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  1. B

Ba

ba (kurzes a) Präp. mit Dat. `bei´. 1. lokal; iech wohn ba Schnoapshampln, sei Häusl stitt benn Busche. - 2. temporal; du musst de Gusche benn Rädn ufmachn! - 3. wie litspr. zur Angabe der Begleitumstände `im Falle, unter der Bedingung´; ba dar dichn Britte bleib´ch ´n ganzn Tag an Kaller. - 4. ba Tage `am Tag´. Lautf.: ba `bei´ Süd- u. Ostlausitz, be `bei´ verstr. Oberland, Neukirch, Westlausitz, öKürzung, bei Westlausitz, benn `bei dem´ Oberland, bann `bei dem´ Südlausitz, baajn Zittauer Gebirge, bein `bei dem´ Westlausitz, bam `bei dem´ Ostlausitz.

Baach f. `Bach: schmaler Wasserlauf´; dr Boall is a de Baach gekullert. Lautf.: Baache öSüdlausitz, Ostlausitz.

Baachreese f. `Bachreise: Barfußweg im Bachbett´, meist Schulheimweg.

Baachstelze
f. `Bachstelze´. 1. wie litspr. `Motacilla alba´, Vogelart , auch Baachvogl, Wippstalze, Wippstelze, Wippschwanz u. Ackermännl. - 2. übertr. Burkau `zweirädriger Karren zum Transport längerer Gegenstände´ (weil er beladen beim Fahren wippt wie die Bachstelze mit dem Schwanz). Lautf.: Baachstalze Cunewalde, Bachstelze Westlausitz, Baachstaalze Nordböhmen.

Baachvogl m. Crostau dass. wie Baachstelze.

Baajchte f. `Beichte´.

Baajndl n. siehe Bändl!

baale Adv. `bald´. 1a. wie litspr. `in (relativ) kurzer Zeit, öfters´; a kimmt baale amol zu mir `er kommt öfters zu mir´. Sprichwort: Baale is anne lange Faale `bald ist eine lange Falte´. Abschiedsgruß des Gastgebers: Nu, kumm oack baale amol wieder! - b. wie litspr. `nach einer langen Zeit, endlich´; dar kennde baale heemkumm. - c. in der Wendung baale machn `sich beeilen, schnell machen´; wenn de ne baale machst, gih´ch oalleene. - 2. wie litspr. `fast, beinahe´; iech wär baale hiegeschloin. - 3. baale ne `kaum´. - 4. `einmal, ein andermal´; baale su und baale su `einmal so und einmal so´.

Baand siehe Band!

Baandmacher m. Oberlichtenau `Bandweber´. Lautf.: Band-, Baand-, -macher, -mächer.

Baandstuhl siehe Bandstuhl!

Baastlch m. `Bastler; eine Person, die gerne bastelt´.

Baazl siehe Batzl u. Boatzn!

baastln swv. `basteln´. 1. `kleine handwerkliche Arbeiten ausführen; eine kleine, Geschicklichkeit u. Mühe erfordernde Arbeit verrichten; kleine kunstvolle Arbeiten aus Holz, Pappe anfertigen´. - 2. abwert. `ergebnislos u. lange an etw. herumflicken, -murksen, tändelnd arbeiten, Flickarbeit verrichten´; unser Grußer baastlt ´n ganzn Tag a senn Foahrradl rim. Lautf.: bastln, bästln (Anton).

Babbe siehe Poappe!

Bäppe f. selt. Niedercunnersdorf, Dittelsdorf `Mund, Gesicht´; immer nei a de Bäbbe! Lautf.: Babbe.

bäbbern siehe bebbern!

bäbbln swv. umg. `(langweilig, lässig) Fußball spielen´; su a Gebäbbl!

Babe (gedehntes a) f. 1a. `Aschkuchen, Napfkuchen, Rührkuchen, Gugelhupf´, in einer speziellen Form gebackener runder, hoher Kuchen aus Backpulver- od. Hefeteig mit einen Loch in der Mitte und schrägen Furchen außen; Pfoannebabe, Mohbabe. - b. `tönerne od. blecherne Aschkuchenform´. - 2a. `alte geschwätzige Frau´. - b. selt. `Hebamme´. - 3. Niedercunnersdorf `dickes Gesäß´; die hoat anne Babe! Lautf.: Bäbe. Auch Oaschkuchn.

Babenoapp (gedehntes a) m. `Aschkuchenform aus Ton od. Blech´, oft nur Babe. Lautf.: Babmnoappm, Babmnappl, Babenappl, Bamnoapp.

baberch (gedehntes a) siehe bebberch u. paperch!

Babeweckl n. 1. Neugersdorf, Eibau `Aschkuchenform´. - 2a. `Sandspielform´. - b. `eine von Kindern aus Sand geformten Bäbe mit einer Sandspielform´.

Bäbl (gedehntes ä) m. siehe Päpl!

Babuschn (gedehntes u) Pl. Sachsen, Schlesien `unförmige, warme, gefütterte Hausschuhe, Filzpantoffeln´. Lautf.: Boabuschn, B(o)ambuschn.

bachern (kurzes a) swv. refl. Südlausitz, sWestlausitz `(in der Sonne liegen u.) sich wärmen, in der warmen Wanne liegen und sich wohlfühlen´; iech tu miech oan Ufm bachern.

Bächte (kurzes ä) f. verstr. West- u. Ostlausitz `Getreidereste auf dem Feld, die nach der Ernte liegen geblieben sind´; häufiger: Gebächte.

bächtn (kurzes ä) swv. 1. `etw. aus Unachtsamkeit beim Transport verlieren, verstreuen, verschütten´; bächt ne su mit´n Futter! `Verstreu nicht so das Heu beim Transport!´ - 2a. `während des Essens etw. über den Tellerrand schieben, krümeln, schweinern´; anu ieß und bächte ne su! - b. `etw. Essbares sorglos vergeuden, verschwenden, gedankenlos ausgeben, wüsten´.

Backbirne f. `gebackene, gedörrte Birne´; wenn de de Pläderze hoast, do ieß Backbirn! `Wenn du Durchfall, Blähungen hast, dann iss Backbirnen!´ Lautf.: Backburne, Backberne, Backbarne, Backboarne Westlausitz.

Backbirnmannl n. Niedercunnersdorf `dürrer Mann´.

Backdeese
f. 1. wnmSüdlausitz, Westlausitz `hölzerner, runder Bottich zur Zubereitung des Brotteiges´; die hoat ann Oarsch wie anne Backdeese. - 2. übertr. `dicke Frau´. Lautf.: Backdiese Dürrhennersdorf.

Backe f. n. Dim. Bäckl 1. `Teil des Gesichtes, Wange´; dar hoat zwee rute Bäckl; anne biese Backe hoann od. a bieses Backe `durch Zahnschmerzen eine geschwollene Wange besitzen´, RA: Dann koannst de is Voaterunser durch de Backn blosn `der hat eingefallene Wangen´; ´s Ufmruhr hoat schunn rute Backn gekrigt. - 2. `Gesäßhälfte´; Oarschbacke.
Backe f. in der Wendung woaas (Pilze, Äppl) uff (de) Backe od. Backn schneidn `etw. zum Abtrocknen (Abbacken) in Scheiben schneiden, in der Sonne oder auf dem Ofen abbacken´.

Bäcke m. Südlausitz, sWestlausitz, Sächs. Schweiz `Bäcker´; dr Fritzschebäcke hoat oack Toalkn; iech gih zun Bäckn. Lautf.: Bäck wKürzung, Bäcker übrige Oberlausitz.

Bäcke f. Seifhennersdorf `die Menge Brot od. Kuchen, die auf einmal im Backofen gebacken wird´; anne Bäcke Brut, iech hoa noa de Bäcke hinne. Auch Gebäcke. Lautf.: Backe.

backern swv. 1. Oderwitz `legen od. setzen u. dabei sich in Kissen packen od. gut zudecken´; du sist su mank aus, tu dch oacke a bissl uff´s Koanepee backern; hiebackern´. - 2. Oberlichtenau `lümmeln, fläzen´.

Backfoaaß n. Dim. Backfassl verstr. Südlausitz `Backtrog´. Lautf.: Backfoass.

Backhäusl n. `kleines Haus auf einem Bauerngrundstück, in dem ein Backofen betrieben wurde´.

backn stv. iech back(e), du bäckst od. backst (Schirgiswalde), a bäckt od. backt, mer backn, iech hoa gebackn `backen´. 1a. wie litspr., auf Bauerngütern wurde auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts im eigenen Backofen zum eigenen Bedarf Brot u. Kuchen selbst gebacken; RA: schlief backn `scheitern´; RA: Zu einer sehr wählerischen Frau sagt man: Du wirscht dr ann Moan backn lussn missn! - b. `unter Einwirkung von Hitze im Backofen, im Herd oder in der Sonne trocken, gar, mürbe werden´; gebackne Pilze. - 2. `kleben, pappen´; RA: Dann is jede Oarbeit, jeder Schriet od. jeder Pfenngk oan Oarsch gebackn. - 3. intrans., selt. `leicht gefrieren´; de Stroße is ieberbackn `die Straße ist überfroren, vereist´; ´s is haußn ieberbackn `der Schnee, die Erde ist gefroren, hart, knirschend´.

Backn m. selt. dass. wie Backe.

Backnboart m. `Bart an den Wangen´.

Backpfeife f. `Ohrfeige´. Lautf.. Backfeife nOberlausitz.

Backpfeifmgesichte n. `Ohrfeigengesicht: dummes, unsympathisches Gesicht, das den Betrachter aggressiv macht´.

Backpflaume f. `gebackene, gedörrte Pflaume´. Lautf.: Backflaume mnWestlausitz, mnOstlausitz.

Backscheit n. veralt. `längliches Scheit zum Heizen des ländlichen Backofens´.

Backst siehe Packst!

Backschissl f. `Backschüssel´. 1. `runder od. länglicher Korb aus Stroh, Weidengerten, elastischen Baumwurzeln od. Binsen geflochten, in dem das ausgewirkte, vorgeformte einzelne Brot vor dem Abbacken zum Gehen kommt und seine endgültige, feingenarbte Form gewinnt´. - 2. Hinterhermsdorf Backschissl od. Schissl schiebm `Nachbarn und Bekannte des Bauern vermummen oder bemalen sich und schieben ihm unerkannt nach dem Schweineschlachten eine Schüssel ins Haus. In der Dunkelheit wird die Schüssel mit Geschlachtetem, wie Wellfleisch, gefüllt und vom Besitzer wieder abgeholt (alter Brauch in Hinterhermsdorf)´. Vgl. wurschtwinsln! - 3. übertr. `gestieltes Näpfchen, in dem die Eichel sitzt; Eichelhülle´.

Backufm m. Dim. Backiefl od. Backiefchl `Backofen´; in ländlichen Haushalten standen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts vielfach eigene Backöfen für die private Brotbäckerei, die in einem freistehenden Backhäusel, in einem besonderen Anbau, an der Rückseite des Bauernhauses oder im Bauernhaus selbst, errichtet waren und von der schwarzen Küche aus befeuert werden konnten. RA: dar wird baale dr Backufm eifoalln `sie wird bald niederkommen, ein Kind kriegen´.

Backzoahn m. Seifhennersdorf `Backenzahn´; RA: Du hoast wull lange keene Backzähne gespuckt? `Du hast wohl lange keine Schläge mehr erhalten?´ Lautf.: Backnzoahn.

Bäderwitz `Bederwitz (Ortsteil der Stadt Schirgiswalde-Kirschau im °BZ)´. Lautf.: veralt. Bäderz.

Bädl, Beedl siehe Bodn!

Bagasche f. n. `Bagage´ 1. veralt. `Gepäck´; mei bissl Bagasche troi´ch salber. - 2. umg. `Gesindel´. Lautf.: Bagoasche, Bagaschche.

Bähker m. Obercunnersdorf, Schirgiswalde `große, sehr kräftige männl. Person´.

Bähks m. Südlausitz 1. `Junge, Bursche´. - 2. abwert. `Bengel, Lümmel, (kleiner) Flegel; großer Kerl, der sich kindisch benimmt´. Lautf.: Bäcks Mückenhain.

Bahlsdurf `Bellmannsdorf (Ober- u. Nieder-)´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Radzimow´.

bähn swv. 1. `durch feuchte Wärme heilen, inhalieren, warme Umschläge machen´; ´n biesn Finger an Seefmwoasser bähn, dermit´r ufgitt; iech war hinte amol mit Koamille bähn, demit´ch wieder Luft durch de Noase krieg. - 2. `Brot (od. etw. Ähnl.) rösten, brutzeln, braten´. - 3. Leutersdorf, Oderwitz `heiß scheinen´; de Sunne bäht uff de Wiese. - 4. auch Oswald Reichelt refl. `sich (in der Sonne) wärmen´; meine Frooe leit an Liegestuhle und bäht´ch.

Bahnl n. (Dim. von Boahn) `Kleinbahn, Schmalspurbahn´; Bimmlbahnl; iech hier schunn´s kleene Bahnl kumm. Laut.: Boahnl Jonsdorf.

Bährl, Bährdl, Bihrdl n. Dim. von Buhrer `Bohrer´; a Bährl muss a jedn Hause senn.

Bähschniete f. `Toast, geröstete Brotscheibe (gegen Durchfall), die auf der Herdplatte ohne Fett oder im Tiegel mit Fett geröstet wird; Brutzelschnitte, die mit Knoblauch Schnittlauch oder anderen grünen Kräutern belegt werden kann´; friher oaß mer zer Kirbssuppe anne Bähschnitte. Lautf.: Bähschnitte.

Baijatz siehe Boijatz!

Bäker siehe Bähker!

Bäks siehe Bähks!

Balderch m. °ZI Ebersbach, Neugersdorf dass. wie Balderjan!

Balderjan m. °ZI Friedersdorf, Seifhennersdorf, Großschönau `Baldrian (Valeria officinalis)´. Siehe auch Koatzekraut!

baleibe Adv. `beileibe´, wie litspr. bekräftigend, verstärkend `bestimmt, wirklich, wahrhaft, wahrlich, fürwahr, ehrlich´; ´s is baleibe ne sei irschtes Maajdl gewast! Interj.: Baleibe ne! `keinesfalls!´. Lautf.: beleibe Oberland.

Bäler m. Westlausitz `großer, starker Kerl´.

Balle f. `das Bellen (des Hundes), bellender Husten´; dar hoat de Kirchhofballe, dar wird´ch baale uff de bucklche Wiese län `der hat starken Husten, der wird wohl bald sterben´. Lautf.: Belle.

Bälgetrater m. veralt. `Bälgetreter, Orgelzieher: Pers., die durch Treten der Bälge die Luftversorgung der Orgel sicherstellte´. Er saß auf der obersten Stufe der Treppe, die zum Kirchturm führte. Die Chorjungen oder der Glöckner halfen bei großen Orgeln mit.

Ballerei f. umg. `laute Schießerei´. Lautf.: Boallerei.

ballern swv. umg. `schießen mit runden Gegenständen, wie Bällen oder Kugeln und Feuerwerkskörpern´; oabballern `abschießen´; die hoann de ganze Neujuhrschnacht durchgeballert. Lautf.: boallern.

balln swv. `bellen´ 1. `Laut geben (vom Hund), kläffen´. - 2 `laut schimpfen, schnauzen´. - 3. umg. `(bellend) husten´; mir hoann ba dan Meller geballt wie a Rudl räudche Hunde. Lautf.: belln.

bälvern siehe belfern!

balzn swv. Burkau `brünstig sein (von der Katze)´. Lautf.: bälzn Oberlichtenau, bälstern, balzern mnWestlausitz, balstern Großröhrsdorf.

Bamml siehe Boamml!

bammln siehe boammln!

banander Adv. `beieinander: beisammen, zusammen, nebeneinander´; du hoast se wull ne mih oalle banander `du spinnst wohl´. Lautf.: benander; bananner söSüdlausitz, öKürzungsmundart.

Band n. Dim. Bändl od. Bandl, Pl. Bänder, Bander od. Baajnder 1. wie litspr. `längerer, schmaler Gewebestreifen; bunter Stoffstreifen am Hinterteil der Frauenhaube´; de Huckstgäste hoann´ch seck bunte Bänder im de Angstrihre gebunn, de Baajnder hingn hinnerunder. de Motter ging Baand oabliefern (Westlausitz); Siehe auch Schlubbe! - 2. siehe Bändl! Lautf.: Baand Westlausitz.

Bande f. Südlausitz, sOstlausitz `Bange: Angst´; enn Bande machn, luss dr keene Bande warn! Lautf.: Bange Westlausitz, mnOstlausitz.

bande Adj. (meist präd.) Südlausitz `bange´. 1. `beklommen, angsterfüllt´; wenn´ch a die Reese denke, wird mer ganz bande;  dann is se´s schunn lange bande `der hat schon lange Angst´. - 2a. bande warn, bande senn (noa) `Heimweh haben (nach)´; mir is bande noa derheeme. - b. bande senn noa enn `Sehnsucht haben nach jmdm.´ Lautf.: bange Westlausitz, Ostlausitz.

Bandekroattch n. wSüdlausitz `Waldweidenröschen (Epilobium angustifolium L.)´; auch Bandekraut od. Bangekraut Göda, Utterkroattch. Lautf.: Bande-, Bange-, -kroattch, -kräutch.

Bändertanz m. Volkstanz: An einer aufgerichteten, hohen Holzstange sind oben bunte Bänder befestigt. Die Beteiligten nehmen je ein Bandende in die Hand. Während des Tanzes wird die Stange von den Bändern regelmäßig umsponnen. Lautf.: Bändltanz, Baajndertanz.

Bänderreign m. dass. wie Bändertanz.

Bändl n. (Dim. von Band) `ein Stück Bindfaden, Schnur, Schnürsenkel´; RA: Dar hoat oack Graupm an Kuppe und Bändl a dr Gabse `der hat Hirngespinste im Kopf, die er nicht bezahlen kann´, RA: wie a Bändl a dr Toasche `nicht geradlinig´, RA: enn oan Bändl hoann `jmdn. nach dem eigenen Willen lenken´. Lautf.: Baajdl, Bandl Zittauer Gebirge, Seifhennersdorf.

Bändlklinke f. `alter primitiver Türverschluss an Haus- u. Stalltüren´. Eine solche Klinke befand sich an der inneren Seite der Tür. Sie war mit einem Strick verbunden, der durch eine Bohrung nach außen geführt wurde u. in einem Eisenring endete. Zog man an dem Strick, wurde die Klinke aus dem Schließhaken gehoben u. die Tür ließ sich öffnen. Abends wurde das Bändel reingenommen, d. h. durchs Loch zurückgezogen. Die Tür war damit verschlossen. Lautf.: Bandlklinke.

Bändltanz m. dass. wie Bändertanz. Lautf.: Bandltanz.

Bandstuhl m. `Bandwebstuhl´. Lautf.: Baandstuhl Westlausitz.

Bank f. Dim. Bänkl bzw. Bankl Seifhennersdorf wie litspr. ; Ausruhgbänkl bzw. Ausruhbänkl, Haustierbänkl, Hublbank, Noamittchbänkl, Summerbank, Ufebank.

Bankhoader m. `Abwischlappen für den Tisch, Tischlappen´, auf die Frage "Woaas koachst´n heute?" antwortet man scherzh.: "`n grußn Toop an klenn und ´n Bankhoader derzwischn." od.: "´s kleene Tippl an grußn und ´n Bankhoader derzwischn, dermit se siech ne stußn."

Bankirschter m. Niedercunnersdorf `Bankerster: an der Innen- od. Außenseite sitzende Pers. (Kind) auf einer (Schul-)bank mit vier Sitzen´; iech woar Bankirschte `ich (Mädchen) saß auf der Außen- od. Innenkante der Schulbank´.

Bänklsänger m. `Bänkelsänger: Sänger, der sich auf dem Marktplatz oder Festplatz auf eine Holzbank stellte und Moritaten, Balladen und andere Lieder vortrug´; de Winklerbäckn singt wie anne Bänklsängern.

Banknubber m. `Banknachbar: der am gleichen Tisch sitzende Klassenkamerad´.

bankwirdch Adj. `einwandfrei, nicht mit Krankheiten behaftet, weiterverarbeitungswürdig von Fleisch´; ´s Fleesch bankwirdch.

bann `bei dem´ siehe ba!

Bar (gedehntes a) Pl. Bare `Bär´; Teddybar, iech koann miech oack noa uff de Eisbare besinn. Als Tanzbär wurde der Braunbär mit Maulkorb noch bis Anfang der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts auf Dörfern von Bärenführern zur Volksbelustigung vorgeführt. Bis zum 1.Weltkrieg schlüpfte die männl. Jugend zu Fastnacht bei Umzügen in Bärenkostüme u. tanzte mit den Mädchen. RA: enn ann Bar(n) ufbinn `jmdn. veralbern, jmdm. etw. Unwahres erzählen´.

Bärbarg `Beerberg´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf am rechten Queisufer bei Marklissa, poln. `Baworowa´.

barbeeßch (gedehntes a) Adj. selt. `bärbeißig: mürrisch, verdrossen´; dr neue Schoandoarm is a goar barbeeßcher Karle. Lautf.: barbeißch.

Bärcht n. `Strauchwerk, Kraut, Blätter´; Himbärcht, Kroaazbärcht, Heedlbärcht.

Bäre (gedehntes ä) f. `Beere´; Stachlbäre, Kroaazbäre. Früher sangen od. riefen die Kinder Lieder u. Reime, wenn sie aus den Heidelbeeren kamen, z.B.: Hullärn, bullärn, itz kumm mer aus´n Bärn, ´n Bodn hoann mer ieberdackt, de andern hoann mer as Maul gestackt °ZI Ebersbach. Lautf.: Bihre söSüdlausitz, Ostlausitz; Pl. Bärn, Bihrn, verstr. Bihrdn Ostlausitz; Dim.: Bärdl Lawalde, Bihrdl.

bareet siehe poareet!

barfurrsch siehe poarfurrsch!

Barfrust siehe Boarfrust!

Barg (kurzes a) m. Dim. Bargl `Berg´. 1. `Bodenerhebung von unterschiedlicher Höhe´. RA: hindern Barg haaln `schweigen, nichts ausplaudern´; mer woarrn a unsn Bargn `wir waren im Zittauer Gebirge´; de Barge hoann se reigenumm `die Sicht ist schlecht´. - 2. `Haufen, Menge´; dr Verkeefer hoat mer a Bargl druf gemacht. Lautf.: Barch Hintere Sächsische Schweiz.

Bargl (kurzes a) n. Dim von Barg, siehe Barg!

Bargl (kurzes a) n. siehe Birgl!

bargln (kurzes a) swv. `bergeln´; ´s barglt `der Bauch nimmt zu infolge der Schwangerschaft´; ba dr Nubberschfroon barglt´s schunn wieder.

barguf Adv. `bergauf, bergan, aufwärts´. Lautf.: barguff.

bargunder Adv. `bergab, abwärts´; bargunder staucht´s an Knuchn, übertr.: Mit senn Loadn gitt´s bargunder `sein Geschäft läuft immer schlechter´.  Lautf.: bargunner söSüdlausitz, bargunger West- u. Ostlausitz.

Barklaue (gedehntes a) f. West- u. Ostlausitz dass. wie Bartoatze. Lautf.: Barnklaue.

Barloaatsch (gedehntes a) m. selt. `Bärlatsch´. 1. im Pl. `große, dicke, plumpe, aber bequeme Filzschuhe od. Filzpantoffeln fürs Haus; alte, ausgetretene, zu große (Haus-)schuhe´. - 2a. `verweichlichte Person, Schlappschwanz, Weichei´. - b. `Tollpatsch´. Lautf.: Bärloaatsch.

barmln (kurzes a) swv. Neugersdorf `barmen, jammern, klagen (auch übertrieben, gewohnheitsmäßig, ohne Not)´.

Barnditterch (kurzes a) m. `Dietrich von Bern (Ostgotenkönig), Pan Dietrich´, Oberlausitzer Sagengestalt, die als der `wilde Jäger´ nachts bei Unwetter im Wald und über Bergen ihr Unwesen treibt´. Lautf.: Bernditterch, Pan Ditterch.

Barnstaadtl (1. Silbe kurz) n. `Bernstadt a. d. Eigen (Stadt im °GR)´, auch Barnstoaadt od. `s Staadtl; de Staadtler od. Barnstaadtler `die Einwohner von Bernstadt´; de Barnstaadtler Maus `Maus mit braunem Fell und schwarzem Rückenstreifen´. Lautf.: Bernstaadtl. Spitzname: Starnbratl.

Barnsdurf siehe Bernsdurf!

Baromse f. Pl. Baromsn Neukirch `(große) Rote Waldameise´. Vgl. Omse!

Bärschl (gedehntes ä) m. n. (Oderwitz, Dittelsdorf) `Buschiges´. 1. `Büschel Haare od. Borsten, (dichter) Haarschopf; Haarbüschel; auffällige, wulstige Haartolle´; auch Lodnbärschl. - 2a. `Kopf (mit wirrem Haar)´; satz dr anne Mitze uff´m (uff´s) Bärschl! - b. `Dickkopf´. - 3. Großhennersdorf `Grasbüschel´. - 4. siehe Geldbärschl!

Bärschlch (gedehntes ä) m. mSüdlausitz dass. wie Bärschl, übertr. auch `schlechter Besen´.

bärschlch Adj. 1. `struppig, zerzaust, borstig (von Haaren), zu Berge stehend´; dar gitt bärschlch im de Lodn! - 2. übertr. `widerspenstig, störrisch´; doaas Reis´ch is a bärschlch Zeug! - 3. übertr. selt. sWestlausitz, Ostlausitz `widerborstig, schnell auffahrend, grob´. Lautf.: bärschtlch, boarschlch, bärschlich.

bärschln swv. meist refl. dass. wie bärschn; de Mutter bärschlt´ch egoal uf.

bärschn swv. meist refl. verstr. Süd- u. Ostlausitz 1a. `sich spreizen, sich bauschen, sich aufwölben (u. dadurch viel Raum benötigen)´; deine aaln Klunkern bärschn´ch aus dr Loade. - b. `sich aufplustern, das Gefieder sträuben´. - c. `sich aufrichten wie Borsten, sträuben (von Haaren)´, recken, strecken; oallemol wenn´ch anne Mitze ufhutte, bärschn´ch de Lodn. - 2. übertr. a. `sich sträuben, widerspenstig sein, trotzig auffahren´; meine beedn Schwastern wulltn ne und hoann´ch gebärscht. - b. `sich aufblasen, groß tun, brüsten, angeben´; du brauchst dch ne waajn jedn Drecke su zu bärschn! Lautf.: bärschtn.

bärschtch (gedehntes ä) Adj. wie bärschlch `borstig, zerzaust, widerspenstig, grob´.

Barthlsdurf `Berthelsdorf (Ortsteil der Stadt Herrnhut im °GR)´; de Ba(r)-thlsdurfer `die Einwohner von Berthelsdorf´. Lautf.: Bathlsdurf (kurzes a), Battlsdurf. Vgl. Batsdurf!

Bartoalpe (gedehntes a) f. wSüdlausitz dass. wie Bartoatze. Lautf.: Barntoalpe.

Bartoatze (gedehntes a) f. Südlausitz `Bärenklau (Heracleum sphondylium L.)´, ein lästiges Unkraut auf Wirtschaftswiesen, das erst zum zweiten Schnitt erscheint; gutes Kaninchenfutter.

Bartreiber m. veralt. `Bärenführer: Pers., die einen Tanzbär od. einen als Bär verkleideten Burschen führte´. Vgl. Bar!

Bartsdurf (kurzes a) `Bertsdorf (Ortsteil der Gemeinde Bertsdorf - Hörnitz im °GR)´; de Bartsdurfer `die Einwohner von Bertsdorf´. Im spottenden Volksmund der Nachbardörfer heißt es: A Bartsdorf kumm zwee-e und enner durch´s Durf, (weil die Bertsdorfer angeblich nicht bis drei zählen können). Lautf.: Bertsdurf.

Bartsdurfer Suppe f. sSüdlausitz `vergiftete Suppe, Suppe mit giftigen Pilzen´. Laut mündlicher Überlieferung `vergiftete Hochzeitssuppe, (durch die ein Bräutigam auf einer Bertsdorfer Hochzeit ums Leben gekommen sein soll)´. Nach anderen Aussagen ist die Bezeichnung in Waltersdorf entstanden, weil der Tote nach dem Verzehr der giftigen Suppe auf dem Waltersdorfer Friedhof so begraben wurde, dass sein Kopf nach Westen und seine Füße nach Bertsdorf (Osten) zeigten. Do hoat wieder enner die Pfutn noa Bartsdurf gerackt `da ist wieder einer gestorben´.

Barwinkl (gedehntes a) m. n. öKürzung, Burkau, Ohorn, Oberlichtenau `Bärwinkel: Immergrün (Vinca minor)´. Lautf.: Barwingl.

Ba(r)zdurf (kurzes a) `Berzdorf (Ortsteil der Gemeinde Schönau-Berzdorf a. d. Eigen im °GR)´; mir sein uff Bazdurf gefoahrn. Lautf.: Bazdurf.

Bärzl siehe Perzl!

baschln (kurzes a) siehe poaschln!

Bäsl, Bäslch siehe Päsl, Päslch!

Basn m. `Besen´. 1. wie litspr., Basn binn; übertr. in der Beteuerungsformel do (druf) frass´ch ann Basn `darauf möchte ich wetten´; RA: enn uff´m Basn loadn `jmdn. veralbern´. Zu Walpurgis wurde ein Besen vor die Haus- od. Stalltür gestellt, um Hexen fernzuhalten. Nach deutschem Volksglauben überschreiten die Hexen keinen Besen´. - 2a. `unfreundliche, zänkische, kratzbürstige, niederträchtige, sich herumtreibende weibl. Person´. - b. `wilde, unbändige Pers., meist Kind; Pers. mit struppigem, liederlichem Haar´; a wilder Basn.

Basnbinder m. `Besenbinder: Handwerker, der Besen bindet und feilbietet´; fluchn wie a Basnbinder.

Basnhulz n. um Bautzen u. Görlitz `Besenholz: Besenginster od. Weißbirke´.

Basnmoan m. `Besenmann´, dass. wie Basnbinder. Lautf.: Basnmoann.

Basnreis´ch n. `Besenreisig´. Zweige eines Strauches oder Baumes, die sich bes. gut zum Binden von Rutenbesen eignen. 1. `Besenginster (Cytisus scoparius)´. ´. - 2. `Birkenreisig´. - 3. `Abfall von Weidenruten, die sich nicht mehr zum Flechten von Körben, sondern nur noch zum Besenbinden eignen´.

Basnreiser Pl. `Besenreiser: blaue, verästelte Äderchen unter der Haut (bei älteren Personen)´.

Basnsturzl m. `abgenutzter Rest eines Reisigbesens´, noch zum Stallausmisten u. Waschen der Kartoffeln fürs Vieh verwendet; de Lodn hingn im Kupp rim wie de Basnsturzl.  Lautf.: Basesturzl Obercunnersdorf, Basnstirzl.

basoamm, basoammde Adv. `beisammen, beieinander, zusammen´; gunn Tagg basoamm!

Baste f. siehe Boaste!

Batbruder m. Südlausitz, msOstlausitz `Betbruder: Klassenkamerad, mit dem man konfirmiert wird oder worden ist; Konfirmand´; de Batbrieder hoann´n zu Groabe getroin.

Batgeschwister Pl. Südlausitz, msOstlausitz `Betgeschwister: Klassenkameraden und -kameradinnen, mit denen man konfirmiert wird od. worden ist; Konfirmanden´.

Batgeschwistervergniegn n. Neugersdorf `geselliges Klassentreffen´.

Batgeschwistertraffm n. msSüdlausitz `Betgeschwistertreffen: Klassentreffen´.

Batkinder Pl. veralt. `Betkinder; Kinder, die in den Konfirmandenunterricht gehen, um konfirmiert zu werden´.

Bätl (gedehntes ä) n. 1. `kleines Beet: abgegrenztes Stück Gartenland für Blumen u. Gemüse´; loaatsch mer ne uff´s Bätl! - 2. Pl.. `Gemüsegarten´; de Bätl sahn urndlch aus. Lautf.: Bietl Ostlausitz.

batn
swv. iech bat(e), du battst, a batt, mer batn, ihr batt, se batn, iech batte, a batte, iech hoa gebatt `beten´; se batte is Voaterunser. Volksvers: Besser jatn und dingn oas wie batn und singn, od. ackern und dingn is besser oas batn und singn.

Batschlch siehe Patschlch!

Batschwaster f. Südlausitz, msOstlausitz `Betschwester: Klassenkameradin, mit der man konfirmiert wird od. worden ist; Konfirmandin´; de Neum-Ursl ist anne Batschwaster vu menn Moanne.

Batsdurf `Bertelsdorf´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf am rechten Queisufer, poln. `Uniegoszecz´. Vgl. Barthlsdurf!

Battlch m. Cunewalde, Seifhennersdorf `Bettler´; dar hoat´s an Griffe wie dr Battlch de Laus.

Battlfrooe f. `Bettelfrau´. 1. `weibl. Pers., die bettelt´. - 2. Cunewalde `Bettelfrau: Goldlaufkäfer, Goldschmied ( Carabus auratus)´.

Battlkuchn m. veralt. bes. Westlausitz `einfacher Kuchen, der für die Kinder, die zur Kirmes als Kuchensänger kamen, gebacken wurde´. Lautf.: Battlkuche.

Battlloappsch m. Steina, Pulsnitz, Großröhrsdorf dass. wie Battllunderch. Lautf.: Battllappsch.

Battllunderch m. wSüdlausitz, Westlausitz `Landstreicher; Herumtreiber, der bettelt´; abwert. `Bettler´. Lautf.: Battllonderch Westlausitz.

Battlmardl n. Frankenthal, Oberlichtenau `Bettelmädchen: Nachtfalter, Motte´. Lautf.: Battlmadl.

Battlmoan m. `Bettelmann: Bettler´. Lautf.: Battlmoann.

Battlmusekante m. (häufig im Pl.) `Bettelmusikant´. 1. veralt. `in Trupps durch die Dörfer ziehender Musikant (aus Böhmen), der für sein Musizieren Geld einsammelte, zur Kirmes Kuchen erhielt´; zun Kirmstdinnstche koam de bihmschn Battlmusekantn as Säcksche. - 2. `Bänkelsänger, der Moritaten, Volkslieder und Schlager singt, sich dabei auf einem Instrument begleitet, auf Volksfesten an einem angestammten Platz anzutreffen ist und für seine Darbietung um Geld bittet´. Lautf.: Battlmuskante.

battln swv. `betteln´. 1. `um ein Almosen bitten´; Stoßseufzer der Handweber: ´s wär besser, ´ch gingk battln. Lieber will´ch battln gihn oas wirkn und frih uffstihn. - 2. `jmdn. wiederholt, inständig um etw. bitten´; ehb´ch lange battl, mach´ch mer´n Dreck oalleene. - 3. battln gihn `Heischegänge zu Fastnacht od. am Gründonnerstag durchführen´.

Battlsaak m. Dim. Battlsäckl `Bettelsack´. 1. `(Leinwand-)säckchen, in das die bettelnden Kinder am Gründonnerstag oder zu Fastnacht ihre erheischten Gaben verstauen´. Spruchreim: Guttschmecke macht Battlsäcke; Vers der Gründonnerstagskinder: Gunn Murgn, gunn Murgn zun Grinndurschtche od. Griendunnerschtag, gatt mer woaas an Battlsaak, ne zu vill und ne zu winngk, doaaß mer ne dr Saak zerspringt! - 2. übertr. `bittendes Kind, bettelnde Person´. Lautf.: Battlsack.

Battlsdurf siehe Barthlsdurf!

Battlvoit m. veralt. `Bettelvogt´ 1. `niederer Beamter (Ortspolizist, Nachtwächter), der die Aufsicht über die Bettler in einer Stadt hat und fremde Bettler in seinem Zuständigkeitsbereich nicht duldet´. - 2. übertr. ` Person, die ständig um etw. bettelt´.

Batzl Pl. Niedercunnersdorf, Eibau, Hirschfelde, °NOL Königshain ` kleiner Batzen: (ziegelsteinförmiges) Brikettstück´; a Fuder Batzl fern Winter bestelln, Batzlfoabricke `Brikettfabrik´. Lautf.: Baazl. Siehe Boatzn!

Bauchkneipm n. `kneifende, zwickende Bauchschmerzen´.

Bauchkneppl n. 1. `Nabel des Menschen´. - 2. Weifa `Ackerwitwenblume, Wiesenwitwenblume (Knautia arvensis L.)´, auch Bauernknupp od. Suldoatnknupp.

Bauchknepplkuchn m. 1. verstr. scherzh. `Streuselkuchen´. - 2. Leutersdorf `Zuckerkuchen mit Buttertupfen, wodurch Löcher im Teig entstehen´. Lautf.: Bauchknepplkuche.

Bäuchl n. Dim. `kleiner Bauch´.

bauchmiezln swv. in der Wendung siech gebauchmiezlt fuhln `sich geschmeichelt fühlen´. Lautf.: bauchmietschln.

Bauchwihpfläuml n. dass. wie Grieschl 1.

Bauchwihtun n. `Bauchschmerzen´; a poaar Truppm fer´sch Bauchwihtun.

Baude f. `etw. auf einer höheren Stelle Erbautes, das als Unterkunft od. Gaststätte dient; Bergaststätte´; mer loofm vu Rupperschdurf ieber de Kupperschänke zer Kupperbaude `wir laufen von Ruppersdorf über die Kottmarschenke zur Kottmarberggaststätte´.

Bauer m. wie litspr. `Besitzer eines bäuerlichen Anwesens von bestimmter Größe mit einer best. Zahl von Pferden´; Grußbauer, Bauerschsuhn. Lautf.: Pauer nOstlausitz.
Bauer n. verstr. dass. wie Gebauer od. Voglbauer.

Bauerbissn Pl. `Oberlausitzer u. Schlesisches Pfefferkuchengebäck in kleinen Würfeln, Scheiben, Kugeln oder Halbkugeln´; de Bauerbissn goab´s uff´m Juhrmoarchte. Dass. wie Pfaffernissl.

Bauer(n)blume f. verstr. Südlausitz `Margerite (Chrysanthemum leucanthemum L.)´.

Bäuern f. `Bäuerin: Ehefrau des Bauern´; de Winschebäuern is gesturbm. Mdal. besser Bauerschfrooe.

Bauernbischl n. `kleiner Wald, der in bäuerlichem Besitz ist´.

Bauerngutt n. `Bauerngut: Gehöft u. dazugehörender Grundbesitz eines Bauern´.

Bauernjungn Pl. in der Wendung is raajnt Bauernjungn `es regnet stark, so dass sich auf den Pfützen Blasen bilden´.

Bauernknupp m. Pl. Bauernkneppe Oderwitz, Bertsdorf `Skabiose (Scabiosa)´.

Bauernkraut n. verstr. `Markstammkohl: eine Art langstrunkiges Rotkraut, dass früher von Bauern angebaut u. als Viehfutter, aber auch als Gemüse verwendet wurde´.

Bauernkuchn m. `selbstgebackener, auf einem großen runden Blech gebackener Kuchen mit eigenen Zutaten´.

Bauernsproche f. Ostlausitz `Bauernsprache: bodenständige Mundart´. Lautf.: Pauernsproche nOstlausitz.

Bauernsunntch m. verstr. `Bauernsonntag: Wochentag, an dem Regen die Feldarbeit unmöglich macht´. Lautf.: Bauersunntch.

Bauer(n)wäzl m. 1. Südlausitz, sWestlausitz `Ziegenpeter, Mumps´. - 2. Dittelsdorf abwert. `grober Bauernbursche´. Lautf.: Bauerwäzl, Bauer(n)wazl, Bauer(n)wäzlch.

bauersch Adj. bes. West- u. Ostlausitz, Sächs. Schweiz `bäuerlich, in der Art des Bauern´; dar redd noa su schiene bauersch. Lautf.: pauersch nOstlausitz, bäuersch.

Bauerschfrooe f. `Ehefrau des Bauern; eine Frau, die ein bäuerliches Anwesen besitzt´. Lautf.: Siehe Frooe!

Bauerschmoan m. selt. `Bauer´.

baufällch Adj. `baufällig´. 1. wie litspr. - 2. übertr. auf Pers. `alt und gebrechlich´; dr Grußvoater is baufällch wurn.

baumln swv. `baumeln´. 1a. `(beweglich) herabhängen, sich hängend hin u. her bewegen´; de Beene baumln lussn. - b. `als Leiche am Galgen oder am Ast hängen´; ganz friher hoann se ne su vill Faderlasn gemacht, do hoann se ganz fix amol enn baumln lussn. - 2a. `mit etw. schwingende Bewegungen ausführen, pendeln´. - b. `läuten (für einen Verstorbenen)´.

baun swv. `bauen´. 1. `Bauwerke, Bauten u. ähnl. errichten, herstellen´. - 2. übertr. in best. Wendungen; iech hoa anne Fimfe gebaut.

Bautzn n. siehe Budisse! RA: Hunde uff Bautzn fihrn Nordböhmen `große Anstrengungen unternehmen und doch nichts erreichen´; ehb´ch ba menn Brudl oaabattl, will´ch lieber Hunde fihrn bis (od. uff. od. noa) Bautzn.

Bauz m. kinderspr. `das Fallen des Kleinkindes auf die Diele, den Teppich, auf die Erde od. ins Bett; das Hinlegen des Kindes auf den Fußboden beim Hoppe-Hoppe-Reiter-Spiel; Sturz des Kindes ohne Verletzung´; ann Bauz hoat´r gemacht. Nu mach oack ann Bauz! `Lege dich hin und schlafe!´

bauz Interj. lautmalender Ausruf bei einem plötzlichen Fall (von Kindern)´; bauz machn `hinfallen, sich (zum Schlafen) hinlegen´; Kniereitervers: Huppe, huppe, Reiter! Wenn´r fällt, do leit´r, wenn´r ne will liegn bleibm, muss´r wieder uff´s Pfardl steign. Bauze, bauze!

Bauzer m. Dim. Bauzerchl dass. wie Bauz.

Bauzerch m. dass. wie Bauz.

bauzn swv. `hinfallen (kleiner Kinder)´; auch: hiebauzn; dr kleene Max is uff de Wiese gebauzt.

Bazdurf (kurzes a) siehe Barzdurf!

bazeitn Adv. `beizeiten: rechtzeitig, frühzeitig´; kumm oacke bazeitn! Lautf.: bazeite, bezeitn, beizeitn, beizeite Pulsnitz.

Be

be (kurzes e) Präp. `bei´ siehe ba!

Becher m. msSüdlausitz `Gefäß, aus dem Schnaps getrunken wird; Schnapsglas´; Schnoapsbecher `Schnapsglas´.

bechern swv. `viel (Schnaps) trinken´.

bechtn (kurzes e) siehe bächtn!

Becke siehe Bäcke!

Beckl siehe Book!

bebberch Adj. 1. `(vor Angst u. Kälte) zitternd, zittrig´. - 2. `kränkelnd, fiebrig´. Lautf.: bibberch. Vgl. paperch!

bebbern swv. `bibbern: zittern (vor Kälte od. bei Fieber), frieren, frösteln; beben vor Erregung´; du bebberscht ju oan ganzn Bittche. Lautf.: bibbern.

beboalkern swv. Obercunnersdorf, Oderwitz `etw. ungeniert od. ungeschickt betasten, anfassen, betätscheln, befummeln´. Lautf.: beboalkan Seifhennersdorf.

bebuttln swv. `jmdn. mit viel Hingabe und Hilfeleistung verwöhnen, hegen, liebevoll pflegen, versorgen´.

Beckl n. (Dim. von Book) siehe Book!

bedankn swv. wie litspr., Volksmeinung: Für ein Mittel gegen eine Krankheit darf man sich nicht bedanken, weil es sonst nicht hilft; RA: Dar wird´ch schiene bedankn `der wird sich weigern, es ablehnen´; bie(s) oack schiene bedankt `dir sei gedankt´.

bedenkn
unregelm. V. `bedenken´. 1. `überdenken, überlegen´; iech hoa mersch noa amol beducht. - 2. `beschenken, jmdm. etw. schenken´; a wurde wieder amol schlaajchte beducht.

bedebbert siehe bedeppert!

bedeppert Adj. `unangenehm überrascht, verdutzt, verblüfft, bestürzt, betroffen, ratlos, betreten, niedergeschlagen, bedrückt´; se guckte ganz bedeppert. Lautf.: bedappert.

Bedienche f. `Bedienung´; wu leit´n de Farnbedienche? `Wo liegt denn die Fernbedienung?´ Lautf.: Bedinnche.

bedoansert
Adj. (eigtl. Part. Prät. zu bedoansern) `mit Flecken, Schmutz versehen; befleckt´; du Schweinl hoast´ch bedoansert. Lautf.: bedansert, bedoanstert, bedanstert, bedoanzert.

bedreckern
swv. `beschmutzen, dreckig machen´; bedrecker dir de Hosn ne!

beduslt
Adj. umg. `beduselt: betrunken, beschwipst´. Lautf.: bedusslt Westlausitz.

bedusn (gedehntes u) Adv., auch präd. Adj. Niedercunnersdorf `sanft, sacht, leise, zutraulich, vorsichtig, zärtlich; langsam´; mit dr krankn Mutter bedusn imgihn. Lautf.: beduse, betusn, betuse Schlesien.

beduttlt siehe betuttlt!

bee a bee siehe pee a pee!

beede Indefinitpron. u. Zahladj. wie litspr. `die zwei zusammen, alle zwei´; ´s wulln glei beede kumm; na, ihr zwee beedn! Mer fahlt oalls beeds, ´s Geld und de Gesundheet.

be-eemern swv. refl. `beeimern´; in der Wendung iech hätt miech kinn be-eemern `ich hätte mich totlachen können´.

Bee-erschdurf `Beiersdorf (Ort u. Gemeinde im °GR)´; de Bee-erschdurfer `die Einwohner von Beiersdorf´.

Beege f. Cunewalde, Seifhennersdorf `Biegung: Kurve´.

Beegerch m. `Verbeugung, Diener´.

beegn swv. refl. iech beeg(e) miech, du beegst´ch, mer beegn´ch, iech beegt(e) miech, mer beegtn´ch, iech hoa miech gebeegt `beugen: sich nach vorn od. unten neigen´; verbeegn, beeg dch ne su weit zun Fanster raus!
beegn swv. selt stv. meist refl. iech beeg(e), du beegst, mer beegn, iech bug od. beegt(e) (Seifhennersdorf, Schirgiswalde), iech hoa´s gebeegt, gebugn od. geboin (selt. Ostlausitz) `biegen: etw. (sich) krümmen´; de Schwuppe is ausgetroigt, die beegt´ch ne mih; se koann´s Keppl bis a de Knie-e beegn; verbeegn; dar flucht, watert, gurglt, bläkt, doaaß´ch de Boalkn beegn, mer bugn´ch ver Lachn.

beem
swv. `bäumen´ (Fachsprache der Handweber und Bauern). Siehe ufbeem u. oabbeem!

Beemer m. `Bäumer: Person, die beim Aufbäumen in der Handweberei mit dem Drehknüttel den Garnbaum dreht´. Siehe ufbeem!

beemern
Adj. `bäumern: aus Holz (Baum) bestehend´; anne nuhßbeemerne Koammode, birnbeemern. Verbreiteter hilzern `hölzern´.

beemln swv. (refl.) `sich auf die Zehenspitzen stellen, sich strecken, sich beugen, aufbäumen´; wenn de diech a brinkl beemlst, krigste de niederchstn Äppl o ohne Letter; a beemlte zun Fanster raus.

Been n. Dat. Pl. Benn, Dim. Beenl, Beenchl Oberland od. Beendl Ostlausitz 1a. wie litspr.; die hoat Beene wie a Sturch; mir hoat´s de Beene weggezoin `ich bin ausgerutscht und gestürzt´; wenn jmd. kein zweites Glas trinken will, heißt es: Trink oack noa ees, uff enn Beene koann ees ne stihn od. bist doa uff zwee Benn gekumm? Sprichwort: War´sch ne an Kuppe hoat, dar hoat´s an Benn; wieder uff de Beene kumm `aufstehen, gesund werden, wirtschaftlich wieder hochkommen´; RA: De Beene undern Oarm nahm od. uff de Achsl nahm `ganz schnell weglaufen´; kee Been ausreißn `sich nicht sehr anstrengen´; enn a Been stelln `jmdn. hereinlegen´, mit´n ärschlchn od. linkn Beene zuirscht ufstihn `schlechte Laune haben, die ganze Zeit Missgeschicke erleiden´; doaas koann as Been gihn od. loofm `das kann übel ausgehen´; Beene machn `antreiben´; de Beene breet machn (Frauen) `Geschlechtsverkehr ausüben´; ´s gitt noa immer ee Been im´s ander `es geht nicht besser und nicht schlechter´; RA: mit´n Benn zuirscht aus´n Hause troin `gestorben sein´; junge Beene hoann; de Beene undern Tiesch steckn; iech war´ch Beene machn `ich werde dich od. euch zurechtweisen´; de Beene dernooch oabloofm; de Beene an Bauch stihn; de Brille hoat Beene gekrigt `die Brille ist verschwunden´; oalls woaas Beene hoat. "Wie gitt´s?" - "Immer uff zwee Benn!" De Wissnschoaft hoat festgestellt, doaaß dr Oarsch de Beene hält, drum senn de Beene su gestellt, doaaß dr Oarsch ne runderfällt. - b. dickes Been `Oberschenkel´; iech hoa´s mit´n dickn Beene. - c. schienes Been `Unterschenkel´; iech hoa ann bloon Flaajk oan schinn Been. - 2. wie litspr. `Teil eines Möbelstückes od. Gerätes, mit dem dieses auf der Erde steht´; Stullbeen `Stuhlbein´.

Beenbruhch m. `Beinbruch´; in der RA: Doaas is doa kee Beenbruhch `das ist doch kein Unglück´. Lautf.: Beenbruch.

beenern
Adj. `beinern: aus Knochen bestehend od. hergestellt´; anne beenerne Stricknole.

Beercht
siehe Bärcht!

Beere siehe Bäre!

beeßch Adj. 1. `scharf, beißend (im Geschmack)´; haußn gitt a beeßcher Wind; dr Kase is schunn beeßch. - 2a. `gereizt, sehr unfreundlich, bissig´. - b. `satirisch, spitz, spöttisch, zynisch´; meist jedoch gebeeßch. Lautf.: beißch.

Beeßerch siehe Beißerch!

beesn
siehe peesn!

Beeßzoahn m. Seifhennersdorf 1. `Beißzahn´; iech hoa menner Froon ´n Beeßzoahn ausgerissn `ich habe meiner Frau das grundlose, gemeine Schimpfen abgewöhnt´. Siehe auch Zoahn! - 2. `böse Frau´; dar oarme Karle hoat ann Beeßzoahn derheeme.

Beeze f. `Beize: feste, flüssige oder auch gasförmige Stoffe, die auf chemischem Wege die Oberfläche verändern´.

beezn swv. `beizen: Oberflächen chemisch mit festen od. flüssigen Stoffen behandeln, um Gebrauchswerte zu verbessern´; de Kerner warrn mit Kihjauche gebeezt `Saatgut wird zur Bekämpfung von Schädlingen mit Kuhjauche behandelt´.

beffm siehe poaffm!

befoahrn stv. nNeulausitz `befahren: Kartoffeln häufeln, anfahren´.

befroin
swv. Süd- u. Ostlausitz, Zittauer Gebirge `befragen: erkunden, nachforschen, Rat bzw. Auskunft holen, interviewen´; iech weeß is noa ne, iech muss miech irschtert amol uff´m Oamte befroin; iech hoa miech ba Gustoave noa Oarbeit befroit. Lautf.: befroon Schirgiswalde, Westlausitz.

befuhln swv. `befühlen´.

befummln swv. `(unerlaubt, gierig, hastig) betasten, befühlen, betatschen´; woaas od. enn befummln `etwas od. jmdn. genau untersuchen, mit den Fingern in Ordnung bringen´; wenn mer furtgihn wulln, tutt miech de Frooe jedsmol irscht befummln.

begaajn
swv. `begegnen: jmdn. (zufällig) treffen´; mir is an Pilzn Nubbersch Koarle begaajnt. Lautf.: begaajgn, began Seifhennersdorf, begarn Westlausitz.

Begabche f. Südlausitz, sWestlausitz `Begebung: Begebenheit, Geschehnis, Vorfall, Ereignis, wahre Geschichte´; doaas woar euch anne Begabche mit´n Wildschweine an Busche! Lautf.: Begabchte Neukirch.

begakn (gedehntes a) swv. Westlausitz `begucken, betrachten´; ar toat´s eegnt von oalln Seitn begaakn.

began stv. `begeben´; mer misstn´ch wieder zericke began.

Begängnis n. `lebhaftes Kommen und Gehen vieler Menschen´; uff´m Schissn woar a Begängnis; mer huttn vill Grienzeug gefrassn, do woar uff dr Hitte vill Begängnis.

Begihche f. `Begehung: Menschenauflauf, emsiger Betrieb, Begängnis´; heute is aber anne Begihche uff´m Moarchte.

begissn stv. iech begiss(e), du begoajst od. begoast, iech beguhß od. beguss, iech hoa begussn `begießen: ein Ereignis mit gemeinsamem Genuss von Alkohol feiern´.

begreifm stv. mdal. `(Hühner) nach noch nicht gelegten Eiern befühlen´; die begrefft de Hihner.

begroabm stv. `begraben: einen Toten bestatten´; wenn wird se´n begroabm? RA: Luss dch begroabm! `Mit dir ist nichts mehr los!´ RA: Heute mach mer amol a richtches Luder, war weeß, war´n Letztn begräbt! `Wer weiß, wer morgen noch lebt´.

begroadchn (gedehntes oa) `begradigen´; benn Riebmverziehn de Furchn begroadchn. Lautf.: begroadschn Jonsdorf.

begroapschn swv. `etw. gierig, hastig, ungeschickt befühlen, betasten´; dar begroapscht de Weiber.

begroatschn (kurzes oa) swv. Süd- u. Ostlausitz `(ohne Notwendigkeit) befühlen, plump betasten´.

behaaln stv. `behalten´. 1. wie litspr. `im Besitz von etw. bleiben, etw. nicht hergeben´; dann dichn Dreck koannst´r behaaln! Behiel od. behill der´sch! - 2. `etw. im Gedächtnis bewahren, sich etw. merken´; iech koann mer deine Telefonnummer ne behaaln. - 3. in der Wendung woaas od enn an Ooge behaaln `etw. od. jmdn. beobachten´.

behackn swv. 1a. nöNeu-, nwOstlausitz `Kartoffeln häufeln, anfahren´ - b. Neusorge `Furchen mit der Hacke breit ziehen´. - 2. Ostritz `jmdn. bearbeiten, jmdn. mit vielen Worten belästigen, jmdn. (von etw.) überzeugen wollen´; behack miech ne ´n ganzn Tag!

Behalfche f. Südlausitz in der Wendung anne Behalfche machn `Vorwand, der dazu dient, ein bestimmtes Ziel zu erreichen´. Lautf.: Behelfche, Behalf wKürzung.

behäufln swv. nOstlausitz `Kartoffeln häufeln, anfahren´.

behittn unregelm. V. iech behitt(e), du behittst, iech hoa behitt od. behutt 1. `behüten´; Gutt behitt´ch! `Gott behüte dich, auf Wiedersehen!´ In Ausrufen wie Gutt behitte od. i behitte! `Nein keineswegs!´ Zu menner Schwaster foahr´ch ne, i behitte! Spricht man von einer verstorbenen Person, dann wird hin und wieder eingeschoben: Gutt behitt´n! `Gott behüte ihn!´, Gutt behitt se! `Gott behüte sie!´ - 2. `bewahren, pflegen´; mer wulln´s Aale gutt behittn.

behoann unregelm. V. refl. in der Wendung siech (ne) behoann kinn `sich (nicht) bewegen können; sich (nicht) behelfen können, (nicht) zurechtkommen; sich mit jmdm. (nicht) vertragen können´; a aales Moannsbild koann´ch ne mih genungk od. oalleene behoann. Lautf.: Siehe hoann!

behumpsn (kurzes u) swv. `jmdn. leicht betrügen, übervorteilen, schummeln, hereinlegen´; luss dch vu denn Skoatbriedern ne wieder behumpsn! Lautf.: behumsn.

behutsn Adj. `behutsam: sorgsam, vorsichtig´; behutsn dermitte imgihn. Lautf.: behuttsn.

behuttln swv. Oderwitz, Wehrsdorf dass. wie bebuttln u. bemuttln!

Beidurf n. `Nachbardorf von Schirgiswalde mit überwiegend evangelischer Bevölkerung´; iech sah´s goar ne garne, wenn de mit dar Beiderfschn kimmst.

Beibst m. `Beifuß (Artemisia vulgaris L.)´, Gewürzpflanze; zun Gänsebrotn brauchst de Beibst. Lautf.: Beibs, Beibch, Beibcht.

Beijatz siehe Boijatz!

Beikastl n. `im Innern einer Truhe od. Lade angebrachtes schmales Holzkästchen zum Aufbewahren von Wertsachen u. wichtigen persönlichen Gegenständen, z.B. Patenbriefen´, auch Loadebeikastl.

beileefch Adj. `beiläufig: nebenbei, zufällig, am Rande, unbewusst´; doaas hoat se oack beileefch gesoit.

beißch
siehe beeßch!

Beißer m. Dim. Beißerchl od. Beißerchn `Zahn´; se hoat schunn drei Beißerchl gekrigt.

Beißerch m. `Anraunzer, Zurechtweisung´; ´s is noa amol mit ann Beißerche oabgegangn. Lautf.: Beeßerch.

beißn stv. iech beiß(e), du besst od. basst (Seifhnennersdorf, Zittauer Gebirge), a besst od. basst (Seifhennersdorf, Zittauer Gebirge), mer beißn, iech beeß od. bieß, mer beeßn od. bießn, iech hoa gebissn `beißen´. 1a. wie litspr. `bissig sein´. - b. wie litspr. `mit den Zähnen in etw. eindringen´; iech kennt miech an Oarsch beißn `ich ärgere mich über den eigenen Fehler´; as Groas beißn `sterben´; a besst ba mir uff Groanit `er erreicht nichts bei mir´; an sauern Äppl beißn missn `sich mit etw. Unliebsamen abfinden müssen´. - c. wie litspr. `jmdn. mit den Zähnen packen u. verletzten´; Sprichwort: Hunde, die balln, beißn ne. RA: ´n letztn beißn de Hunde. - d. `essen´; woaas gibbt´s´n heute zu beißn? - 2. `stechen (von Insekten)´; ist jmd. von einem Floh gestochen wurden, heißt es: Luss´n beißn, woaas dar frisst, doaas bezoahl´ch! - 3. `brennen, schmerzen´; de Zwibbln beißn miech a de Oogn. - 4a. `nörgeln, schimpfen, schelten, auszanken´; wenn´ch ne glei heem gih, besst de Frooe mit mir; wenn´s de Mutter gewoahre wurd, krigt´ch gebissn. - b. selt. sWestlausitz, Südlausitz `sich streiten´. Lautf.: beeßn.

Beißzange f. `Kneifzange´; RA: De Hosn mit dr Beißzange oaaziehn `dumm, beschränkt sein´.

bejahne Adj. Neugersdorf, Eibau, Oderwitz `sacht, langsam, vorsichtig, zurückhaltend, sanft, allmählich, still´.

bekaffern swv. Westlausitz `über etw., jmdn. klatschen, üble Nachrede führen, jmdn. begucken, um ihn zu bereden´; de Braut werd von ubm bis ongn bekaffert. Lautf.: bekafern Nordböhmen.

bekenn unregelmäßiges V refl. 1. selt. `sich auskennen, zurechtfinden´; dar bekennt´ch a dr Heemte `der weiß in der Heimat gut Bescheid´. - 2. selt. `sich aushelfen´; wenn de Kneppe oabgihn, bekennt´r´ch mit Noln.

bekimmert Adj. veralt. `neugierig´; iech bie ne su bekimmert wie ander Leute.

bekleckern swv. 1.`sich (beim Essen, Trinken, Malen) beflecken´. - 2. übertr. abwert. `verzieren, behängen der Brust, zum Vorzeigen ausstaffieren´; dar hoat´ch mit Urdn bekleckert, sich ne mit Ruhm bekleckern.

bekleckert Adj. (eigtl. Part. Prät. von bekleckern) 1. wie litspr. `mit Speiseresten u. Getränken befleckt´. - 2. übertr. `entmutigt, niedergeschlagen´; ganz bekleckert heempoaschln.

bekleckn swv. `beschmutzen, beflecken´; de Hosn bekleckn.

bekloin
swv. refl. `sich über jmdn. beklagen, beschweren´; dr Nubber hoat´ch ba menner Mutter bekloit ieber miech´. Lautf.: bekloan, bekloarn.

beklunkern swv. refl. Großhennersdorf, Ostlausitz `sich den Kleidersaum beschmutzen´. Vgl. Klunkern `getrocknete Kotklümpchen am Fell der Kuh´.

bekreuzchn swv. refl. `bekreuzigen´.

bekumm stv. mit Dat. `bekommen: gut tun, vertragen, zuträglich sein´; fettches Fleesch bekimmt mer ne; wuhl bekumm´s! Lautf.: bekomm Westlausitz.

belämmern swv. `jmdn. hereinlegen, (durch viele Worte) täuschen, überreden, betören´; iech luss miech vu dar ne belämmern; se hoat´n Moan belämmert.

belämmert Adj. (eigtl. Part. Prät.) `dumm, erstaunt, verblüfft, getäuscht, blamiert´; belämmert dostihn.

belän swv. `belegen´ 1. landw. Fachspr. `Muttertiere decken, begatten´; meine Siene belän lussn `meine Häsin decken lassen´.  - 2. `jmdn. mit etw. in den Ohren liegen; auf jmdn. einreden, um in für etw. zu überzeugen´; belä miech ne ´n ganzn Tag dermitte!

belasn Adj. `belesen: unterrichtet, durch Lesen viel wissend´.

beleibe siehe baleibe!

beleidchn swv. `beleidigen´. 1. `kränken´. - 2. veralt. Südlausitz `sich das Leben nehmen, sich entleiben´; a hoat´ch beleedcht od. beleidcht. Vgl. Leed!

beleidcht Adj. `beleidigt. gekränkt, getroffen, verärgert´; RA: de beleidchte Laberwurscht spieln `(ohne Grund) beleidigt sein´.

belfern swv. 1. `bellend husten´; du hoast aber a Gebelfer! - 2. `unbeherrscht, laut, polternd schelten, keifen, lospulvern´; dar belfert immer glei lus. - 3. `böllern, knallen, schießen, pulvern´; de ganze Usternacht hoann se wieder rimgebelfert. - 4. `mit (Schnee)bällen od. Steinen werfen´; die belfern wieder mit Schniebälln. - 5. `stark rauchen (von Tabak)´. Lautf.: balfern Westlausitz.

Belihrche f. `Belehrung, Ermahnung´. Lautf.: Belehrche.

belihrn swv. `belehren´.

belihrt Adj. (eigtl. Pärt. Prät. zu belihrn) `belehrt, belesen, gebildet´.

Belle siehe Balle!

Bellerkugl f. Obercunnersdorf, Bertsdorf `Böllerkugel: kleine Spielkugel aus Ton, Glas od. Stein, die Kinder in eine Bodenvertiefung schnipsen; Murmel´.

Beller m. `Böller´ 1. wie litspr. `(pyrotechnischen) Gegenstand, der mit einem Knall explodiert; Knaller, Kracher, lauter Schuss´; dar lässt ann Beller lusgihn. - 2. Seifhennersdorf `Früchte der Kartoffel´. - 3. in der Wendung ann Beller hoann `betrunken sein´.

Bellerlooch n. Dim. Bellerlechl `Böllerloch: (mit dem Schuhabsatz) in die Erde gedrehte Bodenvertiefung, in die die Murmeln geschnipst werden´.

bellern swv. `böllern´. 1. wie litspr. `krachen, laut Schießen, poltern´. - 2. Obercunnersdorf, Jonsdorf `murmeln (Kinderspiel): Kugeln mit dem Finger in ein Loch in der Erde schnipsen´. Spielanleitung: Mit dem Schuhabsatz wird in den weichen Boden ein Loch gebohrt, das man glättet. Aus drei bis fünf Meter Entfernung wirft jeder Spieler einige (meist drei) Bellerkugln (Murmeln) nach dem Loch. Trifft er das Loch nicht, kommt der nächste dran. Die liegengebliebenen Kugeln werden mit den Fingern in das Loch geschnipst. Wer alle seine Kugeln als Erster einlocht, ist Sieger und erhält alle Murmeln. Siehe auch pinkern, pickln, gackln, schnackln, schnippln, schnipsln, hittln u. hadln!

Bello m. 1. `Hund´. - 2. `großer, schwerer Hammer (aus Eisen)´.

beloabern swv. dass. wie benoattschern.

beloattschern swv. öSüdlausitz, Ostlausitz dass. wie benoattschern.

Belohnche f. `Belohnung´; de Belohnche is nu furt.

beluchsn swv. `beluchsen: überlisten, hinterlistig betrügen´.

belvern siehe belfern!

Bemme f. nwSüdlausitz Westlausitz `(bestrichene) Brotscheibe; zwei aufeinandergelegte bestrichene Scheiben Brot´; Quoarkbemme. In der Süd- u. Ostlausitz steht dafür Schniete od. Schnitte.

Bemmhucke f. Westlausitz `in ein Tuch eingepackte Schnitten zum Mitnehmen´; auch Schnietn- od. Schnittnhucke.

bemoalkern swv. `etw., jmdn. mit den Händen anfassen, untersuchen, hin- und herwenden (und dabei abnutzen bzw. beschmutzen)´; dar tutt oalls bemoalkern. Lautf.: bemoalgern.

bemoanzern (kurzes oa) swv. °BZ Sohland a. d. Spree, Wehrsdorf `etw. besorgen, (trödelnd) bearbeiten´; mer warrn doaas Dingk amol bemoanzern; auch bemoanzn.

bemoln swv. `bemalen´. 1. wie litspr. - 2. `jmdn. beschreiben, schildern´.

bemuttern swv. dass. wie bemuttln.

bemuttln swv. `jmdn. wie eine Mutter mit viel Hingabe und Hilfeleistung verwöhnen, hegen, liebevoll pflegen, versorgen´.

benablt Adj. (Part. Prät. von benabln) umg. `benebelt: im Geiste unklar, nicht zurechnungsfähig, betrunken´.

Benahmche f. `Benehmung´. 1. `Anstand, gutes Benehmen´; kee bissl Benahmche hoann. - 2. `Ort, wo man feine Umgangsformen, gutes Benehmen erlernt; höhere Schule, Ausbildung´; is Nubbermaajdl is a Drasn uff dr Benahmche gewast und redd uff eemol ganz virrnahme.

beniem swv. 1. `jmdn., etw. benennen; jmdn., etw. einen Namen geben´; de Stroße wulln se noa enn Dichter beniem. - 2. `jmdn., etw. (mit Namen) nennen, (namentlich) erwähnen, hervorheben´; doaas Durf will´ch ne beniem.

beniemsn swv. dass. wie beniem.

beniesn swv. umg. scherzh. alter Aberglauben `durch Niesen den Wahrheitsgehalt einer unmittelbar vorher gefallenen Äußerung bekräftigen´; iech hoa´s glei beniest.

Benimmche f. Niedercunnersdorf `Benehmen, Verhalten, Anstand´.

benn `bei dem´ siehe ba!

benoamsn swv. 1. `jmdn. einen Namen geben´; wie hoat´r´n nu euern Hund benoamst? - 2. `jmdn. beim Namen nennen´; du hoast miech ne richtch benoamst! Mdal. besser beniem od. beniemsn.

benoattschern swv. Obercunnersdorf, Neugersdorf, Cunewalde `jmdn. durch viele Worte überreden, jmdn. von etw. überzeugen wollen´.

bepoampern swv. Lawalde dass. wie bemuttln; meine Frooe misste de Gäste bepoampern.

bepoansert Adj. (eigtl. Part. Prät. zu bepoansern) verstr. mSüdlausitz, Ostlausitz, Schlesien dass. wie bedoansert. Lautf.: bepoanstert nwSüdlausitz, Westlausitz.

bequam swv. refl. meist abwert. `sich bequemen: geruhen, etw. zu unternehmen; langsam aufbrechen, langsam beginnen, etw. in Angriff nehmen´; harbequam, dar bequamt´ch ne zun Heemgihn; ihb die´ch bequamt "nee" zu soin, krigt se schunn a Kind.

bequamcht Adj. Seifhennersdorf dass. wie bequame; dar is a ganz bequamchter Bittch und lässt seine Frooe oalls oalleene machn.

bequame
Adj. Niedercunnersdorf, Spitzkunnersdorf `bequem´; bie oack ne su bequame!

ber Personalpronomen siehe mir u. mer!

Berädche f. `Beredung´; ieber enn Berädche fihrn `jmdn. bereden´.

berädn swv. `bereden´. 1. wie litspr. `etw. besprechen, erörtern, aushandeln´; doaas hoann mer schunn minander beredd. - 2. `jmdn. übel nachreden´; deine aaln Buchsn häng´ch ne uff meine Leine, iech luss miech doa ne berädn an Durfe!

berahm swv. refl. veralt. `sich beschmutzen, sich berußen´.

Berbs m. Seifhennersdorf, Bertsdorf `harmloser Stoß, Schlag´; de Abern hoann ann Berbs weg. Lautf.: Barbs.

beredd Adj. (eigtl. Part. Prät. zu berädn) `redegewandt, schlagfertig, gesprächig´; die is beredd.

bereddsn Adj. 1. Obercunnersdorf, Cunewalde, wOstlausitz `freundlich, liebevoll, sehr schön´. - 2. `redegewandt, gesprächig´. Lautf.: bereddsnd.

bereet
siehe poareet!

Bergl siehe Birgl!

Berichtche f. `das Berichten, das Erzählen von etw. Bestimmtem´; zer Berichtche gihn. Lautf.: Berichtsche.

berichtn swv. °ZI Friedersdorf `einen Sterbenden durch Darreichung des heiligen Abendmahls auf den Tod vorbereiten´; mit´n Nubber muss is schlaajcht stihn, dr Poaster gingk schunn berichtn.

Bernditterch siehe Barnditterch!

Berne ohne Genus, veralt. f. `Berna´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Bierna´. Lautf.: Barne.

Bernickl siehe Burnickl!

Bernl siehe Burn!

Bernsdurf 1. `Bernsdorf OL (Kleinstadt im °BZ)´,  de Bernsdurfer `die Einwohner von Bernsdorf´. Lautf.: Berns-, Barns-, -durf,- dorf. - 2. siehe Aaltbarnsdurf!

Bernstaadtl siehe Barnstaadtl!

beroammsln swv. 1. Neugersdorf, Leutersdorf , Pulsnitz `bezahlen´; de ganze Schmähre beroammsln. - 2. Spitzkunnersdorf `bewältigen´.

beroappm swv. 1. umg. `berappen: bezahlen, (Geld) aufbringen´. - 2. Oberlichtenau `putzen (Kalk, Zement), verputzen, abputzen (Wand)´.

Berthlsdurf siehe Barthlsdurf!

Bertsdurf siehe Bartsdurf!

beruhgn swv. Oberland mit nwSüdlausitz u. Westlausitz `beruhigen´; beruhgt´ch oack wieder! Lautf.: beruhchn übrige Oberlausitz.

Berzdurf siehe Barzdurf!

besaufm stv. iech besauf miech, du beseffst diech, iech besuf (Oberland) od. besuff miech, iech hoa miech besuffm. 1. (refl.) wie litspr. `sich mit großen Mengen Alkohol betrinken´. - 2. `etw. mit Alkohol begießen´; a besefft sei neues Auto. Siehe auch beseefm!

Beschäler m. 1. landw. Fachspr. `männl. Zuchtpferd´. - 2. übertr. `Decker, Besamer´, scherzh. auch auf Menschen bezogen.

beschäln swv. landw. Fachspr. `von einem männl. Zuchtpferd decken lassen´; de Stutte wird beschält, wenn se rustn tutt `die Stute wird gedeckt, wenn sie brünstig ist´.

Bescheed
m. `Bescheid: Auskunft, Mitteilung, Antwort´; iech weeß Bescheed, gibb mer oack Bescheed!

bescheedn Adj. `bescheiden: genügsam, anspruchslos´.

bescheißn
stv. iech bescheiß(e), du beschesst, mer bescheißn, iech beschieß od. bescheeß, iech hoa beschissn `bescheißen´. 1. refl. `sich etw. beschmutzen´; du hoast dr doaas neue Kleed beschissn! - 2. `jmdn. betrügen´; Neumkromer beschesst, wu´r oack koann. RA: Jeder beschesst jedn, und oalle labm gutt derbei.

Bescherche f. `Bescherung´. 1. wie litspr. `das Beschenken am Heilig Abend od. am 1. Weihnachtsfeiertag´; auch Christbescherche. - 2. iron. `unangenehme Überraschung´; do hoann mer de Bescherche! Lautf.: Bescharche, Beschärcht (Bihms Koarle), Bscharche Neukirch.

Beschieß m. Oberland `Betrug´; uff Beschieß ausgihn. Lautf.: Beschiss.

Beschilgche
f. `Beschuldigung´. 1. wie litspr.; die Beschuldche koann´ch ne uff mir sitzn lussn. - 2. übertr. Großschönau `(fadenscheiniger) Vorwand, Begründung´; luss dr oack anne Beschilgche eifoalln! Lautf.: Beschuldche. Vgl. schilg!

beschinn
stswv. `beschinden´. 1. refl. `sich die Haut abschürfen, verletzen´; gibb Achtche, dermit de diech ne beschinnst! - 2. `einen Gegenstand beschädigen, eine Kratzer verursachen´; a wullt oack´n Schrank imdrähn und hoat derbei de ganze Wand beschunn. Lautf.: beschingn West- u. Ostlausitz.

beschissn
Adj. (eigtl. Part. Prät. zu bescheißn) 1. `dreckig, schmutzig, besudelt´; iech muss de beschissn Wäsche heute woaschn;  kurz und beschissn wie a Kinderhemde. - 2. übertr. a. `sehr schlecht, widerwärtig, unangenehm, unfreundlich´; war´sch weeß, war´sch weeß, wird´s wissn, is Labm is beschissn; a beschissn Juhr `ein Jahr mit schlechter Ernte, schlechtem Wetter, schlechter Gesundheit od. schlechtem Geschäftsverlauf´; RA: Gedaajchtnis wie a Ziegeschwänzl, kurz und beschissn. „Wie gitt´rsch?“ - „Beschissn is geproahlt!“ - b. `betrügerisch, gerissen´; a beschissn Karle.

beschissn stv. iech beschiss(e), du beschoa(j)ßt, iech beschuhß (Oberland), iech hoa beschussn `beschießen, bewerfen, beschmeißen´.

Beschke
m. Pl. Beschkn °NOL Königshain `unartiges od. vorwitziges Kind´; die verdammtn Beschkn, die!

beschloin stv. wie litspr. `beschlagen´. 1. trans. `etw. mit einem Beschlag versehen´; dr Schmied beschlätt Neumbauersch Pfare. - 2. `intrans. `sich mit einem Belag überziehen, bedecken (z.B. mit Wasser od. Schimmel)´; de Scheibe hoat´ch beschloin. Lautf.: beschloan, beschloarn, beschloon.

beschmährn swv. `beschmiert, ohne klare Konturen´; dr Mond woar naajchtn su beschmährt, mer warrn wull schlaajcht Water breetn.

beschmeißn stv. (Konj. siehe schmeißn!) `beschmeißen: bewerfen´; a beschmeeß (`er beschmiss´) miech mit oalln Tiernoam aus´n Zoologschn Goaartn.

Beschn (kurzes e) `Bischheim (Ortsteil der Gemeinde Haselbachtal im °BZ)´; de Beschner od. Bischner `die Einwohner von Bischheim´. Lautf.: Bischn (kurzes i).

beschnoarchn swv. `bedenken, eine Sache reiflich überlegen, erst nach der folgenden Nacht entscheiden´; iech ga dr murne Bescheed, doaas miss mer´ch noa amol beschnoarchn.

beschnopern (gedehntes o) swv. `beschnuppern, beschnüffeln, begutachten´; mer hoann unsn neun Kullegn irschtert amol beschnopert.

Beschreibche f. `Beschreibung´; die diche Kloappe woar o a dr Beschreibche ne eigezeecht.

beschrein stv. `beschreien: den Teufel an die Wand malen, ein Kind od. ein Haustier durch laut ausgesprochenes Lob in seiner Entwicklung gefährden´, dabei liegt die abergläubische Vorstellung zugrunde, dass man mit der günstigen Voraussage od. dem Lob das Schicksal zu einer gegenläufigen Entwicklung herausfordert, deshalb erfolgt sogleich die Verwahrung: "Iech will´s ne beschrein", und die Mutter sagt zum Kinde: "Gutt behitt´ch!" ´s woar baale, oas wenn se ´n beschrien hättn.

Beschuldche siehe Beschilgche!

Beschwerde siehe Bischofswerde!

Beschwer(e) siehe Bischofswerde!

beschwiern stv. (Konj. siehe schwiern!) `beschwören´; su is gewast, iech koann´s beschwiern.

beseecht
Adj. `beuriniert, mit Urin beschmutzt´; wie ann beseechtn Pudl stihn lussn.

beseefm swv. `besäufen: sich oder jmdn. betrunken machen, besaufen´; a hoat´ch wieder beseeft; wie´n de Frooe oalleene ließ, toat´r´ch oack noa beseefm. Siehe auch besaufm!

beseem siehe seem!

besieln swv. selt. `beschmutzen´; bes. in der Wendung besielt aussahn `schmutzig aussehen´.

besinn stv. refl. iech besinn(e) miech, iech besoann miech, iech hoa miech besunn `besinnen´ 1. dialektal in der Fügung siech uff woaas besinn `an etw. denken, erinnern; iech hoa miech glei druf besunn `mir ist es gleich eingefallen´. - 2. `eine Pause machen und überlegen, zur Ruhe kommen, abwarten, zögern´; besinn´ch ne zu lange, sunst is zu späte!

besprechn stv. `besprechen´; mdal. siehe versprechn 2!

Besserche f. `Besserung, Linderung´; ´s gitt uff de Besserche zu.

Bestellche f. `Bestellung´; de Bestellche luss mer ruhgn.

bestelln swv. wie litspr. `bestellen´; RA: Die hoat´ch woaas bestallt `die ist schwanger´.

Besuch m. wie litspr.; uff Besuch (gedehntes u) gihn, zu Besuche (kurzes u) kumm; es gibt verschiedene Anzeichen, die Besuch anzeigen, z.B.: Dr Ufm spuckt, mer kriegn Besuch.

besuffm Adj. (eigtl. Part. Prät. zu besaufm) `betrunken´; dar besuffne od. besuffm Pulezeier; RA: besuffm wie anne Timplgräte. RA: Kinder und Besuffne rädn immer de Wuhrheet.

betängln (gespr. bedengln) swv. refl. veralt.`sich den Kleidersaum beschmutzen´.

beteebt
(gespr. bedeebt) Adj. (eigtl. Part. Prät.) Niedersteina `betäubt: unzurechnungsfähig, betrunken´; dar is schunn hoalb beteebt.

beteppert siehe bedeppert!

betoalkern
swv. `alles ungeniert anfassen, ungeschickt betasten, befühlen, jmdn. in unangenehmer Weise berühren´; unse Kleene muss oalls betoalkern.

betoalpm swv. Westlausitz dass. wie betoalkern.

betoatschn (kurzes oa) swv. dass. wie betoalkern.

Betonche f. `Betonung´.

betrieglch Adj. `betrüglich: trügerisch, unsicher, unberechenbar (vom Wetter), gefährlich´; anne betrieglche Sache.

Bettbratl
n. `Brett zum Auslegen des Bettes unter dem Strohsack´.

Bette n. Dim. Bettl `Bett´. 1. `Liegestatt; Bettstelle mit allem Zubehör´; dr Rietchn hoann se´s Bette reigesoatzt `die erkrankte Frau Röthig ist nun bettlägerig´, iech schloof an eemenschchn Bette `ich schlaf im Einzelbett´. - 2. `Federbett, Deckbett´; ´s Bette is mer zu dicke.

Bettkoastn
m. dass. wie Bettstatl.

Bettl
n. Dim. von Bett 1. `Bettchen, kleine Bettstelle mit allem Zubehör´; Kinderbettl. - 2. `kleines Federbett, kleines Deckbett´. - 3. `Kissen, Kopfkissen, Stuhlkissen´; sull´ch dr a Bettl undern Hindern schiebm? A kieln Bettl `ein Kissen mit Federkielen´.

Bettltraajger m.`Kind, dass mit einem Kissen zwischen den Blumenstreukindern und dem Brautpaar läuft´.

Bettseecher
m. `Bettnässer´.

Bettstatl (gedehntes a) n. sSüdlausitz, Schirgiswalde, Nordböhmen `Bettstätte: Bettkasten, Gestell u. Rahmen eines Bettes´. Lautf.: Bettstattl Schirgiswalde.

Bettstruh n. `Bettstroh´ 1. veralt. `Stroh, das als Unterlage unter den Strohsack in die Bettstelle als Vorläufer der Matratze gelegt wurde´. - 2. veralt. `Stroh zum Füllen des Strohsacks´.

Betttuch n. Pl. Bettticher `Bettlaken, das früher aus Leinen- od. Halbleinenstoff bestand´.

Bettwarmer
m. `Bettwärmer. Wärmflasche´.

Bettzeug n. `Bettwäsche für das Überziehen eines Bettes (Bett-, Kopfkissenbezug, Laken)´.

Bettziche (kurzes i) f. `Bettbezug´. Lautf.: Bettzieche; Bettziech m. öKürzung.

Bettzippl m. `Bettzipfel´, in der RA: dr Bettzippl winkt `zu Bett gehen´.

betulch Adj. `sich benehmen wissend, gutmütig, umgänglich´; a betulcher Moan. Lautf.: betulich.

Betulchkeet f. `Umgang, Verhältnis´; ihre Betulchkeet begroabm.

betun unregelm. V. refl. 1a. `sich beschäftigen mit etw., sich betätigen´; gitt oack Abernlasn, do kinnt´r´ch betun! - b. `zurechtkommen mit etw., sich behelfen´; dar koann´ch ne mih betun. - c. `bewerben, werben´; a tutt´ch schunn lange im dann Pustn betun. - 2. `sich in einem Kleidungsstück gut bewegen können, weil es passt´. - 3. `sich gut benehmen, zieren´; betu dch ne ebch und drei Tage und langn zu!

betuse Adj. Niedercunnersdorf `betusam: freundlich, gutmütig, umgänglich, zugänglich, ruhig´.; doaas Maajdl is anne ganz Betuse. Lautf.: betusn.

betuttlt (gespr. bedujddlt) Adj. (eigtl. Part. Prät. zu betuttln) `betrunken, beschwipst´. Lautf.: betujglt, betujttlt Neugersdorf.

beurbern
swv. Niedercunnersdorf, Oderwitz `bearbeiten´; de Feldn beurbern.

Beuselei
f. `Kleinarbeit; Arbeit, die Fingerfertigkeit erfordert´.

beuslch Adj. `Fingerfertigkeit erfordernd, mühselig, feinfühlig´; beuslche Oarbeit.

beusln swv. Südlausitz `mühsame Arbeit mit den Fingern verrichten, an Kleinkram basteln, kleine Dinge auslesen od. sortieren, klauben, nesteln´; ausbeusln, oabbeusln, rausbeusln, rimbeusln, oa dar Parlnkäte hoa´ch aber gebeuslt.

Beute f. 1. Obercunnersdorf, Wittgendorf, Ostlausitz, Nordböhmen `(hölzerne) Behausung für ein Bienenvolk´, auch Binnbeute. - 2. Zittauer Gebirge, söSüdlausitz `großer, feststehender Backtrog in der Bäckerei, ein tiefer u. langer Holztrog mit gewölbtem Boden u. Deckel (zum Durchkneten des eingesäuerten und gegorenen Teiges)´.

bewaajn
swv. `bewegen´.

bewispert
Adj. Obercunnersdorf `lebhaft, aufgeweckt, klug, intelligent, lernbegierig, behände, eifrig´; die is bewispert wie a Katl `die ist lebhaft wie ein Rutkehlchen´. Lautf.: bewischpert um Löbau, Dittelsdorf, bewuschpert sSüdlausitz, Ostlausitz, bewuspert.

bewuschpert siehe bewispert!

bezeebert Adj. Oderwitz, Seifhennersdorf `bezaubert, von etw. angetan, begeistert´; vun grußoartchn Assn ganz bezeebert sein.

Bezoahlche
f. `Bezahlung´; fer de ganze Bezoahlche is dr Voater zuständch.

Bezoahlsgutt n. `Bezahle es Gott, Dankeschön´; iech hoa oack a Bezoahlsgutt derfier gekrigt. Lautf.: Bezoahlsgoot (alte Form), auch Bezoahlderschgoot.

bibberch Adj. siehe bebberch!

bibbern swv. umg. `zittern vor Kälte, beben vor Erregung, schlottern´. Lautf.: bebbern.

Bibbertour
f. `Angststrecke´.

Bibernelle f. siehe Pimpernelle!

Bicher siehe Buch!

Bicherwurm
m. `Bücherwurm: Leseratte´.

Bichl n. (kurzes i) 1. Dim. von Buch `Büchlein´; steck deine Noase a de Bichl! `Lies etwas!´ Iech hoa ne vill uff´m Bichl `ich habe nicht viel Geld auf dem Sparbuch´. - 2. `Blattgoldheft´. - 3. Siehe Buch `Blättermagen des Wiederkäuers!´

Bichse (kurzes i) f. Dim. Bichsl `Büchse´. 1. wie litspr. `kleines, rundes Gefäß, Dose´; Brutbichse, Boalsnbichsl, Spoarbichse, Bichsnfutter `Konservennahrung´, mit dr Bichse kloappern `für etwas sammeln´. - 2. `Gewehr´; a hoat noa kenn Keiler ver de Bichse gekrigt. - 3. übertr. abwert. (selt. scherzh.) `(liederliche) Frau, (eingebildetes) Mädchen´; dar hoat sei Meestersticke gemacht, aus anner aaln Bichse anne neue, und de aale is o noa zu gebrauchn `der ist Vater von einem Mädchen geworden´.

bickn swv. refl. `bücken´; ´s Aalder bickt´n runder `vom Alter gebeugt gehen´, scherzh.: Aale bick dch, bist eemol krumm! Siehe auch dickn!

bie siehe senn!

Biegekirbl, Biegekurb siehe Bieglkurb! Lautf.: Biejekorbl Schirgiswalde.

Biegelei f. `Zecherei´.

bieglhuch Adv. `laut und turbulent, toll´; ´s gitt bieglhuch har. Lautf.: biechlhuch Seifhennersdorf.

Bieglkober m. Frankenthal dass. wie Bieglkurb. Lautf.: Bieglkofer Bühlau.

Bieglkoberch m. Steinigtwolmsdorf, °BZ Neukirch dass. wie Bieglkurb.

Bieglkurb m. Dim. Bieglkirbl od. Bieglkerbl `kleiner od. mittelgroßer aus Drahtgeflecht od. aus Weidenruten bestehender Korb mit einem Bügel´; de grußn Abern kumm an Virrtlkurb, de klenn an Bieglkurb! Zun Äpploabnahm brauch´ch a Bieglkirbl!

Bieglkurbvll m. `einen Bügelkorbvoll´. Lautf.: Bieglkirbvll.

biegln swv. in der Fügung enn biegln `einen zur Brust nehmen, viel Alkohol trinken´; nu ging´s Gebiegl vu frischn lus.

Bieglsaajge f. `Bügelsäge: Säge mit einem Bügel, in den das Sägeblatt gespannt ist´.

Bieglsaajnze f. `Bügelsense: Getreidesense, auf deren Stiel senkrecht ein Bügel aufgestellt ist´, auch Kurn- od. Ristsaajnze. Lautf.: Bieglsaajnse.

Bieglschwinge f. veralt. Süd- u. Ostlausitz `flacher, halbkugeliger od ovaler Handkorb mit Bügel´, dass. wie Schwinge 2 u. Schwingekirbl. Lautf.: Bieglschwinde.

Biehle f. (veralt.) `Biehla (Ort der Gemeinde Schönteichen im °BZ)´; de Biehlschn `die Einwohner von Biehla´.

Biehoajn `Biehain (Ort der Gemeinde Horka im °GR)´; de Biehoajner `die Einwohner von Biehain´.

Biele
, Nieder Biele f. n. `Bielau, Nieder Bielau´, bis seit 1945 zum Kreis Görlitz gehörender Ort östlich der Neiße, poln. `Bielawa Dolni´; veralt. Windsch Biele.

biele-biele Interj. 1. Lockruf für die Enten. - 2. Seifhennersdorf Lockruf für (kleine) Gänse.

Bielei n. söSüdlausitz 1. `junge Gans´. - 2. übertr. `kleines Kind´.

Bieln `Bielen (Ortsteil der Gemeinde Schwarzbach im Landkreis Oberspree-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´; de Bielner `die Einwohner von Bielen´.

Biene f. Pl. Binn 1. wie litspr. `Honigbiene (Apis mellifica)´. - 2. übertr. `Mädchen, Freundin, Geliebte´; junge Biene, sisse Biene.

Bier(d)e siehe Birde!

Biereule f. selt. `Pirol (Oriolus oriolus), Pfingstvogel´, auch Water- od. Dreckvogl.

Biergutscher m. `Bierkutscher: Fahrer eines Bierfuhrwerkes´.

Biermahrte siehe Mahrte!

Bierneegl n. `Bierrest im Glas´.

Bierobd m. `Bierabend´ 1. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach `gesellige Zusammenkunft junger Männer am Abend´. - 2. `Tanzabend, Tanzunterhaltung (am Hochzeitsabend)´. Lautf.: siehe Obd!

Bierseidl n. `Bierseidel: Halbliterbierkrug mit Henkel (und Deckel)´.

Biersuppe f. 1. `Suppe aus einfachem (dunklem) Bier u. Milch gekocht, mit Mehl gedickt, mit Zucker u. Zimt bestreut´. - 2. `Bierkaltschale´. Auf das zerbrockte Brot wird an heißen Sommertagen kaltes Bier gegossen und evtl. mit Zucker und Rosinen angemacht.

bies siehe senn!

Bieß m. `Biss´; mach noa ann Bieß!

Bies´ch `Biesig (Ort der Stadt Reichenbach im °GR)´. Lautf.: Bies´sch.

Biese m. `Böse: Teufel´; doaas muss dr Biese gewast senn!

biese Adj. Komp. bisser od. bieser, Sup. oan bisstn od. oan biestn `böse´. 1a. `schlimm, schlecht (von Sachen)´; do dermitte sitt´s biese aus; ´s biese Ufwachn kumm. RA: Ba dann is weit nei biese `um den steht es sehr schlimm´; dar macht a Gesichte wie siebm Meiln bieser Waajg. - b. `bösartig, boshaft, niederträchtig´; biese Rädn fihrn; se is anne biese Siebm. - c. `teuflisch, Unglück bringend (im Zusammenhang mit Aberglauben)´; Worte des Hochzeitsbitters beim Brauch des Verschnürens: "Liebe Brautleute, dohiede is verschniert, iech schmeiß fer euch is Geld hie, ihr gitt drieberweg und lusst´s Biese zerricke!" - 2. `ärgerlich, zornig, unartig, grimmig, zerstritten´; biese uffmnander senn; goaff ne su biese! Bie oack ne mih biese uff miech! - 3a. `krank, entzündet´; dr Finger is biese wurn; deine Gusche is biese `dein Mund ist mit Ausschlag behaftet´; iech hoa woaas Bieses an Gesichte `ich habe einen Ausschlag im Gesicht´; se bruchte bieses Zeug mit heem `sie kam mit einem Ausschlag oder einer Hautrötung zurück´; biese Seitn `Entzündung der weiblichen Brüste (nach dem Stillen)´; die hoat anne biese Seite `die hat eine Brust entzündet´. - b. `nichts wert, nicht viel wert, ärmlich´; bieses Geld `Falschgeld´; dr Stuff is uff etlchn Fleckln biese gewurn `der Stoff ist auf einigen Stellen dünn und löchrig geworden´.

Biesepampl m. `Miesmacher, Nörgler, Pers., der man nichts recht machen kann´.

Bieslch m. Steina, Burkau `Tunichtgut´; doas es a rechtcher Bieslch.

biesln swv. 1. öSüdlausitz, Ostlausitz, Schlesien a. `rennen, springen, hasten, hüpfen, sich beeilen´; de Kihe biesln, rimbiesln `herumtollen, sich herumtreiben´. - b. `geschäftig tun; unruhig, aufgeregt sein´; de Binn biesln. - c. Nordböhmen `mit kleinen Schritten laufen´. - 2. Ostlausitz `jmdn. etw. übel nehmen, herumnörgeln´.

biesn swv. selt. dass. wie biesln 1a.

Biesnz `Biesnitz (Stadtteil der Kreisstadt Görlitz)´.

biesoartch Adj. `bösartig´ dass. wie biese 1a., 1b., 3.

Bieste f. Dim. Biestl `gedrehte Darmsaite, die als Antriebsschnur zwischen Treiberad bzw. Spulrad u. Spule bzw. Spindel diente´; de Bieste leeft vill zu lucker; RA: Nu is de Bieste runder! `Jetzt hört es auf!´

Biestl n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Holzstück, Klopfer, Schläger´; Puchebiestl.

Biestmilch f. `Kolostralmilch: die erste Milch nach dem Kalben, die für den menschlichen Genuss ungeeignet ist und die meist verfüttert wird´; de Biestmilch wird zun Plinznbackn genumm.

Biez siehe Piez!

biezn siehe piezn!

Bieter m. siehe Pieter!

Bihle f. (veralt.) `Bühlau (Ort der Gemeinde Großharthau im °BZ)´; de Bihler od. de Bihlschn `die Einwohner von Bühlau´; Spitzname: Bock-, Buckbihle `Bockbühlau´.

Bihm m. `Böhme: Zehn-Pfennig-Stück´, urspr. der alte böhmische Groschen, dann für den schlesischen Silbergroschen; war´sch gleebt, gibbt ann Bihm; ´s macht zusoamm siebm Toaler und fuffzn Bihm. RA: a poaar Bihm an Finstern wart sein `nichts wert sein´.

Bihm n. `Böhmen: bis 1806 Kronland des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, ab 1806 Teil des Kaiserreiches Österreich-Ungarn, seit 1918 ein tschechischer Landesteil´; zengsrim im Bihm senn Barge; mer wulln hinte uff Bihm gihn.

Bihme m. `Böhme: Bewohner von Böhmen, des ehem. Kronlandes von Österreich-Ungarn, sowohl ein Tscheche als auch ein Deutscher´.

Bihmacke m. bedeutungsneutral bis abwert. Dim. Bihmackl `ein in Deutschland herumziehenden Tscheche, der hausiert, Kessel flickt od. Musik macht und schlecht deutsch spricht´.

Bihmackei f. schwach abwert. bis scherzh. `Böhmen´.

bihmsch Adj. `böhmisch´. 1. `zum Land Böhmen gehörend, aus diesem Land stammend´; a bihmsches Bier. - 2a. `tschechisch´; hinte spieln Bihmsche `heute Abend spielen tschechische Musikanten´. - b. `deutschböhmisch´; bis fimfundvirrzch senn vill Bihmsche as Säcksche oarbeitn gekumm; ´s gibbt a Bihm Bihmsche und Stookbihmsche `es gibt in Böhmen Deutschböhmen und Tschechen, die kein Wort deutsch verstehen, sprechen´. - 3. `verdächtig, Misstrauen erregend, unverständlich, nicht nachvollziehbar´; bihmsches Zeug, bihmsche Oaasichtn; RA: Doaas senn mer bihmsche Derfer `das ist mir völlig fremd, davon verstehe ich nichts´. - 4. in der Wendung a woar an Bihmschn `er hat sicherlich Tripper, er hat in Böhmen ein Bordell besucht´.

bihmscher Wind m. `böhmischer Wind´. bei Druckabfall strömt mit südlichem Wind die Kaltluft eines Hochdruckgebietes im Böhmischen Becken in die südliche Oberlausitz und kommt an der Linie Kamenz - Bautzen - Görlitz zum Stehen.

Bihne f. `Bühne´. 1. `Vorraum im ersten Stock eines Oberlausitzer Hauses´. - 2. msSüdlausitz `Obergeschoss in der Scheune, Heuboden´; a dr Scheune hoann mer ´s Tenne und de Bihne. - 3. `Dachboden im Wohnhaus´. Siehe auch Äberbihne, Äberbodn, Äberhaus, Bodn, Leebe, Soaal u. Vursoaal!

Bihre f. siehe Bäre!

billch Adj. `billig´. 1. `preiswert, nicht teuer´. RA: War billch keeft, keeft dupplt bzw. zweemol.  RA.: Doaas is billcher oas a neuer Hutt. - 2. `minderwertig, unecht´; a billches Kätl bzw. Kettl. - 3. `geistlos, abgedroschen, nichtig´; anne billche Ausräde. - 4. `gerecht´; raajcht und billch; RA: Woaas dann enn raajcht is, is dann andern billch.`Was dem einen zusteht, sollte auch dem anderen zukommen´.

Billett (gespr. Billjett) n. Pl. Billetter, Dim. Billettl `Fahrkarte, Eintrittskarte´; gan se mir zwee Returbiletter a de Sitte `geben Sie mir zwei Rückfahrkarten nach Zittau´. Lautf.: Billeet, Boalleet (Bihms Koarle).

Bimbaum f. Spitzkunnersdorf `Uhr´; kumm oacke, Kleene, mer gihn amol rieber zer Bimbaum; de Bimbaum gitt noa. Volksreim: Bimbaum, Äppl und Pflaum, Birn und Nisse, schmeckn sisse!

bimbaum Obercunnersdorf `hin und her pendeln des Perpendikel, und Ticken der Uhr´; dr aale Seeger macht immer noa bimbaum.

bimbern siehe pimpern!

Bimml f. umg. `Bimmel: hellklingende, kleine Glocke, Klingel´.

Bimmlboahne f. Dim. Bimmlbahnl `Bimmelbahn: Kleinbahn (von Zittau nach Oybin u. Jonsdorf), Schmalspurbahn (nach dem hellen Läuten bei unbeschrankten Straßenübergängen benannt)´.

bimmln swv. umg. `klingeln (der Tür-, Schul-, Ladenklingel, des Weckers)´.

bimsn swv. `angestrengt lernen, pauken´.

Binde
f. 1. wie litspr. - 2. `Halsbinde: Krawatte, Schlips´; RA: enn hinder de Binde gissn `viel Alkohol trinken´. - 3. selt. `der weiße Schaumrand des gefüllten Bierglases´.

Binder m. 1. `Mähmaschine mit Vorrichtung zum Binden der Garben, Mähbinder´. - 2. `die Person, die die Garben band´. - 3. `Bindemittel als Zusatz zu Flüssigkeiten´. - 4. `in einem Ziegelmauerwerk der zur Mauerflucht liegende Ziegel´.

Bindl n. (Dim. von Bund `Einfassung an Kleidungsstücken´) `Bündchen: schmaler fester Rand, der ein Kleidungsstück am Ärmel od. am Halse abschließt´; de Leute trugn friher Bindl stoatts Kragn oan Hemde; Voatermerderbindl.
Bindl n. (Dim. von Bund `etw. Zusammengebundenes´) `Bündel´. 1. wie litspr. `etw. zu einer handlichen Traglast Zusammengebundenes´. - 2. `(in bestimmter Menge zu einer Maßeinheit) mit der Hand Zusammengebundenes´; zwee Bindl Reis´ch. - 3. `kleines, handelsübliches Bund Gemüse´; a Bindl Radiesl.

binn stv. iech bind(e) od. binge (Ostlausitz), du bindst od. bingst (Ostlausitz), mer binn od. bingn (West- u. Ostlausitz), iech boand, bund (um Hirschfelde) od. bungn (West- u. Ostlausitz) od. bunge (Rothenburg), mer boann, bunn od. bungn (Ostlausitz), iech hoa gebunn od. gebungn (Ostlausitz) `binden´. 1a. `etw. an-, festbinden´, bind oack anne Schirze im! RA: woass uff de Noase binn `etw. verraten´; mer boann friher zun Hellchn Obde Struhseele im de Beeme, dermit se besser troin. - b. `etw. in etw. (hinein)binden´; as Schnupptichl ann Knutn binn. Vgl. auch Eibindetichl u. Eigebinde! - c. `durch Fäden, Bänder, Schnüre od. Seile, etw. zusammenbinden, winden´; Gurlande, Basn od. Goarbm binn. - 2a. `jmdn. fesseln´; mer hoann Indianer gespielt und Kurtl oan Boom gebunn. - b. veralt. Volksbrauch in der Ostlausitz: einem Fremden, dem Großbauern, Gutsherrn od. Inspektor wurde ein Strohseil od. -halm um den Oberarm gebunden. Der Gebundene musste sich mit einer Runde Schnaps od. Bier lösen. Lautf.: bingn West- u. Ostlausitz.

Binnmelisse f. selt. Ost- u. Südlausitz `Bienenmelisse: Weiße Taubnessel (Lamium album)´. Blüten werden von langrüsseligen Hummeln u. Bienen beflogen. Lautf.: Bienmelisse. Auch Toobnessl.

bir Personalpron. 1.P. Pl. siehe mir!

Birde (kurzes i) f. Dim. Birdl `Bürde´. 1. bes. Ostlausitz `Traglast, großes Bündel´. - 2. `in ein Tragetuch eingebundene Menge Heu od. Grünfutter´; de Groasticher wurdn zu Birdn gebunn. - 3. `Leid, schweres Los, schweres Schicksal´; anne Birde troin, de Hoseguste hoat mit ihrn Moanne anne Birde zu troin; anne sisse Birde `eine Last, die man gern trägt´. Lautf.: Burde (kurzes u) Bierde, Biere Seifhennersdorf, Nordböhmen. Siehe auch Hucke!

Birgemeester m. `Bürgermeister´. Lautf.: Burgemeester Oberland, Ostlausitz, Bargermeester Schirgiswalde, Berchemeester Hinterhermsdorf.

Birgl n. msSüdlausitz, Ostlausitz, Nordböhmen `(verschnittenes) männl. Ferkel´. Lautf.: Burgl, Bergl, Bargl.

Birke f. wie litspr. `Weißbirke (Betula verrucosa Ehrh.)´; Birkngriene, Birknsträuchl `Birkenstrauß als Osterschmuck´, RA: Dar find´ch ne aus drei Birkn raus `der kann nicht die kleinste Schwierigkeit meistern´. Vgl. Basnhulz u. Basnreißch! Lautf.: Burke; Boarke Westlausitz.

Birke f. (veralt.) `Birkau (Ortsteil der Gemeinde Göda im °BZ)´.

Birkhansl n. (Sächs. Schw.) m. Südlausitz `Birkenrute, mit der Kinder geschlagen wurden´; ´s Birkhansl im de Beene schwickn. Lautf.: Barknhänsl Sächs. Schweiz.

Birknfuhre m. `Birkenfuhre, Kremser: mit Birken geschmückter Wagen, auf denen meist männl. Personen einen feucht-fröhlichen Ausflug unternehmen´. Ursprünglich nur am Himmelfahrtstage durchgeführt. Lautf.: Burkn-, Berkn-, Barkn- u. Boarknfuhre.

Birl (gesprochen Birrl, Burrl) m. `schwerer, langstieliger Vorschlaghammer; Holz- od. Eisenschlegel; Steinklopfer, mit dem man große Steine zerschlägt; Steinmetzhammer´; es wird örtlich zwischen dem Birl (Holzhammer mit eingepasstem Eisenring) und dem Bello (Eisenhammer) unterschieden. Birle kriegn `Schläge, Hiebe erhalten´. Lautf. Burl, Berl, Barl, Boarl (Westlausitz), Birler, Berler.

birln swv. 1a. `kräftig mit dem Vorschlaghammer zuschlagen´. - b. `störend und anhaltend herumhämmern´; dar birlt´n ganzn Tag uff´m Bleche rim. - 2. übertr. `(ver)prügeln´; zerbirln, verbirlt´ch´n (schlägt dich denn) dr Schulmeester o moanchmol? Lautf.: burln, berln, barln, boarln.

Birne f. wie litspr. 1. `Frucht des Birnbaums (Pyrus communis L.)´. - 2. kurz für `Birnbaum´. - 3. umg. `Kopf´; dicke Birne `Brummschädel´. - 4. `Glühbirne´. Lautf.: Burne, Barne Schmölln, Boarne Westlausitz

Birnmannl n. 1. Obercunnersdorf, °ZI Ebersbach `kleiner, älterer, sauberer Mann; unscheinbares Männchen´; dar sitt aus wie a gebackn Birnmannl. - 2. °NOL Königshain `kleiner, älterer, putziger Mann´.

Birschl n. (Dim. von Bursche) 1. `intelligenter, kecker Junge´. - 2. `Lausbub, Frechdachs´. Lautf.: Bischl.

Birschte (kurzes i) f. Dim. Birschtl `Bürste´ 1. `wie litspr.; Droht-, Wichs-, Wurzl-, Stieflschmärbirschte. - 2a. `kurzer Haarschnitt, Igelfrisur´; a fuhr´ch ieber de Birschte. - b. `starker Schnurrbart, Schnauzer´; a hoat anne richtche schiene Birschte under senn Zinkn. - 3. siehe Zilinderbirschtl! Lautf.: Burschte (in der Süd- u. Ostlausitz sowohl Bürste als auch Borste) Barschte, Baschte Neukirch, Boarschte. Vgl. Burschte!

birschtn swv. `bürsten´. 1. wie litspr. `mit der Bürste bearbeiten, aufrauen, reiben, rubbeln, scheuern´; de Pfare birschtn `die Pferde striegeln´, gebirschte Abern (Wittgendorf) `mit der Bürste gesäuberte Pellkartoffeln, da sie mit der Schale gekocht werden´. - 2. umg. `Geschlechtsverkehr ausüben´; die lässt´ch vu jedn birschtn.

Birschtnbinder m. `Bürstenbinder, Bürstenmacher; Handwerker, der aus Schweineborsten, Pferde- und Rinderhaaren Bürsten bindet und feilbietet´; RA: saufm od. roochn wie a Birschtnbinder `viel trinken od. rauchen´. Lautf.: Borschtnbinger Westlausitz.

Birschtnmächer m. dass. wie Birschtnbinder.

Birschtnmoan m. dass. wie Birschtnbinder.

Birschtwiesch m. siehe Burschtewiesch!

Birzl siehe Boarzl!

Birzlch m. Westlausitz `abstehender Rumpfteil von Vierfüßern, Steiß´. Lautf.: Boarzlch, Barzlch, Berzlch.

birzlch Adj. Westlausitz 1. `stehende Haare besitzend´. - 2. `aufgebracht, schnippisch´. Lautf.: boarzlch, berzlch, barzlch.

bis wie litspr. 1. Präp.; mach´s gutt bis zun Simmde. - 2. Konj.; iech bleib sitzn, bis de kimmst. Lautf.: bies Neugersdorf.

bischbern siehe pischpern!

Bischdurf `Bischdorf (Ort der Gemeinde Rosenbach im °GR)´; de Bischdurfer `die Einwohner von Bischdorf´.

Bischebettl n. 1. `Steckkissen für den Säugling, Einbindbett´. - 2. `Kinderbett des Kleinkindes´. Lautf.: Buschlbettl, Bischlbettl.

Bischekind n. Dim. Bischekindl `Säugling, Wickelkind; kleines Kind im Steckkissen, das auf den Armen hin u. her getragen u. in den Schlaf gewiegt wird´. Lautf.: Buschlkind, Bischlkind.

Bischekurb m. Dim. Bischekirbl `Kinderkorb des Kleinkindes´. Der Hausweber hatte den Korb manchmal neben dem Webstuhl an der Decke hängen und bei jedem 50. Schuss wurde der Korb angestoßen. Lautf.: Buschlkurb, Bischekurbl.

Bischl n. Dim. von Buhsch `Büschel´. 1. `kleines Waldstück´; Bauernbischl. - 2. `Strauchwerk, Gestrüpp´; a Hoase huppte aus´n Bischl. - 3. `unbestimmte Anzahl von Halmen, Stängeln, kleinen Zweigen mit Blättern, Stauden, Haaren´; a Bischl Lodn, nimm dr oack zun Oarschoabwischn a Bischl Groas! Siehe auch Buhschl!

bischln (kurzes i) swv. `einen Säugling auf den Armen od. auf dem Schoß schaukelnd in den Schlaf wiegen´; dar kleene Bläkerch will oack gebischlt warn. Lautf.: buschln (kurzes u).
bischln siehe pischln!

Bischn (kurzes i) `Bischheim´; siehe Beschn!

bischn (kurzes i) Cunewalde `urinieren´.
bischn (kurzes i) swv. Königshainer Berge, Sächs. Schweiz dass. wie bischln; Maria bischte is Chriskindl.

Bischofswerde f. (veralt.) `Bischofswerda (Große Kreisstadt im °BZ)´;  ´s Bschwersche Blatl (Neukirch) `das Bischofswerder Zeitungsblatt´. Lautf.: Bschware (Neukirch), Bschwer, Bschwere; Beschwer u. Beschwere (Ohorn), Beschwerde (Burkau), Bschwerde (Weifa). Siehe auch Schiebock!

Bissl n. Süd- u. Ostlausitz 1. `ein wenig, eine kleine Menge von etw., kleines Stück´; ´s Tonheetl (Pfeifenkopf aus Ton) loag a tausnd Bissln uffm Steenfletzn; a gudes Bissl `ein schmackhaftes Häppchen´, Ausruf des Erstaunens, Verwunderns, Entsetzens: Oach du liebes Bissl! - 2. `Stein, den der Steinarbeiter gerade bearbeitet´; a Blumstrauß loag uff´m Bissl. - 3. in der Wendung uff´m Bissl senn/sein `gesund sein, sich wohlfühlen, in der richtigen Stimmung sein´; iech bie goar ne su richtch uff´m Bissl; doaas is sei Bissl `das ist, was er gerne hört´. - 4. `kurzer Zeitabschnitt´; ´s miede Bissl `kurzzeitiges Schlafbedürfnis´, in der Wendung sei Bissl kriegn, hoann `seinen Wutanfall kriegen, haben´. Lautf.: Bessl Westlausitz.

bissl Indefinitpron. wie litspr. `bisschen: eine kleine Menge, etwas, ein wenig´; mer hoann´ch a bissl verloabert; loof a bissl fixer! Lautf.: bessl Westlausitz.

bisslweise Adv. `ein Stückchen nach dem anderen, nach und nach´; dr Voater hoat´s Krippl bisslweise verfeuert.

Bittch m. Dim. Bittchl 1a. `(dicker)Bauch´; Volksreim: Nischt zu Mittche, Hunger an Bittche; nach dem Essen streicht man sich über den Bauch und sagt: Gutt behitt´ch, mei Bittch. Siehe auch Buttch! - b. `Körper, Leib, Tierleib´; enn ´n Bittch oabräum `jmdn. verprügeln´. - 2. Schimpfwort für `(faule, träge, leichtlebige, genusssüchtige) Person´; Saufbittch `Trinker´, Saubittch, fauler Bittch.

bittchn swv. Oderwitz `auf etw. eindreschen, hauen, schlagen, mit dem Absatz das Eis aufhacken, einhacken´; a bittcht uff dann Foasse rim, doaaß is Haus woacklt. Lautf.: bittschn Großschönau.

Bittelei f. Neugersdorf `das abendliche Herumziehen, um Bekanntschaften zu machen´.

Bitter
m. siehe Huckstbitter!

bitter Adj. 1. wie litspr. - 2. subst. in der Wendung senn Bittern hoann `sich ärgern, schlechte Laune haben, verbittert sein´. - 3. ann Bittern `einen Magenbitter´.

Bitterch m. 1. Nordböhmen dass. wie Bittch. - 2. FN `Bitterlich´.

Bitterklie m. 1. `Fieberklee (Menyanthes trifolianta L.)´. - 2. `Sauerklee (Oxalis acetosella L.)´.

Bitterpilz
m. `Gallenröhrling (Tylopilus fellus)´; Pilz mit stark bitterem Geschmack und deshalb ungenießbar.

Bitterschilche f. (Volksdeutung mit Anlehnung an bitter) Südlausitz `Petersilie (Petroselinum crispum A.W.Hill)´; RA: A is wie Bitterschilche uff oalln Suppm `er ist ein Alleswisser und überall dabei´. Lautf.: Bitterschilche u. Battersilche Südlausitz, Bitterselk Zittauer Gebirge, Bittersilche Westlausitz, Biederschilk Ostlausitz, Bitterselche Nordböhmen.

Bittlch m. 1. `Gemeinde- od. Gerichtsbote, Gemeindediener, Polizist, Büttel´.; Gemeen(e)bittlch. - 2. `unsteter Mensch; jmd., der gern ausgeht, herumläuft, selten zu Hause ist´; dar aale Bittlch kimmt goar ne mih heem. - 3. siehe Bittling! Lautf.: Bettlch Westlausitz. Auch Bittl.

Bittling m. 1. `Bückling: geräucherter Hering´. - 2. `lange, dürre Pers.´ Lautf.: Bittlch Niedercunnersdorf, Bertsdorf.

bittln swv. 1. `planlos herumstreifen, herumlungern, -gammeln, ziellos durch die Geschäfte bummeln´; rimbittln und ebch ne heem scharn, bittln gihn. - 2. `abends ausgehen, um Bekanntschaften zu machen, um mit dem anderen Geschlecht anzubändeln´; die bittlt jedn Simmd uff´m Poaaz.

bittn stv. iech bitt(e), du bittst, mer bittn, iech boat, iech hoa gebatn `bitten´. 1. wie litspr.; im anne kleene Gobe bittn. - 2. `jmdn. zu etw. einladen´; zer Huckst bittn, de Leichnfrooe gitt zu Groabe bittn, RA: Iech hoa dch ne zer Kirmst gebatn. Vgl. Huckst-, Leichn-, Groabe-, Gevoatterbitter!

bittn stv. `bieten´ 1. `befehlen, gebieten´, bes. in der Wendung doaas luss´ch mer ne bittn! `Das lasse ich mir nicht gefallen´. - 2. Waltersdorf, Schirgiswalde `ein Angebot (bei einer Versteigerung) machen´; se wulldn oack wissn, wie vill (Geld) de Leute derfier bittn tätn. Meine Harrn, itze kinn se oaafangn mit Bittn! Bitt enner hicher? Woaas hoat´r´n gebotn?

Bittner m. `Büttner, Böttcher: Handwerker, der hölzerne Gefäße herstellt´. Spottvers aus Leutersdorf: Bittner, Bittner, bum, bum, bum, schläht de aaln Weiber krumm, a lät se uff de Loade und pucht se wieder groade.

bittnern swv. `die Arbeit eines Böttchers erledigen´.

bittschn siehe bittchn!

Bitzl n. `ein kleines Stück (Holz, Papier, Stoff, Wurst)´.

Bitzler m. `Person, die gerne Holz spielend zu kleinen Spänen schneidet; Schnitzer´.

Bitzlmoaschine f. `Schredder, Häcksler, Aktenvernichter´.

bitzln swv. `kleine Stücke von etw. abschneiden, etw. zerschneiden, ungeschickt od. gedankenlos schneiden, zerstückeln, schnitzen´; bitzln gihn `Haare schneiden gehen´; hoast du ´s Brut su zerbitzlt?

Blaajch n. `Blech´. 1. wie litspr. `gewalztes Metall´. - 2. für Gegenstände aus Blech, wie `Kuchenblech- od. Ofenblech´. - 3. umg. `Unsinn, dummes Zeug´; räd kee Blaajch! Lautf.: Blech Westlausitz, nOstlausitz.

Blaajchnoapp m. Dim. Blaajchnappl `Blechnapf: billiger Napf aus Blech (im Zuchthaus, beim Camping od. bei den Streitkräften)´. Lautf.: Blechnoapp.

blaatschn siehe plaatschn!

blächern (kurzes ä) swv. Westlausitz 1. intrans. `im Winde wehen´; heute blächert´s haußn. - 2. trans. `treiben, fortwehen (vom Wind)´; dr Wind blächert ´n Schnie iewer de Felder.

bläkch (gedehntes ä) `blökend, unangenehme Laute von sich gebend, schreiend, zänkisch´; iech hier de Nubberschfrooe mit ihrer bläkchn Stimme schunn wieder geifern! Siehe bläkn 1 u. 2!

bläkch (gedehntes ä) siehe bleckch!

bläckn siehe bleckn!

Bläderch siehe Pläderch!

blädern siehe plädern!

Bläderze siehe Pläderze!

Bläff m. `dumme, einfältige männl. Person; Tollpatsch´; su a Bläff wie de bist!

Bläffch m. Steinigtwolmsdorf, Schirgiswalde dass. wie Bläff. Großmutter: „Du bist a Bläffch!“ Kind: „Oma, woaas is´n a Bläffch?“ Großmutter: „Dr Bläffch leit an Kaller nabm Äppln.“

Bläfferch m dass. wie Bläff.

bläffm swv. verstr. 1. West- u. Ostlausitz `Tabak (mit geräuschvollem Ausblasen starker Rauchwolken) rauchen; zünden´; anne Zigoarre oaabläffm; auch poaffm od. peffm. - 2. umg. `blauen Dunst vormachen, bluffen, verblüffen, täuschen´; dar Karle bläfft oack.

Bläke (gedehntes ä) f. 1. `laute, aufdringliche Stimme´; die hoat anne laute Bläke! - 2. `brüllendes, schreiendes Kind od. laute Frau´; die aale Bläke kennte wieder amol de Gusche haaln. - 3. `abgelegenes bedeutungsloses Grundstück od. abgelegenes Dorf´; Kuhbläke.

Bläker m. dass. wie Bläkerch 1 u. 2.

Bläkerch m. 1. `Aufschrei (von Schafen, Rindern, auch Menschen)´. - 2. `weinerliches Kind; Mensch, der herumschreit; Schreihals´.

bläkn swv. `blöken´. 1. wie litspr. `langgezogene Laute von sich geben (von Rindern, Schafen od. Ziegen)´; mer selldn irscht de Kihe melkn gihn, die bläkn schunne. - 2. übertr. `laut reden, schreien´; oaabläkn, rimbläkn; bläk ne su, iech hier noa gutt! - 3. refl. siehe bleckn 1! Unser Maajdl bläkt´ch wieder. - 4. siehe bleckn 2! De Zunge rausbläkn.

Bläks m. `Aufschrei (von Menschen, Schafen od. Rindern)´; a ließ ann Bläks lus, und derno woar Tutnstille. Lautf.: Bläcks.

blänkern siehe plänkern!

blänkln siehe plänkln!

blärreckch Adj. Südlausitz `benommen, unnormal, durchgedreht, verwirrt, nicht bei klarem Verstand´; du bist wull blärreckch! Lautf.: blarreedch u. bloarreedch Westlausitz.

Blässe f. 1. wie litspr. `weißer Fleck od. Streifen auf Stirn (u. Nasenrücken) von Tieren, bes. bei Pferd u. Rind´. - 2. `fahle Haut´. - 3. Name für Pferd od. Kuh. Siehe auch Blesse!

Blästerch m. Bretnig, Großröhrsdorf `Angeber´. Lautf.: Bläserch.

blästerch Adj. `aufgeblasen, windig´, blästche Ruse.

blästern swv. nWestlausitz `im Winde wehen, fortwehen´; ´s blästert aber!

Blatl n. (Dim. von Bloat) `kleines Blatt´. 1. wie litspr. `Baum- od. Pflanzenblatt, Laub´. - 2. wie litspr. `Papierblatt; Buch-, Heftseite´; iech hoa mei Heftl vergassn, gibb mer oack a Blatl! - 3. wie litspr. `Kartenspielblatt´; is Blatl hoat´ch gewandt `die Zeit hat sich geändert´. - 4. `Lokalblatt, Zeitung´; iech weeß is aus´n Blatl; Murgnblatl, Tageblatl, Wucheblatl, ´s Gierschdurfer Blatl `Oberlausitzer Tageszeitung´. - 5. siehe Seegerblatl! - 6. `etw. Dünnes´; doaas is keene Schniete, doaas is oack a Blatl. Siehe auch Bloat! Lautf.: Blattl Pulsnitz.

Blatlfrooe f. `weibl. Pers., die Zeitungen (u. Werbung) austrägt´. Lautf.: Blattlfroaa, Blättlfrau Burkau.

Blatlmoan m. `männliche Pers., die Zeitungen (u. Werbung) austrägt´. Lautf.: Blattl-, Blättlmoann.

Blatlschreiber m. `Person, die etwas in der Zeitung schreibt; Journalist, der schriftliche Beiträge verfasst´.

Bläue f. `Schläge, Prügel´; Bläue kriegn.

Blaukraut siehe Blookraut!

bläun swv. `schlagen, jmdn. prügeln´; durchbläun, verbläun.

blechern siehe blächern!

blechn swv. `bezahlen´. Lautf.: blaajchn Zittauer Gebirge.

bleckch Adj. bleckcher, oan bleckchstn Oberland 1. `zum Weinen und Schreien veranlagt, verheult´. - 2. `nicht besonders hübsch, hässlich (von Personen), unansehnlich, im Gesicht entstellt, mit verzerrtem Antlitz´; a bleckcher Hund; die is vill zu bleckch, die krigt kenn. - 3. `grell, schreiend´; anne bläkche Stimme hoann, die Foarbe is mer zu bläkch. Lautf.: blecksch; bläkch (Girbigsdorf) od. bläksch (Jonsdorf).

bleckn swv. Oberland 1. refl. a. `aufdringlich u. anhaltend weinen (von Kindern)´; bleck dch oack ne su rim. - b. Neugersdorf `sich ärgern´; die wird´ch bleckn. - c. Dürrhennersdorf `(mürrische) Gesichter, Grimassen schneiden´; iech koann´s ne dersahn, wie dar´ch bleckt. - d. Tautewalde `lachen´; a tutt´ch egoal bleckn. - e. Wittgendorf `zieren´; bleck dch oack ne su! - 2. `die Zunge zeigen, um jmdn. zu verhöhnen´; die Saugräte hoat mer de Zunge rausgebleckt. Lautf.: bläkn übrige Oberlausitz.

Bleeche f. `Bleiche´. 1. `Betrieb, Abteilung, Räumlichkeit, wo gebleicht wird´; iech oarbeit a dr Bleeche; Kupperbleeche `Kottmarbleiche´. - 2. `Wiesenfläche am Haus od. an einem Wasserlauf, auf welche die noch feuchte Wäsche zum Bleichen in die Sonne gelegt wird; Bleichplan´; de Mutter läte de Bettzichn und Bettticher noa dr grußn Wäsche immer uff de Bleeche, Leimdnbleeche. - 3. `Gegenstände, auf denen man Bleichen kann, z.B.: Gestell auf dem Balkon od. Fensterbrett´.

Bleechknaajcht m. `Bleichknecht: Hilfskraft, die der Bleicher bis in die Mitte des 19. Jh. für die Rasenbleiche benötigte´.

Bleechn Pl. `Hänischmühe (Ortsteil des Kurortes Jonsdorf im °GR)´; de Bleechn.

bleechn swv. trans. u. intrans. iech bleech(e), du bleechst, iech bleechte, iech hoa gebleecht `durch Wasser u. Sonne oder mit einem Bleichmittel etw. bleich, heller, weiß machen od. werden lassen´; mer bleechn heute a dr Foabricke Bettticher; a dr Sunne bleecht´s aber gutt.

Bleechplanl n. siehe Planl!

Bleederch siehe Pläderch!

bleedern siehe plädern!

Bleederze siehe Pläderze!

bleibm
stv. iech bleib(e), du bleibst, mer bleibm, iech bleeb, du bleebst, mer bleebm od. bleem, iech bie gebliebm, gebleebm od. gebliem `bleiben´. 1. `den Ort nicht verlassen´; a bleeb a dr Schänke klabm `er blieb in der Schänke sitzen´. - 2. ieberchbleibm `übrigbleiben: zurückbleiben, verbleiben´. - 3. `aushalten´; ees muss abm bleibm. - 4. `umkommen´; mei Moan is an Kriege gebliebm. - 5. `beibehalten, fortführen, sich nicht wandeln´; uff´m Farrschn bleibm. Volksreim: Und schlätt dr Oarsch o Faaln, mer bleibm doa de Aaln. - 6. `beim Deckakt befruchtet werden´; unse Kuhe is ne gebliebm `unsere Kuh hat sich nicht decken lassen´. Lautf.: bleim Westlausitz, öKürzungsmundart.

bleiern Adj. 1. `aus Blei hergestellt´; scherzh. umg. schwimm wie anne bleierne Ente `nicht schwimmen können´. - 2. übertr. a. `so schwer wie Blei´; bleierne Fisse hoann. - b. `schwerfällig, schwer von Begriff, dumm, begriffsstutzig, bedrückt´.

Bleigissn n. `Bleigießen (Brauch): zu Weihnachten od. zu Silvester geschmolzenes Blei in eine Schüssel mit kaltem Wasser gießen, um aus den sich darin bildenden Figuren Aufschluss darüber zu bekommen, was das neue Jahr bringen wird´.

Blentl n. °NOL Königshain `(ulkiges) Sommerkleid, helles Oberkleid´.

Blesse siehe Blässe!

Blesse, Blessente f. 1. Burkau, Königswartha `Blessralle, Blesshuhn (Fulica atra)´, auch Schwoarzes Woasserhihnl Großschönau. - 2.  `Anzahl von Menschen, Gruppe´; anne ganze Blesse machte uff´s Schissn.Siehe auch Blässe!

blessn swv. 1. intrans. `sich in großer Eile fortbewegen, rennen, jagen, hetzen´; bless oack ne su rim! - 2. trans. `antreiben, jagen, schnicken (bei den Soldaten)´; wie das Schindluder seine Frooe blesst!

Bletsche siehe Plätsche!

Bleue siehe Bläue!

bleun siehe bläun!

bliemerant Adj. `blümerant: unwohl´; in der Wendung mir is su bliemerant an Oarsche.

bliemlch Adj. `geblümt, mit kleinen Blumenmustern versehen´.

Blieml n. siehe Blume!

bliemln swv. um Sebnitz `blümeln: Kunstblumen mit der Hand herstellen´.

Bliemlkoaffee m. siehe Blume 4!

Bliemlzeug n. leicht abwert. `Blumen´.

Bließlch m. `Blößling: Kind; junger, unerfahrener Mensch´; dar junge Bließlch weeß wieder oalls besser; aus dann muntern Bließlche is a Pfoarr wurn.

Blietl f. (Dim. von Bliete `Blüte´) n. `Hautpustel, Pickel´; ihr sullt Blietl a de Loaffe kriegn! Hitzeblietl. Siehe auch Buze!

blietlch Adj. `Hautausschlag habend in Form kleiner rötlichen Pusteln´; dar is aber blietlch im de Schnoappe rim.

Blindschleeche f. `Blindschleiche´; RA: die saufm wie de Blindschleechn `die trinken viel´.

blitzn swv. wie litspr. `blitzen´; Kinderreim: A Uderwitz, do hoat´s geblitzt, do hoann de Bauern su geschwitzt, do hoann se siech a Haus gebaut vu Laberwurscht und Sauerkraut, do is is wieder eigekracht, do hoann se siech hoalb tut gelacht. Od.: A Uderwitz, do hoat´s geblitzt, do hoat´s ´n N. (beliebiger Name) de Hemm zerschlitzt, ...

Blitzschlange
f. siehe Feuerschlange!

Bloat (gedehntes oa) n. `Blatt´. 1. dass. wie Blatl 1. RA: kee Bloat ver´sch Maul nahm `so sagen, wie man denkt´; RA: dann schuhß a od. is Bloat `ihm wurde etw. klar´, mir schuhß is Bloaat (Bihms Koarle) `ich fühlte mich getroffen´; benn Scheißn schuhß mer´sch Bloat `auf dem Klo konnte ich nachdenken´. - 2. dass. wie Blatl 2. - 3. dass. wie Blatl 3; iech hoa a schlaajchtes Bloat. 4. dass. wie Blatl 4. - 5a. `Blatt eines Werkzeuges´; `s Bloat vun Beile schoarf machn, Saajgebloat, Saajnzebloat. - b. `gebundene Metallstäbe, durch die die Kettfäden laufen u. den Schussfaden mit der Webladenbewegung an den Warenrand schieben´. - 6. `Schulterblatt eines Tieres´; ´s woar a Bloatschuhß. - 7. Niedercunnersdorf, Neugersdorf `Platte´; ´s Tieschbloat. Lautf.: Bloatt nwSüdlausitz um Neukirch, Westlausitz.

Bloatbinder m. `Blattbinder: Pers., die die Web- od. Rietblätter für Webstühle herstellt; Kammmacher´. Lautf.: Bloattbinder, Bloat-, Bloattbinger.

bloatschälch Adj. `verbogen, wellig (vom Sensenblatt)´. Lautf.: bloatschalch, bloatschälerch, bloatschalerch, bloattschälerch, bloattschalerch, bloattschälch, bloattschalch.

Bloattern siehe Bluttern!

bloatterstepplch Adj. verstr. `blatter-, pockennarbig´. Lautf.: blutterstaplch (Niedercunnersdorf) blutterstoaplch, bloatterst(o)applch, bloatterst(o)appch; blutterstoapplch, blutterstapplch, blutterstupplch, blutterstepplch Bertsdorf, Hirschfelde, bloattersteppch Westlausitz, bloatterstippch Ostlausitz.

bloo Adj. `blau´. 1a. wie litspr. `von blauer Farbe´; himmlbloo, kiezebloo, velknbloo, woasserbloo; RA: Dar loigt´s Blooe vun Himml runder `der lügt ununterbrochen ohne rot zu werden´. - b. `Körperteile durch Druck od. Stoß blau angeschwollen´; iech schloi diech bloo und griene! RA: A is noa amol mit ann bloon Ooge dervoone gekumm `die Angelegenheit ist für ihn noch einmal glimpflich abgegangen´. - c. `blau infolge von Durchkühlung´. - 2. `arbeitsfrei´; mer machn bloo, dr blooe Montch, Blooer Montch `Montag in der Karwoche´. - 3. in der RA: as Blooe rei/nei `aufs Geradewohl´. - 4. umg. bloo senn `betrunken sein´. Lautf.: bloaa Westlausitz, Richter, blau Burkau.

Bloobeere f. Ostlausitz `Blaubeere: Heidelbeere´. Lautf.: Bloobiäre, Bloobiere, Bloobäre.

Bloobeerkroitch n. Ostlausitz `Heidelbeerkraut´.

Bloobeerwanze f. nOstlausitz dass. wie Buhschwanze!

blooblittch Adj. `blaublütig: adelig´, dar vurnahme Moan is gewieß a Blooblittcher gewast.

Blooe Gleckl Pl. verstr. `Glockenblume unterschiedlichster Art (Campanulaceae)´.

Blooe Reiter
Pl. dass. wie Blooe Schichl od. Huckstblume `Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)´.

Blooe Schichl Pl. Neugersdorf, Königshainer Berge `Blaue Schuhe: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)´; auch Schichl, Blooe Reiter od. Huckstgutsche.

Blooe Steene Pl. `Steine in blauer od. blaustichiger Farbe unterschiedlicher Gesteinsart, denen im Volksglauben magische Kräfte zugeschrieben werden u. die vor Katastrophen schützen´; bis zer uns kimmt dr Krieg ne, mer wohn uff´m Bloon Stenn. Bereits in den Weissagungen des blinden Jünglings aus dem Jahre 1356 wurden die Blauen Steine genannt. 1. `Oberlausitzer Granit´; mer senn benn Hackn uff Bloon Steen gekumm (Niedercunnersdorf). - 2. `Oberlausitzer Basalt´, besonders die mit Blaueisenstein überzogenen Feldsteine.

Blooguckl n. 1. meist Pl. `blaue Augen´. - 2. `Kind mit blauen Augen´.

bloogucklch Adj. `mit blauen Augen guckend´; dar hoat drei bloogucklche Maajdl derheeme.

Blookatl n. `Blaukehlchen (Erithacus cyaneculus Wolf)´.

Blookraut n. mnOstlausitz `Blaukraut: Rotkohl´; Abbernmauke mit Blookraut.

blooleimdn Adj. `aus blauer Leinwand bestehend´; de blooleimdn Schirze.

Bloomeese f. Dim. Bloomeesl auch Bihms Koarle `Blaumeise´.

Blooschimml m. `Blauschimmel: Pferd mit einer gleichmäßigen Mischung von dunklen und weißen Haaren´; dr Knaajcht misste fix ´n Blooschimml eispoann.

Blosnkraut n. `Blasenkraut: Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris Garcke)´, harntreibende Wirkung.

Bloospecht m. Ostlausitz `Kleiber (Sitta caesia, Sitta europaea)´, auch Spechtmeese. Lautf.: Bloo-, Blau-, -specht, -spaajcht.

Bloovelke f. siehe Velke!

Blose f. `Blase´ wie litspr. 1. `Harnblase´; a hoat´s mit dr Blose. - 2a. `kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Schwellung auf der Haut´; iech hoa mer anne Blose geloofm. - b. `Hautausschlag am Mund´; Windblose, Frassblose. - 3a. `Luftblase (im Teig)´. - b. `s schlätt Blosn `es regnet so, dass auf den Pfützen Blasen entstehen´. - 4. übertr. in der Wendung ´s wird Blosn ziehn `die Angelegenheit wird unangenehme Folgen haben´.
Blose f. `Blase: (freche) Gesellschaft, Bande; die Gesamtheit der Verwandten, die zu einem best. Anlass zusammenkommt; eine Menge unliebsamer Besuch; eine Horde Kinder´; murne hoa´ch wieder de ganze Blose (od. Blase) uff´m Hoalse. Lautf.: Blase °NOL Königshain. In verschiedenen Ortsmundarten wird die Blase `Gesellschaft´ von der Blose `Harnblase´. unterschieden.

Bloseblume f. `Blaseblume, Pusteblume, verblühter Löwenzahn (Taraxacum officinale Weber)´. Siehe auch Meeblume od. Meesteckl!

Bloseboalg m. `Blasebalg´. 1. wie litspr. `mit der Hand betriebenes Gerät zur Erzeugung eines Luftstromes in der Schmiede´. - 2. scherz. `Lunge; Atmung´; sei Bloaseboalg quietschte noa err Zigoarre.

Blos(e)ruhr n. Dim. Blos(e)rihrdl Blos(e)rihrchl, Blos(e)rihrl `Blasrohr´.

blosn stv. iech blos(e), du bläst, mer blosn, iech blies, iech blus (Ohorn, Oberlichtenau), iech hoa geblosn `blasen´. 1a. `Luft in Bewegung setzen´; ´s bläst a frisches Liftl. - b. `Atemluft ausstoßen, mit dem Atem heiße Speisen u. Getränke kühlen´; enn as Hernl blosn `jmdm. nach dem Munde reden´; enn woaas a de Uhrn blosn `eine dritte Pers. verleumden´. - c. in der Fügung Suppe blosn `hörbar Luft ausstoßen´; dar hoat de ganze Nacht Suppe geblosen `der hat im Schlaf hörbar die Lippen bewegt´. - d. in der Wendung enn Zucker an Oarsch blosn `jmdn, schmeicheln´. - 2a. `auf einem Blasinstrument Töne hervorbringen, tuten, musizieren´; uff´m Koamme blosn; RA: dar wird euch schunn ´n Moarsch blosn `der wird euch schon Beine machen´. - b. in der Wendung stille Musicke blosn `schweigen, keinen Ton von sich geben´.

Blubber m. `Sprudel´; willst du Woasser mit oder ohne Blubber?

Blubberch m. 1. `Gerät, das Luft ins Wasser (z.B. Aquarium) einleitet und Blasen erzeugt; Wasserluftpumpe´; mach´n Blubberch aus, de Woasserpflanzl wachsn sunst ne! - 2. `Fahrzeug, das unregelmäßige Motorlaute von sich gibt´. - 3. `Person, die halblaut, unverständlich u. verdrießlich vor sich hinredet´.

blubbern swv. 1. `in Flüssigkeit Blasen auftreiben, glucksen, wallen, brodeln, sprudeln ´, auch gulkern. - 2. `viel reden´.

Blubberwoasser n. 1. `sprudelndes oder plätscherndes Wasser, Quellwasser´. - 2. `Wasser mit Sprudel, Selterwasser´; iech trink a Bier, dr Autofoahrer krigt oack Blubberwoasser.

bludern siehe pludern!

bluderstepplch siehe bloatterstepplch!

Blume f. Dim. Blieml, Pl. Blum 1. wie litspr. `niedrig wachsende Pflanze, die Blüten hervorbringt; Blüte am Stiel´. - 2. `Schaum auf dem gefüllten Bierglas´, auch Brausch. - 3. `Schwanz des Hasen od. des Wildkaninchens´. - 4a. nur im Dim. `vorwitziges, dreistes, spaßiges Kind´; a munter Blieml. - b. selt. in der Wendung a Blieml feiern `ausgelassen sein´. - 5. nur im Dim. a. `dünner Bohnenkaffee´. - b. `Ersatzkaffee, Malzkaffee´; ´s gibbt zun Plinsn heute oack Blieml derzu.

Blummerch `Blumberg´ bis 1945 zur Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße; poln. `Bratkow´; de Blummerchn `die Einwohner von Blumberg´.

Blum(p)saak siehe Plumpsaak!

Blumsteckl n. `Blumenstock: blühende Topfpflanze´, die hoat´s Fansterbratl vuler Blumsteckl.

Blumtoop m. Dim. Blumtippl `Topf zum Einpflanzen von Blumen´, auch `Topfpflanze´. RA: Mit dir koann ees kenn Blumtoop gewinn `du bist nicht zu gebrauchen´. Lautf.: Blumtupp, Blumtopp Westlausitz.

bluß Adv. wie litspr. `bloß: nur´; luss dch bluß ne derwischn! (in der Süd- u. Ostlausitz dafür überwiegend oack).

blußarmlch Adj. `mit nackten Armen, mit aufgestreiften Hemdsärmeln´.

blußch Adj. `unbedeckt (Kopf, Hände, Füße), nackt, leicht angezogen´; mit blußchn Kuppe rimloofm. Lautf.: blußsch.

Blutt n. wie litspr. `Blut´; mei eegn Fleesch und Blutt. RA: aussahn wie Milch und Blutt `gesund aussehen´; RA: bieses Blutt warn, machn `Streit anzetteln´; RA: Oack immer ruhch Blutt!  Blutt leckn; Blutt und Woasser schwitzn. Siehe auch Geblitte!
Blutt f. Oberland `Blut: das Blühen (der Bäume), Blüte, Baumblüte, Blütezeit´; is hoat a de Blutt od. Boomblutt rei geschlust, Kurnblutt `Blüte des Roggens´.

Blutt-Igl m. Südlausitz `Blutegel (Hirudo medicinalis)´, a dar Jauche boadd´ch ne, do senn mer zu vill Blutt-Igl drinne!

bluttch Adj. `blutig´; anne bluttche Geschichte.

Bluttblose
f. `Blutblase´. 1. wie litspr.; anne Bluttblose oan Finger hoann. - 2. `dicke, rotgesichtige (männl.) Person´; doaas is anne ufgeschwemmte Bluttblose `das ist eine dicke Person´.

Bluttern Pl. Obercunnersdorf, Seifhennersdorf, Schlesien `Blattern: Pocken´; Bluttern impfm `Immunisierung gegen Pocken durch Impfung´. Lautf.: Bloattern.

blutterstoaplch, blutterstoapplch, blutterstaplch
siehe bloatterstepplch!

Blutterstoappln Pl. `Blatternarben, Pockennarben´. Siehe auch bloatterstepplch!

bluttn
swv. `bluten´. 1. wie litspr.; bluttn wie a gestoachn Schwein; Vers, mit dem man Kinder tröstet, wenn sie sich verletzt haben: Nudd, nudd, nudd, dr Finger blutt! - Steck´n an Oarsch, do wird´r wieder gutt! - 2. `Harz und Saft verlieren der Bäume und Pflanzen´. - 3. übertr. umg. `viel Geld bezahlen, ausgebeutet werden´; de Klenn missn wieder bluttn.

bluttrut Adj. `blutrot: rot wie Blut´; de Milch is bluttrut, de Kuhe is verhext.

Bluttwurscht f. Dim. Bluttwirschtl wie litspr. `Blutwurst: Wurst aus Speck, magerem Fleisch, Blut (und Semmel)´. Lautf.: Blutwurscht, Bluttworscht.

Bluttsauger m. Westlausitz `Blutegel´.

bluttstriemch Adj. Niedercunnersdorf, Seifhennersdorf `blutstriemig: blutig, blutbefleckt (durch Schlagen mit einer Knute)´; diech hoo´ch bluttstriemch. Lautf.: bluttstramch Großröhrsdorf.


Blutttieglwurscht f. siehe Tieglwurscht!

Boaarschdurf `Baarsdorf (Ortsteil von Nieder Seifersdorf der Gemeinde Waldhufen im °GR)´; de Boaarschdurfer `die Einwohner von Baarsdorf´.

Boaast m. `Bast: Haut´; dr Boaast is runder `die Haut ist abgeschürft´. Lautf.: Boast.

Boaaste f. verstr. dass. wie Boaast. Lautf.: Boaste.
Boaaste f. msSüdlausitz `Baste: Grün-Ober im Doppelkopf- u. Schafkopfspiel´; dar hoat de Dulln, de Aaln und de Boaastn! Lautf.: Boaste West - u. Ostlausitz.

Boaazn
siehe Boatzn!

boabbch siehe poappch!

Boabbe f. 1. Schirgiswalde `Mund´; doaas toat se verdrissn, doaaß Arnst de Babbe goar ne uftoat. Lautf.: Babbe Westlausitz. - 2. siehe Poappe!

Boabe (gedehntes oa) f. `Schwätzerin´.

Boaberch
(gedehntes oa) m. 1. `Schwätzer´. - 2. `(belangloses) Gespräch, Plausch, Schwatz´.

boabern (gedehntes oa) swv. dass. wie boabm.

Boaberze (gedehntes oa) f. `Schwätzer, Schwätzerin´.

Boablch (gedehntes oa) m. dass. wie Boaberch.

boabln (gedehntes oa) swv. bes. Westlausitz 1. dass. wie boabm. - 2. `unartikuliert murmeln, plappern (von kleinen Kindern)´.

boabm
(gedehntes oa) swv. `unnötig viel u. dazu Belangloses reden, plaudern, schwätzen´; unse Weibsn stihn ba dr Plumpe und boabm.

boabern (gedehntes oa) swv. Spitzkunnersdorf dass. wie boabm. Lautf.: boabbern.

Boaboarsch m. `Person, die viel quatscht´.

Boademutter f. Pl. Boademitter Südlausitz, sOstlausitz `Hebamme´.

Boadetante f. selt. `Hebamme´.

boadn
swstv. iech boad(e), du boaddst, mer boadn, iech boadde, iech hoa geboadd od. geboadn `baden´; hinte wird geboadd `heut Abend wird gebadet´; wie anne geboadde Maus `triefend nass´; boadn gihn `hereinfallen, scheitern´; a wurd oas klenner Buz zu heeß geboadd `er ist verrückt, er reagiert unnormal´; RA: Mer koann o ´s Buzl mit ´n Boade ausschittn `man kann Gutes u. Schlechtes zugleich verwerfen, übertreiben´.

boaffm
siehe poaffm!

boahn swv. Hirschfelde, Wittgendorf , °ZI Reichenau `bahnen: Dummheiten anstellen, Streiche ausführen´; woaas boahnst´n schunn wieder?

Boahne f. Dim. Bahnl `Bahn´. 1. `Weg, den sich jmd. durch unwegsames Gelände angelegt hat (bes. durch tiefen Neuschnee)´; Boahne schaufln, tratn, machn; Warnruf der Kinder beim Rodeln: "Boahne (frei)!" - 2. `Breite, Teil´; de Woarnboahne `Stoffbreite´. - 3. `Spur´; dr Eemer leeft, du machst anne Boahne durch´s ganze Haus. - 4. `Scheitel´; zieh od. zoig dr anne urndlche Boahne, dermit´ch de Läuse ne de Beene brechn! - 5a. kurz für `Eisenbahn´. - b. `Angestellter od. Beamter bei der Reichs- od. Bundesbahn´. Spottreim: De Boahne und de Pust, die sefft durt, wu´s nischt kust. - 6. `die (meist quadratische) Schlagfläche auf der schweren Seite des Hammers´; Hoammerboahne.

Boahnerhäusl n. `Bahnwärterhäuschen: Wohnhaus und Arbeitsstätte der Bahnstreckenwärter an Kreuzungen, Blockstellen, Weichen und Abzweigstellen´.

Boahnwärterhäusl n. dass. wie Boahnerhäusl.

Boahre f. `Bahre: leichte, schmale Trage zum Transport von Toten, Kranken od. Verletzten´.

Boajttl (kurzes oaj) m. 1. `Beutel: elastischer Behälter, in den man etw. einpacken kann´; Brutboajttl, Eikoofsboajttl, Sammlboajttl, Klinglboajttl, Geldboajttl; RA: Su is is uff dr Walt, dar eene hoat´n Boajttl, dar ander hoat´s Gald; an Boajttl langn `Geld ausgeben´, ´n Boajttl ufmachn `bezahlen, jmdn. aushalten´, ´n Boajttl zuhaaln `kein Geld ausgeben´, a Looch an Boajttl reißn `viel kosten´, siech ´n Boajttl filln `sich bereichern´; Sprichwort: War de Oogn ne uftutt, muss´n Boajttl uftun. - 2. `Hodensack´. - 3. abwert. in Verbindung mit einem Verb eine Pers. mit bestimmten Charaktereigenschaften; Liegeboajttl `Lügner´, Spreeßboajttl `Angeber´, Sauboajttl. Lautf.: Boajgl Oberland, Boattl, Boartl Westlausitz.

Boajttlch (kurzes oaj) m. Süd- u. sOstlausitz `männl. Kleinkind, Säugling´; dar kleene Boajttlch soit schunn Papa. Lautf.: Boattlch, Battlch.

boajttlch Adj. `zu groß u. zu weit, schlottrig, ausgebeult, überdehnt´; de itzche Mode is boattlch; du hoast aber ann boajttlchn Schwitzer oaa! Lautf.: boajglch Oberland, boattlch; boartlch Westlausitz.

boajttln swv. `beuteln´. 1. `zu groß u. zu weit sein (von Kleidungsstücken), überdehnt sein, ausgebeult sein, schlottern´; de Hosebeene boajttln. - 2. übertr. `schütteln´; enn boajttln `jmdn. beim Schopfe ziehen´; ´s boajttlt miech `es schüttelt mich (vor Kälte)´; dann dichn hoat´s aber geboajttlt `diesen Menschen da haben die Schicksalsschläge aber mitgespielt´. - 3. Rammenau `langsam laufen, schlendern´. Lautf.: boajgln Oberland, boattln, boartln, battln Schirgiswalde.

Boajttlroatte f. 1. `Beutelratte, Opossum´. - 2. übertr.` Kumpan, Zechbruder, Skatspieler´. Lautf.: Siehe Boajttl!

Boalbier m. `Barbier, Bader, Herrenfriseur´.

boalbiern swv. `barbieren´. 1. `rasieren, Borsten abschaben´. - 2. enn boalbiern `jmdn. betrügen´; dar hoat miech boalbiert. RA: enn ieber´n Leffl boalbiern. Lautf.: boalwiern Westlausitz.

Boalg m. Pl. Balger od. Balge `Balg´. 1a. wie litspr. `Haut, Fell eines kleineren Tieres als Ganzes´. - b. `Leib, Körper, Bauch des Menschen´; enn uff´m Boalg rickn `jmdn. bedrängen, nahe kommen´. - 2. mehr oder weniger harmloses Schimpfwort `unfolgsames Kind´; die Balger senn wieder imgegangn! - 3. `Blasebalg im Windkasten der Orgel´; mei Voater troat hinder dr Urgl de Balge, fer´sch Balgetratn goab´s enn Gruschn.

boalgern swv. 1. Südlausitz `kleinere Tiere (Katzen, Hunde, Patienten) betasten, befühlen, streicheln, necken, hätscheln, Zärtlichkeiten austauschen´; unse Kleene boalgert ´n ganzn Tage is Miezekatzl; de Mutter boalgerte meine kaaln Finger, bis se woarm woarrn. Antwort der Tochter auf die Frage der Mutter nach dem Verhältnis zu ihrem Freund: "Mer hoann oack a bissl geboalkert." - 2. refl. ` harmlos raufen´; die beedn boalgern´ch uff dr Wiese. Lautf.: boalkern Ostlausitz.

boalgn swv. refl. `balgen: sich harmlos raufen, sich kampeln´; de hoalbe Kloasse boalgt´ch wieder uff´m Schulhofe rim.

boalkern siehe boalgern!

Boalkn m. `Balken´. 1. wie litspr. `Bohle, Kantholz, Riegel, Sperre´; RA: ´s Woasser hoat keene Boalkn. RA: schnoarchn, doaaß´ch de Boalkn beegn `lautstark schnarchen´. - 2. `der obere Raum, das Obergeschoss der Scheune über der Tenne´; Heiboalkn. - 3. `Querholz des Rechens´.

boalkndicke Adj. `sehr dick, mächtig, stark, sehr´; boalkndicke uftroin `maßlos übertreiben´. Lautf.: boalkndick.

Boalknlooch n. `Balkenloch: Öffnung über der Tenne, durch welche die Garben vom Erntewagen in das Obergeschoss der Scheune hinaufgegabelt werden´. Lautf.: Boalknluch Sächs. Schweiz.

Boalkntrater m. `Balgentreter, Bälgetreter: Person, die beim Orgelspiel den Blasebalg tritt´; de Boalkntrater missn ba Stromausfoalle Boalkn tratn. Lautf.: Boalgntrater.

Boall m. `Ball´: wie litspr. `Spiel- od. Sportgerät´; Fussboall, Schnieboall; oan Boalle bleibm `dranbleiben´; se schmeißn´ch de Bälle zu `sie arbeiten Hand in Hand und schließen andere aus´.

Boall m. `Ball´: wie litspr. `(festliche) Tanzveranstaltung´; Nubber(n)boall, Schirzeboall.

Boallmiezl n. Dittelsdorf, Ostritz dass. wie Poalmmiezl!

boalln swv. `ballen´. 1. `mit einem Ball spielen´; uff dr Wiese boalln, a de Wand boalln. - 2. (refl.) (zusoamm)boalln `zu einer Kugel formen, zerknüllen, Klumpen bilden, ansammeln´; de Fäuste boalln, a Water boallt´ch zusoamm.

Boalsemine f. Dim. Boalseminl `Balsamine (Impatiens balsamina L.): altmodische Zierpflanze, in Gärten u. Töpfen gezogen´; mer hoann an Gaartl Boalseminl.

Boalsn m. `Balsam: Gemisch von Harzen mit ätherischen Ölen als medizinisches Linderungsmittel, Tropfen´; Jerusalemer Boalsn, stinkcher Boalsn, Stänkerboalsn; die stoank wie a Boalsnbichsl. RA: doaas is Boalsn fer sche `das tat ihr gut´.

Boalsnpoapl f. selt. `Balsampappel (Populus balsamifera L.´, Pappelart mit im Frühjahr balsamisch duftenden, harzigen Laubknospen, die früher zur Bereitung der grünen Pappelsalbe (in der Volksmedizin gegen Entzündungen) verwendet wurden. Lautf.: Boalsnpoappl.

boambern siehe poampern!

Boamml m. umg. in der Wendung (ann) Boamml hoann 1. `Angst, Scheu haben´. - 2. `(unverdientes) Glück haben´. Lautf.: Bamml.

Boamml
siehe Bumml!

Boammlmitze siehe Bummlmitze!

boammln swv. `lässig, schaukelnd, beweglich herunterhängen; pendeln; baumelnd binden´; de Beene as Woasser boammln lussn; oan Boom geboammlt; runderboammln; oan Zinkn boammlt a klee Laternl droaa, ufboammln `aufhängen´. Lautf.: bammln.

Boambs
siehe Poamps!

boann swv.. `bannen: jmdn. durch Zauber bewegungsunfähig machen´.

Boannfleckl n. `Fleck, Platz, Kreis, flächenmäßig begrenzte Ort, den eine durch Zauber gebannte Pers., ein gebanntes Tier od. ein Sagenwesen aus eigener Kraft nicht verlassen od. überschreiten kann´; Mitternacht scheecht´s oallemol uff dr Burg, do hoann de aaln Ritterschleute ihr Boannfleckl.

Boansn m. `Bansen, Banse´. 1. `Raum seitlich der Tenne, in dem nach der Ernte bis zum Drusch das eingefahrene Getreide (danach auch Stroh), sorgfältig geschichtet und aufbewahrt wird´. - 2. übertr. `Magen, Bauch´.

Boansnkroatze f. Obercunnersdorf `nicht existierendes Gerät, mit denen die Anfänger genarrt wurden, die den Bansen saubermachen sollten´; gih amol zu Richtern, de Boansnkroatze huln!

Boans(t)er siehe Poanser!

Boans(t)erch siehe Poanserch!

Boarbe f. Westlausitz `kleines (dreistes) Kind im Alter von 3 bis 4 Jahren (meist Mädchen)´.

boarbeencht Adj. `ohne Strümpfe und Schuhe, nackt an den Beinen´. Lautf.: boarbeench.

Boarbier dass. wie Boalbier.

boarbs siehe boarbsch!

boarbsbeench(t) Adv. verstr. Ostlausitz `barfuß, ohne Schuhe u. Strümpfe´.

boarbsch, boarbßch Adv., Adj. 1. `barfüßig, barfuß, ohne (Schuhe u.) Strümpfe; bloß, nackt (von Füßen)´; boarbsch gihn, mit boarbschn Fissn; a woar bis zun Hoalse boarbsch `er war nackt´. - 2. übertr., selt. `ohne Kondom´; a is boarbsch gegangn und nu is de Foamilche fartch. Lautf.: boarbs West- u. Ostlausitz.

Boarchnt m. `Barchent: auf der linken Seite aufgerauter Baumwollflanell (in Köperbindung)´; Hemdnboarchnt, Boarchntunderziehrook `Unterrock aus Barchent´, Boarchnthosn `Unterhosen für Frauen um 1900´; Boarchnthemde; du hoast de hoalbe Nacht geschnoarcht, irscht Suppe geblosn, derno Boarchnt gerissn und zerletzt Brate gesaajgt. Lautf.: Boarchn.

boareet
siehe poareet!

Boarettl (kurzes a) n. `Barett´. 1. `modische Frauenhaube um 1900´. - 2. abwert. `altmodische od. komische Kopfbedeckung für Frauen´.

Boarfrust (gedehntes a) m. `Frost ohne schützende Schneedecke´. Laut.: Barfrust.

boarfurrsch siehe poarfurrsch!

Boarg m. `Barg: verschnittenes männl. Schwein´. Lautf.: Burg. Siehe auch Birgl!

boarheetch Adj. selt. `ohne Kopfbedeckung´. barheetch gihn; auch blußch.

boarm swv. `barmen: jammern, (gewohnheitsgemäß) klagen, seinen Schmerz u. seine Unzufriedenheit äußern´.

Boarmer m. `Barmer: einer, der ohne Not klagt´. Sprichwort: Wenn dr Boarmer nischt hoat, dr Proahler hoat glei goar nischt.

boarmln swv. Neugersdorf dass. wie boarm. Lautf.: barmln.

Boarmräudl n. Neugersdorf `erbarmenswerter, armer Mensch, den man seine Armut an der Kleidung ansieht´, wie a Boarmräudl gihn.

boarsch
(kurzes oa) Adj. `barsch´. 1. wie litspr. `rau (Charakter), unfreundlich, grob, brüsk, schroff, rüde, herrisch´. - 2. `rau, (Haut der Hände) aufgesprungen´.

Boart m. Dim. Bartl (gedehntes a), Pl. Barte `Bart´. 1a. wie litspr.; de Kleene macht´ch benn Milchtrinkn enn Boart; Boart oabnahm `rasieren´; a stree´ch´n Boart `er strich sich den Bart, er freute sich heimlich´; RA: Dir warrn se´n Boart schunn oabnahm! `Dich werden sie schon klein kriegen´; RA: enn im Boart gihn `sich bei jmdm. anschmieren, einschmeicheln´; dr Boart is oab! `Schluss damit!´; dar Witz hoat schunn ann Boart `der Witz ist altbekannt´. - b. wie litspr. `Schnauzhaare best. Säugetiere (z.B. Katze)´. - 2. wie litspr. `unterer Teil des Schlüssels´. - 3. `etw. bartähnlich Zerfasertes, Aufgerissenes´. a. `der durch langen Gebrauch unregelmäßig breit geschlagene, gerissene Rand am Kopf eines Meißels od. eisernen Keils´. - b. `die unregelmäßigen Splitter u. Späne am Stamm eines gefällten Baumes´. - 4. `Borstgras (Nardus stricta L.)´, auch Ziegeboart, Ziegnboart, Wieseboart, Wiesnboart.

Boarth n. `Baruth (Ort der Gemeinde Malschwitz im °BZ)´; de Boarthschn `die Einwohner von Baruth´, Lautf.: Boaruth, de Boaruthschn.

Boarthlmä m. `Bartholomäi, Bartholomäus: Tag des Apostels Bartholomäus (24. August)´; im Volksglauben ein wichtiger Lostag (bes. bezogen auf das Wetter); zu Boarthlmä gitt dr Summer atzwä od. zu Boartlmie is dr Summer wieder hie. Lautf.: Boarthlmäe, Boarthlmie söSüdlausitz, Ostlausitz.

Boartkroatzer m. (Bihms Koarle) scherzh. `Barbier´.

boartln siehe boajttln!

Boartlode f. `Barthaar´; RA: jede Boartlode ennzln rausreißn.

Boartneegl n. `Rest eines Getränkes, den man in einem Trinkgefäß zurücklässt´.

Boartoabnahmer m. scherzh. `Barbier´.

Boartschoaber m. scherzh. `Barbier´.

Boarzl m. Westlausitz `abstehender hinterster Teil vom Geflügel; etw. Abstehendes´; Hihnerboarzl. Lautf.: Birzl Bühlau, Berzl, Barzl. Auch Boarzlch.

Boasche (kurzes oa) m. Westlausitz `Bursche´. Lautf.: Busche (kurzes u) verstr. Ostlausitz.

Boaschlch m. `Baschlik: Wintermütze (mit Ohrenklappen) für Männer´.

boaschln siehe poaschln!

Boaste siehe Boaaste!

Boaster m. Wittgendorf, Burkau dass. wie Boaaste.
Boaster m. siehe Poaster!

Boatoallche f. `Gruppe von Menschen, die umständlich hantieren´.

Boatoallcherei f. Dittelsdorf `umständliche Handlungsfolge´.

boatoallchn swv. refl. `bataillen: schwer und umständlich arbeiten; sich abmühen; sich balgen´; mit´n Kihn rimboatoallchn. Lautf.: batoallchn.

Boattas m. Niedercunnersdorf `großer, kräftiger, unbeholfener Mann´.

Boattl siehe Boajttl!

boattln
siehe boajttln!

Boatzn m. Batzen´. 1. veralt. `süddeutsche Silbermünze zu 4 Kreuzern´. - 2. übertr. a. `Klumpen, großes Stück´; ann Boatzn Fleesch; a verdinnt´ch ann schinn Boatzn Geld. - b.
a Boatzn `ein ziegelsteinförmiger Batzen, der aus einem Gemisch von Brikettabrieb, Braunkohlenabrieb, Reisignadeln und Wasser besteht, in Kästen gepresst, umgekippt, getrocknet u. zum Feuern verwendet wird´. - c. Dim. Batzl (Niedercunners-dorf) od. Baazl (Wittgendorf) `Braunkohleklumpen, gepresste Kohle in der Form eines Ziegelsteines (Vorläufer des Briketts), Brikett´; a Fuder Batzl fern Winter kumm lussn, a de Baazl gihn `in die Brikettfabrik arbeiten gehen´. Siehe Batzl! - 3. übertr. `freches Kind´. - 4. übertr. `Pers. mit besonderen, meist negativen Eigenschaften´; fauler Boatzn, herrlcher Boatzn `mäkliger Kerl´, liederlicher Boatzn, soischer Boatzn `geiziger Kerl´. Lautf.: Boaazn.

Boberz siehe Buberatsche!

Bodegroo n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Seifhennersdorf `Podagra: Gicht am Großzehengrundgelenk´; du tust oas hättst de´s Bodegroo `du tust als hättest du Schmerzen im Zeh, du hast schlechte Laune´, do koannst de ´s Botegroo kriegn `da kann man verrückt werden´. Lautf.: Bodegrau, Botegrau, Botegroo.

Bodn m. Dim. Bädl od. Beedl Südlausitz `Boden´. 1a. wie litspr. `unterste Fläche von etw.; dr Toaschnbodn is dupplt, dermit´r ne su schnell azwä gitt; doaas schlätt´n Foaaß ´n Bodn aus! `Jetzt ist es aber genug!´ - b. im Dim. dass. wie Esterch `Lehmmasse zum Schutze gegen Feuersgefahr´. - 2. `Erdreich´; wie Pilze aus´n Bodn schissn. - 3a. wie litspr. mnSüdlausitz, West- u. Ostlausitz `unbewohnter Raum unmittelbar unter dem Dach´; hoast de schunn uff´m Bodn Leine gespoannt? - b. `Flur im Obergeschoss´, dass. wie Soaal. Lautf.: Boon Westlausitz.

Bodnhaufm
m. `Komposthaufen´; uff´m Bodnhaufm wachsn Kirbse.

Bogn m. `Bogen´. 1. wie litspr. `gebogene Linie, Biegung´; in der Wendung dar hoat´n Bogn raus `der weiß, wie man es machen muss´; an grußn Bogn rausfliegn; gruße Bogn spuckn. - 2. in der Fügung a hoalber Bogn `ein halber Liter Schnaps´.

Bognseecher m. scherzh. bis vulgär `Junge´.

Bogstirne (gedehntes o) f. siehe Bookstirne!

Bohre veralt. f. `Bohra´, bis 1945 zum Kreis Lauban gehörender Ortsteil von Wilka östlich der Neiße, poln. `Borom´.

Boie f. nSüdlausitz, Westlausitz, Sächs. Schweiz, °ZI Reichenau `Wiege´; koannst de a bissl de Boie tschunkln?

Boiepfard n. Westlausitz `Schaukelpferd´. Lautf.: Boiefard Westlausitz.

Boijatz m. 1. `Bajazzo: Spaßmacher, Possenreißer, Hanswurst, Narr´. Diese volkstümliche Person mit großer roter Nase, zuckerhutförmiger Kopfbedeckung und im zweifarbig gekästeltem Kostüm durfte in keinem Festzug fehlen. Sie schlug auch mit einem Pappstreifen, einer Schweinsblase, einem Kleiesäckchen od. einer Peitsche auf die Zuschauer ein. - 2. übertr. gutmütig scheltend für ein `albernes, dümmliches Kind´. Lautf.: Baijatz Neugersdorf, Baijoatz Seifhennersdorf, Boijoatz °NOL Königshain, Baijas, Boijas.

boin swv. nSüdlausitz, Westlausitz, °ZI Reichenau `wiegen; ein Kleinkind in einer Wiege schwingend hin- und herbewegen, um es einzuschläfern´; de klenn Kinder warrn geboit.

Boinkurb m. Dim. Boinkerbl Westlausitz `Kinderkorb des Kleinkindes, der gewiegt werden kann´.

boislch siehe beuslch!

boisln siehe beusln!

Bongsl siehe Bungsl!

Boocht siehe Bucht!

Book m. Dim. Beckl, Pl. Becke Südlausitz, smOstlausitz `Bock´. 1a. wie litspr. `männl. Ziege od. Schaf´; a kimmt mit senn Book od. Bucke; zwee Ziegn und zwee Becke senn vier Oarschlecher und zwee Säcke. RA: dan stisst dr Book od. ´s Beckl `in das Schreien eines trotzigen Kindes mischen sich Schluchzer, krampfhaftes Schluchzen´; RA: A bindt sei Beckl oaa `er ist trotzig´; ann Book schissn `einen Fehler machen´; dar stinkt wie a Book, ´n Book zun Gaartner machn. - b. `Käfer´; Hulzbook. - 2. Schimpfwort für eine männl. Person; Mistbook, a guder Book `ein von den Frauen begehrter Mann´, aaler Book. - 3. `Nabe des Ackerwagenrades´. - 4a. `(Holz-)gestell unterschiedlicher Ausführung´; Saajgebook;  ´s Bierfassl loag an Kaller uff a poaar hilzern Beckln. - b. `Kutschersitz auf dem Pferdewagen´; uff´m Book od. uff´m Bucke sitzn! - 5a. `Turngerät´. - b. Bookspringn `Turnübung, bei der sich eine Pers. bückt und die andere drüber springt´. - 6. `das aus vier od. fünf Getreidegarben zuerst gesetzte Kernstück einer Puppe, an das die restlichen Garben gelehnt wurden´. - 7. der Book beim Kartenspiel (Skatspiel, Doppelkopf) zählt: a. doppelt; mer hoann noa zwee Becke. - b. achtfach; Kuntra, Reh und Book. Lautf.: Bock Westlausitz, Buck nOstlausitz.

bookbeench Adj. `bockbeinig: bockig, störrisch, widerspenstig, nicht gefügig´. Lautf.: book-, bock-, buck-, beench(t).

Bookerze (1.Silbe betont) f. siehe Buberatsche! Abernbookerze, Äpplbookerze.

Bookfaal n. auch Seifhennersdorf `Bockfell: Ziegenleder´

Bookfoarze Pl. in der Wendung du hoast Bookfoarze `du hast Hirngespinste, Schnapsideen im Kopf´. Lautf.: Book-, Buck-, Bock-, -foarze, -furze, -firze, -ferze, -farze.

bookladern Adj. 1. `aus Ziegenleder´; anne bookladerne Schirze. - 2. `unbeholfen, langweilig, steif´.

Booklodn Pl. 1. `Barthaare des Ziegenbocks´. - 2. übertr. °ZI Kemnitz `beim Hauen stehen gebliebene Grasbüschel; dünnes, hartes Gras, das sich schlecht hauen lässt´.

Bookmist m. `Bockmist: Unsinn, dummes Zeug´; do hoa´ch Bookmist gemacht. Lautf.: Bock-, Buckmist.

Booksäckl n. `kleine, flache Schnapsflasche, die man in die Tasche stecken kann´; niem oack ann Schlunk aus´n Booksäckl! Tu mer oack´s Booksäckl mit ann Neegl gemengter Preußlbeere filln! Lautf.: Booksackl, Bucksäckl, Bocksäckl Westlausitz.

Booksboart m. 1. `Wiesen-Bocksbart (Tragopongnom pratensis L.)´. - 2. Ohorn `dünnes, hartes Gras, das sich schlecht hauen lässt´. Lautf.: Bocksboart Ohorn, Bucksboart.

Bookseeche f. `Bockseiche´, übertr. `schlechtes, lauwarmes Getränk´; dei Koaffee schmeckt ju wie Bookseeche! Lautf.: Buckseeche, Bockseeche.

booksterrsch Adj. selt. Süd- u. sOstlausitz `bockstörrisch: stur, widerspenstig, nicht gefügig´. Lautf.: book-, buck-, bock-, -sterrsch, -stirsch.

Bookstirne f. `fransenartig in die Stirn gekämmte Haartracht, Ponyfrisur´; luss dr ne wieder anne Bookstirne schneidn! Das Wort könnte aber auch von Bogen abgeleitet sein.

Bookzodl siehe Zodl!

Boom m. Pl. Beeme, Dim. Beeml `Baum´. 1. wie litspr.; Äpplboom, Boomschare, Meeboom, Pflaumboom. RA: Dar kunnte Beeme ausreißn `der hatte große Kräfte´; RA: enn uff´m Boom brengn `jmdn. mit etw. in Wut bringen´. RA: ´n Buhsch ver Beem ne sahn. RA: Iech war dr larn, wu Boom wohnt! (Drohung); die wusste glei, wu Boom wohnt `die wusste gleich, dass er mit ihr schlafen will´; ´s is zun uff de Beeme klattern `es ist unglaublich´; dir warrn de Beeme ne an Himml wachsn `alles hat auch bei dir seine Grenzen´. - 2. `Stange, Rundholz Balken´. a. `Walze im Webstuhl, auf der die Kettfäden aufgewickelt sind´; Goarnboom, Kettboom. - b. `Walze im Webstuhl, auf die das fertige Gewebe aufgewickelt wird´; Woarn-, Leimd-, Wabboom. - c. Stangen u. Balken im bäuerlichen Bereich; z.B. Langboom. - 3. Boom als Grundwort in Zuss. mit übertrag. Bedeutung; Waterboom, Purzlboom.

Boomäle f. `Baumöl: Tafel-, Olivenöl´; Boomälfunzl, RA (derbe Androhung von Prügel): iech hoo dch od. schloi dch, bis od. doaaß de Boomäle seechst.

boomäln (gedehntes ä) swv. Neugersdorf `etw. mit Baumöl bzw. Harz ölen´; a kimmt oaagewetzt wie a geboomälter Blitz.

boomfleckch Adj. `baumfleckig: Flecke aufweisend, die am Baum, Strauch od. Stock entstanden sind´; mir hoann zwee boomfleckche Äpplsurtn an Goaartn.

Boomhaajkl m. selt. Südlausitz, Obercunnersdorf, Nordböhmen `Grünspecht (Picus viridis)´, auch Hulzhacker Crostau, Neschwitz. Lautf.: Boomhäkl Cunewalde, Boomhacker Ostlausitz.

Boomkrabsl n. Niedercunnersdorf `genussfertiges Backobst mit Brühe, meist getrocknete Birnen in süßer Soße mit Zimt und Zucker abgeschmeckt´.

Boomkuchn m. `Baumkuchen: ein schichtweise aufgebauter, turmförmiger, hohler und über offener Flamme gebackener Kuchen mit Schokoladenbutterkreme´. Den Namen verdankt er seiner hohen Form und den Schichten, die den Jahresringen eines Baumes ähneln. Lautf.: Boomkuche.

Boo(m)miezl n. dass. wie Poalmmiezl!

Boomoaffe m. Schimpfwort `Baumaffe´.

Boomreiter m. Großschönau `Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla)´; auch Boomrutscher Großschönau, Mausspechtl um Görlitz, Klatterspechtl um Görlitz.

Boomsaajgl n. `kleine Holzsäge´.

boomwulln Adj. `baumwollen: aus Baumwolle´; a hoat boomwullne Strimpe oaa. Lautf.: boomwilln Westlausitz.

Borbe siehe Burbe!

Borbs siehe Burbs!

Botnfrooe f. veralt. `weibl. Pers., die gegen Entgeld mit dem Tragkorb Besorgungen (auch in der Stadt) verrichtete´. Lautf.: siehe Frooe!

Botnluhn n. `Trinkgeld für einen Botengang od. eine Besorgung´.

Botnmoan m. veralt. `Botenmann: männl. Pers., meist ein Fuhrmann, der gegen Entgeld Besorgungen (in der Stadt) verrichtete´; a dar Zeit, wu noa keene Eisnboahn fuhr, stoand dr Botnmoan noa a Oaasahn. Lautf.: Botnmoann.

Braajglch m. `Person, die ausgiebig erzählt od. lautstark schimpft´.

Braajglguste
f. `klatschende weibl. Pers.´.

Braajglmauke f. Südlausitz `Kartoffelbrei mit in Fett geschmortem Salz´.

braajgln
swv. trans. u. intrans `brägeln´. 1. `(mit zischendem, prasselndem Geräusch) braten, schmoren´. - 2. `brüten, brennen (von der Sonne); luss dr ne ´n ganzn Tag de Sunne uff´s Kreuze braajgln! - 3a. `klatschen, schwatzen, ausgiebig erzählen, viel reden´. - b. `lautstark schimpfen, schelten´. Lautf.: brägln Westlausitz.

Braajglsaalz
n. `in zerlassenem Speck (Schmalz, Talg, Leinöl), (evtl. gebräunte Zwiebelwürfel) u. Mehl, unter Zusatz von Wasser od. Malzkaffee u. Salz´, wurde in der Notzeit als Zukost zu Pellkartoffeln oder als Butterersatz auf Brot gegessen, manchmal auch ohne Zwiebeln; zun Mittche gibbt´s ganze Abern und Braajglsaalz. Lautf.: Bräglsalz Westlausitz.

Braasch m. `(kurze u. lange) Unterhaltung, Gespräch, Schwätzchen´; mit´n Nubber iebern Gaartlzaum ann Braasch machn.

Braascherch m. Süd- u. Westlausitz `Schwätzer, Pers., die viel erzählt und quatscht´.

braaschn swv. `viel u. laut reden, wortreich u. prahlerisch erzählen, lange u. ausgiebig schwatzen, klatschen´; de Mutter braascht schunn anne gude Stunde mit dr Kräuterdurn; ausbraaschn `etw. weitererzählen, etw. verraten´.

Braat siehe Brat!

Braatsche f. Neusorge `Person, die viel quatscht´.

braatschn
sww. Süd- u. Ostlausitz dass. wie braaschn. Lautf.: praatschn Schlesien, Nordböhmen.

Brack(s) m. siehe Broacks!

Bräglgritze f. Peickwitz `gedämpfte Buchweizengrütze´.

Brahz siehe Braz!

Brame (gedehntes a) f. `Breme´. 1. ` Viehbremse: große blutsaugende Stechfliege´. - 2. übertr. `unsympathisches altes Frauenzimmer´.

Bramhoajn m. (veralt.) `Bremenhain (zur Stadt Rothenburg gehörender Ort im °GR)´; de Bramhoajner `die Einwohner von Bremenhain´.

Bramml m. Neu Sorge dass. wie Bremmer. Lautf.: Bremml Schlesien.

Brammlch m. dass. wie Brammlsaak!

brammln swv. 1. `leise; (unhöflich), unverständlich reden; murmeln; mit sich selbst od. verdrießlich vor sich hin sprechen´. - 2. `missmutig brummen, leise schimpfen, nörgeln, murrend kritisieren´; dar aale odersche Saak brammlt wieder woaas a senn Boart.

Brammlsaak m. `Person, die missmutig brummt od. leise schimpft´. Lautf.: Brammlsack.

Bramse (gedehntes a) f. `Bremse´ dass. wie Brame 1.; miech hoat benn Boadn anne Bramse gestoachn.

Brand m. 1. wie litspr. `Feuer, Feuersbrunst´. - 2a. landw. Fachsprache `Getreidekrankheit´. - b. `med. für `Wundbrand, Nekrose´. - 3. `starker, brennender Durst´. - 4a. Tautewalde, Burkau `böses, zänkisches Weib´. - b. Pl. Bränder Görlitz `ungezogenes, streitsüchtiges Kind´; die klenn Bränder zankn´ch wieder. Lautf.: Braand Westlausitz.

Brandflaajck m. Dim. Brandfleckl verstr. ` trockene, wenig ertragreiche, lichte Stelle im Acker, wo das Angebaute im Sommer aus Wassermangel zuerst verbrennt´. Lautf.: Brandfleck.

Brandkroattch n. 1. °BZ Sohland, Crostau, Weifa `Echtes Mädesüß ( Filipendula ulmaria)´. - 2. um Bautzen `Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis L.)´; auch Feuerkräutch wegen der blutroten Blut. - 3. `Großes Wiesenlabkraut (Galium album Mill.)´. Lautf.: Brandkräutch.

Brandkulbm m. Beiersdorf dass. wie Brandmeizl.

Brandluder n. Westlausitz `böse, zänkische Frau´; seine Aale is a Brandluder gewast. Lautf.: Braandluder.

Brandmeizl Pl. veralt. nwSüdlausitz, sWestlausitz `Rohrkolben (Typha latifolia)´.

Brandoder f. Prachenau, Särichen, Rietschen `Brandader´ dass. wie Brandflaajk.

Branntewein m. `Branntwein: die durch Destillation von Wein erhaltene Flüssigkeit mit erhöhtem Alkoholgehalt´.

Bränzl m. n. (Dim. von Broanz) 1. Süd- u. Westlausitz `kleiner verbrutzelter od. angebrannter Rest (in Töpfen, Tiegeln und Pfannen)´; de Bränzl rauskroatzn. - 2. Sächs. Schweiz Koaffeebränzl `Kaffeerändchen in der Kaffeekanne, abgesetzter Kaffee´. - 3. Westlausitz Milchbränzl `Milchhaut´. - 4. Schniebränzl Neukirch `Schneerest nach der Schmelze´; oan Buhschrande leit kee Schniebränzl mih.

Bränzlabern Pl. Obercunnersdorf, Cunewalde, Wehrsdorf `Bratkartoffeln´; de Bränzlabern wurdn a Inslte gebrutt `die Bratkartoffeln wurden in billigem Darmfett gebraten´. Lautf.: Bränzlabunn Leutersdorf.

bränzlch (kurzes ä) Adj. 1. `verbrannt, angebrannt (riechend, schmeckend)´; a bränzlcher Geruhch. - 2. umg. `bedenklich, gefährlich, kritisch, spannend´; doaas diche Dingk is mer zu bränzlch.

Bränzlschniete f. Obercunnersdorf `geröstete Brotscheibe, Brutzelschnitte´. Lautf.: Bränzlschnitte.

Brasch siehe Braasch!

Braschka m. Neulausitz `Brautwerber: Hochzeitsbitter´ (Lehnwort aus dem Obersorbischen).

braschn siehe braaschn!

Brat (gedehntes a) Pl. Brate, Dim. Bratl n. `Brett´. 1. wie litspr. `aus einem Baumstamm geschnittene flache Holzplatte´; Ufsoatzbratl. RA: a Brat ver´n Kuppe hoann `begriffsstutzig sein´. RA: a Steen an Brate hoann `Ansehen genießen´; a hoat lange uff´m Brate gelaajn `er musste wegen einer Rückenverletzung stockgerade im Bett liegen und durfte nicht aufstehen´. - 2. `aus einem Brett (oder mehreren) hergestellter Gebrauchsgegenstand´, z.B. Hietroibrat `Tablett´, Kuchnbrat, Mandlbrat `Rollbrett´, Ploattbrat `Bügelbrett´, Schneidebratl, Woaschbrat, Undersetzbratl. a. `Wandbrett od. einfaches hölzernes Gestell zur Aufbewahrung von Geschirr, Töpfen, Deckeln, Kochlöffeln; einfaches Holzregal´; ann Taller aus´n Brate nahm; Burd-, Wand-, Leffl-, Stirze-, Taller- u. Toopbrat; de Schicher fahltn an Brate. - b. schwoarzes Brat `Brett, auf dem Schulden angeschrieben werden´. - c. bes. Ostlausitz `Brett mit darauf befestigten Informationen, das von Haus zu Haus gegeben wird´; ´s Brat giht rim; Gemeen(e)bratl. - d. Pl. Dim. `Skier, Schneeschuhe´; iech hoa vun Chriskindl a Poaar neue Bratl gekrigt; iech fräh miech schunn uff´s Bratlfoahrn. - e `Spielbrett´. - f. `Bühne, Rampe, Estrade´. Lautf.: Dim. Brattl Oberlichtenau, Burkau.

Braterbude f. `Bretterbude´. 1. `aus Brettern bestehender Verkaufsstand auf Märkten´. - 2. `Holzschuppen´.

Braterwoajn m. `Bretterwagen: Arbeitswagen des Bauern mit schweren, herausnehmbaren Brettern an den Seiten und Aufsatzbrettern bei größeren Ladungen´.

Brathitsche, Bratlhitsche f. selt. Dim.  `primitiver, aus drei Brettern hergestellter kleiner Schlitten für Kinder´. Siehe auch Kasehitsche!

Bratl n. Dim. siehe Brat!

bratlch Adj. 1. `dünn und hart wie ein Brett (Kuchen)´. - 2. `steif, unbeweglich, hölzern (Pers.)´.

bratldirre Adj. verstr. `dünn wie ein Brett, sehr dünn (bei Personen); die bratldirre Frooe is meine.

Bratlfrooe f. Niedercunnersdorf Pl. Bratlweiber 1. `Frau, die das Kuchenrad betreibt´. - 2. `Bude mit Kuchenrad´.

Bratlgeign Pl. Neugersdorf, Oderwitz, Schirgiswalde scherzh. für `Holzpantoffeln´.

Bratlhuckst f. Eibau, °ZI Ebersbach `Leichenbegängnis mit ausschweifendem Leichenschmaus´; itz gih mer zer Koarln a de Bratlhuckst; fer die diche Bratlhuckst noa´n Leichnbegängnisse bie´ch goar ne zu hoann.

Bratlkuchn m. Seifhennersdorf, Leutersdorf, Hirschfelde `sehr flacher, trockener Kuchen´, meist `Zuckerkuchen aus Hefeteig u. mit wenig Fett´.

Bratlloaatsch m. meist Pl. Bratlloaatschn `Holzpantoffel´; a schloapt an Bratlloaatschn rim. RA: uff Bratlloaatschn loofm `lautstark angeben´. Lautf.: Bratlloattschn Ostteil der Oberlausitz.

Bratloarsch (gespr. Bratl-Oarsch) m. °BZ Neukirch, Weifa, Wehrsdorf scherzh. `Schornsteinfeger (wegen des durch Leder versteiften Gesäßes)´, Kindervers: Feuerriepl, Bratloarsch, iech schmeiß dr glei ann Steen oan Oarsch!

bratlsteif Adj. verstr. `steif wie ein Brett´; a loag bratlsteif a dr Windwäbe. Lautf.: bratsteif.

Bratmihle f. `Brettmühle: Mühle, in der Stämme zu Brettern zerschnitten werden; Sägewerk´; auch Bratschneide.

Bratschneide f. `Brettschneide: Sägemühle´.

Bratschneider m. `Brettschneider´. 1. `Pers., die von Beruf Sägemüller ist´. - 2. sWestlausitz, Schlesien `Libelle, die bei der Eiablage im Fluge die Wasseroberfläche mit ihrem spitzen Hinterleib wie ein Brett schneidet´.

Bratwoajn m. `Arbeitswagen des Bauern mit schweren, herausnehmbaren Brettern an den Seiten u. Aufsatzbretter bei größeren Ladungen´. Lautf.: Siehe Woajn!

Bräuer m. `Brauer: jmd., der das Recht hat, Bier zu brauen, od. es selber braut´.

Bräuerei f. `Brauerei´; die hoat ann Oarsch wie a Bräuereipfard.

bräun swv. 1. wie litspr. `Bier brauen´; Bier bräun, doaas Gebräue `das Gebraute´. - 2. übertr. `etwas Trinkbares herstellen´; Koaffee bräun; woaas hoast´n do zusoammgebräut?

Braunbier n. selt. `einfaches, bernsteinfarbiges Bier´; RA: aussahn wie Braunbier und Spucke `blass, ungesund aussehen´.

Braune  f. (veralt.) `Brauna (Ort der Gemeinde Schönteichen im °BZ)´.

braune Adj. wie litspr. `braun´; aus´n Urloobe ganz braune heemkumm; braune Butter `ausgelassene Butter´; brauner Zucker `Karamell od. Zucker u. Zimt´.

Braune f. siehe Oognbraune!

Braune m. f. Dim. Bräunl `braunes Pferd, braune Kuh, ein Tiername´.

Bräune f. 1. `Diphtherie´. - 2. `Kartoffelkrankheit´.

Braunheetl n. `Braunhäuptchen´, dass. wie Moaronl.

Braunkuppe f. `Pilz mit braunem Hut oder brauner Kappe´, dass wie Moaronl.

Bräunsdurf ohne Genus `Bräunsdorf (Dorf im nördlichen Osterzgebirge)´; in der Wendung: Wenn de su wettermachst, kimmst de noa Bräunsdurf `wenn du so weitermachst und dich nicht besserst, kommst du in die Anstalt für kriminelle Kinder´.

Brausch m. `Schaum, Blume auf dem Bier, Seifenschaum, Gischt´; dar macht ann Brausch a dr Woanne; a Bier muss richtchn Brausch hoann! Lautf.: Braus Neugersdorf.

brauschn swv. `schäumen´; ufbrauschn, ieberbrauschn;´s Bier brauscht mer an Summer zu sihre; ´s Bier brauscht uf.

Braut f. 1. `Frau an ihrem Hochzeitstag´. - 2. Verlobte, feste Freundin´.

Braut an Huhrn f. selt. `Braut in den Haaren: Schwarzkümmel (Nigella damascena L.)´. Lautf.: Braut enn Hoorn Königshainer Berge.

Braut an Kroanze f. Niedercunnersdorf dass. wie Braut an Huhrn.

Bräutcher m. nwWestlausitz `Bräutigam´.

Bräutchmer m. Steina dass. wie Bräutchn. Lautf.: Bräutchner Lawalde, Cunewalde, Bräutschmer.

Bräutchnerrickl n. `Gehrock des Bräutigams´.

Bräutchnerzeug n. Niedercunnersdorf `Kleidung, die der Ehemann zu seiner Hochzeit getragen hat´.

Bräutchn m. `Bräutigam´. 1. `Mann an seinem Hochzeitstag´; Bräutchnhosn. - 2. `Verlobter, fester Freund´; dr Gundl is dr Bräutchn oabgeruckt.

Bräutchnnille f. in der RA: meine Noase leeft wie anne Bräutchnnille `meine Nase läuft wie das Glied eines Neuvermählten´.

Bräutchnputtl n. `Penis des Bräutigams´, in der Wendung de Noase truppt wie a Bräutchnputtl.

Bräutchnrickl n. `Gehrock des Bräutigams´.

Bräutchnsträuchl n. Südlausitz `Blumen- od. Blätteranstecker, das der Bräutigam im Knopfloch trägt´; ´s Bräutchnsträuchl as Knupplooch steckn.

Brautfihrer m. `Brautführer: unverheirateter junger Mann, der im Hochzeitszug eine Brautjungfer begleitet´; de Brautfihrer und de Zichtjungfern hoalfm de zwee Brautfuder loadn.

Brautfrooe f. dass. wie Saalzmeste 2.

Brautfuder n. `(geschmückter) Wagen, der das Heiratsgut, die Mitgift der Braut ins neue Heim bringt; die Aussteuer der Braut für die Ehe´. Volksvers aus Oppach: Uff´m Barge stitt a klee Haus, do fährt mei Voater is Brautfuder raus, anne schimmlche Ziege, anne bucklche Kuh, die schenkt mer mei Voater, wenn´ch heiroat derzu.

Brautgerille n. Obercunnersdorf, Oberland, Ostlausitz `Brautgeröll´ dass. wie Brautfuder.

Brautjumpfer f. Dim. Brautjimpferchl `Brautjungfer: unverheiratete Freundin od. Schwester der Braut, die ihr, begleitet von einem Brautführer, im Brautzug folgt´. Es gibt zwei oder mehr Brautjungfern, wobei die 1. Brautjungfer, als Anwärter für die nächste Hochzeit, nach der Hochzeitsfeier der Braut den Brautkranz, Schleier u. Brautschmuck als Symbol der Jungfräulichkeit abnimmt und ihr die Frauenhaube aufsetzt.

Brautkoammer f. `Schlafgemach für die Hochzeitsnacht´.

Brautkranz m. Dim.: Brautkränzl od. Brautkranzl `Myrtenkranz, den die Braut zur Hochzeit als Kopfschmuck trägt´. Eine nicht mehr jungfräuliche Braut durfte früher keinen geschlossenen Brautkranz tragen. Regnet es der Braut auf dem Weg zur Trauung in den Brautkranz, so muss sie im Ehestand viel weinen. Regnet es aber beim Auszug aus der Kirche wird sie Glück und Geld haben.

Brautleute Pl. `junges Paar, das einen festen Hochzeitstermin hat´.

Brauträmpfl n. `erster Brotanschnitt vom Hochzeitsmahl od. vom ersten Brot im neuen Heim´ wurde aufbewahrt, damit das Brot niemals ausginge. Lautf.: Siehe Rämpfl!

Brautschau f. 1. umg. uff Brautschau gihn `ausgehen, um sich nach einer passenden Braut umzusehen´. - 2. Burkau `Zuschauen bei der Trauung in der Kirche´.

Braz (gedehntes a) m. 1. `Knall, wenn etw. od. jmd. geräuschvoll zu Boden fällt´; do goab´s ann murdsmäßchn Braz, und dr Boom loag do. - 2. Niedercunnersdorf `kurzer, heftiger Regenguss´; iech bie ann Braz reigekumm. - 3. Spitzkunnersdorf `Schlagseite durch Trinken´; ann Braz derwischt hoann.

braz Interj. `plauz´; braz, und dr schinnste Taller woar atzwä!

Brazerch (gedehntes a) dass. wie Braz.

brazdicke Adj. verstr. `sehr dick, sehr dicht´; de Fluckn kumm brazdicke runder.

brazdumm Adj. Südlausitz `sehr dumm´; a is brazdumm. Lautf.: bräzdumm Neulausitz.

Brazl f. `Brezel´. 1. `süßes, aus einer Teigrolle, etwa in Form einer Acht, geformtes Gebäck´ gedeutet als zwei ineinandergeschlungene od. gekreuzte Arme. Die Brezel wurde früher vorwieg. in der Zeit zwischen Dreikönigstag u. Gründonnerstag gebacken und war ein typisches Gebäck der Fastenzeit. Der Brezelmann, die Brezelfrau od. Kinder priesen halb singend auf der Straße die Brezeln an und bedienten dabei die Brezelschnarre; Zuckerbrazl; de Brazlfrooe od. dr Brazljunge bruchte seck de Brazln as Haus. RA: doaas gitt wie´s Brazlbackn `das geht sehr schnell´. - 2. übertr. abwert. `weibl. Person od. weibl. Tier (Kuh)´; die aale Brazl frisst ne mih.

Brazl f. Westlausitz `Ohrfeige´

Brazljunge m. `Junge, der mit den Brezeln hausieren geht´. Die Brezeljungen trugen die Brezeln in einem kleinen Wäschekorb, der mit einem Band od. Riemen um den Hals hing, vor sich her u. machten durch lautes Ausrufen u. durch das Drehen einer Brezelschnarre auf sich aufmerksam´.

brazln swv. (refl.) Westlausitz `brezeln´ 1. `sich breit und bequem niederlassen und laut und viel erzählen´; hiebrazln, dr Nobber hoatte schon dorte remgebräzlt. - 2. `ohrfeigen´. Lautf.: bräzln.

Brazlschnoarre f. `hölzernes Lärminstrument, mit dem der Brezeljunge sein Kommen ankündigt´. Vgl. Schnoarre!

brazn (gedehntes a) swv. 1. `heftig krachen, laut aufschlagen, laut fallen´; wie dr Kirbs vun Tische kullerte, toat´s aber brazn. - 2. Niedercunnersdorf `stark regnen u. dabei vom Aufschlag laut schallende Geräusche erzeugen, prasseln´; ´s Water brazte lus; hirrschte, wie doaas haußn brazt? - 3. Oderwitz `anfahren, anschnauzen´; a brazte miech oaa: „Wu is´n mei Geld hie?“ Lautf.: broatzn, proatzn (kurzes oa) Burkau.

Breche f. `Flachsbreche: Gerät zum Zerbrechen u. Zerkleinern der holzigen Teile des Flachses´.

brechn stv. iech brech(e), du briechst od. brichst, mer brechn, iech broach od. brooch, mer broochn, iech hoa gebroachn od. gebrachn (Schirgiswalde) `brechen´. 1. trans. a. wie litspr. `in zwei od. mehrere Stücke teilen´; ´n Hoals brechn. - b. `etw. (durch Brechen) lösen, abknicken´; woaas ieber´sch Knie brechn `etw. erzwingen, übereilen´. - 2. wie litspr. dr Oast is gebroachn. Lautf.: brachn Seifhennersdorf.

Breckl n. Dim. von Broackn `kleiner Brocken´; a Breckl od. a breckl `ein bisschen´. Siehe auch Brinkl! Lautf.: Brickl öOstlausitz.

breckln swv. dass. wie brinkln `bröckeln´; de Naacht hoot´s a bissl gebrecklt (Westlausitz) `die Nacht hat es etwas geschneit bzw. gegraupelt´.

breet Adj. bretter Oberland, breeter; oan brettstn Oberland, oan breetstn `breit´. 1. wie litspr. `von größerer Ausdehnung in seitlicher Richtung´; de Woare leit anderthoalb Meter breet, a Finger breet. - 2. `unter den Leuten bekannt, schon verbreitet´; de ganze Begabche mit Schusterhanse is schunn breet an Durfe. - 3. `ermüdet, erschöpft, abgespannt´; a leit uff´m Koanepee wie Kuche breet. - 4. `sprachlos, verblüfft, erstaunt, betroffen´; wie´ch doaas hirrte, war´ch breet.

breet foahrn stv. `breit fahren: mit einem Fahrzeug etw. verteilen, anliefern´; de Kohln breet foahrn.

breet machn swv. 1a. `etw. ausbreiten´; de Futterschäber breet machn. Siehe auch breetn! - b. `Geld verschwenden´. - c. `eine Neuigkeit, ein Gerücht verbreiten´; de Nubberschfrooe machte die Geschichte breet. - 2. refl. `sich übermäßig ausbreiten´; mach dch ne su breet an Koahne!

breet schloin stv. `breit schlagen´ 1. wie litspr. `etw. durch Schlagen verbreitern´; ´n Noajl breet schloin. - 2. umg. `jmdn. überreden, umstimmen´; luss dch ne wieder breetschloin vun Burgemeester! Lautf.: Siehe schloin!

breet schoarrn swv. `breit scharren´. 1. `durch Scharren etw. ausbreiten´; de Hihner hoann´s Bätl breet geschoarrt. - 2. übertr. `Geld verschwenden´; woaas iech heembrengn, schoarrt de Frooe wieder breet.

breetbeencht Adj. `breitbeinig´. Lautf.: breetbeench.

Breetcht f. selt. Südlausitz, Nordböhmen `Breite´; se is a de Breetcht gegangn `sie ist dick, korpulent geworden´.

breetdraschig Adj. Särichen dass. wie breetmahrch.

Breete f. `Breite´ 1. wie litspr. `seitliche Ausdehnung´. - 2. Großhennersdorf, °NOL Königshain `ein Stück Acker (Feld)´; uff die diche Breete kimmt Hoaber hie! Hofebreete `Gutsacker´.

Breetebarg m. `Breiteberg (Berg zwischen Hainewalde u. Bertsdorf im Landkreis Löbau-Zittau)´.

Breetebarghäuser Pl. `Häuser am Breiteberg (Ortsteil von Hainewalde im °GR)´; an Breetebarghäusern woar saltn de Schlipperschänke.

breetflähtschch Adj. dass. wie breetflähtscherch.

breetflähtscherch Adj. Niedercunnersdorf `viel herum sitzend, breites Gesäß besitzend, übergewichtig, füllig, träge, immer gierig auf gutes Essen, redselig, gesellig´.

Breethacke f. `Hacke (des Gärtners) mit breitem Blatt´; mit dr Breethacke a Damml machn. Auch breete Hacke od. Doammhacke.

breetkraajglch Adj. 1. `sperrig, auseinandergespreizt, weit verzweigt (von Bäumen, Sträuchern, Wurzelstöcken)´; dr aale Eechhurn sitzt breetkraajglch uff´m Ausruhgbänkl; doaas dichte breetkraajglche Zeug kinn mer ne su eefach furtschoaffm. - 2. `großtuerisch, überheblich´; a breetkraajglcher Dinkerch. Lautf.: breetkraglich.

breetn swv. iech breet(e), du brettst od. brittst, a brett od. britt, mer breetn, iech brette od. britte, mer brettn od. brittn, iech hoa gebrett od. gebritt (Wörter mit e Südlausitz, mit i Ostlausitz) `etw. bereiten´. 1. `können, vermögen, zustande bringen´; sull´ch dr halfm oder wirscht de´s breetn? Mit dann brettst de nischt `mit dem kannst du nichts anfangen´. - 2. `bekommen, zuziehen´; mit dann dichn Karln hoa´ch Droaasch gebrett; heuer breet mer Teebs uff unserSeite. Lautf.: brietn Ostlausitz.
breetn swv. Konjug. wie vorhergehendes V. `etw. ausbreiten, breit machen´; ´n Stoalmist an Firchln breetn; Futter breetn `halbtrockenen Heuhaufen mit der Hand breit werfen´; de Wäsche wird gebrett; mit ausgebrettn Oarm. Lautf.: brietn Ostlausitz.

Breetnch `Bretnig (Ort der Gemeinde Bretnig-Hauswalde im °BZ)´. Lautf.: Bretnch (kurzes e) Burkau.

Breetndurf `Breitendorf (Ort der Gemeinde Hochkirch im °BZ)´; de Breetndurfer `die Einwohner von Breitendorf´. Spitzname: Schmoalstoadt.

Breetseeche f. Zittau dass. wie Breetseecher.

Breetseecher m. Oderwitz `weibl. Pers., (die uriniert)´; meistens `(kleines) Mädchen´; friher huttn de Breetseecher ann Rook oaa, itze Hosn.

Breetwaajgerch m. `Breitwegerich ( Plantago major L.)´.

Bremmer
m. West- u. Ostlausitz, Nordböhmen, Schlesien 1. `Zuchtbulle, Stier´. - 2. übertr. a. `großer, kräftiger Kerl; Grobian´; doas woar a Bremmer vu ann Goastwirt. - b. Oberlichtenau `großer Kerl ohne Verstand, Dummkopf, Ochse´. Lautf.: Brammer, auch Bremml u. Bramml.

brengn unregelm. V. iech breng(e), du brengst, mer brengn, iech brucht(e), mer bruchtn, iech hoa gebrucht od. brucht `bringen´. 1. wie litspr. `etw. irgendwohin schaffen, tragen, jmdm. etw. übergeben´; dr Kloappersturch hoat woaas Kleenes (ge)brucht. - 2. wie litspr. `ein Lebewesen irgendwohin führen, begleiten´; de Monl brengt ihrn besuffm Harbert heem. - 3. wie litspr. `jmdn. zu etw. veranlassen, in einen bestimmten Gemütszustand versetzen´; brengn miech ne a Roaasche! - 4. wie litspr. (in Verbindung mit ´s od. is) `etw. erreichen, vorwärtskommen´; die hoat´s zu woaase gebrucht. mdal. besser: breetn. - 5. wie litspr. `erbringen, einbringen, Gewinn abwerfen´; de neue Handierche brengt o nischt. - 6. `aufführen´; woaas breng s´n fer a Stickl? - 7. `wegnehmen´; a hoat miech im oalls gebrucht.

brenn unregelmäßiges V. iech brenn(e), du brennst, a brennt od. bernt (bis 1900 um Zittau), mer brenn, iech brannte od. braante (Rammenau), iech hoa gebrannt od. gebraant (Ohorn, Oberlichtenau) `brennen´. 1. wie litspr. `in Flammen stehen, lodern´. - 2. `verheizen´; doaas troige Hulz brennt gutt. - 3. `leuchten´; de Funzl brennt aber triebe! - 4. wie litspr. `heiß scheinen´. - 5. `destillieren´; Schnoaps brenn. - 6. übertr.; mir brennt de ganze Loaffe vu dar Sunne heute `mir schmerzt das ganze Gesicht von der Sonne´; a brannt´n enn uffm Pelz `er schoss ihn an´.

Brenzl siehe Bränzl!

Brenzlabern siehe Bränzlabern!

brenzlch siehe bränzlch!

Bricher m. dass. wie Bricherch.

Bricherch (kurzes i) m. sWestlausitz, wSüdlausitz `nasse Stelle im Feld u. auf der Wiese, sumpfiges Gelände, Bruch´.

bricherch (kurzes i) Adj. 1. `brüchig, morsch´. - 2. sWestlausitz, wSüdlausitz `nass, sumpfig´.

Brickl n. siehe Brinkl!

Briederchl n. Dim. zu Bruder `Brüderlein´. Lautf.: Briederchn.

Briederhäuser Pl. `Brüderhäuser´ bis 1945 zur ehem. Amtshauptmannschaft Zittau gehörendes Dorf östlich der Neiße.

Brieftraajger m. `Briefträger, Postbote´; auch Pustbrieftraajger od. Pustbote.

Briesl n. (meist Pl.) mWestlausitz `Brösel: kleines Bröckchen, Krümel´; Sammlbriesl.

Brieslch m. öKürzung `Schnittlauch (Allium schoenoprasum L.)´, abgeleitet von der früheren Bezeichnung Presslauch. Siehe auch Schnittlch!

Briezl m. 1. scherzh. wohlwollend `kleiner, aufgeweckter, zu allerhand Streichen aufgelegter Junge; Lausbub´; die beedn Briezl liegn endlch a dr Foalle. - 2. abwert. `frecher, vorlauter Junge´.

Brihabern dass. wie Abernstickl! Lautf.: Siehe Abern!

Brihfoaaß n. `Brühfass´: scherzh. `Badewanne´.

brihheeß Adj. bes. Westlausitz `brühheiß´. 1. `sehr heiß, kochend heiß´. - 2. `aktuell, unverzüglich, auf der Stelle´.

brihn swv. `brühen´. - 1. wie litspr. - 2. Schirgiswalde dass. wie brotn 2.

brihwoarm Adj. `brühwarm: unverzüglich, auf der Stelle´; die hoat oalls brihwoarm ´n Schulmeester geklaffert.

Brillerch m. 1. `brüllender Ausruf, Aufschrei (von Menschen od. Tieren)´; se stist ann Bröllerch aus. - 2. `(männl.) Pers., die brüllt´.

brilln swv. `brüllen´. 1. `laut schreien, rufen´. - 2. `heftig weinen´. - 3. übertr.; dar brillt ver Dummheet.

Brillnklamper m. `Brillenklempner´, scherzh. `Optiker´.

Brillnscheede f. `Brillenscheide: Brillenetui´.

Brinkl n. selt. m. 1a. Südlausitz, sWestlausitz, Ostlausitz `Bröckchen, Krümel, Brösel, kleines Stück´; Brutbrinkl `Brotkrümel´, de Brinkl frassn de Sparrlche. - b. `kleine Stücke, Scherben, Einzelteile´; benn Hieschloin ging de Bulle a hundert Brinkl. - c. `Kleinigkeit´; kumm a klee Brinkl nähnder! - d. `kleine Schneeflocke´. - e. uff´s Brinkl `auf den Punkt´. - 2. Indefinitpron. a brinkl `ein bisschen, ein wenig, etwas´; kumm a eenzch Brinkl nähnder! - a. Adj. ´s macht a brinkl Oarbeit. - b. Adv.; mir gitt´s schunn wieder a brinkl besser; iech muss miech a brickl setzn. Lautf.: Brickl öOberlausitz, Schlesien.

brinklch Adj. `bröckelig´.

Brinklkuchn
m. Anton `ein Kuchen mit aufgestreuten Krümeln bzw. kleinen Stückchen, meist Streuselkuchen´. Lautf.: Brinklkuche.

brinkln swv. 1a. `in Krümel zerfallen, bröseln´; dr Kuchn brinklt. - b. `Krümel verstreuen´; du hoast´n ganzn Teppch vuhlgebrinklt. - 2. `wenig, fein schneien; wenig, fein graupeln´; ´s brinklt haußn.

Brittch m. Seifhennersdorf, Dittelsdorf `Person, die sich lange auf einer bestimmten Stelle aufhält, z.B.: Stubenhocker´; Kichnbrittche.

brittch Adj. 1. `zum Brüten neigend, brütend (von der Henne)´; uff´m Naaste sitzt anne brittche Henne. - 2. `angebrütet u. deshalb ungenießbar (Ei)´; de Ee-er senn brittch, die koannst de ne mih verneesn. - 3. `heiß, drückend, schwül´; mir bekimmt doaas brittche Water ne.

Brittche f. Seifhennersdorf dass. wie Britte.

Britte f. `(feuchte) Wärme, Schwüle´.

Britterch m. Neugersdorf, Dittelsdorf `Person, die sich lange in einem Raum aufhält´, Stubbbritterch `Stubenhocker´.

Brittgoans f. `Gans, die zum Brüten bes. geeignet ist´; dositzn wie anne Brittgoans `sich (am Tisch) breit machen´.

Britthenne f. `Bruthenne´; de Britthenne wurde brittch.

Brittlch m. Dittelsdorf, Ostritz dass. wie Britterch; Kichnbrittlch `Pers., die immer in der Küche ist´; Gurknbrittlch `Gurkenpflanze´.

brittn swv. `brüten´. 1. `auf Eiern sitzen, um Junge auszubrüten´; de Henne hoat de Ee-er ausgebritt. - 2. `heiß scheinen (der Sonne)´; de Sunne britt heut wieder. - 3. übertr. `über etw. nachdenken, grübeln´; derheeme sitzn und brittn is ne gutt.

broabbln swv. umg. `brabbeln: leise, unverständlich reden, lallen (Kleinstkinder), murmeln, mit sich selbst od. vor sich hin sprechen´, dr Papegei broabblt.

Broackn m. wie litspr. `Brocken: abgebrochenes, abgeschnittenes Stück unterschiedlicher Größe u. Form´.

broackn swv. `brocken: etw. (meist Brot, Semmel) in Brocken zerteilen, brechen´.

Broackei m. n. 1. `Brockein: in Kaffee, Milch od. Suppe eingebrockte Brot- od. Semmelstücke, nach Bedarf mit Zucker bestreut´. - 2. `zerbrochenes Backwerk´; an Kirbl hinne oack noa lauter Broackei hoann.

Broacks m. 1. (Bihms Koarle) `große Stücken, Brocken´; uff´m Doamme loag dr Broacks. - 2. Niedercunnersdorf `etw. Wertloses, Untaugliches, Zerbrochenes; Brockein´; an Bäckerauto woar oack noa Broacks. Lautf.: Broacksch; Bracks Schirgiswalde, Brack Niedersteina.

broammerch Adj. dass. wie broamstch.

Broamst f. Sächs. Schweiz `drückende Hitze, Schwüle´.

broamstch Adj. Sächs. Schweiz `drückend heiß, schwül´; in Steenbruche woar´sch dowerch und broamstch. Lautf.: bramstch, broanstch, auch broammerch Westlausitz.

Broanz (kurzes oa) m. Pl. Bränze, Dim. Bränzl 1. `angebrannte, angekrustete, vertrocknete Rückstände in Töpfen u. Geschirr´. - 2a.`schlechtes, missratenes, (angebranntes) oder schnell zubereitetes Essen´; Buttermilchbroanz. - b. übertr. `liederliche, misslungene Arbeit; Ausschuss´; dann Broanz koannst de glei an Ufm steckn. - 3. Neugersdorf, °BZ Sohland a. d Spree `klebriger, angekrusteter Schmutz am Körper, an der Kleidung, z.B.: Harz, Teer´. - 4. Neusalza-Spremberg, Neukirch,  Westlausitz `harter Kotfleck am Fell der Kuh, Kotklümpchen an den Schenkeln der Kuh, Kruste des Kuhfladens´; Kuhdreckbränze Sächs. Schweiz; dicke Bränze schwimm an Hitteluche rim. - 5. Westlausitz `Milchhaut´, auch Milchbroanz od. -bränzl. - 6. Großschönau. Jonsdorf `Brei´. - 7. `Prahlerei, Angeberei´.

Broanzer m. 1. öSüdlausitz `Pfuscher´. - 2. umg. `Angeber, Prahler´.

broanzn swv. Südlausitz 1. abwert. `braten, kochen, Essen zubereiten´; woaas hoat oack unse Kechn do wieder zusoammgebroanzt. - 2. übertr. `pfuschen, (liederlich, unprofessionell) eine Arbeit verrichten´; ´n ganzn Tag hoat´r rimgebroanzt, aber gihn tutt´s immer noa ne. - 3. `aufschneiden, prahlen, angeben, protzen´.

Broass siehe Proass!

Broche (gedehntes o) f. `Brache: ruhendes, unbebautes Ackerland´; Kliebroche.

Brochland (gedehntes o) n. dass. wie Broche.

Brodn m. `Brodem: Dunst, Dampf (in der Küche u. Waschhaus)´.

Brosse siehe Brusse!

Brotabern Pl. `Braterdbirnen: Bratkartoffeln´. Lautf.: Brotabunn Neugersdorf, Brotardboarn Westlausitz Brotabbern nOstlausitz.

Brotabunn Pl. Seifhennersdorf `Braterdbohnen: Bratkartoffeln´.

Brotäppl m. `Bratapfel´; de Brotäppl singn und zischn an Ufm. Lautf.: Brotoappl.

Brotaribbl Pl. Schirgiswalde `Braterdäpfel: Bratkartoffeln´.

Brotharch m. Pl. Brotharche `Brathering: Gericht aus gebratenen marinierten Heringen´.

Brotharchbichse f. `Bratheringbüchse (aus Blech)´.

Brotn m. `Braten: größeres zum Braten bestimmtes od. gebratenes Stück Fleisch´; RA: ´n Brotn richn `etw. im Voraus merken; ahnen, was gespielt wird´.

brotn swstv. iech brot(e), du bruttst, a brutt, mer brotn, iech brutte, iech hoa gebrutt (msöSüdlausitz) od. gebrotn (übrige Oberlausitz) 1. wie litspr. `braten´; de Grußemutter brutte groade Wurscht; Weihnachtn, Ustern, Pfingstn und zer Kirmst koam woaas Gebrutts uff´m Tiesch; gebrutte Pilze; gebrutte Ee-er `Spiegeleier´; de Mutter macht zun Obde Abern und gebrutte Zwibbln; ann Schurb gebruttn Fiesch. - 2. Nordböhmen `heiß werden (von feuchtem Heu, das lange Zeit im Haufen steht), in Gärung übergehen, verfaulen´; ´s Futter tutt brotn.

Brotpfoanne f. `Bratpfanne´.

Brotrihr n. `Bratröhre´, siehe Rihre 2a!

Brotrihre f. `Bratröhre´, siehe Rihre 2a!

Brotsaalz n. mnOstlausitz dass. wie Braajglsaalz.

Brotwurscht f. `Bratwurst: Wurst aus gehacktem od. gemahlenem Schweinefleisch´.

brr Interj. `Zuruf an das Zugvieh, wenn es stehen bleiben soll, `halt!´.

Brudersuhn m. `Sohn des Bruders: Neffe´.

Brudertoachter f. `Tochter des Bruders: Nichte´.

Bruhch m. Pl. Briche 1a. in der Wendung a de Briche (kurzes i) gihn `entzwei gehen´. - b. `etw. Zerbrochenes´; dr Kuchn woar oack Bruhch; miech hoann se uff´m Bruhch uperiert. - 2. `Falte´; lä oack ´n Stuff wieder an aaln Bruhch! - 3. `Steinbruch´; mei Voater hoat an Bruche geschurwarkt. Lautf.: Bruch Westlausitz.

Bruhch n. m. Ostlausitz `Moor, feuchte Wiese, sumpfige Niederung´; Bruchwiese, ha ging eis Turfbruch Boatzn streichn. Lautf.: Bruch (kurzes u).

Bruhchbude f. `Bruchbude´. 1. `(ärmliches) Haus am Steinbruch, in dem sich die Arbeiter in der Pause aufhielten und aßen´. - 2. übertr. `baufälliges Haus, ärmliche Hütte´.

Bruhtschl n. selt. sSüdlausitz `Saugkalb, Kälbchen´.

brumm swv. `brummen´. 1. `einen langgezogenen, tiefen Laut von sich geben´. - 2. `etw. leise u. undeutlich vor sich hin sprechen, murmeln; murren, zänkisch sein´. - 3. in der Wendung mir brummt dr Schadl, Nischl, Kupp `ich habe starke Kopfschmerzen´. - 4. `eine Haftstrafe absitzen´; a muss drei Juhre brumm. - 5. RA: Woaas weg is, brummt ne mih `was weg ist, kommt nicht mehr zum Vorschein´.

Brumme f. Bühlau dass. wie Brummerch! Lautf.: Bromme Westlausitz.

Brummerch m. `Schmeißfliege (Calliphora erythrocephala) od. Hummel´.

Brummschnure f. Nordböhmen dass. wie Rumplschnure.

Brummsumsl f. 1. scherzh. `(großes) Insekt, das brummt und summt, z.B. Hummel od. Schmeißfliege´. - 2. übertr. abwert. a. `(kräftige) weibl. Person, Frauenzimmer´. - b. `Freundin, Geliebte´; anu hoat´r die diche Brummsumsl uff´m Hoalse! - c. `weibl. Pers., die jede Mode mitmacht´.

Brummuchse m. 1. `das männl., unbeschnittene Rind; Stier´. - 2. in der Wendung schlofm wie a Brummuchse. - 3a. `(alte), unleidliche, starrköpfige, wortkarge, dumme männl. Person´. - b. `Kind, das nicht folgt´.

Brumsl verstr. wSüdlausitz, West- u. Neulausitz dass. wie Brummerch.

brungsiern swv. `bestreichen von Ofentürchen, Bilderrahmen u. dgl. mit Gold- od. Silberbronze´.

brunzn swv. 1. Niedercunnersdorf, Hörnitz `urinieren´. - 2. Ostlausitz `furzen: einen Darmwind (laut) entweichen lassen´.

Brusse f. m. veralt. wSüdlausitz `Brosame: weiches Inneres vom Brot od. der Semmel; Brotkrume´. Lautf.: Brosse, Brose Westlausitz.

Brustboom m. `Brustbaum des Handwebstuhles´.

Brustkichl n. (meist Pl.) Jonsdorf, Schirgiswalde, Schlesien ` kleines halbkugeliges, farbiges Hustenbonbon, -plätzchen; Malzbonbon gegen Husten´. Vgl. Kichl u. Luftkichl!

Brut n. `Brot´. 1. `in Sachsen gemeinhin das aus Roggenmehl, Wasser u. Salz unter Verwendung von Sauerteig als Triebmittel gebackene Hauptnahrungsmittel´; RA: Dar is as Brut gewähnt `der kommt immer wieder heim´; Sprichwort: Fremd Brut is´n Kindern Samml `bei anderen Leuten schmeckt den Kindern alles besser´; RA: Dann is sei letztes Brut gebackn `der lebt nicht mehr lange´; RA: Dar sitzt nu ba Woasser und troign Brute `er ist eingesperrt und erhält Strafkost´; Bäcknbrut `feinere Brot vom Bäcker´, Hausbrut `gröbere Brot vom Hausbackofen´. - 2. übertr. `Einkommen, Lebensunterhalt´; a Luhn und Brut stihn; iech brauch´s ju ne zu Brute; dar hoat benn Bauern a hoartes Brut `schwere Arbeit´; Musicke is sei Brut; moanchmol toat´s goar zun Brute fahln.

Brutbauer m. Niedercunnersdorf `Bäcker, der Brot breit fuhr und für die Pferde etwas Feld besaß´.

Brutbichse f. `Brotbüchse´. 1a. wie litspr. - b. `runder od. langer Behälter aus Blech mit Deckel zur Aufbewahrung des Brotes für den täglichen Bedarf´. - 2. verstr. `(buntbemalter) Vorratsschrank zur Aufbewahrung des selbstgebackenes Brotes u. anderer Lebensmittel, der im Hausflur stand; Brotschrank´, auch Bruthäusl od. Speisekoammer!

Brutfieder m. wSüdlausitz, Burkau dass. wie Brutfiedl.

Brutfiedl n. 1. msöSüdlausitz, Ostlausitz `kleines, mundgerecht geschnittenes Stück Brot´. - 2. zwischen Löbau u. Bautzen `Eingebrocktes´. Vgl. Marte!

Brutfliege f. `Brotfliege: Letzte Stubenfliege, die sich während des Winters in der Wohnung hält und nicht getötet werden darf, damit das Brot im Hause nicht ausgeht (Volksglauben)´.

Brutharr m. Nordböhmen `Brotherr: Pers., von der man Geld oder Lebensmittel erhält; Arbeitgeber, Bauer, Fabrikant, Faktor, Meister´.

Bruthäusl n. msSüdlausitz `(bunt bemalter) Vorratsschrank zur Aufbewahrung des selbst gebackenen Brotes, anderer Lebensmittel und des Kleingeldes, der im Hausflur stand; Brotschrank´, auch Speisekoammer!. Besaß das Brothäusel ein Fliegengitter, wurde es auch Fliegnschränkl genannt.

Bruthickl n. Taubenheim `in Stoff eingebundene, meist aus Schnitten bestehende Tagesverpflegung der Fabrik- u. Steinarbeiter´; mit´n Bruthickl und ´n Koaffeekriegl uff Oarbeit gihn.

Bruthubl m `Brothobel: wie ein Krauthobel funktionierendes Küchengerät zum Schneiden von Brot´.

Brutkristl n. °NOL Königshain siehe Kristl!

Brutkurb m. Dim. Brutkirbl `Brotkorb´; euch war´ch´n Brutkurb hicher hängn `euch werde ich das viele und gute Essen od. den leichten Verdienst erschweren´.

Brutl n. `Brotel, Brötchen´. 1. `kleines rundes Hefebackwerk aus Weizenmehl´; Dreierbrutl, Mohbrutl, Pfenngkbrutl, Rusinknbrutl, Reformationsbrutl; RA: Dir wird schunn noa amol ´s letzte Brutl gebackn warn! `Du wirst noch deine gerechte Strafe erhalten!´. - 2. übertr. `etw. wie ein kleines rundes Brot Geformtes´; Gewiegtebrutl, Fleeschbrutl. - 3. übertr. `geschwollene dicke Stelle (am Körper)´; aus dann Wespmstiech is a Brutl wurn.

Brutloadn m. Lauba `Brotladen´, scherzh. `Mund mit Kauwerkzeugen´; irscht noa woaschn und´n Brutloadn putzn!

Brutmahl n. `Brotmehl: Roggenmehl´.

Brutmahlsuppe f. `Suppe aus Roggenmehl´.

Brutrahme f. siehe Rahme 2!

Bruträmpftl n.  `erster Brotanschnitt vom Hochzeitsmahl od. vom ersten Brot im neuen Heim´ wurde aufbewahrt, damit das Brot niemals ausginge. Lautf.: Lautf.: Brutämpfl, -rampftl, -rampfl, -rämfl, -rämftl; -rampl Westlausitz.

Brutsaak m. veralt., selt. `Brotsack: Frühstücksbeutel des Bauern´; dr Brutsaak is lädch `der Brotsack ist leer´. Ausruf: Do wurd Labm an Brutsacke! Lautf.: Brutsack.

Brutschisse f. `Brotschieber´. Siehe Schisse!

Brutschniete f. `Schnitte, Brotscheibe´. Lautf.: Brutschnitte.

Brutschrank m. West- u. Ostlausitz, Schirgiswalde dass. wie Bruthäusl od. Speisekoaammer.

Brutsuppe f. 1. `Suppe aus Resten alten Brotes´ zumeist unter Zusatz von Wasser, Salz, Pfeffer, (Knoblauch) u. etw. Fett zubereitet. - 2. Oderwitz `heißer, gesüßter Malzkaffee mit Brotstückchen aus Sauerteig´.

Bruttichl n. `Brottuch: Leinentuch, in dem das zur Feld- od. Waldarbeit mitgenommene Brot eingeschlagen wurde´; vgl. Eibindetichl od. Knipptichl!

Bruzlschniete f. `Brutzelschnitte: geröstete Brotscheibe´, auch Bränzlschniete u. Bähschniete. Lautform: Bruzlschnitte.

bubbern swv. `stark u. dumpf pochen, klopfen, schlagen; ungleichmäßiges, lautes Laufen des Motors´; dr Trakter bubbert; dei Harze bubbert aber! Auch: puppern. Lautf.: bibbern Neukirch.

bubch siehe pupch!

Buberatsche (gedehntes u und a) f. 1. `aus Brettern gebautes (leichtes) Gestell, Lattenregal (zum Aufbewahren von Obst, Gläsern mit Eingekochtem, Handwerkszeug); Verschlag, Horde (für die Lagerung von Kartoffeln)´; Abernbuberatsche. - 2. `Kartoffelrutsche´. - 3. Westlausitz Kallerbuwerzche `Kellergewölbe; Teil des Kellers, der durch einen Bretterverschlag (zur Aufbewahrung der Kartoffeln) abgeteilt ist´. Lautf.: Bubraatsche Niedercunnersdorf, Bubertsche, Boogerze (1.Silbe betont) °ZI Schönbach u. Cunewalde, Buworze Seifhennersdorf, Boberze, Buberze, Buberzche wSüdlausitz, sWestlausitz, Boberzch Frankenthal, Buwatsche, Buwerzch(e), Bowerzch(e), Buwerz, Buberz, Boberz, Bowerz, Boierz Ohorn, Boablaatsche, Buderze.

Buberzche siehe Buberatsche!

Buch n. Pl. Bicher (kurzes i), Dim. Bichl 1. wie litspr. - 2. meist im Pl. od. Dim. `durch Schleimhautfalten hervorgerufener Blättermagen des Rindes u. anderer Wiederkäuer´; de Bicher (od. Bichl) vu dr Kuhe (Kuhn) sein verstuppt.

Buchfihrche f. `Buchführung´; dupplte Buchfihrche.

buchn (kurzes u) siehe puchn!

Bucht f. 1. `verstreut umherliegende Abfälle´. a. `Getreidereste auf dem Feld, die nach der Ernte liegengeblieben sind´; Bucht dreschn, de Bucht zusoamm rechn. - b. `Heureste, die nach dem Einfahren liegen geblieben sind´. - 2a. urspr. `mit Buchtstroh (Abfallstroh) gefüllter (Stroh-)sack, primitives Strohlager auf dem Fußboden´; uff dr noaßn Bucht liegn. - b. übertr. `(improvisierte) Schlafgelegenheit, Notbett, Bett´; mach dch a de Bucht! Flihe eis Boocht setzn (Königshainer Berge). - 3. `eine Horde, Schar von (unerwünschten, hinterhältigen) Personen, meist Kinder; Gesindel´; de ganze Bucht sitzt wieder uff´m Kirschboome. Lautf.: Bocht Westlausitz, Boocht od. Poocht n. f. Ostlausitz, Schlesien, Buchte f. bzw. Puchte f. nOstlausitz.

Buchte f. Südlausitz `Bucht, Ausbuchtung, Straßenverbreiterung, abgegrenzter Raum, Verschlag für kleine Haustiere im Stall´; de Oaschetunn stihn a dr Buchte, Koarnicklbuchte. - 2. siehe Bucht! sWestlausitz, Nordböhmen `Schlafgelegenheit, Bett´; mit Fieber a dr Buchte liegn.

Buchte f. Südlausitz `Bäbe, Napfkuchen, Gugelhupf´, auch Babe oder Oaschkuchn.

Buchtl f. meist Pl. Buchtln `Dampfnudel: leichtes, süßes, festes, handtellergroßes, pfannkuchenförmiges Hefegebäck, das in der Pfanne bzw. im Tiegel gebacken wird´. Es kann mit Pflaumen od. mit Mohn gefüllt sein und wird gern mit Vanillesoße gegessen. Pflaum-, Moh-, Moarmeloadnbuchtl; frettch zun Mittche gibbt´s Buchtln. Vgl. Häfekluß!

Buchtlch m. wSüdlausitz u. Westlausitz `im Wachstum zurückgebliebenes, kränkliches Wesen (Kind, Haustier); Kümmerling´. Lautf.: Bochtlch mWestlausitz.

buchtlch Adj. wSüdlausitz, msWestlausitz `verkümmert, nicht gut entwickelt (bei Haustieren)´. Lautf.: bochtlch mWestlausitz.

buchtln swv. sWestlausitz `kümmerlich wachsen, im Wachstum stocken (bei Tieren u. Pflanzen)´. Lautf.: bochtln mWestlausitz.

buchtn swv. Zittauer Gebirge, Ostlausitz `verschwenden, verstreuen, verschütten, liederlich mit Geld umgehen´; tu oack ni su buchtn! Siehe auch bechtn!

Buchwaale `Buchwalde´ bis 1945 zum Kreis Rothenburg gehörendes Dorf östlich der Neiße, poln. `Bucze´.

buckch Adj. Schönau-Berzdorf `brünstig (Ziege od. Schaf)´.

Bucke f. (veralt.) `Hohenbocka (Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´; de Buckschn `die Einwohner von Hohenbocka´.

buckern siehe puckern!

Buckl m. 1a. umg. `Rücken´; RA: uff´m Buckl hoann `alt sein´; RA: ann Buckl machn wie a Saajgebiegl. RA: Du koannst mer´n Buckl runderrutschen! `Lass mich in Ruhe, es ist mir gleichgültig!´ Ihr kinnt mer´n Buckl ruffsteign od. mir kinnt´r uff´m Buckl steign! - b. in der Wendung enn ´n Buckl oabräum `jmdn. prügeln´. - c. `Verkrümmung der Wirbelsäule, krummer Rücken, Höcker´; de meestn Buhschmächer hoann vu dr schwerrn Oarbeit ann Buckl; de Koatze macht ann Buckl; RA: Doaas macht dr Koatze kenn Buckl `das ist weiter nicht schlimm´. - 2. `Unebenheit, Bergrücken, Hügel´. Lautf.: Puckl nOstlausitz.

bucklch Adj. 1. `mit einem Buckel behaftet, ausgewachsen´; breetbucklch, de bucklche Wiese `der Friedhof´. - 2. übertr., iron. de ganze bucklche Frenndschoaft, Freindschoaft od. Verwoandtschoaft `die gesamte, weit verzweigte, entfernte Verwandtschaft´. - 3. Oderwitz `wellig, hügelig, Blasen aufweisend´; ´s Blatl is vu dr Nässe ganz bucklch gewurn. Lautf.: pucklch nOstlausitz.

Bucklkurb m. `Tragkorb: der mit zwei Tragbändern auf dem Rücken getragene rechteckige, hohe Korb; Kiepe´. Lautf.: Pucklkurb nOstlausitz. Auch Troikurb!

buckln swv. 1. `eine schwere Last auf dem Rücken tragen´; a hoat de ganzn Hulzscheitl uff´m Äberbodn gebucklt. - 2. refl. `sich abmühen, plagen´; do koann´ch miech wieder buckln. - 3. `kriechen, sich unterwürfig zeigen´; a bucklte ver senn Äberschtn. Lautf.: puckln nöOstlausitz.

Bucklsaak m. °BZ Sohland `Rucksack´.

buckn swv. `bocken´ 1a. `brünstig sein (Ziege od. Schaf)´; fihr de Ziegehippe zun Book, amende buckt se heute! - b. übertr. vulgär `sexuell verkehren´; rimbuckn. - 2. `nicht weiterlaufen (z.B. Zugtiere, von einem Motor), störrisch u. widerspenstig sein, trotzen´; ´s Moatorroad buckt wieder `das Motorrad springt nicht an´.

Buckse siehe Buxe!

Bucksn siehe Buxn!

Buckshurn n. in der Wendung siech (ne) as Buckshurn join lussn `sich (nicht) unnötig täuschen lassen´.

Bucksn siehe Buxn!

Buddl n. `jmd., der die schmutzige Arbeit zu verrichten hat´; Dreckbuddl, ´s Buddl machn. Lautf.: Bujddl. Vgl. Puttl.

Buddlch m. Westlausitz dass. wie Buddl; ar mösste ´n Buddlch fer andre oabgan.

buddln swv. umg. 1. `(mit den Händen od. mit einem Gerät) in der Erde od. im Sand wühlen, graben, spielen´; ausbuddln, eibuddln. - 2. Hintere Sächsische Schweiz `leichte Arbeit verrichten, sich dauernd und ziellos beschäftigen´; doaas is aber a Gebuddl. Siehe auch buttln od. bebuttln! Lautf.: bujddln, buggln.

Buddlpoappe m. f. `nasser Sand od. nasser Straßendreck´. Siehe auch Puttlpoappe! Lautf.: Bujddlpoappe.

Bude f. 1a. `einfache Bretterbude als Verkaufsstand auf Wochenmärkten u. Jahrmärkten´. - b. abwert. `(altes, verkommenes, baufälliges) Haus; kleines, ärmliches Haus; Hütte´; war wird´n mei Häusl aale Bude heeßn? Braterbude `Holzschuppen´. - c. `primitive Hütte, nicht fachgerecht errichtete Wohnstätte od. Unterkunft aus verschiedenen Baumaterialien´; mer hoann an Busche anne Bude gebaut, Loob-, Schniebude. - d. abwert. `Fabrik, Betrieb, Arbeitsstätte´; jedn Murgn im sechse muss´ch a dr Bude oaafangn; Fleeschbude `Fleischerei´, Soaaftbude `Kelterei´. - e. umg. `möbliertes Zimmer´; RA: dar hoat de Barbl mit uff de Bude genumm `dar hat mit der Bärbel in seiner Wohnung Geschlechtsverkehr gehabt´. - 2. übertr. `weibl. Brust, Busen´; die hoat aber anne Bude droaa!

Budisse f.  veralt. `Budissa: Bautzen (bis 1868 offiziell Budissin; ehemalige Hauptstadt des Markgraftums Oberlausitz, Große Kreisstadt mit Kreissitz im °BZ)´; mer foahrn a de Budisse od. noa Budisse; de Budiss´schn `die Einwohner von Bautzen´; uff´m Budiss´schn od. Bautschn Moarcht gihn.

Budl n. (Dim. von Bude) `kleines Lebensmittelgeschäft, Kolonialwarenladen, überdachter Imbissstand, Wohnwagen, Geräteschuppen, Kabine; kleines, einfaches Gartenhaus´; dar verkeeft oack Bier, Fischlsammln und Knacker a senn Budl.

Buffl m. Bertsdorf, Neukirch, °NOL Königshain `unnahbare, grobe, eigensinnige Person´; du bist eemol immer su a Buffl.

buffln swv. °NOL Königshain `laut und grob reden, schimpfen, anfahren´; ´n Jungn oaagebufflt, buffl oack ne goar su rim!

Buhne f. Pl. Bunn od. Buhn `Bohne´. 1. wie litspr. `Gartenbohne (Phaseolus vulgaris L.), sowohl Pflanze als auch Frucht´; iech bie ganz narrsch uff griene Bunn mit Schepsnfleesch; weiße Bunn, rute Bunn, Feuerbunn. - 2. `Kaffeebohne´.

Buhrer m. Dim. Bährl, Bährdl, Bihrdl `Bohrer´.

buhrn swv. `bohren´. 1. wie litspr.; a Looch a de Wand buhrn. - 2. übertr. `hartnäckig forschen, drängen´; iech hoa anne ganze Wuche gebuhrt, ehb´r´sch mir gestoann hoat.

Buhrschdorf `Burkersdorf (Ortschaft der Stadt Ortrand im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Ruhlander Oberlausitz im Land Brandenburg)´; de Buhrschdurfer `die Einwohner von Burkersdorf´. Lautf.: Buhrschdurf.

Buhsch m., siehe auch Dim. Bischl, Pl. Bische `Busch´. 1. `(kleiner) Wald, Waldstück´; iech kumm aus´n Buhsch od. Busche (kurzes u); RA: Dar sitt´n Buhsch ver Beem ne; Hofebuhsch `Wald des Rittergutes´, Buhschmanner, Buhschweiber, Pfoarrbischl, Bauernbischl, Neums Buhsch od. Neums Bischl `Wäldchen des Bauern mit Namen Neumann´. Volksreim: An Busche haalt de Gusche!  - 2. Pl. Bische od. Bischer (kurzes i) `Strauch, Strauchwerk, Gebüsch´; wenn de su gruße Nut hoast, do gih hinder de Bische od. Bischer. Lautf.: Bosch (kurzes o) Westlausitz, Borsch Ohorn, Puhsch nOstlausitz.

Buhschbasn (kurzes u) siehe Burschtbasn!

Buhschbiesch, Buhschwiesch m. Spitzkunnersdorf, Oderwitz dass. wie Burscht(e)wiesch u. Burschtbasn!

Buhschfleesch n. °NOL Königshain `Buschfleisch: Pilze´.

Buhschklie m. selt. sSüdlausitz `Waldsauerklee (Oxalis acetosella L.)´.

Buhschl m. `Büschel: unbestimmte Anzahl von Halmen, Stängeln, kleinen Zweigen mit Blättern, Stauden, Haaren´; a Buhschl Lodn. Siehe auch Buhschlch u. Bischl!

Buhschlch m. (Bihms Koarle) `Büschel; Feder-, Faden-, Faser- od. Haarbusch´, a Buhschlch vu Huhrn.

buhschlch Adj. `büschelig, buschig, wirr, zerzaust, unordentlich (Haar)´; dar leeft immer su buhschlch rim. Lautf.: buschlch Westlausitz, wuschlch.

Buhschleute Pl. Ostlausitz, Hinterhermsdorf `Wald- u. Forstarbeiter im Staatsforst´. Lautf.: Puhschleute nOstlausitz.

Buhschlkupp m. Obercunnersdorf, Jonsdorf, Schirgiswalde 1. `Kopf mit wirrem, unordentlichem Haar´. - 2. `Pers. (meist Kind) mit einem Wuschelkopf´. Lautf.: Buschlkupp, -kopp Westlausitz.

Buhschmächer m. Süd- u. Ostlausitz `Wald-, Forstarbeiter im Staatsforst´. Siehe auch Hulzmächer! Lautf.: Buhsch-, Busch-, Puhsch-, -mächer, -macher.

Buhschminze f. selt. `Waldminze (Mentha silvestris L.), Rossminze (Mentha longifolia L.). Lautf.: Buschminze.

buhschn swv. `buschen: buschig werden´.

Buhschschoandoarm m. °ZI Ebersbach scherzh. `Buschgendarm: Eichelhäher´. Lautf.: Buschschandoarm.

Buhschsträ f. `Buschstreu: Streu aus Waldboden, Nadeln, Moos, Humus´ wurde in trockenen Jahren im Stall untergestreut, um Stroh zu sparen. Lautf.: Siehe Buhsch u. Sträh!

Buhschwanze f. 1. öSüdlausitz, auch Ober- u. Niedercunnersdorf, Ostlausitz `Beerenwanze (Dolycoris baccarum): eine Schildwanze, die von Beerensäften lebt u. durch ihr übelriechendes Sekret den Beeren einen widerlichen Geschmack verleiht´; gibb Achtche, doaaß de mit´n Heedlbärn keene Buhschwanze derwischn tust! RA: Dar frisst Buhschwanzn `der ist nicht ganz richtig im Kopf´. Auch Heedlbär- od. Bloobierwanze. - 2. selt. scherzh. `Sommerfrischler, Feriengast´. Lautf.: Puhschwanze Ostlausitz. Siehe auch Goalle 1b!

Buhschweiber Pl. `Waldarbeiterinnen: weibl. Personen, die im Walde bei der Forstverwaltung tätig sind und Kulturen setzen und pflegen´. Lautf.: Buschweiber, Puhschweiber.

Buhschweibl n. `Buschweiblein´. 1. `alte Frau, die im Wald Kleinholz für den eigenen Bedarf, aber auch Beeren u. Pilze für den Verkauf sammelt´. - 2. fiktive Gestalt aus der Oberlausitzer Sagenwelt. Es trägt gewöhnlich Holz in einem Tragekorb oder in der Schürze, auch wird es spinnend od. strickend im Busch, an Kreuzwegen und Feldrainen angetroffen; de Buhschweibl backn Kuchn, feuern od. koachn Koaffee `der Wald dampft nach warmem Regen´. Lautf.: Buschweibl, Puhschweibl Schlesien.

Buhst f. Südlausitz, sWestlausitz, Königshainer Berge `Bosheit: Starrsinn, Ärger, Wut, Zorn, Niedertracht´; ver Buhst koachn, dar loajcht de Buhst schunn aus´n Oogn.

Buhstlucke f. `Bosheitslocke: Haarsträhne od. Locke, die bei Erregung in die Stirn hängt´; unsn Klenn hingn de Buhstluckn as Gesichte.

Buhs(t)nickl m. Niedercunneresdorf, Seifhennersdorf `Person, die sich schnell erregt; Choleriker´.

Buhzlch siehe Buzlch!

Bujtte siehe Butte `freches Kind´!

Bukettl n. `Bukett: (Blumen)strauß´; Rusnbukettl, Brautjumpfernbukettl. Lautf.: Bugettl.

Bullchl n. Oberland 1. `Glasfläschchen mit langem Hals u. schwerem Boden für eine Portion Branntwein´. - 2. `kleine Schnapsflasche, die man in der Tasche bei sich trägt´. Lautf.: Bullchn übrige Oberlausitz, Bollchn Westlausitz.

Bulle f. `(kugelförmige, bauchige) Flasche (meist für Schnaps)´.

Bullerchl n. 1a. `Harnblase, Urinausscheidungsorgan´; setz dch ne uff de kaaln Steene, do kenntst der´sch Bullerchl verkihln! - b. `das Wasserlassen´; a Bullerchl machn. - 2. Weifa `Kugel (in der Mitte oft mit Wattebausch)´.

Bullerchsaalz n. `doppelkohlensaures Natron (Medizin gegen Aufstoßen und Sodbrennen)´; ´s Bullerchsaalz wullde ne oaaringn.

bullern swv. `urinieren´; Kind: "Vati, iech muss amol bullern!"

Bullersäckl n. Niedercunnersdorf, Oderwitz 1. kindl. `männl. Glied ´. - 2. `kleines Kind, das unkontrolliert uriniert´. Lautf.: Bullersackl Burkau.

bulln swv. `urinieren´.

Bulzn m. `Bolzen´. 1. `stabiler Metall- od. Holzstift zum Verbinden von Metall u. Holzteilen´. - 2. `Geschoss für die Armbrust´; RA: ann Bulzn raushoon `etw. Unangemessenes sagen´; RA: ann Bulzn schissn `etw. Verkehrtes machen´.

bulzn swv. umg. `bolzen: ohne System, hart u. regelwidrig (Fußball) spielen; lustlos u. wütend eine Arbeit verrichten´.

bumäle (kurzes u) Adv. selt. `von Natur aus phlegmatisch, langsam, träge, schwerfällig, behäbig´, auch pumoadch.

Bumberdone n. `Bombardon (Basstuba)´.

bumbern swv. 1. `hörbar schlagen, dumpf dröhnen, donnern, poltern´; ´s wumpert und bumbert; a de Koammertiere bumbern; dr Zug bumbert ieber de Bricke. Vgl. pimpern! - 2. `laut pochen´; dei Harze bumbert aber laut!

Bumbhutt siehe Pumphutt!

Bumboass m. `Teufelsgeige´.

bumfiedln swv. enn bumfiedln 1. `jmdm. schmeicheln, lobhudeln´; du musst seine Bätl lobm, do fuhlt´r´ch gebumfiedlt `du musst seine Beete loben, da fühlt er sich gelobt, geehrt´. - 2. in der Wendung iech war dr woaas bumfiedln! `Dir werde ich keinen Gefallen tun!´

Bummer m. Dim. Bummerchl `etw. Dickes, Unförmiges´. 1. `dicke Frucht´. - 2. `großes Tier (Insekt)´. - 3. `dickes, strammes, gesundes Kleinkind´; unse Kleene is a Bummerchl gewurn.

Bummeranze f. `Pomeranze´. 1. `Frucht des Pomeranzenbaumes´, die etwas bitterer schmeckt als die Apfelsine. - 2. scherzh. `dicke Frau´. Lautf.: Pumeranze.

Bummerch m. `ein dumpfes, dröhnendes Geräusch (von einem Aufschlag)´.

Bummfissl n. Ober- u. Niedercunnersdorf `Bovist: Stäubling; Gattung weißer kugelförmiger Pilze, aus denen nach der Reife beim Zusammendrücken Sporenstaub entweicht´. Lautf.: Bummfuß °ZI Ebersbach, Bofissl, Bumfissl, Bofussl, Bommfissl, Bofuß Böhmisch Kamnitz (Nordböhmen), Buhnfuß Friedland (Nordböhmen).

Bummfuß m. siehe Bummfissl!

Bumml
f. 1. `etw. Baumelndes: Bommel, Troddel, Quaste´; a dr Pudlmitze baumlt anne Bumml. - 2. `kleiner Schwanz, Nase´. Lautf.: Boamml Westlausitz.

Bummlmitze f. `Mütze mit einer Bommel´. Lautf.: Boammlmitze Westlausitz.

bumoadch siehe pumoadch!

Bums m. 1. umg. `dumpfes Geräusch, Knall´. - 2. kinderspr. `(lauter) Darmwind, Furz´; iech hoa ann Bums gelussn; dar hoatt ann Kloaps und siebm Bumbse Dittersbach `dar ist nicht normal´. - 3. leicht abwert. uff´m Bums gihn `öffentliches Tanzvergnügen besuchen´. - 4 `Kraft, Wucht´; in der Wendung do is Bums derhinder. Lautf.: Bumbs.

Bumskulbm m. Dittelsdorf `Bambuskolben: Rohrkolben (Typha), Teichkolben´; oas Kinner hoann mer Bumskulbm gereechert. Siehe auch Teichmuhze u. Koarnonputzer!

Bumsl (kurzes u) n. `kleines (rundes, unbedeutendes) Lebewesen; kleine Frucht, kleiner Gegenstand, kleines Bonbon´; die klenn Bumsln, doaas sulln Abern senn?

bumsloo Adj. `lauwarm (von Flüssigkeiten)´; ´s Boadewoasser is oack noa bumsloo. Lautf.: bumslau.

Bumsmusicke f. abwert. 1. `Blasmusik, unmoderne Musik´. - 2. `laute, dumpf dröhnende, moderne Tanzmusik´.

bumsn swv. 1a. `dumpf dröhnen, poltern, laut (mit einem Gewehr) schießen´. - b. `(gegen etw.) stoßen, schlagen, laut klopfen´. - 2. kinderspr. `Darmwind erzeugen, furzen´; ´s stinkt ju su, war hoat´n dohiede gebumst? - 3. umg. abwert. `Geschlechtsverkehr haben´.

Bundringk m. (meist im Pl.) `Eisenband, das das Vorderende beider Deichselarme des Wagens umschließt´.

Bundwark n. `Bundwerk: Füllung der Zwischenräume im Balkengefüge des Fachwerkhauses´. Sie besteht aus senkrecht eingesetzten Latten, die mit zopfähnlichen Gebilden aus einer Lehm- und Strohmischung durchflochten sind. Die Oberfläche ist häufig mit einfachen Kratz- od. Strichmustern verziert, Andreaskreuze, Bänder, Gittermuster treten als Motive auf. Als Werkzeuge dienten Finger, Stäbchen od. Holzkämme. Das Bundwerk wurde spätestens seit Beginn des 19. Jahrhunderts durchgängig mit Kalkmörtel verputzt. Auch Bindwark.

Bungsl n. `Bonbon, Zuckerzeug´; Bungsl senn ne gutt fer de Zähne. Lautf.: Bongsl.

Bunnkoaffee m. `Bohnenkaffee´. Lautf.: Bunnkoaffi, Buhnkoaffee Ostlausitz.

Bunnkraut n. `Bohnenkraut (Satureja hortensis)´; auch Pfafferkraut. Lautf.: Buhnkraut Ostlausitz.

Bunnkroattch n. dass. wie Bunnkraut. Lautf.: Bunn-, Buhn-, -kroattch, -kroitch.

Bunnstange f. Dim. Bunnstängl `Bohnenstange: Stützstange für die Gartenbohne´; die sitt aus wie anne Bunnstange. Lautf.: Buhnstängl.

Bunnstruh n. `Bohnenstroh: trockenes Kraut der Bohnenpflanze´; dar is su groob od. dumm wie Bunnstruh. Lautf.: Buhnstruh.

bunt Adj. 1. wie litspr. `aus mehreren Farben bestehend´. - 2. `farbig, nicht weiß´; murne hoa`ch Buntes od. is Bunte `morgen wasche ich Buntwäsche´.

buntkoariert Adj. in der Wendung a de Buntkoariertn `ins Bett´.

Bunzl n. 1. `Bunzlau´, poln. `Boleslawiec´. Stadt am Bober in Schlesien, seit 1945 zu Polen gehörend. Bunzlau ist berühmt durch seine Töpferwaren. - 2. `Jungbunzlau´, tsch. `Mlada Boleslav (Nordböhmen)´; a Bunzl kriegt mer Bier.

Bunzl (nur im Pl.) verstr. 1. `dicke, grobe Hausschuhe aus Filz, Stoff, Bast od. geflochten´; auch Bunzl-, Bunsl-, -schicher od. -schuhe. - 2. Rietschen `Büschel (schmutziger) Fasern´. Lautf.: Bunsl, Punsl nOstlausitz, Filzbunzl Weifa `Hausschuhe aus Filz´.

bur Adj. 1. `bar, bloß´. - 2. `pur: rein, lauter, unverfälscht, unverdünnt´; nimm oack ne oalls fer bure Minze.

Burbe f. Dim. Burbl 1. selt. Seifhennersdorf, West- u. Neulausitz `kleines aufgewecktes Mädchen im Alter von zwei bis vier Jahren´. - 2. `kleiner, dreister Junge´. Lautf.: Borbe Steina, Pulsnitz.

Burbs m. selt.`kleines Kerlchen (meist Junge)´; du kleener Burbs koannst enn leed tun. Lautf.: Borbs Westlausitz.

Burdbraat n. Niedercunnersdorf, Neugersdorf, Schlesien `Bordbrett: Tellerbrett (über der Stubentür)´.

Burde (kurzes u) f. (veralt.) `Borda (zur Stadt Reichenbach gehörender Ort im °GR)´; de Burdschn `die Einwohner von Borda´.

Burg m. in der Wendung uff Burg hulln `borgen´.
Burg m. 1. Dim. Burgl, Birgl, Bargl, Bergl `Barg: verschnittenes männl. Schwein´. - 2. `Spaltleder vom Schwein, innere Schicht der gegerbten Schweinshaut´. Lautf.: Birg, Boarg. Siehe auch Birgl!
Burg f. 1. wie litspr. - 2. Niedercunnersdorf, Wittgendorf a. `erhöht stehendes Haus, Wohnung in einem erhöht stehenden Haus´; de Burg is oabgebrannt. - b. `Wohnung über dem Stall´; die wohn uff dr Burg.

Burgemeester
siehe Birgemeester!

Burgl n. siehe Birgl!

burgn swv. `borgen: verleihen, entleihen´; Sprichwort: Burgn macht Surgn, Wiedergan, sauer sahn. RA: Besser burgn oas wie Schuldn machn.

Burke f. (veralt.) `Burkau (Ort u. Gemeinde im °BZ)´; de Burkschn od. Burker `die Einwohner von Burkau´; Burksch `Burkauer Ortsmundart´. Lautf.: Burge, Borke Westlausitz, Borge Westlausitz.

Burkschdurf `Langburkersdorf (Ortsteil von Neustadt/Sa)´; de Burkschdurfer.

Burl, Burler siehe Birl!

Burn (kurzes u) m. Dim. Birnl od. Bernl (kurzes e) Pl. Berner `Born´. 1. `offener Schöpfbrunnen, (eingefasste) Wasserquelle´; Spraaburn, Guldburn, Schissburn, Honchburn, Ziegeburn; Sprichw.: Jeder Burn scheppt´ch amol aus. - 2a. `Trinkwasser, frisches Quellwasser´; gatt mer oack a Neegl Burn! - b. Bernl `Rinnsal mit frischem Wasser, Brunnenauslauf´; iech hoa aus´n Bernl getrunkn `ich habe fließendes Quellwasser getrunken´. - 3. `Behälter zum Trinkwasserholen´. Lautf.: Born Großröhrsdorf Westlausitz.

Burnhäusl n. `Schutzdach bzw. Umkleidung eines Brunnens´.

Burnickl (kurzes u) m. n. msöSüdlausitz 1. `Gerstenkorn: mit einer Schwellung verbundene eitrige Entzündung einer Hautdrüse am Augenlid´. - 2. übertr. Spitzkunnersdorf `in Reststücke eines zerplatzten Luftballons hineingepustete Luftblase´; ís Burnickl uff´m Steene zerknattschn. Lautf.: Barnickl, Bernickl, Boarnickl, Hurnnickl, Wernickl mOstlausitz, Warnickl.

Burnkresse f. 1. `Brunnenkresse (Nasturtium officinale R. Br.)´, jeds Juhr zun Grinndurschtche ass mer Burnkresse zun Brute. - 2. `Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara L.)´. Lautf.: Burnkrasse.

Burnmächer m. `Brunnenbauer´. Lautf.: Burnmacher.

Burnständer
m. `Wasservorratsbehälter aus Steinzeug, verpichtem Holz od. emailliertem Blech, auf drei kurzen, starken Holzfüßen, mit Deckel u. mit Vorrichtung zum Ausschütten im Dunkeln´ stand in der Küche od. im Hausflur.

Burnus m. veralt. `Überrock, (dicker) Mantel, warme lange Jacke´; dr Kutscher hutte ann langn Burnus oaa mit blankn Kneppm und ann Zylinderhutt uffm Kuppe.

Burnwiesl n. 1. `kleine Wiese mit Brunnen oder Quelle´; gitt oack as Burnwiesl Woasser huln! - 2. übertr. Ruppersdorf `Urinausscheidungsorgan bei Frauen, bes. Mädchen´.

Burnwoasser n. dass. wie Burn 2.

Burschtbasn (kurzes u) m. `Handbesen mit kurzem Stiel´. Lautf.: Buscht- u. Buschbasn (Jonsdorf), Borschtbasn (Schirgiswalde); Bosch- (Westlausitz), Buschbasn (Oberlichtenau).

Burschte (kurzes u) f. `Borste´. 1a. wie litspr. `steifes, dickes Haar (bes. beim Schwein)´. - b. nur im Pl. scherzh. `(steifes) Kopfhaar des Menschen´. - c. `steifes, (synthetisches) Haar an Besen und Pinseln´; RA: dar hoat Lodn wie Basnburschtn. - 2. `widerspenstiges, eigensinniges Kind´; du, Burschte, sullst doa ne schunn an Frihjuhre boarbsch gihn! - 3. Siehe Birschte! Lautf.: Boarschte, Boorschte Schlesien.

Burscht(e)wiesch m. 1. `Handbesen mit kurzem Stiel (zum Ofenkehren)´; Drohtburschtewiesch `Drahtbesen zum Ofenrohrereinigen´; derno koannst de oalls mit´n Buschbische ufkährn; Stänglburschtwiesch `langstieliger Besen aus gebundenem Stroh ´. - 2. übertr. a. `(weibl.) Pers., mit wirrem, unordentlichem Haar´. - b. Bühlau `unartiges, widerspenstiges Kind´. Lautf.: Burscht-, Buhsch- (Spitzkunnersdorf), Busch-, Borscht-, Bosch-, -wiesch, -wisch, -biesch, Burschbiesch (Großschönau), Borschtwiesch (Schirgiswalde), Buschbiesch (Oderwitz, Seitendorf bei Zittau) Boschtwisch (Steina), Burschtwisch (Sächs. Schweiz).

Burschtnbinder (kurzes u) m. `Borstenbinder, Bürstenbinder; Handwerker, der Bürsten bindet und feilbietet´; a suf wie a Burschtnbinder. Auch Birschtnbinder. Lautf.: Borschtnbinger Westlausitz

Burte f. `Borte: gewirktes, gemustertes Band zur Verzierung von Textilien (Posamentierarbeit)´; de Foahne is mit Franznburte eigeseemt.

buschbern siehe pischpern!

Buschbiesch siehe Burscht(e)wiesch!

Buschjumfer f. verstr. mwWestlausitz `Eidechse´. Lautf.: Buschjumpfer, -jungfer.

Buschlbettl siehe Bischebettl!

Buschlkind siehe Bischekind!

Buschlkurb siehe Bischekurb!

buschln (kurzes u) siehe bischln!

Bust siehe Buhst!

Buttch m. 1. `Bottich: großes Daubengefäß´; Woaschbuttch. - 2. übertr. großer Topf, Kübel, Tonne´; iech hoa dr ann Buttch Tee gekoacht; Sprichwort: ´s hoat moanchmol a klee Schirbl miher zuwaajge gebrucht oas wie a grußer Buttch. - 3. Neukirch, Burkau, Hinterhermsdorf `Bauch´, neben Bittch. Genungk an Buttche hoann `viel gegessen od. getrunken haben´.

Butte f. Dim. Buttl 1. `an zwei Bändern auf dem Rücken zu tragendes hohes, schmales Gefäß, das aus Holzdauben oder aus Zinkblech gefertigt ist´ wurde in der Landwirtschaft zum Transport von Erde, Mist, Jauche und Kunstdünger, auf dem Bau zur Beförderung von Kalk und Steinen verwendet. Jauche- od. Jauchnbutte, Koalkbutte. - 2. bis ca. 1900 `aus sechs Fichtenholzspänen gefertigtes Gefäß, in das Kienruß eingegossen wurde´. Die Butte war Verpackung und Maßeinheit für Kienruß. Sie wurde meist im Ganzen zum Kauf angeboten. Der Kienruß fand Verwendung bei der Herstellung von Stiefelschmiere und Ofenschwärze; Rußbutte. - 3a. Niedercunnersdorf `verschließbarer Kaffeekrug (der Bergleute)´; koach mer oack anne Butte Koaffee! - b. Milchbutte `Milchkanne´. - c. Buttl Burkau `kleines Gefäß für Flüssigkeiten´. - 4. übertr. `dicker Bauch´; unse Kuhe hoat´ch ju anne schiene Butte oaagesuffm. Lautf.: Botte Westlausitz. Vgl. Puttl!
Butte f. Dim. Buttl, Pl. Buttn `(freches) Kind´; de Nubberkinder, doaas senn euch a poaar Buttn! Lautf.: Bujtte Oberland, Spitzkunnersdorf.

Butterbarg m. `Butterberg (Berg bei Bischofswerda)´. Lautf.: Botterbarg Westlausitz.

Butterblume f. 1. ganze Oberlausitz `Hahnenfuß (Ranunculus acris)´. - 2. verstr. `Löwenzahn (Taraxacum officinale)´. - 3. `Sumpfdotterblume (Caltha palustris)´, auch Schmirgl, Schmirglblume od. Butterschmirgl.

Butterbrinkl n. nOstlausitz dass. wie Butterklimpl.

Butterfiedl n. Süd- u. Ostlausitz `Butterklümpchen, Butterabschnitt´; a Fiedl Butter.

Butterfischl n. selt. 1. Süd- u. Ostlausitz `Elritze´. - 2. Süd- u. Ostlausitz `Schmerle´.

Butterfleckl n. `Butterflöckchen´. 1. Niedercunnersdorf `kleines Stück Butter, Butterklümpchen´. Sie werden der Suppe beigegeben od. auf den frischen Kuchen verteilt. - 2. dass. wie Butterklimpl.
Butterfleckl n. `Butterpflaster´. Siehe Butterpfloaster!

Butterflucke f. dass. wie Buttergrießl.

Butterfoaaß n. Dim. Butterfassl `mit Reifen umspanntes Holzfass zur Butterherstellung´. Lautf.: Butter-, Botter-, -foaaß, -foass.

Butterfrooe f. `Butterfrau: Händlerin, die Butter an bestimmten Tagen bei den Bauern aufkaufte und auf Märkten oder durch Hausieren an die Verbraucher verkaufte´. Lautf.: Butterfroo Ostlausitz, Botterfroaa Westlausitz, Botterfrau Burkau.

Buttergloacke f. `Butterglocke: flaches, kreisrundes Gefäß mit einem glockenförmigen Deckel zur Aufbewahrung der Butter´.

Buttergrießl n. (nur im Pl.) dass. wie Butterklimpl.

Butterkließl n. (nur im Pl.) Burkau dass. wie Butterklimpl.

Butterklimpl n. `kleines Klümpchen, das beim Buttern anstatt Klumpen bei zu hoher Temperatur im Fass entsteht´.

Butterkrieml n. dass. wie Butterklimpl. Lautf.: Botterkrieml Oberlichtenau.

Butterlamml n. um Görlitz dass. wie Butterschafl.

Buttermilch f. wie litspr.; RA: Du kimmst mer schunn wieder amol a mei Durf noa Buttermilch! `Dir werde ich noch deine Unfreundlichkeit auf angemessene Weise vergelten!´

Buttermilchbabe f. Südlausitz `Pfannengebäck (3 bis 4 cm hoch) aus Buttermilch, Mehl u. Eiern´.

Buttermilchblieml n. 1. verstr. Südlausitz, Ober- u. Niedercunnersdorf `Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)´. - 2. selt. sSüdlausitz `Buschwindröschen (Anemone nemorosa)´.

Buttermilchbroanz m. Wehrsdorf dass. wie Buttermilchbabe.

buttern swv. 1a. `Rahm zu Butter verarbeiten´. - b. `Essen mit (viel) Butter zubereiten´. - 2. `viel Bewegungsspielraum haben, gewähren od. in Anspruch nehmen´; ausbuttern, butter ne drinne rim! - 3a. `in etw. viel Zeit, Arbeit, Geld hineinstecken, (unberechtigt) viel geben, investieren´; die hoann ann schinn Pfenngk as Häusl vun Klenn gebuttert. - b. `dem Partner beim Kartenspiel hohe Punktwerte (viel Augen) auf seine überlegene Karte zugeben´; ihr gitt wull zusoamm, du tust mer goar su vill buttern od. reibuttern!

Butternissl n. meist Pl. 1. Ostlausitz `kleine Butterstückchen mit Zucker zu einem bräunlichen Bonbon verbrutzelt´. - 2. Anton übertr. `kleine Perlen´.

Butternudl f. `Butternudel´; ein beliebtes Gericht: Butternudln und Reecherwurscht.

Butterpfloaster n. `Butterpflaster: mit ungesalzener Butter bestrichenes Leinentuch, das bei Erkältungskrankheiten auf die Brust gelegt wird´.

Butterplätsche (kurzes ä) f. Dim. Butterplätschl Ostlausitz `schmales, beidseitig mit Rillen versehenes ca. 35 cm langes Brett mit Griff, womit die Butter nach dem Auswaschen geschlagen wurde, um sie von restlichen Wasser zu befreien´.

Butterschafl n. `in zweiteiliger Holzform gepresste Butter in Gestalt eines hockenden od. liegenden Schafes´ häufig mit rotem Bändchen verziert , die Augen aus Pfefferkörnern, die Ohren aus Buchsbaumblättern; beliebt als Geschenkbeigabe u. ländlicher Tafelschmuck bei Hochzeiten od. zu Ostern.

Butterschmirgl m. 1. verstr. Südlausitz `Sumpfdotterblume (Caltha palustris)´, siehe Schmirgl! - 2. verstr. `Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)´.

Butterschwenke f. msSüdlausitz bes. Art eines Butterfasses (Schaukelfass), auch Purzlfassl.

Butterschniete f. `mit Butter beschnittene Brotscheibe´. Lautf.: Butterschnitte.

Butterstirl m. dass. wie Butterstoamper 1. Vgl. Stirl!

Butterstoampe f. dass. wie Butterstoamper.

Butterstoamper m. 1. `Stock mit gelöcherter Holzscheibe, der im Butterfass auf und ab bewegt wird´. - 2. `Butterfass mit Stock u. Holzscheibe zum Buttermachen´.

Butterstoarle f. Westlausitz dass. wie Butterstoamper 1. Vgl. Stirl! Lautf.: Botterstoarle Oberlichtenau, Butterstoarlerch Burkau.

Buttertipsl
n. dass. wie Butterklimpl.

Butterweckl n. 1a. `Butterrest beim Formen, der kein Stück mehr ergab u. im eigenen Hause verbraucht wurde´. - b. `abgeteiltes Stück Butter für eine Mahlzeit´. - c. `Stück Butter´. - 2. `Butternapf: Holzgefäß, in dem die frische, ausgewaschene Butter geformt wurde´. Lautf.: Putterweckl nOstlausitz.

Buttl f. n. Görlitz, °NOL Wiesa `kleine flache Flasche, die mit Schnaps gefüllt in die Jackentasche gesteckt u. zur Arbeit mitgenommen wurde´; a Buttl ei de Toasche steckn. Siehe auch Butte!

Buttl n. siehe Puttl!

buttln swv. `jmdn. mit viel Hingabe und Hilfeleistung verwöhnen, hegen, liebevoll pflegen, versorgen´, besser bebuttln. Siehe auch buddln!

Buttvll f. Großschönau `eine Butte voll´; iech hoa anne ganze Buttvll Koaffee gekoacht. Vgl. Butte!

Buz (gedehntes u) m. Dim. Buzl (gedehntes u) auch Kosename `Butz: kleines, (dickes) Kind; Nesthäkchen´; unser Buz hoat blooe Guckl.

Buze (gedehntes u) f. Dim. Buzl (Jonsdorf), Biezl, Biezschl (Seifhennersdorf), Biezlschl (Neugersdorf) `Pickel´; Eiterbuze. Lautf.: Butze (kurzes u) Schirgiswalde. Siehe auch Blietl!

Buzlch (gedehntes u) m. dass. wie Buz; a klenner Buzlch mit fimf Juhrn.

Buzn (gedehntes u) m. Niederoderwitz (Obersächs. Wb.) dass. wie Buze.

Buwerzche siehe Buberatsche!

Buxe f. sSüdlausitz, Ostlausitz `Box: eingezäunter Weideplatz (in der Nähe des Gehöftes)´; mer senn mit´n Bratl de Bitterchbuxe nundergefoahrn `wir sind mit den Skiern den Weideplatz vom Bauer mit Namen Bitterlich hinuntergefahren´.

Buxn f. abwert. `Buxen, Buxe: (aus der Form geratene) Hose´. 1. für Männer a. `(Arbeits)hose´. - b. `Unterhose´; iech hoa vun Chriskindl a Poaar Buxn gekrigt `ich habe zu Weihnachten eine Unterhose bekommen´. (1 Paar für ein Kleidungsstück führt auf die Entstehung des Kleidungsstücks aus zwei Strümpfen zurück). - 2. `Frauenunterhose, Schlüpfer´.