anne Hurns´che misst mer eiziehn, wie mer aus dr Schläs´che rausgeschmissn wurn senn. - 3. dass. wie Buberatsche 1. Lautf.: Hirns´che.

Hurnse (kurzes u) f. `Hornisse: größte heimische Wespenart (Vespa crabro)´; a dr Scheitlfeie missn de Hurnsn a Naast hoann; siebm Hurnsnstiche machn a Pfard tut. Lautf.: Hirnse, Hernse, Harnse.

Hurnsnnaast n. `Hornissennest´.

Hurnuchse m. `Hornochse: dummer, unbeholfener und sturer Mensch ohne Bildung u. Humor; Idiot´.

Hurnz n. siehe Hirnz!

Hursche (kurzes u) ohne Genus, veralt. f. `Horscha (Ortsteil der Gemeinde Quitzdorf am See im °GR)´; de Hurscher `die Einwohner von Horscha´.

hurtch Adj. `hurtig´ 1. bes. sSüdlausitz, Ostlausitz, Bihms Koarle `geschwind, schnell´; hurtch wie a Wiesl; du kimmst itze heem, aber hurtch! A (Arzt) woar hurtch doe.  - 2. selt. Westlausitz `zeitig, früh´; hortch offstihn. Lautf.: hurtsch Jonsdorf, hortch Westlausitz.

hurtn (gespr. hurrdn) swv. `horten´. 1. `aufbewahren auf einer Horde, lagern, einkellern´; de Äppl an Kaller hurtn; eihurtn. - 2. `hamstern, anhäufen´; die schoaffm nischt uff de Spoarkoasse, die hurtn´s derheeme.

Hurzl m. Pl. Hurzln ° ZI Jonsdorf, Oppach `im Steinbruch gebrochener, ungehauener Steinbrocken, den man mit anderen zusammenfügen kann und Hauptbestandteil des Sockels vieler Umgebindehäuser ist´. Lautf.: Horzl.

Husch (kurzes u) m. Dim. Huschl od. Huschlchn (Pulsnitz) `etw. Kurzzeitiges´. 1. ann Husch a de Stube machn `durch Feuer den Raum etw. erwärmen, kleines Feuer im Ofen´. - 2. in der Wendung uff ann Husch `auf einen Sprung, auf die Schnelle´ iech kumm uff ann Husch zu dir. - 3. `kurze Wegstrecke´; bis an Kraatschn is oack a Husch. - 4. `kurzer kräftiger Regenschauer´. Lautf.: Huhsch.

huschdich, galuschdich Adv. Neugersdorf, öKürzung `schnell u. oberflächlich´; ´s Moln gingk huschdich, galuschdich.

Husche (gedehntes u) siehe Huhsche!

Husche (kurzes u) f. Dim. Huschl (kurzes u) 1. dass. wie Husch 1. - 2a. `sehr kurzer Regenguss´. - b. `Dusche durch Wasserstrahl´; dr Gaartlnubber hoat mer anne Husche verpoasst. - 3. Hintere Sächsische Schweiz `leichter, nicht allzu erst gemeinter Schlag mit der flachen Hand (ins Gesicht), sanfte Ohrfeige´; krigst glei a Huschl! - 4. Hinterhermsdorf `rinnenförmige Rutsche aus Holzstämmen, auf der die geschlagenen Baumstämme von den Berghängen zu Tal rutschen´.

husche husche (gedehntes u) siehe huhsche huhsche!

Huschebettl (kurzes u) n. `Steckkissen für den Säugling, Einbindbett´, auch Bische- od. Buschebettl.

Huschekirbl n. dass. wie Bischekurb. Lautf.: Huschekurbl, -kerbl, -karbl.

Husch(e)nickl n. siehe Huhschnickl!

Huscherch (kurzes u) m. Weifa `sehr kurzer Regenguss´; ´s werd oack su a Huscherch sein.

huschern (kurzes u) swv. refl. West- u. Ostlausitz `sich aus Bedürfnis nach Wärmer od. Nähe an jmdn. od. etw., in etw. schmiegen, kuscheln´. Verbreiteter huschln.

Huschl (gedehnte u) siehe Huhsche!

Huschl (kurzes u) siehe Husche!

huschlch (kurzes u) Adj. 1. Südlausitz `kuschelig, gemütlich, angenehm warm (im Zimmer)´. - 2. verstr. Ostlausitz `liederlich, unordentlich (Haar)´. Lautf.: huhschlch.

Huschlkind n. Jonsdorf dass. wie Bischekind.

huschln (kurzes u) swv. 1. trans. `Säugling od. Kleinstkind auf den Armen einwiegen, schaukelnd einschläfern´, eihuschln; auch bischln. - 2. (refl.) `kuscheln; sich an jmdn. od. etw. anschmiegen´; ´s Miezl huschlt´ch a sei Ufmeckl, a de dickn Faderbettn neihuschln.
huschln (kurzes u) swv. Wehrsdorf `liederlich, oberflächlich arbeiten´. Lautf.: huhschln Nordböhmen.

Husse f. msSüdlausitz `dicke, unförmige Brotscheibe; großer Bissen´.

Hussn m. 1. dass. wie Husse; dr Voater noahm´ch ann Hussn Brut mitte. - 2. `Pferdedecke, (aus groben Garn gefertigter) Überzug´; doaas soahg aus oas wie a graunhoaftcher Hussn.

Hust (kurzes u) m. siehe Hustn!

Hustche f. `Hostie: (geweihtes) Abendmahlsbrot, Oblate für das heilige Abendmahl´.

Huste (kurzes u) f. Königshainer Berge siehe Hustn!

Hustn (kurzes u) m. Dim. Histl wie litspr. `Husten´; dr Hustn sitzt noa feste; dar hoat a Histl uff´m Bristl. RA: Auf die Frage "Woaas hoast´n?" die Antwort "Hustn, Schnuppm und kee Geld". Lautf.: Hust m. Oberland zwischen Wehrsdorf u. Jonsdorf ohne Obercunnersdorf u. Kottmarsdorf, Huste f. Königshainer Berge.

Hutschche, Hutsche (kurzes u) f. Westlausitz, Nordböhmen siehe Hätsche!

hutschn (kurzes u) swv. 1. Obercunnersdorf, Neusorge `auf dem Hintern fortkriechen wie kleine Kinder; knieend rutschen; auf dem Fußboden rutschen´; uff´m Dieln rimhutschn. - 2a. Bihms Koarle, Süd- u. Westlausitz `in Kauerstellung gehen, hocken, sich niederknien´; se hutscht nieder. - b. Niedercunnersdorf refl. `sich hinsetzen´; unse Koatze hutscht´ch uff´s weeche Bettl. - 3. Neugersdorf `langsam u. schlapp wie ein Kranker laufen, schleppend gehen´. - 4a. Schlesien `mit den Schuhen schlurfen´. - b. Girbigsdorf `auf dem Eise rutschen, gleiten´. Lautf.: hootschn °NOL Königshain.

Hutt m. Pl. Hitte, Dim. Hittl 1. wie litspr. `Hut´, eine Kopfbedeckung; Sunntchhittl, Gaknhittl `grüner Hut des Försters´; die hoat ann neumodschn Hutt; wenn ein Mann den Hut beim Grüßen nicht abnimmt, heißt es: Dar hoat wull Sperrlche undern Hutte? RA: Dar hoat´n Hutt uf `der ist dafür verantwortlich´. RA: Do gitt enn dr Hutt huch! `Das ist zum Aufregen, das ist unerhört´. Volksreim: Meine Frooe, die hoat´s gutt, die sitzt an Schoattn und brauch kenn Huttt. - 2. wSüdlausitz, sWestlausitz `Gießkannenbrause´.

Huttbarg m. `Hutberg´.

Huttch m. (n.) 1. neutral `Anhang, unbestimmte Anzahl von Personen, Familie´; se bruchte ihrn ganzn Huttch mit. - 2. stark abwertend `(üble) Gesellschaft, Gesindel, Gruppe (von Asozialen), Pack, (liederliches) Volk´; Kinderhuttch; dr (doaas) fremde Huttch sull mer vun Hoalse bleibm; do kimmt´s ganze Huttche vu dr Huttche `da kommt das ganze Volk aus dem Ortsteil Hutung.´ Vgl. Gehuttche!

Huttche f. `Hutung, Hutweide, Weideplatz´; Huttcheteich, Huttchwiese `Hutungswiese´; de Huttche-Treebe treibt´s Koalb aus `die wilde Kinderschar auf der Hutung treibt das Kalb aus´. Lautf.: Huttsche.

hutte (gespr. hudde) Interj. `nach rechts! Rechts herum! (Zuruf, mit dem die Zugtiere nach rechts gelenkt werden)´; hutte und swoide turkln. RA: ´s Fichsl hoat hutte geschissn (Leutersdorf) `es ist verkehrt gelaufen´. Lautf.: hotte.

Huttelei siehe Hudelei!

Hutteleine (gespr. Huddeleine) f. `einfaches Seil mittlerer Stärke, mit dem das Zugtier (Pferd, Kuh, Ochse) bei der Feldarbeit (Pflügen) geführt wird.´ Beim Ziehen an der Leine geht das Zugtier nach links, bei mehrmaligen Zupfen und dem Ruf hutte nach rechts.

hutterim Adv. `rechtsherum´; a gingk hutterim uff´s Schissn.

Huttl n. `geschlossene Gummiröhre mit einem Kork zur Beruhigung von Säuglingen, Schnuller, Gummisauger´; dr Kleene bläkt, gibb´m oack sei Huttl! Vgl. Nutsch!
Huttl (gespr. Huddl) f. `altes Fahrzeug, Karre´.

huttln swv. 1. `am Schnuller saugen´. - 2. dass. wie hudln.

Huttnoajl m. `Hutnagel: Nagel zum Koppeln des Hinter- an den Vorderwagen´.

Huttpumpe abwert. Niedercunnersdorf, Waltersdorf `ältere Frau, die (zum Einkauf oder zum Ausflug statt des Kopftuches oder der Haube) einen neumodischen Hut aufsetzt´; dr Umnibuss woar vuler Huttpumpm.

Huttschnure f. `Kordel (Schnur) um den Hut´; RA: Doaas gitt mer aber ieber de Huttschnure! `Das geht zu weit!´

Huttwullee f. spött., abwert. `Hautevolee: die vornehme, reiche Gesellschaftsschicht; Oberschicht´; de ganze Huttwullee woar gekumm.

Hutzeplutze f. abwert. Obercunnersdorf, Neugersdorf `bedeutungsloser, unbekannter Ort, unbekannte Gegend´; dar wohnt uff dr Hutzeplutze `der wohnt in einem unbekannten, bedeutungslosen Nest´; die foahrn an Urloob uff de Hutzeplutze.

Huzl (gedehntes u) f. n. Pl. Huzln 1. `kleine, verkümmerte Frucht; zusammengeschrumpfte Pers., runzlige Frau´; Huzlweibl. - 2. Niedercunnersdorf, Großhennersdorf, °ZI Kemnitz `angebranntes, unförmiges, missratenes Gebäck (Plätzchen, Pfefferkuchen, Semmel)´; benn Bäckn goab´s oack Huzln. Siehe auch Toalke! Lautf.: Hutzl.

huzlch (gedehntes u) Adj. siehe verhuzlt!

Huzlmannl (gedehntes u) n. Niedercunnersdorf `zusammengeschrumpfter, faltenreicher älterer Mann´.

huzn siehe uzn!