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  1. G

Ga

gaajkch Adj. 1. `unschönes, abstoßendes Gelb, leicht verschmutzt, blass, bleich, farblos, kränklich´; du sellt´s a bissl a de frische Luft gihn, su gaajkch wie de aussist! - 2. `verschossen, verblichen´; gaajkcher Stuff. - 3. öSüdlausitz `unpassend bunt, schreiend farbig, grell, nicht zueinander passend´. Lautf.: gakch.
gaajkch Adj. `schwatzhaft´. Lautf.: gakch.

Gaajke, Gake f. 1. `Vogel, bes. Gans od. Krähe´; die aaln Gaajkn kräcksn ´n ganzn Tag vun Boome runder. - 2. `missratener Sprung´; dar (Skispringer, Turmspringer) hoat anne Gaajke gemacht. - 3. Sächs. Schweiz in der Wendung anne Gake ufhängn `eine Lüge erzählen´. - 4a. übertr. abwert. `(schwatzhafte, vorlaute) Frau´; die aaln Gaajkn stihn immer noa ba dr Plumpe und braaschn. - b. abwert. `(hochnäsige) weibl. Pers.´; anne aale Gake hoatte ann Wecker an Schubsacke mitgnumm (Neukirch). - 5. Gake, Grußgake, Großgage f., ohne Genus, Spitzname für `Großröhrsdorf´ im °BZ, Kleegake Spitzname für `Kleinröhrsdorf´ im °BZ; de Gakschn od. Gagschn `die Einwohner von Großröhrsdorf´. Lautf.: Gage Westlausitz. Siehe auch Rihrschdurf!

Gaajkerch m. 1. `Gänserich´. - 2. übertr. abwert. `schwatzhafter Mann´. Lautf.: Gakerch (gedehntes a).

gaajkerch Adj. dass. wie gaajkch. Lautf.: gäkerch.

gaajklch Adv. Südlausitz `unpassend bunt, schreiend farbig´. Lautf.: gaklch Anton.

gaajkln swv. Ostritz `unnötig viel u. Belangloses reden´, verbreiteter gaajkn.

gaajkn swv. 1. `schreien wie eine Gans od. Krähe´; de Aalnkrohn gaajkn, hallelaut ufgaajkn. - 2. übertr. sSüdlausitz, Nordböhmen `unnötig viel u. Belangloses reden, ununterbrochen albern ungefragt schwatzen, quasseln´; die hoat a dummes Gegaajke! - 3. Siehe gakn! Lautf.: gakn (gedehntes a).

Gaajknferschter m. Scherzwort `Förster, Jäger, (der auf Krähen schießt), Sonntagsjäger, schlechter Schütze´.

gaajks´ch Adj. `grell, schrill, unangenehm laut´; die hoat anne gaajks´che Stimme. Lautf.: gaks´ch (gedehntes a).

Gaajkserch m. 1. `Person, die viel schreit; Schreihals´. - 2. `Schrei, schriller Laut´. Lautf.: Gakserch (gedehntes a).

gaajksn swv. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Oderwitz `unangenehm laut od. schrill reden; schreien (vor Schreck)´; rimgaajksn, lusgaajksn, ufgaajksn. Lautf.: gaksn, gäksn.

Gaajld n. siehe Geld!

Gaalchn siehe Gaalhihnl!

gaale Adj. 1. `gelb, von gelber Farbe´; quicklgaale `lebhaft gelb´; soaffergaale `von goldgelber Farbe wie Safranöl´; gaale Suppe `Suppe, die durch Safran gelb gefärbt ist´; quitte- od. quittngaale `gelb wie Quitten, hellgelb´, flammlgaale `feuerfarben´, scheißgaale `gelblich wie der Durchfall´, tschitscherinputtputtgaale, tschitscherinputschgaale Neugersdorf, zitscheringaale; gaale Moarunkn, iech puch dch griene und gaale, ´s kimmt ganz gaale aus´n Draajkluche. - 2. ´s Gaale `Eidotter´. Lautf.: gäle Neulausitz.

Gaales Hihnl n. siehe Gaalhihnl!

Gaalhihnl n. mSüdlausitz öSüdlausitz söWestlausitz `Echter Pfifferling, Eierschwamm (Cantharellus cibarius)´, Speisepilz; Hihnlch Cunewalde, mwSüdlausitz; Gaales Hihnl wSüdlausitz, Kahles Hihnl Burkau, Gaalchn Oberlichtenau, Gälchn Peikwitz, Gaalschwamml öKürzung u. Ostlausitz, Gelbschwamml Ostlausitz, Rillch m. Pl. Rillche Zittauer Gebirge, Hinglpilz Schirgiswalde, Steinigtwolmsdorf. Lautf.: Gaalhingl, Gaalhinnl.

Gaalschwamml n. siehe Gaalhihnl!

gaan siehe gan!

Gaanserch siehe Ganserch!

Gaarschte f. `Gerste´; Gaarschtnkurn, Summergaarschte. Lautf.: Garschte.

Gaarschtkarnl n. wSüdlausitz `Gerstenkorn: mit einer Schwellung verbundene eitrige Entzündung einer Hautdrüse am Augenlied´. Lautf.: Gaarscht-, Gaarschte-, Gaarschtn-, -kurn, -karnl; Gerschtnkern Westlausitz. Siehe auch Burnickl!

Gaarschtnpuppe f. `Gerstenpuppe: zum Trocknen u. Nachreifen aufrecht stehende Gruppe von (vier) Gerstengarben auf dem Feld´.

Gaarschtnsoaaft m. `Gerstensaft´, scherzh. `Bier´.

Gaartl (Dim. von Goaartn) n. m. `zwischen Straße u. Wohnhaus gelegener kleiner, abgegrenzter Vorgarten, in dem Blumen wachsen, Küchenkräuter u. Gemüse angebaut, junge Pflanzen gezogen werden´; Blumgaartl. Lautf.: Gartl (kurzes a).

Gaartner m. `Gärtner´ 1. wie litspr. - 2. `Kleinbauer; Besitzer eines Gartengutes, der keine Pferde besaß; Klasse zwischen Bauer und Häusler´; Kleegaartner.

Gaartnerblume f. veralt. Hainewalde, Waltersdorf `Margerite, die der Gärtner aussät und verkauft´.

gaartnern swv. `gärtnern: Gärtnerarbeit verrichten´.

gabch (gedehntes a) selt. in der Fügung woaas Gabches `etw. Erbauliches, etw. Ansehnliches, etw. Besonderes´; ´s is nischt Gabches `es taugt nicht viel´, anne gäbche Geburtstagsfeier.  Lautf.: woaas Gäbches.

Gaberschdurf m. `Gebersdorf (fiktiver ON)´, in der Wendung vu Gaberschdurf senn `sehr spendabel und freizügig im Geben sein´; a woar vu Gaberschdurf; denkst de erne, iech bie vu Gaberschdurf?

Gablunze veralt. f., ohne Genus `Gablonz´, tsch. `Jablonec (Stadt in Nordböhmen unweit des Isergebirges)´; ei de Gablonze troon (nordböhmische Mundart) `nach Gablonz tragen´, de Gablinzer `die Gablonzer´.

Gabse siehe Gapse!

Gackei n. Schirgiswalde kindl. `Ei´; doaas schmeckt wie Himmlschlissl und Gackei `das schmeckt nach nichts´.

Gackerch m. siehe Gockerch!

gackern swv. 1. wie litspr. `gackern vom Huhn, nachdem es ein Ei gelegt hat´. - 2. `reden und dabei etw. schlecht machen, nörgeln, laut schimpfen´; ieber oalls muss se gackern. - 3. Frankenthal `laut lachen´. - 4. °GR Königshain `kichern, (unterdrückt) lachen´, vgl. gickern u. gockern!

gäckern siehe geckern!

Gackl n. kindlich `Ei´; iech schenk dr zwee Gackl, Ee-ergackl od. Gacklee-er.

gackln swv. 1. Spitzkunnersdorf, Ostritz `mit Eiern od. Murmeln spielen´. - 2. `Zeit vertrödeln, ohne Zeitdruck etw. Unwichtiges tun´.

Gacks m. `Ton, Laut, Schrei´; die macht kenn Gacks mih `die ist gestorben´.

gacks Adv. umg. in der Wendung ne gicks und ne gacks machn `aus Schüchternheit od. Unwissenheit nichts sagen´.

Gackschl siehe Gocksch!

gacksn swv. `gacksen: gackern, Töne erzeugen, durch Laute sich verständigen, sich kurz angebunden unterhalten, klug reden´; nu hoat´r eemol gegackst und oalle wusstn´s; du musst ne a oalls reigacksn.

Gäde veralt. f., ohne Genus `Göda (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; doas Naast is noa Gäde eingepfoarrt; de Gädschn `die Einwohner von Göda´.

gaffern siehe kaffern!

gählche siehe gälche!

gahn swv. `gähnen´; a woar miede und gahnte rim; anne Spaale gahnte uf; a gahnd Looch `ein gähnendes Loch´. Siehe auch gahnern!

Gahne f. selt. 1. `Loch, Leere, Öffnung, Lücke, Luke, Spalte´; luss oack anne Gahne uffe! - 2. `Webfach´. Lautf.: Gähne.
Gähne siehe Kehne!
Gahne f. verstr. Westlausitz Pl. Gahn dass. wie Buhschwanze. Lautf.: Gähne Schmiedefeld.

Gahnerch m. 1. `Person, die gähnt´. - 2. `das Gähnen´; doaas woar dr dritte Gahnerch, iech gih schluffm.

gahnerch Adj. `schläfrig, müde´.

gahnern swv. `(unterdrückt) gähnen´; RA: Frooe, mach mer´sch Maul uf, iech will gahnern! Siehe auch gahn!

Gahnoaffe f. m. `gähnende Öffnung´. 1a. `Viereck in Wänden oder Möbelstücken, in dem man etw. aufbewahren kann; Durchreiche´. - b. `beidseitig geöffnete obere Ofenröhre, durch die man durchsehen kann´. - 2. veralt. `Kienspan-, Leuchtspan-, Brennspanhalter´. Der brennende Span wurde ursprünglich von den Frauen beim Spinnen im Munde gehalten. Als dann später Kienspanhalter aufkamen, hatten diese die Form eines Kopfes mit einer Mundspalte, den man deswegen als Gahnaffe bezeichnete; ein Ausdruck, der später auch auf die eisernen Kienspanhalter übertragen wurde. - 3a. selt. Ostlausitz `offener Schuppen mit vorgezogenem Schrägdach zum Abstellen von Geräten´. - b. Westlausitz, Sächs. Schweiz `(aus dem Dach herausgebautes, senkrecht stehendes) Dachfenster´, z.B.: `Gaupe, Ochsenauge´. Siehe auch Kaffer! - c. `nicht notwendiger, unschöner Anbau´. - 4. Schimpfwort a. `Mensch, der den Mund aufsperrt (u. gähnt), neugierig, dumm u. einfallslos ist´; RA: Gahnoaffm feel haaln od. Gahnoaffm verkeefm `den Mund vor Schreck od. Erstaunen aufreißen; faul herumstehen und dumm gucken; unerwünscht zusehen´. - b. `törichter Mensch, Idiot´; enn zer Gahnoaffe od. zun Gahnoaffm machn. Lautf.: Gähnoaffe.

gakch siehe gaajkch!

Gake (gedehntes a) siehe Gaajke!
Gake siehe Gäke!

Gäke f. `Kehlkopf, Adamsapfel, Gurgel´; a de Gäke gihn; mir is woaas a de Gäke gekumm `ich habe mich verschluckt´; mir tutt de Gake wih. Lautf.: Gake °GR Kunnersdorf. °GR Königshain.
Gäke f. siehe Gecke!

Gakerch (gedehntes a) siehe Gaajkerch!

gäkerch Adj. Adv. Jonsdorf `zum Speien zumute, blass´. Siehe auch geckerch!

gakn (gedehntes a) swv. 1. Westlausitz `gaffen, neugierig u. und aufdringlich starren´; woas gakst´n schunn wieder zun Fanster naus! - 2. nSüdlausitz, Westlausitz `offen stehen, klaffen, einen Spalt bilden, auseinander stehen´; de Loaatschn gaktn vurne und hinne uf. - 3. Siehe gaajkn! Lautf.: uf-, uff-, off-, -gakn, -gaajkn.

gäkn (gedehntes ä) siehe geckn!

Gaknferschter siehe Gaajknferschter!

gaks´ch (gedehntes a) siehe gaajks´ch!

Gakserch (gedehntes a) siehe Gaajkserch!

gaksn (gedehntes a) siehe gaajksn!

gälche Adj., Adv. Süd- u. Ostlausitz 1. `jäh, plötzlich, hastig, schnell, fix, abrupt, unvermutet´; de Kutsche gälche oaahaaln; doaas kimmt mer gälche iebern Hoals `das kommt mir zu plötzlich u. unvorbereitet´. - 2. `steil, schroff, abschüssig´; ´s gitt gälche ´n Barg runder. Lautf.: gälchn Weifa, Steinigtwolmsdorf, gällchn sWestlausitz, Neulausitz, geelchn um Bautzen, gärlche Girbigsdorf, gällngnde Burkau, gallngde Oberlichtenau, gällenge Peickwitz, gällinge °BZ Gröditz.

Gald siehe Geld!

gale (gedehntes a) siehe gaale!

Gäle siehe Geele!

galfern (kurzes a) swv. siehe goalfern!

gallngde, gällngde Adj. siehe gälche!

gamern swv. Ostlausitz, Schlesien `trödeln, bummeln´.

Gaml m. Schimpfwort Ostlausitz, Schlesien. `Torr, Narr, Tölpel, Dummkopf; alberner, ungebildeter, unsympathischer Mensch´.

gämlch Adj. selt. `missmutig, nicht gut aufgelegt, unwohl, läppisch, kindisch, schwindlig´; `s wurd´r urndlch gämlch, wie se droaa duchte. Lautf.: gamlch Ostlausitz, Schlesien

gan (gedehntes a) stv. iech ga, du gibbst, mer gan, iech goab od. iech gob (veralt. Südlausitz), mer goabm bzw. mer gobm (veralt. Südlausitz), iech hoa gegan `geben´. 1a. `mit der Hand darreichen´; gatt (Oberland) od. gat mer oack Masser und Goabl! - b. `übergeben, weggeben, hergeben´; RA: Wenn de dan ´n klenn Finger gibbst, nimmt´r glei de ganze Hand. - c. `austeilen (von Spielkarten), verteilen; du gibbst! - d. in verblasster Bed.; ann Denkzettl gan, ´n Loofpoass gan, Farrschngeld gan, a gutt Wuhrt gan, Rechn und Schreibm gan; RA: a koann´ch ne zugutte gan `er lässt sich nicht beschwichtigen, er kann eine unangenehme Erfahrung nicht verwinden´. - 2. `jmdm. gehörig die Meinung sagen´; dann hoa´ch´s aber gegan. - 3a. `werden, ergeben´; woaas sull´n doaas gan, wenn´s fartch is? - b. `erzeugen, erbringen, zur Folge haben´; unse Kuhe gibbt keene Milch mih. - 4. `vorhanden sein, existieren´; zu DDR-Zeitn goab´s ne vill. - 5. `als Mahlzeit auf den Tisch kommen´; woaas goab´s´n zu Mittche? - 6. ´s is ne jedn gegan `es liegt nicht jedem, es ist nicht jedem angeboren´. - 7. umg. Wendungen `das fehlte noch; das kommt nicht in Frage´; raus wullt´r? - Nischt gibbt´s! - 8. refl. a. `sich ergeben, sich zum Besseren wenden, sich günstig entwickeln´; de Krankt gibbt´ch vu oalleene. - b. `sich ausgeben, sich darstellen´; du meine Gitte, wie die´ch wieder gibbt! Lautf.: ich gabb (Koitzsch bei Königsbrück) `ich gebe´.

Gangk m. `Gang´ 1a. `(langer) Korridor im Obergeschoss, von dem die Kammern abgehen´. Im Gegensatz dazu ist der Soaal der größere Vorraum im Obergeschoss. - b. Westlausitz `überdachter Laubengang im ersten Stock an der Hofseite des Bauernhauses´. - 2. `Besorgung´; dann is jeder Gangk zu vill. - 3. `befestigter Weg, mit Steinplatten belegter Weg über den Hof´. - 4. langer Gank `Durchfall´; die hoat´n langn Gangk.

Gänseblieml (kurzes a) n. `Gänseblümchen (Bellis perennis)´. Lautf.: Ganseblieml.

Gänsedreck m. `Gänsekot´. Lautf.: Gänse-, Ganse-, dreck, -draajk.

Gänsefissl Pl. `Gänsefüßchen: Anführungszeichen´.

Gänsekleencht siehe Kleencht!

Gänseloaatsche f. 1. `Fuß der Gans´. - 2a. Frankenthal `Breitwegerich (Plantago major L.)´. - 2b. um Bischofswerda `Gemeiner Frauenmantel od. Wiesenfrauenmantel (Alchemilla vulgaris)´. Auch Gänselaatschlch.

Gänseplaatschl (in 1. Silbe kurzes a) n. 1. `Fuß der Gans wegen der Schwimmhäute´. - 2. auch Gänseploaatsche. a. Südlausitz `Gemeiner Frauenmantel od. Wiesenfrauenmantel (Alchemilla vulgaris)´, wegen der Form des Blattes. - b. verstr. `Gänsefingerkraut (Potentilla anserina)´. Siehe auch Ploaatsche!

Ganserch (kurzes a) m. `Gänserich´. 1. `männl. Gans´. - 2. `(Schnaps)flasche mit langem Hals´. - 3a. `Gänsefingerkraut (Potentilla anserina L.)´; Pflanze wächst gerne auf Gänseweiden, wird aber kaum von Gänsen gefressen. - 3b. Wilthen `Gemeiner Frauenmantel ( (Alchemilla vulgaris)´. Lautf.: Goanserch °ZI Ebersbach, Gaanserch wSüd- u. sWestlausitz, Nordböhmen.

Ganseriesl, Gänseriesl n. `Gänseblümchen (Bellis perennis)´. Lautf.: Gansriesl Steinigtwolmsdorf

Gänseschnoabl m. verstr. `Gänseschnabel: Wiesenschaumkraut´.

Gänsestoal m. `Gänsestall: Lattenverschlag, in dem die Gänse untergebracht sind´. Lautf.: Gänsestoall.

Gänsezunge f. Gebelzig, Nieder Neundorf `Spitzwegerich´.

Gansl n. `Gänseküken´; auch Grieschl od. Grischl.

ganz Adj. 1. `nicht zerbrochen, unversehrt´; unser Klenner lässt nischt ganz. - 2a. `alles davon, nicht nur ein Tei; a hoat de Wiese an Ganzn gehoon `er hat die Wiese vollständig ohne große Unterbrechung abgemäht´; se goab´s Geld an Ganzn aus `sie bezahlte alles auf einmal, ohne Raten´; iech bie ganz denner Meenche. - b. `alle, keiner ausgeschlossen´; de ganzn Kinder `alle Kinder´; de ganze bucklche Frenndschoaft hoat´ch zun Geburtstage eigefunn. - c. `sehr´; die is ganz narrsch uff Teichlmauke.

ganz machn swv. `ganz machen: reparieren, instand setzen´.

ganze Abern dass. wie Schälabern.

ganzhoaftch Adv. Niedercunnersdorf `in voller Größe, unförmig, plump, ungeschickt, träge´; die fläzte su ganzhoaftch zun Fanster raus. Vgl. ungoamber.

Gäpl m. `Göpel: eine Winde mit stehendem Wellbaume od. horizontaler Radwellezum Heben von Lasten u. den Betrieb von Arbeitsmaschinen´; iech kumm mer vier wie a Uchse, dar oan Gäpl gitt. Lautf.: Geepl.

Gapse (kurzes a) f. Südlausitz ohne dem Ostteil 1. Süd- u. Westlausitz `Tasche von Kleiderstücken (Frauenrock, Männerhose)´; dar Lausejunge hoat de Gapsn vuler Steenl; de Juppmgapse muss a Lechl hoann `die Joppentasche muss ein kleines Loch haben´; Schießlgabse `Tasche des Gehrockes´. - 2a. sSüdlausitz `Geldtäschchen´. - b. Wittgendorf `Schachtel´. - 3. Oderwitz in der Wendung a dr Gapse `angeeignet, eingesteckt´. - 4. übertr. abwert. `Frau´; doaas is anne aale od. dumme Gapse! Lautf.: Goapse Oderwitz, Spitzkunnersdorf.

Garber m. `Gerber: Berufsname derjenigen, die rohe Tierhäute zu Leder verarbeiten´.

garbm swv. `gerben: Bearbeitung der Häute und Felle mit Chemikalien zur Lederherstellung´; enn is Lader od. is Faal garbm `jmdn. verprügeln´.

Gärche (gedehntes ä) f. Neusalza-Spremberg, Steinigtwolmsdorf `Gärung (von Teig, Wein od. Kraut)´; ´s Kraut muss a de Gärche gihn. Lautf.: Gärchte.

Gäre (gedehntes ä) f. dass. wie Gärche.

gärlche siehe gälche!

garne (kurzes a) Adv. `gern´. 1a. `bereitwillig, mit Freuden´; iech gih garne uff Oarbeit. - b. in der Fügung enn od. woaas garne hoann `jmdn. od. etwas lieben, mögen´; hoast de miech a bissl garne? `Liebst du mich?´ - 2. `leicht, oft, aus Gewohnheit´; a sefft garne enn. - 3. in der Wendung gutt und garne. a. vor Zahlen `reichlich, mindestens´; doaas senn gutt und garne zwee Stunn mit dr Boahne. - b. Verstärkung der Aussage; du koannst gutt und garne kumm.

Garschdurf (kurzes a) `Gersdorf (Ort der Gemeinde Haselbachtal im °BZ)´; de Ga(r)schdurfer `die Einwohner von Gersdorf´. Lautf.: Gaschdurf od. Gaschdorf Steina.

garsch(t)n (kurzes a) siehe gerschn!

Gartl (kurzes a) siehe Gaartl!

Gartner siehe Gaartner!

Gaschdurf siehe Garschdurf!

Gaschetierdl n. `Gazetür zwischen dem auf Pfoten stehenden Ober- u. dem Unterschrank beim Brotschrank´.

Gassl n. siehe Goasse!

Gauder m. dass. wie Gauderch.

Gauderch m. `Truthahn, Puter, aufgeplustertes männl. Tier´.

gauderch Adj. selt. `vorlaut, hochfahrend, schwatzhaft´; bie oack ne su gauderch!

Gauderhoahn m. `Truthahn´; dar stulziert wie a Gauderhoahn durch´s Durf.

gaudern swv. 1. `Laute erzeugen vom Truthahn, Pute; kollern´; dr Truthoahn gaudert. - 2. übertr. a. refl. ufgaudern `böse und rot werden vor Zorn wie ein Truthahn, sich aufblasen, sich aufspielen´. - b. Nordböhmen `viel über etw. sprechen´. - c. Wittgendorf `lärmen, laut unterhalten, Krach machen´. - d. Nordböhmen refl. sich gaudern `mit Kindern im Reden necken, sich herumzerren´.

Gauke f. selt. Südlausitz Schimpfwort für `Frau´. Lautform: Kauke Nordböhmen.

Gauks m. `Aufschrei´ 1. `lauter, (freudiger) Ton´. - 2. `Schmerzenslaut´.

Gaukser m. dass. wie Gauks.

Gaukserch m. dass. wie Gauks.

gauksn swv. 1. `einen (freudigen) Laut, Ton erzeugen; jauchzen´. - 2. `Schmerzenslaute von sich geben, aufschreien, bellen´; dr Hund hoat gegaukst, hoast´n wieder geloaatscht?

Gaußch `Gaußig (Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im °BZ)´; de Gaußscher `die Einwohner von Gaußig´.

Gauz m. `lauter, (kreischender od. quiekender) Laut; übermütiger Ton; (freudiger) Schrei; lauter Lacher´; ann Aua-Gauz luslussn `einen Schmerzschrei ausstoßen´. Lautf.: Geez.

Gauzer m. dass. wie Gauz.

Gauzerch m. dass. wie Gauz.

gauzn swv. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Bihms Koarle `unangenehm (kreischend, quiekend); (wild, freudig) schreien; laut lachen´; ufgauzn; gauz oack amol! Lautf.: geezn.

Gebächte n. 1. `etw. Verstreutes, Verlorenes, Verschüttetes, Vergeudetes´. - 2a. `Getreidereste auf dem Feld, die nach der Ernte liegengeblieben sind´, auch Bucht. - b. auch `Dreschabfall´.

Gebäcke f. Niedercunnersdorf `die Menge Brot od. Kuchen, die auf einmal im Backofen gebacken wird´; auch Bäcke; mer hoann mit enner Gebäcke glei zwä Festl gefeiert.

Gebalzch siehe Gebelzch!

Gebate n. wie litspr. `Gebet´; Tieschgebat, se schluhß´n as Gebate ei `sie betete für ihn´; RA: enn as Gebat nahm `jmdn. verhören; an jmdn. unangenehme Fragen stellen; mit jmdm. ein ernstes Wort reden´. Lautf.: Gebat.

Gebatsbichl n. `Gebetsbüchlein´. 1. wie litspr. - 2. scherzh. `Satz Spielkarten´.

Gebauer (2.Silbe betont) n. 1. `Vogelkäfig´; mer hoann zwee Zeis´che an Gebauer od. Voglgebauer. - 2. verstr. `Stapel aus sperrigem Gerümpel´.

Gebberschdurf n. `Gebhardsdorf (Alt-, Neu-, u. Ober-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Giebultow´.

gebeeßch Adj. 1a. `scharf, beißend (im Geschmack von Speisen od. im Geruch einer Zwiebel), sehr würzig´. b. `beißende, reizende, ätzende Eigenschaft von Chemikalien u. anderen Substanzen´; gebeeßche Seefe. - c. `eisig, bissig´; anne gebeeßche Kälde. - 2. `bissig (eine Person), gereizt, sehr unfreundlich, gehässig´; gebeeßche Rädn; seine Schwaster is anne Gebeeßche `seine Schwester ist eine bissige, zänkische Pers. - 3. `sehr, stark´. Siehe auch beeßch!

Gebeeße n. `Gebiss´. 1. `Teil des Zaumzeugs der Pferde, der in das Maul eingelegt wird; Gebissstange´; de Pfaare kriegn´s Gebeeße as Maul. - 2. `Gesamtheit der (natürlichen od. künstlichen) Zähne´; die hoat a Gebeeße zun Ferrtn `die hat eine große Zahnreihe von hervorstehenden Zähnen, die auch bei geschlossenem Munde sichtbar sind´.

Gebelzch `Gebelzig (Ortsteil der Gemeinde Hohendubrau im °GR)´; de Gebelzcher `die Einwohner von Gebelzig´. Lautf.: Gebalzch.

Gebinde n. 1. `Fass, in dem Flüssigkeiten versendet werden´. - 2. `als Garnmaß: zwanzig Leinenfäden gaben ein Gebinde (wurde abgeknotet), zwanzig Gebinde eine Zaspel, drei Zaspeln einen Strähn, vier Strähne ein Stück, dreißig Stück ein halbes Schock´. - 3a. `die zu einer Garbe benötigte Getreidemenge´. - b. `kunstvoll gebundener Blumenstrauß´, auch Oaagebinde. Lautf.: Gebind; Gebinge Ostlausitz.

Gebindl n. (Dim. von Gebund) 1. dass. wie Bindl1 `etw. (im geordneten Zustand) Zusammengebundenes´. a. `handgebundenes Strohbündel´; a Gebindl Hoaberstruh. - b. selt. `Getreidegarbe´. - c. `Bündel Reisig´; Reis´chgebindl. - 2. `dickes, strammes Kind´.

gebirtch Adj. `gebürtig, geboren´; se is vu Schimmch har gebirtch `sie stammt aus Schönbach´, iech bie gebirtch vu Cunnerschdurf; verheiroat heeßt se Kunze, se is aber anne gebirtche Heederch. Lautf.: gebiertch.

gebliemlt Adj. `geblümt, mir kleinen Blumenmustern versehen´; a gebliemtes Hemde.

Geblitte n. `Geblüt´. 1. `Gesamtheit des Blutes im Körper´, mei Geblitte is ne a Urnung. - 2. `Menstruation´; meine Frooe hoat´s mit´n Geblitte `meine Frau hat eine unregelmäßige Regelblu-tung´. - 3. übertr. `Temperament´; oan bestn is ruhch Geblitte.

Gebraamsl n. selt. `Gebräme, Randbesatz an Kleidern, überladener Putz´.

Gebreete n. `Gebreite´. 1. `mit halbtrockenem, ausgebreitetem Heu bedeckte Fläche einer Wiese´; vgl. breetn! - 2. veralt. `das zum Dreschen auf der Tenne ausgebreitete Getreide´.

Gebrestn n. Niedercunnersdorf, Bihms Koarle `Gebrechen, körperliches Leiden´; Gebrestn kriegn.

Gebretze siehe Geprätze!

Gebroacke n. dass. wie Broackei.

gebumfiedlt Ad. (eigtl. Part. Prät. zu bumfiedln) `geschmeichelt, geehrt´, a fuhlt´ch gebumfiedlt.

Gebund n. Dim. Gebindl `Bund´. Siehe Gebindl!

gebuschper Adj. selt. `gesund, munter, lebhaft´; de klenn Huntschl senn gebuschper. Lautf.: buschper, gebischper. Siehe auch bewispert!

Geckche f. Schirgiswalde dass. wie Gecke.

Gecke f. `Erbrochenes, Auswurf´; gih oack heem, deine Gecke brauch mer ne! Lautf.: Gäke, Gaajke Cunewalde, Großschönau.

Geckerch m. 1. `Person, die stottert´; Richtergeckerch `ein Herr Richter, der stottert´. - 2. `das Stottern´; dar hoat´n Geckerch.

geckerch Adj. Adv. `zum Speien zumute´. Lautf.: gäkerch.
geckerch Adj. `stotternd, stotterig, unartikuliert´.

Geckerjoanz m. Dim. Geckerjoanzl `(männl.) Pers., die stottert´.

geckern swv.  `(krankhaft) stottern, in abgebrochenen Lauten reden´; a geckerte wie Grillch ver´n Exome `er stotterte wie Grüllich vor der Prüfung´. Vgl. gockern!

geckern siehe gickern!

Geckerzl n. Niedercunnersdorf `Kind, das stottert´.

geckn swv. Oberland `speien, erbrechen, kotzen´; ´s is zun Geckn `es ist zum Kotzen´. Lautf.: gäkn (gedehntes ä) übrige Oberlausitz, Bihms Koarle.

Gedaajchtnis n. `Gedächtnis: Erinnerungsvermögen´. RA: a Gedaajchtnis wie a Ziegeschwänzl hoann.

Gedähne n. 1. `Gegenstand, der viel Platz einnimmt. - 2. Spitzkunnersdorf `sich lang hinziehender Weg´. - 3. `große Person´; ´s Maajdl vu Hoanse is a lang(es) Gedähne.

gedähsche Adj. selt. 1. Neugersdorf, Wehrsdorf, Sächs. Schweiz ` kleinlaut, schüchtern, niedergeschlagen, verängstigt, unterwürfig, gedemütigt, betroffen, bescheiden, kaputtgespielt´; ganz gedähsche soaß se uff´m Schemml. - 2. Zittauer Gebirge `gemütlich, dreist´. - 3. Westlausitz, Sächs. Schweiz `lebendig, schnell, quirlig, rührig, anstellig´; dr Junge woar uff eemol ganz gedärsche.  Lautf.: gedahsche Zittauer Gebirge, gdeesch öKürzung, gedeesche Schirgiswalde, Neukirch, gedärsche Steina.

Gedämpftes n. `durch heißen Wasserdampf gegartes Rindfleisch oder Gemüse´.

Gedärme, Gedärmse, Gedärmsl n. 1. `Gesamtheit der Därme u. Eingeweide bei Mensch u. Tier´. - 2. `sich Dähnen und Räkeln (bes. bei Tisch)´. - 3. übertr. `lange Unterhaltung´; doaas is a Gedärmse.

Gedeihe n. selt. `Gedeih, gesundes Wachstum, das Gedeihen´; unse Kleene hoat a gudes Gedeihe.

gedenkn unregelm. V. `gedenken´, in der Wendung mir gedenkt´s noa, (wie´ch geheiroatt hoa) `ich habe in der Erinnerung, (wie ich geheiratet habe)´.

Gedicktch n. selt. `Dickicht: schwer zugängliches Gestrüpp, Gebüsch´; a koam mit a poaar Harrnpilzn aus´n Gedicktche raus, Fichtlgedicktch `kleine, noch junge, eng stehende Fichten´.

Gedinge n. `Vertrag über die Übergabe des Bauerngutes; Altenteil; Sonderechte für die alten Leute´; iech setz miech as Gedinge `ich gebe mein Eigentum an meinen Sohn ab und nehme die Sonderechte wahr, ich setz mich zur Ruhe´, iech bie mit menner Aaln as Gedinge gezoin. Siehe auch Ausgedinge!

Gedingestiebl n. `Stübchen, das lt. Vertrag dem Altbauern mietfrei überlassen wurde´; siehe auch Ausgedinge!

Gediskeriere n. selt. dass. wie Diskur. Lautf.: Gedischkeriere.

Gedrange n. `Gedränge´; nee, su a Gedrange uff´m Schissn!

gedrange Adv. `gedrängt, eng, dicht stehend, beengt, übervoll´; an Umnibusse gitt´s gedrange zu; a dr Loade sitt´s gedrange aus. Lautf.: gdrang w. u. öKürzung, gedränge.

Geduld f. Obercunnersdorf, Steina neben der litspr. Bedeutung auch `ruhige, windgeschützte Lage; Windschatten´; doaas diche Häusl stitt a dr Geduld. Lautf.: Gedold Westlausitz.

gedune Adj. nur präp., adv. veralt. Großschönau, Seifhennersdorf, Jonsdorf `stramm, straff, gespannt´; mer missn lucker lussn, sunst wird de Woare zu gedune (beim Weben); hiel oack ne su gedune (beim Wollewickeln)! Lautf.: gedone.

gedupplt Adj. `doppelt, zweifach´; anne gedupplte Schleefe; Goarn is eefaach, aber Zwirn is a gedupplter Foadn.

geduse Adj. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Mückenhain dass. wie duse; se lät´n ganz geduse as Waajnl.

Geefer m. `Geifer: Speichel, der bei kleinen Kindern und alten Leuten aus dem Mund läuft; Spucke´; ´n Klenn leeft dr Geefer aus´n Guschl.

Geeferch m. `Pers. (meist Kind), bei der beim Essen od. Sprechen Speichel aus dem Munde läuft´; du klenner Geeferch krigst a Latzl imgebunn!

geeferch Adj. `mit Speichel besappert, mit Wassertropfen besetzt´.

Geeferlatzl n. `Lätzchen, das man dem Kind umbindet, damit es durch den aus dem Munde fließenden Speichel und durch herausfallende Nahrung die Kleidung nicht verunreinigt´.

geefern swv. 1. `(beim Essen, Sprechen) Speichel aus dem Mund fließen lassen; sabbern´. - 2. `keifen: hadern, zanken, streiten, ereifern´; meine Aale geefert ´n ganzn Tag mit mir rim; a geeferte ver Wut.

Geeferze f. 1. dass. wie Geefer. - 2. Schimpfwort `keifende, schimpfende Frau´; doaas is anne aale Geeferze!

Geekelei f. dass. wie Gokelei.

Geeklch m. 1. `Pers., die mit dem Feuer spielt´. - 2. `alte Lampe´.

Geekllampl n. Niedercunnersdorf `Petroleum- od. Rüböllämpchen mit rundem, bauchigen Zylinder´, auch Gokllampl.

Geeklmannl n. 1. Süd- u. Ostlausitz `kleiner, schmächtiger, (unansehnlicher, ulkiger, primitiver und seniler), unsicher laufender, auffälliger älterer Mann´;  abgeleitet vom Nachtwächter, der früher mit der Laterne umherging. - 2. °NOL Königshain `Schattenspiel des Kerzenscheins an der Zimmerdecke´. Auch Goklmannl.

geekln swv. `gokeln: Kerzen anzünden, mit dem Feuer spielen, leichtfertig mit Feuer umgehen´; benn Lichtnschwimm a dr Neujuhrschnacht kinnt´r, menntshoalbm, geekln! Siehe auch gokln!

geelche siehe gälche!

Geele f. veralt. `Geilheit (Fruchtbarkeit) der Acker- od. Wiesenerde, Fettigkeit des Düngers´. Auf einer Geilstelle auf dem Feld oder der Wiese ist überdurchschnittliches Wachstum zu verzeichnen. Lautf.: Gäle Anton.

Geeln Oberlichtenau, Deutschbaselitz `Gelenau (Ort der Großen Kreisstadt Kamenz im °BZ)´; de Geelschn `die Einwohner von Gelenau´. Lautf.: Geel Steina.

Geeßl siehe Geißl!

geestern swv. Ohorn, Frankenthal, Steina, Lauban `jagen, scheuchen, treiben´; furtgeestern;  geester mo de Koatze aus´n Hause! eim Durfe rimgeestern.

Geez m. lauter, (kreischender od. quiekender) Laut, schriller Ton; (freudiger) Schrei, lauter Lacher´. Lautf.: Gauz.

Geezerch m. dass. wie Geez.

geezn swv. 1. veralt., selt. `vor Unbehagen und in unbestimmten Verlangen weinen´. - 2. `unangenehm (kreischend, quiekend, freudig) schreien; auffällig, aufreizend laut lachen´; uff´m Gaartlfeste hoann de Nubbern wieder de hoalbe Nacht gegeezt; rimgeezn. Lautf.: gauzn.

gefährlich Adj. in derWendung gefährlich tun `eine Nichtigkeit aufbauschen, um Aufmersamkeit zu erhalten´; nimm´s Schnupptuch und tu ne su gefährlich, wirscht ne glei starbm!

gefiege Adj. selt. `gefügig: beweglich, geschmeidig, weich, biegsam´; du musst´s Lader besser eischmährn, dermit´s gefiege wird.

Gefitze n. 1. `Fadengewirr´, Drohtgefitze. - 2. `nervöse, kopflose Handlungsweise; Hast´.

gefirre Adj. selt. Ostlausitz, Schlesien, Nordböhmen `schnell, flink, hurtig, behände´; se hantiert gefirre enn Stiebl. Lautf.: geferre, gefirle Seifhennersdorf.

Gefliete n. Hirschfelde, Ohorn, Steina `reißende Wasserflut, die Schlamm u. Steine (nach Gewittergüssen) mit sich führt; Hochwasser´; is soall a Gefliete kumm.

gefrass´ch Adj. `gefräßig, gierig im Essen´.

gefrassn Adj. (eigtl. Part. Prät. zu frassn) `gefressen: unmög-lich, hässlich, unakzeptabel´; doaas sitt gefrassn aus.

Gefriste n. veralt. Süd- u. Ostlausitz `Gefröst: Frost, Kälte´; is Gefriste is noa an Mauern hinne.

Gegnschein m. Frankenthal, Ohorn  `Schatten´.

Gehaajge n. Taubenheim `Gehege´.

Gehäge `Geheege (Ort der Stadt Rothenburg OL im °GR)´; de Gehäger `die Einwohner von Geheege´.

Geheckche n. Niedercunnersdorf dass. wie Gehecke `eine Gruppe Menschen vom gleichen Herkommen oder mit dem gleichen Erscheinungsbild´; doaas diche Geheckche sielt´ch an Kraatschn rim.

Gehecke f. 1. `(größere) Anzahl neugeborener Tiere; Wurf´; anne Gehecke Mäuse. - 2. übertr. `(größere) Anzahl neugeborener Kinder´; de Ärmstn huttn de grisste Gehecke; de zweete Gehecke `die Kinder mit dem zweiten Partner od. der zweiten Partnerin´. - 3. übertr. scherzh. od. verächtl. `Sippschaft´; do is de richtche Gehecke basoamm. - 4. Siehe Frooschgehecke!

Geherne n. Taubenheim `Gehörn (Wild), Geweih´.

geheuer präd. Adj. `sicher, frei von Spuk, nichts Unheimliches aufweisend, unbehaglich´, in der Wendung mir is ne ganz geheuer `ich fühle mich unsicher, bedroht, (körperlich od. seelisch) unwohl´.

gehierch Adj. Adv. `gehörig´. 1. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird. a. bei V. u. Adj `sehr´; die hoat´ch gehierch drieber dereschert.  - b. bei Subst. `groß´; ann gehierchn Oaffm hoann. - 2. `(dazu)gehörend´; die zun klenn Tuppe gehierche Stirze koann´ch ne mih finn.

Gehiere n. `Gehör´. 1. `Gehörsinn´; dr Grußvoater hoat a schlaajcht Gehiere. - 2. `geneigtes Zuhören, Aufmerksamkeit, Beachtung´; do koannst de prädchn oas wie a Pfoarr, se hoann kee Gehiere. - 3. enn woaas zu Gehiere gan `jmdn. etw. durch Worte mitteilen, jmdn. etw. (Unangenehmes) erzählen´.

gehiern swv. `gehören´. 1a. `als Eigentum zugehören´; die Beeme gehiern menn Bruder. - b. `zukommen, zustehen, hinpassen´; doaas gehirrt derzu wie´s Amen zun Voaterunser. - c. `zählen´; a gehirrt zer Foamilche. - d. `nötig sein´; du hoast oalls, woaas zun Labm gehirrt. - 2. refl. `sich geziemen´; benimm dch, wie´ch´s gehirrt! Doaas gehirrt´ch ne! Lautf.: Siehe hiern!

gehirme Adj. veralt. Neueibau, Seifhennersdorf `gehörig, entsprechend vorsichtig´; gih mer ju gehirme dermitte im!

Gehirrsche n. Ostlausitz `beim Bündeln von Reisig zurückgebliebene Aststückchen, beim Holzhacken entstandene kleine Abfälle´. Lautf.: Gehurrsche, Gehiersche; Gehärschl (Westlausitz).

Gehoanne m. 1a. `Johann u. Johannes in Zusammenset-zungen´. - b. `Johanna´; Schwoarze Gehoanne `Schwarze Johanna: schwarzer Johannisbeerlikör´; iech hoa anne Schwoarze Gehoanne getrunkn `ich habe ein Glas schwarzen Johannisbeerlikör getrunken´. - 2. `Johanni, Johannistag, Tag des Johannes des Täufers, 24.Juni´; zu einm Langgewachsenen sagt man: dar is su langk wie dr Tag ver Gehoanne; Wetterregel aus Ohorn: Wenn no Gehoanne dr Guguck schreit, gebt´s anne teure und biese Zeit. Wetterregel: Ver Gehoanne brauch mer Raajn, dernoochn kimmt´r ungelaajn; Gehoannschissn ei Muske `Johannisschießen in Bad Muskau´. 

Gehoannsäle f. `Johannisöl´. Ausziehen frisch gepflückter Johanniskrautblüten u. -knospen mit Sonnenblumen- od. Olivenöl. Lautf.: Gehoannsäl n.

Gehoannsbasn m. `Johannisbesen: (abgekehrter) Rutenbesen, den die Kinder sammeln oder erbetteln, um ihn beim Johannisfeuer anzuzünden´.

Gehoannsbeere f. Pl. Gehoannsbeern `(Rote) Johannisbeere´. Lautf.: Gehoannsbäre, -biere. Mit Gehoannsbeere wird die `Rote Johannisbeere´ bezeichnet, die `Schwarze´ ist die Schwoarze Gehoannsbeere und die `Weiße Johannisbeere´ die Weiße oder Nackche Gehoannsbeere.

Gehoannsblume f. `Johannisblume´ 1. bei Zittau u. Niesky, Nordböhmen `Margerite (Leucanthemum vulgare)´. - 2. Seifhennersdorf `Arnika, Bergwohlverleih (Arnica montana L.)´, am Johannistag gesammelt, soll die Blume die größte Heilkraft haben.

Gehoannsblutt n. `Tüpfel-Hartheu (Hypericum perforatum L.), Johanniskraut´. Im eigentlichen Sinne handelt es sich dabei um den blutroten Blütensaft, der aus den zerquetschten gelben Blütenblättern austritt. Die Pflanze blüht um Johanni und diente in der Volkssage der Abwehr von Hexen.

Gehoannsbrut n. `Johannisbrot: die braune, außen glänzende, innen fleischige, süße, essbare Hülsenfrucht des am Mittelmeer wachsenden Johannisbrotbaums; Götternahrung, Manna´; auch Sutt- od. Sootbrut. Der Legende nach soll sich Johannes der Täufer in der Wüste von diesen Früchten ernährt haben.

Gehoannsfeuer n. Dim. Gehoannsfeuerchl `Johannisfeuer, das meist am Vorabend (23.Juni) des Tages des Johannes des Täufers auf Berghöhen angezündet wird; Sommersonnenwend-feuer, Mittsommerfeuer´.

Gehoannskraut n. `Johanniskraut: Tüpfel-Hartheu ( Hypericum perforatum)´, Blütezeit der Pflanze um den Johannistag (24.Juni), als Tee bei Gallen-, Nieren-, Blasen-, Magen- u. Darmbeschwerden verwendet.

Gehoannsnacht f. `Johannisnacht: die dem Johannistag vorausgehende Nacht´.

Gehoannstag m. dass. wie Gehoanne 2.

Gehoannstoal `Johannisthal (Ort in Nordböhmen bei Rumburg)´.

Gehoannswirml n. `Johanniswürmchen: Glühwürmchen´. Nach R. Gärtner gruben die Kinder in Neugersdorf am 20.Juni unter einem Baum ein Loch in die Erde und hängten darüber auf einem Ast einen kleinen Kranz auf. In der Nacht legten die Johanniswürmchen den artigen Kinder etwas Süßes ins Loch.

Gehuttche n. `üble Gesellschaft, Gesindel, Pack; Gruppe von Asozialen od. verdächtigen Personen´; woaas ieber de Granze kimmt, doaas is oack Gehuttche. Vgl. Huttch!

Geier m. verhüllend für `Teufel´; zun Geier `kaputt, entzwei´; moanchmol hoat´s´n Geier `manchmal geht alles daneben´; weeß dr Geier `wer weiß´; wie dr Geier `gierig, hungrig, beutelustig´. Volksweisheit: Kirmstfreier (Frettschfreier, Schissfreier) hult dr Geier; diech sull dr Geier huln! Zun Geier oack o! Zun Geier noa amol! Pfoi Geier!

geifern swv. `keifen, laut schimpfen, sich ereifern´. Lautf.: keifern. Siehe auch geefern!

geign swv. 1. `auf der Geige spielen´. - 2. übertr. a. `Geschlechtsverkehr ausüben´; die is vu Koarln gegeigt wurn. - b. `jmdn. die Meinung sagen´; dar hoa´ch´s aber gegeigt; die tun´ch anander de Meenche od. de Wuhrheet geign. - c. `eintrichtern´; a geigte mit senn Zeuge a err Tur uff´m ei. Siehe auch vergeign!

Geilstelle f. `starker Aufwuchs auf der Weide, der durch den Stickstoffgehalt des Kuhfladens hervorgerufen und von den Tieren nicht gefressen wird´.

Geishittlbirne f. `Name einer kleinen Birne, die zeitig reif wird´.

Geisdurf `Geibsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Siekierczyn´.

Geißdurf `Geißmannsdorf (Ort der Großen Kreisstadt Bischofswerda im °BZ)´; de Geißdurfer `die Einwohner von Geißmannsdorf´. Lautf.: Geißdorf.

Geißl f. `Geißel´. 1. `Plage, (um jmdn. in die richtige Bahn zu lenken)´; Guttsgeißl `Gottesgeißel´. - 2. wSüdlausitz, sWestlausitz `Peitsche, Knute´; Pfaar(de)geestl. Lautf.: Geißtl, Geeßl, Geeßtl Rammenau, Gessl Anton, Geestl Sächs. Schweiz.

Geist m. 1. Sg. `menschlicher Verstand, innere Haltung, Lebensmut, Tatkraft´. - 2. Pers. mit best. Verhaltenseigen-schaften; kleene Geister.

Gekreese n. 1. `Aufhängung des Darmes an der Bauchdecke´. - 2. `die (essbaren) Eingeweide von Schlachttieren, meist Magen vom Kalb; (gebratene) Innerein´. Vgl. Geschlinke 2! Lautf.: Gekreise.

Gekrinkl n. `Ringel, Kurven, Undefinierbares, Gekratze´; a molt Gekrinkl uff´s Blatl.

gekastlt Adj. `gekästelt, kariert´; ´s Blatl Poapier is gekastlt.

Gekeifze n. Ostlausitz, Schlesien `Gekeife: heftige, wortreiche, giftige, laute, böse, aus dem Inneren mit aller Verachtung kommende Schimpferei´.

Gekruze (gedehntes u) n. Oderwitz dass. wie Kruz. Siehe auch Oaakroatz!

gelaajn Adj. `gelegen´. 1. `seine bestimmte Lage habend´; doaas uff´m Hiebl gelaajne Häusl. - 2. `passend, willkommen, jmdm. etw. gerade recht kommend; etw. zum richtigen Zeitpunkt passieren´; die kimmt goar ne gelaajn. - 3. gelaajn senn `wichtig sein´; a dar Sache is mer vill gelaajn. Lautf.: gelaajgn, gelan Zittauer Gebirge.

Gelaajnheet f. `Gelegenheit´.

Geläde siehe Gläde!

Geländer n. `Schutzgitter, Stange zum Festhalten´. Lautf.: Gelander; Glanner öKürzung.

Gelbbackche f. °NOL Königshain `Ringelnatter´. Sie hat gelbe Flecken an der Kopfseite.

Geld n. `Zahlungsmittel´; dr Nubber is oack ´n Gelde gutt; Kleegeld, Drufgeld, Schwanzgeld, Trinkgeld. RA: Gih mer weg mit Geldvergroabm! `Lass mich damit in Ruhe!´ Lautf.: Gald Spitzkunnersdorf, Schirgiswalde, Hinterhermsdorf, Ostlausitz, Gaajld Zittauer Gebirge u. Vorland, Seifhennersdorf.

Geldbärschl n. Westlausitz, Sächs. Schweiz `Geldtäschchen, Portemonnaie; ar stackte ´s Geldbärschl ein.

Geldblieml n. Ebersdorf, Bischdorf `Klappertopf (Rhinathus)´, auch Geld, Gaajld, Toaler, Pfennglkraut, Toalerkraut Hainitz in Nordböhmen, Klaffer u. Greschl.

Geldfliege f. `letzte Stubenfliege, die sich während des Winters in der Wohnung hält und nicht getötet werden darf, damit das Geld nicht ausgeht (Volksglauben)´; siehe auch Brutfliege!

Geldkoatze f. `Geldkatze: Gürtel, in dem man früher Geld mit sich führte´.

Geldstrump m. `Geldstrumpf: Strumpf, in dem man früher zu Hause Geld aufbewahrte´; ´n Geldstrump aus´n Struhsacke nahm.

Geldsaak m. Dim. Geldsäckl `Geldsack´. 1. übertr. `reicher Mann´. - 2. übertr. `Geldfonds´; do muss de Gemeene amol ´s Geldsäckl imdrähn. Lautf.: Gaajld-, Gald-, Geld-, -saak, -sack, -säckl.

Geldtaschl n. `Geldtäschchen, Portmonee´. Lautf.: Gaajldtaschl, Galdtaschl.

geleefch Adj. `geläufig´. 1. ` bekannt, gewohnt, vertraut, alltäglich´; doaas is mer ne geleefch `das kenne ich nicht´, doaas Geloaber vu menn Moanne is mer geleefch. - 2. Frankenthal `gut zu Fuß´; off sei Aalder is´r noa geleefch.

gelenkch Adj. `gelenkig´. 1. `beweglich beim Turnen, biegsam, geschmeidig, elastisch, artistisch´. - 2. `gewandt, geschickt, handlich fix, anstellig´.

Gelenke n. veralt. `das Lenken, die Lenkeinrichtung eines Wagens´; in der Wendung is Gelenke huln od. kriegn `(mit einem Fahrzeug) die erforderliche Richtung einschlagen, den richtigen Bogen fahren´; zu einem Betrunkenen in Neukirch: „Verlier ock´s Glenke ne, kenntst ärschlch plauzn!“. Lautf.: Glenke wKürzung.

Gelicke n. `Glück´; die hoann aber o a Gelicke! Lautf.: Glicke, Glick.

gelicklch Adj. `glücklich´; anne gelicklche Reese. Lautf.: gelicklich Ostlausitz.

gelickn swv. glücken: gelingen, geraten´; mir gelickt heute o reeneweg goar nischt. Lautf.: glickn.

Gelihscherchl n. veralt. Neugersdorf, Seifhennersdorf `etw. Glühendes: kleines, schnelles Feuer´; a Gelihscherchl machn. Siehe Glihderch!

gelihschern swv. veralt. Obercunnersdorf `Reisig klein machen und verfeuern´.

gelihrch Adj. `gelehrig: gelehrsam, schnelle Auffassungsgabe besitzend´; a gelihrches Pfaard, se is a gelihrches Schulmaajdl.

gelihrt Adj. `gelehrt: wissenschaftlich unterrichtet, mit Gelehrsamkeit ausgestattet´; a redd gelihrt dohar `er redet hochtrabend und gibt mit seinem Wissen an´.

gelinde Adj. 1. `mild, angenehm (Wetter), schwach´, a gelinder Raajn, anne gelinde Strofe, anne gelinde Arznei. - 2. `mild im Geschmack, zu schwach gesalzen´. - 3. `vorsichtig, abgeschwächt, schonend, rücksichtsvoll, sanft´; gelinde gesoit, bist de a bissl tälpsch. - 4. `klamm, noch nicht ganz trocken, ein bisschen feucht, wie Leder´; de Wäsche uff dr Leine wird gelinde.

gelistch Adj. verstr. Süd- u. Ostlausitz `begierig auf etw.´; iech bie gelistch uff woaas Sauersch; auch gelistern.

Gelistchkeet f. °NOL Königshain dass. wie Geliste.

Geliste n. Dim. Gelistl 1. `Lust, Begierde, Verlangen´; Frooe kumm oacke, iech hoa a Gelistl. - 2. `Appetit´; iech hoa a Gelistl uff woaas Sauersch.

gelistn swv. unpersönl. `gelüsten: Lust auf etw. haben, nach etw. Verlangen tragen´; miech tutt´s uff a Seidl Bier gelistn.

gellngde siehe gälche!

Geloaatsche n. `Fußvolk, sich auf den Füßen fortbewegende Freund- u. Verwandtschaft, Anhang´; wenn de Liesl furtgitt, nimmt se oallemol is ganze Geloaatsche mit.

Geloatter n. Westlausitz `baufälliges, instabiles Gerüst, Gestell aus Holzlatten oder auch Metall´; a Geloatter fer´n Weinstock baun. Lautf.: Gelatter, Geletter.

Gelte f. Dim. Geltl 1. `Melkgefäß (aus Holz od. Blech)´; benn Melkn aus dr Gelte saufm. - 2a. `(hölzernes) Schöpfgefäß, (das sich nach oben verjüngt)´. Siehe Melkgelte! - b. selt. Dingegelte `Jaucheschöpfer (zum Düngen)´. - c. Nordböhmen Mahlgeltl `Mehlfässchen´.

Geltvll f. veralt. `eine Gelte voll (Milch)´.

Gelumpche n. `Gelumpe´. 1. `allerlei Lumpen, zerlumpte Kleidung´. - 2. `alter Kram, Plunder, Gerümpel´. - 3. abwert. `Habe´; nimm dei ganzes Gelumpche mitte! Lautf.: Gelumpchte.

Gemaach n. `Gemach´; ´s verburgn Gemaach `verborgener Raum unter dem Beikastl (Beikästchen) zur Aufbewahrung von Geldscheinen im Inneren in der Truhe´. Vgl. Beikastl!

Gemache n. 1. `Arbeit, die nicht recht vonstatten geht; langsames Tun´; du hoast aber a Gemache! - 2. `Getue, Benehmen´; die hoat a oalbernes Gemache.

gemacht Adj. `Wohlstand u. Ansehen besitzend; durch Arbeit fertiggestellt´; a gemachter Moan; as gemachte Naast setzn.

Gemächte n. Dim. Gemächtl 1. `heimliche Machenschaften von zwei Personen, die nicht zusammengehören´; die beedn hoann a Gemächtl minander. - 2a. `etw. von best. Machart, das Gemachte, Werkstück, Möbelstück´; dr Seeger is a gutt Gemächte. - b. `etw. Gemachtes, das ausgefallen od. kurios ist´; iech will mer doaas Gemächte amol oaaguckn. - 3. `Pers. von besonderem Charakter, Gemache, (umständliches) Getue, (gehetztes) Tun, Art und Weise des Tuns´; ´s ganze Gemächte wie de Mutter. - 4. `Durcheinander´. - 5. `Abfallprodukt beim Getreidesieben´. - 6a. `Genitalien, männl. Geschlechtsteil´. - b. `(große) Brust, Euter´; die hoat a Gemächte wie anne neumelke Kuhe.

Gemahre n. dass. wie Marche u. Mahrde; siehe auch mahrn!

Gemange n. siehe Gemenge!

gemecke Adj. (refl.) Süd-, sWest- u. sOstlausitz `keck, lebendig, munter, ausgelassen, übermütig, großspurig, vorlaut, aufdringlich, frech´; a gemeckes Kalbl, a toat gemecke, a soite gemecke; tu oack ne su gemecke! A macht´ch gemecke `er macht es sich bequem, er breitet sich aus, er ist übermütig´; mach dch oack ne irscht gemecke! `Spiel dich nicht so auf, werde nicht vorlaut!´

Gemeene f. Pl. Gemenn (Oberland) od. Gemeen 1. `politische Ortsgemeinde´; zwee Gemenn hoann´ch zusoammgeton; Gemeen(e)bote, Gemeen(e)haus, Gemeen(e)rot, Gemeen(e)schwaster, Gemeenvertrater (Bihms Koarle). - 2. `die gesamten Mitglieder der Gemeinde´; Kirchgemeene; Briedergemeene `(Herrnhuter) Brüdergemeine´. - 3. `Gemeindeamt´; iech gih uff de Gemeene. Lautf.: umg. Gemeende.

gemeene Adj. 1. `allen gehörig od. zur Verfügung stehend, gemeinnützig´; doaas senn gemeene Äpplbeeme. - 2. `mit Leuten einfachen Standes ohne Stolz verkehrend, zur dörflichen Gemeinschaft gehörend, volkstümlich, volksverbunden, leutselig, gesellig, nicht hochmütig´; dr neue Birgemeester is a gemeener Moan. - 3. `mit sozial od moralisch tiefer Stehenden Umgang habend, gemeinsam´; mit dann versuffm Karln hoa´ch nischt gemeene; a macht´ch mit´n Vulke gemeene. - 4. umg. `niederträchtig, böse, hinterhältig´; doaas is a ganz gemeener Hund. - 5. `gewöhnlich, einfach´; a gemeener Suldoate.

Gemeenebratl n. veralt. Ostlausitz `kleine Holzplatte mit Rahmen zur Befestigung eines Zettels mit Informationen, die von Hof zu Hof in einem Dorf weitergereicht wurde´; troi amol is Gemeeneblatl zun Nubber! Auch Gemeendebrat °NOL Königshain. Lautf.: Gemeenbratl, Gemeendebratl.

Gemeen(e)bulle m. 1. `Zuchttier eines Dorfes´. - 2. abwert. `Bürgermeister, Gemeindebote, männl. Angestellter der Gemeindeverwaltung´. - 3. `Schürzenjäger´. Lautf.: Gemeendebulle.

Gemeen(e)diener m. veralt. `männl. Pers., die im Dienst einer dörflichen Gemeinde Botengänge ausführte, amtliche Bekanntmachungen verbreitete, Nachtwächter- und Polizeidienste ausübte´. Lautf.: Gmeendiener wKürzung.

Gemeen(e)fuhre f. veralt. `Pflichtfuhre, die auch nach der Bauernbefreiung von Pferde besitzenden Bauern für die Gemeinde geleistet werden musste, z.B. Sandfuhren beim Wegebau od. Schlammfuhren beim Entschlammen des Dorfteiches´. Lautf.: Gemeendefuhre.

Gemeen(e)haus n. `Gemeindehaus: Zentrum einer politischen oder Kirchgemeinde mit Verwaltung und Sitzungsräumen, in dem früher auch die Dorfarmen untergebracht wurden´. Lautf.: Gemeendehaus, Gmeenhaus Kürzungsmundart.

Gemeenelooch n. veralt. `Steinbruch, Kies- oder Lehmgrube im Besitz einer ländlichen Gemeinde, wo jedermann aus der Gemeinde seinen Bedarf unentgeltlich decken konnte´. Lautf.: Gemeene-, Gemeen-, Gmeen- (Kürzung), Gemeende-, -looch, -loch, -luch.

Gemeenoamt n. `Gemeindeamt´; iech muss heute noa uff´s Gemeenoamt, uff´s Oamt od. uff de Gemeene. Lautf.: Gemeeneoamt.

Gemeen(e)vurstoand m. `Bürgermeister´; mit´n Gemeenevirrstande verstund´r´ch ganz gutt. Lautf.: Gemeen(e)virrstoand, Gemeendevurstand, Gemeen(e)vierstoand, Gemeendevierstoand.

Gemenge n. 1. `zur Grünfuttergewinnung auf einem Acker gleichzeitig angebaute Getreidearten (Roggen, Hafer, Gerste), häufig noch Hülsenfrüchte (Erbsen, Wicken, Bohnen) Luzerne od. Klee dem Saatgut zugesetzt´. - 2. `Kraftfutter (z.B. Schrot verschiedener Getreidearten, Kleie, schwarzes Mehl), das anderem Viehfutter (Rüben od. Kartoffeln) zugesetzt wird´. Siehe auch Oaagemenge! Lautf.: Gemange Frankenthal.

Gemengsl n. 1. dass. wie Gemenge 2. - 2a. `Mischmasch (verschiedener Speisen)´ - b. `Allerlei durcheinanderliegender, unsortierter Kram´.

Gemengter `alkoholisches Mischgetränk´, z.B.: Kirschkümmel mit Rum od. reiner Korn mit Kalmusschnaps.

gemieschert Adj. Südlausitz `meliert, genoppt, oberflächlich od. farblich unruhig (Stoff, Papier, Haar), ungleichmäßig gefärbt od. beschaffen, mit Farbschlieren versehen, gesprenkelt´; kleegemieschert, gemiescherte Strimpe. Auch miescherch.

Gemiese n. `Gemüse´. 1. `Gemüsepflanzen u. die daraus zubereiteten Gerichte´. - 2. übertr. `Kinder; noch sehr jugendliche Personen, unreife Jugendliche´; junges, kleenes od. grienes Gemiese.

Gemitte n. Oberland `Gemüt, Gemütsart´; doaas is woaas fer´sch Gemitte! Lautf.: Gemiete übrige Oberlausitz.

gemittlch Adj. Oberland `gemütlich´. 1a. `angenehm, freundlich, unterhaltsam´; a gemittlcher Moan. - b. `behaglich, heimelig´; mach der´sch gemittlch a dr Stube! - 2. `nicht anstrengend, gemächlich´; a kimmt gemittlch oaageschlumpert. Lautf.: gemittlich Ostlausitz, gemietlch übrige Oberlausitz.

genadch Adj. `gnädig: mit herablassendem Wohlwollen, geehrt, verehrt, gütig, nachsichtig, schmerzlos´; de genadche Frooe, dr gnadche Harr; ´s is noa amol genadch oabgegangn; Gutt woar gnadch, unser Junge is oack a Frankreich; a genädches Ende finn `leicht u. schmerzlos sterben´; dr Tud is mit´n gnadch gewast. Lautf.: genädch, gnadch, gnädch.

Genahmche f. Neukirch `Genehmigung´.

genahme Adj. `genehm: angenehm, willkommen, passend´; dr neue Meester is mer genahme.

Genarbe siehe Gewarbe!

genarblt Adj. selt. `genarbt (vom Leder), eine gleichmäßige Unebenheit aufweisend (Leder)´.

genäschch Adj. `naschhaft´; du bist genäschch wie anne aale Ziege.

Gendarm m. siehe Schoandoarm!

Geneege f. Niedersteina, Pulsnitz `Genüge´; se hottn beede derno zer Geneege.

geneege Adj. `geneigt, zugetan, sympathisch´; meine Frooe is dann aaln Drachn o ne geneege. Lautf.: g(e)neeg w. u. öKürzung.

Genicke n. `Genick, Nacken´; du wirscht dr noa ´s Genicke brechn `du wirst dich ruinieren´.

Geniege f. wSüd- u. Westlausitz in der Wendung keene Geniege hoann `nicht genug bekommen, unersättlich sein´.

genießlch Adj. selt. `genusssüchtig, begehrlich, geizig, habsüchtig´. Lautf.: geneeßlch. Auch nießlch.

Genissl n. Dim. von `Genuss: Wohltat; Freude bei etwas, was jmd. auf sich wirken lässt´; doaas Bier is a Genissl fer menn durschtchn Schlunk.

Geniste n. `das zum Nest gehörende´. 1a. `was zum Nestbau taugt; Vogelnest, Hühnerstall´; Hihnergeniste. - b. Ostlausitz übertr. `(schlechtes) Bett´; eim Geniste liegn. - 2. übertr. `baufälliges, altes Haus; alte Maschine´. - 3. übertr. abwert. `(dürre, langweilige, freche od. liederliche) Frau´; iech huffe oack, Harrmoann brengt sei aales Geniste ne mitte!

genoißch Adj. 1. Südlausitz abwert. `lüstern, leckerhaft, begehrlich, begierig auf. etw. Bestimmtes zu essen od. trinken´; die is aber genoißch, die wird wull woaas Kleenes kriegn. - 2. Schlesien `genügsam, bescheiden, in Maßen´. Siehe auch ungenoißch!

genoißlch Adj. 1. Seifhennersdorf dass. wie genoißch 1. - 2. Diehsa dass. wie genoißch 2. Lautf.: genoißlich.

genoo(e) Adj. veralt. `genau´ 1a. wie litspr. `normalgerecht, vorschriftsmäßig, exakt´. - b. wie litspr. `gründlich, sorgfältig, gewissenhaft´. - 2. `sicher, tatsächlich´; RA: Nischt Genooes weeß mer ne! - 3. `knapp, kleinlich, ärmlich´. Lautf.: genau.

genudlt Adj. `genudelt: vollgestopft, vollständig gesättigt´; anu leit´r wie genudlt uff´m Koanepee.

genungk Adv. `genug´ 1. `ausreichend, hinlänglich, passabel´; dar is kee Karle gutt genungk; dar Schlunk krigt ne genungk `der Schlund (viel trinkende od. essende Person)) bekommt nicht genug´; mer senn genungk Leute. - 2. `mehr als ausreichend, zum Überdruss´; dar hoat genungk. Lautf.: genungt Großröhrsdorf.

gepinktlt Adj. `mit kleinen Punkten versehen´; a gepinktlt(es) Tichl.

Gepläuze n. selt. Ostlausitz, Schlesien `Lunge, Bronchien, Brust, Innerein´. Siehe auch Plauze!

Geprätze (kurzes ä) n. `Gerümpel; wertlose, überflüssige, unnötige, kaputte Dinge; Abfall, Unrat´. Lautf.: Geproatze Großhennersdorf, Gefrätze Nordböhmen.

Geräde n. `Gerede, (unwahre) Rederei´; die hoat a dummes Geräde; iech will waajgn menner Froon Schwaster ne as Geräde kumm.

geradert Adj. (eigtl. Part. Prät. von radern) `gerädert´; iech bie wie geradert `ich bin ganz benommen, ich bin total kaputt, mir tut alles weh, mir geht es sehr schlecht´.

gerande Adv. 1. Neugersdorf `übereilt, schnell´; oack ne su gerande! - 2. Oderwitz, West- u. Ostlausitz `laut, rau, heftig, rasch, wirsch, streng, scharf, auffahrend´; die hoat miech su gerande munter gemacht. - 3. Süd- u. Ostlausitz `steil, schroff´; de Stroße giht goar grande oab. - 4. Südlausitz `sandig, rau, kratzend (vom Geschmack)´. Lautf.: grande, grante.

Geränze n. um Zittau, Nieder Neundorf `Körper, Leib, Ranzen´; mer tutt mei ganzes Geränze wih. Lautf.: Gränze (öKürzung).

Gerecke n. 1. `schlüpfrige Masse´. a. `Froschlaich´, Froosch- od. Grätngerecke. - b. `Abfall beim Ausnehmen von Heringen´; Harchgerecke. - 2a. `Missgeburt, (ärmliche) Gestalt´. - b. `lange, dürre Person´. - 3. `etw. Unförmiges, Sperriges ohne Wert´.

Gereecher n. `Geräucher: Pers., die nach (Ofen)feuer riecht´; iech hoa mit´n Gereecher anne Stunde benn Dukter gesassn.

gereechert Adj. (eigtl. Part. Prät. von reechern) `geräuchert´; de Wurscht is gutt gereechert od. oaagereechert.

gereeft Adj. (eigtl. Part. Prät.) °ZI Ebersbach, Cunewalde `mit Reif versehen´; vulgereeft de Beeme.

Gereenche n. nwSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz `Nachgeburt der Kuh´.

Gereeße n. `Gereiße: (körperliche od. geistige) Auseinander-setzung, um etw. zu erwerben; starke Nachfrage, Begehr, Andrang´; zu DDR-Zeitn goab´s im de Oapplsinn a gruß Gereeße.

gereeße Adj. (eigtl. Part. Prät. von reißn) ` knapp, rar´; is wird gereeße.

gereet Adj. söSüdlausitz `bereit, fertig´; ´s Assn stiht schunn lange gereet. Lautf.: greet öKürzung.

gereun swv. unpersönl. `reuen, dauern´; `s hoat miech ne gereut `ich habe es nicht bereut´; euch wird amol jeder Bissn gereun, dann dr verpoasst hoat; a is a meschantes Luder, und´s gereut´n nischt.

Gericht n. 1. `richterliche Behörde´. - 2. wSüdlausitz, sWestlausitz `Erbgericht (Name von Dorfschänken u. Höfen, die früher Erbrichter innehatten)´; mer feiern de Huckst an Gerichte.

Gerichtskraatschn m. dass. wie Kraatschn.

geriebm Adj. (eigtl. Part. Prät. zu reibm) `gerieben: gerissen, ausgekocht, durchtrieben´; a geriebner Kunde.

Geriede siehe Geritze!

Gerieder n. 1. `Gerümpel; (alte, verschrottete, unbrauchbare) Gegenstände´, auch Geritze, Gerille, Geroassl od. Gepräze. - 2. `Techtelmechtel´; a Gerieder minander hoann. Siehe riedern!

geriegn Adj. Oberland, wSüdlausitz `gereiht, gefältelt´; de Foalbl is geriegn; de Goardinn missn urndlch geriegn sein, sunst sahn se noa nischte aus. Lautf.: geriehn.

Geriete siehe Geritze!

Gerille n. `Geröll´. 1a. `lockeres Gestein, Schutt´. - b. `durch Wasser abgeschliffene u. abgerundete Steine´. - 2. übertr. `Plunder, alter Hausrat, Gerümpel; wertlose, unbrauchbare Gegenstände´. - 3a. `Möbel u. Hausrat´; iech hoa mei bissl Gerille ufgeloadd. - b. siehe Brautgerille!

Gerillewoajn m. Seifhennersdorf `(geschmückter) Wagen, der das Heiratsgut, die Mitgift der Braut ins neue Heim bringt; die Aussteuer der Braut für die Ehe´. Siehe auch Brautfuder und Koammerwoajn! Lautf.: Gerillewoan.

Gerillehoaffl n. Jauernick `Abfallhaufen´.

Geringe n. `beim Wurfm entstandener Abfall, der sich aus kleinen Getreidkörnern, Spreu und Unkrautsamen zusammensetzt´; ´s Geringe kriegn de Hihner.

geringe Adj. Dürrhennersdorf `gering, ärmlich, minderwertig, einfach, ordinär, von minderer Qualität´; dir is doaas wull zu geringe, woaas deine Mutter koacht?

Gerinncht n. Süd- u. Ostlausitz `gepflasterte Ablaufrinne (an der Straße, im Stall), Rinnstein´; siehe auch Schnietgerinnchte! Lautf.: Gerinnchte, Gerinnerche Ostlausitz, Gereencht Nordböhmen.

Gerinne n. dass. wie Gerinncht.

Geritsche n. ° ZI Kemnitz, °NOL Königshain `beim Bündeln von Reisig zurückgebliebene Aststückchen, beim Holzhacken entstandene kleine Abfälle´. Auch Gehirrsche.

Geritze n. Südlausitz 1. `Plunder, alter Hausrat, Gerümpel; minderwertiges, unnötiges Zeug´. - 2. `dünnes Astwerk, Abfälle vom Holzhacken, Gestrüpp´. Lautf.: Geriede od. Geriete Westlausitz.

Gerlsheem veralt. n. `Gerlachsheim´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Grabiszyce´. Lautf.: Garlsheem.

Gerltsch n. Ostlausitz `Görlitz (Kreisstadt des Landkreises Görlitz an der Lausitzer Neiße, größte Stadt im historischen Oberlausitzer Sechsstädtebund; von 1815 bis bis 1918 Zentrum der zum Regierungsbezirk Liegnitz gehörenden Preußischen Oberlausitz, ab 1918 Westteil des preußischen Regierungsbezirkes Niederschlesien)´; unse Eldern und Grußeldern liffm bis uff Gerlz od. Gerltsch; de Gerltscher (Ostlausitz) od. de Gerlzer (Südlausitz) `die Einwohner von Görlitz´. Gerltscher Heede. Lautf.: Gerlz Südlausitz.

geroade siehe groade!

geroapplte vuhl Adj. Südlausitz `gerüttelt voll, sehr voll´. Lautf.: geroapplt vuhl, geroapplt(e) vull.

geroappte vuhl Adj. Südlausitz `gerüttelt voll, sehr voll´; dr Umnibus is geroappte vuhl. Lautf.: geroapptn vuhl Tautewalde, geroappt(e) vull, geroappt vuhl Girbigsdorf.

Geroassl n. °ZI Ebersbach, Spitzkunnersdorf `alte, verschrottete, unbrauchbare Gegenstände´. Lautf.: Gerassl, Geressl Frankenthal, Ohorn.

gerotn stv. iech gerot(e), du geruttst, mer gerotn, iech bie gerotn od. gerutt `geraten´. 1. `unabsichtlich irgendwohin hineingelangen´; a is undersch Auto gerotn od. gerutt: as Vergassn gerotn; a gerutt lechte a Roaasche. - 2a. `gelingen, glücken´; `s Assn gerutt ne immer. - b. `gedeihen (Gewächse, Tiere u. Menschen)´. - c. `ähnlich sein´; a is noa senner Mutter gerutt. - 3. `raten, empfehlen, zusagen´; iech will´s kenn gerotn.

Gerschdurf `Gersdorf (Ort der Gemeinde Markersdorf im °GR)´; de Gerschdurfer `die Einwohner von Gersdorf´. Lautf.: Gierschdurf.

gerschn (kurzes e) swv. sSüdlausitz  1. `schnell losrennen, eilen, jagen, haschen, rennen´; doaas Biest vu ann Hunde wird anne Koatze gewoahre und fängt oaa zu gerschn; do kimmt o schune de Mutter gegerscht. - 2. `überhastet reden´. Lautf.: gärschn, garschn, gerschtn Mückenhain, gärschtn, garschtn.

geruhrt Adj. (eigtl. Part. Prät. von rihrn) `gerührt: freudig erregt, angetan´; wie´ch doaas Bummerchl soag, woar´ch geruhrt. Lautf.: gerihrt.

geruppt Adj. (eigtl. Part. Prät. von ruppm) `gerupft: zerzaust, Geld abgenommen, in die Finger bekommen und jmdn. böse mitspieln´; ungeruppt kumm´ch do ne mih raus.

gesaalzn Adj. (eigtl. Part. Prät. von saalzn) `gesalzen´. 1. wie litspr. `mit Salz versetzt´. - 2. `teuer, unverschämt viel oder groß´; de Strofe is gesaalzn.

Gesätzl n. selt. West- u. Ostlausitz 1a. °NOL Königshain `kurzer Abschnitt (in der Zeitung), Zeitungsartikel´; enn Blatl stund drieber a Gesätzl. - b. `sehr kurzes, nicht in Strophen gegliedertes Gedicht´. - c. `Rechenaufgabe´. - 2. `kurzer Zeitabschnitt, weile´; se schläft a Gesätzl. Lautf.: Gesatzl.

Gesäuere n. veralt. `eingesäuerter Teig, Sauerteig´.

geschahn stv. `geschehen´; doaas geschoah´n raajcht.

Gescheeche n. `Gescheuche´. 1. `Scheuche zum Verjagen von Vögeln u. Wild von Beeten und Feldern´, auch Krautgescheeche. - 2. `Gespenst, Spukgestalt, Scheusal´. - 3. `alte, hässliche, altmodisch angezogene Frau´.

Gescheede n. `Gescheide: Gedärm, für den Menschen ungenießbare tiersche Schlachtabfälle´.

gescheide Adj. siehe geschoit!

Gescheppe n. °BZ Sohland `Geschöpfe: Kraftfutter, (z.B. Schrot verschiedener Getreidearten, Kleie, schwarzes Mehl), das dem anderen Viehfutter (wie Rüben od. Kartoffeln) beigesetzt wird´, auch Ufgescheppe. Dass. wie Oaagemenge.

Geschichte f. neben den litspr. Bedeutungen auch `Geschehnis, Ereignis, Vorfall, Angelegenheit (unangenehmer Art), Problem, Dummheit´; anne schiene Geschichte; rihr ne die aale Geschichte wieder uf!

Geschicke n. 1. `die rechte Art, Ordnung´; oack ba uns krigt´s kee Geschicke. - 2. `Anstelligkeit, Fertigkeit, Geschicklichkeit´; a hoat mit vill Geschicke is Daach gedackt. - 3. in der Wendung aus woaas a Geschicke (draus) machn `etw. verwirklichen, etw. in die Tat umsetzen´.

Geschiede n. Süd- u. Westlausitz `Schuhwerk´; se hoat kee andersch Geschiede. Lautf.: Geschieche.

geschippert Adj. `gesprenkelt, kleingefleckt´; a geschippertes Kleedl; bloogeschippert. Lautf.: getschippert. Auch schipperch.

Geschirr(e) n. 1. wie litspr. `Leder-, Riemenzeug zum Anspannen eines Zugtieres´. - 2. `die Schäfte am Webstuhl´.

Geschlaajchte n. `Geschlecht´.

Geschlinke n. 1. `etw. Verschlungenes, Geschlinge´; Riemlgeschlinke; Trietschemmlgeschlinke. Siehe Trietgeschlinke! - 2a. `die (essbaren) Eingeweide von Schlachttieren; meist Herz, Lunge u. Leber vom Kalb ´. - b. msSüdlausitz `Gericht aus den essbaren Eingeweiden von Schlachttieren; Kaldaunen, Flecke´; Koalbsgeschlinke. Vgl. Gekreese u. Kuttlflecke!

Geschlinker n. Schirgiswalde dass. wie Geschlinke.

Geschloabberche n. Bihms Koarle `schlüpfriges Mittagessen´.

Geschmaak m. Pl. Geschmäker Südlausitz `Geschmack´; kenn Geschmaak an Maule hoann; ieber´n Geschmaak lässt´ch streitn. RA: Iech krieg´s ne zu Geschmaake od. Geschmacke `das schmeckt mir nicht´. Siehe auch Schmecke!

Geschmeeße n. (nur im Pl.) `Geschmeiß´. 1. `Eigelege der Schmeißfliege an Fleisch und Wurst; (große) Anzahl von Schmeißfliegen, die Eier ablegen´. - 2. übertr. Schimpfwort `lästige Menschen, Gesindel, Pack´; doaas Geschmeeße luss mer ne rei!

Geschmeeßte n. `Eigelege der Schmeißfliegen an Speisen´; volksetym. auch umgedeutet zu Geschweeßte West- u. Ostlausitz.

geschoit Adj. `gescheit´. 1. `klug, intelligent, schlau, studiert´; behumpst hoann se´n, und derbei wullt´r immer su geschoit senn. RA: Wenn´s keene Dumm gäb, wu käm ´n do de Geschoitn har? - 2. `vernünftig, lebenserfahren, ruhig, weise´; moanche warrn nie geschoit; dar is zu woaas Geschoitn goar ni mih ne zu gebrauchn. - 3. `ordentlich, brauchbar, passend, vernünftig´; iech hoa nischt Geschoits oaazuziehn; die koann ne amol geschoit koachn; ieberoale is woaas, oack nischt Geschoits. Lautf.: gescheide Burkau, Westlausitz.

Geschoitheet f. `Klugheit´; dar hoat de Geschoitheet mit Leffln gefrassn `der gibt sich besonders gescheit´.

Geschreibsl n. abwert. `Geschriebenes; etw. Unleserliches, Geschmiertes od. inhaltlich Minderwertiges´.

geschwinde Adj. Adv. `schnell, unerwartet rasch´. Lautf.: gschwind öKürzung.

Geschwisterkinder Pl. `Kinder von Geschwistern, Vetter u. Base, Cousin u. Cousine´; die zwee beedn senn Geschwisterkinder.

geschwuppte vull Adj. Steina, Pulsnitz `übervoll, sehr voll, betrunken´.

gesiebt Adj. (eigtl. Part. Prät. von siebm) 1. `etw. durchs Sieb Gegangenes´; gesiebter Sand, gesiebte Luft `Gefängnis´, die hoann aber gesiebt `die haben eine strenge Auswahl getroffen´. - 2. `raffiniert, ausgekocht, durchtrieben´; doaas is a siebmmol Gesiebter.

Gesichtl n. selt. mSüdlausitz `Stiefmütterchen´; vgl. Schiegesichte!

gesietsn Adj. veralt. Neugersdorf, Seifhennersdorf `sittsam, artig´. Lautf.: gesittsn.

gesoattlt Adj. (eigtl. Part. Prät. von soattln) `gesattelt: vorbereitet, gewappnet´; wie´n seine Aale aushurchn wullde, woar a schunn gesoattlt.

gesotn (gespr. gesodn mit gedehntem o) Adj. `gesotten: gekocht´; a poaar hoartgesotne bunte Ee-er, de E-er senn gesutt (Obercunnersdorf), ann Kupp kriegn wie a gesotner Krabs; `einen roten Kopf bekommen´, auch gesodn. Vgl. siedn!

Gespärre n. 1a. `Gebälk (des Daches), Sparrenwerk, Dachstuhl´; satt´ch oacke, die machn ba Profte ´s Gespärre druf!  - b. `sperriger Gegenstand´. - 2. übertr. abwert. `Frau´.

gesperbert Adj. `gefleckt, gesprenkelt wie ein Sperber´; gesperberte Hihner. Lautf.: gesparbert; mdal. besser geschippert, gesprinklt, schipperch, gemieschert.

gespernert Adv. veralt. Neugersdorf, Kemnitz in der Wendung gespernert senn / sein `gespannt auf etw. sein´; itze bie´ch aber gespernert.

Gespille n.`spindelartiger Gegenstand´; mit dann dichn Gespille kimmst de ne weit `mit diesem klapprigen, aus vielen Speichen und Rohren bestehendem Fahrrad kommst du nicht weit´. Siehe auch Spille!

gespittert Adj. selt. dass. wie spitterch!

Gespoann n. Pl. Gespänner `Gespann: Zweiheit´. 1a. `ein Paar Zugtiere´. - b. `Wagen mit Zugtieren´; Uchsngespoann. - 2a. übertr. `ein Pärchen, Ehepaar, Brautpaar, Zweierteam´; die zwee beedn wulln heiroatn, doaas gibbt a Gespoann. - b. Nordböhmen `Kamerad, Spannemann´. Lautf.: Gespoan (gedehntes oa).

gespoannt Adj. `gespannt´. 1. `spannend´; anu wird die Sache gespoannt. - 2. `neugierig´; iech bie gespoannt, wie de doaas machn willst. - 3. `aufmerksam´; a hurchte gespoannt zu.

gespoaßch Adj. `spaßhaft, spaßig, zum Lachen´; dr Richtergaartner is a Gespoaßcher.

gespräche Adv. `gesprächig´; dar is gespräche.

gesprinklt Adj. `gesprenkelt: kleingefleckt, getupft (Gefieder der Hühner)´, auch sprinklch.

Gessl siehe Geißl!

geständch Adj. `geständig: seine Schuld eingestehend´; dar Karle woar geständch.

Gestecke n. 1. `etw. Zusammengestecktes´; Blumgestecke. - 2. übertr. abwert. a. `Frau´; a eefällch(es) Gestecke `eine naive Frau´. - b. `Person (meist Frau), die sehr schlank und sehr groß ist´; dirres Gestecke; doaas lange Gestecke brauch ne schunn wieder kumm.

gesterch Adj. `gestrig´ 1. `von gestern, vom Vortage´; de gesterchn Surgn. - 2. `von früher, veraltet, altmodisch, überholt´; de gesterche Mode, gestercher Geschmaak `Stilempfinden von früher´.

Gestieber n. Obercunnersdorf, Neugersdorf `Gestöber´; Schniegestieber. Lautf.: Gestäber.

Gestihle n. veralt. Seifhennersdorf `Gestühle: Gestell´.

gestihn stv. `gestehen: (die Schuld) zugeben, die Wahrheit bekennen, feststellen´; a gestoand de Mauserei; iech muss gestihn, doaaß´ch mer doaas Dingk eefacher viergestellt hutte.

gestreeflt Adj. `gestreift´.

Gestrick(e) n. selt. Süd- u. Ostlausitz `(angefangene) Strickarbeit´.

Gestudierter m. Bihms Koarle `Person, die studiert hat; Gelehrter´.

Gestvll f. veralt. `beide zusammengehaltene Hände voll, die jmd. als Gabe bekommt; eine doppelte Hand voll´; de Kuhe hoat ju oack anne Gestvll Futter gekrigt.

gesutt siehe gesotn!

Getännchte siehe Tänncht 1 u. 2!

getitscht Adj. (eigtl. Part. Prät von titschn) 1. `eingetaucht, eingetunkt´. - 2a. `unterdrückt, gedemütigt´; dr Meester hoat´n ufte getitscht. - b. `deprimiert, niedergeschlagen´; ganz getitscht koam se vun Dukter.

getitt Adj. (eigentlich Part. Prät. von tittn) 1. `getutet, ins Horn gestoßen, gebrüllt´. - 2. Neugersdorf, Seifhennersdorf `verdutzt, niedergeschlagen, kleinlaut, deprimiert´; ganz getitt soaß se ver´n Schriebse.

Getue n. `geziertes Verhalten; viel geschäftiges, wichtigtuerisches Gehabe; unecht wirkendes, gespreiztes, umständliches Benehmen; unnötiges Aufheben, viel Umstände´; die hoat a oalbernes Getue; mit vill Getue kunnt mer´n oablenkn.

Gevoatter m. `Gevatter´. 1. `Taufzeuge; der od. die Taufpate, geistiger Mitvater´; Gevoatter stihn, Gevoatter bittn. - 2. ehrende Benennung von `befreundeten Personen´.

Gevoatterassn n. `Kindtaufessen´. Siehe auch Kindlbrut!

Gevoatterbitter m. veralt. selt. `Person (meist der Kantor), die im Auftrag der Eltern Personen um das Übernehmen des Patenstehens bittet und sie zur Taufe einladet´.

Gevoatterbittn n. `Bitten um das Übernehmen des Patenamtes´; de Boademutter gingk Gevoatterbittn.

Gevoatterbrief m. `Gevatterbrief, Patenbrief: dem Täufling von den Paten geschenkter mit guten Wünschen versehener Brief, der das Patengeschenk, meist eine Münze, umhüllte´.

Gevoattermoh(l)st f. selt. `Kindtaufessen´, auch Kindlbrut od. Kindlbier.

Gevoatterschirze f. Ober- u. Niedercunnersdorf, Altbernsdorf `(blaue) Latzschürze, in der der Vater des Täuflings die Taufgesellschaft bewirtet´; auch Kindl(brut)voaterschirze.

Gevoatterschoaft f. `Gevatterschaft´. 1. `Patenamt, Patenschaft´. - 2a. `alle am Kindtaufsschmaus teilnehmenden Gäste´. - b. `(durch das Patenamt miteinander verbundene) Bekannte, Freunde u. Verwandte´.

Gewabe n. `Gewebe, gewebte Ware, gewebter Stoff´.

gewähn swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Cunewalde `gewöhnen: vertraut machen´. 1. in der Wendung enn oa woaase od. oa enn (droaa) gewähn `jmdn. od. sich an etwas od. an jmdn.(daran) gewöhnen´; iech hoa miech mittlerweile oa doaas gaajkche Muster (droaa) gewähnt; a Urnung gewähn. - 2. refl.; die beedn missn´ch irschtert anander gewähn. Lautf.: gewänn °ZI Ebersbach, Weifa.

gewähnt Adj. (eigentl. Part. Prät. von gewähn) `gewöhnt´; du bist nischt Gutts gewähnt; dar wird ne weit loofm, dar is as Brut gewähnt `der kommt immer wieder heim´. Lautf.: gewännt °ZI Ebersbach.

Gewähr(e) n. `Gewehr´. Lautf.: Gewihr(e) Schirgiswalde.

Gewämste n. `Gewamse´. 1. `Kleidung´; doaas ganze Gewämste krieg mer ne an Kuffer rei. Mdal. besser: Wotcht! - 2. `Eingeweide´; nie oack mei Geränze, o mei ganzes Gewämste tutt mer wih. Lautf.: Gewoambse Görlitz, Gewambse.

Gewändl (kurzes ä) n. `steinerner Fensterstock: aus Granit od. Sandstein bestehende Einfassung des Fensters neben der Vorder- oder Hintertür (am Umgebindehaus) oder bei Gewölbefenstern´; iech lä der´n Schlissl uff´s Gewändl.

Gewändltreppe f. `Treppe mit gewändeltem (die Richtung wechselnden) Antritt (unterste Stufen) bei Wohnhäusern´.

gewänn siehe gewähn!

Gewarbe n. veralt. Südlausitz `Gelenk, Fingerknöchl´. Auch Genarbe.

gewartch (kurzes a) Adj. bestätigt `gewärtig: erwartend, in Erwartung´; enn od. woaas gewartch warrn `jmdn. od. etw. gewärtig werden, bemerken, entdecken; mit jmdm. od. mit etw. rechnen müssen´; iech bie´n goar ne gewärtch wurn; ba dar is mer nie gewärtch `bei der ist man nie sicher´; oas a im de Ecke koam, woar´ch uff a Dunnerwater gewartch. Lautf.: gewärtch.

gewartchn swv. `erwarten´; jeds wusste, woaas vu dar zu gewartchn woar. Lautf.: gewärtchn.

gewärmte Abern Pl. `Bratkartoffeln: Kartoffeln in Notzeiten von armen Leuten mit sehr wenig Fett gewärmt bzw. gebraten´. Lautf.: gewirmte od. gewarmte Abern. Siehe Aberne!

Gewase n. `Gewese: Gebaren, Wesensart, Getue, Aufheben, das Herumgewirtschafte´; dar hoat a narrsches Gewase; die machn im oalls a gruß Gewase.

gewast `gewesen´, siehe senn!

Gewelbe n. Gewölbe´. 1a. `überwölbter od. voll gewölbter kühler, feuersicherer Raum im Erdgeschoss aus Mauerwerk zum Aufbewahren von Vorräten (Lebensmittel, Garne)´. - b. `ungewölbte, mit einer Balkendecke versehene Lagerraum im Erdgeschoss des Hauses´. - 2. `der gewölbte Aufbau des Backofens´.

Gewende n. `ein abgeteiltes größeres Stück Feld´; a Gewende Gaarschte.

gewenn siehe gewähn!

Gewerre siehe Gewirre!

gewichst (gespr. gewickst) Adj. (eigtl. Part. Prät. zu wichsn) 1. `fein herausgeputzt, gut gekleidet´. - 2. `(blank) gerieben´; iech hoa ´n Fußbodn gewichst. - 3. `geistig gewandt, gewitzt, schlau, durchtrieben´; a gewichster Kunde.

gewichtch Adj. `gewichtig: wichtig, bedeutend, bedeutungsvoll´.

Gewichtche f. `Wichtigkeit: Bedeutung, Ereignis´; doaas is ne fer de Gewichtche.

gewieft Adj. `geistig gewandt, gewitzt, erfahren, lebensklug, durchtrieben, verschlagen´; dr Bittner-Lui is a ganz gewiefter Hund.

Gewiegte n. 1. `durch den Fleischwolf gedrehtes rohes Schweinefleisch für die Zubereitung von Beefsteak, Hackfleisch vom Schwein´; benn Fleescher keefst de a Pfund ruhes Gewiegtes! `beim Fleischer kaufst du ein Pfund Hackepeter´. - 2. dass. wie Gewiegtebrutl; zu Mittche gibbt´s Gewiegtes. - 3. Rutes Gewiegtes `Hackfleisch bzw. Schabefleisch vom Rind ohne Fettzugabe, Tartar´, gern roh gegessen und bei Hebefesten und Männerausflügen gereicht.

Gewiegtebrutl n. `Hackfleisch (Rind od. Schwein od. gemischt) in Form eines kleinen runden Brotes, Beefsteak, Bulette, Frikadelle´; zun Simmde goab´s Mauke und Gewiegtebrutl mit grinn Bunn. Auch gewiegtes Brutl, Wiegebrutl od. Fleeschbrutl.

gewieß Adj., Adv. `gewiss´. 1a. `sicher, bestimmt, unumstritten´; doaas Häusl is mer gewieß; nischt Gewießes weeß mer ne; RA: doaas is su gewieß wie woaas `das ist ganz sicher´; de Gundln vu Nubbersch hoat ann Gewießn `Nachbars Gundula hat einen festen Freund´; dr neune Birgemeester is a gewießer Kunze `der neue Bürgermeister heißt Kunze, den man zu kennen hat´.  - b. ganz gewieß `wahrlich´. - 2. `sehr genau, pflichtbewusst, gewissenhaft´; dr neue Dukter is ganz gewieß.

Gewilke f. n. `Gewölk, Wolken´; oan Himml langk kimmt Gewilke gezoin.

gewinn stv. iech gewinn(e), du gewinnst, mer gewinn, iech gewoann od. gewunn Seifhennersdorf, iech hoa gewunn `gewinnen´ 1. `einen Sieg erringen, den 1. Platz belegen, etwas als Sieger erhalten´; unse Fußboaller hoann gewunn; a jeds Lus gewinnt, RA: doderbei koannst de kenn Blumtoop gewinn. - 2. `werben, überzeugen´; iech hoa fer unsn Verein noa zwee-e gewunn.

Gewinnst m. Ober- u. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Gewinn, Ertrag, Vorteil, Nutzen´; ´s hoat oack winngk Gewinnst gebrucht. Lautf.: Bihms Koarle Gewienst.

gewirflt Adv. `gewürfelt´ 1. Niedercunnersdorf, Dürrhemmersdorf `kariert´; se koam an gewirfltn Leibl. Auch gekastlt od. kastlch. - 2. smWestlausitz `pfiffig, gerissen, durchtrieben´; doas es a gewoarflter Junge. Lautf.: gewerflt, gewarflt Frankenthal, gewoarflt Ohorn.

Gewirre n. 1. `Reisig, dünne Äste, Abfälle beim Reisighacken´. - 2. `Utensilien, Kram´; zun Sunntch giht´r mit´n ganzn Gewerre zer Feuerwehriebung. - 3. `wirres Dureinander, Wirrwarr, großer Betrieb´; uff dr Stroße is a Gewerre. - 4. `Aufhebens´; vill Gewirre im nischt machn. Lautf.: Gewurre Ostlausitz, Gewerre Hintere Sächsische Schweiz, Gewihre, Gewarre, Gewoarre.

Gewirgl n. 1. `Gedränge, Getümmel, Gewühl (von Menschen)´. - 2. `Gewirr, Wirrwarr, Durcheinander´; doaas diche Wulleknaul is a eenzches Gewirgl. Lautf.: Gewurgl, Gewargl, Gewoargl.

Gewittche Ostlausitz mach ne su vill Gewittche `Aufhebens, Umstände´, auch Wittche.

Gewitterblume f. Dim. Gewitterblieml Name für bes. blau blühende Frühlingsblumen, die nach dem Volksglauben das Auftreten von Gewittern begünstigen. 1. `Gamander- Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)´; luss oack doaas Gewitterblieml stihn, sunst schlätt dr Blitz ei! Mdal. Dunnerwaterblume. - 2. `Kriechender Günzel (Ajuga reptans); auch Gugucksblume.

gewoahr(e) Adj., nur präd. `gewahr´; enn od. woaas gewoahr warn `jmdn. od. etwas gewahr werden, wahrnehmen, bemerken´; de Richtern wird´s gewoahr(e); iech bie dan Karln goar ne gewoahr wurn. Lautf.: gewuhr(e) Seifhennersdorf.

gewoahrn swv. `gewahren, bemerken, wahrnehmen´; a gewoahrte ´n Voater.

Gewoambse siehe Gewämste!

gewohne Adj., nur präd. in Verbindungen mit senn od. sein und warn Neukirch, Friedersdorf bei Pulsnitz, Thiemendorf `gewohnt, zur Gewohnheit geworden´; dar is gewohne.

gewohnt Adj. in der Wendung woaas gewohnt senn/sein `an etw. gewöhnt, mit etw. vertraut sein´; a is nischt Gutts gewohnt.

Gewotchte (gedehntes o) n. `(alte, dicke u. lästige) Kleidung, Textilien´. Mdal. geläufiger Wotcht!

Gezähe n. 1. Spitzkunnersdorf `langsames Sprechen´. - 2. Berthelsdorf, Seifhennersdorf `Gezänk, Gezanke´; su a Gezähe!

gezänklt Adj. selt. `gezackt´. Vgl. Zänkl!

Gezäter n. `etw. Gedehntes, Fitz´. Lautf.: Gezeeder Schirgiswalde.

Gezehe n. 1. Großschönau `Geziehe: Schnurenzugeinrichtung für die Damastherstellung´. - 2. übertr. allg. `Handwebstuhl´; dr Grußvoater hoat noa uff´m aaln Gezehe gewirkt; Gezehladl; wenn´ch oack Gezehe zu Gezehe find, is ba dr Huckst nischt ver Wuhlstande zu sahn `Wenn nur zwei Handweberkinder heiraten, ...´ Lautf.: Gezähe.

Gezehetuch n. Dim. Gezehetichl 1. Großschönau `Ablagetuch für die Schnurenbündel (Lätzezug) in der Damastweberei´. - 2. `großes Leinentuch, mit dem der Handwebstuhl an Feiertagen abgedeckt wurde´.

geziege Adv. verstr. 1. Süd- u. Westlausitz `geschmeidig´; ich war no bissl Mahl oanquelln, doas de Brihe a bissl geziege woard. - 2. Nordböhmen `schmiegsam, anpassungsfähig, unterwürfig´; geziege machn. Lautf.: gezieche Schönlinde Nordböhmen.

Geziffer n. selt. sSüdlausitz, Westlausitz `Geziefer´. 1. `tierische Schädlinge, Insekten, Ungeziefer´. - 2. `Kleinvieh, Geflügel´.

Gezinge n. öSüd- u. Ostlausitz `der Räderteil des Ackerpfluges mit Pflugbalken, an die das Ortscheit oder die Waage kommt´.

Gezuchtche n. Westlausitz, dass. wie Gezuchte. Lautf.: Gezochtche Westlausitz.

Gezuchte n . `unablässiges Gebettel, um Wünsche erfüllt zu bekommen´. Lautf.: Gezochte Westlausitz.

Gicker m. `Ausguck, Blick´; in der Wendung enn uff´m Gicker hoann `jmdn. nicht leiden können und schikanieren wollen´.

gickern swv. `unterdrückt lachen, endlos kichern (der Mädchen) ohne erkennbaren Grund´; oas dar junge Karle verbei koam, gickertn de Maajdl. Lautf.: geckern Westlausitz.

Gicklsbarg m. `Gickelsberg´. 1. Ortsteil der Gemeinde Ohorn im °BZ. - 2. Berg bei Reichenau (poln. Bogatynia).

gicks siehe gacks!

gicksn swv. `gicksen: einen (leichten) Laut ausstoßen´; in der Wendung gicksn und gacksn.

Giebe f. Westlausitz `Haspel; drehbarer Rahmen, auf den Garnbündel od. -strähnchen aufgespannt werden´; nabm Baandstuhle staand´s Treibe- und Spulroad met dr Giebe ond dr Schärloatte; ierscht met´n Treiweroade ´s Goarn von dr Giewe off de Pfeifm treim. Lautf.: Giewe Steina.

giebm swv. Westlausitz `haspeln, (auf)wickeln´; ´s Baand (off)giebm.

giebsn siehe giepsn!

Gieke f. Süd- u. Westlausitz `(altes, stumpfes) Messer´; auch Frooschgieke, Froschgieke.

giekn swv. dass. wie gieksn.

gieksn swv. `stechen, spießen, pieken, pieksen´; dergieksn `erstechen´, ufgieksn `aufspießen´; vu unne giekste miech woaas, `s woar anne Groanne.

gieperch Adj. Ostlausitz `erpicht, (be)gierig, lüstern, versessen´. Lautf.: gieprich.

Giepser m. `heiserer Laut´; kenn Giepser aus dr Kahle brengn. Lautf.: Giebser.

Giepserch m. dass. wie Giepser. Lautf.: Giebserch.

giepsn swv. `mit zusammengepresster Kehle einen Laut von sich geben, stoßweise atmen; einen Laut mühsam herausbringen; heiser reden, röcheln´; iech hoa´s an Hoalse, iech koann baale ne mih giepsn.

Gierschdurf `Neugersdorf ´. 1. Stadtteil der Stadt Ebersbach-Neugersdorf im °GR, de Gierschdurfer `die Einwohner von Neugersdorf´; iech hoa anne Gierschdurfern geheiroat. - 2. bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörender Ortsteil von Weigsdorf östlich der Neiße. - 3. `Görsdorf´, tsch.`Loucina (Ort bei Grottau in Nordböhmen)´. - 4. siehe Gerschdurf!

Gierschdurfer Schissn n. `Neugersdorfer Jakobimarkt (größtes Volksfest in der Oberlausitz; beginnt frühestens am 25.Juli, dem Jakobustag)´.

Giersche f., Giersch m. `Geißfuß (Aegopodium Podagraria)´.

Gießdurf `Gießmannsdorf´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörend östlich der Neiße, dem Braunkohlenbergbau zum Opfer gefallen; de Gießdurfer `die Einwohner von Gießmannsdorf´. Lautf.: Gießdorf.

Gift m. f. veralt. wie litspr. `Gift´ n.; RA: Kleene Grätn hoann o Gift `kleine Kröten haben auch Gift, kleine Frauen können auch giftig sein´.

Giftblatl n. `Zeugnis mit (schlechten) Zensuren´.

Giftbichl n. dass. wie Giftblatl.

giftch Adj. `giftig´. 1. wie litspr. `einen Giftstoff enthaltend´; giftche Pilze. - 2. `böse, gehässig, aggressiv´.

giftn swv. `mit gehässigen Worten schimpfen´; du tust immer glei giftn; gift miech ne su oaa!

Giftnudl f. 1. scherzh. `Zigarre´; mach deine Giftnudl aus, mir derstickn ju baale! - 2. `zänkische Frau´.

Gih-im selt. `Geh-um: Umgangsform, Lebenserfahrung´; dar hoat goar kee bissl Gih-im.

gihn stv. iech gih(e), du gist (Oberland) od. gihst (übrige Oberlausitz), a gitt (Oberland) od. giht (übrige Oberlausitz), mer gihn, iech gingk od. gungk (Schirgiswalde, Neukirch), mer gingn, iech bie gegangn od. gangn. 1. von Menschen, von Tieren, von Dingen a. `Schritte machen, schreiten, ´; Aale, kumm oacke, mer gihn! - b. mit näheren Bestimmungen, mer gihn uff Taubmheem `wir gehen nach Taubenheim´; uff Oarbeit gihn `als Arbeitnehmer sich zu seinem Arbeitsplatz begeben´; die beedn gihn minander `die beiden sind Liebesleute´. - 2a. wirkliche od. vorgestellte Bewegung; dr Teeg gitt `der Teig dehnt sich infolge eines Hefezusatzes aus´, dr Schemml gitt aus´n Leime. - b. Zeit; ´s gitt uff neune zu. - c. unpersönl.; `sich in einem bestimmten seelischen od. körperlichen Zustand befinden´; ´s gitt wie geschmährt; mir is is ne gutt gegangn; ´s gitt ieber de Oarme `es strengt die Arme an´; ieber de Zeit gihn `lt. Berechnung die normale Schwangerschaft schon überschritten haben (Haustier, Mensch)´. RA: Doaas gitt mer aber ieber de Huttschnure! RA: ´s gitt nischt drieber und nischt drunder, aber oalls drieber und drunder. „Na, wie gitt der´sch denne?“ „Wenn mer´sch schlaajchte ne recht, gutt!“

Gihrook m. söSüdlausitz `Gehrock: mantelartiger Oberrock für Männer (mit langen Schößen)´; Gihrook mit Schießln; auch Schießlpinke od. Schießlrickl.

gilbch Adj. Südlausitz, sWestlausitz `gelblich, fahl, vergilbt, getreidefarben´; dr Himml is ganz gilbch. Lautf.: gilmch Niedercunnersdorf, Frankenthal.

Gildn m. Sg. u. Pl. `Gulden´, ursprünglich Goldmünze, seit dem 17.Jahrh. Silbermünze zu 60 Kreuzern od. 15 Batzen, 1872 umgerechnet 1,71 Mark.

gildn Adj. `golden´. 1a. `aus Gold´; a gildn Kätl `ein goldenes Kettchen´; de zweete Frooe hoat ann guldn Oarsch `bei der zweiten Frau ist alles besser´. - b. `aus Goldersatz, wie Gold aussehend, goldfarben´; a gildn Schild; a gildn Häubl `eine Goldhaube aus Brokat´. - 2. `herzensgut´; dar hoat a gildn Maajdl derwuscht. Lautf.: guldn.

gilmch siehe gilbch!

Gimpe f. Pl. Gimpm `Schnürschlingen der Bettbezüge, Reihband (für Gardienen)´; Bettgimpe.

Gimpl m. `Gimpel´. 1. `Dompfaff (Pyrrhula europaea)´. Die Männchen werden auch Rutgimpl u. die Weibchen Bloogimpl genannt. A hoat ann rutn Gimpl `er hat eine rote Nase´. - 2. harmloses Schimpfwort a. `eitle, schöne männl. Pers.´; doaas is a eigebildter Gimpl. - b. `einfältiger, sonderbarer Mensch´; doaas is a aaler verliebter Gimpl!

Ginkerlitzl Pl. umg. `Kinkerlitzchen´. 1.`Faxen, Flausen´. - 2. `unnötige, (zu teure) Dinge´; se hoat oack Ginkerlitzl gekooft.

ginn stswv. (Part. Prät. selt st.) iech ginn mer´sch, du ginnst der´sch, iech hoa mer´sch geginnt (Königshainer Berge), gegunnt (Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf, Großschönau, °NOL Königshain) od. gegunn `gönnen: jmdm. etw. neidlos zugestehen; sich etw. leisten´; dar ginnt enn ne irscht de Luft zun Odnhuln; wenn jmdm. etw. beim Essen aus dem Mund fällt, sagt die betreffende Person: "Enner hoat mer´sch ne gegunn." Volksvers: Mer wulln´ch oack noa woaas ginn, su lange mer´sch noa kinn!

Girberschdurf `Girbigsdorf (Ort der Gemeinde Schöpstal im °GR)´; de Girberchsdurfer od. Girberschdurfer `die Einwohner von Girbigsdorf´.

girtln (kurzes i zum u hin) swv. `die langen Frauenröcke (bei grober u. schwerer Arbeit od. bei Nässe) mit einem Gürtelband in Hüfthöhe hochbinden, schürzen´. Lautf.: gurtln, goartln Westlausitz.

girrn swv. `schmeichelhaft reden, jmdn. betören und von sich einnehmen wollen´; dar aale Karle fängt oaa zu girrn. Lautf.: gurrn.

Girwitz (kurzes i) `Georgewitz (Ort der Großen KreisstadtLöbau im °GR)´; de Girwitzer `die Einwohner von Georgewitz´. Lautform: Jirg(e)witz.

gischn swv. `schäumen (von Bier od. Seifenwasser)´.

Gischt f. `Schaum´ auf dem Bier, auf der frisch gemolkenen Milch, auf der Seifenlauge, auf der Wasserwelle, vor dem Maul u. auf dem Fell von Tieren. Lautf.: Girscht.

Gisskoanne f. `Gießkanne´.

Gisshiebl veralt. m. `Gießhübel´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Grodnica´.

Gisslch m. `Aufguss: frisch zubereiteter Auszug aus Pflanzenteilen mit siedendem Wasser´.

gissn stv. iech giss(e), du goajst (Obercunnersdorf), goist (Ringenhain) od. goast (Zittauer Gebirge), mer gissn, iech guhß, iech hoa gegussn `gießen´. 1. `etw. Flüssiges (geschmolzenes Metall, Wachs) in etw. oder eine Form gießen, in der es erstarrt´; de Gloacke wird gegussn, Bleigissn. - 2a. `eine Flüssigkeit in ein Gefäß, an einen Ort gießen´; Koaffee as Tippl gissn, enn hinder de Binde gissn, goiß Milch oab! - b. `begießen´; ´s Bätl gissn. - 3. unpersönlich ´s goajßt (wie mit od. aus Koann) `es regnet stark´. - 4. übertr. Äle as Feuer gissn; a guhß´r Woasser an Wein `er dämpfte ihre Erwartungen´.

Gitoarr n.`Gitarre´; a noahm sei Gitoarr und soang.

Gitte f. Dim. Gittl `Güte´. 1. `Beschaffenheit, Qualität´; mir foahrn mit dr Boahne oack immer zweeter Gitte. - 2. `Wohlwollen, Milde, Verständnis, Freundlichkeit´; ´n Zank a Gitte schlichtn; ba oaller Gitte, nu hirrt oack uf zu keefm! Interj. (Ausruf der Verwunderung): Oach, du meine Gitte! - 3. im Dim. `Genuss, Wohltat, Freude (durch Verzehr od. Gebrauch)´; hoast dr aber a Gittl geton!

Gitte f. Dim. Gittl Kurzform von `Brigitte´; hinte kimmt de Tante Gitte.

Gitterzug m. `Güterzug´.

Gittl n. Dim. von Gutt `Gütchen: kleiner Bauernhof mit Kuhbewirtschaftung´, siehe auch Gutt `Gut!´

gittlch Adj. Adv. 1. `gütig, höflich, in Güte, in freundlichen Einvernehmen´; die beedn kenntn`ch gittlch scheedn lussn; mer senn gittlch iebereene gekumm. - 2. `genüsslich, eine Wohltat sich antuend´; in der Wendung siech gittlch tun `genießen´; se toatn´ch oan Assn gittlch.

glackn siehe gleckn!

Gläde (gedehntes ä) f. n. veralt. `kleines Häufchen ungebun-denen, auf der Erde liegenden Getreides (meist Hafer); beim Mähen zusammengelegte Getreideschicht von einer halben oder einem drittel Garbe´, friher wurdn benn Hoaber Glädn gemacht. Lautf.: Geläde, Geläge, Gläre.

Glasl n. siehe Gloas!

Glätte f. 1. wie litspr. `das Glattsein vereister Wege u. Straßen´. - 2. ` Emaille, Glasur an Töpfen u. sonstigem Geschirr´; RA: Ba dann is schunn de Glätte oab od. weg `der ist nicht mehr schön, neu, unversehrt, jugendlich, unbescholten´. Lautf.: Gläte, Gläde (Oberland, Seifhennersdorf).

Glätteis n. Südlausitz `Glatteis´.

Glaubz `Glaubnitz (Ort der Gemeinde Panschwitz-Kuckau im °BZ)´; de Glaubzer `die Einwohner von Glaubnitz´.

gleckenoaaß Adj. `pitschnass; so nass, dass sich Tropfen bilden, triefend nass´. Lautf.: gleckenoass Westlausitz, kleckenoaaß Ostlausitz.

Gleckkoallchl n. Neugersdorf dass. wie Stupper.

Gleckl n. Dim. von Gloacke `Glöckchen´. 1. `kleine Glocke (aus Metall, Holz oder Glas)´. - 2. Pflanzen mit glockenförmigen Blüten a. `Gras-Glockenblume (Rundblättrige Glockenblume, Campanula rotundifolia L.)´, `Wiesen-Glockenblume (Campanula patula L.)´. - b. `Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris L.)´. - c. dass. wie Schniegleckl. - d. dass. wie Marzegleckl. - 3. sSüdlausitz `beerenartige Frucht der Kartoffelstaude´, Aburngleckl. Siehe auch Schnellerkoallchl u. Aberngleckl!

glecklhalle Adj. siehe halle 1!

gleckn swv. 1. `schwer fallen (von einer Flüssigkeit od. von breiigen Stoffen)´; dr Honch gleckt vu dr Schniete uff de Fletzn `der Honig läuft von der Schnitte und fällt auf die Steinplatten´. - 2. übertr. `schwer fallen (bei Gegenständen u. Lebewesen)´; hiegleckn, ba dar Britte senn de Leute oack su imgegleckt. Lautf.: kleckn, glackn.

gleebch Adj. `(im kirchlichen Sinne) gläubig´.

Gleeber siehe Kleeber!

gleebm swv. (Vermischung mit umg. gloobm) iech gleeb(e), du gleebst, mer gleebm, iech gloobte, iech hoa gegloobt `glauben´. 1. wie litspr. (im kirchlichen Sinne); se gleebt an liebm Gutt, a hoat mit fimfm schunn ne mih an Ruperch gegloobt. - 2a. `jmdm. glauben, Glauben schenken´; dann Liegeboajttl gleebt kenner ne! - b. `etw. glauben, für wahr halten´; Saufkrause is is gewast? Doaas gleeb´ch glei! - 3. `vermuten, meinen, annehmen´; iech hoa gegloobt, a is an Urloobe. - 4. in der Wendung droaa od. droan gleebm `etw. Unerwünschtes hinnehmen, sterben´; dar oarme Karle misste droaa gleebm. Lautf.: gleem Westlausitz, öKürzung. Vgl. kleebm!

Gleefe f. veralt. Südlausitz `Grätsche´. Vgl. zerkleefm! Lautf.: Kleefe, Gleife.

Glees n. Pl. Gleese, Gleeser `Gleis´ 1. `die eingefahrene Spur der Wagenräder (auf Wegen, Feldwegen)´; Gleese foahrn, RA: woaas as richtche Glees brengn `etw. in eine geordnete Bahn bringen´. - 2. wie litspr. `Fahrspur für Schienenfahrzeuge´; enn uff´s tute Glees schiebm `jmdn. handlungsunfähig machen´. Lautf.: Geleese.

gleesn swv. Großhennersdorf, Frankenthal `gleisen: mit den Hinterrädern genau in der Spur der Vorderräder bleiben (des Wagens)´; a Woin muss gleesn, sunst giht´s schwer.

glei Adv. `gleich´. 1. temporal a. wie litspr. `sofort, jetzt, in kurzer Zeit´; iech kumm glei wieder. Du kimmst itz glei, verstoann? - b. `von Anfang an, von vornherein, grundsätzlich´; iech hoa der´sch doa glei gesoit. - c. `ohne Bedenken, ohne Schwierigkeit´; "Waber-Lui sull seine Frooe schloin." - "Doaas gleeb´ch glei!" - d. `auf einmal, zugleich´; dar hoat glei zwee Weiber. - e. wenn glei `obwohl´; iech hoa geschwitzt derbei, wenn´ch glei oack an Hemde dostund; verdefetiern kunnt´r´ch noa, wenn´r glei geschwuppte vul woar. - 2. lokal `ganz nahe, ganz dicht´; dar wohnt glei hindern Teiche.

gleiche Adj. (attr., präd. u. adv. verwendet) 1a. `gerade, nicht krumm od. schief´; de Läuseboahne is ne gleiche `der Scheitel ist krumm´. - b. `ohne Unebenheiten, eben, glatt´; uff´m Gleichn fährt´ch´s besser.

gleichehie Adv. `auf gleicher Höhe dahin, ohne Steigung´; irscht gingk de Reese barguf, dernoochern gleichehie und zerletzt bargunder. Lautf.: gleichehin Westlausitz.

gleicheweg Adv. 1. `auf gleicher Höhe weiter; geradeaus´; de Foahrt gitt gleicheweg. - 2. `ohne Unterbrechung´.

gleichezu Adv. `geradeaus´.

gleißn stv. veralt. iech gleiß(e), a glesst, glasst (Seifhennersdorf) od. gleißt, iech gleeß od. gließ `glänzen´; dr Murgntoo glesst.

gleisugutt Adv. `gleichsam, als ob, so ziemlich, ebenso, so gut als, gewissermaßen, sozusagen´; gleisugutt kinn mer´sch o mitnahm; gleisugutt wullt´r aber o oalls wissn; oas gleisugutt `als hätte er wollen sagen´, a is gleisugutt dr Voater. Lautf.: gleisegutt.

gleisuwull Adv. `gleichwie, gerade als, gleichsam, so ziemlich, ebenso, hingegen, wohl, wie es scheint, trotzdem´; gleisuwull koann o ´n Geschoitstn a Radl an Drecke gihn; dr Koaffe wird gutt sein, gleisuwuhl. Lautf.: gleisuwuhl, gleisewull, gleisewuhl; gleisewu (gedehntes u) Hinterhermsdorf.

Glick(e) siehe Gelicke!

Glickspfenngk m. dass. wie Heckepfenngk. Lautf.: Gelickspfenngk.

Glicksstruh n. `kleine Menge Stroh, die beim Verkauf von Ferkeln aus dem Heimatstall mitgegeben wird´. Es soll Glück bei der Aufzucht der Tiere bringen und das Heimweh verringern.

Glihderch m. Weifa `Feuersglut´. Lautf.: Gluderch Steinigt-wolmsdorf. Siehe auch Gelihscherchl!

glitschch Adj. dass wie klitscherch!

glitscherch Adj. siehe klitscherch!

glitschn siehe klitschn!

gloaaterch siehe kloaterch!

Gloacke f. Dim. Gleckl `Glocke´. 1a. `Kirchen-, Turmglocke´; RA: woaas a de gruße Gloacke hängn `etwas überall bekannt machen; viel Aufhebens machen´. Bei Bräuten mit Kind wurde zur Hochzeit mit der kleinen, bei "ehrenhaften" mit der großen Glocke geläutet. Wenn ein Kind unterwegs war, hieß es: "Harr Poaster, se kinn mit dr grußn Gloacke lautn, aber wenn de kleene a bissl mitklimpert, doaas wird doa ne uffoalln?" - b. `Kuhglocke´. - 2. `Schlagwerk der Wand- od. Standuhr´; a wusste, woaas de Gloacke geschloin hutte `er wusste, was kommt´. - 3. übertr. `etw. Glockenförmiges´; Kasegloacke, Gloacknrook, Gloacknblieml, de Gleckl nahm´ch uff´m Chrisboome gutt aus `die Glasglöckchen sehen gut auf dem Weihnachtsbaum aus´; iech hoa mer de Gloackn eigequängt `ich habe mir den Hodensack eingezwängt´. Lautf.: Glacke Schirgiswalde.

Gloacknblume f. `Glockenblume (Campanula)´, Bezeichnung für die einzelnen Arten. Siehe auch Blooe Gleckl u. Gleckl!

Gloacknjunge m. `Glockenjunge: Junge, der die (Kirch)glocken läutet´.

Gloacknsteckl n. `Glockenstöcklein: Fuchsie (Fuchsia magellanica)´.

Gloantsch (kurzes oa) m. siehe Klintsch!

Gloas (gedehntes oa) n. Dim. Glasl, Pl. Glaser `Glas´. 1. `durchsichtiger Werkstoff´; Fanstergloas, Gloasschleefer, du bist doa ne aus Gloas `du stehst im Wege´. - 2a. `Gegenstand aus Glas´; Roaaziehgloas, Biergloas, Bierglasl, a hoat zu tief as Gloas geguckt. - b. `Inhalt des Trinkgefäßes´; iech hoa zwee Glasl getrunkn.

Gloatter Psoalm m. `Frauenblatt, Balsamkraut (Tanacetum balsamita L.)´, alte Heilpflanze, die wegen des aromatischen Duftes im Volke nach dem Salbei benannt wird. Lautf.: Gloater Psoalm m., Gloatter Soalm m., Gloattpsoalm m., Gloattsoalm m., Gloatte Soalbe f., Gloate Soalbe f., Gloattsoalbe f.

Gloatte Soalbe f. Görlitz dass. wie Gloatter Psoalm! Lautf.: Gloate Soalbe Bertsdorf.

globch siehe klobch!

Globeradl siehe Kloberadl!

Globm (gedehntes o) siehe Klobm!

Gloobe siehe Gloobm!

Gloobm m. 1. `(christlicher, evangelischer, katholischer) Glaube, religiöse Überzeugung´. - 2a. `Vertrauen´; iech hoa´n Gloobm oa dann dichn Karln verlurn. - b. `Meinung´; luss´n oack senn Gloobm. Lautf.: Gloobe.

gloobm swv. umg. `glauben´; siehe gleebm!

Gluckhenne f. `Glucke: brütende Henne, Henne mit Küken´. Siehe auch Tschibblhenne!

gluckern swv. dass. wie glucksn 2a, 2b. u. 3a.

gluckn swv. 1. dass. wie glucksn 1. - 2. `(wie eine Bruthenne) untätig herumsitzen´; rimgluckn; iech hoa keene Oarbeit und gluck derheeme.

glucksn swv. `glucksen´. 1. `ertönen von Lauten der Henne, wenn sie brüten will oder die Küken lockt´; de Gluckhenne gluckst. - 2a. `Rauschen von gärendem Most´; siehe gulkern! - b. `gurgelndes Rauschen der aus einer Enge strömenden Flüssigkeit´. - 3a. `(geräuschvoll) trinken´. - b. `unterdrückt lachen od. weinen, schluchzen, schlucken´; se hoat ufgehirrt mit Noaatschn, se gluckst oack noa.

Glupschn (kurzes u) Pl. `Glotzaugen, vorstehende Augen´. Lautf.: Klupschn.

glupschn (kurzes u) `glotzen, anstieren, scheel ansehen´.

Glupschoogn (kurzes u) Pl. `große, hervorstehende Augen; Glotzaugen´; dar Fiesch od. Froosch hoat Glupschoogn. Lautf.: Klupschnoogn.

Glussn `Glossen (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´.

gnadch Adj. siehe genadch!

Gnees m. Steina `Unsinn, dummes Zeug´; derzähl ne su ann Gnees!

Gniebl siehe Kniebl!

Goaartn m. Dim. Gaartl, Pl. Gaarte `Garten (ein Grundbesitz)´ 1. `umzäuntes Stück Land, auf dem Gemüse u. Blumen angepflanzt werden´. - 2. `(umzäunter), größerer Grasgarten bzw. größere Wiese vor od. hinter dem Bauernhaus´. - 3. veralt. `kleines bäuerliches Anwesen, zu dem Kühe als Zugtiere gehörten´. Lautf.: Goartn (kurzes oa) Westlausitz.

Goaartnfinke siehe Finke `Buchfink´!

Goaartnhäusl n. `Laube´.

Goabereel m. `Gabriel´. 1. FN. - 2. `Erzengel Gabriel´ als Begleiter des klenn Chriskindls in der Adventszeit.

Goabl f. `Gabel´. 1a. wie litspr. `Essbesteck: Tisch- u. Küchengabel´; Masser und Goabl; RA (über einen, der sich seiner Klugheit rühmt): Wenn mer diech ne hättn und´n klenn Leffl, misst mer de Suppe mit dr Goabl spissn. - b. `verschiedene Gerätschaften; Handwerkszeug´; Mist-, Futter-, Kohlngoabl. - 2. `Gabelartiges´; Oastgoabl, Stimmgoabl. Lautf.: Gobl (gedehntes o).
Goabl f. `Deutsch Gabel´, tsch. `Jablonne´, in Nordböhmen gelegen; dr Leierkoastnmoan wohnt a dr Goabl. Lautf.: Gobl Nordböhmen.

Goablbissl n. `kleiner Happen zum Aufspießen´.

goabln swv. 1. `mit der Gabel etw. hinauf od. herabrechen´. - 2. `einen Partner gewinnen´; se hoat´ch enn gegoablt; siehe auch ufgoabln! - 3. (refl.) siech goabln `sich verzweigen (bei Ästen), sich teilen (bei einem Weg)´; glei hinder dr aaln Eeche goablt´ch dr Waajg; de Schlange hoat anne gegoablte Zunge.

Goabvll f. `eine Gabel voll´; anne Goabvll Hei.

Goackschl siehe Gocksch!

Goadche (gedehntes oa) siehe Goatche!

Goaffe f. 1a. `klaffende Schnittwunde´. - b. `abstehender Hautfetzen´. - 2. `abstehende Falte (am Faltenrock)´; an Hosn is anne Goaffe. - 3. `Loch, Öffnung, Lücke, Spalt´; dar hoat anne Goaffe oan Maule; dr Schieblch hoat anne Goaffe `das Schubfach schließt nicht vollständig´. - 4. abwert. `Gesicht´. - 5. `weibl. Pers., die viel herumsteht und gafft´.

goaffm swv. `gaffen´. 1. `mit weit geöffneten Augen schauen, neugierig und unverwandt hinsehen, starren´; goaff miech ne su oaa! De Zoahnlicke goaffte derschrecklch; a koann oack a dr Walkt rimgoaffm. - 2. `klaffen, einen Spalt bilden, auseinander stehen´; dei Hosekafer goafft aber `dein Hosenschlitz steht offen od. hervor´.

Goaffer m. `Person, die (aus Neugierde, Langweile, Dummheit od. vor Schreck) unverwandt guckt´. Lautf.: Gaffer.

Goaffze f. °NOL Königshain dass. wie Goaffe.

Goal (gedehntes oa) m. °ZI Reichenau, Mückenhain, Lauban `Schrei, lauter Ruf, Ton, Schall´; ann Goal ausstußn.

Goalaatschn siehe Goltschn!

Goalande (kurze Vokale) f. siehe Gulande!

Goalert (gedehntes oa) m. s. `Gallert: durchsichtige, steife Masse aus eingedickten pflanzlichen od. tierischen Säften; Speise aus kleinen Stückchen geschnittenen Fleisches u. geschnittener Schwarte in Aspik (Sülze), Gelee´; Goalertschissl; zun Obde gibbt´s Bränzlabern und Goalert; dr Goalert schwoabblt. Der Handwebstuhl ächzt: Itz hul´ch mer ann Goalert!  Lautf.: Goallert West- u. Ostlausitz.

Goalerte (gedehntes oa) f. Ober- u. Niedercunnersdorf dass. wie Goalert; Brotabern und Goalerte; de verpfafferte Goallert öOstlausitz. Lautf.: Goallerte, Goallert.

Goalertfleesch n. `Sülze im üblichen Sinne mit mehr oder weniger Fleisch´, nicht nur das Fleisch in der Sülze. Lautf.: Goallertfleesch.

Goalertschissl f. ein Gericht `Gallertschüssel: (tiefer) Teller mit Sülze u. Remoulade od. Essig, Öl u. kleingehackten Zwiebel´. Die Sülze wird häufig zu Bratkartoffeln gegessen.

Goalferch (kurzes oa) m. Wehrsdorf `männl. Pers., die zusammenhangslos od. undeutlich spricht´.

goalfern (kurzes oa) swv. 1. Burkau, Steina `hastig u. laut reden, große Reden schwingen, prahlen, schimpfen, keifen´; rimgoal-fern; du hoast o egoal woas zu goalfern! - 2. Wehrsdorf `undeutlich, zusammenhangslos reden´; siehe auch toalfern! Lautf.: gelfern, galfern °BZ Sohland.

Goalgn m. `Galgen´. 1. wie litspr.; RA: Dar sitt aus, oas hätt´r´n Goalgn gestreeft. - 2. `Teil des Handwebstuhles, bestehend aus Zucker mit Zuckebändl u. Zuckepfleckl´. - 3. verstr. Ostlausitz `der gerundete, überm Rad befindliche Teil des einrädigen Schiebekarrens´, auch Raaf.

Goalgnroaber f. Ostlausitz dass. wie Roaber 1.

Goalgnstriek m. `Galgenstrick´. 1. wie litspr. `Strick am Galgengerüst zum Erhängen´. - 2. übertr. auf Pers., bes. Kinder `Schlingel, Tunichtgut´.

Goalgsbäre siehe Koalkebäre!

Goalläppl m. `die kugelige Galle an den Blättern der Eichen, entstanden durch den Stich der Gallwespe´. In der Volksmedizin findet sie zur Beseitigung von Warzen Anwendung. Lautf.: Goalloappl.

Goalle f. `Galle´. 1a. wie litspr. `menschliches u. tierisches Organ, Sekret der Leber´; RA: Gift und Goalle spuckn. - b. Nordböhmen dass. wie Buhschwanze. - c. `Verbitterung, Wut, Zorn´; iech hoa uff dan Karln anne Goalle; do leeft mer de Goalle ieber `da übermannt mich der Zorn´. - 2a. `nasse Stelle in Wiese od. Feld, wo fortwährend Wasser hervorquillt´; Sauergoalle. Siehe auch Woassergoalle! - b. siehe Hoarzgoalle! - c. `sandige Stelle, die von Humus eingeschlossen ist´. - d. siehe Watergoalle! - e. siehe Steengoalle!
Goalle m. `Gallus: der Heilige und sein Tag (16. Oktober)´; zur Kirmes in Obercunnersdorf: Goalle doarf mit backn, aber ne assn. Wetterregel: Hedwig (17.Oktober) und Goalle machn is schiene Water oalle (Nieder Neundorf).

goallebitter Adj. `bitter wie Gallensaft, sehr bitter´.

Goallert(e) m(f) siehe Goalert!

Goaloaschn Pl. abwert. `Galoschen: (alte, ausgetretene) Schuhe od. Pantoffeln´. Lautf.: Koaloaschn, Kalaschn, Galaschn.

goaloaschn swv. 1. `rennen (in alten Schuhen)´. - 2. selt. `prügeln´. Lautf.: koaloaschn, kalaschn, galaschn, kaleschn.

Goalupp (kurzes oa, 1.Silbe betont) m. `Galopp´. 1. wie litspr. `Gangart der Pferde´. - 2. schneller Ritt´; dar macht oalls an Goaluppe `der erledigt alles schnell, fahrig, gehetzt´; dann hoat dr Äsl an Goaluppe verlurn. - 3. `alter Volkstanz´. Lautf.: Galupp, Koalupp. Siehe auch Goaluppche!

Goaluppche (kurzes oa u. kurzes u) f. bes. Ostlausitz 1. `Galopp´. - 2a. in der Wendung a dr Goaluppche hoann `am Wickel haben´. - b. de Goaluppche hoann `Durchfall haben´. Lautf.: Koaluppche, Goaluppe, Galuppe. Siehe Goalupp!
Goalluppche (kurzes oa u. kurzes u) f. `Kaluppe: Hütte; baufälliges, altes Haus; ärmliches Gebäude; liederliches Zimmer´. Lautf.: Koaluppche, Kaluppche.

goamberch Adj. selt. `unsicher auf den Beinen, altersschwach´, auch goamber(n).

Goamz `Kamenz (Große Kreisstadt im °BZ, dem historischen Oberlausitzer Sechsstädtebund angehörend)´; de Goamzer od. de Goamzchn, Goamzschn `die Einwohner von Kamenz´; anne Goamzer Noase `eine gute Nase, ein gutes Gespür für das Kommende´, uff dr Goamzschn Boahne. Lautf.: Koamz.

Goamzer f. 1. siehe Goamz! - 2. `Kamenzer Wurst´; brengn mer oack anne Goamzer vun Fleescher mitte!

Goans f. Dim. Gansl, Pl. Gänse od. Ganse `Gans´. 1. wie litspr.; RA: die schnoattern wie de Gänse; die stitt do wie anne Goans, wenn´s dunnert. Wenn de jungn Gänse schrein wie de aaln, is Zeit, doaaß de Manner ´s Geld basoamm haaln. - 2. übertr. umg. `(unerfahrene, junge; tollpatschige; alberne, einfältige, eingebildete) weibl. Person´; dumme Goans. Siehe auch Huhsche u. Grieschl!

Goapse siehe Gapse!

goar Adv. `gar´. 1. ganz und goar `vollständig´; dar is ganz und goar besuffm. - 2. Verstärkung; do woarrn goar zu vill Leute. - 3. vor Verneinungen `überhaupt, absolut´; goar nischt, goar ne, goar keene; ´s wird´n doa ne goar woaas poassiert senn? RA: Besser anne Fliege a dr Suppe oas goar kee Fleesch an Tuppe. - 4. `sogar´; o jemersch nee, itz bläkt´r goar noa rim!

Goarbe f. `Getreidegarbe: zusammengebundene Getreide-halme´; Goarbm binn `Garben binden´, RA: wie´s de Goarbe gibbt `wie es gerade kommt´.
Goarbe f. `(wilder) Kümmel (Carum carvi)´, eine Gewürzpflanze. Entlehnt aus carum carvi. Goarbeschnoaps `Kümmelschnaps´. Lautf.: Goarwe, Koarbe Schlesien. Vgl. Schofgoarbe!

Goare f. `Gare´. 1. `Zustand des Ackerbodens mit den günstigsten Voraussetzungen für den Anbau´; Bodngoare. - 2. `Zustand des aufgetriebenen Brot- od. Hefeteigs, der das Abbacken zulässt´; ´s Brut leit zer Goare.

Goardinnprädcht f. umg. `Schelte (von Frauen zu Hause hinter den Gardienen)´; anne Goardinnprädcht haaln. Lautf.: Goardienprädcht. Vgl. Refermande!

Goa(r)lande siehe Gulande!

Goarn (kurzes oa) n. `Garn´. 1a. wie litspr. `Faden, der aus Fasern gesponnen ist´; Goarn spinn, Stuppgoarn; iebles Goarn spinn `schlechte, niederträchtige Geschichten aufbringen´. - b. `Zwirn´. In der Hochsprache ist Zwirn kein Garn. - 2. Frankenthal, Burkau a Sticke Goarn (altes Garnmaß) `12 Zaspeln´ - 3. `Netz´; RA: A is´r as Goarn gegangn `er hat sich von ihr fangen lassen´; enn ne aus´n Goarne lussn `jmdn. nicht gehen lassen´.

Goarnboom m. `Kettbaum: Weberbaum des Handwebstuhles mit der Werfte od. des mechanischen Webstuhles mit der Kette´.

Goarnmoan m. `Garnmann: männl. Person, meist Weber, Hausierer od. Verleger, der das gesponnene Garn aufkauft oder verkauft´; Volksvers aus der Zeit des bäuerlichen Spinnens: Spinnt oack, Kinder, spinnt oack spinnt, ihr wisst ne, wenn dr Goarnmoan kimmt. Dr Goarnmoan hoat ann ladern Saak, und war ne spinnt, dar krigt ann Draajk.

Goarnweefe f. `Garnweife: Gerät aus Holz zum Abwinden des gesponnenen Garnes (Flachs, Wolle) von der Spinnradspule; Haspel´.

goarstch Adj. `garstig´. 1. `schlecht, böse, ungezogen, frech, unhöflich, grob´; bie oack ne su goarschtch mit mir! Doaas goarstche Wuhrt will´ch ne mih hiern! - 2. `hässlich, abstoßend, unansehnlich, widerwärtig´; du wirst´ch ne goarstch an Myrtnkränzl ausnahm. - 3. `kaputt, alt, marode, morsch, verschossen´; dar dichte Ieberzug sitt schunne sihre goarschtch aus.

Goartheel m. (selt. n.) `Eberreis, Eberraute (Artemisia Abrotanum L.)´, früher als Teepflanze gegen Magen- u. Darmkrankheiten verwendet, heute noch als Zierpflanze in Gärten gezogen, wegen ihres starken Duftes gern in Sträußen unter andere Blumen gemischt; Goartheel is a schienes Richl, doaas de Weiber friher immer mit a de Kirche noahm. Auch: de Goartheele f.

Goas m. (alt), n. (neu) `Gas´. 1. `Stadtgas, Gasflamme, Gasherd´; dr Toop kimmt uff´m Goas. - 2. Nordböhmen `Petroleum´; enn Liter Gas. Lautf.: Gas (gedehntes a).

Goasche (gedehntes oa) f.`Gaze: durchsichtiges Gewebe´.

Goaschetierdl, Goaschetierl n. 1. allg. `mit Gaze bespannter Türrahmen (zwecks Luftzufuhr zu den Speisen und Insektenabwehr)´. - 2. `Gazetür zwischen dem auf Pfoten stehenden Ober- u. dem Unterschrank beim Brotschrank´. Lautf.: Siehe Tiere!

Goaschwitz `Kaschwitz (Ort der Gemeinde Panschwitz-Kuckau im °BZ)´; de Goaschwitzer.

Goasse f. Dim. Gassl `Gasse: Schlüpfe, Durchgang zwischen (zwei) Häusern od. Gehöften, schmaler Weg, kleine Straße´.

Goatche (gedehntes oa) f. `Gattung´. 1. abgeschwächt `Gesindel; negativ in Erscheinung tretende Gesellschaft, Sippschaft´; mit dar dichtn Goatche will´ch nischt gemeene hoann. - 2. `wilde Kinderschar´. Lautf.: Goatcht Hirschfel-de, Goattche, Goartche.

Goatterch m. scherzh., (abwertend ) `Ehegatte´; mei Goatterch hoat wieder ´n Hucksttag vergassn.
Goatterch m. °BZ Sohland, Langburkersdorf , Burkau `Hosenschlitz´; Hosngoatterch. Siehe auch Kafer u. Kaffer!

Gobe f. `Gabe´. 1. `Geistesgabe, Anlage, Talent´. - 2. `Spende, Almosen, Dankopfer´. - 3. Oderwitz `Dosis´; iech muss oan Tage zwee Gobm vu dann dichtn Truppm einahm. Lautf.: umg. Goabe.
Gobe f. Dittelsdorf, Nordböhmen `grobe, unfreundliche, plumpe Frau´; wenn´ch die aale Gobe schunn sah, die kennst mer nackch uff´m Bauch binn.

Gobl (gedehntes o) siehe Goabl!

Gockerch m. Niedercunnersdorf `(betrunkene) Pers., die stockend redet´. Vgl. Geckerch!
Gockerch m. Steinigtwolmsdorf, Neukirch `Gockel; neugierige männl. Pers.´ Lautf.: Gackerch Oberlichtenau.

gockerfuffzn Adv. dass. wie gockerneunzn.

gockern swv. 1. `lange, Flüssigkeit verlierend kochen´; ´s Mittchassn gockert schunn anne Stunde uff dr Koarnoane. - 2a. `dumm schwatzen, albern reden´. - b. `stockend reden, stottern (bei Betrunkenen)´, vgl. geckern! - c. °NOL Wiesa `gackern (wie die Hühner)´. - d. Altbernsdorf `unterdrückt lachen´. - e. Schlesien `herzhaft lachen´.

gockerneunzn Adv. `spätabends´; ´s is schunn gockerneunzn.

Gockerze f. Dittelsdorf, Cunewalde `Essen, das lange gekocht und viel Flüssigkeit verloren hat´.

Gockl m. `Gockel´. 1. wie litspr. meist kindlich `Haushahn´, auch Gocklhoahn. - 2. übertr. `hochmütig herumstolzierender, komisch wirkender, aufgeputzter Kerl´.

Gocklch m. sWestlausitz dass. wie Gockl.

Gocksch m. Dim. Gackschl (Obercunnersdorf, Burkau) od. Gockschl (Jonsdorf, Großschönau, Altbernsdorf), Goackschl (°NOL Königshain). 1a. `Haarknoten, aufgesteckter Zopf, Haarnest der Frauen´; de ahln Weibsn drähn´ch´s Gackschl salber. "Wuhie mit´n Lodn?" - "Mach dr ann Gocksch, do senn se ufgeräumt!" Siehe auch Naastl unter Naast! - b. Hirschfelde `bunter Aufsatz auf einem Hut´. - 2. Neugersdorf `Truthahn´. - 3. a aaler Gocksch (Ostlausitz) `ein seltsamer Kerl´. Lautf.: Goacksch.

Gokelei f. dass. `Spielerei mit dem Feuer´; auch Geekelei.

Gokl f. scherzh. Girbigsdorf `Lampe, Kerze´.

Gokllampl n. siehe Geekllampl!

Goklmannl dass. wie Geeklmannl.

gokln swv. `gokeln: mit Feuer spielen´; doaas Gegokl, die Gokelei; de Scheune is oabgebrannt, do warrn wull de Kinder gegoklt hoann! Warnung der Kinder vor dem Gokeln: "War goklt, seecht´ch ei!" Siehe auch geekln!

Golaatschn (gedehntes o, gedehntes a) siehe Goltschn!

Golo m. abwert. Süd- u. Ostlausitz 1. `sonderbarer, ungeschickter Mensch; Tollpatsch´; Golo spielt Solo. - 2. `Bösewicht, Unhold; grobe, ungehobelte männl. Person´.

Goltschn, Gooltschn siehe Gultschn!  

Goochheel n. `Roter Gauchheil od. Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis)´, eine Pflanze, die in der Volksmedizin Geisteskranke heilen u. gegen Gicht helfen soll.

Goolhoammer siehe Guldoammer!

Goot siehe Gutt!

Gootstieschrook siehe Guttstieschrook!

Gotl (gedehntes o) m. 1. RN, Kurzform von `Gottlieb u. Gottlob´. - 2. `Sonderling; einfältiger, ungeschickter, begriffsstutziger, seltsamer Kerl´; RA: Waajn dann Gotln war´ch mer de Bräutchnhosn ne bescheißn. - 3. Oderwitz `ungehobelte, unhöfliche, rücksichtslose männl. Pers.´ - 4. `Bettler´. - 5 n. siehe Harrgutt u. Harrguttl! Lautf.: Gottl Westlausitz.

Gotlch (gedehntes o) m. Cunewalde, °BZ Sohland, Wehrsdorf 1. dass. wie Gotl 2. - 2. `heruntergekommener, verwahrloster Mann´.

Graajgl siehe Kraajgl!

graajgln siehe kraajgln!

Grabl siehe Groabm!

Grafmhoarn `Gräfenhain (Ort der Stadt Königsbrück im °BZ)´. Lautf.: Grafm-, Gräfm-, -hoarn, -hoan, -hoajn.

Gräler (gedehntes ä) m. `durch Kratzen entstandener Schandfleck, Kratzwunde, Kratzer´; du hoast ann Gräler a dr Autotiere. Lautf.: Kräler, Gräller.

Grälerch (gedehntes ä) m. Ober- u. Niedercunnersdorf dass. wie Gräler. Lautf.: Krälerch, Grellerch, Grällerch Westlausitz.

grälern (gedehntes ä) swv. Oderwitz `mit den Nägeln kratzen; Kratzer machen´; mit dan spitzschn Fingernaajln koannst der´sch Gesichte ufgrälern. Lautf.: krälern, grällern, krällern.

gräln swv. selt. `kratzen, Kratzer erzeugen, (Erde) auflockern´. Lautf.: kräln.

Gräls (gedehntes ä) m. Leutersdorf dass. wie Gräler. Lautf.: Kräls.

gräm swv. refl. `grämen: sich ärgern u. dabei missmutig sein´; gräm dch oack ne waajn dann Hurnuchsn!

Grämper (kurzes ä) m. Obercunnersdorf, Oderwitz `Kremser: offener Wagen mit Verdeck´; Grämperfuhre, Grämperfoahrn. Lautf.: Krämper.

granatch (erstes a kurz, zweites gedehnt) Neukirch Adj. `granatig: gewaltig, sehr, groß, viel, stark, (eine Steigerung ausdrückend)´; mei Schwoger hoat ann granatchn Sturzl a dr Krune `mein Schwager ist sehr betrunken´; ann Granatchn sitzn hoann; iech krigte Granatche uff´s Hindervirrtl; de verpuchtn´ch ganz granatch. Lautf.: groanatch, granatsch Schirgiswalde, groanoatch.

grande siehe gerande!

Granit m. `Granitgestein, bestehend aus Quarz, Feldspat u. Glimmer´; zwischen Elbe und Neiße größte Granitplatte in Mitteleuropa. Der Volksmund unterscheidei nicht zwischen Granit und Granodiorit. Lautf.: Groanit.

Granitschadl m `Granitschädel: Dickkopf, sture Person´; mer Äberlausitzer hoann ann Granitschadl; dr Nubber is a Äberlausitzer Granitschadl. Lautf.: Groanitschadl.

Granze f. `Grenze´. 1. `Landes-, Gemarkungs-, Grundstücksgrenze´; dar is lange ieber de Granze `er hat sich der Justiz entzogen´. Kinderreim: Didl didl (Widl widl) Wanze, iech bie uff denner Granze Oderwitz. - 2. `Grenze des Erlaubten´; doaas woar groade noa su oa dr Granze.

Granzer m. `Grenzer: Wachtposten, Grenzpolizisten, Zollbeamter an der Grenze´.

Granzgänger m. `Grenzgänger: Schmuggler, Pascher´.

Granzjaajer m. `Grenzjäger´, dass. wie Granzer.

Granzsteenricke f. Wehrsdorf, Steinigtwolmsdorf `Steinrücken an Flurgrenze: großer, meist langgestreckter, mit Dornen und Sträuchern bewachsener Haufen von abgelesenen Feldsteinen zwischen den einzelnen Besitzungen´.

grapern siehe krapern!

gräpln siehe kräpln!

grätch Adj. `giftig wie eine Kröte, unleidlich, unverträglich, schlecht gelaunt, zänkisch, bösartig, ungenießbar, gereizt´; deine Frooe is aber wieder grätch heute. Lautf.: grätsch Spitzkunnersdorf, Zittauer Gebirge, krät(s)ch.

Gräte f. 1. wie litspr. `Teil des Fischgerippes´. - 2. nur im Pl. `Knochen, Beine´; brich dr ne de Grätn! - 3. bei Kamenz `Ährenstachel, Granne bei Gerste u. Roggen´. Siehe auch Groanne!

Gräte f. 1. wie litspr. `Kröte (Bufo vulgaris)´; kleene Grätn hoann vill Gift. RA: fer´n Froosch anne Gräte kriegn `schlecht tauschen´. Siehe auch Hausgräte! - 2. übertr. `böses, unausstehliches od. freches Kind´; die Gräte macht mer oalls zu Schure; Kreizhagelsgräte, Haglsgräte, Lausegräte, Murdsgräte, Saugräte. - 3. Pl. Grätn `Geld, Moneten´; mit dan poaar Grätn kumm´ch ne weit. Lautf.: Kräte. Siehe auch Hätsche!

Grätnprelle f. `Wippe (Brett über Stein), mit der eine aufgeblasene Kröte od. ein Frosch ins Wasser geschossen wird´. Siehe prelln!

Grätnprelln siehe prelln!

Grätnrädn Pl. Niedercunnersdorf `Krötenreden: niederträchtige Reden, giftige Bemerkungen, Spott´; a hutte schunn immer siche hämsche Grätnrädn. Lautf.: Krätnrädn.

Grätnschnelle f. Jonsdorf 1. dass. wie Grätnprelle. - 2. übertr. `Sprungschanze aus Schnee mit nach oben gerichtetem Absprungstisch´.- 3. Spitzkunnersdorf `etwas (von Kindern) Selbstgebasteltes, das nicht stabil ist und an dem man sich verletzten kann´; woaas hoast´n do wieder fer anne Grätnschnelle gebaut?

Grätnseeche f. `flüssige Absonderungen der Kröte´; RA: Die is giftch wie Grätnseeche. `Die (Frau) ist in ihrem Charakter sehr giftig, ungenießbar, unausstehlich´.

Grätnstecher m. verstr. Ostlausitz `Krötenstecher: kleines, (stumpfes) Küchen- od. Taschenmesser´. Lautf.: Krätnstecher.

Gratscherei (gedehntes a) f. Lauba `Tändelei, Trödelei, langsames u. liederliches Hantiere´.

gratschln (gedehntes a) swv. 1. `unsicher u. vorsichtig gehen, beim Klettern Schwierigkeiten überwinden´; ba dann Eise uff dr Stroße muss ees aber gratschln. - 2. verstr. `wie eine Ente watscheln´. 3. Nordböhmen `grätschen: die Beine seitwärts spreizen´. Lautf.: grätschln, kratschln, krätschln.

gratschn (gedehntes a) swv. 1. sOstlausitz dass. wie gratschln. - 2. Lauba, °NOL Königshain, Schlesien `langsam u. schlecht arbeiten, unsinniges tun´; an Häusl goab´s immer woaas zu gratschn und zu klampern. Lautf.: kratschn (gedehntes a).

grätschn swv. siehe krätschn!

grattschn siehe groattschn!

Grau m. `Grauen: Ekel, Abscheu, Schrecken´; iech hoa ann Grau dervoo.

grauln swv. `graulen: jmdn. angenehm mit den Fingerspitzen (unter dem Kinn) reiben, streicheln, krabbeln´; wenn´ch diech graule, schnurrscht de wie unser Koater.

graun swv. in der Fügung mir graut `ich empfinde Abneigung, Ekel, Abscheu, Furcht´.

Graupe f. `enthülstes Gerstenkorn´; RA: de Graupm dicke hoann `es satt haben´; Graupm an Kuppe hoann `Hirnge-spinste, verrückte Ideen haben´; dar frisst serr Froon o noa de Graupm aus´n Oarsche! `Der macht alles, was seine Frau wünscht´.

Grauplputz m. 1. `grobkörniger Putz für Außenwände von Gebäuden´. - 2. `Kleinkram, Kleinigkeiten´; doaas is oack Grauplputz.

Graus m. dass. wie Grau!

grausoam Adj. Adv. 1. `schrecklich, schlimm, entsetzlich, furchtbar´; mer hoann missn zwee Stunn oaastihn, ´s woar grausoam. - 2. Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird `sehr, groß´; a hoat grausoam rimgebrillt. Lautf.: grausn.

Grauter siehe Krauter!

greifm stv. iech greif(e), du greffst, mer greifm, iech greef od. grief, iech hoa gegriffm `greifen´; RA: enn under de Oarme greifm `jmdn. unterstützen´.

Greschl n. siehe Gruschn!

Greschlgeld n. Weifa `Klappertopf (Rhinathus)´, auch Geld, Gaajld, Toaler, Pfennglkraut, Toalerkraut, Klaffer (Ostlausitz).

Griebl n. `Grübchen´: Poatngriebl, auch Poatnlechl.

Griebsch m. Dim. Griebschl, Pl. Griebsche mSüdlausitz 1a. `Überrest eines gegessenen Apfels od. einer Birne, Kerngehäuse des Obstes´ - b. verächtlich für `(unreifes, minderwertiges, zu klein geratenes) Kernobst´. - 2. `Kehlkopf, Gurgel (des Menschen), Adamsapfel´; enn benn Griebsche hoann, nahm. - 3. °NOL Königshain `unartiges Kind´. Lautf.: Griebs wSüdlausitz ( ab Crostau in westlicher Richtung); Griebscht söSüdlausitz, sOstlausitz.

Grief m. `Griff´. 1a. wie litspr. `Handhabe an Gegenständen (bes. Fächer u. Werkzeuge) aller Art´. - b. Südlausitz (außer wSüdlausitz), nwOstlausitz `Sensengriff, Sensenhandhabe´, auch Knäbl od. Saajnzngrief. - 2. siehe Handgrief! - 3. Niedercunnersdorf Grief hoann `Wirkung zeigen´; dr Hoajnebuttnwein hutte Grief. - 4. in der Wendung enn od. woaas an Griffe hoann `jmdn. od. etw. beherrschen´. Lautf.: Greef, Griff.

Griefe f. `Griebe´. 1. wie litspr. `der beim Ausbraten übrigbleibende feste Rückstände des Speckes´; Speckgriefe. - 2. `Bläschenausschlag am Mund´. - 3. `im Wachstum zurückgebliebene Person, bes. Kind´; die kleene Griefe hoat aber anne gruße Gusche. Lautf.: Griebe.

Griefmfett n. `ausgelassenes Schweinefett mit Griefen´. Zur Herstellung von Griefenfett werden Speck, Schweineschmalz und Zwiebeln verwendet; Griefmfettschniete. Lautf.: Griebmfett.

Griems m. 1. Seifhennersdorf `Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra)´; dr Griems singt, wie de jungn Griemse aussahn. - 2. übertr. a. Neugersdorf `kleiner, (frecher) Junge; Grünschnabel´. - b. `Jungtier´. - c. Neugersdorf, Leutersdorf `alte, ungeschickte, unselbstständige männl. Pers.´ Lautf.: Kriems.

Griemsgroms m. 1. `Griesgram: missmutiger, mürrischer, unleidlicher Mensch´. - 2. abwert. `Krimskrams, Habseligkeiten, Gerümpel, Plunder´. Lautf.: Griemsgroams.

Griendurschtch siehe Grinndurschtch!

griene Adj. grinner od. griener, oan grinnstn od. grienstn `grün´. 1. wie litspr. `von grüner Farbe´; groasegriene, meegriene, giftgriene, tschitscheringriene `grellgrün´, griene Ogn. - 2. `frisch, saftig, nicht dürr´; RA: uff kenn grinn od. grien Zweig kumm. - 3a. `nicht reif (Obst u. Früchte)´; dar schnurpst de Äppl griene rei. - b. übertr. auf den Menschen `kindlich, unerfahren aber vorlaut, nicht aufgeklärt´; Nubbersch Klenner is noa griene hindern Uhrn. - 4. `ungesalzen, ungeräuchert, ungekocht, frisch´; griene Harche `ungeräucherte Heringe´; grinner Spaajk `ungeräucherter roher Speck´; grienes Fleesch `frisches, ungeräuchertes Fleisch´; griene Butter `frische Butter´. - 5. in Wendungen a. enn (ne) griene senn `jmdn. (nicht) leiden können, jmdm. (nicht) gewogen sein´. - b. wie de griene Siebm aussahn `bleich aussehen´. - c. Interj. oach, du griene Neune! `Ach, du Schreck!´ - 6. Griene subst. a. veralt. `Polizei; griene Minna `Gefängniswagen, Polizeiauto´. - b. veralt. `Jäger; dohiebm kimmt a Grinner. - c. `politische Denkrichtung, Partei der Grünen´; iech hoa de Grinn od. Grien gewählt. - 7. Griene subst. `Spielkarte Blatt (Pik)´; dar kimmt mit Griene `der spielt Pik aus´.

Grienrook m. Dim. Grienrickl scherzh. `Grünrock: Pers. mit grünem Mantel oder grüner Jacke; Förster, Jäger´.

Grienzeug siehe Grinnzeug!

Griepz `Kriepitz (Ort der Stadt Elstra im °BZ)´.

Grießboajttl m. `Grießbeutel: vergrämte, missmutige, mürrische männl. Pers., Griesgram´.

Grieschl n. `etw. Kleines´. 1a. Süd- u. Ostlausitz `kleine Pflaumensorte; kleine, blaue, veredelte Schlehen; Eierpflaume; ungepfropfte, unveredelte wilde blaue od. gelbe Pflaume´; Grieschlboom. - b. °NOL Wiesa `vorzeitig heruntergefallenes, verkümmertes, verdorrtes Obst wie Pflaumen, Birnen u. Äpfel´. - 2. mnSüdlausitz, West-, Neu- u. Ostlausitz `(frisch aus dem Ei geschlüpftes) Gänschen od. Entchen´. - 3a. übertr. `(unreifes) Kind´; dummes Grieschl. - b. `kränkliches, zurückgebliebenes Mädchen´; a klee Grieschl. Lautf.: Grischl, Grietschl, Krischl, Gruhschl (Anton), Kruhschl, Kruhtschl.

grieschlch Adj. `grießig, körnig´; dr Quoark is grieschlch. Lautf.: grischlch.

grieschlgaale Adj. `gelb wie die frisch aus dem Ei geschlüpften Gänschen, gelb wie eine wildgewachsene gelbe Pflaume´. Lautf.: grischlgaale, gruhschlgaale.

grieschn swv. (refl.) Süd- u. bes. Ostlausitz `durch Gebärden verhaltenen Grimm und Hohn (über empfangene Züchtigung) zeigen, grinsen, Gesicht verzerren, Grimassen schneiden, hämisch lachen´; a grieschte derzu, oas wenn´r Tinte gesuffm hätte; a lacht´ch und griescht´ch ees.

Grieße f. `Größe: Ausdehnung´; a stund a Labmsgrieße ver mir.

grieslch siehe krieslch!

grießlch Adj. `wie Grieß aussehend, körnig, bröckelig, flockig (bei Butter oder Quark)´; anne grießlche Haut `eine Gänsehaut´.

griesln swv. verstr. Süd-, West- u. Ostlausitz `frösteln; vor Kälte, Furcht, Ekel erschauern; eine Gänsehaut bekommen´; miech grieslt; wenn de sicke Geschichtn derzählst, grieslt´s glei ba mir; dar hoat miech mit dr Nessl gehoon, miech toa´t´s griesln.

grießln swv. 1. `beim Buttern Fett in Flöckchen ausscheiden´; ´s od. de Butter grießlt. - 2. `feine Flocken schneien´; irscht hoat´s gegrießlt, anu flammlt´s.

Grietsch m. Dim. Grietschl 1. Süd- u. Ostlausitz, Nordböhmen `minderwertiges, verkrüppeltes, zu klein geratenes od. unreifes Stück Obst, Frucht mit Auswüchsen; zu kleine Hackfrucht´; - 2. Grietschl Cunewalde `kleine, ungepfropfte, unveredelte wilde blaue od. gelbe Pflaume´. Siehe auch Gruhtsch u. Grintsch! Lautf.: Krietsch.

grimm swv. mer grimm´ch, mer grimmtn´ch  od. grummtn´ch Seifhennersdorf 1. intrans. `jucken, Hautreiz empfinden, schmerzen´; ´s grimmt´n a senn Zinn; Drohung: Dir grimmt wull´s Faal! - 2. trans. refl. `sich reiben, kratzen´; dr Miller grimmt´ch. Lautf.: krimm Schlesien.

Grimme f. Seifhennersdorf `Kratze´. Vgl. Krimme!

grimmern selt.Süd- u. Ostlausitz dass. wie grimm; mer grimmert´s Faal. Lautf.: krimmern.

Grindl n. (Dim. zu Grund) `kleine Talvertiefung, kleine Talmulde, kleine Felsschlucht´.
Grindl n. selt. m. `der obere lange Pflugbalken aus Holz oder Metall, an dem die arbeitenden Teile des Pfluges angebracht sind u. der vorn auf dem Sattel des Vorderpfluges ruht´; Grindlkäte `starke Kette, mit der der Hinterpflug (am Grindl) an den Vorderpflug gehängt wird´.

Grinitz, Grinz m. Schirgiswalde `Kreuzschnabel, Fichtenkreuzschnabel ( Loxia curvirostra)´, auch Griems.

Grinndurschtch, Grinndursch (gedehntes u) m. `Gründonners-tag´. 1. `Donnerstag vor Ostern´; Grinndurschtchwoasser. Am Gründonnerstag ziehen unverkleidete Kinder mit einem Bettelsäcklein von Haus zu Haus und erbitten sich hartgekochte Eier, Modellierbögen, Münzen, Nascherein oder andere kleine Geschenke durch das Singen od. Schreien eines Gründonners-tagversleins von folgender Art: Gunn Murgn zun Grinndurschtche, gatt mer woaas an Battlsaak, ne zu vill und ne zu winngk, doaas mer ne dr Saak zerspringt! (Obercunners-dorf). Neusorge: Gunn Murgn, iech kumm zun Griendunnschtch, gabt mer nischt, do kumm´ch imsunst, de Kechn hoat ann bloon Rook und langt o schunn ein Eiertoop. Se wird sich wull bedenkn und wird mer wulln woas schenkn. - 2. `erfochtene Gabe od. Geschenk zum Gründonnerstag (von den Paten)´; iech hoa menn Grinndursch(tch) schunn ufgefrassn; mei Griendurnschch is oalle Juhre anne Poatnsamml. Lautf.: Grinn-, Grien- -durscht, - durschtch, -durnsch, -durnschtch - dunnsch, -dunnschtch; Grinner Dursch (Nieder-cunnersdorf).

Grinndurnschtchsamml f. siehe Striezl u. Poatnsamml! Lautf.: Siehe Grinndurschtch!

Grinnfutter n. `frisch gemähtes Gras, Klee od. grünes Kraut, das den Haustieren verfüttert wird´, meist nur Futter. Lautf.: Grienfutter.

Grinnhämpftlch m. `Grünhänfling, Grünfink (Carduelis chloris)´. Lautf.: Grinn-, Grien-, -hämpf(t)lch, -hämf(t)lch, - hampf(t)lch, -hamf(t)lch. Auch nur Hämpflch.

Grinnzeug n. `Grünzeug: grüne Kräuter, die zu Speisen (Salat, Brotbelag) verarbeitet werden oder die zum Würzen dienen; Suppengrün, Wurzelwerk´. Lautf.: Grienzeug.

Grinnzeugfrooe f. Oberland `weibl. Pers., die mit Kräutern und Gemüse handelt´. Lautf.: Grienzeugfrooe.

Grinnzeugmoan m. Oberland `männl. Pers., die mit grünen Kräutern und Gemüse handelt´; dr Schimmer Grinnzeugmoan. Lautf.: Grienzeugmoan.

grinsln swv. Anton dass. wie grinsn.

grinsn swv. Westlausitz, Sächs. Schweiz `weinen, weinerlich klagen, unzufrieden sein´; de Aale grinste baale ver Wut.

Grintsch (kurzes i) m. Dim. Grintschl Pl. Grintscher Jonsdorf, Wittgendorf, Ostritz `minderwertiges, verkrüppeltes, zu klein geratenes od. unreifes Stück Obst; zu kleine Hackfrucht´; Äpplgrintsch; die Grintscher senn oack fer Äpplpoappe gutt. Lautf.: Grinnsch, Gruntsch od. Kruntsch Schönau-Berzdorf, Grientsch Girbigsdorf. Siehe auch Grietsch u. Gruhtsch!

grintschlch Adj. sSüdlausitz, msOstlausitz `minderwertig, schrumplig, verkrüppelt, zu klein geraten, mit Schorf behaftet (bei Obst od. Früchten)´; grintschlche Abern.

grintschln (kurzes i) swv. sSüdlausitz `schrumplig werden, kleiner u. dabei faltig werden, wursteln´; zusoammgrintschln.

grippch Adj. `grippig: mit Grippe (Infektionskrankheit) behaftet, Grippe verursachend´; heute is grippches Water, mer woarrn oalle a bissl grippch.

Grischl n. siehe Grieschl!

Grischlch söSüdlausitz dass wie Grieschl 1.

grischlch siehe grieschlch!

grisser siehe gruß!

grisslch siehe krieslch!

grissn swv. `grüßen´; luss dch oack grissn! `guten Tag´; griss´ch Gutt oalle minander! Bie oack villmols gegrisst vu denn Moanne.

grisstnteels Adv. `größtenteils: überwiegend, meistens´.

Gritze m. (alt), f. `Grütze´. 1a. `geschrotete oder gestampfte, von allen Hülsen befreite Körner von Gerste, Hafer, Weizen, Buchweizen, gröber als Gries´; dr Gritze is eigefrurn. - b. `aus grob gemahlenem Getreide bereiteter Brei´; Hoabergritze, Heedegritze, Gritzepoappe. - 2. `Verstand, Vernunft´; dar hoat kee bissl Gritze an Kuppe.

Gritzeblume f. Westlausitz `Grützeblume: Wiesenschaumkraut´.

Gritz(e)wirschtl n. `minderwerte Wurstsorte mit grobgemahlener Fülle von Fleisch und Blut, Gewürzen und mit viel Grütze (Buchweizengrütze) gestreckt´; zun Schweine-schlachtn gibbt´s Laber- u. Gritzwirschtl. Auch Gritz(e)wurscht f. Lautf.: Gretzeworschtl Westlausitz.

Gritzkupp m. Schimpfwort `Grützkopf: Person, die Unfrieden stiftet; Stänkerfritz, Stinkstiefel´.

gritzn swv. sSüdlausitz `grützen: stänkern, Unfrieden stiften´.

Groab (gedehntes oa) n. Dim. Grabl, Pl. Graber `Grab´. 1. litspr. `ausgehobene Grube für den Verstorbenen, Ort der Bestattung, Begräbnisplatz; Erdhügel, unter dem ein Toter liegt´; RA: Du wirscht´ch noa amol an Groabe imdrähn! `Das verfolgt dich bis in den Tod´; mir hoann´r o noa a Lied as Groab neigesungn.  - 2. `Beerdigung´; zu Groabe gihn `zur Beerdigung gehen´; de Leichnwäschern kimmt zu Groabe bittn. - 3. `Tod´; ieber´sch Groab raus tät´ch´s euch dankn; as Groab nei dankn.

Groabebitter m. Schirgiswalde, Lauban `Person (Schulmeister, Totengräber, Leichenwäscherin), die zum Begräbnis einladet´; an Groabebitterschriet gingk´s uff heemzu. Siehe auch Leichnbitter!

Groabebittn n. veralt. in der Wendung Groabebittn gihn `zur Leichenbegleitung einladen´.

Groabegangk m. Bihms Koarle `Grabgang: Begräbnis, Teilnahme an der Beerdigung´; iech muss zun Groabegange as Nubberdurf.

Groabegoabl f. `Grabegabel: gabelartiges Gerät mit mehreren, meist vier, breiten Zinken aus Stahl u. langem Holzstiel zum Umgraben schweren, feuchten Gartenlandes´.

Groabeleute f. Ober- u. Niedercunnersdorf `Gesamtheit der weitläufigen Verwandten, Bekannten u. Freunde, die am Begräbnis teilnehmen´; undern Groabeleutn woarrn oack drei Trauerche `unter den Teilnehmern am Begräbnis waren nur drei Familienangehörige´.

Groabelooch n. Dim. Groabelechl `Grabloch: ausgehobene Grube, in der ein Verstorbener beerdigt wird´. Lautf.: Groabe-, Groawe-, -looch, -loch, -luch.

Groabemohst f. Südlausitz dass. wie Trauermohst. Lautf.: Groabemohlst Eibau.

Groabm (gedehntes oa) m. Dim. Grabl. `Graben: natürlicher od. künstlicher Einschnitt in der Erdoberfläche´; Groabm räum `Gräben sauber ausstechen´.

groabm (gedehntes oa) stv. iech groab(e), du gräbst, mer groabm, iech grub, iech hoa gegroabm `graben´. 1. wie litspr. `(mit der Schaufel, dem Spaten od. den bloßen Händen) Erde ausheben´. - 2. `Kartoffeln mit der Hacke ernten´; mer wulln heute noa Abern groabm.

Groabmräume f. selt. `Grabenräume: Aushub aus verschlammten Gräben´. Lautf.: Groamräume Westlausitz.

Groabscheit n. Süd- u. Westlausitz `Grabscheit: (hölzerner) Spaten´. Lautf.: Groab-, Groabescheit, -scheet. Lautf.: Groabscht.

groabschn (kurzes oa) siehe groapschn!

Groabsteen m. `Grabstein, Leichenstein´.

Groad m. Süd- u. sWestlausitz, Burkau in der Wendung seine Groade hoann/kriegn `zornig sein/werden, schlechte Laune haben´.

Groadche (gedehntes oa) f. selt. `Gerät, zum begradigen einer Fläche; Drahtbesen´. Lautf.: Groadsche Neugersdorf, Seihennersdorf.

groadchn (gedehntes oa) swv. `begradigen; eine unebene Fläche begleichen, einen Weg mit dem Besen abrechen´. Lautf.: groadschn.

groade Adj. `gerade´. 1. `durch 2 ohne Rest teilbar´. - 2a. `geradlinig, nicht krumm´; groade rieber `gegenüber´. - b. `aufrecht, lauter, ehrlich´. - c. `direkt´; iech bie menner Schwiegermutter groade a de Oarme geloofm. - d. `genau´; a sitt groade su aus wie sei Voater. - e. `erst recht, zum Trotz´. "Doaas doarfst de ne machn!" - "Oju, groade!" - 3. `genau zu jener Zeit, soeben, jetzt´; mer senn groade derbei. - 4. `knapp bemessen´; ´s woar groade su vill. - 5. mit Verneinung; se is ne groade de schinnste. Lautf.: geroade, groad, geroad.

groaderaus Adv. `direkt, ohne Zurückhaltung, offen sprechend, derb im Ausdruck´; meine Frooe is groaderaus. Lautf.: geroaderaus, groadraus.

groaderieber Adv. `gegenüber´; groaderieber vu dr Schänke.

groadesu Adv. `genauso, ebenso´; diech verpuch´ch groadesu wie´n langn Bitterch.

groadezu Adv. `geradezu: gerade heraus, aufrichtig, direkt, ehrlich, ungeschminkt, ohne Umschweife´. Lautf.: groadzu.

groadewaajgs Adv. `immer auf dem Wege geradeaus, direkt, ohne Umweg´.

groam siehe grom!

groamhoaftch Adj. 1a. selt. `griesgrämig, mürrisch´. - b. Ostlausitz, Schlesien `missgünstig, kleinlich´. - 2a. `habgierig, ungenügsam´; ieß ne su groamhoaftch, iech nahm de´sch ne weg! - b. `geizig´. - c. Diehsa `sündhaft verschwenderisch´. Lautf.: gromhoaftch.

Groanit siehe Granit!

Groanitschadl siehe Granitschadl!

Groanne f. `Granne´. 1. `Ährenstachel (bei Gerste)´. - 2. übertr. `etw. Kratziges; z.B.: Gräte (vom Hering)´.

groan(o)atch siehe granatch!

Groapsche (kurzes oa) f. selt. `Hand´; in der Wendung a de Groapsche schmeißn `Münzen od. Süßigkeiten zum Fangen unter die Kinder werfen´.

groapschn (kurzes oa) swv. `grapschen´. 1. `(rasch, hastig, gierig) nach etw. greifen´; wie zu DDR- Zeitn dr Verkeefer de Boanoankiste hiestellte, hättst de sulln de Leute groapschn sahn! - 2.`Geschlechtsteile des anderen Geschlechts anfassen´; ba dr Heemschoaffche a bissl groapschn. Auch begroapschn. Lautf.: groabschn.

Groas (gedehntes oa) n. wie litspr. `Gras´; Groas hoon. RA: Wu dar hieloaatscht od. hiehoot, wächst kee Groas mih. RA: Dar sitt´s Groas wachsn `der bekommt alles mit´; as Groas beißn `sterben´.

Groasgoaartn m. `Garten mit Wiese und Obstbäumen´; hinder ann Weichslkirschboome an Groasegoaartn stitt a Moan. Lautf.: Groasegoaartn, Groas(e)goartn.

groasegriene Adj. 1. `grün wie Gras, sehr grün´. - 2. übertr. `unreif´.

Groas(e)micke f. `Grasmücke (eine Vogelart)´.

Groasezeis´ch m. `Girlitz (Serinus serinus)´. Lautf.: Groasezeis´sch Großschönau.

Groashipplch m. dass. wie Groashupper. Lautf.: Groasehipplch.

Groashupper m. `kleine grüne Heuschrecke´. Lautf.: Groasehupper.

Groasloacker Pl. Neusalza-Spremberg `Graslocker: letzte Schneeflocken im Frühling´; doaas senn oack Groasloacker.

Groasmaajdl n. 1. °NOL Königshain `Birkenpilz´. - 2. Obercunnersdorf, °ZI Friedersdorf `ein (schmieriger) Pilz der unterschiedlichsten Pilzart, der im Gras wächst´. Lautf.: Groasmaajgl, Groasmardl, Groasmadl Königshain.

Groasmetsche (gedehntes e) f. `Gartengrasmücke (Sylvia borin)´, auch Gruße Groashitsche (Großschönau), Goartnvogl (Crostau), Goartnsänger. Lautf.: Groasemetsche Neugersdorf.

groasn swv. Ostlausitz `Gras sicheln (am Feldrain)´; a giht fer de Koarnickl a bissl groasn.

Groasschneppe f. Großschönau `Wachtelkönig (Crex crex)´, eine Vogelart. Lautf.: Groaseschneppe.

Groastuch n Dim. Groastichl `Grastuch: großes Tuch zum Gras od. Futter einbinden und befördern´. Lautf.: Groasetuch; Groastch, Groastsch Nordböhmen.

groateliern swv. `gratulieren´.

Groattsche f. Ostlausitz abwert. `Hand´. Lautf.: Groitsche Königshainer Berge.

Groattscher m. Niedercunnersdorf `Handwerker, der keine Berufsausbildung hat´.

groattschln swv. dass. wie groattschn. Lautf.: kroattschln.

groattschn swv. 1. bes. msOstlausitz dass. wie groapschn `greifen, tasten, kramen, wühlen´; groattsch oack ne oalls oaa! - 2. Ostlausitz `sich unbeholfen fortbewegen, kriechen, beim Arbeiten trödeln, laienhaft handwerkeln´. Lautf.: grattschn, kroattschn, krattschn.

grob (gedehntes o) Adj. gräber, oan gräbstn `grob´. 1. `massig´; grober Sand; Sprichwort: Uff ann grobm Klutz gehirrt a grober Keil. - 2. `etwa, ungefähr, großzügig geschätzt´; grob gerecht, kimmt´s hundert Moark. - 3. `derb, rau, forsch, unsanft (beim Anpacken von Personen)´; saaksiedegrob; zu unsn Dukter gih´ch ne, dar is mer zu grob; dar grobe Karle hoat mer wih geton. - 4. `unhöflich, ungeschliffen, nicht einfühlsam; derb, rau, forsch, sehr unsanft (im Charakter u. in der Ausdrucksweise von Personen); du brauchst mer ne glei grob kumm, mer kinn o vernimpftch drieber rädn. RA: grob wie Bunnstruh. - 5. de gräbstn Verwandtn `die nächsten Verwandten´. - 6. `das Wichtigste, das Hauptsächliche´; in der Wendung aus´n Gräbstn raus senn `dem Kindesalter entwachsen sein; die größten Schwierigkeiten, Sorgen überwunden haben´.

grobch (gedehntes o) Adj. Adv. Seifhennersdorf, Oppach `grob: derb, rau, forsch, unsanft´; grobch oaapackn.

Grobheet (gedehntes o) f. `Schelte, derbe Worte´; wenn doaas dr Voater sitt, setzt´s Grobheetn; mit Grobheetn spoarte dr Bauer ne.

Grohe f. siehe Krohe!

grom (gedehntes o) Adj. in der Wendung grom senn/sein `gram, abgeneigt, feindlich, missgünstig, ernstlich böse gesinnt sein´; bie mer oack ne grom! Lautf.: groam.

groo Adj. Süd- u. Ostlausitz `grau, von grauer Farbe´; koatergroo, oaschgroo; RA: A dr Nacht senn oalle Koatzn groo. RA: Aalt und groo koannst de warn, oack ne frech! RA: Luss dr keene groon Lodn wachsn! Dr Himml wurde groo wie Wurschtfett. Lautf.: groaa Westlausitz.

Grooheetl n. 1. Steinigtwolmsdorf dass. wie Grookuppe. - 2. `ältere Pers. mit grauen Haaren´. Lautf.: Groaaheetl Westlausitz, Grauheetl.

Grookuppe f. Ostlausitz `Graukappe´. 1. `Birkenpilz (Leccinum scabrum)´. - 2. `Hainbuchenröhrling (Leccinum griseum)´.

Groomannl n. `Gute Graue: eine grau gesprenkelte Tafelbirne (alte Birnensorte)´; Groomannlbirne. Lautf.: Groo-, Grau-, -mannl, -männl. Auch Scheißhittlbirne.

Groomannlbirne f. dass. wie Groomannl; weech wie anne Groomannlbirne.

groon swv. `grauen´. 1. `grau werden, ergrauen´. - 2. `dämmern´; dr Tag groot.

Groosperrlch m. Crostau `Grauammer (Emberiza calandra)´.

Groß Diebm `Groß Düben (Ort u. Gemeinde im °GR)´. Lautf.: Gruß Diebm.

Grote f. `Grottau´, tsch. `Hradek n. N. (Stadt in Nordböhmen unweit von Zittau)´; de Gretter od. Gräter `die Einwohner von Grottau´.

Grubbzeug siehe Kruppzeug!

Grube f. Ostlausitz `Miete auf dem Acker zum Überwintern von Hackfrüchten´, Abberngrube. Siehe auch Feie u. Feime!

Gruhtsch m. Dim. Gruhtschl od. Grietschl 1. Ober- u. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `altes, stumpfes Messer´. - 2. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `kleiner, unansehnlicher Apfel; grünes Obst´; Äpplgruhtschl od. -grietschl. - 3. `(weibl.) Pers. mit negativen Eigenschaften´. - 4. im Dim.(Oberlichtenau) `frisch aus dem Ei geschlüpfte Gans od. Ente´. Vgl. Grieschl!

Gruhtsche f. selt. `etw. Verkümmertes, Kleines, Unansehnliches; körperlich unterentwickelte, verkümmerte (weibl.) Pers.´. Lautf.: Kruhtsche.

Gruhtscherch m. Neukirch `altes, stumpfes Messer´; a schmieß senn Gruhtscherch as Mährnfoass.

grummln siehe krummln!

Grummt f. od. n. `Grünmahd: Heu, das durch den zweiten und dritten Grasschnitt gewonnen wird´; ´s Grummt giht ver´n Hei weg `die jüngere Tochter heiratet vor der älteren´. Lautf.: Grund, Grunnt Süd- Ost- u. sWestlausitz, Grumbt öKürzungsmundart, Grommt Westlausitz.

Grund f. od. n. siehe Grummt!

Grundsteene Pl. Neugersdorf `Grundsteine, Fundament, Sockel´; de Woaschfassl zer Troige a de Grundsteene oaalahn.

grundtofflch Adj. Westlausitz `einer Sache bis in alle Kleinigkeit auf den Grund gehend, neugierig´. Lautf.: grundtufflch, grondtofflch.

Grune f., ohne Genus `Grunau´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörend östlich der Neiße, poln. `Krzewina´; de Gruner `die Einwohner von Grunau´. Lautf.: Grone.

Grunnt n. siehe Grummt.

Gruntsch (kurzes u) m. 1. mSüdlausitz, Wehrsdorf `altes, stumpfes Messer´. Lautf.: Gruhtsch Obercunnersdorf, Gruntscherch wSüdlausitz. - 2. Neugersdorf, Wehrsdorf, Schönau-Berzdorf, Nordböhmen `kleiner, unansehnlicher Apfel; grünes Obst´; Äpplgruntschl Neugersdorf. Siehe auch Grintsch! Lautf.: Kruntsch.

Gruntscherch m. wSüdlausitz `altes, stumpfes Messer´. Form: Gruhtscherch, Kruhtscherch Neukirch.

gruß Adj. grisser od. grießer (Neukirch, Steina) u. gresser (Westlausitz), oan grisstn od. grießtn u. grestn (Westlausitz) `groß´. 1a. `umfangreich, ausgedehnt, lange dauernd, beachtlich, ´; RA: dr bieseste Hund krigt ´n grisstn Knuchn. RA: Oalls a de gruße Gloacke hängn `alles lautstark ausposaunen, alles aufbauschen´. RA: A hoat de Ogn grisser oas wie´s Maul; grußes Geld. - b. `erwachsen, alt´; gruße Kinder, gruße Leute; unser Klenner is grisser oas wie unser Grußer `unser jüngerer Sohn ist größer von Statur als unser ältere Sohn´. - 2. `bedeutend´. a. von Dingen u. Verhältnissen; a gruß Geschrei im nischt machn; iech haal gruße Sticke vun´r. - b. von Menschen `reich, mächtig, angesehen´; de Grußn wulln nischt gan; dar labt uff grußn Fusse; Sprichwort: De klenn Diebe hängt mer, de grußn lässt mer loofm. - 3. adv. `sehr, oft, lange, viel´; se wird ne gruß zankn.

Gruß Diebm siehe Groß Diebm!

Gruß Krausche f., ohne Genus `Groß Krauscha (Ort der Gemeinde Neißeaue im °NOL)´; Spitzname: Kuhkrausche; de Grußkräuschner od. Kräuschner `die Einwohner von Groß Krauscha´.

Gruß Roadsch (gedehntes oa) `Groß Radisch (Ort der Gemeinde Hohendubrau im °GR)´, meist nur Roadsch; de Roadscher `die Einwohner von Groß Radisch´.

Gruß Särchen `Groß Särchen (Ort der Gemeinde Knappensee im °BZ)´. Lautf.: Gruß Sarchn.

Gruß Saubernitz `Groß Saubernitz (Ortsteil von Gebelzig der Gemeinde Hohendubrau im °GR)´. Lautf.: Gruß Säubernz, Gruß Säubernitz.

Gruschnsamml f. veralt. `Groschensemmel: Semmel, die aus vier bis sechs Teilen in einer Reihe zusammengebacken ist und einen Groschen kostete´.

grußbrutch Adj. Westlausitz, öKürzungsmundart, Sächs. Schweiz `angeberisch, prahlerisch, großspurig, eingebildet, stolz, großtuerisch, vornehm tuend´; grußbrutch tun. Lautf.: grußbrotch (gedehntes o).

Gruschn m. Dim. Greschl `Groschen (alte Münze): 3 Kreuzer; 10 Heller; 10 Pfennige, 10 Cent´.

Grußdahse f. `Großdehsa (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR´; de Grußdahsner od. Dahsner `die Einwohner von Großdehsa´. Lautf.: Grußdähse.

Grußdramz siehe Dramz!

Grußeldern Pl. `Großeltern´; benn Grußeldern goab´s a ganz Spulkirbl Spielzeug. Lautf.: Grußäldern, Grußaajldern, Grußaldern (kurzes a) Zittauer Gebirge, Grußellern öKürzung.

Grußemoajd f. `Großmagd: erste (ranghöchste, älteste) Magd in einer Bauernwirtschaft´. Lautf.: Grußemoard, -moad West-lausitz, Sächs. Schweiz.

Grußemutter f. `Großmutter´. 1. wie litspr. `Oma´. - 2. scherzh. `Bassgeige´; a hängt´ch de Grußemutter iebern Buckl. - 3. Großpostwitz `dickbauchige Kaffeekanne´.

Gruß(es) Neujuhr n. `6. Januar (Epiphanias), Hohes Neujahr, Dreikönigstag´; noa´n Grußn Neun Juhre is kaalt wurn.

Grußer Steen m. `kleiner Berg mit Felsengebilde Goethekopf bei Spitzkunnersdorf´.

Grußes Millerchn n. um Bautzen `Großes Müllerchen: Dorngrasmücke (Sylvia communis)´, auch Heckngroasmicke Schirgiswalde, Durnschmätzer Großpostwitz, Braune Groasmicke.

grußfrass´ch Adj. `großfressig´. 1. `vorlaut, frech, die große Fresse habend´; a soite grußfrass´ch zun Pulezeier. - 2. `großspurig, großtuerisch, prahlerisch, modern aber geschmacklos´; die hoann´ch ihre Bude a bissl grußfrass´ch eigericht.

Grußfrasse m. `Großfresse: Angeber, der ein großes Mundwerk hat´; do hoat´s diech Grußfrasse o amol ausgedoammt.

grußfutzch Adj. vulgär `eine große Fotze (Scheide) besitzend´; doaas Weibsn is grußfutzch, kleenicklch und urnär `das Weib hat ein großes Geschlechtsorgan, ist kleinbrüstig und ordinär´.

Grußgake Spitzname `Großröhrsdorf´ (Stadt im °BZ)´; de Grußgakschn, Gakschn od. Gagschn `die Einwohner von Großröhrsdorf´. Lautf.: Gruß-, Großgage. Siehe auch Rihrschdurf!

Grußgusche f. 1. `großes Mundwerk´. - 2. `Pers., die ein großes Mundwerk hat, übertreibt oder etw. Negatives beschönigt; Angeber´; dann jungn Grußguschn wird´s Geschoiträdn noa vergihn.

Grußhänchn `Großhänchen (Ort der Gemeinde Burkau im °BZ)´; de Grußhänchner `die Einwohner von Großhänchen´.

Grußhennerschdurf `Großhennersdorf (Ort der Stadt Herrnhut im °GR)´. Da in diesem Ort Markt abgehalten wurde, nannte man ihn auch scherzhaft Moarchthennerschdurf; de Grußhennerschdurfer od. Hennerschdurfer `die Einwohner von Großhennersdorf´.

Grußhoaarthe veralt. f., ohne Genum  meist nur Hoaarthe `Großharthau (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; de Grußhoaarthschn od. Hoaarthschn.

Grußknaajcht m. `Großknecht: erster Knecht in einer Bauernwirtschaft, der für die Pferde zuständig war´.

Grußkraut n. öSüd- u. Ostlausitz `Weißkohleintopf´. Das Weißkrauthaupt wird geviertelt und mit Kartoffelstücken und viel Kümmel gekocht. Auch Lumpmkraut, Zuchthauslumpm, Fußloappm u. Fatzlkraut.

grußloaffch Adj. Hintere Sächsische Schweiz, Westlausitz dass. wie grußfrass´ch.

grußmächtch Adj. `großmächtig´ 1. `sehr groß, gewaltig´. - 2. Seifhennersdorf `ausschweifend, großtuerisch, prahlerisch´; do wullt´r grußmächtch mit uns assn gihn und kunnt ne amol de Zeche bezoahln.

Grußnaundurf siehe Naundurf!

grußnicklch Adj. Obercunnersdorf `großbusig, große Brüste besitzend´.

grußoartch Adj. `großartig´. 1. `imposant, grandios, hervorragend´; ´s hoat wieder grußoartch geschmackt. - 2a. `hochgestellt, bessergestellt, einer höheren Schicht angehörend, verschwenderisch´; zu dann Leutn gih´ch ne, de senn mer zu grußoartch; zwä Grußoartche; a grußoartch Labm fihrn. - b. `hochmütig, eingebildet, stolz, vornehm tuend´.

Grußpurtsch siehe Purtsch!

Grußpustwitz siehe Pustwitz!

Grußreenemachn `gründliches Säubern des Wohnhauses vor einem Fest- od. Feiertag´.

Grußrihrschdurf siehe Rihrschdurf!

grußriss´ch Adj. `großen Aufriss machend, große Pläne im Kopfe habend, protzig, auffallend; wie die rimloofm, ganz grußriss´ch!

Gruss n. `Gross: Menge von 12 x 12 (144) Stück´; a Gruss Schraubm.

Grußschiene ohne Genus `Großschönau (Ort u. Gemeinde im °GR)´; iech gih uff Grußschiene a de Foabricke wirkn; de Grußschinner `Einwohner von Großschönau´.

grußspurch Adj. `großspurig: großtuerisch, prahlerisch, großkotzig´.

grußtuerch Adj. dass. wie grußspurch.

grußtun stv. refl. `großtun: sich aufspielen, sich brüsten, prahlen, von sich eingenommen sein´; tu dch oack waajgn denn Gurkn ne goar su gruß!

grußtunch(t) Adj. Seifhennersdorf, Ostritz dass. wie grußspurch; grußtunche Manner.

Grußvoater m. `Großvater´. 1. wie `Opa´; zu Grußvoatersch Zeitn; Grußvoatersch Bruder `Großonkel´; uff grußvoatersch `heimlich stehlen´. - 2. veralt. `Schlusstanz, Kehraus bei Tanzvergnügen´, noch im ersten Drittel des 20. Jh. üblich; iech hoa ´n Grußvoater noa mitgetanzt, derno bie´ch heemgegangn.

Grußvoaterbirne f. verstr. `Honigbirne, die ihre Reifezeit im Spätsommer hat und sonnenseitig rötlich gefärbt ist´ Lautf.: Grußvoaterboarne, -barne.

Grußvoaterstuhl m. `bequemer, für den Großvater bestimmter Stuhl od. Sessel, (der meist am Ofen steht und eine ohrenförmige Lehne hat)´; uffm Grußvoaterstuhle benn Ufm. Auch Grußvoatersessl.

Grußwelke veralt. f., ohne Genus `Großwelka (Ort der Kreisstadt Bautzen im °BZ)´.

Grußwoasser (2. Silbe betont) n. `großes Wasser, Hochwasser, Überschwemmung´; de Grußschinner huttn vurchn Summer Grußwoasser.

Grußwurscht f. `(gepresste und stark geräucherte) Mastdarm- od. Magenwurst mit (Blutwurstfülle)´.

Gruz m. siehe Kruz `Streit´!

Gubm m. `Gaumen´. Lautf.: Gum.

Guck, Guckch, Guckerch m. selt. `Blick´; uff´m zweetn Guckch hätt´ch se mir ne genumm.

Guckeegl n. kindl. (Bihms Koarle) `Guckäugelein: Auge´.

Gucker m. `Vergrößerungsglas der Weber zum Fadenzählen´.

Guckl n. 1. kindlich `Auge´; zwee braune Guckl; Blooguckl. - 2. `Guckloch´; durch´s Guckl linsn.

Guckn Pl. Südlausitz `Augen´; mach deine Guckn uf!

guckn swv. `gucken´. 1. mit pers. Subj. a. `schauen, sehen´; dar guckt oack uff de Pfennge; a guckt a Gloat a Nahtl `er schielt´. Auf die Frage des Kindes nach der Zeit antwortet die Mutter: "Dreivirrtl ver (uff) Guckenei, war´sch ne gleebt, guckt salber rei!" - b. Imp. zur Erweckung der Aufmerksamkeit; guck oacke, wie dirre die is! Nu sieh oack har und gucke, woaas macht dar fremde Hoahn uff menner Glucke! - c. `sich einer Person od. Sache annehmen´; iech guckt jedn Tag amol noa dr krankn Nubberschfroon. - 2. mit sachl. Subj. `hervorstehen, herausra-gen, heraushängen´; dir guckt´s Hemde hinne raus.

gude Milch f. `gemolkene Milch´, im Gegensatz zur Leiermilch.

Guhß m. `Guss´. 1. `Flüssigkeit (Wasser, Bier, flüssiges Metall), die man ausgießt´. Spruch beim Anstoßen:  Prust Gurgl, itze kimmt a Guhß! `Zum Wohl!´ - 2. `kurzer starker Regenfall´; ´s macht groade ann Guhß. - 3. `Zuckerüberzug auf (Obst)kuchen´. Lautf.: Guss.

Gugeruz m. `Kukuruz´, siehe Kukeruz!

Guguck m. 1. `Kuckuck (Cuculus canorus)´. Der Kuckuck besitz im Volke prophetische Gaben, so deckt sich die Zahl der Kuckucksrufe mit den noch zu erwartenden Lebensjahren. Wenn dr Guguck lange noa Gehoanne noa schreit, gibbt´s a schleichts Johr und anne teure Zeit (nOstlausitz). Wenn dr Guguck noa Gehoanne schreit, kimmt fer uns anne teure Zeit (Seifhennersdorf). Ausruf der Verwunderung od. Empörung: zun Guguck oack o! Doaas weeß dr Guguck! `Das weiß der Teufel!“ - 2. übertr. `ein in der Oberlausitz beliebter Volkstanz´. - 3. `Kuckucksblume´. a. Ruter Guguck Seifhennersdorf `Geflecktes Knabenkraut, Gefleckte Kuckucksblume (Dactylorhiza maculata)´. - b. Blooer Guguck Seifhennersdorf `Kriechender Günsel (Ajuga reptans)´. Siehe auch Gugucksblume!

Gugucksblume f.. `Kuckucksblume´. 1. `Kriechender Günsel (Ajuga reptans). - 2. `(Geflecktes) Knabenkraut (Orchis L., Dactylorhiza maculata)´. Der Schaum auf den Stängeln wurde für Speichel des Kuckucks gehalten. Siehe auch Guguck 3!

Gulande (kurze Vokale) f. `Girlande´. Lautf.: Gulande, Gurlante, Goalante, Goarlande Bihms Koarle, Galande Schlesien.

Gulbch `Goldbach (Ort der Großen Kreisstadt Bischofswerda im °BZ)´; de Gulbcher `die Einwohner von Goldbach´. Lautf.: Golbch.

Guld n. `Gold´; RA: De zwäte Frooe hoat Guld an Oarsche `der zweiten Frau werden die Fehler nachgesehen´.

Guldbrinkl n. Eibau, Neugersdorf 1. `Goldstückchen´. - 2. auch als Kosename für die Liebste. - 3. `tadellose Person, Mensch ohne Makel´; die drei Maajdl senn oalle keene Guldbrinkl gewast.

guldch Adj. 1. `goldig: lieb, nett, herzig´; die Kleene is guldch; dar hoat a guldches Gemitte.  - 2. `golden: aus Gold, goldfarben´; sechs guldche Sauln, a guldches Oarmband, a guldcher Schiem `ein goldener Schein´, de Guldchn `das goldene Hochzeitspaar´; siehe auch gildn!

Guldfichsl n. veralt. `Goldfüchslein: Goldmünze, Goldtaler, Goldstück, Zwanzig- od. Zehmarkstück´.

Guldfinger m. `Goldfinger: Ringfinger´; ´s Fingerringl poasste groade an Guldfinger

Guldhahnl n. Großschönau, Crostau `Wintergoldhähnchen (Regulus regulus)´.

Guldhaube f. Dim. Guldhäubl `Goldhaube, Brokathaube: (stabile) Haube aus (Seiden)stoff mit eingewebten goldenen Fäden´. Bessergestellte Bauers- und Bürgerfrauen trugen solche Hauben noch in der 1.Hälfte des 19. Jahrhunderts, z.B. in °ZI Reichenau.

Guldkafer m. 1. verstr. `Goldlaufkäfer (Carabus auratus)´. - 2. Kosewort für ein Mädchen.

Guldlack m. Königshainer Berge `Goldlack (Cheiranthus cheiri)´.

Guldmutter f. Steinigtwolmsdorf, Westlausitz `Goldlaufkäfer (Carabus auratus)´. Lautf.: Goldmotter Westlausitz, Guldmotter Oberlichtenau.

Guldn siehe Gildn!

guldn Adj. siehe gildn u. guldch!

Guldntroom veralt. m. `Goldentraum´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Marktflecken östlich der Neiße, poln. `Zlotniki Lubanskie´.

Guldoammer m. f. `Goldammer (Emberiza citrinella)´. Lautf.: Guld(e)hoammer, Goolhoammer °ZI Ebersbach, Eibau, Thiemendorf, Gaaloammer Schlesien.

Guldsihnl n. `Goldsöhnchen: Muttersöhnchen, den Eltern vorbildlich folgender Sohn´.

Guldbissl n. `Goldstück: Goldmünze´.

Guldraajn m. wie litsr. `Goldregen (Laburnum anagyroides Med.)´. Lautf.: Siehe Raajn!

Guldstickl n. `Goldstückchen´. 1. `Goldmünze´. - 2. `durch bes. Eigenschaften sich auszeichnender Mensch´, (oft spöttisch-iron.) `Liebling´.

Guldwooge f. `Goldwaage´; RA: uff de Guldwooge län `peinlich genau wägen; pedantisch genau sein´.

Gulke f. veralt. `Kolik: krampfartige Leibschmerzen´; ´s Pfard hoat de Gulke.

gulkern swv. 1. `Rauschen, das beim Ausgießen einer Flüssigkeit (aus einer Flasche) entsteht; Rauschen von gärendem Most; gurgelndes Rauschen der aus einer Enge strömenden Flüssigkeit, glucksen, blubbern´; de Daachrinn gulkern; hirrscht de, wie´s ba mir an Bauche gulkert? - 2. `(glucksend, geräuschvoll u. hastig) trinken und dabei Flüssigkeit zurücklaufen lassen´; nundergulkern; dr Stiefl gitt zengstrim, oack ne gulkern! Lautf.: golkern Westlausitz.

gulksern swv. Neukirch dass. wie gulkern.

gulksn swv. Taubenheim dass. wie gulkern. Gulks mer´sch kaalt oder heeß?

Gultsch m. `Rollholz´, siehe Mandlgultsch u. Nudlgultsch!

Gultschn m. `Kolatschen: aus der tschechischen und sorbisches Küche stammendes rundes Plundergebäck mit Füllungen aus Pflaumenmus, Quark oder Mohn, mit Mandeln oder Streusel dekoriert´; iech bie´n Ruperch begaajnt, dan joit´ch ann Goltschn oab ver dch. Lautf.: Goltschn Neukirch, Gooltschn, Golaatschn Kolaatschn, de Goalaatsche.

Gummifuffzcher m. `Gummifünfziger: Kondom, das zu DDR-Zeiten fünfzig Pfennig kostete´.

Gundl f. meist Pl. `Gondel: Schuh´; dar flickte de schlaajchstn Gundln.

Gunke f. selt. Ostlausitz `liederlich gekleidete, dicke Frau´.

Gunkfroosch m. selt. Süd- u. Ostlausitz `dummer Kerl, der etw. darstellen will; aufgeblasene Pers., Angeber, Wichtigtuer´; du Gunkfroosch, poass uf, doaaß´ch der ne ´s Gaale vun Schnoabl wegwisch! Lautf.: Gunkfrosch, Gunksfroosch.

Gunks m. `Stoß (in die Rippen), (leichter) Anstoß´.

Gunkserch m. dass. wie Gunks.

gunksn swv. `jmdn. (absichtlich mit dem Ellbogen in den Rücken) grob stoßen´.

Gunn Murgn Morgengruß `Guten Morgen´; gunn Murgn o. Der Faule begrüßt den Tag: Gunn Murgn Feierobd! Lautf.: Gun Murgn, Gudn Murgn.

Gunn Nacht Nachtgruß `Gute Nacht´. Lautf.: Gunn, Gun od. Gude Nacht, Naacht.

Gunn Obd Abendgruß `Guten Abend´. Lautf.: Gunn, Gun bzw. Gudn Obd, Omd, Obmd.

Gunn Tagg Tagesgruß `Guten Tag´; Tagg minander; gunn Tagg basoamm; ann schinn gunn Tagg o; Tagg o (gesprochen Tacko), gunn Tagg rei, soatz dch nieder a poaar Stunn! Auf den Gruß "Gunn Tagg" folgt scherzh. folgender Dank: "Dr Tag is gutt, wenn du oack besser wärscht!" Is Assn hoat noa goar ne richtch "uff Wiedersehn" gesoit, do soit´s schunn wieder "gunn Tagg".

Gunntagsteckn m. selt. `Spazierstock´. Lautf.: Guttntagsteckn.

Gurgl f. 1. `Speiseröhre´; beim Anstoßen: Prust Gurgl, itz kimmt a Durchmoarsch! - 2. `Luftröhre´. - 3. `Kehle, Hals´; iech kennt´n a de Gurgl gihn `ich könnte ihn erwürgen´; a hoat a Radl a dr Gurgl `er spricht das cerebrale Oberlausitzer r´.

gurgln swv. `gurgeln´. 1a. wie litspr.; iech hoa´s an Schlunke, iech muss mit Soalwei gurgln; scherzh., wenn jmd. die Oberlausitzer Kehllaute unecht ausspricht, sagt man: Du musst irscht mit Kroaazbärschnoaps gurgln. - b. `trinken´. - 2a. `lautstark schreien, brüllen´; auch rimgurgln, enn oaagurgln. - b. `lautstark weinen´. Lautf.: gurchln Hintere Sächsische Schweiz.
Gurke f. 1. wie litspr.; mer oaßn anne sauer Gurke fer fimf Pfennge. - 2. `große Nase´. - 3. scherzh.-wohlwollend `drolliges, vorlautes Kind´. - 4. abwert. Pl. `Schuhe´; die aaln Gurkn vu Loaatschn.

Gurknabern Pl. `Gemisch aus mit Salz, Pfeffer, Essig und evtl. Öl angemachtem Gurkensalat und gekochten Kartoffel-scheiben´. Statt Öl kann man auch ausgelassenen Speck zugeben und die Speise lauwarm servieren. Lautf.: Gurknabbern Ostlausitz.

Gurknbrittlch m. Spitzkunnersdorf, Großhennersdorf `Gurkenpflanze, da sie zum Wachstum feuchte Wärme braucht´.

Gurknnächtl n. `warme Sommernacht, die das Wachstum der Gurken begünstigt´; an foarzloon Gurknnächtl sieln´ch de Liebspoaare wieder an Poarke rim. Lautf.: Gorknnächtl Westlausitz.

Gurknschauer m. `kurzer, warmer Regenschauer´.

Gurknstaadtl n. Neugersdorf `Gurkenstädtchen: Zittau (Scherzname)´.

Gurks m. `Korken´. 1. `der aus Rinde der Korkeiche gefertigte Flaschenpfropfen´; Knoallgurkse. - 2. übertr. bedeutungsneutral `Kind´; de klenn Gurkse bläkn wieder zer Foaasnacht. Lautf.: Gurgs, Kurks, Gorgs Westlausitz.

gurksn swv. 1. `(nach dem Trinken) aufstoßen, rülpsen´. - 2. neigurksn Seitendorf `hineinschütten, hastig trinken´. - 3. `etw. Sinnloses od. Verrücktes tun, z.B. verrückt od. sinnlos mit dem Rad fahren´; dar gurkst dann ganzn Tag mit senn Moped rim. Lautf.: girksn, kurksn, gorksn Westlausitz.

gurtln siehe girtln!

Gusche f. Dim. Guschl 1. `Mund des Menschen, Maul, Mundwerk´; de Gusche gitt wie geschmährt;  RA: De Gusche uff´m richtchn Flecke hoann `immer eine Antwort wissen, nicht sprachverlegen sein´. - 2. `verzogener Mund´; anne Gusche ziehn. - 3. `Gesicht´; uff de Gusche fliegn.

Guschl n. Dim. von Gusche 1. Kosename `Mund eines Kindes od. Mädchen´; Schmoatzguschl, die hoat a sisses Guschl. - 2. `Kuss´, verbreiteter: Schmoatz od. Schmoaaz.

guschln swv. `sich küssen´; die beedn guschln´ch ´n ganzn Tag; oabguschln.

Guschnklamper m. scherzh. `Zahnarzt´.

Guschvll (kurzes u) f. `Gusche voll, Mund voll´; anne Guschvll Futter, anne Guschvll Mauke.

Gussdurf `Goßdorf (Ortsteil von Hohnstein in der Sächsischen Schweiz)´, de Gussdurfer `die Einwohner von Goßdorf´.

Gusse f. `Gosse: Wasserabflussbecken in der Küche´. Vgl. Oabzucht!

Gusswitz n. `Goßwitz (Ort der Stadt Reichenbach OL im °GR)´; de Gusswitzer `die Einwohner von Goßwitz´.

Guste f. Dim. Gustl 1. RN, Kurzform für `Auguste´. - 2. übertr. leicht abwertend `weibl. Person´; kleene Guste, dumme Guste, Braajglguste, Laseguste `weibl. Leseratte´.

Gustl 1. m. RN, Kurzform für `Gustav´. - 2a. f. RN, Kurzform für `Auguste´. - b. f. n. Kosename für ein (kleines) Mädchen; woaas schenk mer oack unsn Gustl?

Gutsche (kurzes u) f. `Kutsche´.

Gutscher (kurzes u) m. `Kutscher´.

Gutscherbook m. `Kutscherbock: Sitzbrett; abnehmbares Brett, das als Kutschersitz diente´. Lautf.: Gutscher-, Kutscher-, -book, -buck, -bock.

Gutt m. `Gott´; volkstümlich: dr liebe Gutt od. Harrgutt; a Gutts Noam; Interj.: Oach Guttl nee! Nee ach Gutt nee! Oach, du lieber Gutt! Grußer Gutt! Gutt bewoahre! Gutt behitte! Im Gutts willn! Doaas hoat Gutt und de Walt noa ne gesahn! Gutt sei´s gelobt, getrummlt und gepfiffm; Abschiedsgruß: Gutt behitt´ch! Versträrkung der Aussage, wenn folgende Wendung nach der Namensnennung erfolgt: Gutt behitt se od. Gutt behitt´n! Ausruf der Empörung: Nu schloi aber Gutt ´n Teifl tut! Hoat oack ann schinn Bezoahl der´sch Goot `habt nur schönen Dank´; nu, Gutt sisse! (Ausruf beim Bericht über schwer nachvollziehbare Ereignisse.) `Na, viel Glück!´  Ba Gutt, heute gitt´s ne! Abschied: Wenn Gutt will, bis kummnde Wuche! RA: Dar lässt´n liebm Gutt ann gudn Moan senn `der lebt sorglos in den Tag hinein´. Volksreim: War Gutt vertraut und schesst as Kraut, dan wachsn gruße Heete! Wullt´r, Gutt sei Dank, schunn gihn?- Bleibt oack do, im Himmlswilln! Lautf.: veralt. Goot Königshainer Berge.
Gutt n. Dim. Gittl Pl. Gitter `Gut: Gehöft mit Grundbesitz´; dr Bauer hoat a grußes Gutt.

gutt Adj. Adv. Komp. besser od. basser (Neukirch, Ostlausitz), Sup. oan bestn od. oan bastn `gut´. 1. `nicht schlecht´; ´s kimmt noa besser, woarrt´s oack oab! RA: Besser schlaajcht gefoahrn oas gutt geloofm. - 2. mach´s gutt od. guttl (um Görlitz), luss der´sch gutt gihn! `Auf Wiedersehen´. - 3a. `brauchbar, tauglich, nützlich´; gude Pilze `essbare Pilze´; RA: A guder Hoahn wird seltn fett. RA: Neue Basn kährn gutt; anne gude Schnoafferze hoann. - b. `für eine gewisse Zeit oder einen bestimmten Zweck noch brauchbar´; dei Rickl is noa gutt. - c. `fein´; gude Stube, meine bestn Hosn. - d. `gesund´, die is noa gutt basoamm; dr Mutter gitt´s wieder gutt; de Schwaster hoat mer´sch gude Been eigeschmährt. - e. `vortrefflich, leistungsfähig´; gutt zu Fusse senn. - f. `reichlich´; a is ann gudn Kupp grisser oas wie seine Mutter. - g. Verstärkung eines Begriffes positiven Inhalts; doaas gefällt mer gutt. - h. `nützlich´; doaas is gutt fer de Kuppangst. - i. `leicht ausführbar´; mit dann is ne gutt Kirschn assn. - k. gutt tun `einen guten Ausgang nehmen´; doaas tutt uff de Dauer kenn gutt. - m. in der Wendung gutt und garne `etwa, mindestens, schätzungsweise´; a is gutt und garne zwee Meter gruß. - 4. `angenehm´. a. in Bezug auf die Empfindungen der Sinnesorgane; a gutt Assn, anne gude Schmecke; zu Mittche gibbt´s heute woaas Gutts. - b. `zum Ausdruck der Billigung, der Zustimmung´; su is gutt! - 5. von der Sinnesrichtung a. von Gemütszuständen; a gutt Wuhrt gan; de Gäste senn heute gutt druf. - b. vom Charakter `nicht böse´; dar hoat a gutt Harze; de Nubberschfrooe, doaas is baleibe keene Gude! - c. in der Fügung gutt senn/sein `lieben, mögen, gern haben´; iech bie menn Maajdl gutt; a is´n Gelde gutt. - d. siech uff woaas zu gutte tun `auf etwas eingebildet sein´; dar tutt´ch uff seine Dummheet noa woaas zu gutte. - e. zu gutte gan `Ruhe geben, beenden, sich beruhigen´; a goab´ch dermit zu gutte `er gab sich damit zufrieden´.

Guttderboarm in der Wendung zun Guttderboarm `zum Gotterbarmen, gotterbärmlich´. 1. `sehr schlecht´; a soang zun Guttderboarm. - 2. `jämmerlich, bemitleidenswert´; dar blutte zun Guttderboarm; ´s is zun Guttderboarm `der Notstand ist zum Verzweifeln´.

guttdeutsch Adj. `eindeutig, unumwunden´.

guttdumm Adj. `gutmütig u. einfältig´; doaas guttdumme Schof wird oack ausgenitzt. Auch dummgutt.

Gutte (gespr. Gudde) n. `Guttau (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; de Guttschn `die Einwohner von Guttau´.

Gutteborn (gespr. Guddeborn) `Guteborn (Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´; de Gutteborner bzw. Gutteberner `die Einwohner von Guteborn´. Lautf.: Gutteburn.

guttharzch Adj. `gutherzig´; guttharzche Leute.

Guttl nee! Interj. Ausruf (der Überraschung, des Erstaunens, des Bedauerns); Oach, Guttl nee, bist de hiegeschloin?

Guttlieb m. `Gottlieb´. 1. männl. Rufname, meist gekürzt zu Liebl, Lieb od. Gotl. - 2. abwert. `einfältiger od. liederlicher Mann, Trottel, dümmlicher Liebhaber´; RA: Ann noaaßn Tepper (einen Töpfer bei der Arbeit) hoat Gutt lieb, a troiger Tepper is a Guttlieb; dei Guttlieb hoat´ch wull versoatzt?

guttmittch Adj. `gutmütig´; mei Bruder is a guttmittcher Karle. Lautf.: guttmietch.

Guttmittchkeet f. `Gutmütigkeit´; de Guttmittchkeet gucktn urndlch zun Ogn raus.

Guttsacker m. Herrnhut `Gottesacker: Friedhof´.

Guttschmeckche f. Bihms Koarle dass. wie Guttschmecke.

Guttschmecke f. 1.`etw. Schmackhaftes; gutschmeckende, (teure) Speise, Leckerei´. Sprichwort: Guttschmecke macht Battlsäcke. - 2. `Einnahme von Leckerein´; de Arznei is ne fer de Guttschmecke.

Guttschmeckerchl n. Oderwitz `Leckerbissen´.

guttsderbarndlch siehe derbarndlch!

Guttskastl n. `Kollektenkasten in der Kirche´; an Guttskastl woarrn drei bleierne Hosekneppe. Lautf.: Gootskastl.

Guttstieschrook m. veralt. Dim. Guttstieschrickl `Kirchgeh-kleidung, Abendmahlrock für einen Mann aus dunklem Tuch´. Lautf.: Gootstieschrook Königshainer Berge, auch Harrguttstischlrook.

guttwillch Adj. `gutwillig: bereitwillig´.

Guvernande f. veralt. `Gouvernante: Aufpasserin, weibl. Begleitperson, Erzieherin´; anne Guvernande oaaschoaffm.