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  1. D

Da

Daach n. Dim. Dächl (kurzes ä) `Dach´. 1. wie litspr. `oberer Abschluss eines Gebäudes´; RA: woaas under Daach und Faach hoann `etw. erledigt haben´. - 2. `Schädeldecke, Kopf´; RA: ees uff´s Daach kriegn `Schelte, Strafe kriegen´; RA: enn uff´s Daach steign `jmdn. zurechtweisen´. - 3. im Dim. `Schirm, Deckel der Mütze´; doaas gingk mer ieber´sch Mitzndächl `das ging mir über den Verstand´.

Daachbodn m. dass. wie Äberbihne.

Daachdecker m. `Dachdecker: Handwerker, der Dächer deckt´. Es gab Ziegl-, Schiefer- und Schoobdecker. RA: Doaas koannst de haaln wie dr Daachdecker, oack ne su huch!

Daachgespärre n. `Dachgebälk aus Holz´; ´s Fichtl wird uff´s Daachgespärre zun Häbm drufgesoatzt.

Daachkaffer m. `(schlitzartiges) Dachfenster´, auch Uchsnoge od. Hecht. Siehe auch Kaffer!

daamsch
siehe damsch!

Daachrinne f. `Dachrinne: Regenrinne am Dach´; RA: dar koann aus dr Daachrinne suppm `der ist sehr groß´.

Däbe siehe Täbe!

Däbern `Döbra (Ort der Gemeinde Oßling im °BZ)´; de Däberschn `die Einwohner von Döbra´.

Däbscht (gedehntes ä) `Döbschütz (Ort der Gemeinde Vierkirchen im °GR)´; de Däbschter `die Einwohner von Döbschütz´. Lautf.: Deebscht.

Dächlmitze f. `Schirmmütze, Deckelmütze (gehörte Mitte des 19. Jahrhunderts zur Oberlausitzer Alltags- und Arbeitstracht)´, den Mützendeckel nannte der Oberlausitzer ´s Dächl `kleines Dach´.

Dachtl f. `Ohrfeige mittlerer Stärke´.

dachtln swv. `ohrfeigen´; sull´ch dr a poaar dachtln?

dackln swv. `fortbewegen wie ein Dachs oder Dackel´; hiedackln.

dädern siehe tätern!

Dähle siehe Delle!

dähn swv. `dehnen´.

Dähncht f. Burkau, Oberlichtenau `Strecke, Flur, die sich lange hinzieht´.

dähncht Adj. selt. `langsam, träge´; dähncht rimloofm. Lautf.: dähnch.

Dähnchtabern Pl. Weifa, Ringenhain `dicker Brei von gestampften Salzkartoffeln ohne Zugabe von Wasser od. Milch´.

Dähne f. G. Kießling, wSüdlausitz, sWestlausitz `Dehne: langer, leicht ansteigender Weg; große Entfernung´.

dähnern swv. `dehnen, strecken´.

dähsche Adj. selt. wie gedäsche.

Dahse f. `Dehsa´ (Ortsname), siehe Grußdahse u. Kleedahse! De Dahsner `die Einwohner von Groß- u. Kleindehsa´; de Dahsner Barge `Czornebohkette von Dehsa bis Cunewalde´. Lautf.: Dähse.

dam siehe dann!

damdiedln (kurzes a) swv. 1. Neugersdorf `lustig, aber ohne Pflichtbewusstsein eine laufende Arbeit verrichten, auf die leichte Schulter nehmen´; endlch koam a Kellner oaagedamdiedlt. - 2. Obercunnersdorf, Eibau, °ZI Reichenau/Sa in der RA: iech war der woaas damdiedln `da hast du dich in mir verrechnet, ich werde dir etwas pfeifen´. Lautf.: dumdiedln.

Däml m Schimpfwort verstr. `dummer Kerl´.

Dämlack m. umg. ` dämlicher Lackel, eine ungeschickte oder dummer Pers.´.

dämlch Adj. umg. `dämlich: einfältig, dumm´; loaber kee dämlches Zeug! `Lass das dumme Gerede!´ Lautf.: damlch selt. Ostlausitz.

dämm swv. `dämmen´. 1. `etw., jmdn. behindern, Einhalt gebieten´; war koann schunn die wilde Goatche dämm? - 2. unpersönl. `Nebel, Dunst, eine Gewitterwolke bilden´; ´s dämmt wieder hinne draußn uff dr Wiese `es bildet sich wieder Nebel hinten draußen auf der Wiese´.

Dämmerche f. `Dämmerung´; de Dämmerche toat´ch a sachtn eifinn; de Murgndämmerche. Lautf.: Dammerche Westlausitz.

dämmern swv. 1. wie litspr., unpersönlich ´s dämmert `es wird am Morgen allmählich hell, es wird am Abend allmählich dunkel´. - 2. umg. ´s dämmert ba enn `jmd. begreift endlich etw.´ - 3. `im Halbschlaf liegen, dösen´; do tu oack noa a brinkl dämmern!
dämmern swv. 1. `kraftvoll treten, stampfen, schlagen, fest klopfen (u. etw. verbeulen)´; ´n Pfohl a de Arde dämmern. - 2. Westlausitz `unruhig auf der Stelle treten; wartend, untätig herumstehen (Menschen u. Tiere)´. - 3. Westlausitz `jmdm. auf die Füße, in od. auf etw. treten; ungeschickt herumlaufen´; dr Kuchn wurde derbei mit breet gedämmert. - 4. Westlausitz `etw. zusammen-, fest- od. niedertreten, stampfen´; anne Boahne dämmern `einen Fußweg in den Schnee treten´, Sauerkraut dämmern.

Dämmerstunde
f. `Zeit der Abenddämmerung, in der man gesellig-besinnlich beisammen sitzt´.

Dämmerze f. `Dämmerung´; mer woarrn a dr Dämmerze uff dr Tenne. Auch Dämmerche.

Damml siehe Doamm!

dammln swv. verstr. Süd- u. Ostlausitz 1. `(Kartoffeln) anhäufen´. - 2. `Heu zu Reihen zusammenrechen´; irscht hoann se gedammlt, derno geschäbert. Lautf.: dämmln, tammln nOstlausitz.

damsch (gedehntes a) Adj. `dämisch´. 1. Südlausitz, Ostlausitz `schwindlig, übel, betäubt, benommen, taumelig´; iech bie ganz damsch an Kuppe. - 2. Neukirch `merkwürdig, seltsam, unwahr´; ´s kimmt mer bissl damsch vier. - 3. Westlausitz Wort, das zur Steigerung, Verstärkung verwendet wird `sehr, groß´; anne damsche Back(p)feife. Lautf.: dämsch.

Dämz-Thumz `Demitz-Thumitz (Ort u.Gemeinde im °BZ)´; Stepsldämz `Stöpseldemitz´ (Spitzname von Demitz); de Dämzer od. Damzer `die Einwohner von Demitz-Thumitz´. Lautf.: Damz-Thumz.

dan (gedehntes a) siehe dann!

Dank m. wie litspr.: Hoa oack (villmol schinn) Dank! `Danke´; auf den Gruß "Gunn Tag!" wurde früher geantwortet "Schinn Dank (o)!" "Sedd oack villmol schiene willkumm!" - "Hoa oack Dank!"

dann
Dem.pron. von dar u. doaas (Dat.) `den´; woaas is oack mit dann (Moanne, Maajdl) lus? Siehe auch dar und doaas! Lautf.: dan (gedehntes a) Jonsdorf, Schirgiswalde, dam °ZI Ebersbach, Oderwitz.

dannderhoalbm Adv. `deshalb´. Lautf.: danderhoalbm.

dannderwaajn Adv. auch Oderwitz 1. `aus diesem Grunde, deshalb´. - 2. `dennoch, trotzdem´; und wenn de zahnmol dr Birgemeester bist, dannderwaajn misst de o Strofe bezoahln. Lautf.: danderwaajn, dan(n)derwaajgn.

danno siehe derno!

dantwaajn Adv. selt. sSüdlausitz dass. wie danderwaajn. Lautf.: dantwaajgn.

Danzcher m. `Danziger (eine Apfelsorte)´.

dar Art., Pron. `der´. 1. best. Art., unbetont; dr Voater, dr Pflaumboom, wie huch is ´n dr Kupper? `Wie hoch ist denn der Kottmar?´ Dr Max is do gewast, de Jungn hoann gemaust, ´n Tag druf  `den Tag drauf´. - 2. Dem.pron, betont; als Artikelwort beim Subst.; dar dumme Junge, dar; dar od. dar diche Boom wird imgesaajgt! Dann dichn Karln moagg´ch ne! - 3. Relativpron., betont, häufig verstärkt durch de `da´; dohiebm kimmt Harrmoann sei Grußer, dar (de) vun Boome gefloin is.

dar Dem.pron, Dativ, betont siehe die!

darb (kurzes a) Adj. `derb´ 1. `fest, kraftvoll, grob´; darb zulangn. - 2. `stark, robust´; darbe Pfutn. Lautf.: derb.

därmern swv. refl. (nur in Zuss.) verstr. Süd- u. Ostlausitz 1. `auftürmen, langsam aufrichten´; an Draajkluche därmert´ch a Water uf `im Schlechtwetterloch am Himmel türmt sich eine Wolkenwand auf´. - 2. `sich strecken, dehnen; sich auf einem Bett od. Polster herumlümmeln´; die därmern´ch ´n ganzn Tag uff´m Koannepee rim. - 3. `trödeln, herumbummeln´; an Durfe rimdärmern. Lautf.: därm, tiermern, termern.

därmln swv. dass. wie därmern.

Därms m. selt. Niedercunnersdorf dass. wie Därmse; mach oack ne sichn Därms `mach nur nicht solches Aufsehen´.

Därmse Pl. Neugersdorf, Leutersdorf `Gerede, Aufschneiderei, Aufsehen, Umstände, dumme Sachen´; mach mer oack keene sicke Därmse vier! `Schneide nicht so auf!´.

därmsln swv. refl. dass. wie därmern 2; dar därmslt´ch rim.

Darre siehe Dirre!

dasterhoalbm Adv. siehe doasterhoalbm!

dasthoalbm Adv. siehe doasterhoalbm!

dasterwaajn siehe doasterwaajn!

Däter, Dater m. dass. wie Täterch!

Däterch siehe Täterch!

dätern
siehe tätern!

Daubz n. `Daubitz (Ort der Gemeinde Rietschen im °NOL)´; de Daubschn `die Einwohner von Daubitz´.

dauerhoaftch Adj. `beständig, haltbar´; dauerhoaftche Hosn `strapazierfähige Hosen´.

dauern swv. 1. wie litspr. `eine gewisse Zeit währen, beanspruchen´; is dauert mir zu lange. - 2. `jmdn. etw. Leid tun´; ´n Leutn toat´r dauern `den Leuten tat er Leid´.

Daum m. `Daumen´; iebern Daum peiln `ungefähr´. Kindervers: Doaas is dr Daum, dar schuttlt de Pflaum, ...

Daus m. selt. Westlaus. `Teufelskerl´; weeß dr Daus! o dr Daus!

Daus n. Pl. Däus(t)er `Spielkarte mit höchstem Zählwert, Ass´; Eechldaus. Lautf.: Daust.

Däz m. umg. abwert. `Kopf´; die hoat mer ann Eemer Woasser uff´m od. iebern Däz geschutt; enn ees uff´m od. ver´n Däz gan `jmdn. auf den Kopf schlagen´. Lautf.: Deez.

Dazn m. `Dezem: der an den Pfarrer früher abzuführende Zehnte´ (eine bis 1850 übliche Naturalabgabe); Volksvers: Rode (Kornrade), Traspe (Trespe), Voglwickn wull mer´n Pfoarrn zun Dazn schickn.

dch Personalpron. unbetont `dich´, siehe du!

de best. Art., unbetont siehe die!
de best. Art. Pl., unbetont siehe dar!
de Personalpron. unbetont siehe du!

Deckbratl n. `Brett an der Decke eines Raumes´.

Deckl m. `Deckel´. 1. `aufklappbarer od. abnehmbarer Verschluss eines Behälters´; Oabertdeckl `Klodeckel´, Pfeifmdeckl. Siehe auch Stirze! - 2. `Kopfbedeckung, Schirmmütze, (alter) Hut´; Speckdeckl, niem a dr Kirche ´n Deckl oab! Dar hoat ees uff´m Deckl gekrigt `der ist zurechtgewiesen worden´.

Decklhose f. dass. wie Tierdlhose.

Decklmitze f. `Deckelmütze: Schirmmütze´.

deckln swv. `die Kopfbedeckung beim Grüßen lüften´; dr Scheebl wird gedecklt.

deckn unregelm. V. iech deck(e), du deckst, mer deckn, iech dackte, iech hoa gedackt `decken´. 1. wie litspr. `etw. mit etw. Schützendem (Schiefern, Ziegeln, Schilf- od. Strohbündel) versehen´; ´s Haus is neu gedackt. - 2. wie litspr. `einen Tisch zum Essen vorbereiten´. - 3. `begatten (in der Viehzucht)´. Lautf.: dackn.

Decksl siehe Destl!

Decksllooch siehe Destllooch!

Deckslreen siehe Destlreen!

Deebs siehe Teebs!

Deebscht siehe Däbscht!

deebsn siehe teebsn!

dees´ch Adj. `dösig´. 1. `(wie) betäubt, benommen´. - 2a. `hastig, übereifrig (bei der Arbeit) und dabei zerstreut, nervös´; bie ne su dees´ch und jech ne su rim! Siehe roammdees´ch. - b. `unruhig, lästig (von Fliegen)´.

Dees´chkeet f. `nervöser Übereifer, unnötige Hast´; a menner Dees´chkeet hoa´ch Saalz stoatts Zucker genumm.

Deese f. siehe Backdeese!

Deeskupp m. `zerstreute, unaufmerksame, nervöse Person´.

deesn swv. `dösen´. 1a. `in Halbschlaf fallen, einnicken, kurze Zeit schlafen´. - b. `vor sich hin träumen, in Gedanken versunken u. deshalb unaufmerksam sein, mit starren Augen ins Leere blicken´. - 2. `sich unruhig verhalten, grundlos hasten; übereilt etw. tun, nervös u. mit geringem Erfolg arbeiten, aufgeregt rennen´; Gedeese; ´n ganzn Tag rimdeesn. - 3. Neusorge `toben, schlechtes Benehmen von Kindern´.

Defmtierche f. `Verteidigung´.

defmtiern swv. Südlausitz `definieren, beschreiben, darbieten, auslegen, formulieren, benennen, Rechenschaft ablegen, sich vergewissern´; a jeds tutt´s anderscher defmtiern, iech hoa gesunn und defmdiert. Lautf.: defediern.

Dehle
f. siehe Tehle!

dei Poss.pron. der 2.Pers. Sing., wie litspr. `dein´; dei Moan, deine od. denne Frooe, dei Kind; iech gih zu denn (Südlausitz), dann (Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde) Moanne; iech gih zu denner od. derr (Südlausitz), danner (Hintere Sächsische Schweiz) od. darr (Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf) Froon.

Deichsllooch siehe Destllooch!

deilatche Adv. veralt. `deine Lebtage, zeitlebens, bis ans Lebensende, immer´; du kimmst deilatche ne uff´m Kupper `du kommst zeitlebens nicht auf den Kottmar´.

deinche Poss.pron. `deinige: deine´; unse Eldern, de deinchn und de meinchn, sein beede vu Reiberschdurf.

Deistl
f. siehe Destl.

deistln swv. Neugersdorf `deichseln: einer Konstellation den gewünschten Verlauf geben, etw. meistern´; mer warrn doaas Dingk schunn deistln. Lautf.: destln, deichsln, decksln.

Dekerment n. veralt. `Unglück, Schaden, missliche Lage´; waajn dir bie´ch as Dekerment gekumm.

dekloamiern swv. `deklamieren: vortragen, referieren, rezitieren´; se dekloamiertn Schillersch Gloacke.

Delle f. 1. `flache Senke, Vertiefung im Gelände, untere Stelle der Bodenwelle´; iech bie mit´n Roade a anne Delle gefoahrn und hiegefloin. - 2. `eingedrückte Stelle (an einem Hut, einem Ball, einem Blechgefäß), Einbuchtung´; macht oack anne Delle a de Mauke, Brihe rei, und fartch is se, de Teichlmauke! Lautf.: Dähle °ZI Ebersbach, Neugersdorf.

delpsch siehe tälpsch!

delsch siehe tälsch!

demoaschkeriern swv. veralt. Neugersdorf. `jmdm. etw. plausibel machen, etw. erläutern, belehrend erklären´. Lautf.: demuschkeriern Cunewalde, demoaschkriern Großschönau, demorschkeriern söSüdlausitz.

demmern siehe dämmern!

demunschtriern swv. `demonstrieren: jmdm. etw. erläutern, vormachen, zeigen; seinen Standpunkt klarmachen´; dr Schulmeester hoat´s uns demunschtriert. Auch demuschkeriern.

Dengl m. `Dengel´. 1. `der kleine stählerne Amboss, auf dem Sense u. Sichel gedengelt werden´. - 2. `der zur Schneide ausgedengelte Rand des Sensen- od. Sichelblattes; die durch Dengeln erzielte Schärfe´. Lautf.: Dangl.

Denglbänkl n. `Dengelbank: Sitzbank mit daran befestigtem Dengelstock´. Bei der Verwendung eines Dengelstockes wird im Stehen, bei Vorhandensein einer Dengelbank im Sitzen gedengelt.

dengln swv. `dengeln´. 1. `die Schneide einer Sense od. Sichel durch Hämmern dünn klopfen u. von Scharten befreien u. dadurch schärfen´. - 2. übertr. `prügeln, schlagen´; verdengln, de Woampe dengln.

Denglpflook m. selt. Süd- u. Ostlausitz dass. wie Denglpfohl. Lautf.: Denglflook.

Denglpfohl m. `Dengelpfahl: Holzpfahl od. -pflock mit oben eingelassenem Dengelamboss zum Dengeln im Stehen´. Lautf.: Denglfohl nOstlausitz.

Denglsteen m. `Stein mit eingelassenem Dengelamboss´.

Denglstook m. Dim. Denglsteckl Seifhennersdorf `Dengelstock: Holzklotz mit oben eingesetztem Dengelamboss´. Lautf.: Denglstock, -stuck. Siehe auch Ambissl!

denkn unregelm. V. iech denk(e), du denkst, iech ducht(e), iech hoa geducht od. ducht `denken´. 1. wie litspr. `sich Gedanken machen, überlegen, erwägen´; denkt oack, denkt! - 2a. wie litspr. `annehmen, glauben, vermuten, für möglich halten´; mer denkn, du bist krank; iech dächt(e),´s is uff´m Montch gewast `ich hätte gedacht, es ist am Montag gewesen´; hättst de doaas geducht? (eingeschobene Frage, ohne eine Antwort zu erwarten.) - b. wie litspr. `sich etw. vorstellen´; groadesu hoa´ch mer´sch geducht; denkt´ch amol oaa! `Versetzt euch einmal in diese Situation!“. - 3a. wie litspr. `sich erinnern, gedenken´; wenn´ch diech sah, denk´ch oallemol a denn Voater; denk oack, wie´ch friher hoa missn lange wirkn! - b. wie litspr. `seine Gedanken, sein Interesse auf etw., jmdn. richten´; besser wär´sch, du dächtst as Oarbeitn und ne a de Weibsn `es wäre besser, du würdest an das Arbeiten denken und nicht an die Weiber´.

dennthoalbm Adv. dass. wie denntwaajn. Lautf.: dennterhoalbm, deinthoalbm, deinthoalm.

denntwaajn Adv. `deinetwegen: aus Gründen, die dich betreffen; dir zuliebe´; denntwaajn hoann se miech eigekastlt. Lautf.: deint-, denntwaajgn, - waajn.

Depetoat n. `Deputat´. 1. `ein bestimmter vertragsmäßig festgelegter Lohnanteil in Naturalien´. - 2. selt. `Zuteilung an Essen, Anteil´. Lautf.: Depmtoat.

d(e)r Personalpron. unbetont `dir´, siehe du!

derackern swv. `durch Beharrlichkeit erreichen, erzielen, zustandebringen; durch mühsame Arbeit Schwierigkeiten beseitigen, erzwingen´.

deräschern siehe dereschern!

derbälln swv. 1. `durch Druck eine Geschwulst hervorrufen; sich prellen; sich einen Fuß, eine Hand verstauchen; anschlagen; sich kräftig an einen Knochen oder ein Gelenk stoßen, so dass eine ballenartige Erhöhung entsteht´; iech koann ne gutt schreibm, iech hoa mer de Hand derbällt; a derbällter Fuß. - 2. Königshainer Berge `Haut abschürfen´; iech hoa mersch Hinderteel derbällt. - 3. Schlesien `(Finger od. Zehen) leicht erfrieren´. Lautf.: erbälln.

derbarndlch Adj. Süd- sOst- u. sWestlausitz `erbärmlich, erbarmenswert, armselig, elend, jämmerlich, außerordentlich´; a koann (gutts)derbarndlch noaatschn, dar hoat anne derbarndlche Mitze uf, mir is ´n ganzn Tag schunn (gutts)derbarndlch. Das Wort kann auch verstärkend bei Adjektiven und Verben stehen; a is (gutts)derbarndlch faul. Lautf.: derbärndlch, derberndlch, derbarmtlch Bihms Koarle, derbärmtlch.

derbei Adv. `dabei´. 1a. `bei dieser Handlung, bei diesem Vorgang, währenddessen´; dr hoalbe Tag is derbei drufgegangn. - b. `bei dieser Sache, Angelegenheit; bei alledem´; doderbei hoa´ch´s ganze Geld eigebisst. - 2. im Übergang zur Konj. `indessen, jedoch´; a hoat´ch aschrecklch iebern Nubber dereschert, doderbei is´r kenn Dreck anderscher. Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´; derbeie Westlausitz; derbeine, derbeind, derbeinde alle Wörter Ostlausitz, derbeine Nordböhmen.

derbelln siehe derbälln!

derbirschtn (gespr. derrbirrschtn, derrburrschtn) refl. swv. Großhennersdorf, °ZI Kemnitz, Ostritz `sich erbosen, erregen, echauffieren´. Auch ufbirschtn refl.

derboarm swv. 1. meist refl. `barmherzig sein, sich einer Sache annehmen´; de Äppl misstn oabgpfluckt warn, iech war miech derboarm. - 2. `jmds. Mitleid erregen´; dar aale Warklch koann enn derboarm; dar hoat gebläkt, Gutt derboarm! `Er hat gebrüllt, dass Gott sich seiner erbarmen möge!´

derbremsn swv. `sich erhitzen; erschöpft, ermüdet sein´; iech hoa miech su derbremst, doaaß´ch miech irschtert amol setzn muss. Oack ne derbremsn!

derbrumm swv. Eibau `erreicht, geschafft, erzwungen´; hoatt´s enner derbrummt, wurd gekloatscht.

derbusn swv. refl. Südlausitz, sWest- u. sOstlausitz `erbosen: sich erzürnen, empören; geifern´; tu dch oack ne su derbusn! Lautf.: derbustn, erbusn.

derbust Adj. (eigtl. Part. Prät. von derbusn) `erbost: verärgert, empört, zornig, wütend´; a is derbust uff´m Mäuer.

derdämmern swv. Pulsnitz `mit Kraft und Anstrengung erreichen´; keene Reichtümer derdämmern. Lautf.: dertemmern.

dereefern swv. refl. `sich ereifern´. Siehe auch dereschern u. derbusn!

dereschern swv. refl. 1. `sich abhetzen u. dabei außer Atem kommen u. sich erhitzen´. - 2. `sich ereifern, sich erregen, sich aufregen´; die dereschert´ch waajn jedn klenn Bissl. Lautf.: dereschpern sSüdlausitz, öKürzungsmundart, ereschern Ost- u. Westlausitz.

derfier Adv. 1a. `als Gegenleistung, als Entgeld (für diese Sache, diese Handlung)´; doderfier krigst de ann aaln Dreck. - b. `statt dessen´; mer keefm´ch kenn neun Schrank, doderfier foahr mer a de See. - 2. `dagegen: gegen eine Krankheit, gegen eine ungehörige Handlung´; do gibbt´s noa kee Duktermittl derfier. - 3. `zugunsten dieser Sache; hinsichtlich dieser Sache´; mer woarrn glei derfier zu hoann. Lautf.: Verstärkung, mit Nachdruck durch do- `da-´; derfiertns Neukirch, derfiert Ostlausitz, derfierde Nordböhmen.

derfier kinn unregelm. V. `dafür können: schuld daran sein´; doderfier koann´ch ne od. nischt. Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´.

derfier tun unregelm. V. in der Volksmedizin `durch Murmeln von Sprüchen u. Streichen des Körpers Krankheiten heilen od. heilen lassen´; deine Woarze wird immer grisser, selltst woaas tun doderfier! Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´.

Derfl siehe Durf!

derfoahrn stv. wie litspr. `erfahren´.

derfriern stv. wie litspr. `erfrieren´. 1. `durch Frosteinwirkung sterben´; du derfrierscht der´sch bissl Labm, derfroist´ch ees, RA: Besser derstickt wie derfrurn! - 2. `durch Frost (an Gliedmaßen) Schaden nehmen´; a hoat´ch ann Kriege de Zinn derfrurn. - 3. `durch Frost eingehen (Pflanzen) ´. - 4. `durch Frosteinwirkung verderben (bei pflanzlichen Nahrungsmitteln)´. Siehe auch friern!

derfinn stv. `erfinden´; dar hoat´s Pulver ne derfunn `der ist nicht grad der Gescheiteste´.

derfsch Adj. `dörfisch: dörflich, im Dorf befindlich, aus dem Dorf stammend od. wohnend´; äberderfsch, niederderfsch; ´s roajcht su derfsch `es richt so nach Dorf´; zer Blosmusicke kumm oack de Derfschn `zur Blasmusik kommen nur die Einwohner der Dörfer´.

dergan stv. refl. `ergeben: als Folge von etw. entstehen, passieren, zustande kommen, woaas´ch oalls su dergan hutte.

dergieksn swv. 1. `(mit einem spitzen Gegenstand) erstechen´. - 2. `mit (stechenden) Augen ergucken, erspähen, erforschen´.

dergihn unregelm. V. refl. `ergehen´; in der Fügung siech ieber enn dergihn missn, kinn `über jemanden sich ärgern, aufregen müssen, können´; woaas´ch miech ieber die Racker schunn dergangn hoa.

dergleichn Dem.pron. nur in der Verbindung ne dergleichn tun `nicht reagieren; tun, als ob einen etw., jmd. nichts anginge´.

dergoattern swv. `ergattern: etw. Seltenes, schwer Erlangbares sich mit Geschick, mit Mühe od. auch List verschaffen; einheimsen´; anne gude hoalbe Stunde hoa´ch gestoann, oack im drei Boanoan zu dergoattern. Lautf.: ergoattern Ostlausitz, Hintere Sächsische Schweiz.

dergremmsn swv. refl. 1. Großschönau `sich ereifern, sich erbosen, aufregen´; tu dch oack ni waajgn jedn Foarz dergremmsn! - 2. söSüdlausitz `erhitzen, überanstrengen´; ba dar Sucherei hoat´r´ch urndlch dergremmst. Lautf.: derkre(m)msn.

dergroapschn (kurzes oa) swv. `schnell ergreifen, fassen; von einer Menge erraffen, was irgend möglich ist´; iech kunnd oack drei Blatl dergroapschn. Lautf.: ergroapschn Hintere Sächsische Schweiz.

derguschln swv. bes. Schlesien `durch Küssen und Schöntun etw. erreichen´.

derhaaln stv. `erhalten´. 1. in Verbindung mit kinn, oft refl. `festhalten, zügeln, sich auf den Beinen halten´; iech kunnt´s Lachn ne mih derhaaln. - 2. `am Leben erhalten, unterhalten, ernähren´; vun Mausn und Stahln tutt´r´ch derhaaln.

derheeme Adv. `daheim´. 1. `zu Hause´; derheeme is oan schinnstn. RA: uff´m Oarsche derheeme bleibm `nicht fortgehen´.- 2. übertr. ne ganz richtch derheeme senn `nicht ganz bei Verstande sein´.

derheeme rim Adv. `zu Hause´; fer derheeme rim is dei Rickl noa gutt genungk.

derheiroatn swv. `erheiraten: durch Heirat erwerben´. Sprichwort: War nischt derheiroat und nischt dererbt, dar bleibt a oarmes Luder, bis´r sterbt.

derhiern swv. `erhören´; in der Fügung woaas ne derhiern kinn `etw. nicht mehr anhören können´.

derhinder Adv. `dahinter´; de gruße Gusche hoann und nischt derhinder. Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´; derhinner söSüdlausitz, derhinderch Neukirch, derhinger West- u. Ostlausitz; derhingert mOstlausitz.

derhinderkumm stv. `dahinterkommen: etw. (Unklares, Rätselhaftes od. Verheimlichtes) herausbekommen, herausfinden´. Lautf.: derhinnerkumm, derhingerkumm.

derhinne Adv. `da hinten, hinten, auf der Rückseite´; de Hacke leit derhinne. Lautf.: derhinn °ZI Ebersbach, derhinge Ostlausitz.

derhungert Adj. (eigtl. Part. Prät. zu derhungern) selt. `verhungert: geizig´.

Derinnerche f. `Erinnerung´; mit menner Derinnerche a de Grußemutter is ne weit har.

derinnern swv. `erinnern´; iech derinner miech noa gutt a seine Räde.

derkiesn swv. (als Inf. in Verbindung mit kinn od. tun) `erkennen, genau sehen, erspähen, entdecken´; a guckt, wu´r noa woaas derkiesn koann; a derkieste mit senn Geieroogn oalls; a hoat´s Feuer oas Irschter derkiest. Lautf. erkiesn.

derklärn swv. `erklären´. Lautf.: derkliern Neukirch, Ostritz.

derkremsn siehe dergremmsn!

derkreuz siehe Kreuz!

derlabm swv. `erleben´. 1. wie litspr.; leeft dar mer iebern Waajg, koann´r woaas derlabm! - 2. `etw. (Schweres) überstehen u. weiterleben; überleben´; mer zwee-e warrn´s wull ni mih derlabm.

derlädchn swv. `erledigen: ausführen, vollständig durchführen´; hoast de schunn deine Schuloarbeitn derlädcht? Lautf.: derleedchn Oberlichtenau, derladchn Ostlausitz.

derlambln swv. Westlausitz `Wagen od. Schlitten ordentlich lenken´, auch verallgemeinert `eine Sache bewältigen´; ich hoa´s groade noa su derlamblt. Lautf:. der-, er-, -lampln, -lämbln, -lämpln.

derlangn swv. `erlangen: erreichen´.

derleebm swv. sSüdlausitz, Königshainer Berge `erlauben, gestatten´; woaas dar´ch derleebt? Häufiger derloobm.

derleidn stv. `erleiden: ertragen, aushalten´; dar hoat ba dan biesn Weibe vill derleidn missn.

derliesn swv. `erlösen´; derliest! `Ausruf beim Versteckspiel, wenn sich ein Mitspieler frei schlägt´. Dar is gutt droaa, dar is derliest `gestorben´.

derloobm swv. `erlauben: gestatten´; iech hoa der´sch ne derloobt! Lautf.: derloom, derlaubm öKürzung; oalls woar derlaubt. Auch derleebm.

dermachn swv. `ermachen: schaffen, bewältigen, ausführen, zu Ende bringen´.

dermäckern swv. `ermäckern´. 1. `schaffen, zustande bringen, erreichen, erzwingen, gewinnen, siegen´; iech hoa´s groade noa dermäckert. - 2. woaas dermäckern kinn `etw. (mit Mühe u. Not) aufbringen´. - 3. `ermorden, schlachten, töten´; itze hoa´ch wieder a Koarnickl dermäckert. Lautf.: ermäckern Hintere Sächsische Schweiz.

dermähnchn siehe dermeenchn!

dermeckern siehe dermäckern!

dermeenchn swv. selt. Süd- u. Ostlausitz `zu sehr anstrengen, schaffen, bewältigen, ausführen´; doas Kohlreitroin hoat miech dermeencht; siehe auch iebermeenchn! Lautf.: dermähnchn Burkau, dermennchn, ermeenchn Nieder-Neundorf.

dermeetschn swv. `erdrücken, erquetschen´; miech hoan se an Umnibusse baale dermeetscht. Auch dermätschern (kurzes ä) Großschönau.

dermit, dermitte Adv. `damit´. 1. wie litspr.; dodermitte loackt ees kenn Hund undern Ufm avier. - 2. `deshalb, deswegen, darum, dadurch´; und bimmln tutt´s, woaas bimmln koann, dermit heeßt´s o de Bimmlboahn. Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´; dermit, dermiede.

dermurksln swv. dass. wie dermurksn. Lautf.: dermorksln Pulsnitz.

dermurksn swv. abgeschwächt `ermurksen: ermorden, erwürgen, umbringen´; iech kennt dan Karln dermurksn!

dernabm Adv. `daneben´. 1. `neben diese/diesen Personen, Gegenstände(n)´; ´s Schepptippl stitt glei dernabm. - 2. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. a. `das Ziel verfehlend´; dernabmschissn. - b. selt. dernabmgihn `fremdgehen´.

dernährn swv. `ernähren´; vun Stiebm und Kehrn muss´ch dr Miller dernährn, vun Matzn und Stahln muss´r´ch derhaaln. Lautf.: dernihrn söSüd- u. Ostlausitz.

Derner Pl. `Dörner: Dorne, Brombeer- od. Rosengestrüpp´; Distl-, Schlih- und Kroatzbärderner. "Wie gitt der´sch?" - "Wie enn Nackchn an Dernern!"

dernern swv. Westlausitz `dörnern´. 1. `sich an Dornen stechen´. - 2. `drängeln, quälen (mit Worten)´; du koannst een dernern bis offs Blutt. Lautf.: darnern, doarnern.

dernieder Adv. `danieder, nieder´. 1. `an einem Tiefststand angelangt, (gesundheitlich, nervlich, finanziell) am Ende, abgebrannt´; ich bie vullt dernieder; ´s Feuer is noa ne ganz dernieder. - 2. als Adverbialpartikel in Verbzuss. `(von oben) nach unten´; derniedermachn, derniederschloin; Aufforderung zum Setzen und Verweilen: derniedergesoatzt a poaar Stunn!

derno (gespr. derrnoo, meist 1. Silbe betont, gedehntes o) Adv. `danach´ 1. temporal, häufig am Satzanfang stehend `nach diesem Geschehen, im Anschluss daran, dann, nachher, später, hinterher, zweitens´; derno woar´ch benn Schuster; iech wellde itze anne Stunde schlofm und derno as Bette gihn. - 2. lokal `dahinter, darauf folgend, dann´; dr Voater leeft vurneweg, derno kimmt de Frooe. Siehe auch hinanooch, anooch, nooch! Lautf.: danno Seifhennersdorf, söSüdlausitz mit Zittauer Gebirge.

dernooch Adv. `danach´ 1. die Zielrichtung bezeichnend `nach dieser Sache´; o du musst´ch dernooch od. dodernooch richtn! RA: Dernooch kräht kee Hoahn. - 2. `dieser Sache entsprechend, dementsprechend´; heute is saukaalt, zoig dch oaa dernooch! - 3. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; dernooch sahn. Lautf.: dernoo Westlausitz. Verstärkung durch do- `da-´; dodernooch.

dernoochern Adj. Süd- u. Ostlausitz `danachher (dass. wie derno 1): nach diesem Geschehen, im Anschluss daran, dann, später, nachher, hinterher´; irschtert räumst de dei Spielzeug uf, dernoochern koannst de raus gihn! Itzert ne, aber dernoochert (Dittelsdorf). Lautf.: dernoochert, danoochats Seifhennersdorf, dernoochernd Niedercunnersdorf, Oderwitz, dernoochernde, dernochern (kurzes o) Ostlausitz, nochern (kurzes o) Ostlausitz.

derpicht Adj. `versessen, begierig´; iech koann´s goar ne mih derwoarrtn, iech bie ganz derpicht druf.

derpuchn swv. `erpochen: erschlagen, totschlagen´.

derpucht Adj. (eigtl Part. Prät. von derpuchn) in der Wendung iech bie wie derpucht `ich bin wie erschlagen, völlig erschöpft´.

derquare (gedehntes a) Adv. `quer, verquer´; räd mer ne immer derquare! `Widersprich mir nicht immer!´ Enn a Foarz od. woaas derquare gihn `jmdm. etw. misslingen´; derkreuz und derquar(e) `unordentlich daliegend, in alle Richtungen weisend´; derquare kumm `hinderlich in den Weg kommen´; Spruch: ´s kennt uff dr Walt vill schinner warn, tät ne a jeds derquare mahrn. Siehe auch verquar(e)!

derracksn swv. Lauban `durch Beharrlichkeit erreichen, erzielen, zustandebringen; durch mühsame Arbeit Schwierigkeiten beseitigen, erzwingen´; de Mutter musst oalls oalleen derracksn.

Derre siehe Dirre!

derreißn stv. `fertigbringen, schaffen, erzwingen´; mer warrn´s schunn derreißn. Lautf.: erreißn Nieder Neundorf.

derrichn (kurzes i) stv. `erriechen´, nur negiert in best. Wendungen; iech koann die Oarznei ne derrichn `ich kann den Geruch des Medikamentes nicht ertragen´.

Derrlch f. verstr. Ostlausitz `magere Person, zurückgebliebenes Tier´, auch Derrgelch Girbigsdorf.

derrn swv. Seifhennersdorf siehe dirrn!

derroaffm sww. `erraffen´. 1. `ergreifen, mit den Händen an sich reißen, hamstern´; is goab billche Oabtroigetichl, iech kunnde groade noa dreie derroaffm. - 2. selt. Oderwitz `begreifen, verstehen, erfassen´; doaas gruße Leed koann ees goar ne derroaffm.

derroammln swv. 1. `eindrücken, zerstören´. - 2. `schaffen, bewältigen, erzwingen´; a wullt´s derroammln.

dersahn stv. `ersehen´; iech koann kee Blutt dersahn; do dersah´ch mer nischt droaa `das interessiert mich nicht´.

dersaufm stv. `ersaufen´. 1. `ertrinken´. - 2. dersuffm senn od. sein `sich mit Wasser füllen, unter Wasser stehen´; de Wiese is dersuffm.

derschissn (kurzes i) stv. 1. `mit einem Geschoss töten´. - 2. etw. durch einen guten Schuss erhalten; de Braut derschissn; iech hoa menn Kiench derschussn `ich habe den besten Schuss getan und bin beim Königsadlerschießen Schützenkönig geworden´.

derschleppm unregelm. V. `erschleppen´. 1. wie litspr. - 2. refl. iech kunnt miech ne derschleppm `ich konnte vor Müdigkeit nicht mehr laufen´. Lautf.: derschlappm, derschloappm.

derschloin stv. Konjug. siehe schloin! `erschlagen´. 1. `durch einen Schlag, durch Schläge töten´; ´s goab an Kunsume Applsinn, do hoann´ch de Weiber baale derschloin; de Oarbeit derschlätt miech baale.  - 2. übertr. wie derschloin senn `todmüde, erschöpft sein; bestürzt sein´. Lautf.: derschloan Zittauer Gebirge, Burkau, derschloon Schirgiswalde, derschloarn Westlausitz.

derschmeckn unregelm. V. in der Wendung is od. (sich) woaas derschmackt hoann `auf den Geschmack gekommen sein´.

derschniebern swv. selt. dass. wie derschniebm; ´n Nubber sei Junge wird durte hiegescheecht, wu woaas zu derschniebern is.

derschniebm swv. selt. Neugersdorf, Großschönau `(durch Schnuppern) wahrnehmen, bemerken, erkunden´; doaas hoa´ch oalls schunn derschniebt.

derschnopern swv. `erriechen, ausstehen, leiden´; iech koann dan Karln ne derschnopern.

derschrecklch 1. Adj. `schrecklich, erschreckend´; a hoat a derschrecklches Wasn. - 2. Adv. (eine Steigerung ausdrückend) `außenordentlich, sehr´; die is derschrecklch eefällch. Auch aschrecklch, arschrecklch u.. erschrecklch.

derschreckn stv. iech derschreck(e), du derschriekst, iech derschroak bzw. derschrok, mer derschrokn (gedehntes o), iech bie derschroackn od. derschrackn (Schirgiswalde) wie litspr. `erschrecken´; iech bie Tuds derschroackn.

derschwingn stv. `erschwingen: finanziell bewältigen´.

derseefm swv. (refl.) iech derseef(e), du derseefst, mer derseefm, iech derseefte, iech hoa derseeft `ersäufen, ertränken´; is Harzeleed derseefm; a hoat de Koatze derseeft; a hoat´ch an Kraatschnteiche derseeft.

derspoarn swv. `ersparen´. 1. `sparsam sein, Geld zur Seite legen´. - 2. `verschonen´; RA: Dann bleibt nischt derspoart `der muss alle Tiefen durchleben´.

derstemm swv. `erstemmen: (mit den Armen) dagegen drücken´; a kunnt´s Letterwaajnl ni mih derstemm.

derstickn swv. wie litspr. `ersticken´; besser derstickt wie derfrurn!

derteebm swv. selt. `ertäuben: vernichten, abtöten (der Embryonen in bebrüteten Eiern durch Erschütterungen)´; a hoat senn Verdruhß durchs Schnoapssaufm derteebt. Lautf.: derteem, erteebm Nieder Neundorf.

dertemmern siehe derdämmern!

dertittn swv. Südlausitz `(es) schaffen, verwirklichen, fertig bringen, (mit Kraft, Geduld) erzwingen, das Ziel erreichen´; die wulln´s bis zun Feierobde dertittn.

dertratn stv. Konjug. siehe tratn! `ertreten: treten mit Todesfolge, zertreten, aufgrund vieler Menschen sich eingeengt fühlen´; uff´m Schissn tun se enn dertratn. Auch derloaatschn od. derträmpln.

dertroin stv. `ertragen´. Lautf.: dertroan.

dertscherlern swv. siech woaas derschellert hoann `sich an einem Körperteil Prellungen zugezogen haben; Gelenke übermäßig belasten, das Schmerzen hervorruft´. Lautf.: dertschellern, derschellern, erschellern Ostlausitz. Vgl. tscherlern!

dertullern swv. Spitzkunnersdorf `erregen, aufregen, ereifern´; Gustoav hoat´ch schunn woaas dertullert ieber doaas Biest.

dertutn swv. dass. wie dertittn.

dervier Adv. `davor´. 1a. lokal `vor diesem Gegenstand´. - b. temporal `vorher´; dervier und derno `davor und danach´; ´n Tag dervierns Neukirch. - 2. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; dervier stihn, siech dervier stelln. Lautf.: derviernde böhm. Niederland.

dervoo Adv. `davon´. 1. `von diesem Ort, diesem Gegenstand entfernt; von diesem Ort, Gegenstand (als Ausgangspunkt) entfernt´; iech stoand ne weit dervoo. - 2. `von dieser Sache, im Hinblick darauf, darüber´; dodervoo hoa´ch nischt gehirrt. - 3. `dadurch´; doaas hoast de nu dervoo! - 4. `(als Teil) von dieser Menge, von diesen Personen´; iech hoa anne Titte Pfirs´che gekooft, dodervoo senn dreie faulch. - 5. `von diesem Material, daraus´; a paar Abern senn ieberch gebliebm, iech mach Mauke dervoo. - 6. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. `weg-, fort-´; dervoone loofm, dervoone troin; wenn d´ ne poarierscht, derno sparr´ch dch an Kaller, dräh's Woasserhahnl uf, stell de Nähmoaschine uff de Kallerkloappe un loof dervoone! (Dittelsdorf)  Lautf.: Verstärkung mit do- `da-´; dervoone Obercunnersdorf, dervoont od. dervoonde zwischen Leutersdorf und Ringenhain, dervune um Görlitz, dervunt Neukirch, dervon (kurzes o) Westlausitz.

dervoonde, dervoone siehe dervoo!

derwaajn Adv. `derwegen´. 1. `aus diesem Grunde, deshalb´; Schuster-Joans bläkt´n ganzn Tag rim, derwaajn od. doderwaajn heeßt´r Bläkschuster. - 2. `dennoch, trotzdem´; o wenn´s draußn raajnt, derwaajn misst´r heem! Lautf.: Verstärkung mit do- `da-´; derwaajgn.

derweechn swv. `erweichen´. 1. `aufweichen´; ´s woar oalls derweecht. - 2. derweechn lussn `nachgeben´.

derweile Adv. 1. `während dieser Zeit, einstweilen, inzwischen, unterdessen´; woasch dch oack, iech koach derweile Koaffee! - 2. adversativ `statt dessen´; ich denk, du machst Schuloarbeitn, derweile sitz de vern Farnsehkastl.

derwider (gedehntes i) Adv. `dawider´. 1. `gegen diese Sache, Angelegenheit; dagegen´; hoast de woaas derwider? - 2. `zuwider, starke Abneigung hervorrufend´; doaas fettche Fleesch is mir derwider.

derwiern sww. `energisch bitten, Wünsche erbetteln, quälen der Kinder´. Lautf.: dorwiern Steina.

derwirgn
swv. `erwürgen´. 1. wie litspr. `durch Zudrücken der Kehle töten´. - 2a. `schlingend essen, hinunterwürgen, verschlingen´; a koann dan dichn Fleeschboatzn kaum derwirgn. - b. `ersticken´; derwirg mer ne benn Assn! Lautf.: derwurgn.

derwischn unregelm. V. iech derwisch(e), du derwischt, iech derwischte od. derwuschte, iech hoa derwischt od. derwuscht  `erwischen´. 1a. `etw., jmdn. zu fassen bekommen´. - b. `etw. Begehrtes bekommen´. - c. `etw., jmdn. erreichen´; under-waajgs hoat uns a Pläderwater derwuscht. - d. `sich etw. Unangenehmes zuziehen´. - 2. `jmdn.(nach einer strafbaren Handlung) ergreifen, jmdn. (bei etw. Verbotenem) ertappen´. - 3. unpersönlich enn hoat´s derwuscht od. derwischt `jmd. ist krank, verunglückt, umgekommen´. Lautf.: derwuschn (Bihms Koarle).

derwoartn (kurzes oa) swv. wie litspr. `erwarten´; bes. in der Wendung die kunnt´s ne derwoartn `die musste etw. sofort haben; die ist schwanger´.

derwuschn siehe derwischn!

Derzählche f. Süd- u. sWestlausitz `Erzählung: langes Gerede´; rick mit dr Sproche raus und mach keene lange Derzählche! Lautf.: Derzahlche.

derzähln unregelm. V. iech derzähl(e), du derzählst, mer derzähln, iech derzahlte, iech hoa derzahlt `erzählen´; dar hoat uns aus senn Labm derzahlt. Lautf.: derzahln (Bihms Koarle), °ZI Ebersbach, Neukirch; verzähln od. verzahln Ostlausitz.

derzu Adv. 1. wie litspr. a. `zu dieser Sache hinzu, zusätzlich zu diesem´; dr Leffl derzu fahlt. - b. `überdies, außerdem´; a is faul und dumm derzu. - c. `hinsichtlich dieser Sache´; mer wulldn as Riesngebirge foahrn, de Frooe hutte aber keene Lust derzu. - d. `für diesen Zweck, zu diesem Zweck´; doderzu brauchst de vill Geld. - e. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. `zu etw. Vorhandenem hinzu´; derzukumm, derzugehiern, derzugan, siech derzuhaaln. - 2. abweichend von der Litspr. a. in der Fügung do is ne vill derzu `die Sache taugt nicht viel´. - b. in der Fügung ne derzu kinn `zu etw. nicht hingelangen können´. Lautf.: Verstärkung mit do `da´; derzune Ostlausitz, Schlesien derzut Ostlausitz, derzunde, derzund; dazunde Seifhennersdorf.

derzwischn Adv. `dazwischen´, auch `darunter´; undern rutn Gehoannsbärn woarrn o a poaar schwoarze derzwischn.

Deschke f. (veralt.)  `Deschka (Ort der Gemeinde Neißeaue im °GR)´.

deschperoat Adj. Seifhennersdorf siehe dischberoat!

deschperiern swv. Seifhennersdorf `niedergeschlagen, verzweifelt sein´.

desterhoalbm siehe doasterhoalbm!

desterwaajn siehe doasterwaajn!

Destl (kurzes e) f. Oberland, Bihms Koarle `Deichsel: Zug- u. Lenkvorrichtung des Wagens, aus einer od. zwei Stangen bestehend, an welche die Zugtiere gespannt werden´; Woajndestl `Wagendeichsel´; RA: de Destl salber lenkn `etw. selbst in die Hand nehmen´, ieber de Dessl schloin (°NOL Königshain) `zu arg treiben´. Lautf.: Deichsl Obercunnersdorf, Deichstl Lawalde, Deistl Steinigtwolmsdorf, Schirgiswalde, Sächs. Schweizl; Dastl (kurzes a) Seifhennersdorf, Decksl Wittgendorf, Jonsdorf, söSüdlausitz, sOstlausitz, Nordböhmen, Dessl Ostlausitz um Rothenburg, Schlesien.

Destllooch n. `Deichselloch: niederes, breites Loch im hinteren Scheunentor od. in der Rückwand einer Scheune, durch das die Deichsel des auf die Tenne geschobenen Wagens hindurchgestoßen wird´. Lautf.: Siehe Destl u. Looch! Deichsllooch Obercunnersdorf.

destln siehe deistln!

Destlreen m. `Deichselrain: mit Gras bewachsener Mittelstreifen zwischen den tiefen Fahrspuren auf Feldwegen´. Lautf.: Siehe Destl!

Deutschboaslz, Boaslz `Deutschbaselitz (Ortsteil der Stadt Kamenz im °BZ)´.

diche Südlausitz nur in Verbindung mit best. Artikeln: dar diche, die diche, doaas diche `der da, die da, das da; dieser, diese, dieses´; dar diche do is is gewast `dieser da ist es gewesen´(namentlich nicht bekannt, aber nicht fremd); die diche Gahnoaffe vu ann Nubber is mit senn Autoe a menn Goaartnzaum gefoahrn `dieser Idiot von einem Nachbar ist mit seinem Auto in meinen Gartenzaun gefahren´; iech will anne weeche Samml, die dichte is mer zu aaltbackn; a dar doichn Koammer schlof´ch ne mih `in dieser Kammer schlafe ich nicht mehr´; doaas doichte Mol (Großschweidnitz). Lautf.: dichte Niedercunnersdorf, Kottmarsdorf, Oderwitz; dichtche, dichtsche; doiche (alte Form von diche) Neugersdorf, Seifhennersdorf, doichtche °ZI Reichenau, doichtche od. doichtsche (alte Formen); hichtche, hiche od. hichte veralt. öKürzungsmundart, Ostlausitz, siche Schirgiswalde, Hinterhermsdorf.

dichte siehe diche!

dichte Adj. wie litspr. `dicht: wasserundurchlässig´; auch übertr.; iech huff, ihr haalt dichte! `Ich hoffe, ihr plaudert es nicht aus!´

Dickbeen n. `Oberschenkel´; auch: dickes Been.

Dickcht n. `Dickicht: schwer zu durchdringendes Gehölz, dichtes Gestrüpp´; Fichtndicktch.
Dickcht f. 1. verstr. Süd- u. Westlausitz `Körperfülle, Beleibtheit´. - 2. `Durchmesser, Stärke´; dar Boalkn hoat aber anne Dickcht!

dicke Adj. 1. `dicht, undurchdringlich´; dicker Nabl, a dickes Faal hoann. - 2a. wie litspr. `umfangreich, korpulent, im Durchmes-ser stark´; RA: Macht dch oack ne su dicke! `Gib nicht so an!´ ´s dicke Ende kimmt noa! Wenn´s kimmt, kimmt´s dicke! `Wenn etwas eintrifft, dann im großen Umfang´; dicke uftroin `dick auftragen, angeben, protzen´. - b. `schwanger´; deine Siene is wieder dicke `dein Kaninchenweibchen wird bald Junge kriegen´; war hoat´n de Gundl dicke gemacht? `Wer hat die Gundel geschwängert?´ Die gitt o dicke! - 3. `krankhaft angeschwollen´; anne dicke Backe hoann. - 4. wie litspr. `dickflüssig, steif´; dicke Milch `saure Milch´, dicke Tinte od. Tunke `enge Freundschaft zwischen zwei Personen´. - 5. in Verbindungen; iech hoa´s´n dicke `ich habe es satt, ich bin müde´, de Graupm, Raupm, Faxn dicke hoann. - 6. `reich, einflussreich´; ´n dickn Moan spieln; dicke tun; dar hoat´s dicke `der besitzt viel Geld´. Lautf.: decke Westlausitz.

Dickes Gemiese n. `Dickes Gemüse: mit Einbrenne angedickter Möhren-, Kohlrabi-, Bohnen-, Erbsen- oder Linseneintopf (mit getrockneten Pilzen)´.

dickkeppch Adj. `dickköpfig: störrisch, eigensinnig´.

Dickkupp m. 1. `störrischer, eigensinniger, unbelehrbarer Mensch´. - 2. `eigensinnige, widerspenstige Haltung; Trotz´; denn Dickkupp war´ch dr schunn noa austreibm. Vgl. auch Schadl u. Nischl.

dickn swv. sSüdlausitz, Nordböhmen `ducken, bücken, verneigen´; dick dch oack, doaas dch ne as Heet schlässt! `Bücke dich nur, damit du dich nicht an den Kopf stößt!´

Dicknischl m. dass. wie Dickkupp 1 u. 2.

dicknischlch
Adj. `eigensinnig, stur, störrisch´.

Dickschadl m. dass. wie Dickkupp 1 u. 2.; ´n Dickschadl raussteckn.

die Art., Pron. wie litspr. 1. best. Art., unbetont; de Mutter, de Siene `das weibl. Kaninchen´; im Dat. de Hihner vu dr Nubberschfroon. - 2. Dem.pron., betont; als Artikelwort beim Subst.; die brauch goar ne zu mir kumm! Im Dat. dar koann´ch ne mih gutt senn! - 3. Relativpron., betont, häufig verstärkt durch de `da´; de Neum-Ursl, die (de) ver drei Juhrn vu derheeme oabgeruckt is, hoat´ch wieder an Durfe eigefunn.

Diebssaajgn m. veralt. `Diebessegen: Zauberspruch, Bannformel, die eine Person, der man besondere Kräfte nachsagte, aussprach, um ein Haus od. Gut vor Diebstahl zu schützen´. Lautf.: Diebssaajn, Diebssägn.

diech Personalpron. betont `dich´, siehe du!

dieglch siehe tieglch!

diegn siehe tiegn!

Diehm `Diehmen (Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im °BZ)´; de Diehmer `die Einwohner von Diehmen´.

Diehse f. (veralt.), ohne Genus `Diehsa (Ort der Gemeinde Waldhufen im °GR)´; doaas Haus stiht ei Diehse; iech bie vu Diehse; de Diehsner `Einwohner von Diehsa´; iech bie anne Diehsnern.

Dieln f. Pl. `Gesamtheit der Fußbodenbretter´; neue Dieln missn a de Koammer; Soaaldieln. Den Sg. Diele gibt es nicht in der Mundart.

dien swv. `dienen´ 1a. `als Haushaltshilfe, Magd od. Knecht in einem Arbeitsverhältnis stehen und dabei ganztägig in das Familienleben eingebunden sein´; benn Bauern dien; meine Grußemutter hoat noa uff´m Hofe od. Rittergutte gedinnt. - b. `Militärdienst leisten´; dar dient schunn drei Juhre ba dr Foahne. - 2a. `jmdm. nützen, helfen, unterstützen´; doaas Road koann mer derzu dien. - b. Großhennersdorf, Ostritz, Bertsdorf `anschlagen (Heilmittel)´; die neue Einahmche dient mer ne. Lautf.: dinn Oberland.

dies´ch Adj. `diesig: dunstig, neblig, trübe u. dabei nasskalt´.

Diffl m. `Düffel: kräftiges, gerautes Köpergewebe, schwere Qualitäten durch Unterschuss verstärkt für Mäntel. Garnmaterial: Wollstreichgarn´.

Dille f. `Dill (Anethum graveolens L.)´, ein Würzkraut.

Dille f. siehe Tille!

Dilltunke f. `Dillsoße´. Lautf.: Dilletunke, Dillchtunke Oderwitz.

Diloatsch m. 1. selt. Westlausitz `Geschwätz, lange Unterhaltung´; do woar a langer Diloatsch draus geworn. - 2. Burkau `großer, (ungeschickter) Kerl; Lulatsch´. Lautf.: Dilatsch.

diloatschn (1. Silbe kurz und unbetont, 2. Silbe gedehnt u. betont) swv. 1. selt. `streicheln, liebkosen, tändeln, schöntun´. - 2. selt. Westlausitz `kindlich falsch sprechen´; hier met doann Diloatschn uff! Lautf.: dilatschn.

Dingerschwinge f. Obercunnersdorf `Düngermulde: Gefäß zum Düngerstreuen, das man sich vor den Leib hängt´. Lautf.: Dingerschwinde Prachenau. Siehe auch Schwinge!

Dingeschuffe f. Seifhennersdorf `Jaucheschöpfer´.

Dingeschwinge f. dass. wie Dingerschwinge.

Dingk n. Pl. Dinger, Dim. Dingl `Ding´. 1. `Gegenstand materieller Natur, der nicht genau benannt werden kann od. muss´; doaas diche Dingk hoat hundert Moark gekust. - 2a. weibl. Person; a junges, oalbernes, eefällches Dingk. - b. `(kleines) Kind´; a hieferches Dingl. - 3. `Angelegenheit, Ereignis, Tätigkeit´; sei Dingk machn; krumme Dinger drähn; na, gutt dan bzw. dam (Ostlausitz) Dinge `kurz u. gut, gut damit´; a Dingk weghoann `betrunken, angeheitert sein´; Ausruf der Überraschung od. Verwunderung: Nu satt mer oack Dingk oaa! Sprichwort: Zu vill und zu winngk is ee Dingk; auch: Zu vill und zu winngk is immer a Dingk. RA (Bemerkung bei ungewöhnlichen Vorfällen): Mit sichn Machn wird sich Dingk `das kann beim Verrichten einer bestimmten Tätigkeit herauskommen´; kee Dingk `ja´; „machst mer ´n Schiefer raus?“ „Kee Dingk!“

dingn swv. `düngen´; de Hitte ausdingn `die Jauche (auf der Wiese) verteilen´.

Dings m. n. Dim. Dingsl Verlegenheitswort für eine dem Sprecher entfallene männl. Pers. od. einen Ort; mer woarrn naajchtn ba Dingse.

Dingsberlings dass. wie Dings.

Dingsdurf n. in der Wendung vu Dingsdurf senn `aus einem dem Sprecher unbekannten od. entfallenen Dorf sein´; die is ne vu Cunnerschdurf, die is vu Dingsdurf.

Dinkerch m. 1. schwach abwertend, Südlausitz, sOstlausitz `männl. Person (mit zweifelhaftem Ruf, schlechten Eigenschaften); dünkelhafter Mensch; einfältiger, eingebildeter, widerwärtiger, eigensinniger Kerl´; aaler, oalberner, grußoartcher, eigebildter od. junger Dinkerch. - 2. `eigensinniger widerwärtiger Gegenstein´; dar Wurzlstook is a granatcher Dinkerch. Lautf.: Dinkercht Hintere Sächsische Schweiz.

Dinkl m. `Dünkel: Eingebildetheit, Hochmut´; a eefällcher Dinkl, die koann a ihrn Dinkl ne im Rot froin.

dinn swv. siehe dien!

dinne Adj. wie litspr. `dünn: von geringer Stärke, Dicke, Dichte, Konzentration, wenig Gehalt´; dei Ufsoatz is dinne `dein Aufsatz ist nicht viel wert´; RA: Dinne senn oas wie a gemäster Zwirns-foadn `sehr schlank sein´; RA: siech dinne machn `in Luft auflösen, (heimlich) verschwinden´; RA: Do schesst´s dinne `da passiert noch etwas Unangenehmes´; `s Dinne `der menschliche Körperbereich um das männliche und weibliche Geschlechtsteil´.

dinnfleeschch Adj. 1. `dünnfleischig (Pflanzen, Pilze)´. - 2. selt. übertr. auf Gegenstände `instabil, klapprig,leicht, geringe Stärke besitzend´; a dinnfleeschches Gespille `aus vielen Speichen und Rohren bestehender Gegenstand´, steig ne uff´m Schemml, dar is dinnfleeschch und windflieglch!

Dinnpfief m. `Dünnpfiff: Durchfall´. Lautf.: Dinnpfeef, Dinnfief, Dinnfiff. Siehe auch Pläderze!

Dinnschieß m. dass. wie Dinnpfief. Lautf.: Dinnschiss.

Dinnst m. n. selt. Oberland `Dienst, Nordböhmen´; de Roaber hoat ihrn Dinnst geton `die Schubkarre ist verschlissen und unbrauchbar´; iech stih a ihrn Dinnstn; uff´s Dinnst gihn. Lautf.: Dienst.

Dinnstch
m. `Dienstag´; uff´m Dinnstche od. zun Dinnstche gitt´s lus; Quoarkdinnstch `Dienstag in der Osterwoche´. Lautf.: Dinnstsch, Dinntsch, Dinnsch Spitzkunnersdorf.

dir betont `dir´, siehe du!

dirfm unregelm. V. iech doarf, du doarfst, mer dirfm, iech durft(e), mer durftn, iech hoa gedurft `dürfen´. 1. `die Erlaubnis, die Berechtigung haben´; iech doarf as Kino gihn (Modalverb). - 2. `sollen´; dirf mer reikumm? `Sollen wir hereinkommen?´. - 3. veralt. `brauchen´; dar doarf oack Taller soin, do leit de Wurscht schunn druffe. Lautf.: durfm; darfm nwSüdlausitz um Putzkau, Großdrebnitz u. Goldbach doarfm Westlausitz; derfm Bühlau.

dirftch Adj. `dürftig´. 1. wie litspr. `ärmlich, karg, von geringem Wert´. - 2. `schmächtig, schwächlich, unterentwickelt (bei Kindern)´; doaas diche Katzl sitt aber dirftch aus.

Dirrbeenl n. selt. `(Langstieliger) Knoblauchschwindling (Marasmius alliaceus)´, Pilzart; is Dirrbeenl roajcht nooch Knoblch.

Dirre f. 1. `Vorrichtung zum Trocknen von Obst od. zum Rösten des Flachses´. - 2. `Vorgang des Trocknens, das Dörren´; Groas uff de Dirre hoon. Lautf.: Durre, Darre, Doarre Westlausitz, Derre.

dirre Adj. `dürr´. 1. wie litspr. `trocken, ausgetrocknet, verdorrt´; dirre Äste, proassldirre, RA: ´s is wie uff´m dirrn Fuchse `es herrscht Mangel´. - 2. `sehr mager (Tier u. Mensch)´; doaas is a dirrer Harch `das ist ein magerer Hering (auch auf Personen übertr.); dirre wie a Rechn `der ist sehr dünn, mager´; roappldirre `klapperdürr´. Lautf.: durre Süd- u. Ostlausitz, doarre Westlausitz, darre Sächs. Schweiz.

Dirrhennerschdurf `Dürrhennersdorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Dirrhennerschdurfer od. Hennerschdurfer `die Einwohner von Dürrhennersdorf´; scherzh. auch Fetthoahnstoadt. Lautf.: Durrhennerschdurf, Hennerschdurf.

Dirrländer m. scherzh. `dünner, hagerer, lang aufgeschossene Mensch´.

dirrn swv. wie litspr. `dörren, dorren´ 1. `dürr machen, trocknen´; mer wulln oack ´n Flachs dirrn! Se hoat Pilze oabgedirrt bzw. oabgedurrt. - 2. `dürr werden´; ´s Futter dirrt. Lautf.: derrn, durrn, darrn, doarrn.

dirte (kurzes i) Adv. siehe durte!

dischberoat Adj. `desperat: verzweifelt, hoffnungslos´; die Beedn woarrn ba dar Nappelei su raajcht dischberoat wurn. Lautf.: dischbroat, koaschberoat.

diskeriern swv. Obercunnersdorf `diskutieren, sich lebhaft unterhalten, weitschweifig über etw. reden, streiten, verhandeln´; die diskeriern schunn drei Stunn minander. Lautf.: diskuriern, dischkeriern, dischkuriern.

Diskur m. (Obercunnersdorf) f. (Ostlausitz) `lange, angenehme Unterhaltung; ernsthafte, eingehende Beratung; Streitgespräch´; mit dar brett se ann Diskur (Obercunnersdorf), mit dar britt se anne Dischkur (Zibelle)) `mit der bringt sie eine Unterhaltung zustande´. Lautf.: Dischkur; Dischkursch u. Diskursch Weifa, Ostlausitz.

ditschn (kurzes i) siehe titschn!

Ditterch m. `Dietrich: Nachschlüssel´.

Ditterschbuch (kurzes u) `Dittersbach a. d. Eigen (Ort der Stadt Bernstadt im °ZI)´; de Ditterschbächer `die Einwohner von Dittersbach´.

Ditterschdurf n. `Dittmannsdorf (zur Stadt Reichenbach gehörender Ort im °NOL)´; de Ditterschdurfer `die Einwohner von Dittmannsdorf´.

Dittlsdurf `Dittelsdorf (Ortsteil der Großen Kreisstadt Zittau im °GR)´; Ausruf bei dem Anblick einer weibl. Pers. mit tiefem Brustausschnitt: Die Aussicht, die Aussicht, mer koann bis Dittlsdurf guckn! De Dittlsdurfer `die Einwohner von Dittelsdorf´.

Dittsdurf `Kleindittmannsdorf (Ortsteil der Gemeinde Lichtenberg im °BZ)´; de Dittsdurfer `die Einwohner von Kleindittmannsdorf´. Lautf.: Dittsdorf.

do (gedehntes o) Adv. `da´. 1. lokal u. demonstrativ a. `dort, an jener Stelle´ (weist auf einen Ort hin, der vom Standpunkt des Sprechers entfernt liegt); do bie´ch geburn! - b. `hier an jener Stelle` (weist auf örtliche Nähe hin); do hast de anne Zahnmoark! ´s Geld leit doe. - c. nur noch in verstärkender Funktion, zu de abgeschwächt und wie ein Suffix gebraucht, wenn es den Relativpron. war `wer´, woaas `was´, dar `der´, die (Sg. u. Pl.) u. doaas `das´ nachgestellt ist; war de will, koann kumm; fer die de, die zu späte gekumm senn, derzähl´ch´s noa amol. - 2. `in dieser Sache, Angelegenheit, in diesem Fall, in dieser Beziehung, was das betrifft´; do hoast de raajcht. - 3. temporal a. `zu jener Zeit, damals´; wie´ch oaafungk mit menner Hantierche, do ging´s noa gemittlcher zu. - b. eine zeitliche Folge bezeichnend `dann, darauf´; iech koam heem, do gingk dr Droaasch o schunn lus. - 4a. als Konjunktionaladv. `somit, mithin, infolgedessen, also´; a Cunnerschdurf is Schissn, do gih mer hie! - b. in Verbindung mit Adv. u. Interj.: Nu do! - 5. hervorhebend als Korrelat von Konjunktionen, die Adverbialsätze einleiten; wenn de ne Achtche gibbst, do hoast de fix de Hand eigebisst. - 6. anaphorisch a. eine vorangehende Adverbialbestimmung wiederaufnehmend; zer Kirmst, do is woaas lus an Durfe. - b. in Korrelation mit einem Pronominaladv.; dei lautes Gefluche, do muss´ch ju ees scham!

Doaabch siehe Toaapch!

Doajnderch m. selt. 1. Neugersdorf `Pers., die langsam ist, trödelt´. - 2. Schimpfwort `Idiot´. Lautf.: Dunderch Schirgiswalde.

doajndern swv. 1. Niedercunnersdorf `den Schnuller in Zucker tauchen, damit das Kind ruhig wird´; seck wurde vill gedoajndert. - 2. Neugersdorf dass. wie poampern; du hoast a ebches Rimgedoajnder, mer wulln gihn! Lautf.: toa(j)ndern, tundern Schirgiswalde.

doaas Art., Pron., wie litspr. `das´. 1. best. Art., unbetont; is Maajdl, ´s Arschl, uff´s Koannepee län `auf das Kanapee legen´, im Dat. ´n Kindl seine Viechter. - 2. Dem.pron., betont; als Artikelwort beim Subst.; ba dann od. dan dichn Sauwater joit ees kenn Hund raus; iech moagg doaas, doas od. doaas diche Geritze ne! De Riethchn, doaas is euch a Raaf! - 3. Relativpron., betont, häufig verstärkt durch de `da´; doaas Koarnickl, doaas (de) gestern ausgerissn is, hoann se ieberfoahrn. Lautf.: doas (kurzes oa) Westlausitz.

doaaß Konj. `dass´. 1. wie litspr. Nebensätze einleitend. - 2. verstärkend in Verbindung mit zahlreichen Konjunktionen u. einer Reihe von Interrogativa; bis doaaß, ehb doaaß, stoatts doaaß, wie doaaß; iech burg dr ne iher woaas, bis doaaß de de aaln Schuldn bezoahlt hoast. - 3. Ausrufesätze einleitend; doaaß de ne wieder zu späte kimmst! Lautf.: doaß (kurzes oa) Westlausitz.

doaasmol Demonstrativpron. `diesmal´; doaasmol koam mer kee Voater a de Quare. Lautf.: doaasmo, doasmol, doasmo. Auch doaas diche Mol.

doa (kurzes oa) Adv. `doch´. 1. einer Verstärkungspartikel ähnlich a. eine Aussage betonend; eemol miss mer doa gewinn! - b. im Ausruf einen nachdrücklichen Hinweis, Überraschung od. Entrüstung hervorhebend; do sull doa glei is Dunnerwater reischloin! Do kimmt´r doache! - 2. `eingestandenermaßen, bekanntlich´; nu is doa unse Voater a guttmittcher Karle. Lautf.: doach, doache; duch Ostlausitz, duche; da (kurzes a) Schirgiswalde.

doach siehe doa!

Doacke f. `Docke´. 1. Bühlau `Holzwalze der Mangel zum Aufwickeln der Wäsche´; Mandldoacke. - 2. Neusorge, Rietschen `Samenkapsel des Mohns´; Mohdoacke. - 3. Seifhennersdorf `Holzpuppe´.

Doahrn `Dahren (Ortsteil der Gemeinde Göda im °BZ)´.

doalfern siehe toalfern!

Doalke siehe Toalke!

doalkern siehe toalkern!

Doamm m. Dim. Damml `Damm´. 1a. wie litspr. `aufgeschütteter Erdwall (in verschiedenster Funktion)´; Sträucherdamml.b. übertr. in der Wendung uff´m Doamme senn `wohlhabend od. rüstig, gesund u. munter sein´. - 2. verstr. Süd- u. Ostlausitz `angehäufelte Kartoffelreihe´. - 3. verstr. um Neukirch, sWestlausitz `lange schmale Reihe zusammengerechten Heues´; Damml machn. Lautf.: Doaam (Bihms Koarle), Tamml nOstlausitz.

doamm swv. 1. Bihms Koarle `aufbegehren´; iech doamm dr druf. - 2. selt. Westlausitz `Heu zu Reihen zusammenrechen´; ´s Heu doamm od. dammln.

Doammerch m. `Dammrich: Rausch, Schwips´; dar hoat ann Doammerch a dr Krune.

Doammhacke f. verstr. `Dammhacke: breite Hacke des Gärtners´; mit dr Breethacke wird´s Damml gemacht (`angehäufelte Kartoffelreihe´), und sumit heeßt se o de Doammhacke. Siehe Breethacke!

Doammsl f. selt. Südlausitz, sWestlausitz `Ohrfeige´; de Mutter teelt heut wieder Doammsln aus.

Doanser (kurzes oa) m. `großer klebriger Fleck, Schmutzrand od. angetrockneter dicker Schmutz an Kleidungsstücken´; du hoast schunn wieder ann Doanser uff´m Arml! Lautf.: Doanster.

Doanserch (kurzes oa) m. Jonsdorf dass. wie Doanser; Leimdoanserch; woaas is´n doaas fer a Doanserch uff´m Teppche? Lautf.: Doansterch Oberlichtenau, Doarnsterch Steina.

doansern
(kurzes oa) swv. `etw. dick auftragen (z.B. Butter, Wurst od. Farbe)´. Lautf.: doanstern.

Doapperch siehe Toaaperch!

doappern siehe toaapern!

doarbm swv. `darben: Not, Hunger leiden, entbehren´.

Doarm m. Pl. Darmer `Darm´; die hoat´s mit´n Doarme `die hat Durchfall´. Volksvers: Sauerkraut fillt de Haut, macht krumme Beene und de Darmer reene.

doas siehe doaas!

doaß siehe doaaß!

doasterhoalbm Adv. `deshalb´; doasterhoalbm luss mer´ch ´s Labm ne verdrissn. Lautf.: dester-, doaster-, doastert-, doast-, doanster-, daster-, dansterhoalbm-, dastert-, dasthoalbm (Bihms Koarle), -hoalm.

doasterwaajn Adv. `deswegen´. 1. `aus diesem Grunde, deshalb´; iech hoa Bunnkoaffee getrunkn, doasterwaajn kunnt´ch ne schluffm. - 2. `dennoch, trotzdem´; o wenn de ne gutt furtkimmst, doasterwaajn kimmst de mit! Lautf.: doastertwaajn Neugersdorf, doasterwaajgn, doastertwaajgn, desterwaajgn; doasterwengn Oberlichtenau.

Doatter m. n. `Dotter: Eigelb´. Lautf.: Dutter, Douter (gedehnt) Nordböhmen.

Doatterch siehe Toatterch!

dobehaaln stv. `dabehalten, dableiben, zurückbehalten, nachsitzen´.

Doberch `Dobrig (Ort der Stadt Elstra im °BZ)´; de Doberchn `die Einwohner von Dobrig´.

doberch siehe toberch!

Dobersch `Dobers´, bis 1945 zum Kreis Rothenburg gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Dobrzyn´, veralt. Dobersche f.

dobleibm stv. `dableiben´. 1. wie litspr. `an einem best. Ort bleiben´. - 2. `in der Schule nachsitzen´; iech misste anne hoalbe Stunde dobleibm.

doderbei Adv. siehe derbei!

doderfier Adv. siehe derfier! Lautf.: doderfiert.

doderhinder Adv. siehe derhinder!

dodermit siehe dermit!

dodernooch siehe dernooch!

dodervoo siehe dervoo! Lautf.: dodervoone, dodervoonde, dodervoont, dodervune.

doderwaajn siehe derwaajn!

doderzu Adv. siehe derzu! Lautf.: doderzune, doderzut, doderzunde.

dodicht Adv. Neugersdorf, Oderwitz `da, hier´; dodicht is nischt; woaas is an Eemer, dodichtn? Lautf.: dodichtn Obercunnersdorf, dodiche Oderwitz, dodichte, dodichtern Neugersdorf.

dodoicht Adv. veralt. Neugersdorf, °ZI Ebersbach dass. wie dodicht. Lautf.: dodoichert, dodoichtert.

dodraus siehe draus!

dodrieber siehe drieber!

dodrim siehe drim!

dodrinne siehe drinne! Auch dohinne.

dodroaa siehe droaa! Lautf.: dodroan Westlausitz.

dodruf siehe druf! Lautf.: dodruff, dodroaff.

dodrufhie siehe drufhie!

dodurch Adv. mit Nachdruck wie litspr. 1. lokal `durch diese Öffnung hindurch´; dr Boall gitt ne dodurch `der Ball geht nicht (durch dieses Loch) hindurch´. - 2. das Mittel od. den Grund bezeichnend; dodurch hoa´ch menn linkn Oarm verlurn.

doe (gesprochen do-e) dass. wie do `da hier´.

dohar Adv. `daher´ 1. abweichend von der Litspr. `hierher, hierhin, dahin´; setz dch oack dohar! Iech bie schunn oas klenner Junge dohar gekumm. - 2. Dürrhennersdorf `aus dieser Richtung, von da´; dohar pfefft dr Wind `das ist der Grund´. - 3. vu dohar `seit dieser Zeit´; vu dohar is is mei Lieblingslied gewast.

dohie, dohie-e Adv. Süd-, West- u. Ostlausitz, Hintere Sächsische Schweiz `da, hier, an dieser Stelle, an diesem Ort´; nu, woaas sull dn poassiert sein dohie? Iech bie geburn dohie-e; dohie hoast de denn Grinndurschtch! Lautf.: dohier, dohiet Obercunnersdorf, dohiede, dohiedn, dohiert Neugersdorf, dohierde, dohierdn.

dohiebm Adv. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Girbigsdorf `dahierdrüben: da, hier, gleich daneben´; dohiebm leit doa dei Koamm! `Hier liegt doch dein Kamm!´. Lautf.: dohiem öKürzung.

dohinne Adv. `dahier drin´ Siehe hinne!

doiche, doichte, doichtche siehe diche!

Dole in der Fügung weeß dr Dole! Siehe wissn!

dolussn stv. `dalassen: (zur Aufbewahrung) an einer bestimmten Stelle zurücklassen; zurück-, hinterlassen´.

domolch (gedehntes o) Adv. `damalig´; meine domolche Liebste.

domsn siehe thomsn!

donaus dass. wie doraus 2.

donei dass. wie dorei 2.

donern (gedehntes o) Weifa, Neukirch dass. wie dunnern; iebern Bihmschn hoat´s schunn poarmol gdonert.

donuff dass. wie doruff 2.

doraus
Adv. 1. `daheraus´. - 2. `dahinaus: an dieser Stelle, in dieser Richtung hinaus´; auch donaus.

dorei
Adv. 1. `daherein´; kumm oack dorei! - 2 `dahinein: an dieser Stelle hinein´, gih oack dorei od. donei! Auch donei.

dorim Adv. `daherum: in dieser Gegend, im Umkreis, in der Nachbarschaft´; iech wisst goar ne, war dorim Äppl verkeeft.

doruff
Adv. 1. `daherauf´. - 2.`dahinauf: an dieser Stelle, in dieser Richtung hinauf´; auch donuff.

dosenn unregelm. Verb `dasein´. 1. `persönlich anwesend, zugegen, zur Stelle sein´; die senn immer noa ne do! - 2. `vorhanden sein, existieren´; zun Mittchassn woar ba Lindnersch oalls do `zum Mittagessen fehlte bei Lindners auf dem gedeckten Tisch nichts´. - 3. `geistig gegenwärtig sein´; iech hoa mit dir geredd, bist du goar ne do? Lautf.: dosein.

dositzn stv. wie litspr. `dasitzen´; RA: War ne dosoaß, dar ne mitoaß!

Doter (gedehntes o) n. `Dotter´. Lautf.: Dota Seifh.

dozumol Adv.auch `dazumal: zu jener Zeit, damals´; dozumol, wie mer minander de Schulbank dricktn. Lautf.: dozumole, dozemole Dittelsdorf, dozumols, dozumo, dozemo(l)(s).

dr best. Art., unbetont siehe dar!
dr best. Art., Dativ, unbetont siehe die!
dr Personalpr. unbetont `dir´, siehe du!

Draajk m. siehe Dreck!

Draajklooch siehe Drecklooch!

Draajkschleuder siehe Dreckschleuder!

Drachn m. 1. `Hausgeist, der nachts als feuriges Wesen erscheint, durch den Schornstein fährt u. Geld herbeibringt, aber das friedliche Sterben erschwert´; ba Ullerche hoann se´n Drachn `die Familie Ullrich ist reich´. - 2. `zänkische, herrschsüchtige Frau´. - 3. wie litspr. `im Wind an langer Schnur steigendes, mit langem Schweif versehenes Kinderspielzeug´; RA: Iech gih Drachnsteign `ich gehe mit meiner Frau aus od. spazieren´. Lautf.: Drache Bihms Koarle.

Drachn-Ä n. Eibau `ungewöhnlich kleines, häufig dotterloses Hühnerei, das Unglück bedeutet u. übers Haus geworfen wird´, auch Teifls-Ä. Lautf.: Drachnei.

Drähboom m. 1. `Drehbaum (Teil der Bockwindmühle)´. - 2. `geschmückter Tannenbaum im (elektrisch betriebenen) drehbaren Christbaumständer´.

Drähchris(t)boom m. `Drehchristbaum´. 1. `drehbare Weihnachtspyramide´. - 2. `geschmückter Tannenbaum im (elektrisch betriebenen) drehbaren Christbaumständer´.

Drähchte f. Wehrschdorf, Steina dass. wie Drähe.

Drähe f. `Drehe´. 1. `Wegbiegung, Kurve´; dr Woajn machte a dr Drähe ann Schlenkerch und schutte im. - 2. `Gegend; im Umkreis eines bekannten, bestimmten Ortes´; du bist vu Grußschiene?- Iech bie o aus dar Drähe! Im die Drähe rim misstn Pilze stihn.

Dräher m. `Dreher´. 1. ein Beruf. - 2. `Bewegung, Tanz, wobei man sich dreht´; Linksdräher.

Dräherch m. 1. `etw., das sich (horizontal) dreht´, z.B. `Drehchristbaum: drehbare Weihnachtspyramide; Kreisel, Karussell´. - 2. `(horizontale) Drehbewegung´; ´s Auto hoat ann Dräherch gemacht; fer Freedn ann Dräherch machn.

Drähknittl m. `Drehknüttel´ zum Drehen des Garnbaumes (Kettbaum) am Handwebstuhl. Siehe ufbeem!

Drähloade f. 1. veralt. `Drehlade: Drehbank´. - 2. selt. `langsame, ungeschickte Frau, der nichts von statten geht und die unentschlossen ist´; doaas is anne Drähloade.

drähn swv. (refl.) `drehen´; de Reitmoaschine dräht´ch, dr Tepper dräht de Scheibe; mer brauch oack ´n Oarsch drähn, schunn hoat´r wieder Scheiße gemacht. Lautf.: driähn öKürzungsmundart.

drähnde Adj. (eigtl. Part. Prät. zu drähn) 1. `schwindlig, taumlig, benommen´; mir is uff dr Reitmoaschine drähnde wurn; ringldrähnde. - 2. `aufgeregt´. Lautf.: drahnde Oberlichtenau.

Drähndekeet f. `Taumel, Schwindel, Gleichgewichtsstörung´.

Drähschemml m. `Drehstuhl´. 1. `Klavierhocker, Stuhl beim Zahnarzt´. - 2. selt. `Rungenschemel am Vorderwagen´. - 3. °ZI Ebersbach `begriffsstutzige Pers.´. Lautf.: Siehe Schemml!

Drähse f. (veralt.), ohne Genus `Drehsa (Ort der Stadt Weißenberg im °BZ)´.

Drähwurm m. `Drehwurm´. 1. eigtl. `Finne einer Bandwurmart, die im Gehirn von Haustieren die Drehkrankheit verursachen soll´. - 2. umg. `Schwindelgefühl des Menschen´; ´n Drähwurm hoann, kriegn.

Drallerch m. 1. dass. wie Droall. - 2. Bretnig `kleiner Zusammenprall, Stoß´.

drallern swv. Westlausitz `sich um die eigene Achse drehen, (nach Hause) torkeln´.

Dräml, Draml siehe Träml!

Dramz `Großdrebnitz (Ort der Großen Kreisstadt Bischofswerda im °BZ)´, selt. Grußdramz; de Dramzer `die Einwohner von Großdrebnitz´.

drange Adv. Ostlausitz 1. `straff, knapp schließend (von Fenstern u. Türen)´. - 2. `eng, dicht stehend´; ´s Kurn stiht heuer sihre drange.

draschn (kurzes a) Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde siehe dreschn!

dräschn (gedehntes ä) swv. veralt. 1. Wehrsdorf `arbeiten´. - 2. `unruhige Bewegungen machen (vor dem Kalben von der Kuh)´. - 3. Anton `laut scherzen, lärmend Lustbarkeiten genießen, Unzucht treiben´.

Drasn (gedehntes a) ON `Dresden (Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen)´; murne foahr mer uff Drasn, dar oarbeit hinder Drasn `der arbeitet westlich von Dresden, also in Mittelsachsen, Westsachsen oder Thüringen´, de Drasner od. de Dras´schn `die Einwohner von Dresden´; uff´m Dras´schn Moarcht gihn. Lautf.: Drasdn Bühlau.

Drasner Rook m. Dim. Drasner Reckl `roter Wollrock mit andersfarbigen Längsstreifen, der meist als Frauenunterrock verwendet wurde´; auch Rut-Draasner Rook.

drasnersch Adj. `in Dresden gebräuchlich, in der Sprache von Dresden´; is neue Kellnermaajdl redd drasnersch.

Drätschn (gedehntes ä)  `Dretschen (Ort der Gemeinde Doberschau-Gaußig im°BZ)´.

Draugl f. Südlausitz, sWestlausitz `Kurbel, Drehling (an größeren Geräten u. Maschinen), Handbohrmaschine´. Lautf.: Draug f. Niedercunnersdorf, Draule f. Seifhennersdorf.

draus Adv. `daraus´. 1a. `aus diesem Stoff, Material´; mer baastln ann Flieger draus. - b. `aus dieser Sache, Angelegenheit´; dodraus wird nischt! - 2. in festen Fügungen; sich nischt draus machn. Lautf.: dodraus.

Drauschmer m. (entlehnt aus dem Obersorbischen) Ostlausitz, Anton `Hochzeitsbitter: Hochzeitslader u -leiter, brauchtumskundiger Zeremonienmeister auf Hochzeiten´; dr Drauschmer hoat de Gäste zer Huckst eigeloadd. Siehe auch Huckstbitter! Lautf.: Drauschmar, Drauschner, Drauschn (Anton), Drausch(e)moan; Druschmer Schlesien, Druschemoann.

draußch Adj. `außen befindlich, äußere´; de draußchn Fanster.

draußn Adv. `draußen´. 1a. wie litspr. `an einem bestimmten Ort außerhalb des Hauses od. eines begrenzten Raumes, im Freien, auf dem Feld´; oan Summer sitz mer draußn; mach de Tiere vu draußn zu! `Verschwinde!´. - b. `in der Fremde´; draußn warrn se dir schunn de Waajge weisn. - 2. zu Verben tretend, die mit rim zusammengesetzt sind und eine ziellose Bewegung bezeichnen; de Kinder jaajern ´n ganzn Tag draußn rim.

draußn rim Adv. `außerhalb des Hauses, in der Öffentlichkeit´; die Hosn senn fer draußn rim.

Drausndurf `Drausendorf (Ort der Großen Kreisstadt Zittau im °GR)´; de Drausndurfer `die Einwohner von Drausendorf´.

Dreck m. Dim. Dreckl Südlausitz `Dreck´. 1. `Schmutz, Staub, Kehricht´; Dreck- od. Draajkwulke; Wendungen: Dreck oan Steckn hoann `beachtliche Schuld auf sich geladen haben´; Dreck oan Pfutn hoann `ungeschickt sein´; Dreck oan Uhrn hoann `sich taub stellen´; scherzh. RA beim Verzehr unsauberer Speisen: Vun Drecke warrn de Schweine fett. RA: A gudes Bette nimmt´n Dreck. RA: Dreck will zu Drecke `immer reicher werden´; nu hoann mer´n Draajk! - 2. `(feuchte) Erde, Erdboden´; RA: Ba dan gitt a Radl an Drecke `er ist geistig schwerfällig´, do gitt od. leeft a Radl an Drecke `da geht etw. daneben´, Dreck undern Lehm machn `etw. Überflüssiges tun´. - 3. `Kot, Scheiße´; Mäusedreck od. -draajk, Hihnerdreck od. -draajk, Taubmdreckl, dar frisst senn eegn Dreck `er ist sehr geizig´; RA: Noa dann Winde kimmt Draajk. - 4. `kleine Person´; dr Bräutchn is su a Pieter und de Braut su a Dreckl. - 5a. `Sache, Ungelegenheit´; iech mach menn Dreck oalleene. - b. `Nichtigkeit, Nebensächlichkeit´; die dereschern´ch waajn jedn Drecke `die regen sich wegen jeder Kleinigkeit auf´. - c. in der Fügung a (aaler) Dreck `nichts´; du wesst ann aaln Dreck! Woaas is doderbei rausgekumm? - A aaler Dreck! - d. `nicht´; du bist ne ann Dreck besser; doaas Brut is kenn Dreck anderscher. Lautf.: Draajk.

Dreckboajttl m. `Schmutzfink´. Lautf.: Draajk-, Dreck-, -boajttl, -boajgl Oberland, -boattl, -boartl Westlausitz.

Dreckboatzn m. `Erdklumpen´.

dreckch Adj. `dreckig´. 1. `mit Schmutz behaftet´; RA: sich ne de Finger dreckch machn `sich nicht an etw. vergreifen´, dar hoat´ch de Pfutn o ne dreckch gemacht `der ist faul und träge´, dreckche Wäsche woaschn `vor Unbeteiligten öffentlich über unangenehme persönliche Dinge reden od. streiten´. - 2. dreckch lachn `unanständig, hämisch lachen´. - 3. `ärmlich, nicht gut, krank, einen geringen Lebensstandart besitzend´; mir ging´s a poaar Juhre dreckch. Lautf.: draajkch.

Dreckecke f. 1. `unaufgeräumte, liederliche Ecke in einem geschlossenen Raum oder freien von Gebäuden, Zäunen oder Bäumen begrenzten Flurstück´. - 2. `Stelle, wo im Winter wenig Schnee liegt und es im Sommer fast immer nass ist´.

Dreckeemer m. 1. `Abfalleimer´. - 2. übertr. Schimpfwort `Pers. mit schlechtem Charakter´.

dreckfrass´ch Adj. sWestlausitz `sehr geizig´.

Dreckfrasser m. `sehr geizige Person´.

dreckfrasserch Adj. `sehr geizig´; dann dreckfrasserchn Karln misstn se´s Lader vulhoon.

Dreckgotl m. Niedercunnersdorf, Ruppersdorf, Cunewalde `Schmutzfink´. Lautf.: Draajkgotl.

Dreckkafer m. Steinigtwolmsdorf `Mistkäfer´.

Dreckl n. siehe Dreck!

Drecklirche f. 1. verstr. selt. `Haubenlerche (Galerida cristata)´. - 2. Crostau `Schmutzfink´. Lautf.: Draajklirche.

Drecklooch n. aber: aus´n Dreckluche `Dreckloch: Wetterwinkel; (meist westliche) Stelle am Horizont, von der aus häufig das schlechte Wetter aufzieht´; ´s zoigt anne Waterwand an Dreckluche uf! Lautf.: Dreck-, Draajklooch, -luch, -loch.

Dreckmuhrdl n. Südlausitz `Schmutzfink´. Lautf.: Draajkmuhrdl.

dreckn swv. 1. `Schmutz machen (beim Verrichten einer Tätigkeit´; musst de su dreckn? - 2. in der Fügung `s dreckt `es fällt Schneeregen´.

Dreckpfute f. `dreckige Pfote, ungeschickte Hand´; Dreckpfutn hoann `mit den Händen nichts Brauchbares zustande bringen´.

Dreckploaatsch m. `Person, die durch Schmutz od. Matsch watet; schmutziger Tölpel´. Lautf.: Draajkploaatsch.

Dreckputtl n. 1. `Person (meist Kind), das im Dreck spielt und sich dabei schmutzig macht´. - 2. siehe auch Puttl u. Buttl `(weibl.) Person, die dreckige, wenig geschätzte Arbeit verrichtet´; iech bie ne dei Dreckputtl! Lautf.: Draajkputtl.

Dreckschleuder
f. 1. `Gerät, das Staub aufwirbelt, z.B.: Heuwender´ - 2a. `nie stillstehendes, loses Mundwerk´; die hoat anne Draajkschleuder. - b. `weibl. Person, die loses Mundwerk hat´; dar Dreckschleuder gih´ch aus´n Waajge. Lautf.: Draajkschleuder Hintere Sächsische Schweiz.

Dreckschmarle f. `Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis (L.)´. Er schnappt vor Gewittern atmosphärische Luft und ist bes. in Schlesien als Wetterfisch in Gläsern gehalten worden. Lautf.: Dreckschmerle, Draajkschmarle.

Dreckschwoalbe f. 1. Großdubrau `Uferschwalbe (Riparia riparie)´. - 2a. `Pers., die sich dreckig macht; Schmutzfink, Dreckschwein´. - b. scherzh.-spöttisch, verstr. `Maurer´.

Dreckschwoarte f. `Schmutzschicht, Dreckkruste´. Lautf.: Draajkschwoarte.

Drecksteckn m. meist scherzh. `Dreckstecken: Person mit schlechtem Charakter´; du Drecksteckn hoast mer mei Noasnfoahrroad verstackt! Auch: dreckcher Steckn.

Dreckvogl m. verstr. `Pirol´. Volksglaube: Wenn der Pirol schreit, wird schlechtes Wetter´. Lautf.: Draajkvogl.

dredln (gedehntes e) swv. refl. Oderwitz `sich zanken, sich streiten´; a dredlt´ch egoal mit dr Froon.

Dreesch m. 1. `kurzer, heftiger Regenguss´. - 2. `etw. größere Menge Flüssigkeit´; dann besuffn Karln hoat de Frooe aus´n Koammerfanster ann Dreesch kaales Woasser uff´m Kupp geschutt.

Dreescher m. 1. dass. wie Dreesch 1. - 2. `Spritzer´; iech hoa a poaar Dreescher od. Dreescherche oabgekrigt. Lautf.: Dreeschter.

Dreescherch m. Spitzkunnersdorf, Burkau dass. wie Dreesch 1. u. 2. Lautf.: Dreeschterch Niedercunnersdorf.

dreeschn swv. 1. `heftig regnen´; hurch oacke, wie´s a de Fanster dreescht. - 2. `spritzen, mit einer Flüssigkeit bestreichen´; de Autos hoann miech vulgedreescht `die Autos sind durch die Pfützen gefahren und haben mich vollgespritzt´. RA: miech hoat´s an Oarsch gedreescht od. miech hoat´s oaagedreescht `mir ist etw. missglückt´. Lautf.: dreetschn Ober- u. Niedercunnersdorf.

Dreeskoammer siehe Traskoammer!

dreeste Adj. wSüdlausitz, Westlausitz `dreist: beherzt, zudringlich, hemmungslos´. Lautf.: droiste.

Dreiangl m. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `dreieckiger Riss in einem Kleidungsstück´.

dreie Zahladj. `drei´; noamittch im dreie.

Dreiecker m. Neugersdorf `Gegenstand mit drei Ecken´, z.B. `dreieckiger Grenzstein, dreieckiger Riss in einer Jungenhose´.

Dreier m. `bis 1873 gängige Kupfermünze im Wert von drei Pfennigen´; RA: die muss oallemol ihrn Dreier derzugan `die muss sich immer (ins Gespräch) einmischen´; RA: Du wirscht noa fer ann Dreier is Voaterland verrotn.

Dreierbrutl n. `durch zwei Kerben dreigeteiltes rundes od. längliches Brötchen aus Weizenmehl, wobei das Mittelstück etw. größer als der linke und rechte Teil ist, und das drei Pfennige kostete´.

Dreierleetee m. `Tee aus einem Gemisch von Kamille, Schafgarbe und Salbei´.

Dreierschmirze f. Südlausitz `Knute mit drei Riemchen´.

Dreikasegruß m. schwach abwert. `Dreikäsehoch: kleiner hochnäsiger Junge´.

Dreikiench m. `Dreikönigstag (6.Januar), Hohes Neujahr´; siehe auch Grußes Neujuhr!

Dreimoaster m. `Dreimaster: Dreispitz, dreizipfliger Hut´, gehörte um 1800 als Kopfbedeckung zur Oberlausitzer Festtagstracht der Männer; zer Huckst wurd dr Dreimoaster ufgesoatzt.

Dreipfinder m. `Dreipfundbrot´.

dreißch Zahladj. wie litspr. `dreißig´; RA: do is ees dreißch (Pfennge wart), ´s ander a hoalb Schook `beide taugen gleich wenig, beide sind gleich schuld´;

dreivirrtl Zahladj. `dreiviertel´; dreivirrtl zahne `ein Viertel vor zehn Uhr´; jmd., der ständig nach der Zeit fragt, antwortet man: Drei virrtl uff Guckenei, war´sch ne gleebt, guckt salber rei!

Dresche f. ohne Pl. `Schläge, Prügel´. Lautf.: Drasche Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde

Dreschermohst f. `Dreschermahlzeit: gutes Essen für die Drescher nach Beendigung des letzten Dreschens´. Lautf.: Drescher-, Draschermohst, -mohlst.

dreschern Bihms Koarle dass. wie dreschn; doaas gingk oas wie bann Scheunedreschern.

Dreschflägl m. `Dreschflegel: Gerät zum manuellen Getreidedreschen´.

dreschn (kurzes e) stv. iech dresch(e), du driescht od. drischt, mer dreschn od. draschn (Zittauer Gebirge), iech druhsch od. drusch, iech hoa gedroaschn od. gedraschn (Schirgiswalde) `dreschen´. 1a. `Getreidekörner, Raps od. Hülsenfrüchte durch Schlagen (mit dem Dreschflegel od. maschinell) aus Ähren od. Hülsen lösen´; Dreschbodn, Dreschmoaschine. - b. übertr. in der Wendung läres Struh dreschn `Unnötiges reden´. - 2a. `schlagen, prügeln´; iech kennt´ch dreschn, bis de de Engl singn hirrscht; immer musst de uff mir rimdreschn; reidreschn, verdreschn. - b. ann Skoat dreschn `einen Skat spielen´. Lautf.: draajschn, draschn Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde

dretzn
(kurzes e) Zahladj. Südlausitz `dreizehn´; RA: Anu schlätt´s dretzn! (Ausdruck der Überraschung od. Entrüstung). Lautf.: draajzn od. dratzn Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf, Schirgiswalde; dreizn.

Dricker m. verstr. mSüdlausitz `Türklinke´; se koam oack uff ann Dricker rei `sie kam nur für kurze Zeit zu Besuch´.

Drickerch m. 1. verstr. mSüdlausitz `Türklinke´. - 2. `Druck mit der Hand, den Armen oder dem Kopf´; de Grußemutter nahm miech zu ann Drickerch roaa.

Drickl m. `Drückel´, an der tschechischen Grenze zwischen Sebnitz und Leutersdorf `Türklinke´; ´n Haustierdrickl, RA: uff´m letzn Drickl (kumm) `im letzten Moment (kommen)´, dr hichste Drickl `höchste Zeit´. Form: Tierdrickl.

drickn unregelm. V. iech drick(e), du drickst, iech druckte, iech hoa gedruckt `drücken´. 1a. wie litspr. `einen Druck auf etw. ausüben´; iech hoa´r ann Schmoatz uff´s Guschl gedruckt; a is boarbsch geloofm, weil´n de Stiefln drucktn. - b. `jmdm. etw. mit leichtem Druck geben´; a druckte mir anne Zahnmoark a de Hand. - c. enn drickn `jmdn. liebkosend umarmen´. - 2. refl. a. `sich unauffällig entfernen´; a blies de Loampe aus, doaaß se sich endlch druckten. - b. `sich einer Sache entziehen´; se drickt´ch vu jeder Oarbeit; a hoat´ch im Mittch gedruckt `er hat sich vor dem Mittagessen gedrückt´. - 3. beim Skatspiel `zwei Karten in den Skat legen´; woarrt oack, woarrt, iech muss noa drickn! Lautf.: druckn bes. Südlausitz.

driebch Adj., nur attr. Schirgiswalde, Schlesien `gegenüber liegend, drüben gelegen, jenseits´; de Driebchn dirfm ne zu uns rieber `die Bevölkerung von der gegenüberliegenden Seite (des Flusses, der Berge, der Straße, der Grenze) darf nicht zu uns herüber´. Lautf.: driemch.

drieber Adv. `darüber´. 1a. `über diesem Ort, diesen Gegenstand´; ubm drieber. - b. drieber senn/sein `mit etw. beschäftigt sein´. - c. ´s gitt drunder und drieber `es ist alles durcheinander, es herrscht keine Ordnung´. Siehe auch drunder 3! - d. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; drieberklattern, driebersteign. - 2. `über diese Sache, Angelegenheit´; gitt ne drieber schlofm! `Klärt das Problem noch vor dem Schlafengehen!´ Lautf.: dodrieber, dodriewer, driewer.

drieberhar Adv. in der Zusammensetzung drieberhar sein `dabei sein, mit etw. beschäftigt sein, bereits begonnen haben´; iech bie schunn drieberhar `in bin schon damit beschäftigt´.

drieberhar ziehn stv. Konjug. siehe ziehn! `darüber her ziehen´ 1. `über jmdn. od. über etw. negativ reden, schlecht machen, herunterputzen´; is hoalbe Durf zug ieber miech drieberhar. - 2 `koitieren, vergewaltigen´; noa´n Kriege senn de Russn ieber unse Maajdl drieberhar gezoin.

driebermachn swv. refl. sich driebermachn `die Sache in Angriff nehmen´.

driebernuff dass. wie drieberruff.

driebernunder dass. wie drieberrunder.

drieberruff Adv. `(darüber) hinauf´, auch driebernuff.

drieberrunder Adv. `(darüber) hinunter´, auch driebernunder.

driebm Adv. wie litspr. `drüben: auf der anderen Seite, gegenüber´; do driebm is meine Heemte `da drüben steht mein Elternhaus´. Lautf.: driem, hiebm, hiem.

driebmch Adj. `gegenüberliegend, jenseitig´; a Driebmchter `jmd. von jenseits der Grenze´. Lautf.: driemch, driemcht, driemsch.

Drieslch m. `schadhafte Stelle in einem Gewebe, an der die Fäden ausfransen´.

Driesljacke f. `(schadhafte, alte) Jacke, die ausfranst´.

driesln swv. `dröseln´. 1. `sich in einzelne Fäden auflösen, ausfransen (bei Gestricktem od. Gewebten); sich aufdrehen (bei einer Schnur)´; ´s Tichl drieslt schunn; siehe auch ufdriesln! - 2. refl. `sich etwas herausdrehen´; a drieslt´ch de Eiszappl aus´n Boartlodn.

driezn siehe triezn!

Drillch m. `Drillich, Drell: ein dichtes, festes, dreifädiges und strapazierfähiges Gewebe in Köper- oder Drellbindung aus Baumwolle, Leinen oder Halbleinen, das für Arbeitsbekleidung oder für Uniformen verwendet wird´; Molerdrillch.

drilln swv. wie litspr. `drillen: mit der Drillmaschine in Reihen säen´.

drim Adv. `darum´. 1. `um diesen Gegenstand, diese Stelle herum´ nur als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss., siehe drimrim! - 2. steht für ein Präpositionalobj. `um diese Sache, Angelegenheit´; die harmt´ch ann Teifl drim. - 3. als Konjunktionaladv. `aus diesem Grunde, deshalb´; drim eigeschankt und ufgetischt! RA aus Dittelsdorf bei Ablehnung: Drum abm irscht groade ne! Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´; drum, drem Westlausitz.

drimrim Adv. 1. dass wie zengs(t)rim, siehe zengs! - 2. `um diese Angelegenheit´; a macht oallemol zu vill Sums drimrim. Auch drimnim.

drinne Adv. `darin´ 1a. `im Haus, im Zimmer´. - b. `auf den Menschen bezogen´; du wirscht glei a poaar drinne hoann `du kriegst gleich eine Ohrfeige´. - 2a. als Verdeutlichung zu einer Lokalbestimmung; a hutt´n Oarm a dr Moaschine drinne . - b. als Pronominaladv. `in diesem Gegenstand, Behältnis, Raum´; du sist drinne aus wie enner, dar´n Goalgn gestreeft hoat `du siehst in dem Kleidungsstück wie ein Gehenkter aus´. Lautf.: Verstärkung durch do- `da-´.

drinnerim- Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. `darin herum´; musst de wieder a dr Pfitze drinnerimwotn?

dritt(e)hoalb(e) Zahladj. veralt. `zweiundeinhalb´; dritthoalb Stunn `14.30 Uhr´. Abzählvers aus Seifhennersdorf bis 1900: Ees und ees und anderthoalbe, zwee und zwee-e und drittehoalbe, wenn´r doaas ne zahne sein, misst´s a dummer Rechner sein.

Drittemoan(n) m. veralt. `Scheidungsrichter, Schiedsrichter´.

Drittloabschloin n. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `mehrere Mitspieler stellen sich zu zweit kreisförmig mit Blickrichtung in die Kreismitte auf. Eine Einzelperson läuft hinter den Pärchen herum und schlägt eine Person ab. Beide bilden nun ein neues Paar und reihen sich in den Kreis ein. Die alleinstehende Person beginnt von vorn (Gesellschaftsspiel für Kinder)´.

droaa Adv. `daran, dran´ 1. stellt wie litspr. eine räumliche Beziehung her; Ort, Lage od. Richtung angebend; dr Hoseknupp muss noa droaa senn; a dar is ne vill droaa `die ist nichts Besonderes (Charakter, Figur, Gesundheit)´; RA: Se ließn oa Herrmoanne kenn gudn Foadn droaa `sie machten Herrmann schlecht, sie fanden an Herrmann nichts Gutes´. - 2. in Verbindung mit senn/sein a. `an der Reihe sein, zur Verantwortung gezogen werden, sterben müssen´; a jeder is amol droaa; zu Gehoanne bist de droanne (Königsbrück). - b. droaa senn + notwendige Modalbestimmung; die is mit ihrn Moanne gutt droaa. - 3. wie litspr. für ein Präpositionalobj.; do hoat kees droaa geducht. Lautf.: Verstärkung mit do- `da-´; droan (kurzes oa) u. droanne Westlausitz.

droaahie Adv. `daranhin: entlang´; dar aale Sifflch gitt a dr Kirchhofsmauer droaahie od. zengs(t)droaahie. Lautf.: droan-, droannehin `Westlausitz´.

droaakumm stv. `daran kommen: an der Reihe sein´; kumm mir o amol droaa? Lautf.: droan-, droanekumm, -komm `Westlausitz´.

droaamachn swv. 1. `etw. anbringen, befestigen an etw.´. - 2. refl. sich droaamachn `etw. in Angriff nehmen´. Lautf.: droanmachn.

droaarim- als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. `daran herum-´; droaarimknaupln, droaarimbaastln. Lautf.: droaa-, droan-, droanenrim, -rum.

Droaasch m. `Drasch´. 1. `geschäftiger Eifer, alltägliche, kraftzehrende Arbeit, hektische Betriebsamkeit bei der Vorbereitung von Festen, Eile, unnötiger Aufwand, Aufregung, Trubel, Unruhe´; iech fräh miech schunn uff de Huckst, wenn oack dar Droaasch vurneweg ne wär; die hoat ann Droaasch mit ihr´n Bruder `die hat es wichtig mit ihrem Bruder´. - 2. Südlausitz, (Spitzkunnersdorf) `Streit, Zank, zänkische Geschäftigkeit´; iech hutte wieder mit´n Meester Droaasch, mir vertroin´ch ne. Lautf.: Droosch Neukirch, Steina, Burkau, Hinterhermsdorf.

droaaschn swv. (refl.) `draschen´. 1. Südlausitz `zanken, streiten´; die zwee beedn droaaschn´ch ´n ganzn Tag; iech hoa miech mit merr Froon gedroaascht. - 2. Neugersdorf, Burkau, Bühlau `sich beeilen, abhetzen; aufgeregt od. hektisch sein, jmdn. antreiben´; droaasch ne su, mer hoann Zeit. - 3. Westlausitz `von jmdn. etw. wollen, jmdn. beeinflussen wollen, betteln´. - 4. Burkau, °NOL Königshain `erzählen, berichten, tratschen´; breetdroaaschn. Lautf.: drooschn Steina, Oberlichtenau, Hinterhermsdorf.

Droall m. `Drall´, neben den ltspr. Bedeutungen auch `Rausch, Tick, Eigenheit´; ´n Droall a dr Krune hoann `nicht ganz richtig im Kopfe sein´.

droanne siehe droaa!

droan(t)schn (kurzes oa) siehe troantschn!

droasln (gedehntes oa) siehe troisln!

Droht m. wie litspr. `Draht´; de Koarnickl kroatzn oan Drohte. RA: uff Drohte senn `aufmerksam sein, etw. schnell erfassen und sich aneignen, gut aufpassen´.

Drohtäsl m. `Drahtesel´: scherzh. `Fahrrad mit Speichen´.

Drohtburscht(e)wiesch m. `Drahtbürste zum Ofenrohrreinigen´. Lautf.: Drohtburscht-, Drohtburrschtn-, Drohtbirscht(e)wiesch, -wisch.

Drohtgefitze n. `Drahtgewirr´.

Drohtkommode f. 1. `Klavier´. - 2. `Ziehharmonika´; auch Quetschkommode.

Drohtloaatsch m. (meist im Pl. gebraucht), veralt. `Drahtlatsch: Holzpantoffeln, auf dessen Sohle in der Längsrichtung starker Draht befestigt ist´, diente im Winter auf der Eisbahn zum Gleiten.

Drohtseel n. `Drahtseil´.

Drohtwiesch m. dass. wie Drohtburschtewiesch.

Drohtwurm m. `Drahtwurm: Larve des Schnellkäfers (Elateridae)´.

droisln siehe troisln!

droiste siehe dreeste!

Droosch siehe Droaasch!

drooschn siehe droaaschn!

druckern swv. Süd- u. Ostlausitz dass. wie drucksn.

druckn swv. siehe drickn!

drucksn swv. umg. `drucksen: zaudern; auf Grund von Hemmungen nur zögernd mit der Sprache herauskommen; etw. sagen wollen u. sich doch nicht entschließen können, offen zu sprechen, stottern´.

drubch siehe ubbch!

drubm siehe ubm!

druf
(gedehntes u) Adv. `darauf´. 1. lokal `auf dieser/diese Stelle, Unterlage´; iech hoa uff dr Schniete Wurscht druf od. druffe; ubmdruf, hinnedruf. - 2. in festen Fügungen mit senn/sein u. hoann; ba Lindnern is itz Hampl druf `Lindners Bauerngut bewirtschaftet jetzt Hempel´. - 3. temporal (in Verbindung mit anderen Zeitbestimmungen) `danach´; ´n Sunntch druf, anne Wuche druf woar a schunn wieder do. - 4. steht für ein Präpositionalobj., abhängig von bestimmten Verben od. Adjektiven, die mit der Präp. uf verbunden sind, `auf dieses´; iech hoa miech druf besunn od. dodruf hoa´ch miech besunn; uff Teichlmauke bie´ch ganz necksch druf. - 5. häufig als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; ´s hoat druf gedreescht; iech mitz (dr) druf! `ich pfeife darauf!´ drufbinn, drufgan, drufhiern, drufklabm, drufseechn. Lautf.: Verstärkung mit do- `da-´; druff(e), droaff(e).

drufferim- als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss. `darauf herum´; drufferimhackn, drufferimbeißn, drufferimurgln, drufferimträmpln. Lautf.: drufrim, druffrim, droafferem.

Drufgehänge n. `Gegenstände zum Hängen auf etw.; Schmuck, Putz für Christbäume´.

Drufgeld n. `Daraufgeld´. 1. auch Bihms Koarle `Handgeld; Anzahlung; Geldsumme, die sofort nach Absprache eines Kaufs vom Käufer an den Verkäufer gezahlt wurde u. dem Käufer bis zu einem best. Termin das Recht auf die Ware sichert´; du koannst de Kuhe ne kriegn, dei Bruder hoat mer schunn´s Drufgeld gegan. - 2. dass. wie Druftoaler. Lautf.: Druf-, Druff-, Droaff-, -geld, -gald, -gaajld.

Drufgetue n. `Kuchenbelag´. Lautf.: Droaffgetue Oberlichtenau.

drufgihn unregelm. V. `daraufgehen´. 1a. `verenden (bei Tieren). - b. derb `sterben´. - 2. `verbraucht, aufgezehrt werden´; do gitt vill Geld druf, do gihn zwee Wuchn druf.

drufhie, dodrufhie Adv. `daraufhin, als Folge dessen´; se is mer o noa iebersch Maul gefoahrn, dodrufhie bie´ch gegangn `sie hat mich auch noach in meiner Rede unterbrochen, daraufhin bin ich gegangen´. Lautf.: (do)druffhie, (do)droaffhin.

drufkumm stv. `darauf kommen: sich an etw. erinnern, auf etw. besinnen; etw. herausbekommen, ermitteln´. Lautf.: druffkumm, droaffkomm Westlausitz.

druflän swv. `darauf legen´. 1. siehe län 1! - 2. `noch fehlendes Geld zu einer Summe hinzufügen, zuschießen, draufzahlen´; wenn´ch mei Auto verkeefm will, muss´ch noa druflän.

druflus- als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss., bezeichnet ein planloses, unbedachtes Handeln; drufluswetzn, druflusmäuern. Lautf.: drufflus-.

drufmachn swv. in der Fügung enn od. a Luder drufmachn `ausgiebig feiern u. dabei reichlich Alkohol trinken´. Lautf.: druffmachn.

drufrim- siehe drufferim! Lautf.: druffrim.

Druftoaler m. `Darauftaler: ein Silbertaler (3 Reichsmark), der sofort nach Absprache eines Gesindedienstverhältnis vom Dienstherrn dem Knecht, der Magd od. dem Dienstboten unabhängig vom Lohn ausgezahlt wurde u. zum vereinbarten Dienstantritt verpflichtete´. Siehe auch Drufgeld! Lautf.: Drufftoaler.

Druftue f. Ober- und Niedercunnersdorf `Belag auf Kuchen oder Torten, Soßenbeigabe oder Salat bei Speisen´.

druftun stv. Niedercunnersdorf `den Kuchen mit Quark, Mohn, Pflaumen, Streusel usw. belegen´. Siehe auch uftun!

druftunkn swv. in der Wendung enn mit dr Noase druftunkn `jmdm. etw. deutlich machen, zeigen, damit er reagiert´.

drum Adv. siehe drim!

drunder Adv. `darunter´. 1. `unter diesem/diesen Ort, Gegenstand´; ´s leit unne drunder. - 2. `dazwischen´; is senn zwee giftche Pilze mit drunder. - 3. in der Wendung ´s gitt drieber und drunder `es herrscht Unordnung, Durcheinander´; RA: ´s gitt nischt drieber und nischt drunder, aber oalls drieber und drunder. - 4. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; drunderkrichn, drunderschiebm. Lautf.: drunner söSüdlausitz, drunger West- u. Ostlausitz.

drundernei Adv. 1. `zwischendurch´; mer hoann drundernei a poaar Biere geschwäppert. - 2. `dazwischen´, vorwiegend als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; musst de immer drunderneirädn! Lautf.: drunnernei söSüdlausitz, drungernei Ostlausitz, drungernein Westlausitz.

drunn siehe unne!

Drusch m. wie litspr. `das Dreschen´.

Druse f. fachspr. `Entzündung, Erkältungskrankheit bei Pferden´.

Drussl f. `Singdrossel (Turdus philomelos)´. Lautf.: Drusstl, Zippdrusstl Großschönau, auch Zippe Oderwitz, Crostau.

drustln siehe trustln!

du Personalpron. 2.Person Sg.; Nom. betont: Du bist gemeent! Abzählreim: Iech und du, Millersch Kuh, Bäckns Äsl, dar bist du! Nom. unbetont: Wesst de woaas? `Weißt du was?´ Hoast´s gehirrt? `Hast du es gehört?´ Wennst de doaas hoann willst `wenn du das haben willst´, auch: weilst de `weil du´, wiest de `wie du´, ihbst de `bevor du´, wust de `wo du´, settst de `seit du´, ebbst de `ob du´, dannst de `den du´. Dat. betont: Iech kumm zu dir! Dativ unbetont: Merk der´sch! `Merke dir es!´, iech hoa dr woaas zu soin! Akk. betont: Doaas is fer diech! Süd- u. Ostlausitz, doas is fer dich! Westlausitz, Akk. unbetont: Iech hoa dch gefunn! `Ich habe dich gefunden!´. RA: Wenn mer diech ne hättn und de grußn Abern!

duch Ostlausitz siehe doa!

Duchte f. Pl.: Duchtn `Docht´; de Duchte is zu kurz; iech muss noa enn uff de Loampe gissn, sinst wird de Duchte wieder troige `ich muss noch einen trinken, damit die Zunge nicht trocken wird´; auf die entschuldigungsähnliche Ausrede iech duchte ... folgt die Zurückweisung: Duchtn senn keene Lichter (und Oarschlecher keene Gesichter). Lautf.: Dochte Schirgiswalde, Westlausitz, Duhchte, Doochte.

Duchter m. siehe Dukter!

Ducht(e)rändl n. `verkohltes Dochtende´.

duchtern siehe duktern!

duckln swv. Obercunnersdorf `langsam fahren (mit dem Traktor)´.

duckmäusersch Adj. `duckmäuserisch, feige, hasenfüßig, hasenherzig, memmenhaft, schüchtern, ängstlich´.

duddln
siehe duttln!

dudln swv. 1. `unaufhörlich eintönige Klänge erzeugen (mit einem Instrument, mit dem Radio)´, eigtl. `auf einem Dudelsack spielen´; dar lässt ´n ganzn Tag sei Kastl dudln. - 2. `monotones Weinen (von kleinen Kindern)´.

Duffl siehe Tuffl!

Duffljacke f. Niedercunnersdorf, Bertsdorf, Seifhennersdorf `warmes Kleidungsstück für Frauen (selt. für Männer) aus Düffel, einem einfarbigen, geblümten od. gesprenkelten tuchartigen Baumwollgewebe mit glänzender Oberfläche, mit Watte gefüttert, das zur Winterbekleidung verwendet wurde´. Lautf.: Diffljacke.

duhn swv. Rietschen `dohnen: spannen, mit einer Drahtschlinge Hechte fangen´.

Duhne f. Großhennersdorf `Dohne: Drahtschlinge zum Hecht- oder Vogelfang´.

Duhrsch, Duhrschtch siehe Dursch!

Dukter m. Pl. Dukter(sch) `Doktor: Arzt´; luss oack ´n Dukter kumm! Lautf.: Duchter (kurzes u) wSüdlausitz, Lawalde, Schirgiswalde, Doachter.

Duktergeld n. `bar zu entrichtende Arztkosten´.

duktern swv. `doktern: jmdn. mit Medikamenten od. Heilmitteln (unprofessionell) behandeln´; dar duktert schunn a hoalb Juhr oa mir rim; a studiert uff´s Duktern. Lautf.: duchtern (kurzes u) wSüdlausitz.

Dukternillge f. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Seifhennersdorf `Doktornarzisse: Weiße Lilie´. Lautf.: Dukternillche. Siehe auch Nillge!

Dulde f. Pl. Dulln od. Duldn wie litspr. `Dolde: schirmähnlicher Blütenstand, z.B.: bei Kümmel u. Holunder´.

Dulgewitz `Dolgowitz (Ort der Großen Kreisstadt Löbau im °GR)´; de Dulgewitzer `die Einwohner von Dolgowitz´.

dumb Adj. veralt. Obercunnersdorf, Oberseifersdorf, Thiemendorf `dumm, ungut, übel, böse´; a rackt´n Kupp a de Hiht und guckt ganz dumb; dumb senn od. tun `den Gekränkten spielen´; dar hoat´s dumb genumm `der hat es übel genommen´. Vgl. dumpf!

dumm Adj. wie litspr. 1a. `geistig beschränkt, unintelligent´; bläkdumm `sehr dumm´; dumm wie Bunnstruh; dumm wie Schifferscheiße; dumm wie Schefflern sei Schwein; RA: dumm geburn und nischt derzu gelarnt. RA: War die fer dumm keeft, gibbt sei Geld imsunst(e) aus; du bist su dumm wie de Lodn langk senn. RA: Dostihn wie dr dumme Junge vu Meißn. RA: Zwee dumme, ee Gedanke. - b. `albern, einfältig, töricht, unvernüftig´; iech kennt´n ganzn Tag dumm tun. RA: De Menschheet wird immer dimmer. - c. `unreif, unerfahren, unverständig´; die dumm Jungn wulldn a Wabersch Budl Zigrettn mausn. - 2. `unangenehm, übel; unverschämt´; doaas is a dummes Dingk. - 3. `benommen, schwindlig, verwirrt´; mir is ganz dumm an Kuppe.

Dummheet f. wie litspr. `Dummheit´. 1. `geistige Beschränktheit´; dar hoat de Dummheet mit Leffln gefrasn; dar bläkt ver Dummheet. RA: Wenn Dummheet wih tät, do tätn die ´n ganzn Tag brilln. - 2. Pl. `dumme Streiche, Unfug´; Dummheetn machn.

Dummhutt m. selt. `dumme Person, Dummkopf´, auch Dummhuttl.

dummgutt Adj. `gutmütig, nachgiebig, übertrieben gefällig´.

Dummlack m. dass. wie Dummhutt.

Dummsdurf n. in der Wendung vu Dummsdurf senn `dumm sein´.

Dump siehe Tump!

dumpch siehe dumpfch!

dumpf Adj. dass. wie dumpfch; ´s roajcht dumpf. Lautf.: dump Großschönau. Vgl. dumb!

dumpfch Adj. 1. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach, Cunewalde, Burkau, Girbigsdorf `moderig, muffig´; an Kaller is is dumpfch. - 2. `bitter´; wenn dr Hoaber gequetscht is, wird´r dumpfch. Lautf.: dumpch öKürzung, Nordböhmen.

Dundersaak m. wSüdlausitz `Idiot, Trottel´; du bist und bleibst a Dundersaak! Lautf.: Dundersack. Siehe auch Doajnderch.

Dunk(e)lei f. Südlausitz `Abenddämmerung, Einbruch der Dunkelheit, abends´; im de Dunkelei, zer Dunkelei.

Dunklhäuser Pl.`Dunkelhäuser (Ortsteil der Stadt Rothenburg OL im °GR)´; de Dunklhäus´schn `die Einwohner´.

Dunklstunde f. Süd- u. Ostlausitz `Dämmerstunde´; friher misst mer ba dr Grußemutter Dunklstunde haaln od. machn `früher saßen wir bei der Großmutter im Halbdunklem zusammen und plauderten´.

Dunner m. 1. `Donner´; RA: wie ver´n Dunner gepucht `verdutzt, erschrocken, fassungslos, sprachlos´; Ausruf, Fluch: Dr Dunner oack o! Zun Dunner oack o! - 2. übertr. `Rausch, Schwips´; die beedn huttn´ch ann tichtchn Dunner oaageschwäppert. Lautf.: Duner (gedehntes u).

Dunnerbasn m. `Donnerbesen´. 1. selt. `kugel- od. besenförmige Missbildung von Zweigen auf Kiefern u. Lärchen, selt. auch auf Birken u. Kirschbäumen´. Volksglauben: In welchem Hause ein solcher Donnerbesen verbrannt wird, dort schlägt das Gewitter ein. - 2. übertr. abwert. `aufgetakelte Frau mit liederlicher, auffälliger od. hochgestellter Frisur´; woaas huttst´n du fer enn Dunnerbasn an Autoe sitzn gehoat?

Dunnerch m. `lauter Knall, Donnerschlag´; RA: Du machst aus ann Foarz ann Dunnerch `du übertreibst maßlos´. Lautf.: Donerch (gedehntes o) Weifa.

Dunnerjunge m. `Junge mit besonderen positiven od. negativen Eigenschaften; Prachtjunge, Saujunge´.

Dunnerkeil, -kiel! Ausruf der Überraschung, Verwunderung, Anerkennung; Dunnerkiel, du bist aber gewachsn! (Eigtl. „Blitz: Keil des Donnergottes“. Das Einschlagen geschieht durch einen gewaltigen Keil, der sehr schnell aus der Gewitterwolke niederfährt.)

Dunnermaajdl n. `Mädchen mit besonderen positiven od. negativen Eigenschaften; Prachtmädchen´. Lautf.: Dunner-, Duner-, Doner-, maajgl, -mardl, -madl.

dunnern swv. `donnern´. 1. ´s dunnert `Gewitterdonner rollt´, RA: du guckst wie anne Goans, wenn´s dunnert `sich verblüfft od. erstaunt um- od. ansehen´. - 2. `Schläge austeilen, ohrfeigen´; du krigst glei eene gedunnert! Lautf.: dunern (gedehntes u), donern (gedehntes o) Seifhennersdorf.

Dunnersakermenter! Interj. dass. wie Dunnerkiel!

Dunnerschlange f. `Donnerschlange: Blitzschlange´, siehe wie Feuerschlange!

Dunnerwater n. `Donnerwetter´. 1. Verwünschung u. Fluch; kreiz Dunnerwater noa amol! Do sull doa glei is Dunnerwater reischloin! - 2. Ausruf der bewunderten Überraschung; Dunnerwater hätte! Dunnerwater, is doaas Maajdl schiene! - 3. `sehr heftige Schelte´; derheeme hoat´s a Dunnerwater gegan. Lautf.: Dunerwater (gedehntes u) °ZI Ebersbach.

Dunnerwaterblume f. Dim. Dunnerwaterblieml 1. `Gamander- Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)´. Wenn man eine solche Blume pflückt, gibt es ein schweres Gewitter. Auch Gewitterblieml. - 2. `Kriechender Günzel (Ajuga reptans); auch Gugucksblume. - 3. um Görlitz `Distel´.

Dunnsch, Dunnschk, Dunnschtch siehe Dursch!

Dunsl m. `Dunsel: schlafmütziger, langweiliger Kerl, Tollpatsch, Dummkopf´.

Dunst f. `Dunst´ m.

Duntschl m. Obercunnersdorf, Neugersdorf in der Fügung dr Duntschl hätte! (Ausruf der Freude, der Verwunderung, der Empörung)

Dupplfanster n. `Doppelfenster´: scherzh. für `Brille´.

Dupplkupp m. `Doppelkopf (Kartenspiel)´.

Dupploadler m. in der Wendung Dupploadler machn, spieln 1. `zwei Personen üben eine Tätigkeit aus, wobei sie sich den Rücken zuwenden´; mir hoann´ch naajchtn a dr Wulle gehoat und an Bette Dupploadler gemacht `wir haben nach ehelichem Zwist am gestrigen Abend abgewandt im Bett gelegen´. - 2. `sich in den Schnee legen und mit den ausgestreckten Armen und Händen die Flügel eines Adlers in den Schnee drücken´.

dupplt Adj. wie litspr. `doppelt´; iech nahm ann Duppltn.

durch 1. als Präp. mit Akk., wie litspr.; de Nacht durch bie´ch gefoahrn. Zungenbrecher: Durch Rupperschdurf kimmt a Sturch durchs Durf durch. - 2. als Adv. in Verbindung mit senn/sein od. hoann; dr Kase is durch; woaas die schunn durch hoat! - 3. als Adverbialpartikel in unfesten Verbzuss.; durchkrichn, durchbläun, durchwetzn, siech durchschloin. Lautf.: dorch Westlausitz.

durchdrickn unregelm. V. `durchdrücken: (durch Autorität, mit Überzeugungsarbeit od. Gewalt) etw. durchsetzen´; de Huchn hoann´s wieder durchgedrickt od. durchgedruckt. Lautf.: Siehe durch u. drickn!

durchfitschln swv. `etw. durch schnelle Bewegung des Messers durchschneiden, durchreiben, durchscheuern´.

durchfrassn stv. refl. umg. `durchfressen: sich häufig freihalten lassen, auf Kosten anderer leben´.

durchhechln swv. 1. `über jmdn. Schlechtes reden, wenn er nicht dabei ist´. - 2. `eine Sache bis in alle Einzelheiten durchsprechen´.

durchkumm stv. `durchkommen´. 1. wie litspr.`vorbeikommen, durchgelangen´. - 2. `(ohne Schaden) davon kommen, durchstehen, überstehen, überleben´; a wird schunn durchkumm!

Durchmoarsch m. 1. `Durchfall´. - 2. Zutrunk: Prust Gurgl, itz kimmt a Durchmoarsch! `Zum Wohl!´.

durchwurschtln siehe wurschtln!

Durf n. Dim. Derfl 1a. wie litspr. `Dorf´; iech bie vun Durfe; meine Frooe is a Stoaadtmensch und iech bie a Derfscher. RA: Luss de Kirche an Durfe! `Übertreibe nicht so!´ - b. ieber siebm od. zahn Derfer `weit, weitläufig, umständlich´; hul ne irscht ieber zahn Derfer aus! - 2. Zentrum des Dorfes, Dorfstraße; iech gih as Durf eikeefm `ich geh ins belebte Zentrum des Dorfes einkaufen´; se kumm is Durf ruff. - 3. Derfl `kleines Dorf; abgelegener, aus wenigen Häusern bestehender Ortsteil eines Dorfes´; Waltersdorf: doaas Derfl `Herenwalde´ u. jess Derfl `Saalendorf´, Leutersdorf: (bihmsches) Derfl `Neuleutersdorf´; de Derflkirche `katholische Kirche in Leutersdorf´. - 4. Bihms Koarle as Durf kumm od. gihn `zu Besuch kommen od. gehen´; RA: Du kimmst schunn wieder a mei Durf noa Buttermilche `du wirst auch wieder von mir etwas wollen und dann werde ich deine Unfreundlichkeit gebührend vergelten´. Lautf.: Dorf Schirgiswalde.

Durfblatl n. `Dorfblatt´. 1. `Dorfzeitung, Gemeindeblatt´. - 2. übertr. `Person, die das neuste weiß und bei jeder Gelegenheit weitererzählt´.

Durfleier f. Westlausitz `Dorfleier: langes Gedicht in einfachem Versbau mit gleichbleibendem Reimschema, in dem reihum viele Bewohner gehänselt wurden, auch einer populären Melodie unterlegt´. Lautf.: Dorfleier Westlausitz.

Durfleute f. Pl. `Dörfler, Dorfeinwohner´; de Durfleute senn noa a bissl groadezu. Volksreim aus Dittelsdorf: Uff´m Durfteichdoamme stihn de Durfleut zsoamme.

durfm siehe dirfm!

Durfmoan m. `Dörfler, männl. Einwohner eines Dorfes´.

Durn m. Pl. Derner `Dorn´. 1. wie litspr. `spitzer, harter Pflanzenteil´; Kroatzbärderner, Distlderner. - 2. auch Bihms Koarle `Werkzeug mit dornenförmiger Spitze zum Steineputzen; Spitzstahl´. Lautf.: Pl. Dirner um Görlitz.

Durndräher m. Großschönau `Rotrückenwürger (Lanius collurio)´.

Durnhennerschdurf `Dornhennersdorf´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße, dem Braunkohlenbergbau zum Opfer gefallen, poln. `Strzegomice´; de Durnhennerschdurfer od. Hennerschdurfer `die Einwohner von Dornhennersdorf´. Lautf.: Dornhennersch-dorf.

Durnsch, Durnschtch siehe Dursch!

Durrhennerschdurf siehe Dirrhennerschdurf!

Dursch (gedehntes u) m. wnmSüdlausitz bis nach Spitzkunnersdorf gehend `Donnerstag´. 1. wie litspr.; uff´m Dursch gibbt´s Gewiegtes. - 2. de Kinder kumm zun grinn Dursche od. Durschtche singn `die Kinder kommen am Gründonnerstag singen´; siehe Grinndurschtch! Lautf.: Durschtch; Dorschch Schirgiswalde; Durnsch od. Durnschtch söSüdlausitz, Wittgendorf; Dunnsch od. Dunnschtch Burkau, Girbigsdorf, Neusorge, Dunnschk Ostlausitz um Rothenburg, Donntsch Rammenau, Dunnerscht Bühlau, Dornsch bzw. Donnsch Oberlichtenau.

Durscht m. `Durst´; a trinkt garne enn iebern Durscht `er trinkt gerne zu viel´. Lautf.: Dorscht Westlausitz.

Durschtch (gedehntes u) siehe Dursch!

durschtch (kurzes u) Adj. `durstig´; durschtche Skoatbrieder.

durte Adv. `dort´, wie litspr. `an jenem Ort´; durte draußn `dort draußen´, durte hinne `dort hinten u. dort darin´, durte ubm `dort oben´, durte unne `dort unten´ durte vurne `dort vorn´, als Dem.pron.; dar diche durte woar´sch! `Dieser dort war es!´ Lautf.: durt, dirte Obercunnersdorf, Neusorge, dirt.

durtehie Adv. `dorthin´. 1. lokal `genau dort, dahin´. - 2. temporal `bis zu diesem Zeitpunkt´. Lautf.: durt-, dirt-, doart-, durte-, dirte-, doarte-, -hie, -hin.

duse Adv. Obercunnersdorf, Neugersdorf 1. `leise, gedämpft, geräuschlos´. - 2. `langsam, gefühlvoll, behutsam, vorsichtig, zärtlich´. - 3. `sanft, still´. - 4. `halbdunkel, trübe, undurchsichtig, gemütlich´.

dusemank Adv. Obercunnersdorf, Cunewalde `doucement´ dass. wie duse; iech hoa de Frooe ganz dusemank munter gemacht. Lautf.: dusemang.

Dusl m. `Dusel´. 1. `Benommenheit, Schlaftrunkenheit, Halbschlaf, leichte Verwirrung, leichter Alkoholrausch´; dar is noa an Dusl. - 2. `unerwartetes, unverdientes Glück´. Lautf.: Dussl.

Dusl f. Westlausitz `Ohrfeige´.

duslch Adj. `leicht beschwippst, benommen´.

dusln swv. `duseln: ein wenig schlafen, vor sich hin dösen, im Halbschlaf träumen, in einen Rausch verfallen sein´. Lautf.: dussln.
dusln swv. Frankenthal, Steina `ohrfeigen´; ich war dr glei eene dusln!

Dussl m. `Dussel: Dummkopf´.

duster Adj. fast nur präd. `düster: dämmrig, halbdunkel´; wenn´ch frih uff Oarbeit foahr, is is noa duster.

dusterch Adj. dass. wie duster.

duttch siehe tuttch!

Duttleisn (gespr. Duddleisn) n. veralt. `heiß gemachtes Werkzeug, Glockeisen zum Bügeln´. Lautf.: Dujttleisn.

duttln (gespr. dujddln) swv. 1. Südlausitz `(viel, hastig, schnell) trinken´; hoast de de ganze Bulle oalleene ausgeduttlt? - 2. veralt. `Wäsche glocken, bügeln, plätten´. Lautf.: dujgln Oberland, dujttln.

Dutzd n. Südlausitz, Nordböhmen `Dutzend´.

duzn (gedehntes u) swv. `duzen: mit Du anreden´.